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Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik. Karl Ferdinand Finus und der Protest gegen die rituelle Schlachtpraxis der Juden

Authors:

Abstract

The text is dealing with the relationships of animal protection and anti -Semitism in postwar west German society.
Jahrbuch für
Antisemitismusforschung 27
Herausgegeben von Stefanie Schüler-Springorum
für das Zentrum für Antisemitismusforschung
der Technischen Universität Berlin
Redaktion:
Marcus Funck, Ua Jensen, Juliane Wetzel
Redaktionelle Bearbeitung und Lektorat: Adina Stern
Redaktionsanschri: Zentrum für Antisemitismusforschung
Technische Universität Berlin
Ernst-Reuter-Platz 7
D–10587 Berlin
ISBN: 978-3-86331-447-7
ISBN: 978-3-86331-791-1 (E-Book)
ISSN: 0941-8563
© 2018 Metropol Verlag
Ansbacher Straße 70 · D–10777 Berlin
www.metropol-verlag.de
Alle Rechte vorbehalten
Druck: Arta-Druck, Berlin
Inhalt
S S-S
Vorwort
7
ANTISEMITISMUS IN LITERATUR UND MUSIK
R S
Der Jude und der Philister. Die Konstruktion
komplementärer Feindbilder bei Clemens Brentano
13
B B
Der mauschelnde Mime. Zur Sprache „verdächtiger“
Operngestalten Richard Wagners im Kontext seiner
antijüdischen Musikkonzepte
40
ANTISEMITISMUS IN EUROPA IN GESCHICHTE UND GEGEN WART
C H
Eine Fußnote der Emanzipation? Antijüdische Ausschreitungen
in Stockholm 1838 und ihre Bedeutung für eine
Wissensgeschichte des Antisemitismus 65
A B
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen
Bundesrepublik. Karl-Ferdinand Finus und der Protest gegen
die rituelle Schlachtpraxis der Juden 88
Margit Reiter
Antisemitismus in der FPÖ und im „Ehemaligen“-Milieu
nach 1945 117
Inhalt
N L · S M
Postmoderner Antisemitismus? Im Spannungsfeld von
Individualismus und Gemeinschasorientierung: Ergänzende
Betrachtungen zu den „Mahnwachen für den Frieden“ 150
VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN
M L
Die Verschwörungstheorie „Plan Andinia“. Eine Medienanalyse
des chilenischen Falls „Rotem Singer“ (2011–2016)
177
E Y Y
Imperialer Wahn und Untergangsfantasien.
Zum Antisemitismus der konservativ-nationalistischen Szene
in der rkei 204
DEBATTE: MIT RECHTEN REDEN
S A
Party für Alle 231
M F
Wer redet, ist nicht tot 236
SH
Wenn Rechte reden
242
S S
Mit Rechten (öentlich) reden? Nein. 247
Die Autorinnen und Autoren 252
A B
Tierschutzbewegung und Antisemitismus
in der frühen Bundesrepublik
Karl Ferdinand Finus und der Protest gegen
die rituelle Schlachtpraxis der Juden
Dieser Aufsatz geht der Frage nach den Zusammenhängen zwischen organisier-
tem Tierschutz und Antisemitismus in der westdeutschen Nachkriegsgesellscha
nach.1 Dass Judenhass und Tierliebe sowohl in der zweiten Häle des 19. als auch
in der ersten Häle des 20. Jahrhunderts zuweilen eine unheilvolle Allianz einge-
gangen sind, ist eine in der Historiograe und Antisemitismusforschung vielfach
empirisch belegte, aber dennoch von Tierschützern gerne und vehement bestrit-
tene Tatsache. Insbesondere die rituelle Schlachtpraxis der Juden (Schechita) war
nicht nur Gegenstand einer rational motivierten, am Tierwohl orientierten und
gegen eine vermeintlich anthropozentrische Ethik gerichteten Kritik, die sich auf
Erkenntnisse der Tierphysiologie berief, sondern diente in Deutschland und in
anderen Ländern Europas auch vielfach als probates Ventil, um sowohl das Juden-
tum als Religion als auch die Juden als Kollektiv zu marginalisieren, zu diskredi-
tieren und zu kriminalisieren.2
1 Für ihre kritische Lektüre früherer Versionen danke ich Michael A. Meyer (Cincinnati),
Ulrich Wyrwa (Berlin) und Moshe Zimmermann (Jerusalem) sowie den Kolleginnen
und Kollegen am Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg.
2
Vgl. z. B. Robin Judd, Contested Rituals: Circumcision, Kosher Butchering and Jewish
Political Life in Germany 1843–1933, Ithaca/London 2007; Martin Fritz Brumme, „Mit
dem Blutkult der Juden ist endgültig in Deutschland Schluß zu machen“. Anmerkungen
zur Entwicklung der Anti-Schächt-Bewegung, in: Michael Hubenstorf u. a. (Hrsg.),
Medizingeschichte und Gesellschaskritik. Festschri für Gerhard Baader, Husum 1997
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaen, He 81),
S.378–397.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
89
Nach dem millionenfachen Judenmord im Nationalsozialismus etablierte
sich in der Bundesrepublik ein rechtsstaatlicher Grundkonsens, der die Reli-
gionsfreiheit der Jüdinnen und Juden garantierte und an diese anknüpfend auch
eine, wenn nicht positive, so doch juristisch tolerante Haltung zum Schächten
einschloss. Teile der nichtjüdischen westdeutschen Nachkriegsgesellscha ver-
traten dennoch unbeschadet eines von oben verordneten und politisch instru-
mentalisierten Philosemitismus eine andere Position.3 Die Tierschutzbewegung
erneuerte zeitnah nach Kriegsende ihren Widerstand gegen die religiösen Tier-
schlachtungen und erkor diesen, ohne grundsätzlich die Tötung von Tieren zum
Zweck der Nahrungsmittelgewinnung abzulehnen, zu einem zentralen Anliegen
ihrer Öentlichkeitsarbeit. Dass sie diesen Weg beschritt, obwohl der koschere
Fleischkonsum gegenüber dem Fleischverbrauch aus herkömmlicher Schlachtung
kaum ins Gewicht el und sich die jüdischen Gemeinden vor allem aus Frauen
und Männern zusammensetzten, die infolge der nur wenige Jahre zurückliegen-
den Verfolgungen im „Dritten Reich“ schwer traumatisiert waren, legt die Vermu-
tung nahe, dass die Schächtfrage angesichts eines öentlich verpönten Antisemi-
tismus erneut dazu dienen konnte, um einen im Judentum begründeten, kollekti-
ven Gegensatz zwischen „Juden“ und „Deutschen“ zu konstruieren.
Der bayerische Landwirt und einussreiche Tierschutzfunktionär Karl
Ferdinand Finus (1900–1973), der sich wie kein anderer dem Kampf gegen die
S chechita widmete, steht im Fokus dieser Untersuchung. Mit seinem Engagement
für eine Auebung von Ausnahmeregelungen für die rituelle Schlachtung, so die
Annahme, setzte er sich nicht nur für die Rechte der Tiere ein, sondern manifes-
tierte zugleich ein heiges antijüdisches Ressentiment, das weit über die Frage des
Tierschutzes hinausreichte und die gleichberechtigte gesellschaliche Teilhabe
der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden insgesamt infrage stellte.
3 Zum Begri und zur Entwicklung des Philosemitismus in der westdeutschen Nach-
kriegsgesellscha siehe Frank Stern, Entstehung, Bedeutung und Funktion des Philo-
semitismus in Westdeutschland nach 1945, in: Werner Bergmann/Rainer Erb (Hrsg.),
Antisemitismus in der politischen Kultur nach 1945, Opladen 1990, S.180–197; sowie
Sterns Monograe, Im Anfang war Auschwitz. Anti semitismus und Philosemitismus im
deutschen Nachkrieg, Gerlingen 1991.
Andreas Brämer
90
Jüdisches Schächten (in Deutschland)
Zunächst erscheint es sinnvoll, einige Hinweise zu den Speisegesetzen zu geben,
die in der überlieferten jüdischen Religionspraxis einen wichtigen Platz einneh-
men.4 Bibel, Talmud und Kodizes enthalten zahlreiche normative Hinweise, wel-
che Nahrungsmittel unter welchen Voraussetzungen koscher, d. h. für den Ver-
zehr geeignet, sind und welche Speisen und Getränke als trefe gelten, d. h. nicht
gegessen werden dürfen. Die wichtigsten Vorschrien der Kaschrut beziehen sich
auf den Konsum von Fleisch, während vegetarische Lebensmittel generell nur we-
nigen Einschränkungen unterliegen, sofern sie nicht mit tierischen Produkten in
Berührung kommen. Detaillierte Anweisungen darüber, welche Tiere gegessen
werden dürfen und welche als unrein gelten, nden sich im Buch Leviticus im
Pentateuch. Erlaubte Landtiere sind demnach widerkäuende Paarzeher wie Rind,
Ziege und Schaf. Zum jüdischen Speiseplan gehört zudem domestiziertes Geügel
wie Huhn, Pute, Ente und Gans.
Komplizierter als die Angaben zu erlaubten und untersagten Tiergattungen
sind die weiteren Ge- und Verbote, die den Verzehr sow ie die Vor- und Zubereitung
tierischer Nahrung betreen. Während gläubige Jüdinnen und Juden lediglich
Erzeugnisse von einem Lebewesen zu sich nehmen dürfen, das als koscher gilt,
ist nicht jedes Lebensmittel, das von einem reinen Tier stammt, für den Konsum
geeignet. Zudem gelten bestimmte Körperteile koscherer Tiere als unrein, so etwa
die Fettanlagerungen im Bereich der Innereien sowie die „Spannader“ genannte
Hüsehne des Viehs. Kulinarisch von großer Bedeutung ist zudem das Verbot,
Milch- und Fleischprodukte zu mischen oder in einer Mahlzeit zusammen zu
essen.
Weitreichende Konsequenzen für die jüdische Küche ergeben sich ferner
aus dem Verbot des Blutgenusses. Daher dürfen in keinem Fall gerissene, auf der
Jagd getötete oder natürlich verendete Tiere verspeist werden. Klein- und Groß-
vieh sowie Geügel werden geschächtet, d. h. ohne vorherige Betäubung mit
einem schnellen Halsschnitt getötet. Dabei durchtrennt der jüdische Schlachter
mit einem schartenfreien Messer Schlagader, Nervenstränge sowie Lu- und
Speiseröhre und bewirkt auf diese Weise die zeitnahe Bewusstlosigkeit und das
4 Andreas Brämer, Judentum. Die 101 wichtigsten Fragen, München 22015, S.48–51.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
91
v ollständige Ausbluten des Tiers. Wenn dann die äußere und innere Beschau
(Bedika) keine Hinweise auf Krankheiten oder relevante körperliche Mängel
ergibt, darf das Fleisch als koscher in den Verkauf. Voraussetzung ist zudem, dass
der Schächter von einer rabbinischen Autorität approbiert wurde, die dessen reli-
giösen Lebenswandel sowie fachliche Qualikation beglaubigt.5
Seit dem 19. Jahrhundert rief das rituelle Schlachten europaweit Gegner aus
dem Umfeld der neuen Tierschutzorganisationen auf den Plan, deren Argument,
bei der Tötung ohne vorherige Betäubung handle es sich um eine vermeidbare und
überdies besonders grausame Form der Tierquälerei, von radikalen Antisemiten
gerne aufgegri en wurde. Ein landesweites Verbot der Viehschlachtung „ohne vor-
herige Betäubung vor dem Blutentzuge“ trat 1893 in der Schweiz in Kra und hat
bis heute Gültigkeit.6 Im Deutschen Reich gehörte dann ein Schächtverbot nach
der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 konsequenterweise zu
den ersten Rechtsmaßnahmen mit deutlich antijüdischer Stoßrichtung. Im April
des Jahres verkündete die Reichsregierung ein neues „Gesetz über das Schlach-
ten von Tieren“, das erstmals deutschlandweit die betäubungslose Schlachtung
unter Strafe stellte.7 Dieses Verbot blieb bis 1945 in Kra, als in den westlichen
Besatzungszonen das bis dato geltende Schlachtrecht zwar grundsätzlich weiter
Bestand hatte, jedoch das Schlachten von warmblütigen Tieren nach jüdischem
5 Hinweise zum Ablauf des Schächtens nden sich bei Israel M. Levinger, Schechita und
Kaschrut – Jüdischer Standpunkt zum Schlachten von Tieren, in: Pardes 13 (2007),
S.62–86; ders., Shechita in the Light of the Year 2000: Critical Review on the Scientic
Aspects of Methods of Slaughter and Shechita, Jerusalem 1995, S.14–17.
