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Abstract and Figures

Im vorliegenden Beitrag wird der Flüchtlingsdiskurs mit besonderem Blick auf transnationale Bezü­ge thematisiert. Die Grundlage dafür bilden deutsche und slowakische Pressetexte. Das Forschungs­interesse gilt dabei den Fragen, a wie die Einstellungen der jeweiligen Gesellschaft gegenüber Flüchtlinge durch die Sprache ausgedrückt werden, b welche Akteure den Diskurs dominieren und c welche Diskurskoalitionen entstehen. Konkrete Analysen werden auf Makro- und Mikroebene durchgeführt. Es werden einerseits zentrale Argumentationsmuster dargestellt, andererseits relevan­te Diskursakteure und deren Vernetzungen.Refugees welcome ? A contrastive discourse network analysis based on the German and Slovak refugee debateIn this paper refugee discourse with a special focus on transnational aspects is being discussed. It is based on German and Slovakian press articles that are made available in the form of text corpora. The research interest lies in the questions of, a how the positions of the respective community against refugees through language can be expressed, b what actors dominate the discourse and c what type of discourse coalitions arise between them. Factual analyzations are carried out at the macro and micro level. On one hand there are some central argumentation patterns demonstrated, on the other hand relevant discourse actors and their network relationships are presented.
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In: Germanica Wratislaviensa 142, Wroclaw 2017, S. 243-262
Attila Mészáros
J.-Selye-Universität, Komárno (Slowakei)
Refugees welcome (?)
Eine kontrastive Diskursnetzwerkanalyse am Beispiel der deutschen und der
slowakischen Einwanderungsdebatte
1. Einführung
Die seit 2015 eskalierende Flüchtlingskrise bedeutet nicht nur für die Kriegsregion um Syrien,
sondern auch für Europa bzw. die Europäische Union (EU) große und neue Herausforderungen.
Betroffen davon wird insbesondere Deutschland, das als Reiseziel der Flüchtlinge nicht nur
entsprechende Maßnahmen für den Empfang und Behandlung von großen Menschenmassen
treffen musste, sondern auch die immer mehr ablehnenden Reaktionen innerhalb der
eigenen Bevölkerung zu bewältigen hat. Die Bundesrepublik tritt gleichzeitig als führende
Kraft der EU auf, d.h. die Bundesregierung versucht, die eigenen Interessen auch auf EU-Ebene
zu verwirklichen und muss dabei den gemeinsamen Willen der Mitgliedstaaten im eigenen
Land, auf Bundesebene umsetzen.
Als ein Gegenteil in mancher Hinsicht gilt die Slowakei. Dieser kleine EU-Staat gilt
weder als Ziel noch als Station für die Flüchtlinge und wird von der Krise daher eher indirekt
betroffen. Trotz diesen Tatsachen war die offizielle slowakische Regierungskommunikation
insbesondere im Laufe des Jahres 2015 durch eine heftige Propaganda gegen Flüchtlinge
charakterisiert, was in doppelter Hinsicht relevant ist. Erstens fanden im März 2016 in der
Slowakei Parlamentswahlen statt, d.h. die „passende“ Kommunikation über Flüchtlinge war für
alle beteiligten Parteien von entscheidender Bedeutung. Zweitens übernahm die Slowakei im
Juni 2016 die Präsidentschaft der EU und somit auch teilweise die Verantwortung für die
Lösung der Flüchtlingskrise. Diese beiden Ereignisse resultierten bereits 2015 sowohl auf
Landes-, als auch auf EU-Ebene in einer Debatte, welche Position die Slowakei nach den
Wahlen gegenüber Flüchtlingen einnehmen sollte und wie diese mit dem grundsätzlich auf
Solidarität und Humanität beruhenden Standpunkt der EU vereinbart werden kann. Es entstand
dadurch ein transnationaler Diskurs, an dem sich Akteure aus unterschiedlichen Ländern
Europas beteiligen und sich zu Themen äußern, die alle Beteiligten betreffen.
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2. Gegenstand und Fragestellung
Der deutsche Einwanderungsdiskurs gilt in der einschlägigen Fachliteratur als bereits
ausführlich erforscht. Die unterschiedlichen Aspekte dieser Debatte werden in erster Linie bei
Böke 1997, 2002; Jung et al. 2000; Niehr und Böke 2000, 2011 beschrieben. Diese
Untersuchungen gehen insbesondere auf die Wortebene ein, weniger Beachtung finden jedoch
Bezüge auf der Argumentationsebene.
