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Sprache und Leib

Authors:
Jasmin Donlic/Georg Gombos/Hans Karl Peterlini (Hrsg.)
Lernraum Mehrsprachigkeit
Verö entlicht mit Unterstützung des Forschungsrates der
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der Fakultät für
Kulturwissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
In Zusammenarbeit mit
DRAVA VERLAG • ZALOŽBA DRAVA GMBH
9020
Klagenfurt/Celovec, Gabelsbergerstraße 5
Telefon +43(0)463 501099
of ce@drava.at
www.drava.at
Copyright © dieser Ausgabe 2019 bei Drava Verlag
Klagenfurt/Celovec
Alle Rechte dieser Ausgabe vorbehalten
ISBN 978-3-85435-846-6
ISBN 978-88-7223-335-1
Jasmin Donlic/Georg Gombos/Hans Karl Peterlini (Hrsg.)
LERNRAUM
MEHRSPRACHIGKEIT
Zum Umgang mit Minderheiten- und
Migrationssprachen
DRAVA VERLAG
Inhalt
Vom Önen der Räume – ein Vorwort 7
Theoriebausteine 10
Sprache und Macht – Hans Karl Peterlini 11
Sprache und (hybride) Identität – Jasmin Donlic 27
Sprache und Bildung – Hans Karl Peterlini 40
Sprache und Biographie – Georg Gombos 60
Sprache und Leib – Hans Karl Peterlini 74
Sprache und systemisches Denken – Georg Gombos 92
Perspektive Minderheitensprachen 106
Miha Vrbinc
Slowenisch lernen wollen – und können
Durchgängige und nachhaltige zweisprachige Bildung
(Slowenisch-Deutsch) im Kärntner Schulwesen. Ein Überblick 107
Georg Gombos
Zwei- und Mehrsprachigkeit früh fördern
Sprachpädagogische Arbeit in elementarpädagogischen
Einrichtungen im Kontext von autochthonen Minderheiten am
Beispiel der Kärntner Slowenen 123
Hans Karl Peterlini
Wenn Vielfalt Raum bekommt
Unterrichtsmomente und Lehr-Lern-Erfahrungen an der
slowenisch-deutschsprachigen Modellschule VS24 in
Celovec-Klagenfurt 144
Roland Verra
Überleben zwischen den großen Kultursprachen
Zur Geschichte, Lage und Zukunsfähigkeit der ladinischen
Sprache 169
Luca Melchior
Ein Steinchen im Mosaik der Mehrsprachigkeit
Gesetzlicher Rahmen, Erfahrungen und Herausforderungen
des Friaulischunterrichts in Schulen der Region Friaul Julisch
Venetien 185
Hans Karl Peterlini
Magari mehrsprachig
Das Sprachenmodell Südtirol – von ungenutzten Möglichkeiten,
alarmierenden Befunden und jugendlichem Pragmatismus 199
Perspektive Migrationssprachen 220
Jasmin Donlic
… weil es gibt keine schlechte Sprache …
Umgang mit sprachlich-kultureller Vielfalt an Volksschulen.
Ergebnisse und Perspektiven im urbanen Raum 221
Dietmar Larcher
Parkisch
Selbstermächtigung und Neukonstruktion als Antwort auf
sprachliche Unterernährung 237
Irene Cennamo
Sprache performiert – aber wie orientiert sie den
(wissenschalichen) Diskurs?
Eine Zusammenschau kritischer Erwachsenenpädagogik
und sprachbezogener Bildungsaspekte zur Begründung eines
erwachsenengerechten Rahmens für Lernen und Forschen 253
Angelika Hrubesch/omas Fritz
Mehrsprachig die Welt lesen und schreiben
Mehrsprachige Basisbildung für Migrantinnen und Migranten 277
Autorinnen und Autoren 290
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Hans Karl Peterlini
Sprache und Leib
[Nach der ersten Stunde] geht die Klasse mit der Italienischlehrerin
zum Musikunterricht in die Parallelklasse, um mit dieser ein italie-
nisches Lied zu singen. Frau Kalenzani will den fotokopierten Lied-
text verteilen lassen. Klaudia fragt: „Posso distribuisce …“ (Darf ich
verteilt, statt Innitiv die 3. Person). Die Lehrkra: Come si dice?“
(Wie sagt man?) Klaudia leiser: „Distribuisce…“ Lehrkra: „Come?“
(Wie?) Klaudia noch leiser: „Distribuisci…“ Ein vorbeigehendes
Mädchen üstert ihr „distribuire“ zu. Klaudia stellt sich auf die Ze-
henspitzen und wiederholt nun laut und lachend: „Posso distribuire?“
Nun darf sie den Liedtext verteilen. Es ist ein Song von Zucchero mit
einigen erotischen Anspielungen, von denen die Lehrkravermutet,
dass die Schüler/innen sie gar nicht verstehen. Die Klasse stellt sich ne-
ben der Parallelklasse auf, das Lied wird angestimmt, alle steigen laut
und deutlich in den Gesang ein. Klaudia singt besonders laut, bewegt
den Körper mit der Musik, fährt sich rhythmisch mit der Hand über
die Oberschenkel nach unten; beim Refrain vedo nero, sai perchè? Te!
Voglio te!“ (Ich sehe schwarz, weißt du warum? Dich! Ich will dich!“)
strahlt sie und skandiert den Text. (BK1_02, aus Peterlini 2015,
S. 116)
Dass Sprache in unauösbarer Verbindung mit dem Körper steht und
entsteht, ist so augenscheinlich, dass der Zusammenhang auf den
ersten Blick gar nicht besonders argumentiert, höchstens ausgeführt
werden müsste. Allein, das allzu Augenscheinliche trügt o gerade
den ersten Blick oder entgeht ihm gar, weil es auf der Hand zu liegen
scheint und keiner weiteren Beachtung bedarf. Für Niklas Luhmann ist
gesellschasbezogene Wissenscha nicht die „Lehre vom ersten Blick,
sondern die Lehre vom zweiten Blick“. Erst mit diesem wird nicht nur
der Augenschein, als sogenannte Evidenz, genauer betrachtet, sondern
kommen auch „neue Fragen und Bedenken hoch“ (Luhmann 1981, S.
170). Zur Veranschaulichung sei dazu eingeladen, die bisher geschrie-
benen Sätze auf zwei darin enthaltene Körpermetaphern hin noch ein-
mal zu lesen: Der Augenschein ist augenscheinlich eine Wortbildung,
die ein Körperorgan mit einem Sinn für Wahrscheinlichkeit ausstattet.
