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Kurzzeit-und Langzeiteffekte einer sportpsychologischen Teambuilding-Maßnahme im erlebnispädagogischen Setting-ein Feldexperiment

Authors:

Abstract

Im Rahmen eines Feldexperiments wurden mögliche Kurz- und Langzeiteffekte einer 8-stündigen Teambuilding-Intervention auf die Mannschaftskohäsion von Frauenfußballmannschaften untersucht. Dabei bildeten zwei Mannschaften der dritten Fußball-Bundeliga der Frauen die Versuchsgruppe (n=34), die eine Teambuilding-Maßnahme in Form von Kooperationsaufgaben, kleinen Interaktionsspielen (Warm-Ups genannt) und sportpsychologischem Zielsetzungstraining (Saisonziele, Rolle der Spielerinnen) im erlebnispädagogischen Setting im Rahmen einer erlebnispädagogischen Methodik erhielten. Zwei weitere Mannschaften fungierten als „No-Intervention-Kontrollgruppe“ (n=40). Im Hauptergebnis finden wir keinen Haupteffekt „Gruppe“, jedoch sowohl einen Haupteffekt „Zeit“ (F=11.90, p=.000, Eta2=.256), als auch einen Interaktionseffekt „Gruppe mal Zeit“ (F=10.75, p=.000, Eta2), der auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Versuchsgruppenteilnehmerinnen sowohl in der Sozial- als auch in der Aufgabenkohäsion ansteigen, während die Kontrollgruppenteilnehmerinnen auf dem Ausgangsniveau bleiben.
Kurzzeit- und Langzeiteffekte einer sportpsychologischen Teambuilding-Maßnahme im
erlebnispädagogischen Setting ein Feldexperiment
Anne Lenz & Oliver Stoll
Institut für Sportwissenschaft, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Schlüsselwörter:
Teambuilding, Erlebnispädagogik, Mannschaftszusammenhalt, Kohäsion
Einleitung
11 Freunde müsst ihr sein., dies ist ein bekanntes Zitat von Sepp Herberger, dem ehemaligen
Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft von 1950 bis 1964. Herberger scheint mit seinem
Zitat darauf hinweisen zu wollen, dass der Zusammenhalt einer Fußballmannschaft eine wichtige
Komponente im sportlichen Alltag sei. Doch mit welchen Maßnahmen und in welcher Zeitspanne
kann der Mannschaftzusammenhalt erkennbar positiv beeinflusst werden? Und sind es eher soziale
oder aufgabenorientierte Aspekte der Interventionen, die die Mannschaftskohäsion beeinflussen und
ggf. sogar einen Zusammenhang mit Spielerfolg aufweisen. Glaubt man Herbergers Ratschlag, so
müssten es eher die sozialorientierten Aspekte sein, die zu diesem Effekt führen. Darüber hinaus ist
bis zum heutigen Tag wenig darüber bekannt, wie nachhaltig eine solche Maßnahme bezogen auf
den Mannschaftszusammenhalt ist. In Spielsportarten wie Fußball, Volleyball oder Eishockey sind
gerade zu Beginn einer Saison sogenannte „Team-Tage“ weit verbreitet. Nach Auffassung der Trainer
sollen diese dazu führen, dass die Mannschaftskohäsion steigt. In diesem Zusammenhang wird häufig
auf Maßnahmen zurückgegriffen die einen erlebnispädagogischen Hintergrund haben.
Methode
Im Rahmen eines Feldexperiments wurden mögliche Kurz- und Langzeiteffekte einer 8-stündigen
Teambuilding-Intervention auf die Mannschaftskohäsion von Frauenfußballmannschaften
untersucht. Dabei bildeten zwei Mannschaften der dritten Fußball-Bundeliga der Frauen die
Versuchsgruppe (n=34), die eine Teambuilding-Maßnahme in Form von Kooperationsaufgaben,
kleinen Interaktionsspielen (Warm-Ups genannt) und sportpsychologischem Zielsetzungstraining
(Saisonziele, Rolle der Spielerinnen) im erlebnispädagogischen Setting im Rahmen einer
erlebnispädagogischen Methodik erhielten. Zwei weitere Mannschaften fungierten als „No-
Intervention-Kontrollgruppe“ (n=40). Erfasst wurde die Mannschaftskohäsion jeweils vor und nach
der Intervention sowie drei Monate später Follow-Up“. Dabei kam der Fragebogen MAKO-02 (Lau &
Stoll, 2002) zum Einsatz. Dieser Fragebogen erfasst mit Hilfe von 21 Items zwei Dimensionen der
Mannschaftskohäsion (Soziale- und Aufgabenorientierte Mannschaftskohäsion).
Ergebnisse
Die Daten wurden mit Hilfe eines Allgemeinen Linearen Modells (ALM) ausgewertet. Dabei bildeten
die Messzeitpunkte den Innersubjekt- und die Gruppenzuteilung den Zwischensubjektkontrast. Im
hier vorliegenden Abstract werden lediglich die Ergebnisse zu den Messzeitpunkten 1 und 2
berichtet. Die Daten zum dritten Messzeitpunkt lagen zum Einreich-Datum des Abstracts noch nicht
vor.
Im Hauptergebnis finden wir keinen Haupteffekt „Gruppe“, jedoch sowohl einen Haupteffekt „Zeit“
(F=11.90, p=.000, Eta2=.256), als auch einen Interaktionseffekt „Gruppe mal Zeit“ (F=10.75, p=.000,
Eta2), der auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Versuchsgruppenteilnehmerinnen sowohl in
der Sozial- als auch in der Aufgabenkohäsion ansteigen, während die Kontrollgruppenteil-
nehmerinnen auf dem Ausgangsniveau bleiben.
Diskussion:
Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Team-Building-Intervention im erlebnispädagogischen
Setting zumindest kurzfristig einen positiven Effekt auf die Mannschaftskohäsion hat und zwar
sowohl in der sozialen- als auch in der aufgabenorientierten Dimension. Es bleibt abzuwarten, ob sich
dieser Effekt auch in der Follow-Up-Erhebung zeigt, oder dieser wieder verschwindet. Zukünftige
Untersuchungen sollten ggf. eine Placebo-Kontrollgruppe berücksichtigen, die den reinen
„Zuwendungseffekt“ kontrolliert. Darüber hinaus wären größere Gruppengrößen wünschenswert.
Inhaltlich wäre zu überlegen, wie eine Intervention konkret aussehen müsste, um spezifische
Wirkungen (entweder eher auf die soziale oder die aufgabenorientierte Kohäsion) anzuzielen und
inwieweit hier die Angewandte Sportpsychologie sowie die Erlebnispädagogik in einen engeren
Austausch gehen sollten, um über eine Mischung oder Integration ihrer jeweiligen
Interventionsformen zu diskutieren, um für die Zukunft in beiden Settings Optimierungen im Bereich
des Team-Buildings und der Team-Entwicklung im und durch Sport zu erreichen. Dazu gehören auch
Fragen des Umfangs und der Intensität solcher Interventionsformen.
Literatur:
Lau, A. & Stoll, O. (2002). Zur Validität und Reliabilität des Fragebogens zur Mannschaftskohäsion von
Sportspielmannschaften (MAKO 02). Beitrag zur Tagung der Deutschen Gesellschaft für
Psychologie (DGPs) in Berlin 2002 (S. ). Göttingen: Hogrefe.
Schliermann, R., & Hülß, H. (2016). Mentaltraining im Fußball . Hamburg: Feldhaus Verlag.
Stoll, O., Pfeffer, I., & Alfermann, D. (2010). Lehrbuch Sportpsychologie. Bern: Huber.
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