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Eleutherodactylus zeus Schwartz 1958 – Kurzporträt eines Höhlenfrosches aus Kuba

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Abstract

Summary of Ecology, Reproduction and Habitat of Eleutherodactylus zeus from Cuba.
amphibia, 18(1), 2019 23
Die Familie der Eleutherodactylidae
ist mit mindestens  Arten der Antil-
len-Pfeirösche (Gattung Eleutherodac-
tylus) auf der karibischen Insel Kuba ver-
treten, wovon nur eine Art (Eleuthero-
dactylus planirostris) nicht endemisch ist
(G ). Bevorzugte Biotope liegen
in feuchten Wäldern und deren Randge-
bieten, wo sie die terrestrischen Mikroha-
bitate in der Bodenstreu, Wiesen oder dem
felsigen Untergrund bewohnen. Einige
Arten leben auch arboricol in Bromelien,
oder wie der hier beschriebene Eleuthero-
dactylus zeus in Höhlen (A  R-
 ). Die größte Diversität
wird im Osten der Insel erreicht, wo für
die einzelnen Arten meist nur sehr klein-
räumige Gebiete als Lebensraum bekannt
sind. Eleutherodactylus iberia aus der Pro-
vinz Holguín zählt wegen seiner geringen
Größe von nur , mm zu den kleinsten
Froscharten, weibliche Eleutherodactylus
zeus sind hingegen mit etwa , mm
(G ) die größten Vertreter ihrer
Gattung im westindischen Raum.
Die Verbreitung von Eleutherodactylus
zeus beschränkt sich auf die Cordillera de
Guaniguanico im Westen Kubas, die aus
den Bergketten Sierra del Rosario und
Sierra de los Órganos gebildet wird. Ent-
lang der  km langen Ost-West-Ausdeh-
nung ändert der Gebirgszug seine Gestalt.
Während im Osten, der Sierra del Rosario,
die Berge noch ineinanderießen, stehen
sie im Westen, der Sierra de los Órganos,
als vereinzelte Felskegel in der Landscha
S V
Eleutherodactylus zeus S  – Kurz-
porträt eines Höhlenfrosches aus Kuba
Abb. 1: Eingang der Cueva de Santo Tomás, Provinz Pinar del Río, 17.10.2018. Foto: S. V
amphibia, 18(1), 2019
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(„Orgelpfeifengebirge“). Die Erosion ar-
beitet seit  Mio. Jahren an den Felsen
und die Verkarstung grub tiefe Spalten
und Höhlen in die weichen Kalkschichten.
In Kuba herrscht ein tropisches Savan-
nenklima mit den etwas kühleren Mona-
ten Oktober bis Februar in denen auch
weniger Niederschlag fällt. Im Sommer
steigen die Temperaturen auf über °C
gefolgt von einer Regenzeit, in der das
Karstgestein große Mengen Wasser auf-
nimmt und über das Jahr verteilt allmäh-
lich wieder abgibt. Einige der Höhlensy-
steme haben eine Verbindung zur Ober-
äche und beherbergen deshalb eine au-
ßergewöhnliche und artenreiche Fauna
(Abb. ). Die Temperaturen sind in der
Höhle kaum niedriger als außerhalb, je-
doch ist hier ganzjährig eine stabile Lu-
feuchte von etwa   vorherrschend.
Im Halbschatten des Eingangsbereiches
sind die in diesem Gebiet endemischen
Höhlenanolis (Anolis bartschi)ug zu
nden. Etwas tiefer, aber immer noch
nahe am Eingangsbereich verstecken sich
tagsüber Kubanische Schlankboas (Chila-
bothrus angulifer). Tief im Inneren einer
Höhle, wo kein Tageslicht mehr hinreicht,
sind dann natürlich an den
Decken hängende Fleder-
mäuse zu nden, die durch
ihre Ausscheidungen Gril-
len (Amphiacusta spec.)
Abb. 3:
Eleutherodactylus zeus,
juvenil, Cueva de San-
to Tomás, 17.10.2018.
Foto: S. V
Abb. 2:
Eleutherodactylus
zeus, männlich, Cueva
de Santo Tomás,
17.10.2018.
Foto: S. V
S V
amphibia, 18(1), 2019 25
Abb. 4:
Höhlenkrabbe (Epilo-
bocera gertraudae) aus
der Cueva de Santo
Tomás, 17.10.2018.
Foto: S. V
und Krabben (Epilobocera gertraudae)
mit Nahrung versorgen. Enthält die Höh-
le ein größeres Gewässer, was nicht selten
der Fall ist, leben in diesem sogar Höhlen-
sche (Lucifuga dentata).
