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„(...) die Zukunft werde dem Radium ein Zeitalter völliger Krankheitslosigkeit danken“. Radium als medizinisches Wundermittel im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts

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„(...) die Zukunft werde dem Radium ein Zeitalter völliger Krankheits-
losigkeit danken“. Radium als medizinisches Wundermittel
im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts
Mathias Schmidt
1. Einleitung
„(...) die Zukunft werde dem Radium ein Zeitalter völliger Krankheitslosigkeit danken“,
1
prognostizierte Everard Hustler im Jahr 1910 und rief mit einem als naiv zu bezeichnenden
Fortschrittsglauben das „Jahrhundert des Radiums“ aus.
2
Naiv nicht nur deshalb, weil er die
Wirkung des Radiums grandios überschätzte, sondern weil er sich der Tatsache bewusst
war, dass man „das Radium viel zu kurze Zeit erst“ kannte und Langzeitstudien fehlten, um
verlässliche Prognosen abgeben zu können.
3
Insgesamt stand in Hustlers Text weniger die
Wissenschaftlichkeit im Vordergrund, sondern vielmehr ein Wunschdenken, das durch
verschiedene – teils bewusste – Falschmeldungen über Wunderheilungen und die grenzenlosen
Fähigkeiten des Radiums die Runde gemacht hatten.
Die Entdeckung der Röntgenstrahlen sowie der Wirkung radioaktiver Substanzen auf
Pflanzen und Lebewesen revolutionierte zwar in vielerlei Hinsicht die Naturwissenschaften
und die Medizin, die Wirkung des Radiums jedoch haben die Zeitgenossen nach einigen
zuversichtlich stimmenden Experimenten vollkommen über- und die gravierenden Gefahren
unterschätzt.
Nachdem sich das Wissen um die anfänglichen Erfolge des Radiums auch in der breiten
Bevölkerung auf der ganzen Welt verankert hatte, begannen zahlreiche Unternehmen,
radiumhaltige Produkte in allen vorstellbaren Formen und für alle erdenkbaren Zwecke zu
produzieren. Der Markt bot zahlreiche frei verkäufliche Waren, die die Gesundheit fördern
oder andere vermeintlich positive Wirkungen haben sollten und als „Wundermittel“ gegen
fast jede Krankheit vermarktet wurden. Als die Langzeitfolgen der Strahlung bekannt wurden,
wurden die Kritiker jedoch vorerst nicht mehr wahrgenommen, da das Versprechen
vollkommener Gesundheit und Unsterblichkeit schwerer wog als die Warnungen aufgrund
wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Besonders für die USA sind die Auswirkungen der Entdeckung der Röntgenstrahlen
sowie des Radiums mittlerweile recht gut untersucht und auch aus kultur-, sozial- und
medizinhistorischer Perspektive detailliert und kritisch beleuchtet.
4
Der deutschsprachige
1
Hustler (1910), S. 258. Hervorhebung vom Autor entfernt.
2
Hustler (1910).
3
Hustler (1910), S. 258.
4
Z.B. Campos (2015); Clark (1997); Holmes (2010); Lavine (2013); Rentetzi (2008); Slaughter (2013). Zu
Großbritannien siehe Hogg (2016), zu Neuseeland Priestley (2012), und zu Kanada Hayter (2005). Eine
eher globale Perspektive bieten Meggitt (2008) und Mould (1993).
Mathias Schmidt
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Raum ist hingegen nur in Ansätzen betrachtet worden,
5
eine detaillierte Untersuchung steht
bisher noch aus.
6
Im Folgenden kann deshalb lediglich ein Grundstein für zukünftige Forschungen in
diesem Bereich gelegt werden, indem einerseits verschiedene medizinische Fachmeinungen
zum Einsatz von Radium in der Therapie beleuchtet werden. Eine zentrale Frage ist,
welche Zukunftserwartungen die zeitgenössischen Wissenschaftler mit dem Radium ver-
banden. Dazu sollen hauptsächlich medizinische Lehr- und Fachbücher sowie Beiträge in
wissenschaftlichen Zeitschriften herangezogen werden. Es erscheint sinnvoll, sich dabei auf
die Aussagen führender Fachvertreter zu stützen, da diesen mutmaßlich das größte Gewicht
beizumessen ist. Dennoch bleiben es im Rahmen dieses Beitrags lediglich Einzelmeinungen, die
zunächst nicht verallgemeinert werden können. Auch kann nicht ausführlich auf die
Entwicklung der Radium- bzw. Strahlentherapie in den einzelnen Fächern eingegangen werden.
7
Andererseits soll der Versuch unternommen werden, die populärwissenschaftliche
Deutung bzw. Rezeption der wissenschaftlichen Erkenntnisse nachzuzeichnen. Da ent-
sprechendes Archivgut der Firmen, die radiumhaltige Produkte fertigten oder vermarkteten,
bisher nicht in ausreichender Menge aufgefunden werden konnte, kann dies nur anhand von
Zeitungsartikeln und Anzeigenwerbung vorgenommen werden.
2. Die Entdeckung des Radiums und seiner Eigenschaften
Nachdem bereits die Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen
(1845-1923) im Jahr 1895 auf weltweites Interesse gestoßen war,
8
machte auch die Meldung
der Isolation von Polonium und Radium 1898 durch Marie (1867-1934) und Pierre Curie
(1859-1906) schnell globale Schlagzeilen. Ausgehend von der Beobachtung, dass die von
Uranerz bzw. Pechblende ausgehende Strahlung viel höher war, als dies nach den
Beobachtungen von Henri Becquerel (1852-1908) durch Uran- und Thorium allein möglich
gewesen wäre, vermutete Marie Curie ein weiteres Element. 1903 wurde den Curies
zusammen mit Henri Becquerel der Nobelpreis für die Entdeckung der Radioaktivität
verliehen.
9
Dass die Strahlung des Radiums jedoch auch Gefahren birgt, hatten Becquerel und Pierre
Curie 1901 am eigenen Leib im Rahmen eines Selbstversuches festgestellt. Becquerel hatte sich
von den Curies eine kleine Menge Radiumderivat geben lassen und dies in einem Reagenzglas
einige Stunden in einer Tasche seiner Kleidung getragen, was zu Verbrennungen führte, die
5
Dommann (2003); Helmstädter (2005); Ceranski (2008).
6
Meurer (2017) ist erst nach Fertigstellung dieses Beitrags erschienen und konnte deshalb nicht mehr be-
rücksichtigt werden.
7
Siehe dazu u.a. Weiss (2001); Heilmann (1996); Willers/Heilmann/Beck-Bornholdt (1998); Zum
Winkel/Kimmig (1995); Lederman (1981); Schinz (1959). Für die Gynäkologie Frischkorn (1986);
Frobenius (2003); Frobenius (2012).
8
Glasser (1995); Macherauch/Neff (1995); Priestley (2012), S. 4f.; Rosenbusch/Oudkerk/Ammann (1994).
9
Badash (1978); Lavine (2013), S. 10-13; Meggitt (2008), S. 23-26; Harvie (2005), S. 29-48; Mould (1993), S.
1f. und S. 10f.
Radium als medizinisches Wundermittel
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denjenigen ähnelten, die durch Röntgenstrahlen verursacht wurden. Genauso war es auch
Pierre Curie ergangen, der seinen Unterarm mehrere Stunden der Strahlung aussetzte.
10
Neben einigen Forschern, die über Verbrennungen der Haut und Haarausfall nach der
Exposition mit Röntgenstrahlen berichteten und vor den Gefahren warnten,
11
sorgte
besonders der tragische Fall von Clarence Dally (1865-1904) für globale Schlagzeilen. Dally
war Glasbläser in der Firma von Thomas Edison und arbeitete seit 1896 an der
Verbesserung der Produktion von Röntgenröhren. Bei den Versuchen bediente er in der
Regel mit der rechten Hand den Apparat und lichtete seine linke Hand ab, um die Qualität
des Ergebnisses zu überprüfen und muss so regelmäßig einer enormen Menge Strahlung
ausgesetzt gewesen sein. Im Jahr 1900 zeigten sich mit dem Ausfallen der Haare und
Verbrennungen die ersten Strahlenschäden, was schließlich zur Amputation der linken
Hand, dann zunächst der Finger und daraufhin der ganzen rechten Hand sowie später
beider Arme führte. Edison, der ebenfalls gesundheitliche Schäden davontrug, stoppte
deshalb 1901 die Forschungen auf diesem Gebiet.
12
Dennoch gab es auch Stimmen, die trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse und
Belege andere Ursachen der Verbrennungen vermuteten.
13
Das tückische an den frühen
Röntgenschäden war, dass es sich bei diesen meist um die Reaktion auf viele kleine, über
einen längeren Zeitraum auftretende Strahleninsulte handelte. Der Zusammenhang zwischen
Strahlung und den dadurch verursachten Schäden war deshalb nicht eindeutig belegt, auch
wenn offensichtlich war, dass die Schäden mit den Röntgenapparaten zu tun hatten.
14
Mit den Langzeitfolgen der Strahlung hingegen hatte man sich noch nicht ausführ-
licher befasst, was einerseits dem Umstand geschuldet war, dass man diese noch nicht in
größeren Zahlen hatte beobachten können, andererseits wollten die Röntgenologen sich
mit diesem Thema nicht gründlicher auseinandersetzen
15
oder gingen das Risiko aus
wissenschaftlichem Ehrgeiz und Erkenntnisstreben bewusst ein.
