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Wegen fehlender amtlicher Statistiken schätzt das IfM Bonn seit Mitte der 1990er Jahre die Anzahl der Unternehmen in Deutschland, die vor der Übergabe stehen. Die vorliegende Schätzung für den Zeitraum 2018 bis 2022 kommt zum Ergebnis, dass etwa 150.000 Unternehmen mit rund 2,4 Mio. Beschäftigten zur Übergabe anstehen. Eine zusätzlich durchgeführte Approximation des Nachfolgegeschehens auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik belegt, dass die aktuelle Schätzung des IfM Bonn die Zahl der tatsächlich erfolgten Unter-nehmensübertragungen relativ gut abbildet. Wie letztlich die Nachfolge geregelt werden wird (familienintern, unternehmensintern oder-extern), ist wegen fehlender amtlicher Statistiken ebenfalls schwer vorherzusagen. Unsere Analysen lassen jedoch die Vermutung zu, dass gut die Hälfte der vor der Nachfolgefrage stehenden Familienunternehmen ihr Unternehmen innerhalb der Familie weitergibt. Etwa 18 % der Familienunternehmen werden von Mitarbei-tern übernommen und die restlichen 29 % werden an Externe verkauft.
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Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2018 bis 2022
Business successions in Germany 2018 to 2022
Rosemarie Kay, Olga Suprinovič, Nadine Schlömer-Laufen und Andreas Rauch
Daten und Fakten Nr. 18
Zusammenfassung
Wegen fehlender amtlicher Statistiken schätzt das IfM Bonn seit Mitte der 1990er Jahre die
Anzahl der Unternehmen in Deutschland, die vor der Übergabe stehen. Die vorliegende
Schätzung für den Zeitraum 2018 bis 2022 kommt zum Ergebnis, dass etwa 150.000 Unter-
nehmen mit rund 2,4 Mio. Beschäftigten zur Übergabe anstehen. Eine zusätzlich durchge-
führte Approximation des Nachfolgegeschehens auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik
belegt, dass die aktuelle Schätzung des IfM Bonn die Zahl der tatsächlich erfolgten Unter-
nehmensübertragungen relativ gut abbildet. Wie letztlich die Nachfolge geregelt werden wird
(familienintern, unternehmensintern oder -extern), ist wegen fehlender amtlicher Statistiken
ebenfalls schwer vorherzusagen. Unsere Analysen lassen jedoch die Vermutung zu, dass
gut die Hälfte der vor der Nachfolgefrage stehenden Familienunternehmen ihr Unternehmen
innerhalb der Familie weitergibt. Etwa 18 % der Familienunternehmen werden von Mitarbei-
tern übernommen und die restlichen 29 % werden an Externe verkauft.
Schlagwörter: Unternehmensübertragungen, Familienunternehmen, Deutschland
Abstract
Due to a lack of data from official statistics, IfM Bonn regularly estimates (since the mid
1990s) the number of enterprises which are to be transferred to new owners. The current
estimation for the period 2018 until 2022 calculates a number of approx. 150 000 enterprises
with some 2.4 million employees in search of new owners. Based on the statistics of busi-
ness notifications, we carried out an additional approximation of business transfer activities
which shows that the estimated data from IfM Bonn reflect the number of actual business
transfers quite well. How enterprise succession is eventually organised (i.e., family-internal,
company-internal or company-external) is also difficult to predict due to the lack of official
statistical data. Our analyses, however, suggest that approx. half of family businesses that
face enterprise succession transfer their company to a family member. Approx. 18 % of fami-
ly businesses are transferred to employees, while the remaining 29 % are sold to outsiders.
JEL: L19, M19, M29
Keywords: Business transfers, family businesses, Germany
I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis II
Kurzfassung III
1 Einleitung 1
2 Das Schätzverfahren 3
2.1 Zentrale Begriffe 3
2.2 Vorgehensweise und Operationalisierungen 3
2.2.1 Bestimmung des Mindestertragswertes 4
2.2.2 Bestimmung der zur Übergabe anstehenden
Unternehmen 6
3 Ergebnisse der Schätzungen 9
3.1 Anzahl der zur Übergabe anstehenden Unternehmen 9
3.2 Anzahl der von Übernahmen berührten Beschäftigten 13
4 Vergleich mit den Ergebnissen anderer Datenquellen 16
5 Nachfolgelösungen in Familienunternehmen Ergebnisse der
Metaanalyse 21
6 Resümee 24
Literatur 26
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Anzahl der zur Übergabe anstehenden Unterneh-
men in Deutschland im Zeitraum 2018 bis 2022 9
Abbildung 2: Zur Übergabe anstehende Unternehmen in
Deutschland 2018 bis 2022 nach Wirtschafts-
zweigen 10
Abbildung 3: Wirtschaftszweigstruktur der zur Übergabe an-
stehenden Unternehmen in Deutschland 2018 bis
2022 im Vergleich zur Gesamtwirtschaft 11
Abbildung 4: Zur Übergabe anstehende Unternehmen in
Deutschland 2018 bis 2022 nach Umsatzgrößen-
klassen (in €) 12
Abbildung 5: Umsatzgrößenklassenstruktur (in €) der zur Über-
gabe anstehenden Unternehmen in Deutschland
2018 bis 2022 im Vergleich zur Gesamtwirtschaft 13
Abbildung 6: Anzahl der von Übernahmen berührten Mitarbeiter
2018 bis 2022 nach Wirtschaftszweigen 14
Abbildung 7: Anzahl der von Übernahmen berührten Mitarbeiter
2018 bis 2022 nach Umsatzgrößenklassen (in €) 15
Abbildung 8: Gewählte Nachfolgelösungen 23
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Angaben zu erfolgten, anstehenden bzw. geplanten
Unternehmensübertragungen im Rahmen der Unter-
nehmensnachfolge 17
III
Kurzfassung
Es gibt keine amtliche Statistik, die verlässlich Auskunft über das Nachfolge-
geschehen gibt. Aus diesem Grund ermittelt das IfM Bonn seit Mitte der
1990er Jahre die Anzahl der Unternehmensnachfolgen mittels eines speziell
hierfür entwickelten Schätzverfahrens, das für die aktuelle Schätzung weiter-
entwickelt und leicht modifiziert wurde.
Anzahl der anstehenden Unternehmensnachfolgen steigt weiter
Gemäß unserer aktuellen Schätzung stehen in Deutschland im Zeitraum zwi-
schen 2018 und 2022 rund 150.000 Unternehmen mit etwa 2,4 Mio. Beschäf-
tigten zur Übergabe an, weil ihre Eigentümer aus persönlichen Gründen aus
der Geschäftsführung ausscheiden. Dies sind 30.000 Übergaben pro Jahr.
Trotz der gestiegenen Anzahl an Unternehmen, die zur Übergabe anstehen,
rechnet das IfM Bonn für den Zeitraum 2018 bis 2022 nicht mit einer generel-
len Nachfolgerlücke. Regionale und branchenspezifische Engpässe sind aller-
dings nicht auszuschließen.
Die IfM-Schätzung im Vergleich
Neben der Schätzung des IfM Bonn zu den nachfolgebedingten Unterneh-
mensübertragungen liegen auch Angaben anderer Institutionen vor. Diese
weichen jedoch stark voneinander ab: Die Jahresdurchschnitte liegen zwi-
schen 19.000 (IAB-Betriebspanel) und 102.000 (KfW-Mittelstandspanel) ge-
planten Unternehmensübertragungen pro Jahr. Auf Basis der Gewerbeanzei-
genstatistik haben wir eine Approximation der tatsächlichen Anzahl der Unter-
nehmensübertragungen in Deutschland für das Jahr 2016 vorgenommen und
einen Wert von rund 24.000 Übergaben durch Erbfolge und Kauf ermittelt. Ins-
gesamt gehen wir davon aus, dass die tatsächliche jährliche Anzahl der Un-
ternehmensnachfolgen aktuell in einer Spanne von etwa 20.000 bis 30.000
liegt und nicht jenseits der 100.000.
Familieninterne Übergabe bleibt bevorzugte Nachfolgelösung
Gut die Hälfte aller deutschen Familienunternehmen löst ihre Nachfolge fami-
lienintern. 18 % der Familienunternehmen übergeben das Unternehmen an
ihre Mitarbeiter und die restlichen 29 % verkaufen ihr Unternehmen an Exter-
ne. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass im Zeitraum 2018 bis
2022 schätzungsweise 44.000 Inhaber von übernahmewürdigen Familienun-
ternehmen extern nach einem Nachfolger suchen werden.
IV
1
1 Einleitung
In Deutschland sind nach aktuellen Schätzungen 93,6 % aller 3,6 Millionen
Unternehmen Familienunternehmen (vgl. Wolter 2017). Sie bilden damit den
dominierenden Unternehmenstyp. Zentrales Merkmal dieser Unternehmen ist
die Einheit von Eigentum und Leitung. Das heißt, diese Unternehmen gehören
einer Familie und werden zugleich von Mitgliedern dieser Familie geführt. Die-
se besondere Eigentums- und Führungsstruktur hat zur Folge, dass ein Rück-
zug
des Eigentümers/der Familie aus dem Unternehmen anderer Regelungen
bedarf als ein Ausscheiden eines angestellten Geschäftsführers: Familienun-
ternehmer müssen zusätzlich zur Frage, wer das Unternehmen zukünftig leitet,
noch klären, wer das Eigentum an dem Unternehmen übernimmt.
Wie viele Familienunternehmen in den nächsten Jahren vor dieser Frage ste-
hen, kann bislang nur näherungsweise bestimmt werden, weil es (nach wie
vor) keine amtliche Datenquelle gibt, die zuverlässig Auskunft über die Anzahl
der Unternehmen gibt, die jährlich übergeben bzw. übernommen werden.
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn ermittelt deshalb seit gut 20
Jahren die Anzahl der vor der Übergabe stehenden Familienunternehmen (vgl.
Hauser et al. 2010, Freund 2004, IfM Bonn 2001, Freund 2000, Schröer/
Freund 1999, Freund et al. 1995), zuletzt für den Zeitraum 2014 bis 2018 (vgl.
Kay/Suprinovič 2013). Mittlerweile liegen auch Zahlen von anderen Institutio-
nen hierzu vor. Die Ergebnisse weichen jedoch teilweise stark voneinander ab.
