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Land-und forstwirtschaftliche Maßnahmen zur Stärkung des Wasser-und Bodenrückhalts in Kommunen

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Steckbriefe zu land- und forstwirtschaftlichen Maßnahmen zur Stärkung des Wasser und Bodenrückhalts in Kommunen
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Land- und forstwirtschaftliche Maßnahmen zur
Stärkung des Wasser- und Bodenrückhalts in Kommunen
Steckbriefe für die Praxis
Einleitung, Übersicht
Ackerrandstreifen
Begrünung/Brache
Bodenlockerung
Engsaat
Felder-/Flurneuordnung
Hang-/Schlagteilung
Mulchsaat
Querbewirtschaftung
Querdammhäufelung
Streifenbearbeitung
Untersaat
Zwischenfrüchte
Bodenschutzkalkung
Retentionsmulden
Wegewasserableitung
Wegerückbau
Wiedervernässung
Bachrenaturierung
Bodenschonende Holzernte
Feldgehölzaufforstung
Freiächenvermeidung
Mischwaldetablierung
Wertschöpfende Programme
Informationen
Fotoautoren
Maßnahmen Übersicht
Impressum
Inhalt
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Eine tabellarische Zusammenfassung aller
Maßnahmen ist auf Seite 30 zu nden.
3
Jüngste Klimamodellrechnungen sagen für Süddeutsch-
land eine Zunahme von Starkniederschlägen in der Zukunft
voraus. So stellte das KliStaR-Projekt Maßnahmen zur
Klimaanpassung in den Vordergrund, die in kommunalen
Außenbereichen helfen sollen, den Bodenabtrag und den
Oberächenabuss zu verringern sowie den Bodenwasser-
haushalt zu verbessern.
Die Umsetzungsoptionen der Maßnahmen wurden im
Gewässereinzugsgebiet der Glems nordwestlich von Stuttgart
mit den betroffenen Kommunen und Flächenbewirtschaf-
tern partizipativ entwickelt, erörtert und teilweise realisiert.
Aus den Ergebnissen resultierten schließlich die vorliegen-
den Streckbriefe zu 22 Schutzmaßnahmen, die um weitere
Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft ergänzt wurden.
Es werden die agierenden Handlungsfelder Land- und Forst-
wirtschaft sowie die protierenden Handlungsfelder Boden
und Wasserhaushalt vorrangig vor dem Hintergrund von
Erosions- und Hochwasserschutz berücksichtigt. Somit
ist eine Grundlage zur Verbesserung von Rahmenbeding-
ungen für die Handlungsstrategien beim Klimawandel
verfügbar. In diesem Sinne gibt dieser anwendungsorientierte
Maßnahmenkatalog Ideen und Hinweise für jede Kommune
und Betroffene.
Weiterhin kann er auch landesweit als Informations-
sammlung zur Umsetzung von Maßnahmen in anderen
Bereichen herangezogen werden, wie z. B. in der Hoch-
wasserrisikomanagementplanung in Baden-Württemberg.
Der vorliegende Katalog greift 22 Maßnahmen auf, die in
22 Steckbriefen jeweils auf einer Seite vorgestellt werden.
Sie beinhalten die Gesichtspunkte Kurzbeschreibung,
Wirkungspotenzial, ausgewählte Vor- und Nachteile,
Realisierungstipps, Kostenhinweise und eine qualitative
Kurzbewertung. Abschließend werden Kurzhinweise auf
vertiefende Informationsmöglichkeiten gegeben, die am
Ende des Maßnahmenkataloges präzisiert werden.
Im Anschluss an die 22 Streckbriefe zeigt eine weitere
Übersicht Beispiele für wertschöpfende Synergiepoten-
ziale, welche die vorgestellten Maßnahmen mit aktuellen
Umweltprogrammen oder Umwelt- und Fachplanungs-
instrumenten aufweisen.
Eine Erstorientierung mit einer Zuordnung der Handlungs-
felder und einer dreistugen Bewertung bietet die Übersicht
auf Seite 30.
Einleitung Übersicht
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Ackerrandstreifen
Ackerrandstreifen oder auch Grünstreifen sind begrünte
Streifen von wenigen Metern Breite entlang von Äckern.
Sie können als mehrjähriges Grünland angesät und
ergänzend mit Sträuchern oder Bäumen bepanzt werden oder
als einjähriger, d. h. temporärer Gras- oder Getreidestreifen
eingesät werden.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung ergibt sich durch eine ganzjährige Begrünung, welche die natürliche Wasseraufnahme
der Böden regeneriert und den Abuss von Oberboden bei Regen verringert. Beregnungsversuche
mit 70 l/m2 zeigten in einem 12 m breiten Randstreifen einen Rückhalt von über 99 % des Bodens,
der von oberhalb gelegenen Äckern zuoss. Gleichzeitig versickerte über 20 % des zuießenden
Wassers in den Randstreifen (siehe Grak). Wesentlichen Anteil daran hat die nahezu doppelte
Anzahl von groben Bioporen (z. B. Regenwurmröhren) in einem Boden unter Randstreifen.
Bei der Realisierung sollte die günstige Wirkung von riegelartigen Grünlandstreifen quer zum
Gefälle mit einem Abstand von 200 bis 300 m berücksichtigt werden. Der endgültige Abstand
und die Lage sind vor allem abhängig von Bodenart, Hangeigenschaften und Abussbahnen.
Eine Anlage in abusskritischen Geländepositionen ist anzustreben.
Modellrechnungen geben hierzu wertvolle Hinweise. Die optimierte Lage sollte letztendlich
zwischen Landwirten und Experten abgestimmt werden. Das Verwenden von regionalen Saat-
gutmischungen fördert eine nachhaltige Bestandsentwicklung hinsichtlich Boden- und Gewässer-
schutz, Naturschutz und Landschaftsbild.
Ein Vorteil ist die Herausnahme von ertragsschwachen oder ungünstig gelegenen Flächen aus der
Produktion verbunden mit positiven Aspekten für den Naturschutz.
Ein landwirtschaftlicher Nachteil kann der positive Lebensraum für Mäuse sein, die Schäden z. B.
an Saatgut und Erntegut in den benachbarten Feldern anrichten können.
Infos: z.B. Merkblatt DWA-M 910, Ackerrandstreifen Heilbronn (2005)
Die Kosten hängen vor allem von dem Verhältnis der Randstreifenäche zur Schlagäche ab
sowie von der Rentabilität der durch den Randstreifen eingeschränkten Kulturen. Bezieht man die
Kosten auf den gesamten Schlag (zur Vergleichbarkeit mit anderen Maßnahmen), so fallen rund
16 €/ha bis 125 €/ha (Mittel 50 €/ha) an. Bezogen auf einen Quadratmeter Randstreifen liegen die
Kosten relativ einheitlich bei 0,11 €/m².
Beregnungsversuch
• 12 m Randstreifen
• Nachbaracker o. Panzen
• 70 l/m2 in 1 h
• Schlufger Boden
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Begrünung/Brache
Die Begrünung oder Brachlegung umfasst ein dauerhaftes
Ende der Ackernutzung. Dabei ndet eine Umwidmung
von ganzen Feldern zu dauerhaft begrünten Flächen statt
oder auf einen geplanten Grünlandumbruch wird verzichtet.
Eine Sonderform ist die dauerhafte Unterbegrünung bei Son-
derkulturen unter unveränderter Nutzung.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Mit der Begrünung wird eine permanent hohe Bodenbedeckung, eine gute Stabilisierung des
Oberbodens durch das Wurzelwerk und eine gute Bodenporosität etwa durch Regenwürmer
erreicht. Dadurch wird ein günstiges und inltrationsförderndes Bodenporensystem erzielt, das
sehr guten Schutz vor Abuss von Wasser und Boden bewirkt. Beregnungsversuche mit 85 l/m2 in
einer Stunde ergaben einen Bodenrückhalt von nahezu 100 % und eine Reduktion des Wasserab-
usses um gut 20 % gegenüber einem Sonnenblumenfeld (siehe Grak).
Die optimierte Lage und Größe sollte zwischen Landwirten und Experten auf Basis von Modell-
rechnungen abgestimmt werden, die Boden und Topograe berücksichtigen. Das Verwenden regi-
onaler Saatgutmischungen fördert eine nachhaltige Bestandsentwicklung etwa hinsichtlich Boden-
und Gewässerschutz oder als Bienenweide. Interessenten für das Schnittgut können etwa Viehhalter
oder Biogasproduzenten sein. Langfristig können die Flächen im Rahmen einer Flurneuordnung
Interessenten übertragen werden, aber auch in einem Landschaftsplan, bei einer naturschutzrecht-
lichen Eingriffs-/Ausgleichregelung oder einer Biotopvernetzung berücksichtigt werden.
Die Maßnahme gibt dauerhafte Planungssicherheit und Koniktentschärfung. Es entsteht
ein neuer Lebensraum für Nützlinge mit landschaftsökologischer, naturschutzfachlicher und
touristischer Aufwertung.
Eine Dauerstilllegung führt ohne Flächen- oder Geldausgleich zu Einbußen der betroffenen Land-
wirte. Auch Unkräuter und Schädlinge wie etwa Mäuse können zu Schäden und Ertragseinbußen
in benachbarten Feldern führen.
Infos: z.B. Merkblatt DWA-M 910
Die Kosten können vom Ertragsausfall oder Pachtpreis einer gleichwertigen Ersatzäche abgeleitet
werden und erhöhen sich mit zunehmender Hofentfernung aufgrund des Fahraufwands.
Einmalig sind etwa 100 € für Saatgut, Bodenbearbeitung und Aussaat nötig sowie jährlich etwa
50 €/ha für die Ernte oder das Mulchen zur Flächenpege.
Beregnungsversuch
• im Juni
• 85 l/m2 in 1 h
• schlufger Boden
• 20 % Hangneigung
6
Bodenlockerung
Eine Bodenlockerung kann insbesondere in Fahrspuren
durch Hublockerungen mit Grubbern oder Abbruchlocke-
rungen mit Pug- oder Spatenmaschinen erfolgen. Beides
dient der Regenerierung des Wasser- und Lufthaushaltes von
Böden. Aber nur die Bodenschonung durch das Vermindern
der mechanischen Belastung vor und nach dieser Maßnahme
gewährleistet eine nachhaltige Wirkung.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Eine Bodenlockerung führt zu vergrößertem Bodenporenvolumen, das nach Schadverdichtungen
die Leitfähigkeit und Speicherkapazität von Wasser und Luft in Böden wieder anhebt. Daraus
resultiert ein verbessertes Panzenwachstum mit Bodenbedeckung. Außerdem erhöht eine tiefe
Lockerung mit Spatenmaschine den Tongehalt sehr schluffreicher Oberböden, wenn in den
Unterböden tonreicheres, also weniger erosionsanfälliges Material vorhanden ist. So reduzierte
sich bei Beregnungsversuchen mit 70 l/m2 der Wasserabuss von rigoltem Boden auf vegetations-
freien Flächen um über 30 %-Punkte.
Eine vorsorgende Bodenschonung kann die Bodenlockerung ersparen wie etwa der Einsatz
von Breitreifen mit Innendruckregelung oder Gerätekombinationen. Die Notwendigkeit einer
Bodenlockerung kann nachgewiesen werden mittels Spatenprobe oder Dichtesonde. Unterbleiben
sollte eine Lockerung von feuchtnassen Böden. Schichtengrubber eignen sich für Lockerungen bis
35 cm Tiefe, Spatenmaschinen (Rigolen) bis 60 cm.
Der einjährige Anbau intensiv wurzelnder Panzen wie z. B. Luzerne oder Hafer sind Alternativen
und sichern im Nachgang eine nachhaltige Gefügestabilisierung.
Ein Vorteil der Bodenschonung und -lockerung ist der Erhalt von Erträgen. Die technische
Durchführung der Maßnahme erfordert kaum vertiefte Fachkenntnisse.
Ein Nachteil ist das Risiko von Bodenschäden, falls die Maßnahme bei feuchtnassen Böden
realisiert wird oder im Anschluss keine bodenschonende Bewirtschaftung erfolgt.
