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Auf dem Weg zu einer Informatik neuer Prägung in Wissenschaft, Studium und Wirtschaft

Authors:
Please quote as: Brenner, W.; Broy, M. & Leimeister, J. M. (2017): Auf dem Weg zu
einer Informatik neuer Prägung in Wissenschaft, Studium und
Wirtschaft. In:Informatik-Spektrum.
1 23
Informatik-Spektrum
Organ der Gesellschaft für Informatik
e.V. und mit ihr assoziierter
Organisationen
ISSN 0170-6012
Informatik Spektrum
DOI 10.1007/s00287-017-1066-x
Auf dem Weg zu einer Informatik neuer
Prägung in Wissenschaft, Studium und
Wirtschaft
Walter Brenner, Manfred Broy & Jan
Marco Leimeister
1 23
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ZUR DISKUSSION GESTELLT / WEG ZU EINER INFORMATIK NEUER PRÄGUNG }
Auf dem Weg zu einer Informatik
neuer Prägung in Wissenschaft,
Studium und Wirtschaft
Walter Brenner · Manfred Broy
Jan Marco Leimeister
Entwicklung der Informatik
in Wirtschaft und Gesellschaft
Die Informatik hat sich in Wissenschaft und Praxis
in Stufen entwickelt. Wars ie anfänglich insbesondere
von dem Ziel geprägt, Computer zu bauen, wurde mit
der steigenden Leistungsfähigkeitder Rechner bald
klar, dass Programmierung keine unwesentliche Ne-
bentätigkeit im Bereich des elektronischen Rechnens
war.Schnell zeigtesich, dass dieProgrammierung der
Maschinenmehrundmehr zu einerHerausforderung
wurde. Die Umfänge der Software wuchsen mit der
Zunahme der Leistungsfähigkeit der Hardware rasch
an. In den 60er-Jahren wurden erste grosse techni-
sche Softwaresysteme gebaut. In den 70er-Jahren
entstandenerste grosseAnwendungssysteme,etwa in
Banken, Versicherungen und im Versandhandel. In
den 80er-Jahren wurde die Bedeutung von Daten, als
von den Programmen eigenständig zu modellierende
und zu behandelnde Objekte, erkannt. Gleichzeitig
wurden die Anwendungsbereiche der Rechner aus-
geweitet. Software wurde in eingebetteten Systemen
eingesetzt.
Zu Beginn der 80er-Jahre begann die Verbrei-
tung des Personal Computers. Für diesen wurden
eigene Betriebssysteme und spezielle Anwen-
dungsprogramme entwickelt. Damit einhergehend
entstand neben dem traditionellen Informatikmarkt
für Unternehmen ein wachsender Markt für private
Haushalte.
Nachdem das Internet weltweit verfügbar und
das World Wide Web erfunden war, wurde eine
wachsende Menge von Informationen über die sich
schnell ausbreitenden Internetstrukturen verfüg-
bar. Durch die riesige Menge an Informationen,
die im Internet verbreitet waren, wurden Such-
maschinen eine der wichtigen Bestandteile des
Informationsmanagements. Standen am Anfang
noch hierarchische Suchmaschinen im Vorder-
grund, gab es bald Suchmaschinen auf Volltextbasis,
die das Internet ständig nach neuen Informatio-
nen durchsuchten. E-Commerce brachte Millionen
Menschen die Vorzüge des Versandhandels von so
gut wie allen Waren und Dienstleistungen näher.
Soziale Netze entstanden und wurden alsbald als
Geschäftsmodell von Facebook erschlossen.
Apple erfand 2007 das Smartphone, das in
weniger als zehn Jahren auf der ganzen Welt flächen-
deckend Verwendung fand. Die Entwicklung der
Informatik geht unvermindert weiter. Die Transfor-
mation bisher primär physischer und mechanischer
Produkte in Verbindung mit neuen Möglichkeiten
der allgegenwärtigen Vernetzung, der Sensorik und
der Aktuatorik, führt zu Cyber-Physical-Systems, die
auch Grundlage komplett neuer Geschäftsmodelle in
,,klassischen“ Industrien sein können. Im Zentrum
steht nicht mehr, nur Produkte zu verkaufen, sondern
denNutzen,dendie VerwendungderProdukteliefert,
wird oftmals unter dem Oberbegriff ,,Everything as
a Service“ gefasst. Die Möglichkeiten der Speiche-
rung und Auswertung sehr grosser und heterogener
Datenmengen in kürzester Zeit erlauben, bisher ver-
borgende Strukturen in grossen Datenbeständen,
unabhängig vom Format, zu erkennen und nutzbar
zu machen.
