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Abstract

Software ist in nahezu allen Industriesektoren zu einem Treiber für Innovation geworden. Deshalb benötigen Unternehmen Methodenkompetenz zur Softwareentwicklung. Hier werden eine Vielzahl unterschiedlicher Prozesse, Methoden und Praktiken verwendet. Die HELENA-Studie untersucht empirisch die in der Praxis eingesetzten Softwareentwicklungsansätze. Es konnte gezeigt werden, dass sogenannte "hybride" Entwicklungsansätze die Norm für die Software- und Systementwicklung werden. Dies sind Kombinationen von agilen und traditionellen (plangetriebenen) Ansätzen, die eine Entwicklungsorganisation nach eigenen Bedürfnissen anpasst.
Jenseits'des'Hypes'–'Entwicklung'und'
Nutzung'hybrider'Vorgehensmodelle''
in'der'Praxis
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Authors!
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PM-Aktuell HELENA 1 Seite 1
Jenseits des HypesEntwicklung und Nutzung hyb-
rider Vo rgehensmode ll e in der Praxis
Autoren
Oliver Linssen, FOM Hochschule für Oekonomie und Management
M. Kuhrmann, Technische Universität Clausthal
J. Klünder, Leibniz Universität Hannover
M. Felderer, Univeristät Innsbruck
E. Hanser, Duale Hochschule Baden-Württemberg
M. Fazal-Baqaie, Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM
Kontakt
Oliver Linssen – FOM Hochschule für Oekonomie & Management, Hochschulstudienzentrum Düsseldorf,
Toulouser Allee 53, 40211 Düsseldorf, oliver.linssen@fom.de
1 Einleitung
Software durchdringt alle Industriesektoren und ist mittlerweile zu einem Treiber für Innovation durch
Digitalisierung geworden. Dadurch müssen sich viele Unternehmen auch die des „klassischen“ produ-
zierenden Gewerbes mit der Entwicklung von Software auseinandersetzen und ihre Softwareentwick-
lungskompetenz auf- oder ausbauen. Diese Kompetenz zur Softwareentwicklung umfasst neben hand-
werklichen Fähigkeiten auch eine Methodenkompetenz zur Softwareentwicklung. Gerade hier stehen viele
Unternehmen vor der Herausforderung, passende Entwicklungsprozesse auszuwählen oder situationsspe-
zifisch zusammenzustellen. Typischerweise werden hierfür Vorgehensmodelle als Beschreibung der Ab-
lauf- und Aufbauorganisation von Projekten verwendet.
Es kristallisiert sich heraus, dass Unternehmen eine Vielzahl unterschiedlicher Prozesse, Methoden und
Praktiken verwenden [12], [13] – oft getrieben von Prozessanforderungen aus dem Spannungsfeld schnel-
ler, agiler, kundenzentrierter Entwicklung auf der einen Seite und Entwicklung sicherheitskritischer Sys-
teme im regulierten Umfeld auf der anderen Seite. In 2011 haben West et al. [10] ein Muster benannt,
nachdem die Softwareentwicklung in Unternehmen stattfindet: Der „Water-Scrum-Fall“ beschreibt ein
Vorgehen, bei dem das klassische Wasserfallmodell den Rahmen vorgibt, in bestimmten Phasen aber agile
Ansätze zum Einsatz kommen. Unterschiedliche, über die Jahre durchgeführte Studien, z.B. [11], [14],
konnten diese Beobachtung bestätigen. Allerdings zeigte insbesondere die Studie von Theocharis et al.
[11] auch eine Lücke auf: Die aktuelle Forschung beschäftigt sich zwar ausführlich mit agilen Ansätzen,
kümmert sich aber kaum um traditionelle Ansätze. Folglich ist es schwierig, Aussagen über die Entste-
hung von integrierten Ansätzen und praktisch relevanten Prozesskombinationen zu machen oder die Frage
nach dem Einfluss von Standards auf den Einsatz agiler Methoden zu beantworten. Ebenso fehlen Daten
zum Zusammenhang zwischen dem Einsatz kombinierter Softwareprozesse und der Firmengröße oder
dem Industriezweig des Unternehmens, in dem ein Softwareprojekt stattfindet.
Auf der Grundlage von [11] wurde daher die HELENA-Studie entworfen [1]. HELENA steht für „Hybrid
dEveLopmENt Approaches in software systems development“ und widmet sich der Untersuchung der in
der industriellen Praxis eingesetzten hybriden Softwareentwicklungsansätze. Nach [2] definieren wir den
Begriff Hybrider Softwareentwicklungsansatz als Kombination von agilen und traditionellen (plangetrie-
benen) Ansätzen, die eine Entwicklungsorganisation nach eigenen Bedürfnissen anpasst. Vereinfacht aus-
gedrückt wird beispielsweise eine traditionelle Vorgehensweise um agile Elemente, z.B. im Bereich der
Qualitätssicherung, angereichert um spezifische Rahmenbedingungen des Projekts zu erfüllen. Dies kön-
PM-Aktuell HELENA 1 Seite 2
nen Anforderungen im Unternehmen oder behördliche Auflagen sein. Ziel der HELENA-Studie ist es,
Daten darüber zu sammeln, welche Entwicklungsansätze in der Praxis eingesetzt werden, welche Ent-
wicklungsansätze sich praktisch bewährt haben und wie sie in firmen- und projektspezifischen Entwick-
lungsansätzen kombiniert werden. Somit entsteht einer Hilfestellung, Entwicklungsansätze auf einer empi-
rischen Grundlage auszuwählen und zu kombinieren. Weiterhin sollen Faktoren identifiziert werden, die
die Entwicklung hybrider Softwareentwicklungsansätze beeinflussen. Außerdem soll der Frage nachge-
gangen werden, welche Probleme in der Software- und Systementwicklung durch den Einsatz hybrider
Softwareentwicklungsansätze gelöst werden können.
