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Meritokratie als Legitimationsprinzip: Die Entwicklung der Akzeptanz sozialer Ungleichheit im Zuge der Bildungsexpansion

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Abstract

Die Akzeptanz sozialer Ungleichheit durch die Bevölkerung trägt zur gesellschaftlichen Stabilität bei. In westlichen Gesellschaften wird dabei dem meritokratischen Legitimationsprinzip eine besondere Bedeutung beigemessen. Hinter dem meritokratischen Prinzip steht die Vorstellung, dass Positionen und Belohnungen nur nach Leistung und nicht nach askriptiven Faktoren wie Geschlecht oder Elternhaus vergeben werden. Ziel dieser Studie, deren theoretische Grundlagen sowohl in der Ungleichheitsforschung als auch in der soziologischen Gerechtigkeitsforschung zu verorten sind, ist die Betrachtung der Entwicklung der Akzeptanz sozialer Ungleichheit in Westdeutschland im Zuge der Bildungsexpansion. Zur Beziehung zwischen Bildung und Akzeptanz sozialer Ungleichheit werden zunächst zwei konträre Thesen aufgestellt: Einerseits sollten höher Gebildete infolge erweiterter kognitiver Fähigkeiten kritischer gegenüber sozialer Ungleichheit sein, andererseits ist zu erwarten, dass höher Gebildete – die mit größerer Wahrscheinlichkeit zu den privilegierten Sozialschichten gehören – aufgrund eigener positiver Erfahrungen mit der Ordnung sozialer Ungleichheit diese stärker akzeptieren. Im Zentrum der empirischen Untersuchung stehen Analysen zu zeitlichen Entwicklungen unter simultaner Berücksichtigung von Kohorten-, Perioden- und Alterseffekten.

Chapters (13)

Das Interesse der folgenden Ausführungen richtet sich auf zwei Fragen, zum einen — aus querschnittlicher Perspektive — die Frage nach den Bestimmungsfaktoren für die Akzeptanz sozialer Ungleichheit, und zum anderen — aus längsschnittlicher Perspektive — wie sich die Legitimation sozialer Ungleichheit im Bewusstsein der Bevölkerung im Zuge der Bildungsexpansion verändert hat.1 Das meritokratische Prinzip, welches das wesentliche Argument zur Rechtfertigung sozialer Ungleichheiten in westlichen Gesellschaften darstellt, wird dabei fokussiert.
Die Relevanz von Werten und Ideologien ist in der soziologischen Forschung durchaus umstritten, wenngleich Weber (1992 [1920]; vgl. auch Erweiterung von McClelland 1966) die Auswirkungen von (protestantischen) Ideologien auf die Sozialstruktur (Entstehung kapitalistisches Wirtschaftssystem) bereits früh thematisiert hat. Entsprechend gehören strukturelle Verhältnisse und Veränderungen zu den Kernobjekten soziologischer Forschung, während im Hinblick auf Veränderungen in Kultur und Politik — gerade auch bezüglich der Folgen der Bildungsexpansion — viele blinde Flecken zu konstatieren (Müller 1998) sind. Im Folgenden soll nun fragmentarisch die soziologische Relevanz der Werthaltungen bzw. Bewusstseinsinhalte zur sozialen Ungleichheit anhand von theoretischen Überlegungen und empirischen Befunden verdeutlicht werden.
Bei der Analyse von sozialem Wandel — hier: Entwicklungen im Zuge der Bildungsexpansion — ist sorgsam vorzugehen. Insbesondere die zu starke Fokussierung auf Wandel, eine geringe Komplexität der Analysen — wie Altersvergleiche unter Verwendung von Querschnittsdaten als Beleg für Wandel — und die „Überinterpretation“ marginaler Schwankungen können zu Fehlschlüssen führen.
Ziel der im Folgenden dargestellten Untersuchungen ist die Beantwortung der Frage, wer bzw. welche Bevölkerungsgruppen soziale Ungleichheiten im Vergleich zu anderen stärker akzeptieren und welche zeitlichen Entwicklungen sich im Hinblick auf die Akzeptanz sozialer Ungleichheit zeigen. Im Interesse stehen somit Bestimmungsfaktoren von Werthaltungen sozialer Ungleichheit, d.h. die Aufklärung von Varianz — sowohl in querschnittlicher Perspektive (Effekte von Bildung, Status, Geschlecht), als auch in längsschnittlicher Perspektive (Kohorten-, Perioden- und Alterseffekte).
Der soziologische Ungleichheitsbegriff thematisiert nicht individuelle Unterschiede, sondern Unterschiede „zwischen Gruppen, Kategorien oder Klassen von Personen, […] die ein und dasselbe Merkmal mehr oder weniger häufig oder stark aufweisen und deshalb hinsichtlich dieses Merkmals in eine Rangordnung gebracht werden können“ (Hondrich 1984: 269). Solche Merkmale zur Distinguierung bzw. Einteilung von Gruppen in Oben-Unten-Hierarchien sind Einkommen und Eigentum, Macht und Herrschaft sowie soziales Ansehen.
Im Rahmen dieser Arbeit wird mit der Akzeptanz sozialer Ungleichheit auf Basis des Legitimationsprinzips der Meritokratie ein ordnungs- bzw. prinzipienbezogenes Gerechtigkeitskriterium thematisiert. Im Folgenden soll nun das im Kern des Interesses stehende meritokratische Prinzip näher beschrieben werden, um dann weitere Prinzipien darzustellen und voneinander abzugrenzen.
Bevor die Bestimmungsfaktoren für Legitimations- und Gerechtigkeitsprinzipien betrachtet werden, werden — überwiegend theoretische — Argumente gegeneinander abgewogen, welche für oder gegen die Universalität von Gerechtigkeitsprinzipien sprechen.
Im Rahmen dieser Arbeit zum Wandel der Akzeptanz sozialer Ungleichheit werden Bildung, Status, Alter, Geschlecht und Arbeitslosigkeit als individuelle Bestimmungsfaktoren fokussiert. Bevor die im Kern der Untersuchung stehenden Hypothesen theoretisch abgeleitet werden, sind soziale Ungleichheit und in der Bevölkerung verbreitete Prinzipien zur Legitimation von Ungleichheit in Westdeutschland als Ausgangspunkte der Analysen zu betrachten.
Im Rahmen der Analysen sollen die Fragestellungen zunächst im Querschnitt betrachtet werden, um dann Längsschnittanalysen unter Berücksichtigung von zwei zeitlichen Ebenen und schließlich unter simultaner Modellierung von Alters-, Perioden- und Kohorteneffekten (A-P-K-Analyse) — unter Ersatz einer der zeitlichen Ebene durch eine inhaltliche Variable — durchzuführen. An dieser Stelle wird nun die methodische Herangehensweise — welche insbesondere Konsequenzen für die Datenauswertung hat — beschrieben, wobei die A-P-K-Analyse fokussiert wird, um dann auf Datensatz und Messinstrumente einzugehen.
Bevor deskriptive Befunde im Hinblick auf die Fragestellungen und Hypothesen präsentiert und Mittelwerte visuell inspiziert werden, soll zunächst der Verlauf der Bildungsexpansion anhand der ALLBUS-Daten nachgezeichnet werden.
Hintergrund der vorliegenden Untersuchung war die Frage, welche Folgen die Bildungsexpansion in Westdeutschland für die Akzeptanz sozialer Ungleichheit in der Bevölkerung bzw. in spezifischen Bevölkerungsgruppen hatte. Im Mittelpunkt der soziologischen Analysen zur Akzeptanz sozialer Ungleichheit im zeitlichen Wandel stand entsprechend das Bildungsniveau. Zur Beziehung zwischen Bildung und Akzeptanz sozialer Ungleichheit wurden zunächst zwei konträre Thesen aufgestellt: Einerseits kann eine höhere Bildung unter der Prämisse, dass höher Gebildete infolge erweiterter kognitiver Fähigkeiten eine größere kritische Distanz gegenüber der gesellschaftlichen Ordnung haben, mit der Entlegitimierung sozialer Ungleichheitstrukturen einhergehen. Andererseits kann höhere Bildung als Instrumentarium zum Statuserwerb mit einer stärkeren Anerkennung von Ungleichheitsstrukturen verbunden sein, da höher gebildete Individuen durch eigene positive (Aufstiegs-)Erfahrungen mit dem meritokratischen Prinzip sozialer Ungleichheit dieses Legitimationsprinzip als funktionsfähig wahrnehmen und positiv bewerten. Eine dritte zentrale Hypothese sollte diesen Widerspruch durch die Annahme auflösen, dass ein Mismatch zwischen Bildung und erworbenem Status im Sinne von negativer Statusinkonsistenz eine besonders kritische Sichtweise gegenüber sozialer Ungleichheit zur Folge hat. Diese querschnittlichen Annahmen wurden schließlich auf eine längsschnittliche Perspektive bezogen, in der die Entwicklung der Akzeptanz sozialer Ungleichheit im Zuge der Bildungsexpansion fokussiert wurde. Die Bildungsexpansion wurde über die Kohortenabfolge betrachtet unter Berücksichtigung von Lebenszyklusund Periodeneffekten. Die querschnittlichen Thesen wurden entsprechend einer längsschnittlichen Perspektive umgewandelt: Aus der ersten These zur Bildung im Sinne kognitive Fähigkeiten ergab sich die Annahme einer kognitiven Mobilisierung und eines Wertewandels über die Bildungsexpansion. Die modifizierte These (Bildung als Instrument für den Statuserwerb) lenkte bezogen auf die Bildungsexpansion den Blick auf den Wandel von Bildungs- und statusgruppenspezifischer Interessenlagen im Zuge von strukturellen Entwicklungen. Beide Argumentationen stehen nicht antagonistisch gegeneinander, denn Werthaltungen scheinen sowohl Objekte von Sozialisation im Sinne von tradierten Werten zu sein als auch Abbilder aktueller Interessenlagen.
Die Befunde sind mit der gebotenen Sorgfalt zu bewerten, wobei sowohl inhaltliche als auch methodische Limitierungen zu beachten sind.
Diese Untersuchung zielte auf die Beantwortung der Frage, wie sich die Akzeptanz sozialer Ungleichheit auf Basis des Legitimationsprinzips der Meritokratie im Zeitverlauf, d.h. im Zuge der Bildungsexpansion entwickelt hat. Dazu wurde zunächst die Beziehungen zwischen Bildung, Kohorten, Status, Geschlecht und der Akzeptanz sozialer Ungleichheit betrachtet, um dann der Längsschnittfragestellung innerhalb von Analysen unter Berücksichtigung von Alters-, Periodenund Kohorteneffekten nachzugehen.
...  Low quality of VET (outdated equipment and teaching methods)  Vocational teacher education suffers of a lack of teaching practice oriented courses while a huge share of general subjects is being taught (students do not feel wellprepared)  Low wages of teachers  Societal structures and personal attitudes are characterized by the meritocratic logic leading to a substantial disregard of VET and vocational teacher education 4 (ETF 2017a,b;Koshmanova/Ravchyna 2008;Mospan 2016;Stoliartschuk 2010;Zinser 2015) Theoretical Background Meritocracy • Forming of elites/legitimation of social inequality based on the principle of merit • Allocation of rare societal positions to those who perform best in favor of optimum cast of positions • Application of the principle of merit in order to guarantee equal opportunities • Proof of performance by certificates of the education system • Performance mostly defined as IQ/mental capacity + effort 5 (Ott 2015, Billett 2013, Geißler 2012, Hadjar 2008, Solga 2005, Goldthorpe 1996, Lutz 1986 ...
... Meritocracy and (vocational) education (Ott 2015, Billett 2013, Geißler 2012, Hadjar 2008, Solga 2005, Goldthorpe 1996, Lutz 1986 Theoretical Background ...
