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„Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks – ein Forschungsprojekt in der Nachschau: Band 3: Wege der Vermittlung. Intervention - Partizipation

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Abstract

Der Beitrag untersucht ex post ein inter- und transdisziplinäres Forschungsprojekt zu Beteiligungsmöglichkeiten an regionalen Planungs- und Entscheidungsprozessen. Anhand von Kurzinterviews mit VertreterInnen des damaligen ForscherInnenteams und ausgewählten Projektbeteiligten wird untersucht, welche Eindrücke und Auswirkungen das Forschungsprojekt im Praxisfeld hinterlassen hat. Dabei wird in Abwandlung eines Ausspruchs von Paul Watzlawick sichtbar, dass es in transdisziplinären Prozessen nicht möglich ist, nicht zu intervenieren. Art und Umfang der Intervention sind eine Funktion des gewählten Prozess-Designs sowie der eingesetzten Methoden.
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Was bleibt?“ Partizipationsprozesse
in Biosphärenparks – ein
Forschungsprojekt in der Nachschau
Michael Jungmeier, Ina Paul-Horn, Christina Pichler-Koban
und Daniel Zollner
6.1 Einleitung
6.1.1 Transdisziplinäre und gesellschaftlich
verantwortliche Forschung
Der Forschungsschwerpunkt Kulturlandschaft (Begusch et al. 1995), ein
Forschungsprogramm der 1990er Jahre, hat den österreichischen Diskurs über
Methoden, Probleme und Konzepte transdisziplinärer Wissenschaft maßge-
blich geprägt. Rückblickend zeigt sich das Programm zudem als Intervention
in die Forschungslandschaft, die Biografien, Netzwerke und Forschungsfragen
über Jahrzehnte geprägt hat. Schon im Rahmen des Forschungsschwerpunktes
wurde formuliert, dass neben wissenschaftlichen Ergebnissen ein handlungs-
leitender Erkenntniszuwachs für alle Beteiligten ein zentrales Ergebnis trans-
disziplinärer Forschung darstellt. Dies ist in ähnlicher Form in den Konzepten
6
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
M. Ukowitz und R. Hübner (Hrsg.), Interventionsforschung,
https://doi.org/10.1007/978-3-658-22048-8_6
M. Jungmeier (*) · C. Pichler-Koban · D. Zollner
E.C.O. Institut für Ökologie, Klagenfurt am Wörthersee, Österreich
E-Mail: jungmeier@e-c-o.at
I. Paul-Horn
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Klagenfurt am Wörthersee, Österreich
E-Mail: ina.paul-horn@aau.at
C. Pichler-Koban
E-Mail: pichler-koban@e-c-o.at
D. Zollner
E-Mail: zollner@e-c-o.at
138 M. Jungmeier et al.
der Interventionsforschung angelegt, wie sie unter anderem von Dressel et al.
(2014), Krainer und Heintel (2014), Krainer und Lerchster (2012), Pohl und
Hirsch- Hadorn (2006) oder Ukowitz (2012, 2014) skizziert sind. Die Kombina-
tion von wissenschaftlicher Erkenntnis und praktischem Handlungs- und Ent-
scheidungswissen, welche aus unterschiedlichen Kontexten, Disziplinen und
Perspektiven heraus entwickelt wird, kann „sozial robustes Wissen“ (Ukowitz
2014) hervorbringen. Neben der Transdisziplinarität gibt es jedoch weitere Krite-
rien, wie NutzerInnenorientierung, Ethik oder integrative Herangehensweisen, die
gesellschaftlich verantwortliche Forschung kennzeichnen (Helming et al. 2016;
Pohl und Hirsch-Hadorn 2006).
6.1.2 Forschungsprojekt Part_b
Biosphärenparks sind von der UNESCO ausgewiesene Modellregionen für nach-
haltige Entwicklung, die aus dem weltweiten UNESCO-Forschungsprogramm
„Man and the Biosphere“ hervorgegangen sind (Lange 2005; UNESCO 1996,
2016). In Biosphärenparks sollen Wissenschaft, Bildung und partizipative Ent-
scheidungs- und Problemlösungsmechanismen eine langfristig nachhaltige regio-
nale Entwicklung unterstützen.
Das Projekt „Part_b: Partizipationsprozesse in Biosphärenparks – Inter-
ventionstheorie, Strategieanalyse und Prozessethik am Beispiel der Biosphären-
parks Wienerwald, Großes Walsertal und des Nationalpark Nockberge“ wurde mit
Finanzierung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Zeitraum
von 2008 bis 2009 durchgeführt (Jungmeier et al. 2009, 2010). Das Projekt hatte
eine komplexe innere Architektur, ein konsequent transdisziplinäres Design sowie
ein multidisziplinäres Projektteam.
Untersucht wurden Beteiligungsmöglichkeiten und regionale Governance
(Diry 2015) in den Biosphärenparks Wienerwald (Wien, Niederösterreich)
und Kleines Walsertal (Vorarlberg) sowie dem Nationalpark Nockberge, der
zur Zeit des Forschungsprojektes in einen Biosphärenpark „umgewandelt“
wurde (Gräbner 2014; Jungmeier et al. 2013, 2017; Jungmeier und Köstl
2011; Zollner et al. 2015). Dieser Buchbeitrag fokussiert auf die Ergeb-
nisse zur Region Nockberge bzw. zum Kärntner Anteil des „Biosphärenparks
Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge“, wie das Gebiet heute korrekter-
weise heißt.
1396 „Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks …
6.1.3 Forschungsraum Nockberge
Der (heutige) Biosphärenpark Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge
erstreckt sich über die zwei österreichischen Bundesländer Salzburg und Kärn-
ten. Er wird seit 2012 als einer von etwa 690 Biosphärenparks der Welt geführt
und von der UNESCO anerkannt. Der Kärntner Teil hat eine jahrzehntelange
Vorgeschichte als Nationalpark, der im Zuge eines mehrere Jahre dauernden,
partizipativen Prozesses in einen Biosphärenpark umgewandelt wurde (Gräbner
2014; Jungmeier und Köstl 2011, 2012; Jungmeier et al. 2008; Pichler-Koban
und Jungmeier 2006). Dafür mussten im laufenden Betrieb die ineinander ver-
schränkten Elemente Abgrenzung, Gesetz, Gremien, Vertragsnaturschutz und
internationale Ausrichtung gleichzeitig abgeändert werden. Der Transformations-
prozess sorgte für intensive Diskussionen (Abb. 6.1) und dauerte fast ein Jahrzehnt
(Tab. 6.1) Das Forschungsprojekt Part_b fällt dabei – rückblickend betrachtet – in
eine sogenannte „Nachdenkpause“. Diese war in Anbetracht heftiger Debatten
in der Region vom zuständigen Landesrat eingeräumt worden und sollte in einer
Phase des Meinungsumschwungs und einer Neuausrichtung der Region eine
Versachlichung der Diskussion ermöglichen.