DOI 10.1007/s00287-017-1066-x
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2017
Walter Brenner · Jan Marco Leimeister
Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität St. Gallen,
Müller-Friedberg-Strasse 8, 9000 St. Gallen, Schweiz
E-Mail: {walter.brenner, JanMarco.Leimeister@unisg.ch}
Manfred Broy
Fakultät für Informatik, Technische Universität München,
Boltzmannstr. 3, 85748 Garching, Deutschland
E-Mail: broy@in.tum.de
Author's personal copy
{WEG ZU EINER INFORMATIK NEUER PRÄGUNG
Die Vernetzung, die hohe Rechenleistung
und die Flexibilität der Produkte, Prozesse, und
Dienstleistungen auf Basis von Software bis hin zu
Anwendungsbereichen künstlicher Intelligenz er-
möglichen völlig neuartige Geschäftsmodelle für
immer mehr Lebensbereiche. Die schnellen Verän-
derungen können vor allem durch junge dynamische
Start-up-Firmen aufgegriffen oder gar geprägt wer-
den. Solche erfolgreichen Start-ups werden oft von
charismatischen Führungspersönlichkeiten gegrün-
det und vorangetrieben. Diese Persönlichkeiten
zeichnet eine Synergie aus Informatikkompe-
tenz und der Befähigung zum unternehmerischen
Handeln aus.
Seit einigen Jahren verbreitet sich der Begriff der
Digitalisierung, der alle Arten der Verwendung von
Informatik für die unterschiedlichen Anwendungs-
gebiete adressiert, insbesondere das beschleunigte
Fortschreiten der Technik und deren Bedeutung für
alle Bereiche unseres Lebens – privat, wirtschaftlich
und gesellschaftlich.
Informatik neuer Prägung in Unternehmen
Im Zuge der beschriebenen Entwicklung hat sich die
Rolle der Informatik in Unternehmen gewandelt. Zu
Beginn ging es in erster Linie um Effizienzverbesse-
rung, um die Automatisierung repetitiver Prozesse,
Optimierungen und die Bereitstellung von Informa-
tionen für Entscheidungen. Heute hat Informatik in
fast allen Branchen der Wirtschaft strategische Be-
deutung. Auf der einen Seite gibt es Unternehmen,
allem voran Start-ups und Internetunternehmen,
die nur in der digitalen Welt arbeiten. Auf der an-
deren Seite sind gerade traditionelle Unternehmen
gefordert, im Rahmen der sogenannten digitalen
Transformation zu entscheiden, ob und in wel-
chem Umfang sie ihre Produkte, Dienstleistungen,
Prozesse und auch das Geschäftsmodell digitali-
sieren. Von besonderer Bedeutung sind Daten. Sie
sind der ,,Treibstoff“ vieler neuer Angebote und
Geschäftsmodelle.
Je stärker Informatikentscheidungen von stra-
tegischer Bedeutung für ein Unternehmen werden,
umso wesentlicher sind tiefgreifende Informatik-
kenntnisse. Ohne profunde Kenntnisse in Informatik
lassen sich strategische Entscheidungen im Rah-
men der Digitalisierung nicht treffen. Dies erfordert
insbesondere in den Firmen ein Umdenken in der
Rolle und Organisation der Informatik innerhalb
der Unternehmen. Der klassische Chief Informa-
tion Officer, CIO, war im Wesentlichen für die
Automatisierung von Abläufen, die Bereitstellung
von Informationen für Entscheidungen auf unter-
schiedlichen Ebenen des Unternehmens und für die
Informatikinfrastrukturen verantwortlich. Letzt-
lich hat er der Führungsebene erspart, sich selbst zu
Themen der Informatik kompetent zu machen.