16
Dabei ist zu berück-
sichtigen, dass Schäden durch Röntgenstrahlung zu dieser Zeit häufig zuerst auf der
Körperoberfläche in Form von Strahlenverbrennungen entstanden bzw. sichtbar wurden
10
Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 8f.; Meggitt (2008), S. 29; Mould (1998).
11
Battelli (1896); Bowles (1896); Wiener Briefe (1900); Rollins (1901); Thomson (1896); Herzig (2006), S.
86-91. Beispiele finden sich bei Flaskamp (1930), S. 7f., und Goldberg (2011).
12
Edison fears hidden Perils of the X-Rays (1903); X-Rays injured Edison (1903); Brown (1936), S. 237-
239; Goldberg (2011), S. 10f.; Israel (1998), S. 422; Herzig (2006), S. 86-91; Meggitt (2008), S. 12-15; Lavine
(2008), S. 69f.
13
Frei (1896). Frei war an der Produktion von Röntgenröhren von „Frei and Co.“ in Boston beteiligt und
hatte somit wahrscheinlich auch finanzielle Interessen. Weitere Beispiele bei Meggitt (2008), S. 12-15. Siehe
auch Heilmann (1996), S. 208; Herzig (2006), S. 86-91.
14
Cocchi (1961), S. 75; Goldberg (2011); Macklis (1993), S. 94; Mould (1997), S. 34; Herzig (2006), S. 86-
91. Ausführlich dazu Fritz-Niggli (1995).
15
So befassen sich beispielsweise in der Zeitschrift „Strahlentherapie“ zwischen 1912 und 1944 lediglich
213 Artikel hauptsächlich mit Strahlenschäden und deren Behandlung, wobei Erbschädigungen und Schä-
den der Haut im Vordergrund stehen. Mit Strahlenschutzfragen befassen sich 51 Artikel und indirekt wei-
tere 38. Siehe Herrmann/Müller (2012), S. 347. Die erste Monographie, die sich mit Strahlenschäden
befasste, stammt aus dem Jahr 1930 und wurde von einem Nachwuchswissenschaftler verfasst: Flaskamp
(1930); vgl. Von Schwerin (2015), S. 122.
16
Goldberg (2011); Herzig (2006).
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und dass sie von einer externen Quelle herrührten. Diese Quelle konnte man zwar leicht
identifizieren, jedoch hatte man keinerlei Möglichkeiten, die Schwellenwerte akkurat zu
bestimmen bzw. zu messen. Radium hingegen konnte man einnehmen oder injizieren, die
dadurch verursachten Schäden aber manifestierten sich nicht auf der Haut und erst nach
einem gewissen Zeitraum.
17
Gleichzeitig nahm jedoch die Laienpresse die Themen Strahlung und Radium auf und
vermeintliche Erfolgsmeldungen und Wunderberichte der Heilung aller bis dahin
schwerwiegenden bzw. unheilbaren Erkrankungen durch Radium verdrängten die warnenden
Stimmen der Kritiker. Erschwerend wirkten sich die Statements der unseriösen, aber sehr
öffentlichkeitswirksam auftretenden „Forscher“ und Meinungsmacher aus, deren Ergebnisse
nicht immer unter Einhaltung wissenschaftlicher Standards gewonnen worden waren und die
Zukunftsprognosen abgaben, die nicht nur aus heutiger Sicht vollkommen hanebüchen
anmuten, sondern deren Populismus teilweise auch schon von den Zeitgenossen erkannt
worden ist.
18
„Würde man [jedoch] bereits um die Jahrhundertwende Furcht oder zu-
mindest eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Radium und seinen noch kaum bekannten
Eigenschaften erwarten, so geht man fehl.“
19
Im Jahr 1903 beispielsweise wurde die Heilung der blinden Lillie bzw. Tillie Spitznagel
von Zeitungen auf der ganzen Welt verbreitet. Das elfjährige Mädchen – in den ver-
schiedenen Artikeln entweder Lillie oder Tillie genannt – hatte in ihrem dritten Lebensjahr
das Augenlicht verloren. Nach der Bestrahlung mit Röntgen- und Radiumstrahlen erlangte sie
laut Medienberichten ihr Augenlicht zurück. „Radium makes blind girl see“, „She that was in
darkness tells how by radium she saw the light“ oder „Blind girl made to see lighttitelten
diverse amerikanische Tageszeitungen.
20
Tatsächlich jedoch hatte das Mädchen nicht die Sehfähigkeit zurückerlangt, sondern
nach der Bestrahlung einen Lichtblitz bzw. Schatten von Objekten wahrnehmen können.
Obwohl sie nicht wieder sehen konnte, gelang es dem behandelnden Arzt sowie dem
Ingenieur William Joseph Hammer (1858-1934), der den Vorschlag zum Einsatz des
Radiums gemacht hatte, der Presse gegenüber ihren Ruf zu wahren und den Fehlschlag als
Erfolg darzustellen. Sie argumentierten, die Zeit der Bestrahlung sei noch nicht ausreichend
gewesen und man müsse auf die Ergebnisse einer Langzeittherapie warten.
21
Die bereits
erreichten Verbesserungen seien jedoch von Dauer gewesen.
22
Für die Wissenschaft aufbereitet wurde der Fall von dem Arzt Samuel Tracy, der
zugleich weitere Fälle erfolgreicher Radiumtherapien überlieferte und in seinem Bericht zu
dem Fazit gelangte, dass Radium u.a. die Beleuchtung von Häusern verbessern und
verbilligen, echte von falschen Edelsteinen trennen, Bakterien töten sowie Lupus, Krebs
und Tuberkulose heilen könne. Auch wenn er einräumte, dass die von ihm vorgetragenen
17
Walker (2000), S. 4; Lindell (2004), S. 235f. und S. 241; Von Schwerin (2015), S. 123 und S. 125.
18
Weart (1988), S. 9-13; Walker (2000), S. 4.
19
Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 7.
20
Radium makes blind girl see, Newark Evening News, 24.08.1903; She that was in darkness tells how by
radium she saw the light, New York American, 24.08.1903; Blind girl made to see light, Philadelphia Public
Ledger, 24.08.1903. Alle zitiert nach Lavine (2013), S. 213 mit Anm. 31.
21
Radium test for eyes not yet conclusive (1903).
22
Tracy (1903); vgl. Slaughter (2013), S. 25f.
Radium als medizinisches Wundermittel
171
Fälle und Beispiele vielleicht „somewhat rosy colored in their expectations“ seien, zeigte er
sich doch sicher, dass weitere Versuche den Wert des Radiums als Heilmittel zeigen
würden.
23
Bei der Abfassung des Beitrags erhielt Tracy u.a. Hinweise von dem bereits
genannten William Hammer, der nicht nur den Heilversuch von Lillie Spitznagel initiiert
hatte, sondern 1903 das weltweit erste Sachbuch über Radium
24
veröffentlicht hatte und wohl
der berühmteste der US-amerikanischen Intellektuellen war, die sich der Öffentlichkeit als
Fachmann für Radium präsentierten. Er trat als Redner und mit öffentlichen Shows zum
Thema Radium bzw. Strahlung auf und führte darin auch seine Kontakte zu führenden
Wissenschaftlern wie den Curies und Becquerel an.
25
Zeitgleich berichtete der St. Petersburger Mediziner und Biochemiker Efim
Semenovich London (1869-1939) über seine ähnlich gelagerten Versuche sehr viel
vorsichtiger und objektiver.
26
Er hatte verschiedene Versuche mit Blinden durchgeführt
und nahezu dieselben Ergebnisse erlangt wie Hammer bei Lillie Spitznagel. Sein Fazit
lautete jedoch lediglich, dass man „lichtempfindlichen Blinden (...) einen großen Vorrat von
optischen Vorstellungen zuführen“ könne und „Radiumstrahlen nicht fähig sind, das
Sehvermögen des Auges zu erhöhen“. Des Weiteren mahnte er zur Vorsicht, da
„Radiumstrahlen (...) entzündliche Zustände hervorrufen“.
27
Nicht nur für die Ausführungen Hammers und Tracys lässt sich konstatieren, dass „it
is sometimes difficult to know which of its [the radiums] initial palette of attributes had any
basis in an actual laboratory examination, and which were pure fantasy“.
28
Hinzugefügt
werden muss, dass auch die in Versuchen gewonnenen Erkenntnisse keineswegs immer
rein wissenschaftlich, sondern häufig sehr weitgehend und teilweise schlichtweg falsch
interpretiert wurden. So stellte beispielsweise ein Forscher fest, dass das Larvenwachstum
durch die Strahlung von Radium behindert wurde, was für die Presse hieß, dass man durch
Radium den Alterungsprozess aufhalten nne.
29
John Burke experimentierte im
„Cavendish Laboratory“ in Cambridge mit Radiumsalzen und beobachtete ein Wachstum
auf sterilen Gelatineplatten, was für ihn bedeutete, dass spontan neue Lebewesen halb
Radium, halb Mikrobe – entstanden waren, die er liebevoll „radiobes“ taufte. Dass es sich
lediglich um die Auskristallisation der Radiumsalze handelte, wollte er auch nach
Hinweisen seiner Kollegen nicht zur Kenntnis nehmen.
30
Um die – vermeintlichen – Erkenntnisse zusammenfassen, die man anhand von
Versuchen mit Radium im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erlangt hatte, soll erneut
23
Tracy (1903), S. 794; vgl. Slaughter (2013), S. 25f.
24
Hammer (1903); vgl. Slaughter (2013), S. 23-26; Badash (1978), S. 146.
25
Campos (2015), S. 40; Slaughter (2013), S. 23-49, dort auch die Darstellung eines von Hammers Auftrit-
ten inklusive Diskussion seiner Statements. Eine kurze detailliertere Biografie Hammers bieten Peña (2003),
S. 173-180, und Kahn (2003). Zu Vorträgen und Ausstellungen im deutschen Sprachraum siehe Ceranski
(2008) und Schwarz (1999).
