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Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien. Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida.

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Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien. Multimodale Perspektiven am
Beispiel von Pegida. 1
Ute K. Boonen, Derya Gür-Şeker, Jan Philipp Thomeczek
Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien.
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida
1 Einleitung
Der vorliegende Beitrag beleuchtet Partizipation aus politikwissenschaftlicher und
(bild-)diskurslinguistischer Perspektive auf Grundlage ausgewählter Video-,
Sprach- und Bilddaten im massenmedialen Diskurs. Beantwortet werden soll die
Frage, wie sich Partizipation von Pegida-Akteuren sowohl sprachlich als auch
visuell gestaltet und welche Grenzen legitimer bzw. illegitimer Partizipation
sprachwissenschaftlich, aber auch aus politikwissenschaftlicher Perspektive
auszumachen sind. Dazu gliedert sich der Beitrag in drei Teile: Zunächst wird der
Populismus-Begriff aus politikwissenschaftlicher Perspektive erläutert, um diesen
analytischen Rahmen auf die Pegida-Bewegung zu übertragen und
Grundeigenschaften dieser Bewegung zu bestimmen. Die in diesem Abschnitt
skizzierten Eigenschaften von Populismus werden anschließend im empirischen
Teil des Beitrags zunächst im Rahmen einer Analyse politischer Reden Lutz
Bachmanns, die im Zeitraum 2016 bis 2017 auf YouTube veröffentlicht wurden,
hinsichtlich der sprachlichen Aspekte Nomination, Prädikation und
Perspektivierung nachgezeichnet. Dieser sprachlichen Analyse schließt sich die
Bildanalyse von Pegida-Demonstrationen und abgebildeten Protestplakaten an.
Dazu werden zwei ausgewählte Online-Artikel und die darin enthaltenen
Abbildungen, also zweidimensionale, stehende Bilder, bildlinguistisch und unter
multimodaler Perspektivierung untersucht und interpretiert. Durch die
exemplarische Analyse wird deutlich, wie Grenzen der verschiedenen
Partizipationsformen diskursiv markiert werden. Der Beitrag zeigt die Diskrepanz
zwischen Pegida als Organisation und den Demonstrierenden: Während auf der
Akteur-Ebene von Pegida typische Elemente des Rechtspopulismus identifiziert
werden können, sind unter den Demonstrationsteilnehmern auch deutlich
extremistische Tendenzen erkennbar.
2 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
2 Partizipationsbegriff und Populismus aus politikwissenschaft-
licher Perspektive
2.1 Legalität und Legitimität im Kontext politischer Partizipation
Angelehnt an Kaase (1997: 160) wird politische Partizipation hier als alle
freiwilligen Handlungen von Bürgerinnen und Bürgern bezeichnet, die das Ziel
verfolgen, das politische System zu beeinflussen. Die deutsche
politikwissenschaftliche Forschung hat sich zunächst auf klassische
Partizipationsformen wie Wahlteilnahmen konzentriert, bevor durch die 68er-
Bewegung zunehmend „neue“ Partizipationsformen öffentliche Aufmerksamkeit
erlangten (Niedermayer 2005: 193). Das Beispiel der 68er zeigt anschaulich, nach
welchen weiteren Kriterien politische Partizipation klassifiziert werden kann. Ein
wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist zunächst die Legalität (Niedermayer 2005:
192). Politische Partizipation umfasst keineswegs ausschließlich legale
Beteiligungsformen. In diesem Sinne ist auch politische Gewalt, wie sie
beispielsweise von der Roten Armee Fraktion ausging, eine Form der politischen
Beteiligung. Eng damit verbunden, aber keineswegs identisch ist der Aspekt der
Legitimität. Diese bezeichnet die Akzeptanz politischer Partizipation. Legitime
Beteiligungsformen werden von (fast) allen Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert .
Umgekehrt ist jedoch nicht eindeutig zu klären, ab wann eine Partizipationsform
als illegitim gilt. Die Studentenproteste in den 60er und 70er Jahren sind hierfür ein
gutes Beispiel: Während die junge Generation diesen Protest als legitim ansah und
sich an den Demonstrationen beteiligte, bewertete die ältere Generation, gegen die
sich die Proteste ja größtenteils richtete, diese (zunächst) als illegitim. Ein drittes
Unterscheidungsmerkmal ergibt sich aus der Verfasstheit von politischer
Partizipation. Einige Aktivitäten sind gesetzlich reglementiert (bspw. Wahlen,
Demonstrationen), andere nicht (Protest, Gewalt). Auch für den Aspekt der
Verfasstheit gilt, dass er zwar mit Legalität und Legitimität zusammenhängt, sich
aber keine automatischen Rückschlüsse auf die beiden anderen
Unterscheidungsmerkmale ergeben (ebd.). Die folgende Übersicht zeigt verbreitete
Beteiligungsformen und ordnet sie bezüglich der drei Unterscheidungsmerkmale
ein (siehe Tabelle 1).
Beteiligungsformen
Legitimität
Legalität
Verfasstheit
Teilnahme an Wahlen/Abstimmungen
hoch
ja
ja
Parteibezogene Aktivitäten
hoch
ja
ja
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 3
Gemeinde-, wahlkampf- und
politikerbezogene Aktivitäten
hoch
ja
teilweise
Legaler Protest
variierend
ja
nein
Ziviler Ungehorsam
gering
nein
nein
Politischer Gewalt
gering
nein
nein
Tab. 1: Formen und Dimensionen politischer Partizipation (Quelle: Niedermayer
2005: 195)
2.2 Der „ideelle Konsens“ in der politikwissenschaftlichen Populismus-For-
schung
Die konzeptionelle Debatte innerhalb der politikwissenschaftlichen Populismus-
Forschung begleitet die Disziplin seit einem halben Jahrhundert und erreichte
ihren vorläufigen Höhepunkt in der Zuspitzung auf die ideologischen Merkmale
des Populismus. Diese prominente Perspektive wird vor allem von Mudde (2004)
vertreten, hat aber in neueren Veröffentlichungen Kritik hervorgerufen (vgl.
Aslanidis 2016; Moffitt 2015). Daher hat man in der neueren Forschung damit
begonnen den „ideellen Konsens“ (Hawkins 2010: 5) dieser verschiedenen
Perspektiven als gemeinsamen Nenner in der Forschung herauszuarbeiten. Neue
Publikationen definieren daher Populismus eher zurückhaltend als a distinct set
of political ideas“ (Albertazzi/McDonnell 2015). Zu den drei Kernelementen
gehören die Glorifizierung einer Wir-Gruppe, die Verunglimpfung einer
identifizierten „Elite“ sowie der Fokus auf Volkssouveränität und direkt-
demokratische Elemente. Daraus ergibt sich eine Inkompatibilität zwischen
Populismus und liberaler Demokratie, die durch Pluralismus, Gewaltenteilung
und Minderheitenschutz gekennzeichnet ist (Pappas 2014).
1
Die abgrenzbare Wir-Gruppe (Hartleb 2004: 95ff.) umfasst das, was die
englischsprachige Populismus-Forschung als „the people” umschreibt. An dieser
Stelle fehlt es im Deutschen an einer adäquaten, direkten Übersetzung, die der
politischen Vagheit von „the people” gerecht wird. In der deutschen politischen
Sprache (Burkhardt 1996, 81) ist Volk seit der Aufarbeitung des
Nationalsozialismus vornehmlich mit dem rechten politischen Spektrum
assoziiert, weshalb von einem expliziten Volksbezug nur im konkreten Falle des
1
Das bedeutet jedoch nicht, dass Populismus per se antidemokratisch wäre. Vielmehr handelt es sich
bei der populistischen Demokratie um eine illiberale Form der Demokratie (democratic illiberalism),
da sie jene liberalen Elemente ablehnt (vgl. Pappas 2014: 3ff.).