Infos: Zur technischen Bodenschonung z.B. „Boden unter Druck“ – DLG-Verlag (2014)
Die Kosten für einen Satz bodenschonender Breitreifen am Traktor belaufen sich auf ca. 6000 €,
für eine Reifendruckregelanlage auf ca. 4000 €. Für die Bodenlockerung lohnen sich einzel-
betriebliche Investitionen zumeist nicht. Lohnunternehmer verlangen für das tiefe Rigolen mit
einer Spatenmaschine umgerechnet ca. 350 €/ha, für eine Krumenbasislockerung mit Schichten-
grubber ca. 180 €/ha. Weil bei einer bodenschonenden Nachsorge die Maßnahmenwirkung 10
Jahre oder länger erhalten bleiben, belaufen sich die Kosten auf ca. 35 bzw. ca. 18 €/ha und Jahr.
Beregnungsversuch
• vegetationsfrei
• im Mai
• schlufger Lehm
• 92 l/m2 in 71 min
• ø 8 % Hangneigung
7
Engsaat
Die Engsaat bei Mais weist gegenüber dem konventio-
nellen Maisanbau häug einen halbierten Reihenabstand
von 37,5 cm und einen vergrößerten Panzenabstand von
26 cm in der Reihe auf. Die Aussaat kann mit Einzelkorn-
oder Drillmaschinen erfolgen und ist auch mit puglosem
Ackerbau kombinierbar.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung beruht auf einen um ca. zwei bis drei Wochen früheren Bestandesschluss. Dadurch
wird die kritische Einussphase durch Starkregen auf die Verschlämmung verringert, so dass
auch die Wassererosion und der Wasserabuss von Böden abnehmen. Weiterhin resultiert aus
der verlängerten Bodenbeschattung eine verbesserte Schattengare mit erhöhter Strukturstabili-
tät der Böden. Auch die Ausnutzung von Bodenwasser und Nährstoffen ist aufgrund der gleich-
mäßigeren Panzenverteilung verbessert. Modellrechnungen mit 39 l/m2 (siehe Grak) zeigen
für einen Maisbestand Mitte Juni bei der Bodenerosion eine Reduktion um fast 14 % und beim
Wasserabuss um knapp 8 %.
Bei der Realisierung mit Drillmaschine besteht ein größeres Risiko einer ungleichmäßigen
Panzenverteilung im Feld, so dass seltener die gleichen positiven Wirkungen der Engsaat
wie mit einem Einzelkornsägerät erreicht werden. Die Saatdichte kann aufgrund des gleich-
mäßigeren Standraums der Einzelpanzen um bis zu 10 % reduziert werden. Die Anlage von
Fahrgassen ist erforderlich. Die Unterfußdüngung ist der erhöhten Reihenzahl anzupassen.
Für die Ernte ist eine reihenunabhängige Technik erforderlich, was bei Silo- bzw. Energiemais
leichter zu gewährleisten ist als bei Körnermais.
Vorteile sind etwa eine verringerte Spätverunkrautung, verminderte Nmin-Gehalte im Boden oder
häug höhere Erträge. Das Pugverbot vor der Aussaat auf CCWasser2-Flächen kann entfallen.
Nachteile bestehen z. B. in den höheren Anforderungen an die Verfahrenstechnik. So ist etwa die
Erntetechnik für Körnermais noch nicht ausgereift. Vereinzelt ist auch die Energiedichte geringer.
Infos: z.B. „Standpunkt zur Standraumverteilung im Maisanbau“ der TLL Jena (2008)
Die Kosten für den technischen Mehraufwand bei der Engsaat durch doppelte Einzelkornsäag-
gregate belaufen sich je nach Maschinenauslastung und Abschreibungsdauer auf ca. 10 bis
20 €/ha. Durch die Aussaat mit einer zeitgemäßen Drillmaschine oder durch die Kompen-
sation höherer Flächenleistung und Erträge von bis zu 10 % sind aber auch Kostenvorteile bis zu
70 €/ha möglich.
Modellberechnung
mit LISEM
• Maisparzelle mit Pug
• 39 l/m2 in 2 h im Juni
• schlufger Lehm
• lehmig-schlufge Böden
8
Felder-/Flurneuordnung
Bei der Felderordnung wird die jährliche Anbauplanung der
Landwirte für das Folgejahr in einer Karte zusammengefasst.
Dies ist ein „Frühwarnsystem“ für die Häufung und Umver-
teilung erosionskritischer Feldfrüchte. Bei der Flurneuord-
nung vereinbaren Landwirte eine Zusammenlegung und
Neueinteilung von Feldern, um erosionsfördernde Parzellen-
formen und -längen sowie Wegführungen zu beseitigen.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Felderordnung wirkt durch das rechtzeitige Vermeiden einer Konzentration erosionskritischer
Kulturen (siehe z. B. schwarzen Kreis in der Karte). Dazu werden Schutzmaßnahmen für ein Ein-
zugsgebiet gemeinsam abgesprochen wie etwa gleichmäßigere Verteilung abusskritischer und
-mindernder Kulturen. Zweitgenannte Kulturen vermindern Erosions- und Abussrinnen aufgrund
ihrer besseren Bodenbedeckung und -durchwurzelung.
Die Wirkung der Maßnahmen ist messtechnisch kaum sondern eher modelltechnisch erfassbar.
Sie entspricht zumindest dem der Hangteilung.
Die Maßnahmen erfordern Diskussionen mit den Landwirten und eine Fachberatung in moderier-
ten Gruppen- und Einzelgesprächen. Fachliche Entscheidungsgrundlage sind Flurkarten mit dem
Abuss- und Erosionsrisiko gemäß Expertenaussagen oder Modellberechnungen.
Wenn die Maßnahmen in kleineren Zielgebieten stattnden und anderenorts Ausweichächen
verfügbar sind, ist die Wirkung der Felderordnung zumeist positiv. Die Gründung einer Anbau-
gemeinschaft mit Kooperationsregeln oder die Durchführung einer Flurordnung kann die Realisie-
rung der Maßnahmen dauerhaft verbessern.
Vorteilhaft ist der schlagübergreifende Schutz kritischer Erosions- und Abussbereiche.
Verbesserte Parzellenzuschnitte bewirken außerdem Bewirtschaftungsvorteile.
Die erforderliche Kooperation und Einschränkung der individuellen Planungsfreiheit ist häug
nachteilig. Bei der Parzellenneuverteilung wird die Gerechtigkeit oft angezweifelt.
Infos: „Bedeutung von Flurbereinigungsmaßnahmen für das Abussverhalten...“ (Bronstert 1995)
Die jährlichen Kosten einer Felderordnung umfassen den Zeitaufwand von ein bis zwei Stunden
pro Betrieb sowie die Koordination und die Kartenerstellung von ca. 8 Std. Einmalig sind die
abusskritischen Bereiche eines Gebietes zu identizieren. Für eine Flurneuordnung ist mit
höheren Kosten zu rechnen, weil etwa eigentumsrechtliche Festlegungen juristisch zu klären sind.
Für beide Maßnahmen gilt: Je größer das Zielgebiet und die Anzahl der Landwirte und je
komplexer die Zielvorgaben und die Feldstrukturen sind, desto stärker nehmen die Kosten zu.
Entsprechende Angaben sind daher kaum möglich.
Anbauplan
zur Früherkennung der
Häufung von Feldfrüchten
mit hohem Risiko für
Abfluss und Erosion
Schutzfläche
Grünland, Garten
Wintergetreide, -raps
Sommergetreide
Gemüse, Mais, Rübe
Erosionskritisches Feld
Häufung
Weg-, Hoffläche
9
Hang-/Schlagteilung
Eine Hangteilung umfasst die Teilung großer Ackerschläge,
so dass unterschiedliche Kulturen streifenförmig angebaut
werden. Dies geschieht möglichst in Kombination mit Quer-
bewirtschaftung und einer abwechslungsreichen Abfolge.
Dadurch liegen Kulturen mit hohem Abuss- und Erosions-
risiko aufgrund geringen Bodenbedeckungsgrads wie Mais
zwischen jenen mit geringem Risiko.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung der Hangteilung wird durch die veränderte Anbauordnung von erosions- und abuss-
gefährdeter Kulturen wie Mais oder Zuckerrüben auf einem großen Schlag oder am Gesamthang
erreicht. In den Bereichen mit gut deckenden Kulturen wie Winterweizen wird der Oberächen-
abuss gebremst und dadurch das Erosionsrisiko vermindert. So wird in Kombination mit der
Querbewirtschaftung auch die Erosion von Tiefenlinien begrenzt. Die Wirkung der Hangteilung
als großächige Maßnahme ist messtechnisch kaum erfassbar. Modellrechnungen zeigen aber,
dass der Abuss von Boden und Wasser ohne weitere Maßnahmen um bis zu 10 % reduzierbar ist.
Bei der Realisierung sollte eine Kombination mit weiteren Maßnahmen wie Querbewirtschaftung
oder Mulchsaat stattnden. Die Aufteilung eines Schlages am Hang in mindestens zwei, besser
drei Teilparzellen verspricht bereits positive Wirkungen. Ackerschläge unter zwei Hektar sind aus
betriebswirtschaftlichen Gründen jedoch ungünstig. In besonders kritischen Lagen ermöglichen
z. B. mehrjähriges Ackerfutter oder Grünstreifen auf Teilparzellen einen verbesserten Schutz.
Häug werden langgestreckte Hänge von verschiedenen Landwirten bewirtschaftet, so dass
bei dieser Maßnahme eine Absprache zwischen den Betriebsleitern oder eine übergeordnete
Koordination erforderlich ist.
Ein Vorteil ist vielfältigere Kulturabfolge, die einen geringeren Schädlings- und Unkrautbefall
bewirken kann und so auch den Panzenschutzmitteleinsatz verringert.
Verschiedene Saat-, Pege- und Erntezeitpunkte der Kulturen verursachen einen Mehraufwand
für Anfahrts- und Rüstzeiten besonders bei ungünstiger Parzellenerschließung.
Infos: z.B. Merkblatt DWA-M 910
Die Kosten der Hang- bzw. Schlagteilung hängen stark von der Schlagform und -größe ab und
reichen von 10 €/ha bis zu 76 €/ha. Der Mittelwert liegt bei 41 €/ha. Je größer die verbleibenden
Schlagteile sind, desto geringer sind die auftretenden Kosten.
Die Teilung eines 200 m x 100 m-Schlages (2 ha) in zwei Quadrate von 100 m Seitenlänge führt
beispielsweise zu Kosten in Höhe von ca. 43 €/ha.
Modellberechnung
mit LISEM
• Referenz mit
Maßnahmen
• 48 l/m2 in 2 h
• lehmig-
schlufge Böden
10
Mulchsaat
Mulchsaat bedeutet die Einsaat der Hauptfrucht in die Ernte-
reste der Vorfrucht, der Zwischenfrucht oder der Unter-
saat mit einer Bodenbedeckung von mindestens 30 %.
Die Bodenbearbeitung erfolgt möglichst zeitnah zur Aussaat
in der Regel puglos und nur bis zur Saattiefe. Noch wir-
kungsvoller ist die Direktsaat, bei der keine Bodenbearbei-
tung stattndet und direkt in den Vorfruchtmulch gesät wird
(s. DWA-Merkblatt 910).
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung beruht u. a. auf der Dämpfung verschlämmungswirksamer Regentropfen, der erhöh-
ten Regenwurmdichte gekoppelt mit versickerungswirksamen Wurmröhren oder der Vermehrung
von Bodenleben und Humus in der obersten Bodenschicht und dadurch erhöhte Bodenkrümel-
stabilität mit verbesserter Tragfähigkeit, also verminderter Verdichtungsgefahr des Bodens.
So ossen bei Versuchen mit ca. 65 l/m2 Beregnungswasser auf Lößböden von Zuckerrübenfel-
dern bei alleiniger Bodenbewirtschaftung mit Saatkreiselegge im Durchschnitt rund 80 % weniger
Boden und 40 % weniger Wasser ab gegenüber der Pugbewirtschaftung mit z. T. verdichteten
Böden (siehe Grak).
Je nach Standort können die Abweichungen allerdings bis zu 100 % oder mehr betragen.
