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Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung: Ziele und Designprinzipien

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Abstract

Der Beitrag beleuchtet die Funktion von Reallaboren als Rahmen für transformative und transdisziplinäre Forschung. Dazu wird zuerst ein Verständnis von Reallaboren vorgelegt, das auf der Reflexion praktischer Erfahrungen von Reallaboren in Baden-Württemberg beruht. Ausgangspunkt hierfür ist ein Verständnis von Reallaboren als Infrastruktur für Realexperimente und andere transdisziplinäre Projekte. Aufbauend auf diesem Verständnis werden die Ziele der Reallaborarbeit in drei Dimensionen, den Forschungs-, Praxis- und Bildungszielen beschrieben. Um einen solchen Rahmen herzustellen und zu pflegen, werden fünf Designprinzipien vorgeschlagen: Problem- und Themenangemessenheit herstellen, räumliche Angemessenheit gestalten, zeitliche Angemessenheit herstellen, angemessene Akteursrollen etablieren sowie experimentell-reflexive Arbeitsweise fördern. Den Abschluss bildet ein Schema aus Zieldimensionen und Designprinzipien, das bei der Ausgestaltung von Reallaboren als Hilfestellung dienen soll, das aber auch als Reflexionsschema verwendet werden kann.
Reallabore als Rahmen transformativer und
transdisziplinärer Forschung: Ziele und
Designprinzipien
Richard Beecroft, Helena Trenks, Regina Rhodius, Christina Benighaus &
Oliver Parodi
1 Einleitung
Zu Reallaboren, ihrer Definition und ihrem Aufbau, ihren Zielen und Methoden
besteht inzwischen ein lebendiger und teils divergierender Diskurs. Die Kontro-
versen beruhen nicht nur darauf, dass sie ein noch junges, wenig beschriebenes
Format sind, sondern auch auf ihrem umfassenden Anspruch: Sie schließen eine
Lücke zwischen Forschung und Praxis; sie arbeiten transdisziplinär und trans-
formativ, indem sie wissenschaftliche Forschung mit Beiträgen zu einem gesell-
schaftlichen Wandel kombinieren.
Erste Definitionen von Reallaboren stellten den gesellschaftlichen Bedarf nach
„wissenschaftsgeleitete[r] Unterstützung des Transformationsprozesses im Sinne
der Transdisziplinarität“ heraus (MWK 2013, S. 31; s. auch Wagner und Grun-
wald 2015; Arnold und Piontek 2018), auch weil zu diesem Zeitpunkt noch kaum
Projekte unter diesem Begriff firmierten. In einer zweiten Phase, in der eine Viel-
zahl von Reallaboren die Arbeit aufnahm, lag der Schwerpunkt auf der Diskus-
sion von Charakteristika und Kriterien, die helfen zu entscheiden, was berechtig-
terweise als Reallabor bezeichnet wird. Beecroft und Parodi (2016) listen zum
Beispiel als Kriterien „Forschungsorientierung, normative Orientierung an Nach-
haltigkeit, Transdisziplinarität, Transformativität, zivilgesellschaftliche Orientie-
rung, Langfristigkeit und Laborcharakter“ auf. Defila und Di Giulio (2018) beto-
nen in der Einführung zu diesem Buch als zwingende Anforderung an Reallabore
(nebst der Transdisziplinarität), dass diese ein gesellschaftlich legitimiertes Ziel
verfolgen müssen, das ethisch gut begründet und gemeinwohlorientiert ist.
An diese Definitionen anknüpfend soll hier ein Verständnis von Reallaboren vor-
gelegt werden, das auf der Reflexion praktischer Erfahrungen basiert, und das da-
© Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en) 2018
R. Defila und A. Di Giulio (Hrsg.), Transdisziplinär und
transformativ forschen, https://doi.org/10.1007/978-3-658-21530-9_4
76 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
zu geeignet ist, methodologische1 Entscheidungen abzuleiten – etwa die in die-
sem Beitrag skizzierten Designprinzipien. Ausgangspunkt hierfür ist ein Ver-
ständnis von Reallaboren als Rahmen für transdisziplinäre Projekte.2 Diese kön-
nen zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Labor starten und enden,
unterschiedliche Akteure aus Wissenschaft und Praxis einbinden und sich in den
Fragestellungen unterscheiden. Die charakteristische Form transdisziplinärer Pro-
jekte in einem Reallabor sind Realexperimente3, bei denen in einem kooperativen
Prozess zwischen Akteuren aus der Wissenschaft und aus der Praxis Experimente
geplant, durchgeführt und ausgewertet werden (Co-Design und Co-Produktion).
Transdisziplinäre Projekte initiieren und begleiten reale Transformationsprozesse
(insbesondere in Form von Interventionen) und produzieren Wissen über solche
Prozesse. In transdisziplinären Projekten kann eine Vielzahl von Methoden und
Methodenkombinationen zum Einsatz kommen, darunter auch solche, die in ei-
nem Reallabor neu entwickelt werden4. Ein Reallabor entfaltet sein Potential
gerade dann, wenn es Erfahrungsaustausch und Synergien zwischen parallelen
und/oder aufeinander folgenden Projekten ermöglicht.5 Abb. 1 zeigt beispielhaft
das Design des Reallabors 131: KIT findet Stadt (BaWü-Lab R131) (s. a. Steck-
brief im Anhang dieses Buchs), in dem transdisziplinäre Projekte eingebettet
waren in eine transdisziplinäre Infrastruktur und in dem übergreifende Aufgaben
definiert wurden, um diese Projekte zu unterstützen.
1 Methodologie wird im Kontext dieses Beitrags verwendet als die Auswahl, Entwick-
lung, Bewertung und Kombination von Methoden, die in den transdisziplinären Pro-
jekten in einem Reallabor zum Einsatz kommen. Die Methoden entstammen nicht
zwangsläufig der Forschung (z. B. Mediation).
2 Auch naturwissenschaftliche und technische Labore stellen einen Rahmen dar, um ge-
staltbare Bedingungen, Beobachtbarkeit und Sicherheit von Experimenten unter An-
wendung spezifischer Methoden zu ermöglichen.
3 Unter Realexperimenten verstehen die Autor(inn)en hier Interventionen, die gemein-
sam mit Akteuren aus der Praxis konzipiert und durchgeführt werden, und die im Rah-
men eines Reallabors hinreichend gut beeinflusst und wissenschaftlich begleitet wer-
den können (Groß et al. 2005; Parodi et al. 2016b). Da der Begriff in Praxiskontexten
leicht missverstanden werden kann, werden Realexperimente in der Umsetzung oft an-
ders bezeichnet, z. B. als Nachhaltigkeitsexperimente (Trenks et al. 2018). In diesem
Text werden Realexperimente unter dem Begriff transdisziplinäre Projekte subsumiert.
4 Dieses Buch stellt eine erste systematische Sammlung und Darstellung dar von Me-
thoden, die in Reallaboren – und zwar solchen, die im Rahmen der beiden Förderlinien
„Reallabore“ und „Reallabore Stadt“ in Baden-Württemberg ab 2015 gefördert wurden
(nachstehend als „BaWü-Labs“ bezeichnet) – neu entwickelt bzw. angepasst oder kom-
biniert wurden.
5 Die hier zugrunde gelegte Architektur greift in Reallaboren nicht immer, so werden
Reallabore z. B. selbst als Methode der Intervention in Wissensräume diskutiert (wie
z. B. das BaWü-Lab Urban Office – Nachhaltige Stadtentwicklung in der Wissens-
gesellschaft (s. Steckbrief im Anhang dieses Buchs), s. Marquardt und West 2016).
Richard Beecroft et al. 77
Abbildung 1: Das Design des BaWü-Labs R131 in Karlsruhe, in dem die hier dargestellte
Architektur gewählt wurde. © R131.
Reallabore unterstützen transdisziplinäre Projekte in zweifacher Hinsicht:
1) indem sie einen übergreifenden Zielhorizont eröffnen, in den sich Einzel-
aktivitäten einordnen lassen.
2) indem in ihrem Forschungsdesign Rahmenentscheidungen (etwa zu Arten der
Datensammlung oder zu Evaluationsstrategien) getroffen werden, durch die
die einzelnen transdisziplinären Projekte aufeinander abgestimmt werden kön-
nen.
Im Hinblick auf die transdisziplinäre Forschung ist am Reallabor-Ansatz neu,
dass transdisziplinäre Projekte nicht für sich stehen, sondern dass mit einem Real-
labor ein spezifischer, ebenfalls transdisziplinärer Rahmen für sie etabliert wird.
Dieser bietet eine geeignete Infrastruktur und erlaubt, übergreifende transdiszipli-
näre Aufgaben (z. B. Monitoring neuer Themen, Integration von Ergebnissen
zwischen transdisziplinären Projekten, Aufbau langfristiger Kooperationen) zu
bearbeiten, die ansonsten leicht zu kurz kommen.
Der Begriff „Reallabor“ entstammt den Debatten um eine transdisziplinäre und
transformative Nachhaltigkeitsforschung (WBGU 2011; Schneidewind und Sin-
78 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
ger-Brodowski 2013; 2015). Insbesondere die vierzehn ab 2015 in Baden-Würt-
temberg eingerichteten BaWü-Labs folgen dem Leitbild einer „Wissenschaft für
Nachhaltigkeit“.6 Andere legitimierte, ethisch gut begründete und gemeinwohl-
orientierte gesellschaftliche Ziele ließen sich in ähnlicher Weise in Reallaboren
bearbeiten (etwa Inklusion im Bildungsbereich), mit demselben Anspruch, Trans-
formationsprozesse anzustoßen, zu begleiten und zu beforschen.
Für den Kontext dieses Buches legen die Autor(inn)en dementsprechend folgen-
des Verständnis von Reallaboren zugrunde:
Reallabore sind Einrichtungen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis. Sie bie-
ten einen Rahmen, um Forschungs-, Praxis- und Bildungsziele zu verfolgen. Reallabore
sind transformativ ausgerichtet und verfolgen gesellschaftlich legitimierte, ethisch gut
begründete und gemeinwohlorientierte Ziele. Designprinzipien für Reallabore dienen
der sachlichen, räumlichen und zeitlichen Rahmung und dem Aufbau einer Rollen-
konstellation beteiligter Akteure, die den zu bearbeitenden Transformationsprozessen
angemessen sind. In Reallaboren werden transdisziplinäre Projekte (insbesondere Real-
experimente) umgesetzt. Diese Projekte werden im Sinne einer experimentellen und
reflexiven Arbeitsweise kontinuierlich reflektiert und ihr Projektverlauf wird dem-
entsprechend angepasst.
Der folgende Text führt die in dieser Definition angelegte Gliederung in Ziele
und Designprinzipien aus. In Kapitel 2 wird der Zielhorizont eines Reallabors
dargestellt. Die BaWü-Labs, aus deren Begleitforschung dieses Buch hervorge-
gangen ist, verstehen sich als „transformative Forschung“ (WBGU 2011; Schnei-
dewind und Singer-Brodowski 2013). Als solche möchten sie gleichermaßen
reale Transformationsprozesse anstoßen (Praxisziele) und – soweit möglich ver-
allgemeinerbares – Wissen über Transformation hervorbringen (Forschungsziele).