Im vorliegenden Beitrag wird der Flüchtlingsdiskurs mit besonderem Blick auf
transnationale Bezüge thematisiert. Die Grundlage dafür bilden deutsche und slowakische
Pressetexte, die für konkrete Analysen in Form von Textkorpora zugänglich gemacht werden.
Das Forschungsinteresse gilt dabei den Fragen:
(a) Wie werden die Einstellungen der jeweiligen Gesellschaft gegenüber Flüchtlingen durch die
Sprache ausgedrückt?
(b) Welche Akteure dominieren den Diskurs?
(c) Welche Diskurskoalitionen entstehen?
Eine besondere Rolle spielen hier die Medien. Die Bevölkerung, insbesondere in der
Slowakei, hat wenig direkten Kontakt zu Migranten. Das Phänomen Flüchtlinge wird daher in
erster Linie über die mediale Berichterstattung rezipiert, wobei das jeweilige Medium darüber
entscheidet, welche Inhalte in welcher Form, mit welcher Absicht vermittelt werden sollen (vgl.
Krämer 2003: 79-81). Das Zielpublikum wird dadurch mit einer bereits filtrierten und evtl. auch
manipulierten Wirklichkeit konfrontiert, was grundsätzlich beeinflusst, welche Themen zum
Teil des Diskurses erhoben werden (vgl. Felder 2013: 171).
3. Methodik
Die folgende Untersuchung stellt einen Ausschnitt eines mehrsprachigen, auf die Analyse des
aktuellen Flüchtlingsdiskurses gerichteten Projektes dar. Den gesetzten Forschungszielen
liegen ein diskurslinguistisch orientierter theoretischer Rahmen und ein praktisches
Instrumentarium zugrunde. Dementsprechend werden hier Diskurse als thematisch
zusammenhängende Aussagekomplexe verstanden, die in Form von Textkorpora für
sprachwissenschaftliche Untersuchungen zugänglich gemacht werden können (zum
Diskursbegriff s. Gardt 2007; Niehr 2014a).
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In der einschlägigen Fachliteratur finden sich bereits einige Ansätze, die als
Ausgangsbasis für diskurslinguistische Analysen dienen können (z.B. Niehr 2014b; Niehr und
Böke 2011; Wengeler 2015; Ziem 2008). Es muss dabei das DIMEAN-Modell von Spitzmüller
und Warnke hervorgehoben werden (vgl. Warnke und Spitzmüller 2008: 3-54), das als Vorbild
für weitere Ansätze verwendet wird (vgl. hierzu Spieß 2008: 245ff; Stein 2012: 17-22). Diesen
ist gemeinsam, dass sie den Diskurs als ein polydimensionales sprachliches Phänomen zu
erschließen versuchen. Die konkreten Analysen beziehen sich dabei auf die Mikroebene
(Schlüsselwörter und Argumentationsmuster) und auf die Makroebene (Akteure), zwischen
denen Beziehungen hergestellt werden. Davon ausgehend wurde für die vorliegende
Untersuchung ein Instrumentarium erarbeitet, das die quantitative und die qualitative
Perspektive kombiniert. Es handelt sich dabei um eine Bündelung von korpuslinguistischen
Verfahren, die Material für Analysen auf der Makroebene (Netzwerke) liefern sollen.
Die Analysen wurden in mehreren Schritten durchgeführt. Erstens wurden anhand der
beiden Teilkorpora Leitbegriffe des jeweiligen Diskurses ermittelt. Diese gelten als Indikatoren
„der diskursiven Praxis“ (vgl. Bubenhofer 2009: 410) und liefern bereits auf der Mikroebene
relevante Ergebnisse über die Einstellungen der Diskursakteure. Hermanns (1995: 82)
betrachtet Wörter als „Vehikel von Gedanken“, in denen die Mentalität einer konkreten
Sprachgemeinschaft zu einem Zeitpunkt Niederschlag findet. Durch die Einbettung von
(Schlüssel)Wörtern in bestimmte Kontexte können Sprachgebrauchsmuster ermittelt werden,
die dem Forscher über den typischen Sprachgebrauch der untersuchten Domäne Aufschluss
geben.
