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Entoloma studies in Central Europe I – Two new Entoloma species described from Germany. Z. Mykol. 77/2: 181-190

Authors:

Abstract

Two new Entoloma species from Germany, Entoloma pseudocyanulum Wölfel and Entoloma venustum Wölfel & F. Hampe, are described and illustrated with line drawings and photomicrographs. The morphological differences with similar species are discussed.
ZEITSCHRIFT FÜR MYKOLOGIE, Band 77/2, 2011 181
Anschrift der Autoren: 1Gerhard Wölfel, Holbeinweg 14, D-59872 Meschede
2Felix Hampe, Bahnhofstraße 12, D-99189 Andisleben
Entoloma-Forschung in Mitteleuropa I
Zwei neue Entoloma-Arten aus Deutschland
GERHARD WÖLFEL1*&FELIX HAMPE2
WÖLFEL,G.&F.HAMPE (2011): Entoloma studies in Central Europe I –Two new Entoloma species
described from Germany. Z. Mykol. 77/2: 181-190
Key words: Basidiomycetes, Agaricales, Germany, Entoloma pseudocyanulum,Entoloma venus-
tum,Leptonia.
Summary: Two new Entoloma species from Germany, Entoloma pseudocyanulum Wölfel and En-
toloma venustum Wölfel & F. Hampe, are described and illustrated with line drawings and pho-
tomicrographs. The morphological differences with similar species are discussed.
Zusammenfassung: Mit Entoloma pseudocyanulum Wölfel und Entoloma venustum Wölfel & F.
Hampe werden zwei bislang unbekannte Rötlingsarten aus Deutschland neu beschrieben und in die
Wissenschaft eingeführt. Ihre charakteristischen Merkmale werden ausführlich durch Makro- und
Mikrofotos dargestellt und durch Zeichnungen ergänzt. In der Diskussion erfolgt eine Abgrenzung
zu verwandten Arten.
1. Einführung
Die jahrzehntelange Bearbeitung der Gattung Entoloma durch Machiel E. Noordeloos und
diverse Mitarbeiter, deren Ergebnisse sich in zahlreichen Publikationen wieder finden, hat
dazu geführt, dass die Kenntnis der europäischen Arten enorm gestiegen ist.Als Folge davon
ist die Bearbeitung von Rötlingsfunden inzwischen deutlich leichter geworden. Trotz moderner
Schlüssel stößt man jedoch immer wieder auf Funde, die sich nicht bestimmen lassen. Zwei
solche Funde werden hier nach Abklärung aller Daten als neue Arten beschrieben.
Mehr durch Zufall stieß der Erstautor bei einer Exkursion im Arnsberger Wald auf win-
zige Fruchtkörper einer fast schwarz gefärbten Rötlingsart. Der körnig-schuppig bekleidete
Hut ermöglichte schon makroskopisch eine Zuordnung zur Untergattung Leptonia. Der Zwer-
genwuchs und der durchscheinend gestreifte Hut ließen an Entoloma cyanulum (Lasch) Noor-
del. denken. Allerdings passte die Färbung der Fruchtkörper nicht so recht zu dieserArt, und
auch mikroskopisch zeigten sich deutlicheAbweichungen. Bald war klar, dass es sich bei dem
Fund um eine noch unbeschriebene Art handeln muss. Um alle Altersstadien der Art zu erfas-
© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
sen, wurde der Standort mehrere Tage hinweg besucht. Die nachstehende Neubeschreibung
von Entoloma pseudocyanulum basiert auf diesen Beobachtungen.
Bei der fungistischen Bearbeitung von sandigen Mager- und Trockenrasen im Norden
Hannovers stieß der Zweitautor am 02.11.2010 auf mehrere Fruchtkörper eines freudig ge-
färbten Entoloma mit auffälligem Geruch. Bis zum 21.11.2010 erfolgte mehrfach eine Nach-
suche am Standort, als deren Ergebnis weitere Kollektionen ausgewertet werden konnten.