6 Pascal Krauthammer, Das Schächtverbot in der Schweiz 1854–2000. Die Schächtfrage
zwischen Tierschutz, Politik und Fremdenfeindlichkeit, Zürich 2000; Herbert Kalb, Ri-
tuelles Schlachten in der Schweiz, in: Richard Potz/Brigitte Schinkele/Wolfgang Wies-
haider (Hrsg.), Schächten. Religionsfreiheit und Tierschutz, Plöchl u. a. 2001, S.157–165.
7 Gesetz über das Schlachten von Tieren, 21. 4. 1933, in: Reichsgesetzblatt I 1933, S.203;
vgl. Stefan Dirscherl, Tier- und Naturschutz im Nationalsozialismus. Gesetzgebung,
Ideologie und Praxis, Göttingen 2012, S.60 f.; Rupert Jentzsch, Das rituelle Schlachten
von Haustieren in Deutschland ab 1933. Recht und Rechtsprechung, Diss. Hannover
1998, S.66–81; Boria Sax, Animals in the ird Reich: Pets, Scapegoats, and the Holo-
caust, New York/London 2000, S.110 f. Auch der 1940 produzierte antisemitische Pro-
pagandalm Der ewige Jude enthielt eine Schächtszene, die „den Charakter einer Rasse
[enthüllen sollte], die ihre stumpfe Rohheit unter dem Mantel frommer Religionsaus-
übung verbirgt“.
Andreas Brämer
92
Ritus auf Anweisung der Militärregierungen durch Landesgesetz oder auf dem
Verordnungsweg wieder zugelassen wurde.8
In den ersten Nachkriegsjahren wurde in Westdeutschland an verschiedenen
Orten, zum Teil auch illegal, geschächtet, um die Fleischversorgung vor allem der
jüdischen Displaced Persons aus Osteuropa zu gewährleisten, unter denen religiös
observante Frauen und Männer, die auch auf eine streng koschere Diät Wert leg-
ten, einen hohen Anteil ausmachten.9 Nach der Gründung der Bundesrepublik,
als bereits die allermeisten DPs nach einem temporären Aufenthalt namentlich im
amerikanischen Sektor in die USA oder nach Israel migriert waren, beschränkte
sich die Schechita nur mehr auf die öentlichen Schlachthöfe in München, Frank-
furt am Main, Köln, Berlin und Hamburg, wo wöchentlich vor allem Großvieh in
geringer Zahl nach religiösem Ritus geschlachtet wurde.10 Langfristig sanken die
jüdischen Schächtzahlen kontinuierlich weiter, während die Gemeinden mehr und
mehr dazu übergingen, frisches oder gefrorenes koscheres Fleisch vorwiegend aus
8 In der Sowjetischen Besatzungszone sowie in der späteren DDR blieb das Schächtver-
bot in Kra. Hier fanden rituelle Tierschlachtungen allenfalls „stillschweigend gedul-
det“ statt; vgl. Jentzsch, Das rituelle Schlachten, S.89, 127 f.; Hermann Stolting/Gerhard
Zoebe, Das Tier im Recht. Handbuch für alle Tierschutzfragen, Frankfurt a. M./Wien
1962, S.70.
9 Zur Fleischversorgung jüdischer Displaced Persons siehe Judith Tydor Baumel, e Poli-
tics of Spiritual Rehabilitation in the DP Camps, in: Simon Wiesenthal Center Annual 6
(1989), S.58–79, http://motlc.wiesenthal.com/site/pp.asp?c=gvKVLcMVIuG&b=395149
[2. 5. 2018]; Alex Grobman, Battling for Souls: e Vaad Hatzala Rescue Committee in
Post-War Europe, Jersey City 2004, S.171–183; Margarete Myers Feinstein, Holocaust
Survivors in Postwar Germany, 1945–1957, Cambridge 2012, S.214–217; Kierra Mikaila
Crago-Schneider, Jewish „Shtetls“ in Postwar Germany: An Analysis of Interactions
Among Jewish Displaced Persons, Germans, and Americans Between 1945 and 1957
in Bavaria, Los Angeles 2013 (Diss.), S.133–141. Allgemein zu den jüdischen DPs siehe:
Angelika Königseder/Juliane Wetzel, Lebensmut im Wartesaal. Die jüdischen DPs (Dis-
placed Persons) im Nachkriegsdeutschland, Frankfurt a. M. 1994.
10 Dokumenten aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtscha und Forsten
zufolge lag die wöchentliche Zahl geschächteter Tiere im Jahr 1963 unter 100; Interner
Vermerk, 28. Juni 1963, BArch B116/50102; vgl. auch Horst Kunkel, Eine Analyse des
Schächtproblems unter Berücksichtigung religiöser, physiologischer und technischer
Fragen mit dem Versuch, Möglichkeiten einer Lösung aufzuzeigen, Hannover 1962,
S. 38; Klaus Drawer/Klaus J. Ennulat (Hrsg.), Tierschutzpraxis, Stuttgart/New York
1977, S.142.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
93
dem europäischen Ausland zu importieren. Nach Auskun der orthodoxen Rab-
binerkonferenz beschränkt sich die koschere Fleischproduktion in Deutschland
derzeit auf das Schächten von Geügel, das in München unter Aufsicht des lokalen
Rabbinats erfolgt.11 Bei den in Deutschland stattndenden rituellen Tierschlach-
tungen handelt es sich um Halal-Schlachtungen nach muslimischer Tradition, die
fast ausschließlich mit vorheriger Betäubung durchgeführt werden (müssen).12
Karl Ferdinand Finus – Die NS-Zeit
Unbeschadet der anteilig unbedeutenden Schächtzahlen in der Nachkriegszeit
geriet die jüdische Schlachtpraxis bereits früh wieder in das Fadenkreuz des deut-
schen Tierschutzes. Engagiertester Funktionär der Antischächtbewegung war
Karl Ferdinand Finus, ein studierter Agrarwissenschaler, der an seinem Wohn-
ort Starnberg (Oberbayern) dem lokalen Tierschutzverein vorstand und überdies
lange Jahre den Landesverband Bayerischer Tierschutzvereine führte sowie 1952
den deutschlandweit engagierten Bund gegen den Mißbrauch der Tiere e. V.
g ründete.13
Über den am 22. Mai 1900 in Radolfzell in Baden geborenen Finus lassen sich
nur wenige biograsche Details aus der Zeit vor und während des „Dritten Reichs“
11
Schriliche Auskun per E-Mail, 24. Mai 2013; ein Rundfunkbeitrag des Deutschland-
funks aus dem Jahr 2010 weiß allerdings zu berichten, dass in Berlin Rinder in
geringer Zahl geschächtet werden: Heinz-Peter Katlewski, Die Schechita. Jüdisches
Schlachten, in: Deutschlandfunk Kultur, Aus der jüdischen Welt, 1. Januar 2010, http://
www.deutschlandfunkkultur.de/die-schechita.1079.de.html?dram:article_id=176157
[2. 5. 2018]; siehe auch Alice Lanzke, Alles koscher, oder was?, in: Jüdische Allgemeine
Wochenzeitung, 19. Juni 2008; Claudia Keller, Nach dem Schächt-Verbot in Polen. Juden
und Muslime in Berlin suchen neue Fleischlieferanten, in: Der Tagesspiegel, 18. Juli 2013.
12 Antonio Velarde et al., Assessment of the Incidence and Scale of Current Religious
Slaughter Practices, http://www.dialrel.eu/images/factsheet-assesment-practices.pdf
[2. 5. 2018]; vgl. auch Shai Lavi, Der Islam zwischen christlicher Tradition und jüdischer
Geschichte. Das Beispiel ritueller Tierschlachtung in Deutschland nach 1945, in: Astrid
Reuter/Hans G. Kippenberg (Hrsg.), Religionskonikte im Verfassungsstaat, Göttingen
2010, S.393–416; ders., Unequal Rites: Jews, Muslims and the History of Ritual Slaughter
in Germany, in: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 37 (2009), S.164–184.
13 Der Spiegel, Nr. 20/1960, S.87.
Andreas Brämer
94
ermitteln. Der Tierschutzaktivist, der 1924 sein Studium an der Landwirtscha-
lichen Hochschule in Hohenheim als Diplomlandwirt abschloss, engagierte sich
in der völkischen Bewegung und trat vermutlich in den frühen 1920er-Jahren der
nationalistisch-antisemitischen Deutsch-Völkischen Freiheitspartei bei. 1933 war
er kurzzeitig Mitglied der NSDAP, deren radikalen Judenhass er nachdrücklich
teilte.14 Während er als Kämpfer gegen die Koscherschlachtung insbesondere in
der Politik und in Tierschutzkreisen der jungen Bundesrepublik einige Promi-
nenz erlangte, blieb nach 1945 anscheinend unentdeckt (oder unbeachtet), dass
sich Finus dieser ematik bereits während des „Dritten Reichs“ angenommen
hatte. Bis Finus im September 1939 in die Wehrmacht eingezogen wurde,15 hatte
er als Herausgeber und Chefredakteur das 1932 von ihm gegründete Periodikum
Der deutsche Tierfreund publiziert, die sich als „unabhängige deutsche Tierschutz-
Zeitschri“ unter anderem für die Versorgung ehemaliger Kriegspferde einsetz-
te.16 Finus nutzte das zweimonatlich erscheinende Organ aber wiederholt auch
als Sprachrohr, um das ema Schächten aufzugreifen. Dabei widmete er seine
besondere Aufmerksamkeit der Frage, wie sich das im Mai 1933 in Kra getretene
Schlachtgesetz auf die Ernährungslage der in Deutschland beheimateten Juden
auswirkte.
Nach dem Schächtverbot vom April 1933 hatte vor allem das orthodoxe
Judentum nach Lösungen gesucht, um weiterhin die Versorgung der deutschen
14 In einem Schreiben an das Oberkommando des Heeres vom 21. August 1941 (BArch
R 9361-I/11433) schreibt Finus: „Ich bin ein alter Kämpfer gegen die Freimaurerei
und gegen das Judentum.“ Siehe auch seinen handgeschriebenen Lebenslauf, ca. 1941,
ebenda.; vgl. auch die Briefe von Finus an Max von Baden, in: Generallandesarchiv
Karlsruhe (GLAK), FA N 6005. Eng befreundet mit dem antisemitischen Dichter und
Hitlerverehrer Ludwig Finckh (1876–1964), schreckte Finus auch nicht davor zurück,
andere Tierschützer als Juden zu denunzieren, wenn es seiner eigenen Agenda dien-
lich schien; vgl. den Briefwechsel Finckh/Finus, GLAK, FA N 5901; FA N 6005; siehe
außerdem Frank Uekoetter, e Green and the Brown: A History of Conservation in
Nazi Germany, Cambridge/New York/Melbourne 2006, S.95; Renate Brucker, Magnus
Schwantje, Teil 2, in: Tierbefreiung. Das aktuelle Tierrechtsmagazin 62 (März 2009),
S.68-72; der Aufsatz beruht teilweise auf einem Vortrag auf dem Internationalen Kon-
gress „A nimals in History“, der im Mai 20 05 vom German Historic al Institute Washing-
ton, DC, in Köln veranstaltet wurde. Ich danke Renate Brucker für ihre Hinweise.