Dieser Artikel fasst die Zwischenergebnisse der ersten Stufe der HELENA-Studie, basierend auf den
Antworten einer in Europa durchgeführten Onlineumfrage [2] zusammen, und gibt einen Überblick über
aktuell laufende Aktivitäten des HELENA-Projekts. Die bisher gesammelten Daten zeigen, dass die Kom-
bination von unterschiedlichen Methoden und Praktiken in Unternehmen aller Größen und unabhängig
von Industriesektoren auftritt. Dabei wurden bislang fünf Kombinationsmuster (Process Patterns) identifi-
ziert, in welchen traditionelle Prozessframeworks wie das V-Modell den Integrationsrahmen für verschie-
dene agile Praktiken bieten und die gleichzeitig auch zeigen, dass auch agile Methoden wie Scrum zu-
nehmend als Integrationsrahmen verwendet werden.
2 Das HELENA-Projekt
Das HELENA-Projekt ist eine großangelegte internationale Studie, an der sich 75 Forscher und Praktiker
aus insgesamt 23 Ländern beteiligen. Im Projekt plant, moderiert und steuert ein Kernteam von 8 For-
schern das Gesamtprojekt, in dem die beteiligten Forscher und Praktiker die Datenerhebung und Auswer-
tung weltweit durchführen
2.1 Anatomie des HELENA-Projekts
Die HELENA-Studie besteht im Kern aus zwei Teilen und kombiniert Onlineumfragen und darauf auf-
bauende Folgestudien (Abbildung 1). Im ersten Teil wurden mit einer Onlineumfrage quantitative Daten
zum praktischen Einsatz der unterschiedlichen Entwicklungsansätze in der Breite gesammelt. Im zweiten
Teil sollen auf dieser Basis eine Reihe gezielter Folgestudien (z.B. Interviews) durchgeführt werden.
Abbildung 1 Grundsätzlicher Aufbau der HELENA-Studie
Der erste Teil der HELENA-Studie wurde zweistufig ausgelegt. Daher handelt es sich insgesamt um einen
dreistufigen Forschungsansatz [1], den wir im Folgenden erläutern:
- Stufe 1 hat zum Ziel, eine initiale Version des Online-Fragebogens zu erstellen, erste qualitative und
quantitative Daten zu sammeln, den Fragebogen zu testen, die Evaluationsinstrumente zu entwickeln
und erste Analysen durchzuführen [1], [2].
Stufe 1:
Forschungsfokus festlegen
Fragebogen entwickeln/testen
Datensammlung Stufe 1
Analyse der Ergebnisse
Stufe 2:
Fragebogen verfeinern/testen
Fragebogen verteilen
Datensammlung Stufe 2
Analyse der Ergebnisse
Stufe 3:
Folgestudien entwerfen
Folgestudien durchführen
Erkenntnisse validieren
Erkenntnisse integrieren
Teil 1: Online-Fragebogen Tei l 2: Inter view s
PM-Aktuell HELENA 1 Seite 3
- Stufe 2 hat zum Ziel, quantitative Daten zu dem Einsatz hybrider Entwicklungsansätze in der Breite
zu sammeln. Hierzu wurde der Online-Fragebogen mit den Erkenntnissen der Stufe 1 verfeinert und
weltweit verteilt. Hier befinden wir uns aktuell (zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels) in der
Phase der Datenanalyse.
- Stufe 3 hat zum Ziel, die verdichteten Erkenntnisse aus Stufe 2 zu validieren. Hierzu sollen unter-
schiedliche Folgestudien durchgeführt werden, z.B. Interviews mit ausgewählten Teilnehmenden zur
Vertiefung ausgewählter Themen oder weitergehende Befragungen zur Verbreiterung der Datenbasis.
2.2 Forschungsmethodik im HELENA-Projekt
Ziel der HELENA-Studie ist es, den aktuellen Stand der Praxis in Bezug auf agile, hybride und traditio-
nelle Entwicklungsansätze zu ermitteln und die Verbreitung unterschiedlicher Methoden zu analysieren
[1], [2]. Darüber hinaus soll untersucht werden, mit welcher Motivation und mit welchen Zielen ausge-
wählte Methoden und Praktiken in den Entwicklungsprozess integriert werden. Grundsätzlich werden
folgende Fragen untersucht:
1. Welche Entwicklungsansätze werden in der Praxis verwendet?
2. Wie werden die unterschiedlichen Entwicklungsansätze miteinander kombiniert?
3. In wie fern beeinflussen Standards die Entwicklung hybrider Entwicklungsansätze?
Dazu wurde eine Umfrage entwickelt, die unter Praktikern aus unterschiedlichen Domänen mit Bezug zur
Softwareentwicklung verteilt wurde. Stufe 1 der HELENA-Studie wurde im Zeitraum Mai bis Juni 2016
vornehmlich in Europa durchgeführt. Zum Einsatz kam ein Online-Fragebogen mit bis zu 25 Fragen aus 5
Fragengruppen:
1. Demographie (max. 7 Fragen) Diese Fragengruppe dient der Charakterisierung der Umfrageteil-
nehmer.
2. Verwendete Prozesse (max. 7 Fragen) Diese Fragengruppe dienen der Ermittlung der verwendeten
Entwicklungsansätze und untersucht die Implementierung agiler und traditioneller Entwicklungsan-
sätze in den unterschiedlichen Disziplinen des Software Engineerings (z.B. Projektmanagement, Im-
plementierung, Test). Ferner dient diese Fragengruppe der Ermittlung, wie ein konkreter hybrider
Entwicklungsansatz entwickelt wurde.
3. Verwendete Prozesse und Standards (max. 4 Fragen) Diese Fragengruppe dient der Ermittlung ob
und welche externe Normen und Standards für das entsprechende Unternehmen relevant sind, etwa für
die Entwicklung sicherheitskritischer Systeme.