Neben diesen beiden etablierten Zieldimensionen sehen die Autor(inn)en in der
Ermöglichung von Lernen eine dritte, eigenständige Zieldimension (Bildungszie-
le), ohne die Transformation nicht in einem umfassenden Sinne denkbar ist. Kapi-
tel 3 beschreibt zentrale Prinzipien für das Design von Reallaboren: Die Festle-
gung eines angemessenen thematischen, räumlichen und zeitlichen Rahmens, die
angemessene Gestaltung der Akteursrollen sowie den zu etablierenden experi-
mentell-reflexiven Forschungsstil, der auch ein Reallabor als Ganzes lernfähig
hält. Den Schluss in Kapitel 4 bildet ein Schema, basierend auf den dargestellten
Zielen und Designprinzipien, das als Reflexionsrahmen und Evaluationsinstru-
ment für das Design eines konkreten Reallabors dienen kann. In diesem Schema
sind Lessons Learnt aus den BaWü-Labs zusammengestellt.
6 Siehe auch: https://mwk.baden-wuerttemberg.de/de/forschung/forschungspolitik/
wissenschaft-fuer-nachhaltigkeit/ (zugegriffen am 12.01.2018).
Richard Beecroft et al. 79
2 Ziele der Reallaborarbeit
Warum sollte man ein Reallabor aufbauen, wenn man die Energie doch auch
gänzlich in die transdisziplinären Projekte stecken könnte? Die Rechtfertigung für
den Aufbau eines Reallabors als Rahmen liegt darin, dass die verfolgten Ziele
besser mit als ohne Reallabor zu erreichen sind. Hierbei gilt es drei Zieldimensio-
nen zu berücksichtigen – Forschungs-, Praxis- und Bildungsziele – die in den
folgenden Abschnitten (2.1–2.3) erläutert werden. Dabei nehmen die Bildungs-
ziele insofern eine Sonderstellung ein, als zwar das Wechselspiel von Praxis- und
Forschungszielen in der Literatur zu Transdisziplinarität und in verwandten Dis-
kursen schon intensiv diskutiert wurde (z. B. Wagner und Grunwald 2015), aber
Bildungsziele bislang wenig Berücksichtigung fanden.
2.1 Forschungsziele im Reallabor
Ein Reallabor dient im Hinblick auf die Forschungsziele dazu, das Erzeugen von
Wissen zu unterstützen, Wissen zu sammeln und zu integrieren (für Methoden der
Integration s. Bergmann et al. 2010) sowie seine Qualität zu bewerten. Dabei
steht solches Wissen im Vordergrund, das aus Transformationsprozessen hervor-
geht und für Transformationsprozesse relevant ist.7 Dieses Wissen lässt sich un-
terscheiden in erstens Systemwissen, zweitens Zielwissen, das die Richtung des
angestrebten Transformationsprozesses auch über den Rahmen des Reallabors
hinaus beschreibt, sowie drittens Transformationswissen, das die Möglichkeiten
der Veränderungen beschreibt (zu diesen Wissensarten s. CASS und ProClim-
1997). Damit stellt ein Reallabor eine Form der transformativen Forschung dar, in
der sowohl interdisziplinäre als auch transdisziplinäre Arbeitsweisen erforderlich
sind.
Interdisziplinär gilt es, unterschiedliche disziplinäre Perspektiven zu integrieren,
um den Gegenstand der Forschung möglichst umfassend beschreiben zu können.
So kann auch der Anschluss der Reallaborforschung an disziplinäre Diskurse
sichergestellt werden, z. B. durch den Bezug auf einschlägige Theorien und Be-
funde oder durch die Anwendung von disziplinären Standards bei der Daten-
erhebung. Sofern sich entsprechende Wissenslücken zeigen, können in einem
Reallabor auch disziplinäre Projekte sinnvoll sein. Die umfassende, interdiszipli-
näre Beschreibung der Problemstellung, des Bezugsraums sowie der relevanten
Akteure in einem Reallabor dient dazu, die übertragbaren Aspekte von fallspezi-
fischen Aspekten unterscheiden zu können. Diese umfassende Darstellung der
7 Indirekt ist natürlich auch die Weiterentwicklung von Reallaboren in Theorie und Me-
thodologie Teil der Forschungsziele.
80 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
Spezifika eines Reallabors erlaubt es auch, durch ein Monitoring von Verände-
rungen unerwartete Effekte der transdisziplinären Projekte zu identifizieren.
Transdisziplinär gilt es, wissenschaftliche Perspektiven mit außerwissenschaft-
lichen anhand von exemplarischen Transformationsprozessen zu verbinden. Diese
Integration sichert die gesellschaftliche Relevanz der bearbeiteten Forschungs-
fragen und dient der kritischen Auseinandersetzung mit dem Sinn und der Quali-
tät der transdisziplinären Arbeit. Im Reallabor können Akteure aus der Praxis8 in
unterschiedlichen Rollen einbezogen werden. Sie nnen mit darüber entschei-
den, was experimentell neu erschlossen wird, welche Transformationsprozesse
angestoßen oder bearbeitet werden, wie das Wissen integriert wird und wie mit
normativen Fragen umgegangen werden soll (Finke und Laszlo 2014). Trans-
disziplinäre Arbeit muss hier die Reflexion der Akteure aus der Wissenschaft
über ihre eigene Rolle im Reallabor und im transdisziplinären Projekt, ggf. aber
auch als Akteure im Transformationsprozess miteinschließen (experimentell-
reflexive Arbeitsweise, s. Abschnitt 3.5).
2.2 Praxisziele im Reallabor
Im Hinblick auf die Praxisziele dient ein Reallabor dazu, Transformationsprozes-
se anzustoßen, zu fördern und mitzugestalten. Im Folgenden werden, basierend
auf dem spezifischen Fall der BaWü-Labs, die auf Nachhaltigkeitstransformatio-
nen abzielen, fünf Praxisziele unterschieden:
1) Nachhaltigkeitstransformationen anstoßen und dabei unerwünschte Folgen
erkennen und vermeiden (Transformationsziel)
2) Ergebnisse auf andere Transformationsprozesse übertragen (Transfer- und
Upscalingziel)
3) Kultur der Nachhaltigkeit im Umfeld des Reallabors fördern (Kulturziel)
4) Kooperation der Akteure stabilisieren (Kooperationsziel)
5) Empowerment der Akteure aus der Praxis anstreben (Empowermentziel)
Die ersten beiden Ziele betreffen vornehmlich transdisziplinäre Projekte in einem
Reallabor, die letzten drei betreffen gleichermaßen ein Reallabor als Ganzes.
Das erste Praxisziel besteht darin, konkrete Transformationsprozesse Richtung
Nachhaltigkeit anzustoßen und zu begleiten. Diese können eine weite Spanne
umfassen, etwa Veränderungen einer Infrastruktur, (mikro-)ökonomischer Struk-
8 Mit Akteuren aus der Praxis sind Personen aus Initiativen, Vereinen, Unternehmen, öf-
fentlicher Verwaltung oder Politik gemeint, aber gleichermaßen auch engagierte Ein-
zelpersonen, die in Bezug zum bearbeiteten Transformationsprozess stehen.
Richard Beecroft et al. 81
turen oder des sozialen Zusammenlebens. Teil des ersten Praxisziels ist zudem
die Vermeidung nicht-intendierter Folgen, auch außerhalb der thematischen,
räumlichen und zeitlichen Grenzen des Reallabors.
Das zweite Praxisziel betrifft die Übertragung9 der Ergebnisse auf andere Räume
(z. B. Regionen) oder gesellschaftliche Kontexte (Transfer) und eine gesellschaft-
liche und politische Anschlussfähigkeit der Ergebnisse für weiterreichende Ent-
scheidungen (upscaling).10
Das dritte Praxisziel ist weitaus schwerer zu greifen, aber nicht minder wichtig:
Indem ein Reallabor gestaltend und verändernd in seinem Kontext wirkt, kann es
eine gelebte ‚Kultur der Nachhaltigkeit‘ fördern (Krainer und Trattnigg 2017;
Parodi 2015): Lebensweltliche11 Themen und Fragestellungen werden räumlich
und zeitlich eingegrenzt, um sie zu bearbeiten. Ein Reallabor baut Brücken zwi-
schen der spezifischen Praxis und dem abstrakten und globalen Verständnis
Nachhaltiger Entwicklung. Es ermöglicht damit auch eine tiefergehende Identifi-
kation mit Nachhaltiger Entwicklung und den Wandel von Handlungsweisen,
Governancestrukturen und Lebensstilen. So kann auch ein Austausch zwischen
sehr verschiedenen Nachhaltigkeitsperspektiven vorangetrieben werden (Grun-
wald 2016).
Das vierte Praxisziel besteht in der Herstellung einer vertrauensvollen, engen Ko-
operation der Akteure aus Wissenschaft und Praxis auf Augenhöhe (Di Giulio
et al. 2016). Ein Reallabor als Teil einer demokratischen Gesellschaft sollte diese
Art der Zusammenarbeit nicht nur als Mittel (z. B. zur Erhebung lokalen Wis-
sens) nutzen, sondern muss sie selbst als Teil des Zielhorizontes integrieren.
Dementsprechend gilt es, auch marginalisierte Gruppen, je nach thematischem
Schwerpunkt, aktiv einzubeziehen. Bestenfalls sollte auch in der Art der Koope-
ration eine Kultur der Nachhaltigkeit zum Ausdruck kommen. Eine gelingende
vertrauensvolle Kooperation der beteiligten Akteure aus Wissenschaft und Praxis
ist zwar ein Praxisziel, stellt zugleich aber auch eine notwendige Grundlage für
die Erreichung der anderen Forschungs-, Praxis- und Bildungsziele dar.
Das fünfte Praxisziel betrifft das Empowerment von Akteuren. Die Stufen der
Partizipation in einem Reallabor, die sich in Anlehnung an Arnstein (1969) for-
mulieren lassen, bauen oft aufeinander auf. Information und Konsultation stellen
9 Zumindest: Die Sicherung der Übertragbarkeit.
10 Es ist nach der Erfahrung in den BaWü-Labs wichtig, im Blick zu behalten, dass auch
die Akteure aus der Praxis nicht nur ‚ihre‘ Praxis im Rahmen des Reallabors vor
Augen haben, sondern oft auch schon weitreichende Transfer- und Upscalingziele mit-
bringen.
11 Lebenswelt bezeichnet in diesem Text nicht nur die Alltagswelt der Einzelnen, sondern
auch alle Themen, die diese auf ggf. grundsätzliche Weise betreffen, etwa weit-
reichende politische Entscheidungen oder technologische Durchbrüche.