26
Auch seine 1911 veröffentlichte Monografie „Das Radium in der Biologie und Medizin“ ist um Objekti-
vität bemüht. Siehe London (1911). Einige biografische Hinweise bei Lange (1977).
27
London (1903); dort auch Verweis auf dieselbe Einschätzung durch Holzknecht/Schwarz (1903).
28
Lavine (2013), S. 36.
29
Old Age may be stayed by radium, Salt Lake City Telegram, 06.11.1903, zitiert nach Holmes (2010), S. 64
30
Burke (1905); Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 8. Ausführlich zu Burkes Versuchen siehe Campos (2015),
S. 56-99.
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auf die eingangs zitierte Zukunftsprognose von Prof. Dr. Everard Hustler zurückgegriffen
werden. Dass Radium ein exponiertes Thema der Zeit war, wird allein schon deutlich,
wenn man die einzelnen Kapitel des Sammelbandes „Die Welt in 100 Jahren“ vergleicht, in
dem Hustlers Beitrag abgedruckt ist. Neben verschiedenen Kernaspekten des alltäglichen
Lebens bzw. der Umwelt wie beispielsweise Kunst, Erziehung, Liebe, Krieg, Maschinen,
Religion oder Medizin, ist dem Radium ein eigenes Kapitel gewidmet.
31
Auch wenn es keine validen Hinweise darauf gibt, wer genau Hustler war und uns
noch nicht einmal Lebensdaten überliefert sind, spiegeln Hustlers Ausführungen den
Wissensstand der Abfassungszeit wider bzw. zumindest den Stand der Kenntnisse, die man
bereit war, zu dieser Zeit zu glauben:
„Wenn wir uns nun fragen, ob diese Heilresultate dauernd sind, so kann die Antwort
schon deshalb nicht gegeben werden, weil wir das Radium viel zu kurze Zeit erst
kennen. Es besteht aber gar kein Zweifel darüber, daß wir zu der Annahme
berechtigt sind, die Zukunft werde dem Radium ein Zeitalter völliger Krankheits-
losigkeit danken.“
32
Hustler nennt in seinem Beitrag explizit die Schöpfung neuer Lebewesen, die Hemmung
des Wachstums von Pflanzen und zugleich die Förderung des Wachstums von Pflanzen, die
Sterilisation von Milch, die Hemmung des menschlichen Alterungsprozesses, die Wieder-
herstellung der Sehfähigkeit bei Blinden, die Bekämpfung von Krebs und Hautausschlägen
sowie die bakterientötende Wirkung. Als Beispiele führt er die Heilung von Lepra und
Tuberkulose an.
33
Insgesamt konstatiert er:
„In jedem Falle ist die Kraft und die Wirkung der Radiumstrahlen eine grenzenlose
nach jeder Richtung hin, und es kann nahezu mit Sicherheit behauptet werden, daß
man im Radium den Wunderstein gefunden hat, durch welchen selbst die
Unmöglichkeiten möglich gemacht werden.“
34
Ganz entscheidend ist es, dass Hustler sich in allen angeführten Beispielen auf die jeweiligen
Wissenschaftler bzw. Autoren bezieht, die über die entsprechenden Forschungsergebnisse
berichtet haben, auch wenn er keinen wissenschaftlichen Apparat hat.
35
Dadurch verleiht er
dem Text eine gewisse Nachprüfbarkeit und somit auch Wahrheitsgehalt und sich selbst
Autorität durch seine zur Schau gestellten Fachkenntnisse. Was jedoch nicht vergessen
werden darf und nur dem aufmerksamen Leser auffällt, ist, dass der im Jahr 1910 abgefasste
Text die Zeit des 21. Jahrhunderts zum Thema hat. Sein Beitrag liest sich aber – zumindest
was die medizinischen Aspekte angeht – vielmehr wie eine Zusammenfassung des damaligen
Forschungsstandes verbunden mit den daraus resultierenden Erwartungen, also weniger wie
eine Zukunftsprognose für die Zeit in 100 Jahren. Hustler selbst ging demnach davon aus,
dass die wesentlichen Erkenntnisse, die das „Zeitalter völliger Krankheitslosigkeit“ begründen
31
Bremer (1910); siehe auch Seefried (2015), S. 35f.
32
Hustler (1910), S. 258. Hervorhebungen vom Autor entfernt.
33
Hustler (1910). Hier sind nur die medizinischen Aspekte angeführt. Eine kurze Zusammenfassung bietet
Ruppelt (2014), S. XIVf. Die meisten der von Hustler aufgegriffenen Beispiele werden ausführlich disku-
tiert bei Campos (2015).
34
Hustler (1910), S. 256.
35
Hustler (1910).
Radium als medizinisches Wundermittel
173
würden, zu seiner Zeit schon generiert worden waren bzw. unmittelbar vor der Entdeckung
stünden. Um weitere Rückschlüsse aus Hustler Ausführungen ziehen zu können, müsste
allerdings mehr über ihn bekannt sein.
36
Hustler ist jedoch nicht der einzige Autor des Bandes, der von der Wirkung des
Radiums als Allheilmittel überzeugt ist. Auch Prof. Dr. C. Lustig, über den ebenfalls nichts
weiter bekannt ist,
37
preist in seinem Beitrag über „Die Medizin in 100 Jahren“ das Radium
an:
„Die Möglichkeit aber, den Körper in seinen feinsten Gewebeteilen (...) gegen alle
möglichen Krankheitskeime immun zu machen, besteht schon jetzt. Die Möglichkeit,
dem Körper die Lebensenergie zuzuführen, die jeden Altersprozeß hemmt, haben
wir durch die Radium enthaltenden Mittel jetzt auch.“
38
Während es im ersten und zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in Nordamerika zu
einem regelrechten „Radium-Boom“ oder „radium craze“ kam,
39
ist bisher nicht
untersucht, ob und inwieweit das auch für die europäischen Staaten und speziell das
Deutsche Reich zu konstatieren ist. Zunächst standen einer breiten Forschung mit bzw.
Vermarktung von Radium jedoch die immensen Kosten im Weg.
40
Im Jahr 1921 zum
Beispiel lag der Preis für Kohle bei 1,5, für Silber bei 6.000, für Gold bei 208.000 und für
Radium bei 17 Milliarden Pfund Sterling für jeweils eine Tonne.
41
Radium oder vergleichbares radioaktives Material konnte in der für Forschungs-
zwecke notwendigen Menge nur einige wenige Forscher erhalten, darunter die Curies. Sie
extrahierten das Radium aus den Rückständen, die bei der Produktion von Uranfarben in
St. Joachimsthal in Böhmen (heute Jáchymov, Tschechien) entstanden. Durch das
Bergwerk, die Uranfabrik und die 1909 gegründete Radiumfabrik hatte die k.u.k. Monarchie
zunächst nahezu ein Monopol auf den Verkauf von Radium bzw. der Stoffe, die man zur
Herstellung von Radium benötigte, bevor zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 20.
Jahrhunderts auch in anderen Ländern, beispielsweise England, Portugal und den USA, der
Abbau von Uranerz aufgenommen wurde. Es folgten in den 1920er Jahren Minener-
öffnungen in Belgisch-Kongo und schließlich Kanada in den 1930er Jahren. Dennoch
36
Es ist durchaus möglich, dass es sich bei dem Namen lediglich um ein Pseudonym handelt. Von Interesse
wäre etwa, ob er einen wissenschaftlichen Hintergrund hatte und ob er in anderen Publikationen – sofern
es diese gibt – dieselbe Meinung vertreten hat. Bei ersten Recherchen konnten keine weiteren Informatio-
nen ermittelt werden. Der einzige weitere Hinweis auf Hustler stammt von dem deutschen Arzt und Sexu-
alwissenschaftler Magnus Hirschfeld (1868-1935). Hirschfeld nennt Hustler einen amerikanischen Radium-
forscher, der u.a. mit Hilfe eines Pendelversuchs die Sexualität einer Person bestimmen wollte. Hirschfeld
(1914), S. 155. Hustler bezieht sich in seiner Abhandlung im Falle der Heilung von Blindheit jedoch auf das
Beispiel von Efim London und nicht auf Hammer und die „Wunderheilung“ von Lillie Spitznagel, die in
den USA sehr viel mehr Rezeption erfahren hat.
37
Über C. Lustig konnten keinerlei weitere Hinweise gefunden werden. Möglicherweise handelt es sich bei
dem Namen um ein Pseudonym.
38
Lustig (1910), S. 271.
39
Lavine (2013); Campos (2015); Badash (1978), S. 147.
40
Caufield (1994), S. 41f.; Weiss (2001), S. 66; Harvie (2005), S. 121f.
41
Angaben aus „The Times“ (London), vom 12. Januar 1921, nach Harvie (2005), S. 122. Eine Auflistung
der Preise zu verschiedenen Zeitpunkten in Robison (2015), S. 259, Anhang VII, und Harvie (2005), S. 245,
Anhang 1. Dort jeweils auch weitere Literaturhinweise.
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174
stand in den USA beispielsweise in den 1920er und 30er Jahren in der Regel nur jeweils die
Hälfte des zu medizinischen Zwecken benötigten Radiums zur Verfügung.