Er weist damit über das Körperliche hinaus und bleibt doch im Schein
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hängen für das, was vermeintlich auf der Hand liegt, aber damit nicht
zwingend stimmen muss. Im Übrigen ist das eben verwendete Wort
„stimmen“ als Ausdruck dafür, dass etwas wahr ist, ebenfalls eine Gabe
der Körpersprache – der Augenschein auf der sonoren Ebene.
Das wäre also eine erste Evidenz: Sprache ist in ihrer Bildhaig-
keit getränkt von Ausdrücken über den Körper und aus dem Körper.
Wir haben ein gutes Bauchgefühl, etwas liegt uns auf dem Magen oder
fährt uns in die Knochen, uns stockt der Atem, wir fahren vor Zorn
aus der Haut, wir zerbrechen uns den Kopf oder jemand bricht uns
das Herz, das bei positiven Gefühlen wieder vor Freude hüpfen kann.
Als Möglichkeit des Menschen, sich die Welt zu erschließen und Zu-
gang zu der/dem Anderen zu nden, um sich zugleich der Welt und
den Anderen zu erklären, verweist Sprache immer auch darauf zu-
rück, woher sie kommt: aus dem Körper. So trägt die Sprache selbst
ihre Herkun durch die „Reexivität verkörperter Ausdrucksformen
(Alloa/Fischer-Geboers 2013) oen zur Schau. Es bedarf des Atmens,
um sprechen zu können, der Stimmbänder, um den Klang zu bilden
und zu tönen, unsere Stimme kann unter Druck oder Stress ins Zittern
kommen oder sich vor Freude überschlagen, es kann uns die Stimme
versagen oder die Spucke wegbleiben, eine Rede kann stimmig sein
oder auch nicht.
Doch genauso, wie Stimmigkeit und Augenschein eine Plausibilität
behaupten, verdecken sie zugleich die von Luhmann mit dem zweiten
Blick zu stellenden Fragen und Bedenken. So kann nach dem französi-
schen Philosophen Maurice Merleau-Ponty, der die von Edmund Hus-
serl (vgl. 1913, 1985, 1986) begründete Phänomenologie wegweisend
weitergeführt hat, jede Evidenz „in Zweifel gezogen werden, ohne dass
sie damit schon widerlegt wäre, da jeder Augenschein zugleich „fak-
tisch unwiderstehlich und doch immer anfechtbar“ sei (Merleau-Pon-
ty 1974 [1966], S. 451). Tatsächlich reicht der Hinweis, dass Sprache
aus dem Körper kommt, für sich allein nicht aus, um ihr Geheimnis
zu entschlüsseln. Auch Tiere stoßen Laute aus, können sie nuancie-
ren, kommunizieren auch auf sehr komplexe, auf jeden Fall aber dem
Überleben und Informationsaustausch dienliche Weise. Dass Sprache
mit dem Körper eng verochten ist, ja diesem so eingewoben scheint,
dass sich Erfahrungen sogar eineischen können, macht sie uns nicht
verständlicher, sondern entzieht sie eher dem Verstehen. Da wo Spra-
che und Körper ineinander überzugehen scheinen, wo die Grenzen
verschwinden, weil das Körperliche ins Sprachliche reicht und das
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Sprachliche zurück auf den Körper verweist, sind wir uns am wenigs-
ten vertraut, entziehen sich Sprache und Körper gleichermaßen der
Einsicht durch Verstand und Rationalität.
So ist Sprache einerseits Ausdruck jener Körperlichkeit, mit der
Menschen in der Welt sind, und zugleich der Versuch, durch eine
Systematisierung dieser unserer Ausdrucksmöglichkeiten die Welt
rational zu erfassen, ein selbstbezügliches und letztlich unmögliches
Unterfangen, das nur soweit gelingen kann, als über Sprache nicht
Wahrheit gesucht und behauptet wird, sondern der Augenschein des
Augenscheinlichen (vgl. Nohr 2004, S. 8) kritisch und damit einiger-
maßen erkenntnisversprechend geprü wird. Kritik am sprachlichen
Verstehen ist immer auch eine Kritik an jener Ordnung der Dinge“
(Foucault 1974), mit der wir die Welt zu kategorisieren, organisieren
und beherrschen versuchen, die ihrerseits aber aus unserer Sprache
hervorgeht. Solche Kritik an sprachlichen (und damit immer auch
gesellschalichen) Ordnungen enthüllt nicht Wahrheit jenseits der
Sprache des Menschseins, wohl aber ermöglicht sie Narrationen über
das Menschsein innerhalb unserer Sprache (vgl. Meyer-Drawe 2000,
S. 73–87). Die Sprache ist nicht deshalb der Königsweg menschlichen
Verstehens, weil sie Wahrheit erschließt und sichere Verständigung
gewährt, sondern weil wir in und mit ihr Dokumente, Zeugnisse, Spu-
ren darüber nden und reektieren können, wie wir über die Welt
sprechen, wie wir damit die Welt bilden und beschreiben, wie wir uns
zu verständigen versuchen und uns dennoch missverstehen.
Analog ist Sprache auch im Verständnis der Freud’schen Psycho-
analyse nicht der Königsweg zu sicheren Wahrheiten über die im Kör-
per gesammelten, gestauten, gespeicherten vergangenen und gegen-
wärtigen Kränkungen, Enttäuschungen, Schmerzen, sondern lediglich
eine Möglichkeit, das Verinnerlichte – psychisch belastende oder phy-
sisch krankmachende Erfahrungen – nach außen (zum Ausdruck) zu
bringen, zu Geschichten zu verarbeiten und damit etwas besser leben
zu lernen. In seiner Arbeit mit Patienten suchte Freud nach man-
chen positivistischen Versuchungen – denn auch nicht nach faktisch
überprüaren Kausalitäten für psychisches Leid, sondern mittels der
freien Assoziation (Freud 2000 [1913, S. 193]) nach irgendeinem Ein-
fall, der dem Unerklärbaren Sprache verleihen sollte. Engführungen
der Deutung wurden dabei im Sinne der Überdeterminierung“ (vgl.
Freud 1972 [1900], S. 462, 542, Laplanche/Pontalis1996, S 544f ) psy-
chischer ematiken bewusst vermieden. Die sprachliche Benennung
Hans Karl Peterlini
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und damit auch Identizierung des psychischen Leids als dieses oder
jenes Symptom ist für Jaques Lacan in seiner Weiterentwicklung der
Psychoanalyse nichts „als eine Spur […], die nie etwas anderes sein
wird als eine Spur“ (Lacan 1990 [1954 – 1955], S. 205). In seiner Inter-
pretation der Lacanschen Psychoanalyse spitzt Slavoj Žižek das Auf-
spüren des psychischen Leids mittels der Sprache zum Paradoxon zu,
„daß das Symptom als Wiederkehr des Verdrängten aus der Zukun
zurückkehrt“, in dem Sinne, dass jedes Symptom im Verlauf einer Psy-
choanalyse „nicht aufgedeckt, sondern konstruiert“ (Žižek 1991, S. 9)
wird.