Die neue Rolle der Informatik in Unternehmen
erfordert zwingend einen veränderten Umgang mit
dem Thema Informatik. Es gilt neuen betriebswirt-
schaftlichen Herausforderungen, beispielsweise bei
der Konzeption neuer endkunden- und nutzer-
orientierter Prozesse sowie der Entwicklung und
dem Betrieb digitalisierter Produkte, Rechnung
zu tragen. In Zukunft müssen alle Bereiche des
Unternehmens lernen, Informations- und Kom-
munikationstechnik strategisch einzusetzen. Der
strategische Umgang mit dem erweiterten Po-
tenzial der Informatik in Unternehmen erfordert
Führungspersönlichkeiten, die über ausreichende
Kompetenz in Informatik verfügen, die notwen-
digen Investitionen durchsetzen können und zu
unternehmerischem Handeln fähig sind.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen
ergeben sich vier neue Ausprägungen des Berufs-
bilds des Informatikers in der Wirtschaft, die –
Stand heute – unterschiedlich stark oder schwach
in universitären Studiengängen gezielt ausgebildet
werden:
,,Konventionelle“ Informatiker haben eine umfas-
sende und breite Ausbildung in Informatik. Sie
arbeiten in Anwendungs-, Software- oder Bera-
tungsunternehmen und entwickeln Konzepte und
Lösungen auf hohem Niveau.
Informatikführungskräfte führen Organisations-
einheiten, die für die Konzeption, Entwicklung
und den Betrieb von Informatiklösungen ver-
antwortlich sind. Sie kennen die grundlegenden
Konzepte in Informatik, haben aber ihre Stärken
in Leadership, Projektmanagement und in der
Durchsetzung.
Entrepreneurship-Informatiker greifen neue oder
bestehende Entwicklungen der Informations-
und Kommunikationstechnik auf, entwickeln
neue Produkte oder Dienstleistungen, neue Ge-
schäftsmodelle und setzen ihre intellektuelle und
unternehmerische Kapazität und Kompetenz ein,
um neue Lösungen zu entwickeln. Die besondere
Fähigkeit der Entrepreneurship-Informatiker
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besteht darin, vertieftes Verständnis der Tech-
nologien mit der Kompetenz zum Entwickeln
bedürfnisgerechter und marktfähiger Produkt zu
kombinieren.
Innovative Informatiker entwickeln neue Hard-
und Software. Sie sind an der vordersten Front der
technischen Entwicklung. Sehr oft sind sie ihrer
Zeit viele Jahre voraus. Durch ihr Wirken eröffnen
sie neue Gebiete, strukturieren bestehende oder
gehen ganz neue, unkonventionelle Wege.
Informatik neuer Prägung
an den Universitäten
Die Informatik war von Anfang an die Wissenschaft
von der, insbesondere maschinellen, Verarbeitung
von Information, sei es durch Rechnen, Speichern,
Übertragen oder Darstellen. Zu Beginn stand im
Zentrum der Begriff des Algorithmus, der Daten-
struktur und der Programmierung. So waren auch
die ersten Informatikstudiengänge ausgerichtet. Die
Informatikstudiengänge haben sich in den letzten
Jahren unter dem Aufschwung der Applikationen
stark weiterentwickelt und decken heute ein breites
Spektrum an Inhalten der Informatik ab. Abgedeckt
werden Kerninhalte der Informatik, wie theoretische
Grundlagen, Hardware und Software und eine Viel-
falt von Themen wie Data Science, Cybersecurity,
Mensch-Maschine-Interaktion, eingebettete Sys-
teme, Kommunikation und Netzwerke sowie Grafik.
Inzwischen gibt es Ausbildungsgänge für Informati-
ker mit Spezialisierung wie technische Informatiker,
theoretische Informatiker, Software-Ingenieure
und Informatiker, die auf bestimmte Teilgebiete
wie künstliche Intelligenz, Datenanalytik oder be-
stimmte Anwendungen wie Wirtschaft, Medien,
Games oder Medizin spezialisiert sind. Verschiedene
Universitäten und technische Universitäten bieten
Studiengänge, beispielsweise mit der Bezeichnung
,,Data Science“, an.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammen-
hang, dass die Informatik an Hochschulen und die
Informatik in Unternehmen unter den gleichen Sym-
ptomen leiden, dass sie nämlich kaum schnell genug
auf die veränderte Rolle der Informatik reagieren.