4 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
Rechtspopulismus gesprochen werden kann. Von Linkspopulisten wird der
Begriff Volk gemieden.
2
Ob der Ausschluss bestimmter Bevölkerungsgruppen ein
konstitutives Merkmal des Populismus ist, bleibt umstritten. Mudde und Rovira
Kaltwasser treffen an dieser Stelle die sinnvolle Unterscheidung zwischen
exkludierendem Populismus, der vor allem in rechtspopulistischen Parteien in
Europa verbreitet ist, und inkludierendem Populismus, der von linksgerichteten
Bewegungen in Lateinamerika propagiert wird (Mudde/Rovira Kaltwasser 2013).
Ebenfalls (absichtlich) vage bleibt der Eliten-/Establishment-Begriff des
Populismus, der stark kontextspezifisch geprägt ist. Hauptangriffspunkt ist die
politische Elite, welche die populistischen Bewegungen ersetzen wollen. Ein
weiterer Aspekt, der insbesondere von der diskursiven Perspektive auf
Populismus betont wird, ist ein „manichäistisches“ Schwarz-Weiß-Denken
(Hawkins 2010: 33f.). Die bloße Einteilung in „Wir-Gruppe“ und „Elite“ ist bereits
Ausdruck eines impliziten Schwarz-Weiß-Denkens. Diese Klassifizierung erfolgt
auf einer moralischen Ebene: die Wir-Gruppe wird als gut, die Elite als schlecht
und korrupt dargestellt. Über diese moralische Unterscheidung schaffen es
populistische Akteure, sich selbst jener „korrupten“ Elite nicht zuzurechnen,
obwohl viele ihrer Vertreter ja gerade jener Elite entspringen (bspw. Silvio
Berlusconi = Milliardär, vgl. Müller 2016: 30). Um von Populismus sprechen zu
können, müssen diese drei Elemente zwingend gemeinsam auftreten (Moffitt 2015:
390f.).
Der ideelle Konsens der Populismus-Forschung besteht also in der Anerken-
nung der konstitutiven Bedeutung der drei genannten Elemente: Bezug zur Wir-
Gruppe, Verunglimpfung der Elite und Fokus auf Volkssouveränität. Diese drei
Merkmale sowie (spezifisch rechtspopulistische) exkludierende Tendenzen zeigt
auch die Pegida-Bewegung, so dass wir von einer rechtspopulistischen Bewegung
sprechen können. Die sich nun anschließende Analyse authentischen
Sprachmaterials soll dies zunächst auf Akteur-Ebene verdeutlichen. Im zweiten
Schritt widmet sich der Beitrag dann mithilfe visueller Belege am Beispiel von
Abbildungen, die während Pegida-Demonstrationen fotografiert wurden, der
Perspektive der Demonstrierenden.
2
Das gilt zumindest für die Bundesrepublik Deutschland, wenngleich der Slogan „Wir sind das
Volk“, der auf den Montagsdemonstrationen in der DDR häufig zu hören war, nicht mit
Rechtspopulismus assoziiert wird (vgl. Ardag/Thomeczek in Vorbereitung).
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 5
3 Sprachmaterial in YouTube-Videos: Reden von Lutz Bach-
mann
3.1 Das Untersuchungskorpus: Partizipation am Beispiel von Pegida
Gefördert vom Profilschwerpunkt ‚Wandel von Gegenwartsgesellschaften’ der
Universität Duisburg-Essen wurden in einem Pilotprojekt Reden und Ansprachen
rechtspopulistischer Akteure aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien
(Flandern) gesammelt, ausgewählt und zum Teil transkribiert. Hierbei wurde ein
Korpus von deutschsprachigen und niederländischsprachigen „Texten“, d.h. von
transkribierten YouTube-Videos (Reden, Interviews, TV-Debatten etc.)
zusammengestellt.
3
Ausgangspunkt für die hier vorliegende Analyse ist ein
Teilkorpus mit Reden von Lutz Bachmann. Lutz Bachmann (*1973) ist Begründer
der Pegida-Bewegung (‚Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des
Abendlandes’) und Vorsitzender des Vereins ‚Pegida e. V.’ (vgl. wikipedia,
abgerufen am 28.08.17). Bei dem analysierten Material handelt es sich um
transkribierte Videos von Reden, die Bachmann am 12.03.16, 29.08.16, 05.12.16 und
09.01.17 bei Pegida-Versammlungen in Dresden gehalten hat; die Reden wurden
von Personen aus dem Pegida-Team selbst aufgenommen und über YouTube
veröffentlicht. Die Redebeiträge stammen aus einem Zeitraum, in dem die
Bewegung bereits ihren Mobilisierungshöhepunkt (12.01.15 ca. 25.000 Teilnehmer)
überschritten hatte (Pfahl-Traughber 2015). Bezugnehmend auf Tabelle 1 (siehe 2.1)
zählen Pegida-Demonstrationen zu den legalen und verfassten politischen
Partizipationsformen, da die Demonstrationen angemeldet wurden und somit in
einem legalen Rahmen durchgeführt werden. Der Legitimationsgrad korreliert
sicherlich mit der Anzahl der Teilnehmenden, so dass dieser ebenfalls am 12.
Januar 2015 seinen Zenit erreichte. Öffentliches Ansehen und Legitimation nahmen
wie die Anzahl der Teilnehmenden ab, als fremdenfeindliche und rassistische
Äußerungen Bachmanns sowie ein Foto, das ihn als Adolf Hitler verkleidet zeigt,
verbreitet wurden (vgl. ebd.). Bachmann hat einen eigenen Videochannel
4
bei
YouTube mit derzeit 5.583 Abonnenten (Stand: 26.10.17). Die für das Korpus
transkribierten Videos wurden zwischen 23.300 und gut 39.700 Mal aufgerufen
(Stand: 01.10.17).
3
Details zum Korpus und seiner Dokumentation sind auf der Webseite https://www.uni-
due.de/rechtspopulismus aufgeführt. Für wissenschaftliche oder didaktische Zwecke kann eine
Korpusnutzung bei den Erstellerinnen beantragt werden.
4
Vgl. https://www.youtube.com/channel/UCfGkhxY-7dq4UDktrCAI9MQ <27.10.17>.
6 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
3.2 Analyse
Nach Jakobson hat Sprache verschiedene Funktionen, wie die referentielle
Funktion, mit der wir Informationen übermitteln, die expressive, mit der wir
Gefühle ausdrücken können oder die appellative, mithilfe derer wir den
Rezipienten zu einer Handlung animieren (vgl. Jakobson 1960: 357). Funktionale
Sprachtheorien verstehen Sprechen als „Handeln mit dem Medium Sprache“
(Schwarz-Friesel 2013: 22). Für die Sprache in der Politik ist die Appellfunktion von
großer Bedeutung und es ist „wenig realistisch, in der Darstellungs- bzw.
Informationsfunktion die Hauptfunktion von Sprache zu sehen“ (Niehr 2014: 13).
Wenn wir Sprache verwenden, wählen wir lexikalische und syntaktische
Strukturen abhängig von unserer Intention aus, sodass ein „Sachverhalt […] je
nach Perspektive und emotionaler Einstellung des Produzenten sehr
unterschiedlich versprachlicht werden [kann]“ (Schwarz-Friesel 2013: 31). Auch
bei der Darstellung von Menschen in Texten werden diese „nicht abgebildet, wie
sie ‚sind‘, vielmehr entwirft der Text durch die Wahl spezifischer sprachlicher
Darstellungsmittel ein bestimmtes Bild von ihnen. Damit verbunden sind immer
auch Bewertungen“ (Bendel Larcher 2015: 63). Der Verfasser eines Textes, eine
Rednerin oder ganz allgemein ein Sender einer Botschaft kann zwischen
unterschiedlichen Formulierungen wählen und er entscheidet sich (mehr oder
weniger) bewusst für eine bestimmte Variante (vgl. Eroms 2008: 23).
