ArticlePDF Available

Die Winkelzahnmolche Taiwans

Article

Die Winkelzahnmolche Taiwans

Abstract

Die eher kleine Insel Taiwan liegt im chinesischen Meer und die südliche Hälfte ist bereits tropisch. Trotzdem hat sich seit der letzten Eiszeit, während der Meeresspiegel tiefer und die Insel noch Teil des Festlandes war, die Gattung Hynobius als Relikt etablieren können (Li et al.). Als das Klima wieder wärmer wurde und der Meeresspiegel stieg, verblieb Hynobius auf dem Syueshan Gebirgszug oberhalb von 1.000 m ü. NN und den zentralen Gebirgszügen oberhalb von 2.000 m ü. NN. Dort herrscht bis heute ein für Winkelzahnmolche akzeptables Klima mit kalten Wintern und gemäßigten Sommern. Der Einfluss des Monsuns bringt den Gebirgen außerdem viel Niederschlag. Auf Taiwan erreichen Hynobius, als auch die Familie der Hynobiidae, die südliche Grenze ihrer Verbreitung.
amphibia, 17(2), 2018
20
Abb. 1:
Geographische Ver-
breitung der Win-
kelzahnmolche auf
Taiwan (http://www.
maphill.com/taiwan).
Grak: S. V
Die eher kleine Insel Taiwan liegt im
chinesischen Meer und die südliche Hälf-
te ist bereits tropisch. Trotzdem hat sich
seit der letzten Eiszeit, während der Mee-
resspiegel tiefer und die Insel noch Teil
des Festlandes war, die Gattung Hynobius
als Relikt etablieren können (Li et al.). Als
das Klima wieder wärmer wurde und der
Meeresspiegel stieg, verblieb Hynobi-
us auf dem Syueshan Gebirgszug
oberhalb von . m ü. NN
und den zentralen Ge-
birgszügen oberhalb
von . m ü. NN.
Dort herrscht bis
heute ein für
Winkelzahn-
molche ak-
zeptables
Klima mit kalten Wintern und gemäßig-
ten Sommern. Der Einuss des Monsuns
bringt den Gebirgen außerdem viel Nie-
derschlag. Auf Taiwan erreichen Hynobi-
us, als auch die Familie der Hynobiidae,
die südliche Grenze ihrer Verbreitung.
Aktuell zählt man in Taiwan fünf Win-
kelzahnmolcharten die, durch topogra-
sche Gegebenheiten isoliert, jeweils ver-
schiedene Gebirgszüge bewohnen (Abb.
). Allen gemeinsam sind eine ähn-
liche Ökologie und auch eine ähn-
liche Morphologie.
Im zeitigen Frühjahr, o sogar
noch im Winter, wandern paarungs-
bereite Hynobius in die Bäche ein, um
dort innerhalb von wenigen Tagen ihre
Laichsäcke zu platzieren. Diese schma-
len, kiesreichen, möglichst horizontal
ießenden Gewässer, wo ruhige Kolke
nicht fehlen dürfen, liegen ausschließlich
im Nadel–, Nadelmischwald oder sogar im
Übergang zur alpinen Bambuswiesenregi-
on. Nach der Laichzeit gehen Hynobius
zu einer terrestrischen Lebensweise über,
verbleiben aber im Sickerbereich nahe am
Bach. Je nach Temperatur verkriechen sie
sich oberächennah unter Totholz, Laub
oder großen Steinen. Bei der Auswahl
der Mikrohabitate spielen vor allem der
S V
Die Winkelzahnmolche Taiwans
amphibia, 17(2), 2018 21
Die Winkelzahnmolche Taiwans
pH-Bereich, die Substratfeuchte, die Tem-
peratur und das Nahrungsangebot eine
große Rolle (L & L). Bedingt durch
ihr Hautgi müssen Hynobius nur weni-
ge Fressfeinde fürchten, trotzdem verlas-
sen sie nur selten ihre Verstecke, auch bei
Regen oder Dunkelheit.
Durch dieses hohe Maß an Spezialisie-
rung sind Populationsgrößen klein und
selten ein optimales Habitat zu nden. O
sogar liegen Populationen unüberwindba-
re Kilometer voneinander entfernt, wo-
durch weder ein Genuss, noch eine Neu-
ansiedlung bei Populationsverlust stattn-
den kann.
Larven der taiwanesischen Hynobius
suchen nach dem Schlupf das hyporhei-
sche Interstitial des Baches und verbleiben
dort, je nach Temperatur, maximal zwei
Monate bis zur Metamorphose. Gut unter-
sucht ist die prämetamorphe Entwicklung
von Hynobius formosanus (Vet
al. ). Dabei wurde festgestellt, dass al-
lein der Dottervorrat den Energiebedarf
bis zur Metamorphose abdeckt und keine