Naturräumlich ist die Region durch sanfte Gebirgsformen gekennzeichnet, die
auch namengebend („Nocken“) sind.
Die Nockberge (Abb. 6.2) liegen im Urgesteinszug der Gurktaler Alpen und
sind geologisch sehr alt (ca. 300 Mio. Jahre). In einem schmalen Band zieht sich
ein Kalk- und Dolomitgesteinszug durch das Silikatmassiv. Aufgrund der reichen
Bodenschätze wurden bereits in Vorzeiten Eisenerz, Anthrazit, Granat und Kalk
abgebaut. Der mittlerweile stillgelegte Magnesitsteinbruch bei Radenthein hat die
Region für ein Jahrhundert ökonomisch bestimmt. Sonst ist das Gebiet geprägt
von extensiver land- und forstwirtschaftlicher Nutzung in den Tal- und mittleren
Berglagen sowie charakteristischer almwirtschaftlicher Nutzung über der Wald-
grenze. Heute ist vor allem der Tourismus ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.
Der Kärntner Anteil des Biosphärenparks liegt in den vier Gemeinden Bad
Kleinkirchheim, Krems in Kärnten, Radenthein und Reichenau und hat eine
Gesamteinwohnerzahl von rund 12.700. Seine Fläche beträgt 485 km2, wobei
die streng geschützte Naturzone einen Anteil von 16 %, die traditionell genutzte
Pflege- bzw. Pufferzone einen Anteil von 22 % einnehmen. Die Entwicklungs-
zone macht 62 % der Fläche aus. Nach den Kriterien der UNESCO steht hier
eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung im Vordergrund. Die Entwicklung
im Salzburger Teil des Biosphärenparks haben unter anderen Biosphärenpark-
management Lungau (2014), Huber (2011), Huber und Arnberger (2016), Koch
(2010) dargestellt.
140 M. Jungmeier et al.
6.1.4 Forschungsbeteiligte
Das Projekt war in eine komplexe „Landschaft“ von unterschiedlich intensiv
involvierten Beteiligten eingebettet. Das wissenschaftliche Projektteam bestand
zunächst aus ForscherInnen mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Hinter-
gründen, die von Philosophie (Projektleitung) über Ökologie, Landschaftsplanung,
Politikwissenschaften und Geografie bis hin zu Technik- und Diversity-Forschung
reichten. In das Projektteam waren zudem MitarbeiterInnen der drei untersuchten
Biosphärenparks eingebunden. Das Projektteam hatte eine wissenschaft-
lich-methodische Supervision zur inter- und transdisziplinären Arbeit und wurde
von einem Advisory Board der Akademie der Wissenschaften (MaB-Komitee)
Abb. 6.1 Biosphärenparkplanung als Konfliktherd. Die Umwandlung des Nationalparks
Nockberge in einen Biosphärenpark wurde von heftigen Diskussionen begleitet. Demons-
tration von Grundbesitzern anlässlich der Übergabe der UNESCO-Urkunde, Karlbad,
29.09.2012. (Foto: M. Jungmeier)
1416 „Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks …
Tab. 6.1 Transformationsprozess im Überblick. Das Projekt Part_b wurde 2008 bis 2010
durchgeführt; in diesem Zeitraum kam der regionale Planungs- und Diskussionsprozess
praktisch zum Erliegen. (Eigene Zusammenstellung)
Jahr Ereignis Phase
1980 Kärntenweite Volksbefragung erbringt klares
Votum für den Schutz der Nockberge
Nationalpark, Vorlauf und
„Betrieb“
1984 Nationalpark Nockberge wird „auf Probe“ eingerichtet Nationalpark, Vorlauf und
„Betrieb“
1986 Nationalpark „Kärntner Prägung“ eingerichtet Nationalpark, Vorlauf und
„Betrieb“
2002 IUCN-ExpertInnen empfehlen Einrichtung eines
Biosphärenparks
Transformationsprozess
2004 Arbeitskreise und eine Steuerungsgruppe sollen
Biosphärenpark vorbereiten
Transformationsprozess
2005 Beginn eines Planungsprozesses (Abgrenzung,
Zonierung, Gesetzesentwürfe)
Transformationsprozess
2006 Erarbeitung einer provisorischen Forschungsagenda,
Konzeption Projekt Part_b
Transformationsprozess
2008 Start Projekt Part_b
2008 Nach 400 Veranstaltungen und Gesprächen kommt
Planungsprozess zum Erliegen
Transformationsprozess
2008 Neue Bewirtschaftungsverträge führen zu
„vertragslosem“ Zustand mit Grundbesitzern
Transformationsprozess
2008 Zuständiger Landesrat verordnet „Nachdenkpause“ Transformationsprozess
2010 Ende Projekt Part_b
2011 Neue Dynamik durch Bestrebungen,
Biosphärenpark im benachbarten Lungau einzurichten
Transformationsprozess
2011 UNESCO-Bewerbung gemeinsam mit dem Lungau Transformationsprozess
2012 Internationale Anerkennung des Biosphärenparks
Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge
Einrichtung Biosphärenpark
2013 Forschungskooperation Science_link startet
zeitgleich mit Einrichtung Biosphärenpark
Einrichtung Biosphärenpark
2013 Kärntner Biosphärenparkgesetz tritt in Kraft Einrichtung Biosphärenpark
2013 Neu-Ausrichtung der Gremien Einrichtung Biosphärenpark
2015 Beilegung eines eskalierten Rechtsstreites mit der
„Schutzgemeinschaft“ der Grundbesitzer
Konsolidierung
Biosphärenpark
2016 Finalisierung und Beschlussfassung des
Managementplanes
Konsolidierung
Biosphärenpark
2017 Ex-post Reflexion Projekt Part_b
142 M. Jungmeier et al.
begleitet. Ausgewählte Hypothesen wurden zusätzlich in einem internationalen
Delphi-Panel (s. u.) diskutiert.
In den Regionen bezog das Projektteam VertreterInnen ausgewählter Inte-
ressen zunächst als InterviewpartnerInnen und als Gäste bei verschiedenen
Veranstaltungsformaten (s. u.) ein. In einem weiteren Schritt wurde auch eine
breitere Öffentlichkeit aktiv einbezogen bzw. über regionale Medien und Ver-
anstaltungen über das Projekt und dessen (Zwischen-)Ergebnisse informiert.
