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Die Rolle der Physiotherapie im Rahmen des Schmerzmanagements. Eine evidenzbasierte Komponente?

Abstract

Narrativer Überblick über der Rolle der Physiotherapie und evidenzbasierte Hintergründe zu Möglichkeiten und Grenzen im Rahmen der Behandlung akuter und chronischer muskuloskelettaler Schmerzsyndrome.
Die Rolle der Physiotherapie im Rahmen des Schmerzmanagements.
Eine evidenzbasierte Komponente?
Bernhard Taxer, MSc, PT
FH JOANNEUM Graz (Kontakt: bernhard.taxer@fh-joanneum.at)
Physioaustria Bundesverband der PhysiotherapeutInnen Österreichs (FN Schmerz)
Mittels eines narrativen Überblicks der Literatur werden die Kompetenzen,
Möglichkeiten aber auch die Grenzen der physiotherapeutischen tigkeit mit
akuten und chronischen Schmerzpatienten dargestellt.
Welche Rolle spielt die Physiotherapie im Rahmen des
Schmerzmanagements von akuten und persistierenden Schmerzsyndromen?
Was sind die evidenzbasierten Vorgehensweisen?
Hintergrund und Ziele
Fragestellung Methoden
Schmerz ist eines der häufigsten Leitsymptome weshalb PatientInnen ÄrztInnen aufsuchen, die diese dann
zur Physiotherapie überweisen. Internationale Leitlinien empfehlen vor allem bei unspezifischen
muskuloskelettalen Beschwerden ein physiotherapeutisches Management als primäre Herangehensweise
um daraus resultierende, funktionelle Beeinträchtigungen zu beeinflussen und im besten Fall zu
vermeiden.Wesentlich ist dabei eine Abklärung möglicher gefährlicher Pathologien, sogenannter Red
flags(Lewis & O´Sullivan, 2018).
Durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Schmerz bzw.Schmerzverarbeitung wurde das
Bild des Phänomens „Schmerz“ noch vielfältiger und komplexer, was sich auch im Zuge des Clinical
Reasoning Prozesses widerspiegelt.Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung evidenzbasierter
Vorgehensweisen der physiotherapeutischen Arbeit mit akuten und chronischen SchmerzpatientInnen.
Ergebnisse
PhysiotherapeutInnen arbeiten sowohl in der akuten Schmerzversorgung, sei es im perioperativen,stationären Setting oder nach akuten Verletzungen im ambulanten
Rahmen, als auch mit PatientInnen,welche von persistierenden Schmerzsyndromen betroffen sind.Die vorliegende Evidenz zeigt in kontrollierten, randomisierten
Studien und auch in systematischen Übersichtsarbeiten eine dementsprechende Datenlage, welche für den frühzeitigen Einsatz therapeutischer Interventionen im
akuten Rahmen spricht.Dies spiegelt sich auch in internationalen Leitlinien zur Versorgung muskuloskelettaler Beschwerdebilder wider.
Bei PatientInnen mit chronischen muskuloskelettalen Beschwerden ist die Physiotherapie vor allem als ein Teil des multimodalen Managements mit Hintergrund des
biopsychosozialen Ansatzes zu betrachten.Das bedeutet, dass Physiotherapie alleine nur bedingte, langfristige Ergebnisse erzielen kann.Allerdings tragen dominant
aktiv-orientierte und gezielte edukativ-gestützte Therapieprogramme wesentlich zu einer Reduktion des passiven Copingverhaltens der Betroffenen bei, explizit auch
bezogen auf eine Reduktion der Medikamenteneinnahme.Ziel der physiotherapeutischen Arbeit sollte aus diesem Grund ein begleitender Ansatz sein mit dem Ziel
durch individuelles “Coaching” PatientInnen in ihrer Adhärenz und damit in ihrem Aktivitätsniveau zu fördern.
