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Hydrologie der Riesending-Schachthöhle

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  • Geoconsult ZT GmbH
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Hydrologie der Riesending-Schachthöhle

Abstract and Figures

ZUSAMMENFASSUNG Die Riesending-Schachthöhle im Untersberg bei Salzburg war über mehrere Jahre Ziel hy-drologischer Messungen. An drei Fließgewässern in der Höhle wurden alle 5 Minuten Wasser-und Luftdruck sowie Wassertemperatur gemessen. Ergänzend erfolgten Abflussmessungen am Auenbach. Darüber hinaus wurden in der vadosen Zone die Temperaturgradienten von Wasser und Luft bestimmt. Die Daten aus dem Riesending werden mit Beobachtungen aus der Fürstenbrunner Quellhöhle und der Kolowrathöhle verglichen. Der in diesen beiden Höhlen bereits nachgewiesene einheitliche Karstwasserspiegel korreliert mit dem End-siphon des Krakencanyons im Riesending, dessen Tiefe um 6 m auf –1155 m korrigiert wird. Die Wassertemperatur am Karstwas-serspiegel liegt etwas höher als die der Zuflüsse. Die Temperaturdifferenz wird auf den Einfluss der Erdwärme zurückgeführt. Aus der raschen Reaktion des Wasserspiegels des Unheimlichen Sees in der Fürstenbrunner Quellhöhle auf Niederschlagsereignisse lässt sich schließen, dass Steigungsregen am Nordhang des Bergs einen wesentlichen und unmittelbaren Einfluss auf den Wasserstand hat. ABSTRACT Hydrology of Riesending-Schachthöhle The hydrology of this cave located in the Untersberg near Salzburg has been studied over the course of several years. Water and air pressure as well as water temperature were logged every five minutes at three cave streams. In addition, the discharge of the Auenbach stream as well as the air and water temperature gradients in the vadose zone of the cave were also measured. The data from this study are compared to those from Fürstenbrunner Quellhöhle and Kolowrathöhle. The uniform karst water table, previously identified in Quellhöhle and Ko-lowrathöhle, correlates with the final sump of Krakencanyon in Riesending, whose depth is adjusted by 6 m to –1155 m. The water temperature at the karst water table is slightly higher than that of the monitored infeeders. This difference can be attributed to geothermal heat. The fast reaction of the water level of Unheimlicher See in Fürstenbrunner Quellhöhle indicates that relief rainfall on the northern slope of the mountain has a major and immediate impact on the water table.
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Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 79
Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Ulrich Meyer
Schlossmatte 17, 3110 Münsingen,
Schweiz
ulrich.meyer@aiub.unibe.ch
Georg Zagler
König-Ludwig-Str. 20, 5020 Salzburg
gzagler@yahoo.de
Giorgio Höfer-Öllinger
Geoconsult ZT GmbH, Hölzlstr. 5,
5071 Wals bei Salzburg
giorgio.hoefer-oellinger@geoconsult.eu
Eingelangt: 13.3.2017
Angenommen: 30.5.2017
ZUSAMMENFASSUNG
Die Riesending-Schachthöhle im Untersberg
bei Salzburg war über mehrere Jahre Ziel hy-
drologischer Messungen. An drei Fließge-
wässern in der Höhle wurden alle 5 Minuten
Wasser- und Luftdruck sowie Wassertempe-
ratur gemessen. Ergänzend erfolgten Ab-
flussmessungen am Auenbach. Darüber
hinaus wurden in der vadosen Zone die
Temperaturgradienten von Wasser und Luft
bestimmt. Die Daten aus dem Riesending
werden mit Beobachtungen aus der Für-
stenbrunner Quellhöhle und der Kolowrat-
höhle verglichen. Der in diesen beiden Höh-
len bereits nachgewiesene einheitliche
Karstwasserspiegel korreliert mit dem End-
siphon des Krakencanyons im Riesending,
dessen Tiefe um 6 m auf –1155 m korrigiert
wird. Die Wassertemperatur am Karstwas-
serspiegel liegt etwas höher als die der Zu-
flüsse. Die Temperaturdifferenz wird auf den
Einfluss der Erdwärme zurückgeführt. Aus
der raschen Reaktion des Wasserspiegels
des Unheimlichen Sees in der Fürstenbrun-
ner Quellhöhle auf Niederschlagsereignisse
lässt sich schließen, dass Steigungsregen am
Nordhang des Bergs einen wesentlichen
und unmittelbaren Einfluss auf den Wasser-
stand hat.
ABSTRACT
Hydrology of Riesending-Schachthöhle
The hydrology of this cave located in the Un-
tersberg near Salzburg has been studied
over the course of several years. Water and
air pressure as well as water temperature
were logged every five minutes at three cave
streams. In addition, the discharge of the
Auenbach stream as well as the air and wa-
ter temperature gradients in the vadose
zone of the cave were also measured. The
data from this study are compared to those
from Fürstenbrunner Quellhöhle and Ko-
lowrathöhle. The uniform karst water table,
previously identified in Quellhöhle and Ko-
lowrathöhle, correlates with the final sump
of Krakencanyon in Riesending, whose
depth is adjusted by 6 m to –1155 m. The
water temperature at the karst water table
is slightly higher than that of the monitored
in-feeders. This difference can be attributed
to geothermal heat. The fast reaction of the
water level of Unheimlicher See in Fürsten-
brunner Quellhöhle indicates that relief rain-
fall on the northern slope of the mountain
has a major and immediate impact on the
water table.
Im Spätherbst 2009 wurden im Untersberg in der
Riesending-Schachthöhle (1339/336) am Endsiphon
des Sammlers in 987 m Tiefe und an der wahrschein -
lichen Wiederaustrittstelle der Wässer, am Talsiphon
der Fürstenbrunner Quellhöhle (1339/10), Messson-
den installiert, die hochaufgelöst Wasserdruck und
Wassertemperatur aufzeichnen. Aus diesen beschei-
denen Anfängen entstand in den Folgejahren ein in
seinem Umfang wohl einmaliges hydrologisches
Messprogramm, in dessen Rahmen nicht nur weitere
Sonden in Riesending und Quellhöhle, sondern auch
im Mausloch (1339/40) und sukzessive, immer am
Puls der aktuellen Höhlenforschung, an zahlreichen
Bachläufen und Siphonen in der Kolowrathöhle
(Teil des Gamslöcher-Kolowrat-Salzburgerschacht-
Systems, 1339/1) platziert wurden. Flankiert wurden
die Druckmessungen im Berg von Abflussmessungen
einzelner Höhlenbäche und hydrochemischen und
isotopischen Quellbeprobungen rund um den Berg
(Bichler & Reischer, 2013; Reischer et al., 2015).
EINLEITUNG
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Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
UNTERSUCHUNGSGEBIET
Dabei ist es gelungen, im Berg einen zusammenhän-
genden Karstwasserkörper vom Unheimlichen See in
der Quellhöhle, über die Siphonseen Neue Heimat und
Tiefsee, bis zur Orktränke in der Kolowrathöhle fast
2 km weit in den Berg hinein nachzuweisen (Gruber,
2014). Darüber hinaus konnte anhand der Isotopen-
analyse eine mittlere Höhe des Einzugsgebiets zwi-
schen 1650 m und 1700 m Seehöhe und eine mittlere
Verweildauer des Wassers der Fürstenbrunner Quell-
höhle von 4-5 Monaten bestimmt werden (Reischer et
al., 2015). Die errechnete Verweildauer steht im Ein-
klang mit geringen Abstandsgeschwindigkeiten von
Tracern bei Färbeversuchen, die 1967–1982 durchge-
führt wurden (Haseke-Knapczyk, 1989).
Im Riesending stellte sich der ursprünglich beob -
achtete Siphon des Sammlers als hängend und von
der Quelle weitgehend entkoppelt heraus. In den
Schwankungsbereich des mit Quellhöhle und
Kolowrathöhle gemeinsamen Karstwasserspiegels
gelang es erst im November 2013, im Krakencanyon
abzusteigen. Bei dieser Tour wurde 1148 m unter dem
Einstieg eine Drucksonde im Bachlauf des Kraken-
bachs installiert, deren Bergung sich jedoch durch den
Unfall im Riesending im Juni 2014 (Steinmassl, 2014)
verzögerte. Mittlerweile ist der Zugang zur Höhle
geregelt und die Forschung wieder angelaufen. Im
Oktober 2016 wurde wenige Meter jenseits des Logger-
standorts und nur 1 m tiefer der Endsiphon des
Krakencanyons entdeckt und der Logger geborgen, der
neben den Schüttungsschwankungen des Kraken-
bachs auch beträchtliche Schwankungen des Karst-
wasserspiegels aufgezeichnet hat. Die bislang unver-
öffentlichten Messungen aus dem Riesending werden
ausgewertet und mit den von Gruber (2014) diskutier-
ten Messungen aus Quellhöhle und Kolowrathöhle
verglichen.
Der Untersberg ist ein isoliert stehendes Massiv der
Nördlichen Kalkalpen und der Hausberg Salzburgs
(Zagler, 2016). Seine Gipfelregion wird von einem
11 km2großen verkarsteten Plateau ohne oberirdi-
schen Abfluss eingenommen, dessen höchste Gipfel
der Berchtesgadener (1973 m) und der Salzburger
Hochthron (1853 m) sind. Hydrologisch bildet der
Untersberg eine ca. 70 km2große Einheit einschließ-
lich seiner südöstlich vorgelagerten Vorgebirge; das
eigentliche Bergmassiv nimmt noch etwa 40 km2ein.
Während die ostgerichteten Flanken aus Dolomit
bestehen und Niederschlag oberirdisch der Berchtes-
gadener Ache zuleiten, entwässert der Rest des Berges
im Wesentlichen unterirdisch über die Fürstenbrunner
Abb. 1: Aufriss des Untersbergs mit Polygonzügen der vermessenen Höhlen. Standorte von Drucksonden sind rot markiert,
der Sommerüberlauf des Unheimlichen Sees blau (verändert nach Zagler, 2016).
Salzburger
Hochthron
2000 m
1800 m
1600 m
1400 m
1200 m
1000 m
800 m
600 m
400 m
Kolowrathöhle
NE
Talsiphon Tiefsee Orktränke Krakencanyon
Windlöcher
Auenland
Unheimlicher
See
Fürstenbrunner
Quellhöhle
Neue
Heimat
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 81
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Quelle am Nordrand, die kleinere Karstquelle Maus-
loch am Westfuß und untergeordnet über den Quell-
bezirk Kühlbach/Veitlbruch, ebenfalls am Nordrand
des Bergs. Das Einzugsgebiet der Fürstenbrunner
Quelle wird mit 15 bis 20 km2angenommen (je nach-
dem wie weit hinab die Flanken des Bergs noch zum
Einzugsgebiet zu zählen sind). Vom Plateau liegen
auch Markierungsversuche von 1967–1982 vor
(Haseke-Knapczyk, 1989), die Laufzeiten bis zum
Erstnachweis von 6 (von der Kolowrathöhle) bis zu
157 Tagen (vom Hirschanger) ergeben haben.
Die Fürstenbrunner Quelle ist für die Versorgung der
Stadt Salzburg gefasst, ihr Wasser wird heute im Vor-
feld des Bergs versickert und speist den Tiefbrunnen
Glanegg. Die mittlere Schüttung wird von Haseke-
Knapczyk (1989) mit 660 l/s (10-jähriges Mittel, be-
stimmt während der internationalen hydrologischen
Dekade 1966–1975) angegeben, die Maximalschüt-
tung mit 10 m3/s. Gruber (2014) berechnete aus
Schüttungs- und Wasserstandsmessungen in der
Höhle während der Messperiode von 2010 bis 2014
jährliche Mittel zwischen 684 und 1127 l/s und ein
4-jähriges Mittel von 870 l/s, also deutlich mehr
als das von Haseke-Knapczyk angegebene 10-jährige
Mittel von 660 l/s (1966–1975). Bei einem Jahr -
hunderthoch wasser Anfang Juni 2013 wurden bei
abklingender Schüttung in der Quellhöhle 14,6 m3/s
gemessen, die Schüttungsspitze aus Extrapolation der
Schüttungskurve und vergleichender Beobachtung
mit dem Glanbach auf 31–33 m3/s geschätzt (Höfer-
Öllinger et al., 2016). Die mittlere Verweildauer des
Wassers im Berg wurde von Reischer et al. (2015)
anhand von Isotopenanalysen auf 4–5 Monate
bestimmt, die mittlere Höhe des Einzugsgebiets auf
1650 bis 1700 m.