Verlässliche Informationen zum Umfang des Nachfolgegeschehens in
Deutschland sind jedoch wichtig und werden es zukünftig umso mehr sein,
weil aufgrund des demografischen Wandels (konkret: der Alterung der Unter-
nehmer und Unternehmerinnen) in den nächsten Jahren von einem Anstieg
der Übergaben auszugehen ist.
Um adäquat auf die steigende Anzahl an künftigen Unternehmensübergaben
reagieren zu können (z. B., indem mehr Gründungsinteressierte für eine Über-
nahme als Gründungsform sensibilisiert werden), ist es für die Wirtschaftspoli-
tik wichtig zu wissen, wie viele der Familienunternehmen in den nächsten fünf
Rückzug bedeutet Niederlegung der Geschäftsführung aufgrund von Alter, Krankheit o-
der Tod bzw. alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten bei gleichzeitiger Übertragung
des Eigentums am Unternehmen (vgl. Hauser et al. 2010, S. 9 f.).
Mit Ausnahme der Gewerbeanzeigenstatistik, die allerdings nur bedingt zur Analyse ge-
eignet ist (vgl. Kapitel 4).
2
Jahren vor der Übergabe stehen. Ebenso bedeutsam ist es zu wissen, wie vie-
le dieser Familienunternehmen extern nach einem Nachfolger suchen werden,
weil keine Kinder und/oder keine Mitarbeiter für diese Aufgabe zur Verfügung
stehen.
Ziel des vorliegenden Beitrags ist es daher, die Anzahl der Unternehmens-
nachfolgen, die in den kommenden fünf Jahren anstehen, neu zu schätzen. Im
Zuge der Aktualisierung wird auch das von Hauser et al. (2010) entwickelte
Schätzverfahren weiterentwickelt. Zugleich werden vor dem Hintergrund von
unterschiedlichen in der Öffentlichkeit kursierenden Angaben zum Nachfolge-
geschehen Betrachtungen darüber angestellt, welche Größenordnung die An-
zahl tatsächlich erfolgter nachfolgebedingter Unternehmensübertragungen in
Deutschland hat. Und schließlich werden belastbare Angaben zu den von Fa-
milienunternehmern gewählten Nachfolgelösungen ermittelt.
3
2 Das Schätzverfahren
2.1 Zentrale Begriffe
Den nachfolgenden Berechnungen liegt ein bestimmtes Verständnis zentraler
Begriffe zu Grunde (vgl. Hauser et al. 2010, S. 6 ff.). Deswegen ist es erforder-
lich, diese kurz zu erläutern:
Unter Übernahme eines Unternehmens wird verstanden, dass das Eigen-
tum an einer wirtschaftlichen Einheit übernommen wird, ohne dass die wirt-
schaftliche Einheit dabei wesentlich verändert wird.
Eine Unternehmensnachfolge findet statt, wenn ein Eigentümergeschäfts-
führer die Leitung seines Unternehmens aus persönlichen Gründen abgibt.
Ein Unternehmen ist übergabereif, wenn dessen Eigentümergeschäftsfüh-
rer sich innerhalb der nächsten fünf Jahre aus persönlichen Gründen aus
der Geschäftsführung zurückziehen wird.
Als übernahmewürdig gilt ein Unternehmen, wenn die zu erwartenden Ge-
winne höher sind als die zu erwartenden Einkünfte eines potenziellen
Nachfolgers aus einer abhängigen Beschäftigung plus Erträge aus einer al-
ternativen Kapitalanlage.
2.2 Vorgehensweise und Operationalisierungen
Das Schätzverfahren besteht aus zwei Schritten (vgl. Hauser et al. 2010,
S. 12 ff.). Im ersten wird der Mindestertragswert, ab dem die Übernahme eines
Unternehmens ökonomisch sinnvoll ist, bestimmt. Im zweiten Schritt wird die
Anzahl der mittelständischen Unternehmen, deren Ertragswert diesen Min-
destwert übersteigt und deren Eigentümergeschäftsführer sich innerhalb der
nächsten fünf Jahre aus persönlichen Gründen zurückziehen werden, ge-
schätzt.
Bei der Schätzung des Mindestertragswertes wurde das ursprünglich von
Hauser et al. (2010) entwickelte Schätzverfahren leicht modifiziert, indem für
die Verzinsung des Eigenkapitals anstelle der Eigenkapitalrendite die Anleihe-
rendite für (nichtfinanzielle) Unternehmen verwendet wurde. Diese Rendite
erscheint uns in Anbetracht der derzeitigen Niedrigzinsphase besser geeignet.
Denn aktuell dürfte auch eine unter der durchschnittlichen Eigenkapitalrendite
aller Unternehmen liegende Kapitalverzinsung für einen möglichen Übernah-
meinteressenten attraktiv sein.
4
2.2.1 Bestimmung des Mindestertragswertes
Der Ertragswert eines zu übernehmenden Unternehmens muss gemäß dem
obigen Verständnis von Übernahmewürdigkeit mindestens dem diskontierten
Zahlungsstrom entsprechen, den ein potenzieller Übernehmer aus der Alterna-
tive "abhängige Beschäftigung plus Kapitalanlage" zu erwarten hätte. Da eine
unternehmerische Tätigkeit stets mit Risiken behaftet ist,
muss zudem ein
Risikozuschlag einkalkuliert werden. Da über zukünftige Gewinne, Arbeitneh-
merentgelte oder Zinsen keine Informationen vorliegen, macht sich die Opera-
tionalisierung dieser Größen an zurückliegenden Werten fest. Demnach sind
solche Unternehmen als übernahmewürdig anzusehen, die mindestens einen
kalkulatorischen Unternehmerlohn einschließlich Eigenkapitalzinsen und Risi-
kozuschlag erwirtschaftet haben, für die also gilt:
(1)     


  


 
Mit G = Gewinn
LAN = Arbeitnehmerentgelt in alternativer Beschäftigung
LAG = Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung in alternativer Beschäftigung
i = Marktzinssatz
EK = eingesetztes Eigenkapital
R = Risikoausgleich
Bei der Operationalisierung des Unternehmerlohnes ist zu beachten, dass po-
tenzielle Übernehmer in Abhängigkeit von ihrem Ausbildungsniveau und ihren
Fähigkeiten unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was sie in alternati-
ven Beschäftigungen verdienen könnten. Da eine individuelle Erfassung nicht
möglich ist, unterstellen wir ein pauschaliertes Arbeitnehmerentgelt. Dieses
berechnen wir auf Basis eines durchschnittlichen Bruttojahresverdienstes (ein-
schließlich Sonderzahlungen) eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers im
Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich in Deutschland. Dieses
betrug im Jahr 2016 48.936 (vgl. Statistisches Bundesamt 2017a, Tabel-
le 1.1). Hinzu kommt der Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Sozialversiche-
Unternehmensübergaben gehen zwar mit einem geringeren Risiko des Scheiterns einher
als neu gegründete Unternehmen (vgl. Brüderl et al. 2007, S. 17). Gleichwohl verbleibt
ein Risiko: des Kapital-, des Beschäftigungs- und/oder des Rufverlustes.
5
rung in Höhe von 19,425 %
des Brutto-Arbeitnehmerentgeltes, was 9.506
entspricht. Der für die Fortführung eines Unternehmens ohne Kapitaleinsatz
erforderliche Jahresmindestgewinn beträgt somit 58.442 .
Ebenso wie die Gehaltsvorstellungen potenzieller Übernehmer ist auch das
eingesetzte Eigenkapital im Allgemeinen unbekannt. Auch hier nehmen wir
eine Pauschalisierung vor und unterstellen, dass das zu übernehmende Un-
ternehmen ebenso viel Eigenkapital erfordert wie der Durchschnitt der Unter-
nehmen der gleichen Größenklasse und der gleichen Rechtsform. Daten-
grundlage hierfür bildet die Unternehmensbilanzstatistik der Deutschen Bun-
desbank (vgl. Deutsche Bundesbank 2017a).
Für die Festlegung des Marktzinssatzes bietet sich prinzipiell die sog. Umlauf-
rendite börsennotierter Bundeswertpapiere an. Hierbei handelt es sich jedoch
um Anleihen erster Bonität, die entsprechend als sehr sicher einzuschätzen
sind. Da Kapitalanlagen in einem Unternehmen einem gewissen Risiko unter-
liegen, sehen wir im Folgenden von der Verwendung der Umlaufrendite ab.
Stattdessen greifen wir auf die Anleiherenditen nichtfinanzieller Unternehmen
(Nicht-MFIs) in Deutschland zurück: Unternehmensanleihen gelten als risiko-
behaftete (und daher höherverzinsliche) Papiere und weisen im Euroraum
meist eine Laufzeit von mehr als einem Jahr auf (vgl. Deutsche Bundesbank
2017b, S. 17 ff.). Nicht finanzielle Unternehmensanleihen werden von den pri-
vaten Kapitalgesellschaften emittiert, die weder dem Bankensektor noch dem
Versicherungssektor angehören (vgl. ebenda, S. 18). Um einer im Prognose-
zeitraum möglicherweise erfolgenden Zinsänderung Rechnung zu tragen, ver-
wenden wir das arithmetische Mittel der monatlichen Durchschnittswerte der
letzten fünf Jahre (2013 bis 2017). Da Unternehmensanleihen bereits Rendite-
aufschläge gegenüber risikofreien Anleihen enthalten, entfällt der Risikoaus-
gleich in (1). Als übernahmewürdig gelten nunmehr Unternehmen, für die gilt:
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung lag im November 2017 bei 18,7 %
(paritätisch), der zur gesetzlichen Krankenversicherung bei 14,6 % (paritätisch), durch-
schnittlich 1,1 % sind zusätzlich durch den Arbeitnehmer zu erbringen. Der Beitragssatz
zur Arbeitslosenversicherung lag bei 3,0 % (paritätisch), der zur gesetzlichen Pflegever-
sicherung bei 2,55 % (paritätisch), 0,25 % sind zusätzlich von kinderlosen Arbeitnehmern
aufzubringen. Dies ergibt für den Arbeitgeber einen Gesamtbeitragssatz von 19,425 %.
In unsere Berechnungen fließen die aktuellsten verfügbaren Angaben des Berichtsjahres
2015 ein.
