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Spiritualität in der psychotherapeutischen Praxis – wozu ein Fallbuch gut ist

Authors:
Eckhard Frick/Isgard Ohls/
Gabriele Stotz-Ingenlath/Michael Utsch (Hg.)
Fallbuch Spiritualität
in Psychotherapie und
Psychiatrie
Vandenhoeck & Ruprecht
© 2018 Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783525402962 — ISBN E-Book: 9783647402963
Inhalt
Geleitwort von Iris Hauth ................................. 9
Spiritualität in der psychotherapeutischen Praxis–
wozu ein Fallbuch gut ist ................................. 13
Michael Utsch
1 »Der Herr Jesus spricht nicht mehr zu mir« .............. 29
Stefan Roider
Kommentar von Gabriele Stotz-Ingenlath
2 Out of Body .......................................... 33
Ulrike Anderssen-Reuster
Kommentar von Norbert Mönter
3 Kann ich Gott verzeihen? EinGespräch mit dem Psychiater
und Psychoanalytiker Harry A. ............................ 41
Eckhard Frick
Kommentar von Gabriele Stotz-Ingenlath
4 Weiße Königin ........................................ 51
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Michael Utsch
5 Ashramverbot ......................................... 57
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Norbert Mönter
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Inhalt
6 Nicht schuld, sondern krank ............................ 65
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Samuel Pfeifer
7 Die Engeltapete ....................................... 71
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Peter Kaiser
8 Befreiung aus der Sekte ............................... 77
Michael Utsch
Kommentar von Henning Freund
9 Vom Sinn des Dschinn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
Ibrahim Rüschoff
Kommentar von Peter Kaiser
10 Rituelle Reinigung .................................... 89
Peter Kaiser
Kommentar von Isgard Ohls
11 Negative Gebete ..................................... 95
Peter Kaiser
Kommentar von Hamid Peseschkian
12 Das Kind im Klinikmüll ................................ 101
Isgard Ohls
Kommentar von Eckhard Frick
13 Berufen zu missionieren .............................. 107
Isgard Ohls
Kommentar von Eckhard Frick
14 Geheimdienstler entzündet Kerze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Eckhard Frick
15 Der schizophrene Messias ............................ 119
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Eckhard Frick
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Inhalt
16 Herzensgebet als therapeutische Ressource ............ 123
Esther Sühling
Kommentar von Michael Utsch
17 Ätherische Auflösung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Eckhard Frick
18 Ein gläubiger Mensch hat keine Angst .................. 135
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Eckhard Frick
19 Japanische Bestattung ................................ 139
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Eckhard Frick
20 Krebs und Glück ..................................... 145
Gabriele Stotz-Ingenlath
Kommentar von Isgard Ohls
Zusammenfassung und Ausblick .......................... 153
Gabriele Stotz-Ingenlath, Michael Utsch, Isgard Ohls, Eckhard Frick
Die Autorinnen und Autoren .............................. 159
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Spiritualität in der psychotherapeutischen
Praxis– wozu ein Fallbuch gut ist
Michael Utsch
Wer eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung
beginnt, möchte sich darauf verlassen können, dass die ent-
sprechenden fachlichen Standards eingehalten werden. Aber wie
sollen diese aussehen, wenn eine Störung mit emen der Religion
und Spiritualität zusammenhängt? Religiöse und spirituelle Phäno-
mene, von denen Patienten und Patientinnen berichten, berühren
das Geheimnisvolle und Schicksalhae der menschlichen Existenz,
bei der jede noch so dierenzierte und verständnisvolle Psycho-
Logik an ihre Grenzen stößt.
Wie gehen erapeutinnen und erapeuten professionell mit
religiösen oder spirituellen Deutungen ihrer Patienten um? Was ist
behandlungstechnisch angezeigt, wenn sich eine Patientin von nega-
tiven Energien beeinusst fühlt, die ihr alle Kräe rauben; wenn ein
autoritäres, streng kontrollierendes Gottesbild jegliches Selbstwert-
gefühl verhindert; wenn der erapeut gefragt wird, ob er auch einen
»bösen Geist wegmachen« könne? Darüber gibt es sehr konträre
Auassungen. In der deutschsprachigen Psychotherapie und Psy-
chiatrie werden diese Fragen erst seit Kurzem intensiver diskutiert.
Hilarion Petzold und Kolleginnen (2010) wenden sich vehement
gegen eine Einbeziehung spiritueller Interventionen in die Psycho-
therapie, weil die möglichen Risiken eines ideologischen Machtmiss-
brauchs zu hoch seien. »Spiritualität ist keine Sache wissenscha-
licher Psychotherapie, sondern des persönlichen Glaubens« (S. 14).
Mit der Privatangelegenheit der Religion begründen sie ihr Plädo-
yer für einen Ausschluss dieser emen. Sie erinnern daran, dass
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 Michael Utsch
Psychotherapie als rechtlich geregelte Dienstleistung des öentlichen
Gesundheitswesens unter dem Gebot der weltanschaulich-religiösen
Neutralität stehe. Das moderne Wissenschasverständnis beruhe auf
einem materialistischen Weltbild, das auf der kategorialen Trennung
von Wissenscha und Glaube gründe. Deshalb sei für eine wissen-
schalich begründete Heilkunde »prinzipiell« nur eine materialis-
tisch-monistische Position vertretbar.
