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Individuationskräfte: Transdisziplinäre Impulse für die politische Theorie der Gegenwart

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Foucault wollte seine Analyse der Macht nicht in substanzialisierenden Begriffen einer Theorie verengen, sondern vielmehr ihre Spuren in praktischen Wirkungszusammenhängen nachvollziehen. Trotz seiner Ablehnung einer Theorie und damit auch einer Philosophie der Macht findet sich bei ihm aber eine durchaus schwerwiegende Bezugnahme auf das Machtdenken einer Tradition, die sich begriffsgeschichtlich vom aristotelischen Begriff der dynamis über den Begriff der potentia bis zu Nietzsches Wendung vom Willen zur Macht als einer metaphysischen Kraft rekonstruieren lässt. Von dieser Linie ausgehend wird Macht als eine dynamische Potenzialität verstehbar, die subjektivierend und objektivierend durch die Individuen hindurch geht und wie ein allgemeines Individuationsprinzip wirkt. Besonders in der Interpretation durch Gilles Deleuze ist deutlich geworden, dass Foucaults Begriff der Macht auch ein metaphysischer Begriff ist, durch den subjektivistische Verengungen aufgehoben und der immersive Charakter von Macht hervorgehoben werden kann. Von hier aus lässt sich zeigen, dass Foucaults Machtdenken zwischen spekulativer Weite, analytischer Genauigkeit und kritischem Anspruch changiert, und sich nach wie vor als höchst fruchtbar erweist, weil es die ganze Ambivalenz der Individuationsleistung von Macht aufzeigt und so eine spezifische Charakterisierung des Politischen ermöglicht.

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Foucaults erste Vorlesung am Collège de France dreht sich um grundsätzliche Fragen der Erkenntnis und der Wahrheit, die im Zusammenhang seines Projekts einer „Geschichte der Wahrheit“ zu sehen sind. Mit dem Begriff der Morphologie sucht er den Willen zum Wissen in historischen Analysen erkennbar und vergleichbar zu machen. Am Ausschluss der Sophistik, den Entwicklungen der griechischen Kultur und an König Ödipus zeigt Foucault die Funktion der Wahrheit im philosophischen und im gesellschaftlichen Diskurs. In Abgrenzung von der aristotelischen Verankerung des Wissensstrebens und der Wahrheit in einer Natur der sinnlichen Erfahrung, dreht sich die erste Vorlesung darum, mit und auch gegen Spinoza zu einer ganz anderen Konzeption von Erkenntnis zu kommen. Nietzsches Auseinandersetzung mit Spinoza führt bei Foucault zu einem Verständnis von Erkenntnis als eines dynamischen und offenen Willens zum Wissen, der nicht an eine Erkenntnisnatur des Subjekts gebunden ist, sondern sich erst in und aus äußeren Kräfteverhältnissen und Machtverhältnissen ergibt.