42
3. Der therapeutische Einsatz von Radium in der Medizin
Um Aufschluss über die Bewertung des Einsatzes von Radium in der medizinischen
Wissenschaft zu Anfang des 20. Jahrhunderts sowie den damit verbundenen Zukunftser-
wartungen zu gewinnen, sollen im Folgenden die Positionen einiger führender zeitgenössischer
Mediziner analysiert werden. Unter Berücksichtigung des historischen Kontextes ist hier nicht
von einer übereinstimmenden Meinung der medizinischen Profession auszugehen, da sich im
Laufe des 19. bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts die medizinischen Fächer (weiter) aus-
differenziert und Fachgesellschaften gegründet hatten, die der Vertretung medizinischer sowie
fachpolitischer Interessen dienten.
43
Da in verschiedenen Ländern Röntgenstrahlen zur Bekämpfung von Hautkrankheiten
und Hautausschlägen eingesetzt worden waren und in Schweden 1899 bereits ein Fall eines
oberflächlichen Tumors erfolgreich behandelt werden konnte, hielten die Mediziner Radium
ebenfalls für ein wirksames Mittel in der Strahlentherapie.
44
Gleichzeitig gab es Versuche,
auch andere Krankheiten mit Radium zu heilen, etwa in der Augenheilkunde und der Inneren
Medizin.
45
Ein großer Vorteil der so genannten Curie- oder Brachytherapie mit Radium
gegenüber den Röntgenstrahlen war, dass Radium nicht nur an der Oberfläche angewendet,
sondern auch in Körperhöhlen eingeführt werden und so tieferliegende Stellen erreichen
konnte, die die frühen Röntgenstrahlen nicht erreichten.
46
Diesen Vorteil sahen auch die Röntgenologen und Strahlentherapeuten, jedoch
scheinen sie die Anwendung von Radium nicht als so bahnbrechend bzw. zumindest nicht
als Ersatz der Röntgenstrahlen angesehen zu haben. Die Röntgenologie war zu Beginn des
20. Jahrhunderts ein noch junges Fach, das sich zunächst mit den Röntgenstrahlen selbst
sowie den Anfängen des Strahlenschutzes auseinandersetzte. Röntgenologen waren zu dieser
Zeit zunächst Angehörige anderer medizinischer Fächer, die sich entweder hauptsächlich oder –
neben anderen fachspezifischen Aspekten auch mit Strahlen befassten. Einen Facharzt für
Röntgenologie und Strahlenheilkunde gab es erst infolge der so genannten „Bremer Richtlinie“
des Jahres 1924.
47
Robert Kienböck (1871-1953), einer der Pioniere der Röntgenologie im deutschen
Sprachraum und bereits 1904 Privatdozent für Medizinische Radiologie an der Universität
Wien,
48
schrieb 1907 in seinem Handbuch über die „Radiotherapie“:
42
Robison (2015), S. 83-98; Harvie (2005), S. 15-27; Elsner/Karbe (1999); Braunbeck (1996); Seidlerová/
Seidler (2010); Cantor (2008), S. 100f.; Frobenius (2003), S. 57.
43
Riedl (1981); Weisz (2006).
44
Beispielsweise Tracy (1903), der dies explizit so formuliert. Siehe auch Pfeifer (1938), S. 3.
45
Pfeifer (1938), S. 7; Schinz (1959), S. 148-164 und S. 167f. Eine ausführliche Auflistung der Versuche zur
Bekämpfung verschiedener Krankheiten findet sich in Robison (2015), S. 254f., Anhang II.
46
Macintyre (1903); Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 9; Meggitt (2008), S. 10; Schinz (1959), S. 148-153;
Weiss (2001); Zum Winkel/Kimmig (1995), S. 272f.
47
Herrmann/Müller (2012); Heilmann (1996), S. 209; Riedl (1981); Weisz (2006).
48
Siehe Fischer (1962), S. 758.
Radium als medizinisches Wundermittel
175
„Die Radiumtherapie ergänzt somit die Radiotherapie, sie wird mit Vorteil für kleine,
oberflächliche Hautherde, namentlich in der Nachbarschaft empfindlicher Teile (...)
angewendet. Bei großen Herden und massigen Tumoren ist das Röntgenlicht (...) der
Radiumkapsel weit überlegen (...).“
49
Ähnlich äußerte sich 1919 auch der Internist und Direktor der I. Med. Universitätsklinik
der Charité Wilhelm His (1863-1934)
50
im Vorwort des Lehrbuchs eines seiner Assistenten:
„Ebenso wertvoll ist die kritische Vergleichung der Radium- und Röntgenbehand-
lung, die heute weniger als Konkurrenten denn als einander ergänzende Verfahren
erscheinen. (...) Niemand wird heute mehr zweifeln, (...) daß ihre Anwendung wenn
auch nicht in der Hand jedes Arztes, so doch in der gewisser Fachärzte, sowie in al-
len größeren Krankenanstalten unentbehrlich ist (...).“
51
Beiden Aussagen ist gemein, dass sie den Einsatz von Radium als eine Ergänzung in der
Strahlentherapie ansehen und sich für eine Nutzung neben den Röntgenstrahlen aussprechen,
wenn dies medizinisch indiziert ist.
Kein Zweifel besteht für Kienböck daran, dass die Röntgenstrahlen dem Radium in
der Strahlentherapie überlegen sind. Es erscheint nur konsequent, dass die Röntgenologen,
die sich von der Chirurgie emanzipieren wollten, die Röntgenstrahlen bevorzugten, da zur
damaligen Zeit nur sie die entsprechenden Röntgenapparate zur Verfügung hatten. Des
Weiteren konnte man mit etwas Weitsicht hoffen, dass einige der damaligen Probleme bei
der Anwendung der Röntgenstrahlen durch technische Fortschritte zu beheben wären.
Wäre eine Strahlentherapie mit Radium von jedem Arzt überall und jederzeit wirksam
durchführbar gewesen, hätten sie ihr noch nicht gefestigtes Monopol wieder eingebüßt. Die
Auseinandersetzungen um die Spezialisierung in der Medizin, die Facharztfrage sowie die
Emanzipation verschiedener Fächer schwelten ohnehin bereits seit der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts und keines der entsprechenden etabliertencher war bereit, Kompetenzen
abzugeben.
52
Wilhelm His geht noch weiter und fordert, dass der Einsatz von Radium limitiert
werden müsse. Er bezieht sich hier explizit auf Fachärzte und größere Krankenanstalten,
denen die Radiumtherapie vorbehalten sein solle. Als Internist, also als Vertreter eines der
„großen“ Fächer, die die Röntgenologie noch als eine ihrer „Hilfswissenschaften“ und
keineswegs als eigenständige Disziplin ansahen,
53
wäre auch für ihn zu befürchten gewesen,
einen Teil der Fachkompetenzen im Bereich der Strahlentherapie abgeben zu müssen.
Vielleicht schwingt in der Aussage von His jedoch auch eine gewisse Vorsicht mit, um
einen allzu laxen und unbeschränkten Umgang mit Radium durch nicht entsprechend
49
Kienböck (1907), S. 181.
50
Fischer (1962), S. 637.
51
His (1919), S. IV.
52
Riedl (1981).
53
Heilmann (1996), S. 209.
Mathias Schmidt
176
ausgebildete Mediziner und Quacksalber zu verhindern.
54
Wie es im nächsten Kapitel zu
zeigen gilt, waren diese Befürchtungen nicht unberechtigt.
Ganz anders hingegen bewerteten Vertreter anderer medizinischer Fächer die Radium-
therapie und die damit verbundenen Möglichkeiten. Louis-Frédéric Wickham (1860-1913),
ein führender Dermatologe an der Medizinischen Fakultät von Paris, der seit 1905 Forschun-
gen mit Radium betrieb,
55
und Paul Degrais,
56
konstatierten 1910:
„Man sieht, wie vollständig die neue Waffe ist, über die wir verfügen, und wie ver-
schiedene Modalitäten sie ermöglicht; man soll sie unter den verschiedenen Formen
anzuwenden verstehen und sich wohl hüten, ihre Benutzung auf eine Form be-
schränken zu wollen. (...) das der Radiumtherapie innerhalb der allgemeinen Therapie
eine definitive und schon jetzt bedeutende Sonderstellung zuweist.“
57
Josef Wetterer, ein Hautarzt aus Mannheim, über den keinerlei weitere Informationen existieren,
kommt nach sachlichem Abwägen der bis dahin gemachten Erfahrungen und Forschungs-
ergebnisse zwar zu einem eher ernüchternden Urteil, ist jedoch sehr zuversichtlich, was die
Anwendung in der Zukunft angeht. Sein „Handbuch der Röntgentherapie“ leitete er ein:
„Die Radiotherapie ist nicht nur dem Dermatologen, dessen ausschließliche Domäne
sie zuerst zu sein schien, sondern auch dem Praktiker auf anderen Gebieten der
Medizin ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden.“
58
Bezüglich des Radiums äußerte er die Hoffnung:
„Um einiger blendender Effekte willen wurde sie [die Radiumtherapie] zuerst als
Panacee gegen jedwedes Übel gepriesen. Dann, als sie in manchen Fällen (...)
versagte, verlor die Radiumbehandlung plötzlich allgemein an Ansehen. (...) Wir
haben gesehen, dass das Radium als Heilmittel bei einigen wenigen Affektionen
mehr leistet oder bezüglich der Applikationsart größere Vorteile bietet als irgend
eine andere Therapie. (...) Vielleicht wird sich das Anwendungsgebiet des Radium
später etwas erweitern, wenn wir mehr aktive Substanz zur Verfügung haben (...).“
59
Auch die Gynäkologen beschäftigten sich in dieser Zeit ausführlich mit der Radiumtherapie,
was anhand der Jahreskongresse der Fachgesellschaft der Jahre 1912 und 1913 deutlich wird.