Schon von Haseke-Knapczyk (1989) wurde ein von der
Quellhöhle weit unter das Plateau reichender, zusam-
menhängender Karstwasserspiegel postuliert, der
durch die gemessenen Wasserstände im Unheimlichen
See der Fürstenbrunner Quellhöhle und den Siphon-
seen Neue Heimat, Tiefsee und Orktränke der Ko-
lowrathöhle nun auf über 1,9 km Horizontaler -
streckung nachgewiesen werden konnte (Gruber,
2014). Auch der 2016 entdeckte Endsiphon des
Krakencanyons, knapp 2,7 km von der Quellhöhle ent-
fernt, scheint zum gleichen Wasserkörper zu gehören
(Abb. 1). Die Fürstenbrunner Quelle reagiert schnell
auf Niederschlagsereignisse, doch ist diese Reaktion
rein hydraulisch (über kommunizierende Röhren).
Das Wasser der Quelle ist durch die lange Verweilzeit
gut durchmischt und zeigt weder in der Temperatur
noch in den hydrochemischen Parametern eine
deutliche Reaktion auf Niederschlagsereignisse,
jedoch einen Jahresgang, wobei die tiefsten Tempera-
turen im Juni erreicht werden (als Folge der meist
Mitte März einsetzenden Schneeschmelze).
Fig. 1: Vertical section of Untersberg with centre line plots of all major caves. Pressure gauges are indicated by red dots and the
water table of the sump Unheimlicher See by a blue line (modified after Zagler, 2016).
0 1000 m
Berchtesgadener
Hochthron
SW
Sammler (–987 m)
Riesending Fledermauscanyon
Mausloch
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Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
RIESENDING-SCHACHTHÖHLE
Die Riesending-Schachthöhle (im Folgenden kurz Rie-
sending) ist mit 20 km Länge und 1149 m Tiefe die
längste und tiefste Höhle Deutschlands. Ihr Einstieg
öffnet sich auf 1843 m Seehöhe unweit des Berchtes-
gadener Hochthrons. Die ersten 300 m führen in senk-
rechten Schächten in die Tiefe, worauf Canyonpassa-
gen, unterbrochen von kürzeren Schachtstufen, fol-
gen. In 350-400 m Tiefe (1440–1490 m Seehöhe) und
auf 870 m Tiefe (970 m Seehöhe) werden ausgeprägte
Horizontalniveaus angetroffen (Abb. 2). Das untere
Horizontalniveau folgt bis unter das zentrale Plateau
im Bereich des Mitterbergs einer Nordwest streichen-
den Störung, bevor es nach Nordosten in Richtung von
Kolowrathöhle und Fürstenbrunner Quellhöhle um-
schwenkt. Es beeindruckt durch großvolumige, unter
phreatischen Bedingungen entstandene Gänge. Im
Bereich der Krakenhalle vereinigt sich der Hauptgang
des Riesendings mit einem nicht minder mächtigen,
heute inaktiven Zubringer. Eine Fortsetzung auf glei-
cher Höhe jenseits der Krake konnte noch nicht gefun-
den bzw. erreicht werden, dafür zieht der unter der
Halle ansetzende Krakencanyon steil bis zum Karst-
wasserspiegel hinab, wobei er sich der Kolowrathöhle
bis auf etwa 900 m nähert. Im Oktober 2016 wurde hier
am Grunde eines ausgedehnten Überflutungsbereichs
in 1149 m Tiefe (694 m Seehöhe) ein Siphon erreicht.
Die Forschungsgeschichte der Höhle sowie detaillier-
tere Raumbeschreibungen finden sich in Meyer & Mat-
thalm (2007, 2009, 2011). In Meyer (2012) wird das Rie-
sending in Relation zu den anderen Großhöhlen des
Berges gestellt.
Das untere Horizontalniveau wurde ehemals von ei-
nem zusammenhängenden Gerinne durchflossen, das
sich von der Ersten Senke am Grund der Großen Schrä-
ge über die Lange Gerade, den Seengang und den
Maulwurfstunnel bis ins Auenland verfolgen lässt.
Wahrscheinlich findet es seine Fortsetzung nach einer
längeren Siphonzone im Wassergang, der schließlich
in die Krake mündet. Bedeutende, heute über weite
Teile trockene Zubringer sind der Schöne Canyon und
Abb. 2: Aufriss der Riesending-
Schachthöhle mit Wasserläufen
(blau) und Lage der Drucksonden
(rote Kreuze). Die Aufrissebene
verläuft bis zur Kluft der Schwarzen
Kristalle SO–NW, ab dort bis zum
Krakencanyon SW–NO.
Fig. 2: Vertical section of Riesending
cave. Rivers are indicated in blue,
pressure gauges by red crosses.
From the entrance to Kluft der
Schwarzen Kristalle the projection
is oriented SE–NW and from there
to Krakencanyon SW–NE.
Abb. 3: Grundriss der Riesending-
Schachthöhle mit Wasserläufen
(blau) und Lage der Drucksonden
(rote Kreuze).
Fig. 3: Plan view of Riesending cave
including streams (blue) and
pressure gauges (red crosses).
Einstieg
P 180
Hochsammler
Große Schräge
Siphon –987 m
Schöner Canyon Seengang
Krötenhalle
Monster-
schacht
Maulwurfs-
tunnel
2. Senke
B1
B2
B3
0
–100
–200
–300
–400
–500
–600
–700
–800
–900
–1000
–1100
–1200 m
B5 B6
B4
Monsterbach
Brause-
canyon
Kl. Spritzer
Waschsalon
RD2-Zubringer Sammler
Ursprungscanyon
Sammler
Donnerbach
Zehnkaser-
bach
Kluft der
Schwarzen
Kristalle
AUFRISS
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Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
0250 m
Siphon 987 m
Krötenhalle
Fratzengang
Auenland
Biwakexpress
Biwakexpress
Auencanyon
Auenland
Auencanyon
Kraken-
canyon
Wassergang
Krake
Kraken-
canyon
Endsiphon
(–1149 m)
Kristallgang
Westzubringer
Lehm-
schacht
Ursprungscanyon
Einstieg
Sammler
Endhallen
1. Senke
Große
Schräge
Hochsammler
Lange Gerade
Monsterschacht
Nebelschacht
Eckschacht
Kluft der
Schwarzen
Kristialle
Maulwurfs-
tunnel
Maulwurfs-
tunnel
B7
B5
B6
B7
B8
B1
B2
B4
B8
2. Senke
Schöner Canyon
Schräge Halle
Reitertränke
Krakenbach
Westzubringer
Auerbach
Wassergang
RD2-Zubringer
Kl. Spritzer
Waschsalon
Donnerbach
Zehnkaser-
bach
Froschkönigsee
Sechs Schächte
Brausecanyon
Rutschpartie
GRUNDRISS
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Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
der Westzubringer, welcher nun direkt ins Auenland
mündet, ursprünglich über Kristallgang und Biwak -
express aber der Krake zufloss (Abb. 3). Die Schüttung
des Hauptbachs muss bedeutend gewesen sein, wie
durch ein sortiertes Gerölllager mit Korngrößen bis zu
mehreren Zentimetern hinter einer düsenartigen
Verengung am Knie eines ehemaligen Siphons im Be-
reich Maulwurfstunnel und durch allochthone Gerölle
ebenfalls beträchtlicher Größe ebenda belegt ist.
Während die obere Horizontaletage heute noch von
einem Bach, dem Sammler, durchflossen wird, wird
die untere Horizontaletage nur noch abschnittsweise
von Gerinnen benutzt, die sie aus Schloten oder ein-
mündenden Canyons anschneiden, aber durchwegs
nach kurzem Lauf auf direkterem Wege dem aktuellen
Karstwasserspiegel zueilen (Ausnahmen bilden der
Auenbach und ein kleines Gerinne in der Kluft der
Schwarzen Kristalle, die aus Siphonen austreten).
Dabei konzentrieren sich die Wassereintritte auf klar
abgrenzbare Bereiche, während dazwischen lange
Strecken der Höhle trocken liegen. Konkret trifft man
auf folgende Bachläufe im Riesending:
Der Sammler, der seinen Ursprung in einer noch
nicht abschließend erforschten hohen Schlucht
unter dem zentralen Plateau nimmt und die obere
Horizontaletage auf ganzer Länge, bis auf einen
kurzen Siphon frei spiegelnd, durchströmt. Der
Sammler nimmt mehrere Bäche aus Schloten oder
steilen Canyons auf, deren wasserreichste der RD2-
Zubringer nahe Biwak 1, der Zubringer aus dem
Ursprungscanyon, und zwei Wasserfälle aus der
Höhe des Canyons im Waschsalon (auf –430 m) sind.
Der Sammler weist auch zu Trockenzeiten zumin-
dest wenige l/s Schüttung auf und erreicht nach
Niederschlägen einige 10er l/s; auch deutlich größe-
re Wassermengen wurden schon beobachtet. Die
Höhle bietet zu solchen Anlässen ein sehr beein-
druckendes, wenn nicht verstörendes Bild. Erst in
920 m Tiefe am Grund der Großen Schräge vereinigt
sich der Sammler mit weiteren Bächen, nämlich
dem Donnerbach, der eine annähernd vergleichbare
Schüttung aufweist, und dem Zehnkaserbach, der als
mächtiger Wasserfall die Große Schräge hinab -
gischtet und zumindest die 2- bis 3-fache Wasser-
menge des Sammlers liefert (und zumindest einige
Male pro Jahr auch 1–2 m3/s erreichen dürfte).
Unterhalb Biwak 4 versinken die vereinigten Bäche
am Grund der Ersten Senke in engen Spalten in
987 m Tiefe in einem kleinräumigen Siphon, an dem
die erste Drucksonde im Riesending angebracht
wurde. Zu diesem hydrologischen System ist auch
noch der Kleine Spritzer zu zählen, welcher wenig
jenseits Biwak 4 über die schräg einfallende Begren-
zungswand herabfließt und bei Normalwasser
wenige l/s liefert. Er lässt sich ebenfalls in engen
Spalten am Grund der Ersten Senke bis zu einem
Siphon auf –987 m verfolgen.
Kurz vor der Zweiten Senke mündet der Schöne
Canyon in den Hauptgang der unteren Horizontal-
etage. Der Schöne Canyon verläuft ebenfalls nahezu
horizontal und ist heute auf fast seiner gesamten
Länge trocken, erst kurz vor seinen Endhallen trifft
man ein Gerinne, welches den ursprünglichen Gang
und die Endhallen in einem engen Canyon unter -
lagert und seinen Ursprung in einem noch nicht
erkundeten Schlot jenseits der Endhallen nimmt.
Bachab wurde der Wasserlauf bis zu einer Verengung
im Mäander verfolgt, bei deren Überwindung eine
Durchnässung in Kauf genommen werden müsste.
Auch weiter vorne im Schönen Canyon kann man
den Bachlauf bei Hochwasser ab und zu hören. Über
seine Schüttung ist wenig bekannt, doch dürfte
sie im Bereich von wenigen l/s bis zu einigen 10er l/s
liegen.