4. Verwendete Prozesse und Prozessverbesserung (max. 4 Fragen) Diese Fragengruppe dient der Er-
mittlung wie ein hybrider Entwicklungsansatz in das organisatorische Prozessökosystem eingebunden
ist, also ob etwa ein strukturiertes Prozessverbesserungsprogramm für die Entwicklung des hybriden
Entwicklungsansatzes verwendet wurde.
5. Erfahrungen (max. 3 Fragen) – Diese Fragengruppe dient der Sammlung von Erfahrungen und der
Sammlung von Problemen und Herausforderungen bei der Entwicklung/Umsetzung von hybriden
Entwicklungsansätzen.
Die Anzahl der Fragen hing zum Teil von vorherigen Antworten ab und variierte deshalb. Insgesamt be-
antworteten 69 Teilnehmer der Onlineumfrage den Fragebogen vollständig. Für die Datenanalyse und die
Auswertung kamen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Deskriptive Statistik wurde verwendet, um die
Ergebnisse als Ganzes zu erfassen. Für die Analyse von Methoden-Clustern und zur Ableitung von Pro-
cess Patterns wurden statistische Clustering-Verfahren (Affinity Propagation Clustering und Spectral
Clustering) verwendet und für Hypothesentests wurde Pearson’s c2 angewendet.
2.3 Vergleichbare Studien
Die HELENA-Studie hat sich aus unterschiedlichen Vorarbeiten, z.B. [11], heraus entwickelt. Gleichzei-
tig gibt es eine Anzahl an Studien, die über die Jahre den Einsatz und die Kombination unterschiedlicher
Entwicklungsansätze untersucht haben. Bereits 2003 haben Cusumano et al. [12] insgesamt 104 Projekte
untersucht und dabei festgestellt, dass viele Projekte unterschiedliche Entwicklungsansätze kombinieren.
PM-Aktuell HELENA 1 Seite 4
Die Studie von Jones [13], die auf ca. 12.000 Projekten basiert, zeigt ähnliche Ergebnisse. Die Studie von
Neill and Laplante [15] hat gezeigt, dass circa 35% der Teilnehmer das Wasserfallmodell nutzen, aber
auch dass evolutionär/inkrementelle Ansätze in bestimmten Projektphasen verwendet werden. Seit 2005
zeigen mehrere in Deutschland durchgeführte Studien [11] unabhängig voneinander, dass unterschiedliche
Methoden und Techniken miteinander kombiniert werden. In 2015 haben Vijayasarathy und Butler [14]
und Garousi et. al. [16] gezeigt, dass klassische Ansätze wie das Wasserfallmodell verstärkt mit agilen
Ansätzen kombiniert werden.
Auch zu erwähnen sind die langlaufenden Studien wie der „State of Agile Report“ von VersionOne
1
und
die Studie „Status Quo Agile“ der Hochschule Koblenz
2
. Diese Studien sind jedoch nicht mit der HELE-
NA-Studie vergleichbar, da sie einen klaren Fokus auf die Nutzung agiler Methoden legen, während die
HELENA-Studie, ausgehend vom „Water-Scrum-Fall“-Prinzip, wertungsfrei nach allgemeinen Mustern
der Prozesskombination und deren Nutzung sucht, ohne auf ein bestimmtes Entwicklungsparadigma im
Besonderen einzugehen.
3 Bisherige Ergebnisse
In diesem Abschnitt geben wir einen Überblick über die Ergebnisse, die in der ersten Stufe der HELENA-
Studie erarbeitet wurden. Im Anschluss geben wir einen Einblick in die Zwischenergebnisse aus der zwei-
ten Stufe, welche im Rahmen des 2. HELENA-Workshops, der im November 2017 in Innsbruck durchge-
führt wurde [3], präsentiert wurden.
3.1 Ausgewählte Ergebnisse aus Stufe 1
In der ersten Stufe der HELENA-Studie wurden die eingesetzten Entwicklungsansätze quantitativ erfasst.
Die Teilnehmer konnten alle in ihren Projekten eingesetzten Entwicklungsansätze aus einer Liste von 40
Methoden und Praktiken auswählen, und weitere hinzufügen. Die Abbildung 2 (entnommen aus [2]) zeigt
wie häufig die einzelnen Entwicklungsansätze von den Teilnehmern eingesetzt werden. Schon hier ist
erkennbar, dass die Teilnehmer in der Regel mehr als nur einen Entwicklungsansatz verwenden, d.h. sie
kombinieren unterschiedliche Methoden und Praktiken.
1
Online: http://stateofagile.versionone.com/
2
Online: https://www.hs-koblenz.de/en/rmc/fachbereiche/economics/forschung-projekte-
weiterbildung/forschungsprojekte/status-quo-agile-201617-en/
PM-Aktuell HELENA 1 Seite 5
Abbildung 2 Überblick über die praktische Anwendung der unterschiedlichen Entwicklungsansätze. „M“ steht für Me-
thoden, „P“ steht für einzelne Entwicklungspraktiken.
Eine Selbstevaluation der Teilnehmer hinsichtlich der Umsetzung der unterschiedlichen Aufgaben in ei-
nem Projekt hat gezeigt, dass die meisten Teilnehmer ein ausbalanciertes Vorgehen hinsichtlich traditio-
neller und agiler Elemente anstreben. Abbildung 3 (entnommen aus [2]) illustriert dies anhand der Kern-
disziplinen des Software Engineering Body of Knowledge (SWEBoK; [18]). Die Umfragedaten zeigen,
dass alle Unternehmen – unabhängig von der Unternehmensgröße – ein ausbalanciertes Vorgehen anstre-
ben, wobei bestimmte Aufgaben in Projekten (erwartungsgemäß) eher traditionell durchgeführt werden,
etwa das Risikomanagement während andere Disziplinen eher agil umgesetzt werden, insbesondere Auf-
gaben aus den Disziplinen Implementierung, Codierung, Test und Integration.