Abb. 6.2 Nockberge. Der „sanfte“ geomorphologische Formenschatz ist namengebend für die
Nockberge. Blick zum Windebensee an der Nockalmstraße, 26.10.2006. (Foto: M. Jungmeier)
1436 „Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks …
6.2 Vorgangsweise und Methoden
6.2.1 Prozess-Design und Methoden Part_b (20082010)
Ein wesentliches Element im Forschungsdesign war die enge Verzahnung von
wissenschaftlicher Bearbeitung und regionalem Diskurs. Bereits die Fragestellungen
für das Forschungsprojekt Part_b wurden in einem intensiven Diskussionsprozess
zwischen WissenschaftlerInnen und VertreterInnen der Regionen erarbeitet und in
Form einer regionalen Forschungsagenda aufbereitet (Jungmeier et al. 2008).
Im Forschungsprozess wurde eine Reihe von Methoden der qualitati-
ven Sozialforschung bzw. der Interventionsforschung eingesetzt. Qualita-
tive Interviews und Tiefeninterviews, unterschiedliche Beteiligungs- und
Workshopformate, teilnehmende Beobachtung und verschiedene Formen der
Rückkoppelung spielten eine besondere Rolle.
Zudem wurde mit verschiedenen Beteiligungs-und Veranstaltungsformaten
experimentiert, etwa dem „Trainshopping“, einer Forschungsreise mit mobi-
len Workshopformaten in Zugabteilen. Im konkreten Fall wurden VertreterIn-
nen der Region per Preisausschreiben zufällig ausgewählt und konnten an einer
„Forschungsreise“ teilnehmen. Die schrittweise Erarbeitung der Forschungs-
ergebnisse wurde für Prozessbeteiligte und Interessierte so weit als möglich trans-
parent gehalten; die Endergebnisse wurden nicht nur wissenschaftlich publiziert
(Jungmeier et al. 2010), sondern über regionale Zeitschriften und Veranstaltungen
auch Interessierten in der Region verfügbar gemacht. Die Untersuchung von ins-
gesamt drei Regionen ermöglichte zudem Vergleiche und einen entsprechenden
Ergebnistransfer zwischen den Regionen.
6.3 Ausgewählte Ergebnisse Part_b
6.3.1 Hypothesenbildung
Die ursprünglichen Ergebnisse des Projektes Part_b sind umfassend dokumentiert
(Jungmeier et al. 2009). Beispielsweise sind die folgenden Hypothesen formuliert.
1. Interventionsbegriff: Ein Biosphärenpark kann als eine permanente Inter-
vention für eine nachhaltige Entwicklung verstanden werden. Hierbei folgen
soziale, ökologische und ökonomische Teilsysteme verschiedenen Gesetzmä-
ßigkeiten und zeigen auch eine unterschiedliche Beeinflussbarkeit.
2. Interventionsstrategien: Die Einrichtung und das Management von Bio-
sphärenparks erfolgen gleichzeitig auf Basis grundlegend unterschiedlicher
144 M. Jungmeier et al.
Konzepte: bottom-up versus top-down; normativ versus prozessorientiert;
hoheitlich versus partnerschaftlich; push versus pull. Erst die gezielte
Mischung der einzelnen Komponenten führt zum gewünschten Erfolg.
3. Interventionsethik: Da einfache Ursache-Wirkungs-Modelle zu kurz greifen,
benötigen die Planung, die Einrichtung und der „Betrieb“ eines Biosphären-
parks einen speziellen Ansatz der Interventionsethik, wobei die Handlungs-
kompetenz der Beteiligten ein entscheidender Faktor ist. Alle Personen, die in
den Prozess involviert sind, müssen neue Kompetenzen entwickeln. Der stän-
dige Prozess der (Selbst-)Reflexion ist daher ein entscheidendes Element in
der (neuen) Interventionsethik.
4. Veränderungsprozesse: Eine Reihe von Werkzeugen und Theorien stehen zur
Verfügung, um das Verständnis, die Analyse und die Optimierung der Planung
und des Managements von Biosphärenparks zu steigern (vgl. Borsdorf 2010).
5. Diversity Management: Ein grundlegender Erfolgsfaktor eines Biosphären-
parks ist das Aktivieren und Involvieren von unterschiedlichen Gruppen und
AkteurInnen. Die Einbeziehung regionaler AkteurInnen hängt von einer Viel-
zahl von Parametern ab (ökonomische Situation, Zugang zu Information, Alter
etc.), die im Beteiligungsprozess entsprechend abgebildet sein müssen.
6. Subjekt-Subjekt-Beziehung: Der Austausch zwischen beteiligten Personen und
Interessen (InteressenvertreterInnen) ist sowohl für die Planung als auch für
die Umsetzung des Forschungsprojektes in diesem Themenbereich unerläss-
lich (Subject-subject-relationship). Eine Polarisierung zwischen den „Forsche-
rInnen“ und deren „Forschungsobjekten“ bzw. zwischen den „PlanerInnen“
und den „Beplanten“ (Subject-object-relationship) ist kontraproduktiv und soll
vermieden werden.
7. Local governance und Partizipation: Eine gute Form der Lokal- und Regional-
politik muss die grundlegende Notwendigkeit berücksichtigen, die Bürg-
erInnen angemessen in die Entscheidungsprozesse mit einzubinden. Viele
Diskurse müssen auf kommunaler und regionaler Ebene in einer neuen Form
geführt werden (vgl. Borrini-Feyerabend et al. 2013).
6.3.2 Strategien und Instrumente
Die prozessbegleitende Beteiligung war sehr stark auf die Einbeziehung von
offiziellen VertreterInnen des Landes und der Gemeinden sowie von Landbewirt-
schafterInnen und GrundbesitzerInnen fokussiert.
1456 „Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks …
Der Strategie- und Instrumentenmix eines Biosphärenparks kann anhand eini-
ger Parameter beurteilt werden, als Darstellungsform bieten sich „Fingerprints“
an (vgl. Jungmeier et al. 2010). Die sich daraus ergebende Übersicht bildet einer-
seits eine gute Diskussionsgrundlage und ermöglicht zudem den Vergleich ver-
schiedener Parks.
Bottom-up versus top-down: Die Weiterentwicklung des Nationalparks zum
Biosphärenpark ging von der zuständigen Nationalparkverwaltung aus. Ein
wichtiges Ergebnis des Projekts ist die Erkenntnis, dass es als Ausgangspunkt
der Entwicklung AkteurInnen in der Region braucht, wodurch der Prozess als
eher bottom-up zu charakterisieren ist.
Hoheitlich versus partnerschaftlich: Der Biosphärenpark hätte sich hoheitlich
ohne großen Aufwand umsetzen lassen. Dennoch wurde der Konsens mit allen
Beteiligten gesucht, wobei das Prinzip „Freiwilligkeit“ als Grundwert artiku-
liert und auch glaubwürdig verfolgt wurde.
