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Abstract

Wenn man sich die Salamanderfauna der Halbinsel Südkorea anschaut, fällt einem die weltweit einmalige Konstellation von Plethodontidae (Lungenlose Salamander) mit Hynobiidae (Winkelzahnmolche) auf (Sparreboom 2014). Salamandridae (Salamander) und Cryptobranchidae (Riesensalamander) fehlen, obwohl diese in den Nachbarregionen Japan und China vorkommen. Von den Hynobiidae (Winkelzahnmolchen) wiederum sind beide Unterfamilien Hynobiinae und Onychodactylinae vertreten. Diese hochinteressanten biogeografischen Gegebenheiten bewogen mich im Frühsommer 2016, mir einige Salamander-Vertreter vor Ort anzusehen, um mehr über deren Biologie und Ökologie zu erfahren.
amphibia, 16(2), 2017
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Wenn man sich die Salamanderfauna der
Halbinsel Südkorea anschaut, fällt einem die
weltweit einmalige Konstellation von Pletho-
dontidae (Lungenlose Salamander) mit Hy-
nobiidae (Winkelzahnmolche) auf (S-
 ). Salamandridae (Salamander)
und Cryptobranchidae (Riesensalamander)
fehlen, obwohl diese in den Nachbarregio-
nen Japan und China vorkommen. Von den
Hynobiidae (Winkelzahnmolchen) wiede-
rum sind beide Unterfamilien Hynobiinae
und Onychodactylinae vertreten. Diese hoch-
interessanten biogeograschen Gegebenhei-
ten bewogen mich im Frühsommer , mir
einige Salamander-Vertreter vor Ort anzuse-
hen, um mehr über deren Biologie und Öko-
logie zu erfahren.
Die Oberäche Südkoreas besteht zu  
aus Gebirge, jedoch erreicht kein Gipfel die
. m ü. NN. Im Norden herrscht gemä-
S V
Die Salamander Südkoreas
Abb. 1:
Habitat von Kar-
senia koreana im
Gyeryongsan Natio-
nalpark.
Foto: S. V
Abb. 2:
Habitat von Hynobius
leechii im Gyeryongsan
Nationalpark.
Foto: S. V
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senscha aufmerksam. Im Jahr  ging
die sensationelle Erstbeschreibung (M et
al. ) eines Plethodontidae (Lungenlo-
se Salamander) aus Asien durch die Fach-
presse, ist es doch der erste Lungenlose Sa-
lamander-Nachweis für diesen Kontinent
überhaupt. Heute ist dieser späte Fund
kaum noch nachvollziehbar, denn Karse-
nia hat ein großes Verbreitungsgebiet im
zentralen Südkorea und kommt im Westen
sogar bis weit nach Norden vor. Die Ver-
breitung in Nordkorea ist nicht unwahr-
scheinlich. Bevorzugtes Habitat sind felsi-
ge, schattige Hänge mit reichlich Falllaub
und kühlen, feuchten Verstecken im Un-
tergrund oberhalb von  m ü. NN. Wenn
das Mikroklima stimmt und das Wetter,
ßigtes, kontinentales Klima mit großen Som-
mer- und Winter-Temperaturunterschieden,
nach Süden wird es zunehmend subtropi-
scher. Die Insel Jeju-do und auch einige küs-
tennahe Inseln sind bereits subtropisch. Ab
Juni beginnt der Sommermonsun, zu dieser
Zeit fällt der Großteil des jährlichen Nieder-
schlages.
Karsenia koreana (engl. Korean Crevice
Salamander)
Erstmals gelangte dieser Salamander 
in die Museumssammlung von Hiroshima
(Japan). Dort wurde ihm jedoch keine Be-
achtung geschenkt. Erst als  ein ame-
rikanischer Gastwissenschaler seinen Zu-
fallsfund bestimmen ließ, wurde die Wis-
Abb. 3: Karsenia koreana Adult und juvenil aus dem Gyeryongsan Nationalpark.
Foto: S. V
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S V
Abb. 4:
Hynobius Leechi aus
dem Chilgapsan Pro-
vincial Park.
Foto: S. V
Abb. 5:
Habitat von Hynobius
yangi in der Nähe von
Busan.
Foto: S. V
Abb. 6:
Hynobius yangi aus der
Nähe von Busan.
Foto: S. V
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Die Salamander Südkoreas
sind diese Salamander sogar recht zahlreich
an der Oberäche zu nden. Ähnlich den
amerikanischen Plethodontidae werden die
Eier in unterirdische Hohlräume gelegt, wo-
raus fertig entwickelte Salamander schlüp-
fen. Karsenia-Salamander sind also kom-
plett und perfekt an eine terrestrische Le-
bensweise angepasst (Abb. ,).