69,6%
66,7%
63,8%
59,4%
55,1%
53,6%
47,8%
47,8%
44,9%
43,5%
43,5%
40,6%
39,1%
36,2%
34,8%
27,5%
27,5%
27,5%
23,2%
23,2%
23,2%
20,3%
20,3%
18,8%
15,9%
14,5%
13,0%
10,1%
10,1%
10,1%
5,8%
5,8%
4,3%
1,4%
1,4%
1,4%
0,0%
0,0%
0,0%
4,3%
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80%
Code Review (P)
Coding Sta ndar ds ( P)
Continu ous Int egr ati on (P )
Unit Te st ing ( P)
Iterative Development (M)
Scrum (M)
Daily Sta ndup s (P )
Release Pl anni ng (P )
Iteration Planning (P)
Def inition of Do ne (P)
Continu ous Deplo ymen t (P)
Ret ros pec tive s (P )
Prototyping (M)
Wat erf all/P has e Mode l (M)
Collect iv e Code Own ers hip ( P)
Expert-/Team-based Estim. (P)
Pair Programming (P)
Dev Ops (M)
Formal Spe cif ic ati on (P )
Kanban (M)
Agile Portfolio Management (APM) (M)
V-Model De riv ate (s) (M)
Digit al Task B oard (P)
Tes t -Dri ven Deve lopme nt (TDD) ( P)
Lean Development (M)
Behavior-driven Devel. (BDD) (M)
Def inition of Re ady (P )
Extreme Programming (M)
Formal Es tima tio n (P)
On-Site Customer (P)
Scaled Agile Framework (SAFe) (M)
Feature -Dri ven Dev el. (FDD) ( M)
Large-Scale Scrum (LeSS) (M)
RUP (cus tom v ari ant ) (M)
Spiral Model (M)
Cry st al Family (M)
Dis cipline d Agi le Deliv ery (DAD) (M)
RUP (sta ndar d ve rsi on) ( M)
Other
PM-Aktuell HELENA 1 Seite 6
Abbildung 3 Umsetzung der unterschiedlichen Projektdisziplinen (nach SWEBoK) aufgeschlüsselt nach Unterneh-
mensgröße. Die Skala reichte von 1=“Disziplin wird vollständig traditionell implementiert“ bis 5=“Disziplin wird voll-
ständig agil implementiert“.
Anhand der ausgewählten Entwicklungsansätze und den jeweiligen demographischen Daten wurde unter-
sucht, ob es Abweichungen im Hinblick auf die Nutzung von Methoden und Praktiken gibt. Abbildung 4
(entnommen aus [17]) zeigt eine aggregierte Darstellung der Mittelwerte der Nutzung der unterschiedli-
chen Entwicklungsansätze. Unternehmen setzen unabhängig von der Größe des Unternehmens und vom
Industriesektor hybride Entwicklungsansätze ein.
3
Die Abweichungen von den in Abbildung 4 gezeigten
Mittelwerten bewegt sich hierbei im unteren einstelligen Prozentbereich, sodass hier ein grundsätzliches
Muster angenommen werden kann.
Abbildung 4 Anwendung der unterschiedlichen Klassen von Entwicklungsansätzen nach Unternehmensgröße und
Industriesektor.
Auf der Grundlage der Antworten wurde bezüglich Anwendung und Kombination der unterschiedlichen
Entwicklungsansätze eine Koinzidenzmatrix erstellt, welche die Kombinationen präziser beschreibt. Aus
3
Für eine detaillierte Darstellung der einzelnen Datenpunkte sei an dieser Stelle auf [17] verwiesen. Für die statisti-
schen Tests zu diesen Fragen verweisen wir auf [2].
Projec t Management
Quality Management
Risk Management
Configuration Management
Change Management
Requirements Engineering
Arc hitec ture and Design
Implementation/Coding
Integration and Tes ting
Transition and Operation
Maintenance and Evolution
1 2 3 4 5
Micro Small Medium Large Very Large
5,2%
5,5%
16,9%
16,0%
9,0%
9,1%
4,2%
3,3%
41,5%
40,0%
23,8%
25,7%
0,7%
0,8%
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
Industry Sector
Company Size
Method:Trad itional Method:Agile Method:Both Prac tice :Tr aditional Prac tic e:Agile Pr act ice:Bo th Other
PM-Aktuell HELENA 1 Seite 7
dieser Matrix konnten fünf Cluster abgeleitet werden [2], die zwei wesentliche Ausprägungen haben: In
der ersten Ausprägung werden traditionelle Vorgehensmodelle mit agilen Methoden und Praktiken kom-
biniert, wobei das „klassische“ Vorgehen in der Regel den organisatorischen Rahmen bildet und die agilen
Elemente die täglichen Arbeitsroutinen abbilden. In der zweiten Ausprägung dienen agile Methoden wie
Scrum oder Skalierungsframeworks wie SAFe (Scaled Agile Framework) als Integrationsmittel, d.h. agile
Methoden und Praktiken werden miteinander kombiniert.
Abschließend wurden die Teilnehmer befragt, wie die aktuellen Entwicklungsansätze entstanden sind
(mehrere nicht-exklusive Auswahloptionen). Hier gaben ca. 84% der Teilnehmer an, dass die hybriden
Entwicklungsansätze über die Zeit und evolutionär aus Erfahrungen zurückliegender Projekte entstanden
sind. Eine geplante und gesteuerte Entwicklung dieser Entwicklungsansätze haben lediglich ca. 20% der
Teilnehmer angegeben. Es ist insbesondere auffällig, dass ca. 54% konkrete Entwicklungsansätze im Pro-
jekt nach Bedarf auswählen, wobei 25% der Befragten angeben, dass die Auswahl von Kundenanforde-
rungen beeinflusst wird.