Auch die Wirtschaftsinformatik hat es weitgehend
versäumt, die Informatik als Führungsaufgabe
über den CIO hinaus zu positionieren. Stattdes-
sen bildet sie Wirtschaftsinformatiker gezielt für
das mittlere Management aus, um den eigentlichen
Führungskräften diese Aufgaben abzunehmen. Dies
reflektiert im Wesentlichen die aktuelle Einstellung
in Unternehmen und führt zu einer unglücklichen
Self-Fulfilling Prophecy zwischen Hochschulen und
Wirtschaftsunternehmen. Die Hochschulen produ-
zieren Informatiker und Wirtschaftsinformatiker
mit der entsprechenden Erwartungshaltung. Die
Unternehmen sehen, dass Informatiker nicht nach
Führungsaufgaben streben, dafür nicht ausgebil-
det sind, sondern eher im mittleren Management
Infrastrukturaufgaben wahrnehmen.
Dabei hat sich die Rolle der Informatik in For-
schung und Lehre in den letzten Jahren dramatisch
verändert. Mit der wachsenden Bedeutung der In-
formatik für den unternehmerischen Erfolg ergibt
sich eine immer stärkere Diskrepanz zwischen einer
Reihe von Forschungsanstrengungen in Informatik,
die wirtschaftlich weniger bedeutsam sind und Ge-
bieten, die von hoher wirtschaftlicher Relevanz in
vielen Anwendungsbereichen sind. Beispiele sind:
Data Analytics, die Gestaltung umfassender Cloud-
Plattformen und Künstliche Intelligenz, Robotik,
aber auch Fragen der Cyber-Sicherheit. Diese The-
men sind von so grosser wirtschaftlicher Bedeutung,
dass inzwischen die Internetgiganten systematisch
Forschungsteams zu diesen Themen aufgebaut ha-
ben und dabei dramatisch stärker investieren, als
dies jede Hochschule kann. Selbst amerikanischen
Eliteuniversitäten können hier kaum mithalten.
Diese Veränderungen sind an vielen Standorten
von der hergebrachten akademischen Informatik
kaum wahrgenommen worden, zumindest stehen
konsequente Reaktionen darauf aus.
Die Ausbildung weder in Informatik noch in
Wirtschaftsinformatik wird derzeit diesen neuen
Ansprüchen an die Informatik in Unternehmen
und damit auch in der Gesellschaft gerecht. Gesucht
werden Informatiker neuer Prägung, die durchaus
umfassende Informatikkenntnisse besitzen, um die
Möglichkeiten und Wirkungsweise von Informa-
tiktechnik verbinden zu können, mit Verständnis
für Geschäft und Geschäftsmöglichkeiten in den
entsprechenden Anwendungsdomänen, mit Mut
zum unternehmerischen Denken und Handeln
sowie dem Geschick, entsprechende Geschäftsmo-
delle zu entwickeln, umzusetzen und marktfähige
Unternehmenskonstellationen aufzubauen. Wenn
man die Anforderungen an eine Informatikaus-
bildung der Zukunft ausgehend von den zuvor
vorgestellten vier Ausprägungen des Berufsbildes
des Informatikers formuliert, geht es eben um alle
Author's personal copy
{WEG ZU EINER INFORMATIK NEUER PRÄGUNG
vier Kompetenzen. Eine Wirtschaft und Gesell-
schaft, die in der digitalisierten Welt erfolgreich
sein will, muss alle vier Ausprägungen von Infor-
matik abdecken können. Von besonderer Bedeutung
sind insbesondere im deutschsprachigen Raum die
Entrepreneurship-Informatiker, da hier in Europa
noch grosse ungehobene Potenziale liegen. Sie er-
kennen auf der Grundlage profunder Kenntnisse
in Informatik neue Chancen und unternehme-
rische Möglichkeiten. Sie sind in der Lage, neue
digitale oder digitalisierte Produkte, Dienstleistun-
gen, Geschäftsmodelle aufzubauen – es braucht aber
quantitativ und qualitativ noch viel mehr Anstren-
gungen, um zu anderen Regionen (nicht nur Silicon
Valley, auch Israel, London, Peking, Seoul etc.) der
Welt aufzuschließen.