6
      
Mit G = Gewinn
LAN = Arbeitnehmerentgelt in alternativer Beschäftigung
LAG = Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung in alternativer Beschäftigung
iUA = durchschnittliche Rendite für Unternehmensanleihen (Nicht-MFis)
EK = durchschnittlich eingesetztes Eigenkapital
Eigner einer Kapitalgesellschaft müssen sich aus steuerrechtlichen Gründen
ein Geschäftsführergehalt zahlen. Dieses Geschäftsführergehalt ist bereits in
den in Gewinn- und Verlustrechnungen für Kapitalgesellschaften ausgewiese-
nen Gewinnen berücksichtigt. Eine Zurechnung ist also nicht mehr erforderlich.
Somit vereinfacht sich die Formel (2) für Kapitalgesellschaften folgenderma-
ßen:
(3)    
Mit G = Gewinn
iUA = durchschnittliche Rendite für Unternehmensanleihen (Nicht-MFis)
EK = durchschnittlich eingesetztes Eigenkapital
Ist Bedingung (2) für Einzelunternehmen und Personengesellschaften oder
Bedingung (3) für Kapitalgesellschaften verletzt, gilt ein Unternehmen annah-
megemäß als nicht übernahmewürdig. Da der Gewinn anhand von durch-
schnittlichen Umsätzen und Umsatzrenditen geschätzt wird,
gelten die Bedin-
gungen (2) und (3) nur im Durchschnitt einer Größenklasse eines Wirtschafts-
zweiges der jeweiligen Rechtsform, nicht aber für jedes einzelne Unterneh-
men.
2.2.2 Bestimmung der zur Übergabe anstehenden Unternehmen
Die Frage der Unternehmensnachfolge stellt sich definitionsgemäß nur Fami-
lienunternehmen, aus denen der Unternehmer in den nächsten fünf Jahren
aus persönlichen Gründen ausscheiden wird (übergabereife Unternehmen).
Als relevante persönliche Gründe gelten insbesondere Alter, Krankheit und
Tod (vgl. Hauser et al. 2010, S. 9 f.).
Datenbasis hierfür ist die Umsatzsteuerstatistik, die nach Umsatzgrößenklassen, Wirt-
schaftszweigen und Rechtsformen gliederbar ist, sowie die Unternehmensbilanzstatistik
der Deutschen Bundesbank (beides: Berichtsjahr 2015).
7
Da unbekannt ist, wann Unternehmer im Allgemeinen in den Ruhestand ge-
hen, dient das gesetzliche Renteneintrittsalter von abhängig Beschäftigten als
Orientierung. Dieses steigt seit 2012 sukzessive von 65 auf 67 Jahre an, der-
zeit jährlich um einen Monat. Im Jahr 2018 liegt das gesetzliche Rentenein-
trittsalter bei 65 Jahren und 7 Monaten, im Jahr 2022 bei 65 Jahren und 10
Monaten. Da das Alter der Selbstständigen in allen Statistiken nur in vollen
Jahren abgebildet wird, kann lediglich ein Alter von 65 Jahren oder von 66
Jahren gewählt werden. Für eine Schätzung, die den Zeitraum 2018 bis 2020
betrifft, erscheint das Alter von 66 Jahren sachgerechter. Als übergabereif gel-
ten demnach Unternehmen, deren Inhaber dieses Alter in dem Prognosezeit-
raum erreichen werden, d.h. vor dem Beginn des Prognosezeitraums 61 Jahre
alt oder älter waren. Näherungsweise wird der aktuellste verfügbare Wert aus
dem Mikrozensus für das Jahr 2016 herangezogen: Danach lag der Anteil der
Selbstständigen, die 61 Jahre und älter sind, bei 18,4 % (vgl. Statistisches
Bundesamt 2017b).
Über die Anzahl der wegen Krankheit ausscheidenden Unternehmer liegen
keine statistischen Angaben vor. Wir greifen daher auf Daten aus dem Sozio-
oekonomischen Panel (SOEP) des DIW Berlin zurück. Als wegen Krankheit
ausgeschieden gilt, wer mindestens einmal sechs Wochen am Stück gefehlt
oder seinen Gesundheitszustand als schlecht bezeichnet hat und im Folgejahr
nicht mehr selbstständig, aber auch nicht abhängig beschäftigt war. Der Anteil
dieser Selbstständigen an allen Selbstständigen lag im Durchschnitt der Jahre
2000 bis 2013 bei schätzungsweise 0,4 % jährlich. Für den Fünfjahreszeitraum
ergibt sich daher ein Wert von rund 2,0 %.
Auch zur Sterbehäufigkeit von Unternehmern gibt es keine gesonderten statis-
tischen Informationen. Daher unterstellen wir, dass die Sterbehäufigkeit von
Unternehmern dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung entspricht. Der An-
teil der jährlich wegen Todes ausscheidenden Unternehmer, die weniger als
61 Jahre alt sind, liegt bei 0,26 %.
Für den Prognosezeitraum ergibt sich so-
mit ein Anteilswert von 1,3 %.
Mit Hilfe dieser Informationen lässt sich nun die Anzahl der zur Übergabe an-
stehenden Unternehmen berechnen. Dazu wird die Anzahl der übernahme-
Eigene Berechnungen auf Basis der Statistik der Sterbefälle (Statistisches Bundesamt
2017c), der Bevölkerung (Statistisches Bundesamt 2016) und der Erwerbstätigen nach
Mikrozensus (Statistisches Bundesamt 2017b).
8
würdigen Unternehmen mit dem Anteil der aus persönlichen Gründen aus-
scheidenden Unternehmer und dem Anteil der Familienunternehmen (auch als
Eigentümer und Familien geführte Unternehmen bezeichnet) multipliziert:
  


  


 
Mit UÜ = Anzahl der zur Übergabe anstehenden Unternehmen
UP = Gesamte Unternehmenspopulation
UM = Anzahl der Unternehmen, die den Mindestertragswert unterschreiten
S = Anzahl der Selbstständigen
S61+ = Anzahl der Selbstständigen, die 61 Jahre und älter sind
ST = Anzahl der Selbstständigen, die wegen Tod ausscheiden
SG = Anzahl der Selbstständigen, die aus Gesundheitsgründen ausscheiden
AFU = Anteil der Familienunternehmen an der Gesamtpopulation der Unternehmen
Das angewendete Verfahren erlaubt es, die Zahl der bevorstehenden Unter-
nehmensnachfolgen näherungsweise zu bestimmen. Potenzielle Überschät-
zungen ergeben sich zum einen aus der Tatsache, dass in einem Teil der
übergabereifen Unternehmen die Nachfolge bereits geregelt sein könnte. Zum
anderen basiert das Schätzverfahren auf rechtlichen Einheiten als Analyseein-
heit, sodass mögliche Konzernverflechtungen nicht berücksichtigt werden. An-
dererseits führt die Nicht-Berücksichtigung von Unternehmensübergaben in-
folge eines Wechsels des Unternehmers in die abhängige Beschäftigung zu
einer tendenziellen Unterschätzung der Zahl der zur Übergabe anstehenden
Unternehmen.
Ausführlicher zu den Grenzen des Schätzverfahrens siehe Hauser et al. (2010, S. 29 ff.).
9
3 Ergebnisse der Schätzungen
3.1 Anzahl der zur Übergabe anstehenden Unternehmen
Das in Kapitel 2 dargelegte Berechnungsverfahren kommt zu folgenden Er-
gebnissen für den Zeitraum 2018 bis 2022 (vgl. Abbildung 1): Von den rund
3,6 Mio. Unternehmen in Deutschland können rund 3,4 Mio. den Familienun-
ternehmen zugerechnet werden. Davon erwirtschafteten etwa 0,7 Mio. einen
Jahresgewinn von mindestens 58.442 (Einzelunternehmen und Personen-
gesellschaften) bzw. mindestens 0 € (Kapitalgesellschaften) zuzüglich Min-
destverzinsung des Eigenkapitals und gelten damit als übernahmewürdig. In
etwa 150.000 dieser Unternehmen steht im betrachteten Fünfjahreszeitraum
die Nachfolge an.
Abbildung 1: Anzahl der zur Übergabe anstehenden Unternehmen in
Deutschland im Zeitraum 2018 bis 2022
© IfM Bonn 17 1702 002
in 1.000
Unternehmensbestand:
3.570
darunter Familienunternehmen:
3.380
darunter übernahmewürdige Unternehmen:
700
darunter übergabereife
Unternehmen:
150
Quelle: Eigene Berechnungen
Da bei der Festlegung des Mindestertragswertes teils stark vereinfachende Annahmen
getroffen werden mussten, wurden Sensitivitätsanalysen mit alternativen Mindester-
tragswerten durchgeführt. Bei einem Gewinn (Unternehmerlohn) von mindestens
30.000 ergibt sich eine Zahl von rund 200.000 und bei einem Gewinn (Unternehmer-
lohn) von mindestens 80.000 von rund 120.000 Unternehmensübertragungen im Zeit-
raum 2018 bis 2022.
10
Die meisten Übernahmen stehen im Dienstleistungssektor an, gefolgt vom
Produzierenden Gewerbe und dem Handel (vgl. Abbildung 2). Wird der Anteil
der in den jeweiligen Wirtschaftszweigen anstehenden Übernahmen dem An-
teil des jeweiligen Wirtschaftszweigs an der Gesamtwirtschaft gegenüberge-
stellt, ergibt sich ein anderes Bild (vgl. Abbildung 3): Mehr Übergaben stehen
im Produzierenden Gewerbe und im Handel an als angesichts ihres Anteils an
der Gesamtwirtschaft zu erwarten wäre und weniger in den Bereichen der un-
ternehmensnahen, vor allem aber der personennahen Dienstleistungen. Dass
im Dienstleistungsbereich weniger Unternehmen vor der Übergabe stehen,
liegt in den im Durchschnitt zu niedrigen Gewinnen in diesen Wirtschaftszwei-
gen begründet. Umgekehrt verhält es sich im Produzierenden Gewerbe und
Handel.