... • The range of the teacher profession is beneath other academic professions, if one categorizes it as a semi-profession (as usually done) • Attractiveness of vocational teacher profession within the teaching profession not existent as long as vocational education is considered as inferior education • Quality of study courses of vocational teacher education and as a consequence of lessons in VET schools and colleges suffers  The link between VET and meritocracy has an impact on vocational teacher education and its standing  The link between meritocracy and the teacher profession itself has an impact on vocational teacher education and its standing 7 (Ott 2015, Billett 2013, Geißler 2012, Hadjar 2008, Solga 2005, Goldthorpe 1996, Lutz 1986 ...
... Je höher das Bildungsniveau einer Person, desto kritischer scheint auch ihre Einstellung zu sozialer Ungleichheit zu sein (Lux, 2011;Noll & Christoph, 2004;Wagner, 1996 (Hadjar, 2008), Personen in sozialen Dienstleistungsberufen oder Facharbeiter (Wagner, 1996). Weiter zeigt sich, dass arbeitslose Personen sozialer Ungleichheit kritischer gegenüberstehen als erwerbstätige Personen (Hadjar, 2008;Lux, 2011) und sich eher eine Reduktion der Einkommensunterschiede wünschen (Roller, 2016). ...
... Je höher das Bildungsniveau einer Person, desto kritischer scheint auch ihre Einstellung zu sozialer Ungleichheit zu sein (Lux, 2011;Noll & Christoph, 2004;Wagner, 1996 (Hadjar, 2008), Personen in sozialen Dienstleistungsberufen oder Facharbeiter (Wagner, 1996). Weiter zeigt sich, dass arbeitslose Personen sozialer Ungleichheit kritischer gegenüberstehen als erwerbstätige Personen (Hadjar, 2008;Lux, 2011) und sich eher eine Reduktion der Einkommensunterschiede wünschen (Roller, 2016). ...
... Alle Untersuchungen kommen zum Schluss, dass Frauen sozialer Ungleichheit kritischer gegenüberstehen als Männer (Hadjar, 2008;Lux, 2011;Noll & Christoph, 2004;Wegener & Liebig, 1998, 2010 Tabelle B6: Affirmativ-legitimierende Einstellung, Ergebnisse der linearen Regressionen pro Jahr Tabelle B7: Kritisch-egalitäre Einstellung, Ergebnisse der linearen Regressionen pro Jahr Anhang C: Syntax Syntax 1: Operationalisierung SOEP ******************************************************************************** ********* Masterarbeit: Einstellung gegenüber sozialer Ungleichheit ************ ******************************************************************************** *********************** Berechnung Gini-Koeffizient **************************** ****************************************************************************** ********************************** *** Pro Jahr Gesamtdeutschland *** ********************************** gen gini0_bg = . gen gini0_ng = . ...
... Zunächst ist hinsichtlich des gesellschaftlichen Ausmaßes verschiedener Legitimationsprinzipien festzuhalten, dass Ungleichheit in marktorientierten, industrialisierten Staaten offenbar insbesondere auf Basis des Prinzips der Chancengleichheit bzw. des meritokratischen Prinzips weithin und zeitlich auch relativ stabil akzeptiert wird (Mau 1997;Noll/Roberts 2003;Watermann 2003;Hadjar 2008 (Wegener 1992, 269). Die Akzeptanz sozialer Ungleichheit ist eine Voraussetzung für eine »normative Ordnung« (Parsons 1968(Parsons [1937), die also durch eine bewusste Orientierung an Normen gekennzeichnet ist und eine hohe Systemstabilität aufweist. ...
... Becker/Hadjar 2009). Die besondere Bedeutung des meritokratischen Prinzips in marktorientierten, kapitalistischen Gesellschaften ergibt sich daraus, dass dieser Gesellschaftstypus durch Arbeitsteilung und einen (marktbasierten) Austausch von Produkten und Wettbewerb gekennzeichnet ist(Meulemann 2004;Hadjar 2008). Da das meritokratische Prinzip auf eine Stärkung legitimer Merkmale (Ausbildung, Noten) zum Statuserwerb abzielt und somit Bildung in dessen Zentrum steht, zeigt sich eine besondere Nähe zu modernen (Bildungs-) Gesellschaften, die von einer Bildungsexpansion und einer zunehmenden individuellen und gesellschaftlichen Bedeutung von Bildung gekennzeichnet sind (vgl.Hadjar/Becker 2006).Die Akzeptanz sozialer Ungleichheit und die Legitimation der gesellschaftlichen Ordnung sind eng verbunden, wobei Legitimität hier nachLevi et al. (2009, 356) als »a sense of obligation or willingness to obey authorities« definiert werden soll. ...
... In einer ländervergleichenden Studie von Delhey (1999) fand das meritokratische Prinzip in Deutschland und Österreich als konservativkorporatistischen Wohlfahrtsstaaten eine mittlere Akzeptanz, während es in den USA, Neuseeland und Bulgarien besonders stark und in Slowenien, Ungarn und Norwegen besonders schwach ausgeprägt war.Aber aufgrund welcher sozioökonomischen Merkmale unterscheiden sich Gruppen oder Individuen in ihrer Akzeptanz sozialer Ungleichheit? Im Hinblick auf das Bildungsniveau zeigt sich in multivariaten Betrachtungen(Hadjar 2008) unter Kontrolle der Klassenlage als Variable des sozioökonomischen Status, dass Niedriggebildete eine höhere Akzeptanz sozialer Ungleichheit auf Basis des meritokratischen Legitimationsprinzips aufweisen. Damit wird die Annahme empirisch gestützt, dass mit einem steigenden Bildungsniveau die Akzeptanz sozialer Ungleichheit sinkt. ...
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Ob Finanz-, Pflege- oder Bildungskrise – aktuelle Krisen bergen das Potenzial, die Legitimität von Herrschaft zu verändern. Die Stabilität von Legitimationsmustern ist gesellschaftlich, politisch und wissenschaftlich umkämpft und historisch jeweils neu zu reflektieren: Werden Formen der Legitimation etwa von Demokratie, Leistung, sozialen Ungleichheiten und Wahrheits- oder Herrschaftsansprüchen brüchig? Entstehen in Krisendiskursen neue Deutungshorizonte oder gewinnen bislang als selbstverständlich akzeptierte Rechtfertigungsmuster an neuer Überzeugungskraft? Die Beiträge des Bandes untersuchen die Herausbildung und den Verlauf von Bruchlinien der Rechtfertigung in so unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Wirtschaft und Arbeit, Bildung, Wissenschaft und Medien.
... There is growing evidence that large economic inequalities may also lead to political inequalities, thus affecting the potential of democracy to equitably represent the voices of the citizenry (American Political Science Association, 2004;Putnam, 2015;Verba et al., 1987). Merit has become a much-prevailing criterion for assigning goods and rewards in contemporary society (Hadjar, 2008). Meritocracy was a concept sarcastically coined by Michael Young to describe a social system in which rewards are allocated primarily based on merit, that is, talent and effort (Young, 1962). ...
... In more open and democratic societies, where talent and effort are the basis to justify inequalities, the reproduction of elites faces new challenges (Hadjar, 2008). Those +who acquired privileged positions for reasons other than merit suffer increasing pressure to demonstrate the talents that are expected from such positions (Khan, 2011). ...
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Democracy’s normative foundation is political equality. Yet the dominance of the elite over the masses, and the systematic exclusion of particular social and economic groups from the influence on, and outcomes of, important decisions, manifests in political inequality. If this situation is normatively intolerable, why does political inequality endure? We build on the theoretical and empirical literature of politics and inequality and the collection of articles in this special issue to argue that the reproduction of political inequality within and across nations and time results from two key interrelated mechanisms: elite coordination and mass discoordination. We discuss how these mechanisms shape patterns of contestation and participation that reproduce inequalities in both old and new democraciesamer
... Ostdeutsche, Frauen, Jüngere, Personen, die sich eher niedrigeren Schichten zuordnen, und höher Gebildete weisen demnach geringere Zustimmung als die entsprechenden Vergleichsgruppen auf. Der zunächst widersprüchlich wirkende Bildungseffekt der tendenziellen Zunahme kritisch-egalitärer Einstellungen wird von Hadjar (2008Hadjar ( , 2015 mit den höheren kognitiven Fähigkeiten zur Infragestellung von gesellschaftlichen Verhältnissen erklärt. Daneben zeigt sich aber auch, dass die Zustimmung zu einer bedürftigkeitsorientierten Einkommensverteilung (Bedarfsgerechtigkeit) in den letzten Jahren angestiegen ist. ...
... Daneben zeigt sich aber auch, dass die Zustimmung zu einer bedürftigkeitsorientierten Einkommensverteilung (Bedarfsgerechtigkeit) in den letzten Jahren angestiegen ist. Als Gründe für diese Zunahme an kritisch-egalitären Einstellungen werden die Mindestlohndebatten, die Ausweitung des Niedriglohnsektors (Noll und Wieck 2012, S. 8) sowie kognitiver Mobilisierung im Zuge der Bildungsexpansion (Hadjar 2008) vermutet. ...
Chapter
Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass kritische Einstellungen gegenüber den zentralen Verteilungsprinzipien zur Legitimierung sozialer Ungleichheit und ihrer Umsetzung vor allem mit dem schulischen Bildungsniveau zunehmen. Offen ist bisher, ob dieser Zusammenhang zumindest teilweise auf das Niveau politischen Wissens zurückzuführen ist und ob von politischem Wissen ein direkter Effekt auf Einstellungen gegenüber sozialer Ungleichheit ausgeht. Politisches Wissen stellt eine kognitive Ressource dar, auf deren Grundlage ein tiefer gehendes Verständnis zentraler Verteilungsprinzipien entwickelt und Verteilungsergebnisse kritischer bewertet werden könnten. Besonders für Menschen in vergleichsweise schlechter sozialer Lage, welche tendenziell weniger auf Fähigkeiten und Kompetenzen zurückgreifen können, welche im Rahmen von schulischer Bildung erworben wurden, könnte politisches Wissen entsprechende Einstellungsrelevanz besitzen. Erwartet wird daher, dass politisches Wissen den Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und Einstellungen gegenüber sozialer Ungleichheit moderiert. Die durchgeführten Analysen zeigen, dass der postulierte Moderationseffekt politischen Wissens nur vereinzelt nachgewiesen werden kann. Für das untersuchte allgemeine politische Faktenwissen kann daher nicht von einem moderierenden Effekt auf den Zusammenhang von sozialer Lage und Einstellungen gegenüber sozialer Ungleichheit ausgegangen werden.
... There is growing evidence that large economic inequalities may also lead to political inequalities, thus affecting the potential of democracy to equitably represent the voices of the citizenry (American Political Science Association, 2004;Putnam, 2015;Verba et al., 1987). Merit has become a much-prevailing criterion for assigning goods and rewards in contemporary society (Hadjar, 2008). Meritocracy was a concept sarcastically coined by Michael Young to describe a social system in which rewards are allocated primarily based on merit, that is, talent and effort (Young, 1962). ...
... In more open and democratic societies, where talent and effort are the basis to justify inequalities, the reproduction of elites faces new challenges (Hadjar, 2008). Those +who acquired privileged positions for reasons other than merit suffer increasing pressure to demonstrate the talents that are expected from such positions (Khan, 2011). ...