Hynobius
Die aktuelle Veröentlichung von M
et al. () zeigt erstmals allumfassend die
taxonomischen Einheiten im südkoreani-
schen Verbreitungsgebiet. So werden zu den
bisher bekannten Winkelzahnmolchen Hy-
nobius leechii, Hynobius quelpartensis und
Hynobius yangi drei weitere genetische und
morphologisch abweichende Formen auf-
genommen. Eine dieser Formen wird in
der Arbeit von M et al. () als Hyno-
bius unisaculussus beschrieben, zwei weitere
als mögliche Arten mit einem Fragezeichen
versehen. Allen gemeinsam ist die jahres-
zeitlich bedingte, amphibische Lebensweise.
Im Winter oder zeitigen Frühjahr, je nach
subtropischer oder gemäßigter Klimazone,
wandern die Molche aus ihren Winterquar-
tieren in die Reproduktionsgewässer. Be-
vorzugt werden schattige, temporäre Klein-
gewässer und langsam ießende Schmel-
zwasser- oder periodische Bäche im Wald
oder in Waldnähe. Als Kulturfolger kann
Abb. 7:
Habitat von Onycho-
dactylus koreanus in
der Gangwon Provinz.
Foto: S. V
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Abb. 9:
Einjähriger Onycho-
dactylus koreanus aus
der Gangwon Provinz.
Foto: S. V
Abb. 8:
Dreijährige Larve
von Onychodactylus
koreanus aus der Nähe
von Busan.
Foto: S. V
Abb. 10:
Adultes Onychodactylus
koreanus-Männchen
aus dem Chilgapsan
Provincial Park.
Foto: S. V
S V
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man Hynobius auch in den Regulierungs-
kanälen der Reisfelder nden, insofern die-
se in Waldnähe liegen. Nach der Ablage
der Eisäcke verlassen die Hynobius-Molche
die Gewässer und gehen zu einer terrestri-
schen Lebensweise über. Larven von Hyno-
bius metamorphosieren noch im selben Jahr
(Abb. ,,,).
Onychdactylus koreanus
Obwohl die Gattung Onychodactylus
ebenfalls zu den Winkelzahnmolchen ge-
hörend in den letzten Jahren eine Reforma-
tion erfuhr, wobei von ehemals zwei Arten
mittlerweile  Arten beschrieben werden
konnten, ist mit dem Koreanischen Kral-
lenngermolch aktuell nur eine Art in Süd-
korea bekannt (P et al. ). Die-
se ist ächendeckend über die Gebirgsregi-
onen der Halbinsel verbreitet. Durch neue
Nachweismethoden und das steigende In-
teresse der koreanischen Herpetologen an
der eigenen Fauna werden immer neue
Fundorte beschrieben. Onychodactylus
fehlt in küstennahen Gebieten, dem Flach-
land und auf den Inseln. Seine Lebenswei-
se ist stark an die schnelließenden, sauer-
storeichen Bäche gebunden (Abb. ). Die
Molche verlassen das Bachbett nie. Im spä-
ten Winter und zeitigen Frühjahr werden
die Laichsäcke an die Unterseite von Stei-
nen, meist unter versteckten Vorsprüngen
oder in Höhlen, geklebt. Wenn die Was-
sertemperaturen noch weiterhin kühl sind,
verbleiben die adulten Krallenngermol-
che auch nach der Paarung im Bach. Bei
steigenden Temperaturen im April/Mai
gehen sie in eine unterirdische Lebenswei-
se über und verschwinden in die tiefen Si-
ckerbereiche entlang des Baches. Ihre Le-
bensweise kann man als halbaquatisch
bezeichnen (Abb. ,,). Die Terra typi-
ca von Onychodactylus liegt in der Höhle
Hwanseon in der Gangwon-Provinz und
in diesem speziellen Lebensraum gestal-
tet sich der Jahresverlauf etwas anders. Be-
dingt durch die permanent tiefen Tempe-
raturen in der Höhle steigt auch die Was-
sertemperatur des unterirdischen Baches
nie über  °C. Die Paarung und Eiablage
erfolgt frühestens im Juni und kann sich
bis August hinziehen. Wie bei allen Hy-
nobiidae erfolgt die Paarung und Eiab-
lage gleichzeitig, da vom Männchen der
Laichsack von außen befruchtet wird. Der
Schlupf der Larven aus dem Eisack erfolgt
dementsprechend erst im Spätsommer und
Herbst, somit verbleiben die Larven über
den Winter im Gewässer. Viele der adul-
ten Salamander verbleiben ebenfalls ganz-
jährig in dem Höhlengewässer. Außer-
halb von Höhlen metamorphosieren die
Larven von Onychodactylus frühestens im
Spätsommer und Herbst des ersten Jahres,
jedoch kann die Metamorphose auch erst
im dritten Jahr eintreten.
Ein Bericht dieser Reise mit zahlreichen
Salamander-Fotos bendet sich auf: www.
sebastian-voitel.de.
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lishing, Zeist,  pp.
Eingangsdatum: ..
Lektorat: I. Kraushaar
Autor
S V
Spangenbergstraße 
 Eisleben
Email: sebastian.voitel@t-online.de
Die Salamander Südkoreas
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