82 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
dementsprechend die Voraussetzungen für eine intensivere Kooperation und letzt-
lich für Empowerment her.12 Die BaWü-Labs betreiben Partizipation von Infor-
mation und Konsultation über Kooperation bis zum Empowerment (Arnstein
1969; für Reallaborarbeit angepasst in Mayer-Soylu et al. 2016). Empowerment
wird in einem Reallabor angestrebt, damit die Akteure – sowohl aus der Praxis
wie aus der Wissenschaft in die Lage versetzt werden, auch über die Laufzeit
der transdisziplinären Projekte hinaus an den Transformationsprozessen langfris-
tig aktiv teilhaben zu können.
Ein Reallabor, dessen thematischer Fokus sich nicht primär an Nachhaltiger Ent-
wicklung orientiert, wird teils andere Praxisziele verfolgen. Es ist jedoch zu er-
warten, dass sich eine ähnliche Spanne von Praxiszielen mit Bezug zu Transfor-
mation, Transfer, Kultur, Kooperation und Empowerment ausdifferenzieren lässt.
2.3 Bildungsziele im Reallabor
Die Transformationsprozesse, die von einem Reallabor angestoßen und begleitet
werden, erfordern in aller Regel auch Veränderungen der Lebensweise von Ein-
zelnen, Veränderungen von Rahmenbedingungen und Entscheidungsstrukturen
auf allen Ebenen und Verschiebungen in gesellschaftlichen Wertesystemen. Hier-
zu bedarf es verbundener individueller und gesellschaftlicher Lernprozesse (Bee-
croft und Dusseldorp 2009; Beecroft und Dusseldorp 2012; Parodi et al. 2016b),
die das Lernen nicht als nachgängige Verpflichtung, sondern als Teil der Trans-
formationsprozesse auffassen.
Während Forschungs- und Praxisziele in der Regel explizit bearbeitet werden,
bleiben die Bildungsziele im Reallabor bis dato oft implizit oder randständig
(Singer-Brodowski et al. 2018). Es ist aber lohnend, Bildungsziele als Teil der
Planung, Begleitung und Evaluation von transdisziplinären Projekten (und den
darin eingesetzten Methoden) explizit mitzudenken. So lässt sich beispielsweise
erheben, ob die Beteiligten nur eigene Bildungsziele verfolgen (und welche, z. B.
Kompetenzentwicklung13, Wissenserwerb, Selbstentwicklung, Erleben), oder in-
wieweit auch die Absicht vorliegt, Andere weiterzubilden. Verschiedene beteilig-
te Gruppen und Personen haben ggf. sehr unterschiedliche Bildungsziele. Diese
wiederum lassen sich aber keineswegs zwangsläufig aus ihrer Rolle ableiten, dass
also z. B. Wissenschaftler(innen) nur aus ihren Realexperimenten lernen wollen,
Studierende ausschließlich an formaler Bildung (‚mit Schein‘) interessiert sind
oder zivilgesellschaftliche Partner nur auf Erfahrung in ihrem Feld aus sind.
12 Der an dieser Stelle angelegte Partizipationsbegriff entstammt der Theorie politischer
Partizipation, er eignet sich insbesondere bezogen auf die Praxisziele eines Reallabors.
13 Eine im Kontext von Nachhaltigkeitstransformationen gut anschlussfähige Systematik
von Kompetenzen haben Wiek et al. (2011) vorgelegt.
Richard Beecroft et al. 83
Ein Reallabor zielt dabei nicht darauf ab, selbst ein (formelles oder informelles)
Bildungsangebot zu sein, sondern darauf, eine Lernumgebung zu sein (Singer-
Brodowski et al. 2018): Ein Reallabor bietet einen unterstützenden, geschützten
Rahmen für Information, Austausch, Kooperation, Interventionen sowie Evalua-
tion und Reflexion. Die Herstellung eines solchen ‚Freiraums‘ ermöglicht Bil-
dungsprozesse bei den beteiligten Akteuren, unabhängig davon, ob dies explizit
mit dem Ziel der Bildung geschieht. Solche Prozesse lassen sich unterstützen,
wenn bewusst Methoden aus dem Bildungskontext integriert werden und Bildung
verbunden mit Praxis- und Forschungszielen verfolgt wird. Bildungsziele werden
in der Regel auf der Ebene der einzelnen transdisziplinären Projekte verfolgt;
zumindest die Evaluation, der Vergleich und die Erfahrungssammlung aus den
einzelnen Realexperimenten stellen aber wichtige Bildungsprozesse auf Ebene
eines Reallabors als Ganzes dar.
Bildungsziele sind unter verschiedenen Perspektiven als integraler Bestandteil
jedes Reallabors zu sehen:
Reallabore arbeiten gerade deshalb experimentell-reflexiv, weil ideale Trans-
formationsprozesse (noch) nicht existieren und alle dahingehenden Versuche
gründlich durchdacht werden müssen.
Reallabore sind nicht statisch, sondern müssen selbst flexibel und lernfähig
sein.
Die Suche nach angemessenen Transformationswegen stellt einen gesell-
schaftlichen Lernprozess dar, zu dem Reallabore beitragen, d. h. Transforma-
tionsprozesse lassen sich in einem grundsätzlichen Sinn als gesellschaftliche
Lernprozesse (Schneidewind und Singer-Brodowski 2015) auffassen.
2.4 Komplexität des Zielhorizonts im Reallabor
In einem Reallabor kann eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure aus der Praxis
(s. Eckart et al. 2018) und aus der Wissenschaft beteiligt sein, die alle jeweils
eigene Ziele in ein Reallabor einbringen. Dabei sind drei Ebenen zu unterschei-
den: Erstens die Ziele des Reallabors als Ganzes, zweitens die Ziele der trans-
disziplinären Projekte (bzw. Realexperimente) und drittens die individuellen
Ziele. Die Abstimmung dieser drei Ebenen ist von zentraler Bedeutung. Dazu
müssen alle beteiligten Akteure ihre Ziele auf Augenhöhe aushandeln und mit-
einander verbinden. Besonders zu beachten ist hierbei, dass sich die Ziele der
Beteiligten im Projektverlauf konkretisieren nnen und dass diese in mehreren
der drei Dimensionen liegen können: Ein und derselbe Akteur kann Forschungs-,
Praxis- und Bildungsziele einbringen.
84 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
Vor diesem Hintergrund muss in den transdisziplinären Projekten durchaus mit
Konflikten gerechnet werden. Diese können entweder als Interessenkonflikte
(zwischen Akteuren) oder als Zielkonflikte (zwischen den Zielen selbst) zu Tage
treten (detailliert in Dusseldorp 2017). Das spezielle Potential eines Reallabors
liegt darin, dass mit Ziel- und Interessenkonflikten auf Ebene der transdisziplinä-
ren Projekte aktiv umgegangen werden kann, z. B. indem im Reallabor Mediation
angeboten wird oder Folgeprojekte anders ausgelegt werden.
3 Designprinzipien für Reallabore
Um sein volles Potential auszuschöpfen, benötigt ein Reallabor ein durchdachtes
Forschungsdesign. Die fünf Designprinzipien, die im Folgenden aufgelistet wer-
den, dienen dazu, mit einem Reallabor einen optimalen Rahmen für transdiszipli-
näre Arbeit herzustellen. Sie ergänzen allgemeine Designprinzipien aus For-
schungs- und Praxiskontexten (etwa: Methoden auf Fragestellung abstimmen,
Effizienz der Abläufe herstellen, Klärung von Verantwortlichkeiten), die hier
nicht ausgeführt werden.
1) Problem- und Themenangemessenheit herstellen: Die Identifizierung von
Forschungsthemen mit übergeordnetem Interesse für Akteure aus Wissen-
schaft und Praxis ist eine Kernvoraussetzung für eine fruchtbare Zusammen-
arbeit in einem Reallabor. Dabei kommt es auch immer wieder zu Interessen-
konflikten. Abschnitt 3.1 zeigt, wie ein solcher Verständigungsprozess zwi-
schen verschiedenen Akteuren ablaufen kann.
2) Räumliche Angemessenheit gestalten: In einem Reallabor werden, wie oben
ausgeführt, vielfältige Ziele verfolgt. Ein Reallabor sollte einen abgegrenzten
und zu seinen Zielen und Themen passenden Bezugsraum aufweisen, der mit
den zu bearbeitenden Transformationsprozessen korrespondiert. Ein solcher
klarer Bezugsraum macht ein Reallabor auch attraktiv r Akteure aus der
Praxis. Die Frage nach diesem adäquaten Bezugsraum eines Reallabors wird
in Abschnitt 3.2 diskutiert.
3) Zeitliche Angemessenheit herstellen: Neben der angemessenen räumlichen
Gestaltung stellt auch die zeitliche Gestaltung transformativer Forschungs-
prozesse eine große Herausforderung für ein Reallabor dar (Abschnitt 3.3).
Die Laufzeit eines Reallabors und die Dauer der transdisziplinären Projekte
müssen den zu bearbeitenden Transformationsprozessen angemessen sein. In-
nerhalb dieser Zeitspannen gilt es jeweils, Passung zwischen dem Zeittakt der
Forschung und anderen Abläufen, etwa in der Stadtplanung oder der Wirt-
schaft, herzustellen. Auch der Aufbau eines Reallabors als Infrastruktur, die
Etablierung einer Kooperation zwischen Akteuren aus der Praxis und Wissen-
Richard Beecroft et al. 85
schaft sowie die in einem Reallabor erforderlichen Reflexionsprozesse (s. un-
ten) benötigen Zeit.
4) Angemessene Akteursrollen etablieren: Die Angemessenheit muss auch in der
Zusammensetzung der beteiligten Akteure gesucht werden, ist diese doch un-
trennbar mit dem Anspruch der transdisziplinären Arbeitsweise in einem
Reallabor verbunden. In welchen Rollen und in welchen Intensitäten eine
Einbeziehung der verschiedenen Akteure aus Wissenschaft und Praxis im
Reallabor angemessen sein kann, wird in Abschnitt 3.4 erläutert.
5) Experimentell-reflexive Arbeitsweise fördern: Will ein Reallabor lernfähig
bleiben, muss es ein hohes Maß an Flexibilität und einen stark reflexiven For-
schungsstil pflegen. Sowohl die Durchführung der transdisziplinären Projekte
als auch die Passung zwischen diesen und deren Zusammenspiel mit den
übergreifenden Aufgaben und der Infrastruktur auf Ebene des Reallabors bie-
ten jeweils einen wichtigen Ansatzpunkt für die Reflexion. Aufgrund des
transdisziplinären und transformativen Vorgehens im Reallabor erlangt zudem
die Reflexion der eigenen Rolle der beteiligten Wissenschaftler(innen) große
Bedeutung. Die experimentell-reflexive Arbeitsweise wird in Abschnitt 3.5
näher ausgeführt.
Die hier kurz skizzierten Designprinzipien werden im Folgenden detaillierter
ausgeführt und mit Beispielen aus den BaWü-Labs verdeutlicht. Dabei ist zu
beachten, dass ein Reallabor nach Ansicht der Autor(inn)en nicht als ein ge-
schlossenes Labor in einen spezifischen Kontext eingepasst wird, sondern dass es
einen Ausschnitt der Realität aufgreift und diesen zum Reallabor ausgestaltet.