Der pionierhae Wurf der Psychoanalyse, der trotz unterschiedli-
cher Verläufe mehr oder weniger alle danach entstandenen Psycho-
therapieschulen anregte, lag im intuitiven Erkennen, wie unterdrückte
Gefühle, Triebkräe, gesellschaliche Tabus, elterliche Normen sich in
Körper und Seele einschreiben und von dort aus jenes Ich tyrannisie-
ren können, das nur vermeintlich „Herr im eigenen Haus“ ist (Freud
2006 [1917], S. 12). Schon in groben Vereinfachungen kommen die
Zusammenhänge im wörtlichen und übertragenen Sinn zur Sprache:
Leid, das keine Sprache hat, ist als geschlucktes Leid ein körperbezo-
gener Ausdruck für Depression, während es sich in Psychosen als ty-
rannische Stimme (Stimmenhören) oder trügerischer Augenschein
(Halluzinationen, Phantasmen) von innen heraus quälend Sprache
verschaen kann. In der Hysterie, der rätselhaen psychischen Stö-
rung zur Zeit Freuds (vgl. Breuer/Freud 1990 [1895]), brach alles Un-
terdrückte tobend und rasend aus den meist weiblichen Betroenen
heraus, die in ihrem körperlichen sexuellen Empnden und ebenso in
ihrem aktiven und selbstbestimmten Teilhaben am öentlichen Leben
einer patriarchalen Hierarchie untergeordnet waren. So wie der Frau
ein autonomes sexuelles Begehren aberkannt wurde, so war ihr gera-
de in der von Sittlichkeit geprägten bürgerlichen Gesellscha auch ein
selbst entworfenes, freies, zupackendes Leben verwehrt.
Bemerkenswert ist, dass es vielfach gerade gebildete, belesene,
begabte Frauen waren, die an Hysterie litten und sich – symbolisch
und körperlich besonders eindrucksvoll im hysterischen Bogen ver-
körpert regelrecht auäumten gegen ihre Unterdrückung. Das er-
laubt Überlegungen, die eine einfache Leseart des Zusammenhangs
von Körper und Sprache ein weiteres Mal durchkreuzen. Damit sich
das Unterdrückte über körperliche Symptome Zuckungen, Schrei-
krämpfe, Muskelkrämpfe, wirres oder auch fremdsprachliches Reden
Sprache und Leib
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– den Weg bahnen konnte, bedure es oenbar eines Zusammenspiels
der unbewussten und unterdrückten Anteile und einer Bildungserfah-
rung, die sich dazu in Spannung stellte. Mit einfachen Worten: Erst
der Umstand, dass Frauen trotz ihrer Belesenheit, ihrer Bildung, ihrer
verhältnismäßig hohen gesellschalichen Reputation zugleich von ge-
sellschalicher und politischer Teilhabe ausgeschlossen waren, führte
zu jenem inneren unbewussten Konikt, der sich in der Hyste-
rie Sprache verschae. Eine oene Rebellion wie allmählich in den
Frauenbewegungen am Beginn des 20. Jahrhunderts war erst durch
Bewusstwerdung möglich. Das Symptom war bis dahin die einzige
Sprache, die als Rebellion – wenn vorerst auch unbewusst und schein-
bar irrational – nach außen trat.
Das hohe, auch intellektuelle Potenzial gebildeter Frauen, das sie al-
lemal befähigt hätte, sich in ihrer Gesellscha als aktive und mündige
Wesen zu behaupten, stellte aufgrund der faktisch verwehrten Teilhabe
die Spannung dar, die eine psychische Symptomausbildung – ein Aus-
agieren der unterdrückten Gefühle, Aspirationen, Honungen, Sehn-
süchte – überhaupt erst ermöglichte. Wo die Voraussetzungen für eine
solche psychische Rebellion aufgrund festgefügter, durch keine Bil-
dungsermächtigung in Frage gestellten gesellschalichen Bedingungen
fehlten, war auch die Symptombildung kaum möglich. Es bedarf eines
Konikts zwischen Anspruch auf Teilhabe und Verweigerung dersel-
ben, damit ein Leiden am status quo ausagiert werden kann.
Wenn Menschen gar nicht erst in die Lage kommen, ihre Unter-
drückung wahrzunehmen, haben sie auch keine Sprache (vgl. Spivak
2008 sowie den Beitrag „Sprache und Macht“ in diesem Buch). Wohl
aber kann der Körper am denkenden Subjekt vorbei sprechen – eben
wenn Leid somatisiert wird und die nach außen nicht auslebbare,
im Unbewussten verschlossene Aggression nach innen, gegen den
eigenen rper gerichtet wird. Der Begri Tumor“ kommt vom la-
teinischen tumēre und bedeutet neben „geschwollen seinauch „vor
Zorn aurausen, vor Stolz aufgeblasen sein, schwülstig sein(dwds.
de). Medizinisch gesehen ist der Tumor eine Raumforderung, die auch
psychosomatisch verstanden werden kann: Das nicht ins Bewusst-
sein gelangte und damit auch nicht aussprechbare Leid fordert seinen
Raum innerhalb des Körpers. Aus dem Paradigma der psychosoma-
tischen Forschung, dass es „keine logische Unterscheidung zwischen
Leib und Seele, Geistigem und Körperlichem“ gibt (Alexander 1976,
S. 46), kann freilich auch nicht der Kurzschluss gezogen werden, dass
Hans Karl Peterlini
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sich Lebensprobleme linear und kausal nachvollziehbar im Körper
ausdrücken. Was sich in einem Menschen und im Austausch mit sei-
ner Vergangenheit, seiner Umwelt, seiner kulturellen und gesellscha-
lichen Umgebung, seiner Gegenwart und seinen Annahmen über die
Zukun abspielt, ist ein ungeheuer komplexes Zusammenspiel von
biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. Sprache steht damit
unweigerlich in Verbindung.
Wenn Menschen miteinander sprechen, sprechen auch ihre Körper.