Article
We analyze economic elites’ perceptions and beliefs about meritocracy from a moral economy perspective. A moral economy perspective considers how norms and beliefs structure socioeconomic practices through the constitution and expression of what is considered acceptable, proper, and legitimate. Our study explores how economic elites make sense of the roles of talent and effort in the distribution of resources and how they reconcile the idea of meritocracy within a rigid social order. The site of our study is Chile, a country with fluid mobility between low and middle classes, but with high and persistent disparities and strong barriers to elite positions. We conducted 44 semistructured interviews with shareholders, board members, and high-level executives of large or high-turnover companies in three major Chilean cities. We find that the economic elite strongly support meritocracy but explain access to top positions based on talent rather than effort. The economic elite define talent in terms of business and leadership skills. They attribute upward mobility in the private sector to meritocratic practice. At the same time, they view the public sector as the epitome of nonmeritocratic practices, incompetence, and inefficiency. They profess empathy with the poor, but they reject redistributive policies. The economic elite believe in the primacy of competition in economic life and the necessity of continual economic growth, and thus, they understand meritocracy as both the means to survive in a market economy and a responsible approach to lead national development.
... There is growing evidence that large economic inequalities may also lead to political inequalities, thus affecting the potential of democracy to equitably represent the voices of the citizenry (American Political Science Association, 2004;Putnam, 2015;Verba et al., 1987). Merit has become a much-prevailing criterion for assigning goods and rewards in contemporary society (Hadjar, 2008). Meritocracy was a concept sarcastically coined by Michael Young to describe a social system in which rewards are allocated primarily based on merit, that is, talent and effort (Young, 1962). ...
... In more open and democratic societies, where talent and effort are the basis to justify inequalities, the reproduction of elites faces new challenges (Hadjar, 2008). Those +who acquired privileged positions for reasons other than merit suffer increasing pressure to demonstrate the talents that are expected from such positions (Khan, 2011). ...
Article
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In recent decades, many countries ranging from quasidemocratic regimes to well-established democracies have faced democratic backsliding. In this study, we draw on Foa and Mounk and other related literature to examine the effects of regime delegitimation on democratic backsliding, focusing on youth’s trust in political institutions—parliament, legal systems, and political parties—relative to trust of the older population. We use an unbalanced panel data set that combines a country-year indicator of liberal democracy from the Varieties of Democracy project with aggregate survey-based measures of absolute and relative institutional trust from the Survey Data Recycling database; the data set covers 46 countries from 2009 to 2017. We find that the ratio of youth’s institutional trust to that of older persons has a substantive effect on the quality of liberal democracy in the future, and that the effect is amplified by the relative size of the youth population.
... These educational differentials translate into differences in overall life chances. In societies that subscribe to a meritocratic ideal, education serves as a legitimating factor for unequal access to prestigious jobs and as such to social status (Bourdieu and Passeron 1970;Jencks et al. 1972;Bowles and Gintis 1976;Meyer 1977;Hadjar 2008;Becker and Lauterbach 2013). People with a lower educational background face more difficulties on the job market, leading to various adversities such as unemployment or poverty ( While the use of rational choice theory has been very widespread and successful in explaining the disadvantage of lower class children in particular (Boudon 1974;Erikson and Jonsson 1996, 199;Becker and Hecken 2007), the individual-deficit approach has failed to find evidence that the disadvantage of minority and lower-class students can be explained by their deficits (McKay and Devlin 2016). ...
... Explizite herkunftsgebundene Privilegien werden normativ deutlich zurückgewiesen. Neben diesen klaren normativen Mustern zeigt sich auch ein relativ stabiler, wenn auch sozial differenzierter Glaube an die faktische Geltung des Leistungsprinzips in der Gesellschaft, also daran, dass es in der Praxis tatsächlich zur Anwendung kommt (Hadjar 2008). Jenseits von allgemeinen Aussagen bleibt häufig allerdings relativ unbestimmt, was in konkreten Situationen genau unter «Leistung» verstanden wird (Bills 2019; Hillmert 2019). ...
Article
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Current research on the promotion of vocations focuses mainly on best practices of institutionalized vocational guidance as well as on individually constructed images of voca- tions. In contrast, this article deals with the question, how occupational associations – as collective actors – diffuse vocations and, thus, inscribe them into cultural memory. Based on the analysis of recruiting videos, the article identifies different promotion strategies, and sheds light on different thought patterns and exclusive mechanisms.
... Trotz vielfältiger Reformbemühen zeigen verschieden Studien, dass Schüler*innen unterschiedlicher sozialer Herkunft nach wie vor nicht die gleichen Chancen für einen bestimmten Bildungsabschluss besitzen (vgl. R.Becker & Lauterbach, 2016;Hadjar, 2008;Hillmert, 2016; Kristen & Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, 1999). Der sozioökonomische Hintergrund ist die Determinante oder Inputvariable der Bildungsungleichheit (vgl. ...
... Trotz vielfältiger Reformbemühen zeigen verschieden Studien, dass Schüler*innen unterschiedlicher sozialer Herkunft nach wie vor nicht die gleichen Chancen für einen bestimmten Bildungsabschluss besitzen (vgl. R.Becker & Lauterbach, 2016;Hadjar, 2008;Hillmert, 2016; Kristen & Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, 1999). Der sozioökonomische Hintergrund ist die Determinante oder Inputvariable der Bildungsungleichheit (vgl. ...
Thesis
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Der familiäre Hintergrund hat nach wie vor einen grossen Einfluss auf den Bildungserfolg von Schüler*innen. Theorie und Empirie zeigen, dass die Bearbeitung von Bildungsungleichheit auf den verschiedenen Ebenen des Bildungssystems erfolgen kann und sowohl die Angebotsseite (Schule) als auch die Nutzungsseite (Schüler*innen) beachtet werden muss. Dabei haben sich insbesondere Selektions- und Förderprozesse, aber auch die Passung zwischen der Ausgestaltung der Schule und den Bedürfnissen der Schüler*innen als zentral erwiesen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ein theoretisches Modell zu entwickeln, welches aufzeigt, wo und wie im Bildungssystem Bildungsungleichheit (re-)produziert oder vermindert werden kann. Aufgrund dieses Modells werden mittels einer explorativen Fallanalyse exemplarisch für fünf Schulen potenzielle Chancen und Risikofaktoren, bezogen auf die Bearbeitung von Bildungsungleichheit identifiziert. Datengrundlage sind die quantitativen Befragungen mit Lehrpersonen (n = 126) und Schüler*innen der Klasen 4, 5 und 6 (n = 373), sowie Schulstatistiken und demographische Angaben. Die Ergebnisse zeigen, dass an allen Schulen das Schulklima, die Kompetenzüberzeugung der Schüler*innen sowie die Selbstwirksamkeit der Lehrpersonen bezogen auf die Unterstützung der Schüler*innen positiv eingeschätzt werden. Das kann als Chance für die Bearbeitung von Bildungsungleichheit interpretiert werden. Risikofaktoren, welche eine Reduktion der Bildungsungleichheit erschweren können, zeigen sich im Bereich der Bildungserwartungen. An allen Schulen lassen sich Zusammenhänge zwischen dem soziokulturellen Hintergrund und den Bildungsaspirationen der Schüler*innen identifizieren. Bezüglich der wahrgenommenen Unterstützung unterscheiden sich die Schulen. In zwei der untersuchten Schulen fühlen sich Schüler*innen mit problematischem Hintergrund weniger unterstützt, als Schüler*innen aus soziokulturell besser gestellten Familien. In drei der Schulen zeigt sich kein Zusammenhang und in einer Schule fühlen sich Schüler*innen mit Migrationshintergrund besser unterstützt, als Kinder ohne Migrationshintergrund. Je nach Schule kann somit der Zusammenhang zwischen dem familiären Hintergrund und der wahrgenommenen Unterstützung als Chance oder Risiko identifiziert werden. Innerhalb der Schulen nehmen die Lehrpersonen verschiedenste Aspekte mehrheitlich divergent wahr. Dieser Befund ist bedeutsam, da eine geteilte Wahrnehmung eine bedeutende Basis für eine gezielte Weiterentwicklung der Schule und ein Merkmal von professionellen Lerngemeinschaften darstellt (vgl. Bonsen & Rolff, 2006; Holtappels, 2010; Rolff, 2014a). Insgesamt zeigt sich, dass an allen Schulen Chancen und Risiken für die Bearbeitung von Bildungsungleichheit identifiziert werden können, die fünf Schulen jedoch unterschiedliche Muster aufweisen.
... • Lower class and minority children attain lower educational degrees and have lower opportunities on the labour market as well as general life chances (e.g., Becker, 2011;Boudon, 1974;Hadjar, 2008). • Previous research suggests that social class has a higher impact on the educational attainment of men than for women (e.g., Becker and Müller, 2011) ⇒ intersectionality. ...
Poster
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The poster summarises a study dealing with the question of whether teachers discriminate against lower class and minority children when making track recommendations (for secondary school). The data were collected using a factorial survey that was distributed to teachers in Bern, Switzerland. Results show that teachers are indeed influenced by factors such as social and migration background and that boys and girls are treated differently. It seems that this is especially disadvantageous for boys.
... Das Bildungswesen als soziale Institution legitimiert somit auch gesellschaftliche Ungleichheiten, wobei dem Grundgedanken der (bestehenden) Leistungsgerechtigkeit im Sinne von Meritokratie eine wichtige legitimierende Funktion zukommt (vgl. Solga, 2005;Hadjar, 2008). Langfristig steht das Bildungswesen vor der Herausforderung einer dauerhaften Sicherung seiner gesellschaftlichen Legitimation, die es teilweise durch die Etablierung spezifischer Wahrnehmungs-und Deutungsmuster -unter anderem durch deren Vermittlung in den beteiligten Organisationen wie Schulen und Hochschulen (Bourdieu, 2001(Bourdieu, [1967)erreichen kann, teilweise aber auch nur durch eine Anpassung an politische Vorgaben oder gewandelte gesellschaftliche Normen und Rahmenbedingungen. ...
... Ungleichheit ist eng mit gesellschaftlicher Legitimität verbunden, die unabdingbar für die Stabilität der gesellschaftlichen Ordnung ist, denn wenn die Ordnung nicht als gerecht akzeptiert wird, kann sie nur eine "faktische Ordnung" im strukturfunktionalistischen Sinne von Parsons (1968Parsons ( [1937) sein, die nur unter Zwang fortbestehen kann und die "zusammenbricht, wenn der Zwang zusammenbricht" (Wegener 1992, S. 269). Eine auf geteilten Werthaltungen basierende Akzeptanz sozialer Ungleichheit ist Voraussetzung für eine "normative Ordnung" (Parsons 1968(Parsons [1937), die durch eine bewusste Orientierung an Normen gekennzeichnet ist und einen stabilen Charakter hat (Hadjar 2008 Boudon (1974) oder Bourdieu (1982) auf (Hadjar und Gross 2016). Das klassische Modell der primären und sekundären Herkunftseffekte von Boudon (1974) Hadjar und Scharf 2018). ...
... zuletzt aufgerufen am 09.03.2020. Die Gewährleistung eines gleichberechtigten Zugangs zu Bildung ist von besonderer Bedeutung für die Ermöglichung sozialer Mobilität und Verbesserung der Chancengleichheit in einer Gesellschaft(Piketty 2014, S. 305 f.;Hadjar 2008). Diverse Studien zeigen, dass es vor allem auf dem Niveau höherer Bildungsabschlüsse zu einer Abnahme der Bedeutung der sozialen Herkunft kam (für Österreich siehe Knittler 2011). ...