3.1 Problem- und Themenangemessenheit herstellen
Ein Reallabor ermöglicht die exemplarische Bearbeitung relevanter transformati-
onsbezogener Fragen, um übertragbare Ergebnisse für ähnliche Problemstellun-
gen in anderen Kontexten zu liefern. Die übergeordnete Themenstellung wird
dabei in der Regel bei Einrichtung eines Reallabors schon vorgezeichnet. Zur Be-
arbeitung dieser Themenstellung dienen insbesondere die transdisziplinären Pro-
jekte, deren jeweiliger thematischer Fokus zwischen Akteuren aus Wissenschaft
und Praxis festgelegt wird. Dies erfordert einen gemeinsamen Verständigungs-
prozess aller beteiligten Akteure über Begriffe, Zielstellungen und Methoden.
Das Reallabor Spacesharing – Nutzungsintensivierung von Bestandsgebäuden
durch Mehrfachnutzung und dynamische Programmierung (BaWü-Lab Space-
sharing) etablierte dazu, neben den Jour Fixes im Kernteam, regelmäßige Work-
shops mit seinen Kooperationspartnern und themenspezifisch mit den Nut-
zer(inne)n, um die Zielsetzungen, erreichte Zwischenergebnisse, Modifikationen
und nächsten Schritte des Reallabors abzustimmen. Die Themenstellungen der
86 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
Workshops bauten aufeinander auf, die gewählten Formate orientierten sich am
Stand des Projektverlaufes. Die Methoden der Zusammenarbeit in diesen Work-
shops folgten etablierten Moderationsformen, diese wurden teilweise kombiniert
und im Verlauf ad hoc geöffnet, um der Workshop-Dynamik zu folgen und dem
optimalen Austausch der Partner Raum zu geben.
Die Auswahl der Themenstellung für ein transdisziplinäres Projekt wirkt sich
auch auf den Kreis der potentiell beteiligten Akteure aus. Bei der Eingrenzung
einer Problemstellung ist dementsprechend die Relevanz für unterschiedliche
Akteure zu bedenken, wobei gleichermaßen Forschungs-, Praxis- und Bildungs-
ziele berücksichtigt werden sollten. Dabei bietet es sich an, auch bei der Schär-
fung der Themen iterativ vorzugehen, da nach Di Giulio et al. (2016) der Nutzen
für die Akteure nicht immer zu Beginn fassbar ist, was die frühe Eingrenzung der
Problemstellung erschwert.
Da bei den verschiedenen Akteuren häufig unterschiedliche Erwartungen in Be-
zug auf die Ziele eines transdisziplinären Projekts bestehen, ist es wichtig, diese
Erwartungen von Beginn der Zusammenarbeit an transparent zu machen – und
auf ihre Realisierbarkeit hin zu überprüfen. Dabei gilt es immer auch zu beden-
ken, wann welches (Zwischen-)Ergebnis nötig ist, und zwar mit Blick auf die
Forschungs-, Praxis- und Bildungsziele, auf Ebene des Reallabors und der trans-
disziplinären Projekte.
Bei der thematischen Ausgestaltung eines Reallabors als Ganzes ist es wichtig,
sich bewusst zu machen, in welchem Kontext das Reallabor steht. Welche politi-
schen, ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Prozesse laufen gerade
ab? Befindet sich der bearbeitete ‚Raum‘ in einer Phase des Aufbruchs, der Kon-
solidierung oder des Abschwungs oder ist er stabil? So war für das Reallabor
Wissensdialog Nordschwarzwald (BaWü-Lab WiNo) (s. a. Steckbrief im Anhang
dieses Buchs) prägend, in der Phase der Identitätsfindung der Nationalparkregion
tätig zu sein. Ein solcher Kontext eröffnet einem Reallabor auf der einen Seite
Gestaltungsmöglichkeiten, z. B. bei der Mitentwicklung touristischer Leitbilder,
auf der anderen Seite war es beim BaWü-Lab WiNo so, dass zentrale Akteure der
Region noch in der Rollenfindung und mit der Verarbeitung der politischen De-
batte um die Gründung des Nationalparks befasst waren, was den Aufbau der
Zusammenarbeit und die gemeinsame Themenfindung erschwerte.
3.2 Räumliche Angemessenheit gestalten
Ein Reallabor benötigt einen angemessenen Bezugsraum, der je nach der inhaltli-
chen Ausrichtung eines Reallabors sehr unterschiedlich beschaffen sein kann.
Denn ein Reallabor kann sich auf Städte bzw. Stadtbezirke, ländliche Regionen
oder Schutzgebiete (wie z. B. Naturparks), auf Gebäudekomplexe oder auf Insti-
Richard Beecroft et al. 87
tutionen beziehen oder auch auf virtuelle Räume (wie z. B. die vernetzten Orte
einer Wertschöpfungskette) (Schäpke et al. 2017). Wesentlich für die Arbeits-
und Kommunikationsfähigkeit eines Reallabors ist dabei, dass dessen Bezugs-
raum von den im Reallabor mitwirkenden Akteuren auch anerkannt und geteilt
wird (Bachinger und Rhodius 2017).
Der Abgrenzung eines Reallaborraums können ganz verschiedene Kriterien zu-
grunde liegen (Parodi et al. 2018): So bezog sich das Reallabor für nachhaltige
Mobilitätskultur (BaWü-Lab RNM) auf den Pendlerverkehr Stuttgarts und damit
auf einen funktional abgegrenzten Raum (s. a. Steckbrief im Anhang dieses
Buchs). Demgegenüber arbeitete das BaWü-Lab R131 in einem Stadtquartier und
damit einem administrativ festgelegten Gebiet. Mit der engen Anlehnung an den
Nationalpark Schwarzwald orientierte sich auch das BaWü-Lab WiNo an einem
administrativen Raum, zugleich verwies dieser aber auch auf den mehr oder we-
niger homogenen Naturraum des Nordschwarzwalds. Das Reallabor STADT-
RAUM-BILDUNG – Reallabor für die nachhaltige Planung von Bildungsland-
schaften und die Integration von Aus- und Umbauten von Schulgebäuden (BaWü-
Lab SRB) hingegen arbeitete in verschiedenen Schulen und deren angrenzenden
Stadträumen, das BaWü-Lab EnSign – Reallabor für einen klimaneutralen Innen-
stadtcampus am Campus der Universität Stuttgart.
Die Abgrenzung des Bezugsraums aufgrund funktionaler, naturräumlicher oder
administrativer Kriterien stellt jedoch nur eine Komponente dar. Wichtig für die
Akzeptanz des Bezugsraums durch die beteiligten Akteure aus der Praxis ist es
auch, dass es gelingt, an individuelle Raumerfahrungen anzuknüpfen und sich
damit auf Räume zu beziehen, die auch ausreichend Identifikation bieten (Weich-
hart 2008). So wurde der Bezug auf den Naturraum Nordschwarzwald von den
Wissenschaftler(inne)n des BaWü-Labs WiNo als sehr prägend für die Zusam-
menarbeit mit Akteuren empfunden, da diese in ihrer Sozialisierung tatsächlich
vom Leben in diesem Naturraum geprägt waren. Im BaWü-Lab SRB hingegen
wird der Stadtraum als ein offenes Element begriffen, in dem die Schule als das
zentrale Element für die Wissensgesellschaft von heute steht – als Lern- und Wis-
sensraum. Das BaWü-Lab Spacesharing untersuchte untergenutzte Räume in der
Stadt, kartierte und kategorisierte diese, mit der Zielsetzung, eine digitale Ange-
bots- und Buchungs-Plattform aufzubauen, die diese Räume öffnet, überregional
vermittelt und wiederum für Transformationsprozesse zugänglich macht.
Dort, wo sich ein gemeinsamer Raumbezug z. B. aufgrund einer sehr großen oder
heterogenen Bezugsregion nicht herstellen lässt, kann eine sogenannte virtuelle
Region im Sinne der Kommunikation über gemeinsame Problemstellungen ent-
stehen (Bachinger und Rhodius 2017; Herrschel 2009). Ein Beispiel hierfür stellt
88 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
das Städtenetzwerk „100 resilient cities“14 dar, in dem sich Großstädte bei der Er-
arbeitung von Resilienzstrategien zur Bewältigung zukünftiger Herausforderun-
gen unterstützen. Denkbar ist auch, dass sich die verschiedenen transdisziplinären
Projekte auf unterschiedliche Teile des Bezugsraums eines Reallabors beziehen
(Parodi et al. 2018): Beispielsweise konzentrierten sich einzelne Realexperimente
im BaWü-Lab RNM auf die Innenstadt, nicht die gesamte Pendlerregion. Im
BaWü-Lab WiNo kristallisierten sich je nach Thema der neun Teilprojekte unter-
schiedliche Bezugsräume heraus, die von klein und punktuell auf ein Tal im Na-
tionalpark begrenzten Räumen (z. B. beim Thema waldbauliche Experimente) bis
hin zum weiteren ländlichen Umland des Nationalparks (z. B. beim Thema Mobi-
lität) und einzelnen in größerer Ferne umgebenden Großstädten (beim Thema
Tourismus) reichten.
Die Bezugsräume der transdisziplinären Projekte stehen also nicht zwangsläufig
schon mit der Initiierung eines Reallabors und unverändert über den gesamten
Zeitraum fest. Die jeweils angemessenen Bezugsräume müssen im Austausch
zwischen den Akteuren definiert und im Verlauf überprüft werden (s. auch Waitz
et al. 2018), auf Ebene eines transdisziplinären Projekts und gegebenenfalls eines
Reallabors als Ganzem. Dabei ist darauf zu achten, dass nicht einzelne Akteure
aus Wissenschaft oder Praxis die alleinige Deutungshoheit gewinnen, sondern der
Raumbezug gleichberechtigt festgelegt wird (Bachinger und Rhodius 2017).
Ist der Bezugsraum eines Reallabors festgelegt, ist es für die Identifikation der
beteiligten Akteure mit dem Reallabor hilfreich, wenn dieses sichtbar und zu-
gänglich wird, wie z. B. durch das Quartiersbüro „Zukunftsraum“ im BaWü-Lab
R131.
3.3 Zeitliche Angemessenheiten herstellen
Die Frage einer angemessenen zeitlichen Planung ist für die Zusammenarbeit von
Akteuren aus Wissenschaft und Praxis von großer Bedeutung und damit Thema
eines jeden transdisziplinären Projektes (Defila et al. 2006). Dabei kommen in der
Regel die Frage unterschiedlicher Zeitrhythmen der beteiligten Akteure, die Not-
wendigkeit eines flexiblen Zeitrahmens und der Bedarf nach einer ausreichend
langen Projektzeitspanne zur Sprache – Aspekte, die sich auch in einem Reallabor
wiederfinden.
Unterschiedliche Zeitrhythmen: Zu Beginn eines Projektes steht an, dass sich
die beteiligten Akteure wechselseitig mit den Arbeitszyklen der anderen ver-
traut machen. So gibt es beispielsweise Berufszweige, die stark saisonal arbei-
ten (z. B. Landwirtschaft, Tourismus), was z. B. bei der Planung von Work-
14 http://www.100resilientcities.org (zugegriffen am 04.02.2018).