Nach Beurteilung sämtlicher Makro- und Mikromerkmale waren die Funde allerdings keiner
bislang bekannten Art zuzuordnen, sodass die beobachtete Spezies hier als Entoloma venus-
tum neu beschrieben werden soll.
2. Material und Methoden
Die Fruchtkörper von Entoloma pseudocyanulum wurden über mehrere Tage am Standort be-
obachtet und mit einer Leica R8 fotografiert. Die im Artikel verwendete Abbildung wurde
mit einer Nikon Coolscan 4 ED digitalisiert. Zur Ermittlung der mikroskopischen Merkmale
wurde ein Olympus-Mikroskop (CH40RF200) verwendet. Die Untersuchung erfolgte sowohl
in destilliertem Wasser als auch in Kongorot (in der Modifikation nach CLÉMENCON 1999). Für
Mikrofotos wurde eine Bresser MikroCam 1.3 verwendet.
Von Entoloma venustum wurden mehrere Kollektionen aufgenommen und mit einer Fujifilm
FinePix s100fs am Standort und teils im Studio fotografisch dokumentiert. Der Beschreibung
der makroskopischen Fruchtkörpermerkmale folgte die mikroskopische Untersuchung mehre-
rer Fruchtkörper aus unterschiedlichen Kollektionen. Hierbei wurde vom Zweitautor ein La-
bormikroskop vom Typ JENALAB von Carl Zeiss Jena verwendet. Die Sporenmessreihen
wurden mit dem ProgrammAxioVision V.4.8.2 ebenfalls von Carl Zeiss am PC durchgeführt und
ausgewertet. Die Sporen wurden dabei in Wasser in 1600-facher Vergrößerung (Ölimmersion)
mit einer Panasonic Lumix DMC-FX30 Kamera durch das Okular fotografiert und anschlie-
ßend auf den PC übertragen. Insgesamt wurden sechs Messungen von jeweils 60 Sporen durch-
geführt. Als Grundlage dienten Sporenabwürfe von drei Kollektionen unterschiedlicher
Fundtage. Für die Mikrofotos der Sporen sowie der Lamellenschneide wurde dieselbe Kamera
verwendet, die Aufnahmen entstanden jedoch bei 1000-facher bzw. 400-facher Vergrößerung.
Die mikroskopischen Untersuchungen der Trama sowie der HDS erfolgten wie beim Erstautor
in Wasser sowie in Kongo SDS. Für die anschließende Überprüfung von Entoloma venustum
wurde vom Erstautor dasselbe Equipment wie für E. pseudocyanulum beschrieben verwendet.
Farbangaben in den Beschreibungen wurden mit dem Taschenlexikon der Farben von
KORNERUP & WANSCHER (1981, 3. Auflage) ermittelt.
3. Ergebnisse und Diskussion
3.1. Entoloma pseudocyanulum Wölfel spec. nov.
MycoBank-Nummer: MB561136
Etymologie: pseudo = unecht; wegen der Ähnlichkeit mit Entoloma cyanulum
Pileus 0,9–1,1(1,3) cm latus, iuventute convexus, saepe cum papilla, nigricans, centro crasse granuloso-
scabrosus, in aliis cuticulae partibus translucenter striatus et minutis granulis nigriusculis tectus, mox
plano-convexus vel totus applanatus, tener, submembranaceus, in expansione colore vix mutanti, sed
demum carnis leviter translucentis effecto clariore parenti, vetustate etiam leviter badiotinctus (effecti
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lamellarum ruboris causa), haud distincte hygrophanus; lamellae solite confertae vel subdistantes, pro-
funde emarginatae cum denticulo decurrenti, primo albae, mox sublividae, vetustate sordide salmoneae;
stipes 2,0–5,5 cm altus, 0,5–1,5 mm latus, cylindraceus, anguste cavus, glaber, politus, totus pulchro co-
lore obscuro-cyaneo vel chalybaeo et longe persistenti postquam carpophorus lectus est, basim tomento
albo abundanti; caro inodora; sporae crassotunicatae, solite regulares cum (5)6 angulis distinctis, 9,9–
11,7(12,5) ×(7,0)7,6–8,6(9,0) mm, Q = (1,25)1,30–1,45(1,5); basidia tetrasporigera; cheilocystidia
subclavata, usque 15 mm lata, usque 45 mm longa; pileipellis ad pilei marginem versus cute constans
cum transitione ad trichodermam, ad centrum versus magis magisque ad trichodermam transiens, cel-
lulis terminalibus clavatis, usque 22 mm latis, pigmentis intracellularibus; fibulae nullae.