Chapter
Zentrale Merkmale des kleinbürgerlichen Habitus sind auf die Aufstiegsorientierung bzw. Abstiegsängste in der gesellschaftlichen Mitte zurückzuführen, die sich in sozial distinkten Bildungsstrategien, kulturellen Praktiken, Ernährung, Sport, politischer Haltung, Werten und Geselligkeitsformen ausdrücken. Der Beitrag analysiert die mit Bewunderung, Verachtung und Scham affektiv aufgeladenen Aufstiegs- bzw. Abstiegsvorstellungen als „signature fantasies“ der Mittelklassen, die nicht nur Leistungsanforderungen, Statusarbeit und Privilegien, sondern auch Enttäuschung und Erschöpfung am Weg nach oben mit Bedeutung versehen.
... El concepto más utilizado hoy en día para la legitimidad de esta práctica de evaluación y control es la meritocracia. Esto, por los gobiernos neoliberales es "el marco ideológico en el que el mercado y las desigualdades producidas por el se hacen aceptable e incluso deseable, mientras los sistemas de evaluación estandarizada y cuantitativa introducen al mercado en la escuela, aunque sin nombrarlo" (Borelli, 2013:10, nuestra traducción (Hadjar, 2008). Como dice Michael Young (1958), el inventor de esta expresión, la meritocracia refuerza las jerarquías y las élites existentes, garantizando la justeza de sus privilegios, mientras debilita el poder de los que se les oponen. ...
... Education, as a legitimating factor ( Bourdieu and Passeron, 1970;Hadjar, 2008), plays a crucial role in enabling access to unequally prestigious jobs and as such; to social status ( Jencks et al., 1972;Bowles and Gintis, 1976;Meyer, 1977;R. Becker and Lauterbach, 2013). ...
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This article uses factorial survey experiments on track recommendations for secondary school to analyze whether teachers evaluate children differently depending on their social origin and ethnic background. The results are suggestive of a disadvantage for lower class minority boys, but not girls.
... Wie gesehen, sind die Chancen für Bildungsteilhabe und Erwerb von Bildungszertifikaten auch in der Schweiz ungleich verteilt: Sie lassen sich nicht ausschliesslich durch individuelle Leistungen erklären, sondern sind stark vom sozioökonomischen Hintergrund abhängig. Die Folgen für Individuum und Gesellschaft -von Bildungsarmut bis zur Kumulation leistungsfremder Privilegien -machen in der Schweiz wie in anderen europäischen Ländern die Mayer & Müller, 1976;Hadjar 2008), bestätigt sich auch in dieser Studie, dass die Eltern aus unteren Sozialschichten die soziale Selektivität der Übertritte nicht infrage stellen, während die sozial privilegierten Eltern eher Ungerechtigkeiten des Verfahrens wahrnehmen. ...
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Fragen zu Bildungsungleichheit und Gerechtigkeit gehören inzwischen zu den zentralen Forschungsgebieten der Bildungsforschung, weil sie sowohl wissenschaftliche als auch gesellschaftliche und politische Herausforderungen darstellen. Obwohl das Thema nun seit längerem auf der tagespolitischen Agenda steht, fehlt es immer noch am kontinuierlichen wie umfassenden Austausch zwischen der Fachwissenschaft auf der einen Seite und der Bildungsadministration sowie -planung auf der anderen Seite. Vor diesem Hintergrund wurde der SGBF-Kongress vom 2. bis zum 4. Juli 2012 durch das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Bern im Auftrag der Schweizerischen Gesellschaft für Bildungsforschung (SGBF) in Bern durchgeführt. Mit diesem Kongressband liegen nun die Hauptreferate in gedruckter Form vor. Der Band zeigt die Vielfalt an verschiedenen Zugangsweisen zum Kongressthema, die derzeit verfolgten Forschungsfragen und repräsentiert die vielseitigen Perspektiven, welche am Kongress vorgetragen und diskutiert wurden. Das Institut für Erziehungswissenschaft dankt der Universität Bern, dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und den Kooperationspartnern wie der Pädagogischen Hochschule Bern (PHBern), der Schweizerischen Gesellschaft für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (SGL) und dem Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) für ihre Unterstützung. Zu grossem Dank sind wir auch den folgenden Institutionen verpflichtet, die den Kongress finanziell unterstützt haben: Die PHBern, die Schweizerische Gesellschaft für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (SGL), die Stiftung Mercator Schweiz, der Schweizerische Nationalfonds (SNF), die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW), die Fondation Johanna Dürmüller-Bol und der Lotteriefonds Kanton Bern. Der Kongress wäre ohne die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern und dem Kongresskomitee, ohne die Unterstützung durch die Universität Bern und ohne die grosszügige Hilfe der Sponsoren nicht durchführbar gewesen. Grosser Dank für ihre Hilfe bei der Durchführung des Kongresses gebührt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Bern. Hierbei danke ich besonders Thomas Bühler, Patrick Bühler und Raphael Steinhöfel, ohne deren professionelle Arbeit und den nimmermüde werdenden Einsatz bei der Konzeption, Organisation und Administration der Kongress nicht hätte stattfinden können. Sowohl die Organisation der Konferenz als auch die Redaktion des Tagungsbands wären ohne die Hilfe und Expertise Fabian Schmids nicht möglich gewesen. Bern, im Frühjahr 2013 Rolf Becker
... Das Bildungswesen als soziale Institution legitimiert somit auch gesellschaftliche Ungleichheiten, wobei dem Grundgedanken der (bestehenden) Leistungsgerechtigkeit im Sinne von Meritokratie eine wichtige legitimierende Funktion zukommt (vgl. Solga, 2005;Hadjar, 2008). Langfristig steht das Bildungswesen vor der Herausforderung einer dauerhaften Sicherung seiner gesellschaftlichen Legitimation, die es teilweise durch die Etablierung spezifischer Wahrnehmungs-und Deutungsmuster -unter anderem durch deren Vermittlung in den beteiligten Organisationen wie Schulen und Hochschulen (Bourdieu, 2001(Bourdieu, [1967)erreichen kann, teilweise aber auch nur durch eine Anpassung an politische Vorgaben oder gewandelte gesellschaftliche Normen und Rahmenbedingungen. ...
... La lógica meritocrática ha adquirido amplia validez en la actualidad, y la ciudadanía frecuentemente cree que prevalece en sus países (Duru-Bellat & Tenret, 2012). Varios trabajos discuten su relevancia porque se erige como un principio legitimador de desigualdad, justificando así diferencias en la estructura social al resaltar el rol del individuo en la producción de su destino (Hadjar, 2008;Atria et al., 2019). La escuela tiene un papel central en estas preocupaciones, dada su relevancia formativa de individuos y su (in)capacidad de abstraerlos de las ventajas y desventajas del origen (Bayer & Wohlkinger, 2016). ...
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Este artículo aborda la construcción y reproducción de privilegios en la mirada de hombres y mujeres de élite en Santiago de Chile. Basándose en 24 entrevistas semiestructuradas realizadas a madres y padres de cinco prestigiosos colegios, se presentan tres dimensiones del privilegio que configuran distintas actitudes hacia la riqueza: remisión al pasado familiar, aprovechamiento de oportunidades, y actitud de naturalidad. Así entendido, el privilegio incide en la selección de un determinado establecimiento educativo, aunque este adquiere distintas comprensiones en cada uno. El artículo releva la importancia de la construcción de privilegios como clave para expandir la investigación sobre las élites y la reproducción de desigualdades. / This paper deals with the process of construction and reproduction of privilege as seen by elite members in Santiago de Chile. Based on 24 semi-structured interviews with school parents of five prestigious high-schools, we present three dimensions of privilege, which specify different attitudes towards wealth: reference to family history, taking advantage of opportunities, and an attitude of ease. Thus, we show the influence of privilege on school choice, though schools understand it in different ways. This paper asserts the importance of privilege creation as a crucial process to expand elite research and the ways inequality is reproduced.
... These educational differentials translate into differences in overall life chances. In societies that subscribe to a meritocratic ideal, education serves as a legitimating factor for unequal access to prestigious jobs and as such to social status (Bourdieu and Passeron 1970;Jencks et al. 1972;Bowles and Gintis 1976;Meyer 1977;Hadjar 2008;Becker and Lauterbach 2013). People with a lower educational background face more difficulties on the job market, leading to various adversities such as unemployment or poverty (Quenzel and Hurrelmann 2010; Kristen et al. 2011;Duncan and Murnane 2011). ...
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Using a factorial survey experiment, we investigate whether teachers discriminate against lower class and minority children. The vignettes include information on the pupil’s gender, social and ethnic origin, academic potential, motivation, behaviour in class as well as parental educational aspirations. While the discrimination hypotheses are not supported, we find gender-specific effects of challenging behaviour, to the disadvantage of girls. Both the usefulness as well as potential pitfalls of the factorial survey approach are discussed.
... Explizite herkunftsgebundene Privilegien werden normativ deutlich zurückgewiesen. Neben diesen klaren normativen Mustern zeigt sich auch ein relativ stabiler, wenn auch sozial differenzierter Glaube an die faktische Geltung des Leistungsprinzips in der Gesellschaft, also daran, dass es in der Praxis tatsächlich zur Anwendung kommt (Hadjar 2008). Jenseits von allgemeinen Aussagen bleibt häufig allerdings relativ unbestimmt, was in konkreten Situationen genau unter «Leistung» verstanden wird (Bills 2019;Hillmert 2019). ...
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In an experimental vignette study, the respondents were asked to decide whether college applicants should be credited with a bonus or malus on the admission grade, for example due to their migration background, social origin, or effort. The results show that dimensions of social educational inequality tend to be considered in the direction of compensation. Hence, there is evidence of a certain legitimacy of measures in the sense of positive discrimination in university access.
... HelmutHeid (2012); welche Implikationen in dem Konzept enthalten sind (z.B. Naturalisierung von Begabung) fragen Soziolog*innen wie HeikeSolga (2005) und AndreasHadjar (2008), und wie Schüler*innen dazu gelangen, sich selbst als leistungsstark, -willig, -motiviert oder auch leistungsschwach zu inszenieren, fragen -allerdings erst neuerdings -Schulethnograf*innen wie z.B. GeorgBreidenstein (2012) oder Kers tinRabenstein et al. (Rabenstein, Reh, Steinwand, Breuer 2014). ...
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Unterschiedliche Perspektiven auf Vielfalt in der frühen Kindheit zu beleuchten und Möglichkeiten auszuloten, wie mit Kindern gemeinsam dazu geforscht werden kann, sind Anstoß und Ziel dieser Publikation. Es wird auf Wissensbestände und Wissensbezüge Bezug genommen, die sich im Kontext von früher Kindheit und Diversität entwickelt und etabliert haben und der Erläuterung unterschiedlicher Methoden und konkreter Erfahrungen Beachtung geschenkt, mit ihnen Perspektiven auf Diversität zu erforschen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Beschreibung und Reflexion des Forschens mit Kindern. Das Buch richtet sich zum einen an Studierende und Forschende der Erziehungswissenschaft und ihrer Nachbardisziplinen. Ihnen gibt es einen Einblick in grundlegende theoretische Rahmungen hinsichtlich der Themenhorizonte Kindheit, Kindheitsforschung und Diversität und stellt Methoden des Forschens, die den aktiven Einbezug von Kindern ermöglichen, in konzentrierter Weise vor. Darüber hinaus vermittelt es Fachkräften der Elementarpädagogik und Organsisationsleitungen einen Eindruck von Methoden(-reflexionen) und Vorgehensweisen des Forschens mit Kindern und kann ihnen Unterstützung im Rahmen von Entscheidungsprozessen über die Beteiligung an Forschungsprojekten sein. (DIPF/Orig.)
... Explizite herkunftsgebundene Privilegien werden normativ deutlich zurückgewiesen. Neben diesen klaren normativen Mustern zeigt sich auch ein relativ stabiler, wenn auch sozial differenzierter Glaube an die faktische Geltung des Leistungsprinzips in der Gesellschaft, also daran, dass es in der Praxis tatsächlich zur Anwendung kommt (Hadjar 2008). Jenseits von allgemeinen Aussagen bleibt häufig allerdings relativ unbestimmt, was in konkreten Situationen genau unter «Leistung» verstanden wird (Bills 2019;Hillmert 2019). ...