Die universitäre Ausbildung in Informatik und
Wirtschaftsinformatik bildet heute ,,konventionelle
Informatiker“, vor allem Softwareentwickler, und
teilweise Führungskräfte-Informatiker auf hohem
Niveau aus. Bei diesen beiden Berufsbildern beste-
hen die Herausforderungen darin, mengenmässig
genügend von diesen Fachleuten auszubilden und
die Formate und Inhalte der Ausbildung laufend an
die innovative Entwicklung der Informatik und an
die Bedürfnisse der Wirtschaft anzupassen. Der-
zeit geht es beispielsweise darum, den Umgang mit
Daten und die Sicherheit von Informatiksystemen
stärker in die Curricula einzubauen. Der Status eines
,,innovativen Informatikers“ bleibt einer kleinen
Elite vorbehalten. Anders sieht die Situation bei
Entrepreneurship-Informatikern aus. Eine Ausbil-
dung, die dieses Berufsbild im Auge hat, wird heute
weder von Informatik- noch von Wirtschaftsinfor-
matikfakultäten im Kern angeboten. Auch wenn in
den Beschreibungen einiger Ausbildungsgänge die-
ses Ziel implizit vorhanden ist, findet eine gezielte
Ausrichtung auf dieses Berufsbild hin praktisch
nicht statt.
Informatik neuer Prägung erfordert die Kom-
bination von tiefem Wissen und Verständnis von
Informatik, mit Verständnis für Management und
Betriebswirtschaft. Bei der Verbindung von Infor-
matik und Betriebswirtschaftslehre/Management
haben Universitäten einen Vorsprung, die be-
reits mindestens in einem der beiden Bereiche
hervorragend positioniert sind. Es handelt sich
aber keineswegs einfach um einen softwareori-
entierten Wirtschaftsinformatikstudiengang, wie
er an zahlreichen Universitäten bereits vorhan-
den ist. Eine Informatikausbildung neuer Prägung
geht einen entscheidenden Schritt weiter. Es geht
um die Kombination professioneller Informa-
tik mit professioneller Unternehmensführung,
mit Betriebswirtschaftslehre und Management,
was unternehmerisches Denken und gestalteri-
sches Handeln im Kontext der Digitalisierung zum
Ziel hat.
Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jah-
ren zahlreiche Universitäten ihre Ausbildungsgänge
reformieren oder auch neue aufbauen werden, um
den Anforderungen der Informatik neuer Prägung
gerecht zu werden. Diese neuen Ausbildungsgänge
könnten beispielsweise mit ,,Informatik und Ma-
nagement“ bezeichnet werden. Die Kombination
der beiden Worte veranschaulicht, worum es im
Kern geht: tiefgreifende Kenntnisse in Informatik,
verbunden mit einer soliden Ausbildung in Mana-
gement. Es geht darum, den Studierenden Mindset,
Skillset und Toolset für diese neuen Anforderun-
gen der digitalen Lebens- und Wirtschaftswelt zu
vermitteln.
Informatik neuer Prägung
an der Universität St. Gallen
Erste betriebswirtschaftlich orientierte Universi-
täten entwickeln sich bereits in die dargestellte
Richtung. So wurde beispielsweise an der Universität
St. Gallen eine neue Ausrichtung der Wirtschafts-
informatik durch eine Veränderung des meist
internen, auf die Unternehmens-IT ausgerichteten
Fokus auf den Menschen entwickelt. Es geht um IT
von Menschen für Menschen, mit entsprechender
Nutzung, Nutzungs- und Nutzenorientierung. Dar-
über hinaus wird auf digitale Leistungsergebnisse
und Daten als Treibstoff digitaler Wertschöpfung
fokussiert und so das viele Jahre als Grundlage
der technischen Ausbildung verwendete Business-
Engineering-Modell ersetzt. Das neue Modell, das
sog. House of Digital Business, stellt einen strate-
gischen Rahmen dar, der als Transmissionsriemen
die Synthese zwischen Informatik neuer Prägung
und Management unterstützen soll. Ohne vertiefte
Informatikkompetenz kann dieser Ansatz kaum
Wirkung entfalten, weder in der Forschung noch in
der Lehre. Vor diesem Hintergrund plant die stark
auf Betriebswirtschaft ausgerichtete Universität
St. Gallen, im Sinne der digitalen Transforma-
tion, Kompetenzen in Informatik neuer Prägung
aufzubauen.