15 Finus diente später in der Waen-SS; vgl. BArch R 9361 III/286388.
16 Dirscherl, Tier- und Naturschutz, S.89.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
95
Jüdinnen und Juden mit koscherem Fleisch zu gewährleisten. Fanden mancher-
orts illegale Koscherschlachtungen nach religiösem Ritus statt, die im Fall der
Entdeckung hart geahndet wurden, so gelang es der 1917 von gesetzestreuen Rab-
binern gegründeten Reichszentrale für Schächtangelegenheiten, vorübergehend
Erleichterungen zu schaen, indem sie bei den Behörden Importgenehmigungen
für geschächtetes Fleisch einholte. Sogar nach einem 1936 verhängten Einfuhrver-
bot konnte weiterhin koscheres Frischeisch aus Dänemark sowie tiefgefrorenes
Fleisch aus Argentinien und Uruguay nach Deutschland gelangen, das über einen
Spendenfonds in London nanziert wurde. Als dieser Weg im Laufe des Jahres
1938 ebenfalls blockiert wurde, konnten lediglich noch die verbliebenen Vorräte
mit behördlicher Billigung an jüdische Einrichtungen ausgeliefert werden.17
Von Beginn an setzte sich Finus für eine kompromisslose Umsetzung des
Schächtverbots ein, über das hinaus er auch einen sofortigen Importstopp for-
derte. Dabei machte er auch nicht davor halt, das nationalsozialistische Regime
mit dem Vorwurf mangelnder Entschlossenheit in der Auseinandersetzung mit
der jüdischen Gemeinscha zu konfrontieren. Konkret nutzte er die eigene Tier-
schutz-Zeitschri, um wiederholt seinem Unverständnis gegenüber dem Reichs-
innenministerium, das den Import „aus grundsätzlichen Erwägungen“ duldete,
öentlichen Ausdruck zu verleihen. Im Februar 1938 meldete sich Finus im Tier-
freund mit einem weiteren scharfen Protest zu Wort. Weit davon entfernt, ange-
sichts der zunehmenden rassistischen Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung
Mitgefühl mit den deutschen Juden zu äußern, drängte er vielmehr darauf, die
Einfuhr koscheren Kalb- und Rindeischs ins Reich endlich konsequent zu unter-
binden.18 In diesem Zusammenhang ließ Finus keinen Zweifel daran, dass er
die antijüdische Ideologie des NS-Staats in vollem Umfang teilte. Seine Anwürfe
beschränkten sich demnach nicht auf den religionsgesetzlich motivierten Ver-
zicht auf die Betäubung des Viehs vor dem Blutentzug, sondern er beschrieb die
Juden als wesensfremde Widersacher der Deutschen. Konkret skandalisierte er
17 Vgl. Yaakov Zur, Orthodox Jewry in Germany During the Nazi Regime, in: Abraham
Margaliot/Yehoyakim Cochavi (Hrsg.), History of the Holocaust Germany, 2 Bde., Jeru-
salem 1998, Bd. 2, S.860–864 [hebr.]; Dirscherl, Tier- und Naturschutz, S.112; 118.
18 K. F. Finus, Deutsche Gesetze werden umgangen – Tiere werden weiterhin gequält!, in:
Der Deutsche Tierfreund 8 (1938) 2, S.19–21; in diesem Text zitiert Finus auch Stellung-
nahmen aus früheren Jahren.
Andreas Brämer
96
die „ungeheuerlichsten jüdischen Tierquälereien“ als verbrecherischen Ausdruck
einer grundsätzlich undeutschen, weil unedlen Gesinnung, die dem Ansehen von
Volk und Reich schadete. Dieser „jüdischen Frechheit“, so Finus’ Mahnruf, gelte
es, mit Entschiedenheit entgegenzutreten:
„Tierschutz ist eine Angelegenheit der Kultur. Für den deutschen Menschen
ist tierschützerische Einstellung ein Charaktermerkmal. Deutschland hat die
jüdischen Schächtgreuel verboten, weil es in ihnen eine der grauenhaesten
Tierquälereien erblickt hat und seine Kultur von dieser Belastung befreien
wollte.
Deutschland hat es durch seine Haltung in der Hand, für die Kultur der Welt
einen wertvollen Beitrag zu leisten und der Welt zu zeigen, daß wir eine wirk-
liche Kultur pegen und auch verteidigen.
Die nationalsozialistische Weltanschauung läßt nicht zu, daß das Fleisch von
nach jüdischem Ritus zu Tode gequälter Tiere für die größten Feinde des deut-
schen Volkes und Reiches eingeführt wird. Nationaler Stolz und deutscher
Kulturwille lassen nicht zu, daß die deutsche Nation und das deutsche Volk in
Verbindung gebracht werden mit den größten Tierquälereien, den jüdischen
Schächtgreueln!
Darum Schluß mit der Einfuhr von Schächteisch!“19
Finus’ Engagement in München und Bayern (19511954)
In den ersten Jahren nach der Befreiung entwickelte sich Deutschland zur vor-
übergehenden Heimat für zahlreiche osteuropäische Juden, die den Holocaust
überlebt hatten und – konfrontiert mit dem massiven Antisemitismus in ihren
Heimatländern – als Displaced Persons vor allem in die amerikanische Besat-
zungszone und bevorzugt nach Bayern ohen, von wo aus die meisten von ihnen
dann entweder nach Israel oder in die USA weiter migrierten. Bei den Versuchen,
diesen Menschen während ihres temporären Aufenthalts eine koschere Ernäh-
rung zu ermöglichen, mussten jüdische Hilfsorganisationen anfänglich z ahlreiche
19 Ebenda, S.21.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
97
Hindernisse und W iderstände überwinden. Insbesondere die Versorgung der
She’erit Hapletah (hebr.: „Übriggebliebener Rest“) mit Frischeisch gestaltete
sich zunächst schwierig, zumal die U. S.-Besatzungsbehörden im November 1945
r ituelle Schlachtungen vorübergehend ganz aussetzten, um den deutschen Vieh-
bestand nicht zu gefährden.20 Den Weg zu einer dauerhaen Legalisierung von
Koscherschlachtungen in Bayern ebnete die Verordnung Nr. 49, die der sozial-
demokratische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (1887–1980) auf Anordnung
der amerikanischen Militärregierung am 14. Januar 1946 erließ. Demnach bezog
sich das Schlachtgesetz von 1933 fortan nicht mehr „auf die Vornahme von rituel-
len Schlachtungen von warmblütigen Tieren, deren Fleisch zum menschlichen
Verzehr bestimmt ist“.21
In den Folgemonaten gelang es, an zahlreichen Orten in Bayern regelmäßige
religiöse Schlachtungen zu organisieren, um die Fleischversorgung sowohl der
Displaced Persons als auch der Mitglieder in den wieder- oder neu gegründeten
Synagogengemeinden zu gewährleisten. Zum Mittelpunkt der koscheren Fleisch-
produktion entwickelte sich der städtische Schlacht- und Viehhof in München, wo
in den Folgejahren wöchentlich bis zu 200 Rinder und Kälber nach dem halachi-
schen Regelwerk getötet und verarbeitet wurden.22
Dass sich vorübergehend kein nennenswerter öentlicher Protest gegen das
betäubungslose Schlachten formierte, war wohl weniger dem Respekt der nicht-
jüdischen Gesellscha gegenüber den religiösen Praktiken einer Minderheit
geschuldet, deren Ausrottung noch wenige Jahre zuvor beschlossene Sache gewe-
sen war, sondern hing vor allem mit der insgesamt schwierigen Versorgungslage
der deutschen Bevölkerung zusammen, die sich deshalb noch wenig Gedanken
20 Vgl. Myers Feinstein, Holocaust Survivors in Postwar Germany, S.214–216; Tydor Bau-
mel, e Politics of Spiritual Rehabilitation in the DP Camps.
21 Bayerisches Gesetz- u. Verordnungsblatt Nr. 9, 1946, S.142; siehe auch Jentzsch, Das
rituelle Schlachten, S.90.
22 Schlachthofdirektor Christian Haeutle an das Bayerische Landesernährungsamt, 7. Ok-
tober 1948, Stadtarchiv München (StAM), Bestand Schlacht- und Viehhof 133/2; zur
Geschichte des Schlachthofs: Christian Haeutle (Bearb.), 75 Jahre Schlacht- und Vieh hof
München 1878–1953, München [1953]; Canan-A. Aybar, Geschichte des Schlacht- und
Viehhofes München, Diss. München 2005.
Andreas Brämer
98
um Aspekte des Tierwohls machte.23 Zudem hatte die Besatzungsmacht ein k lares
Bekenntnis zur Religionsfreiheit abgegeben, gegen das Protest zu formulieren
kaum Aussicht auf Erfolg gehabt hätte.24 Erst 1949, also mit und nach der Grün-
dung der Bundesrepublik, begann sich in München der Widerstand zu formie-
ren– zu einem Zeitpunkt also, als wegen der jüdischen Migration nach Israel und
in die USA die Zahl der Koscherschlachtungen bereits zu sinken begann.
Im Münchner Stadtrat stand das ema Schächten schon im Sommer 1949 auf
der Tagesordnung, nachdem der ehrenamtliche Stadtrat Rudolf Bössl (1899–1971)
in einem Dringlichkeitsantrag gefordert hatte, die Einrichtungen des städtischen
Schlachthofs „ab sofort nicht mehr zur Schlachtung von Tieren zur Verfügung [zu
stellen], deren Tötung ohne vorhergehende Betäubung erfolgt“. Bössl, der auch
dem Verwaltungsrat des Münchner Schlachthofs angehörte, war kein Anhänger
rechtsradikaler Ideologien, sondern langjähriges Mitglied der Sozialdemokrati-
schen Partei Deutschlands, die sich vor 1933 dezidiert für die Rechte der Jüdinnen
und Juden eingesetzt hatte. In Bayern hatten sich jedoch zahlreiche SPD-Politiker
bereits in den 1920er-Jahren für ein Schächtverbot eingesetzt, das der Landtag
in der Tat 1930 mehrheitlich verabschiedete. Bössl bezog sich ausdrücklich auf
23 Aufschlussreich ist, dass etwa der Schlacht- und Viehhof München erst im Laufe des
Jahres 1947 ausreichend Munition für die Bolzenschussapparate erhielt, die zur Betäu-
bung des Großviehs vor der Schlachtu ng eingesetzt wurden. Bis dahin mussten die Tiere
teilweise per Axthieb betäubt werden, ohne dass diese Methode großes öentliches Auf-
sehen erregte; vgl. Bayerisches Hauptstaatsarchiv (BayHStA), MInn 87875.
24 Ob der Angri auf eine koschere Metzgerei in München am 6./7. Februar 1948 auch
militanter Ausdruck des Tierschutzes war, lässt sich nicht klären; vgl. Juliane Wetzel,
Aufruhr in der Möhlstraße. München als Ort jüdischer Displaced Persons, in: Wolfgang
Benz/Brigitte Mihok (Hrsg.), „Juden unerwünscht“. Anfeindungen und Ausschreitun-
gen nach dem Holocaust, Berlin 2016, S.68 f.; zum Nachkriegsantisemitismus in Mün-
chen und Bayern: Constantin Goschler, e Attitude towards Jews in Bavaria aer the
Second World War, in: Leo Baeck Institute Year Book 36 (1991), S.443–458; Anthony D.