Locus: Germania, regione Nordrhein-Westfalen, in loco dicto Arnsberger Wald, 250 s.m., MTB 4615/1,
01.-08.09.2006, leg. Wölfel.
Holotypus in Rijksherbarium Leiden (L) conservatur, Wölfel E06/06.
Makroskopische Merkmale (Abb. 1): Hut : 0,9–1,1(1,3) cm breit, jung konvex mit meist pa-
pillierter Mitte und fast schwarz (kaum mit Blauton), in der Mitte grobkörnig-rau, auf der
restlichen, komplett durchscheinend gestreiften Hutoberfläche mit feinen schwärzlichen Körn-
chen besetzt; schnell aufschirmend und dann flach konvex oder sogar tellerartig ausgebreitet,
zart, dünnhäutig, obwohl beim Aufschirmen kaum eine Veränderung der Färbung auftritt,
wirkt der ganze Hut wegen des etwas durchscheinenden Fleisches heller, alt auch mit Braun-
ton (Rotfärbung der Lamellen!), nicht richtig hygrophan, Rand unregelmäßig gezackt. La-
mellen: l = 1–3, normal bis leicht entfernt stehend, tief ausgerandet und mit herablaufendem
Zähnchen angewachsen, jung weiß, schon bald mit blaugrauem Beiton, alt schmutzig lachs-
rosa, Schneide gleichfarbig, glatt. Stiel: 2,0–5,5 cm lang, 0,5–1,5 mm dick, zylindrisch, eng-
hohl, kahl und glatt wie poliert, schön einheitlich dunkel schwarz- bis stahlblau und auch
lange nach dem Aufsammeln so bleibend, Basis mit üppigem, weißem Tomentum bedeckt.
Geruch und Geschmack: ohne besondere Nuance.
WÖLFEL, G. & F. HAMPE:Entoloma-Forschung in Mitteleuropa I 183
© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
Abb. 1:
Entoloma pseudocya-
nulum, Abbildung der
Typuskollektion am
locus typicus.
Foto: G. Wölfel.
Mikroskopische Merkmale: Sporen (Abb. 2 & 4):
dickwandig, meist regelmäßig (5)6-eckig, Ecken gut
ausgeprägt, 9,9–11,7(12,5) ×(7,0)7,6–8,6(9,0) µm,
Q = (1,25)1,30–1,45(1,5), l-d = 2–4 µm. Basidien:
breit keulig bis wurstförmig, viersporig. Zystiden:
Schneide heteromorph bis völlig steril. Cheilozysti-
den (Abb. 3): schwach keulig, bis 15 mm breit, bis 45
mm lang, manchmal pigmentiert. Trama: regulär,
lichtbrechende Körnchen fehlend. Huthaut:Am Rand
eine Kutis mit Übergängen zu einem Trichoderm und
zur Mitte hin immer mehr in ein Trichoderm über-
gehend, Endzellen keulig, bis 22 µm breit. Pigment:
rein intrazellulär, im Mikroskop dunkelgrau.
Schnallen: überall fehlend.