Author's personal copy
Die derzeitge Ausgangslage stellt sich wie folgt
dar. Drei informatik- bzw. techniknahe Institute,
das Institut für Wirtschftsinformatik, das Institut
für Technologiemanagement und das Institut für
Medien- und Kommunikationsmanagement sind
seit vielen Jahren zentraler Bestandteil der HSG. Ein
Master in Business Innovation verbindet die syste-
matische Bearbeitung von Innovationspotenzialen
der Informations- und Kommunikationstechnik
mit Betriebswirtschaft, jedoch ohne Fokus auf
Umsetzungskompetenz. Es fehlt aber noch ein Aus-
bildungsgang, der Informatik und Management
kombiniert. Ein Institut, das sich mit Informatik
beschäftigt, ist nicht vorhanden. Die Universität
St. Gallen plant in zwei Stufen eine vertiefte, solide
Ausbildung in Informatik anzubieten. Im ersten
Schritt werden mehrere Informatikprofessuren
eingerichtet, um auf der einen Seite Lehrveranstal-
tungen in Informatik, u. a. Software Engineering,
Datenbanken, Data Analytics, verteilte Systeme und
Netzwerk anzubieten und auf der anderen Seite For-
schung in Informatik zu betreiben. Im Vordergrund
steht im Sinne der Informatik neuer Prägung, den
Studierenden auf Bachelor- und Masterebene solide
Informatikenntnisse zu vermitteln.
In einem zweiten Schritt ist geplant, einen ei-
genständigen Studienschwerpunkt ,,Informatik und
Management“ aufzubauen. Damit wird Studieren-
den der Universität St. Gallen in absehbarer Zeit die
Möglichkeit gegeben, im Rahmen des Studiums eine
Ausbildung in Informatik mit Wirtschaftswissen-
schaften, insbesondere in Unternehmensführung,
zu verbinden. Zahlreiche Gespräche mit Studieren-
den, Unternehmen, Alumnae und Alumni haben
gezeigt, dass grosser Bedarf für diese neuen Aus-
bildungsschwerpunkte besteht. Es ist heute nur in
Ansätzen abschätzbar, was die neue Stossrichtung
für die Universität St. Gallen bedeutet. Neben dem
Aufbau neuer Kompetenzen wird es wahrschein-
lich einen Kulturwandel in Richtung Digitalisierung
und Quantifizierung geben. Es ist aber auch zu
erwarten, dass es eine Neustrukturierung beste-
hender Studiengänge geben wird. Zudem werden
neue Forschungsaktivitäten aufkeimen, die hof-
fentlich viel forscherisches, gesellschaftliches und
wirtschaftliches Potenzial in sich tragen.
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Chapter
Dieses Kapitel führt die Grundlagen der IT-Sicherheit ein. Es betrachtet die wichtigsten Begriffe samt Schutzzielen, zentrale Aspekte von Authentifizierung und Zugriffsschutz, das Thema Privatsphäre sowie Schadsoftware. Außerdem gibt es einen Einblick in nicht-technische Bereiche, die mit der IT-Sicherheit in Verbindung stehen. Das Kapitel schließt mit einem Einblick in die Wissenschaftlichkeit der IT-Sicherheit (Science of Security).
Chapter
Full-text available
Der Beitrag beschreibt Hands-on-Entrepreneurship mit einem Fokus auf der menschlichen Perspektive. Es werden Voraussetzungen und Umsetzungserfahrungen aus der Vermittlung und Stärkung des Entrepreneur Spirits vorgestellt. Ein Praxisbeitrag, der über die Skizzierung konkreter Umsetzungen und relevanter Anknüpfungspunkte sowohl Lehrende als auch am Entrepreneurial Spirit interessierte Studiengangsverantwortliche anspricht.
Chapter
Full-text available
Die vorgestellte Studie erläutert Faktoren und Gründe, die Studierende zu einem Auslandsaufenthalt motivieren oder davon abhalten. Aufbauend auf einer Gegenüberstellung von Erfahrungen von MINT-Studierenden mit Studierenden anderer Fächer lassen sich Strategien zur Förderung internationaler Mobilität für Ingenieurstudierende ableiten.