weitere Nahrungsaufnahme notwendig, ja
sogar aufgrund der reduzierten kranialen
Ontogenese, unmöglich ist. Die Autoren
deuten dies als Anpassung in Richtung
Direktentwicklung.
Systematische Übersicht
Im Norden der Insel, genauer im Syu-
eshan-Gebirgszug, kommt die mit maxi-
mal  cm kleinste Art vor. Diese wurde
 als Hynobius fuca (Abb. ) beschrie-
ben (L  L ). Ihr Habitus ist ge-
drungen, die Schwanzlänge ist zur Kopf-
Rumpf-Länge eher kurz. Auf dunklem
Untergrund zeichnen sich zahlreiche klei-
ne weiße Sprenkel ab. Die Verbreitung
liegt unterhalb von . m ü. NN und
reicht bis . m ü. NN. Diese Art lässt
sich gut von den weiteren taiwanesischen
Hynobius-Arten abgrenzen.
Im Zentrum der taiwanesischen Ge-
birgszüge zählte man die dort heimischen
Salamander bis  zum Hynobius for-
mosanus-sonani – Komplex. Im Jahr 
kam neben Hynobius formosanus (M
) und Hynobius sonani (M )
(Abb.  und ) eine weitere Art Hynobi-
us glacialis (L  L ) hinzu. Diese
drei, morphologisch sehr ähnlichen, Ar-
ten leben oberhalb von . m ü. NN.
Hynobius glacialis erreicht sogar eine ma-
ximale Verbreitungshöhe von . m ü.
NN, ist somit oberhalb der Baumgren-
ze. Die maximale Große ist mit  cm er-
reicht. Alle drei Arten zeichnet eine Fär-
bung in Gelb–, Rot– und Brauntönen aus,
Abb. 2:
Hynobius fuca aus dem
Shei Pa National Park,
28.04.2017.
Foto: S. V
amphibia, 17(2), 2018
22
S V
Abb. 4:
Habitat von Hynobius
sonani auf dem Mount
Bilyu, 02.05.2017.
Foto: S. V
Abb. 3:
Hynobius sonani
vom Mount Bilyu,
02.05.2017.
Foto: S. V
amphibia, 17(2), 2018 23
Die Winkelzahnmolche Taiwans
was eine Gefahr durch menschliche Hab-
itatzerstörung reduziert. Durch die gerin-
ge Größe der einzelnen Populationen sind
diese allerdings empndlich für Inzucht
und die daraus resultierende Anfälligkeit
für Krankheiten. In der Alishan-Region
nutzt man beim traditionellen Wasabi An-
bau Schwemmbereiche der Gebirgsbäche,
dort treten Hynobius arisanensis als Kul-
turfolger auf. Die Bevölkerung wird durch
Ausstellungen, Flyer und Schautafeln in
den Naturparks für ihre wertvollen und
schützenswerten Salamander sensibilisiert
(Abb.  und ).
die arttypisch marmoriert oder in Flecken
auritt.
Die südlichste und füne Art ist Hyno-
bius arisanensis (M, )(Abb. ). Ihr
Verbreitungsgebiet umfasst die Berge von
Alishan und Yushan von . m ü. NN
bis über . m ü. NN (Abb. ). Diese
Art wird ebenfalls bis  cm lang und die
Färbung ist einheitlich braun.
Alle fünf Arten sind in der Roten Lis-
te des IUCN als „gefährdet“ geführt. Die
fragmentierten, kleinen Vorkommens-
gebiete liegen fast alle in Schutzgebieten
oder in unwegsamen Regionen der Insel,
Abb. 6:
Habitat von Hyno-
bius arisanensis im
Alishan National Park,
30.04.2017
Foto: S. V
Abb. 5:
Hynobius arisanensis
in der Jugendfärbung
mit weißen Flecken,
Alishan National Park,
30.04.2017.
Foto: S. V
amphibia, 17(2), 2018
24
Literatur
L, J. S.  K. J. L (): Two new
Hynobius (Caudata: Hynobiidae) sala-
manders from Taiwan. – Herpetologica
():–.
L, J. S.  K. J. L (): Microha-
bitat Preference of the Alishan Salaman-
der (Hynobius arisanensis). – Current
Herpetology (): –.
L, J., F, C.  G. L (): Biogeogra-
phical Consequences of Cenozoic Tecto-
nic Events within East Asian Margins: A
Case Study of Hynobius Biogeography. –
PLOS Published: June .
V, A. B., L, J. S., Y, S. F.,
C, Y. H.  N.A. P J. ():
Development of the bony skeleton in the
Taiwan salamander, Hynobius formosanus
Maki,  (Caudata: Hynobiidae): hetero-
chronies and reductions. – Vertebrate Zo-
ology : –.
Eingangsdatum: ..
Lektorat: I. Kraushaar
Autor
S V
Spangenbergstraße 
 Eisleben
Email: sebastian.voitel@t-online.de
Abb. 8:
Alishan Salamander
Haus im Alishan Eco
Center, 30.04.2017