Die auf die Erschließung von Schlüsselwörtern gerichteten Analysen wurden mit Hilfe
der Software LDA Toolkit durchgeführt (vgl. Vogel 2012: 129ff). Aufgrund von
Wortfrequenzanalysen wurden diskursrelevante Wörter ermittelt, die dann mittels KWIC-
Analysen auch einzeln untersucht wurden. Das ermöglichte, neben den auf der sprachlichen
Oberfläche sich konstituierenden Leitbegriffen auch deren vordiskursive Basis, d.h. die
typischen Argumentationsmuster bzw. Topoi zu erschließen. Es sind nämlich gerade diejenigen
Merkmale des jeweiligen Diskurses, die als Bestandteile kollektiven Wissens einer Zeit zu einer
gewissen Domäne den Einblick in Denkweisen und Einstellungen einer Sprachgemeinschaft
ermöglichen und zugleich Ausgangspunkt für Untersuchungen auf höheren Ebenen, u.a. für
eine Akteur-Netzwerk-Analyse bieten.
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Anhand der ermittelten Topoi wurden die Textkorpora erneut analysiert und zwar in
Hinsicht auf konkrete Akteure. Dieser Schritt wurde mit der Software Discourse Network
Analyzer (DNA) durchgeführt (vgl. Schneider et al. 2009: 391-404; Gür-Şeker 2015: 419-426).
Es wurden dabei Aussagen von Akteuren einzeln als Statements markiert und bestimmten
Argumentationsmustern zugeordnet. Somit wurden einerseits die relevanten Akteure ermittelt,
andererseits wurde durch deren Zuordnung zu bestimmten Topoi die Grundlage für
Netzwerkanalysen geschaffen.
4. Datengrundlage
Die beiden Teilkorpora basieren auf Artikeln aus deutschen (Frankfurter Allgemeine Zeitung,
599 Belege) und slowakischen (SME, 533 Belege) überregionalen und meinungsbildenden
Zeitungen. Aufgenommen wurden Pressetexte, die die Flüchtlingsproblematik thematisieren,
d.h. in denen der Wortstamm Flüchtling mindestens einmal vorkommt. Die Untersuchung
beschränkt sich dabei auf die Periode zwischen dem 1.1.2015 und 5.3.2016 (bis zu den
Parlamentswahlen in der Slowakei). Dieser Zeitraum zeichnet sich durch Ereignisse aus, die
hinsichtlich der Flüchtlingskrise eine wichtige Rolle spielen. Die festgelegte Periode ermöglicht
darüber hinaus die Ereignisse in deren globalen Zusammenhängen zu beobachten und somit die
Diskursdynamik zu ermitteln. Gerade im Kontext der aktuellen Flüchtlingsdebatte ist es
nämlich besonders interessant, wie solche Ereignisse wie die Terroranschläge in Paris oder die
Kölner Silvesternacht einen Wandel von Einstellungen bei den Akteuren auslösen und wie sich
diese Veränderungen im Diskurs konstituieren. Im vorliegenden Beitrag werden aus
forschungspraktischen Gründen erst Ergebnisse aus dem Zeitraum zwischen 1/2015 und 7/2015
präsentiert.
5. Empirische Analysen
5.1 Topos: Solidarität/Nutzen
Topoi können als vordiskursive Größen und somit als Grundlage für konkrete
Sprachhandlungen betrachtet werden (vgl. Wengeler 2003: 177-180). Sie liefern Aufschlüsse
über das kollektive Wissen einer Sprachgemeinschaft. Toposanalysen zeigen sich daher gerade
im politischen Sprachgebrauch als besonders effektiv für das Bestreben, in Kontext eingebettete
Leitvokabeln, d.h. Argumentationsmuster zu erfassen.
Beim Flüchtlingsdiskurs handelt es sich um eine Domäne, die ein besonders breites
Spektrum von Meinungen und Äußerungen generiert. Grundsätzlich bewegen sich diese
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zwischen zwei Extremen: zwischen der totalen Ablehnung und der eindeutigen Annahme von
Flüchtlingen. Vor diesem Hintergrund wurde versucht, die im Rahmen der Analysen erfassten
Argumentationsmuster in die Kategorien „pro“, „contra“ bzw. „neutral“ einzuteilen
1
.