Bei der Realisierung können die besten Effekte in schluffreichen und tonarmen (< 20 % Ton)
sowie humusarmen (< 2 % Humus) Böden erwartet werden. Die Panzenreste sollten weitmög-
lichst an der Oberäche belassen oder nur oberächlich eingearbeitet werden. Ein grobes Saatbett
ergänzt die Schutzwirkung des Mulches. Erste Erfahrungen mit Mulchsaat können am besten im
Maisanbau gesammelt werden. Die Auswahl neuer Maschinen geschieht am besten mit Hilfe von
erfahrenen Berufskollegen, weil es eine große Vielfalt an speziellen Mulchsaatmaschinen für
verschiedene Kulturen und Böden gibt.
Vorteile sind z. B. die Zeitersparnis, weil das zeitaufwändige Pügen entfällt oder verringerter
Wasserstress in trockenen Jahren und Regionen sowie auf sandig/leichten Böden.
Von Nachteil kann die verzögerte Aussaat wegen langsamerer Abtrocknung sein, besonders auf
schweren Böden (> 25 % Ton) oder der erhöhte Panzenschutzmittelaufwand.
Infos: z.B. „Standpunkt zur Puglosen Bodenbewirtschaftung“ der TLL Jena (2006)
Es treten variable Mehrkosten von 11 €/ha bis 19 €/ha auf in der Einführungsphase von Mulch-
saat. Zusätzlich fallen jährliche Mehrkosten durch Investitionen in Höhe von ca. 8 €/ha bis
43 €/ha an, z. B. für mulchsaatfähige Sämaschinen. Bei längerfristiger, konsequenter Durchfüh-
rung der Mulchsaat sind laut Expertenmeinung auch Kosteneinsparungen möglich.
Beregnungsversuche
• bei Zuckerrübe
• im Mai
• schlufge Böden
• ø 67 l/m2 in 1 h
• ø 7 % Hangneigung
11
Querbewirtschaftung
Die Querbewirtschaftung tauscht eine in Gefällerichtung
stattndende Bearbeitungsrichtung eines Hanges gegen eine
quer zum Gefälle verlaufende Richtung. So schaffen die
Bearbeitungsspuren stauwirksame Barrieren. Die Maßnahme
ist praxisgerechter als die nah verwandte Kontursaat, bei der
die Bearbeitung parallel zu den Höhenlinien stattndet.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung beruht auf den quer zum Hang verlaufenden Bearbeitungsspuren, die bei geringem
Seitengefälle stauwirksame Barrieren und Rillen schaffen. Damit wird ächenhaft ein kleinräu-
miger Rückhalt von Oberächenabuss und bewegter Feinerde ermöglicht. Bei welligen Hängen
mit mehr als 15 % Neigung nimmt das Risiko von Wasserdurchbrüchen und Rinnenerosion zu.
Die Wirkung der Querbewirtschaftung als großächige Maßnahme ist messtechnisch kaum
erfassbar. Modellrechnungen zeigen aber, dass der Abuss von Boden und Wasser um bis zu
25 % reduziert werden kann.
Die Realisierung setzt eine ungefähr höhenlinienparallele Durchführbarkeit und eine seitliche
Erschließung der Schläge durch Wege in Gefällerichtung voraus. Erfolgsversprechend ist die
Maßnahme bei Hangneigungen bis zu 15 % in Kombination mit Schlagbreiten von bis zu 100 m.
Hierbei sind auch noch Vollernter wie etwa für Zuckerrüben oder Kartoffeln einsetzbar, Mähdre-
scher sogar bis zu 25 %. Bei größerer Schlagbreite und Hangneigung oder welligem Relief ist eine
Kombination mit anderen Maßnahmen wie Schlagteilung oder Mulchsaat empfehlenswert.
Vorteilhaft ist, wenn mittels Querbewirtschaftung gleiche oder größere Arbeitslängen erzielt
werden, wodurch sich der Bearbeitungsaufwand eines Ackerschlages verringert.
Besonders bei Zuckerrüben und Kartoffeln entstehen in Hanglagen über 15 % Probleme bei Saat
und Ernte. Hier nimmt auch das Risiko reduzierter Erträge und Qualität zu.
Infos: z.B. in „Praxisleitfaden“ des Instituts für Ökosystemforschung der Univ. Kiel (2012)
Die Kosten hängen stark von der Schlagform ab. Falls der Schlag bereits quer zum Hang oder
quadratisch ist, treten keine Mehrkosten auf. Unter ungünstigen Bedingungen können die Kosten
bis auf 320 €/ha steigen, wobei der Mittelwert bei 100 €/ha liegt. Unter 100 €/ha liegen die Kosten,
sofern ein Schlag mindestens 70 bis 100 m breit ist. Bei einem rechteckigen Schlag mit Seiten-
längen von 200 m und 100 m betragen die Kosten ca. 35 €/ha. Ggf. können dazu mehrere Schläge
zusammengefasst werden.
Modellberechnung
mit LISEM
• Maisparzelle
mit Pug
• 48 l/m2 in 2 h
• lehmig-
schlufge Böden
12
Querdammhäufelung
Eine spezielle Maßnahme im Kartoffelanbau ist die Quer-
dammhäufelung. Damit werden zwischen den Kartoffel-
dämmen in gleichmäßigem Abstand Querdämme angelegt.
Somit entsteht eine Vielzahl von kleinen, Abuss verhin-
dernden und Wasser speichernden Mulden, die zudem das
Niederschlagswasser zwischenspeichern.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung beruht auf der Anhäufelung von Querdämmen zwischen den Kartoffeldämmen, bei
der zahlreiche kleine Mulden entstehen, die die Bildung von stärkerem Wasserabuss verhindern.
Bei Beregnungsversuchen mit einem simulierten Niederschlag von 50 bis 100 l/m2 pro Stunde
oss bei der Querdammhäufelung verbunden mit einem Anbau quer zur Hangrichtung nahezu kein
Beregnungswasser ab. Der Abuss ohne diese Maßnahme lag hingegen zwischen 14 % und 52 %
des Beregnungswassers.
Die Realisierung ist vorzugsweise auf Feldern mit Gefälle unter 15 % möglich, weil ansonsten
das Risiko eines Querdammdurchbruchs stark zunimmt. Bei einem Gefälle bis 3 % sind Quer-
dammabstände bis 10 m ausreichend. Bei größerer Hangneigung sind engere Abstände und höhere
Querdämme erforderlich. Die Querdämme sollten zeitgleich mit oder direkt nach dem Panzen
angehäufelt werden. Für nachfolgende Pegemaßnahmen sind evtl. querdammfreie Fahrgassen
anzulegen, die das Abussrisiko jedoch erhöhen.
Ein Vorteil besteht durch den Wasserrückhalt im Boden: Der Bewässerungsaufwand wird in
trockenen Sommern evtl. verringert. Das Pugverbot von CCWasser2-Flächen entfällt unter bestimmten
Auagen in einigen Bundesländern wie etwa Hessen oder Niedersachsen.
Ein Nachteil ist das Risiko des Querdammbruchs bei extremen Niederschlagsereignissen
oder Fremdwassereinbruch. Dies kann zu größeren Schäden als beim Wasserabuss ohne
Querdämme führen.
Infos: z.B. „Der Querdammhäuer“ in: Kartoffelbau 3/2011
Die variablen Kosten dieser Maßnahme liegen zwischen 13 €/ha und 16 €/ha. Weitere Kosten sind
nicht zu erwarten, weil die Maßnahme keine Panzverzögerung und keinen weiteren Düngungs-
sowie Panzenschutzaufwand verursacht sowie keine merklichen Wirkungen auf Erntemenge und
-qualität hat. Ein getesteter Prototyp verursachte aber zusätzliche Mehrkosten durch die Investiti-
onen für den Querdammhäuer von ca. 190€/ha und Jahr. Eine Serienproduktion dieses Gerätes
bzw. eine höhere Auslastung würde die Kosten deutlich senken.
Beregnungsversuche
• bei Kartoffeln
• Ende Mai/
Anfang Juni
• schlufge Böden
• ø 67 l/m2 in 1 h
• ø 6 % Hangneigung
13
Streifenbearbeitung
Streifenbearbeitung oder auch Striptill ist eine Bodenbearbei-
tungs- und Aussaatmethode vornehmlich für Reihenkulturen,
die ein 15 bis 20 cm breites Saatbett schafft und somit Zwei-
drittel des Ackers unbearbeitet lässt. Die beiden Arbeitsgänge
können gleichzeitig oder zeitversetzt im Herbst und Frühjahr
stattnden. Die Intensität der Methode ist variabel und ab-
hängig von der Fruchtfolge und dem Anbausystem.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung beruht auf dem Erhalt schützender Panzenreste und ungestörter Bodenstruktur.
Dadurch wird die Bodenwasseraufnahme verbessert, so dass sich Austrocknung, Wasserabuss
und Bodenerosion vermindern. Dies zeigten z. B. Feldmessungen 59 Tage nach der Panzung
von Weißkohl bei einem Niederschlag von 21 l/m2 in weniger als einer Stunde (siehe Grak).
Beregnungsversuche bei Weißkohl und Zuckerrüben führten zu vergleichbaren Ergebnissen.
Darüber hinaus ergibt sich im Frühjahr ein schnelleres Erwärmen und Abtrocknen der gelockerten
Streifen gegenüber Direktsaat.
Für die Realisierung auf schweren Böden wie Lehme und Tone sollte bei Frühjahrskulturen das
zeitversetzte Verfahren gewählt werden. Hierbei dient die Frostgare über den Winter als zusätzli-
che „Saatbettbereitung“. In diesem Fall ist im Gegensatz zum zeitgleichen Verfahren ein präzises
RTK-GPS Signal und ein automatisches Lenksystem erforderlich. Die kombinierte Methode ist
vor allem für sehr leichte Böden wie Schluffe und Sande bei Zuckerrüben und Mais geeignet.
Beim Einsatz in Zwischenfrüchten kann für eine Frontwalze auf schweren Böden ein Nachläufer
vorteilhaft sein. Die Düngung kann breitächig oder direkt mit der Lockerung oder Aussaat in die
gelockerten Streifen erfolgen.
Die Vorteile der konventionellen Bodenbearbeitung wie z. B. Ertragssicherheit sowie der
Direktsaat wie z. B. Erosionsschutz und Wasserersparnis werden kombiniert.
Ein Nachteil ist gegenwärtig noch die Begrenzung auf Reihenfrüchte, also auf Fruchtfolgen
ohne Getreide. Außerdem wird der Einsatz von Totalherbiziden wie auch bei Mulchsaat
kontrovers diskutiert.
Infos: z.B. www.strip-till.de
Die Kosten sind zunächst geprägt von den Investitionen, die sich für den Streifenlockerer und für
das Lenksystem auf je ca. 20 000 € belaufen, wobei ein überbetrieblicher Einsatz günstig wirkt.
Mittelfristig wirken auch Zeit- und Kraftstoffersparnis kostensenkend und ohne Kraftstoff und
Saatgut fallen ca. 50 €/ha an. Eine Förderung durch das Agrarumweltprogramm FAKT ist in einer
begrenzten Kulisse möglich.
Feldmessung
• 59 Tage alter Weißkohl
• 21 l/m2 in < 1 h
• schlufg-lehmiger Boden
14
Untersaat
Im Frühjahr wird die Untersaat zeitgleich mit oder nach-
träglich in eine Hauptfrucht eingesät. Dabei dient z. B. ein
schnellwüchsiges Getreide der temporären Untersaat, bei
welcher der Boden rasch vor intensiven Niederschlägen
geschützt ist. Spätere Gräser- oder Kleeaussaaten dienen
nach der Hauptfruchternte zur Gründüngung oder Fütterung.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung der Maßnahme beruht auf einer erhöhten Bodenbedeckung, die erosions- und abuss-
mindernd wirkt. Dies gilt besonders für die Zeit nach der Hauptfruchternte und eingeschränkt bei
spätem Bestandesschluss der Hauptfrucht. Unabhängig davon stabilisieren die Wurzeln die Böden
durch Verbauung, fördern den Rückhalt von Nährstoffen wie z. B. Nitrat und die Unterdrückung
von Beikräutern. Exemplarische Beregnungsversuche zeigten auf stark erodierten Lössböden eine
Reduktion des Wasserabusses um 65 % (siehe Grak) entsprechend 160 m3/ha über einer Stunde.