Eleutherodactylus zeus hat sich auf den
Eingangsbereich von der halbdunklen bis
zur dunklen Zone spezialisiert und hält
sich dort bodennah auf. Der Eingangsbe-
reich muss dafür von einem intakten me-
sisch-feuchten Laubwald umgeben sein,
da nur so ein stabiles Mikroklima gehalten
wird und auch nur dann genug Anugin-
sekten, Spinnen und Weichtiere die Höhle
besuchen, die als Nahrung dienen. In der
Höhle zeigt Eleutherodactylus zeus sowohl
Tag– als auch Nachtaktivität, allerdings
wird nur nachts von beiden Geschlechtern
gerufen (A et al. ). Der Werbe-
ruf der Männchen dauert  bis  Milli-
sekunden und wird - mal in der Mi-
nute mit einem Intervall von , – , Se-
kunden zwischen den Rufen wiederholt.
Die Bandbreite reicht von , – , kHz
(D  C ). Wird ein Frosch
ergrien, stoßen diese mehre Schreckrufe
aus (eig. Beob.). Die adulten Geschlechter
lassen sich anhand der Größe unterschei-
den, wobei die kleineren Männchen meist
unter  mm Körperlänge bleiben (Abb.
). Bei den Weibchen schimmert außer-
dem meist ein Laichansatz der gelblichen
Eier durch die Bauchdecke. Eine graue bis
bräunliche Grundfärbung ist je nach Ak-
tivität und Tageszeit heller oder dunkler
marmoriert, die Augenlieder schimmern
grün bis blau. Auällig bei dieser Art
sind die besonders großen Trommelfelle,
die eine Anpassung an den Lebensraum
Höhle sein können. Gelege in einer Grö-
ße von – Eiern wurden im Mai zwi-
schen  und  Metern vom Höhlen-
eingang entfernt oen auf und teilweise
im Bodensubstrat gefunden (B et al.
). Wahrscheinlich ist ein mehrmaliges
Ablaichen im Jahr, wie bei anderen Ver-
tretern der Eleutherodactylidae, möglich
(H ). Frisch abgelegte Eier sind
unter  mm dotterreich und noch un-
pigmentiert. Die Embryonalentwicklung
vollzieht sich im Ei, wobei das Volumen
zunimmt. Mit einem Durchmesser von
etwa , mm schlüpfen voll entwickelte
Jungfrösche mithilfe eines Eizahns auf der
Schnauzenspitze aus dem Ei. Nach dem
Schlupf zehren die Jungfrösche noch ei-
nige Tage von ihrem Dottervorrat, bevor
sie kleinste Springschwänze, später auch
Moskitos aufnehmen (Abb. ). Weibchen
als auch Männchen betreiben Brutpege
Eleutherodactylus zeus S 1958 – Kurzporträt eines Höhlenfrosches aus Kuba
amphibia, 18(1), 2019
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(B et al. ), verteidigen den Ei-
ablageplatz gegen Artgenossen und an-
dere Fressfeinde und halten das Gelege
feucht. Während adulte Frösche gelegent-
lich Schlangen oder Eulen zum Opfer fal-
len, werden die Jungfrösche auch von Sko-
lopendern, Geißelskorpionen und Geißel-
spinnen nachgestellt.
Viele Eleutherodactylus der großen An-
tillen nutzen Höhlen als Tagesverstecke
oder während der Trockenzeit, aber nur
wenige Arten haben sich derart auf ein Le-
ben in der Höhle spezialisiert wie Eleuthe-
rodactylus zeus, wo sie mit Höhlenkrab-
ben und Höhlenanolis in guter Gesell-
scha leben (Abb.  und ).
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-.
Eingangsdatum: . . 
Lektorat: I. Kraushaar, Dr. W.-R. Grosse
Autor:
S V
Spangenbergstraße 
 Eisleben
Abb. 5:
Höhlenanolis (Anolis
bartschi), Eingang der
Cueva de Santo Tomás,
17.10.2018.
Foto: S. V
S V
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Eleutherodactylus zeus (Cuban Giant Frog)
  • L Y García
García, L. Y. (2012): Eleutherodactylus zeus (Cuban Giant Frog). Record size. -Herpetological Review 43(4): 631. Gómez, A. R. (2015): Amphibians, Threatened! Endangered Species in Cuba. -Hrsg. Larramendi, J. A. & N.V. Dávila, Editiones Polymita S. A., Guatemala City. Haas, A. (2000): Frösche ohne Larven: die Fortpflanzung von Eleutherodactylus coqui Thomas, 1966. -elaphe 8 (3): 16-19. Eingangsdatum: 22. 11. 2018