Wer kennt nicht Situationen, in denen sich die Bauchdecke anspannt,
während jemand auf einen einredet, oder trotz plausibler Ausfüh-
rungen ein ungutes Gefühl entsteht, ob es die oder der Sprechende
wohl ehrlich meint, obwohl auf der Ebene des Gesagten nichts dage-
genspricht. Das liegt auch an körperlichen Ausdrücken und Wahr-
nehmungen, und zwar auch jenseits eines bewusst prüfenden Zwei-
fels. Dieser Dierenz zwischen dem, was gesprochen wird, und dem,
was verstanden wird, hat der Kommunikationspsychologe Schulz von
un durch sein – metaphorisch und über die Sinne – körperbezoge-
nes Modell des Hörens mit vier Ohren beizukommen versucht (Schulz
von un 1981, S. 25-30). So kann etwas als Sachinhalt verkürzt ver-
standen werden, wenn ein/e Sprecher/in den Beziehungsaspekt mit-
einbringen wollte, einen Appell damit verband oder sich im Gesagten
eine Selbstoenbarung versteckte. Das Sprechen geht demnach über
mehrere Kanäle (Sachebene, Selbstoenbarung, Beziehungsaspekt,
Appell), wird aber nicht immer auf denselben Kanälen empfangen, auf
denen es gesendet wird. Das Modell bietet Möglichkeiten der Inter-
vention im Bereich von Supervision, Coaching, erapie. Auf alltägli-
ches Sprechen ist es dagegen kaum anwendbar, weil es eine maximale
und permanente Kontrolle der Kommunizierenden darüber voraus-
setzen würde, was sie sagen und was sie hören. In ihrer Auseinander-
setzung mit der Bedeutung des Blicks für zwischenmenschliche Be-
gegnungen arbeitet die phänomenologisch orientierte Pädagogin Käte
Meyer-Drawe den Unterschied zwischen Hören und Sehen vor allem
daran heraus, dass das Hören dem Menschen noch weniger verfüg-
bar ist als das Sehen, da man das Auge gezielt auf etwas richten kann,
es umherschweifen lassen kann, während das Ohr dem ausgesetzt ist,
was an Geräuschen um es herum gegeben ist: „Es gibt kein Äquivalent
für den Blick beim Hören.“ (Meyer-Drawe 2016, S. 42)
Dass sich Sprache der Kontrolle durch das Ohr weitgehend entzieht,
ist ein weiteres Indiz dafür, wie die enge Verbindung von Sprache und
Sprache und Leib
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Körper vermeintliche Sicherheiten über Kommunikationsprozesse un-
tergräbt. In ihrer Verechtung lassen sich weder Sprache noch Körper
durch rationale Prüfung und Reexion in den Gri bekommen. Wie
o sprechen wir ohne bewusste Absicht, sagen etwas, was wir nie sagen
hätten wollen, ja sprechen sogar ohne unser Zutun: Es platzt aus uns he-
raus, ist ein treender sprachlicher Hinweis dafür, wie wir dem Körper
in seiner Einmischung ins Sprechen ausgeliefert sind. Das berühmte
Axiom des Kommunikationstheoretikers und Psychotherapeuten Paul
Watzlawick, wonach wir nicht nicht kommunizieren können (Watzla-
wick/Beavin/Jackson 2007 [1969], S. 53), verweist nicht nur, aber auch
auf das Mitsprechen des Körpers, wenn wir sprechen oder eben auch
nicht sprechen. Wer durch jemanden hindurchschaut, während diese
Person spricht, wer sich von jemandem abwendet oder jemanden gar
nicht zur Kenntnis nimmt, verhält sich in irgendeiner Weise trotzdem
immer zu dieser Person – und spricht, auch ohne zu reden.
Die Analogie, die Watzlawick zwischen Kommunizieren und
Sich-Verhalten zieht, kann auch als Analogie zwischen sprachlichem
Ausdruck und körperlicher Präsenz verstanden werden. Ebenso wie
ich nicht nicht kommunizieren kann, kann ich auch nicht nicht kör-
perlich da sein. Der französische Philosoph Michel Foucault hat den
Körper in diesem Sinne „eine gnadenlose Topie“ genannt (Foucault
2005, S. 25). „Das bedeutet, dass ich im Unterschied zur bloßen Utopie
mit meinem Leib einen Ort in der Welt verwirkliche. Ich nehme einen
Raum ein, an dem kein anderer Platz ndet. Ich kann meinen Körper
zwar ablehnen, aber nicht ablegen.“ (Meyer-Drawe 2016, S. 42) Dieses
Phänomen der Permanenz macht der Philosoph Bernhard Walden-
fels zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen über unausweichliche
Grundphänomene, die sich wechselseitig konstituieren und bedin-
gen, so die Zeit, die Sprache, der Leib: „Die Zeit kann man nicht in
irgendeinem Seitenwinkel lokalisieren, sie mischt sich überall ein:
beim Reden, beim Erleben, bei Entscheidungen, bei den Rhythmen
der Bewegungen. Das gleiche gilt für die Sprache, es gilt ebenso für die
Geschichte, es gilt für die Anderen.“ (Waldenfels 2000, S. 9) Ebenso
ist auch der Leib „immer mit dabei, ich kann mich nicht einfach von
ihm entfernen, wie ich mich von den Dingen entferne“ (ebd., S. 31).
Als „der sichtbare Ausdruck meiner selbst“ (ebd.) überschreitet diese
Vorstellung von Leib jene vom Körper, den man haben und zum Ob-
jekt machen kann, während man einen Leib nicht hat, sondern Leib ist
(vgl. Merleau-Ponty 2004 [1964], S. 181).
Hans Karl Peterlini
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Die Unterscheidung von Leib und Körper ist im Zusammenhang
mit Sprache deshalb von Bedeutung, weil der Leibbezug die Unver-
fügbarkeit von Sprache noch stärker akzentuiert als der Verweis auf
den Körper. Wohl gehen die beiden Begrie, Körper und Leib, inein-
ander über, lassen sich kaum auseinanderhalten, werden o auch im
wissenschalichen Gebrauch synonym und eher beliebig verwendet,
betonen letztlich nur Aspekte bzw. Wahrnehmungen ein und dessel-
ben Phänomens. Merleau-Ponty hat die Klärung mit einem gleich
radikalen wie einfachen Satz versucht, der als Ausgangspunkt der
Leibphänomenologie gilt: „Ich bin mein Leib.“ (2004: 181) Als Leib, in
dem Geist und Materie, Vernun und Gefühl, Seele und Körper nicht
getrennt denkbar sind, erfährt der Mensch die Welt, über den Leib wi-
derfährt sie ihm, als „Verochtenheit von geistigem und körperlichem
Sein“ (Meyer-Drawe 2000, S. 55), in der es nicht mehr möglich ist, die
Sinnstiung einem rational begründeten Geist allein zuzuschreiben,
da dieser im Leibkonzept nicht getrennt vom Körper gedacht werden
kann. „Wir haben es mit einem Paradox der Selbstbezüglichkeit zu tun,
denn über den Leib sprechen heißt in gewisser Weise, leiblich sprechen.