3.2 Zwischenergebnisse aus Stufe 2
Im Rahmen des 2. HELENA-Workshops [3] wurden vorläufige Ergebnisse aus der zweiten Stufe der Stu-
die (Basis: 501 Datensätze; Stand: 15. August 2017) vorgestellt. Dabei gaben ca. 75% der Teilnehmenden
an, dass sie unterschiedliche Entwicklungsansätze kombinieren.
Tell et al. [4] präsentieren vorläufige Ergebnisse aus Dänemark basierend auf 22 Datensätzen. Dabei zeig-
te sich, ebenso wie in [3], eine deutliche Tendenz in Richtung agiler Ansätze (ca. 63%), die nicht von der
Unternehmensgröße und dem Industriesektor abhängt. Jedoch sind vor allem im Automobilsektor traditio-
nelle Methoden verbreiteter. Teams mit weniger als 10 Angestellten scheinen ebenso „weniger agil“ zu
arbeiten.
Scott et al. [5] präsentierten vorläufige Ergebnisse aus Estland und verglichen diese mit Ergebnissen aus
Schweden und weltweit. Basierend auf 12 Datensätzen aus Estland (Stand: 20. Juni 2017) konnte eine
deutliche Präferenz von wenigen agilen Frameworks ermittelt werden. Dabei wird Scrum in 58% aller
Fälle genutzt, wobei zu berücksichtigen ist, dass nur drei Frameworks (Scrum, Wasserfallmodell und eXt-
reme Programming) allen Teilnehmenden bekannt waren. Auch in Schweden ist Scrum weit verbreitet,
wurde jedoch nur in 8% der Fälle immer verwendet. Neben Scrum sind auch Iterative Development, Kan-
ban und das Wasserfallmodell weit verbreitet. Extreme Programming hingegen wurde in 46% der Fälle
„kaum” oder „selten” genutzt und niemals „meistens” oder „immer”. Von den Praktiken und Methoden
fanden Coding Standards und Code Reviews in beiden Ländern die größte Anwendung.
Nakatumba-Nabende et al. [6] liefern einen Überblick über vorläufige Ergebnisse aus Schweden und
Uganda. Dabei lag der Fokus auf der Identifikation der am wenigsten bekannten und der am weitesten
verbreiteten Prozessmodelle in beiden Ländern. Es stellte sich heraus, dass Crystal in beiden Ländern
entweder unbekannt ist oder sich nicht etabliert hat. DSDM (früher die Abkürzung für: Dynamic Systems
Development Method) hingegen ist in Schweden recht unbekannt bzw. nicht etabliert, wird aber in Ugan-
da vielfach genutzt. Bei Kanban zeigte sich das entgegengesetzte Bild: In Uganda ist es nicht verbreitet, in
Schweden wird es hingegen vielfach angewendet.
Klünder et al. [7] stellten vorläufige Ergebnisse für deutsche Organisationen vor. Basierend auf 95 Da-
tensätzen zeigte sich, dass die meisten Unternehmen mit mehr als 2500 Angestellten agile und traditionel-
le Ansätze kombinieren, um häufigere Auslieferungen zu ermöglichen (64%), um die Flexibilität (64%)
oder die Produktivität (64%) zu erhöhen. Kleine Unternehmen wollen in erster Linie die Zufriedenheit der
Angestellten erhöhen (81%). Sehr kleine Unternehmen mit weniger als 10 Angestellten streben eine höhe-
re Produktivität (57%) und eine höhere Produktqualität (57%) an.
Paez et al. [8] werteten 53 Datenpunkte aus Argentinien aus. Dabei bezogen sich mehr als 40% der Daten-
punkte auf mittlere Unternehmen. Es stellte sich heraus, dass die meisten genutzten Praktiken (u.a. Back-
PM-Aktuell HELENA 1 Seite 8
log-Management, Coding-Standards, Iterations-/Sprint-Reviews) auf Methoden von Scrum, XP und
Crystal zurückzuführen sind.
Felderer et al. [9] fassten vorläufige Ergebnisse basierend auf 22 Datenpunkten aus Österreich zusammen.
Dabei bot sich ein nahezu ausgeglichenes Bild zwischen agilen und traditionellen Best-Practices. Iterative
Development und Scrum sind in Österreich am weitesten verbreitet. Kanban, Wasserfallmodell und das V-
Modell sind ebenso etabliert. Viele andere Prozessmodelle sind hingegen unbekannt oder werden nur sel-
ten genutzt.
4 Zusammenfassung und Ausblick
Bislang zeichnen die bereits analysierten und die sich aktuell in der Analyse befindlichen Daten der Stufen
1 und 2 der HELENA-Studie ein deutliches Bild: Die Aussage von West et al. [10], dass hybride Entwick-
lungsansätze (aka „Water-Scrum-Fall“) die Norm für die Software- und Systementwicklung werden, kann
bestätigt werden. Bereits in der ersten Stufe der HELENA-Studie konnte dies gezeigt werden, und es
konnten vielfältige, zumeist organisatorische, Einflussfaktoren identifiziert werden. Beachtenswert sind
insbesondere die Indikatoren, die darauf hinweisen, dass solche hybriden Entwicklungsansätze nicht ge-
plant entstehen, sondern in der Regel Ergebnis eines evolutionären Arbeits- und Lernprozesses sind.