Im Folgenden fokussieren wir auf die Aspekte Nomination und Prädikation
sowie die Perspektivierung, weil diese Elemente in den Reden von Bachmann
auffällig sind.
3.2.1 Nomination und Prädikation
Bachmann benennt in seinen Reden verschiedene Personen des öffentlichen
Lebens bzw. verweist auf sie. Die Bezeichnung anderer Individuen oder Gruppen
kann bereits Einblicke in die Positionierung des Sprechers geben, welchen Stand-
punkt und welche Haltung er gegenüber der genannten Person einnimmt, welchen
gesellschaftlich-politischen Hintergrund er hat. Ein typisches Beispiel für
unterschiedliche Nominationen sind die verschiedenen Bezeichnungen für
bewaffnete Kämpfer (vgl. Bendel Larcher 2015: 65): Kämpfer der Regierung eines
Landes werden als Armee oder Soldaten bezeichnet, stehen sie „auf der anderen
Seite“, sind es Rebellen oder Terroristen. Steht der Berichterstatter (oder ein anderer
Sender der Äußerung) wiederum auf Seiten der Kämpfer, wird er sie als Frei-
heitskämpfer oder Märtyrer bezeichnen. Mit all diesen Bezeichnungen kann aus
unterschiedlichen Perspektiven auf die gleiche Gruppe referiert werden, wobei die
Bezeichnungsalternativen „sich oft durch die ihnen inhärente Wertungs-
komponente“ unterscheiden (Niehr 2014: 14).
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 7
Die Verwendung bestimmter Bezeichnungen liefert nicht nur Informationen
über den Standpunkt des Senders, sondern kann auch beim Empfänger bestimmte
Emotionen oder Assoziationen wecken. Mit bestimmten Bezeichnungen vermag
der Sender beim Empfänger gewisse „Konnotationen, assoziativen Stereotype und
Rollenerwartungen“ aufzurufen, d.h. einen sog. Frame zu aktivieren, „und die
„Einstellung des Lesenden zu den beschriebenen Personen zu beeinflussen oder
gar zu manipulieren“ (Bendel Larcher 2015: 65). Nach Niehr ist „gerade in der
Beeinflussung der Rezipienten eine zentrale Funktion von politischer Sprache, von
Sprache überhaupt zu sehen“ (Niehr 2014: 13). Die Aktivierung des Frames
geschieht nicht nur über die Nomination, d.h. „die Art und Weise, wie soziale
Akteure als Individuen oder Gruppen benannt bzw. sprachlich konstruiert
werden“ (Bendel Larcher 2015: 63), sondern auch über die Prädikation der Akteure,
d.h. über die Zuweisung bestimmter positiver bzw. negativer Eigenschaften,
insbesondere in Form von Attributen sowie über die Darstellung von
Handlungsweisen der Personen (Bendel Larcher 2015: 63, 70).
In Tabelle 2 findet sich eine Übersicht der im Korpus benannten Personen und
der Bezeichnungen, mit denen Bachmann auf die Referenten verweist. Zum Teil
handelt es sich dabei um reine Nominationen (Angie), zum Teil werden die Be-
zeichnungen mit einem Attribut oder anderen Ergänzungen verbunden (der liebe
Herr Welke; unser bester Mann bei der SPD, den wir dort eingeschleust haben).
Bezeichnung bei Bachmann
der Horst (meist als Horscht ausgesprochen);
Worthülsen-Horst aus Bayern; der oberste Nebelwerfer
der CSU aus Bayern; mein lieber Horst; Wendehals
Anrede: du
Angie; Merkel
Oberbürgermeister der Schande aus München; Herr Reiter
menschenverachtender Diktator Mördogan
unser bester Mann bei der SPD, den wir dort
eingeschleust haben; Sigmar Gabriel; Gabriel; der
Wirtschaftsminister
Flinten-Uschi
der komplett unlustige Möchtegern-Komiker von der ZDF-
heute-show; dieses miese Stück; der liebe Herr Welke
Pöbel-Ralle Stegner; Pöbel-Ralle; Ralle; Stegner; Herr
Stegner
8 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
Cem Özdemir
ein grüner Einheitsparteifunktionär; Balkongärtner
Özdemir; Özdemir, Cem Mischpoke Özdemir; Cem;
irgendeinerin; einer von den Grüninnen
Anrede: du
Alexander van der
Bellen
van der Bellen
Donald Trump
der zukünftige US-Präsident Trump; Trump
Rainer Wendt
ein Rainer Wendt, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft;
Herr Wendt; Rainer Wendt
Anrede: Sie
Henriette Reker
eine Reker
Thomas Oppermann
ein Oppermann; Fraktionschef der SPD; dieser böse Nazi;
böse böse böse Nazi
Thomas De Maizière
unsere Innenmisere, unser Thomas; De Maizière
Frank-Walter
Steinmeier
der unsägliche Steinmeier
Gerd Müller
der sogenannte Entwicklungsminister Müller
Heiko Maas
unser beliebter ich arbeite gerne mit Stasi ... Maas; Heiko
(als Heicho/Heiche ausgesprochen)
Barack Obama
Obama
Mittäter (Bezug auf De Maizière, Gabriel, Steinmeier,
Müller)
Pegida-Team bzw. Pegida-nahe Personen
Ines-Claudia
Gemeinert
die Ines
Siegfried Däbritz
der Siggi; Siggi
Norbert Hofer
Norbert Hofer, Hofer
Michael Stürzenberger
Michael Stürzenberger
Jürgen Elsässer
der Jürgen Elsässer
Tab. 2: Nominationen und Prädikationen in den Reden von Lutz Bachmann
Bei der Nomination, die Bachmann verwendet, lässt sich feststellen, dass er Mit-
streiter und ihm genehme Leute mit dem vollen Namen oder Vornamen nennt.
Dabei verwendet er häufig den bestimmten Artikel statt des reinen Namens (z. B.
die Ines).
Die Vertreter der etablierten Parteien benennt Bachmann in der Regel nicht
neutral mit ihrem Vor- und Nachnamen oder nur dem Nachnamen. Stattdessen
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 9
verwendet er gerne nur den Vornamen den er bei Horst und Heiko verzerrt
ausspricht (Horst > Horscht; Heiko > Heiche/Heicho):
1) Horst spricht weiter (Rede 1)
2) Horst hat gesagt, das ist rassistisch. (Rede 1)
3) Danke Cem! (Rede 4)
4) ... So, auf jeden Fall kam halt Heiko … (Rede 4)
Die Verwendung des Vornamens kann verschiedene Effekte haben. Bendel Larcher
gibt z. B. an, dass unmündige Kinder und inferiore Angestellte mit dem Vornamen
gezeichnet werden, aber auch „persönliche Vertrautheit“ so ausgedrückt werden
kann (Bendel Larcher 2015: 64) was beispielsweise für die Anrede von Ines-
Claudia Gemeinert gilt. Bei den Politikern der etablierten Parteien will Bachmann
vermutlich zum einen suggerieren, dass er die genannten Politiker gut kennt, weiß
„wie die ticken“. Zum anderen weist er durch das duzen auf einen geringen
sozialen Abstand und geringe Achtung gegenüber den Bezeichneten hin. Dieser
Effekt des Lächerlich-Machens und der Geringschätzung durch den Vornamen
kommt insbesondere bei Verwendung des Kosenamens Angie für Angela Merkel
zum Ausdruck. Zwar kann man auch von „unserer Angie“ sprechen, um sie
volksnäher wirken zu lassen, Bachmann jedoch verwendet den Kosenamen nicht
aus Sympathie, sondern eher ironisch und um Merkel bloßzustellen (siehe hierzu
auch Kapitel 4.1 und 4.2).