Allerdings ist auch bei Atheisten ein »unglaubliches Bedürfnis
zu glauben« vorhanden (Kristeva, 2014). In vielen Menschen, »auch
bei solchen, die keiner Kirche und Konfession angehören, gibt es
oenbar ein tief verwurzeltes Gefühl, dass die sichtbare (›objek-
tive‹) raumzeitliche Wirklichkeit nicht die einzige ist« (Boessmann
u. Remmers, 2016, S. 350). Darüber hinaus ist zu berücksichtigen,
dass bei gemeinsamen Glaubensüberzeugungen von erapeut/-in
und Klient/-in ein religiöses oder spirituelles Ritual Ressourcen akti-
vieren kann, die durch herkömmliche Methoden nicht erreicht wer-
den können (Brentrup u. Kupitz, 2015).
Ärztliche und psychotherapeutische Behandlungen berühren
häug existenzielle Sinn- und Wertefragen. Damit kommen der
persönliche Glaube und die Weltanschauung ins Spiel: Wie will ich
leben, sterben, meine Kinder erziehen? Sowohl Klienten als auch
erapeuten benden sich bei der Beantwortung solcher Fragen in
einer verwirrenden Situation, in der biograsche Prägungen, insti-
tutionelle Systeme, Familiensysteme und persönlicher Glaube mit-
einander verquickt sind (Baatz, 2017). Wenn eine Lebenskrise das
gesamte Selbst- und Weltbild des Patienten infrage stellt und ein
neues Orientierungs- und Wertesystem nötig wird, kommen häuger
seelische Störungen zum Vorschein. Deshalb ist der psychiatrische
Krankheitsschlüssel mit dem Erscheinen des DSM-IV im Jahr 1994
um die Diagnose »religiöses oder spirituelles Problem« (V 62.89)
ergänzt worden. Diese Kategorie soll verwendet werden, wenn im
Vordergrund der klinischen Aufmerksamkeit ein religiöses oder spi-
rituelles Problem steht. Dazu zählen belastende Erfahrungen, die den
Verlust oder die Kritik von Glaubensvorstellungen nach sich ziehen,
Probleme im Zusammenhang mit der Konversion zu einem anderen
Glauben oder das Infragestellen spiritueller Werte, auch unabhängig
von einer organisierten Kirche oder religiösen Institution. Auch in
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Spiritualität in der psychotherapeutischen Praxis 
Deutschland wird das Konzept der spirituellen Krise mittlerweile
genauer in den Blick genommen und in Behandlungen angewendet
(Hofmann u. Heise, 2017).
Kultursensible Behandlungen
Durch die gesellschalichen Veränderungen der letzten Jahre hat
eine kultursensible Vorgehensweise in der erapie an Bedeutung
gewonnen. Zwei deutsche Psychotherapeuten argumentieren, dass
die Abstinenzverpichtung in der Psychotherapie dem Ziel diene,
den Patienten und Patientinnen Freiräume zu verschaen, damit
sie ohne Rücksicht auf die persönliche Einstellung des erapeu-
ten die eigenen Lebensprobleme darstellen können. Dabei erfahre
das Abstinenzgebot bei hochreligiösen Patienten eine Uminter-
pretation: »Gerade bei sehr religiösen Patienten kann ein Abrücken
von der Abstinenz bzgl. des emas ›Religiosität‹ beziehungsförder-
lich sein« (Richard u. Freund, 2012, S. 206). Geläuge Vorteile gegen-
über Psychotherapeuten, die jeglichen Glauben »wegtherapieren«
würden, müssten richtiggestellt werden, damit ein Patient freimütig
sein Erleben darstellen könne. Die Einbeziehung kultureller, also
auch religiöser Ressourcen in eine Behandlung ist insbesondere bei
muslimischen Migranten und Migrantinnen von hoher Relevanz
(Kizilhan, 2015). Dafür ist ein oener Umgang mit religiösen und
spirituellen emen in der Psychotherapie nötig.
Die aufmerksame Beachtung religiöser und spiritueller Hinter-
gründe, Bedürfnisse und Erwartungen des Patienten entbindet
den Behandler aber nicht von der Wahrung seiner berufsethischen
Verpichtungen. Im aktuellen Ethik-Kodex der A PA (2010) ver-
pichten sich die Psychologen, dass sie die kulturellen Besonder-
heiten eines jeden Menschen respektieren. Ausdrücklich werden
Alter, Geschlecht, geschlechtliche Identität, Rasse, Kultur, nationale
Herkun, Religion, sexuelle Orientierung, Behinderung, Sprache
und sozioökonomischer Status erwähnt.
Angesichts von multikultureller Diversität bei Patienten und
erapeuten empehlt Plante (2009) die Beachtung der folgenden
fünf ethischen Prinzipien: Respekt, Verantwortung, Integrität, Kom-
petenz und Behandlungsaurag. Er weist darauf hin, dass era-
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 Michael Utsch
peuten und erapeutinnen, die religiös-spirituelle Interventionen
einbeziehen, häug auch in religiös-spirituellen Gruppen Verant-
wortung übernehmen. Allerdings könnte es zu einer koniktreichen
Rollenvermischung kommen, wenn ein Gemeindemitglied einen
erapeuten der eigenen Gemeinscha konsultieren würde. Deshalb
warnen auch Richard und Freund: »Wegen dieser ießenden Über-
gänge in die Rolle bzw. möglicher doppelter Rollen ist es wichtig,
sich als Psychotherapeut seiner Haltung klar zu werden und diese
dem Patienten transparent zu machen« (2012, S. 207).