Abbildung 2: Zur Übergabe anstehende Unternehmen in Deutschland 2018
bis 2022 nach Wirtschaftszweigen
© IfM Bonn 17 1702 003
4.400
46.600
41.500
42.200
17.100
Land-, Forstwirtschaft,
Fischerei, Fischzucht
Produzierendes
Gewerbe
Handel
Unternehmensbezogene
Dienstleistungen a)
Personenbezogene
Dienstleistungen b)
a) Verkehr und Lagerei, Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsdienst-
leistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen, freiberufliche, wissenschaftliche und
technische Dienstleistungen, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
b) Gastgewerbe, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen, Kunst, Unterhal-
tung und Erholung, sonstige Dienstleistungen
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes (Unter-
nehmensregister, Umsatzsteuerstatistik, Mikrozensus, Todesfälle und Verdienste),
der Deutschen Bundesbank (Jahresabschlüsse), des SOEP sowie eigener Daten
11
Abbildung 3: Wirtschaftszweigstruktur der zur Übergabe anstehenden Unter-
nehmen in Deutschland 2018 bis 2022 im Vergleich zur Ge-
samtwirtschaft
© IfM Bonn 17 1702 004
in %
2,9
30,7
27,4
27,8
11,3
2,8
20,0
17,9
33,8
25,5
Land-, Forstwirtschaft
Produzierendes
Gewerbe
Handel
Unternehmensbezogene
Dienstleistungen a)
Personenbezogene
Dienstleistungen b)
zur Übergabe anstehende Unternehmen Gesamtwirtschaft
a) Verkehr und Lagerei, Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsdienst-
leistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen, freiberufliche, wissenschaftliche und
technische Dienstleistungen, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
b) Gastgewerbe, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen, Kunst, Unterhal-
tung und Erholung, sonstige Dienstleistungen
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes (Unter-
nehmensregister, Umsatzsteuerstatistik, Mikrozensus, Todesfälle und Verdienste),
der Deutschen Bundesbank (Jahresabschlüsse), des SOEP sowie eigener Daten
Im Hinblick auf Unternehmensgrößenklassen ist festzustellen, dass Unter-
nehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 100.000 nicht den erfor-
derlichen Mindestgewinn erwirtschaften, sodass keines dieser Unternehmen
als übernahmewürdig anzusehen ist.
Auch in den beiden nächsthöheren Un-
ternehmensgrößenklassen finden sich noch vergleichsweise wenige Unter-
nehmen, die den erforderlichen Gewinn erwirtschaften (vgl. Abbildung 4). Die
meisten Übergaben sind mit rund 52.900 Unternehmen in der Größenklasse
Dies heißt nicht, dass es nicht vereinzelt Unternehmen geben kann, die trotz eines Jah-
resumsatzes von weniger als 100.000 € einen Jahresgewinn von mehr als 58.442 € plus
Eigenkapitalverzinsung erwirtschaften. Das zu Vereinfachungen zwingende Schätzver-
fahren kann jedoch solche Einzelfälle nicht erfassen.
12
500.000 bis unter 1 Mio. zu erwarten. Von den großen Familienunterneh-
men mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen und mehr stehen 800 zur
Übergabe an.
Abbildung 4: Zur Übergabe anstehende Unternehmen in Deutschland 2018
bis 2022 nach Umsatzgrößenklassen (in €)
© IfM Bonn 17 1702 005
5.300
33.100
52.900
27.700
19.900
7.000
3.600
1.400
800
100.000250.000
250.000500.000
500.0001 Mio.
1 Mio.2 Mio.
2 Mio.5 Mio.
5 Mio.10 Mio.
10 Mio.25 Mio.
25 Mio.50 Mio.
über 50 Mio.
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes (Unter-
nehmensregister, Umsatzsteuerstatistik, Mikrozensus, Todesfälle und Verdienste),
der Deutschen Bundesbank (Jahresabschlüsse), des SOEP sowie eigener Daten
Auch relativ gesehen sind die meisten Übergaben in der Größenklasse
500.000 bis unter eine Million Euro zu erwarten (vgl. Abbildung 5). Dass in
der Größenklasse 100.000 bis unter 250.000 weniger Unternehmen vor der
Übergabe stehen als angesichts ihres Anteils an der Gesamtwirtschaft zu er-
warten gewesen wäre, liegt auch hier in den im Durchschnitt zu niedrigen Ge-
winnen in dieser Größenklasse begründet. Dass in den oberen Größenklassen
vergleichsweise wenige Übergaben anstehen, hat seine Ursache hingegen
darin, dass in diesen Größenklassen weniger Familienunternehmen vertreten
sind der Anteil der Familienunternehmen an allen Unternehmen sinkt mit
steigender Unternehmensgröße (vgl. Haunschild/Wolter 2010).
13
Abbildung 5: Umsatzgrößenklassenstruktur (in €) der zur Übergabe anste-
henden Unternehmen in Deutschland 2018 bis 2022 im Ver-
gleich zur Gesamtwirtschaft
© IfM Bonn 17 1702 006
in %
0,0
3,5
21,8
34,8
18,3
13,1
4,6
2,4
0,9
0,6
51,4
20,1
10,6
7,2
4,6
3,3
1,3
0,9
0,3
0,4
100.000250.000
250.000500.000
500.0001 Mio.
1 Mio.2 Mio.
2 Mio.5 Mio.
5 Mio.10 Mio.
10 Mio.25 Mio.
25 Mio.50 Mio.
über 50 Mio.
bis 100.000
zur Übergabe anstehende Unternehmen Gesamtwirtschaft
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes (Unter-
nehmensregister, Umsatzsteuerstatistik, Mikrozensus, Todesfälle und Verdienste),
der Deutschen Bundesbank (Jahresabschlüsse), des SOEP sowie eigener Daten
3.2 Anzahl der von Übernahmen berührten Beschäftigten
Die Anzahl der Mitarbeiter der vor der Übernahme stehenden Unternehmen
wird mittels der durchschnittlichen Zahl der Beschäftigten des jeweiligen Wirt-
schaftszweiges in der jeweiligen Umsatzgrößenklasse geschätzt.
Demnach
arbeiten schätzungsweise 2,4 Mio. Arbeitnehmer in Unternehmen, die zwi-
schen 2018 und 2022 an einen neuen Eigentümer übergeben werden.
Dieser Durchschnittswert wird über alle Unternehmen und nicht ausschließlich über die
Familienunternehmen gebildet. In der obersten Umsatzgrößenklasse wird jedoch von
dieser Vorgehensweise abgewichen. Dies liegt darin begründet, dass managementge-
führte Unternehmen durchschnittlich mehr Beschäftigte aufweisen als Familienunterneh-
men. In den Größenklassen, die Unter- und Obergrenzen aufweisen, ist die daraus resul-
tierende Verzerrung vernachlässigbar. In der obersten Größenklasse aber fehlt die Be-
grenzung nach oben, sodass hier insbesondere eine Reihe von sehr großen manage-
mentgeführten Unternehmen die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten in die Höhe
treibt. Um eine nicht mehr vertretbare Überschätzung der von Übernahmen berührten
Beschäftigten zu vermeiden, wurde deshalb in der obersten Größenklasse ein Korrek-
turfaktor für die Berechnung der Beschäftigtenzahl angesetzt.
14
Die meisten dieser Beschäftigten haben ihren Arbeitsplatz im Dienstleistungs-
sektor, gefolgt vom Produzierenden Gewerbe und dem Handel (vgl. Abbildung
6). Da die umsatzstärkeren Unternehmen i. d. R. eine größere Anzahl von Be-
schäftigten aufweisen, sind in den größeren Umsatzgrößenklassen durchaus
ähnlich viele Beschäftigte von anstehenden Übernahmen berührt wie in den
unteren Größenklassen, in denen weitaus mehr Unternehmen vor der Über-
nahme stehen (vgl. Abbildung 7).
Abbildung 6: Anzahl der von Übernahmen berührten Mitarbeiter 2018 bis
2022 nach Wirtschaftszweigen
© IfM Bonn 17 1702 008
in 1.000
11
843
445
719
426
Land-, Forstwirtschaft,
Fischerei, Fischzucht
Produzierendes
Gewerbe
Handel
Unternehmensbezogene
Dienstleistungen a)
Personenbezogene
Dienstleistungen b)
a) Verkehr und Lagerei, Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsdienst-
leistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen, freiberufliche, wissenschaftliche und
technische Dienstleistungen, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
b) Gastgewerbe, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen, Kunst, Unterhal-
tung und Erholung, sonstige Dienstleistungen
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes (Unter-
nehmensregister, Umsatzsteuerstatistik, Mikrozensus, Todesfälle und Verdienste),
der Deutschen Bundesbank (Jahresabschlüsse), des SOEP sowie eigener Daten
15
Abbildung 7: Anzahl der von Übernahmen berührten Mitarbeiter 2018 bis
2022 nach Umsatzgrößenklassen (in €)
© IfM Bonn 17 1702 009
in 1.000
112
340
331
464
334
310
217
336
bis 500.000
500.0001 Mio.
1 Mio.2 Mio.
2 Mio.5 Mio.
5 Mio.10 Mio.
10 Mio.25 Mio.
25 Mio.50 Mio.
über 50 Mio.
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes (Unter-
nehmensregister, Umsatzsteuerstatistik, Mikrozensus, Todesfälle und Verdienste),
der Deutschen Bundesbank (Jahresabschlüsse), des SOEP sowie eigener Daten
16
4 Vergleich mit den Ergebnissen anderer Datenquellen
Neben dem IfM Bonn generieren weitere Institutionen Angaben zum Über-
nahmegeschehen in Deutschland. Diese Angaben weichen zum Teil erheblich
voneinander ab. Dies wirft die Fragen auf, worin diese Abweichungen begrün-
det sind und welche Angaben plausibler Weise der tatsächlichen Anzahl von
nachfolgebedingten Unternehmensübertragungen am nächsten kommen. Im
Folgenden geben wir daher zunächst einen Überblick über die verschiedenen
Angaben zu den Unternehmensnachfolgen. Anschließend setzen wir uns mit
den jeweiligen zu Grunde liegenden Datenquellen und Vorgehensweisen aus-
einander. Schließlich nehmen wir eine Approximation der tatsächlichen Anzahl
der Unternehmensübertragungen auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik vor.
Neben dem IfM Bonn veröffentlichen drei weitere Institutionen Zahlen zum
Nachfolgeschehen (vgl. Tabelle 1). Auf Basis des KfW-Mittelstandspanels er-
mittelt die KfW seit 2015 regelmäßig Zahlen zu geplanten Unternehmensnach-
folgen im Mittelstand. Die letzte Hochrechnung geht von 511.000 Unterneh-
men aus, die in den Jahren 2018 bis 2022 eine Übergabe planen (vgl.