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Zusammenfassung: In einer experimentellen Vignettenstudie sollten die Befragten darüber entscheiden, ob Studienbewerber(innen) beispielsweise aufgrund ihres Migrationshinter grunds, ihrer sozialen Herkunft oder Anstrengung jeweils einen Bonus oder Malus auf die Zulassungsnote angerechnet bekommen sollen. Die Ergebnisse zeigen, dass Dimensionen sozialer Bildungsungleichheit tendenziell in Richtung einer Kompensation berücksichtigt werden. Damit gibt es Hinweise auf eine gewisse Legitimität von Massnahmen im Sinne positiver Diskriminierung beim Hochschulzugang. Schlüsselwörter: Gerechtigkeit, soziale Ungleichheit, Hochschulzulassung, Studierende, Vig net tenstudie Legitimacy of GroupSpecific Support for College Access-Results of an Experimental Vignette Study Abstract: In an experimental vignette study, the respondents were asked to decide whether college applicants should be credited with a bonus or malus on the admission grade, for example due to their migration background, social origin, or effort. The results show that dimensions of social educational inequality tend to be considered in the direction of com pensation. Hence, there is evidence of a certain legitimacy of measures in the sense of positive discrimination in university access.
... El concepto de meritocracia se utiliza para caracterizar contextos en los cuales los beneficios y recompensas se distribuyen de acuerdo a esfuerzo y talento individual (Young, 1961). Esta idea ha sido asociada a procesos de legitimación de desigualdad, ya que en sociedades modernas las diferencias de estatus encontrarían (al menos en parte) justificación en los méritos individuales (Hadjar, 2008). ...
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La opinión pública y las preferencias redistributivas de los ciudadanos han ganado una renovada atención en el estudio de reformas institucionales. Ellas aparecen como un termométro social que indica la temperatura de la sociedad respecto de la temática de la desigualdad y la demanda ciudadana por bienestar (Soroka & Wlezien, 2009). Junto a ello, la opinión pública también juega el rol de un actor que puede tanto promover como bloquear cambios a las reglas del juego en una sociedad (Jensen & Naumann, 2016; Pierson, 1996 ). Junto a las preferencias redistributivas, otro ámbito de estudio relacionado con las actitudes hacia la desigualdad es el de la meritocracia. El concepto de meritocracia se utiliza para caracterizar contextos en los cuales los beneficios y recompensas se distribuyen de acuerdo a esfuerzo y talento individual (Young, 1961). Esta idea ha sido asociada a procesos de legitimación de desigualdad, ya que en sociedades modernas las diferencias de estatus encontrarían (al menos en parte) justificación en los méritos individuales (Hadjar, 2008). El objetivo del presente texto es documentar la evolución reciente de las preferencias redistributivas de la ciudadanía en Chile. Junto a ello, también presentamos evidencia sobre actitudes respecto de la meritocracia, en tanto principio legitimador de diferencias en las sociedades actuales. Para ello, analizamos datos agregados y encuestas de opinión pública que representan la información de mejor calidad existentes en el país en términos de representatividad de la población y comparación internacional. Los análisis que presentamos pretenden aportar elementos para la discusión sobre las demandas sociales en el Chile actual desde el punto de vista de la opinión pública. Además, discutimos algunas señales de la opinión pública que indican algunos caminos que podrían servir para satisfacer la demanda por redistribución en la ciudadanía.
... Heike Solga (2005) führt dies auf die historisch gewachsene und gesellschaftlich tief verankerte Prämisse zurück, nach der das deutsche Bildungssystem meritokratisch ausgestaltet sei und in der kollektiven Vorstellung somit nicht die soziale Herkunft, sondern die individuelle Leistungsfähigkeit die Grundlage für die unterschiedlichen Selektions-und Klassifikationsprozesse bilde. Auch wenn vielfältige erziehungs-und sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse die vorgebliche Rationalität meritokratischer Selektion und Rekrutierung eindrucksvoll widerlegt und so das Konzept der Meritokratie als Illusion enthüllt haben, konnte die Relevanz der Meritokratie als Legitimationsmuster sozialer Ungleichheit bislang nicht gebrochen werden -zu fest ist die Ausgestaltung des Bildungssystems als prägender Bestandteil der Sozialstruktur in Deutschland etabliert (Hadjar 2008;Becker/Hadjar 2017). ...
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Zusammenfassung Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird derzeit vielerorts als Lösung für zahlreiche sozialpolitische Probleme diskutiert. Die institutionelle Analyse zeigt jedoch, dass die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens die bestehenden sozialen Sicherungssystemen unterminieren und die gesellschaftlichen Machtverhältnisses zuungunsten der Beschäftigten verschieben würde. Systemimmanente Reformen sind daher die politisch realistischere und normativ angemessenere Option. Summary Many people claim that a universal basic income would be a suitable answer to the growing social insecurity. An institutional analysis of the UBI illustrates the ambivalence of such a radical reform step: A UBI would rather contribute to the erosion of the existing social security systems and impair the labour movement’s societal power. Therefore, inbuilt changes that social associations and unions suggest appear to be a politically realistic and normatively adequate option.
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In dem Forschungsprojekt geht es um die Frage nach langfristigen Wirkungen der Integration von Immigrantenkindern und von traditionell separiert unterrichteten, sog. lernbehinderten' Kindern in Regelklassen. Konkret wird versucht eine empirisch fundierte Antwort auf folgende Fragestellung zu formulierten: "Wie wirken sich Integrationserfahrungen in der Schulzeit von Kindern mit bzw. ohne Migrationshintergrund und/ oder mit bzw. ohne Schulleistungsschwächen auf deren soziale und berufliche Situation im frühen Erwachsenenalter aus?" Die aus der Theorie und Empirie abgeleiteten Hypothesen gehen davon aus, dass sich Integrationserfahrungen während der Schulzeit positiv auf die soziale und berufliche Situation im jungen Erwachsenenalter auswirken. Von dieser Hoffnung ist die umfangreiche programmatische Literatur zur 'Integrationspädagogik' und 'Interkulturellen Pädagogik' geprägt. Die hohen Erwartungen an langfristige Effekte der schulischen Integration können sich jedoch bisher nicht auf eine ausreichende Basis von empirischen Untersuchungen stützen und bleiben weitgehend spekulativ. Das diesbezügliche Forschungsdefizit erklärt sich insbesondere daraus, dass Längsschnittstudien über die erforderliche Dauer von mindestens acht bis zehn Jahren im europäischen und amerikanischen Wissenschaftsbetrieb äußerst selten möglich sind. Das laufende SNF-Projekt nutzt die Vorteile eines Längsschnittdesign und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur Schiessung dieser Lücke in der Integrationsforschung. Für den theoretischen Rahmen des weit gefassten Untersuchungsvorhabens in einem von gesellschaftlichen Widersprüchen geprägten Forschungsfeld erweist sich kein homogenes und gradliniges Theorienkonglomerat als angemessen. Im Schwerpunkt "soziale Integration" wird hauptsächlich mit drei Theorierichtungen gearbeitet. Es sind dies bezugsgruppentheoretische Überlegungen, die Kontakttheorie und der Desintegrationsansatz. Die Forschungsbemühungen im Schwerpunkt "berufliche Integration" stützen sich auf Überlegungen aus der Stigma-Theorie und der Theorie zur Institutionellen Diskriminierung. Das laufende Projekt ist Teil des Forschungsprogramm 'IntSep' des Heilpädagogischen Instituts der Universität Freiburg/ CH, welches seit ungefähr 30 Jahren Untersuchungen zur Integrationsthematik durchführt. Im Rahmen dieses Forschungsprogramms wurden wichtige Erkenntnisse zur schulischen Integration von Kindern mit besonderem Förderbedarf gewonnen. Das laufende Nationalfondsprojekt reiht sich ein in diese Forschungstradition und erhofft sich von den Ergebnissen wichtige Impulse für die Schule von Morgen. Projekthomepage: http://www.schule-integration.ch/ .
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Im vorliegenden Beitrag wird den Verbindungen zwischen Leistungsprinzip, individueller Lebensführung, gesellschaftlichem Fortschritt und sozialer Ungleichheit genauer nachgegangen. Dabei stehen die diskursiven Begründungslinien im Vordergrund: Welche Begründungslasten soll das Leistungsprinzip in der Moderne tragen, und kann es sie tatsächlich tragen? Eine meritokratische Legitimation sozialer Ungleichheiten erweist sich bei genauerem Hinsehen als brüchig und funktioniert nur als Selbstbetrug. Dies erweist insbesondere der Blick auf die Mittelschichten, die als Hauptträger des Leistungsprinzips diesbezüglich derzeit erheblichen Irritationen ausgesetzt sind.
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Objective This study analyzes which characteristics of pension recipients are taken into account when evaluating the fairness of pensions. Furthermore, it identifies some respondents’ characteristics and preferences that could be related to the justice evaluation of different pension amounts. Methods A factorial survey was designed to simultaneously analyze the association of respondents’ and recipients’ characteristics with the pensions’ justice evaluation. Results Findings indicate that although there is a consensual demand for larger pensions, it is still believed that pensions should be allocated primarily based on individual achievement. Conclusions Although in general, larger pensions are on average considered as more just, the justice criteria rely heavily on individual achievement over redistributive considerations, showing willingness to accept very low pensions for those considered not deserving them.
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Ziel des vorliegenden Artikels ist die Rehabilitierung von ‚Leistung‘ als relevantem Kriterium im Diskurs um Bildungsgerechtigkeit. Das Problem, für welches ‚Leistung‘ eine normative Lösung darstellt, wird als Frage der gerechten Verteilung schulischer Zertifikate präzisiert. Das Bildungsminimum kann in einer solchen Perspektive als Verteilung der Zertifikate nach dem Prinzip des individuellen Bedarfs interpretiert werden. Das Leistungsprinzip wird anschließend als gerechtes Verteilungsprinzip oberhalb des Bildungsminimums vorgeschlagen. Die Anknüpfung von ‚Leistung‘ an den Gerechtigkeitsdiskurs geschieht über das Verdienstprinzip: Weil einige Schülerinnen und Schüler durch ihre eigene (höhere) Bildung einen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlergehen leisten, haben sie höhere schulische Zertifikate verdient. Diskutiert wird, inwiefern Schülerinnen und Schülern für ihre Leistungen Verantwortung zugeschrieben werden kann – gerade in Anbetracht der Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft und der Tatsache, dass sie als Heranwachsende ihre Mündigkeit noch nicht voll entwickelt haben. Abschließend werden Ambivalenzen und Annäherungsoptionen von Leistungsgerechtigkeit und Anerkennungsgerechtigkeit erörtert.
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Wenn die Bedeutung von Wissen über Demokratie für eine aktive gesellschaftliche Teilhabe unbestritten ist, stellt sich die Frage nach den Faktoren, die nach bisherigen empirischen Erkenntnissen das Wissen über Demokratie beeinflussen. Von den möglichen strukturellen Merkmalen werden der Einfluss des Geschlechts (6.1), des gesellschaftlichen Status der Familie (6.2) und des Migrationshintergrundes (6.3) diskutiert. Weitere einbezogene Einflussfaktoren wie die Mediennutzung (6.4), das politische Interesse (6.5) und die Sprachkompetenz (6.6) sind dem individuellen Lernpotential zuzurechnen. Im Unterschied zu strukturellen Merkmalen sind Wirkungen des individuellen Lernpotentials und der motivationalen Orientierung (vgl. etwa Wigfield & Eccles, 2000) nicht nur erklärbar, sondern logisch begründbar und im Hinblick auf Lernprozesse zum Teil durchaus erwünscht. Auf den Unterricht bezogen werden in der WizDeS-Studie die Rolle des Fachunterrichts selbst (6.7) sowie der Einfluss der Wahrnehmung diskursiver Unterrichtsgestaltung (6.8) berücksichtigt.