Im Hinblick auf die Kultur- und Religionssensibilität in Be hand-
lungen besteht im deutschsprachigen Bereich noch ein großer
Nachholbedarf. Psychiater und Psychotherapeuten sind auf diesen
Gebieten auch deshalb unsicher, weil entsprechende Fähigkeiten und
Fertigkeiten bisher in der Aus- und Weiterbildung vernachlässigt
wurden (Freund u. Gross, 2016; Freund, Böhringer, Utsch u. Hauth,
2017). Ein Expertenteam amerikanischer Religionspsychologen
(Vieten etal., 2013) unterschiedlicher weltanschaulicher Traditio-
nen hat folgende Kompetenzen zum Umgang mit diesen Fragen für
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erarbeitet: Psycho-
therapeuten und Psychiater…
Ȥ
sind in der Lage, empathische und eektive Beratungen und e-
rapien von Klienten mit unterschiedlichen weltanschaulichen
Prägungen, Bindungen und Intensitätsgraden durchzuführen.
Ȥ
explorieren den Hintergrund, die Erfahrungen, Praktiken, Hal-
tungen und Überzeugungen standardmäßig als Bestandteil der
Klienten-Anamnese.
Ȥ helfen ihren Klienten, ihre religiösen oder spirituellen Stärken
und Ressourcen herauszunden und einzusetzen.
Ȥ
können religionsbedingte Störungen, Belastungen und Krisen
erkennen und in Behandlungen benennen und bei Bedarf an
religiöse Experten oder Seelsorger verweisen.
Ȥ
informieren sich über den aktuellen religionspsychologischen
Forschungsstand in Bezug auf ihre klinische Praxis, um dadurch
ihre eigenen Kompetenzen in diesem Bereich zu verbessern.
Hochreligiöse Personen mit psychischen Erkrankungen wenden sich
wegen der Skepsis gegenüber vermeintlich religionsfeindlichen e-
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Spiritualität in der psychotherapeutischen Praxis 
rapeuten häug zunächst an den Leiter ihrer religiösen Gemein-
scha. Deshalb hat die American Psychiatric Association (APA,
2016) eine »Mental Health and Faith Community Partnership« ins
Leben gerufen und eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese hat für die
Leiter und Seelsorger religiöser Gemeinschaen einen Ratgeber ver-
fasst, wie angemessen mit psychischen Erkrankungen umgegangen
werden sollte. In der World Psychiatric Association (WPA) arbeitet
die Sektion »Religion, Spiritualität und Psychiatrie« zu diesbezüg-
lichen Fragen und veröentlicht ihre Ergebnisse auf einer eigenen
Internetseite und in einem regelmäßigen Rundbrief (WPA, 2015).
2015 hat die WPA ein Positionspapier zum Umgang mit Religion
und Spiritualität veröentlicht (Moreira-Almeida etal., 2015). Weil
die empirische Evidenz zeigt, dass Religion und Spiritualität die Prä-
valenz (insbesondere bei Depressionen und Suchterkrankungen), die
Diagnose (Unterscheidungen zwischen spirituellen Erfahrungen und
psychischer Krankheit) und die Behandlung (Einbeziehung spirituel-
ler Bedürfnisse) psychischer Erkrankungen beeinussen, empehlt
die WPA ihren Mitgliedern mehr Aufmerksamkeit für diese emen.
Für Großbritannien hat ein Expertengremium ein verbindliches
Konsenspapier zum Umgang mit Religiosität und Spiritualität in der
Psychotherapie vorgelegt (Cook, 2013). Darin werden die Fachmit-
glieder darauf verpichtet, den religiösen oder spirituellen Bindun-
gen ihrer Patientinnen und Patienten mit einfühlsamer Achtung und
Respekt zu begegnen. Klinisch Tätige sollen zwar keine religiösen
oder spirituellen Rituale als Ersatz für professionelle Behandlungs-
methoden anbieten, andererseits wird aber auf die Bewältigungs-
kra positiver Spiritualität hingewiesen, durch die Honung und
Sinn vermittelt werden könne.
In Großbritannien gibt es eine aktive, etwa 3000 Mitglieder starke
Arbeitsgruppe »Spiritualität und Psychiatrie« im Royal College of
Psychiatrists, die diesbezügliche Fachtagungen und Fortbildungen
durchführt. Naturgemäß treen gerade bei der Einschätzung von
Religion unterschiedliche Weltbilder aufeinander. Exemplarisch zeigt
sich das an der kontroversen Diskussion um die Einbeziehung eines
Gebets in die psychiatrische Praxis (Poole u. Cook, 2011). Der eine
Protagonist, ein bekennender Atheist, möchte derartige Praktiken
von jeglicher fachärztlichen Behandlung fernhalten, um eine mög-
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 Michael Utsch
liche Rollenkonfusion von Psychotherapeut und Seelsorger zu ver-
meiden. Sein Kontrahent ist anglikanischer Priester und argumentiert,
dass auf Nachfrage des Patienten unter bestimmten Bedingungen
evidenzbasierte spirituelle Interventionen wie ein Gebet sinnvoll
sein können. Auch hierzulande gibt es seit Kurzem Ansätze einer
religionspsychologischen Gebetsforschung (Zimmermann u. Möde,
2011; Meuthrath, 2014; Bucher, 2016; Heu, 2016; Büssing, 2017).