Die Art und Weise, wie Bachmann Politiker duzt und anspricht, steht im star-
ken Kontrast zur Funktionssprache in der Politik (vgl. Burkhardt 1996: 80f.), wo
man sich in Interviews oder auch im Parlament sonst eher höflich siezt.
Gerne versieht Bachmann die Namen der anderen Akteure mit Attributen und
Kollokationen, wobei diese Ergänzungen keineswegs neutral gehalten sind; einige
sind persönlich, stark abwertend oder sogar beleidigend (Bsp. 5-7). Eher
metaphorisch sind Bezeichnungen wie in 8 bis 11:
5) der unsägliche Steinmeier
6) ein grüner Einheitsparteifunktionär
7) der komplett unlustige Möchtegern-Komiker von der ZDF-heute-show
8) Worthülsen-Horst aus Bayern
9) der oberste Nebelwerfer der CSU aus Bayern
10) Balkongärtner Özdemir
11) Wendehals
Eine Art kreativer Neubildung sind die Verballhornungen der Namen von Von der
Leyen, Erdoğan und De Maizière, wobei der Übergang zur Beleidigung wohl eher
fließend ist (siehe hierzu auch Kapitel 4.1).
12) Flinten-Uschi
13) Mördogan
10 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
14) Innenmisere
Weitere Beispiele für Beleidigungen und allgemein eine Verrohung oder
Vulgarisierung finden sich bei noch weiteren Prädikationen (Bsp. 15-19):
15) dieses miese Stück
16) unsere Innenmisere, unser Thomas
17) du den Hals in Angies Allerwertesten hattest (Rede 1) (über Seehofer)
18) … hat die Eier (= hat den Mut) (Rede 1, über Michael Stürzenberger)
19) diesen Idioten in den Arsch zu treten (Rede 3, bezogen auf Establishment
und Presse)
Mit diesen Nominationen verunglimpft Bachmann die genannten Politikerinnen
und Politiker der etablierten Parteien, das Establishment, was typisch für
Populismus ist (vgl. Merkmal 2, Abschn. 2.2).
3.2.2 Perspektivierung
Bachmann verwendet in seinen Reden sowohl die erste Person Singular (Bsp. 20)
als auch die erste Person Plural (Bsp. 21), um auf sich selbst bzw. die eigene Gruppe
zu verweisen. Das Pronomen wir kann als exklusives oder als inklusives wir
verwendet werden. Vom exklusiven wir spricht Bendel Lacher (2015: 60), wenn das
Pronomen für eine „mehr oder weniger klar umrissene gesellschaftliche Gruppe“
verwendet wird und einem ihr gegenübergestellt ist (vgl. auch 2.2).
5
Die „eigene
Gruppe“ kann im Falle Bachmans Pegida sein (21), aber auch die Sachsen (22)
(gegenüber dem Rest von Deutschland) oder alle Deutschen (23) gegenüber den
Flüchtlingen.
20) ich durfte das, äh, betrachten hier (.) im Internet (Rede 1)
21) Übrigens, hier haben wir wieder unseren Tisch (Rede 2)
22) waren wir Sachsen, (.) wir Sachsen (.) bereits seit neun Monaten zu
Zehntausenden auf der Straße (Rede 1)
23) dass wir diesen als Flüchtlinge bezeichneten Glücksrittern jetzt auch noch
die Invasion bezahlen (Rede 1)
Der starke Bezug zur wir-Gruppe und die Abgrenzung gegenüber „den anderen“,
den Bachmann immer wieder herstellt, ist typisch für Populisten (vgl. Merkmal 1,
Abschn. 2.2).
5
Bei dieser Unterscheidung von exkludierendem und inkludierendem wir geht es in erste Linie um
eine Differenzierung der im Sprachgebrauch aufzufindenden Verwendungsweisen (Kontextanalyse),
nicht um grammatische Formen des Personalpronomens, dass den Hörer mit einschließen oder außen
vorlassen kann (vgl. Anm. 5).
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 11
Bei seinen Auftritten spricht Bachmann sein Publikum gelegentlich direkt an. In
(24) verwendet er das Pronomen nach Art eines Arzt-Patienten-wir, wobei er aber
wohl eher ihr meint.
6
Außerdem verwendet er weitere Ausdrücke wie in 25-27. Bei
der Anrede „Dresden“ handelt es sich um eine hyperbolische Metonymie: Es kann
zwar davon ausgegangen werden, dass auch Einwohner Dresdens im Publikum
sind, aber natürlich sind nicht alle Einwohner Dresdens anwesend.
24) Fahnenstangen bitte auch hier auf dem Platz bitte runternehmen […], sind
wir extra nochmal drauf angesprochen worden von den Einsatzkräften,
von der Polizei, da halten wir uns einfach mal dran (Rede 1)
25) Dresden (Rede 1-4)
26) Freunde (Rede 1-4)
27) Leute (Rede 3)
In den Reden spricht Bachmann aber auch verschiedene Akteure, die gar nicht
vor Ort sind, direkt an. Durch eine solche explizite Anrede kann man „eine soziale
Beziehung suggerieren“, und so die Rezipienten manipulieren, „da eine
persönliche Beziehung ja nur inszeniert und […] instrumentalisiert wird“ (Bendel
Larcher 2015: 62). Bachmann wendet sich in seinen Reden explizit an die Politiker
Horst Seehofer (28), Cem Özdemir (29), Heiko Maas (30), die Presse (31, 32) und
den Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft im Deutschen Beam-
tenbund Rainer Wendt (33). Seehofer, Özdemir und Maas werden geduzt, auch die
Presse wird geduzt, allerdings in der 2. Person Plural. Nur den Vorsitzenden der
Polizeigewerkschaft siezt Bachmann.
28) So mein lieber Horst, du hörst mir mal richtig zu hier in Sachsen (Rede 1)
29) Natürlich Cem! Danke Cem! (Rede 4)
30) Heiko, horchst du hin jetzt (Rede 4)
31) Beweist es mir (Rede 2)
32) Überdenkt euer Handeln und werdet euch der Verantwortung für
Dresden und für Sachsen bewusst. (Rede 3)
33) Herr Wendt (.) speziell an Sie, Sie haben die Kontakte und Sie haben die
Macht und die Möglichkeit, wirklich etwas zu verändern (Rede 3)
Mit der Anrede du/ihr bringt Bachmann in den Beispielen 28-32 seinen geringen
Respekt gegenüber den Angesprochenen zum Ausdruck, was wiederum
tendenziell in die Richtung einer Verunglimpfung des Establishments geht.
6
Wenn der Arzt sagt „Jetzt holen wir mal tief Luft“, meint er nicht sich selbst, sondern nur den
Patienten. In 24) verwendet Bachmann das zweite wir ähnlich, da er nicht sich selbst, sondern das
Publikum meint; in einem solchen Fall sprechen Strecker/Hoffmann/Zifonun von einem ‚exklusiven‘
wir, da „die Sprechergruppendeixis […] wie eine Hörerdeixis verwendet“ wird (2011: 141 und 320).