Richard Beecroft et al. 89
shops einkalkuliert werden sollte. Zeitdruck kann beispielsweise entstehen,
wenn Praxisentscheidungen zu einem Zeitpunkt nötig sind, zu dem noch keine
Forschungsergebnisse vorliegen. Bezogen auf den Transformationsprozess
können auch die Zeitrhythmen von Akteuren ausschlaggebend sein, die nicht
am Reallabor beteiligt sind (Bachinger und Rhodius 2017). Dies war bei-
spielsweise im BaWü-Lab WiNo der Fall, als Wissenschaftler(innen) auf die
Betretungsgenehmigung für die Einrichtung ihres Realexperiments warteten,
der Nationalpark jedoch gerade erst an der Einteilung des Parkgebietes in ver-
schiedene Schutzzonen arbeitete und deshalb noch internen Abstimmungsbe-
darf hatte.
Flexibler Zeitrahmen: Die experimentelle Arbeitsweise und die Arbeit an
Transformationsprozessen, deren Dynamik weit über die Grenzen des Real-
labors hinausgehen kann, macht den Umgang mit unvorhersehbaren Entwick-
lungen besonders nötig. Hierfür bedarf es ausreichender Pufferzeiten und fle-
xibler Zeitkorridore.
Ausreichende Zeitdauer zur Vertrauensbildung: Ein Reallabor arbeitet in der
Regel mit mehr oder weniger stark ausgebildeten Akteursnetzwerken, nicht
innerhalb streng hierarchischer Strukturen (Hollstein et al. 2017). Es ist daher
darauf angewiesen, in diesen Netzwerken Vertrauen, gemeinsame Wertorien-
tierungen und damit tragfähige Arbeitsbeziehungen aufzubauen und das er-
fordert Zeit. Auch Wissen entsteht über längere Zeiträume und auf der Basis
stabiler Beziehungen zu Akteuren aus der Praxis (Foss 1999).
Im Vergleich zu isoliert ablaufenden Forschungsprojekten bedarf es im Fall trans-
disziplinärer Projekte im Rahmen eines Reallabors einer zeitlichen Planung, die
sich in noch stärkerem Maß weg von der Logik der Forschung hin zur Logik der
Praxis bewegt. Dies deshalb, weil Reallabore darauf abzielen, Transformations-
prozesse in der Lebenswelt zu initiieren, durchzuführen und zu begleiten. Solche
Prozesse15 bedürfen oft deutlich längerer Zeithorizonte als den Horizont eines
klassischen, zumeist ein- bis dreijährigen Forschungsprojekts. Die Zeitplanung
eines Reallabors und der darin stattfindenden transdisziplinären Projekte muss
sich an die angestrebten Praxisziele und die dafür notwendigen Aktivitäten anpas-
sen, um gesellschaftlich relevant zu bleiben.
15 Z. B. Dynamik in Ökosystemen, Infrastrukturtransformationen oder legislative Ent-
scheidungen.
90 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
3.4 Angemessene Akteursrollen etablieren
In einem Reallabor kooperieren Akteure aus der Wissenschaft und aus der Praxis.
Dies geschieht zumindest auf zwei Ebenen, auf der des Reallabors als Ganzes und
auf Ebene eines einzelnen transdisziplinären Projektes.16 Auf diesen Ebenen kön-
nen dieselben Akteure in unterschiedlichen Rollen beteiligt sein. Über die Lauf-
zeit eines Reallabors kann sich die Rolle von Akteuren auch verändern. Auf der
Ebene des Reallabors kommt Akteuren, die auch langfristig im Reallabor en-
gagiert sind (z. B. Mitgliedern von Verwaltung, großen zivilgesellschaftlichen
Gruppen, festangestellten Wissenschaftler(inne)n), tendenziell eher eine tragende
Rolle zu. Dagegen können einzelne transdisziplinäre Projekte leichter eine niedri-
ge Einstiegsschwelle für neue und nicht institutionell organisierte Akteure bieten,
sich nur punktuell am Reallabor zu beteiligen (s. auch Seebacher et al. 2018a).
Die Rollen der beteiligten Akteure aus der Wissenschaft umfassen auf jeden Fall:
Zu forschen, Prozesse anzustoßen und zu moderieren (‚Facilitator‘), Expertise
einzubringen und Ergebnisse zu analysieren und zu reflektieren. Daneben können
die Akteure aus der Wissenschaft aber auch zahlreiche andere Rollen innehaben,
etwa: Für eine Idee zu werben, das Reallabor öffentlich zu vertreten oder das
eigene Handeln als Teil des Transformationsprozesses zu reflektieren. Die an-
sonsten dominante Orientierung der Akteure aus der Wissenschaft an For-
schungszielen (und sekundär an Bildungszielen bei Studierenden) wird in einem
Reallabor um Praxisziele deutlich erweitert. Studierende stellen für ein Reallabor
eine interessante Gruppe von Akteuren aus der Wissenschaft dar, da sie zwar
Mitglieder des Wissenschaftssystems sind, aber oft noch nicht eingefahren sind in
klassische wissenschaftsorientierte Rollen.
Akteure aus der Praxis sind in jedem Fall in der Rolle gefragt, lebensweltliche
Problemlagen zu identifizieren, die eine Bearbeitung im Reallabor erfahren sol-
len, als Träger von unverzichtbarem Praxiswissen (z. B. implizites oder lokales
Wissen), als Multiplikatoren und gegebenenfalls als langfristige Träger der Er-
gebnisse, nachdem in einem Reallabor die Bearbeitung eines Themas abgeschlos-
sen wurde. Je nach Problemstellung kommt ihnen dabei auch die Rolle zu, die
Perspektiven bestimmter betroffener oder ausgeschlossener Gruppen oder unter-
repräsentierte Anliegen einzubringen, ohne dass dadurch jedoch eine demokrati-
sche Legitimation erreicht werden könnte (s. auch Alcántara et al. 2018; Eckart et
al. 2018). Im Forschungsprozess können Akteure aus der Praxis auch als Co-For-
schende einbezogen sein, um transdisziplinäre Projekte mitzuplanen (Co-Design)
und durchzuführen sowie Ergebnisse auszuwerten und zu integrieren. So entstan-
16 Darüber hinaus ist eine Beteiligung auf Ebene einzelner Methoden denkbar, wenn bei-
spielsweise ein transdisziplinäres Projekt mit einer intensiven partizipativen Themen-
findungsphase beginnt.
Richard Beecroft et al. 91
den etwa die Forschungsschwerpunkte des BaWü-Labs R131 aus den Wünschen
des BürgerForums „Nachhaltige Oststadt Zukunft aus Bürgerhand“. Im BaWü-
Lab RNM entstand die Themensetzung des Reallabors aus den Problemlagen in
der Stadt Stuttgart, die durch motorisierten Individualverkehr induziert wurden,
und der daraus resultierenden öffentlichen Debatte, die von der Universität auf-
gegriffen wurde. Die Themenschwerpunkte der transdisziplinären Projekte wur-
den dann gleichberechtigt von Akteuren aus der Praxis und Akteuren aus der
Wissenschaft eingebracht. Im Reallabor Nachhaltige Transformation der Textil-
wirtschaft am Standort Dietenheim (BaWü-Lab Dietenheim zieht an) arbeitete
von Beginn an die Stadtverwaltung mit der Universität Ulm und Unternehmern
aus der Textilindustrie zusammen.
Die in einem Reallabor zu leistende Annäherung der Rollen von Akteuren aus der
Wissenschaft und aus der Praxis ist nicht immer einfach (s. auch Seebacher et al.
2018b). Eingespielte Rollen zu verlassen, kostet Überwindung (und muss nicht
notwendigerweise zu einem besseren Ergebnis führen), unerwartete Rollenanfor-
derungen können belastend oder kränkend wirken, Erwartungen können ent-
täuscht werden. Selbst wenn die Rollenverschiebungen gut gelingen, kosten sie
Zeit und bedeuten unter Umständen anstrengende Aushandlungsprozesse. Dabei
stellt die Grenzziehung zwischen bezahlter Arbeit (z. B. von Wissenschaft-
ler(inn)en, Mitarbeiter(inne)n von Unternehmen und Verwaltungsangestellten)
gegenüber zivilgesellschaftlichem Ehrenamt und der Arbeit von Studierenden
eine Sollbruchstelle in der Kooperation dar, mit der vorsichtig umgegangen wer-
den muss.17 Auch die Rollen, die sich aus dem Aufbau und der Pflege der Infra-
struktur ergeben, bergen Konfliktpotenzial.
Bei allen Tücken der Rollenfindung und -aushandlung in einem Reallabor gilt es,
nicht zu vergessen, dass in einem Reallabor auch gänzlich neue Rollen ermöglicht
werden, die Engagement, wissenschaftliche Haltung und Lernbereitschaft anders
als üblich kombinieren. Diese Rollen bieten insbesondere Anknüpfungspunkte für
diejenigen, die sich bereits mit einem Erkenntnisinteresse in Transformationspro-
zessen engagieren. Studentische Initiativen im Kontext Nachhaltiger Entwicklung
können hier idealtypisch als Beispiele genannt werden, aber auch individuelle
Akteure, die als ‚Change Agents‘ Transformationsprozesse in nichtstandardisier-
ten Rollen vorantreiben.
Die Intensität der Beteiligung von Akteuren aus der Praxis in einem Reallabor
kann gestaffelt sein, so dass z. B. Aktivitäten zur Information und Diskussion
eine Vorstufe für intensivere Beteiligung darstellen (s. Eckart et al. 2018). Die In-
17 Ein Weg, hier einen Ausgleich zu schaffen, sind Formen der Aufwandsentschädigung
wie die Ehrenamtspauschale, Lehraufträge, Übernahme von Reisekosten, oder die teil-
weise Anrechnung von zivilgesellschaftlichem Engagement als Teil der Dienstaufga-
ben auf Seiten der Akteure aus der Wissenschaft oder der Verwaltung.
92 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
tensivierung der Beteiligung geht oft mit einer Verschiebung der Rollen einher,
sowohl auf Ebene der einzelnen transdisziplinären Projekte als auch auf Ebene
des Reallabors.
3.5 Experimentell-reflexive Arbeitsweise fördern
Ein Reallabor bietet sowohl einen Rahmen für experimentelle Vorgehensweisen
(insbesondere Realexperimente) zur Erprobung und Analyse von Transforma-
tionsprozessen als auch zur systematischen Reflexion der transdisziplinären
Prozesse, der Zusammenarbeit und der Ergebnisse. Eine solche experimentell-
reflexive Arbeitsweise hat vielfältige Vorteile. Während durch experimentelle
Arbeitsschritte Erfahrungen gesammelt, Daten erzeugt und praktische Wirkungen
angestoßen werden, dienen reflexive Arbeitsschritte der Überprüfung und Inte-
gration des gewonnenen Wissens, aber auch dem Überdenken der eigenen Rolle
und dem Hinterfragen eigener grundlegender Überzeugungen der beteiligten Ak-
teure aus Wissenschaft und Praxis.