Bemerkenswert ist an dem britischen Fachartikel (Poole u. Cook,
2011): Nach der Zusammenfassung im Kopf des Aufsatzes ist die
Rubrik »Declaration of Interest« eingefügt, in der die weltanschau-
lichen Grundannahmen– beispielsweise Atheist oder Priester
oengelegt werden. Auf dem häug noch schambesetzten Gebiet
des persönlichen Glaubens ist die Transparenz der jeweiligen Über-
zeugungen eine wichtige Voraussetzung dafür, dass spirituelle Inter-
ventionen zu einer Option werden können.
Argumente aus der Forschung
Die fachliche Diskussion über die Einbeziehung von Spirituali-
tät in eine psychotherapeutische Behandlung bewegt sich zwi-
schen Extremen. Einerseits empfehlen manche erapeuten und
Wissenschaler spirituelle Behandlungsmethoden, also die gezielte
Einbeziehung von religiös-spirituellen Lehren und Praktiken, auf-
grund ihrer Wirksamkeit. Die Fakten, die hauptsächlich aus Ame-
rika stammen, können beeindrucken. Dabei muss allerdings die
gänzlich andere amerikanische Religionskultur berücksichtigt wer-
den– hierfür ein prägnantes Beispiel: Das renommierte »American
Journal of Pastoral Counseling« wurde im Jahr 2006 umbenannt
in »e Journal of Spirituality in Mental Health«, um besser die
Absicht auszudrücken, Spiritualität als eine Ressource in Seelsorge,
Beratung und Psychotherapie wissenschalich zu erforschen. Im
deutschsprachigen Gesundheitswesen sind Seelsorgeangebote häu-
g viel weniger in das Behandlungsangebot integriert, haben einen
viel geringeren Stellenwert als in den USA und werden auch weni-
ger erforscht.
Zwei neue Fachzeitschrien veröentlichen seit Kurzem Studien
zur Wirksamkeit spiritueller erapiemethoden (
USA
: »Spirituality
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Spiritualität in der psychotherapeutischen Praxis 
in Clinical Practice«, vgl. http://www.apa.org/pubs/journals/scp/;
Türkei: »Spiritual Psychology and Counseling«, http://spiritualpc.
net/). Systematische Metastudien weisen mit empirischer Evidenz
auf die Wirksamkeit religionsangepasster erapiemethoden hin
(Anderson etal., 2015). Spirituelle Interventionen können oen-
sichtlich bei bestimmten Störungen durchaus nachweisbare Eekte
erzielen. Eine methodisch strenge Auswertung von elf Studien kommt
zu dem Schluss, dass Psychotherapie mit integrierter Religiosität bei
der Behandlung von Depressionen und Angststörungen mindestens
so wirksam wie säkulare Formen der gleichen Psychotherapie ist.
Allerdings stehe der Nachweis, sie sei langfristig eektiver als diese,
noch aus. Darüber hinaus müssten die Wirkungsbedingungen noch
genauer und auf der Grundlage von größeren Stichproben erforscht
werden (Paukert, Phillips, Cully, Romero u. Stanley, 2011). In einer
Metaanalyse haben amerikanische Forscher 46 durchgeführte Stu-
dien zu den Wirkungen religiös adaptierter Behandlungen und spi-
ritueller erapien (Worthington, Hook, Davis u. McDaniel, 2011)
verglichen und ausgewertet. Als klinische Fallbeispiele werden dafür
eine christlich adaptierte kognitive erapie bei einer depressiven
Störung, eine buddhistische Selbst-Schema-erapie bei einer Sucht-
erkrankung, eine christliche Vergebungstherapie und eine musli-
mische kognitive erapie bei einer Angststörung dargestellt. Die
Autoren kommen zu dem Schluss, dass religiös-spirituelle Psycho-
therapie nachweislich sowohl psychologische als auch spirituelle
Wirkungen zeige. Allerdings weisen sie darauf hin, dass ein einfaches
Hinzufügen religiöser und spiritueller Elemente zu einer etablier-
ten säkularen Psychotherapie keine überprüaren Verbesserungen
zeigen würde. Die höchste Wirksamkeit religiöser und spiritueller
Interventionen lässt sich bei hochreligiösen und spirituellen Patien-
tinnen und Patienten nachweisen.
In einem systematischen Review haben Forscher mit einer
vergleichbaren Fragestellung die Eekte komplementärer religiö-
ser und spiritueller Interventionen auf die körperliche Gesundheit
und Lebensqualität untersucht. Über 7000 wissenschaliche Stu-
dien wurden dazu ausgewertet und nach strengsten Kriterien aus-
sortiert, übrig blieben dreißig Untersuchungen. Empirisch konnten
geringe Vorteile religiös-spiritueller Interventionen im Vergleich
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 Michael Utsch
zu anderen komplementären Heilbehandlungen festgestellt werden
(Gonçalves etal., 2017).