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Da Wissensstrukturen nicht direkt messbar sind, bedarf die Messung von Wissen zunächst seiner Externalisierung. Ein Beispiel für eine Form der Externalisierung, deren Analysemöglichkeiten sich durch automatisierte Auswertungsverfahren systematisch erweitert haben, ist die Methode des Concept-Mappings. Nachfolgend wird die Methode des Concept-Mappings selbst mit ihren unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten vorgestellt (5.1). Danach werden der Einsatz von Concept-Maps als Diagnoseinstrument inklusive der verschiedenen Aufgabenformate erörtert (5.2) und anschließend verschiedene graphische und inhaltliche Auswertungsverfahren erläutert und hinsichtlich ihrer Aussagekraft und möglicher Gütekriterien bewertet (5.3). Graphische und semantische Bewertungsmöglichkeiten werden dabei wie die Bildung und Analyse von Modalnetzen jeweils in einem eigenen Abschnitt beschrieben. Zum Abschluss wird das für diese Studie ausgewählte Verfahren dargestellt (5.4).
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Der Ausbildung politischer Einstellungen zur Demokratie wird in verschiedenen Demokratiemodellen und unterschiedlichen didaktischen Entwürfen eine Bedeutung zugeschrieben. An dieser Stelle sollen die meist impliziten Bezüge der Politikdidaktik zur politischen Kulturforschung reflektiert werden. Die Konzeptualisierung und Operationalisierung politischer Einstellungen zur Demokratie wird unter Rückgriff auf die Theorie politischer Unterstützung in Kapitel 7.1 vorgenommen. Die empirischen Befunde zu Ausmaß und Struktur politischer Unterstützung in Deutschland schließen an die theoretische Beschreibung an (7.2). Erst danach werden das in den vergangenen Kapiteln erörterte politische Wissen in Zusammenhang zur politischen Unterstützung gestellt und theoretische Ansätze wie empirische Erkenntnisse hierzu befragt (7.3).
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Da die Erfassung von Konzepten von Demokratie bei Schüler/-innen im Zentrum der Studie steht, wird insbesondere die Rolle der Wissensveränderung in den Politikdidaktiken beleuchtet. Bevor die politikdidaktische Kontroverse zur Politikkompetenz zumindest in groben Zügen nachgezeichnet werden soll, werden zunächst psychologische Grundlagen von politischem Wissen (3.1) und Einstellungen (3.2) als zentralen Aspekten einer Politikkompetenz geklärt. Erst danach erfolgt ein kurzer Rückblick auf klassische didaktische Positionen (3.3). Hierauf aufbauend wird die aktuelle Kompetenzdebatte nachgezeichnet (3.4), wobei die Stellung des konzeptuellen Wissens und der Diskurs um Fachkonzepte eigenständig erörtert wird (3.5). Das Kompetenzmodell von Detjen et al. (2012) bildet die theoretische Grundlage der WizDeS-Studie und bedarf einer genaueren Vorstellung und Diskussion (3.6). Abschließend wird die vorliegende Studie im politikdidaktischen Feld verortet (3.7).
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Zusammenfassung Menschen sind soziale Wesen, weshalb Kontakte zu anderen Personen einen wichtigen Beitrag für das eigene Wohlbefinden leisten. Durch die Corona-Krise dreht sich diese Vorstellung dagegen um – Abstand halten heißt das neue Gebot, um die Gesundheit zu wahren. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in diesem Buchbeitrag den Verlauf von Sozialkontakten und Wohlbefinden, sowie den Zusammenhang zwischen diesen beiden Konstrukten von Ende März bis Anfang Juli 2020. Wie erwartet zeigt sich ein sprunghafter Anstieg physischer sozialer Kontakte seit Anfang Mai und somit seit den damals eingeführten Lockerungsverordnungen. Gleichzeitig verringerten sich die nicht-physischen Sozialkontakte (via Telefon & Internet) seit dem 1. Lockdown kontinuierlich, was auf eine Substitution für physische Sozialkontakte hinweist. Affektives- und kognitives Wohlbefinden zeigen einen kleinen und gleichmäßigen Anstieg über diesen Zeitraum. Weitere Analysen weisen auf einen signifikanten aber geringen Einfluss von physischen Sozialkontakten auf das Wohlbefinden hin – der physische Kontakt zu Freunden und Verwandten führt demnach zu einem geringen Anstieg des Wohlbefindens. Weiterführende Vergleiche zwischen alleinlebenden und nicht-alleinlebenden Österreicher*innen zeigten, dass alleinlebende Personen häufiger auf nicht-physische Sozialkontakte zurückgriffen als physische Sozialkontakte durch restriktive Maßnahmen erschwert wurden.
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Zusammenfassung Dieser Beitrag widmet sich der Frage, wie sich die Einstellungen zum Klimawandel, die Umweltbesorgnis und die Bereitschaft zu umweltbewusstem Handeln im Laufe der Corona-Krise in der österreichischen Bevölkerung entwickelt haben. In Anbetracht der unmittelbaren Bedrohung durch die Covid-19-Pandemie und deren direkte Auswirkungen auf die österreichische Bevölkerung (Herunterfahren der Wirtschaft, Einschränkungen des sozialen Lebens usw.) liegt die Vermutung nahe, dass das Thema Umwelt in den Hintergrund rückte. Um dies zu untersuchen, wurden drei voneinander unabhängige Datensätze ( OeNB, Values in Crisis und Polarization in Public Opinion) herangezogen. Die drei Datensätze sind in ihrer Erhebungszeit vor, während und nach der ersten Covid-19-Welle einzuordnen. Lineare Modelle zeigen, dass sowohl die Umweltbesorgnis als auch die Bereitschaft zu umweltbewusstem Verhalten in der Krise gesunken sind, wenngleich nur in den Ballungsräumen Wien, Niederösterreich und Steiermark. Andererseits stieg die Wahrnehmung der negativen Auswirkungen des Klimawandels an. Im Verlauf der Krise zeigt sich zudem, dass trotz der sinkenden Umweltbesorgnis diese dennoch der stärkste Prädiktor zu intentionsorientiertem Umweltverhalten bleibt und nach Ende der ersten Welle einen noch stärkeren Erklärungswert liefert als zuvor.
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Über Flüchtlingspolitik wurde in Deutschland seit dem Jahr 2015 viel gestritten. In der öffentlichen Wahrnehmung ging es dabei meist darum, ob die Grenzen nun zu offen oder nicht offen genug seien. Blickt man allerdings etwas genauer auf die Entwicklungen in der deutschen Flüchtlingspolitik, so fällt auf, dass diese trotz der aufgeregten Debatten und nicht zu verleugnenden restriktiven Tendenzen in manchen Aspekten auch deutlich liberaler geworden ist. Der Beitrag wird auf Basis einer Analyse gesetzlicher und untergesetzlicher Änderungen der letzten Jahre argumentieren, dass zunehmend leistungsorientierte Kriterien Eingang in die deutsche Flüchtlingspolitik finden. Teilhabechancen und sogar den Aufenthaltstitel, insbesondere den dauerhaften, muss man sich auch als Flüchtling zunehmend durch Leistung in Arbeit und Bildung verdienen. Damit tut sich ein Spannungsfeld zwischen humanitärem Schutzanspruch und einer marktförmigen Migrations- und Flüchtlingspolitik auf, das in Forschung und Praxis bislang wenig thematisiert wird.
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Zusammenfassung Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, welche Berufe für die Aufrechterhaltung der Grundfunktionen in der österreichischen Gesellschaft von besonderer Bedeutung sind. Die sogenannten Systemerhaltenden im Sozial-, Gesundheits- und Pflegebereich sowie im Handel ernteten im ersten Lockdown viel Anerkennung vonseiten der Politik; im Zuge dessen wurden auch Stimmen laut, die für eine entsprechende finanzielle Honorierung des Einsatzes dieser Berufsgruppen eintraten. Der vorliegende Beitrag geht anhand des Vergleichs von Umfragedaten aus dem Jahr 2009 und Daten, die während der Corona-Krise erhoben wurden, der Frage nach, welche Einkommenshöhen die österreichische Bevölkerung für verschiedene Berufsgruppen als gerecht empfindet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Befragten zu beiden Erhebungszeitpunkten für eine massive Reduktion der Einkommen von Eliteberufen (Manager*innen und Politiker*innen) aussprechen, während die Einkommen von statusniedrigen Berufen im Einzelhandel und in der Industrie, ihrer Ansicht nach, erhöht werden sollten. Während der Corona-Krise tritt diese Tendenz verstärkt zu Tage. Der Berufsgruppe der Allgemeinmediziner*innen wird hingegen zu beiden Zeitpunkten, insbesondere während der Corona-Krise, ein relativ hohes Einkommen zugestanden. Gleichzeitig ist in der Krise auch die Befürwortung eines bedingungslosen Grundeinkommens etwas höher, wobei die Bevölkerung in dieser Frage nach wie vor gespalten ist und sich zunehmend polarisierte.
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In order to explain social class differences in education theoretical and empirical approaches have different ideas about the autonomous role of educational institutions in social selection. In Germany, the range of ideas covers the concept of active and considerable “institutional discrimination” on the one hand, and pedagogically defined “differential educational milieus” of schools on the other, which by their own do not privilege or disadvantage students according to their class origin. This paper argues that in assessing the role of educational institutions in capitalist societies you should consider them as part of the liberal state. This state establishes principles of equality, achievement, and freedom of choice which, in the educational system, are institutionalized in a special way. These principles are not pure ideology. The actors orient themselves according to these principles, and by doing so the influence of social background on educational success is at the same time enabled and hidden. Thus, the liberal state contributes to social selection in a way which lies underneath the influence of single educational structures amenable to quantitative research.
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Während soziale Mobilität auf der Basis individueller Leistung abnimmt, gewinnt die soziale Herkunft zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig ist Vermögen enorm ungleich verteilt und wird innerhalb vermögender Familien durch inter-vivos-Schenkungen und Erbschaften weitergegeben. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie ErbInnen von Vermögen ihre privilegierte soziale Position vor dem Hintergrund der Deutung ihrer Lebensgeschichte mithilfe ihrer Gerechtigkeitsideologie legitimieren. Feinstruktur- und Themenanalysen von sieben problemzentrierten Interviews führen zu den zentralen Erkenntnissen dieser Arbeit. So gibt es innerhalb der vermögenden Klasse hinsichtlich der Wahrnehmung und Legitimierung ihrer Privilegien zwei Muster: jene, die sich von ihrer sozialen Herkunft distanzieren und ihre Vorteile ausschließlich individueller Leistung und persönlichem Erfolg zuschreiben; und jene, die ihre Klassenherkunft würdigen und die mit dem Status verbundenen Werthaltungen zur Rechtfertigungsgrundlage erheben. Beide Argumentationsmuster legitimieren die strukturellen Differenzen der Gesellschaft und den Machtanspruch von oben, welcher die Reproduktion sozialer Ungleichheit verfestigt.
Thesis
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Meine Masterthesis fragt nach der Wirkmächtigkeit des okzidentalen Leistungsideals bezüglich der Entstehung und Entwicklung sozialer Pathologien in der Spätmoderne. Dabei wird zunächst theoriegeleitet das westliche Leistungsdenken beschrieben. Jenes wird in der Folge in der sogenannten >>Freiheit des Könnens<< verortet, um somit den potenziell repressiven Kern jenes Ideologems aufzeigen zu können.