Durch technische Verbesserungen der Röntgenapparate und der steigenden Verfügbarkeit
von Radium und Mesothorium hatten sich neue Möglichkeiten der Forschung bzw.
Anwendung der Strahlen ergeben.
60
Besonders der 15. Kongress der „Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburts-
hilfe“ in Halle 1913 gilt „als ein bedeutender Wendepunkt für die Geschichte der Gynä-
54
Die niedergelassenen Spezialisten waren seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Streitthema innerhalb
der Ärzteschaft, da es keine verbindlichen Ausbildungsregularien gab. Deutlich wird dies beispielsweise
durch das spöttische Schlagwort des „Sechswochenspezialisten“. Siehe Herold-Schmidt (1997), S. 74;
Huerkamp (1985), S. 190f.
55
Fischer (1962), S. 1697.
56
Fischer (1962), S. 299.
57
Wickham/Degrais (1910), S. 264.
58
Wetterer (1908), S. V.
59
Wetterer (1908), S. 799.
60
Kleinert (1988), S. 67f.; Frobenius (2003), S. 82; Pfeifer (1938), S. 11.
Radium als medizinisches Wundermittel
177
kologischen Radiologie
61
und ist „historisch bemerkenswert geworden durch den ‚Radium-
Jubel‘, den er auslöste und der sich schrankenlos bis zu den ältesten Geheimräten hinauf
austobte“,
62
wie es der Gynäkologe Prof. Walter Stoeckel (1871-1961)
63
in seinen Memoiren
schilderte:
„Ein Dozent, der hinter mir saß, verkündigte feierlich: ‚Die Krebsgefahr ist gebannt,
die Menschheit darf aufatmen!‘ Noch nie hatte uns, so schien es, ein Mittel von so
starker Zerstörungskraft auf Karzinomzellen zur Verfügung gestanden.“
64
Einer der Redner auf diesem Kongress war Albert Döderlein (1860-1941),
Ordinarius für
Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität München und einer der Vorreiter der
Strahlenbehandlung in der Frauenheilkunde. Er soll laut eigenen Angaben als erster in
Deutschland bereits 1903 einen Therapieversuch mit Radium unternommen haben.
65
Döderlein war überzeugt, mit der Strahlentherapie „im Beginn einer neuen Karzinombe-
handlung“
66
zu stehen, die eine „tiefgreifende Umwälzung“
67
in der Gynäkologie auslösen
und chirurgische Eingriffe überflüssig machen werde. Und er war keinesfalls der einzige mit
dieser Meinung, wie auch die anderen Vorträge der Tagung zeigen.
68
In der Folge des Jahreskongresses 1913 kam es zunächst zu heftigen Auseinander-
setzungen zwischen Befürwortern und Gegnern der Strahlentherapie.
69
Noch im Jahr 1920 waren die Erinnerungen an diese Tagung und die Hoffnungen, die
durch die dort vorgestellten Forschungen geweckt worden waren, so präsent, dass Prof.
Ernst Bumm (1858-1925)
70
in seiner Eröffnungsrede zum 16. Kongress der „Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie“, der zugleich der erste nach dem Weltkrieg war, das Thema
Strahlenbehandlung noch einmal aufnahm:
„Wir sind vor 7 Jahren von Halle in einem merkwürdigen Zustand der Begeisterung
– man kann fast sagen: der Berauschung – nach Hause gegangen. Ungeahnte
Möglichkeiten schienen sich aufzutun. (...) Es schien, als ob durch die Verwendung
der Strahlen des Radiums und des Mesothoriums nun auch das (...) heiß umstrittene
Problem der operationslosen Heilung der bösartigen Neubildung (...) der Verwirk-
lichung nahe gebracht wäre. Radium war damals die Lösung, wie alle wissen, die auf
jenem Kongreß gewesen sind (...).“
71
Nach der Sektion mit den Berichten über die Ergebnisse der Radiumtherapie habe ihm ein
Kollege sogar mitgeteilt, dass dessen Manuskript über die gesammelten Resultate der
61
Frobenius (2003), S. 81. Siehe auch Müller (1929), S. 87; Frischkorn (1986), S. 306.
62
Stoeckel (1966), S. 212; vgl. Frobenius (2003), S. 84.
63
Fischer (1962), S. 1518.
64
Stoeckel (1966), S. 212; vgl. Frobenius (2003), S. 84.
65
Fischer (1962), S. 321; Schmid (1959); Döderlein (1913), S. 579; vgl. Frobenius (2003), S. 80; Frischkorn
(1986), S. 304.
66
Döderlein (1913), zitiert nach Pfeifer (1938), S. 11.
67
Döderlein (1913), S. 553, zitiert nach Frobenius (2012), S. 66.
68
Vgl. Frobenius (2003), S. 81-84 und S. 94f.; Kleinert (1988), S. 67f.; Frischkorn (1986), S. 311.
69
Frobenius (2003), S. 87-92; Frischkorn (1986), S. 311f.
70
Fischer (1962), S. 200.
71
Eröffnungsansprache des 16. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie von Ernst Bumm
in Berlin am 26.05.1920, abgedruckt in Ludwig (1999), S. 94-96, hier S. 95.
Mathias Schmidt
178
Operationen von Uteruskarzinomen nun wertlos sei, weil die Radikaloperation „überholt
und unnütz“ sei.
72
Besonders die Gynäkologen standen wie gezeigt dem Radium positiv gegenüber.
Der Einsatz von Radium hätte sie unabhängiger von operativen Eingriffen und Röntgen-
apparaten gemacht und auch niedergelassene Ärzte hätten die Radiumtherapie anwenden
können. Des Weiteren hätten so gleichzeitig die Überlebenschancen der Patientinnen erhöht
werden können, da in der damaligen Zeit viele Operationen nicht erfolgreich verliefen.
Insgesamt scheint das Radium deshalb besonders bei denjenigen mit großen Zukunfts-
erwartungen verbunden gewesen zu sein, die sich davon fachpolitische Vorteile erhofften.
Bald stellte sich jedoch heraus, dass die Heilungserfolge durch Radium häufig nicht
von Dauer waren und nicht besser ausfielen als die durch Operationen erzielten Er-
gebnisse. Des Weiteren war die Tiefenwirkung der Radiumstrahlen zu gering, um tiefer
gelegene Regionen und Metastasen zu erreichen. Deshalb ging man zunächst dazu über,
eine Kombination aus Röntgen- und Radiumbestrahlung anzuwenden. Nachdem aber in
der Röntgentechnik erhebliche Fortschritte gemacht wurden und es möglich wurde,
Apparate zu bauen, die im Dauerbetrieb ohne Leistungsschwankungen eingesetzt werden
konnten, wurde das Radium weiter zurückgedrängt und diente nur noch der Unterstützung
der Röntgenbestrahlung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Radium schließlich durch
künstliche Radionuklide ersetzt.
73
4. Radiumhaltige Produkte als Allheilmittel für den privaten Gebrauch
Nachdem sich, wie im ersten Abschnitt dargestellt, die Presse und vermeintlich seriöse
Wissenschaftler sehr lobend und überschwänglich über die Wirkungen des Radiums auf
den menschlichen Organismus geäußert hatten, dauerte es nicht lange, bis die Industrie die
Vermarktung radiumhaltiger Produkte als lohnendes Geschäftsmodell entdeckte. Ab ca.
1903 waren zahlreiche radiumhaltige Produkte auf dem Markt und im zweiten Jahrzehnt
des 20. Jahrhunderts war die so genannte Radiumschwachtherapie fest etabliert. In den
Industrienationen der damaligen Zeit gab es eine unzählbare Menge an diversen Mitteln für
die verschiedensten Zwecke zu erwerben, beispielsweise mit Radium versetzte Lebens- und
Genussmittel wie Schokolade, Bier, Zwieback und Trinkwasser, Zigaretten, Brot- und
Zigarettenzusatz, außerdem Pastillen und Tabletten, Seifen, Zahn- und Hautcremes sowie
radiumhaltige Schminke. Des Weiteren gab es Badewasserzusätze, Kompressen, Zäpfchen,
Zahnprothesen, Inhalatoren, Vaginalkugeln und Urethralstäbchen. Hinzu kommen Schmuck
72
Eröffnungsansprache des 16. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie von Ernst Bumm
in Berlin am 26.05.1920, abgedruckt in Ludwig (1999), S. 94-96, hier S. 95.
73
Schinz (1959), S. 164-167; Glaser (1990); Heilmann (1996); Zum Winkel/Kimmig (1995).
Radium als medizinisches Wundermittel
179
und Accessoires wie Ohrringe, Ringe, Ketten und weitere Skurrilitäten.
74
Allein die Vielzahl
der Produkte lässt schon auf einen erheblichen Absatzmarkt schließen.
Zwar mutet dieser uneingeschränkte und unkritische Umgang mit Radium bzw.
radiumhaltigen Produkten unter Berücksichtigung des heutigen Wissensstandes als extrem
leichtsinnig an, betrachtet man jedoch den zeitlichen Kontext, erscheint diese Art der
Nutzung des Radiums nur konsequent. Ausgehend von der Tradition der Heil- und
Kurbäder
75
und den Ergebnissen der Untersuchungen des Wassers in diesen, die eine
gewisse Erdstrahlung gemessen hatten,
76
sowie den Berichten der vermeintlich seriösen
Forschung bzw. der damit verbundenen unkritischen Nachrichtenflut, wie im ersten Abschnitt
dargestellt, wird der zeitgenössische Glaube an eine heilende Wirkung von Strahlung durchaus
plausibel.