Eine Reihe von Bächen passiert im und rund um den
Monsterschacht die untere Horizontaletage des
Riesendings und versinkt in hängenden Siphonen.
Der wasserreichste ist der Monsterbach, der aus der
Höhe des Monsterschachts herabdonnert, diesen die
meiste Zeit des Jahres unbefahrbar macht und bei
Hochwasser auch im mehr als 100 m entfernten
Biwak 6 noch den Boden erzittern lässt. Er versinkt
in 1059 m Tiefe in einem wahrscheinlich hängenden
Siphon ohne erkennbare Rückstauzone. Seine
Schüttung dürfte von wenigen l/s bis zu deutlich
über 100 l/s variieren. Kurz vor dem Monsterschacht
tritt ein weiteres Gerinne als Dusche in den Raum
ein, welches durch den Brausecanyon einem Siphon
in 930 m Tiefe zuströmt. In denselben Siphon mün-
det ein Bach, der unterhalb von Biwak 6 am Grund
der Rutschpartie aus einem Schlot fällt und vom
End raum des Brausecanyons nur durch einen weite-
ren kurzen Siphon getrennt ist. Beide Bäche variie-
ren von weniger als 1 l/s bis zu einigen 10er l/s. Im
ganzen Höhlenteil rund um den Monsterschacht ist
es etwas kälter als in den trockenen Höhlenteilen
rundum, und meist steigen aus dem Nebelschacht,
der mit dem Monsterschacht zusammenhängt, Ne-
belschwaden, welche die Sicht zum Ärger der Foto-
grafen im ganzen Höhlenteil einschränken.
Während sich der Hauptgang beim Eckschacht nach
Nordosten wendet, liegt in der Verlängerung der
bislang raumbestimmenden, nach Nordwest strei-
chenden Störung die Kluft der Schwarzen Kristalle.
In diese mündet aus der Höhe der Kluft eine Dusche
mit einem knappen bis zu wenigen l/s, während am
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 85
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Grund der Kluft aus einem kleinen Quellsiphon ein
stark bräunlich gefärbtes Gerinne mit ebenfalls
wenigen l/s eintritt. Der Ursprung der dunklen Farbe
ist bisher noch nicht untersucht, Haseke-Knapczyk
(1989) erwähnt jedoch eine erhebliche Belastung der
Quelle durch Huminsäuren. Beide Gerinne versin-
ken in einem Versturz am Grund der Kluft. An den
Wänden der Kluft finden sich Kalzitkristalle mit bis
zu 3-4 cm Kantenlänge, deren Oberflächen ebenfalls
dunkel verfärbt sind.
Durch das Auenland fließt der wasserreiche Auen-
bach. Dieser wird zum ersten Mal am Fuß des Lehm-
schachts angetroffen, wo er aus tiefen Siphonspalten
aufsteigt. Nach kurzem horizontalem Lauf versinkt
er in einem Siphon, um im Auenland wieder aufzu-
tauchen. Dort mäandriert er zwischen Lehmdünen,
bevor er nahe Biwak 7 in einem Versturz versickert,
unter dem Blockboden einer Halle hindurch fließt,
und sich schließlich in den Auencanyon ergießt, der
bislang bis in 1070 m Tiefe verfolgt wurde (Ende
offen). In den Auenbach mündet am Ende der
erwähnten versturzerfüllten Halle der Westzubrin-
ger, welcher bachauf bis in großdimensionierte und
stark bewetterte überlagernde Gänge verfolgt wurde
(Ende ebenfalls offen, ein Zusammenhang mit den
700 m entfernten Windlöchern ist denkbar). Wäh-
rend der Westzubringer meist nur wenige l/s bis zu
einigen 10er l/s schüttet, beeindruckt der Auenbach
mit wenigen 10er l/s bis zu einigen 100 l/s, die durch
Schüttungsmessungen mittels Salzverdünnungsme-
thode auch nachgewiesen wurden. Bei starken
Hochwasserereignissen sind Schüttungsspitzen im
Bereich von 1–2 m3/s wahrscheinlich. Im Auenbach
war bei der Wasserstelle von Biwak 7 die zweite
Drucksonde im Riesending installiert (siehe Markie-
rungen in Abb. 2 und 3).
Im Bereich von Wassergang und Krake treten auf
engem Raum mehrere Gerinne ein. Es ist dies einer-
seits zuhinterst im Wassergang ein kleiner Bach, der
nach Westen fließt und einen großräumigen Siphon
speist. Etwas weiter bilden bei einer Kluftkreuzung
zwei Zubringer aus noch unerforschten Canyons mit
jeweils wenigen l/s bis zu zumindest einigen 10er l/s
den Ursprung des Krakenbachs. Sie folgen dem Ver-
lauf des Wassergangs nach Südosten bis in die Krake,
wo ein weiterer Bach mit ähnlicher Schüttung aus
einem Schlot einmündet. Die gesammelten Bäche
fließen durch den Krakencanyon einem Siphon im
Schwankungsbereich des Karstwasserspiegels in
1149 m Tiefe (694 m Seehöhe) zu. Kurz vor dem
Siphon, und von diesem durch eine Schotterbank
und mehrere Versturzblöcke getrennt, war im Bach-
lauf des Krakenbachs die dritte Drucksonde im
Riesending angebracht. Die Wände sind bis hoch
über dem Bachbett mit einer dicken Schicht dunkler
Sedimente überzogen und zeigen einen Rück -
staubereich an, der durch die gemessenen Wasser-
stände auch bestätigt werden konnte.
MESSPROGRAMM UND TEMPERATURREGIME
Wasserdruck und -temperatur
Gemessen wurden im Riesending Wasserdruck und
-temperatur mit einer zeitlichen Auflösung von
5 Minuten im Endsiphon des Sammlers (–987 m, 856 m
Seehöhe) von 11/2009 bis 09/2013, im Auenbach
(–940 m, 903 m Seehöhe) von 09/2011 bis 10/2016 und
im Krakencanyon (–1148 m, 695 m Seehöhe) von
11/2013 bis 10/2016. Zur Korrektur der Luftdruck-
schwankungen wurde von 07/2012 bis 10/2016 beim
Biwak 7 (–930 m) im Auenland parallel der Luftdruck
gemessen (Abb. 4). Durch den Ausfall einer Messsonde
liegen zuvor keine Luftdruckdaten aus dem Riesen-
ding vor.
Verglichen werden die Daten aus dem Riesending mit
Druck- und Temperaturmessungen vom Talsiphon
und Unheimlichen See (beobachtet 02/2010 bis
01/2014) in der Fürstenbrunner Quellhöhle, und von
02/2012 bis 01/2014 mit Daten von der Orktränke in
der Kolowrathöhle (Abb. 4). Die letzten beiden Mess-
stellen liegen im Schwankungsbereich eines einheitli-
chen Karstwasserspiegels im Untersberg. Da es keine
sinnvolle zeitliche Überlappung zwischen den Mes-
sungen in Quellhöhle und Kolowrathöhle mit den
Messungen im Krakencanyon gibt, liegt ein Schwer-
punkt der Auswertung im Versuch, mittels statistischer
Methoden die Höhe der Sonde im Krakencanyon mög-
lichst genau relativ zur Orktränke zu bestimmen, um
die weitere Ausdehnung des gemeinsamen Karst -
wasserspiegels bis zum Riesending zu untermauern
und gleichzeitig die Tiefenmessung der Riesending-
Schachthöhle zu kontrollieren.
Die absolute Genauigkeit der verwendeten Druckson-
den (Ingenieurbüro Ziegler, Hütten, Schweiz) wird mit
±10 mbar (entspricht 10 cm Wasserhöhe) angegeben.
Für die Dauer eines Hochwasserereignisses darf die
relative Genauigkeit jedoch im sub-mbar-Bereich
angenommen werden. Um langfristige Instrumenten-
drift zu berücksichtigen wurden die verschiedenen
Drucksonden, wenn immer möglich, vor und nach
86 Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
dem Einbau eine kurze Zeit gemeinsam in der Höhle
gelagert und die relative Drift durch ein lineares
Modell korrigiert. Die Ableitung absoluter Wasserstän-
de wird durch die deutlich weniger genau bekannten
Einbauhöhen der Logger eingeschränkt. Es werden
deshalb nur Druckvariationen relativ zum jeweils
gemessenen Druckminimum pro Sonde analysiert.
Die Zeitmessung in der Sonde wurde bereits beim
Auslesen der Daten mit der aktuell gehaltenen Com-
puterzeit korrigiert und wird im Folgenden als fehler-
frei angenommen. Wasser- und Luftdruck wurden
jeweils linear auf gemeinsame Messepochen inter -
poliert und der Wasserdruck um die Luftdruckvaria -
tionen, welche Wasserschwankungen von mehr als
±10 cm entsprechen, korrigiert. Dazu wurden jeweils
Luftdrucklogger auf vergleichbarer Seehöhe verwen-
det.
Die Temperaturmessungen weisen eine sehr hohe Auf-
lösung von hundertstel Grad auf. In Einzelfällen schei-
nen Temperaturvariationen eine geringe sonden- und
temperaturabhängige Dämpfung zu erfahren, was ab-
solute Genauigkeitsangaben erschwert. Zur Kalibrie-
rung der Sonden wurden aus den Zeiten gemeinsamer
Lagerung relative Abweichungen bestimmt, die aber
nur für einen engen Temperaturbereich als repräsen-
tativ angenommen werden dürfen (weshalb für die Ka-
librierung eine gemeinsame Lagerung der Sonden bei
Höhlenbedingungen wichtig ist). Die Temperatur der
01.01.2010 01.01.2011 01.01.2012 01.01.2013 01.01.2014 01.01.2015 01.01.2016
600
650
700
750
800
850
900
Seehöhe [m]
Talsiphon
Luftdruck
Unheimlicher See
Neue Heimat
Mausloch
Sammler –987m
Auenbach
Luftdruck
Orktränke
Krakenbach
Abb. 4: Messzeiträume und Einbauhöhen der Drucksonden im Untersberg.
Fig. 4: Observation periods and altitudes of pressure gauges in Untersberg.
Tiefe (m) Schüttung (l/s) Temperatur (°C) El. Leitfähigkeit
(µS/cm; 25 °C)
Zubringer Ursprungscanyon –350 < 0,5 2,3 210
Sammler –410 < 5 2,6 228
Zufluss links –420 < 0,5 2,7 218
Zufluss Waschsalon (rechts) –430 < 0,5 2,7 224
Sammler –500 ca. 5 3,0 224
Sammler –600 ca. 5 3,3 227
Sammler –720 ca. 5 3,6 231
Sammler –910 ca. 5 4,2 222
Zehnkaserbach –910 ca. 25 4,7 250
Donnerbach –910 ca. 10 4,6 254
Sammler (inkl. Zuflüsse) –960 ca. 40 4,7 246
Kleiner Spritzer –900 ca. 3 4,3 230
Tabelle 1: Temperatur und elektrische Leitfähigkeit des Sammlers und seiner Zuflüsse am 15.8.2007.
Table 1: Temperature and electric conductivity along the Sammler stream in Riesending, as observed on 15 August 2007
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 87
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Sonde am Endsiphon des Sammlers, für den Messun-
gen mit einem kalibrierten Thermometer vorliegen
(siehe unten), wurde auf diese korrigiert. Talsiphon
und Unheimlicher See wurden in der Folge relativ zum
Sammler korrigiert. Die Temperaturen von Auenbach
und Krakenbach sind nur relativ zueinander kalibriert.