Im deutschen Diskurs können der Solidaritäts- und der Nutzen-Topos als die Flüchtlinge
unterstützende Topoi bewertet werden. Beim Solidaritäts-Topos appellieren die Sprecher an
Humanität, Moral und Menschenrechte und fordern eine gerechte Behandlung für
Asylbewerber. Diese Argumentationsmuster finden sich auch im slowakischen Diskurs,
wesentliche Unterschiede zeigen sich jedoch in Hinsicht auf die Akteure sowie auf den Inhalt
der einzelnen Aussagen. Während in der Bundesrepublik die Bundesregierung, die Kirchen
sowie manche Zivilorganisationen grundsätzlich eine positive Einstellung gegenüber
Flüchtlingen einnehmen, sieht man in der Slowakei auf Regierungsebene vielmehr eine
ablehnende Position. Für Solidarität und die aktive Teilnahme des Landes an der Lösung der
Flüchtlingskrise sprechen sich wiederholt der Präsident der Slowakischen Republik und
Vertreter der Opposition sowie einige NGOs aus.
Abb. 1: Die Akteure „Fico” und „Kiska” im slowakischen Flüchtlingdiskurs
1
Vgl. http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ1/migration/toposdef.html, Zugriff am 3.4.2016
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Ersichtlich wird diese Konfrontation zwischen dem slowakischen Ministerpräsidenten und dem
slowakischen Staatsoberhaupt aus Abb. 1. Premierminister Fico spricht sich zwar für Solidarität
aus, diese stellt er jedoch im Rahmen von ausländischen Missionen dar, etwa durch die
Zusammenarbeit in Seenotrettungsoperationen oder durch die Verstärkung von Frontex-
Missionen an den Schengen-Grenzen. Es wird hier jedoch eher gegen die Aufnahme von
Flüchtlingen argumentiert, u.a. durch wiederholte Hinweise auf Sicherheitsrisiken, kulturelle
und religiöse Unterschiede. Beim Präsidenten Kiska sind hingegen die „Pro“-
Argumentationsmuster betont, indem er wiederholt auf Solidarität und Humanität als
moralische Pflicht der (slowakischen) Menschen hinweist.
Im Unterschied zum slowakischen Diskurs werden im deutschen unterstützende
Aussagen nicht nur artikuliert, sondern auch konkrete Maßnahmen getroffen. Dementsprechend
können hier Äußerungen ebenfalls dem Solidaritäts-Topos zugeordnet werden, die die
Anerkennung von Kirchenasyl, die Bereitstellung von finanziellen Mitteln oder angemessene
Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge fordern.
Als „Pro“-Topos gilt neben der Solidarität auch der Nutzen-Topos. Dieser dominiert in
erster Linie den deutschen Diskurs, im slowakischen Korpus finden sich im untersuchten
Zeitraum nur vereinzelt Aussagen, die in der Aufnahme von Flüchtlingen eventuell eine
kulturell-gesellschaftliche Bereicherung des Landes sähen. Die Grundlage für den Nutzen-
Topos bildet das zumindest anfangs verbreitete Argument von deutschen Politikern und
Unternehmern, dass Flüchtlinge für den deutschen Arbeitsmarkt wichtig wären. Deren
Unterstützung wäre demnach doppelt wichtig und nützlich: einerseits, weil davon die
Asylbewerber selbst profitieren könnten und zweitens, weil dadurch billige Arbeitskräfte in
großer Anzahl auf den deutschen Arbeitsmarkt gelangen würden:
Deutschland brauche Einwanderer für den Arbeitsmarkt. (Ingo Kramer, Arbeitgeberpräsident,
FAZ, 3.1.2015)
Derzeit nehme die Bundesagentur für Arbeit an, dass etwa dreißig Prozent der Asylbewerber
im dualen System qualifiziert werden und als Fachkraft arbeiten könnten. (Bilkay Öney,
Integrationsministerin Ba-Wü, FAZ, 3.2.2015)
Obwohl der entsprechende Zeitraum noch nicht verarbeitet ist, weisen einige Belege aus
der zweiten Hälfte von 2015 gerade bei diesem Topos darauf hin, dass der anfängliche
Optimismus nur wenige Früchte trug, d.h. trotz hoher Erwartungen erwiesen sich nur sehr
wenige Asylbewerber als gebildete Fachleute, die für eine Anstellung auf dem deutschen Markt
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tauglich wären
2
. Befürwortende und ablehnende Aussagen bei diesem Topos gelten daher als
Spuren einer Dynamik im Diskurs, die gerade im Spiegel von längeren
Untersuchungszeiträumen aufgezeigt werden kann.