Foto: S. V
Abb. 7:
Guanwu Salamander
Eco Center in Shei-
Pa National Park,
28.04.2017
Foto: S. V
S V
ResearchGate has not been able to resolve any citations for this publication.
Article
Full-text available
Few studies have explored the role of Cenozoic tectonic evolution in shaping patterns and processes of extant animal distributions within East Asian margins. We select Hynobius salamanders (Amphibia: Hynobiidae) as a model to examine biogeographical consequences of Cenozoic tectonic events within East Asian margins. First, we use GenBank molecular data to reconstruct phylogenetic interrelationships of Hynobius by bayesian and maximum likelihood analyses. Second, we estimate the divergence time using the bayesian relaxed clock approach and infer dispersal/vicariance histories under the 'dispersal-extinction-cladogenesis' model. Finally, we test whether evolutionary history and biogeographical processes of Hynobius should coincide with the predictions of two major hypotheses (the 'vicariance'/'out of southwestern Japan' hypothesis). The resulting phylogeny confirmed Hynobius as a monophyletic group, which could be divided into nine major clades associated with six geographical areas. Our results show that: (1) the most recent common ancestor of Hynobius was distributed in southwestern Japan and Hokkaido Island, (2) a sister taxon relationship between Hynobius retardatus and all remaining species was the results of a vicariance event between Hokkaido Island and southwestern Japan in the Middle Eocene, (3) ancestral Hynobius in southwestern Japan dispersed into the Taiwan Island, central China, 'Korean Peninsula and northeastern China' as well as northeastern Honshu during the Late Eocene-Late Miocene. Our findings suggest that Cenozoic tectonic evolution plays an important role in shaping disjunctive distributions of extant Hynobius within East Asian margins.
  • J S K J Lai
  • Lue
Lai, J. S. & K. J. Lue (2008): Two new Hynobius (Caudata: Hynobiidae) salamanders from Taiwan. -Herpetologica 64(1):63-80.
  • J S K J Lai
  • Lue
Lai, J. S. & K. J. Lue (2013): Microhabitat Preference of the Alishan Salamander (Hynobius arisanensis). -Current Herpetology 32(2): 125-134.
Development of the bony skeleton in the Taiwan salamander
  • Y H N A Chang
  • Poyarkov
Chang, Y. H. & N.A. Poyarkov Jr. (2015): Development of the bony skeleton in the Taiwan salamander, Hynobius formosanus Maki, 1922 (Caudata: Hynobiidae): heterochronies and reductions.-Vertebrate Zoology 65: 117-130. Eingangsdatum: 17.2.2018
Alishan Salamander Haus im Alishan Eco Center
Lektorat: I. Kraushaar Autor Sebastian Voitel Spangenbergstraße 81 06295 Eisleben Email: sebastian.voitel@t-online.de Abb. 8: Alishan Salamander Haus im Alishan Eco Center, 30.04.2017 Foto: S. Voitel Abb. 7: Guanwu Salamander Eco Center in SheiPa National Park, 28.04.2017 Foto: S. Voitel
Lektorat: I. Kraushaar Autor Sebastian Voitel Spangenbergstraße 81 06295 Eisleben Email: sebastian.voitel@t-online.de Abb. 8: Alishan Salamander Haus im Alishan Eco Center
  • A B Vassilieva
  • J S Lai
  • S F Yang
  • Y H N A Chang
  • Poyarkov
Vassilieva, A. B., Lai, J. S., Yang, S. F., Chang, Y. H. & N.A. Poyarkov Jr. (2015): Development of the bony skeleton in the Taiwan salamander, Hynobius formosanus Maki, 1922 (Caudata: Hynobiidae): heterochronies and reductions. -Vertebrate Zoology 65: 117-130. Eingangsdatum: 17.2.2018 Lektorat: I. Kraushaar Autor Sebastian Voitel Spangenbergstraße 81 06295 Eisleben Email: sebastian.voitel@t-online.de Abb. 8: Alishan Salamander Haus im Alishan Eco Center, 30.04.2017 Foto: S. Voitel Abb. 7: Guanwu Salamander Eco Center in Shei-Pa National Park, 28.04.2017 Foto: S. Voitel