Kauders/Tamar Lewinsky, Neuanfang mit Zweifeln, in: Richard Bauer/Michael Brenner
(Hrsg.), Jüdisches München, München 2006, S.202–204; Anthony Kauders, Democra-
tization and the Jews: Munich, 1945–1965, Lincoln/London 2004, S.269–273; Juliane
Wetzel, Jüdisches Leben in München 1945–1951. Durchgangsstation oder Wiederauf-
bau?, München 1987, S.345–354; zur Ausübung der obersten Regierungsgewalt durch
die Alliierten: Wolfgang Benz, Parteigründungen und erste Wahlen. Der Wiederbeginn
politischen Lebens, in: ders. (Hrsg.), Neuanfang in Bayern 1945 bis 1949. Politik und
Gesellscha in der Nachkriegszeit, München 1988, S.11.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
99
diesen bayerischen „Sonderweg“, wenn er die Verordnung Nr. 49 als fatalen Rück-
schritt des Tierschutzes deutete. „Politische Rücksichten auf bestimmte Kreise
oder Wähler“, so chirierte Bössl seine Botscha, „sind fehl am Platz, wenn es um
die Wahrung der Menschlichkeit geht.“25 Dass sich diese Tugend lediglich in der
Achtung vor den Tieren konkret manifestieren, ausgerechnet im Miteinander mit
den jüdischen Überlebenden aber keine Bedeutung haben sollte, entwertete das
Humanitätsideal des kämpferischen Sozialdemokraten.
In München blieb der Vorstoß gegen das Schächten zunächst ohne Wirkung,
bis der Stadtrat im Juni 1951 mehrheitlich für Bössls Antrag stimmte, beim Land-
tag und der Bayerischen Regierung dahingehend vorstellig zu werden, dass die im
Januar 1946 erfolgte Auebung des Schächtverbotes „aus Gründen der Mensch-
lichkeit“ rückgängig gemacht werde.26 Abgeordnete der KPD, der SPD sowie der
separatistischen Bayernpartei (BP) hatten den Antrag unterstützt und damit die
zehn Abgeordneten der CSU, der FDP sowie den parteilosen Stadtrat Rechtsan-
walt Otto Gritschneder (1914–2005) überstimmt. Im Landtag fand diese Initia-
tive jedoch keine breite Unterstützung. Das bayerische Parlament befasste sich
in den Folgemonaten nur am Rande mit dem ema Schächten, ohne aber über
die Zulässigkeit dieser religiösen Praxis abzustimmen. Damit war die Koscher-
schlachtung als Gegenstand der politischen Diskussion vorerst vom Tisch.27
Wenngleich Karl Ferdinand Finus in den frühen Schächtdebatten in München
und Bayern nicht öentlich in Erscheinung trat, wirkte er hinter den Kulissen
25 Rudolf Bössl an den Stadtrat der Landeshauptstadt München (Dringlichkeitsantrag
Nr. 310), 4. Juli 1949, StAM, Bestand Schlacht- und Viehhof 133/2; siehe auch das
Ratssitzungsprotokoll der Vollversammlung am 5. September 1949, StAM, RP 722/3
S.2655–2657; Wilhelm Weinberg, Neuer „Tierschutz“ in Bayern. Die Forderung nach
dem Schächtverbot, in: Der Weg 6 (1951) 13, S.11, 15; zum bayerischen Schächtverbot
1930 siehe Judd, Contested Rituals, S.212–215.
26 Ueberraschender Mißgri in München. Stadtrat empehlt Schächtverbot – Protest-
telegramm Dr. Schumachers, in: Berliner Allgemeine Wochenzeitung der Juden in
Deutschland 6 (1951) 11, S.3.
27 Beilage 919: Kurze Anfrage Nr. 42 (Albert Weggartner, Bayernpartei), Betre: Betäu-
bungsloses Schlachten von Tieren, 21. Juni 1951, in: Verhandlungen des Bayerischen
Landtags I. Tagung 1950/51. Beilagen-Band 1, München 1951; Beilage 1111. Zur Beilage
919, 29. Juni 1951, in: Verhandlungen des Bayerischen Landtags II. Tagung 1951/52, Bei-
lagen-Band II, München 1952.
Andreas Brämer
100
beharrlich für eine Erneuerung der Betäubungspicht bei der Tierschlachtung.
Sein Wohnort Starnberg lag nur wenige Kilometer von dem DP-Lager Föhrenwald
entfernt, wo die jüdischen Überlebenden auch illegale Schlachtungen vornahmen,
von denen Finus möglicherweise ebenso Kenntnis hatte wie von den regelmäßigen
religiösen Schlachtungen am Münchner Schlacht- und Viehhof.28 Finus unter-
stützte zunächst Bössls Antischächtinitiative, die ihm aber nicht weit genug ging,
da sich der politische Gestaltungswille des SPD-Stadtrats vor allem auf den loka-
len Kontext der Landeshauptstadt richtete. Finus strebte aber von Anfang an eine
deutschlandweite Rückkehr zum Betäubungszwang an, für die er auf mehreren
Ebenen agitierte.
Um Einuss auf die öentliche Meinungsbildung zu nehmen, ließ Finus 1951
in der gesamten Bundesrepublik an solchen Orten, an denen koscher geschlachtet
wurde, Antischächtbroschüren, insgesamt 30 000 an der Zahl, verteilen.29 Zudem
verfasste er Eingaben sowohl an das Bundesministerium für Ernährung, Land-
wirtscha und Forsten als auch an das bayerische Staatsministerium des Innern, in
denen er seinem Unmut über die Wiederzulassung der betäubungslosen Schlacht-
praxis Lu machte. In seinen Schreiben an die Behörden bezog Finus leidenscha-
lich Stellung für den Tierschutz, versuchte aber bei seiner Kritik an der jüdischen
Gemeinscha eine gewisse Zurückhaltung zu üben. Aber auch wenn Finus nicht
mehr auf das fanatische nationalsozialistische Vokabular der 1930er-Jahre zurück-
gri, konnte oder wollte er auf antijüdische Rhetorik keinesfalls v öllig verzichten.
Interessant ist zunächst, dass Finus die Deutschen zu Opfern einer Sieger-
justiz stilisierte, der es nicht darum gehe, Gerechtigkeit herzustellen, sondern die
im Gegenteil neues Unrecht produziere. Man hatte nämlich, so Finus in einem
S chreiben an den bayerischen Innenminister Wilhelm Hoegner, „nach 1945 das
deutsche Volk mit der Wiederzulassung des rituellen Schächtens bewußt demü-
tigen wollen“, also als gezielte Strafmaßnahme die Menschenwürde m issachtet
und die Besiegten willkürlich zur Hinnahme einer tierquälerischen Praxis
28 Crago-Schneider, Jewish „Shtetls“ in Postwar Germany, S.133–139.
29 Verteilt wurde der erstmals 1929 veröentlichte (Zeitschri für Volkssittlichkeit und
Volksaulärung 3 [1929] 1) und 1951 wieder aufgelegte Aufsatz „Du sollst nicht schäch-
ten! Christentum und Schächtfrage“ des österreichisch-katholischen eologen und
P azisten Johannes Ude.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
101
g ezwungen.30
Finus wusste zudem zu berichten, dass die israelische Regierung
die Einfuhr nichtkoscheren Fleisches zur Versorgung der eigenen Bevölkerung im
jüdischen Staat genehmigt hatte.31 Auf diese Weise stellte er taktisch geschickt die
Notwendigkeit des betäubungslosen Schlachtens infrage. Diese Praxis war in seinen
Augen zudem ein fundamentales Integrationshemmnis: Dass die Juden in Deutsch-
land auf der Schechita beharrten, galt ihm nämlich als wesentlicher Grund ihrer
Ablehnung in der einheimischen Bevölkerung: „Für Zehntausende deutscher Men-
schen wird es keine Lösung der Judenfrage geben, solange die Juden auf ihrer grau-
samen Schlachtmethode beharren. Die Juden gehören bei uns zu den Minderheiten.
Herr Staatsminister, es muß eine Grenze geben über das, was wir uns von einer
Minderheit gefallen lassen wollen. Diese Grenze zu ziehen, das ist Ihre Picht.“32
Noch deutlichere Hinweise darauf, dass er auch nach 1945 nicht von seinem
Judenhass lassen wollte, liefern Briefe, die Finus an jüdische Empfänger richtete,
um seinem Engagement gegen das Schächten Nachdruck zu verleihen. In seiner
Korrespondenz mit dem langjährigen Leiter der Pressestelle des Schweizerischen
Israelitischen Gemeindebunds (Juna), Benjamin Sagalowitz (1901–1970), bestritt
Finus freilich jeglichen Zusammenhang der Antischächtbewegung mit dem Anti-
semitismus, den er vielmehr als bloßes Schlagwort bewertete, das in der Nach-
kriegszeit vielfach missbraucht worden sei, mit dem sich das deutsche Volk aber
nicht mehr länger „von einer kleinen Minderheit terrorisieren“ lassen wolle.33 Dass
also Ressentiments gegen Juden in der deutschen Bevölkerung nicht völlig von der
Hand zu weisen waren, ließ sich nach diesem Muster nicht nur leicht erklären, son-
dern auch rechtfertigen. Verantwortung dafür trügen die Juden selbst, die durch ihr
Aureten und Benehmen „der Sache des jüdischen Volkes“ großen Schaden zuge-
fügt hätten. Finus verstand es zudem, eine zeitgenössische säkulare Israelfeind-
scha mit einem religiösen Antijudaismus klassischer Prägung zu vereinbaren,
indem er die Entstehung des jüdischen Staates als Ergebnis eines brutalen Raub-
30 Karl Ferdinand Finus an Innenminister Wilhelm Hoegner, 14. November 1951,
BayHStA, MInn 87875.
31 Finus bezog sich auf einen Artikel in der Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in
Deutschland Nr. 25 1951, S.16.
32 Finus an Hoegner, 14. November 1951, BayHStA, MInn 87875; vgl. auch Finus’ Schrei-
ben an den Ministerialrat Dr. Josef Ringeisen, 17. Januar 1952, ebenda.
33 Finus an Sagalowitz, 20. Juni 1952, Yad Vashem Archives, P.13/81.
Andreas Brämer
102
krieges schilderte und zugleich auf die nicht zu tilgende Schuld der Juden am Tode
Jesu hinwies, „ein Umstand, der weit schwerer wiegt, als der gewiß zu beklagende
Tod von Millionen Juden. Angesichts der Singularität des Gottesmordes wurde
der Holocaust zu einem nachrangigen Ereignis abgewertet, das Finus auch deshalb
nicht als Zivilisationsbruch bewertete, weil eben die Juden selbst Verantwortung
für ihr Schicksal trügen. Das jüdische Volk habe seinen Status als auserwähltes
Volk verloren und solle seine Leiden nicht der nichtjüdischen Gesellscha anlas-
ten, sondern die Ursache bei sich selbst suchen. Das Schächten, so Finus, stelle eine
Tradition dar, durch die sich das jüdische Schuldkonto vor Gott weiter erhöhe.34
In Anbetracht dieser Einschätzungen wundert es kaum, dass Finus die lau-
fenden Verhandlungen der Bundesregierung mit Vertretern des Staates Israel
und jüdischen Organisationen um die sogenannte Wiedergutmachung vehement
ablehnte, zumal er keine Verantwortung des deutschen Volkes „für die Verfolgung
der Juden unter Hitler“ anerkannte. Die Deutschen seien vielmehr Opfer einer
kleinen bösen Clique gewesen, die ihre totalitäre Macht missbraucht habe, um die
Menschen gegen deren Willen zu zwingen, Böses zu tun. Damit war der zweifel-
hae Versuch einer Schuldumkehr im Grunde komplett: Dem von den eigenen
Eliten verführten deutschen Volk stand das Kollektiv der Juden gegenüber, des-
sen langes Sündenregister von der Antike bis in die Gegenwart reichte und in die
Gründung eines Unrechtsstaates kulminierte, der noch dazu ohne deutsche Hilfe
dem Untergang geweiht war:
„Der Staat Israel bendet sich in großen Schwierigkeiten, und wenn das deut-
sche Volk die von Israel gewünschten Milliarden aus irgendwelchen Grün-
den nicht bezahlen sollte, ist dieser jüdische Staat wirtschalich bankrott.