Vorkommen: Im Laub einer lichten, grasig-moo-
sigen Stelle auf schwach saurem Boden bei Hain-
buche, Bergahorn und Buche. Bisher ist dieArt nur
vom Typusstandort bekannt.
Artabgrenzung
Entoloma pseudocyanulum gehört zu den kleinsten
in Europa bekanntenArten der Untergattung Lepto-
nia. Sie ähnelt in Größe und in dem vollständig
durchscheinend gestreiften Hut Entoloma cyanulum
(Lasch) Noordel. Das hat auch zur Namens-
wahl geführt. Die kleineren, einfacher ge-
bauten Sporen, die schwärzlichen Farben
(praktisch während der gesamten Wachs-
tumsphase ohne Blauton!) und die fast
immer vorhandene Papille unterscheiden
den Fund jedoch deutlich von letzterer Art.
EINHELLINGER (1973) beschreibt unter
dem Namen Rhodophyllus cyanulus einen
„Winzling“ mit ähnlichen Mikromerkma-
len wie Entoloma pseudocyanulum. Jedoch
unterscheidet sich Einhellingers Fund
durch den flockig bekleideten Stiel, den
halbkugeligen Hut sowie durch die Fär-
bung deutlich von Entoloma pseudocyanu-
lum. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass
sich Einhellingers Fund auch von Ento-
loma cyanulum ss. stricto (die Art hat auch noch größere Sporen) unterscheidet.Andere win-
zige Leptonien ähnlicher Form und Färbung sind aus Europa nicht bekannt.
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© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
Abb. 4: Sporen in Wasser (Holotypus), Vergr.:
1000x. Foto: G. Wölfel.
10 µm
10 µm
Abb. 2: Sporen vom Holotypus.
Zeichnung: G. Wölfel.
Abb. 3: Cheilocystiden vom Holotypus.
Zeichnung: G. Wölfel.
WÖLFEL, G. & F. HAMPE:Entoloma-Forschung in Mitteleuropa I 185
© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
LARGENT (1994) beschreibt mehrere winzige Arten der Untergattung Leptonia von der
amerikanischen Westküste. Leptonia atrifucata ist zwar mikroskopisch ähnlich aufgebaut, be-
sitzt aber einen stämmigen, nicht polierten grauen Stiel und eine filzig-feinschuppige, un-
durchsichtige Hutoberfläche. Leptonia ovatospora hat stark gerundete, größere Sporen und
anders gefärbte Hüte und Stiele.
3.2. Entoloma venustum Wölfel & F. Hampe spec. nov.
MycoBank-Nummer: MB561135
Etymologie: Der lieblichen Farben und des angenehmen Geruchs wegen wurde für die Art das vom
Namen der Göttin Venus abgeleitete Adjektiv verwendet.
Pileus 0,5–3 cm latus, convexus, numquam applanatus vel umbilicatus, cuticula sicca, tota subtomen-
tosa, haud hygrophana, haud striata, roseo-lilacina vel lilaceo-coerulea, colore florium Syringae vulga-
ris; lamellae subdistantes, adnatae-emarginatae vel subdecurrentes, primo lilaceo-coeruleae, demum
leviter roseotinctae; stipes 2,0–5,0 cm altus, 0,3–2,5 mm latus, cylindraceus, minute fibrillosus, obscure
violaceo-coeruleus, basim albo-tomentosus; caro odore forti, dulci, cerasum vel Violam odoratam in
mentem revocanti; sporae angulatae cum 6(8)-angulis, 8,4–12,7 ×6,0–8,6 µm, Q= (1,2) 1,35–1,55
(1,75); cheilocystidia sphaeropedunculata, 45–60 ×15–28 µm; pileipellis trichoderma constans, pig-
mentis intracellularibus et subtiliter incrustantibus; fibulae frequentes.