Die Realisierung ist erfolgsversprechend, wenn die Untersaat aufgrund der Wasserkonkurrenz
bei Jahresniederschlägen über 600 bis 700 mm und über 150 mm panzenverfügbarer Wasser-
speicherkapazität des Bodens erfolgt. Die Panzenwahl orientiert sich an den Anbauzielen wie
z.B. Rotschwingel zu Mais für einen raschen Erosionsschutz nach der Aussaat im Frühjahr oder
Kleegras zu Mais als Viehfutter nach der Hauptfruchternte. Sofern die Hauptfrucht stark unter-
drückt wird, sollte die Untersaat chemisch oder mechanisch kurz gehalten werden. Insgesamt ist
die Wirkung schwer vorhersehbar, weil z. B. Trockenheit den Auauf hemmen kann, so dass die
Mulchsaat häug vorteilhafter ist.
Ein Vorteil von Untersaaten ist Nutzbarkeit als Gründung oder Viehfutter nach der Haupt-
fruchternte. Auch der Nitratrückhalt, die Beikrautunterdrückung oder die Ökosystem-
bereicherung ist positiv.
Ein Nachteil ist die Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe. Zudem ist der Mehraufwand
etwa für Arbeitszeit, Maschinenkosten, Saatgut und Herbizide nachteilig.
Infos: z.B. „Standpunkt zur Begrünung der Maiszwischenreihen“ der TLL Jena (1995)
Die Kosten für den Mehraufwand und mögliche Ertragseinbußen können beim Mais bis zu 120 €/
ha betragen und bei Zuckerrüben bis 400 €/ha. Durch den Rückhalt von Nitrat und den Herbizid-
verzicht kann ein Vorteil von bis zu 80 €/ha entstehen. Im Rahmen des Greenings können klee-
freie Untersaaten für die EU-Direktzahlungen als ökologische Vorrangäche angerechnet werden.
Die Förderung durch das Agrarumweltprogramm FAKT beträgt bis zu 80 €/ha.
Beregnungs-
versuch (80 min)
• Zuckerrüben
(Mulchsaat)
• 70 l/m2 in 1 h
• schlufger Boden
15
Zwischenfrüchte
Zwischenfrüchte sind schnellwüchsige Feldkulturen, die
zwischen der Ernte einer Hauptfrucht und der Folgefrucht
im Herbst/Winter angebaut werden. Die Aussaat ndet als
Herbst-, Unter- oder Blanksaat statt. Sie dienen als Acker-
futter, Gründüngung, Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit
sowie dem Boden- und Gewässerschutz.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die Wirkung umfasst z. B. Stickstoff-/Humussammlung, Verbrauch von überschüssigem Nieder-
schlagswasser, biologische Bodenlockerung, Beikraut/Schädlingsbekämpfung oder Erosions-/
Abussminderung. Das Mulchmaterial ist außerdem Futter für Regenwürmer, die inltrationsför-
dernde Röhren schaffen. So ossen bei Beregnungsversuchen auf Lössböden von Zuckerrüben-
und Kartoffelfeldern bei dichtem gegenüber fehlendem Zwischenfruchtmulch im Durchschnitt
rund 85 % weniger Boden und 65 % weniger Wasser ab (siehe Grak). Aufwuchs und Standort
beeinussen jedoch das Ergebnis.
Bei der Realisierung ist zunächst auf die richtige Panzen-/Gemengewahl zu achten. Diese ist
abhängig von der verfügbaren Wachstumszeit, der Bodenbearbeitbarkeit, der Niederschlagsmenge
oder der Vor- /Folgefrucht. Eine Gerätekombination für leichte Stoppelbearbeitung, Saatgutablage
und Nachverdichtung verspricht zumeist guten Aufgang und Bodenschonung. Aussaaten ab
Mitte September können zu lückigen Beständen führen. Im Frühjahr besteht auf tonreichen Böden
(> 25 % Ton) oft eine längere Abtrocknungsphase, so dass evtl. das ache Einarbeiten der
Zwischenfrüchte erforderlich wird.
Weitere Vorteile bestehen in der unverzüglichen Wirkung wie z. B. verbesserte Bodenfrucht-
barkeit oder Rückhalt von Nitrat-Stickstoff. Auch die geringen Ansprüche an Maschinen und
Arbeitszeit sind vorteilhaft.
Von Nachteil können sein: Die verzögerte Aussaat aufgrund später Vorfruchternte, die Wasser-
konkurrenz bei Trockenheit oder erhöhter Schädlingsdruck wie z. B. Schnecken.
Infos: z.B. „Zwischenfrüchte 2015 - Hinweise zum Anbau“, auf www.landwirtschaft-bw.info des LTZ-BW
Die Kosten (abzüglich Vorfruchtwert) der Zwischenfrüchte belaufen sich je nach angebauter
Panzenart z. B. auf 45 €/ha (Gelbsenf) oder für Gemenge bis zu 90 €/ha. Eine Kreiseleggen-
Sämaschinen-Kombination wird mit 35 €/ha angesetzt. Falls die Zwischenfrucht nicht abfriert,
fallen zusätzlich 25 €/ha Mulchkosten an. Im Rahmen des Greenings können Zwischenfrüchte für
die EU-Direktzahlungen als ökologische Vorrangäche angerechnet werden. Die Förderung durch
das Agrarumweltprogramm FAKT beträgt bis zu 80 €/ha.
Beregnungsversuche
• bei Zuckerrübe
und Kartoffel
• im Juni
• schlufge Böden
• ø 69 l/m2 in 1 h
• ø 7 % Hangneigung
16
Bodenschutzkalkung
Auf vielen versauerten Waldstandorten ist es notwendig,
zum Schutz gegen die Auswirkungen von Luftschadstoffein-
trägen Bodenschutzkalkungen durchzuführen. Diese dienen
nicht nur im Wald, sondern auch im Feld der Erhaltung und
Neubildung von Bodenstruktur und fördern damit die Inlt-
rations- und Speicherkapazität für Niederschlagswasser.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Kalkungen auf versauerten Waldböden erhöhen den pH-Wert des Bodens, stabilisieren dadurch
die Speicherung von Panzennährstoffen und verbessern deutlich die Lebensbedingungen von
Bodenorganismen, durch deren Grabaktivität es zu einer verbesserten Porosität und Belüftung
des Oberbodens kommt. Durch die Aktivität der Makrofauna (v. a. Regenwürmer) vergrößert sich
die Versickerungsrate um das 4- bis 10-fache gegenüber ungekalkten Böden. Die Bildung von
wasserspeichernden Bodenstrukturen sowie das intensivere Feinwurzelwachstum (siehe Grak)
vergrößert die Wasserspeicherkapazität der Böden um mehrere l/m2.
Kalkungen erfolgen erst nach einer fachlich fundierten Planung auf standörtlicher Grundlage.
In einem Turnus von 10 Jahren werden zwischen 2,5 und 4,5 Tonnen Dolomite je Hektar mittels
Hubschrauber oder Verblasung von Waldwegen ausgebracht. Zur Kontrolle der ökologischen und
ökonomischen Auswirkungen sind die Kalkungsmaßnahmen lückenlos zu dokumentieren. Über
ständige Stichproben der ausgebrachten Materialien vor Ort werden sowohl die düngemittelrecht-
lichen Kriterien für Schadstoffe als auch die Nährstoffzusammensetzung untersucht. Kalkungssen-
sitive und naturschutzrelevante Flächen (hydromorphe Standorte, Trinkwasser- oder Naturschutz-
gebiete) sind, unter Einhaltung eines Pufferabstands von 100 m, von einer Kalkung auszunehmen.
Zu den Vorteilen zählen die positiven Wirkungen für die Waldernährung sowie der verbesserte
Schutz von Quell- und Grundwasser vor Schwermetall-, Aluminium- und Säureeinträgen.
Nachteile ergeben sich durch die kurzfristige Förderung der Mineralisierung organisch gebundener
Stickstoffvorräte und deren Nitrikation, was zu einer Nitratverlagerung im Boden führt.
Infos: http://www.waldwissen.net/wald/boden/fva_bodenschutzkalkung/index_DE, Merkblatt DWA-M 910
Kosten für die Waldkalkung variieren zwischen 220 und 300 €/ha, je nach Kalkungsmittel
und Ausbringungsart.
17
Retentionsmulden
Natürliche oder künstlich geschaffene Vertiefungen in
der Landschaft können in forst- und landwirtschaftlichen
Nutzungsbereichen als temporäre Wasserspeicher genutzt
werden, die sich bei Starkregen mit Wasser füllen und in
niederschlagsfreien Perioden trocken fallen. Solche Reten-
tionsmulden dienen als Zwischenspeicher für den Ober-
ächenabuss und tragen damit zu einer Verzögerung und
Dämpfung der Hochwasserwelle bei.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Retentionsmulden nehmen bei Niederschlägen entstehendes Oberächenwasser auf, welches dann
verdunsten oder versickern kann. Die Wirksamkeit der Mulden ergibt sich aus deren spezischen
Volumen (in mm), also dem Verhältnis von Muldenvolumen (in Litern) zur entwässernden Ein-
zugsgebietsäche (in m²). Ein Effekt auf Hochwasserspitzen ist ab einem spezischen Mulden-
volumen von etwa 3 mm, entsprechend 3000 m3 je km2, zu erwarten (s. Grak n. Kreiter 2007).
Vergleichbar können aber auch kleinere, kaskadenartig angelegte Mulden wirken. Die Mulden-
kapazität kann sich zudem durch eine geringe Abdichtung der Sohle erhöhen.
Vor der Neuanlage von Retentionsmulden ist zu prüfen, ob das Wasser in bestehende Retentions-
räume wie z. B. aufgegebene Fischteiche oder Stauräume vor Verkehrswegedämmen abgeleitet
werden kann. Neue Retentionsmulden sollten nur in Bereichen geplant werden, die keine oder nur
unzureichend breitächige Versickerung des Oberächenwassers aufgrund der Geländesituation
(sehr steile Lagen, enge Kerbtäler), der Bodenverhältnisse oder des geologischen Untergrundes
ermöglichen. Es ist wasserrechtlich zu prüfen, ob durch die Maßnahme eine Stauanlage nach
DIN19700 entsteht. Die Retentionsmulden sind zudem an vorhandene Entwässerungsgräben oder
Querableitungen von Wegewasser anzuschließen. Der Anschluss künstlicher Rückhaltebecken an
Fließgewässer bedarf der Zulassung durch Wasser- und Naturschutzbehörden.
Vorteile ergeben sich, wenn sich Mulden zu temporären Feuchtgebieten entwickeln und so zu einer
ökologischen Aufwertung der Umgebung beitragen.
Ein Nachteil ist die notwendige regelmäßige Prüfung, da sie im Laufe der Zeit zusedimentieren und
gegebenenfalls geräumt werden müssen. Retentionsmulden, die sich zu Feuchtgebieten entwickeln,
können nicht geräumt werden und verlieren langfristig ihre Retentionswirkung.
Infos: z.B. Merkblatt DWA-M 550, Merkblatt DWA-M 910
Die Baukosten sind gering, wenn Retentionsmulden bei anstehenden Wegesanierungen angelegt
werden. Der Turnus, in dem das ursprüngliche Muldenvolumen durch Ausbaggern wiederherge-
stellt werden muss, entspricht etwa dem für die Grabenpege. Die Kosten sind vergleichbar mit
bestehenden Pegemaßnahmen.
18
Wegewasserableitung
Der Abuss von forst- und landwirtschaftlichen Wegen
beruht einerseits auf deren Versiegelung selbst und ande-
rerseits auf der Konzentration des Wasserabusses von der
Fläche zu linienhaftem Gerinneabuss. Die Abusswirk-
samkeit der Wege hängt davon ab, ob das Wasser durch
häuge Querentwässerung wieder auf der wegbegleitenden
Fläche breitächig versickern kann oder ob es weiter linear
zum Voruter abießt.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Wenn das sich auf dem Weg sammelnde Wasser möglichst schnell in den angrenzenden Wald-
bestand abgeleitet wird und dort in den Boden inltriert, kann der Oberächenabuss aus Wäldern
fast vollständig verhindert werden. Die Fließzeit bis zum Fließgewässer verlängert sich, Hoch-
wasserwellen werden gedämpft und zeitlich verzögert. Bei Landregen kann durch Ableitung des
Wegewassers in den Wald nahezu das komplette Niederschlagswasser wieder versickern (siehe
Grak), bei Starkregen auf staunassen Böden ist der Effekt jedoch begrenzt.