Es ist also die volle Wahrheit, daß, falls es zu Zahlungen von deutscher Seite
an Israel kommen sollte, Israel aus zur Zeit bestehenden ernsten Schwierig-
keiten nur mit Hilfe der Deutschen herauskommen könnte. Daher auch das
jetzt sehr eifrige Bestreben, die Verhandlungen irgendwie fruchtbar zu einem
Abschluß zu bringen.“35
34 Finus an Sagalowitz, 3. Juli 1952, ebenda.
35 Ebenda; zu den frühen Wiedergutmachungsverhandlungen vgl. z. B. Constantin Gosch-
ler, Wiedergutmachung. Westdeutschland und die Verfolgten des Nationalsozialismus
(1945–1954), München 1992, S.257–285; Michael Brenner (Hrsg.), Geschichte der Juden
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
103
Dass der Bayerische L andtag sich 1951 nicht eingehender mit dem betäubungs-
losen Schlachten befasst und eine Abstimmung dazu im Plenum herbeigeführt
hatte, hing vermutlich auch mit der Intervention eines Münchner Juden zusam-
men. Max Bachmann (1883–1966), ein Mitarbeiter im bayerischen Innenministe-
rium und Mitglied im Vorstand der Bayernpartei, der zeitweilig als Finanzberater
des Generalkonsulats der Bundesrepublik in London tätig war, hatte im Dezember
1951 während eines Besuchs in München den Landes- und Fraktionsvorsitzen-
den der Bayernpartei Joseph Baumgartner (1904–1964) aufgesucht, mit dem er
das ema Ritualschlachtung erörterte. Bachmanns private Intervention bei sei-
nem Duzfreund, bei der auch die Antischächtinitiative zur Sprache kam, verfehlte
ihre Wirkung nicht: Baumgartner veranlasste, dass die jüdische Schlachtpraxis im
Landtag nicht mehr auf die Tagesordnung rückte.36
Im schrilichen Austausch mit Karl Ferdinand Finus trat Bachmann eben-
falls unmissverständlich für das Schächten ein. Dabei brachte er auch die interna-
tionale politische Signalwirkung eines Schächtverbots zur Sprache, das so wenige
Jahre nach dem Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden den Antisemitis-
musverdacht untermauern würde.37 Finus hingegen zeigte sich von diesen Argu-
menten unbeeindruckt – nicht ohne wiederum seinen Glauben an eine jüdische
Verschwörung anzudeuten. Konkret wurden seine Formulierungen, wenn er den
Juden das Recht absprach, den eigenen Opfern eine besondere Bedeutung beizu-
messen. Die jüngste Vergangenheit bezeichne vielmehr eine universale Katastro-
phe, von der letztendlich alle Menschen betroen seien:
„Wir wissen genau, welche Presse im Ausland sofort Mordio schreit und wis-
sen auch, wie das alles lanciert wird. Alle diese Lumpereien werden bei uns ja
längst nicht mehr ernst genommen, weil man das weiss. Sie haben kein Recht,
so zynisch von dem ‚teils betäubungslosen und teils nicht betäubungslosen
in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart. Politik, Kultur und Gesellscha, München
2012, S.242–249.
36 Vgl. die Korrespondenz zwischen Bachmann und Finus, Zentralarchiv zur Erforschung
der Geschichte der Juden in Deutschland, Heidelberg (ZAH), B.1/13.1290; Informatio-
nen zu Bachmann bei Kauders/Lewinsky, Neuanfang mit Zweifeln, S.196–199; Andrea
Sinn, Jüdische Politik und Presse in der frühen Bundesrepublik, Göttingen 2014, S.218.
37 Max Bachmann an Karl Ferdinand Finus (Abschri), 17. März 1951, ZAH, B.1/13.1290.
Andreas Brämer
104
Abschlachten von 6 Mill. Juden‘ an mich zu schreiben. Diese Geschmack-
losigkeit können Sie meinetwegen an jemanden schreiben, von dem Sie wis-
sen, dass er sich an dieser Barbarei beteiligt hat. Es ist ihr gutes Recht als Jude,
die Verluste des jüdischen Volkes zu beklagen, aber Sie wissen ganz genau,
dass nicht nur Juden die Opfer dieser und anderer Gewaltherrschaen gewor-
den sind. Es ist ein Unglück, das die ganze Menschheit berührt.“38
Der frühe Widerstand gegen das Schächten in der jungen Bundesrepublik hatte
sich von der breiten Öentlichkeit noch weitgehend unbeachtet formiert, ohne
dass die politische Debatte über einen kleinen Personenkreis hinaus wirklich
Schwung entwickelte. Wenngleich seinen Interventionen sowohl beim Land als
auch beim Bund der Erfolg versagt blieb, nahm Finus unter den deutschen Tier-
schutzaktivisten als treibende Kra im Kampf für die ausnahmslose Betäubungs-
picht eine besondere Stellung ein. Dass seine Rhetorik außerhalb der jüdischen
Gemeinden nicht als Skandal wahrgenommen wurde, sondern er den Behörden
als respektabler Dialogpartner galt, verweist auf die insgesamt unvollständige
Reorien tierung der deutschen Gesellscha. Mochte er auch auf das radikale Voka-
bular der NS-Zeit verzichten und den eigenen Antisemitismus grundsätzlich be-
streiten, so gab er sich doch auch in der Bundesrepublik nur unzureichende Mühe,
seinen militanten Judenhass zu verbergen. Es muss daher nicht über raschen, dass
Finus im Mai 1954 ausgerechnet die ZeitschriNation Europa als Forum nutzte,
um nochmals seinem Ärger über die Auebung des Schächtverbots Ausdruck
zu geben. Die Monatsschri galt, so Gideon Botsch, seit ihrer Gründung 1951 als
das „parteiübergreifende Leitmedium des deutschen Nachkriegs-Rechtsextre-
mismus“, das dem Nationalsozialismus nahestand und auch einen „aggressiven
Rassen antisemitismus“ vertrat.39 Hier konnte Finus unter den Lesern ein hohes
Maß an Zustimmung für seine Kritik an der gegenwärtigen Rechtslage erwarten,
selbst wenn diese mehrheitlich vermutlich nicht im Tierschutz engagiert waren.40
38 Finus an Bachmann (Kopie), 17. März 1952, ebenda.
39 Zur politischen Ausrichtung der Zeitschri siehe Gideon Botsch, Nation Europa (seit
1951), in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindscha in
Geschichte und Gegenwart, Bd. 6: Publikationen, Berlin/Boston 2013, S.473–475.
40 Karl Ferdinand Finus, Befohlene Tierquälerei, in: Nation Europa. Monatsschri im
Dienst der europäischen Erneuerung 4 (1954) 5, S.69–72. Im selben Jahr unternahmen
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
105
Es kann an dieser Stelle darauf verzichtet werden, den Inhalt des vierseitigen
Aufsatzes detailliert wiederzugeben, zumal der Text in weiten Teilen auf Argu-
mente zurückgri, die Finus bereits in seiner Korrespondenz mit Ministerien
oder jüdischen Empfängern vorgebracht hatte. Aufschlussreich ist seine Analyse
aber doch in zweierlei Hinsicht. Zum einen brachte Finus seine Überzeugung
zum Ausdruck, dass Tierschutzorganisationen in ihrem Engagement gegen das
Schächten just mit der Antisemitismuskeule mundtot gemacht worden waren.
Zudem seien Vertreter des Tierschutzes sowie Schlachthoierärzte unter Andro-
hung von Gewalt (von Rabbinern, Schächtern und alliierten jüdischen Ozieren)
zum Schweigen genötigt worden. Seine Forderung, dass „aus tierschützerischen
Gründen das Gesetz über das Schlachten von Tieren für das gesamte Gebiet der
Bundesrepublik Deutschland wieder zur allein rechtsgültigen Rechtsgrundlage
gemacht“ werden müsse, wusste er sogar auf den Gleichheitsgrundsatz im Grund-
gesetz zurückzuführen. War diese Erwartung derzeit unrealistisch, so blieb doch
die Erwartung, dass „dieser Zustand alsbald nach der Wiederherstellung der vol-
len Souveränität der Bundesregierung geschaen“ würde.41
Die Bemühungen um ein neues Tierschutzgesetz
In der deutschen Tierschutzbewegung war Finus wegen seiner zuweilen radikalen
Positionen – dies betraf etwa die strenge Kontrolle von Schlachtpferdetransporten
oder den Einsatz von Tieren bei Schärfeprüfungen von Jagdhunden – nicht unum-
stritten. Zugleich gehörte er aufgrund seines organisatorischen Geschicks zu den
einussreichsten Aktivisten: 1952 initiierte er die Neugründung der ursprünglich
verschiedene Tierschutzorganisationen Vorstöße gegen das Schächten, die u. a. auch im
Spiegel aufgegri en wurden; vgl. d as Schreiben des Deutschen Tierschutzbundes (Walter
Kolb) an den Bundesminister für Ernährung, Landwirtscha und Forsten (Abschri),
30. Januar 1954, ZAH, B.1/13.1290; Schreiben des Deutschen Naturschutzrings (Hans
Krieg) an den Bundesminister für Ernährung, Landwirtscha und Forsten (Abschri),
10. Februar 1954, ebenda; vgl. Tierschutz: Mit Ketten gefesselt, in: Der Spiegel 8 (1954)
12, S. 12 f.; vgl. auch Monika Halbinger, Das Jüdische in den Wochenzeitungen ZEIT,
SPIEGEL und STERN (1946–1989), München 2010, S.327–329.
41 Finus, Befohlene Tierquälerei, S.71.
Andreas Brämer
106
1922 konstituierten Vereinigung gegen Vivisektion, die sich nur wenig später um-
benannte, um ihrer erweiterten Agenda Rechnung zu tragen. Der Bund gegen den
Missbrauch der Tiere e. V., wie der Verein fortan hieß, entwickelte sich zu einer der
großen überregional tätigen Tierschutzorganisationen der Bundesrepublik, unter
deren Dach sich zahlreiche Zweigstellen zusammenschlossen. Als Vorsitzender des
Bundes war Finus fortan deutschlandweit mit engagierten Tierschützern vernetzt,
die sich vor Ort für die Vereinsziele einsetzten. Zur Bekämpfung der Tierquälerei
zählte der Bund nicht zuletzt auch seinen Einsatz gegen das Schächten.42
Im November 1952 war in Westdeutschland die „Zweite Verordnung zur
Änderung der Verordnung über das Schlachten von Tieren“ in Kra getreten, die
zwar die Wahl der bei der Tötung zulässigen Betäubungsmethoden einschränkte,
ohne aber das Schlachten ohne Betäubung für die Bedürfnisse religiöser Gemein-
schaen zu regeln.43 Intensive Bemühungen um eine umfassende Revision des
Tierschutzgesetzes sollten 1955 beginnen, also in der Tat in dem Jahr, als die Bun-
desrepublik durch die Auebung des Besatzungsstatuts ihre volle Souveränität
erlangte. Der Bund gegen den Mißbrauch der Tiere e. V. (BMT) war an diesen Dis-
kussionen intensiv beteiligt. 1958 erhob der Bund die ausdrückliche Forderung,
dass das neue Tierschutzgesetz auch ein rigoroses Verbot des betäubungslosen
Schlachtens enthalten müsse.44
42
Bereits 1961 verfügte der Bund gegen den Missbrauch der Tiere über 178 angeschlossene
Ortsvereine. Als wichtige Punkte seines Aktionsprogramms galten auch der Kampf ge-
gen Tierversuche, der Einsatz für ein Verbot von Stierkämpfen sowie der Protest gegen
das Erlegen von Pelztieren; zu Finus und Bund vgl. Madeleine Martin, Die Entwicklung
des Tierschutzes und seiner Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland, der
Deutschen Demokratischen Republik und dem deutschsprachigen Ausland, Diss. Berlin
1989, S.34–37; Ansprache des Hessischen Landesverbandsvorsitzenden, Rechtsanwalt
und Notar Dr. Hermann Stolting II (Frankfurt a. M.), nach seiner Wahl zum Präsidenten
des Deutschen Tierschutzbundes am 15. April 1962 in Hamburg, in: Gerhard Zoebe, Auf-
gaben des Deutschen Tierschutzbundes, dargestellt an den Reden und Aufsätzen seines
Präsidenten Dr. Stolti ng II, Mainz 1965, S.31 f.; siehe zudem Karl Ferdinand Finus , Rebell
für das Recht der Tiere auf anständige Behandlung, Starnberg [Selbstverlag] [1955].