Locus: Germania, regione Niedersachsen, urbe Hannover-Nord, in loco dicto Kugelfangtrift,MTB
3524/4, 50 s.m., 13.11.2010, leg. F. Hampe
Holotypus in Rijksherbarium Leiden (L) conservatur,Wö E17/10
Isotypus: Deutschland, Niedersachsen, Hannover-Nord, Kugelfangtrift, 13.11.2010, leg. F. Hampe,
Fungarium Knut & Klaus Wöldecke, Hannover, FW-1110-010FH-Iso
Makroskopische Merkmale (Abb. 5, 6): Hut: 0,5–3 cm im Durchmesser, konvex bis kege-
lig-konvex, nie ganz flach ausgebreitet, teilweise mit breitem flachem Buckel, maximal ein-
seitig etwas flach wellig werdend, Hutrand leicht eingebogen, ungerieft, nur nach starker
Durchfeuchtung etwas durchscheinend gestreift, nicht hygrophan, nicht durchscheinend, etwas
glänzend (beim Trocken wie seidig-metallisch glänzend wirkend), vollständig feinfilzig, jung
rosalila (14D8), bald mit Violetttönen, alt rein violett (etwa 17E7) und dann in der Mitte auch
angedrückt schuppig werdend (Hutmitte bei größeren Fruchtkörpern alt mehr rosabraun). La-
mellen: l = 1–3, etwas entfernt stehend, deutlich ausgebuchtet bis breit angewachsen oder
sogar mit herablaufendem Zahn, bauchig, dicklich, etwas adrig und am Grunde anastomo-
sierend, rosa-violett, fliederfarben, wie der Hut oder ähnlich diesem gefärbt (jung rosalila,
bald hell violett in allen Nuancen und lange so bleibend), manchmal heller als der Hut, nur
ganz allmählich ausblassend, erst im Alter zunehmend mit Rotton; Schneide unregelmäßig
wellig-gefurcht, heller als die Flächen. Stiel: 2,0–5,0 cm lang, 0,3–2,5 mm breit, zylindrisch
mit leicht verdickter Basis, hohl, trocken etwas glänzend (jedoch niemals wie poliert!), vio-
lett, dunkel-lila, stahlblau, immer dunkler als der Hut gefärbt, tendenziell mit weniger Rot-
Anteilen, dafür mehr dunkelblau-violette Farbnuancen, bei feuchter Witterung und frischen
Fruchtkörpern dunkel ultramarinblau ohne violette Anteile (17F8-19D8), lange so bleibend,
auf der ganzen Länge mit feinen weißlichen Fäserchen besetzt (an der Stielspitze besonders
stark, sodass diese heller als der restliche Stiel erscheint), Stielbasis von üppigem weißem
Tomentum umschlossen (kann das ganze untere Drittel der Stiellänge umhüllen). Geruch:
bei allen Aufsammlungen konstant deutlich und stark (aber nicht streng, penetrant oder un-
angenehm) nach Kirschbonbon oder Veilchen.AndereAssoziationen waren angenehm fruchtig
oder blütenartig. Geruch auch am zweiten Tag nach dem Aufsammeln noch vorhanden. Ge-
schmack: unbekannt.
Mikroskopische Merkmale: Sporen (Abb. 7, 8): 6(8)-eckig, dickwandig, Ecken normal aus-
geprägt, leicht bis deutlich heterodiametrisch, 8,4–12,7 ×6,0–8,6 µm, l-d = 1,7–4,5 µm, Q =
(1,2)1,35–1,55(1,75). Bei der Messung wurden keine Sporen berücksichtigt, die durch Aus-
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© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
Abb. 5:
Entoloma venustum,
Holotypuskollek-
tion am locus typi-
cus 13.11.2010.
Foto: F. Hampe.
Abb. 6:
Entoloma venustum,
Studiofoto,
02.11.2010.
Foto: F. Hampe.
