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Walter Lippmann: Die öffentliche Meinung. Wie sie entsteht und manipuliert wird

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Abstract

Eine Neuübersetzung von Public Opinion aus dem Jahre 1922, ein Klassiker in der Theorie der Propaganda. In einem langen Vorwort (mit Silja Graupe formuliert) geben wir einen Überblick über die Lebensgeschichte von Lippmann, unsere Deutung des Werkes und gehen auf den Zusammenhang mit den Ursprüngen des Neoliberalismus ein: Das Walter Lippmann-Kolloquium von 1938 gilt als die Geburtsstunde des Neoliberalismus als internationaler Bewegung, es ist der Vorläufer der Mont Pèlerin-Gesellschaft, die 1947 von Hayek gegründet wird.
Leseprobe
Walter Lippmann
Die öffentliche Meinung
Wie Sie entsteht und manipuliert wird
Schon vor fast 100 Jahren stand für Walter Lippmann fest: Der
gewöhnliche Zeitgenosse ist in einer Demokratie überfordert und nicht in
der Lage, die komplexen gesellschaftlichen Zusammenhänge zu
durchschauen. Also entwickelte Walter Lippmann, neben Friedrich von
Hayek der vermutlich wirkungsmächtigste Wegbereiter des
Neoliberalismus, in seinem 1922 erschienenen Buch "Die öffentliche
Meinung" (Public Opinion) das Konzept einer gelenkten Demokratie, in der
die Meinung der Massen mit manipulativen Techniken gesteuert wird. In
unseren postfaktischen Zeiten sind Lippmanns Analysen und Strategien
aktueller denn je. Lesen Sie hier einige Textauszüge aus dem Buch.
Die Pseudoumwelt
Denn es ist völlig klar, dass Menschen unter gewissen Bedingungen auf
Fiktionen ebenso stark reagieren wie auf Wirklichkeiten und dass sie in
vielen Fällen erst die Fiktionen schaffen helfen, auf die sie eingehen. Es
möge derjenige den ersten Stein werfen, der nicht an die russische Armee
geglaubt hat, die im August 1914 angeblich England durquerte, der nicht,
ohne einen direkten Beweis zu haben, jede Geschichte von
Scheußlichkeiten für wahr hielt und der noch nie eine Verschwörung,
einen Verräter oder einen Spion gesehen hat, wo tatsächlich keiner war.
Es möge auch derjenige einen Stein werfen, der niemals als echte innere
Wahrheit weitergab, was er von irgendjemandem gehört hatte, der nicht
mehr wusste als er selbst.
Bei all diesen Beispielen müssen wir ein gemeinsames Element
besonders hervorheben: die Einfügung einer Pseudoumwelt zwischen
Mensch und Umwelt. Sein Verhalten ist die Reaktion auf diese
Pseudoumwelt. Gerade weil es sich um eine Verhaltensweise handelt,
zeigen sich die Folgen, sofern es sich um Handlungen handelt, nicht in der
Pseudoumwelt, von der das Verhalten angeregt wird, sondern die
Handlung vollzieht sich in der realen Umwelt. Ist das Verhalten nicht eine
konkrete Handlung, sondern das, was wir grob Gedanken und
Empfindungen nennen, so kann es lange dauern, bis im Gewebe der
Phantasiewelt ein Riss erkennbar wird. (S. 64)
Denn die reale Umgebung ist insgesamt zu groß, zu komplex und auch zu
fließend, um direkt erfasst zu werden. Wir sind nicht dafür ausgerüstet, es
mit so viel Subtilität, mit so großer Vielfalt, mit so vielen Verwandlungen
und Kombinationen aufnehmen zu können. Obgleich wir in dieser Umwelt
handeln müssen, müssen wir sie erst in einem einfacheren Modell
rekonstruieren, ehe wir damit umgehen können. Um die Welt zu
durchwandern, müssen die Menschen Karten von dieser Welt haben. Ihre
beständige Schwierigkeit besteht darin, dass sie sich Karten beschaffen
müssen, die nicht bereits durch ihre eigenen Bedürfnisse oder die
Bedürfnisse irgendeines anderen verfälscht worden sind. (S. 65)
Pseudoumwelt, öffentliche Meinung und Demokratie
Wer die öffentliche Meinung analysieren will, muss daher mit der
Erkenntnis der Dreiecksbeziehung zwischen dem Schauplatz, dem Bild
des Menschen von diesem Schauplatz und der Reaktion des Menschen
auf dieses Bild, die sich wiederum selbst auf dem Schauplatz ereignet,
beginnen. Es ist wie ein Theaterstück, zu dem die Schauspieler durch ihre
eigene Erfahrung angeregt werden und in dem die Handlung nicht nur
Auswirkungen auf deren Bühnenrollen, sondern auch auf das reale Leben
der Schauspieler hat. Der Film stellt oft mit großem Geschick dieses
doppelte Drama der inneren Motive und des äußeren Verhaltens heraus.