Normativ versus prozessorientiert: Durch die vorgegebene Zielrichtung Bio-
sphärenpark erwies und erweist sich der Beteiligungsprozess in den Nock-
bergen als klar normativ. Alle Beteiligten, vor allem auch die politischen
EntscheidungsträgerInnen, haben das Ziel vorgegeben, den Weg zum Ziel
jedoch weitgehend offengelassen. Eine Erkenntnis daraus ist, dass Partizipa-
tion so etwas wie Sicherheit im Prozess braucht.
Push versus pull: In der Diskussion standen push-Faktoren im Vordergrund.
Der Verlust von Finanzierungsmöglichkeiten, der wiederholt attestierte
„Etikettenschwindel“, die unbefriedigende Situation im bestehenden Park
standen in der Diskussion als Argumentarium im Vordergrund.
Interne PromotorInnen versus externe PromotorInnen: Im Prozess konnten
nur sehr wenige interne PromotorInnen ausgemacht werden.
Schnell versus langsam: Der Prozess ist durch unterschiedliche Geschwindig-
keiten charakterisiert. Während die ersten drei Diskussionsjahre (2004–2007)
als eher „gemächlich“ zu bezeichnen sind, wurde im Jahr 2007 der Versuch
unternommen, in einem intensiven Prozess „rasch“ zu einem Ergebnis zu
kommen. Die Diskussion mündete in der „Pausetaste“, damit erreichte die
Entwicklung eine Art Null-Geschwindigkeit. Zu einem späteren Zeitpunkt hat
sich die Entwicklung dann fast sprunghaft vollzogen.
Beibehaltend versus verändernd: In der öffentlichen Diskussion beziehungs-
weise in der öffentlichen Wahrnehmung der Diskussion stand sehr stark die
Veränderung im Vordergrund.
146 M. Jungmeier et al.
6.3.3 Erfahrungen der „wissenschaftlichen“
Team-Mitglieder
Ebenfalls noch im Rahmen des Projektes Part_b versuchten die Beteiligten in
einer abschließenden Reflexion zum Projekt, ihre Wahrnehmungen, Erkennt-
nisse sowie etwaige aus dem Projekt resultierende Forderungen aufzubereiten
(Jungmeier et al. 2009). Für die wissenschaftlichen BearbeiterInnen stellte bei-
spielsweise die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen, deren Bearbei-
terInnen meist auch räumlich weit voneinander getrennt waren, eine große
Herausforderung dar. Es herrschte in dieser Hinsicht Einigkeit darüber, dass
persönliche Treffen durch nichts ersetzt werden können. Die maßgeblichen
Ergebnisse entstanden nur im Austausch auf persönlicher Ebene. Es ist not-
wendig, die Rollen der einzelnen PartnerInnen klar festzulegen sowie auch
den Projektablauf gemeinsam zu planen, zumal das individuelle oder disziplin-
abhängige Verständnis für zentrale Begriffe und Herangehensweisen harmonisiert
werden muss. Durch interdisziplinäre Projekte kann das Verständnis für die Funk-
tionen und Wege der Forschung erweitert werden. Durch den engen Austausch
mit nichtwissenschaftlichen AkteurInnen wurden die Grenzen zwischen Wissen-
schaftlerInnen und Forschungsgegenstand (der „Region“) zunehmend verwischt.
Die wissenschaftlichen Teammitglieder bewerteten diese Entwicklung positiv, da
sie typische Subjekt-Objekt-Beziehungen auflöst und aus den involvierten Par-
teien gleichberechtigte PartnerInnen macht. Forschung bringt nicht nur theore-
tische Erkenntnisse, sondern sie wirkt als aktiver Teil der Entwicklung in einer
Region auch intervenierend mit. Durch die Auswahl der Forschungsfragen und
die Art und Weise der Abwicklung können neue Impulse in die Region gebracht
werden. Beobachtet wurde auch, dass die Bedeutung des wissenschaftlichen Bei-
rates sowie der externen Supervision mit der Komplexität des Projektes und der
Verschiedenheit innerhalb des Forscherteams stark zunimmt.
Festgestellt wurde auch, dass sich die Forschungsfragen und -disziplinen
für Außenstehende als weit hergeholt und abstrakt darstellen und dass die Not-
wendigkeit von Forschung nicht leicht zu kommunizieren ist. In diesem Projekt
meldete sich sehr oft die „Praxis zu Wort“ und forderte zu Recht die Sprache des
Alltags als angewandte Sprache der Wissenschaft in den Regionen ein.
6.3.4 Erfahrungen der „nicht-wissenschaftlichen“
Team-Mitglieder
Die VertreterInnen der Biosphärenparks im Projektteam konstatierten zunächst,
dass interdisziplinäre Projektsettings sehr kompliziert und schwer verständlich
1476 „Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks …
sind. Dabei erschweren die unterschiedlichen „Sprachen“ das Verständnis und die
Sicht auf den Regionsbezug des Themas. Es wurde sichtbar, dass Forschung ein
wichtiges Vernetzungsinstrument sein kann, da die vom Biosphärenpark- Konzept
vorgegebene trans- und interdisziplinäre Herangehensweise von Forschung
in der Region eine gute Plattform bietet. Die theoretische Reflexion der prakti-
schen Erfahrungen ist hilfreich und führt zu einem erweiterten Verständnis der
Situation in der Region. Letztlich wurde festgestellt, dass Forschung auch Spaß
machen kann. Das Projekt ermöglichte Zugang zu verschiedenen Sichtweisen, die
man bisher nicht oder anders wahrgenommen hatte. Auf jeden Fall wurde sicht-
bar, dass die Bedeutung und der Einfluss der „technischen“ Aspekte von Pla-
nung und Management gegenüber vorgegebenen konzeptionellen und vor allem
politisch-emotionalen Rahmenbedingungen relativ gering ist. Dagegen wurden
die herausragenden Rollen von Bürgerbeteiligung und eines gut durchdachten
Partizipationsdesigns offensichtlich. Die zentrale Rolle des Biosphärenpark-
Managements liegt in der Vernetzung verschiedener AkteurInnen.
Die Notwendigkeit, in gewissen Abständen Reflexionsräume zu schaffen, die
einen persönlichen, interdisziplinären Austausch zumindest auf österreichischer
Ebene ermöglichen, ist für die Qualitätssicherung des Netzwerks der Biosphären-
parks unumgänglich.