Der Leib ist mit im Spiel, auch wenn wir über ihn sprechen.“ (Walden-
fels 2000, S. 9, Herv.i.O.). Während mit dem Körper zumindest die Illu-
sion verbunden ist, dass er objektive Zugrie erlaubt und Gegenstand
von Untersuchungen, Eingrien, Modikationen sein kann, sind wir
uns als Leib – von Waldenfels als beseelter rper gedacht (vgl. ebd.,
S. 14) – auf eigentümliche Weise entzogen und fremd. Ähnliches sagt
Waldenfels über die Sprache: „Jedes Kind lernt seine Muttersprache
sozusagen als Fremdsprache, denn dem Kind begegnet seine künige
Sprache zunächst als Sprache der Erwachsenen. Und das setzt voraus,
daß ein Kind bemerkt, daß da nicht irgendwelche unverständlichen
Töne hervorgebracht werden. Es hört den Tonfall, es nimmt wahr, daß
jemand spricht. Das Kind wächst auf unter Erwachsenen, die spre-
chen, am Anfang versteht es nichts, wie wenn wir als Erwachsene in
eine fremde Sprachwelt verschlagen werden. Jede Sprache beginnt auf
gewisse Weise als Fremdsprache, als Sprache der Anderen.“ (Ebd. S.
220). Zugleich aber ist der Leib sowohl Ort des Sprechens als auch des
Hörens des Gesprochenen, des Sehens von Gesten: „Sprache ist nie
ganz fremd, nie ganz außen.“ (Ebd.)
In seiner Auslotung des Zusammenspiels von rper und Sprache
als Körpersprache zeigt Waldenfels vier Ebenen auf. Die erste nennt
er intralinguistische Körperlichkeit“ (ebd., S. 230, Herv.i.O.) und be-
Sprache und Leib
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zieht sich auf die bereits thematisierte „Mitwirkung des Körpers beim
Sprechen mittels der Stimme, beim Schreiben mittels der Hand“ (ebd.,
S. 230f), sie besteht darin, dass „die Sprache selbst eine Körperlich-
keit hat“ (ebd., S. 231). Die zweite Stufe, die semilinguistische Kör-
perlichkeit(ebd., Herv.i.O.) geht über den eigenen Körper eines/einer
Sprechenden hinaus. Ein Beispiel dafür ist das Zeigen (vgl. dazu auch
Brinkmann/Rödel 2018) etwa mit dem ausgestreckten Finger oder
einem Heben des Kopfes in eine bestimmte Richtung, aber auch mit
Lauten und schrilichen Hinweisen, etwa „siehe weiter untenin ei-
nem Buch. Das Körperliche daran ist, neben verwendeten Körpertei-
len, allein schon der Umstand, dass „das Sprechen eine Verbindung
mit dem Hören und Sehen eingeht. Die Zeigegeste setzt voraus, daß
der Andere meine Geste sieht“ (Waldenfels 2000, S. 232). Das Zeigen
konstituiert damit immer auch eine soziale Räumlichkeit, da es sowohl
den Ort angibt, von wo aus jemand spricht, als auch den Ort, auf den
die Aufmerksamkeit des/der Angesprochenen gelenkt werden soll (vgl.
ebd.). Mit der paralinguistischen Körperlichkeit“ (ebd., Herv.i.O.) sind
Tonfall, Sprechtempo, der Rhythmus und all das, was die Sprache der
Musik naherückt“ (ebd.) gemeint. In der geschriebenen Sprache zeigt
sich diese Art von Körperlichkeit etwa im Schribild und Schreibduk-
tus (vgl. ebd., S. 233). Diese Dimension von Körperlichkeit des Aus-
drucks ist für Waldenfels „deshalb so wichtig, weil das Sagen weiter
reicht und mehr beinhaltet als das bloß Gesagte“ (ebd., Herv.i.O.).
Mit der vierten Stufe, der „extralinguistische[n] Körperlichkeit
(ebd., S. 235, Herv.i.O.) spannt Waldenfels einen weiten Bogen: Er
meint damit einerseits die Sprache des Körpers, wie sie schon be-
schrieben wurde, als Gesichtsausdruck, Blickkontakt, Gestik, Mimik,
Pantomimik, Körperhaltung, Gangart. Das Verständnis von Körper-
lichkeit schließt aber auch den Raum ein, in dem gesprochen wird,
die Regelung von Nähe und Distanz, Abwendung und Zuwendung
(etwa durch das Überreichen von Geschenken, Zurückhaltung oder
Eindringlichkeit). Und schließlich ist in diese Ebene von Sprache auch
das einbezogen, was Menschen am Körper tragen, vor allem Kleidung,
aber auch Tätowierungen und ähnliche Körpermodikationen. In ei-
nem Zusammenspiel aller vier Ebenen könnte man das Habitus-Kon-
zept von Pierre Bourdieu (vgl. 1997) erkennen. Im Habitus ist verdich-
tet und zugleich zum Ausdruck gebracht, was eine Person ausmacht,
welche Sozialisationserfahrungen sie gemacht, welcher (sozialen und
kulturellen) Herkun sie ist, welche Aspirationen sie von dort her in
Hans Karl Peterlini
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die Zukun mitnimmt. So ist der Körper selbst Sprache über das, was
ihn ihm eingeschrieben ist, er gibt Auskun nicht nur über diesen
einen konkreten Menschen, sondern über Sozialisationsbedingun-
gen, gesellschaliche Ordnungen mit Bedingungen für Zugehörigkeit
und Ausschluss, Machtbeziehungen, Statusverhältnisse (vgl. Bourdieu
1989, S. 43, 1992, S. 50).
All dies schreibt sich nicht nur in den Körper ein und verinner-
licht sich darin, sondern drückt sich auch im Körper aus und formt
ihn nach gesellschalichen Regeln, Vorgaben, Ermöglichungen. Hier
berühren sich die Körpervorstellungen Bourdieus auch mit jenen von
Foucault, dessen Studien beklemmend die Gewalt aufzeigen, die dem
Körper durch Institutionen der Disziplinierung (Gefängnis, Militär,
Schule) und gesellschaliche Zwänge zugefügt wird (Foucault 1976,
1978). Nach Bourdieu (1989, S. 42f) ist der Körper den Bedingun-
gen, in denen er aufwächst und sich bewegt, auf subtile Weise aus-
geliefert. Der Habitus ist als Inkorporation von Zugehörigkeitsmerk-
malen, Werten, Stilen und Ausdrucksformen eine Einpassung in die
herrschende Ordnung, der man sich gar nicht entziehen kann: „Was
der Leib gelernt hat, das besitzt man nicht wie ein wiederbetrachtba-
res Wissen, sondern das ist man.“ (Bourdieu 1987, S. 135) Für Judith
Butler und die jüngeren Gender Studies geht dies soweit, dass nicht
nur die Geschlechterordnung, sondern auch Geschlecht selbst keine
Frage von Biologie allein ist, sondern diskursiv hervorgebracht und
gesellschalich mitbedingt ist (Butler 1991, S. 38).