77
„Die Radiumschwachtherapie (...) erschien mangels unmittelbar ersichtlicher
Schadwirkungen und wegen ihres natürliche Phänomene nachahmenden Charakters primär
unverdächtig.
78
Dabei ist jedoch anzumerken, dass nicht mehr eindeutig festgestellt werden kann,
welche bzw. wie viele der als radiumhaltig vermarkteten Produkte tatsächlich Radium
enthielten und überhaupt Strahlung abgaben und wie hoch diese gewesen ist.
79
Außerdem
ist hier zwischen Radium und dem radioaktiven Edelgas Radon, einem Zerfallsprodukt des
Radiums, zu unterscheiden. Studien an vorgeblich radiumhaltigen Produkten aus den USA
in den 1930er Jahren haben ergeben, dass etwa 95 Prozent dieser Produkte nicht radioaktiv
waren
80
und somit der Zusatz „radiumhaltig“ häufig lediglich als Werbemittel genutzt
wurde.
81
„Dabei stand ‚Radium‘ für alles Radioaktive und alles, was als Wunder gelten
sollte, auch wenn es nicht strahlte.“
82
Untersuchungen von Produkten aus Großbritannien ergaben lediglich teilweise eine
Strahlung,
83
und auch die chemisch-pharmazeutische Untersuchungsanstalt in Wien hat im
Jahr 1912 Versuchsergebnisse publiziert, die ergaben, dass bei 34 getesteten Produkten der
Großteil eine Strahlung ähnlich der von natürlichen Wässern aufwies.
84
Untersuchungen
von Radium-Emanatoren auf die noch detaillierter eingegangen wird aus den Jahren
74
Blaufox (1988); Helmstädter (2005); Moßler (1912); McCoy (2000), S. 96-114; Buchholz/Cervera (2008);
Mould (1993), S. 192-195; Schwankner et al. (2006); Von Philipsborn/Geipel (2006); Fuhry/Kern/Kießling
(2001). Einige erhaltene Exemplare finden sich heute in Museen. Eine große Anzahl verschiedener Produk-
te befindet sich in der „Oak Ridge Associated Universities Health Physics Historical Instrumentation Muse-
um Collection“ in Oak Ridge (Tennessee) sowie der „Questionable Medical Devices collection“ des „Sci-
ence Museum of Minnesota“ in Saint Paul. Einige Beispiele für nicht-medizinische Produkte bei Lavine
(2013), S. 95-101; Schwankner et al. (2006); Von Philipsborn/Geipel (2006); Fuhry/Kern/Kießling (2001),
S. 15-21.
75
Rudolfi (1913); Robison (2015), S. 217-219; Peña (2003), S. 190f.
76
Kreuznacher Ärzteverein (1910); Aschoff (1910); Radium (1912).
77
Helmstädter (2005), S. 348; Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 15; Lavine (2013), S. 102; Peña (2003), S.
190f.; Macklis (1990), S. 615.
78
Helmstädter (2005), S. 362.
79
Evans (1933), S. 1020; Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 17; Blaufox (1988), S. 55; Lavine (2013), S. 149.
80
Evans (1933), S. 1020; McCoy (2000), S. 96.
81
Colwell/Russ (1932); Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 17.
82
Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 12.
83
Colwell/Russ (1932), S. 223.
84
Moßler (1912); vgl. Helmstädter (2005), S. 49f.
Mathias Schmidt
180
1933 und 1969 maßen indes eine Strahlung, deren Höhe zwischen den einzelnen Geräten
ziemlich stark variierte.
85
Allerdings ist fraglich, ob die Ergebnisse der Untersuchungen
verglichen geschweige denn verallgemeinert werden können, da sie aus verschiedenen
Ländern stammen und mit einem zeitlichen Abstand von mehreren Jahrzehnten ermittelt
wurden. Belegt ist durch die Versuche jedoch, dass nicht alle der verkauften Produkte auch
tatsächlich Radium enthielten, geschweige denn Strahlung abgaben.
So gab es auch eindeutige Betrugsversuche. Beispielsweise wurde die Firma von
Dennis Dupuis alias Dr. Rupert Wells in St. Louis geschlossen, weil das als „Radol“
verkaufte Krebsheilmittel anstatt Radium lediglich Wasser, Alkohol und Sulfate enthielt.
86
Die Aufsichtsbehörden in den USA richteten zu dieser Zeit ihren Fokus ironischerweise
vielmehr auf die wahrheitsgemäße Kennzeichnung der Waren und die daraus resul-
tierenden Betrugsfälle als auf die Gefahren, die mit den entsprechenden Produkten
verbunden waren.
87
Aufgrund des Mangels an Quellen und Untersuchungen über die verschiedenen Unter-
nehmen sowie fehlende Untersuchungen der Präparate selbst sollen deshalb im Folgenden
hauptsächlich die Vermarktungsstrategien im Vordergrund stehen. Die Produzenten exis-
tieren meist nicht mehr bzw. sie fertigen mittlerweile ganz andere Produkte und größere
Archivbestände konnten vom Autor bisher nicht ausgemacht werden. Die Unterlagen vieler
Unternehmen auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind nicht erhalten
bzw. wurden nach Ablauf der Sperrfristen vernichtet. Aufschlussreich für diesen Abschnitt
des Beitrags können deshalb zunächst nur Zeitungs- und Werbeanzeigen bzw. Produkt-
broschüren sein, wobei sich hier der Umfang der Informationen je nach Produkt und Größe
der Anzeige in Grenzen hält.
Die „Sparklets Limited“ beispielsweise bot in Großbritannien den so genannten „Spa-
Radium“ an, einen Emanator, der Radiumsalze enthielt, mit denen sich jeder Käufer zu
Hause radioaktives Wasser produzieren konnte.
88
Dies sollte laut der Produktbroschüre die
Schmerzen der Gicht lindern, Harnsäure aus dem System spülen und dadurch
Ablagerungen an den Gelenken verhindern, den Blutdruck senken, den Appetit anregen,
(oft) hartnäckige Neuralgien kurieren und als „general all-round stimulant“ dienen. Des
Weiteren konnte es die Zahl der Erythrozyten erhöhen und die Phagozytose der
Leukozyten stimulieren. Überdies lindere der Einsatz des Wassers als Nasendusche die
Symptome von Heuschnupfen und Erkältungen (zumindest in vielen Fällen).
89
Zwar sind
die Angaben zu Krankheiten und Symptomen recht konkret, werden jedoch eingeschränkt
durch die Verwendung von „oft“ oder „in vielen Fällen“ und die Tatsache, dass viele
Wirkungsweisen nicht eindeutig überprüft bzw. belegt werden können, da sie individuell
unterschiedlich wahrgenommen werden (etwa Schmerz) und zudem auch durch den
85
Schlundt/Fulton/Bruner (1933); Jelliffe/Stewart (1969).
86
American Medical Association (1911), S. 24-31; vgl. Blaufox (1988), S. 57; Lavine (2013), S. 108f.; Young
(1972), S. 38f.; Adams (1912), S. 89 – dort finden sich auch weitere Beispiele.
87
Colwell/Russ (1932); Macklis (1990), S. 615; Macklis (1993), S. 94; Blaufox (1988), S. 55.
88
Mit den Radium-Emanatoren beschäftigen sich ausführlich Fuhry/Kern/Kießling (2001). Für Untersu-
chungsergebnisse über die Höhe der Strahlung siehe Schlundt/Fulton/Bruner (1933) und Jelliffe/Stewart
(1969).
89
Werbebroschüre „Spa-Radium“ von „Sparklets Limited“ von 1912, abgedruckt in Blaufox (1988), S. 57.
Radium als medizinisches Wundermittel
181
Placeboeffekt
90
ausgelöst werden können. Des Weiteren war eine therapeutische Wirkung
von Radioaktivität im Bereich der Inneren Medizin niemals im Rahmen wissenschaftlicher
Experimente oder Untersuchungen belegt worden.
91
Die Broschüre informiert außerdem
darüber, dass die Anwendung nicht vergleichbar mit der Einnahme einer Droge oder eines
Arzneimittels sei, da es weder die reguläre Nahrungsaufnahme bzw. Diäten noch den
alltäglichen Tagesablauf störe und dass niemals schädliche Auswirkungen durch die
Anwendung von radioaktivem Wasser vorgekommen seien. Hier wird einerseits noch
einmal unterstrichen, dass es sich bei Radium um ein natürliches Element handelt, das
schon deshalb wirksamer sei als chemisch erzeugte Medikamente, andererseits wird die
aufputschende Wirkung einer Droge suggeriert, jedoch ohne jegliche Nebenwirkungen.
92
Deshalb sei „Spa-Radium“ ein „Elixier für das System, welches durch Unbehagen und
Krankheit geschwächt ist“. Als letzte Angabe auf dieser Seite der Broschüre findet sich der
Hinweis, dass die Bergleute der Erzgruben von Colorado gegen die Grippe immun
geworden seien, da sie radiumhaltiges Wasser aus den Minen getrunken haben, was durch
Untersuchungen bestätigt worden sei.
93
Damit wird dem potentiellen Käufer quasi das
Versprechen gegeben, dass das Wasser, das mit „Spa-Radium“ behandelt wurde, auf
verschiedene Arten angewandt werden könne, gegen nahezu alle Krankheiten helfe und
zudem auch noch eine vorbeugende Wirkung habe.