5.2 Topos: Gesetz
Im Vergleich mit dem Solidaritäts-Topos kann der Gesetzes-Topos eher neutral bewertet
werden. Hier berufen sich die Sprecher darauf, dass Flüchtlingen einerseits geholfen werden
soll, auf der anderen Seite jedoch die Bedingungen dieser Hilfe eindeutig reguliert werden
müssen. Im deutschen Diskurs wird grundsätzlich auf die bestehende Regulierung der
Einwanderung bzw. des Asyls verwiesen. Gleichzeitig arbeitet jedoch die Legislative
kontinuierlich an der Anpassung der Gesetze an die Herausforderungen der Wirklichkeit, u.a.
an sog. Asylpaketen. Ziel ist es, dadurch eine so gestaltete rechtliche Umgebung zu schaffen,
die möglichst ein Missbrauch von Asyl ausschließt und auf der anderen Seite auch Deutschland
als Empfängerland angemessene Mittel bietet, die massenhafte Einwanderung unter Kontrolle
zu halten.
Der Gesetzes-Topos kann als Kern jener Maßnahmen betrachtet werden, die auf eine
friedliche, aber mit legislativen Mitteln regulierte Lösung der Flüchtlingskrise gerichtet sind.
Diese erfordern einen einheitlichen Auftritt auf EU-Ebene, im untersuchten Sprachmaterial
finden sich daher zu diesem Topos besonders viele Meinungsäußerungen. Da die Akteure aus
unterschiedlichen Ländern kommen und sich zu Themen äußern, die sowohl das eigene als auch
fremde Länder bzw. die Europäische Union als transnationales Staatsgebilde betreffen, entsteht
hier ein transnationaler Diskurs (vgl. Wimmel 2006:; Gür-Şeker 2012: 67-81). In Abb. 2 wird
dieser in Form eines Netzwerkes visualisiert. Die Grundlage dafür bildet der deutsche Diskurs;
jeder Knoten repräsentiert dabei einen konkreten Diskursteilnehmer. Die Größe und zugleich
die Intensität der Farbe der einzelnen Knoten signalisiert die Relevanz des jeweiligen Akteurs:
Je größer und je dunkler der Knoten ist, desto mehrere Äußerungen können dem Sprecher
zugeordnet werden.
Aus Abb. 2 ist ersichtlich, dass im deutschen Diskurs als Hauptakteure die Mitglieder
der Bundesregierung, in erster Linie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister
Thomas de Maizière auftreten. Die Einheitlichkeit der Bundesregierung bzw. der CDU/CSU
hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik markiert die Vernetzung der betroffenen Akteure; die
2
http://www.focus.de/politik/deutschland/migration-wirtschaftsfluegel-der-union-kaum-job-chancen-fuer-
fluechtlinge_id_4952808.html
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Intensität der Farbe bei den Verbindungslinien drückt die „diskursive Nähe“ der verbundenen
Diskursteilnehmer aus. Mit Fettdruck hervorgehoben sind dabei die wichtigsten ausländischen
Akteure.
Abb. 2: Gesamtnetzwerk deutscher Diskurs
Besondere Beachtung soll einerseits den Vertretern der Europäischen Union als
Institution, andererseits führenden Politikern der von der Flüchtlingswelle betroffenen Ländern
gewidmet werden. Es zeichnen sich hierbei insbesondere der ungarische Ministerpräsident
Orbán sowie die Außenministerin von Österreich Mikl-Leitner und der tschechische
Außenminister Zaorálek aus. Deren Rolle wird besonders dann interessant, wenn die
Entstehung von Diskurskoalitionen untersucht wird. Es handelt sich dabei um Gruppierungen
von Akteuren, die durch eine Story Line (vgl. Hajer 1993: 45-48) miteinander verbunden
werden. Sie verfügen über gemeinsame Praktiken und über gemeinsame Grundforderungen,
die bei den Akteuren u.U. in Form von unterschiedlichen Argumentationen realisiert werden.