Zwei Männer streiten sich, offensichtlich über Geld, aber ihre
Leidenschaftlichkeit ist unerklärlich. Dann schwindet das Bild, und nun
wird filmisch dargestellt, was der eine oder der andere der beiden Männer
vor seinem inneren Auge erblickt. (S. 65f.)
Die Welt, mit der wir es in politischer Hinsicht zu tun haben, liegt außer
Reichweite, außer Sicht, außerhalb unseres Geistes. Man muss sie erst
erforschen, schildern und sich vorstellen. (S. 75)
Wir nennen diejenigen Merkmale der äußeren Welt, die mit dem Verhalten
anderer menschlicher Wesen verknüpft sind, soweit ihr Verhalten das
unsere überschneidet, von uns abhängt oder für uns von Interesse ist,
grob öffentliche Angelegenheiten. Die Bilder in den Köpfen dieser
menschlichen Wesen, die Bilder von sich selbst, von anderen, von ihren
Bedürfnissen, Zielen und Beziehungen zueinander sind ihre Diejenigen
Bilder, nach denen ganze Gruppen von Menschen oder Individuen im
Namen von Gruppen handeln, sind die Öffentliche Meinung, geschrieben
in Großbuchstaben. In dieser Weise werden wir in den folgenden Kapiteln
zunächst einige der Gründe untersuchen, aus denen die Menschen in
ihrem Umgang mit der äußeren Welt ihr inneres Bild so oft in die Irre führt.
(S. 75f.)
Wesentlicher Gehalt dieser Darlegung ist die Feststellung, dass die
Demokratie in ihrer ursprünglichen Gestalt sich niemals ernsthaft mit dem
Problem auseinandergesetzt hat, das daraus entsteht, dass die inneren
Bilder der Menschen nicht automatisch mit der äußeren Welt
übereinstimmen. (S. 76)
Propaganda
Wir haben gelernt, das Propaganda zu nennen. Eine Gruppe von
Menschen, die der Öffentlichkeit den ungehinderten Zugang zu den
Ereignissen verwehren kann, arrangiert die Nachrichten, damit sie ihren
Zwecken dienen. (S. 84)
Ohne eine gewisse Form der Zensur ist Propaganda im strengen Sinne
nicht möglich. Um Propaganda zu betreiben, muss eine gewisse Schranke
zwischen Öffentlichkeit und Ereignis errichtet werden. Der Zugang zu der
wirklichen Umwelt muss begrenzt werden, ehe jemand eine
Pseudoumwelt errichten kann, die er für klug oder wünschenswert hält.