Ein grundsätzliches Bild zeichnet sich auch in der Nutzung der unterschiedlichen Entwicklungsansätze ab:
Agilität hat sich im Mainstream etabliert, jedoch gehen Unternehmen die teilweise stark „gehypte“ Agile
Transformation sehr viel nüchterner an als erwartet. Tatsächlich scheinen Unternehmen bemüht, ein aus-
balanciertes Vorgehen für die Software- und Systementwicklung zu implementieren, welches sowohl or-
ganisatorische Schnittstellen anbietet, und damit den Anforderungen des klassischen Projektmanagements
oder der Zertifizierung von Produkten Rechnung trägt, gleichzeitig aber auch große Freiheitsgrade für die
Projektteams beinhaltet. In diesem Sinne lassen die bisherigen Ergebnisse aus der HELENA-Studie darauf
schließen, dass sich Agilität zunehmend vom „Entwicklungsparadigma“ zu einer Kulturfrage für Unter-
nehmen und Projektteams wandelt und dass aus Sicht des Softwareentwicklungsprozesses eher wieder der
Pragmatismus Einzug hält. Am besten lässt sich dies illustrieren durch eine Antwort auf die Frage Wa-
rum setzen Sie diese Prozesskombination ein?“, in welcher ein Teilnehmer lediglich angab. Es ist das,
was funktioniert.
Die hier berichteten Ergebnisse der ersten Stufe der HELENA-Studie sowie die Einblicke in erste Daten
der zweiten Stufe bilden nur einen kleinen Ausschnitt ab. Aktuell zum Zeitpunkt der Erstellung dieses
Artikels (Juni 2018) werden die vollständigen Daten der zweiten Stufe analysiert. Mit ersten Ergebnissen
ist im Rahmen des 3. HELENA Workshops
4
zu rechnen, welcher am 28. November 2018 angegliedert an
die Konferenz „PROFES 2018“
5
in Wolfsburg stattfinden wird.
Weitere und kontinuierliche Informationen zur HELENA-Studie sind über folgende Kanäle erhältlich:
- Projektwebseite: https://helenastudy.wordpress.com/
- Forschungsergebnisse: https://www.researchgate.net/project/HELENA-SURVEY-Hybrid-
dEveLopmENt-Approaches-in-software-systems-development
- Twitter: @helena_survey
4
Online: https://helenastudy.wordpress.com/helena-results/3rd-helena-workshop-november-28-2018/
5
Online: https://profes2018.wordpress.com/
PM-Aktuell HELENA 1 Seite 9
5 Referenzen
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Cham, 2017, pp. 435-442.
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PM-Aktuell HELENA 1 Seite 10
6 Autoren
Dr. Oliver Linssen war Software-Entwickler, Berater, Projektleiter und 12 Jahre Geschäftsführer eines
Dienstleisters im Bereich Software-Entwicklung. Heute gibt er sein Wissen als Professor für Wirt-
schaftsinformatik und in Seminaren weiter. Er ist Sprecher der Fachgruppe IT-Projektmanagement der
GPM.
Anschrift: FOM Hochschule für Oekonomie & Management, Hochschulstudienzentrum Düsseldorf,
Toulouser Allee 53, 40211 Düsseldorf, oliver.linssen@fom.de.
Dr. habil. Marco Kuhrmann ist Privatdozent an der TU Clausthal und einer der Geschäftsführer am
Institute for Applied Software Systems Engineering der TU Clausthal. Er forscht zur Methodik der Pro-
gramm- und Systementwicklung und erarbeitet in enger Kooperation mit der Industrie agile Software- und
Systementwicklungsmodelle in regulierten Umfeldern.
Anschrift: Technische Universität Clausthal – Institute for Applied Software Systems Engineering,
Wallstr. 6, 38640 Goslar, kuhrmann@acm.org.
Jil Klünder ist Promotionsstudentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Software Engine-
ering der Leibniz Universität Hannover. Ihre Forschungsthemen sind agile und hybride Softwareentwick-
lung, Informationsflussanalyse und soziale Aspekte des Entwicklungsprozesses.
Anschrift: Leibniz Universität Hannover, FG Software Engineering, Welfengarten 1, 30167 Hannover,
jil.kluender@inf.uni-hannover.de.
Dr. Michael Felderer ist Professor im Bereich Software Engineering an der Universität Innsbruck sowie
Gastprofessor am Blekinge Institute of Technolgy in Schweden. Er forscht in enger Kooperation mit Fir-
men und gibt sein Know-How auch als regelmäßiger Sprecher auf Praktikerkonferenzen und als Berater
weiter.
Anschrift: Universität Innsbruck, Institut für Informatik, Technikerstrasse 21a, 6020 Innsbruck, Öster-
reich, michael.felderer@uibk.ac.at.
Dr. Eckhart Hanser ist Professor für Software-Engineering an der Dualen Hochschule Baden-
Württemberg (DHBW) in Lörrach. Er ist Leiter des Studienzentrums IT-Management & Informatik (SZI)
der DHBW und Gründer und Leiter des Kompetenzzentrums für agile IT-Prozesse (KAP). Er ist Sprecher
der Fachgruppe Vorgehensmodelle der GI.
Anschrift: Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach, Hangstr. 46-50, 79539 Lörrach, han-
ser@dhbw-loerrach.de.
Dr. Masud Fazal-Baqaie ist Gruppenleiter beim Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik
und stellv. Sprecher der Fachgruppe Vorgehensmodelle der GI. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen
bedarfsgerechte und agile Softwareentwicklungsmethoden für software-intensive Systeme sowie Security-
by-Design.
Anschrift: Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM, Abteilung Softwaretechnik und IT-
Sicherheit, Zukunftsmeile 1, 33102 Paderborn, masud.fazal-baqaie@iem.fraunhofer.de.