Wichtig ist dabei zu verstehen, dass die in einem solchen Zyklus erarbeiteten
Einsichten nicht nur in die wissenschaftlichen und praktischen Diskurse zurück-
gespielt oder real umgesetzt werden, sondern auch das Reallabor selbst verän-
dern. Ein Reallabor entwickelt sich in seiner experimentell-reflexiven Arbeits-
weise:
Die thematische, räumliche, zeitliche und akteursbezogene Angemessenheit
können immer wieder überprüft und angepasst werden.
Der Zielhorizont aus Forschungs-, Praxis- und Bildungszielen kann aktuali-
siert, Zielkonflikte können bearbeitet werden.
Wissensbestände können integriert und für folgende transdisziplinäre Projekte
im Reallabor aufgegriffen werden.
Erfahrungen aus gescheiterten oder unerwartet verlaufenen transdisziplinären
Projekten können aufgegriffen werden.
In den transdisziplinären Projekten können Methoden adaptiert, entwickelt
und getestet werden.
Bei den Beteiligten können Kompetenzen in der transdisziplinären Zusam-
menarbeit aufgebaut werden.
Eine experimentell-reflexive Arbeitsweise im Sinne eines emanzipatorischen Ler-
nens (Schneidewind und Singer-Brodowski 2015) kann die beteiligten Akteure
darin unterstützen, eigene Problemlösungsideen zu entwickeln und zu erproben
(Parodi et al. 2016b). Wenn die Akteure die Wirksamkeit der von ihnen erprobten
Richard Beecroft et al. 93
Lösungsansätze gemeinsam reflektieren und bewerten, kann ein Lernkreislauf in
Gang gesetzt werden. Dieser bewirkt idealerweise, dass das Wissen auch eine
Berücksichtigung im Handeln in anderen Kontexten erfahren kann (Bachinger
und Rhodius 2018). Durch den Mechanismus, die Erfahrungen eines transdiszi-
plinären Projektes für Folgeprojekte fruchtbar zu machen, wird ein Reallabor zu
einer lernenden Organisation (s. z. B. Barth 2015). Als solche bietet es gleicher-
maßen Flexibilität gegenüber veränderten Rahmenbedingungen und das Potential
zur internen Weiterentwicklung. Je nach der Tiefe des Engagements der Beteilig-
ten kann die Reflexion auch einen anstrengenden Schritt darstellen, der das eige-
ne Selbstbild und professionelle Rollenverständnis betrifft.
Es ist davon auszugehen, dass dem Idealbild eines sich durch Reflexion fort-
laufend entwickelnden Reallabors Hemmnisse entgegenstehen. So bringen Akteu-
re aus der Praxis (z. B. aufgrund ihrer Rolle außerhalb des Reallabors oder ihrer
institutionellen Verankerungen) verschiedene Sichtweisen ein, die sich nicht in
jedem Fall zusammenführen lassen. Auch werden in der Regel nicht alle Sicht-
weisen und Wissensbestände in gleichem Umfang in eine Reflexion integriert
(Mayntz 2009). Umso wichtiger ist es, dass Zeitfenster und Organisationsstruktu-
ren für eine gemeinsame Reflexion in einem Reallabor verankert werden. So wur-
de im BaWü-Lab WiNo eine Querschnitts-Arbeitsgruppe gegründet, in der jedes
Teilprojekt vertreten war. Etwa vierteljährlich traf sich diese Gruppe, um sich
über den Arbeitsstand und Fragen der Qualitätssicherung transdisziplinären Ar-
beitens auszutauschen. Die experimentell-reflexive Arbeitsweise macht aber auch
eine gewisse Flexibilität überhaupt erst möglich. So zeigte sich im BaWü-Lab
R131 in der ersten Runde von Realexperimenten etwa, dass die Partizipation der
Bevölkerung entgegen der Absicht zu schwach realisiert wurde. Basierend auf
dieser Einsicht des Reallaborteams wurde diese Schieflage in der Konstellation
der Akteure in der zweiten Runde mit der Realexperimentreihe „Dein Nachhal-
tigkeitsExperiment“ (s. Trenks et al. 2018) korrigiert. Im BaWü-Lab Dietenheim
zieht an zeigte sich im Projektverlauf, dass eine Wiederbelebung der Innenstadt
durch nachhaltige Modegeschäfte kaum Aussicht auf Erfolg haben würde, so dass
stattdessen ein Messeformat entwickelt wurde. Für die BaWü-Labs stellten die
Workshops und Impulse der Begleitforschung wiederkehrende Anlässe zur Re-
flexion der eigenen Arbeitsweise dar.
Zur gemeinsamen, öffentlichen Reflexion ihrer Arbeit hatten BaWü-Labs beider
Förderlinien die Reallabor Lounge initiiert. Diese verband den gesellschaftlichen
Diskurs zur Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg mit Erfahrungen aus
den Reallaboren und gab der Öffentlichkeit Raum, ihre Fragen mit Expert(inn)en
zu diskutieren. Daraus resultierende Wissensgewinne integrierten die BaWü-Labs
in ihre weitere Arbeit.
94 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
4 Ziele und Designprinzipien in einem Reallabor:
Lessons Learnt
Reallabore stellen einen Rahmen dar, Forschungs-, Praxis- und Bildungsziele
synergetisch zu verfolgen. Bei der Konzeption eines Reallabors gilt es, die oben
angeführten Designprinzipien zu beachten, um die Ziele optimal verfolgen zu
können. Dabei lassen sich die Designprinzipien keineswegs 1:1 den Zielen zu-
ordnen, sondern liegen quer zu ihnen: Räumliche Angemessenheit beispielsweise
bezieht sich auf die Auswahl bearbeitbarer Untersuchungsräume, die von einem
Transformationsprozess betroffenen Räume sowie die Gestaltung einer geeigne-
ten Lernumgebung. Tabelle 1 bildet ein Schema aus Zieldimensionen und De-
signprinzipien. Darin werden beispielhafte Lessons Learnt aus den BaWü-Labs
aufgeführt.
Tabelle 1: Wie lassen sich die Ziele eines Reallabors mithilfe der Designprinzipien er-
reichen? Beispielhafte Lessons Learnt aus den BaWü-Labs
Design-
prinzipien
Forschungsziele Praxisziele Bildungsziele
Problem- und
Themenangemessenheit
herstellen
Exemplarisch
Fragen bearbei-
ten, die über-
tragbare Ergeb-
nisse liefern
Anstoßen, unter-
stützen und ge-
stalten von
Transformations-
prozessen
Aktuelle und
lokale Themen
aufgreifen und in
übergreifende
Kontexte einbet-
ten
Empowerment
von Akteuren
im Hinblick auf
zukünftige
Transformations-
prozesse
Räumliche
Angemessenheit
gestalten
Untersuchungs-
räume analytisch
handhabbar wäh-
len
Raumbezogenes
Wissen in Karten,
Modelle u. Ä. in-
tegrieren
Räumliche Skalen
(z. B. Quartier,
Einzugsgebiet…)
identifizieren, um
Themen lokal be-
arbeitbar zu ma-
chen
Reallabor als
„Lernumgebung“
gestalten
Identifizierung
der Akteure mit
dem Raum er-
möglichen und
aufgreifen
Richard Beecroft et al. 95
Design-
prinzipien
Forschungsziele Praxisziele Bildungsziele
Zeitliche
Angemessenheit
herstellen
Ausreichend Zeit
für das Monito-
ring langer Trans-
formationspro-
zesse einplanen
Ausreichend
Analysephasen
vorsehen
An die Dauer und
Taktung realer
Transformations-
prozesse an-
schließen
Strukturen auf-
bauen, die eine
langfristige Be-
arbeitung von
Themen (auch
außerhalb des
Reallabors) er-
möglichen
Flexiblen Zeit-
rahmen schaffen,
um mit unerwar-
teten Ereignissen
umzugehen
Reflexionsphasen
vorsehen
Zyklische Arbeits-
weisen etablieren
Zeit für individu-
elle Bildungspro-
zesse und für
Veränderungs-
prozesse als ler-
nende Organisa-
tion einplanen
Angemessene Akteursrollen
etablieren
Divergierende
Wissens-
bestände erfas-
sen und integrie-
ren
Akteure erfassen
und Rollen sowie
Kooperationswei-
se reflektieren
Erwartungen
transparent ma-
chen und daraus
Ziele ableiten
Anschluss an
gesellschaftliche
Entscheidungs-
strukturen schaf-
fen
Marginalisierte
Gruppen, wo
thematisch sinn-
voll, aktiv einbin-
den
Gegenseitiges
Lernen („mutual
learning“) ver-
schiedener Ak-
teure von- und
miteinander för-
dern
Rollenklärung als
Gelegenheit zur
Selbstreflexion
nutzen
Experimentell-reflexive
Arbeitsweise fördern
Reallabordesign
so auslegen, dass
Rückschläge und
Scheitern als Teil
der Arbeitsweise
genutzt werden
Selbstreflexion
auch als For-
schungsaufgabe
auffassen
Nicht-intendierte
Folgen und Reak-
tionen innerhalb
und außerhalb
des Reallabors
erfassen
Erfahrungstrans-
fer zwischen un-
terschiedlichen
transdisziplinären
Projekten ermög-
lichen
Evaluation als
Gelegenheit zum
Lernen nutzen
96 Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung
Zur Gestaltung eines Reallabors mit eigenem Profil empfehlen die Autor(inn)en,
die Tabelle zu nutzen und für jede Zelle bereits in der Planungsphase eigene De-
signentscheidungen zu dokumentieren – im Wissen darum, dass sich diese im
Verlauf der Reallaborarbeit noch deutlich wandeln werden. Die einzelnen
Lessons Learnt in der Tabelle sollen hierbei als Inspiration dienen, je nach Fokus
eines Reallabors kann hier aber auch ganz anderen Punkten Priorität zukommen.
Auch für den Evaluations-, Reflexions- und Veränderungsprozess eines Real-
labors kann die vorliegende Tabelle als Reflexionsschema dienen. Die Autor(inn)en
schlagen vor, die (leere) Tabelle zu nutzen, um divergierende Perspektiven unter-
schiedlicher, am Reallabor beteiligter Akteure zu erheben und darauf aufbauend
das spezifische Design des Reallabors Schritt für Schritt abzustimmen. Schließ-
lich kann anhand des Schemas für einzelne transdisziplinäre Projekte oder einzel-
ne Methoden überprüft werden, inwieweit sie in das Reallabor passen bzw. ob sie
dessen Potential in vollem Umfang nutzen.
Dank
Dieser Text wäre ohne den vertrauensvollen und kooperativen Austausch der
BaWü-Lab-Teams untereinander nicht möglich gewesen; stellvertretend möchten
wir Annika Arnold, Felix M. Piontek und Ines-Ulrike Rudolph für die Bereitstel-
lung von Beispielen aus ihren jeweiligen Reallaboren danken. Die Autorinnen
und Autoren danken auch Elke Häußler, Niko Schäpke, Andreas Seebacher und
Christina West für die Diskussionen über frühere Fassungen des Textes im Rah-
men des internen Reviews. Insbesondere möchten sie den zwei anonymen exter-
nen Gutachter(inne)n für die konkreten Hinweise zur Verbesserung des Textes
danken. Schließlich danken sie den beiden Herausgebenden, Rico Defila und
Antonietta Di Giulio, für ihre detaillierten und zielführenden Rückmeldungen
zum Text.