12 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
3.3 Populistische Elemente in der Kommunikation von Pegida
Auf Basis der Sprachanalyse im vorherigen Abschnitt wird deutlich, dass durch
Nomination, Prädikation und Perspektivierung der Bezug zu einer Wir-Gruppe,
insbesondere in seiner exkludierenden Form und damit zum ersten
Definitionsmerkmal von Populismus (siehe 2.2, 3.2) hergestellt wird. Lutz
Bachmann identifiziert „wir Deutsche“ oder auch speziell „wir Sachsen“ als Wir-
Gruppe. Dieser sprachlichen Perspektivierung liegt immer auch eine Konstruktion
dieser Gruppe zugrunde, der so homogene Interessen unterstellt werden. Hierbei
handelt es sich um ein typisches Merkmal populistischer Argumentation. In seiner
Kritik bezieht Bachmann explizit die Vertreter des bundesrepublikanischen
Establishments (v.a. aus Politik und Medien) ein und nennt Vertreter der
etablierten Parteien zdemir, Merkel, Seehofer, Maas) namentlich. Die
Nomination und Prädikation von Bachmann ist insgesamt verunglimpfend und
stark auf typisch populistische Tabubrüche (vgl. Hartleb 2004: 77-81) ausgelegt. Die
ablehnende Haltung von Pegida gegenüber den etablierten Institutionen zeigt sich
besonders deutlich in der Weigerung, mit Mainstream-Medien
zusammenzuarbeiten, sowohl auf Seiten des Organisations-Teams als auch der
Demonstrierenden. Bachmann spricht beispielsweise von „Lügenpresse-
Vertreter[n]“ und „Lückenmedien“ (Rede 3). Das Thema „direkte Demokratie“,
das sich auf das dritte Populismus-Merkmal, die Volkssouveränität bezieht (vgl.
Abschn. 2.2), ist ein Kernanliegen von Pegida. So setzt sich Lutz Bachmann für die
Einführung von Volksentscheiden auf Bundesebene ein (vgl. Rede 1: „Fünftens,
und für mich nach wie vor das Wichtigste, müsste eigentlich auf eins stehen: (.)
Einführung von Volksentscheidungen auf Bundesebene nach Vorbild der Schweiz
um parallel zum Parteiensystem ein zweites Standbein der Demokratie zu
installieren.“). Auch Tatjana Festerling, die Pegida bis Mitte 2016 angehörte und
2015 für das Amt der Dresdner Oberbürgermeisterin kandidierte, nahm „Mehr
Bürgerbeteiligung mehr direkte Demokratie!“ als explizite Wahlkampf-
Forderung auf.
7
In den Reden und Aussagen von Pegida, hier in der Person von Lutz Bachmann,
lassen sich Belege finden, die alle drei Definitionskriterien für Populismus erfüllen;
somit kann Pegida als populistische Bewegung eingestuft werden (vgl. auch Weiß
2015, Stier et al. 2017). Die explizite Zuordnung zum rechten Populismus wird
durch die exkludierende Rhetorik bezüglich „integrationsunwilligen“ Migranten,
insbesondere aber Muslimen gerechtfertigt. Damit entspricht die Argumentations-
weise Pegidas dem Prototyp der „exclusionary populist far right” (Mudde/Rovira
Kaltwasser 2013).
7
http://www.tatjanafesterling.de/download/flyer05-Demokratie-vorn-a5.pdf <27.10.17>
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 13
4 Partizipation auf Pegida-Demonstrationen am Beispiel kontro-
verser Plakate
Bilder zählen „neben der Sprache zu den wichtigsten zeichenvermittelten Instru-
menten der Repräsentation, Interpretation und Aneignung von Welt [...]. Es ist in
der Öffentlichkeit unstrittig, dass wir in einem Zeitalter des Visuellen und Audio-
visuellen leben“ (Klemm/Stöckl 2011: 79). Diskurse können mittlerweile gezielt
über Bilder gesteuert werden, was besonders in den sozialen Medien deutlich wird.
Der Mediendiskurs funktioniert damit nicht nur schriftsprachlich, sondern weist
immer mehr Verknüpfungen und Entitäten unterschiedlichen Formats auf (z. B.
Integration von Videos in oder neben den Fließtext, Foto- oder Bildstrecken,
Animationen). Konkret geht es im Rahmen der nachfolgenden Analyse um
journalistische Fotografien, die während Pegida-Demonstrationen aufgenommen
und Teil des Mediendiskurses wurden. Aus Betrachterperspektive in Bezug auf
Abbildungen und ihre Interpretation ist hervorzuheben, dass Abbildungen „[...]
Stimmungen vermitteln und Gefühle auslösen [können], selbst wenn man die
abgebildeten Personen, Gegenstände und Umgebungen nicht (er)kennt. In einem
zweiten Schritt kann man Abbildungen wohl deuten und interpretieren [...], aber
eine eindeutig richtige oder falsche Lesart gibt es in aller Regel nicht“ (Bendel
Larcher 2015: 132). Auch „Elemente visueller Gestaltung wie Layout, Farb- und
Formgebung“ (Meier 2008: 217) sowie die Einbettung der ausgewählten
Abbildungen in das Online-Medium ist in den Blick zunehmen, da dieser die
Bedeutungsgenerierung im Zusammenspiel von Text, Bild und Medium
grundlegend mitbestimmt. Damit unterliegen alle Abbildungen den
Produktionsbedingungen des jeweiligen Mediums, die die Bildauswahl, aber auch
Bildeigenschaften beeinflussen (z. B. Belichtung, Ausschnitt, Größe, Format).
4.1 Exemplarische Bild-Text-Analyse 1: Merkel-Plakate
Abbildung 1 zeigt einen Auszug des Spiegel-Artikels mit dem Titel „Pegida wächst
wieder vom 10.03.15. Auf der visualisierten Sehfläche (vgl. Schmitz 2011), also der
„synergetischen Verknüpfung von schriftlichen Texten und statischen Bildern in
der Fläche eines Mediums“ (Stöckl 2011: 21), ist unterhalb der Dachzeile des
Spiegel-Artikels (Anti-Islam-Demos), der Überschrift und des Vorspanns die
Pressefotografie mit der Bildunterschrift „Pegida-Demo am Montag: Schriller Ton,
mehr Teilnehmer“ platziert. Das Foto zeigt Demonstrierende auf einer Pegida-
Demonstration in Dresden, wobei drei hochgehaltene Protestplakate befestigt an
Holzstäben über den Köpfen der Teilnehmenden ragen, die im Anschluss näher
untersucht werden. Der multimodale Online-Artikel weist Verlinkungen zu
weiterführenden Artikeln auf und kann u.a. über soziale Medien geteilt werden.
Ferner kann das Foto durch einen integrierten kreisförmigen Button angeklickt
14 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
und damit vergrößert werden (siehe Abbildung 2, links unten). Mit dem Anklicken
dieses Buttons wird deutlich, dass das im Artikel sichtbare Foto nur ein Ausschnitt
des Gesamtfotos ist (vgl. Abbildung 1 und 2).
Abb. 1: Spiegel-Artikel über Pegida-Demonstration mit Abbildung (Quelle:
Spiegel Online, 10.03.15a)
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 15
Abb. 2: Größerer Ausschnitt der Fotografie Pegida-Demonstranten mit Merkel-
Plakaten (Quelle: Spiegel Online, 10.03.15b)
Abbildung 2 zeigt eine Menschenmenge (dies visualisiert den beschriebenen
Teilnahmezuwachs), die unterhalb des Bildausschnittes von links nach rechts das
gesamte Bild ausfüllt, aber teilweise unscharf im Hintergrund bleibt. Im
Hintergrund sind bei Dämmerung Gebäudekomplexe zu sehen. Im Vordergrund
zentral, zum Teil gezielt beleuchtet (ob durch digitale Nachbearbeitung oder im
Umfeld genutzte Beleuchtung, bleibt unklar), ist ein hoch gehaltenes Plakat
sichtbar, das Angela Merkel in einer nazi-ähnlichen Uniform zeigt, mit einer rot-
weißen Armbinde mit Eurozeichen und einem im Hintergrund, ebenfalls in rot-
weiß mit Eurozeichen, befindlichen Banner. Der Urheber ist nicht zu erkennen
bzw. steht hinter der fotografierenden Person. Die verwendete Symbolik des
Plakats, der historische Bezug zum Nationalsozialismus und die Absicht des
Plakat-Machers ist eindeutig. Sie drückt sich zugleich in Reden Lutz Bachmanns
aus, in der die Mitglieder der Bundesregierung als „Berliner Diktatoren“ (Spiegel
Online, 13.10.15b) bezeichnet werden. Es ergibt sich somit ein wiederkehrendes
16 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
Diskursmuster. Rechts von diesem Plakat ist ein kreisförmiges Plakat abgelichtet,
auf dem die DDR-Flagge zu sehen ist, in deren Mitte Angela Merkels Kopf mit
Schweine-Ohren herausragt. Die Darstellung Merkels als Schwein könnte zugleich
dem Diskursmuster ‚Judenschwein’ zugeordnet werden.