Allerdings handelt es sich nicht um ein einseitiges Anpassungsver-
hältnis des Körpers an gesellschaliche Ansprüche, sondern um eine
komplexe Wechselbeziehung. Foucault zeigt in den Konzeptionen der
„Sorge um sichund der „Technologien des Selbst“ Spielräume für
Mitgestaltung auf (Foucault 1993a/b). Für Bourdieu ist der Körper da-
bei nicht nur passiv im Spiel: „Der Körper denkt immer.“ (Bourdieu
1979, S. 199) Ebenso versuchen die jüngeren Gender- und Queerstu-
dies in ihrer Kritik an sicheren Geschlechtervorstellungen „dem Leib
eine ‚Selbstautorisierung‘ zuzuschreiben, um ihn den Machtinstanzen
zu entziehen“ (Iwawaki-Riebel 2004: 64, Fußnote). Butler spricht vom
„Körper als einem gelebten Ort der Möglichkeit, dem Körper als einem
Ort für eine Reihe sich kulturell erweiternder Möglichkeiten“ (Butler
1995, S. 11). In diesem Spannungsverhältnis der Subjektwerdung zwi-
schen der Abhängigkeit von gesellschalichen Gegebenheiten und der
Autonomie des Subjektes sieht Meyer-Drawe eine Dialektik, die sich
Sprache und Leib
84
nicht in einer Synthese aueben lässt: „Weder sind wir ein reines Pro-
dukt unseres Milieus noch absolute Herrscher über unsere Verhält-
nisse. Wir existieren als konkrete Dialektik, als Produkt-Produzent.“
(Meyer-Drawe 2000, S. 103)
Was bedeuten solche Vorstellungen für die Verbindung zwischen
Körper und Sprache? Sprache ist für Merleau-Ponty Medium und
Ausdruck des leiblichen In-der-Welt-Sein (Merleau-Ponty 1966,
S. 217). Dies erschüttert die in vielen Diskursen über Sprache und Spra-
cherwerb vorherrschende kognitive Dominanz, da sich der sprach-
liche Ausdruck nicht darauf beschränkt, nur medial zu vermitteln,
was vorher im Kopf gedacht wurde, sondern Sprache bringt in ihrer
Performance – im Sprechakt, im Schreiben – selbst das Denken her-
vor, als ein „Denken in der Sprache“ (ebd., S. 213). In der Auebung
dichotomer Teilungen Geist-Leib, Denken-Fühlen überschreitet
das Leib-Verständnis auch Vorstellungen von Innen und Außen: „Das
Denken ist nichts ‚Innerliches, das außerhalb der Welt und außerhalb
der Worte existierte. Was uns darüber täuscht und uns an ein allem
Ausdruck zuvor für sich existierendes Denken zu glauben verleitet, ist
bloß die Existenz bereits konstituierter und schon ausgedrückter Ge-
danken, deren wir freilich uns stillschweigend erinnern können und
die auf diese Weise die Illusion eines Innenlebens des Denkens erwe-
cken. In Wahrheit aber ist auch dieses vermeintliche Schweigen von
Worten durchtönt, ist auch jenes Innenleben des Denkens ein inneres
Sprechen.“ (Ebd., S. 217)
Dies wir für jedes wissenschaliche Nachdenken, didaktisch-pä-
dagogische Gestalten und politische Regulieren von Spracherwerb
und Sprachgebrauch unbequeme Fragen auf. Was bedeutet es, wenn
mit der Sprache eines Menschen sein Leib als dieser eine konkre-
te Mensch selbst, sein In-der-Welt-Sein auf dem Spiel steht? Lassen
sich möglichst beschleunigter Spracherwerb etwa für Migrantinnen
und Migranten im Ankunsland isoliert in Sprachkursen oder Son-
derklassen forcieren, um Integration zu ermöglichen, wenn diese als
konkrete Menschen, als Leib, verworfen werden und Bleiberecht nur
im Ausnahmefall erhalten, und dies unter der Bedingung gänzlicher
Anpassung und damit auch Enteignung von allem, was sie sprach-
lich, sozial, kulturell, religiös, weltanschaulich, lebensbiographisch
mitgebracht haben? Wie soll Sprachunterricht gelingen, wenn er auf
den Kopf oder das Gehirn gerichtet ist und ein paar wenige kogniti-
ve Funktionen einbezieht, aber darauf vergisst, dass es ein konkreter
Hans Karl Peterlini
85
Mensch in seinen Lebensbedingungen ist, der das Sprechen und das
Schreiben hervorbringen muss?
Auf der Metaebene gesellschalicher Kommunikation stellt sich
die Frage, wie diese in einer digitalisierten und auf den Leib verges-
senden Medialisierung künig gestaltet sein wird. Dabei geht es nach
Waldenfels nicht darum, ob eine Entwicklung gut oder schlecht ist,
sondern wie sie sich auswirken wird und was es für das menschliche
Dasein bedeutet (Waldenfels 2000, S. 235). Allein schon an der Tech-
nisierung des Schreibens einer Bewerbung, die früher handschrilich
eingefordert wurde, etwa ist es von Interesse, „was es für die Leiblich-
keit bedeutet, wenn solch zentrale Betätigungsfelder wie das Schrei-
ben in hohem Maße technisiert werden(ebd.). Solche Fragen sind,
über das Praktische hinaus, von anthropologisch kaum abschätzbarer
Tragweite, bedenkt man etwa, dass eine wesentliche Voraussetzung für
die Entstehung des Intellekts gar nicht erstrangig im Gehirn vermutet
wird, sondern im aufrechten Gang, der die sonst für den vierbeini-
gen Gang benötigten Hände freimachte für das Begreifen der Welt,
die schließlich zur Welt der Begrie führte (vgl. Engelmann 2007,
S. 165-223). „Denn Wirklichkeitserfahrung hat auch etwas mit Hand-
greiichkeit zu tun, so daß wir z.B. von der ‚handgreiichen Wirk-
lichkeit‘ sprechen. Im lateinischen Wort mani-fest steckt ebenfalls die
Hand: etwas ist mit Händen zu greifen, reektiert Waldenfels (2000, S
. 233), um davon die Frage abzuleiten: „Welche Rolle spielt der Körper
noch, droht ihm das Schicksal eines Cyberbody, der in einem virtuel-
len Raum heimisch wird?“
Mit den sozialen digitalen Medien hat das öentliche Sprechen
neue Räume erhalten, die zum einen exkludierende Strukturen ausge-
hebelt hat und damit eine ungemein größere Partizipation an öent-
lichen Diskursen ermöglicht. Im Netz ist damit eine neue Dimension
öentlichen Raums entstanden, in dem bisherige Regeln des öentli-
chen Diskurses nicht mehr gelten, wie der Philosoph Byung-Chul Han
(2013, S. 16) im Dialog mit der Diskurstheorie von Jürgen Habermas
argumentiert. Dessen Einschätzung ist gleich nüchtern abwartend wie
skeptisch besorgt: Vorerst fehlen im virtuellen Raum die funktionalen
Äquivalente für die Öentlichkeitstrukturen, die die dezentralisierten
Botschaen wieder auangen, selegieren und in redigierter Form syn-
thetisieren.“ (Habermas 2008, S. 162)
Der Leibbezug von Sprache steht in der digitalen Kommunikation
vor einer neuen Prüfung: Was bedeutet es für Kommunikation zwi-
Sprache und Leib
86
schen Menschen, wenn sie im Digitalen ihrer Leiblichkeit entledigt
wird? Der meist destruktive Verlauf in den Blogs digitaler Medien, die
ungehemmten Hatepostings verweisen darauf, dass die Entleiblichung
von sprachlichem Austausch Menschen um die Möglichkeit bringt,
mitzufühlen, was ihre Worte im Gegenüber anrichten (vgl. Peterlini
2017, S. 190-192). Das Hasswort kann auf den Bildschirm getippt wer-
den, ohne die hemmende, bremsende Verzögerung des Schrizugs im
handgeschriebenen Brief, ohne die Verzögerung, wenn dieser – selbst
falls er maschinegetippt ist – noch einmal auf Fehler gelesen und viel-
leicht für ein paar Tage hingelegt wird, vor allem aber ohne die Prä-
senz des Anderen in seiner Leiblichkeit, wie es im direkten Gespräch
gegeben ist: Auch dort kann Wut ausbrechen, die Stimme überschla-
gen, das Wort ins Herz gehen und verletzen, aber es geschieht in einer
Resonanz, die alle berührt und niemanden davor verschont, betroen
zu sein.