Eine gedruckte Werbeanzeige für den Emanator einer anderen Firma wurde
diesbezüglich noch etwas deutlicher:
„Drink your way to Health and Happiness with a Health Spring in your Home. A
truly remarkable invention. (...) This water gives such health and vigor that science
calls it ‚the vitamin element of water‘. You have never tasted water so soft and palat-
able except at genuine radio-active health springs.“
94
Somit suggeriert die Anzeige, dass man durch den Genuss des Wassers nicht nur gesund
und glücklich werden könne, sofern man krank und unglücklich war, sondern auch noch
„gesünder“ und noch glücklicher. Dabei wird das radioaktive Wasser mit den Vitaminen
verglichen, von deren Existenz man zu dieser Zeit zwar bereits wusste, deren genaue
Wirkungsweise bzw. Funktion im Körper jedoch noch nicht bekannt war.
95
So oder ähnlich sind nahezu alle bekannten Werbeanzeigen gestaltet. Die Häufigkeit der
Begriffe „Gesundheit“, „Brunnen“, „Quelle“ oder „Fontäne“, „Vitalität“ und „Lebenskraft“
sowie „unbegrenzt“, „ewig“ oder „lebenslang“ – in jeweils unterschiedlichen Sprachen ist
sehr auffällig. Diese Begriffe sind teilweise sogar in die Produktbezeichnung, wie z.B. im Falle
90
Enck/Zipfel/Klosterhalfen (2009); Oeltjenbruns/Schäfer (2008).
91
Evans (1933), S. 1019. Dort mit Verweis auf zeitgenössische Literatur.
92
Des Weiteren wurde so auch einem Eingreifen von Behörden Vorschub geleistet, da man nicht in Kon-
flikt mit etwaigen Drogen- oder Arzneimittelgesetzen geriet. Vgl. Macklis (1990), S. 615.
93
Werbebroschüre „Spa-Radium“ von „Sparklets Limited“ von 1912, abgedruckt in Blaufox (1988), S. 57.
94
Werbeanzeige „Radium Ore Revigator“ der „Radium Ore Revigator Co.“, veröffentlicht zwischen 1924
und ca. 1930, abgedruckt in McCoy (2000), S. 99. Hervorhebungen und Zeilenumbrüche vom Autor ent-
fernt.
95
Bächi (2009), S. 104.
Mathias Schmidt
182
der Emanatoren „Radium Vitalizer“ und „Health Fountain“, oder auch den Firmennamen
eingeflossen, wie bei der „Vigoradium Corporation“ und der „Radium-Health Company“.
96
Interessanterweise tauchen einige dieser Begriffe auch dann in der Werbung auf, wenn
es sich nicht direkt um Produkte zur Förderung bzw. Wiederherstellung der Gesundheit
handelt, sondern um Pflege- und Schönheitsprodukte wie Zahncreme und Haarkuren.
„Caradium Registered“ etwa bewarb ihre Haarkur „Caradium Hair Restorer“ mit der
Kopfzeile „Radium vs. Grey Hair. 65 – and never a Grey Hair!“ und dem Informationstext:
„(...) ‚Caradium‘ will quickly restore, right from the hair roots, the natural colour,
health and beauty to your hair. You will look 10 to 20 years younger.“
97
Die radioaktive Zahncreme „Doramad“ wurde propagiert von der Auergesellschaft in
Berlin mit dem Slogan „Das ist die radioaktive biologisch wirksame Zahncreme“ und der
anschließenden Frage „Was ist ‚biologische‘ Wirkung?“, der die folgende Erläuterung
angeschlossen ist:
„(...) Biologisch nennt man eine Wirkung dann, wenn sie lebensfördernd ist, bei
‚Doramad‘ also die Wirkung, die durch den Zusatz von radioaktiver Substanz
erzielt wird (...): Steigerung der Blutzirkulation in den Geweben des Zahnfleisches
und der Zähne, dadurch bessere Ernährung der natürlichen Abwehrkräfte gegen
schädliche Einflüsse, Vernichtung angreifender Krankheitskeime, Erhöhung der
gesamten Lebenskräfte in den Geweben des Mundbereiches.“
98
Die Botschaft war also eindeutig: Der Gebrauch radioaktiver Produkte konnte die Zukunft
der Anwender und besonders die Gesundheit sowie die damit verbundenen Aspekte
positiv beeinflussen. Das sagt selbstverständlich nur indirekt etwas über die Zukunftser-
wartungen der Anwender bzw. Nutzer aus, da wir nicht eruieren können, inwieweit diese den
Werbeversprechen tatsächlich Glauben schenkten oder warum genau sie ein bestimmtes
Produkt kauften. Anzumerken ist jedoch, dass es sich bei vielen der frei verkäuflichen
radioaktiven Produkte um Massenprodukte handelte, die sich auch der Normalbürger leisten
konnte, da die Menge des verarbeiteten Radiums sehr gering war, es sich lediglich um
Ersatzstoffe handelte oder der Käufer getäuscht wurde. Des Weiteren wirkte nicht nur die
Werbung auf die potentiellen Käufer ein, sondern auch mancher – echte – Arzt, dessen
Glauben an die heilende Wirkung des Radiums grenzenlos war bzw. der dies seinen Patienten
suggerierte. Neben Betrügern und Geschäftsleuten gab es auch diejenigen, die von der
Wirkung der Strahlung überzeugt waren, was man daran festmachen kann, dass sie selber
auch radiumhaltige Mittel zu sich nahmen.
99
96
Siehe die diversen Anzeigen in McCoy (2000), S. 99-113; Mould (1993), S. 192-195; sowie die verschiede-
nen Produkte bzw. Produktbezeichnungen in Buchholz/Cervera (2008).
97
Werbeanzeige „Caradium Hair Restorer“ der „Caradium Regd.“, veröffentlicht in „Nash’s Pall Mall Ma-
gazine“ im August 1934, abgedruckt in Hogg (2016), S. 30. Hervorhebungen und Zeilenumbrüche vom Autor
entfernt.
98
Werbebroschüre „Doramad“ der „Auergesellschaft A.G., Berlin“, zwischen 1940 und 1945, online abruf-
bar unter: https://www.orau.org/ptp/collection/quackcures/toothpaste.htm. Hervorhebungen und Zei-
lenumbrüche vom Autor entfernt (gesehen: 27.10.2017).
99
Rowland (1994), S. 5-7; Macklis (1993); Boyle (2013), S. 39-45.
Radium als medizinisches Wundermittel
183
Nur so ist es zu erklären, dass der amerikanische Stahlunternehmer Eben Byers Ende der
1920er Jahre von seinem Arzt das radioaktive Heilwasser „Radithor“ empfohlen bekam,
obwohl bereits ein Zusammenhang zwischen radioaktiven Substanzen und Strahlenschäden
hergestellt worden war. Bereits 1922 war die erste der später so genannten „Radium Girls“
erkrankt, die in Orange (New Jersey) die Zeiger und Zifferblätter von Uhren mit
radiumhaltiger Farbe bemalten, damit diese im Dunkeln leuchteten. Dabei spitzten sie in
der Regel die Pinselborsten mit den Lippen an, um detaillierter arbeiten zu können.
100
Zwar
war den untersuchenden Ärzten der Zusammenhang anfangs nicht bewusst, jedoch wurde
dieser durch die ähnlichen Symptome und dieselbe Arbeit der Erkrankten offensichtlich, so
dass spätestens 1925 jeder um die Gefahren der Einnahme von radioaktiven Substanzen
hätte wissen können. Und dies besonders, da die neuesten medizinischen Ergebnisse der
Untersuchungen der „Radium Girls“ regelmäßig publiziert wurden
101
und zudem die Presse den
Fall medial aufbereitete. Bereits 1921 waren erste Strahlenschutzhinweise für den Umgang mit
Radium veröffentlicht und 1928 war auf dem internationalen Radiologenkongress außerdem das
„International X-Ray and Radium Protection Committee“ gegründet worden.
102
Dennoch empfahl ein Arzt seinem Patienten Eben McBurney Byers (1880-1932), ein
großer Stahlproduzent der USA, im Jahr 1928 „Radithor“, ein radioaktives Heilwasser, das
tatsächlich erhebliche Mengen Radium enthielt. Nach einer Armverletzung begann Byers,
das Mittel zu sich zu nehmen und war von der leistungssteigernden Wirkung so be-
eindruckt, dass er die Tagesdosis von einer empfohlenen auf mehrere Flaschen erhöhte.
„Radithor“ warb mit ähnlichen Versprechen wie die oben bereits dargelegten, übertraf
diese jedoch noch bei weitem. Es wurde als therapeutisches Mittel angepriesen, das bereits
bei über 100.000 Patienten zum Einsatz gekommen sei,
103
über 150 Krankheiten kurieren
könne und einige wirkungslose Medikamente verdrängt habe, was gleichzeitig als Beleg für
die Wirksamkeit ausgelegt wurde.
104
Zudem erhielten Ärzte einen Preisnachlass beim Kauf
von „Radithor“, so dass sie beim Weiterverkauf an ihre Patienten ein zusätzliches Geschäft
machten. Innerhalb von zwei Jahren hat Byers vermutlich mehr als 1.400 Flaschen
getrunken und starb 1932 an den Folgen der Radiumvergiftung. Die Obduktion seiner
Leiche ergab, dass sein gesamter Körper erhebliche Mengen Strahlung abgab. Nur am
100
Martland (1931); Rentetzi (2004); Clark (1997); Sharpe (1978); Mullner (1999), S. 47-53.
101
Siehe beispielsweise Blum (1924); Hoffman (1925); Martland/Conlon/Knef (1925); Martland (1926);
Martland (1929); vgl. Gettler/Norris (1933); Evans (1933); Sharpe (1978); Harvie (2005), S. 165-183;
Walker (2000), S. 5. Ausführlich dazu Clark (1997), S. 87-111; Mullner (1999).