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... Such labs represent an attempt to bring transformative research into a specific transdisciplinary research format (Defila and Di Giulio, 2019;Beecroft et al., 2018, referring to the wider concept of "Real world laboratories"; see also GAIA special issue 2018). Ideally, labs pursue three goals: produce findings (research objectives), initiate transformation processes (practical objectives), and support learning processes (educational objectives) (for further insights see Beecroft et al., 2018). Based on the analysis of 22 examples, Voytenko Palgan et al. (2016) defined five characteristics of ULLs: geographical embeddedness, experimentation and learning, participation and user involvement, leadership and ownership, and evaluation and refinement. ...
... While the overall thematic focus is generally defined in the design phase (in dialogue with local stakeholders), during the implementation phase, all involved stakeholders should agree on needs, objectives, and methods (Beecroft et al., 2018) and ideally share a common mission and vision (Nevens et al., 2013). A challenge can be to find a common language and create a mutual understanding (Klautzer et al., 2020). ...
... Even though trust and trust-building in ULLs are often mentioned as important aspects or even prerequisites of living labs, these aspects still lack thorough investigation (for analysis on trust in knowledge production on the example of biodiversity see Gustafsson, 2013). Beecroft et al. (2018) relate the importance of trust-building to the nonhierarchical and non-determined characteristics of living labs and to the need to build sustainable working relationships, adding that this requires enough time. Franz (2015) describes trust-building activities in living labs like sewing courses and small talk that bring people together and help to build a basis of trust for further activities. ...
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The Urban Living Lab (ULL) approach has the potential to create enabling environments for social learning and to be a successful arena for innovative local collaboration in knowledge co-creation and experimentation in the context of research and practice in sustainability transitions. Nevertheless, complex issues such as the urban Food-Water-Energy (FWE) Nexus present a challenge to the realization of such ULL, especially regarding their inclusiveness. We present ULL as a frame for a local knowledge co-creation and participation approach based on the project "Creating Interfaces - Building capacity for integrated governance at the Food-Water-Energy-nexus in cities on the water". This project aims at making FWE Nexus linkages better understandable to the stakeholders (citizens and associations, city government, science, businesses), and to facilitate cooperation and knowledge exchange among them. This paper focuses on and discusses inclusiveness as a key aspect and challenge of ULLs and on what literature and our experiences in this regard suggest for the advancement of the concept of ULL towards ULL 2.0. These findings often also relate to framing transdisciplinary research in a wider sense.
... Given the diversity of knowledge types and actors' backgrounds, knowledge integration is an essential challenge that needs to be mastered for transdisciplinarity to become effective. Knowledge integration along these lines is a process that involves the active exchange of information, experiences, perspectives, and worldviews (De Vries, Petersen, 2009) as well as the creation of a joint knowledge base and common approaches to particular problems (Godemann, 2008;Hoffmann, 2016;Beecroft et al., 2018). In addition, knowledge integration, particularly in sustainability science, also aims at engaging actors to produce practically relevant and action-oriented solutions (Maiello et al., 2013;Hoffmann et al., 2017). ...
... Transformative knowledge integration: The two main goals of transformative knowledge integration are (i) the integration of measures into societal contexts, including a reduction of conflicts between contradictory knowledge claims of actors regarding effective or necessary measures; and (ii) empowerment that enables actors to increase their power and autonomy and actively participate in transformation processes in the long term, even beyond a project's lifetime (cf. Lang et al., 2012;Beecroft et al., 2018). ...
Article
Transdisciplinary research aims to generate knowledge through science-practice interactions and is attracting increasing attention in sustainability science. However,sustainable development is characterized by vast complexities and context specificities, with a broad spectrum of relevant actors. Transdisciplinary research projects targeting at socio-ecological transformations, therefore, require the integration of different bodies of knowledge from diverse actors to gain an accurate and comprehensive understanding of existing problems and potential solutions. This knowledge integration involves both the active exchange of knowledge and the creation of a joint understanding of problems and solutions. Hence, the focus of this article is to analyse how and why knowledge integration is successful in transdisciplinary research processes. We conceptualize and define knowledge types and goals of knowledge integration. By analysing seven transdisciplinary research projects, we develop and empirically test indicators for knowledge integration. We examine knowledge integration (i) within three specific knowledge types (systems, target, and transformative knowledge), and (ii) between these different knowledge types. Furthermore, we reflect on the roles of researchers and non-academic actors. The description, comparison and discussion of knowledge integration lead to the identification of barriers and success factors to improve such processes in transdisciplinary research activities.
... Die Arbeit in einem Reallabor kann sich in sehr verschiedene, nicht vorhersehbare Richtungen entwickeln. Eine Vielzahl an Veröffentlichungen beschreibt die unterschiedlichen Facetten von Reallaboren und benennt die wesentlichen Rahmen-und Erfolgsbedingungen (Beecroft et al. 2018;Schmidt 2019;Schneidewind und Singer-Brodowski 2015;Kallai 2020;Baran und Berkowicz 2020). Reallabore zeichnen sich durch eine Reihe gemeinsamer Merkmale aus (Rose and et.al. ...
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Zusammenfassung Das im Rahmen des Kommunen-Innovativ -Programms geförderte Verbundvorhaben „Wat nu?“ befasst sich am Beispiel von ausgewählten niedersächsischen Kommunen mit der Frage, wie das bei den lokalen Akteuren und in den diversen Netzwerken vorhandene System- und Transformationswissen genutzt werden kann, um in einem kollaborativen Prozess adäquate Handlungsoptionen im Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels zu entwickeln und zu erproben. Das Vorhaben greift dabei auf den Ansatz des Reallabors zurück, in dem unterschiedliche Akteure aus dem wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politisch-zivilgesellschaftlichen Bereich mit Bürger*innen zusammenarbeiten und nach Lösungen suchen. Im vorliegenden Beitrag werden die unterschiedlichen partizipativen Methoden beschrieben, mit denen das endogene und exogene Potenzial der Region aktiviert werden kann.
... Scannell and Giffrod 2010). This is a particularly noteworthy limitation when considering transformative urban development, given the situated approach of transformative formats such as real-world labs and the important role of spatial context (Beecroft et al., 2018;von Wirth and Levin-Keitel 2020). In the following, we therefore discuss a spatial perspective on urban transitions, related implications from this perspective for scaling, and implications for the development of our interdisciplinary framework. ...
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The question of how sustainable innovations and how niche experimentation lead to systemic changes are a core motivation of sustainability transitions research. As an inherently interdisciplinary field, although this question is addressed from different academic perspectives, the dominant understanding of relevant scaling processes is grounded in concepts of growth, diffusion and expansion. This article contributes to the discussion of more nuanced understandings of scaling, acknowledging the value of ontological levels for analytic purposes, but also drawing on knowledge from socio-psychological and spatial perspectives. Alternative understandings of spatial and agency-related scaling approaches are discussed and compared. An integrative socio-spatial framework is developed, providing a mid-range framework capable of supporting analysis of transitions that connects different disciplinary perspectives within a level-based ontology. We use an illustrative case study and derive implications for how this can inform questions of scaling and particularly spatial upscaling of new ways of doing, thinking & organizing
... Obwohl andere Begriffsbestimmungen abweichend formuliert sind, spiegeln sich diese Kernaussagen in ihnen wider (vgl. Beecroft et al. 2018: 5-26, Schneidewind und Singer-Brodowski 2015. ...
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Was genau ist ein Reallabor? Wie funktioniert Service Learning? Wozu dienen Praktikum, Citizen Science und Duales Studium? Dieses Handbuch erläutert zentrale Begriffe der jüngeren wissenschaftstheoretischen Debatte in ihren Auswirkungen auf Hochschullehre und Bildungsperspektiven. Transdisziplinarität erschließt sich auf diese Weise als umfassendes Innovationsgeschehen in Reaktion auf die großen globalen Herausforderungen dieser Tage – etwa Klimawandel, Urbanisierung oder Migration. Ein praktisches Nachschlagewerk für Studierende, Lehrende und alle, die die tiefgreifenden Veränderungen der Hochschulbildung im Zuge transformativer Wissenschaft verstehen wollen.
... Obwohl andere Begriffsbestimmungen abweichend formuliert sind, spiegeln sich diese Kernaussagen in ihnen wider (vgl. Beecroft et al. 2018: 5-26, Schneidewind und Singer-Brodowski 2015. ...
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Was genau ist ein Reallabor? Wie funktioniert Service Learning? Wozu dienen Praktikum, Citizen Science und Duales Studium? Dieses Handbuch erläutert zentrale Begriffe der jüngeren wissenschaftstheoretischen Debatte in ihren Auswirkungen auf Hochschullehre und Bildungsperspektiven. Transdisziplinarität erschließt sich auf diese Weise als umfassendes Innovationsgeschehen in Reaktion auf die großen globalen Herausforderungen dieser Tage – etwa Klimawandel, Urbanisierung oder Migration. Ein praktisches Nachschlagewerk für Studierende, Lehrende und alle, die die tiefgreifenden Veränderungen der Hochschulbildung im Zuge transformativer Wissenschaft verstehen wollen. * hrsg. unter gleicher Beteiligung (Equal Contribution)
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The global industrial mining sector is, like other sectors, undergoing an unprecedented transformation pushed by global sustainability and climate challenges. The need to increase productivity and efficiency of mineral extraction along with increasing pressure from a wide range of stakeholders to decarbonise the industry and make mining practices more sustainable, accountable, and socially acceptable are driving the adoption of automation and digitalisation technologies as well as the electrification of equipment and the implementation of more sustainable energy solutions for the industry. Automation and digitalisation are changing the way minerals and metals are extracted and provide important tools for designing and implementing the mine of the future: a digitally integrated, autonomous mine where no humans need to be put in harm’s way and in which the connected systems are able to reduce the ever-increasing complexity to such an extent that improved decision-making can be realised in real time. Mining as an industry still has a way to go to reach the potential of automation and digitalisation on the one hand, and alternative drive systems and sustainable power generation on the other. This paper will give an overview of empirically derived leading technologies underlying the current transformation and will place them in the context of the data-information-value-chain that can provide a more systematic approach to describe the various technologies and, in particular, their interrelationships. This can support a better understanding of assessing the overall technological maturity of an operation, especially with respect to their evolution from automation of equipment towards autonomous systems. There is no reason to doubt that, from a technology perspective, the digitally connected, autonomous, and carbon-free mine have the potential to become a reality. Breakthrough effects can be expected to come not from any single technology but rather from successfully developing, implementing, and integrating the full suite of (available) automation and digitalisation technologies across entire mining operations and moving towards digitally integrated, autonomous systems considering the process and its interrelations holistically (Clausen et al. 2020b). However, in order to get there, mining companies need to consider not only the technological aspects of this transformation. For successfully responding to the changing landscape of stakeholder expectations and future-proofing the industry requires, the authors argue that mining companies need to adopt a mind-set of the human-centred climate smart mine (Clausen and Sörensen 2021). In addition, mining companies need to reconsider their role in the economic, social, and environmental ecosystem they are embedded in so they can break through traditions that keep them from successfully positioning themselves as builders of social value.