Im Rahmen dieser Arbeit werden im Wesentlichen
Temperaturunterschiede über kurze Zeiträume von
wenigen Stunden interpretiert, die deutlich über der
Wiederholgenauigkeit der Messungen liegen; die in
Einzelfällen ungenaue absolute Kalibrierung ist daher
zu vernachlässigen.
Vertikale Temperaturgradienten
(Luft und Wasser)
Dem Monitoring der Wasserstände vorausgehend wur-
den am 15.8.2007 Temperatur und Leitfähigkeit des
Sammlers und seiner Zubringer zwischen –350 m
und –930 m mit einem kalibrierten Instrument gemes-
sen (Tab. 1). Alle Werte wurden bei sommerlichem
Niedrigwasser bestimmt, die Schüttungsangaben sind
konservative Schätzwerte. Entlang des Sammlers
wurde eine gleichmäßige Temperaturzunahme auf
der von Zuflüssen unbeeinflussten Strecke von –500 m
bis –910 m von 3,0 °C auf 4,2 °C beobachtet, was einem
Gradienten der Wassertemperatur von etwa –0,3 K/100
Höhenmetern entspricht.
Bereits im Vorfeld der hydrologischen Untersuchun-
gen fanden automatische Messungen der Lufttempe-
ratur von 11/2004 bis 05/2005 im Biwak 1 ( –350 m),
von 06/2005 bis 09/2005 in 115 m Tiefe im Eingangs-
schacht, von 10/2005 bis 01/2006 im Biwak 3 (–700 m)
und von 08/2006 bis 11/2006 im Biwak 4 (–930 m)
statt. Ziel dieser Messungen war es, das Dämpfungs-
verhalten von oberirdischen Temperaturvariationen in
Abhängigkeit von der Entfernung zum Eingang zu un-
tersuchen (mit der Motivation, mittels Temperatur-
messungen in der Höhle weitere Eingänge zu finden).
Es wurden deutliche Korrelationen zwischen Außen-
und Innentemperatur in 115 m, 350 m und 930 m Tie-
fe, nicht aber beim Biwak 3 in 700 m Tiefe festgestellt,
gleichzeitig aber eine deutliche Abhängigkeit der
Dämpfung der Temperaturvariationen vom Zustand
des Schneekegels im Eingangsschacht, was eine Inter-
pretation im Sinne der ursprünglichen Zielsetzung
vereitelte.
Die Temperatur in Biwak 1schwankt im Messzeitraum
zwischen 2,05 °C und 1,65 °C und liegt im Mittel bei
1,9 °C, die Temperatur in Biwak 3 sinkt von Oktober bis
Januar kontinuierlich von 3,25 °C auf 3,05 °C, und
in Biwak 4 wurden Temperaturen zwischen 4,35 °C
bis 4,05 °C beobachtet, bei einem Mittel um 4,2 °C.
An allen drei Messpunkten nimmt die Temperatur im
jeweiligen Beobachtungszeitraum tendenziell leicht
ab, da die Höhle im Herbst/Winter abkühlt. Der
Temperaturgradient der Höhlenluft zwischen 350
und 900 m Tiefe, berechnet aus den mittleren Tempe-
raturen in Biwak 1 und 4, liegt bei –0,4 K/100 m. Ver-
gleicht man nur Novembermessungen, so findet man
–0,36 K/100 m, wobei der Temperaturgradient zwi-
schen 350 und 700 m Tiefe etwas flacher als zwischen
750 und 930 m Tiefe ist. Die Horizontalniveaus in
400 und 900 m Tiefe sind stark bewettert. Die im
Vergleich zu den anderen, auch tiefer gelegenen
Messungen deutlich geringere Variabilität der Luft -
temperatur auf –700 m deutet darauf hin, dass die
bekannten Passagen entlang des Sammlers zwischen
400 und 900 m Tiefe für die beachtliche Bewetterung
der unteren Horizontaletage nur eine untergeordnete
Rolle spielen.
Interpretation der Temperaturgradienten
Zur Interpretation der beobachteten Temperaturen
sind folgende Erklärungen hilfreich (siehe z.B. Filippo-
ni, 2000; Luetscher & Jeannin, 2004):
Der feucht-adiabatische Temperaturgradient von
Luft liegt bei –0,5 K/100 m; dieser Gradient ist für die
Lufttemperatur im homothermischen (vom Tempe-
raturgeschehen außerhalb der Höhle weitgehend
entkoppelten), aber stark bewetterten Bereich einer
Höhle maßgeblich.
Trockene Luft hat je nach Feuchtegehalt einen
steileren Temperaturgradienten; für die Außenat -
mosphäre sind –0,5 bis –0,7 K/100 m typisch.
Die theoretische Temperaturzunahme von schnell
fließendem Wasser durch Umwandlung von poten-
tieller Energie in Wärme beträgt –0,23 K/100 m; in
gering bewetterten Höhlenbereichen (bei Luetscher
und Jeannin (2004) als tiefe vadose Zone bezeichnet)
liegt der Temperaturgradient von Bachläufen bei
etwa –0,3 K/100 m.
Die Temperatur der Höhlenwände wird im vadosen
Bereich langfristig durch die Wassertemperatur in
der Höhle bestimmt; Wasser und Fels befinden sich
daher im thermischen Gleichgewicht, und Energie-
austausch findet im Wesentlichen zwischen Wasser
und Luft in der Höhle statt.
Der Einfluss der Erdwärme wird durch die wasser-
gesättigte Zone unterhalb des Karstwasserspiegels
weitgehend abgeschirmt; deshalb wird in Höhlen
keine deutlich erhöhte Temperatur wie z.B. in Berg-
werken oder auf Tunnelbaustellen gemessen.
Der im Riesending gemessene Gradient der Wasser-
temperatur passt gut zu den Angaben von Luetscher &
88 Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Jeannin (2004) für die tiefe vadose Zone. Der von
0,5 K/100 m abweichende Gradient der Lufttempera-
tur ist auf Energieaustausch mit dem wasserreichen
kälteren Sammlerbach zurückzuführen. Auch im Be-
reich des Monsterschachts lässt sich eine mit dem
Monsterbach zusammenhängende negative Tempera-
turanomalie der Höhlenluft feststellen, wie bei Tem-
peraturmessungen im Rahmen einer mikrobiolo -
gischen Studie der Bakterienpopulation im Frosch -
königsee und weiteren Höhlengewässern beobachtet
wurde (Shabarova et al., 2013).
Aus der Temperaturdifferenz unterschiedlicher Bäche
in gleicher Tiefe lässt sich, wenn man den Temperatur-
gradienten des Wassers in der Höhle kennt, nähe-
rungsweise der Unterschied der mittleren Höhe der
Einzugsgebiete berechnen, da der Niederschlag beim
Eintritt in die homothermische Zone die mittlere
Jahrestemperatur der Außenatmosphäre auf der
entsprechenden Höhe hat. Für die folgende
Überschlags rechnung wird für die Außenatmosphäre
ein Gradient von –0,6 K/100 m, für die Höhlenbäche
der gemessene Gradient aus der tiefen vadosen Zone
von –0,3 K/100 m angenommen. Aus der Temperatur-
differenz von 0,3 K vom Sammler zum Zubringer aus
dem Ursprungscanyon lässt sich (unter Berücksichti-
gung der Höhendifferenz der Messstellen von 60 m)
auf eine Höhendifferenz der Einzugsgebiete von 40 m,
aus der Temperaturdifferenz des Zehnkaserbachs zum
Sammler in 900 m Tiefe von 0,5 K auf eine Höhen -
differenz von 166 m schließen. Das Plateau fällt über
dem bekannten Verlauf der oberen Horizontaletage
vom Eingang zum Ursprung des Ursprungscancyons
und des Sammlers leicht ab. Nimmt man das mittlere
Einzugsgebiet des Ursprungscanyons bei etwa 1800 m,
das des Sammlers am Fuße des Mitterbergs bei 1760 m
an, so kommt jenes des Zehnkaserbachs auf knapp
1600 m zu liegen, was der Dolomit-Terrasse der Zehn-
kaseralm entspricht. Der Ursprung des Donnerbachs
wird im Bereich des nur wenig höher liegenden Wand-
fußes der Süd- und Südostwände, die den Übergang
zum unterlagernden Dolomit markieren, vermutet.
Auf dem stark zerklüfteten Plateau dürfte es schwer-
fallen, die Einzugsgebiete einzelner Bachläufe gegen-
einander abzugrenzen, und die folgende Überschlags-
rechnung soll nur der Veranschaulichung dienen: ein
kräftiger Regenschauer von 5 mm/h = 5 l/m2/h, der
über dem bekannten Verlauf des Sammlers von seinem
Ursprung bis Biwak 2 auf einer Fläche von 60 0 m ×
60 m niedergeht, führt zu einem Gesamtabfluss von
50 l/s. Aufgrund von unterschiedlich langen und stei-
len Zuflussstrecken der einzelnen Zubringer zum
Sammler wird die resultierende Schüttung in der Regel
etwas geringer ausfallen. Da aber vergleichbare Schüt-
tungen im Biwak 2 in 500 m Tiefe schon öfters beob-
achtet worden sind, können wir damit rechnen, dass
sich der Sammler bachauf noch etwas weiter unter das
Plateau fortsetzt. Die Zeitverzögerung zwischen dem
Einsetzen des Regens und dem Anschwellen des
Sammlers liegt dabei nach eigenen Beobachtungen
deutlich unter einer Stunde.
Einfluss der Erdwärme
Da im Folgenden Wassertemperaturen in Siphonen
und am Karstwasserspiegel zur Interpretation heran-
gezogen werden, soll auf Basis der bislang zusammen-
getragenen Kenndaten der Fürstenbrunner Quelle in
einer letzten Überschlagsrechnung die resultierende
Erwärmung des Wassers im Bereich der phreatischen
Zone abgeschätzt werden. Bei einer mittleren Quell-
schüttung von 800 l/s und einer Austauschrate des
Wassers im Berg von 150 Tagen (knapp 5 Monate), be-
trägt das Volumen des Karstreservoirs 800 l/s × 150 ×
86400 s = 10,37 × 109l = 10,37 × 106 m³. Um einen Liter
Wasser um 1 K zu erwärmen, bedarf es 4,18 kJ. Für das
Einzugsgebiet nehmen wir 16 km² an (was einer als
typisch geltenden mittleren Abflussspende von
50 l/s/km² entspricht), und für den Energiefluss durch
Erdwärme geben Luetscher und Jeannin (2004) 40 bis
140 mW/m2an. Die Erwärmung des unterhalb des
Karstwasserspiegels gespeicherten Wassers im Berg
durch Erdwärme ergibt sich wie folgt:
Erwärmung [K] = Einzugsgebiet [m2] × Zeit [s]
× Wärmefluss [W/m2] / (Wasser-
volumen [l] × 4,18 kJ/l/K)
Je nach Annahme für den Energiefluss durch Erdwär-
me ergibt sich für das Einzugsgebiet der Fürstenbrun-
ner Quelle eine Erwärmung von 0,19 bis 0,67 K.
Im Untersberg wurden Temperaturunterschiede zwi-
schen hydraulisch reagierendem Siphonwasser (Au-
enbach, Krakenbach) und offen fließendem Ereignis-
wasser von ca. 0,25 K beobachtet, allerdings auch Tem-
peraturunterschiede am Zusammenfluss mehrerer Bä-
che mit unterschiedlich hoch gelegenen Einzugsgebie-
ten von bis zu 0,5 K (Sammler, Zehnkaserbach). Die be-
rechnete Erwärmung langsam ausgetauschten Si-
phonwassers durch Erdwärme kann die gemessenen
Temperaturunterschiede erklären. Allerdings ist der
Effekt der Erwärmung durch Erdwärme von dem der
Durchmischung unterschiedlich warmer Zubringer in
Siphonbereichen ohne eine sorgfältige Wasserbilanz
über das gesamte Einzugsgebiet und ohne genaue
Kenntnis der Infiltrationshöhenlagen des Nieder-
schlags nicht zu trennen.