In der Grak gibt die Säulenhöhe die Spannweite des Effektes für trockene (hoher Effekt) und
nasse Böden (geringer Effekt) an.
Von allen abussintensiven Wegen sollte das Wegewasser möglichst ächig in den Bestand
abgeleitet werden. Hierfür sind im Flachland Wege mit beidseitig geneigten Querprolen, im
Bergland mit einseitiger talseitiger Querneigung bis 5 % auszustatten. Auf Wegen mit größerer
Längsneigung sind mindestens alle 50 m wasserableitende Abschlagsmulden diagonal zur Fahr-
bahn anzulegen. Auf Wegebegleitgräben sollte verzichtet werden. Ist dies nicht möglich, so sollten
die Gräben Bewuchs aufweisen, um den Abuss des Wassers zu bremsen. zur Rückführung des
Grabenwassers in den Waldbestand sind häuge, ausreichend dimensionierte Wegedurchlässe
oder Rigolen anzulegen.
Vorteile sind geringere Reparaturkosten für Erosionsschäden am Wegekörper und geringere
Unterhaltungskosten für wegbegleitende Gräben.
Ein Nachteil ist der höhere Unterhaltungsaufwand für Abschlagsmulden auf dem Wegekörper und
die Auslaufbereiche in den Bestand.
Infos: z.B. Arbeitsblatt DWA-A 904, Merkblatt DWA-M 910
Kosten entstehen für die Anlage und Befestigung von Abschlagsmulden. Laufende Kosten
verursachen die regelmäßige Prüfung und die Wiederherstellung zerfahrener oder anderweitig
zerstörter Abschlagsmulden sowie die regelmäßige Kontrolle von Wegedurchlässen/Rigolen auf
mögliche Sedimente und Verklausungen.
19
Wegerückbau
Waldwege und Feldwege sind eine wichtige Ursache für
Oberächenabuss und Erosion. Die Wegedichte hat ent-
scheidenden Einuss auf den Wasserabuss und Sedi-
mentaustrag. Zur Abussreduktion ist das vorhandene
Wegenetz auf seine Notwendigkeit zu überprüfen und gege-
benenfalls rückzubauen. Der Bau neuer Fahrwege sollte nur
noch in Ausnahmefällen geplant werden.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Durch die verbesserte Inltration von unversiegelten Flächen und die Unterbrechung linienförmiger
Strukturen kann mehr Wasser versickern, so dass eine ablaufende Wasserwelle acher und
langsamer wird. Bei einer halbierten Wegenetzdichte kann sich der Abussanteil am Niederschlag
bei Landregen um 40 bis 50 % reduzieren. Bei Starkregen wird eine geringere Abnahme erreicht,
die bei wenig durchlässigen Standorten maximal 10 % beträgt (siehe Grak). Auch Bewuchs auf
dem Wegekörper führt zu einer Abussreduktion bis zu 50 %, besonders wenn die Bedeckung
durch Panzen vollständig ist.
Besonders abussintensive Wege sollten weitmöglichst zurückgebaut werden. Dies betrifft alle
befestigten Wege sowie unbegrünte, unbefestigte Wege mit Wegelängsneigung von > 10 %
(bei tonigem oder schlufgem Ausgangssubstrat > 3 %) ohne Wasserableitung in die Fläche.
Tief eingeschnittene Wege sollten beim Rückbau verfüllt, wenig benutzte Wege begrünt werden.
Steile Böschungen mit erkennbaren Erosionsspuren sollten abgeacht werden.
Vorteile ergeben sich z. B. durch geringere Unterhaltungskosten bei geringerer Wegenetzdichte,
verringerte Doppelterschließungen oder den reduzierten Teereintrag in Böden und Gewässer.
Nachteile ergeben sich durch längere Transportwege, den höheren Unterhaltungsaufwand für
wassergebundene Decken und den Flächenbedarf bei Abachung von Böschungen.
Infos: z.B. Arbeitsblatt DWA-A 904
Die Kosten für eine Entsorgung auf Deponien belaufen sich bei einer erhöhten Teerbelastung
der Deckschicht von > 25 mg/kg auf ca. 55 €/t. Unbelastetes Deckschichtmaterial kann nach
dem Fräsen als Unterbaumaterial für die Reparatur bestehender Wege verwendet werden
und reduziert dort die Reparaturkosten. Wird die Schwarzdecke durch eine wassergebundene
Decke ersetzt, so fallen Kosten für die Herstellung der Tragschicht, das Einbringen von Dohlen,
wegbegleitenden Gräben etc. an.
20
Wiedervernässung
Die Aktivierung ehemals vernässter Flächen (Bruchstand-
orte, Moore, Feuchtbiotope, Auwaldächen, Wiesen)
kann langfristig die Wasserspeicherkapazität von Wäldern
sowie Feldur erhöhen und damit zu einem gedämpften
Verlauf der Hochwasserwellen beitragen. Das Schließen
von Gräben und der Rückbau von Entwässerungssystemen
haben einen direkten und zeitnahen Effekt auf die Bildung
von Hochwasser.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Das Schließen von Entwässerungsgräben und großächiger Dränagen auf vernässenden Stand-
orten führen zu einem deutlich verzögerten Abießen des Niederschlagswassers. Intakte Moore
verringern die Hochwasserbildung vor allem aufgrund der weitaus größeren Verdunstungsleis-
tung von Torfmoosen im Vergleich zu Waldbeständen. Durch das Trockenlegen werden Moore
in ihren Bodeneigenschaften zudem so verändert, dass deren Wasserspeicherfähigkeit deutlich
unter den natürlichen Werten liegt (s. Grak). Eine erhöhte Verdunstungsleistung und damit eine
mindernde Wirkung auf die Abussmenge weisen neben Mooren auch andere Feuchtächen
(Bruchwälder, Auwälder) auf.
Im Vorfeld der Maßnahmen müssen abusssensitive Bereiche kartiert und die Wirkung einer
Wiedervernässung auf den Abuss ggf. mittels Modellen beurteilt werden. Um den Abuss aus
den Feuchtächen in die Gewässerläufe zu verzögern, müssen bestehende Entwässerungssysteme
verschlossen und ggf. zurückgebaut werden. Linienstrukturen (Wege) sind zu vermeiden. Die
Konzentration linearer Abüsse (z. B. in Gräben) kann unterbrochen werden, wenn der Quer-
schnitt von Wegedurchlässen durch Abussbarrieren (z. B. Wand aus waagerechten Holzpfählen)
reduziert wird, um bei Niederschlägen einen zeitweisen Aufstau von Wasser vor dem Wegedurch-
lass zu erzeugen. Dies trägt zur Verlangsamung der Hochwasserwelle Richtung Voruter bei.
Die Wiedervernässung von Feuchtächen hat vielfältige positive Auswirkungen auf den Natur-
schutz. Die erhöhte Kohlenstoffspeicherung und die verringerte Treibhausgasfreisetzung haben
außerdem positive Effekte für den Klimaschutz.
Flächen werden dauerhaft der Nutzung entzogen.
Infos: z.B. in HfWU-Nürtingen (2012): Leitfaden „Moorschutz mal praktisch“
Kosten entstehen für die (Rück-)baumaßnahmen sowie ggf. für die regelmäßige Prüfung von
Stauwerken auf ihre Wirksamkeit.
21
Bachrenaturierung
Zur Erhaltung und Förderung des Wasserrückhaltever-
mögens von Bachauen in Wald und Feld sollte die natürliche
Regeneration der Bachstrukturen und Bachauen geschützt
bzw. gefördert werden. Durch veränderte Linienführung,
eine naturnahe Gestaltung der Ufer und ihres Bewuchses
sowie des Bachbettes können Fließzeiten verlängert und das
Retentionsvermögen der Auebereiche aktiviert werden.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Renaturierungen von Bächen vergrößern deren Fließlänge und die Rauhigkeit der Vorländer,
wodurch Hochwasserwellen verlangsamt werden. Sie erhöhen das Wasserrückhaltevermögen,
wenn dem Gewässer durch entsprechende Querprolgestaltung ein frühes Ausufern ermöglicht
wird. Staubereiche durch Totholz oder Geröll fördern die Ufervernässung und die Entwicklung
einer standortgerechten Aue, deren erhöhte Transpiration die Retentionswirkung verstärkt.
Bachrenaturierungen wirken sich vor allem auf kleine Hochwasserereignisse und in kleinen
Einzugsgebieten mit Fließlaufgefällen unter fünf Promille aus (s. Grak).
An den Gewässerrandstreifen sollten standorttypische Baumarten gefördert und insbesondere
Fichtenbestände (deren ache Wurzeln leicht unterspült werden) umgewandelt werden.
Einschränkungen, die die natürliche Struktur der Bäche verändern und die Lauänge verkürzen
(z. B. Wege), sollten zurückgebaut werden. Um die Verklausungsgefahr zu verringern, sollten
Wegedurchlässe durch Furten ersetzt oder zumindest deren Querschnitt erweitert werden.
Aktive Eingriffe in die Struktur von Fließgewässern (z. B. Änderung des Querprols, Schaffung
von Mäandern) sollten nur erfolgen, wenn die standörtlichen Voraussetzungen und die Gewässer-
dynamik keine natürliche Gewässerbettentwicklung zulassen. Technische Maßnahmen bedürfen
einer wasserrechtlichen Genehmigung.
Vorteile sind die positiven Auswirkungen der vielfältigeren Gewässerstruktur auf die Artendiversität
und die Eigendynamik der Gewässer.
Nachteile sind der Flächenbedarf und die Nutzungseinschränkungen bei der Ausweitung
von Bachauen.
Infos: „Ingenieurbiologische Bauweisen an Fließgewässern“ – Leitfaden von LUBW und WBW
Kosten entstehen für die Planung und Bauüberwachung sowie für die eigentlichen Baumaßnahmen,
welche die Gemeinde trägt, die für die Gewässerunterhaltung zuständig ist. Förderungen sind
möglich u. a. nach den Förderrichtlinien Wasserwirtschaft und im Rahmen der Landschaftspege-
richtlinie, wenn eine Maßnahme in erster Linie dem Hochwasserschutz außerhalb des Waldes dient.
22
Bodenschonende Holzernte
Bei der Holzernte und beim Rücken des Holzes ist eine
gewisse Schädigung des Bodens kaum zu verhindern.
Um die Auswirkungen von Bodenschäden auf Erosion
und Abussbildung zu minimieren, dürfen Waldböden nur
auf festen Linien (Maschinen- und Rückewege) befah-
ren werden. Bodenschonende Techniken (z. B. manuelle
Holzaufarbeitung und Seilkräne) sollten bevorzugt werden.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Auf den Fahrspuren der Rückegassen wird aufgrund ihrer Verdichtung deutlich mehr Oberä-
chenabuss gebildet als auf ungestörtem Waldboden (siehe Grak). Dieser Abuss ist auf kurze
Strecken begrenzt, wenn Querrillen in den Spuren (Reifenabdrücke) das Wasser ableiten. Eine
Gleisbildung in den Fahrspuren über längere Strecken führt zur Konzentration des Abusses
und erhöht somit die Erosionskraft. Bedingt durch die Bodenverdichtung ist in der Fahrspur die
Durchwurzelung deutlich geringer und der Boden stärker wassergesättigt, wodurch er schlechter
zusätzliche Niederschläge aufnehmen kann. Streuauagen im Bereich von Rückegassen redu-
zieren die Erosionsgefahr deutlich auf Mengen, die nicht wesentlich höher als auf ungestörtem
Waldboden sind (Grak).