6.4 Ergebnisse ex-post Befragung und Reexion
(2016)
6.4.1 Vorgangsweise und Beteiligte
In telefonischen und persönlichen Kurzinterviews wurden im Zeitraum zwischen
August und Oktober 2016 insgesamt dreizehn Personen, davon vier ForscherIn-
nen, drei Biosphärenpark-VertreterInnen sowie sechs regionale Projektbeteiligte
(InterviewpartnerInnen, TeilnehmerInnen der Forschungsreise bzw. verschiedener
Veranstaltungen zum Projekt) befragt. Aus der zeitlichen Distanz eines Jahrzehnts
wurde untersucht, ob erstens das Projekt, ausgewählte Personen, Ereignisse oder
Ergebnisse erinnerlich sind und falls ja, welche, ob zweitens Ereignisse oder
Erkenntnisse aus dem Projekt einen nennenswerten Einfluss auf die persönliche
oder institutionelle Entwicklung gehabt haben und falls ja, welche, und drittens,
in welcher Form und ob die Ergebnisse des Projektes einen erkennbaren Einfluss
auf die weitere Entwicklung des Biosphärenparks genommen haben und falls ja,
welche.
Die Befragungen waren ausschließlich auf den Kärntner Anteil des Bio-
sphärenparks Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge beschränkt. In der
148 M. Jungmeier et al.
Gesprächsführung wie auch in der Aufbereitung wurde darauf geachtet, dass
die Antworten nicht als Evaluierung des Projektes, sondern als Impuls für eine
weiterführende Reflexion verstanden bzw. verwendet wurden. Die Dokumenta-
tion der Gespräche erfolgte anhand eines Stichwortprotokolls, welches in weiterer
Folge für die Reflexion bzw. Rückkoppelung im Kreis der AutorInnen heran-
gezogen wurde.
6.4.2 Antworten auf die Leitfragen
Sind das Projekt, ausgewählte Personen, Ereignisse oder Ergebnisse erinner-
lich? Falls ja, welche?
Aus der zeitlichen Distanz von mehreren Jahren sind die Auskünfte und
Erinnerungen der InterviewpartnerInnen im Jahr 2016 recht heterogen was
Inhalt, Umfang und Detailschärfe betrifft. Allen Rückmeldungen gemein ist
zunächst ein hoher Anteil an recht persönlichen Erlebnissen, Erfahrungen und
Eindrücken. Meist sind Erinnerungen an die handelnden Personen wach, wobei
die Zuschreibungen ebenfalls nicht auf ein primär wissenschaftliches Vorhaben
verweisen, beispielsweise „an die Personen erinnere ich mich noch ganz gut, das
war eine lustige Truppe“ (rP1). Auch die Vielfalt an Persönlichkeiten und unter-
schiedlichen Disziplinen ist kollektiv in Erinnerung geblieben, „die unterschied-
lichen Sichtweisen auf Partizipationsprozesse, die unterschiedlichen Ansätze,
das Interdisziplinäre“ (BsP2). Das Aufeinandertreffen von WissenschaftlerInnen
mit nicht akademischen PartnerInnen aus der Region wird rückblickend sogar
als „Kulturschock“ (BsP) beschrieben, natürlich für beide Seiten. Mehrfach
wird angesprochen, dass Kontakte, Austausch und Arbeitsbeziehungen über das
Projekt hinaus bis zum heutigen Tag bestehen (wir „machen immer noch viel
zusammen“, rP). Die vielfältigen Projektkontakte, meist in zwanglosen Settings,
wirken demnach im persönlichen Erinnern wie auch im persönlichen Netzwerk
der Projektbeteiligten über viele Jahre nach.
Ein bemerkenswerter gemeinsamer Erinnerungspunkt für viele Projekt-
beteiligte ist der „legendäre Zugworkshop, von dem immer noch gesprochen
wird“ (BsP).
Es „ist eine witzige Idee, die Leute mit dem Zug abzuholen und mit ihnen
gleich darin zu arbeiten“ (BsP). Die Irritationen der Workshop-Aktivitäten im
1rP: regionale Projektbeteiligte.
2BsP: Biosphärenpark-VertreterIn.
1496 „Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks …
halböffentlichen Raum finden nach Jahren einen anekdotischen Niederschlag:
„Eine ältere Dame ist immer wieder draußen vorbeigegangen und hat gespannt
beobachtet, was passiert. Die Frau ist von Abteil zu Abteil [gegangen] und hat
überall mehr oder weniger dasselbe gesehen. Irgendwann ist sie dann her, hat
die Tür aufgemacht und gefragt: ‚Dürft Ihr das überhaupt?‘“ (rP). Auch andere
Workshops sind erinnerlich. Die Beteiligten können diese jedoch in der Menge
von Veranstaltungen im Zuge der Biosphärenparkentwicklung nicht immer dem
Projekt Part_b zuordnen („keiner wusste, was zu welchem Projekt gehörte“, Wi3).
Befragt nach den Inhalten und Ergebnissen des Projektes können die
Befragten wenige Auskünfte geben. Zwar sind die großen Themenfelder Bio-
sphärenparkentwicklung und Partizipation noch irgendwie präsent; jedoch kön-
nen nicht alle Mitglieder des BearbeiterInnen-Teams konkrete Fragestellungen
oder konkrete Ergebnisse des Projektes benennen („Ergebnisse im Detail kann
ich nicht mehr sagen“, BsP).
Haben Ereignisse oder Erkenntnisse aus dem Projekt einen nennenswerten
Einfluss auf die persönliche oder institutionelle Entwicklung gehabt? Falls
ja, welche und in welcher Form?
Die Diskrepanz zwischen nicht explizit benennbaren Erkenntnissen und einem
doch wahrgenommenen „diffusen“ Wissenszuwachs bei den verschiedenen
Projektbeteiligten ist interessant. Einigkeit scheint zudem darüber zu bestehen,
dass die im Projekt angebotenen Reflexionsräume „auch den Leuten aus der Pra-
xis viel gebracht haben, vor allem das Nachdenken [darüber], was für Erfolgs-
faktoren für das Gelingen von Beteiligungsprozessen notwendig sind“ (Wi).
Einige der Befragten, vor allem jene, die intensiver im Projekt mitgearbeitet
haben, gaben auch an, „Teile aus dem Projekt für die Arbeit“ (rP) mitgenommen
zu haben. Das entspricht auch der zusammenfassenden Aussage, dass „jeder
seine Vorteile herausfiltern“ (BsP) wird. Neben den fachlichen Ergebnissen war
es für einige Befragte sehr erkenntnisreich, die Probleme und Positionen anderer
kennenzulernen, und im Sinne einer Referenzierung den eigenen Status quo neu
zu bewerten.
Haben die Ergebnisse des Projektes einen erkennbaren Einfluss auf die
weitere Entwicklung des Biosphärenparks genommen? Falls ja, welche?