In Abb. 3 werden Diskurskoalitionen im deutschen Diskurs um den Gesetzes-Topos
visualisiert. Die vollen Knoten (Vierecke) stehen für einzelne Argumentationen, die dem
untersuchten Topos zugeordnet werden können. Hellgraue Linien markieren dabei die
„befürwortenden“ Akteure, dunkelgraue Linien die Ablehnung. Die hier aufgeführten
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Argumentationen illustrieren zugleich die wachsende Ratlosigkeit bzw. Improvisation, wie die
Gesetzgebung auf die sich kontinuierlich ändernde Situation zu reagieren versucht:
Ich will deshalb ein Einwanderungsgesetz, bei dem alle Einwanderer schnell Klarheit haben,
ob sie bleiben können oder nicht. (Thomas Oppermann, SPD, FAZ, 20.7.2015)
Ich würde es begrüßen, wenn es ein Einwanderungsgesetz gäbe, das den Spurwechsel aus dem
Asylverfahren in ein Aufnahmeverfahren für legale Arbeitsmigration ebnen würde. (Bilkay
Öney, Integrationsministerin Ba-Wü, FAZ, 3.2.2015)
Abb. 3: Der Gesetzes-Topos im deutschen Diskurs
Aus der Visualisierung wird ersichtlich, dass hinsichtlich der einzelnen Argumentationen selbst
die Parteien bzw. deren Vertreter sehr uneinig sind. Diese Tendenz zeigt sich verstärkt in den
Ereignissen im Laufe des Jahres 2016, als die nicht einheitliche bzw. nicht eindeutige
Kommunikation für die CDU auf Landesebene bereits in mehreren Wahlniederlagen resultierte.
In Abb. 4 wird die Diskurskoalition um die Flüchtlingsquoten auf transnationaler Ebene
dargestellt. Ersichtlich ist eine Diskurskoalition, deren Mitglieder durch eine ablehnende
Meinung miteinander verbunden sind. Es handelt sich dabei vor allem um die Vertreter der
Visegrád-Staaten (V4), wobei sich auch Frankreich und Großbritannien gegen die Einführung
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des geplanten Quotensystems ausgesprochen haben. Seitens der EU bzw. der Bundesrepublik
Deutschland besteht hingegen die Meinung, dass die Solidarität für Flüchtlinge u.a. durch die
faire Verteilung von Asylbewerben unter den einzelnen EU-Mitgliedern sichergestellt werden
kann:
Es ist unannehmbar, wenn gesagt wird: Schluss mit dem Ertrinken, aber bringt die Leute nicht
hierher. (Frans Timmermans, Vizepräsident EU-Komission, FAZ, 21.5.2015)
Migration geht alle Mitgliedstaaten an, und alle Mitgliedstaaten sind nun aufgerufen, ihren
Beitrag zur Bewältigung dieser historischen Herausforderung zu leisten. (Frederica Mogherini,
EU-Beauftragte, FAZ, 15.5.2015)
Abb. 4: Diskurskoalition „Flüchtlingsquoten”
5.3 Topos: Gefahr
Der Gefahren-Topos kommt sowohl im deutschen als auch im slowakischen Diskurs vor. Seine
Abgrenzung von anderen verwandten Topoi erweist sich jedoch als problematisch, weil der
Gefahren-Topos selbst sehr generalisierend formuliert wird. Je nachdem, welcher Aspekt
hervorgehoben wird, könnten auf „Gefahr” basierende Argumentationen u.a. den Topoi
Religion, Nutzen oder auch Sicherheit und Kriminalität zugeordnet werden. Diesen ist
gemeinsam, dass sie auf dem Konzept Angst aufgebaut sind (vgl. auch Becker 2015; Radeiski
2011). Thematisiert werden dabei Ängste der Bevölkerung, u.a. dass Flüchtlinge eine
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Konkurrenz für ärmere Leute bedeuten, dass Flüchtlinge die Kriminalität erhöhen oder dass sie
die traditionellen europäischen Werte, die Kultur und Religion gefährden.
Abb. 5: Der Gefahren-Topos im deutschen Diskurs
Diese Argumentationen werden auch in Abb. 5 veranschaulicht. Es ist ersichtlich, dass sich die
einzelnen Akteure sehr kontrovers zu diesen Themen äußern. Grundsätzlich gilt dieser
Contra”-Topos als Instrument für jene Parteien, deren Kommunikation auf dem Anti-
Flüchtling-Thema aufgebaut ist. Hierzu zählen in der Bundesrepublik in erster Linie die Pegida-
Bewegung und die AfD, auf transnationaler Ebene vor allem die Regierungen der
ostmitteleuropäischen Staaten. Ein eklatantes Beispiel stellt die offizielle Kommunikation der
ungarischen Regierung dar, die neben dem Aufbau des Zauns an der südlichen Grenze mittels
einer agressiven Plakatenkampagne den öffentlichen Diskurs gegen die Flüchtlinge zu lenken
versucht. Zentrale Botschaft dieser Kampagne sind gerade Argumentationen, die potentielle,
aber nicht unbedingt bewiesene Risiken der Flüchtlingskrise als wahre und direkt drohende
Gefahren darstellen: Verlust der Arbeit, Untergang der christlichen Werte, die Darstellung der
Flüchtlinge als Terroristen. Weniger agressiv, aber doch in diese Richtung zeigt auch die
Kommunikation der slowakischen Regierung.