Wo möglich, soll die Walderschließung extensiviert und Erschließungslinien aufgelassen werden,
wobei die Regeneration von Fahrspuren durch Bepanzung beschleunigt werden kann. Bei der
Planung des benötigten Rückegassennetzes sind insbesondere Länge und Gefälle der Rückegassen
zu variieren, um den Erschließungseffekt zu maximieren. Eine möglichst ach geneigte Trassen-
führung vermindert die Fließgeschwindigkeit in den Fahrspuren. Die Intensität der Gleisbildung
kann durch Befestigung der Befahrungslinien mit Ast- und Reisigmaterial und Verwendung von
Breit-/Niederdruckreifen verringert werden. Bei zu feuchtem Boden müssen Unterbrechungen der
Holzernte akzeptiert werden. Auf besonders sensiblen Standorten ist die Holzaufbereitung mit
Motorsäge und ggf. der Transport über Seilkräne vorzusehen.
Ein Vorteil bodenschonender Ernteverfahren ist die langfristige Sicherung der Bodenqualität und
damit der Wuchsleistung der Bestände.
Von Nachteil ist der erhöhte Arbeitsaufwand bei alternativen Ernte- und Rücketechniken.
Infos: http://www.waldwissen.net/technik/holzernte/erschliessung/fva_feinerschliessungsrichtlinie/index_DE
Kosten entstehen vor allem, wenn alternative Bringetechniken (z. B. Seilkran) eingesetzt werden.
23
Feldgehölzauorstung
Hangparallele Feldgehölzaufforstungen mit standorttypi-
schen und insbesondere mit wurzelintensiven Baumarten
wie Erlen können auf abussintensiven, bisher als Grünland
genutzten Flächen den Wasserabuss bremsen und den
Wasserrückhalt erhöhen.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Durch hangparallele Saumstrukturen um landwirtschaftlich genutzte Flächen werden die
in Falllinie verlaufenden Abussbahnen durchkreuzt und somit verkürzt. Außerdem wird
durch die höhere Oberächenrauhigkeit der Abuss gebremst und die Erosion verringert.
Wurzelintensive Baumarten wie Erlen erhöhen das Bodenporenvolumen, womit mittel-
fristig die Inltrations- und Wasserspeicherkapazität des Bodens deutlich erhöht wird.
Die höhere Interzeption und Verdunstung der Feldgehölze unterstützt die abussreduzierende
Wirkung. Der Anteil des Niederschlags, der oberächlich abießt, ist unter Wald weniger als halb
so hoch wie auf Wiesen oder Weiden (s. Grak).
Bevorzugt werden hangparallele Wald- und Strauchgürtel in brachliegenden Flächen im Über-
gangsbereich von Ackerland zu Wald angelegt. Im Vorfeld sollten Hotspots der Abussentstehung
identiziert werden, wo die Aufforstung mit Feldgehölzen besonders hohen Effekt auf die Hoch-
wasserentstehung hat. Es sollen standortgerechte und ökologisch stabile, möglichst wurzelinten-
sive und/oder stockausschlagfähige Baumarten gewählt werden. Bewährt sind z. B. reihenweise
Panzungen von Erlen mit truppweiser Einbringung von Linde und Esche oder Ahorn sowie
Reihenverbände von Linde/Hainbuche mit Eichentrupps.
Vorteile ergeben sich, wenn Feldgehölze als ökologische Trittsteine für Habitatverbunde wirken.
Finanzielle Vorteile können sich durch eine Wertholzproduktion ergeben.
Nachteile sind die Bewirtschaftungseinschränkungen sowie mögliche ackerbauliche Auswirkun-
gen (z. B. Besiedlung der angrenzenden Ackerächen durch Mäuse und Schnecken).
Infos: https://www.hochschule-trier.de/leadmin/groups/11/bauingenieurwesen/Personen/sartor/Forschung/WaReLa_Sartor-Kreiter.pdf
Die Kosten der Aufforstung beim Edellaubbaumtyp liegen bei ca. 2200 €/ha, beim Eichentyp bei
ca. 2600 €/ha. Zusätzliche Kosten entstehen für Waldschutzmaßnahmen (Zaun, Einzelschutz) und
eventuelle Nachpanzungen.
24
Freiächenvermeidung
Größere Freiächen, die z. B. durch Holzernte und Stürme
entstehen, sind besonders kritische Bereiche für die Hoch-
wasserentstehung. Die Vermeidung großächiger Frei-
ächen – z. B. durch Förderung des Unterstands vor der
Holzernte – und die möglichst rasche Schließung von
entstandenen Freiächen können den Abuss aus hoch-
wassersensitiven Einzugsgebieten spürbar verringern.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Im Kronenraum intakter Waldbestände wird deutlich mehr Niederschlag zurückgehalten als auf
Freiächen. Gleichzeitig ist im Wald die Transpiration höher, wodurch der Boden tendenziell
trockener und damit besser in der Lage ist, Niederschlagswasser aufzunehmen. Der Abuss aus
Freiächen beträgt deshalb im Vergleich zu geschlossenen Waldbeständen fast das Dreifache
(siehe Grak). Der Anteil an Niederschlag, welcher in größere Bodentiefen versickert und dort
zwischengespeichert werden kann, ist im geschlossenen Wald gegenüber Kahlächen mehr
als doppelt so hoch (siehe Grak), so dass Abusswellen aus Waldächen im Vergleich zu
Kahlächen deutlich verzögert werden.
Die Entwicklung standortgerechter Dauerbestockung sowie Vorausverjüngung und Vorwald mit
schnellwachsenden Baumarten verhindern das Entstehen großer Kronendachlücken. Flächen, auf
denen die Wirkung zur Hochwasserminderung besonders groß ist (bzw. wo der Erhalt des Waldes
besonders wichtig ist), sind: tiefe Böden mit hoher Wasserspeicherkapazität; Südhänge mit hohen
Verdunstungsraten; Steilhänge mit Neigung zu Oberächenabuss; schluff- und tonreiche Böden
mit geringer Versickerungsleistung. Solche „Hotspots“ der Hochwasserentstehung, auf denen eine
Freiächenvermeidung besonders große Wirkung hat, sollten ermittelt und kartiert werden, um die
Waldbegründung auf diesen Flächen zu fokussieren bzw. Kalamitäten zeitnah wiederzubewalden.
Vorteile ergeben sich z. B. im Hinblick auf die Wasserqualität, da unter Freiächen vor allem der
Nitratgehalt im Bodensickerwasser sehr stark erhöht ist.
Nachteilig ist der teilweise Verlust von Strukturvielfalt zwischen geschlossenen Waldbeständen
und Freiächen, mit negativen Aspekten für den Naturschutz.
Infos: http://www.waldwissen.net/wald/schutzfunktion/wasser/fva_hochwasserschutz_waelder/index_DE
Kosten entstehen bei der Erstaufforstung von Flächen (z. B. bei Edellaubbäumen ca. 2100 -
2700 €/ha), für Zäune oder einzelbaumweise Schutzmaßnahmen, für Nachpanzungen und für die
Kontrolle von Wildverbiss.
25
Mischwaldetablierung
Stabile Mischwälder mit vertikaler und horizontaler Stufung
bieten unabhängig von der standörtlichen Ausgangssituation
Schutz vor raschen und intensiven Oberächen- oder ober-
ächennahen Abüssen. Die Naturverjüngung standort-
gerechter Wälder hat dabei besonders positive Auswirkungen
auf die Abussreduktion.
Wirkung
realisierung
Vorteile
nachteile
kosten
BeWertung
Die positive Wirkung von strukturierten Mischwäldern ergibt sich vor allem durch den Erhalt einer
dauerhaften Bestockung, welche das Risiko für Kalamitäten und die damit verbundenen Auswir-
kungen auf Hochwasserentstehung und Erosion verringert. Durch die zeitliche Überlappung von
Verjüngungs- und Nutzungsphase wird der Wasserabuss auch in der Waldentwicklungsphase
auf geringem Niveau gehalten. Die unterschiedlich tiefe Durchwurzelung in Mischbeständen
erhöht die Wasserspeicherkapazität der Böden. Gleichzeitig wird das Bodenwasser besser ausge-
schöpft, wodurch der Boden besser aufnahmefähig für Niederschläge ist. Insgesamt kann deshalb
ein größerer Anteil des Niederschlags im Boden versickern und so der Abuss reduziert werden
(siehe Grak).
Bei der Realisierung sollten vorrangig solche Flächen berücksichtigt werden, wo der vorhandene
Wald bereits einen Hochwasserschutz bietet und die Beständigkeit des Waldes gefordert ist. Beim
Umbau der Bestände ist die kontinuierliche Erhaltung einer Vegetationsbedeckung anzustreben.
Kleinräumige Waldstrukturen können geschaffen werden durch Vorausverjüngung von Schattbaum-
arten, die Initiierung natürlicher standortgerechter Verjüngung und selektive Strukturdurch-
forstung. Auf gehemmt durchlässigen Böden helfen das Einbringen von tiefwurzelnden Baum-
arten und das Fördern von stugen, jüngeren (stärker transpirierenden) Beständen.
Vorteile sind die sehr hohe Artenvielfalt in strukturierten Mischwäldern sowie das
verringerte Waldschutzrisiko.
Nachteile sind vor allem die sinkenden Holzverkaufserlöse bei abnehmenden Fichtenanteilen.
Infos: http://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/umbau/fva_naturnaher_waldbau/index_DE
Kosten ergeben sich v. a. durch geringere Verkaufserlöse, denen aber minimierte Risiken durch
Kalamitäten gegenüberstehen. Entstehende Kosten für die Förderung der Naturverjüngung
können in der Regel durch Durchforstungserlöse kompensiert werden.
26
Diese werden im Zuge der Gemeinsamen Agrarpolitik
(GAP) ab 2014 mit Prämien für die Landwirtschaft
entlohnt wie z. B. die Bereitstellung Ökologischer
Vorrangächen durch den Anbau bzw. die Anlage
von Zwischenfrüchten oder Untersaaten, Niederwald
mit Kurzumtrieb, Landschaftselementen (Feldraine,
Hecken, Bäume) oder Brachlegung.
Das Einschränken der Bewirtschaftungsintensität bis
hin zum vollständigen Bewirtschaftungsverzicht kann
durch die Richtlinie gefördert werden. Auch die Erstel-
lung von Konzeptionen zur Biotopvernetzung, in die
beispielsweise der Erosionsschutz integriert werden
kann, ist förderfähig. Je nach Maßnahme können Land-
wirte, Verbände, Vereine, sonstige Personen des Privat-
rechts oder Kommunen unterstützt werden.
Diese regelt Bewirtschaftungsbegrenzungen auf ero-
sionsgefährdeten Flächen. Mit Maßnahmen wie etwa
Querbewirtschaftung oder unmittelbar folgende Aus-
saaten können die Bewirtschaftungs- und somit auch
Ertragsmöglichkeiten jedoch verbessert werden.
Dieses bundesweite Förderinstrument unterstützt eben-
falls Maßnahmen der naturnahen Waldbewirtschaftung
(Vorarbeiten, Waldumbau, Jungbestandspege, Boden-
schutzkalkung), die Verbesserung der forstwirtschaft-
lichen Infrastruktur sowie Erstaufforstungen in Privat-
und Kommunalwäldern.
Hiermit sind etwa für die Verbesserung des Wasserauf-
nahmevermögens bei einer Umwandlung von Acker in
Grünland oder Wald auf verschlämmungempndlichen
Böden und in Überschwemmungsgebieten innerhalb
HQ10 je m2 3 Ökopunkte für Kommunen anrechenbar.
Zum Erosionsschutz sind außerdem bei Begrünung,
Hangverkürzung und Anlage von Heckenstreifen
4 Ökopunkte je m2 anrechenbar.
Das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz
und Tierwohl unterstützt Landwirte mit gezielten
Förderbeträgen z. B. für Begrünungen im Acker- und
Gartenbau, Winterzwischenfrüchte, Untersaaten oder
Streifenbearbeitung.
Bei der Vielzahl existierender Programme und Regelungen
können die genannten Beispiele keinem Anspruch auf Voll-
ständigkeit entsprechen, so dass beim Planen und Konkrti-
sieren einer Maßnahmenumsetzung eine gezielte Prüfung
der Fördermöglichkeiten erforderlich ist.
Wertschöpfende Programme
Zudem liegen bei den Programmen und Instrumenten
detaillierte Förderbestimmungen und Ausführungsregelun-
gen vor, die in jedem Einzelfall bei einer Inanspruchnahme
und Umsetzung zu beachten sind.