... stitute (PMI) (2017), PMBOK Guide, S. 58; Whitaker, S. (2014), The Benefits of Tailoring, S. 4; Brinkkemper, S. (1996), Method engineering, S. 276. 485 Vgl. Kurtz, J. et al. (2018), Auswirkungen, S. 73; Faßbinder, P. (2012), How can you be Agile, S. 118; Brehm, L. et al. (2017), Konfiguration, S. 31. 486 Vgl. Diels, F. (2018), Indikatoren, S. 93f.;Linssen, O. et al. (2018), Jenseits des Hypes, S. 55.487 Vgl.Ahmed-Kristensen, S. et al. (2015), Pioneering, S. 7;Brehm, L. et al. (2017), Konfiguration, S. 31.488 Vgl.Aldushyna, A. et al. (2015), Erfolgsfaktoren, S. 40f.;Brehm, L. et al. (2017), Konfiguration, S. 31.489 Vgl. Boehm, B. W. et al. (2003), Using Risk, S. 58;Keith, M. et al. (2014), Service-Oriented ...
... .Ahmed-Kristensen, S. et al. (2015), Pioneering, S. 1;Diels, F. (2018), Indikatoren, S. 64;, Hybrid software, S. 37f.;Seel, C. et al. (2017), Ein adaptives Vorgehensmodell, S. 20;Kuhrmann, M. et al. (2019), Hybrid Software Development, S. 26;Linssen, O. et al. (2018), Jenseits des Hypes, S. 55.543 Vgl., Hybrid approach, S. 1174.544 Vgl. ...
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Die Dynamik heutiger Käufermärkte bedingt eine zunehmend agile Produktentwicklung, welche in einer hohen Komplexität und neuen Herausforderungen für die Montageplanung als nachgelagerte Disziplin resultiert. Bestehende Montageplanungsvorgehen sind zu starr und unflexibel, um adäquat auf die Anforderungen der agilen Produktentwicklung und die Dynamik des Marktumfelds zu reagieren. Insbesondere die hohe und weiter zunehmende Komplexität in der Montageplanung führt zur regelmäßigen Verfehlung gesetzter Planungsziele und zu insuffizienten Planungsergebnissen. Diese Problemstellung wird zusätzlich durch die gesteigerte Frequenz von Montageplanungsprojekten verstärkt. Die Komplexität als kritischer Faktor für den Planungserfolg erfährt in herkömmlichen Planungsansätzen keine explizite Berücksichtigung. Entsprechend erfolgt auch die Auswahl von Planungsmethoden ohne Beachtung der Komplexität, was einen weitgehend ungezielten Methodeneinsatz in der Montageplanung zur Folge hat. Folglich werden auch die spezifischen Potenziale der verfügbaren Planungsmethoden zur Beherrschung der Komplexität nicht genutzt. Ein großes Potenzial zur umfassenden Komplexitätsbeherrschung und damit zur Optimierung der Planungsergebnisse besitzen hybride Planungsvorgehen, in welchen die spezifischen Vorteile plangetriebener und agiler Methoden zielgerichtet kombiniert werden. Zur Adressierung der genannten Herausforderungen und zur Optimierung der Planungsergebnisse in der Montageplanung wird in dieser Arbeit ein Modell zur systematischen Bestimmung der dominanten Planungsmethoden für einzelne Planungsumfänge entwickelt. Die zur Beherrschung der Planungskomplexität dominanten Methoden werden anschließend in einem hybriden Montageplanungsvorgehen kombiniert. Zur Bestimmung der dominanten Planungsmethoden erfolgt der Abgleich der zu beherrschenden Planungskomplexität mit den Potenzialen der verfügbaren Planungsmethoden zur Komplexitätsbeherrschung. Die zu beherrschende Planungskomplexität wird durch den Komplexitätsbedarf einzelner Planungsumfänge beschrieben. Zur objektiven Operationalisierung und Messung des Komplexitätsbedarfs wird ein spezifisches Komplexitätsmaß entwickelt, welches die relevanten Komplexitätsfaktoren beinhaltet und diese mathematisch erfasst. Die Herleitung der Komplexitätspotenziale basiert auf den konstituierenden Eigenschaften plangetriebener und agiler Planungsmethoden, deren Einfluss auf die verschiedenen Dimensionen der Komplexität untersucht wird. Der Abgleich von Komplexitätsbedarfen und Komplexitätspotenzialen zur Bestimmung der dominanten Planungsmethoden erfolgt schließlich in der zentralen Entscheidungssystematik des Modells der hybriden Montageplanung. Mit dem in dieser Arbeit entwickelten Modell soll die Montageplanung in der industriellen Praxis zur suffizienten Beherrschung von Planungskomplexität und zur Optimierung von Planungsergebnissen befähigt werden. The dynamics of today's buyer markets require increasing agility in product development, which results in high complexity and new challenges for assembly planning as a downstream discipline. Existing assembly planning procedures are too rigid and inflexible to react adequately to the requirements of agile product development and the dynamics of the market environment. In particular, the high and increasing complexity in assembly planning leads to the regular non-achievement of planning goals and to insufficient planning results. This problem is aggravated by the increasing frequency of assembly planning projects. Complexity as a critical success factor is not considered explicitly in conventional planning approaches. Accordingly, planning methods are selected without taking complexity into account, which results in the largely untargeted use of methods in assembly planning. Consequently, the specific potentials of planning methods for the mastery of complexity remain unexploited. Hybrid planning procedures combining the specific advantages of plan-driven and agile methods in a targeted manner have great potential for comprehensively mastering complexity and thus for optimizing planning results. To address the aforementioned challenges and to optimize planning results in assembly planning, a model for the systematic determination of dominant planning methods for individual planning scopes is developed in this work. The dominant methods are then combined within hybrid assembly planning procedures for the mastery of planning complexity. To determine dominant planning methods, the planning complexity to be mastered is compared with the potentials of available planning methods. The planning complexity to be mastered is described by the complexity requirements of individual planning scopes. To objectively operationalize and measure complexity requirements, a specific complexity measure is developed, which comprises and mathematically describes the relevant complexity factors. The derivation of complexity potentials is based on the constituent properties of plan-driven and agile planning methods, whose influence on the various dimensions of complexity is examined. The comparison of complexity requirements and complexity potentials is finally executed within the central decision model for determining dominant planning methods. The hybrid assembly planning model developed in this thesis is intended to enable assembly planning in the industrial practice to adequately master planning complexity and to optimize planning results.