43 Bundesgesetzblatt 1952, Teil I, S.748; vgl. auch das Schreiben des Zentralrats der Ju-
den in Deutschland (Norbert Schäfer) an die Konferenz der Landesrabbiner (Zwi Harry
Levy), 7. Juli 1953, ZAH, B.1/13.1290.
44 Vgl. das Plädoyer von Finus in seinem Aufsatz: Wir sind nicht allein auf der Welt, in: Der
Tierfreund. Monatsschri des Schweizerischen Tierschutzverbandes 86 (1959) 6, S.84.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
107
Die Verhandlungen in den Ministerien, Behörden und Ausschüssen führ-
ten aber in der Frage des Schächtens zu keinem Ergebnis. Als die interparlamen-
tarische Arbeitsgemeinscha im Dezember 1961 mit der Bundestagsdrucksache
IV/85 den ersten Initiativentwurf für ein neues Tierschutzgesetz vorlegte, wurde
dort das Schlachtrecht komplett ausgespart. Ein neues Tierschutzgesetz trat sogar
erst 1972 in Kra, nachdem zuvor der Tierschutz in die konkurrierende Gesetz-
gebungszuständigkeit des Bundes aufgenommen worden war. § 4 des Tierschutz-
gesetzes schuf auch die Voraussetzungen für ein neues Schlachtrecht, vermied es
aber, die Tötung ohne Betäubung grundsätzlich zu verbieten. Damit waren die
Bemühungen der deutschen Tierschutzorganisationen in einem wesentlichen
Punkt vorläug gescheitert.45
In den gesellschalichen Debatten um ein Schächtverbot und dessen Auf-
nahme in das Tierschutzgesetz kam Judenhass sowohl inhaltlich als auch thema-
tisch weiterhin zum Tragen. Finus verfolgte dabei eine widersprüchliche Strategie,
indem er in der Öentlichkeit seine militante Sprache mäßigte und auf diese Weise
etwaigen Antisemitismusvorwürfen vorzubeugen suchte. So brachte die Zeitschri
Das Recht der Tiere, die Finus seit 1955 als Organ des BMT herausgab, 1960 ein Son-
derhe heraus, das einen Aufsatz des katholischen Moraltheologen und Pazisten
Johannes Ude (1874–1965) gegen die betäubungslose Schlachtung abdruckte. Ude
war auch Verfasser jener Broschüre gewesen, die Finus zu Beginn der 1950er-Jahre
in großer Auage hatte verteilen lassen.46 Interessant ist, dass Finus den Nazi-
gegner Ude nicht nur als Gewährsmann benannte, sondern auch dessen Einsatz
für jüdische Verfolgte herausstrich und ihm eine neunjährige Ha im Konzentra-
tionslager andichtete. Die Botscha, die transportiert werden sollte, war unmiss-
verständlich: „Prof. Ude ist völlig frei von antisemitischen Regungen.“47
45 Tierschutzgesetz, 24.07.1972, in: Bundesgesetzblatt Teil I, 1972 Nr. 74, S.1277–1283; vgl.
Julius Ludwig Pfeier, Das Tierschutzgesetz vom 24. Juli 1972. Die Geschichte des deut-
schen Tierschutzrechts von 1950 bis 1972, Frankfurt a. M. 2004; Sibylle Horanyi, Das
Schächtverbot zwischen Tierschutz und Religionsfreiheit, Basel 2004, S.236 f.; Jentzsch,
Das rituelle Schlachten, S.172 f.
46 Siehe Fn. 29.
47 Anmerkung der Schrileitung, zu: Johannes Ude, Ist das betäubungslose Schächten von
Tieren religionsbedingt geboten oder nicht, in: Das Recht der Tiere (1960) ½: Sonder-
druck; siehe auch ders., Du sollst nicht schächten! Christentum und Schächtfrage in:
Andreas Brämer
108
Der Deutsche Tierschutzbund, die Dachorganisation der lokalen Tierschutz-
vereine und Tierheime, organisierte 1962 seine Jahreshauptversammlung in Ham-
burg, die auch den Frankfurter Rechtsanwalt Hermann Stolting II (1911–1988)
mit großer Mehrheit zum neuen Präsidenten wählte. Stolting war nicht nur ein
ausgewiesener Tierschützer, sondern als ehemaliger Staatsanwalt an einem Son-
dergericht in Bromberg (Posen) auch an rechtswidrigen Todesurteilen gegen die
polnische Bevölkerung beteiligt gewesen. Obendrein sollte sich Stolting später
in der rechtsradikalen NPD engagieren, die ihn als Kandidat für die hessischen
Landtagswahlen aufstellte. Bekanntheit erlangte Stolting zudem als Verteidiger
mehrerer Angeklagter im Frankfurter Ausschwitz-Prozess.48
Finus, der im Tierschutzbund wegen seiner häug radikalen Minderheiten-
positionen als Querulant galt und sich zahlreiche Feinde gemacht hatte, war nicht
nach Hamburg gereist.49 Dass es auf der Versammlung zu Manifestationen des
Das Recht der Tiere (1958) 1/2, S.25–28; biograsche Informationen zu Ude z. B. bei
Christof Karner, Katholizismus und Freiwirtscha. Das Lebensreformprogramm des
Johannes Ude, Frankfurt a. M. u. a. 2002. Die Zeitschri Das Recht der Tiere veröent-
lichte zudem eine Reihe von weiteren Aufsätzen, die sich kritisch mit dem Schächten
auseinandersetzten; siehe z. B. R. Korkhaus, Gegen die Kulturschande des Schächtens,
in: Das Recht der Tiere (1956) 1/2, S.16 f.; Homann, Wie urteilen fortschrittliche Ju-
den über das Schächten?, in: Das Recht der Tiere (1957) 1/2, S. 30 f.; Armin Spitaler,
Zur Frage der Verfassungswidrigkeit des betäubungslosen Schlachtens, in: Das Recht
der Tiere (1960) 3/4, S.8–10; Otto Döring, Das Schächt verbot des Gesetzes von 1933 eine
„Gewaltmaßnahme“?, in: Das Recht der Tiere (1961) 1/2, S.23–25; L. H. Borger, Noch-
mals: Ist das Schächtverbot des Gesetzes von 1933 eine „Gewaltmaßnahme“?, in: Das
Recht der Tiere (1962) 1/2, S.19; Otto Döring, Nochmals: Das Schächtverbot des Geset-
zes von 1933 eine Gewaltmaßnahme?, in: ebenda, S.35 f.; Armin Spitaler, Zu unserem
Kampf gegen das betäubungslose Schlachten, in: Das Recht der Tiere (1962) 3/4, S.7–9.
48 Raphael Gross/Werner Renz (Hrsg.), Der Frankfurter Auschwitz-Prozess. Kommen-
tierte Quellenedition, Bd. 1, Frankfurt a. M./New York 2013, passim.
49 Ansprache des Hessischen Landesverbandsvorsitzenden, Rechtsanwalt und Notar Dr.
Hermann Stolting II (Frankfurt/M.), nach seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen
Tier schutz bundes am 15. April 1962 in Hamburg, in: Zoebe, Aufgaben des Deutschen
Tier schutz bundes, S.31 f.; G. Zoebe, Festschri. Zwanzig Jahre Deutscher Tierschutz-
bund, Fra nkfurt a . M. 1968, S.89; siehe auch Herman n Stolting/Gerhard Z oebe, Das Tier
im Recht. Handbuch für alle Tierschutzfragen, Frankfurt a. M./Wien 1962, S. 70–72.
Als Vorsitzender des Landesverbands Bayerischer Tierschutzvereine gehörte Finus 1962
zu den Gründern des Bundesverbands Tierschutz, der anfänglich den Namen Arbeits-
gemein scha Deutscher Tierschutz trug und sich als Konkurrenz zum Deutschen
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
109
Judenhasses kam, wusste er jedoch zum eigenen Vorteil zu nutzen. Während
eines Lichtbildervortrags zum betäubungslosen Schlachten hatte ein Unbekann-
ter für den antisemitischen Zwischenruf „Sollen sie [die Juden] doch dahin gehen,
wo sie hergekommen sind“ erheblichen Beifall erhalten. Der Vorfall, der auch die
Staatsanwaltscha auf den Plan rief, konnte als Bestätigung für die Vermutung
gewertet werden, dass „sich das freche Medusenhaupt des neonazistischen Anti-
semitismus immer frecher“ auch im Tierschutz erhob.50 Finus beeilte sich in einer
Zuschri an die Münchner Jüdische Gemeinde, im Namen der bayerischen Tier-
schutzorganisationen gegen die Hassbotscha des anonymen Störers Stellung zu
beziehen: „Wir haben mit dieser unverschämten Beleidigung jüdischer Mitbürger
also nicht das Geringste zu tun und distanzieren uns nachdrücklichst von die-
sem Vorfall beim Deutschen Tierschutzbund […].51 Auf diese Weise suchte er
sich zugleich situativ in den philosemitischen Habitus der Nachkriegsgesellscha
einzureihen.
Dass sich Finus just den Münchner Juden als Fürsprecher der Toleranz prä-
sentierte, war oensichtlich taktischem Kalkül geschuldet, zumal der Vorsitzende
des Landesverbands Bayerischer Tierschutzvereine zur selben Zeit scharfe Vor-
würfe gegen die gängige Schächtpraxis in der Landeshauptstadt richtete. Dabei
wiederholte Finus nicht nur die gängigen Tierschutzargumente, sondern warf
Tierschutz bund positionierte; vgl. Martin, Die Entwicklung des Tierschutzes, S. 38;
Kleine Historie des Bundesverband Tierschutz (BVT), http://www.bv-tierschutz.de/up
loads/Historie_1.pdf [2. 5. 2018].
50 Eingesandt: Zur antisemitischen Demonstration im Deutschen Tierschutzbund, in:
Münchner Jüdische Nachrichten, 11. Mai 1962, BayHStA, MInn 430; der prominente
Frankfurter Zoodirektor und Tierlmer Bernhard Grzimek (1909–1987) nahm den
Vorfall zum Anlass, seine Ehrenmitgliedscha im Deutschen Tierschutzbund niederzu-
legen.
51 Eingesandt: Zur antisemitischen Demonstration im Deutschen Tierschutzbund; siehe
auch das Schreiben des Landesverbandes Bayerischer Tierschutzvereine (K. F. Finus)
an das Bayerische Staatsministerium des Innern, 20. Mai 1962, BayHStA, MInn. 430;
vgl. Paul Arnsberg, Die deutsche Tierliebe im Jahre 1962. Schächtfrage als Symptom,
in: Frankfurter Jüdische Nachrichten 3 (September 1962) 17; Schreiben des Leitenden
Staatsanwalts bei dem Landgericht Hamburg an den Deutschen Tierschutzbund, 3. Juli
1962, BayHStA, MInn. 430; Bundesministerium für Ernährung, Landwirtscha und
Forsten an die für das Veterinä rwesen zustä ndigen obersten Landesbehörden, 10. Januar
1963, ebenda.