Schwartz 2018). Gemäß Berechnungen auf Basis des IAB-Betriebspanels
planten 95.000 Unternehmen für den Zeitraum 2012 bis 2016 eine Unterneh-
mensnachfolge (vgl. Kay et al. 2016). Und schließlich registrierte 2016 die
Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes 32.000 Übernah-
men durch Erbfolge, Kauf und Pacht. Um diese Angaben überhaupt miteinan-
der vergleichen zu können, rechnen wir sie in Jahresdurchschnitte um (vgl.
Tabelle 1): Die Spanne reicht von 19.000 (IAB-Betriebspanel) bis 102.000
(KfW-Mittelstandspanel) und ist damit erheblich. Bleiben die Angaben auf
Basis des KfW-Mittelstandspanels außen vor, liegt die jährliche Anzahl an (ge-
planten) Unternehmensnachfolgen zwischen 19.000 (IAB-Betriebspanel) und
32.000 (Gewerbeanzeigenstatistik). Die vom IfM Bonn aktuell ermittelte Anzahl
an jährlichen Unternehmensübertragungen liegt dazwischen.
Die Diskrepanzen zwischen den einzelnen Zahlen haben verschiedene Ursa-
chen: Ins Auge fällt zunächst, dass teils unterschiedliche Sachverhalte be-
trachtet werden. Im KfW-Mittelstandspanel sowie im IAB-Betriebspanel wird
über geplante Nachfolgen berichtet, während das IfM Bonn in seinen Schät-
zungen das Ziel verfolgt, tatsächlich stattfindende Übergaben zu bestimmen.
Die Gewerbeanzeigenstatistik wiederum erfasst die erfolgten Übergaben. So
wichtig es ist, sich klar zu machen, worauf sich die jeweiligen Angaben bezie-
hen, tragen diese Überlegungen jedoch nichts zur Erklärung bei, warum auf
17
Basis des KfW-Mittelstandspanels 5 mal so viele Unternehmen eine Nachfolge
planen wie auf Basis des IAB-Betriebspanels denn beide Datenquellen be-
trachten geplante Unternehmensübertragungen. Ob Angaben zu geplanten
Nachfolgen ein guter Indikator dafür sind, wie viele Nachfolgen tatsächlich
stattfinden werden, kann nicht abschließend geklärt werden. Zwar ist es plau-
sibel anzunehmen, dass nicht jeder Nachfolgeplan realisiert wird. Der sich da-
raus ergebenden Überschätzung des Nachfolgegeschehens steht aber eine
Unterschätzung im Bereich der ungeplanten Nachfolgen (z. B. aufgrund von
Krankheit oder Tod) gegenüber, die in den Planungen der Alteigentümer na-
turgemäß nicht enthalten sind. Welcher Effekt letztlich überwiegt, ist mangels
Daten bislang nicht zu bestimmen.
Tabelle 1: Angaben zu erfolgten, anstehenden bzw. geplanten Unterneh-
mensübertragungen im Rahmen der Unternehmensnachfolge
Autoren
Datenbasis
Vorge-
hensweise
Ergebnis
Insgesamt
Pro Jahr
Kay et al.
(2018)
Eigene Berechnungen
auf Basis des Unter-
nehmensregisters,
der Umsatzsteuersta-
tistik, des Mikrozen-
sus, der Todesfall-
und der Verdienststa-
tistik, des SOEP so-
wie eigener Daten
des IfM Bonn
Schätzung
150.000 Über-
gaben im Zeit-
raum 2018 bis
2022 (Fünfjah-
reszeitraum)
30.000
Schwartz
(2018)
KfW-Mittelstandspa-
nel (Unternehmen
aller privaten Wirt-
schaftszweige mit bis
zu 500 Mio. Euro Jah-
resumsatz)
Hochrech-
nung
511.000 geplan-
te Übergaben
bis 2022 (Fünf-
jahreszeitraum)
102.000
Kay et al.
(2016)
IAB-Betriebspanel
(ohne Forst- und
Landwirtschaft)
Hochrech-
nung
95.000 geplante
Übergaben bis
2016 (etwa
Fünfjahreszeit-
raum)
19.000
Existenzgrün-
dungsstatistik
des IfM Bonn
Gewerbeanzeigensta-
tistik des Statistischen
Bundesamtes
Vollerhe-
bung
32.000 Über-
nahmen durch
Erbfolge, Kauf
und Pacht in
2016
Nach Korrektur-
berechnungen:
24.300
© IfM Bonn
Quelle: Eigene Zusammenstellung
18
Ein weiterer Grund für die Diskrepanzen könnte darin liegen, dass die Anga-
ben sich auf verschiedene Zeitpunkte beziehen. Dies ist insofern bedeutsam,
als gemeinhin davon ausgegangen wird, dass die Anzahl der Unternehmens-
nachfolgen auf Grund der zunehmenden Alterung der Unternehmer und Un-
ternehmerinnen seit Jahren steigt (vgl. Kay/Suprinovič 2015; Leifels 2016; IHK
NRW 2016). Kay/Suprinovič (2015, S. 9) ermittelten eine Steigerungsrate von
22,7 % zwischen den beiden Fünfjahreszeiträumen 2010-2014 und 2014-
2018, Leifels (2016, S. 1) eine von 17,0 % zwischen 2012 und 2015. Dieser
Zeiteffekt erklärt allerdings nur einen kleinen Teil der Diskrepanz zwischen den
beiden ausgewiesenen Extremwerten.
Schließlich unterscheidet sich noch die Vorgehensweise bei der Ermittlung der
Nachfolgezahlen. Im IAB-Betriebspanel und im KfW-Mittelstandspanel werden
die Ergebnisse repräsentativer Betriebs- bzw. Unternehmensbefragungen auf
die Grundgesamtheit aller Betriebe mit mindestens einem sozialversiche-
rungspflichtig Beschäftigen bzw. aller Unternehmen mit bis zu 500 Mio. Jah-
resumsatz hochgerechnet. Damit unterscheidet sich die generelle Vorgehens-
weise bei der Ermittlung der beiden Extremwerte nicht. Jedoch werden im IAB-
Betriebspanel mit der Beschränkung auf Betriebe mit mindestens einem sozi-
alversicherungspflichtig Beschäftigten rund 1,9 Mio. Unternehmen (ohne sozi-
alversicherungspflichtig Beschäftigte) ausgeschlossen. Diese Unternehmen
sind im KfW-Mittelstandspanel enthalten. Dieser Unterschied in der Grundge-
samtheit der beiden Datenquellen erklärt einen gewissen Teil der Differenz,
denn auch ein Teil dieser Ein-Personen-Unternehmen plant die Übergabe.
Laut Schwartz/Gerstenberger (2015) planten 15 % der Unternehmen mit weni-
ger als 5 Beschäftigten eine Nachfolge. Unterstellt man, dass dieser Anteils-
wert auch für die Unternehmen ohne sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
gilt, ergäbe dies rund 285.000 Ein-Personen-Unternehmen mit Nachfolgeplä-
nen. Gleichwohl stellt sich die grundsätzliche Frage, wie viele dieser Ein-
Personen-Unternehmen als übernahmewürdig einzuschätzen sind und damit
überhaupt eine Chance haben, einen Nachfolger zu finden. Überdies ist zu
bedenken, dass diese Unternehmen sehr stark mit der Person des Unterneh-
mers/der Unternehmerin verbunden sind. Damit verknüpft ist die Frage, ob die
jeweiligen Geschäftsmodelle überhaupt ohne diese Unternehmerperson funk-
tionieren mit anderen Worten, ob damit überhaupt ein zukunftsfähiges Un-
ternehmen zu übergeben ist. Angesichts der Einkommensverteilung bei Solo-
selbstständigen gehen wir davon aus, dass nur ein Bruchteil der Ein-
Personen-Unternehmen für eine Nachfolge in Frage kommt.
19
Die Vorgehensweise bei der Schätzung des IfM Bonn wurde in Kapitel 2 aus-
führlich dargelegt und unterscheidet sich grundlegend von den Hochrechnun-
gen auf Basis des KfW-Mittelstandpanels und des IAB-Betriebspanels, aber
auch von der Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes. Als
einzige beruhen deren Daten auf den erfolgten Übernahmen durch Erbfolge,
Kauf oder Pacht im gewerblichen Bereich. Wenn es eine amtliche Vollerhe-
bung gibt, stellt sich die Frage, warum über das Nachfolgegeschehen nicht wie
üblich auf der amtlichen Datenbasis berichtet wird. Dies hat vor allem drei
Gründe. Zuallererst scheinen die Angaben zu Übernahmen und Übergaben in
der Gewerbeanzeigenstatistik nicht die gleiche Qualität zu haben wie die übri-
gen Angaben. So werden jedes Jahr deutlich mehr Übernahmen als Überga-
ben gemeldet: In 2016 stehen den rund 32.000 Übernahmen nur rund 25.700
Übergaben gegenüber. Damit stellt sich die Frage, ob es sich bei allen gemel-
deten Übernahmen in der Tat um solche handelt. Zweitens erfasst die Gewer-
beanzeigenstatistik keine Übernahmen im Bereich der Freien Berufe und drit-
tens und das wiegt schwerer vermag sie nicht zwischen Übernahmen
durch Erbfolge oder Kauf einerseits und Übernahmen durch Pacht anderer-
seits zu unterscheiden. Dies ist insofern problematisch, als Übernahmen durch
Kauf oder Erbfolge definitionsgemäß Unternehmensnachfolgen darstellen,
Übernahmen durch Pacht jedoch nicht.
Obwohl diese Datenquelle daher nur
eingeschränkt zur Schätzung von Nachfolgezahlen geeignet ist, lässt sich je-
doch auf ihrer Basis eine Approximation des Nachfolgegeschehens für das
Jahr 2016 vornehmen.
Insgesamt stellen durchschnittlich 4,7 % der Gewerbeanmeldungen im Jahr
2016 Übernahmen dar.