102
Gettler/Norris (1933); Evans (1933); Meggitt (2008), S. 31-34; Lambert (2001); Walker (2000), S. 4f.;
Rowland (1994), S. 19-28; Stannard (1988), S. 23-26.
103
Je nachdem, von wann die Broschüre stammt, ist dies durchaus möglich, da zwischen 1925 und 1930
über 400.000 Flaschen hergestellt worden sein sollen. Siehe Macklis (1990); Lavine (2013), S. 149; Harvie
(2005), S. 158.
104
Werbebroschüre „Radithor“ der „Bailey Radium Laboratories (Inc.)“, zwischen 1925 und 1930, abge-
druckt in Blaufox (1988), S. 58f.; „Radithor Guarantee“ der „Bailey Radium Laboratories (Inc.)“, zwischen
1925 und 1930, abgedruckt in Macklis (1990), S. 616.
Mathias Schmidt
184
Rande sei erwähnt, dass weder Byers Arzt noch der Produzent von „Radithor“ dadurch in
ihrem Glauben an die Wirksamkeit des Mittels erschüttert wurden.
105
Erst durch die bei Byers auftretenden Symptome, die man bereits bei den „Radium
Girls“ festgestellt hatte, sowie die mediale Aufmerksamkeit, die ein solch prominenter Fall auf
sich zog,
106
sahen sich Ärzteverbände und US-amerikanische Behörden zum Handeln genötigt.
Die Zahl der Forschungen zu den Auswirkungen der Strahlung nahm zu, der Einsatz von
Radium in den USA wurde beschränkt und man legte Strahlenschutzrichtlinien fest. Zunächst
äußerte sich dies jedoch lediglich in Höchstwerten für die Strahlenexposition, so wie auch das
Internationale Strahlenschutzkomitee vorgegangen war, in der Hoffnung, Strahlenschäden
begrenzen und kontrollieren zu können. Dies wohl auch unter dem Eindruck, dass die beiden
ausschlaggebenden und eindeutigen Fälle durch einen unsachgemäßen oder ungeschützten
Umgang mit radiumhaltigen Produkten entstanden waren.
107
„There seemed to be no realisation
that cancer would follow after a long lag, or latent, period.
108
Auch in Europa wurden die Schicksale der „Radium Girls“ sowie von Byers bekannt,
was eine ähnliche Diskussion um die Gefahr von Radium entfachte. In der Folge kam es auch
hier – in manchen Ländern früher, in anderen später – zur Beschränkung des Verkaufs bzw. des
Umgangs mit Radium und radiumhaltigen Produkten. In Deutschland dauerte dies noch bis
Anfang der 1960er Jahre.
109
Ein nachhaltiges Umdenken im Umgang mit der Radioaktivität wurde jedoch erst durch
die Atombombenabwürfe in Japan 1945 und die Möglichkeiten der Nutzung von Atomenergie
ausgelöst.
110
5. Fazit
Nach den Erfolg versprechenden Versuchen der frühen Jahre der Radiumforschung,
verbunden mit überschwänglichen und übertriebenen Mitteilungen in der Presse, scheint es
verständlich, dass mit dem Radium und seinem Einsatz in der Medizin erhebliche
Erwartungen verbunden waren. Diese waren, wie gezeigt wurde, nicht nur rein medizinisch
bzw. patientenorientiert, sondern mit weiteren Faktoren verknüpft. Im Bereich der Medizin
waren dies fachpolitische Aspekte der sich ausdifferenzierenden Fächer, die um Kompe-
tenzen und auch damit verbundene finanzielle Ressourcen rangen. Deshalb gab es bezüglich
des Einsatzes von Radium sehr unterschiedliche Meinungen, je nach Fach und Protagonist.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist sicherlich das Problem, das man speziell mit der
Radiumtherapie zu lösen erhoffte: der Krebs. Krebs gilt noch heute als „unsterblich“
111
105
Leschke (1932); Evans (1933), S. 1019; vgl. Lavine (2013), S. 148-151; Harvie (2005), S. 157-163;
Helmstädter (2005), S. 356f.; Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 15. Ausführlich zu Beyers und „Radithor“
siehe Macklis (1990) und Macklis (1993).
106
Siehe Macklis (1990), S. 618 mit Anm. 16, und Harvie (2005), S. 272 mit Anm. 27 für eine umfangreiche
Liste verschiedener Zeitungsartikel.
107
Evans (1933), S. 1017; Lambert (2001), S. 32f.; Walker (2000), S. 7f.; Hacker (1987), S. 10-29.
108
Lambert (2001), S. 33.
109
Leschke (1932); Colwell/Russ (1932); vgl. Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 41-45; Helmstädter (2005), S.
365.
110
Lambert (2001); Rowland (1994), S. 28-30; Weart (1988); Walker (2000); Hacker (1987); Meggitt (2008);
Helmstädter (2005), S. 365.
Radium als medizinisches Wundermittel
185
und als „König aller Krankheiten“.
112
Speziell unter dem Eindruck der Erfolge, die die
Medizin und insbesondere die Bakteriologie im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erzielt
hatten, schienen weitere zeitnahe Erfolge durchaus realistisch bzw. im Bereich des
Möglichen zu liegen.
113
Im Falle der frei erhältlichen und teilweise sogar patentierten Radiumprodukte
standen hingegen rein ökonomische Faktoren der Industrie sowie der jeweiligen Profiteure
darunter auch Mediziner – im Vordergrund. Besonders im Falle des Produzenten von
„Radithor“ und des Arztes, der Byers zur Einnahme geraten hat, zeigt sich jedoch ein
weiteres Motiv, nämlich der Glaube an die Wirksamkeit und Harmlosigkeit des Mittels
gepaart mit der Hoffnung auf eine vorbeugende gesundheitliche Wirkung. Unter
Berücksichtigung der Tatsache, dass Produzenten und Händler eben dies versprachen,
scheint es nicht verwunderlich, dass zahlreiche Käufer sich darauf einließen.
Dies verdeutlicht einerseits, und das ist keineswegs neu, dass auch in Zukunft bei
derlei „Heilsversprechen“ eine gewisse Vorsicht walten und zuerst eine kritische und
sachlich abgewogene Meinung eingeholt werden sollte. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich
Zukunftshoffnungen und -erwartungen je nach Situation und Perspektive des Betrachters
unterscheiden und z.T. interessengesteuert sind.
111
Bleif (2015).
112
Mukherjee (2012).
113
Vgl. Fuhry/Kern/Kießling (2001), S. 9.
Mathias Schmidt
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Wilhelm Conrad Röntgen wurde am 27. März 1845 in Lennep im Bergischen Land geboren. Fünfzig Jahre später machte er am 8. November 1895 als Professor der Experimentalphysik an der philosophischen Fakultät der Julius-Maximilian-Universität Würzburg und Direktor des dortigen Physikalischen Institutes beim Experimentieren mit einem Gasentladungsrohr eine mehr zufällige Beobachtung, ging ihr systematisch nach und entdeckte „Eine neue Art von Strahlen“. Die Abb. 1 zeigt eine Originalaufnahme von Versuchseinrichtungen, die damals im Würzburger Physikalischen Institut zur Verfügung standen. Am 28. Dezember 1895 legte Röntgen darüber dem Secretar der Physikalisch-Medicinischen Gesellschaft zu Würzburg handschriftlich eine „Vorläufige Mittheilung“ vor, deren erste Seite in Abb. 2 wiedergegeben ist. Sie faßte in 17 Abschnitten die in den vorangegangenen Wochen gemachten Beobachtungen knapp zusammen und wurde noch „Ende 1895“ in den Sitzungsberichten der Gesellschaft gedruckt. Darin wird unter 2. von einem „Agens“ gesprochen, „das im Stande ist, lebhafte Fluoreszenz zu erzeugen“, und unter 3. werden diesem Agens „Strahlen“ zugeordnet, für die Röntgen in einer Fußnote als Begründung schreibt: „Der Kürze halber möchte ich den Ausdruck Sirahlen und zwar zur Unterscheidung von anderen den Namen X-Strahlen gebrauchen.“
Article
Between the years 1850 and 1950, Americans became the leading energy consumers on the planet, expending tremendous physical resources on energy exploration, mental resources on energy exploitation, and monetary resources on energy acquisition. A unique combination of pseudoscientific theories of health and the public's rudimentary understanding of energy created an age in which sources of industrial power seemed capable of curing the physical limitations and ill health that plagued Victorian bodies. Licensed and "quack" physicians alike promoted machines, electricity, and radium as invigorating cures, veritable "fountains of youth" that would infuse the body with energy and push out disease and death. The Body Electric is the first book to place changing ideas about fitness and gender in dialogue with the popular culture of technology. Whether through wearing electric belts, drinking radium water, or lifting mechanized weights, many Americans came to believe that by embracing the nation's rapid march to industrialization, electrification, and "radiomania," their bodies would emerge fully powered. Only by uncovering this belief's passions and products, Thomas de la Peña argues, can we fully understand our culture's twentieth-century energy enthusiasm.
Article
Cancer is now the leading cause of death in Canada, yet many recent studies have drawn attention to problems in cancer control, such as long waiting times for treatment, inequitable access to care, and variations in treatment. An Element of Hope traces the early development of cancer programs in Canada from the discovery of radium in 1898 to the end of World War II. During this period radium emerged as a promising new therapy and governments sought to mount a societal response to cancer. Charles Hayter chronicles the work of Canadian provinces in establishing the cancer programs that remain the framework for modern systems. Focusing on the compromises these programs required, which anticipated later conflicts over Medicare, Hayter concludes by revealing the historical roots of current problems in cancer care.