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 89
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Schüttungsmessungen
Flankierend zu den Druck- und Temperaturmessun-
gen fanden in mehreren Bachläufen im Untersberg
Schüttungsmessungen mit der Salzverdünnungs -
methode statt. Im Auenbach wurden acht Einzel -
messungen durchgeführt. Ausreichende Messungen
für eine Schlüsselkurve liegen allerdings nur für nie-
dere Wasserstände vor, für die sich folgender linearer
Zusammenhang zu den gemessenen Wasserständen
angeben lässt:
Schüttung [l/s] = 2,71 ×Wasserstand [cm] – 0,06
(für Wasserstände bis ca. 20 cm)
Eine Messung wurde während eines Hochwasser-
durchgangs durchgeführt und ergab eine Schüttung
von 460 l/s. Diese Messung fand jedoch unter ungün-
stigen Bedingungen (während der Messung deutlich
nachlassende Schüttung und steigende Grundleitfä-
higkeit) statt und kann daher nicht zur Extrapolation
der Schlüsselkurve dienen.
Die Schüttung des Bachs in der Quellhöhle wurde zwi-
schen Unheimlichem See und Talsiphon ebenfalls mit-
tels Salzverdünnungsmethode bestimmt (Gruber,
2014). Die Schlüsselkurven für Unheimlichen See und
Auenbach werden im Folgenden benutzt, um den An-
teil des Auenbachs an der Gesamtschüttung der Quelle
bei niedrigen Wasserständen abzuschätzen.
Der Sammler stürzt nach der Vereinigung mit dem
Donnerbach und dem Zehnkaserbach durch schmale
Spalten am Grund der Großen Schräge bis in 987 m Tie-
fe hinab, wo er in einem kleinräumigen Siphon ver-
sinkt. Stausedimente zeigen einen lokalen Rückstau
von wenigen Metern an, und auf dem Siphonsee
schwimmen meist größere Mengen Schaum, der auf
Huminsäuren zurückzuführen sein könnte. Die Sonde
war am Rand des Siphonbeckens knapp über dem
Wasserspiegel bei Normalwasserstand angebracht. Die
aufgezeichneten Schüttungsspitzen belegen eine
Überstauung von bis zu 7 m.
Verglichen werden die am Endsiphon des Sammlers
gemessenen Wasserstands- und Temperaturschwan-
kungen mit jenen im Unheimlichen See und am Talsi-
phon in der Fürstenbrunner Quellhöhle, 4,2 km vom
Sammler entfernt und etwa 200 m bzw. 250 m tiefer ge-
legen. Der Unheimliche See stellt den Quellsiphon des
Bachs in der Fürstenbrunner Quellhöhle dar, der Tal-
siphon die letzte Höhlenstrecke vor dem Austritt des
Wassers an der gefassten Quelle. Der Unheimliche See
markiert das talseitige Ende des über weite Strecken
einheitlichen Karstwasserspiegels im Berg und weist
Spiegelschwankungen von über 40 m auf. Die Sonde
wurde bei außergewöhnlicher Trockenheit dort auf
650 m Seehöhe angebracht, der Sommerüberlauf be-
findet sich etwa 38,5 m über der Sonde. Der Talsiphon
ist vom Unheimlichen See durch etwa 600 m teils un-
bekannte Siphon- und Klammstrecken getrennt. Die
Sonde am Talsiphon ist am bergseitigen Ende im Nie-
derwasserbereich angebracht. Vor dem Talsiphon
kommt es durch eine geringfügige Reduktion des
Gangquerschnitts zu einem gewissen Rückstau, der je-
doch nicht mit den beträchtlichen Spiegelschwankun-
gen des Unheimlichen Sees zu vergleichen ist.
Betrachtet werden beispielhaft zwei Regenereignisse.
Das erste nach längerer Trockenheit bei sommerli-
chem Niedrigwasser in der Nacht vom 15. auf den
16.7.2010 (Abb. 5), das andere bei aufgefüllten Spei-
chern drei Tage später (Abb. 6). In beiden Fällen rea-
giert der Unheimliche See vor dem Sammler, muss also
noch bedeutende andere Zuflüsse mit kürzeren Fließ-
strecken haben. Das erste Regenereignis führt im
Sammler des Riesendings zu zwei Hochwasserspitzen
von wenigen Dezimetern, wovon die erste Spitze aus-
geprägter ist. Im Unheimlichen Seekommt es zu einem
Anstieg des Wasserspiegels um knapp 10 m, jedoch
wird der Sommerüberlauf nicht erreicht. Am Talsiphon
kommt es daher zu keiner signifikanten Erhöhung des
Wasserstandes.
Bei der Interpretation helfen auch die Temperaturmes-
sungen. Im Unheimlichen See und im Talsiphon ist kei-
ne Temperaturänderung sichtbar (Abb. 5, unten). Of-
fensichtlich erreicht anders temperiertes Ereigniswas-
ser diese Messstellen erst später (oder nach gründli-
cher Durchmischung). Die Reaktion auf das Nieder-
schlagsereignis ist daher vermutlich rein hydraulisch.
Am Sammler im Riesending fällt die Temperatur erst
markant ab, um dann nach kurzer Stagnation über ih-
ren ursprünglichen Wert anzusteigen. Dies ist durch
die unterschiedlich warmen Zubringer erklärbar, die
sich erst kurz vor der Messung vereinigen. Offensicht-
lich springt der kalte Sammlerbach, der dem bekann-
ten Abstieg durch die Höhle folgt, zuerst an. Seine
Schüttung ist bereits am Abklingen, wenn einer oder
beide wärmeren Zubringer, also Donnerbach und
INTERPRETATION DER GEMESSENEN WASSERHÖHEN UND WASSER -
TEMPERATUREN AM ENDSIPHON DES SAMMLERS (–987 M) UND
IN DER FÜRSTENBRUNNER QUELLHÖHLE
Zehnkaserbach, anspringen. Diese zeitverzögerte An-
kunft des wärmeren Wassers geht mit einem zweiten
Druckanstieg und einer raschen Temperaturzunahme
des gemischten Wassers am Sammler-Siphon einher.
Während die erste Hochwasserspitze schnell wieder
abfällt, ist die Reaktion zumindest eines warmen
Baches deutlich gedämpft, was auf längere Fließstrek-
ken mit geringem Gefälle schließen lässt.
Das zweite Niederschlagsereignis drei Tage später
findet bei nahezu vollen Speichern im Berg statt. Der
Wasserstand im Unheimlichen See reagiert wieder vor
dem Sammler und steigt bis zum Sommerüberlauf an,
90 Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
21:00 16.7. / 0:00
Zeit
Zeit
Sammler –987 m
Talsiphon
Unheimlicher See
15./16.7.2010
9:003:00 6:00
21:00 16.7. / 0:00 9:003:00 6:00
Wasserstand [m]
Wasserstand Unh. See [m]
Temperatur [°C]
4
3
2
1
0
40
30
20
10
0
5,6
5,4
5,2
5,0
4,8
4,6
4,4
4,2
21:00 19.7. / 0:00
Zeit
Zeit
Sammler –987 m
Talsiphon
Unheimlicher See
18./19.7.2010
9:00 12:003:00 6:00
21:00 19.7. / 0:00 9:00 12:003:00 6:00
Wasserstand [m]
Wasserstand Unh. See [m]
Temperatur [°C]
4
3
2
1
0
40
30
20
10
0
5,6
5,4
5,2
5,0
4,8
4,6
4,4
4,2
Abb. 5: Wasserstand (oben) und
Temperatur (unten), aufgezeich-
net von den drei Drucksonden
im Unheimlichen See und im
Talsiphon der Quellhöhle, sowie
im Riesending am Endsiphon
des Sammlers, während eines
moderaten Regenereignisses bei
niedrigem Wasserstand in der
Nacht vom 15. auf den 16.7.2010.
Die Wasserstände von Talsiphon
und Sammler beziehen sich auf
die Y-Achse links, der des Un -
heimlichen Sees auf die Y-Achse
rechts.
Fig. 5: Water-level (top) and
temperature (bottom) at
Unheimlicher See (right y-axis),
Talsiphon and Sammler (both left
y-axes) after a moderate rainfall
event during the night of 15 July,
2010.
Abb. 6: Wasserstand (oben) und
Temperatur (unten), aufgezeich-
net von den drei Drucksonden im
Unheimlichem See und im
Talsiphon der Quellhöhle, sowie
im Riesending am Endsiphon des
Sammlers, während eines
ergiebigen Regenereignisses bei
aufgefüllten Speichern in der
Nacht vom 18. auf den 19.7.2010.
Die Wasserstände von Talsiphon
und Sammler beziehen sich auf
die Y-Achse links, der des
Unheimlichen Sees auf die Y-Achse
rechts.
Fig. 6: Water-level (top) and
temperature (bottom) at
Unheimlicher See (right y-axis),
Talsiphon and Sammler (both left
y-axes) after a heavy rainfall event
during the night of 18 July, 2010.
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 91
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
verharrt dort kurze Zeit, um dann weitere 3 m zu stei-
gen (Abb. 6). Das Überlaufen des Unheimlichen Sees
führt zu einem rasanten Wasseranstieg am Talsiphon
um insgesamt fast 4 m. Bei etwa 2 m Stauhöhe ist der
Ansatz eines Plateaus im Druckpeak sichtbar, was auf
eine Geometrieänderung im Ausfluss in dieser Höhe
hindeutet.
Der Sammler im Riesending lässt einen dreigeglieder-
ten Druckanstieg erkennen, was auf das nicht gleich-
zeitige Anspringen der drei Zubringer zurückzuführen
sein dürfte. Wieder ist das kalte Wasser des eigentlichen
Sammlers schneller als die wärmeren Zubringer Don-
nerbach und Zehnkaserbach, und der Sammler bereits
am Abklingen, bevor das Hauptwasser, wahrscheinlich
des wasserreichen Zehnkaserbaches, eintrifft. Die Tem-
peratur des Unheimlichen Sees und in der Folge des
Talsiphons steigt mit dem Überlaufen erst leicht an, be-
vor zumindest im Unheimlichen See ein Abfall der
Temperatur unter das ursprüngliche Niveau sichtbar
wird. Eine mögliche Erklärung wäre ein kurzfristig er-
höhter Anteil an Ereigniswasser aus relativ niedrig ge-
legenen Einzugsgebieten vom Nordhang des Unters-
bergs, die nach kurzen Fließwegen den Karstwasser-
spiegel vor kälteren Zuflüssen aus höher gelegenen
Einzugsgebieten am Plateau des Bergs erreichen. Dazu
passt auch die Beobachtung, dass der Unheimliche See
deutlich (in den obigen Beispielen 1 bis 1,5 Stunden)
schneller reagiert als der Druckpegel am Endsiphon
des Sammlers, der oberstromig gelegen ist. Dies deutet
ebenfalls darauf hin, dass der einheitliche Karstwasser-
spiegel im Berg schnellen Zufluss, wahrscheinlich von
der Nordflanke des Untersbergs, hat.
Der Auenbach entströmt im Gegensatz zum Sammler
einem Siphonbereich. Die Sonde im Auenbach war
am Ende einer ruhigen Fließstrecke durchs Auenland
angebracht, kurz bevor der Bach im Versturz an der
Gangsohle versickert. Der Versturz stellt eine Veren-
gung des Querschnittes dar und führt bei erhöhtem
Wasserangebot zu Rückstau. Mit zunehmender Was-
serhöhe nimmt der Bereich, über den das Wasser in
den Versturz eintritt, deutlich zu, bis er in wenigen
Metern Höhe frei überströmt würde. Da keine genaue
Messung der Höhe des Versturzes vorliegt, ist nicht
bekannt, ob es tatsächlich zu einer Überströmung
kommt.