Conference Paper
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The way how software is developed in industry has considerably changed with the advent of the agile development paradigm about 20 years ago. The HELENA initiative tries to investigate the current state of practice in software and system development. This paper reports about initial results of an online survey that was conducted in 26 countries simultaneously, focusing on results from Estonia and comparing these results with results from Sweden as well as with the joint results from all participating countries worldwide.
Conference Paper
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The application of software process models in industry includes traditional processes, agile processes, and process variants that aim at balancing traditional and agile with focus on specific industry needs. To investigate the characteristics of such hybrid software and system development approaches that combine agile and traditional approaches the HELENA project was initiated. HELENA is based on a large international survey. Based on the first HELENA survey, conducted in 2016, in 2017 a second round of surveys has been launched. This paper focuses on initial results and discussions of the data from Austria where 22 persons participated. Results showed a good balance of small and medium enterprises and large organizations. Iterative development processes and Scrum are widely spread in these organizations where traditional approaches are often combined with some agile practices.
Conference Paper
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Since the early days of software engineering, a number of methods, processes, and practices to design and develop software systems have been proposed and applied in industry, e.g., the Rational Unified Process, Agile Software Development, etc. However, since no silver bullet exists, organizations use rich combinations of agile and/or traditional methods and practices, rather than following a single process by the book. To investigate this reality, an international exploratory multistage research project named HELENA (Hybrid DEveLopmENt Approaches in software systems development) was initiated. Currently, the HELENA survey is conducted globally (second stage of HELENA project). This short paper presents and discusses the results of the survey in Danmark compared to the global results based on the data from August 15, 2017.
Conference Paper
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Many organizations are adapting the use of hybrid software development approaches by combining traditional methods with flexible agile practices. This paper presents the initial results from the survey on the use of hybrid software and systems approaches. The results are from twenty one respondents from Sweden and Uganda. Our results show that the iterative model is the most widely used process model in both Sweden and Uganda. However, the traditional process models are also used in combination with the more agile models like Scrum. From the results, we also show that the large sized companies face the biggest problems during implementation of agility since they have to adhere to standards and control measures.
Conference Paper
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Many software development teams face the problem of selecting a suitable development approach fitting to their specific context. According to them, the combination of agile and traditional approaches seems to be the solution to handle this problem. However, the current state of practice with respect to hybrid approaches is not suciently examined. Most studies focus either on traditional or on agile methods, but the combination of both is not well investigated yet. The " Hybrid dEveLopmENt Approaches in software systems development " (HELENA) study performs a large-scale international survey in order to gain insights into the distribution of hybrid approaches. So far, the study indicates several reasons why companies combine agile and traditional approaches. The hybrid approaches aim at improving the frequency of delivery to customers, the adaptability and the flexibility of the process to react to change. Furthermore, it is the aim to increase the productivity. In this publication, we present the current state of the German results and outline the next steps.
Article
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Agile and traditional development approaches are used in combination in today’s software development. To improve the understanding and to provide better guidance for selecting appropriate development approaches, it is important to analyze such combinations in practice. Results obtained from an online survey strongly confirm that hybrid development approaches are widely used in industry. Our results show that hybrid development approaches: (i) have become reality for nearly all companies; (ii) are applied to specific projects even in the presence of company-wide policies for process usage; (iii) are neither planned nor designed but emerge from the evolution of different work practices; and, (iv) are consistently used regardless of company size or industry sector.
Conference Paper
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Software and system development faces numerous challenges of rapidly changing markets. To address such challenges, companies and projects design and adopt specific development approaches by combining well-structured comprehensive methods and flexible agile practices. Yet, the number of methods and practices is large, and available studies argue that the actual process composition is carried out in a fairly ad-hoc manner. The present paper reports on a survey on hybrid software development approaches. We study which approaches are used in practice, how different approaches are combined, and what contextual factors influence the use and combination of hybrid software development approaches. Our results from 69 study participants show a variety of development approaches used and combined in practice. We show that most combinations follow a pattern in which a traditional process model serves as framework in which several fine-grained (agile) practices are plugged in. We further show that hybrid software development approaches are independent from the company size and external triggers. We conclude that such approaches are the results of a natural process evolution, which is mainly driven by experience, learning, and pragmatism.
Conference Paper
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A software process is the game plan to organize project teams and run projects. Yet, it still is a challenge to select the appropriate development approach for the respective context. A multitude of development approaches compete for the users’ favor, but there is no silver bullet serving all possible setups. Moreover, recent research as well as experience from practice shows companies utilizing different development approaches to assemble the best-fitting approach for the respective company: a more traditional process provides the basic framework to serve the organization, while project teams embody this framework with more agile (and/or lean) practices to keep their flexibility. The paper at hand provides insights into the HELENA study with which we aim to investigate the use of “Hybrid dEveLopmENt Approaches in software systems development”. We present the survey design and initial findings from the survey’s test runs. Furthermore, we outline the next steps towards the full survey.
Conference Paper
HELENA Survey is a worldwide initiative that aims to investigate the use of hybrid software development approaches ranging from agile to traditional and how they combine. This article presents the initial results and observations on software development practice in Argentina, and briefly discusses two patterns of interest related to software development practice usage.
Article
Organizations have a number of methodological options for software development ranging from traditional to agile approaches. We conducted a survey of project managers and other team members about their use of software development methodologies. Our results indicate that while agile approaches such as agile unified process and scrum are more prevalent than 10 years ago, traditional methodologies including waterfall are still popular. Interestingly, organizations are also adopting multiple methodologies on projects and choosing to follow a hybrid approach to software development. Further, their choice of methodologies is associated with certain project, team and organizational characteristics.