8
In jedem Fall ist der
Vergleich mit einem Schwein, von dem auch auf dem dritten Plakat Gebrauch
gemacht wird, als stark abwertend zu verstehen. In Anlehnung an das Siegel des
US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes ‚National Security Agency’ wird das
zweite Plakat vom Schriftzug „NATIONAL STASI AGENCY * IN IM ERIKA WE
TRUST“ umrandet und steht somit für vermeintliche Stasi-Verbindungen Merkels.
Das Plakat drückt damit nicht nur Misstrauen und Protest gegen Angela Merkel
aus, sondern weist sie auch eindeutig als Gegnerin aus. Das dritte, rechteckige
Plakat steht weiter im Hintergrund, ist unscharf und aufgrund dessen schwer
lesbar. Dennoch ist im oberen Teil in Großbuchstaben der rote Schriftzug
„Bundes?erkel“ zu lesen, unterhalb dessen auch eine Fotomontage mit einem
Schwein, das mit seinen Füßen und Kopf über den Zaun ragt, und Merkels Gesicht
trägt. Die Wortneuschöpfung, die mittels ‚?’ bewusst nicht vollzogen wird
sicherlich um den Tatbestand der Beleidigung zu vermeiden überlässt es dem
Betrachter, das Wortspiel auszuführen. In diesem Sinne bewegt sich der Urheber
geschickt im Grenzbereich legaler Protestformen. Dennoch steht aufgrund der
visuellen und sprachlichen Assoziationen, die automatisch erfolgen und wohl auch
beabsichtigt sind, der Begriff „Ferkel“ im Raum. Dadurch werden sowohl das
Plakat als auch dessen Urheber in diesem Diskursraum in Gegnerschaft zur
Bundeskanzlerin positioniert. Die Bundeskanzlerin wiederum wird in allen drei
Plakaten metonymisch für politische Entscheidungen der gesamten
Bundesregierung (in diesem Fall als Pars pro toto) visualisiert. Die beschriebenen
Beispiele knüpfen an die von Hawkins beschriebene „anything goes attitude“
(2009: 36) des Populismus an: der Zweck, nämlich die Kritik am Establishment,
heiligt die Mittel (Vergleich mit totalitären Diktaturen, Schweine-Vergleich).
Kontextuell wird in allen drei Plakaten, die im Spiegel-Artikel in der Abbildung
visualisiert werden, Angela Merkel als politische Gegnerin ausgemacht, sie ist
‚Diktatorin mit Eurodoktrin’, sie ist „Bundes?erkel“ und Teil der DDR-Stasi. Alle
drei Protestplakate sind kontrovers, da sie erstens mit Grenzen des
Visualisierbaren (Merkel als Nazi/Diktatorin, Merkel als Schwein) und zweitens
mit Grenzen des Sagbaren spielen (‚Merkel ist Bundesferkel’, ‚Merkel hat für das
Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi, gearbeitet’, und intertextuell im
Schriftzug impliziert ‚Verbündete Amerikas’). Die hier dargestellten Formen der
Partizipation werden im medialen Diskurs zwar kritisch betrachtet so wird im
8
Hierzu ist auch anzumerken, dass vereinzelt auch antisemitische Rufe auf Pegida-Demonstrationen
vernommen wurde. So soll ein Pegida-Ordner einen Journalisten Ende 2014 mit den Worten
bedroht haben: „Verpiss dich, du Judenschwein, sonst machen wir dich platt!“ (FAZ, 30.12.14).
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 17
Artikel berichtet, dass „[d]er Ton auf der Demo [...] schriller [werde]“ (Spiegel
Online, 10.03.15a) dennoch werden sie genutzt, um Charakteristika der Pegida-
Bewegung, vermittelt auch über das Abbilden von Protestplakaten, pointiert zu
visualisieren. Abbildung 2 zeigt allerdings nicht nur aktive Handlungen durch das
Hochhalten von Protestplakaten, sondern auch andere Formen der Partizipation
wie beispielsweise Personen, die Gespräche führen, Protestplakate mit Handys
abfotografieren, lachen, hochgehaltene Plakate anschauen und damit auf das
Gezeigte reagieren. Vorwiegend sind dabei männliche Akteure abgebildet. In
welcher Form der Protest legitim oder illegitim ist, beschreibt vor allem der
mediale Diskurs, in dem die Plakate, aber auch Demonstrationen beschrieben oder
bewertet werden. Beispielsweise wird zum Jahrestag Pegidas dieselbe
Fotomontage, die „Merkel in Nazi-Uniform“ zeigt, als „Eklat“ (Focus Online,
19.10.15) kategorisiert. So heißt es im Live-Ticker der Sächsischen Zeitung, dass die
Polizei einen Demonstranten herausgezogen habe, der „ein Plakat mit Merkel in
Naziuniform dabei [hatte]“ (Sächsische Zeitung, 19.10.15). Auch die Augsburger
Allgemeine vom 19.10.15 berichtet: Die Pegida-Anhänger demonstrieren mit
provokativen Plakaten. Eines zeigt Angela Merkel in Naziuniform mit
Eurozeichen statt Hakenkreuz“. Die Bewertung der Plakate erfolgt dabei auch
durch öffentliche Personen oder staatsanwaltliche Handlungen wie die Analyse
des nachfolgenden Abschnitts verdeutlicht.
4.2 Exemplarische Bild-Text-Analyse 2: Die Galgen-Attrappe
Die hier besprochene Abbildung einer Galgen-Attrappe ist ein weiteres Beispiel für
kontroverse Partizipation auf Pegida-Demonstrationen.
18 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
Abb. 3: Spiegel-Artikel über eine Galgen-Attrappe (Quelle: Spiegel Online,
13.10.15a)
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 19
Abb. 4: Galgen-Attrappe auf einer Pegida-Demo am 12.10.15 (Quelle: Spiegel
Online, 13.10.15a: Fotostrecke, Bild 2)
Die Abbildung ist Aufmacher des Spiegel-Artikels vom 13.10.15a und trägt im
Unterschied zur dazugehörigen Fotostrecke, die über den Button ‚Fotos’
eingesehen werden kann, auf der Artikel-Seite keine Bildunterschrift (vgl.