WÖLFEL, G. & F. HAMPE:Entoloma-Forschung in Mitteleuropa I 187
© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
keimung deutlich verlängert waren. Bei solchen
Sporen kann man bis 16 µm Länge messen, und der
Quotient kann bis zu 2,5 erreichen. Basidien: bau-
chig, 4-sporig, 35–45 ×12–18 µm. Cheilozystiden
(Abb. 9 & 10):Schneide heteromorph, mit einzel-
nen dünnwandigen, ballonförmigen Cheilozystiden,
die manchmal nicht leicht von Basidiolen zu unter-
scheiden sind, 45-60 ×15-28 µm. Trama: regulär,
lichtbrechende Körnchen fehlend. Huthaut: auf der
ganzen Hutbreite ein Trichoderm, Endzellen
schwach keulig, bis 25 µm breit. Pigment: domi-
nierend intrazellulär, bläulich, ergänzend dazu in
der Huthaut auch leicht inkrustierend.
Schnallen: am Fuß der Basidien, in der
Trama, in der Huthaut usw. überall häu-
fig, gut ausgeprägt.
Standort (Abb. 11): 2.–21.11.2010,
insgesamt 35 Fruchtkörper, leg. F.
Hampe; MTB 3524/4, Hannover-Nord,
Landschaftsschutzgebiet Kugelfangtrift
(ehemaliger Truppenübungsplatz), Hei-
deflächen, saurer Sandmagerrasen auf
zum Teil wechselfeuchten, über durch
Ortsteinbildung verfestigten Boden-
schichten, in der Nähe (Umkreis bis 60
Meter) Birke, Eiche, Erle, Weide. Typi-
sche Florenelemente im
Fundareal (Auswahl):
Calluna vulgaris (L.)
Hull, Danthonia decum-
bens (L.) DC, Festuca
ovina agg., Molinia cae-
rulea agg., Polytrichum
juniperinum Hedw. und
Polytrichum piliferum
Schreb. ex Hedw.
Begleitfunga: Clito-
cybe marginella Har-
maja, Clitocybe rivulosa
(Pers.) P. Kumm., My-
cena aetites (Fr.) Quél.,
Mycena olivaceomargi-
nata (Massee) Massee, Neottiella vivida (Nyl.) Dennis, Octospora humosa (Fr.) Dennis, Psi-
locybe montana (Pers.) P. Kumm., Rhodocybe parilis (Fr.) Singer.
Abb. 7: Sporen (Holotypus).
Zeichnung: G. Wölfel.
10 µm
Abb. 8: Sporen in Wasser, Vergr.: 1000x (Holotypus).
Foto: F. Hampe.
Abb. 9: Cheilozystiden (Holotypus). Zeichnung: G. Wölfel.
10 µm
Artabgrenzung
Aufgrund seines Habitus, des Hutaufbaus und der Schnallen gehört Entoloma venustum in
die Sektion Leptonia der Untergattung Leptonia. Pigmentierung und vorhandene Cheilozys-
tiden stellen die Art in die Verwandtschaft von E. dichroum (Pers.) P. Kumm., E. allochroum
Noordel., E. tjallingiorum Noordel. usw. Zu vergleichen ist auch die von NOORDELOOS (1987)
beschriebene Form von E. lampropus mit Cheilozystiden. Keine dieser Arten weist jedoch
ähnliche Hutfarben, bläuliche Lamellen und einen vergleichbaren Geruch auf. Die ballonför-
migen Cheilozystiden sind ein weiteres gutes Trennmerkmal.
In der Literatur zuArten Nordamerikas (LARGENT 1994, NOORDELOOS 1989), Afrikas (RO-
MAGNESI 1941, ROMAGNESI & GILLES 1979) und des pazifischen Raums (HORAK 1980) findet
sich ebenfalls keine vergleichbare Art.