Hierüber wird in Baden-Württemberg eine Vielzahl von
Maßnahmen gefördert, die eine nachhaltige Waldbe-
wirtschaftung fördern. Dazu zählen Erstaufforstungen
auf bislang nicht forstwirtschaftlich genutzten Flächen
inkl. Nachbesserung, die Förderung einer naturnahen
Waldbewirtschaftung (u. a. Waldumbau, Bodenschutz-
kalkung), die Förderung der forstwirtschaftlichen
Infrastruktur (Wege, Durchlässe u. ä.), auch im Hinblick
auf die Verbesserung des Hochwasserschutzes,
Maßnahmen zum Erhalt und zur Verbesserung der
Schutz- und Erholungsfunktion der Wälder (u. a. Maß-
nahmen zur bodenschonenden Holzernte, Neuanlage/
Erhalt von Feuchtbiotopen).
Greening-Maßnahmen
Landschaftspegerichtlinie
Erosionsschutzverordnung
GAK (Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur
und Küstenschutz, Förderbereich 5: Forsten)
FAKT
Ökokonto-Verordnung
Verwaltungsvorschrift
„Nachhaltige Waldwirtschaft“
27
Diese werden zumeist von Kommunen aufgelegt
zwecks der Aufwertung des Naturschutzes, der Biotop-
vernetzung, des Landschaftsbildes oder des Boden-
schutzes. Bei einer Teilnahme werden die Landwirte
entsprechend der Größe und Art eines Ackerrand-
steifens durch die Kommunen honoriert wie etwa in
Korntal-Münchingen, Ditzingen oder Heilbronn.
Das bisherige KLIMOPASS Förderprogramm wurde
evaluiert und zu einer Förderrichtlinie weiterent-
wickelt. Das Programm soll Kommunen sowie kleine
und mittlere Unternehmen bei der Anpassung an den
Klimawandel unterstützen. Die Förderrichtlinie wurde
am 9. März 2018 bekannt gemacht und ist auf
der Homepage des Ministeriums für Umwelt BW
veröffentlicht. Welche der Maßnahmen des vorliegen-
den Katalogs damit gefördert werden können, ist in
jedem Einzelfall zu prüfen.
Über diese Förderung werden Waldbesitzer in
Baden-Württemberg bei Maßnahmen zum Erhalt und
Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes
von FFH-Waldlebensraumtypen unterstützt. Maßnah-
men zur Erhöhung des Wasserrückhaltevermögens
in der Landschaft (z. B. Wiedervernässung) können
– neben der Wirkung auf Hochwasser – positive
Effekte im Sinne der FFH-Richtlinie haben und somit
förderfähig sein.
Retentionskonzepte inklusive Kleinrückhalten können
insbesondere in Flurneuordnungsverfahren integriert
und mit dem jeweiligen Fördersatz bezuschusst werden.
Maßnahmen am Gewässer können zudem im Rahmen
der Gewässerrandstreifen gefördert werden. Im Rah-
men der Förderrichtlinie Wasserwirtschaft (Nr. 12.7),
sind sowohl die Grundlagenermittlung (Erstellung von
Starkregengefahrenkarten) als auch die bauliche Maß-
nahmen (Verwallungen, Ableitungsgräben, Retentions-
räume) zum Schutz der betroffenen Bebauung, sofern
diese vor 1999 errichtet wurde. Die Beantragung erfolgt
über die Untere Wasserbehörde bei den jeweiligen
Regierungspräsidien.
Informationen
Weiterführende Informationen zu einzelnen Maßnahmen oder Maßnahmen-
paketen können beispielsweise den folgenden Quellen entnommen werden:
AMEWAM-Steckbriefe Landwirtschaftlicher Hochwas-
serschutz – 10 Steckbriefe für 12 Maßnahmen. – Billen, N.,
Aurbacher, J. und Krimly T., – Hrsg.: Krimly, T., Dabbert,
S., Universität Hohenheim, Institut für landwirtschaftliche
Betriebslehre, 2007
DWA-M 910 – Merkblatt Berücksichtigung der Boden-
erosion durch Wasser bei der Maßnahmenplanung nach
EG-Wasserrahmenrichtlinie. – Hrsg.: Deutsche Vereinigung
für Wasserwirtscha, Abwasser und Abfall e.V. Hennef, 2012
DWA-M 550 DWA – Merkblatt Dezentrale Maßnahmen
zur Hochwasserminderung. – Hrsg.: Deutsche Vereinigung
für Wasserwirtscha, Abwasser und Abfall e.V. Hennef, 2015
DWA-A 904 – Arbeitsblatt Richtlinien für den ländlichen
Wegebau – Hrsg.: Deutsche Vereinigung für Wasserwirt-
scha, Abwasser und Abfall e.V. Hennef, 2005
Leitfäden zur Gewässerentwicklung der LUBW unter
http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/48289
Ackerrandstreifenprogramm
Förderrichtlinie zur Klimaanpassung
Verwaltungsvorschrift
„Umweltzulage Wald“
Förderrichtlinie Wasserwirtschaft
28
Als Informationsgrundlagen zum Darstellen der Wirkung der
Maßnahmen in Text und Grak dienten folgende Quellen:
Billen, N. & Lambert, B. (2006): Agricultural measures for water management and
their integration into spatial planning (AMEWAM) – Particapatory Implementation
of Agricultural Measures for water Retention on Farms and Evaluation of Datas for
Erosion Modelling and for Controlling of Measures Efciency. – Final Report to batch
2 of the Interreg IIIB NWE R+D-Contract, p. 53 and annex
Billen, N. (1996): Standortsabhängigkeit der Bodenveränderungen durch Brachlegung
(Flächenstillegung) von Äckern in Südwestdeutschland. – Hohenheimer Bodenkund-
liche Hefte, Heft 37, Stuttgart, 255 S.
Kempf, J. & Billen, N. (2016): Ergebnisse aktueller Szenarien Modellrechnungen mit
LISEM (pers. Mitteilung)
Ackerrandstreifen
Bodenlockerung
Felder-/Flurneuordnung
Mulchsaat
Querdammhäufelung
Untersaat
Zwischenfrüchte
Begrünung/Brache
Engsaat
Streifenbearbeitung
Bodenschutzkalkung
Retentionsmulden
Wegewasserableitung
Wegerückbau
Wiedervernässung
Bachrenaturierung
Hang-/Schlagteilung
Querbewirtschaftung
Aurbacher, J. & Assmann, A. (2006): Ergebnisse von Szenarien Modellrechnungen
mit LISEM. In: Aurbacher, J. (2010): Ökonomische Analyse landwirtschaftlicher
Maßnahmen zur Verringerung von Erosion und Wasserabuss im Kraichgau: Modell-
entwicklung, Ergebnisse und Übertragbarkeit. – Shaker Verlag, Aachen, 166 S.
Übelhör, A., Witte, I., Billen, N., Gruber, S., Hermann, W., Morhard, J. & Claupein, W.
(2014): Feasibility of strip-tillage for eld grown vegetables / Eignung des Strip-
Tillage Verfahrens für den Feldgemüsebau. – Journal für Kulturpanzen 66 (11),
365–377
Schüler, G. (2002): Schutz versauerter Böden in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern
– Ergebnisse aus 10-jähriger interdisziplinärer Forschung. Allgemeine Forst- und
Jagdzeitung, 173(1), 1-7.
Kreiter, T. (2007): Dezentrale und naturnahe Retentionsmaßnahmen als Beitrag zum
Hochwasserschutz in mesoskaligen Einzugsgebieten der Mittelgebirge. Universität
Trier, Fachbereich für Geographie und Geowissenschaften.
Schüler, G. (2003): Hochwasservorsorge in Waldgebieten Südwestdeutschlands. Ber.
Freiburger Forstliche Forschung „Boden-und Wasservorsorge “, H, 49,177-194.
Schwärzel, K., Renger, M., Sauerbrey, R. & Wessolek, G. (2002): Soil physical charac-
teristics of peat soils. Journal of Plant Nutrition and Soil Science, 165(4), 479-486.
Rieger, W. & Disse, M. (2008): Dezentraler Hochwasserschutz am Beispiel der
Windach. In: Seminar „Wasserrückhalt in der Fläche – Möglichkeiten und Grenzen
des dezentralen Hochwasserschutzes “, Mitteilungen des Instituts für Wasserwesen der
Bundeswehr München, pp. 9-20.
Informationen
29
Bodenschonende Holzernte
Feldgehölzauorstung
Freiächenvermeidung
Mischwaldetablierung
Zemke, J. (2014): Simulation von Abussbildung und Bodenerosion auf Waldwegen
und Rückegassen mittels Kleinberegnungsanlage. In: Beiträge zum 46. Jahrestreffen
des Arbeitskreises Hydrologie vom 20.-22. November 2014 in Marburg, Geographica
Augustina (eds. Chifard, P., Karthe, D., Reiss, M., Opp, C. & Groll, M.), pp. 15-24.
Raulund-Rasmussen, K., De Jong, J., Humphrey, J.W., Smith M., Ravn, H.P., Kat-
zensteiner, K., Klimo, E., Szukics, U., Delaney, C., Hansen, K., Stupak, I., Ring, E.,
Gundersen, P. & Loustau, D. (2011): EFORWOOD: Tools for Sustainability Impact
Assessment - Papers on impacts of forest management on environmental services. EFI
Technical Report 57
Schüler G. (2013): Hochwasserschutz aus der Sicht der Forstwirtschaft. – www.
landschafft.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/b81d6f06b181d7e7c1256e-
920051ac19/2aa97e655550b63cc1257b57003eaafc/$FILE/130228_Hochwasser-
schutz_04_schueler_netz.pdf (abruf: Mai 2016). – Beitrag zur Tagung „Passiver
Hochwasserschutz im ländlichen Raum…“ am 28.02.2013 in Lauterecken
Bredemeier, M. & Schüler, G. (2004). Forest ecosystem structures, forest management,
and water retention. Ecohydrology and Hydrobiology, 4(3), 255-266.
Fotoautoren
Deckblatt
Ackerrandstreifen
Begrünung/Brache
Bodenlockerung
Engsaat
Felder-/Flurneuordnung
Hang-/Schlagteilung
Mulchsaat
Querbewirtschaftung
Querdammhäufelung
Streifenbearbeitung
Untersaat
N. Billen
N. Billen
N. Billen
N. Billen
W. Heilig
M. Billen
N. Billen
T. Würfel
N. Billen
J. Aurbacher
N. Billen
H. Sprich
N. Billen
H. Puhlmann
J. Schäffer
M. Schnickl/A. Assmann
C. Sucker
H. Hettinger
C. Sucker
P. Adler
T. Weidner
T. Weidner
T. Weidner
Zwischenfrüchte
Bachrenaturierung
Bodenschutzkalkung
Retentionsmulden
Wegewasserableitung
Wegerückbau
Wiedervernässung
Bodenschonende Holzernte
Feldgehölzaufforstung
Freiächenvermeidung
Mischwaldetablierung
30
Maßnahmen
Übersicht
Gut
Mittel
Schlecht
Landwirtschaft
Forstwirtschaft
Boden
(Erosionsschutz)
Wasser
(Retention)
Wirkungsart
Wirkungsdauer
Kosten
im Glemsgebiet
erprobt
Handlungsfeld Bewertung
Akteur Wirkung
hoch
mittel
niedrig
hoch
mittel
niedrig
niedrig
mittel
hoch n.b.
dauer-
haft
mehr-
jährig
ver-
breitet
ver-
einzelt
ein-
jährig
flächig
selektiv
Ackerrandstreifen
Begrünung/Brache
Bodenlockerung
Engsaat
Felder-/Flurneuordnung
Hang-/Schlagteilung
Mulchsaat
Querbewirtschaftung
Querdammhäufelung
Streifenbearbeitung
Untersaat
Zwischenfrüchte
Bodenschutzkalkung
Retentionsmulden
Wegewasserableitung
Wegerückbau
Wiedervernässung
Bachrenaturierung
Bodenschonende Holzernte
Feldgehölzaufforstung
Freiächenvermeidung
Mischwaldetablierung
31
Impressum
WBW Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung mbH,
Karlstraße 91, 76137 Karlsruhe
Internet: www.wbw-fortbildung.de
Als Druckexemplar und als Download kostenlos zu beziehen
beim Herausgeber
Projektgruppe KliStaR – Klimaanpassung durch Stärkung des
Wasser- und Bodenrückhalts in Außenbereichen
http://www.starkregengefahr.de/glems/category/klistar/
N. Billen, terra fusca ing. PartG, Riedgrasweg 26, 70599 Stuttgart
H. Puhlmann, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt
Baden-Württemberg, Wonnhaldestraße 4, 79100 Freiburg
J. Kempf, A. Assmann, geomer GmbH
Im Breitspiel 11b, 69126 Heidelberg
Kommunen: Ditzingen, Korntal-Münchingen, Leonberg, Gerlingen,
Schwieberdingen, Markgröningen, Hemmingen, Stuttgart
Landwirte: Korntal-Münchingen
E. Unterseher (LTZ Augustenberg),
W. Heilig (LWA am LRA Reutlingen)
W. Hermann (Universität Hohenheim)
Das KliStaR-Projekt wurde gefördert im Rahmen des Landes-
programms „Klimawandel und modellhafte Anpassung in
Baden-Württemberg“ (KLIMOPASS) aus Mitteln des Ministeriums
für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.