Die Unkenntnis zu konkreten Projektergebnissen steht in interessantem
Widerspruch zur allgemeinen Einschätzung, dass das Projekt zur
3Wi: WissenschafterIn.
150 M. Jungmeier et al.
Biosphärenparkentwicklung beigetragen hat: „In Summe gesehen, war das Part_b
Projekt ein zentrales Projekt, welches die Entwicklung des Biosphärenparks
weitergebracht hat“ (BsP). Auch andere Aussagen gehen in diese Richtung, es habe
etwa „sehr viele tolle Ergebnisse für den Biosphärenpark“ (BsP) gegeben, und „das
Resultat war wohl nicht so schlecht, nachdem es jetzt ja den Biosphärenpark gibt“
(rP). Doch gibt es auch gegenteilige Meinungen, dass nicht ein einzelnes Projekt
Wirkung hat, sondern nur die Vielzahl von Projektaktivitäten. Man könnte auch
von einem Netz sprechen. Im Projekt Part_b bestand dieses durch eine Vielzahl an
Forschungsaktivitäten (dazu gibt es eine Vielzahl an Erinnerungen) in unterschied-
lichen Formen und mit unterschiedlichen AkteurInnen. In Summe gab es verhält-
nismäßig wenige Aussagen, die Leitfrage zwei oder drei beantwortet hätten.
6.5 Lessons learnt
6.5.1 Stimmungsbild – Neues ermöglichen, ohne es
direkt anzusteuern
Die Bedeutung der Geschichte und der Emotionen zeigt sich auch in den
Erinnerungen der Befragten. Sie zeigen eine Stimmung nach zehn Jahren. Die-
ses Stimmungsbild lässt klar erkennen, ob jemand positiv gestimmt ist oder nega-
tiv. Das Projekt an sich ist auch nach Jahren in positiver Erinnerung geblieben.
Die Aussagen zeigen, dass aus diesem Projekt jeder seinen/ihren Teil mitnehmen
konnte. Für WissenschaftlerInnen, denen Inhalte wichtig sind, ist es etwas des-
illusionierend, welch geringe Rolle die Inhalte spielen. Erinnert wird, wenn
jemand selbst betroffen ist.
Forschung kann in einer verfahrenen Situation (in den Nockbergen die bereits
erwähnte „Pausetaste“, die durch den zuständigen Landesrat gedrückt wurde)
einen Reflexionsraum bieten, der die Funktion hat, einen Knoten zu lockern. For-
schung kann in diesem Sinn entlasten und eventuell dadurch Neues ermöglichen,
ohne es direkt anzusteuern.
6.5.2 Wertschätzung, Netzwerk und Brückenschlag „So
was ist auch ein Resultat“
Die befragten Beteiligten am Projekt Part_b können nur wenige konkrete Ergeb-
nisse des Projektes benennen, bringen jedoch zumindest teilweise die Einrichtung
des Biosphärenparks Nockberge in einen direkten oder indirekten Zusammen-
hang mit dem Partizipationsprojekt.
1516 „Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks …
Woran sich die Befragten mehrheitlich gut erinnern sind persönliche Kon-
takte, die sie im Rahmen des Projektes geknüpft haben und noch heute pflegen.
Manche der beteiligten Personen haben im Zuge des Projektes die Basis für ihre
aktuellen beruflichen und sozialen Netzwerke gelegt. Ein Teilnehmer führt dies
explizit als Ergebnis des Projektes an: „So was ist auch ein Resultat“. Darüber
hinaus blieb ihm sehr positiv in Erinnerung, dass ihm als noch sehr jungem und
unerfahrenem Teilnehmer viel Wertschätzung entgegengebracht wurde. Als
Stimme der Region wahrgenommen zu werden, egal welchen Hintergrund man
mitbringt, ist eine der Qualitäten, die sich in einem gut laufenden Partizipations-
prozess entfalten können.
6.5.3 Man kann nicht nicht intervenieren – das Paradoxe
transdisziplinärer Forschung
Die Reflexionen des Projektteams wie auch die Rückmeldungen der Befragten
legen nahe, dass entgegen einer direkten Wirkungsabsicht des trans-
disziplinären Forschungsprozesses (das Forschungsprojekt hatte zum Ziel eine
Intervention nachträglich zu erforschen) Wirkungen wahrgenommen werden,
auch wenn sie nicht direkt dem Projekt zugesprochen werden. Aus dem Pro-
jekt sind auch keine nennenswerten Problemlösungen, kaum erkenntnismäßige
Durchbrüche oder praktische Instrumente erwachsen. Dem Projekt ist es durch
sein Design und die Einbeziehung von PraxispartnerInnen jedoch gelungen
einen Reflexionsraum zur Verfügung zu stellen, der in einer verfahrenen Situ-
ation Nachdenken gestattete und – ohne es direkt zu wollen – neue Wege
ermöglichte.
Auf einer Meta-Ebene hat das Projekt jedoch durch die Verschiebung oder
Erweiterung persönlicher Netzwerke, Perspektiven und Erkenntnisräume
sowie durch die Vergrößerung des persönlichen oder kollektiven Erfahrungs-
schatzes einen praxisrelevanten Wissenszuwachs erzielt. Dieser ist vielleicht zu
beschreiben als diffuses gemeinsames Grundverständnis zum Thema Partizipa-
tion sowie als diffuse gemeinsame Erinnerung an ein Projekt. Dieser Erkenntnis-
zuwachs ist untrennbar mit dem durch zahlreiche Rückkoppelungen bestimmten
Forschungs-Design verbunden. Es wäre in diesem Prozess-Design auch gar
nicht möglich, einen solchen Wissenszuwachs zu vermeiden. Man kann, frei
nach Paul Watzlawick, in einem transdisziplinären Forschungsvorhaben nicht
nicht intervenieren.
152 M. Jungmeier et al.
6.5.4 Partizipation als großes Versprechen – „handle
with care“
Partizipationsprozesse sind heikel: Sie geben das Versprechen, mitreden und
gestalten zu dürfen; sie vermitteln das Gefühl, nun ernst genommen zu werden;
sie bieten eine Plattform, um endlich alten Dampf ablassen zu können. Doch
genau darin liegen auch die Gefahren. Denn was sich grundsätzlich gut anhört,
kann sich leicht als Bumerang erweisen: Enttäuschung, wenn die eingebrachten
Ideen nicht zur Umsetzung gelangen; Vertrauensverlust, wenn man nach dem
Projekt von den Verantwortlichen nichts mehr hört; Unverständnis, dass alte
Probleme nicht zuerst gelöst werden, bevor man Neues in Angriff nimmt. Das
Aufsetzen eines Partizipationsprozesses gleicht dem vorsichtigen Aufstellen
von Dominosteinen: Ein falscher Handgriff und man kann wieder von vorne
beginnen. Zentral ist die Abstimmung des Prozesses auf das vorhandene
Vertrauen der Bevölkerung in die EntscheidungsträgerInnen. Je mehr Demokratie
in der Region gelebt wird (wurde), desto besser und umfangreicher lassen sich
Partizipationsprozesse in Biosphärenparks planen, desto besser und akzeptabler
gestalten sich die Ergebnisse.