Denn während Leute, die unmittelbaren Zugang haben, missverstehen
können, was sie sehen, kann niemand sonst darüber bestimmen, wie sie
es missverstehen sollen, es sei denn, jemand könnte bestimmen, wohin
sie schauen und was sie sehen sollen. Die militärische Zensur ist die
einfachste Form dieser Schranke, aber keinesfalls die wichtigste, weil man
weiß, dass sie existiert und man ihr daher in gewisser Weise zustimmen
oder sie ablehnen kann. (S. 85)
Sofern man das Wort Propaganda nicht unbedingt in seinem negativen
Sinn versteht, sind die alten Konstanten unseres Denkens unter ihrer
Einwirkung zu veränderlichen Größen geworden. Es ist zum Beispiel nicht
länger möglich, an das ursprüngliche Dogma der Demokratie zu glauben,
nämlich dass die Kenntnisse, die man für die Bewältigung der
menschlichen Angelegenheiten braucht, spontan aus dem Herzen des
Menschen kommen. Wo wir aus dieser Theorie heraus handeln,
überlassen wir uns der Selbsttäuschung und Formen der
Meinungsbildung, die wir nicht dem Wahrheitsbeweis unterwerfen können.
Wir haben gezeigt, dass wir uns nicht auf die Intuition, das Gewissen oder
die Zufälligkeiten einer Meinung verlassen können, wenn wir es mit der
Welt zu tun haben, die außerhalb unserer konkreten Wahrnehmung liegt.
(S. 231)
Stereotype
Es gibt, sagt Aristoteles, Wesen, die von Natur aus Sklaven sind. »Er ist
daher von der Natur zum Sklaven gebildet und geeignet, Leibeigener einer
anderen Person zu werden, und ist es aus diesem Grund.« All dies besagt
aber in Wirklichkeit, dass, wer zufällig Sklave ist, von Natur auch dazu
bestimmt ist, einer zu sein. Logisch ist die Feststellung wertlos, aber in
Wahrheit ist sie überhaupt keine Behauptung, und die Logik hat damit
überhaupt nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine Stereotype oder
eher den Teil einer Stereotype. (S. 122)
Es ist ihr Merkmal, dass sie dem Gebrauch der Vernunft vorausgeht; sie
ist eine Form der Wahrnehmung und drängt den Gegebenheiten, die
unsere Sinne aufnehmen, gewisse Merkmale auf, bevor diese
Gegebenheiten den Verstand erreichen. Die Stereotype gleicht den
lavendelfarbenen Fensterscheiben in Beacon Street oder dem Türsteher
bei einem Maskenball, der beurteilt, ob der Gast eine angemessene
Verkleidung trägt. Nichts verhält sich der Erziehung oder der Kritik
gegenüber so unnachgiebig wie die Stereotype. Sie bestimmt die Wertung
eines Gegenstands bereits im Moment seiner Wahrnehmung. (S. 123)
Organisierte Intelligenzen
Ich behaupte, dass ein repräsentatives Regime weder in dem, was
gewöhnlich Politik genannt wird, noch in der Industrie erfolgreich
funktionieren kann, gleichgültig, wie das Wahlsystem aussieht, wenn es
nicht eine unabhängige, sachkundige Organisation gibt, welche die
ungesehenen Tatsachen für diejenigen verständlich macht, die die
Entscheidungen zu treffen haben. Ich versuche deshalb darzulegen, dass
nur die ernst gemeinte Übernahme des Prinzips der Ergänzung
persönlicher Repräsentation durch die Repräsentation der ungesehenen
Tatsachen uns eine befriedigende Dezentralisation und gleichfalls ein
Entrinnen aus der unerträglichen und undurchführbaren Fiktion gestattet,
dass jeder von uns eine kompetente Meinung zu allen öffentlichen
Angelegenheiten erlangen müsse. (S. 77)
Diese Organisation sehe ich als Aufgabe vor allem einer politischen
Wissenschaft, die vor einer realen Entscheidung ihren eigenen
Standpunkt gewonnen hat und formuliert, statt die Entscheidung im
Nachhinein zu verteidigen, zu kritisieren, oder Berichterstatter zu sein. (S.