Schlussfolgerungen
Evidenz für Einsatz passiver
Modalitäten im Rahmen akuter
neuro-muskulo-skelettaler
Geschehen zumeist nur als
additive Behandlung zu aktiven
und edukativen Maßnahmen
(Hall et al, 2017; Koller, 2019)
Beachtung der
Wirkmechanismen passiver
Anwendungen auf
Biomechanischer
Neurophysiologischer
Kognitiv-affektiver
Ebene
(Bialosky et al, 2018; Schmid, 2013)
Graded Activity:
Steigerung der Belastung
bzw. Aktivität
Graded Exposure:
Hintergrund des Abbaus von
Angst-
Vermeidungsverhalten
(Macedo et al, 2010; Bowering
et al, 2013)
Neurophysiologische
Schmerzedukation:
Präoperativ, akut
Persistierendes
Geschehen
Additiv zu aktiven
Maßnahmen
(Louw et al 2013 und 2016;
Thalhamer, 2018)
Übungsinduzierte
Hypoalgesie:
= endogene Modulation
nozizeptiver Vorgänge
(moderates bis hohes
Ausdauer- und isometrisches
Krafttraining)
(Vaegter et al, 2014;
Nijs et al, 2015)
Edukative Maßnahmen
Neurophysiologische Schmerzedukation
“Explain Pain”
Edukation zu allgemeiner Aktivität und
Bewegungsverhalten
Life-Style Modifikation (Ernährung, Schlaf,
etc.)
Motivationale Gesprächsführung
Aktive Maßnahmen
Trainingstherapie
Entspannungstherapie (Yoga, MBSR,…)
Wahrnehmungsschulung
Cognitive Functional Therapy
Graded Motor Imagery
Work Hardening & Functional Restoration
Acceptance & Commitment Therapy
Passive, assistive und aktive Maßnahmen
Manualtherapeutische Maßnahmen
Myofasziale Techniken (Triggerpunkt, Muskulatur, Faszien)
Neurodynamische Mobilisationstechniken
Massage, Lymphdrainage, physikalische Anwendungen
Edukation: Kommunikation bzgl. Heilungsverlauf, Belastung und
Belastbarkeit
Evidenz PT AKUT Evidenz PT CHRONISCH
Allgemein:
Schmerzreduktion
Steigerung der Belastbarkeit
Erfassung und Erreichen funktioneller Ziele
Frühzeitiges Screening psychosozialer Risikofaktoren
Allgemein:
Individuelle Therapie bzw. Begleitung
Starke Berücksichtigung der Kommunikation / Interdisziplinarität
Weniger Schmerzreduktion als vielmehr Wiedererlangung funktioneller Ziele
Lewis, J., & O’Sullivan, P. (2018). Is it time to reframe how we care for people with non-traumatic musculoskeletal pain? British Journal of Sports Medicine,52(24), 15431544.https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-099198
Louw, A., Zimney, K., Puentedura, E. J., &Diener, I. (2016). The efficacy of pain neuroscience education on musculoskeletal pain: A systematic review of the literature.Physiotherapy Theory and Practice,32(5), 332355.https://doi.org/10.1080/09593985.2016.1194646
Nijs, J., Lluch Girbés, E., Lundberg, M., Malfliet, A., & Sterling, M. (2015). Exercise therapy for chronic musculoskeletal pain:Innovation by altering pain memories.Manual Therapy,20(1), 216220.https://doi.org/10.1016/j.math.2014.07.004
Schmid, A. (2013). Wie beeinflusst Manuelle Therapie den Schmerz? manuelletherapie,17(04), 162167.https://doi.org/10.1055/s-0033-1356788
Sun, E., Moshfegh, J., Rishel, C. A., Cook, C. E., Goode, A. P., & George, S. Z. (2018). Association of Early Physical Therapy With Long-term Opioid Use Among Opioid-Naive Patients With Musculoskeletal Pain.JAMA Network Open,1(8), e185909.https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2018.5909
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