Um in ähnlicher Weise die Wirksamkeit spirituell orientier-
ter Psychotherapien besser zu verstehen, werden zurzeit in einem
dreijährigen Forschungsprojekt weltweit erapien mit Spirituali-
tät-integrierenden Behandlungen untersucht. Das Ziel des Projek-
tes besteht darin, spiritualitätsangepasste erapien in das Zen-
trum der Gesundheitsversorgung zu bringen (Richards, Sanders,
Lea, McBridge u. Allen, 2015; vgl. www.bridgesconsortium.com).
Kontroverse Diskussionen im
deutschsprachigen Bereich
Die brisante Diskussion um Ausschluss oder Einbeziehung spirituel-
ler Interventionen, die in den USA schon länger geführt wird, hat
auch den deutschen Sprachraum erreicht. Jeschke (2012, S. 130 .) hat
wesentliche Argumente der amerikanischen Diskussion zusammen
-
gefasst. Hauptsächlich sieht sie bei einer Integration von Spiritualität
und Religion in die Psychotherapie eine ethische Herausforderung.
Denn es sei kaum anzunehmen, dass die Haltung des erapeuten
zu Religion und Spiritualität deckungsgleich mit der des Klienten sei.
In Europa im Allgemeinen und im deutschen Sprachraum im
Besonderen ist man angesichts der aulärerischen Tradition des
Kontinents beim ema Religion und Spiritualität in Psychotherapie
und Psychotherapie eher zurückhaltend bis skeptisch. Deshalb hat im
Sommer 2014 das österreichische Gesundheitsministerium vor Grenz-
verletzungen und dem Aufgeben wissenschalicher Standards gewarnt
und esoterische Inhalte, spirituelle Rituale und religiöse Methoden in
der Psychotherapie oziell verboten (Österreichisches Bundesgesund-
heitsministerium, 2014). Aufgrundzahl reicher Patientenberichte, die
wegen übergrigen Verhaltens ihrer behandelnden erapeuten beim
Berufsverband Beschwerde einlegten, hat das österreichische Bundes-
ministerium eine Richtlinie zum ema verabschiedet. Dort wird
bestritten, dass »religiös, spirituell oder esoterisch begründete Hand-
lungen zu einer umfassenden und stringenten psychotherapeutischen
Methode, die eine geplante Krankenbehandlung ermöglicht, gehören
können« (S. 6). Mit diesem Verbot soll die psychotherapeutische
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Spiritualität in der psychotherapeutischen Praxis 
Beziehung unter Wahrung der Berufsethik und der Stärkung
der Psychotherapie als eine wissenschalich fundierte Kranken-
behandlung unter besonderen Schutz gestellt werden.
Der Präsident der Schweizer Charta für Psychotherapie hat in
einer Schweizer Fachzeitschri für die Abgrenzung der Psycho-
therapie von der Transpersonalen Psychologie und Esoterik plädiert
und unterstützt die Initiative aus Österreich, um die Heilslehren von
Gurus vom Gesundheitssystem fernzuhalten (Schulthess, 2015). Das
wiederum hat den bekannten Körpertherapeuten David Boadella
(2016), den Begründer der Biosynthese, zu einer Erwiderung ver-
anlasst. Obwohl er einigen Kritikpunkten der Richtlinie Recht gibt,
versucht er aufzuzeigen, dass bestimmte transpersonale Methoden
mittlerweile innerhalb der Hauptströmungen der Psychotherapie
fest verankert sind. Er führt C. G. Jung als Begründer der Trans
-
personalen Psychologie an und fragt polemisch nach, ob nun eine
Jung’sche erapie nicht mehr vom Schweizer Staat anerkannt wer-
den solle. Weiterhin führt er Nahtoderfahrungen und meditative
Zustände an, die in manchen Behandlungen sehr bedeutsam seien.
Darauin hat der Vorsitzende der Wissenschaskommission der
Schweizer Charta für Psychotherapie in einem dierenzierten Arti-
kel Kriterien wissenschalich begründeter Psychotherapie exempla-
risch auf die analytische Psychologie Jungs und die Transpersonale
Psychologie angewendet. Dabei kommt Schlegel (2017) zu dem Fazit,
dass Jung nicht zu den Begründern der Transpersonalen Psycho-
logie gehören könne. Weiterhin erfülle die Transpersonale Psycho-
logie nicht die Kriterien von Wissenschalichkeit, weil sie auf einer
transzendenten Wirklichkeit auaue.
So wichtig der Schutz der therapeutischen Beziehung ist: Rigide
Verbote und obrigkeitsstaatliche Richtlinien für Österreich tragen
der aktuellen Forschungslage nicht Rechnung und übergehen die
Ressource »Religiosität und Spiritualität« bei manchen Patientin-
nen und Patienten. Vorsichtiger und fundierter äußert sich der
Religionspsychologe Kenneth Pargament (2013): Religion und
Spiritualität können Teil des Problems oder Teil der Lösung sein.
Die strikte österreichische Richtlinie hat auch viele Gegenstimmen
provoziert. Sie wurde mittlerweile sogar ins Englische übersetzt und
hat kontroverse Reaktionen im Rahmen von Fachdiskussionen der
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 Michael Utsch
Europäischen Gesellscha für Psychotherapie angestoßen (
EAP
).
Young (2017) bemängelt, dass in der Richtlinie sowohl »Esoterik«
als auch »Psychotherapie« zu unklar deniert worden seien. In
jeder Behandlung würden Werte, Heiliges und existenzielle Grenz-
erfahrungen berührt, Transzendentes ereigne sich in der persön
-
lichen Begegnung von erapeut und Klient.