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Basierend auf den Ergebnissen einer Studienabschlussbefragung an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz werden im Beitrag die aus Sicht der Bachelorabsolvent*innen für oder gegen die Aufnahme eines Masterstudiums sprechenden Gründe und die Erwartungen an selbiges erforscht. Die Geisteswissenschaftliche Fakultät der zweitgrößten Universität Österreichs weist mit ihrem reichhaltigen Studienangebot eine große Studierendenanzahl auf und ist zugleich von geringen Übertrittsquoten von Bachelor- in Masterstudien betroffen. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag, welche Faktoren einen Einfluss auf den Bildungsübertritt vom Bachelor auf den Master ausüben. Die Ergebnisse von zwei Absolvent*innenjahrgängen zeigen, dass weniger als die Hälfte der Bachelorabsolvent*innen die Aufnahme eines Masterstudiums im selben Fach plant und bei rund einem Fünftel Unsicherheit bezüglich der Aufnahme eines Masterstudiums vorherrscht. Die häufigsten von den Absolvent*innen genannten Gründe, die aus ihrer Sicht gegen ein Masterstudium sprechen, sind schlechte Arbeitsmarktaussichten, der Wunsch nach einer praktischen Tätigkeit und der fehlende Berufs- und Praxisbezug im Studium. In den Analysen wird deutlich, dass vollzeiterwerbstätige und ältere Studierende seltener ein Masterstudium in Erwägung ziehen. Obwohl Kosten- und Ertrags- sowie Vereinbarkeitsüberlegungen (v. a. zwischen Erwerbstätigkeit und Studium) eine Rolle beim Übertritt in den Master spielen, zeigt sich kein eindeutiger Einfluss des sozialen Hintergrunds oder der finanziellen Situation der Absolvent*innen auf die Entscheidung für oder gegen ein Masterstudium.
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Die überwiegende Mehrheit der Österreicher*innen fühlt sich der oberen gesellschaftlichen Hälfte zugehörig, wie Umfragedaten für den Zeitraum 1993 bis 2018 zeigen; diese Selbsteinschätzung hat über die Zeit tendenziell zugenommen. Doch, diesem Trend widersprechend, ist im selben Zeitraum die Einkommens- und Vermögensungleichheit gestiegen, gleichzeitig sind die Realeinkommen und Bildungserträge einiger Bevölkerungsgruppen gesunken. Unter Bezugnahme auf klassische Schichtungstheorien und Konzepte der sozialen Vergleiche geht der vorliegende Beitrag deshalb der Frage nach, welche Faktoren die subjektive soziale Position der Österreicher*innen beeinflussen. Die Analysen basieren auf repräsentativen Umfragedaten des ISSP und SSÖ sowie einer Probing-Studie. Unsere Befunde zeigen, dass klassische Schichtungsmerkmale zwar für die Einschätzungen der sozialen Position relevant sind, aber auch, dass benachteiligte Befragte eine Art Durchschnitt aus unterschiedlichen Kriterien bilden und dann das für sie günstigste Kriterium heranziehen. Dementgegen nivellieren sehr Vermögende ihre soziale Position nach unten, weshalb sich in Summe die Mehrheit der Österreicher*innen der gesellschaftlichen Mitte zugehörig fühlt.
Chapter
Hier wird die Theoretisierung der empirischen Ergebnisse der mehrebenenanalytischen Längsschnittstudie zu Schüler*innen exklusiver und nicht-exklusiver Gymnasien vorgestellt. Erstens wird geklärt, warum wir im Feld der exklusiven Gymnasien nahezu ausschließlich auf eine Reproduktion der Schülerhabitus und der schülerbiographischen Passung stoßen. Dies wird zweitens adoleszenztheoretisch verortet, sodass der dominante Jugendtypus exklusiver Gymnasien bestimmt werden kann. Drittens wird die Figur der ‚Privilegierung der Privilegierten‘ als Ausdruck des Prozessierens der Mechanismen der Elitebildung als Theorem privilegierter Bildungsungleichheit entfaltet.
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Nicht zuletzt, weil die Bildung auch im 21. Jahrhundert eine soziale Frage ist, hat die Bildungssoziologie (engl.: Sociology of Education) in der sozialwissenschaftlichen Forschung, aber auch in der politisch interessierten Öffentlichkeit, wieder an Aufmerksamkeit gewonnen. Abzulesen ist dies an der Flut von bildungssoziologischen Großprojekten, Detail-Studien und Publikationen, an der gestiegenen Nachfrage nach bildungssoziologischem Expertenwissen in der Politikberatung, an der Einrichtung von Lehrstühlen und Instituten, die sich mit bildungssoziologischen Fragen beschäftigen sollen. Dabei ist Bildungssoziologie keine junge Wissenschaft, die sich mit Bildung und dem Bildungswesen beschäftigt, sondern kann auf eine lange Tradition zurückblicken, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts bzw.
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Da im Forschungsverbund “Vergleichende Theorientestung” Individualtheorien auch mit einer der soziologischen Tradition entstammenden Theorie konfrontiert werden sollten, wurden verschiedene soziologische Theorien (u. a. Rollentheorie, Bezugsgruppentheorie, Anomietheorie, Statusinkonsistenztheorie) sowohl hinsichtlich der interparadigmatischen Vergleichbarkeit der Explananda, als auch hinsichtlich der Anwendbarkeit auf die konkreten, in den Projekten verfolgten Forschungsprobleme geprüft. Die Wahl fiel auf die Theorie der Statusinkonsistenz (Sl). Die Berücksichtigung der Sl-Theorie bot sich zunächst angesichts des in mehreren Projekten behandelten Problems der Verarbeitung von beruflicher Desintegration an. Aber auch auf der Ebene der abhängigen Variablen sprach das breite Spektrum der in der Vergangenheit mit Sl in Zusammenhang gebrachten sozialen und psychischen Phänomene (vgl. Wuggenig 1986) grundsätzlich für eine relativ gute Vergleichbarkeit mit allgemeinen Individualtheorien.
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Politische Soziologie der sozialen Ungleichheit Reinhard Kreckels Buch gehört zu den wichtigsten Werken soziologischer Gesellschaftstheorie der 90er Jahre in Deutschland. Kreckel entwickelt hier die begrifflichen und theoretischen Grundlagen für die Untersuchung der Ungleichheitsverhältnisse in der Welt. Sein Ansatz bezieht auch die von der herkömmlichen Klassen- und Schichtungstheorie stiefmütterlich behandelte geschlechtsspezifische Ungleichheit ein. Für diese erweiterte Neuauflage hat Reinhard Kreckel ein eigenes Kapitel zum Thema Globalisierung und soziale Ungleichheit verfasst, in dem er sein Zentrum-Peripherie-Modell weiterentwickelt. Ein weiteres neues Kapitel schildert anhand aktuellen Datenmaterials die Entwicklung der innerdeutschen Ungleichheiten seit der Vereinigung. Kreckel führt damit sein Projekt fort, einen zeitgemäßen theoretischen Bezugsrahmen zu entwickeln, innerhalb dessen soziale Ungleichheiten als Produkt gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse begriffen werden. Gliederung: Soziale Ungleichheit in gesellschaftstheoretischer Perspektive (1. Der Begriff der sozialen Ungleichheit. – 2. Soziale Ungleichheit als gesellschaftstheoretische Schlüsselfrage. – 3. Vom vertikalen zum globalen Ungleichheitskonzept. – 4. Die Zentrum-Peripherie-Metapher). Dimensionen vertikaler Ungleichheit heute (1. Marx und Weber: Klasse und Stand. – 2. Neue Dimensionen: Hierarchie und Wissen. – 3. Handlungstheoretische Verankerung. – 4. Bildung, Beruf, Einkommen: Realabstraktionen der Leistungsgesellschaft). Strukturelle Asymmetrien im Kernbereich kapitalistischer Staatsgesellschaften (1. Vertikale Einkommensverteilung und strukturelle Heterogenität. – 2. Soziale Klassen, soziale Milieus oder soziale Atomisierung? – 3. Klassenverhältnis ohne Klassen. – 4. Das ungleichheitsbegründete Kräftefeld. – 5. Die primäre Machtasymmetrie zwischen Kapital und Arbeit. – 6. Sekundäre Machtasymmetrien und soziale Schließungsstrategien auf dem Arbeitsmarkt). Soziale Ungleichheit im Geschlechterverhältnis (1. Klassenrealismus und geschlechtsspezifische Disparitäten. – 2. Geschlechtsspezifische Strukturierung des Arbeitsmarktes. – 3. Doppelte Vergesellschaftung: Der Gegensatz von Produktions- und Reproduktionsarbeit. – 4. Klasse und Geschlecht im gesamtgesellschaftlichen Kräftefeld). Geteilte Ungleichheit im vereinten Deutschland. Zwischenbilanz im zweiten Jahrzehnt der deutschen Einheit. Materielle Verteilungsungleichheiten in der „globalisierten“ Weltgesellschaft. Zitation Reinhard Kreckel (2004): Politische Soziologie der sozialen Ungleichheit, 3., überarbeitet und erweiterte Auflage, Campus Verlag, Frankfurt am Main, 409 S.
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Die Beiträge dieses Bandes stellen Ergebnisse der Forschungen des Kulturwissenschaftlichen Instituts dar. Die thematischen Schwerpunkte entsprechen im wesentlichen den Forschungsgruppen und Projekten des Instituts: - Erinnerung und Gedächtnis - Center for Interdisciplinary Memory Research - Vergleichende Tradierungsforschung - Was ist der Mensch? Kultur - Sprache - Natur - Islamische Kultur und moderne Gesellschaft - Europa: Emotionen - Identitäten - Politik - Geisteswissenschaften heute - Anmerkungen zu einer aktuellen Debatte Die Auswahl der Themen zeigt ein eindrucksvolles Bild zukunftsweisender kulturwissenschaftlicher Forschung, die kultur- und naturwissenschaftliches Denken synthetisiert. Weitere Informationen: www.kwi-nrw.de
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Die Bildungsexpansion ist eine der prägenden Entwicklungen der Moderne. Aber welche Folgen ergeben sich daraus? Der prominent besetzte Band mit ausgewiesenen Experten der Thematik analysiert die Folgen, zeigt überblicksartig zentrale Themenfelder auf und diskutiert den neuesten Forschungsstand.
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The existence of the present volume can be traced to methodological concerns about cohort analysis, all of which were evident throughout most of the social sciences by the late 1970s. For some social scientists, they became part of a broader discussion concerning the need for new analytical techniques for research based on longitudinal data. In 1976, the Social Science Research Council (SSRC), with funds from the National Institute of Education, established a Committee on the Methodology of Longitudinal Research. (The scholars who comprised this committee are listed at the front of this volume. ) As part of the efforts of this Committee, an interdisciplinary conference on cohort analysis was held in the summer of 1979, in Snowmass, Colorado. Much of the work presented here stems from that conference, the purpose of which was to promote the development of general methodological tools for the study of social change. The conference included five major presentations by (1) William Mason and Herbert Smith, (2) Karl J6reskog and Dag S6rbom, (3) Gregory Markus, (4) John Hobcraft, Jane Menken and Samuel Preston, and (5) Stephen Fienberg and William Mason. The formal presentations were each followed by extensive discussion, which involved as participants: Paul Baltes, William Butz, Philip Converse, Otis Dudley Duncan, David Freedman, William Meredith, John Nesselroade, Daniel Price, Thomas Pullum, Peter Read, Matilda White Riley, Norman Ryder, Warren Sanderson, Warner Schaie, Burton Singer, Nancy Tuma, Harrison White, and Halliman Winsborough.