Die Sonde im Krakenbach war hingegen an der Sohle
eines mit geringem Gefälle frei fließenden Bachlaufs
angebracht, der nach knapp 30 m durch eine Schotter-
bank sickert, welche offensichtlich bei erhöhtem
Wasserstand ebenfalls zu einem Rückstau von weni-
gen Dezimetern führt. Auf der Schotterbank bilden
mehrere große Blöcke ein Hindernis, das im November
2013 nicht überklettert werden konnte, hinter dem im
Oktober 2016 aber nur noch ein großer Siphonsee
entdeckt wurde, dessen Spiegel zur Zeit seiner Ent -
deckung etwa 1 m unterhalb des Bachlaufs und der
Drucksonde lag. Der ganze Höhlenbereich liegt im
Schwankungsbereich des Karstwasserspiegels, wie
durch dicke, dunkel gefärbte Stausedimente an den
Höhlenwänden bis in beträchtliche Höhe über dem
Bachlauf ersichtlich ist. Die aufgezeichneten Druck -
daten belegen Stauhöhen bis 35 m, was gut zu den
bei der Orktränke in der Kolowrathöhle aufgezeichne-
ten Wasserstandsvariationen des Karstwasserspiegels
passt.
Auenbach und Krakenbach zeigen bis zu Wasserstän-
den von etwa 0,5 m ein sehr ähnliches Verhalten, das
durch Abbildung 7 mit ausgeprägten Schneeschmelz-
Tagesgängen im März 2014 veranschaulicht wird. Die
Reaktion auf die tageszeitliche Erwärmung und die
resultierende Schneeschmelze setzt jeweils bereits in
den Abendstunden ein, wobei der Krakenbach mini-
INTERPRETATION DER GEMESSENEN WASSERHÖHEN UND
WASSERTEMPERATUREN VON AUENBACH UND KRAKENBACH
8.3.14 12.3.14
Auenbach
Krakenbach
24.3.1416.3.14 20.3.14
Wasserstand [m]
0,4
0,3
0,2
0,1
Abb. 7: Wasserstände, aufgezeich-
net von den Drucksensoren am
Auenbach und Krakenbach,
während der Schneeschmelze im
März 2014.
Fig. 7: Water-levels at Auenbach
and Krakenbach during snowmelt
in March 2014.
92 Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
mal früher reagiert. Auf einen rasanten Anstieg mit ei-
nem Peak zwischen 18 und 19 Uhr folgt ein langsame-
res Abklingen bis zum Abend des folgenden Tages. Die
um 1–2 Stunden verzögerte Reaktion des Auenbachs,
die zudem eine etwas geringere Steigung des Wasser-
stands aufweist, wird durch eine offensichtlich längere
Fließstrecke und ein geringeres Gefälle des Bachlaufs
erklärt, während der Krakenbach auf der bekannten
Strecke bis in den Schwankungsbereich des Karstwas-
serspiegels mit starkem Gefälle fließt.
Bei stärkeren Hochwasserereignissen, so z.B. in Folge
eines beliebig herausgegriffenen Niederschlagsereig-
nisses am 3.7.2016, zeigen beide Messstellen ein sehr
unterschiedliches Verhalten (Abb. 8). Wieder erreicht
die Flutwelle die eigentlich tiefer gelegene Sonde im
Krakencanyon etwas früher. Während der Wasserstand
im Krakenbach sofort um etwa einen halben Meter an-
steigt, was wahrscheinlich der Rückstauhöhe durch
die Schotterbank vor dem Endsiphon entspricht, steigt
der Auenbach erst verhalten an. Gut drei Stunden nach
dem ersten Anspringen nimmt der Anstieg plötzlich
stark zu, was beim Auenbach durch eine Intensivie-
rung der Schüttung zu erklären ist. Bei knapp 2 m
Stauhöhe ist durch eine massive Vergrößerung des
durchströmten Querschnitts die Spitze des Flutpulses
beim Auenbach gekappt. Nach weiteren 3 Stunden
lässt die Schüttung deutlich nach, klingt aber noch
über den ganzen folgenden Tag langsam ab. Dem ge-
genüber zeigt der Krakenbach einen plötzlichen, mas-
siven Anstieg mit einem ausgeprägten Peak bei knapp
10 m Wasserhöhe und ein ebenfalls rasantes Abfallen
des Wasserspiegels bis unter die Höhe der Schotter-
bank, worauf ein sehr viel langsameres Nachlaufen
folgt.
Ein Blick auf die gemessenen Temperaturen (Abb. 9)
hilft das unterschiedliche Verhalten zu interpretieren.
Der Auenbach zeigt erst einen leichten Temperaturan-
stieg, welcher der hydraulischen Reaktion des Wassers
aus der Siphonzone im Oberlauf zugeordnet werden
kann, worauf das kalte Ereigniswasser eintrifft. Wie
auch beim Sammler scheint zuerst kalter Zufluss zu
dominieren, worauf wärmerer Zufluss einsetzt. Nach
dem Hochwasserereignis wird die zuvor registrierte
Temperatur nicht mehr ganz erreicht, der Siphonbe-
reich wird erst sehr langsam wieder auf das vorherige
Niveau erwärmt.
Ganz anders der Krakenbach: aufgrund seines steilen
Gefälles und mangels bekannter Siphonbereiche mit
hydraulischer Reaktion trifft sofort kühleres Ereignis-
wasser ein. Aus dem gleichen Grund ist aber auch der
Temperaturabfall deutlich weniger ausgeprägt, da er
nur auf leicht verminderten Energieaustausch mit der
Höhlenluft zurückzuführen ist. Mit dem plötzlichen
massiven Wasseranstieg steigt die Wassertemperatur
erheblich an. Wir vermuten, dass der Endsiphon bis
zur Höhe der Schotterbank angestiegen ist und der ge-
samte Bereich durch erwärmtes Siphonwasser geflutet
wird, welches als hydraulische Reaktion eines zusam-
3.7.16 4.7.16
Auenbach
Krakenbach
5.7.16
Wasserstand [m]
8
6
4
2
0
Abb. 8: Wasserstand, aufgezeich-
net von den Drucksensoren am
Auenbach und Krakenbach,
während eines ergiebigen
Regenereignisses in der Nacht vom
2. zum 3.7.2016.
Fig. 8: Water-levels at Auenbach
and Krakenbach after heavy rain
during the night of 2 July, 2016.
3.7.16 4.7.16
Auenbach –930 m
Krakenbach –1148 m
5.7.16
Temperatur [°C]
5,0
4,8
4,6
4,4
4,2
Abb. 9: Wassertemperatur des
Auenbachs und Krakenbachs
während des Hochwassers am
2./3.7.2016.
Fig. 9: Temperatures of Auenbach
and Krakenbach during the flood
pulse after heavy rain on 2 July,
2016.
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 93
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
menhängenden Karstwasserspiegels aus dem Endsi-
phon aufsteigt (ein ähnliches Verhalten ist bei allen
Hochwasserereignissen mit Stauhöhen größer 0,5 m
zu beobachten). Weitere Hinweise auf den hier postu-
lierten zusammenhängenden Karstwasserspiegel er-
geben sich aus der statistischen Auswertung der Hoch-
wasserereignisse (siehe folgender Abschnitt). Erst mit
dem Nachfließen des kalten Krakenbachs und der re-
sultierenden Durchmischung mit kaltem Ereigniswas-
ser nimmt die Temperatur allmählich wieder ab.
In Abbildung 10 ist die Messstelle im Krakencanyon bis
zum Endsiphon im Aufriss dargestellt. Das an der
Schotterbank einen halben Meter aufgestaute kalte
Wasser des Krakenbaches ist dunkelblau eingezeich-
net, der hellblaue Wasserstand entspricht der Situati-
on, wenn warmes Wasser aus dem Endsiphon den
Höhlenbereich flutet (bis zur maximal gemessenen
Wasserhöhe von 35 m).
Ist die Interpretation des Temperaturverhaltens rich-
tig, so stellen die Drucksonden in Krakencanyon und
Orktränke ab einer gewissen Stauhöhe die Schwan-
kungen eines gemeinsamen Karstwasserspiegels dar.
Während der kurzen Überlappungszeit der Messun-
gen von 11/2013 bis 02/2014 kam es jedoch zu keinem
solchen Hochwasserereignis. Die einzige Messstelle im
Berg, von der sowohl während der Messungen in der
Orktränke, als auch während der Messungen im Kra-
kencanyon Daten vorliegen, ist der Auenbach. Es soll
deshalb untersucht werden, ob über die Korrelation
der Wasserstände mit dem Auenbach auch Orktränke
und Krakenbach miteinander in ein Verhältnis gesetzt
werden können. In Abbildung 11 sind die gleichzeitig
gemessenen Wasserstände von Auenbach und Kraken-
bach gegeneinander aufgetragen, wobei links der in
der rechten Graphik markierte Bereich vergrößert dar-
gestellt ist. Die Ereignishäufigkeit lässt sich an der
Farbskala ablesen. Bis 30 cm Wasserhöhe im Auenbach
und 20 cm Wasserhöhe im Krakenbach liegt eine deut-
lich erkennbare Korrelation vor, bis knapp 50 und
35 cm Wasserhöhe lässt sich diese zumindest noch
erahnen (als schwarze Linie manuell markiert). Die
Variationsbreite in diesem Bereich lässt sich zwanglos
durch eine unterschiedliche Zugrichtung von Regen-
gebieten über den Untersberg erklären. Mal springt
der Auenbach zuerst an, mal reagiert der Krakenbach
schneller auf Niederschlagsereignisse. Bei mehr als
–1040 m
1060 m
–1080 m
1100 m
–1120 m
1140 m
?
?
×Drucksensor
STATISTISCHE AUSWERTUNG ZUM NACHWEIS EINES EINHEITLICHEN
KARSTWASSERSPIEGELS IN RIESENDING UND KOLOWRATHÖHLE
Abb. 10: Aufriss des Endbereiches des Krakencanyons mit gemess e nem Maximalwasserstand (hellblau), Normalwasserstand
im Endsiphon (dunkelblau gestrichelt), und Rückstau des Krakenbaches an der sperrenden Schotterbank (dunkelblau).
Fig. 10: Vertical section of Krakencanyon near the final sump. Light blue indicates the highest observed water-level,
the dashed line marks the normal water-level in the sump and dark blue the water-level related to gravel partly blocking
Krakenbach.
60 cm Wasserhöhe im Auenbach oder mehr als 50 cm
Stauhöhe im Krakenbach lässt sich praktisch kein
Zusammenhang zwischen den beiden Bächen mehr
erkennen. Immer öfter treten nun hohe Überflutungen
des Krakencanyons auf, die wahrscheinlich nicht mit
der Schüttung des Krakenbachs alleine erklärt werden
können, während die Flutspitzen beim Auenbach
durch die starke Zunahme des durchströmten Profils
mit der Höhe gekappt sind.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim Vergleich von
Auenbach und Orktränke ab (Abb. 12). Bis knapp
40 cm Wasserhöhe korreliert der Auenbach deutlich
mit Wasserständen der Orktränke zwischen 2 und 3 m.
Bei stärkerem Wasserangebot zeigt die Orktränke ver-
gleichbar dem Krakencanyon starke Variationen des
Wasserspiegels, während diese beim Auenbach ge-
dämpft sind. Die gefundene Korrelation der drei Mess-
stellen beschreibt also nur niedere Wasserstände. Ein
Zusammenhang zwischen den als Schwankungen des
Karstwasserspiegels interpretierbaren mittleren bis
hohen Wasserstände in Krakencanyon und Orktränke
lässt sich mit Hilfe der Korrelationen zum Auenbach
nicht ableiten.