4. Schlussfolgerungen
Zwar stehen unsere Kenntnisse zur Taxonomie der Gattung Entoloma heute dank der ein-
gangs erwähnten intensiven Bearbeitung in den letzten Jahrzehnten auf einer erheblich soli-
deren Grundlage. Dennoch sind, wie auch im vorliegenden Beitrag gezeigt werden konnte,
noch keineswegs alle Fragen geklärt, sodass diese komplexe Gattung nach wie vor mit teils
erheblichen Bestimmungsproblemen behaftet ist und auch in Zukunft noch neue Arten zu be-
schreiben sein werden.
188 Z. MYKOL. 77/2, 2011
© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
Abb. 10: Lamellenschneide mit einzelner Cheilozystide (Holotypus) in Kongorot SDS. Vergr.: 400x.
Foto: F. Hampe.
WÖLFEL, G. & F. HAMPE:Entoloma-Forschung in Mitteleuropa I 189
© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
Wie so viele Rötlinge ist Entoloma pseudocyanulum bisher nur vom Typusstandort her
bekannt. Das lässt natürlich keine umfassende Aussage zum Lebensraum dieserArt zu.
In Bezug auf Entoloma venustum hat sich gezeigt, dass auch eine intensive Beobachtung
von Habitaten, die wie Sandtrockenrasen auf sauren Böden nach verbreiteter Auffassung keine
sonderlich reiche Rötlingsfunga beheimaten, zur taxonomischen Erforschung der Gattung
beitragen kann.
Etwaige weitere Funde der hier neu beschriebenen, verhältnismäßig gut kenntlichenArten
wären zur besseren Kenntnis ihrer ökologischen Ansprüche wünschenswert.
5. Danksagung
Unser besonderer Dank gilt Herrn Jesko Kleine (Leipzig) für die Erstellung der lateinischen Di-
agnosen. Die Autoren bedanken sich bei Knut und Klaus Wöldecke (Hannover) für die um-
fangreichen Informationen zu Geologie und Flora des LSG Kugelfangtrift. Für wertvolle
Hinweise bei der Durchsicht des Manuskripts danken wir Jochen Girwert (Erfurt). Für den
fachkompetenten Informationsaustausch während dieserArbeit sowie die Eintragung der neuen
Spezies in die Online-Datenbank „MycoBank“ sei hier auch Machiel Noordeloos anerken-
nend erwähnt.
6. Literatur
EINHELLINGER, A. (1973): Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 44: 40.
HORAK, E. (1980): Entoloma (Agaricales) in Indomalaya and Australasia. Nova Hedwigia, Beiheft 65.
LARGENT, D. L. (1994): Entolomatoid Fungi of the Western United States and Alaska. Mad River Press,
Eureka.
KORNERUP, A. & J. H.WANSCHER (1981):Taschenlexikon der Farben. 3.Auflage. Muster-Schmidt, Zürich.
Abb. 11:
Locus typicus (LSG
Kugelfangtrift).
Foto: F. Hampe.
MYKOBANK (2011): www.mycobank.org
NOORDELOOS, M. E. (1987): Entoloma (Agaricales) in Europe. Nova Hedwigia, Beiheft 91
NOORDELOOS, M. E. (1992): Entoloma s. l. Fungi Europei 5. G. Biella, Saronno.
NOORDELOOS, M. E. (2004): Entoloma s. l. Fungi Europei 5A. Candusso, Saronno.
NOORDELOOS, M. E. (1988): Entoloma in North America. Gustav Fischer, Stuttgart.
ROMAGNESI, H. (1941): Les Rhodophylles de Madagascar. Paris.
ROMAGNESI,H.&G.GILLES (1979): Les Rhodophylles des forêts côtières du Gabon et de la Côte
d´Ivoire. Nova Hedwigia, Beiheft 59.
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© 2011, Deutsche Gesellschaft für Mykologie
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  • A J H Kornerup
  • Wanscher
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  • E Horak
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Entolomatoid Fungi of the Western United States and Alaska
  • D L Largent
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Entoloma s. l. Fungi Europei 5A. Candusso
  • M E Noordeloos
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