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Wiederbelebung von Waldböden - Auswirkungen von Kalkungen auf die Regenwurmfauna im Erzgebirge

Authors:
  • Sächsisches Staatsministerium für Energie Klima Umwelt und Landwirtschaft
  • Büro für Bodenmikromorphologie und Bodenbiologie
  • Staatsbetrieb Sachsenforst

Abstract

Die Auswirkungen von langjährigen Bodenschutzkalkungen auf die Regenwurmfauna im Erzgebirge wurde im April 2018 auf acht Punkten der Bodenzustandserhebung (BZE) mit Hilfe von Elektrofang und Handauslese untersucht. Dabei bildeten jeweils zwei Punkte ein Pärchen gleicher Standortsbedingungen, aber unterschiedlicher Kalkungsintensität (ungekalkt im Vergleich zu 3 4-mal gekalkten Standorten). Alle Punkte waren mit etwa 80 100 jähriger Fichte bestockt. Es konnten insgesamt vier Arten nachgewiesen werden (Dendrobaene rubida, Dendrobaena octaedra, Lumbricus rubellus und Octalasion lacteum), von denen die ersten drei vor allem die Humusauflage besiedeln. Es handelte sich vorwiegend um juvenile Tiere. Lediglich die letzte Art ist auch im Mineralboden anzutreffen. (endogäisch). Tiefgrabende Arten (anezisch) fehlten auf allen acht Standorten. Die Abundanz auf den vier ungekalkten BZE-Punkten schwankte zwischen 0 und 1 Individuen pro m². Auf den gekalkten Standorten hingegen zwischen 48 und 202 pro m² (Median: 117). Während die Humus-pH-Werte auf den ungekalkten Punkten im Mittel bei 3,5 lagen, stiegen diese durch die langjährige Kalkung auf pH 4,7 an. Ein direkter Zusammenhang zur Regenwurmdichte ist ableitbar. Parallel zur Abundanz stieg die Biomasse der Bodenwühler von 9 kg pro ha (ungekalkt) auf rund 135 kg pro ha (gekalkt) an. Dies hat ebenso Auswirkungen auf die Morphologie der Humusauflage (biologischer Streuabbau) und die Wasserhaltekapazität von Waldböden.
Wiederbelebung von Waldböden
Auswirkungen von Kalkungen auf die Regenwurmfauna im Erzgebirge
Frank Jacob1, Josephine Patzelt2, Otto Ehrmann3 und Henning Andreae1
1 Staatsbetrieb Sachsenforst, Kompetenzzentrum Wald & Forstwirtschaft, Referat für Standortserkundung, Bodenmonitoring und Labor,
Bonnewitzer Straße 34, 01737 Pirna OT Graupa;
2 Studierende des Studiengang Umweltmonitoring, HTW Dresden, Fakultät Landbau / Umwelt / Chemie, Pillnitzer Platz 2, 01326 Dresden;
3 Büro für Bodenmikromorphologie und Bodenbiologie, Münster 12, 97993 Creglingen
Fakten zum Regenwurm
wichtig(st)e Tiergruppe innerhalb der Bodenorganismen
je mehr Regenwürmer umso schnellere Verlagerung von Humus in die Tiefe
Einarbeitung der Streu trägt zur Kohlenstoffspeicherung bei
intensive Belüftung des Bodens durch Regenwurmgänge
gleichzeitig bilden die Röhrensysteme wichtige Abflusskanäle bei Starkregen
die Reisegeschwindigkeit beträgt wenige Meter im Jahr
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Fakten zum Regenwurm
Gruppen
Streubewohner
Flachgraber
Tiefgraber
epigäische
Arten
endogäische
Arten
anözische
Arten
Lebensraum
In Streuschichten vor allem
im Grünland, Wald und
Kompost. Kommen im
Ackerboden selten
vor, da sich keine dauernde
Streuschicht bilden kann.
Oberboden (5
-40 cm),
humoser Mineralboden.
Meist horizontale Gänge,
die nicht stabil sind.
Junge
Tiere befinden sich meist
oben im Wurzelfilz.
Alle Bodenschichten, 3
-4 m
tief. Wohnen während des
ganzen Lebens in
senkrechten, stabile
Wohnröhren (Ø 8
-11mm).
Sind in landwirtschaftlich
genutzten Böden bedeutsam.
Größe
klein, meist 2
-6 cm lang
von klein bis 18 cm lang
meist groß, 15
-45 cm lang
Ernährung
kleine Pflanzenteile auf
dem Boden
Pflanzenteile
im
Oberboden eingemischt
ziehen große Pflanzenteile
in
die Wohnröhren
Vermehrung
stark
begrenzt
begrenzt
Lebensdauer
Kurz, 1
-2 Jahr
Mittel, 3
-5 Jahre
Lang, 4
-8 Jahre
Lichtempfindlichkeit
schwach
stark
mässig
Färbung
insgesamt rot
-bräunlich
bleich
rotbraun, Kopf dunkler
Beispiel
Kompostwurm, Roter
Laubfresser, Roter
Waldregenwurm
Großer
Ackerwurm, Kleiner
Wiesenwurm
Tauwurm
, Großer
Wiesenwurm
Merkblatt Regenwürmer, FiBL 2013, www.fibl.org
Fakten zum Regenwurm
Merkblatt Regenwürmer, FiBL 2013, www.fibl.org
Flächenauswahl
Eibenstocker Granit-Braunpodsol (Z)
Rothenthaler Gneis-Braunerde (M-)
Sohler Phyllit-Braunerde (M)
Oelsengrunder Gneis-Braunerde (M+)
Flächenauswahl
ungekalkt
gekalkt
Flächenauswahl
jeweils Pärchen mit gleicher Bodenform, aber
unterschiedlicher Kalkungsmenge (ungekalkt / 3mal gekalkt)
terrestrische Standorte über 400 m Höhe
Auflage: rohhumusartiger Moder bis Rohhumus
Bestockung mit 80 bis100 jähriger Fichte
nur Festgesteinsböden innerhalb der Kalkungskulisse
Geländearbeit
Geländearbeit
Geländearbeit
Ergebnisse (Artenvielfalt)
Dendrobaena rubida (Streubewohner)
Dendrobaena octaedra (Streubewohner)
Lumbricus rubellus (Streubewohner)
Octolasion lacteum (Flachgraber)
© Erin Cameron, University of Alberta.
© Lubomír Klátil
© Sören M. Rasmussen
© Malcom Storey
Ergebnisse (pH-Werte)
pH 5,4 pH 4,7 pH 4,6 pH 4,3
pH 3,5 pH 3,4 pH 3,5 pH 3,5
pH 4,7
pH 3,5
ungekalkte und gekalkten Flächen
Ergebnisse (Anzahl der Regenwürmer)
ungekalkte und gekalkten Flächen
Ergebnisse (Biomasse)
ungekalkte und gekalkten Flächen
Zusammenfassung / Ausblick
deutlich positiver Zusammenhang zwischen Kalkung
und der Regenwurmintensität (20fach)
kein direkter Zusammenhang zwischen pH-Wert im Humus und der
Anzahl an Regenwürmern
Biomasse von Regenwürmer (135 kg/ha) übertrifft bei weitem
die Biomasse von Rotwild, Rehwild oder Schwarzwild pro ha (~ 20 kg/ha)
Zeitaufwand betrug etwa 3 h pro Punkt (incl. An- und Abfahrt)
abgespeckte Version (nur Handauslese, kein Elektrofang) wäre mögliche
Variante für Teilkollektiv der BZE 3
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