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Engagement von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Fluchterfahrungen – Vielfalt, Potenziale, Desiderate. Essener Thesen.

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... • Einbezug von Minderheiten: Aus demokratietheoretischer, psychologischer und pragmatischer Perspektive ist der Einbezug von Migrantenorganisationen in Dialoge und Prozesse, die sie selbst betreffen, geboten: Im Sinne des Ideals der mündigen und eigenverantwortlichen Bürgerinnen und Bürger wird dadurch Selbstbestimmtheit, Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Motivation erzeugt und aufrechterhalten. Erforderlich und konsequent ist daher die Diskussion politischer Zielvorstellungen mit Migrantenorganisationen, nicht das Reden über sie ( Klie et al. 2016). Darüber hinaus ist ihre Konsultation als Experten ihrer selbst insofern pragmatisch als Migrantenorganisationen die Bedürfnisse, Einstellungs-und Verhaltensmuster der Migranten-Communities kennen und sie daher auch besser erreichen können als Institutionen der Mehrheitsgesellschaft. ...
... • Sensibilisierung für Alltagsrassismus und ethnische Diskriminierung: Sprache ist kein Abbild der empirischen Wirklichkeit oder ein neutrales Medium, sondern schafft -durch die Wahl bestimmter Begriffe -soziale Tatsachen, Realitäten ( Klie et al. 2016). 46 Alltagsrassismus und ethnische Diskriminierung sind weit verbreitet und müs-sen als soziale Tatsachen erkannt, als Probleme benannt und stärker in das öf-fentliche Bewusstsein gebracht werden, denn in der Gesellschaft wurde dafür (noch) keine ausreichende Sensibilität entwickelt. ...
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Detailliert beleuchtet der Beitrag unterschiedliche kulturelle Verständnisse von Engagement, gesellschaftspolitisch relevante Rahmenbedingungen und weitere Voraussetzungen für das Engagement von Menschen „mit Migrationshintergrund“, das im Vergleich zu Personen ohne Zuwanderungsgeschichte in zivilgesellschaftlichen Bereichen und Institutionen der Mehrheitsgesellschaft im Durchschnitt geringer ausfällt. Ursachen dafür sind in sozioökonomischen, migrationsspezifischen und kulturellen Faktoren, in Diskriminierungserfahrungen und Fremdenfeindlichkeit sowie einer nach wie vor ungenügenden Bereitschaft für interkulturelle Öffnungsprozesse zu sehen. Der Beitrag macht deutlich, dass die Diskussion darüber, inwieweit das in Migrantenorganisationen und -netzwerken vorzufindende Engagement eher auf eine Abschottung gegenüber der deutschen Gesellschaft zielt (bonding) oder sich primär integrationsfördernd realisiert (bridging), nicht pauschal, sondern nur fallspezifisch zu entscheiden ist. Zukünftig sollten unterschiedliche kulturspezifische Verständnisse von Engagement, diverse Motivlagen sowie die große Bedeutung von umfassenden interkulturellen Öffnungsprozessen und Kooperationen stärker berücksichtigt werden. Notwendig sind die konsequente Verzahnung der Engagementförderung mit der Integrationspolitik und eine Versachlichung öffentlicher Debatten.
Chapter
Dem freiwilligen Engagement und einer aktiven Zivilgesellschaft werden bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen und Probleme große Bedeutung beigemessen. Nicht zuletzt die Flüchtlingskrise hat gezeigt, dass freiwilliges Engagement bei staatlicher Überforderung zu einer essenziellen Ressource werden kann. Politik sollte förderliche Rahmenbedingungen schaffen, die das Engagement und eine aktive Zivilgesellschaft entfalten helfen, es aber nicht als „Lückenbüßer“ instrumentalisieren. Freiwilliges Engagement und Zivilgesellschaft sind keinesfalls statische, grundlegend zu erfassende Phänomene, sondern vielmehr in mehreren Dimensionen zu betrachten und zusammenzudenken. In Deutschland ist das Engagement trotz pessimistischer Prognosen allgemein angestiegen. Die Bereitschaft, sich zu engagieren, kennt aber individuelle und regionale Voraussetzungen, die nicht für alle Menschen in einem gleichen engagementfördernden Maße vorliegen. Die soziale Ungleichheit in Deutschland sorgt auch für eine Polarisierung im Engagement; zu den im Engagement Benachteiligten gehören auch Menschen mit Migrationshintergrund.
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