Positionspapier der DGPPN
Vor dem Hintergrund dieser Diskussionen hat das DGPPN- Referat
»Religiosität und Spiritualität« ein eigenes Positionspapier erarbeitet,
das von der DGPPN publiziert wurde (Utsch etal., 2017). Die Stellung-
nahme geht von der Realität unserer multikulturellen Gesellscha
aus. Durch die Flüchtlingswelle steht Europa derzeit vor der großen
Herausforderung, die Integration unterschiedlicher kultureller Prä-
gungen und Weltbilder– insbesondere zwischen einer religiösen und
säkularen Weltdeutung– zu bewältigen. Der konstruktive Dialog
zwischen religiösen und säkularen Lebensformen ist dabei für eine
pluralistische Gesellscha zukunsweisend. Hier sind kultur- und
religionssensible Ärzte und Psychotherapeuten gefragt, vorhandene
religiöse oder spirituelle Ressourcen der Patienten zur Verarbeitung
ihrer Krisenerfahrungen oder Traumatisierungen zu aktivieren und
in die Behandlung einzubeziehen. Weitere Einzelheiten des Positions-
papiers werden am Ende des Buches in »Zusammenfassung und Aus-
blick« erläutert. Mit dem vorliegenden Fallbuch sollen die von der
DGPPN
-Taskforce erarbeiteten Empfehlungen mit Leben und kon-
kreten Behandlungserfahrungen gefüllt werden.
Die gesellschaftliche Bedeutung des
interreligiösen Dialogs
Im Grunde ist es erstaunlich, dass mit dem vorliegenden »Fallbuch
Spiritualität« fachliches Neuland betreten wird– es ist das Erste sei-
ner Art im deutschsprachigen Raum. Diese Lücke kann als Beleg
dafür verstanden werden, dass religiöse und spirituelle emen in
der Psychotherapie viele Jahrzehnte übergangen wurden. Während
die Psychoanalyse die Macht der Sexualität ans Licht brachte und
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Spiritualität in der psychotherapeutischen Praxis 
salon- und sprachfähig machte, hinkt jetzt die Psychotherapie hier-
zulande gesellschalichen Entwicklungen hinterher. Glaube, Reli-
gion und Spiritualität sind nämlich emen, die gerade in einem
säkularen Zeitalter an Bedeutung gewonnen haben (Taylor, 2009;
Kühn, Schlimme u. Witte, 2010).
Eine beängstigend zugenommene Polarisierung von unver-
söhnlichen Standpunkten, Feindbildern und fundamentalistische
Gesinnungen im politischen und religiösen Gewand machen deut-
lich, wie nötig und anspruchsvoll eine interkulturelle und inter-
religiöse Verständigung auf Augenhöhe ist– und wie dringend
religionspsychologische Verständigungshilfen gebraucht werden. Die
Religionspsychologie erleichtert die Reexion der eigenen Weltan-
schauung und das Verstehen fremder Glaubenshaltungen. Der fun-
damentalistischen Versuchung der Abwehr des Fremden und der
Kontrolle über das Unverfügbare kann sie zu mehr Toleranz und zum
Aushalten von Zweifeln und Widersprüchen verhelfen (Utsch, 2017).
Gerade Fachleute für seelische Gesundheit sind geeignet, Lösungs-
vorschläge für gesellschaliche Krisen zu machen und ihr Experten-
wissen dazu einzusetzen, besser zu kommunizieren sowie Konikte
präzise wahrzunehmen und zu bewältigen. Der Leiter eines großen
psychotherapeutischen Weiterbildungsinstituts und Mitglied des
DGPPN-Referats »Religiosität und Spiritualität« hat einen engagierten
Appell an die eigene Zun gerichtet (Peseschkian, 2017). Besonders
nötig sei für Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen die Auf-
klärung über komplexe Sachverhalte wie Globalisierung, Nationalis-
mus und Integration. Psychologische Mechanismen wie Mani-
pulation, die Auswirkungen von verschiedenen Werthaltungen,
kulturellen Eigenarten und Menschenbildern sollten verständlich
vermittelt werden, um Vorurteile abzubauen. Die Förderung einer
transkulturellen Psychiatrie und Psychotherapie und Stärkung trans-
kultureller Kompetenz seien dafür unverzichtbar. Dann könnte aus
der derzeitigen gesellschalichen Umbruchsituation die Chance einer
friedlichen transkulturellen Globalisierung erwachsen.
Ausdrücklich weist Peseschkian auf die Bedeutung der Religion
als »einer großen Kra menschlichen Lebens« (S. 612) hin. Patien-
tinnen und Patienten würden zunehmend Interesse an spirituellen
emen in der Behandlung mitbringen, andererseits würden viele
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ISBN Print: 9783525402962 — ISBN E-Book: 9783647402963
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Migrantinnen und Migranten die Integration religiöser emen ein-
fordern. In einer Zeit, in der Menschen »vom religiösen Fanatismus
und von Institutionen als auch vom Materialismus häug enttäuscht«
seien (S. 612), könne die Psychologie zu einem besseren Verständ-
nis beitragen, welche Rolle der Glaube in einer globalen Gesellscha
haben kann und vielleicht auch muss.