6.5.5 Inter- und transdisziplinäre Forschung – „open
space & face to face“
Politische Verhandlungen werden – aus gutem Grund – häufig auf neutralem
Boden anberaumt. Im Sinne des Ausverhandelns einer gemeinsamen Sicht-
weise ist dies auch für Forschungen gültig, deren involvierte Disziplinen durch
„Welten“ getrennt zu sein scheinen. Bei fast allen TeilnehmerInnen ist der
interaktive Zugworkshop in Erinnerung geblieben, der neben fachlichen Aus-
einandersetzungen immer wieder Freiraum für Begegnungen und Begebenheiten
unterschiedlichster Art zuließ. Die vielschichtigen Verknüpfungen von Inhalten
mit Personen, Örtlichkeiten und den sich daraus ergebenden, teils überraschenden
Situationen hinterlässt deutliche Erinnerungsspuren. Dabei geht der Erkenntnis-
zuwachs über den klassischen Wissensbezug hinaus bzw. tritt oft an dessen Stelle:
„da bekommen die Forscher mit, wie die Praxis tickt“ (BsP), „die anderen haben
gleiche Probleme wie wir“ (rP), „Supermethode, kann man sich merken“ (BsP),
„an die Arbeit daheim kann ich mich nicht erinnern, an die auswärtigen Work-
shops sehr wohl“ (rP), bis hin zu „ist aber lustig was der Biosphärenpark macht“
(rP) reichen die Wahrnehmungen. Damit werden Wissensflüsse ermöglicht, die
vorher nicht ans Ziel kamen, und ein emotionales – meist positives, jedenfalls
ehrliches – Bild erzeugt, das eine wichtige Grundlage für das Lernen voneinander
und die Ausrichtung auf gemeinsame Zielsetzungen darstellt.
1536 „Was bleibt?“ Partizipationsprozesse in Biosphärenparks …
6.6 Resümee
Aus der Distanz von zehn Jahren betrachtet, scheint das transdisziplinäre
Forschungsdesign eine Reihe praktischer Auswirkungen gehabt zu haben. Diese
sind jedoch in Ursache und Wirkung wie auch im tatsächlichen Umfang nicht
leicht zu fassen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass es interessant wäre, den
Impact von transdisziplinären Forschungsvorhaben über einen längeren Zeitraum
zu beobachten. Unsere Untersuchung zum Projekt part_b hat einen nachträg-
lichen reflexiven Charakter und ist mit dem Forschungsprojekt nicht systematisch
verbunden. Ein vergleichbares Vorhaben sollte mit Methoden der empirischen
Sozialforschung begleitet werden, wobei die Situation vor, während und nach
dem Forschungsvorhaben entsprechend erfasst werden sollte.
Dank Die AutorInnen bedanken sich bei allen AkteurInnen, die zum Gelingen
des Forschungsprojektes beigetragen haben und stets für das gegenseitige Ver-
stehen und Voneinander-Lernen offen waren. Besonderer Dank gilt den Inter-
viewpartnerInnen, die ihre Sicht der Dinge – zehn Jahre danach – eingebracht
und so maßgebliche Erkenntnisse für zukünftige Forschungsprojekte beigetragen
haben.
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Michael Jungmeier, Ökologe und promovierter Humangeograph. Er ist Gründer und Lei-
ter von E.C.O. Institut für Ökologie (www.e-c-o.at) in Klagenfurt. Die außeruniversitäre
Forschungseinrichtung beschäftigt sich mit Beratung, Planung, Ausbildung und Forschung
für „Naturschutz im 21. Jahrhundert“. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Schutzgebieten und
Prädikatsregionen, wie Natur-, National- und Biosphärenparken oder Welterbestätten.
Ina Paul-Horn, ist Philosophin, Gruppendynamikerin und Mediatorin. Sie ist ao. Uni-
versitätsprofessorin und Mitglied der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fort-
bildung (IFF) an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, von 2005/06 bis 2016 leitete sie
das Interdisziplinäre DoktorandInnenkolleg Interventionsforschung (DKI). Forschungs-
schwerpunkte sind Transzendentalphilosophie, praktische und angewandte Philosophie und
visuelle Kultur.
Christina Pichler-Koban, Landschaftsökologin, ist seit 2003 Mitarbeiterin von E.C.O.
Institut für Ökologie in Klagenfurt und beschäftigt sich mit Naturschutz in all seinen
Facetten. Seit Herbst 2016 ist sie im Rahmen eines Forschungsprojekts wissenschaftliche
Mitarbeiterin an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) der
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Sie ist Gründungsmitglied des Environmental History
Cluster Austria (EHCA).
Daniel Zollner, DI, studierte Landschaftsplanung an der Universität für Bodenkultur
in Wien und in Bangor/Großbritannien. Er ist Leiter des Fachbereichs Nachhaltig-
keit bei E.C.O. – Institut für Ökologie in Klagenfurt mit Schwerpunkt auf partizipative
Entwicklung von Modellregionen und Schutzgebieten.
Article
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Concepts of material flow and mass consistency of nitrogen compounds have been used to elucidate nitrogen’s fate in an urban environment. While reactive nitrogen commonly is associated to agriculture and hence to large areas, here we have compiled scientific literature on nitrogen budget approaches in cities, following the central role cities have in anthropogenic activities generally. This included studies that specifically dealt with individual sectors as well as budgets covering all inputs and outputs to and from a city across all sectors and media. In the available data set, a clear focus on Asian cities was noted, making full use of limited information and thus enable to quantitatively describe a local pollution situation. Time series comparisons helped to identify trends, but comparison between cities was hampered by a lack of harmonized methodologies. Some standardization, or at least improved reference to relevant standardized data collection along international norms was considered helpful. Analysis of results available pointed to the following aspects that would reveal additional benchmarks for urban nitrogen budgets: analysing the share of nitrogen that is recycled or reused, separating largely independent sets of nitrogen flows specifically between food nitrogen streams and fossil fuel combustion-related flows, and estimating the stock changes for the whole domain or within individual pools.