In: Germanica Wratislaviensa 142, Wroclaw 2017, S. 243-262
Abb. 6 veranschaulicht relevante Positionen des slowakischen Ministerpräsidenten Fico
und des slowakischen Staatsoberhaupts Kiska. Bezüglich der Einführung von
Flüchtlingsquoten sind sich zwar beide Akteure einig, beim Ministerpräsidenten werden jedoch
die zum Gefahren-Topos gehörenden ablehnenden Argumentationen hervorgehoben, Präsident
Kiska betont wiederum positive Werte wie Solidarität und Humanität.
Abb. 6: Die vielen Facetten des Flüchtlingsdiskurses in den Äußerungen von slowakischen
Politikern
6. Fazit
Die hier präsentierte Untersuchung zeichnet sich durch eine sprachkontrastive Perspektive aus.
Durch den Vergleich des deutschen und des slowakischen Diskurses konnten Daten erschlossen
werden, die über Einstellungen und Denkfiguren dieser Sprachgemeinschaften Auskunft geben.
Aus den untersuchten Argumentationsmustern bzw. Topoi ist es ersichtlich, welche Akteure
gemeinsame Meinungen vertreten diese bilden die Grundlage von Diskurskoalitionen.
Unterschiede sind dabei nicht nur zwischen einzelnen Ländern so auch zwischen Deutschland
und der Slowakei zu beobachten, sondern auch auf Landesebene. Im deutschen Diskurs zeigt
sich eine solche Konfrontation in erster Linie zwischen der Bundesregierung und der AfD bzw.
der Pegida-Bewegung, wobei die Meinungsunterschiede innerhalb der CDU/CSU im
untersuchten Zeitraum ebenfalls häufiger werden. Im slowakischen Diskurs besteht diese
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Gegenüberstellung einerseits zwischen der Regierung und der Opposition, andererseits jedoch
auch zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Staatsoberhaupt.
Neben dem Aufspüren der typischen Argumentationsmuster versucht die Untersuchung
die relevanten Akteure des Flüchtlingsdiskurses und deren transnationale Bezüge zu erfassen.
Diese Aspekte werden in erster Linie in den kommentierten Abbildungen veranschaulicht.
Sowohl im deutschen als auch im slowakischen Diskurs finden sich Akteure, die sich zum
Thema Flüchtlingskrise äußern und somit einen transnationalen Diskurs herstellen. Es handelt
sich dabei insbesondere um Politiker, aber auch um die Vertreter der Kirche sowie von NGOs.
Die Flüchtlingsproblematik ist kein abgeschlossenes, sondern vielmehr ein sich ständig
veränderndes Phänomen. Das findet in einer Diskursdynamik Niederschlag: Je nach Intensität
des Problems verstärkt sich der Diskurs (Anhäufung von Äußerungen) oder wird schwächer
(wenigere Äußerungen). Die Öffentlichkeit, in der diese ständige Kommunikation von
Stellungnahmen verläuft, erfüllt dabei jedoch nicht nur die Rolle des passiven Zuschauers. Es
kommt ihr auch eine bestimmte rationalisierende Funktion zu. Diskursive Öffentlichkeitsräume
initiieren einen gewissen Reinigungseffekt (vgl. hierzu Habermas 1992: 436), indem als
ungeeignet bewertete Positionen aus dem Diskurs verschwinden und erst als rational eingestufte
Argumentationen erhalten bleiben. Somit stellen Diskurse eine Grundlage auch für
Lernprozesse dar, indem sie Einstellungen einer Sprachgemeinschaft zu einem Zeitpunkt zu
bestimmten Themen grundsätzlich bestimmen und „dadurch handlungsleitend für die
zukünftige Gestaltung der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Bezug auf dieses Thema wirken
(Gardt 2007: 30).