Zugleich erönet die leibliche Sicht auf Sprache – neben den nur
kurz skizzierten Problematiken auch Möglichkeiten, gesellschali-
che Ordnungen vielleicht nicht zu überwinden, wohl aber zu thema-
tisieren und bewusst zu machen. Das Konzept des Leibes als keiner
Teilung unterwerar gibt der Sprache, die selbst teilend ist, ihre di-
chotomiekritische Verantwortung zurück, indem sie jene Teilungen
prü, die sie selbst hervorbringt: Wenn Sprache einen Menschen als
Körper beschreibt, ist er unweigerlich in gesellschaliche, sozioöko-
nomische, rassistische und sexistische Ordnungen eingefügt. Sowohl
Rassismus als auch Sexismus, ebenso aber auch die Diskriminierung
von Behinderung nehmen ihren Ausgangspunkt am Körper. Sie re-
duzieren diesen, noch enger gefasst, auf einige wenige körperliche
Merkmalen, die über alle anderen Merkmale und damit auch über die
gesamte konkrete Person gestellt werden, so dass diese in der Folge
in ihrer Gleichberechtigung und Würde abgewertet, zum Feindbild
dämonisiert oder durch Erotisierung, Exotisierung oder Heroisierung
zum Objekt von Begierde hochstilisiert wird.
In einer anthropologischen Perspektive gehen die Etablierung von
Machtverhältnissen, politischen Hierarchien und sozialen Ordnungen
mit der sprachlichen Entwicklung einher. Gesellschaliche Ordnun-
gen sind quer durch die Menschheitsgeschichte auf Ursprungserzäh-
lungen begründet, die Herrscha legitimieren und durch die Teilung
der Bevölkerung nach Rang und Status, Rechten und Teilhabemög-
lichkeiten das Regieren erleichtern: Kaste als unüberschreitbare Zu-
Hans Karl Peterlini
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gehörigkeit in Indien, Rasse als Grundlage der Sklaverei in Amerika,
Konfession und Religion in Europa. So unterschiedlich die Ordnun-
gen in ihrer Ausgestaltung auch sind, ihre Legitimation ist in der Regel
eine Umwandlung von politischen und ökonomischen Opportunitä-
ten der Herrscha in biologische Begründungen – genetische Min-
derwertigkeit, Unreinheit, Unberührbarkeit, Ansteckungsgefahr, in
Europa gipfelnd in der Rassizierung des jüdischen Glaubens. Eine
Kategorie gesellschalicher Ungleichheit, die auf den ersten Blick tat-
sächlich biologisch und körperlich begründet scheint, ist universal,
jene des Geschlechts (vgl. Harari 2011, S. 164).
Die gesellschaliche Kategorie Mann-Frau ist wohl das wirkmäch-
tigste Ergebnis der dichotomen Kra von Sprache in ihrer Körperbe-
zogenheit. Sprache gewinnt ihre Anschaulichkeit und Beschreibungs-
qualität gerade in der Abgrenzung des Einen vom Anderen, in der
Bildung von Gruppen, in der Konturierung von Unterschieden und
damit in der Schaung von Gegensatzpaaren. Solche Dichotomien
verleiten zur Abwertung der einen Häle zugunsten der anderen, die
als die eigentliche gegenüber der minderen Abweichung betrachtet
wird (weiß-schwarz als markantestes Beispiel).
Ebenso führt die Konstruktion von Gegensatzpaaren zwangsläu-
g zur Leugnung von Zwischenformen, die erst durch verfeinerte
Wahrnehmungsraster überhaupt denkbar und sprachlich benennbar
würden. So sind auch nach biologischen Kriterien weit mehr als zwei
Geschlechter denkbar (Voß 2010). Weist etwa schon das hormonelle
Geschlecht unterschiedliche „Mischungen“ und ießende Übergän-
ge auf (Lang 2006, S. 76), so würde sich durch Hinzunahme weite-
rer Geschlechtsmerkmale (gonadal bzw. die Keimdrüsen betreend,
phänotypisch bzw. das Erscheinungsbild betreend u.a.) ein viel
dierenzierteres Bild von Geschlechtlichkeit ergeben. (Ebd., S. 69)