Aus kulturpsychologischer Perspektive hat Jürgen Straub (2016)
herausgearbeitet, dass die lebensweltlich bedeutsamste Koniktlinie in
unserer Zeit nicht mehr zwischen religiös Gläubigen und Ungläubigen
verläu. Straub unterscheidet zwischen Menschen, die in ihrem eige-
nen Selbstverständnis sowohl feste Überzeugungen besitzen als auch
oen für fremde Lebensdeutungen sind, und denen, die totalitär
strukturiert sind– gleichgültig, ob sie nun gläubig sind oder nicht. Die
Dialogfähigkeit zwischen säkularen und religiösen Lebensdeutungen
scheint eine wichtige Zukunsaufgabe für eine friedliche pluralisti-
sche Gesellscha zu sein. Auch psychotherapeutische Behandlungen
können solche Lernorte sein, verschiedene weltanschauliche Stand
-
punkte zu reektieren und miteinander ins Gespräch zu bringen, das
belegen die Fallerzählungen dieses Buches eindrücklich.
Fallbuch Spiritualität
Dieses Buch geht nicht systematisch, sondern exemplarisch vor.
Es war uns in Fortführung des DGPPN-Positionspapiers wichti-
ger, Denkanstöße zu geben und den wissenschalichen Diskurs in
diesem heiß umkämpen Gebiet zu fördern, als Vollständigkeit zu
erreichen, sei es in nosologischer, religionswissenschalicher oder
theologischer Hinsicht. Es wurden zwanzig exemplarische Fälle
ausgewählt, die von Kollegen und Kolleginnen kommentiert wur-
den. Die Fallerzählungen wurden sorgfältig anonymisiert und– wo
möglich– den Patientinnen und Patienten zur Freigabe für die Ver-
öentlichung vorgelegt. Wenn wir nun dieses Fallbuch der Kollegen-
scha und einer interessierten Öentlichkeit übergeben, verbinden
wir damit die Honung, dass die auch im deutschen Sprachraum
begonnene Diskussion um die Vielfalt religiöser und spirituel-
ler Überzeugungen und Praktiken und deren Auswirkungen auf
Gesundheit und Krankheit weitere Früchte trägt.
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Article
Zusammenfassung Spiritualität als ein fundamentales Bedürfnis des Menschseins stellt auch in der Psychotherapie einen wichtigen Einflussfaktor dar. Ziel dieser Studie ist es, die Bedeutung der spirituellen Dimension in der gegenwärtigen Psychotherapie zu erforschen. Dazu wurden sieben ganzheitlich orientierte Therapeutinnen und Therapeuten zu ihrer Arbeitsweise befragt. Anhand Problemzentrierter Interviews wurde exploriert, inwiefern die spirituelle Perspektive der befragten Personen ihre therapeutische Arbeit beeinflusst. Dabei wurde insbesondere der Frage nachgegangen, wie die spirituelle Dimension konkret in die therapeutische Praxis einbezogen und der Umgang mit der weltanschaulichen Passung zwischen Therapeut/-in und Patient/-in gehandhabt wird. Darüber hinaus wurde die Relevanz einer Integration der spirituellen Perspektive in die Psychotherapie thematisiert. Die Interviews wurden mittels Qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass sich die spirituelle Orientierung der befragten Personen vor allem in ihrer inneren Haltung und in ihrem Therapieverständnis ausdrückt, welches sich durch ein ganzheitliches und spirituelles Menschenbild auszeichnet. Spirituelle Interventionen spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Eine weltanschauliche Beeinflussung der Patientinnen und Patienten wird entschieden abgelehnt. Stattdessen wird ein sensibler und bedürfnisorientierter Umgang mit spirituellen Themen betont. Existenziellen Fragestellungen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die Integration einer spirituellen Dimension in die Psychotherapie unter Wahrung professioneller und ethischer Grenzen wird als sehr bereichernd erachtet.
Article
Zusammenfassung In dem vorliegenden Beitrag untersucht die Autorin die Frage, ob und inwiefern psychoanalytische Therapie mit einer kultur- und religionssensiblen aber auch neutralen therapeutischen Haltung für Menschen mit einer depressiven und spirituellen Krise hilfreich sein kann. In die psychoanalytische und psychotherapeutische Praxis kommen zunehmend mehr Menschen unterschiedlicher Herkunft, die nicht nur ihren jeweiligen kulturellen Hintergrund, sondern auch verschiedene Religionen mitbringen. Darunter sind auch zunehmend mehr Muslime und Musliminnen mit ihrer eigenen kulturellen und religiösen Erfahrungswelt und Überzeugungen von Heilung und seelischem Wachstum, was eine Herausforderung für eine/n westlich sozialisierte Psychoanalytiker/-in darstellen kann. In diesem Beitrag wird postuliert, dass eine existenzielle Erfahrung (z. B. Trennung) bei einem religiösen Menschen nicht nur eine spirituelle Krise auslösen kann, sondern auch mit einer depressiven Krise einhergeht. Dies wird anhand einer psychoanalytischen Behandlung eines muslimischen Mannes in einer Kasuistik dargestellt. Eine Abweichung von einem kulturell bzw. religiös klar definierten Wertekanon löst Versagenserleben und damit Scham- und Schuldgefühle aus, die depressives Erleben verstärken und aufrechterhalten. Die Bearbeitung der Selbstwert- und Schuldkonflikte steht daher im Mittelpunkt der psychotherapeutischen Arbeit, wobei eine kultur- und religionssensible therapeutische Haltung unerlässlich ist.