Eine Differenzierung der Übernahmen nach Wirt-
schaftszweigen zeigt, dass Übernahmen überdurchschnittlich häufig in vier
Branchen stattfinden: der Gastronomie (28,8 % der Gewerbeanmeldungen),
Bei der Unternehmenspacht handelt es sich um eine zeitlich begrenzte Überlassung ei-
nes Unternehmens zur entgeltlichen Nutzung durch den Pächter (vgl. Solfrian 2001,
S. 11; Klein-Blenkers 2008, S. 40 und S. 47ff.). Das Unternehmen verbleibt dabei im Ei-
gentum des Verpächters, der Pächter wird zu seinem Besitzer und betreibt es als Unter-
nehmer (vgl. Klein-Blenkers 2001, S. 47ff.). Wenn die Pachtzeit endet, fällt das Unter-
nehmen wieder an den Verpächter zurück. Aus der zeitlichen Begrenzung der Pacht re-
sultiert eine Beschränkung des Pächters in seiner Unternehmerstellung, das heißt, der
Pächter ist nicht beliebig zu handeln und zu verändern berechtigt. Seiner Konstruktions-
weise nach kann die Unternehmenspacht keine Unternehmensübernahme sein, bei der
schließlich das (Eigentum am) Unternehmen dauerhaft übergeben wird (vgl. Müller et al.
2011, S. 11).
Eigene Berechnungen auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik 2016 des Statistischen
Bundesamtes.
20
der Beherbergung (22,9 %), der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln
(14,9 %) und im Bereich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
(10,9 %). Im Gastgewerbe sind Pachten ein verbreitetes Phänomen, so dass
vermutet werden muss, dass der hohe Anteil der Übernahmen in diesem Be-
reich im Wesentlichen auf Übernahmen durch Pacht zurückzuführen ist.
Um auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik einen Näherungswert der nach-
folgebedingten Unternehmensübertragungen (ohne Übernahmen durch Pacht)
zu erhalten, berechnen wir zunächst den auf Übergaben entfallenden Anteil
der Gewerbeanmeldungen ohne das Gastgewerbe (2,7 %) und unterstellen
anschließend, dass im Gastgewerbe ein ebenso hoher Anteil der Gewerbe-
anmeldungen auf Übernahmen entfällt. In allen anderen Branchen unterstellen
wir, dass die Übernahmen durch Pacht eine zu vernachlässigende Rolle spie-
len, sodass die in der Gewerbeanzeigenstatistik ausgewiesenen Werte ver-
wendet werden. Dies führt dazu, dass die Anzahl der Übernahmen durch Erb-
folge und Kauf in 2016 bei rund 18.600 liegen würde.
In einem weiteren Schritt wird schließlich noch das Fehlen der Übernahmen im
Bereich der Freien Berufe in der Gewerbeanzeigenstatistik korrigiert. In 2016
entfielen 23,5 % aller Gründungen auf die Freien Berufe (vgl. IfM Bonn 2017).
Unterstellt man, dass dieser Anteil auch für Gründungen in Form der Über-
nahme gilt, dann ergäben sich für 2016 5.700 Übernahmen in den Freien Be-
rufen und damit näherungsweise 24.300 Übernahmen durch Erbfolge und
Kauf in der gesamten deutschen Wirtschaft.
21
5 Nachfolgelösungen in Familienunternehmen Ergebnisse der Meta-
analyse
Neben der Frage, wie viele Familienunternehmen in den nächsten fünf Jahren
vor der Regelung ihrer Nachfolge stehen, ist auch wichtig zu wissen, wie das
Gros der Unternehmen ihre Nachfolge voraussichtlich regeln wird. Denn es
macht einen Unterschied, ob die Mehrheit der in Kapitel 3 ermittelten Fami-
lienunternehmen im Zeitraum 2018 bis 2022 extern nach einem Käufer sucht
oder ihren Nachfolger in der Familie oder im Unternehmen findet.
Die Literatur geht allgemein davon aus, dass Familienunternehmen eine Nach-
folge durch Familienmitglieder bevorzugen (vgl. z. B. Bocatto et al. 2010; Deh-
len et al. 2014; Spelsberg/Weber 2012; Wicklund et al. 2013). Allerdings setzt
eine familieninterne Lösung voraus, dass ein Verwandter verfügbar, hinrei-
chend qualifiziert und zur Übernahme des Unternehmens bereit ist. Steht kein
solcher familieninterner Nachfolger zur Verfügung, besteht die Möglichkeit, das
Unternehmen familienextern zu übergeben: sei es unternehmensintern durch
einen Verkauf an einen Mitarbeiter bzw. eine interne Führungskraft (Manage-
ment-Buy-out) oder sei es unternehmensextern durch einen Verkauf an ein
anderes Unternehmen oder an eine externe Führungskraft (Management-Buy-
out). Letzterem geht die Suche nach geeigneten Kaufinteressenten voraus,
was die Dauer des Nachfolgeprozess meist deutlich erhöht (vgl. z. B. Schlö-
mer/Kay 2008).
Wie viele der deutschen Familienunternehmen familienintern, unternehmensin-
tern oder unternehmensextern übergeben werden, ist weitgehend unbekannt.
Aufgrund fehlender amtlicher Statistiken können Anhaltspunkte hierfür nur
empirischen Studien entnommen werden. Deren Ergebnisse weichen jedoch
teils erheblich voneinander ab: Während bspw. Pahnke et al. (2017) zeigen,
dass 55 % der deutschen Familienunternehmen eine familieninterne Nachfol-
ge planen, hatten in der Befragung von Schmude/Leiner (2003) 70,8 % der
befragten Eigentümer das Unternehmen innerhalb der Familie übernommen.
Ein Grund für die Diskrepanz zwischen den genannten empirischen Befunden
liegt darin, dass sie einerseits auf Angaben von Alteigentümern basieren, die
ihre Nachfolge noch planen (vgl. Pahnke et al. 2017) und andererseits auf An-
gaben von Nachfolgern, die bereits die Nachfolge angetreten haben (vgl.
Schmude/Leiner 2003). Da letztlich nur Nachfolger über realisierte Unterneh-
mensübertragungen Auskunft geben können, sind deren Angaben besser ge-
eignet, die von Familienunternehmen gewählten Nachfolgelösungen zu be-
22
stimmen. Aber auch wenn nur realisierte Unternehmensnachfolgen betrachtet
werden, zeigen sich beträchtliche Abweichungen zwischen den Anteilswerten,
die in den Studien ausgewiesen werden. Grund hierfür ist, dass repräsentative
Studien in diesem Themenfeld schwierig zu erstellen sind (vgl. Hauser et al.
2010). Zudem betrachten die meisten Studien nur einen bestimmten Aus-
schnitt des Unternehmensbestandes in Deutschland (z. B. bestimmte Regio-
nen, bestimmte Wirtschaftszweige oder bestimmte Unternehmenstypen) und
können daher nicht verallgemeinert werden.
Um belastbare Informationen zu den von deutschen Familienunternehmen
gewählten Nachfolgelösungen zu gewinnen, nutzen wir die Möglichkeiten der
Metaanalyse eine Methode, mittels derer empirische Befunde statistisch zu-
sammengefasst werden können. Der wesentliche Vorteil der Metaanalyse be-
steht darin, dass durch das Zusammenfassen verschiedener Studien die Da-
tenbasis größer ist als in den einzelnen Primärstudien, so dass Verzerrungen
aus den einzelnen Studien herausgemittelt werden können. Überdies werden
in der Metaanalyse die einzelnen empirischen Befunde gewichtet, um Stich-
probenfehlern zu begegnen.
Beide Maßnahmen führen dazu, dass mit Hilfe
der Metaanalyse ein genauerer Schätzwert ermittelt werden kann, der eine
höhere Generalisierbarkeit aufweist als entsprechende Werte aus einer ein-
zelnen Studie.
Die Metaanalyse beruht auf empirischen Studien. Um möglichst viele Nachfol-
gerbefragungen aus Deutschland zu finden, haben wir eine sehr breite Such-
strategie gewählt unter Einbeziehung von Bibliotheks- bzw. Publikationsser-
vern, Forschungsinstituten/Lehrstühlen mit Schwerpunkt Familienunternehmen
und allgemeinen Suchmaschinen. Überdies haben wir auf IfM-eigene Nachfol-
gerbefragungen zurückgegriffen. Insgesamt konnten auf diese Weise 18 Stu-
dien mit Informationen zu 3.638 Nachfolgen in Deutschland für die Metaanaly-
se genutzt werden.
Die in die Metaanalyse einbezogenen Befragungsdaten stammen aus Nach-
folgerbefragungen der vergangenen 30 Jahre. Seit gut einem Jahrzehnt zeich-
net sich ab, dass familieninterne Nachfolgen an Bedeutung verlieren und fami-
lienexterne gleichzeitig an Bedeutung gewinnen (vgl. z. B. Halter/Schröder
2012; European Commission 2006). Auch eine im Rahmen der Metaanalyse
Denn Ergebnisse aus großen Stichproben sind aufgrund von geringeren Stichprobenfeh-
lern zuverlässiger als Studienergebnisse aus kleinen.
23
durchgeführte Biasanalyse zeigt, dass der ermittelte Anteil familieninterner
Nachfolgen leicht überschätzt ist. Da unternehmensexterne Nachfolgen zudem
in Nachfolgerbefragungen unterschätzt werden (vgl. ausführlich Freund/Kayser
2007, S. 46), haben wir auf die Ergebnisse der Metaanalyse Korrekturfaktoren
angewandt. Dies führt letztlich zu dem Ergebnis, dass gut die Hälfte (53 %) der
Eigentümer ihr Unternehmen an die eigenen Kinder bzw. an andere Familien-
mitglieder (familieninterne Lösung) übergibt (vgl. Abbildung 8). 18 % der Fami-
lienunternehmen übertragen das Unternehmen an ihre Mitarbeiter (unterneh-
mensintern). Weitere 29 % der Übertragungen erfolgen an externe Führungs-
kräfte, andere Unternehmen oder andere Interessenten von außerhalb (unter-
nehmensexterne Lösungen).
Abbildung 8: Gewählte Nachfolgelösungen
© IfM Bonn 17 1702 001
in %
53
18
29
familienintern
unternehmensintern
unternehmensextern
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis einer Metaanalyse von 18 Studien (inkl. Korrek-
turfaktor)
24
6 Resümee
Hauptziel des vorliegenden Beitrags war es, die Anzahl der im Zeitraum 2018
bis 2022 anstehenden Unternehmensübertragungen mittels Schätzverfahren
zu bestimmen. Im Zuge dieser Aktualisierung der Nachfolgezahlen wurde auch
das Schätzverfahren weiterentwickelt und leicht modifiziert. Demnach werden
in Deutschland insgesamt etwa 150.000 Unternehmen zur Übergabe anste-
hen, d. h., ihre Eigentümer scheiden aus persönlichen Gründen aus der Ge-
schäftsführung aus. Hiervon sind etwa 2,4 Mio. Beschäftigte betroffen.