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Zusammenfassung Werte sind, so die erste These des Artikels, kontrovers. Die Theorie des Postmaterialismus sucht diesem Umstand Rechnung zu tragen. Dabei erweist sich der Begriff Postmaterialismus als undifferenziert. Er wird hier in fünf Dimensionen aufgegliedert. Grundlage dieser Differenzierung bildet eine Theorie sozio-politischer Konflikte. Die Interkorrelation der Dimensionen auf der Basis von Umfragen aus acht Ländern sowie ihre Beziehung zum Alter zeigen, daß der Begriff Postmaterialismus teils gegensätzliche, teils unabhängige Dimensionen verdeckt. Im zweiten Teil wird die Hypothese, wonach wachsender wirtschaftlicher Wohlstand für den Wertwandel verantwortlich ist, zurückgewiesen. Wertwandel im hier verstandenen Sinne beruht auf sozio-politischen Veränderungen, die über das Bildungssystem vermittelt werden. Dieser Wandel erfaßt auch nur die Werte Partizipation und Sicherheit.
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Ausgehend von der Situation der politischen Sozialisationsforschung in der Bundesrepublik und gegenwärtig diskutierten Nernfragen werden Grundzüge eines Modells zur politischen Sozialisation vorgestellt. Es zeigt auf der Basis eines handlungsorientierten theoretischen Ansatzes die Struktur eines Variablennetzes auf, das auch Hinweise für empirische Überprüfungen geben soll. Kernpunkt ist dabei die Differenzierung politischer Handlungsdimensionen, die aus dem Bezug auf Grundqualifikationen allgemeinen Rollenhandelns gewonnen werden. Dabei wird von der strukturierenden, aber nicht determinierenden Wirkung primärer Sozialisationsprozesse auf die spätere politische Persönlichkeit ausgegangen.
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Im sozialen Alltag spricht man ganz selbstverständlich von der Einkommensstruktur einer Gemeinde, der Altersstruktur einer Belegschaft oder der Erwerbsstruktur einer Bevölkerung. „Struktur“ meint hier die Verteilung individueller Merkmale in einem sozialen Aggregat. Auch die Soziologie gebraucht den Begriff „Sozialstruktur“ zunächst im gleichen Sinne wie die Alltagssprache, nämlich im Sinne einer Verteilung. Der distributive Strukturbegriff erfordert, dass man ein Aggregat wählt und die Ausprägungen eines Merkmals seiner Elemente festlegt. Aber welche Merkmale von Personen definieren die Sozialstruktur?
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Eines der ungelösten Probleme der vergleichenden sozialen Gerechtigkeitsforschung besteht darin, inwieweit Vorstellungen über die Verteilungsgerechtigkeit durch die Sozialstruktur und die politische Organisation einer Gesellschaft geprägt sind. So kommt Max Haller (1989) auf der Grundlage eines Vergleichs von neun Ländern zu dem Schluß, daß in Gesellschaften mit einer ausgeprägten Klassenstruktur und einem wohlfahrtstaatlichen Versorgungssystem die Mehrheit der Bevölkerung vom Staat umverteilende Maßnahmen zur Verringerung sozialer Ungleichheit erwartet. In Gesellschaften mit geringen Mobilitätsbarrieren und schwach entwickelten wohlfahrtstaatlichen Regelsystemen hingegen glaubt die Mehrheit der Bevölkerung, daß eine ungleiche Güterverteilung sofern sie das Ergebnis ökonomischer Marktprozesse ist gerecht ist und daß Umverteilung durch den Staat nicht wünschenswert ist. Versucht man beide Standpunkte in der Terminologie der Gerechtigkeitsforschung auszudrücken, so stehen sich hier zwei Gerechtigkeitsvorstellungen gegenüber. Die eine Vorstellung ist die eines egalitären Etatismus. Soziale Gerechtigkeit verwirklicht sich aus dieser Sicht durch umverteilende Maßnahmen des Staates, die sich am Prinzip der Verteilungsgleichheit orientieren. Die andere Gerechtigkeitsvorstellung ist die eines Verteilungsindividualismus.
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Es gibt Probleme, die im Prinzip als gelöst angesehen werden. Soziale Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit gehören dazu. Jedenfalls galt dies bis vor kurzem in Deutschland. Eine dynamische Marktwirtschaft, flankiert von Wissenschaft und Technik, ein Sozialstaat, der durch moderate Verteilungspolitik die Härten des Marktes reguliert und den Wohlstand der Nation in die individuelle Wohlfahrt seiner Bürger umsetzt und ein individualistisches Wertsystem basierend auf staatsbürgerlichem und familialem Privatismus (Habermas 1973) — das waren und sind die tragenden Säulen des erfolgreichen “Modell Deutschland” (Helmut Schmidt). Die soziale Frage gilt als gelöst, die in der Vergangenheit für Ungleichheitsverhältnisse verantwortlich gemacht und für proteststarke Gerechtigkeitsappelle genutzt wurde. Soziale Gerechtigkeit — kein Thema für spätmoderne Uberflußgesellschaften und folglich keine relevante Frage für wirklichkeitswissenschaftlich orientierte Sozialwissenschaften.
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Will man eine Definition von “sozialer Gerechtigkeitsforschung” geben, liegt die Schwierigkeit darin, daß Gerechtigkeit sowohl eine normative als auch eine deskriptive Vorstellung ist. Sie fällt in eine Klasse von Begriffen, in der sich z.B. auch die Begriffe “das Gute” oder “das Schöne” finden. Eine “Güteforschung” die Erforschung des Guten also oder eine “Schönheitsforschung” (die es als Ästhetik ja tatsächlich gibt) stehen wie die soziale Gerechtigkeitsforschung immer vor einer doppelten Frage, nämlich einmal: Wie soll die Welt beschaffen sein (damit sie gut, schön oder gerecht ist)? Und: Wie ist sie tatsächlich bzw. wie nehmen wir sie wahr? Für die soziale Gerechtigkeitsforschung, die sich überwiegend mit distributiver Gerechtigkeit beschäftigt, lauten die entsprechenden Fragen: Wie soll die Gesellschaft eingerichtet werden, damit die Verteilung von Gütern und Lasten gerecht ist? Und: Welche Zustände und welche institutionellen Verteilungsmechanismen halten die Menschen tatsächlich für gerecht?
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Die Frage nach den Vorstellungen einer Bevölkerung über soziale Gleichheit und Ungleichheit die Wahrnehmung des Ausmaßes an bestehenden Ungleichheiten, die Wertvorstellungen über eine gerechte Verteilung, die Kritik bestehender Ungleichheiten im Lichte dieser Wertvorstellungen ist nicht nur von akademischem Interesse. Erstens gilt, daß Wertorientierungen und Einstellungen dieser Art Verhalten determinieren. Dies gilt vor allem aus gesamtgesellschaftlich-politischer Sicht und über lange Zeiträume. Dafür lassen sich viele Beispiele aus der jüngeren politischen Geschichte nennen. So war und ist ein Wirtschaftsliberalismus à la Ronald Reagan oder Margaret Thatcher in Ländern wie Deutschland, Österreich oder Italien kaum vorstellbar vor allem deshalb, weil die Einstellungen der Bevölkerung zur Rolle des Staates hier völlig andere sind (z.B. Haller/Höllinger/Raubal 1990). Vom demokratischen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton wurde wohl zu Recht festgestellt, daß er erst ab dem Moment eine reale Chance hatte, die Präsidentschaft zu gewinnen, als er seine grundlegenden Zielsetzungen weitgehend der amerikanisch-liberalistischen MainstreamIdeologie anpaßte (vgl. u.a. Diggins 1992).
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In der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich in allen hochindustrialisierten Demokratien ein fundamentaler sozialer Wandel, dessen Hauptmerkmale eine historisch beispiellose Zunahme des Wohlstandes breiter Bevölkerungskreise sowie eine Individualisierung der Lebensbedingungen sind. Die dadurch bedingte Auflösung traditioneller soziopolitischer Milieus hat dazu beigetragen, daß die Jugendlichen heute weit weniger als früher in sozialstrukturell vorgegebene politische Loyalitäten hineinwachsen.
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Part I. From There to Here - Theoretical Background: 1. From visiousness to viciousness: theories of intergroup relations 2. Social dominance theory as a new synthesis Part II. Oppression and its Psycho-Ideological Elements: 3. The psychology of group dominance: social dominance orientation 4. Let's both agree that you're really stupid: the power of consensual ideology Part III. The Circle of Oppression - The Myriad Expressions of Institutional Discrimination: 5. You stay in your part of town and I'll stay in mine: discrimination in the housing and retail markets 6. They're just too lazy to work: discrimination in the labor market 7. They're just mentally and physically unfit: discrimination in education and health care 8. The more of 'them' in prison, the better: institutional terror, social control and the dynamics of the criminal justice system Part IV. Oppression as a Cooperative Game: 9. Social hierarchy and asymmetrical group behavior: social hierarchy and group difference in behavior 10. Sex and power: the intersecting political psychologies of patriarchy and empty-set hierarchy 11. Epilogue.
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In social justice research, evidence shows that-in western societies-a majority of the population considers their shares of material goods as just. A number of largely psychologically oriented models have been proposed to explain this astonishing finding. This paper goes beyond these statements, first, by asking why a minority of individuals are convinced of being treated unjustly and, second, by reflecting on structural antecedent conditions for judgments of injustice. Considering that occupational careers are shaped by institutional distribution systems to varying degrees, it is proposed that patterns of social mobility determine feelings of injustice. Based on a theory of rational investments and expected returns, four different types of mobility patterns are distinguished, and predictions are made as to how these patterns affect justice evaluations. Data from a life history study are used to test these predictions. It is concluded that feelings of injustice are not so much a matter of personal values but rather reactions to structural facts.
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In der amerikanischen Politikwissenschaft wurden in jüngster Zeit Ansätze entwickelt, in denen versucht wird, die dominierende reduktionistische, utilitaristische und instrumentalistische politische Theorie zu überwinden und durch institutionelle und kulturelle Erklärungen abzulösen. Besonders innovativ und anspruchsvoll ist in diesem Zusammenhang ein aus der Anthropologie kommender Ansatz der 'Cultural Analysis' oder 'Grid-Group-Analysis', in dem grundlegende Werte, Verhalten, Symbole und institutionelle Arrangements durch vier Kulturtypen, die wiederum durch nur zwei Dimensionen konstruiert werden, aufeinander bezogen werden. Der vor allem von Mary Douglas und Aaron Wildavsky entwickelte Ansatz wird dargestellt, indem seine Versprechungen, sein Aufbau und seine Anwendungen anhand eines bekannten und umstrittenen Beispiels aus der Technologiepolitik - Erklärung unterschiedlicher Risikoakzeptanz - diskutiert werden. Abschließend werden die vielfältigen theoretischen und empirischen Probleme skizziert und es wird versucht zu begründen, warum der Ansatz dennoch diskussionswürdig ist. In American political science recently approaches have been developed which try to overcome the dominating reductionistic, utilitarian, and instrumental political theory with the help of institutional and cultural explanations. Particularly innovative and comprehensive is an approach from anthropology, 'Cultural Analysis' or 'Grid-Group-Theory', in which values and orientations, behavior, symbols, and institutional arrangements are interrelated within a common framework, consisting of four cultural types, constructed through two basic dimensions. The approach, developed mainly by Mary Douglas and Aaron Wildavsky, is described by discussing its promises, its construction, and an application in the field of technology policy (risk acceptance). Finally, theoretical and empirical problems of the approach are lined out and it is argued why it is still worth while as a starting point for further discussions and empirical investigations.
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