Article
Full-text available
Objective To examine whether religious and spiritual interventions (RSIs) can promote physical health and quality of life in individuals. Methods The following databases were used to conduct a systematic review: PubMed, Scopus, Web of Science, EMBASE, PsycINFO, Cochrane, and Scielo. Randomized controlled trials that evaluated RSIs regarding physical health outcomes and/or quality of life in English, Spanish or Portuguese were included. RSI protocols performed at a distance (i.e. intercessory prayer) or for psychiatric disorders were excluded. This study consisted of two phases: (a) reading titles and abstracts, and (b) assessing the full articles and their methodological quality using the Cochrane Back Review Group scale. Results In total, 7,070 articles were identified in the search, but 6884 were excluded in phase 1 because they were off topic or repeated in databases. Among the 186 articles included in phase 2, 140 were excluded because they did not fit the inclusion criteria and 16 did not have adequate randomization process. Thus, a final selection of 30 articles remained. The participants of the selected studies were classified in three groups: chronic patients (e.g., cancer, obesity, pain), healthy individuals and healthcare professionals. The outcomes assessed included quality of life, physical activity, pain, cardiac outcomes, promotion of health behaviors, clinical practice of healthcare professionals and satisfaction with protocols. The divergence concerning scales and protocols proposed did not allow a meta-analysis. RSIs as a psychotherapy approach were performed in 40% of the studies, and the control group was more likely to use an educational intervention (56.7%). The results revealed small effect sizes favoring RSIs in quality of life and pain outcomes and very small effects sizes in physical activity, promotion of health behaviors and clinical practice of health professionals compared with other complementary strategies. Other outcomes, such as cardiac measures and satisfaction with the protocols, revealed no evidence for RSIs. Regarding the quality of the selected articles according to the Cochrane Back Review Group Scale, the average score was 6.83 (SD = 9.08) on a scale of 11, demonstrating robustness in the studies. Conclusion Clinical trials on RSIs demonstrated that they had small benefits compared with other complementary health therapies by reducing pain and weight, improving quality of life and promoting health behaviors. The lack of clinical trials that included biological outcomes and the diversity of approaches indicate a need for more studies to understand the possible mechanisms of action of RSIs and their roles in health care.
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Spiritualität und Religiosität ist für eine beachtliche Anzahl von Psychotherapeuten und Patienten ein wichtiger Lebensbereich. Welche Rolle spirituelle und religiöse Aspekte in der Psychotherapie spielen oder spielen sollten, wird kontrovers diskutiert. Spirituelle und religiöse Elemente finden zunehmend Eingang in psychotherapeutische Konzepte. Dieser Beitrag stellt Ergebnisse aus Befragungen von Psychotherapeuten und Patienten zusammen, die verdeutlichen, dass der Einbezug von spirituellen und religiösen Themen wichtig und hilfreich sein kann. Ethische Fragen, die in diesem Kontext häufiger auftauchen, werden diskutiert. Es wird beschrieben, wie spirituelle bzw. religiöse Interventionen sich definieren lassen und inwiefern der Einsatz von religiösen/spirituellen Elementen in der Psychotherapie als psychotherapeutische Intervention verstanden werden kann – auch in Abgrenzung zu Seelsorge bzw. spiritueller Beratung.
Article
Zusammenfassung Ein besonderes Kennzeichen der heutigen Umbruchs- und Krisenzeit sind die zwischenmenschlichen Probleme. Als Beziehungsexperten und Fachleute für seelische Gesundheit sind Psychiater und Psychotherapeuten besonders gefordert. Gerade kulturelle Veränderungen und das Entstehen einer globalen Gesellschaft führen zu Ängsten, Aggression und Vorurteilen. Es gilt den Prozess der transkulturellen Globalisierung aktiv mitzugestalten und therapeutische Einsichten in die Gesellschaft einzubringen. In dem Beitrag werden vierzehn Möglichkeiten eines verstärkten gesellschaftspolitischen Engagements von Psychiatern und Psychotherapeuten aufgezeigt. Im Vordergrund stehen die Aufklärung der Bevölkerung über psychologische Mechanismen und gesellschaftliche Prozesse, das Brückenbauen zwischen Menschen, die sich voneinander unterscheiden, die Stärkung einer transkulturellen Psychiatrie und Psychotherapie zum Abbau von Vorurteilen sowie die Übernahme einer Vorbildfunktion durch stärkere Präsenz in den Medien und im sozialen Diskurs. Diese kulturelle Krise bietet Psychiatern und Psychotherapeuten eine einmalige Chance, aktiv an der Gestaltung einer globalen Gesellschaft mitzuarbeiten.
Article
Religion and spirituality (R/S) as empirically measurable and treatment-relevant variables are growing in significance in psychiatry and psychotherapy worldwide. In a survey conducted among physicians in charge of psychiatric residency training in Germany respondents were asked about the integration of R/S in their curricula. Data suggest that subjects (n = 285) attach considerable importance to R/S and especially to existential issues. The importance of R/S in psychiatric training is essentially linked to the trainers' personal views of the world and the corporate culture of the training centers. A possible selection bias and the need to integrate R/S in psychiatric training on the basis of scientific evidence and ethical considerations are discussed.