Andreas Brämer
110
dem beteiligten (jüdischen) Fleischgroßhändler auch kriminelle Machenschaen
vor, da dieser weitaus größere Fleischmengen produziere als benötigt. Ein hoher
Anteil des Fleisches, behauptete Finus, gelange nach Entfernung des Koscherstem-
pels in den allgemeinen Verkauf, um höhere Umsätze zu erzielen. Zudem wür-
den Rinder kostengünstig mit der unwahren Begründung, dass deutsches Vieh
infolge von TBC-Infektionen nicht für die Koscherschlachtungen geeignet sei, aus
J ugoslawien importiert.52
Der Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (geb. 1926, SPD) wies
solche Vorwürfe indes im November 1962 vehement zurück. Auf Anfrage hatten
andere deutsche Großstädte wie Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, Köln und
Stuttgart mitgeteilt, dass dort inzwischen gar nicht mehr oder nur noch in gerin-
gem Umfang geschächtet wurde. München hatte sich demnach mittlerweile zum
Zentrum ritueller Schlachtungen entwickelt, aus dem die jüdischen Gemeinden in
der gesamten Bundesrepublik beliefert wurden. Betrügerische Absichten auch bei
der Deklarierung des Fleisches als nicht koscher seien nicht nachzuweisen. Insge-
samt, so schrieb Vogel in einer Mitteilung an die oberbayerische Regierung, gebe
das Schächten in München keinen Anlass zu Beanstandungen.53
Finus war vermutlich früh zu der Überzeugung gelangt, dass die komplexen
Verhandlungen im Bundestag um das neue Tierschutzgesetz nicht auf eine unmit-
telbare Lösung der Schächtfrage zusteuerten. Um den politischen Druck zu erhö-
hen, verfasste er 1964 eine Petition, die er an sämtliche Bundesministerien, Län-
derregierungen, Bundes- und Landesabgeordneten sowie an diverse Tierschutz-
organisationen versandte. Zusätzliches Gewicht erlangte sein Schreiben durch die
zwei Millionen Unterschrien, die er in Zusammenarbeit mit dem Bund gegen
den Mißbrauch der Tiere sowie mit dem Landesverband Bayerischer Tierschutz-
vereine gegen das Schächten hatte sammeln können.
52 Landesverband Bayerischer Tierschutzvereine (K. F. Finus) an das Bayerische Staats-
ministerium des Innern, 27. Oktober 1961, BayHStA, MInn. 1116; Landesverband Baye-
rischer Tierschutzvereine (K. F. Finus) an Regierung von Oberbayern, 28. Oktober 1962,
ebenda; vgl. auch Landesverband Bayerischer Tierschutzvereine (K. F. Finus) an das
Bayerische Staatsministerium des Innern, 4. Februar 1962, abgedruckt in: Das Recht der
Tiere (1962) 1/2, S.36 f.
53 Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel an die Regierung von Oberbayern, 26. Novem-
ber 1962, BayHStA, MInn. 1116.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
111
In seiner Eingabe war Finus um eine moderate Rhetorik bemüht, die aber
den antijüdischen Ton wiederum nicht völlig verbergen konnte. Der Autor argu-
mentierte zunächst auf einer verfassungsrechtlichen bzw. rechtsphilosophischen
Ebene, wenn er einen doppelten Missbrauch des Grundgesetzes durch die Juden
in Deutschland festzustellen glaubte. Zum einen, argumentierte er, werde im Falle
der Schechita das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit falsch ausgelegt,
wenn die Rechte der nichtjüdischen Mehrheit durch die schwere Belastung ihres
Gewissens verletzt würden: „Gehört unser Gewissen nicht auch zu den sittlichen,
den religiösen, den auauenden Ken? Ist unser Gewissen für die deutsche
Gesetzgebung unbeachtlich? Mit welchem Recht mutet man uns zu, daß gerade
wir unser sittliches Empnden zurückstellen, daß gerade wir unser Gewissen
vergewaltigen lassen und es beugen unter das Gewissen einer winzigen Gruppe
der Bevölkerung? Wir fordern, daß in dieser Frage, einer Frage der Sittlichkeit,
die deutsche Gesetzgebung sich richtet nach dem sittlichen Empnden der über-
wältigenden Volksmehrheit.“54
Dass das Schächten in Deutschland geduldet werde, basierte, so Finus, auf
einer zu weiten Auslegung des Grundrechts auf ungestörte Religionsausübung.
Wenn in Deutschland schon die betäubungslose Schlachtung geduldet werde,
könnten Menschen aus neu entstandenen afrikanischen Staaten „eines Tages in
unserem Lande aureuzen“ und verlangen, dass die Verstümmelung von Men-
schen oder die Vielweiberei als legale Kulthandlungen anerkannt würden. Hinter
dieser Kritik verbarg sich auch eine grundsätzliche Gegenüberstellung von Deut-
schen und Juden: Diese lebten als fremde Minderheit in der Bundesrepublik, ohne
wirklich Teil der Gesellscha zu sein. Sie hingen einer religiösen Kultur an, deren
barbarische Schlachttradition keinen berechtigten Platz in Europa beanspruchen
konnte.55
Das Rundschreiben wiederholte auch den Vorwurf, dass in München in
betrügerischer Absicht weit über den lokalen Bedarf hinaus Tiere geschächtet
54 Rundschreiben des Bundes gegen den Missbrauch der Tiere e. V., München, und des
Landes verbands Bayerisc her Tierschutzvereine e. V., München, 10. April 1964, B ayHStA,
MInn. 430.
55 Vgl. das Memorandum der Rabbinerkonferenz in der Bundesrepublik (Isaac Emil Lich-
tigfeld), 21. Mai 1964, BArch B 116/50102.
Andreas Brämer
112
würden, um das Fleisch dann nicht den jüdischen Gemeinden zur Verfügung zu
stellen, sondern an nichtjüdische Kunden und Endverbraucher zu vertreiben.56
Solange der Gesetzgeber Schlachtungen ohne vorherige Betäubung nicht grund-
sätzlich untersagte, wollte Finus einen Katalog mit Sofortmaßnahmen durch-
gesetzt wissen, durch den die Ausnahmegenehmigung zum Schächten zumin-
dest erheblich eingeschränkt werden sollte. So forderte er, dass die jüdischen
Gemeinden der Bundesrepublik – entsprechend der israelischen Praxis – auch
die Hinterviertel der Tiere verarbeiten sollten, die wegen der aufwendigen Ent-
fernung der nicht koscheren Hüsehne im Regelfall in den allgemeinen Verkauf
gelangten. Des Weiteren verlangte Finus für Fleisch aus jüdischen Schlachtungen
ein generelles Verkaufsverbot an Nichtjuden. Zudem müsse der exakte Fleisch-
verbrauch der jüdischen Gemeinden ermittelt werden, um die Behörden in die
Lage zu versetzen, genau am Bedarf orientierte Stückzahlen für das Schächtvieh
festzusetzen.57
Insgesamt erntete Finus’ Vorstoß verhaltene Reaktionen der Behörden. Wäh-
rend etwa das hessische und das nordrhein-westfälische Landwirtschasminis-
terium es ablehnten, sich für eine „Ihren Vorschlägen entsprechende Regelung“
einzusetzen, wollte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtscha und
Forsten zumindest Verhandlungen des Innenministeriums mit dem Zentralrat
der Juden in Deutschland anregen, um auf diesem Wege zu einer Regelung für
die Behandlung der Hinterviertel zu gelangen. Ohne ausdrückliche Zustimmung
ozieller Repräsentanten der in Deutschland lebenden Juden wollte die Bonner
Behörde aber keine rechtliche Einschränkung der bisherigen Ausnahmeregelun-
gen für religiöse Schlachtungen initiieren.58
56 Ähnliche Vorwürfe waren bereits im Kaiserreich gegen die Juden vorgebracht worden;
vgl. Judd, Contested Rituals, S.99.
57 Rundschreiben des Bundes gegen den Missbrauch der Tiere e. V., München, und des
Landes verbands Bayerisc her Tierschutzvereine e. V., München, 10. April 1964, B ayHStA,
MInn. 430.
58 Ministerium für Ernährung, Landwirtscha und Forsten des Landes Nordrhein-West-
falen an K. F. Finus, 14. September 1965 (Abschri), BayHStA, MInn. 427; Ministerium
für Landwirtscha und Forsten des Landes Hessen an K. F. Finus, 14. September 1965,
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Abt. 508, Nr. 6462; vgl. auch das
Memorandum der Rabbinerkonferenz in der Bundesrepublik (Isaac Emil Lichtigfeld),
21. Mai 1964, BArch B 116/50102.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
113
Lediglich der bayerische Landtag sah sich durch die Eingabe veranlasst, das
ema Schächten im Rechts- und Verfassungsausschuss im Oktober 1964 auf die
Tagesordnung zu setzen. Tatsächlich entspann sich in der Ausschusssitzung eine
lebhae Debatte um die jüdische Schlachttradition. Bemerkenswerterweise waren
sich alle beteiligten Abgeordneten einig in der Auassung, dass es sich bei der
Schechita um einen „grausamen Vorgang“ handele. Kein Einvernehmen bestand
allerdings in der Frage nach den politischen Konsequenzen dieser Einschätzung.
Otto Bezold (1899–1984), der für die FDP im Landtag saß und als Berichterstat-
ter den Ausschuss informierte, vertrat die Auassung, dass eine Entscheidung
in der Frage der Ritualschlachtungen erst durch das neue Tierschutzgesetz her-
beigeführt werden könne, mit dem der Bundestag ja bereits seit mehreren Jah-
ren befasst war. Ein Regierungsdirektor aus dem Bayerischen Innenministerium
erläuterte dazu, dass der derzeitige Gesetzentwurf gar keine Betäubungspicht
für religiöse Schlachtungen vorsehe. Dass die jüdische Gemeinde München Maß-
nahmen ergrien hatte, um wesentlichen Einwänden des Tierschutzes Rechnung
zu tragen, ging aus den Ausführungen eines weiteren Behördenvertreters hervor.
Demnach war am Schlachthof München inzwischen ein Umlegeapparat (ein soge-
nannter Weinberg casting pen) installiert worden, durch den das herkömmliche
Niederschnüren des Viehs, das für das Tier ernsthae Verletzungsrisiken barg
und obendrein erheblichen Stress auslöste, überüssig geworden war. Zudem
hatte die Gemeinde auch einem Verfahren zugestimmt, bei dem das Vieh unmit-
telbar nach dem Halsschnitt mit einem Bolzenschussapparat betäubt wurde, der
auch bei den herkömmlichen Schlachtungen zum Einsatz kam.59
Für eine Wiedereinführung des Verbots des betäubungslosen Schlachtens
trat der CSU-Abgeordnete Alfred Seidl (1911–1993) ein, der sich in der Nach-
kriegszeit unter anderem als Verteidiger von Nazigrößen wie Rudolf Heß und
Hans Frank einen Namen gemacht hatte. Gegen ein Schächtverbot sprach sich
der Ausschussvorsitzende Wilhelm Hoegner aus, der ja 1946 als Ministerpräsi-
dent der Anweisung der US-amerikanischen Militärbehörden gefolgt war und
59 Vgl. Bayerischer Landtagsdienst Nr. 30, 21. Oktober 1964, BayHStA, MInn. 430; vgl.
Kunkel, Eine Analyse des Schächtproblems, S. 38–40; sowie: Schreiben des Münch-
ner Städtischen Oberveterinärrats Dr. Wiedenbach an die Direktion der Schlachthöfe,
Hanse stadt Lübeck, 6. Mai 1954, StAM, Bestand Schlacht- und Viehhof 133/2.