77)
Diese Einrichtung würde ziemlich bald ein Sammelpunkt für Nachrichten
der ungewöhnlichsten Art werden. Den Mitarbeitern würde klar, wie die
Probleme der Regierung wirklich aussehen. Sie würden sich mit Fragen
der Definition, der Terminologie, der statistischen Technik und der Logik
beschäftigen. Sie würden wahrlich die ganze Stufenleiter der
Gesellschaftswissenschaften durchklettern. Es fällt schwer einzusehen,
warum all dieses Material mit Ausnahme weniger diplomatischer und
militärischer Geheimnisse nicht den Gelehrten des Landes offenstehen
sollte. Hier nämlich würde der Gelehrte der Politischen Wissenschaften die
wirklichen Nüsse zum Knacken finden und die wirklichen
Forschungsaufgaben für seine Studenten. Die Arbeit muss nicht allein in
Washington, könnte aber im Hinblick auf Washington getan werden. (S.
328)
Wenn die Analyse der öffentlichen Meinung und der demokratischen
Theorien in ihrem Verhältnis zur modernen Umwelt grundsätzlich
vernünftig erscheint, dann sehe ich nicht ein, wie man der Tatsache aus-
weichen kann, dass solche Informationsarbeit der Schlüssel zur
Besserung ist. (S. 331)
Aus dem Vorwort von Walter Ötsch und Silja Graupe
Fast 100 Jahre nach Die öffentliche Meinung erweist sich Lippmann als
früher Warner vor einer Entwicklung, die mit einer derartigen Wucht über
uns hereingebrochen ist, dass es schwerfällt, eine reflexive Dis- tanz
einzunehmen. Marketing, Werbung, politischer Spin, Politisches Framing,
Beeinflussung sozialer Veränderungsprozesse (wie etwa im Change
Management, vgl. Graupe 2018b), Inszenierungen aller Art und bewusst
produzierte Fake News dominieren die Ereignisse. Es wirkt, als ob eine
immer surrealer werdende kollektive Trance das, was früher Gesellschaft
geheißen hat, nur noch als Vorstellungswelt im Sinne von Lippmann
erscheinen lassen kann. Aber die Handlungswelt bleibt als Realität
bestehen. Wohl ihr letzter Anker sind Vorgänge in der Natur selbst: Im
Anthropozän schlägt die Wirklichkeit der Ökosphäre marktfundamentale,
postdemokratische und rechtspopulistische Vorstellungswelten. Wie
schwer es fällt, das Unsichtbare dieser Wirklichkeit im Sinne Lippmanns
so sichtbar zu machen, als ob die Natur (wie die Kinder im zitierten Bild
von Lippmann) ihre Beschwerden selbst an die Öffentlichkeit bringen
könnte, zeigt die aktuelle Klimadebatte. (S. 46)
Wer können und sollen heute jene Eliten sein, die den Willen und die
Verantwortung aufbringen, die Welt (unsichtbar für die Masse) zu führen?
Wie könnten sie demokratisch legitimiert werden, wenn sie doch stets
drohen, jene grundlegenden Weltanschauungen zu formen, die darüber
entscheiden, was wir als Gesellschaft überhaupt unter ›legitim‹ verstehen
und kommunizieren können? Wo und worin werden sie gebildet? Die
öffentliche Meinung zeigt, dass Lippmann damals um solche brennenden
Fragen zumindest noch wusste. Auch wenn seine Antworten recht
kursorisch ausgefallen sein mögen, so zielen sie dennoch in die richtige
Richtung. Wichtig erscheint uns dabei insbesondere seine klare
Auffassung, dass die Eliten keinesfalls allein Kapitalinteressen dienen
dürfen.
Wo sind also die Eliten der heutigen Zeit geblieben? Sind sie womöglich
Opfer ihrer eigenen Propaganda geworden? Wissen die manipulierenden
Eliten womöglich nicht mehr, was sie manipulieren, weil sie selbst über
kein Bild der Gesellschaft mehr verfügen? Haben sie die durch ihre eigene
Propaganda vermittelte Abwertung der Politik selbst schon verinnerlicht?