Schon die Ethnographin Margaret Mead stellte bei ihren Studien ab
den 1920er Jahren in der Südsee fest, dass es Kulturen mit mehreren
Geschlechtern gibt und solche, die Zwischengeschlechter anerkennen
(Mead 1992; Mead 2002). Von den Navajos und anderen nordameri-
kanischen Indianerkulturen weiß man, dass sie fünf oder auch mehr
soziale und drei biologische Geschlechter anerkennen (Lang 2006,
S. 195).
Dagegen spiegelt sich die vermeintliche biologische Evidenz der
Geschlechterdichotomie Mann-Frau in einer Gesellschasordnung,
die Frauen vom Zugang zu politischer Macht, öentlichen Ämtern,
Sprache und Leib
88
vielen Berufen, ökonomischer Gleichbehandlung ausschloss und bis
in die Gegenwart immer noch weltweit zumindest benachteiligt. In
der Sprache spiegelt sich diese Geschlechterordnung durch patriar-
chale Rede- und Schreibweisen, die nur mühsam und eher künstlich
– wenn auch auf der symbolischen Ebene unverzichtbar – durch neue
Schreibwesen gebrochen werden sollen (Binnen-I und andere For-
men einer gendergerechten Sprache). Jenseits dieses formalen Aspek-
tes, der aber auch soziale Rollen betont, ist die Sprache der Sexualität
in ihrer leiblichen Tragweite weitgehend männlich besetzt (vgl. Rytz
2009, S. 54). Auch dies spiegelt gesellschaliche Machtverhältnisse
wieder: Politischen Subjektstatus konnte in der griechischen Polis
nach Foucault (1993a, S. 10, 43) nur haben, wer durch Penetrati-
on den sozialen Gestus der Unterwerfung vollbringen konnte. Wer
penetriert wurde, ob Lustknabe oder Frau, war für die Hilfsdienste
gut, nicht für die Teilhabe an den Staatsgeschäen. Demgegenüber
führt Judith Butler (1991, S. 22) als weiteres Moment für geschlecht-
liche Identitätsbildung – und deren Destabilisierung – das Begehren
ein. Dieses kann, sofern es gesellschaliche Strukturierungen von Ge-
schlecht und Geschlechtsidentität subversiv oder auch oensiv unter-
läu, auch verändernd auf die sexuellen Machtverhältnisse einwirken
(ebd., S. 61).
Der verengte Blick auf isolierte Körperteile und Körperaspekte
wie primäre Geschlechtsmerkmale, erogene Zonen oder schlicht die
Haut(farbe) unterwir Menschen diskriminierenden Ordnungen –
schön vs. nicht-schön, dick-dünn, schwarz-weiß. In der Folge werden
Schwarze häuger bei Verkehrskontrollen angehalten als Weiße und
ist die soziale Akzeptanz von Menschen mit Körpermerkmalen außer-
halb der gesellschalichen etablierten Norm vielfach schmerzlich be-
einträchtigt. Wird der Blick von Aspekten des Körpers auf das leibliche
Dasein von Menschen geweitet, geraten die Lebensgeschichten von
Menschen, ihre Verletzungen, ihre Begabungen, ihre Honungen, ihre
großen und kleinen Taten, ihr Wirken in dieser Welt mit in die Wahr-
nehmung. Dann ist ein Schwarzer nicht mehr nur ein Schwarzer, eine
blonde Frau nicht mehr nur eine Blondine, sondern beide zeigen sich
als Menschen, die von irgendwoher kommen und irgendwohin möch-
ten, Aspirationen haben, eine Geschichte haben, in eine Zukun stre-
ben. Dann ist aber auch Sprache nicht mehr eine Fremdsprache, die
wertlos ist, weil sie hierzulande keinen Wert hat, sondern Ausdruck
des In-der-Welt-Sein eines Menschen. Der Leib gibt der Sprache, jeder
Hans Karl Peterlini
89
Sprache ihre Würde zurück, weil der Leib, so geschunden, erbärmlich,
gezeichnet, gescheitert, bedrohlich er auch immer erscheinen mag, als
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Sprache und Leib
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Book
Geschlecht ist gesellschaftlich gemacht. Dass das auch für das biologische Geschlecht sex gilt - ein Postulat queer-feministischer Theorien -, kann dieser Band anhand biologischer Theorien erstmals dezidiert und differenziert belegen. Die naturphilosophischen und biologisch-medizinischen Geschlechtertheorien unterschiedlicher Zeitabschnitte (Antike, beginnende Moderne, Gegenwart) werden dargestellt und mit gesellschaftlichen Geschlechterordnungen in Verbindung gebracht. Heinz-Jürgen Voß führt die miteinander ringenden Positionen differenziert aus und zeigt: Mit prozessorientierten Betrachtungsweisen sind in biologischen Theorien viele Geschlechter denkbar - statt nur zwei oder drei.
Chapter
Michel Foucault (1926 – 1984) gilt als prononcierter Vertreter des Poststrukturalismus und muss nach Umfang, Reichweite und Rezeption seiner Arbeiten als einer der einflussreichsten sozialwissenschaftlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts gelten, was keineswegs heißt, dass seine Thesen und Interpretationen unumstritten geblieben wären. Das trifft weniger auf seine frühen Arbeiten zu, die sich mit dem Wahnsinn und seiner gesellschaftlich-kulturellen Bedeutung („Maladie mentale et Psychologie“, 1954, deutsche Fassung: „Psychologie und Geisteskrankheit“, 1968; „Histoire de la Folie“, 1961; deutsche Fassung: „Wahnsinn und Gesellschaft“, 1969) beschäftigen.
Article
The literature of the 90s confronts us with representations of maimed or injured human bodies and transgression at their boundaries. Although differing in style and subject, the works of Roes ( Haut des Südens ), Rabinovici ( Suche nach M. ), Hettche ( Nox ) and Beyer ( Das Menschenfleisch ) all share the topic of injured skin as a conceptual center of the narrative. As semiotic systems, fiction offers access to the phenomenon of altered reality and self-experience and the associated change of the body. My book combines Greimas structural text semiotics with Lacan's structural theory of the subject and its cultural implications (as developed by Waltz). This allows for a sound methodological approach to the texts and, thus, through the meta-semiotic detour of narrative discourse, for a cultural analysis. The research question addresses the relationship between the assumption of a genuinely contemporary constitution of the subjects and the current desire for crossing borders. The study demonstrates how the decline of the symbolic (Lacan) is tried to be expressed in the system of text / language.
Grundzüge der psychosomatischen Forschung
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Alexander, Franz (1976): Grundzüge der psychosomatischen Forschung. In: Overbeck, Gerda und Annegret (Hg.), Seelischer Kon ikt -körperliches Leiden. Reader zur psychoanalytischen Psychosomatik. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, S. 46-55.
Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Aus dem Amerikanischen von Kathrina Menke
  • Judith Butler
Butler, Judith (1995): Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Aus dem Amerikanischen von Kathrina Menke. Berlin: Berlin Verlag.
Der utopische Körper
  • Michel Foucault
Foucault, Michel (2005): Der utopische Körper. In: Ders., Die Heterotopien. Der utopische Körper. Zwei Radiovorträge. Übersetzt von Michael Bischo. Mit einem Nachwort von Daniel Dfert. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 23-26.