M. Billen, staatl. gepr. Grakdesignerin
Riedgrasweg 26, 70599 Stuttgart
Karlsruhe, 2018, 5 000 Exemplare
Bechtel Druck GmbH & Co. KG
Hans-Zinser-Str. 6, 73061 Ebersbach/Fils
Das Papier dieser Broschüre ist mit dem Blauen Engel zertiziert.
Die vorliegenden Steckbriefe sind ein Auszug aus:
Reihe KLIMOPASS-Berichte - Projektnr.: 4500352507/23
http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de
Herausgeber
Bezug
Bearbeitung
Beteiligung
Beratung
Förderung
Gestaltung
Auage
Druck
Hinweis
WBW Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung mbH
Karlstraße 91 · 76137 Karlsruhe
www.wbw-fortbildung.de · info@wbw-fortbildung.de
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Article
Full-text available
bearbeitet seit Oktober 2007 im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) das Forschungsvorhaben "Entwicklung einer Me-thodik zur Erstellung von Hochwasserrückhaltekonzepten unter Berücksichtigung des Klimawandels am Beispiel der Windach". Das Projekt beinhaltet die Beantwortung folgender Fragestellun-gen anhand eines Flussgebietsmodells der Windach: "Ermögli-chen Maßnahmen des dezentralen Hochwasserschutzes eine Re-duktion der Abflussspitze bzw. der Abflussfülle?", "Verändert der zu erwartende Klimawandel die Hochwasserverhältnisse?" und "Können zusätzliche dezentrale Hochwasserrückhaltebecken un-terhalb des Windachspeichers die Hochwasserwellen effektiv dämpfen?" Weiterhin wird auf Wunsch des Wasserwirtschaf-tsamtes Weilheim eine Variantenrechnung in das Projekt mitein-bezogen, um die Auswirkung einer bereits geplanten Vorsperre zum Windachspeicher auf den Hochwasserabfluss zu quantifi-zieren.
Article
Full-text available
A simple model to predict soil water components and the CO2 release for peat soils is presented. It can be used to determine plant water uptake and the CO2 release as a result of peat mineralization for different types of peat soils, various climate conditions, and groundwater levels. The model considers the thickness of the root zone, its hydraulic characteristics (pF, Ku), the groundwater depth and a soil-specific function to predict the CO2 release as a result of peat mineralization. The latter is a mathematical function considering soil temperature and soil matric potential. It is based on measurements from soil cores at varying temperatures and soil water contents using a respiricond equipment. Data was analyzed using nonlinear multiple regression analysis. As a result, CO2 release equations were gained and incorporated into a soil water simulation model. Groundwater lysimeter measurements were used for model calibration of soil water components, CO2 release was adapted according long-term lysimeter data of Mundel (1976). Peat soils have a negative water balance for groundwater depth conditions up to 80-100 cm below surface. Results demonstrate the necessity of a high soil water content i.e. shallow groundwater to avoid peat mineralization and soil degradation. CO2 losses increase with the thickness of the rooted soil zone and decreases with the degree of soil degradation. Especially the combination of deep groundwater level and high water balance deficits during the vegetation period leads to tremendous CO 2 losses.
Thesis
Die Arbeit befasst sich mit der quantifizierenden Wirkungsabschätzung folgender Hochwasserschutzmaßnahmen: Auwaldaufforstung, Kleinrückhalte, Tieflockerung und Wegebaumaßnahmen. Neben der Betrachtung der hochwassermindernden Wirkung der einzelnen Maßnahmen werden auch die Grenzen der eingesetzten Simulationsmodelle aufgezeigt, diskutiert und Impulse für die Weiterentwicklung der Modellsysteme geben. Für die Auwaldaufforstung wurde ein zweidimensional instationäres Strömungsmodell auf der Basis des Rauhigkeitsansatzes nach Manning-Strickler auf einen rund 7,0 km langen Abschnitt eines Auetalgewässers angewendet. Bezüglich der hochwassermindernden Wirkung der Maßnahme Auwaldaufforstung konnte festgestellt werden, dass sich die Wirkung nahe der modelltechnischen Nachweisbarkeitsgrenze bewegt. Als Referenzereignisse dienten ein ca. 5-10 jährliches sowie ein ca. 50-80 jährliches Hochwasserereignis. In allen untersuchten Fällen blieb die relative Scheitelabminderung deutlich unter 1 %. Der Maßnahmentyp Kleinrückhalte wurde zunächst anhand von zwei Einzugsgebieten der Mesoskale (Obere Blies, AE ca. 8,5 km² und Thalfanger Bach, AE ca.17 km²) sowie anhand von mehreren hieraus abgeleiteten Fiktivsystemen mit Hilfe eines konzeptionellen Flussgebietsmodells untersucht. Die Untersuchung von Fiktivsystemen diente der Identifikation derjenigen Modellparameter, die den Effekt – also die hochwassermindernde Wirkung der Maßnahme – im Wesentlichen bewirken. Anschließend erfolgte eine Betrachtung des Maßnahmentyps Kleinrückhalte in den Flussgebieten von Prims (AE ca. 730 km²) und Blies (AE ca. 1.890 km²). Die Simulationsergebnisse zeigen, dass die Retentionswirkung von Kleinrückhalten entscheidend vom Volumen der jeweiligen Standorte und vom Volumen des betrachteten Hochwassers abhängt. In Abhängigkeit des Volumens wurden Scheitelabminderungen – je nach Ereignis – von < 1 % bis über 60 % simuliert. Entscheidend ist die Summe des Volumens der Einzelstandorte. Liegt das Gesamtvolumen unter einem Wert von 2,0 mm Gebietsrückhalt, so kann davon ausgegangen werden, dass die Maßnahmen nicht signifikant zur Hochwasserminderung beitragen können. Das Retentionspotenzial der Kleinrückhalte kann entscheidend gesteigert werden, wenn die Drosselöffnungen der Kleinrückhalte entsprechend optimiert werden. Die Arbeit stellt ein einfach handhabbares Regionalisierungsverfahren zur Abschätzung des Retentionspotenzials in mesoskaligen Einzugsgebieten (bis 20 km²) vor. In den Einzugsgebieten von Blies und Prims würden jeweils 104 bzw. 79 Standorte mit einem Gesamtvolumen von 1,9 bzw. 2,5 mm zu Scheitelabminderungen am Gebietsauslass von 2-4 % bzw. 3-5 % bei interessanten, schadbringenden Hochwasserereignissen führen. Die Maßnahmentypen Tieflockerung und Wegebaumaßnahmen wurden mit Hilfe eines Wasserhaushaltsmodells im Einzugsgebiet der Oberen Blies untersucht. Für dieses Gebiet liegen die simulierten Scheitelabminderungen bezogen auf das zugrunde liegende Hochwasserereignis vom Dezember 1993 (ca. HQ10) bei jeweils < 5 % für die beiden untersuchten Maßnahmentypen Tieflockerung und Wegebaumaßnahmen. Generell sind die Möglichkeiten der Tieflockerung und der wegebaulichen Maßnahmen als Hochwasserschutzmaßnahmen begrenzt auf kleinere, 1-5 jährliche Ereignisse. Große, schadbringende Ereignisse können nicht signifikant abgemindert werden.
Article
This paper deals with linking forest ecosystems theory to practical measures in forestry, which aim at supporting optimisation of the water cycle through forests. In ecosystem theories of natural forest systems, succession plays a key role. The Mosaic-Cycle theory postulates that in natural forests the stages of temporal cycles (exploration, maturation, senescence and decay) coexist side by side in space, giving rise to a mosaic of different successional stages in a natural forested landscape. Under such forest dynamics, a continuous forest cover with a highly structured canopy layer would be maintained, and evapotranspiration and water retention in forested landscapes would be supported in an optimal way. These principles of ecosystem dynamics and structural development should hence be imitated by management strategies in forestry, in order to make the best possible use of the forest area for a precautionary water flux management. We specify the most important points to consider in practical forest management with respect to water retention and flood control.
  • N Billen
Billen, N. (1996): Standortsabhängigkeit der Bodenveränderungen durch Brachlegung (Flächenstillegung) von Äckern in Südwestdeutschland. -Hohenheimer Bodenkundliche Hefte, Heft 37, Stuttgart, 255 S.
  • A Übelhör
  • I Witte
  • N Billen
  • S Gruber
  • W Hermann
  • J Morhard
  • W Claupein
Übelhör, A., Witte, I., Billen, N., Gruber, S., Hermann, W., Morhard, J. & Claupein, W. (2014): Feasibility of strip-tillage for field grown vegetables / Eignung des Strip-Tillage Verfahrens für den Feldgemüsebau. -Journal für Kulturpflanzen 66 (11), 365-377
  • G Schüler
Schüler, G. (2002): Schutz versauerter Böden in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern -Ergebnisse aus 10-jähriger interdisziplinärer Forschung. Allgemeine Forst-und Jagdzeitung, 173(1), 1-7.
Simulation von Abflussbildung und Bodenerosion auf Waldwegen und Rückegassen mittels Kleinberegnungsanlage
  • J Zemke
  • P Chifflard
  • D Karthe
  • M Reiss
  • C Opp
  • Groll
Zemke, J. (2014): Simulation von Abflussbildung und Bodenerosion auf Waldwegen und Rückegassen mittels Kleinberegnungsanlage. In: Beiträge zum 46. Jahrestreffen des Arbeitskreises Hydrologie vom 20.-22. November 2014 in Marburg, Geographica Augustina (eds. Chifflard, P., Karthe, D., Reiss, M., Opp, C. & Groll, M.), pp. 15-24.
Grafikdesignerin Riedgrasweg 26, 70599 Stuttgart Karlsruhe, 2018, 5 000 Exemplare Bechtel Druck GmbH & Co. KG Hans-Zinser-Str. 6, 73061 Ebersbach/Fils Das Papier dieser Broschüre ist mit dem Blauen Engel zertifiziert. Die vorliegenden Steckbriefe sind ein Auszug
  • M Billen
M. Billen, staatl. gepr. Grafikdesignerin Riedgrasweg 26, 70599 Stuttgart Karlsruhe, 2018, 5 000 Exemplare Bechtel Druck GmbH & Co. KG Hans-Zinser-Str. 6, 73061 Ebersbach/Fils Das Papier dieser Broschüre ist mit dem Blauen Engel zertifiziert. Die vorliegenden Steckbriefe sind ein Auszug aus: Reihe KLIMOPASS-Berichte-Projektnr.: 4500352507/23
000 Exemplare Bechtel Druck GmbH & Co. KG Hans-Zinser-Str. 6, 73061 Ebersbach/Fils Das Papier dieser Broschüre ist mit dem Blauen Engel zertifiziert
  • M Billen
M. Billen, staatl. gepr. Grafikdesignerin Riedgrasweg 26, 70599 Stuttgart Karlsruhe, 2018, 5 000 Exemplare Bechtel Druck GmbH & Co. KG Hans-Zinser-Str. 6, 73061 Ebersbach/Fils Das Papier dieser Broschüre ist mit dem Blauen Engel zertifiziert. Die vorliegenden Steckbriefe sind ein Auszug aus: Reihe KLIMOPASS-Berichte -Projektnr.: 4500352507/23