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Since the turn of the millennium, Dalston in the London Borough of Hackney has experienced fundamental change through public and private investment in new infrastructure and processes of urban restructuring. This was paralleled by the reform of the national planning system, which aimed to devolve decision-making to the local level and increase the possibilities for residents and stakeholders to participate in planning processes. However, the difficulty of translating local needs and aspirations into policy goals and broadly accepted area action plans resulted in a crisis, which, in 2018, led to the introduction of the Dalston Conversation and subsequently the revision of planning goals. It is in this context that the Relational States of Dalston mapping project generated and assembled local knowledge about the web of socio-spatial relations between different local actors and in this way highlighted the significance and fragility of the communities’ networks and their spatial dimensions. The collection, ordering, integration, and production of knowledge can be seen as part of the core work in urban planning processes and policymaking. Which forms of knowledge are routinely used in planning contexts and define the relationship between planning action and urban transformation? To what extent could the mapping of local community relations add to this knowledge and help to improve decision-making processes in contested spaces of knowledge? In what ways could a relational understanding of space and architectural modes of research and representation contribute to the analysis, conceptualisation, and communication of local community relations? This article engages with these questions, using the mapping project in Dalston as a case study.
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Der Beitrag präsentiert ein Vorgehen zum Aufbau einer Realexperimentreihe. Eine solche Reihe besteht aus mehreren zeitgleich laufenden Realexperimenten, die in einem definierten räumlichen Kontext stattfinden. Die Realexperimente gehen auf Ideen und Initiativen zivilgesellschaftlicher Akteure zurück, die mittels eines offenen Ideenwettbewerbs eingeholt werden. Es wird gezeigt, wie Gruppen aus Bürger(inne)n, die eigene Projekte mit experimentellem Charakter planen, initiiert und aktiviert werden können. Die Realexperimente, auf die bei diesem Vorgehen fokussiert wird, sollen einen Mehrwert für die Gemeinschaft haben und im Projektverlauf für weitere Interessierte offen sein. Es wird beschrieben, wie Partnerschaften aufgebaut und Akteure beim Aufbau einer Kooperation unterstützt werden können. Außerdem wird erklärt, wie die ausgewählten Realexperimente begleitet und beforscht werden können. Der Beitrag wendet sich sowohl an Wissenschaftler(innen), die ein Reallabor betreiben, als auch an Praxisakteure, die Realexperimente durchführen und begleiten oder beforschen möchten. Die zeitgleiche Durchführung mehrerer Realexperimente in einer Realexperimentreihe erlaubt Synergieeffekte zwischen den einzelnen Gruppen.
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Dieser Beitrag stellt eine Handreichung zum Verständnis von Begriffen dar, die sich in der Reallaborforschung als besonders wichtig erwiesen haben. Die Begriffe werden jeweils kurz erläutert und kontextualisiert. Eingegangen wird auf die Begriffe transformative Forschung, Transdisziplinarität im Kontext transformativer Forschung, Reallabor und Realexperiment sowie System-, Ziel- und Transformationswissen. Zur Erklärung des Begriffs Realexperiment werden die hauptsächlichen Unterschiede zwischen Realexperimenten und naturwissenschaftlichen Experimenten tabellarisch dargestellt. Thematisiert werden auch die Akteursvielfalt in Reallaboren sowie das für die Reallabore in Baden-Württemberg zentrale normative Ziel der Nachhaltigkeit. Der Beitrag richtet sich daher vor allem an Leserinnen und Leser, die mit der Begrifflichkeit der Reallaborforschung noch nicht vertraut sind.
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Ein Partizipationsmythos ist ein Komplex von individuellen und kollektiven Vorstellungen über Partizipation, die sich unter den Akteuren eines Reallabors als unhinterfragte Erwartungshaltung hartnäckig halten und – ohne ausreichende Evidenz – Entscheidungen (mit) beeinflussen. Der Kurz-Beitrag erörtert den Mythos, Partizipation in der Forschung sei nur dann gut, wenn alle an möglichst allen Aktivitäten mitwirken würden und an allen Entscheidungen beteiligt seien. Er zeigt, dass das nicht nur alle Beteiligten überfordern, sondern auch nicht den tatsächlichen Partizipationsbedarfen entsprechen würde. Im Buch werden zudem der Partizipationsmythos vollständiger Transparenz sowie der Partizipationsmythos unerlässlicher Repräsentativität diskutiert.
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Für den Kontext gesellschaftspolitisch-planerischer Partizipationsprozesse gibt es einen großen Erfahrungsschatz mit Blick auf Ziele, zu beteiligende Akteure, Instrumente, Abläufe und Erfolgsfaktoren. Im Beitrag wird diskutiert, welche Hinweise sich daraus gewinnen lassen für eine zielführende und qualitative Gestaltung von Partizipationsprozessen im spezifischen Kontext von Reallaboren. Mit anderen Worten: was lässt sich übertragen, was wäre für ein transdisziplinäres und transformatives Forschungsformat anzupassen? Ziel ist es, zur Reflexion und zum Diskurs anzuregen. Die Diskussion zur Gestaltung von Partizipationsprozessen im Rahmen von Reallaboren wird durch vier Leitfragen strukturiert: (1) Was sind Erfolgsfaktoren für Partizipationsprozesse in Reallaboren? (2) Was sind Beteiligungsgegenstand und Beteiligungsziele im Reallabor, die sich in unterschiedlicher Gewichtung aus Forschungs-, Praxis- und Bildungszielen ergeben? (3) Welche Akteure sollten in die Partizipation in Reallaboren eingebunden werden und welche Interessen haben diese? (4) Wie kann der Ablauf eines Partizipationsprozesses im Reallabor aussehen und wie werden externe und interne Herausforderungen berücksichtigt?
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Der Beitrag erläutert Kontext, Ziel, Entstehung und Aufbau des Buchs. Dessen Hintergrund bilden forschungspraktische Erfahrungen in Reallaboren, d. h. in Projekten, in denen transdisziplinär geforscht und gleichzeitig ein transformativer Anspruch verfolgt wird. Zu Beginn des Beitrags werden Kriterien vorgeschlagen, die erlauben, das Format Reallabor aus dem Kontext der Nachhaltigkeit herauszulösen, ohne es für beliebige Ziele zu öffnen. Der Hauptteil ist Fragen gewidmet, die von generellem Interesse sein dürften für solche Forschung innerhalb und außerhalb von Reallaboren: (1) Wer sind die an transdisziplinärer (und transformativer) Forschung partizipierenden Akteure? (2) Wie innovativ sind die bei einer solchen Forschung eingesetzten Methoden? (3) Können die Forschungsziele und die Praxisziele bei dieser Art Forschung ausbalanciert werden? Den Schluss bilden Überlegungen dazu, was sich aus den Erfahrungen in Reallaboren für die transdisziplinäre (und transformative) Forschung lernen lässt mit Blick auf das Verständnis von Partizipation und auf die Entwicklung von Methoden.
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Der Beitrag stellt ein Modell vor, anhand dessen die Akteurskonstellation in einem Reallabor analysiert und geplant werden kann, und das auch für andere transdisziplinäre (und transformative) Kontexte eine Denkhilfe darstellen dürfte, wenn es um die Planung und Reflexion der Projektstruktur geht. In Reallaboren ist, das hat die Erfahrung gezeigt, eine Vielfalt von Akteuren zu unterscheiden, die in vielfältiger Weise und unterschiedlicher Intensität an den verschiedenen Aktivitäten partizipieren. Zugleich bedarf, aufgrund des Eingebettetseins von Reallaboren ‚in die reale Welt‘, die ‚Außengrenze‘ besonderer Aufmerksamkeit. Das vorgestellte Modell berücksichtigt diese Faktoren sowie die Dynamik und Fluktuation, die nicht Ausnahme, sondern Regel sind.
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Realexperimente tragen die Risiken der Forschung in die Gesellschaft. Gesellschaft wird damit ein Laboratorium des Wandels, in dem die Suche nach neuem Wissen und die Anwendung erprobten Wissens Hand in Hand gehen. Die Fallbeispiele in diesem Buch illustrieren, wie sich daraus rekursive Lernprozesse ergeben. Die Beispiele stammen aus drei Kontinenten und erstrecken sich von der Sanierung des Sempachersees in der Schweiz bis zum Design einer Halbinsel in Chicago. Ihre Analyse zeigt, dass sorgfältige Planung ebenso wie Offenheit für Überraschungen zu robusten Gestaltungsprozessen beitragen. Realexperimente sind daher keine minderwertige Variante des Experimentierens im Labor, sondern eine für die Wissensgesellschaft charakteristische Form der Wissenserzeugung und Zukunftsgestaltung.
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„Reallabor“ und „Reallaborforschung“ sind junge und demgemäß noch wenig scharf umrissene Konzepte. Obwohl sie in einigen wissenschaftlichen Communities gerade Karriere machen, hat sich noch kein allgemein geteiltes, inhaltliches Verständnis herausgebildet. Die Sammlung von Schlüsselbegriffen soll einen schnellen Einstieg und ersten Gesamteindruck geben, was Reallabore auszeichnet, und die Bezüge zur umgebenden Wissenschaftslandschaft und Praxis aufzeigen. Die Autorinnen und Autoren explizieren hiermit ihr Begriffsverständnis und stellen dieses zur Diskussion mit dem Ziel, zu einem geteilten Begriffsverständnis in der Reallaborforschung beizutragen.[1]
Article
Die Wissensgesellschaft bringt neue Herausforderungen und Möglichkeiten für Städte mit sich und verändert Stadtentwicklungsprozesse. Für eine umfassende wissenschaftliche Begleitung dieses Wandels werden neue Formate inter- und transdisziplinärer Forschungsarbeit notwendig, die es ermöglichen, relevante Akteure der Stadtentwicklung einzubinden sowie gleichzeitig nachhaltige Prozesse urbaner Transformation ergebnisoffen in Gang zu setzen. Das Reallabor „Urban Office – Nachhaltige Stadtentwicklung in der Wissensgesellschaft“ erweitert deshalb etablierte, an Beobachtung orientierte Positionen der Forschung. Dies geschieht mit Hilfe von vier konkreten städtebaulichen Vorhaben (Praxisprojekte), anhand derer ForscherInnen verschiedener Disziplinen co-produktiv mit Praxisakteuren Forschungs-, Governance- und Planungsprozesse auf Augenhöhe anstoßen. Von zentraler Bedeutung für ein erfolgreiches Agieren ist die Entwicklung neuer Kommunikations- und Forschungsformate, die die Stadtverwaltung, die Internationale Bauausstellung Heidelberg (IBA), BürgerInnen sowie weitere PraxispartnerInnen in den Prozess des Co-Design integrieren und das „Urban Office“ zum Ort von Reflexion und „Co-Produktion von Wissen“ und somit selbst zum Teil des „Experiments“ werden lassen.