Wie erwartet liegt die Anzahl der zur Übergabe anstehenden Unternehmen im
Zeitraum 2018 bis 2022 über der der letzten Schätzung für den Zeitraum 2014
bis 2018 und zwar um 15.000 Unternehmen im Fünfjahreszeitraum oder
3.000 Unternehmen jährlich. Infolgedessen hat sich auch die Anzahl der von
Übergaben betroffenen Mitarbeiter von 2 Mio. auf 2,4 Mio. Beschäftigte erhöht.
Die Zunahme der zur Übergabe anstehenden Unternehmen ist vor allem auf
die Alterung der Unternehmer und Unternehmerinnen zurückzuführen, die sich
im Zuge des demografischen Wandels beschleunigt. Dazu beigetragen hat
aber auch wenn auch in geringem Umfang der Zuwachs an Unternehmen
im Unternehmensbestand mit einem Umsatz von mehr als 500.000 €. Im Ver-
gleich zur letzten Schätzung ist der Unternehmensbestand und damit auch die
Anzahl der Familienunternehmen gesunken, die Anzahl der übernahmewürdi-
gen Unternehmen ist jedoch nahezu gleich geblieben. Dazu hat insbesondere
die verbesserte Konjunkturlage beigetragen. Die Gewinne vieler Unternehmen
haben sich infolgedessen positiv entwickelt, so dass mehr Unternehmen den
geforderten Mindestgewinn von nunmehr 58.442 plus Verzinsung des Ei-
genkapitals erreichen.
Trotz der steigenden Anzahl vor der Übergabe stehender Unternehmen rech-
net das IfM Bonn im Zeitraum 2018 bis 2022 nicht mit einer generellen Nach-
folgerlücke. Zwar schrumpft das Nachfolgerpotenzial, aber die Anzahl der an
einer Nachfolge Interessierten wird zumindest rechnerisch weiterhin die
Anzahl der übernahmewürdigen Unternehmen, die einen Nachfolger suchen,
übersteigen (vgl. Müller et al. 2011). Regionale und branchenspezifische Eng-
pässe sind allerdings nicht ausgeschlossen.
So werden Unternehmen in ländlichen Regionen tendenziell größere Schwierigkeiten bei
der Nachfolgersuche haben als Unternehmen in städtischen Räumen. Und insbesondere
25
Aktuell liegen sehr unterschiedliche Zahlen zum Nachfolgegeschehen in
Deutschland vor: Während auf Basis des IAB Betriebspanels im Jahresdurch-
schnitt etwa 19.000 geplante Unternehmensübertragungen pro Jahr zu erwar-
ten sind, sind es auf Basis des KfW-Mittelstandspanels 102.000. Die Gewer-
beanzeigenstatistik verzeichnet dagegen rund 32.000 Übernahmen durch Erb-
folge, Kauf und Pacht im Jahr 2016. Wie viele Unternehmensnachfolgen sich
jedes Jahr in Deutschland genau vollziehen, wird weiterhin nicht abschließend
zu klären sein. Eine Bewertung der verschiedenen vorliegenden Angaben zum
Nachfolgegeschehen in Deutschland legt jedoch nahe, dass die tatsächliche
Anzahl der Unternehmensnachfolgen pro Jahr aktuell in einer Spanne von et-
wa 20.000 und 30.000 liegt und nicht jenseits der 100.000.
Die Metaanalyse zu den in den letzten 30 Jahren in Deutschland gewählten
Nachfolgelösungen hat ergeben, dass gut die Hälfte der Familienunternehmer
eine Übergabe innerhalb der Familie realisiert. Etwa 18 % der Unternehmer
übertragen ihr Unternehmen an Mitarbeiter bzw. Führungskräfte. Weitere 29 %
finden dagegen ihren Nachfolger außerhalb des Unternehmens (z. B. externe
Führungskräfte, andere Unternehmen). Auf die Schätzungen für den Zeitraum
2018 bis 2022 angewandt, bedeutet dies, dass mindestens 43.500 Inhaber
von übernahmewürdigen Familienunternehmen extern nach einem Nachfolger
suchen werden. Wir halten dies für einen Mindestwert auch wenn sicherlich
einige dieser Familienunternehmen keinen externen Käufer suchen müssen,
weil bereits geeignete Käufer bekannt sind. Gleichwohl ist anzunehmen, dass
sich weitere Unternehmen auf die Suche nach Käufern begeben: Zum einen
solche übernahmewürdigen Familienunternehmen, die dann aber letztlich
doch das Unternehmen an ein Familienmitglied oder einen Mitarbeiter überge-
ben. Zum anderen und das sollte den größeren Anteil ausmachen solche
Unternehmen, die von uns als nicht übernahmewürdig eingestuft worden sind.
im Handwerk ist nicht auszuschließen, dass es Gewerke gibt, für die tatsächlich nicht
mehr genügend potenzielle Übernehmer zur Verfügung stehen, weil die entsprechenden
Berufe sehr stark an Attraktivität verloren haben.
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... For Baden-Württemberg, one of the core regions of German family firms, succession is a central structural problem (BDI, 2014). Due to a lack of official statistics, there is no exact number of family firms currently in or approaching succession, but regular estimates suggest an increase of family firms searching for successors: Whereas in the period between 2013 and 2018 some 135,000 family firms were looking for successors in Germany, 19,000 of which in Baden-Württemberg, this number has mounted to 150,000 firms in the period until 2022, of which 21,700 are expected to occur in Baden-Württemberg (Kay & Suprinovič, 2013;. In combination with demographic changes and attractive job alternatives for potential successors, the succession problem has become increasingly acute (Gottschalk et al., 2017). ...
... In combination with demographic changes and attractive job alternatives for potential successors, the succession problem has become increasingly acute (Gottschalk et al., 2017). Whereas 54% of the companies were still able to hand over their businesses within the family in 2011, only roughly half of all successions are expected to be family-internal in future years (Kay & Suprinovič, 2013;. According to a chamber representative, the number of companies looking for a successor had surpassed the number of potential successors for the first time in 2014. ...
Article
Family firms represent the backbone of regional economies in Europe. Yet, due to demographic and societal changes, family firm succession increasingly poses a challenge to both firm continuity and regional stability, which is why policymakers look for appropriate ways to support family firms in their succession processes. In pursuit of policies that fit local institutional conditions, we explore the fact that two structurally similar European regions facing the same succession problem have developed different policies to address it. Using the analytical framework of institutional logics and drawing on 67 interviews with family firms and succession experts in the Spanish Basque Country and the German region of Baden-Württemberg, we find that the different policies are coherent with each region’s unique constellation of the institutional logics of business, family, and community and thus make up distinct regional policy regimes. The paper offers a framework applicable to other regions for making underlying normative behavioural guidelines visible, and for more precisely assessing the relationship between institutions and policies. It contributes to a better understanding of the regional specificity of institutions as a base upon which place-sensitive policies can be developed, or fundamental attempts be made to re-shape institutions by political measures.
... Unternehmensgröße und Wirtschaftszweigzugehörigkeit haben teils erheblichen Einfluss darauf, ob eine Unternehmensnachfolge angestrebt wird und Aussicht auf Erfolg hat (u.a.Kay et al. 2018b). Angesichts dessen, dass Frauenunternehmen stärker vertreten sind in Branchen und Unternehmensgrößenklassen, die weniger Aussicht auf eine erfolgreiche Unternehmensübergabe haben, wäre zu erwarten, dass Frauenunternehmen seltener übergeben werden als ihrem Anteil an allen Familienunternehmen entspräche. ...
Chapter
Die Bundesgründerinnenagentur hat ihre Kampagne zur Förderung der Unternehmensnachfolge durch Frauen unter das Motto „Nachfolge ist weiblich!“ gestellt. Bei aller Gewissheit, die das Ausrufungszeichen suggeriert – die Rolle von Frauen in der Unternehmensnachfolge wird erst in jüngster Zeit verstärkt erforscht und kann weiterhin keineswegs als völlig klar gelten. Manch einer mag sagen, dass es aus wirtschaftlicher Sicht nicht darauf ankommt, wem ein Unternehmen gehört und von wem es geführt wird. Das ist grundsätzlich richtig. Falls sich aber Männer und Frauen in ihrem Verhalten in der Rolle des Übergebers/der Übergeberin oder des Nachfolgers/der Nachfolgerin unterscheiden, dann kann das Geschlecht des Übergebers/der Übergeberin und des Nachfolgers/der Nachfolgerin durchaus einen relevanten Einfluss auf die Volkswirtschaft haben. Angesichts des Forschungsstandes kann dieser Zusammenhang nicht abschließend geklärt werden. Auf der Basis eines Überblicks über den Stand der nach Geschlecht differenzierenden Forschung zur Unternehmensnachfolge in Deutschland soll jedoch im Folgenden eine erste Einschätzung abgeben werden.
Preprint
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Studien zeigen auf, dass ein bestimmter Anteil Unternehmen den Nachfolgeprozess nicht überstehen und in der Folge zur Aufgabe gezwungen sind. Gründe dafür liegen einerseits darin, wie sich das Unternehmen auf den Nachfolgeprozess vorbereitet bzw. wann und wie es diesen durchführt. Andererseits lässt die Betrachtung der Entwicklung des Potenzials für Unternehmensnachfolge vermuten, dass die Zahl geeigneter, interessierter Personen und Unternehmen nicht hinreichend hoch ist, um den Nachfolgebedarf zu decken. In der Folge entsteht eine Deckungslücke, die ein ökonomisches Risiko für die Volkswirtschaft bedeuten kann - z.B. mit Blick auf drohende Verluste im Bereich der Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Aber gilt diese Aussage pauschal für alle Regionen des Bundesgebiets, bzw. lässt sich das ökonomische Risiko aus gescheiterten Unternehmensnachfolgen auch konkret für eine bestimmte Region ermitteln? Die letztere Frage steht im Mittelpunkt dieses Monitorings. Es beinhaltet den Versuch einer Abschätzung der Deckungslücke bzw. des regionalökonomischen Risikos für den Landkreis Uckermark - einer ländlich geprägten, peripheren, wirtschaftlich eher schwachen Region im Bundesland Brandenburg. Es wird gezeigt, wie Schätzansätze zu Bedarfen und Potenzialen im Bereich der Unternehmensnachfolge auf die Uckermark angewendet werden können, welche Resultate dies ergibt und wie belastbar diese sind.