Und wenn dies so wäre: Könnte diese durch fehlende Bilder bedingte
Handlungsunfähigkeit der Eliten zu dem Befund führen, dass soziale
Stabilität zukünftig durch einen autoritären Überwachungs- und
Kontrollstaat garantiert werden muss, in dem die Bevölkerung durch eine
dauernde Angstmache manipulativ an die jeweilige Führung gebunden
wird? (Die Systeme Donald Trumps und Viktor Orbáns wären hier etwa
genauer zu untersuchen.) (S. 51.)
Doch bei dieser Manipulation müssen wir Menschen keineswegs nur
passive Rezipienten spielen: Als genuin schöpferische, bildschaffende
Wesen besitzen wir die unhintergehbare Freiheit zur Kreation eigener
Bilder. Jede Person kann sich in einer potentiellen Freiheit ihre Wirklichkeit
über ihre inneren Bilder aneignen. Gewiss muss diese Freiheit entwickelt,
gepflegt und durch soziale Prozesse getragen werden. Ein Teil dieser
Verantwortung liegt, wie Lippmann zeigt, den Wissenschaften und
insbesondere der Bildung anheim. Ihnen kommt die Aufgabe zu, die
mächtigsten Stereotype der Zeit erkennbar zu machen und so Menschen
zu befähigen, bewusst um Erkenntnis zu ringen und auf ihrer Basis
Verantwortung tragen zu können. Die Idee der Aufklärung über die
eigenen Voraussetzungen des Denkens und der Wahrnehmung ist
keineswegs preiszugeben. Sie ist im Gegenteil unter neuen Vorzeichen
stark zu machen. Denn in der heutigen Gesellschaft kann die Macht jener
Bilder, die einer bloß sekundär erfahrenen Wirklichkeit entstammen, nicht
länger ignoriert werden. Studiert man Lippmanns Werk gründlich, so wird
deutlich, dass wir diesen Bildern heute mehr denn je vertrauen müssen,
eben weil wir nicht von allem, über das wir entscheiden müssen, eine
direkte Erfahrung machen können. Umso mehr sollten wir uns die Frage
stellen, welchen dieser Bilder und vor allem welcher Quelle dieser Bilder
wir vertrauen können und vertrauen wollen. Denn Vertrauen ist konstitutiv
für jeden sozialen Zusammenhalt. Jede Person, die in die Welt geboren
wird, muss dem sozialen Raum, in den sie hineingeboren wird, vertrauen
dürfen das gilt auch für den sozialen Raum geteilter Bilder in der
Gesellschaft.
Wir sehen mit größter Besorgnis, dass heutzutage eher bei jenen ein
Wissen über diesen Raum und dessen Veränderbarkeit besteht, die ihn für
ihre eigenen Zwecke auszunutzen suchen und dafür das stillschweigende
Vertrauen unzähliger Menschen manipulieren, ausbeuten und ultimativ
aufs Spiel setzen. Doch auch wenn bei den so Ausgebeuteten über diese
Form der Ausbeutung nur noch wenig explizites Wissen existieren mag, so
scheint doch eine dunkle Ahnung zu bestehen. Was aber, wenn diese
Ahnung dazu führt, dass das Vertrauen in den sozialen Raum selbst
verloren geht? Wird dann das Kostbarste, weil auf fundamentale Weise
Verbindende, das wir in der Gesellschaft haben, zerstört? Wir meinen: Es
wird höchste Zeit, dass wir uns als Gesellschaft über die Macht innerer
Bilder zumindest wieder jenes Wissen aneignen, das vor gut 90 Jahren
über sie existierte. Lippmanns Werk ist hierfür ein guter Ausgangspunkt.
(S. 52f.)
... Somit sind Reichtum und dessen Ursachen auch geglaubte Fakten (Zaller 1992). Medien machen Wissen über Gewinner und Verlierer der wirtschaftlichen Entwicklung über Vor-und Nachteile verteilungspolitischer Instrumente verfügbar und bieten politischen Eliten eine Plattform (Lippmann 1964;Zaller 1992). Wie Medien Urteile über ökonomische Ungleichheit und politische Instrumente, wie die Vermögensteuer, beeinflussen, ist wenig erforscht. ...
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