Book
Full-text available
Die Bildungs- und Arbeitswelten angehender Ingenieur*innen werden geprägt durch die Auswirkungen weltweiter Trends und Entwicklungen wie Digitalisierung, Entrepreneurship-Bewegungen und Globalisierung. In Folge führen arbeitsorganisatorische Herausforderungen und gesellschaftliche Entwicklungen zu mehr Komplexität auf inhaltlicher und methodischer Ebene. Die Lehre in den Ingenieurwissenschaften hat demnach den Anspruch und die Aufgabe, angehende Ingenieur*innen von morgen so vorzubereiten, dass sie diesen Herausforderungen erfolgreich begegnen können. Hierzu ist es notwendig, die ingenieurwissenschaftliche Lehre kontinuierlich zu modernisieren, neu zu denken und die Methoden, Inhalte und Lehr-Lernformate auf die Bedarfe einer digitalisierten und globalisierten Welt anzupassen. Im Rahmen des Bund-Länder-Programms Qualitätspakt Lehre (QPL) wurden im Zeitraum von 2011 bis 2020 umfangreiche finanzielle Mittel zur Verbesserung der Studienbedingungen und der Lehrqualität an deutschen Hochschulen zur Verfügung gestellt. Ziel war es, eine qualitativ hochwertige Hochschullehre zu sichern und weiterzuentwickeln. Ein weiterer Schwerpunkt des Programms war die (Weiter-) Qualifizierung des Lehrpersonals sowie die Verbesserung der Betreuung und Beratung von Studierenden. Die geförderten gesellschaftlich relevanten Themenfelder und Maßnahmen bilden die komplexen Herausforderungen ab, die an Universitäten und Hochschulen zu bewältigen sind. Zu diesen zählen in besonderem Maße die Digitalisierung, der Umgang mit Heterogenität in Studium und Lehre und die Förderung individueller Studienerfolge. Als übergreifende Zielsetzung des QPL sollte dies durch eine Optimierung der Studieneingangsphase, die Einbindung digitaler Konzepte und Formate sowie durch die Erhöhung von Praxisbezügen im ingenieurwissenschaftlichen Curriculum erreicht werden.
Chapter
Full-text available
In der Ausbildung von Ingenieur*innen stehen in der Regel die technologischen Fähigkeiten im Fokus. Schlüsselqualifikationen und "Future Skills", die wesentlich die "Employability" der Studierenden bestimmen, werden oft zu wenig berücksichtigt. Die Ingenieure ohne Grenzen Challenge ermöglicht Lehr-und Lernszenarien, die sowohl das technologische Know-how als auch das kritische Bewusstsein für das eigene Handeln und die soziale Verantwortung adressieren. Konkrete Anwendungsszenarien in Lehrveranstaltungen an der RWTH Aachen University und der Technischen Universität Dortmund zeigen beispielhaft, wie die Ingenieure ohne Grenzen Challenge eine "Lehre mit Mehrwert" ermöglicht. Aus Evaluationsergebnissen und Erfahrungen beteiligter Lehrender und Studierender können Rahmenbedingungen abgeleitet werden, die wesentlich für die erfolgreiche Einbindung der Ingenieure ohne Grenzen Challenge in die Hochschullehre sind. Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Chapter
Dieses Kapitel führt die Grundlagen der IT-Sicherheit ein. Es betrachtet die wichtigsten Begriffe samt Schutzzielen, zentrale Aspekte von Authentifizierung und Zugriffsschutz, das Thema Privatsphäre sowie Schadsoftware. Außerdem gibt es einen Einblick in nicht-technische Bereiche, die mit der IT-Sicherheit in Verbindung stehen. Das Kapitel schließt mit einem Einblick in die Wissenschaftlichkeit der IT-Sicherheit (Science of Security).
Article
This year, in the year 2018, we are 50 years after the famous ground breaking conference on Software Engineering in Garmisch, organized by its chairman F. L. Bauer, the predecessor on my chair on software and system engineering at the TU München, and his co-chairmen L. Bolliet and H. J. Helms - a conference which coined the notion and the discipline of software engineering. This is a good moment to look back at the history of our discipline, what we have achieved through these fifty years, but also, what we did not achieve, where we are today, and what the challenges and the expectations are for tomorrow.
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