Chapter
The following chapter presents two current case studies on change management, which were researched on the basis of guided interviews. The aim of the case studies is to make the challenges of change transparent by means of practical examples and to show practical solutions for these challenges in accordance with the success factors of change management in the context of corporate succession (Lauer, 2021). The two case studies presented here address both the case of external and family-internal business succession.
Chapter
Mors ultima linea rerum est. Ob mit dem Tod des Unternehmers das Ende seines Unternehmens einhergeht, hängt maßgeblich von der erbschaftsteuerlichen Belastung ab. Mit seinem Urteil vom 17.12.2014 hatte das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die Bestimmungen über die Befreiung von der Erbschaft- und Schenkungsteuer (ErbStG) für Betriebsvermögen, Betriebe der Land- und Forstwirtschaft und Anteile an Kapitalgesellschaften in §§ 13a und 13b ErbStG in Verbindung mit der Tarifvorschrift des § 19 Abs. 1 ErbStG in ihrer im Jahre 2009 maßgeblichen Fassung für mit dem Grundgesetz (GG) unvereinbar erklärt.
Conference Paper
Despite of all research attempts to optimize materials and efficiency, the mass production of CIGS thin film solar cells is still employing mechanical scribing to obtain P2 and P3 structures which are required to achieve the monolithic serial interconnection between neighboring cells. However, mechanical scribing results in random lift-offs and chipping, remaining material at the chip-off locations and increased non-productive area ‘dead zone’ there by resulting in the loss of active solar cell area. Moreover, the non-deterministic nature of the material removal mechanism yields wide, irregular scribe lines that necessitate large spacing between adjacent scribes. As a result, the CIGS modules suffer decreased efficiency. The key challenge will be how to reduce this loss of power generation and enhance the performance of the patterning processes. In this work the mechanical scribing of CIGS thin film solar cells was investigated by experimental and numerical methods. In the experimental investigation, mechanical scribing of CIGS solar cell is done with the help of a tungsten needle and finally a half-symmetric Finite Element model for the crack initiation is presented for the numerical analysis of the mechanical scribing process. The initial crack probably propagates very close to the contact point between the spherical tip and the CIGS layer specimen and forms a circular crack before lift-off which is representing the scribe.
Chapter
Das folgende Kapitel stellt zwei aktuelle Fallstudien zum Change Management dar, die auf Basis leitfaden-gestützter Interviews recherchiert wurden. Ziel der Fallstudien ist es dabei, Herausforderungen des Wandels anhand von Praxisbeispielen transparent zu machen sowie praktische Lösungen für diese Herausforderungen gemäß der Erfolgsfaktoren des zum Change Management im Rahmen von Unternehmensnachfolge (Lauer, 2019) aufzuzeigen.
Chapter
Die Anforderungen, die eine Unternehmenskrise an einen Manager stellt zu verstehen setzt ein Grundverständnis von krisenhaften Unternehmensentwicklungen voraus. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Handlungsspielraum des Managements umso größer ist, je eher eine Krise als solche erkannt wird. In diesem Kapitel wird erläutert, was der Begriff ‚Krise‘ bedeutet. Zunächst wird der Zusammenhang zwischen den drei Merkmalen ‚Krisenart‘, ‚Krisenursache‘ und ‚Krisenstadium‘ beschrieben. Die anschließende Einführung in das Lebenszykluskonzept dient als Grundlage für die Ausführungen zu typischen Entwicklungskrisen von Unternehmen.
Chapter
Der Begriff der Unternehmensnachfolge ist weder gesetzlich definiert, noch erfährt er eine einheitliche Abgrenzung innerhalb des Schrifttums. Während bspw. Spielmann („Prozess des Übergangs von führungs- und kapitalmäßiger Verantwortung auf die nachfolgende Unternehmergeneration“) und Freund („Generationenwechsel in Familienunternehmen und damit die Übertragung der Leitungsmacht und der kapitalmäßigen Verantwortung“) den Begriff der Unternehmensnachfolge in einem rein familieninternen Kontext sehen, bemüht Olbrich eine allgemeinere Begriffsbestimmung als „Übergang des Eigentums an einem Betrieb sowie der damit verbundenen Leitungsmacht“. Obschon die Bedeutung der Unternehmensnachfolge im Hinblick auf Familienunternehmen eine besondere Rolle einnimmt, so erscheint eine Einschränkung auf rein familieninterne Nachfolgelösungen doch eher willkürlich, weshalb im Rahmen dieses Beitrags dem Begriff der Unternehmensnachfolge sowohl familieninterne als auch familienexterne Lösungen subsumiert werden.
Article
Für erbschaft- und schenkungsteuerliche Zwecke hat die Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) regelmäßig durch Rückgriff auf eine anerkannte Wertermittlungsmethode zu erfolgen. Fakultativ ermöglicht der Gesetzgeber auch die Anwendung des im Bewertungsgesetz normierten vereinfachten Ertragswertverfahrens. Dieser Beitrag geht der Frage nach, inwieweit mit dem gesetzlich kodifizierten Verfahren eine annähernde Bewertung im Vergleich zu einer wirtschaftsbereichsspezifischen Bewertungsmethode („AWH-Standard”) erreicht wird. Die Ergebnisse zeigen, dass das vereinfachte Ertragswertverfahren in ca. 98 % der Fälle zu einer den AWH-Unternehmenswert überschreitenden Bewertung führt. Diese Höherbewertungen können über 250 % betragen. Als wesentliche Erkenntnis ist daher festzuhalten, dass die gesetzliche Methode zu deutlich höheren Steuerbemessungsgrundlagen führt.
Article
Die familieninterne Nachfolge in mittelständischen Unternehmen ist die wichtigste Form der Kontinuitätssicherung. In ihr liegen Risiken, aber auch Chancen zur Stärkung der Vitalität des Unternehmens. Werner Freund analysiert Erfolgs- und Risikofaktoren der familieninternen Unternehmensnachfolge und zeigt, dass neben steuerlichen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten vornehmlich psychosoziale Faktoren über den erfolgreichen Generationswechsel entscheiden. Auf der Grundlage einer empirischen Untersuchung erstellt der Autor Persönlichkeitsprofile von Unternehmern und Nachfolgern und erarbeitet Möglichkeiten zur Stärkung der Qualifikation und Motivation von Junioren.
Chapter
Das Thema Unternehmensnachfolge steht seit geraumer Zeit im öffentlichen Interesse. Ausgehend von ersten Forschungsarbeiten – auch des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn – Ende der 1980er Jahre hat sich im Laufe der Zeit das Wissen zum Thema deutlich vermehrt. Dennoch ist auch heute noch zu konstatieren, dass es zentrale Informationslücken gibt – gerade im Hinblick auf die Entwicklung und volkswirtschaftliche Bedeutung der Unternehmensnachfolgen. Dies liegt im Wesentlichen darin begründet, dass es nach wie vor keine amtliche Datenquelle gibt, die zuverlässige Auskunft über die Anzahl oder die Art der Unternehmen gibt, die jährlich übergeben bzw. übernommen werden.
Article
Die herausragende wirtschaftliche Position des Freistaates Bayern beruht u.a. auf einer hoch entwickelten Kultur der Selbstständigkeit. Um Kontinuität und Zukunftsfähigkeit der bayerischen Wirtschaft zu sichern, ist es erforderlich, die in den kommenden Jahren anstehenden Unternehmensübertragungen durch politische Maßnahmen zu flankieren, um zu vermeiden, dass die Nachfolge im Mittelstand zu einer krisenhaften Entwicklung in den betroffenen Unternehmen führt. Die Studie untersucht das Ausmaß der Unternehmensübertragungen in den kommenden Jahren in Bayern sowie die Chancen, die sich aus einer gut vorbereiteten und durchgeführten Unternehmensübertragung für Unternehmen ergeben. --
Article
Familienunternehmen prägen nicht nur der Anzahl nach die deutsche Volkswirtschaft, sondern sie leisten auch einen hohen Beitrag zur Beschäftigung und zum Umsatz. Frauen sind in der Leitung von Familienunternehmen nach wie vor unterrepräsentiert. Die Neuberechnung der Strukturanteile von Familien- und Frauenunternehmen für das Jahr 2006 basiert auf einer verbesserten Schätzmethode, womit insbesondere der Ausweis der Beschäftigten und der Umsätze der Familien- und Frauenunternehmen an Güte gewonnen hat. Die vergleichweise geringeren Beschäftigungs- und Umsatzanteile von Familienunternehmen gegenüber den Werten für das Jahr 2000 sind nicht als Anteilsverlust zu deuten, sondern der genaueren Berechnung geschuldet. --
Article
Although family-owned business succession has been widely researched, very few studies investigate the relationship between preperformance and succession. Drawing on the agency and the resource-based view theories, we investigate how previous firm performance may influence the nomination of a family or a nonfamily member to top senior positions. We argue that positive firm performance will lead to the nomination of a family member, while negative firm performance leads to nonfamily nominations. Using a stepwise logistic regression with a bootstrap procedure on a sample of nonfinancial firm listed in the Spanish Stock Exchange, the results indicate that performance prior to succession does not affect these nominations, while directive experience does.
Verhältniszahlen aus Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen
  • Deutsche Bundesbank
Deutsche Bundesbank (2017a): Verhältniszahlen aus Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen von 2014 bis 2015, Frankfurt am Main.
Der Markt für Unternehmensanleihen im Niedrigzinsumfeld
  • Deutsche Bundesbank
Deutsche Bundesbank (2017b): Der Markt für Unternehmensanleihen im Niedrigzinsumfeld, in: Deutsche Bundesbank (Hrsg.): Monatsbericht Juli 2017, S. 17-33, Frankfurt am Main.
Markets for Business Transfers -Fostering Transparent Marketplaces for the Transfer of Businesses in Europe
European Commission (2006): Markets for Business Transfers -Fostering Transparent Marketplaces for the Transfer of Businesses in Europe. Report of the Expert Group, Brüssel.
Generationenwechsel im Mittelstand-Unternehmensübertragungen und-übernahmen
  • W Freund
  • G Kayser
  • E Schröer
Freund, W.; Kayser, G.; Schröer, E. (1995): Generationenwechsel im Mittelstand-Unternehmensübertragungen und-übernahmen 1995 bis 2000, IfM Bonn: IfM-Materialien Nr. 109, Bonn.