Abbildung 3 und 4). Das Foto wirkt insgesamt sehr wackelig, ist teilweise schlecht
belichtet und unscharf. Es wurde vermutlich mit einem Handy fotografiert. Dies
würde die unzureichende Belichtung und das damit verbundene unprofessionelle
Gesamtbild erklären. Dadurch wirkt das Foto aber auch authentischer, erzeugt aus
Sicht des Betrachters Nähe und simuliert Augenzeugenschaft (siehe hierzu
Fraas/Pentzold/Meier 2012: 68). Der Urheber des Galgens ist auf diesem Foto nicht
20 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
abgelichtet. Die Abbildung hat in der Fotostrecke einen weiteren Ausschnitt, zeigt
im Vordergrund einen aus Holzlatten gebauten Galgen, an denen an zwei Seilen
zwei mit Folie laminierte Zettel hängen mit der Aufschrift: „Reserviert Siegmar
[sic!] ‚das Pack’ Gabriel“ sowie „Reserviert Angela ‚Mutti’ Merkel“. Ferner stellen
die in Anführungszeichen gesetzten Textstellen diskursive Bezüge her. Mit dem
Zitat Pack“ wird auf Sigmar Gabriel, zum damaligen Zeitpunkt
Bundeswirtschaftsminister, und seine Äußerung im Kontext fremdenfeindlicher
Proteste von Rechtsextremen vor Flüchtlingsheimen Bezug genommen, der diesen
Personenkreis als „Pack“ bezeichnet hatte (vgl. Süddeutsche Zeitung Online,
24.08.15). Mit dem Zitat „Mutti“ ist hingegen Angela Merkels Spitzname gemeint,
der hier darauf bezogen werden kann, dass auf Pegida-Demonstrationen eine
grundlegende Ablehnung der Kanzlerin wiederkehrend geäußert oder auch
visualisiert wird, nicht positiv verniedlichend (im Sinne von ‚Mutter der Nation’),
sondern negativ konnotiert wird, im Sinne eines bevormundenden Politikstils (vgl.
auch Abschnitt 3.2.1). In einem ebenfalls am 13.10.15, aber zu einem späteren
Zeitpunkt veröffentlichten Spiegel-Artikel wird berichtet, dass wegen des
sogenannten „Pegida-Galgens“ bzw. „Merkel- und Gabriel-Galgens“
staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet wurden (vgl. Spiegel
Online, 13.10.15b). Begründet werden die Ermittlungen mit einem „möglichen
Aufruf zu Straftaten“. (Spiegel Online, 13.10.15b). Das Beispiel zeigt also, dass sich
unter den Pegida-Demonstrierenden auch solche befinden, die sich nicht mehr im
Rahmen der Partizipationsform ‚legaler Protest’ bewegen. Die Galgen-Darstellung
kann im Extremfall sogar als Aufruf zur illegalen und illegitimen
Partizipationsform ‚politische Gewalt’ verstanden werden.
Während Bachmann den Galgen als „lächerliche Bastelarbeiten“ bezeichnet,
verdeutlicht Michael Grosse-Brömer, CDU, „‚[z]u Recht wird jetzt auch straf-
rechtlich ermittelt. Da werden Grenzen überschritten’“ (Spiegel Online, 13.10.15b).
Ein am 19.10.15 veröffentlichter Spiegel-Artikel, der nun den Namen des Urhebers
konkret benennt, nimmt Bezug auf dessen Deutung des Galgens. Hiernach sei der
Galgen der „Satire“ zuzuordnen (Spiegel Online, 19.10.15). Während Pegida-
Anhänger den Galgen verharmlosen, gar in die Lächerlichkeit ziehen, sind es
insbesondere Vertreter etablierter Parteien bzw. öffentlich-politische Personen, die
diese Form des Protestes kritisieren und von Grenzüberschreitungen oder
sinkenden Hemmschwellen sprechen. Grenzen des Mach- und Darstellbaren (vgl.
Dreesen 2015) werden diskursiv also nicht nur durch Bewertungen des Protestes
durch politische Akteure aufgezeigt, sondern vor allem juristisch formuliert. Der
Diskurs über die Galgen-Attrappe endet jedoch nicht an dieser Stelle, sondern
führt bis in das Jahr 2017, in dem die staatsanwaltlichen Ermittlungen eingestellt
werden (vgl. mdr Sachsen, 10.03.17).
Multimodale Perspektiven am Beispiel von Pegida. 21
4.3 Zusammenfassung und Ausblick
Insgesamt zeigen die untersuchten Abbildungen politisch aktive Bürgerinnen und
Bürger, die die bundesweit mediale Aufmerksamkeit in Bezug auf Pegida nutzen
und ihre politischen Standpunkte nicht nur verbal, sondern auch visuell in Form
von Protestplakaten oder anderen eigenen Konstruktionen zum Ausdruck
bringen. Ferner zeigen alle hier im Rahmen der Bildanalyse untersuchten
Abbildungen ein Feind-Schema, das über politische Vertreter konstruiert wird und
diskursiv zur Polarisierung öffentlich-politischer Debatten beiträgt ein typischer
Effekt populistischer Akteure auf den politischen Diskurs (vgl. Castanho Silva
2017). Dabei bieten kontroverse Protestformen eine hohe Wahrscheinlichkeit, das
mediale Interesse auf sich zu ziehen wie in beiden angeführten
Beispielabbildungen geschehen. Die hier durchgeführte Bildanalyse ist nur
exemplarisch; um Systematiken und visuelle Muster von Pegida-Protestplakaten
und schlussendlich Formen der Partizipation untersuchen zu können, müsste sie
auf Grundlage eines großen Bildkorpus um systematische Untersuchungen
erweitert werden.
Die Analyse der Publikumsreaktionen bei Pegida-Demonstrationen zeigt auch,
dass sich unter den Teilnehmenden extremistische Tendenzen finden. Auf der
Akteur-Ebene wurden in den Reden Bachmanns hauptsächlich klassisch
(rechts)populistische Benennungspraktiken identifiziert. Offensichtlich fühlt sich
die extremistische Rechte davon aber auch angesprochen. So gab es bereits früh
öffentliche Unterstützungen von der sächsischen NPD, der ‚Identitären Bewegung’
und ‚HoGeSa’ („Hooligans gegen Salafisten“) (vgl. Weiß 2015). Bei einigen
Demonstrationen wurden Sprechchöre wie „Lügenpresse“ oder „Volksverräter”
angestimmt, die sich des NS-Vokabulars bedienten (vgl. Pfahl-Traughber 2015).
Mindestens bis Januar 2015 gelang Pegida damit die (zumindest lokale) Bündelung
rechtspopulistischer und rechtsextremer Interessen. Pegida machte damit
entsprechende Positionen salonfähig und kann als Wegbereiter des Erfolgs des
neuen, national-konservativen Kurses der ‚Alternative für Deutschland’ (AfD)
angesehen werden.
5 Fazit
Aus politikwissenschaftlicher Perspektive handelt es sich bei den Pegida-
Demonstrationen um legale Partizipationsformen, deren Legitimation zunächst
kontinuierlich anwuchs und ihren Höhepunkt Anfang Januar 2015 erreichte.
Aufgrund der Tendenz Bachmanns zur extremistischen Rechten, die durch Fotos
in Hitler-Pose und ausländerfeindliche Facebook-Posts gestützt werden, hat
Pegida danach an Legitimation in der Bevölkerung verloren (vgl. Pfahl-Traughber
2015) . Insgesamt handelt es sich bei Pegida um eine exkludierende
22 Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien
rechtspopulistische Bewegung, wie sie in anderen europäischen Ländern bereits
seit Jahrzehnten existieren. Auf Seiten der Demonstrierenden waren jedoch von
Beginn an auch extremistische Tendenzen zu vernehmen, die zum Teil die Grenze
zum legalen Protest überschritten haben. Hierzu gehören auch Darstellungen, die
Angela Merkel mit totalitären Systemen (Stasi, Nationalsozialismus) in
Verbindung bringen, die teilweise sogar Strafbestände darstellen.
Die linguistische Analyse des Sprachgebrauchs von Bachmann hat gezeigt, dass
typisch populistische Elemente verwendet werden. So stellt Bachmann regelmäßig
einen Bezug zur Wir-Gruppe her und schließt andere von dieser Gruppe aus. Er
fordert weiterhin den starken Ausbau der direkten Demokratie. Darüber hinaus
werden Vertreterinnen und Vertreter des sogenannten Establishment (v. a. Politik
und Medien) verunglimpft und beleidigt, wobei eine Verrohung und
Vulgarisierung der Sprache durchaus bewusst von Bachmann eingesetzt und vom
Publikum bereitwillig akzeptiert wird.