Zum Verhalten der Orktränke sind noch einige Erklä-
rungen nötig. Der Unheimliche See in der Fürsten-
brunner Quellhöhle hat in 688 m Seehöhe seinen Som-
94 Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
20 100 100 200806040
Wasserstand Krakenbach [cm]
Wasserstand Auenbach [cm]
Häufigkeit (logarithmisch)
4,0
3,5
3,0
2,5
2,0
1,5
1,0
0,5
0,0
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
1000
900
800
700
600
500
400
300
200
100
Abb. 11: Verteilung der während
der gemeinsamen Messperiode
gemessenen Wasserstände von
Auenbach und Krakenbach im
Zentimeterraster. Links eine
Detailansicht des in der Graphik
rechts markierten Ausschnittes.
Fig. 11: Distribution of water-
levels observed simultaneously
at Auenbach and Krakenbach,
gridded in centimetre classes.
The left part of the figure is a
close-up of the right part.
100 200
20 100806040
0
1
2
3
Wasserstand Orktränke [cm]
Schüttung [m3/s]
Auenbach [cm]
27 54 Schüttung [l/s]
Häufigkeit (logarithmisch)
2,5
2,0
1,5
1,0
0,5
0,0
400
380
360
340
320
300
280
260
240
220
1000
900
800
700
600
500
400
300
200
100
Abb. 12: Verteilung der während
der gemeinsamen Messperiode
gemessenen Wasserstände von
Auenbach und Orktränke im
Zentimeterraster. Links eine
Detailansicht des in der Graphik
rechts markierten Ausschnitts.
Fig. 12: Distribution of water-
levels observed simultaneously
at Auenbach and Orktränke,
gridded in centimetre classes.
The left part of the figure is a
close-up of the right part.
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 95
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
100 200 300 400 500
012 3
Wasserstand Unheimlicher See [cm]
Schüttung [m3/s]
Schüttung [m3/s]
Wasserstand Orktränke [cm]
Häufigkeit (logarithmisch)
2,0
1,5
1,0
0,5
0,0
4
3
2
1
0
4100
4050
4000
3950
3900
3850
3800
3750
3700
3650
3600
merüberlauf. Nur bei lang anhaltender Trockenheit
sinkt der Wasserspiegel unter diese Schwelle ab. Diese
Schwellenhöhe lässt sich bei allen Messsonden am
Karstwasserspiegel ablesen und liegt bei der Orktränke
eben bei 2 m Wasserhöhe. Bei niedrigerem Wasser -
spiegel hängen die gemessenen Wasserhöhen nach
Niederschlagsereignissen vom aktuellen Füllstand des
Reservoirs ab und lassen sich nicht im Rahmen der
gezeigten Analyse interpretieren, solange die unter-
schiedlichen Sonden nicht ein zusammenhängendes
Reservoir beschreiben.
Anhand der Auslaufkurve des Unheimlichen Sees hat
Gruber (2014) unterschiedliche Modelle von Reservoir
und Abfluss aufgestellt und in Abhängigkeit seiner An-
nahmen zur Geometrie des Reservoirs und zur Dimen-
sionierung des Ablaufs eine sich aus allen hydraulisch
zusammenhängenden unterirdischen Seeflächen
zusammensetzende Reservoirfläche von 8500 m2bis
zu 10500 m2errechnet, zu der neben dem Unheimli-
chen See auch der See der Neuen Heimat, die Tiefsee,
die Orktränke und neben weiteren unbekannten
Höhlenseen wahrscheinlich auch der Siphonsee des
Krakencanyons zählen. Es lässt sich zumindest die
Aussage treffen, dass die Drucksonde im Kraken -
canyon noch oberhalb der Überlaufschwelle des Un-
heimlichen Sees liegen muss und nicht bereits im nur
bei winterlichem Niedrigwasser zugänglichen Bereich.
Da es sich bei der Orktränke um einen Siphonsee und
kein frei fließendes Gewässer handelt, und da sich die
gemessenen Wasserhöhen im Bereich des Sommer-
überlaufs des Unheimlichen Sees bei allen Sonden am
Karstwasserspiegel sehr ähneln, liegt der Schluss nahe,
dass die in Abbildung 11 gezeigte Verteilung die Korre-
lation zwischen dem Auenbach und dem Sommer-
überlauf des Unheimlichen Sees in der Quellhöhle be-
schreibt. Diese Vermutung wird durch Abbildung 13
bestätigt. Unheimlicher See und Orktränke korrelieren
nahezu perfekt miteinander (Gerade mit 45° Steigung).
Der Sommerüberlauf des Unheimlichen Sees ist auf
dieser Geraden durch eine Häufung der Ereignisse bei
38,5 m im Unheimlichen See, bzw. 2 m in der Ork -
tränke, sichtbar. Etwa 1 m über dem Sommerüberlauf
verflacht die Kurve etwas und fächert auf. Dies wird
durch Reibungsverluste in Gangverengungen zwi-
schen Orktränke und Unheimlichem See verursacht,
die zu einem schüttungsabhängigen Rückstau in der
Orktränke führen (Gruber, 2014). Unterhalb eines
Wasserstands von 36,7 m im Unheimlichen Seefällt der
Logger in der Orktränke trocken. Die angezeigten
Wasserstände von 15 bis 25 cm spiegeln die Unsicher-
heit der Luftdruckkorrektur wider. Der Offset von etwa
15 cm kommt zustande, da der Wasserstand relativ
zum gemessenen Minimaldruck gezeigt wird (in die-
sem Fall offensichtlich einem Ausreißer).
In Abbildung 13 sind die gemäß Gruber (2014) berech-
neten Schüttungen des Unheimlichen Sees bis 4 m³/s
eingezeichnet. Die korrespondierenden Wasserstände
der Orktränke lassen sich aus der Graphik ablesen. Die
mittels des weiter oben abgeleiteten linearen Modells
des Auenbachs berechneten Schüttungen für 10 und
20 cm Wasserhöhe wurden in Abbildung 12 eingetra-
gen und mit den korrespondierenden Schüttungen der
Abb. 13: Verteilung der während
der gemeinsamen Messperiode
gemessenen Wasserstände des
Unheimlichen Sees und der
Orktränke im Zentimeterraster.
Fig. 13: Distribution of water-le-
vels observed simultaneously at
Orktränke and Unheimlicher See,
gridded in centimetre classes.
96 Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
500 100
Krakenbach
Orktränke
150 200
Wasserstand [dm]
0,3
0,2
0,1
0,0
jählriche Häufigkeit [%]
Abb. 14: Verteilung der gemessenen Wasserstände in Dezimeterklassen am Krakenbach in den Jahren 2014, 2015 und 2016, und
in der Orktränke 2012 und 2013.
Fig. 14: Distribution of water-levels in decimetre classes of Krakenbach in 2014, 2015 and 2016, and of Orktränke in 2012 and
2013.
500 100
Krakenbach +1 m
Orktränke –2 m
150 200
Wasserstand [dm]
0,3
0,2
0,1
0,0
jählriche Häufigkeit [%]
Abb. 15: Über alle Jahre gemittelte Häufigkeitsverteilungen der gemessenen Wasserhöhen in Dezimeterklassen am Krakenbach
und in der Orktränke, wobei die Wasserhöhe an der Orktränke um 2 m verringert, die des Krakenbaches um 1 m vergrößert
wurde.
Fig. 15: Mean distribution of water-levels at Krakenbach and Orktränke taking all years into account. Water-levels were
corrected to refer to the normal water-level at Unheimlicher See.
Orktränke bzw. der Quellhöhle in Relation gesetzt. Für
den durch Messungen abgedeckten Schüttungsbe-
reich ergibt sich demnach ein Anteil des Auenbachs an
der Gesamtschüttung der Quelle von knapp 5 %.
Um die relative Höhendifferenz zwischen den Druck-
sonden in Orktränke und Krakencanyon eingrenzen zu
können, wird in Abbildung 14 die Häufigkeit der er-
reichten Wasserstände pro Jahr in Prozent dargestellt.
Dafür wurden die Wasserstände in Dezimeterklassen
eingeteilt. Für den Krakenbach liegen annähernd drei,
für die Orktränke zwei Kalenderjahre zur statistischen
Auswertung vor. Die Variation zwischen den Häufig-
keitsverteilungen in unterschiedlichen Jahren am
gleichen Ort (in Abb. 14 in gleicher Farbe dargestellt)
spiegelt im Wesentlichen die statistische Variabilität
der Niederschlagsereignisse pro Jahr wider. Die mit bis
zu 7% am häufigsten auftretenden niederen Wasser-
stände liegen außerhalb des in Abbildung 14 dar -
gestellten Bereichs, auf sie wurde bereits in Abbildun-
gen 11 und 12 fokussiert, für die folgende Interpretati-
on sind sie nicht relevant. Höhere als die dargestellten
Wasserstände sind so selten, dass ihre statistische Aus-
wertung nicht aussagekräftig ist.
Abbildung 15 zeigt den interessanten Abschnitt der
an der Orktränke 2012/2013, bzw. am Krakenbach
2014–2016 gemittelten jährlichen Verteilungen. Die
Wasserstände der Orktränke wurden um 2 m reduziert,
die des Krakenbaches um 1 m vergrößert (der Wasser-
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 97
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Abb. 16: Über alle Jahre gemittelte Häufigkeitsverteilungen der gemessenen Wasserhöhen in Dezimeterklassen an der
Orktränke (graublau) und im Unheimlichen See (braun), wobei jeweils der Wasserstand über der Überlaufschwelle am
Unheimlichen See gezeigt wird.
Fig. 16: Mean distribution of water-levels at Unheimlicher See (brown) and Orktränke (grey blue). Water-levels were corrected
to refer to the normal water-level at Unheimlicher See.
stand 0 entspricht nun in beiden Fällen der Überlauf-
schwelle des Unheimlichen Sees). Es fällt die gute
Übereinstimmung der beiden Kurven auf, ihre Unter-
schiede liegen im Bereich der aus der Mittelung abge-
leiteten mittleren Fehler, welche aber aufgrund der
kleinen Sample-Größen von 3 bzw. 2 nur unsicher
bestimmt (und deshalb nicht dargestellt) sind. Wegen
dieser Unsicherheit wurde auch darauf verzichtet,
den Höhenversatz der Pegel durch Minimierung der
Quadratsumme der Unterschiede zwischen beiden
Kurven zu bestimmen, die Differenz von 3 m wurde
optisch geschätzt.
Aus der guten Übereinstimmung der Häufigkeitsver-
teilungen der Wasserstände in Orktränke und Kraken-
bach lässt sich folgern, dass es sich sehr wahrschein-
lich um einen zusammenhängenden Wasserspiegel
handelt. Unterschiedliche Reservoirs würden auf-
grund ihrer unterschiedlichen Geometrien zu deutlich
unterschiedlicheren Kurven führen. Weiter lässt sich
folgern, dass die Drucksonde im Krakenbach 3 m über
jener in der Orktränke und damit etwa 1 m über dem
Sommerüberlauf des Unheimlichen Sees in der Für-
stenbrunner Quellhöhle angebracht ist. Der von
Gruber (2014) beschriebene Effekt des Rückstaus an
Gangverengungen durch Reibungsverluste ist dabei
vernachlässigt, müsste aber zu einer Längendehnung
der Häufigkeitsverteilung der Wasserhöhen im Kra-
kenbach führen, die nicht zu erkennen ist. Daraus lässt
sich der Umkehrschluss ziehen, dass zwischen Kra-
kencanyon und Orktränke keine relevante Verengung
des Querschnittes zu erwarten ist.