Article
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Die aktive Gestaltung von Wissensprozessen gilt als ein Schlüsselfaktor für eine nachhaltige regionale Entwicklung. Schutzgebieten kommt in der Dynamik einer „lernenden Region“ eine zentrale Rolle zu, da in der Auseinandersetzung um ihre Implementierung und Weiterentwicklung verschiedene Aspekte von „Entwicklung“ und „Wissen“ kondensieren und sich im Hinblick auf die Diskussion um eine sinnvolle (d.h. nachhaltige) Regionalentwicklung manifestieren. Dies gilt insbesondere für UNESCOBiosphärenparks, die explizit als „Modellregionen für nachhaltige Entwicklung“ fungieren sollen. Der Artikel fokussiert auf die Entwicklung und das Management von Wissen auf regionaler Ebene am Beispiel des Kärntner Teiles des UNESCOBiosphärenparks Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge über einen Zeitraum von zehn Jahren. Als wesentlich für die Entwicklung einer „Wissenslandschaft“ zeigen sich im Rückblick folgende Instrumente: eine Forschungsagenda, transdisziplinäre ForschungsDesigns, eine regionale Wissensbilanz, das integrierte Monitoringsystem BRIM sowie die Forschungskooperation Science_Linknockberge. Die Ergebnisse zeigen, dass eine „lernende Region“ eine komplexe Wissenslandschaft ist, die aktiv gestaltet werden kann (und muss). Es wird diskutiert, inwieweit Erkenntnisse aus der anerkannten UNESCOModellregion auf andere Regionen übertragen werden können.
Article
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Forschung spielt eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung nachhaltiger Entwicklung. Diese gesellschaftliche Verantwortung spiegelt sich nicht nur in Forschungsinhalten, sondern auch in der Durchführung von Forschung. Wir haben einen Reflexionsrahmen entwickelt, der acht Kriterien für gesellschaftlich verantwortliche Forschungsprozesse umfasst und damit dieses “Wie” der Forschung systematisiert. Er adressiert Anforderungen bezüglich gesellschaftlicher Verantwortung in Forschungsprozessen aller Forschungsfelder und erfordert eine Auseinandersetzung mit möglichen Zielkonflikten.
Article
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The management of protected areas has recently emerged as a new scientific discipline. To date, there is a lack of systematic and theoretical background. This study explored this vast field by combining different disciplines in an inter- and transdisciplinary approach. Taking two existing Austrian biosphere reserves (Grosses Walsertal BR, Wienerwald BR) and one national park (Nockberge NP, BR planned) as typical examples, we analysed basic management principles in terms of intervention, participation, regional governance and change management. The broad base and special methodological approach showed the complexity of planning and managing a biosphere reserve. How local stakeholders perceive the process of development very often differs from what the planning regime was meant to do. The overwhelming importance of regional history, the power of established structures and social components (trust, enthusiasm etc.) can turn planning intentions into an unpredictable direction. Only a precise and focused strategic mix of process components can ensure a successful process. What constitutes an effective mix differs from region to region and must be defined individually. It also became clear that different phases of BR development need specific management approaches as intervention takes place in a typical order. Once again, proper participation proved crucial for the success of a BR.
Article
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The management of protected areas has recently emerged as a new scientific discipline. To date, there is a lack of systematic and theoretical background. This study explored this vast field by combining different disciplines in an inter- and transdisciplinary approach. Taking two existing Austrian biosphere reserves (Großes Walsertal BR, Wienerwald BR) and one national park (Nockberge NP, BR planned) as typical examples, we analysed basic management principles in terms of intervention, participation, regional governance and change management. The broad base and special methodological approach showed the complexity of planning and managing a biosphere reserve. How local stakeholders perceive the process of development very often differs from what the planning regime was meant to do. The overwhelm-ing importance of regional history, the power of established structures and social components (trust, enthusiasm etc.) can turn planning intentions into an unpredict-able direction. Only a precise and focused strategic mix of process components can ensure a successful process. What constitutes an effective mix differs from region to region and must be defined individually. It also became clear that different phases of BR development need specific management approaches as intervention takes place in a typical order. Once again, proper participation proved crucial for the success of a BR.
Article
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This article provides an overview on BRIMNockberge, a research project dedicated to the development of an integrated monitoring system aimed at displaying the performance of the Carinthian part of the newly established Biosphere Reserve (BR) Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge. Special emphasis has been placed on compactness and slenderness in this approach. Twelve indicators have been identified that are best suited to represent the social, economic and ecological development of the region, as well as the management’s performance. The whole process of developing indicators has been implemented in close collaboration and communication with local stakeholders and experts to achieve maximum public acceptance and effectiveness of the monitoring approach. A specific online database has been designed to store the collected data. It allows an easy and stringent presentation of the results. A test run was carried out within the project. Over the years, the annual collection of data will allow detecting relevant trends in the region.
Book
Interventionsforschung ist eine qualitative Forschungsmethode, die inter- und transdisziplinär arbeitet. Sie gruppiert verschiedene relevante Fachdisziplinen um Themen- und Fragestellungen, die sich in unterschiedlichen Praxisfeldern (z. B. Organisationen, Regionen) ergeben können und kooperiert eng mit den Betroffenen vor Ort. Im Buch bieten erfahrene Forscherinnen und Forscher wissenschaftstheoretische Grundlagen, konkrete Praxisbeispiele, Hinweise zur methodischen Durchführung und zu Grundhaltungen der Interventionsforschung an.
Article
A supportive attitude of residents towards protected areas is crucial for successful implementation and management, particularly in densely populated regions such as Central Europe. While previous studies have revealed that emotional and cultural drivers, as well as information level and group membership, can influence attitudes towards protected areas, the effect of place-attachment dimensions remains unclear. A postal survey among local residents(ND460) explored factors influencing attitudes towards the Lungau (-Nockberge) Biosphere Reserve in Austria before its official recognition. Results indicated societal support throughout all socio-demographic strata. A logistic regression showed that, besides socio-demographics and information level, place attachment had a significant influence on the acceptance of the biosphere reserve. Supporters and opponents showed both high place identity and dependence, while waverers scored low on these dimensions. Results indicate that place attachment is relevant for the design of participatory processes as well as for developing management policies for biosphere reserves.
Article
Transdisziplinäre Forschung eröffnet einen sozialen Raum, in dem bestehendes Wissen verhandelt, neues generiert und an sozial robusten Problemlösungen gearbeitet wird. Für diesen Raum – die Agora – sind grundlegende Annahmen über die Voraussetzungen von Erkenntnis und die Beschaffenheit des Wissens neu zu bestimmen. Dazu bedarf es einer Theorie, die den Kennzeichen transdisziplinärer Forschung – Anwendungsorientierung und Zusammenarbeit mit Stakeholdern – Rechnung trägt und geeignet ist, diese Forschungsform in der akademischen Mainstreamwelt zu etablieren.