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Literatursoziologie – eine Fragestellung mit Brückenfunktion: Grundlagen, Problemstellungen und Theorien

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Literatursoziologie, so wurde am Beginn gesagt, ist keine Disziplin, sondern eine auf das Verhältnis von Literatur und Gesellschaft gerichtete Fragestellung. Wenn aber der Gegenstand der Literatursoziologie die wechselseitige Beziehung zwischen Literatur und Gesellschaft ist, so muss Literatursoziologie auch immer wieder neu bestimmen, was zu einer jeweiligen Zeit in einem bestimmten Raum überhaupt unter Literatur und Gesellschaft verstanden wird. Wir möchten deshalb am Ende unserer Ausführungen noch einmal die transdisziplinäre Ausrichtung der Literatursoziologie als fächerübergreifende Fragestellung betonen und Anschlussstellen zu aktuellen Tendenzen in der Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft und Soziologie herausstellen. Die Anordnung der Disziplinen folgt dabei keiner Hierarchie, sondern der Annahme, dass sich das aus literatursoziologischer Perspektive Eigentliche der Literatur: ihre symbolische und gesellschaftliche Verfasstheit, nur über ihre Verortung an der Schnittstelle von Kultur und Gesellschaft (einschließlich ihrer jeweiligen Wissenschaften) erfassen lässt.

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Für das Wort bzw. den Begriff Boheme gilt, was Bollenbeck für die Avantgarde festhielt, dass sich nämlich in ihm Erfahrungen sammeln und Erwartungen bündeln. Folgt man Kreuzer, so beginnt die Wortgeschichte mit einer auf Böhmen bezogenen französischen Herkunftsbezeichnung für Zigeuner, welche man seit ihrem ersten Auftreten im 15. Jahrhundert unter anderem als „bohémiens“ bezeichnete. Dieser ursprüngliche Charakter der Herkunftsbezeichnung ging in der Folge verloren. Was sich durchsetzte, war die Wortbedeutung als „Ausdruck für unordentliche, liederliche Sitten“. So wurden in Deutschland die Vokabeln Zigeuner und Zigeunerleben auch unabhängig von der ethnischen Bedeutung gebraucht. Mit der Romantik trat eine figurative Verwendung von Boheme als Selbstbezeichnung von Künstlern und Schriftstellern mit antibürgerlichem Selbstverständnis auf. Analogbildungen wie Dichtervagabund oder Literatur- und Kunstzigeuner sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts belegt, während sich das Fremdwort Boheme für unbürgerliche Künstler- und Autorengruppen seit den 1860er Jahren finden lässt. Gautier verband 1849 mit dem Begriff der Boheme die Liebe für die Kunst und den Bürgerschreck. Murger sah in ihr die Durchgangsstation mittelloser jünger Künstler, welche später den Weg entweder in die Akademien oder auf den Friedhof antraten.