Die Bildanalyse konnte zeigen, dass sich der Mediendiskurs gezielt provokanter
Protestplakate bedient und damit nicht nur Einstellungen und Positionen der
Pegida-Bewegung sowie ihrer Anhängerschaft visuell vermittelt, sondern dadurch
auch das Medienverhalten für die Demonstrierenden berechenbar macht. Je
kontroverser die Plakate, umso wahrscheinlicher das mediale Interesse. Die
Auswahl der analysierten Protestplakate verdeutlicht, dass das Kernelement des
Populismus, nämlich die Verunglimpfung der Elite, hier durch gezielte
wiederkehrende Feind-Schemata in Bezug auf Akteure der Bundesregierung,
realisiert wird. Es bedarf jedoch weiterer systematischer Analysen, die der
Multimodalität des Untersuchungsgegenstandes unter Einbezug von Text-Bild-
Relationen gerecht werden.
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Verfügbar unter http://www.sueddeutsche.de/politik/rechte-gewalt-in-heidenau-gabriel-man-
darf-diesen-typen-keinen-millimeter-raum-geben-1.2619311.
Article
Full-text available
p>The article examines how right-wing discourse communities are linguistically and visually constituted in social media in the context of flight, migration and Islam. The PEGIDA Facebook Corpus covering user comments (2014–2015), the PolRrA Corpus containing right-wing populist speeches (2016–2017) and the Instagram Corpus of the hashtag #identitäre (2019–2020) with postings and user comments are the data basis. Thus the corpus consists of different language-based and multimodal entities. The aim is to show how right-wing discourse communities in Germany are constituted by us - you relations, naming practices and visual patterns across time, platform and organization. </p
Chapter
Full-text available
While psychiatry and the neurosciences have dismissed the concept of neurosis as too vague for medical purposes, in recent years literary studies have adopted the term by virtue of its abstractness. This volume investigates the verbalization of neurosis in literary and cultural texts. As opposed to the medical diagnostics of neurosis in the individual, the contributions focus on the poetics of neurosis. They indicate how neuroses are still routinely romanticized or vilified, bent to suit aesthetic and narrative choices, and transfigured to illustrate unresolved cultural tensions.
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Previous research has acknowledged the use of social media in political communication by right-wing populist parties and politicians. Less is known, however, about its pivotal role for right-wing social movements which rely on personalized messages to mobilize supporters and challenge the mainstream party system. This paper analyzes online political communication by the right-wing populist movement Pegida and German political parties. We investigate to which extent parties attract supporters of Pegida, to which extent they address topics similar to Pegida and whether their topic use has become more similar over a period of almost two years. The empirical analysis is based on Facebook posts by main accounts and individual representatives of these political groups. We first show that there are considerable overlaps in the audiences of Pegida and the new challenger in the party system, AfD. Then we use topic models to characterize topic use by party and surveyed crowdworkers to which extent they perceive the identified topics as populist communication. The results show that while Pegida and AfD talk about rather unique topics and smaller parties engage to varying degrees with the topics populists emphasize, the two governing parties CDU and SPD clearly deemphasize those. Overall, the findings indicate that the considerable attention devoted to populist actors and shifts in public opinion due to the refugee crisis have left only moderate marks in political communication within the mainstream party system.
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Radical parties have been found to succeed under conditions of mass polarization. It is argued that their message resonates better with voters at the extremes of an ideological spectrum. This paper investigates if the reverse also holds, meaning that radical parties may contribute to the polarization of the public. I test this claim in the Netherlands, a country that has experienced the rise of populist radical right parties since 2002, using a synthetic control model built with a pool of comparable countries and Eurobarometer survey data. Results show that, after the rise of Pim Fortuyn and Geert Wilders, the level of polarization among the Dutch public increased more than it otherwise would have. These findings contribute to understanding the connection between elite- and mass-level polarization, and the consequences of populist radical right parties’ emergence in Western Europe.
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The dominant theoretical paradigm originating in the work of Cas Mudde conceives of populism as a thin-centered ideology that focuses on the antagonism between people and elites against the backdrop of popular sovereignty. While this framework has contributed significantly to an improved scientific analysis of populism, it is argued in this article that its ideological connotations are ill-conceived both conceptually and methodologically, and that its normative implications and failure to acknowledge the graded nature of populist behavior hinder the further evolution of the field of populism studies. Combining insights from the work of Ernesto Laclau and the proponents of frame theory, the article suggests dropping the ideological clause and simply conceiving populism as a discursive frame. The article contends that frame analysis reveals a strong fit between discursive elements and cognitive features of populism, furnishing solid methodological foundations to conduct empirical research and encouraging cooperation with neighboring fields of social science.
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This article makes the case for a novel democratic subtype, populist democracy, indicating a situation in which both the party in office and at least the major opposition force(s) in a pluralist system are populist. Based on a minimal definition of populism as ‘democratic illiberalism’, and through the comparative analysis of post-authoritarian Greece and post-communist Hungary, the article reveals the particular stages, as well as the causal mechanisms, that may prompt the emergence of populist democracy in contemporary politics. It also points to the tendency of such systems to produce polarized two-party systems, and it calls for further research on the topic.
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Populism is best understood as a Manichaean worldview linked to a characteristic language or discourse. Chavismo, the movement that sustains Hugo Chávez in Venezuela, is a paradigmatic instance of populism. Using a novel, cross-country dataset on populist discourse, combined with extensive data from within Venezuela and across other countries, this book demonstrates that populist movements can be understood as responses to widespread corruption and economic crisis. The book analyzes the Bolivarian Circles and government missions in Venezuela, revealing how populist ideas influence political organization and policy. The analysis provides important insight into the nature of populism, including its causes and consequences, and addresses broader questions about the role of ideas in politics.
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A focus on crisis is a mainstay of the literature on contemporary populism. However, the links between populism and crisis remain under-theorized and undeveloped. This article puts forward a novel perspective for understanding this relationship, arguing that crisis does not just trigger populism, but that populism also attempts to act as a trigger for crisis. This is because crises are always mediated and ‘performed’. The article presents a six-step model of how populist actors ‘perform’ crisis, drawing on empirical examples from Europe, Latin America, North America and the Asia-Pacific region. It explains how the performance of crisis allows populist actors to pit ‘the people’ against a dangerous other, radically simplify the terrain of political debate and advocate strong leadership. It ultimately suggests that we should move from thinking of crisis as something purely external to populism, towards thinking about the performance of crisis as an internal core feature of populism.
Stil und Stilistik: eine Einführung. 2., Neu bearb. und erw
  • Hans-Werner Eroms
Eroms, Hans-Werner (2014): Stil und Stilistik: eine Einführung. 2., Neu bearb. und erw. Aufl. Grundlagen der Germanistik 45. Berlin: Schmidt.
Rechts-und Linkspopulismus: eine Fallstudie anhand von Schill-Partei und PDS
  • Florian Hartleb
Hartleb, Florian (2004): Rechts-und Linkspopulismus: eine Fallstudie anhand von Schill-Partei und PDS. Wiesbaden: VS, Verlag für Sozialwissenschaften.
Bild-)Diskurs im Netz. Konzepte und Methoden für eine semiotische Diskursanalyse im World Wide Web
  • Stefan Meier
Meier, Stefan (2008): (Bild-)Diskurs im Netz. Konzepte und Methoden für eine semiotische Diskursanalyse im World Wide Web. Köln: Herbert von Harlem.