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Abstract
Refugees welcome (?)
A contrastive discourse network analysis based on the German and Slovak refugee debate
In this paper refugee discourse with a special focus on (trans-national) aspects is being
discussed. It is based on German and Slovakian press articles, that are made available in the
form of text corpora. The research interest lies in the questions of, (a) how the positions of the
respective community against refugees through language can be expressed, (b) what actors
dominate the discourse and (c) what type of discourse coalitions arise between them. Factual
analyzations are carried out at the macro and micro level. On one hand there are some central
argumentation patterns demonstrated, on the other hand relevant discourse actors and their
network relationships are presented.
Keywords: discourse analysis, network, refugee, trans-national discourse
Im vorliegenden Beitrag wird der Flüchtlingsdiskurs mit besonderem Blick auf transnationale
Bezüge thematisiert. Die Grundlage dafür bilden deutsche und slowakische Pressetexte. Das
Forschungsinteresse gilt dabei den Fragen, (a) wie die Einstellungen der jeweiligen
Gesellschaft gegenüber Flüchtlinge durch die Sprache ausgedrückt werden, (b) welche Akteure
den Diskurs dominieren und (c) welche Diskurskoalitionen entstehen. Konkrete Analysen
werden auf Makro- und Mikroebene durchgeführt. Es werden einerseits zentrale
Argumentationsmuster dargestellt, andererseits relevante Diskursakteure und deren
Vernetzungen.
Schlüsselwörter: Diskursanalyse, Netzwerk, Flüchtlinge, transnationaler Diskurs
In: Germanica Wratislaviensa 142, Wroclaw 2017, S. 243-262
Verfasser:
Dr.phil. Attila Mészáros
J.-Selye-Universität
Pädagogische Fakultät
Neuphilologisches Institut
Bratislavská 3322
94501 Komárno
Slowakei
Article
The purpose of the paper is to present the results of a contrastive analysis of the media discourse in Poland (and Germany) that took place at the beginning of the so-called refugee crisis. The main concern of the article is to analyse the statements about the migrants in the conservative print media Wprost and Gazeta Polska occurring between August and October 2015. Particular attention is paid to the way the image of migrants is linguistically constructed in those media. The study concentrates on the lexical-semantic level. The findings are contrasted with the results of an analysis of German and Polish print media that can be described as left-wing or liberal (Die Zeit, Polityka). The article is empirically oriented and lies in the field of linguistic discourse analysis.
Book
Wie interpretiert man einen Text der politischen Theorie? Ist es bedeutsam, von wem oder für wen er geschrieben wurde? Oder geht es vor allem um die innere Struktur und die Wirkung auf den Leser? Solche Fragen wirken sich signifikant auf die Interpretation eines Textes aus. Dieses Lehrbuch sensibilisiert den Leser für die Möglichkeiten und Grenzen unterschiedlicher Interpretationsansätze, indem es diese auf zentrale politische Texte anwendet. Jedem Ansatz ist eine Einführung in seine theoretischen Grundlagen vorangestellt. Durch den Vergleich der wichtigsten Interpretationsansätze und deren Anwendung auf Texte der politischen Ideengeschichte entsteht echte Methodenkompetenz.
Chapter
Das Medium, in dem wir unser Wissen über die Welt fassen, ist die Sprache. Deshalb beinhalten öffentliche Debatten nicht selten einen Streit um Worte: Darf man zum Beispiel von „therapeutischem Klonen“ sprechen oder sollte man eher „Forschungsklonen“ sagen (Zimmer 2006) ? Brauchen wir eine „Leitkultur“ oder eine „Metakultur“ ? Wer auf die Welt mit Sprache zugreift und damit Sachverhalte schafft, wirkt unvermeidlich bereits durch die Auswahl spezifischer sprachlicher Mittel deutend auf sie ein.
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Spieß, Constanze: Linguistische Diskursanalyse als Mehrebenenanalyse. Ein Vorschlag zur mehrdimensionalen Beschreibung von Diskursen aus forschungspraktischer Perspektive. In: Warnke, Ingo H.; Spitzmüller, Jürgen (Hrsg.): Methoden der Diskurslinguistik.
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Sprachwissenschaftliche Zugänge zur transtextuellen Ebene. Berlin 2008. S. 237. In: Germanica Wratislaviensa 142, Wroclaw 2017, S. 243-262