Andreas Brämer
114
per Verordnung den Betäubungszwang für rituelle Schlachtungen aufgehoben
hatte. Dass sich der SPD-Politiker auch 1964 für die jüdischen Belange einsetzte,
war aber durchaus keiner Sympathie für dieses Schlachtverfahren geschuldet. Im
Gegenteil – H oegner teilte die Auassung der übrigen Ausschussmitglieder, dass
das Schächten „eine schlimme Tierquälerei“ darstelle. Grund für seine Haltung
waren auch weder ein Bekenntnis zur Religionsfreiheit noch das Bewusstsein
für eine Wiedergutmachungsschuld. Hoegner ging es vielmehr um politische
Erwägungen, wenn er sich vor allem auf den Appell bezog, etwaige Vorwürfe des
Judenhasses zu vermeiden („daß wir nicht den Anschein erwecken dürfen, in ein
antisemitisches Fahrwasser zu gleiten“). Die übrigen Abgeordneten im Ausschuss
schlossen sich seiner Auassung an. Wegen der „ungeheuren politischen Brisanz“
vertagte der Ausschuss die Angelegenheit, mit der sich zunächst die Fraktionen
befassen sollten.60 Vermutlich wurde das ema danach weder im Landtag noch
in dessen Gremien weiter diskutiert. Auch in Bayern lief Finus’ Kampagne gegen
das Schächten also letztendlich ins Leere.
Schlussbemerkungen
Dass ein Aufsatz über Karl Ferdinand Finus im Kontext der bundesrepublikani-
schen Tierschutzbewegung nicht alle Fragen zu dessen Engagement in den Ausei-
nandersetzungen um die jüdische Schlachtpraxis zu beantworten vermag, hängt
nicht zuletzt mit der unvollständigen Quellenüberlieferung zusammen, der dieser
Aufsatz an manchen Stellen Tribut zollen muss.61 Warum also Finus, der ja wegen
seiner aggressiven Opposition gegen den Deutschen Tierschutzbund außerhalb
Bayerns weitgehend isoliert war, in den Dokumentenbeständen behördlicher Pro-
venienz seit etwa Mitte der 1960er-Jahre nicht mehr zu Wort kommt, bleibt mit-
hin Gegenstand der Mutmaßung. Ob er sich etwa aus gesundheitlichen Gründen
60 Vgl. Bayerischer Landtagsdienst, Nr. 30, 21. Oktober 1964, BayHStA, MInn. 430; Ist
Schächten Tierquälerei? Ritual-Schlachtungen beschäigen Landtag – ema mit
„p olitischer Brisanz“, in: Münchner Merkur, 21. Oktober 1964 (gefunden in: Institut für
Stadtgeschichte Frankfurt a. M., Schlacht- und Viehhof, Nr. 934, Bd. 1).
61 Anf ragen, etwa beim Bu nd gegen den Missbrauch der Tiere e. V., blieben unbeantwortet.
Ein privater Nachlass ist nicht nachweisbar.
Tierschutzbewegung und Antisemitismus in der frühen Bundesrepublik
115
Zurückhaltung auferlegte oder aber das Bewusstsein seines Scheiterns im Anti-
schächtkampf den Ausschlag gab für den Rückzug aus der Öentlichkeit, muss
dahingestellt bleiben.
Unbestreitbar aber dokumentiert diese Funktionärsbiograe das Muster-
beispiel eines Tierschützers, dessen Denken und Handeln in engem Zusammen-
hang stand mit den antijüdischen Ressentiments seiner Zeit. Bediente sich Finus
während der 1930er-Jahre noch des radikalen Wortschatzes eines rassistischen
Judenhasses, den die Nationalsozialisten nicht nur salonfähig gemacht, sondern
zur Staatsideologie und zum Kern ihrer Weltdeutung erkoren hatten, bemüßigte
er sich nach 1945 einer moderateren Rhetorik, die freilich nicht nur immer noch
Versatzstücke einer völkischen Judenfeindlichkeit integrierte, sondern darüber
hinaus auch vormoderne Elemente eines theologisch unterfütterten Antijudais-
mus sowie einen Antizionismus mit delegitimatorischer Stoßrichtung und einen
aus dem Holocaust hergeleiteten sekundären Antisemitismus integrierte. Fügt
man Finus’ zerstreute private und öentliche Aussagen über die Juden zusam-
men, dann entsteht das Bild eines Kollektivs, das seine partikularen Interessen
in Geschichte und Gegenwart rücksichtslos durchsetzte und auf diese Weise in
radikalem Widerspruch stand sowohl zu den Nationen als auch zu einem Huma-
nitätsideal, dessen Verwirklichung es sich in den Weg stellte.
Konkret war es Finus stets darum zu tun, die Juden als Verursacher sehr kon-
kreter Realkonikte zu präsentieren, denen er die Christen, Araber, Deutschen
jeweils als Leidtragende gegenüberstellte. Mit dieser Konfrontation ging auch
die Verweigerung einher, die Einzigartigkeit der jüdischen Verfolgungs- und
Verlust erfahrung während des Holocaust anzuerkennen. Opfer waren demnach
nicht die europäischen Jüdinnen und Juden, sondern Nichtjuden bzw., im Falle
der Schechita, auch das Schlachtvieh, das der vermeintlichen Tierquälerei hilos
ausgeliefert war. Dass die „Deutschen“ – im Unterschied etwa zu den Schwei-
zern– nicht in der Lage waren, ihren Mehrheitswillen politisch umzusetzen, deu-
tete Finus als Kennzeichen einer eingeschränkten Souveränität, die sich ebenfalls
aus dem falsch verstandenen bzw. unrechtmäßig reklamierten Opferstatus der
Juden herleitete.
Es wäre falsch zu behaupten, Finus habe die jüdische Schlachtpraxis lediglich
als Vorwand missbraucht, um seiner Judenfeindscha ein Ventil zu verschaen.
Ihn leitete die unter Tierschutzanhängern nahezu unhinterfragte Überzeugung,
Andreas Brämer
116
dass es sich bei der Schechita eben nicht um ein nahezu schmerzfreies Tötungs-
verfahren handelte, sondern das Großvieh unnötige, also vermeidbare Qua-
len erlitt.62 Aber zugleich wusste sich der Funktionär in der Diskussion um das
Schächten so in den Mantel einer an den Fakten orientierten Kritik zu kleiden,
dass der Tabubruch eines Judenhasses, der weit über den Bereich des Tierschutzes
hinausreichte, nun – wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – weni-
ger scharf zum Vorschein trat. Auällig ist jedenfalls, dass der von Finus verbrei-
tete Antisemitismus oenbar gar nicht skandalisiert, ja anscheinend in weiten
Teilen der nichtjüdischen Öentlichkeit noch nicht einmal als solcher wahrge-
nommen wurde, sondern sich als legitimer Standpunkt in einer zeitgenössischen
Debatte Gehör verschaen konnte. Berücksichtigt man den eingangs erwähnten
philosemitischen Habitus der frühen Bundesrepublik, dann lädt dieser kollektive
Mangel an Sensibilität zu der Vermutung ein, dass eben antijüdische Gefühlslagen
mindestens bis in die 1960er-Jahre tiefer in den gesellschalichen Debatten veran-
kert waren, als es angesichts von ständig wiederholten Bekenntnissen zur Kollek-
tivverantwortung der Deutschen scheinen mag. An dieser Stelle sei noch einmal
an die Jahreshauptversammlung des Deutschen Tierschutzbundes in Hamburg
1962 erinnert, als ein anonymer Zwischenrufer die Dunkelheit des Saals während
eines Diavortrags über das Schächten zum Anlass für einen antisemitischen Zwi-
schenruf nutzte und dafür den Beifall weiterer Teilnehmer erntete. Wenn Finus
unter den Tierschützern wegen der Explizität seiner antijüdischen Argumentation
herausragte, dann bezeichnete er also möglicherweise nicht die Ausnahme von
der Regel, sondern die Spitze eines Eisbergs.
62 Zu den wenigen Ausnahmen gehörte der Vorsitzende des Tierschutzvereins Mühlheim/
Ruhr; vgl. L. van den Brink, Gedanken zum betäubungslosen Schlachten, in: Schlacht-
und Viehhofzeitung 12 (1962) 62, S.459–461; Spitaler, Zu unserem Kampf gegen das
betäubungslose Schlachten, S.8.
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Der Islam zwischen christlicher Tradition und jüdischer Geschichte
  • Antonio Velarde
Antonio Velarde et al., Assessment of the Incidence and Scale of Current Religious Slaughter Practices, http://www.dialrel.eu/images/factsheet-assesment-practices.pdf [2. 5. 2018]; vgl. auch Shai Lavi, Der Islam zwischen christlicher Tradition und jüdischer Geschichte. Das Beispiel ritueller Tierschlachtung in Deutschland nach 1945, in: Astrid Reuter/Hans G. Kippenberg (Hrsg.), Religionskon ikte im Verfassungsstaat, Göttingen 2010, S. 393-416; ders., Unequal Rites: Jews, Muslims and the History of Ritual Slaughter in Germany, in: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 37 (2009), S. 164-184.
  • Tierschutzgesetz
Tierschutzgesetz, 24.07.1972, in: Bundesgesetzblatt Teil I, 1972 Nr. 74, S. 1277-1283; vgl.
Die Geschichte des deutschen Tierschutzrechts von
  • Julius Ludwig Pfeiffer
Julius Ludwig Pfeiffer, Das Tierschutzgesetz vom 24. Juli 1972. Die Geschichte des deutschen Tierschutzrechts von 1950 bis 1972, Frankfurt a. M. 2004; Sibylle Horanyi, Das Schächtverbot zwischen Tierschutz und Religionsfreiheit, Basel 2004, S. 236 f.; Jentzsch, Das rituelle Schlachten, S. 172 f.
Battling for Souls: e Vaad Hatzala Rescue Committee in Post-War Europe
  • Alex Grobman
Alex Grobman, Battling for Souls: e Vaad Hatzala Rescue Committee in Post-War Europe, Jersey City 2004, S..171-183;
Holocaust Survivors in Postwar Germany
  • Margarete Myers Feinstein
Margarete Myers Feinstein, Holocaust Survivors in Postwar Germany, 1945-1957, Cambridge 2012, S..214-217;
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Abt. 508, Nr. 6462; vgl. auch das Memorandum der Rabbinerkonferenz in der Bundesrepublik
  • Ernährung Ministerium Für
Ministerium für Ernährung, Landwirtscha und Forsten des Landes Nordrhein-Westfalen an K. F. Finus, 14. September 1965 (Abschri ), BayHStA, MInn. 427; Ministerium für Landwirtscha und Forsten des Landes Hessen an K. F. Finus, 14. September 1965, Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Abt. 508, Nr. 6462; vgl. auch das Memorandum der Rabbinerkonferenz in der Bundesrepublik (Isaac Emil Lichtigfeld), 21. Mai 1964, BArch B 116/50102.
  • Alice Lanzke
siehe auch Alice Lanzke, Alles koscher, oder was?, in: Jüdische Allgemeine Wochenzeitung, 19. Juni 2008;
430; Ist Schächten Tierquälerei? Ritual-Schlachtungen beschä igen Landtagema mit "p olitischer Brisanz
  • Vgl
  • Bayerischer Landtagsdienst
Vgl. Bayerischer Landtagsdienst, Nr. 30, 21. Oktober 1964, BayHStA, MInn. 430; Ist Schächten Tierquälerei? Ritual-Schlachtungen beschä igen Landtagema mit "p olitischer Brisanz", in: Münchner Merkur, 21. Oktober 1964 (gefunden in: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt a. M., Schlacht-und Viehhof, Nr. 934, Bd. 1).