Vergleicht man dagegen die jährliche Häufigkeits -
verteilung von Orktränke und Unheimlichem See
(Abb. 16), wobei in diesem Fall die am häufigsten auf-
tretenden und damit statistisch am aussagekräftigsten
Wasserstände knapp über der Überlaufschwelle des
Unheimlichen Sees betrachtet werden, so ist ab 0,6 m
Wasserhöhe (über der Überlaufschwelle) die durch
Reibungsverluste verursachte Vergrößerung der
Wasserhöhen bei der Orktränke als Dehnung der Häu-
figkeitsverteilung zu größeren Wasserhöhen hin ables-
bar (Unheimlicher See und Orktränke wurden zeitlich
überlappend gemessen und Einzelereignisse können
direkt verglichen werden, die statistische Auswertung
wird hier nur zum Vergleich mit Abbildung 15 gezeigt).
Der statistisch bestimmte 3-m-Höhenversatz der
Drucksonden zwischen Krakenbach und Orktränke
passt zu der Beobachtung, dass im Oktober 2016,
als die Drucksonden im Riesending geborgen und
der Endsiphon im Krakencanyon entdeckt wurde, der
Wasserspiegel des Endsiphons 1 m unterhalb der
Drucksonde im Bachbett lag. Dies entspricht genau
dem Sommerüberlauf des Unheimlichen Sees. Vor und
während der 6-tägigen Höhlentour schneite es am
Untersberg oberhalb etwa 1500 m, was zu trockenen
Bedingungen in der Höhle führte. Unterhalb fiel der
Niederschlag jedoch als Regen oder taute zumindest
schnell auf dem noch warmen Boden, wodurch der
Karstwasserspiegel bis zum Überlauf gefüllt gewesen
sein dürfte. Damit ist der Spiegel des Endsiphons im
Krakencanyon auf die Höhe des Sommerüberlaufs
des Unheimlichen Sees auf 688 m Seehöhe bestimmt.
Dies ist 6 m tiefer als durch die Vermessung der Höhle
berechnet. Da man bei klassischen Höhlenver -
messungstechniken (mit Peilgeräten einseitig gemes-
sener Polygonzug) mit einem Höhen- und Lagefehler
98 Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Eine Analyse der im Riesending gemessenen Luft- und
Wassertemperaturen passt gut zu den in Luetscher
und Jeannin (2004) aufgestellten Modellvorstellungen
zur Temperaturverteilung in der vadosen Zone tiefer
Höhlensysteme. Darüber hinaus lassen sich die ver-
mutlichen Einzugsgebiete verschiedener Höhlen -
bäche abgrenzen. Aus den zahlreichen am und im
Untersberg gesammelten Daten lässt sich außerdem
das Volumen des Karstreservoirs unterhalb des Karst-
wasserspiegels abschätzen und die Erwärmung des
gespeicherten Wassers durch Erdwärme berechnen.
Die berechneten Werte passen gut zu den Messungen
der Wassertemperatur im Rückstaubereich des Karst-
wasserspiegels im Krakencanyon und helfen, diese zu
interpretieren.
Durch den Vergleich des Verhaltens des Sammlers im
Riesending und des Unheimlichen Sees und Talsiphons
in der Fürstenbrunner Quellhöhle konnte gezeigt wer-
den, dass auf dem Plateau des Untersbergs auf 1500
bis 2000 m Seehöhe im Einzugsgebiet des Sammlers
versickerndes Wasser aufgrund seiner längeren Fließ-
strecken nicht für die schnelle Reaktion des Wasser-
spiegels im Unheimlichen See nach Niederschlags -
ereignissen verantwortlich ist. Damit wird die Ver -
mutung von Bichler & Reischer (2013) gestützt, dass
Steigungsregen an der Nordflanke des Untersbergs
einen wesentlichen Einfluss auf den Karstwasser -
spiegel im Berg und die Schüttung der Fürstenbrunner
Quellhöhle haben. Gleichzeitig wird die ursprünglich
den ersten Sondeneinbau im Riesending motivierende
Idee, einen Flutpuls durch den Berg zu verfolgen, zu-
mindest an der Messstelle Sammler im Riesending ad
absurdum geführt. Das zeitverzögerte Eintreffen des
relativ warmen Wassers des Zehnkaserbachs an der
Messstelle im Sammler lässt aber zumindest auf eine
bedeutende Fließstrecke mit geringem Gefälle im
Oberlauf des Zehnkaserbaches schließen und deutet
somit auf großes Neulandpotential hin. Somit hat sich
der Sondeneinbau am Sammler in jedem Falle gelohnt.
Eine statistische Analyse der gleichzeitig beobachteten
Wasserstände von Auenbach, Krakenbach und Ork-
tränke zeigt vergleichbares Verhalten bei Wasserstän-
den bis zu etwa 0,5 m in Auenbach und Krakenbach
und zwischen 2 und 3 m in der Orktränke. Für eine
Korrelation bei höheren Wasserständen ist der Auen-
bach nicht geeignet, da die Spitzen höherer Flutpulse
im Auenbach durch eine massive Vergrößerung des
durchströmten Querschnitts gekappt sind. Da die
Wasserschwankungen im gut korrelierenden Bereich
der Orktränke höchst wahrscheinlich den Sommer-
überlauf des Unheimlichen Sees in der Quellhöhle
charakterisieren und von Auenbach und Unheim -
lichem See Schüttungskurven vorliegen, lässt sich der
typische Anteil des Auenbachs an der Gesamtschüt-
tung der Fürstenbrunner Quellhöhle bei niedrigem bis
mittlerem Wasserstand von knapp 5 % abschätzen.
Während ein Wiederaustritt einiger zuvor bereits in der
Höhle angetroffener Bäche (Schöner Canyon, Brause-
canyon, Kluft der Schwarzen Kristalle) im Auenbach
nicht ausgeschlossen werden kann, so ist aufgrund der
Höhenlage gesichert, dass die drei anderen Haupt -
bäche (Sammler, Monsterbach, Krakenbach) unabhän-
gig vom Auenbach sind. Der Anteil der das Riesending
durchfließenden Gewässer an der Quellschüttung ist
bei Normalwasserständen erheblich.
Über eine statistische Analyse der Häufigkeiten von
Hochwasserständen jenseits der bereits angesproche-
nen Mittelwasserstände in Krakencanyon und Ork-
tränke lässt sich ablesen, dass die Messsonde im
Krakencanyon 3 m oberhalb der Messsonde in der
Orktränke platziert ist. Damit fällt der beobachtete
Wasserstand im Endsiphon des Krakencanyons genau
auf die Höhe des Sommerüberlaufs des Unheimlichen
Sees auf 688 m Seehöhe in der Quellhöhle und die ab-
solute Tiefe der Riesending-Schachthöhle muss um
6 m auf -1155 m korrigiert werden. Außerdem lässt sich
über die gute Übereinstimmung der Form der Häufig-
keitsverteilungen ablesen, dass zwischen den beiden
Messstellen keine signifikante Verengung des Gang-
querschnitts zu erwarten ist. Vergleicht man die Häu-
figkeitsverteilungen der Wasserstände von Orktränke
in der Kolowrathöhle und Unheimlichem See in der
Fürstenbrunner Quellhöhle, so sind die von Gruber
(2014) durch eine Verengung des Gangquerschnitts er-
klärten größeren Hochwasserspitzen bei der Orkträn-
ke deutlich als Dehnung der Verteilung zu erkennen.
Spannend ist die Frage, wie weit sich der gemeinsame
Karstwasserspiegel noch in den Berg hinein verfolgen
lässt. Im Auencanyon, dem Abfluss des Auenbaches,
wurden im Oktober 2016 bereits 1070 m Tiefe erreicht,
Umkehr auf offener Strecke in 3,4 km Entfernung von
der Quellhöhle. Und auch in der Krötenhalle unterhalb
des Bereiches der Sechs Schächte, in der bei der Unfall-
tour im Juni 2014 auf -1055 m eine stark bewetterte
DISKUSSION UND AUSBLICK
von 1–2 % rechnen muss, der Weg vom Eingang bis
zum Endsiphon rund 5 km und die gemessene Tiefe
1149 m beträgt, ist eine Höhenabweichung von 6 m
überraschend gering. Die Tiefe der Riesending-
Schachthöhle vergrößert sich durch die Korrektur auf
1155 m.
Die Höhle / 68. Jg. / Heft 1–4/2017 99
Meyer, Zagler, Höfer-Öllinger / Hydrologie der Riesending-Schachthöhle
Fortsetzung entdeckt und ebenfalls bis etwa 1070 m
Tiefe eingesehen wurde, besteht noch die Chance,
zum Karstwasserspiegel abzusteigen, dort bereits in
etwa 3,8 km Entfernung zur Quellhöhle.
DANK
LITERATUR
Wir danken Georg Gruber, der luftdruckbereinigte
Wasserstandsdaten aus der Kolowrathöhle zur Verfü-
gung gestellt hat, Rotronic für einen Hydrolog Daten-
logger, Rudolf Pavuza für die Leihgabe mehrerer Tem-
peraturfühler und eines Leitfähigkeitsmessgerätes,
Marc Luetscher und Ralf Benischke für ihre sorgfältige
Durchsicht des Manuskripts und Christoph Spötl für
die konstruktive Betreuung des Artikels.
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Untersberges und des angrenzenden Salzburger
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höhle im Untersberg. – Die Höhle, 60: 33–43.
Meyer, U. & Matthalm, T. (2011): Die Riesending-Schacht-
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Meyer, U. (2012): Auf der Suche nach dem Barbarossa-
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Mikrobenin aquatischen Karsthabitaten: Ergebnisse
aus dem Riesending im Vergleich zu anderen
Karstsystemen. – Tagungsband zu Karstwasser –
Grundwasser – Untersberg, 22.8.2013, Salzburg
(unpaginiert).
Steinmassl, H. (2014): Höhlenrettungseinsatz im Riesen-
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Linz (Oberösterreichisches Landesmuseum):
541–552.

Supplementary resource (1)

Article
Full-text available
Zusammenfassung Die Gebirge des Landes Salzburg sind in wesentlichen Teilen von verkarstungsfähigen Gesteinen aufgebaut. Zwischen 1967 und 1981 erfolgten zahlreiche Färbeversuche, um Durchgangszeiten und Einzugsgebietsgrößen der jeweiligen Quellen festzustellen. Seit 2007 werden diese Karstgebiete mit modernen Methoden neu untersucht. Vorgestellt werden Untersberg, Hagengebirge, Tennengebirge, Leoganger Steinberge und Kitzsteinhorn. Im Untersberg liegt ein zentral unter dem Plateau liegender unterirdischer See mit einer Gesamtfläche von 1 ha über einen Bereich von 3 km Länge; der Seespiegel schwankt um etwa 50 m. Einst vermutete direkte Verbindungen vom Karst zum Porengrundwasser der angrenzenden Täler können ausgeschlossen werden. Im Hagengebirge sind Schwankungen des Karstgrundwasserspiegels von über 220 m instrumentell nachgewiesen. Hier werden bei Grundwasserhochstand Bereiche geflutet, die störungsgebunden Hochschleppungen von Evaporitgestein führen, was bei rückläufiger Hochwasserwelle zu deutlicher Mineralisierung einer bei Niederwasser nur schwach mineralisierten Karstquelle führt. Die Grundwasserschwankungen im Tennengebirge liegen – lokal stark unterschiedlich – zwischen 5 und 75 m. Kontinuierliches Monitoring erlaubt in den Leoganger Steinbergen die Beobachtung der Entstehung einer Heberquelle durch ein Hochwasserereignis und in den Kesselfallquellen im Kitzsteinhorn die Beeinflussung von Abfluss, Temperatur und elektrischer Leitfähigkeit durch den Pumpspeicherbetrieb eines nahen Kraftwerkes.
Article
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The Untersberg is a heavily karstified massif at the Austrian-German border south of the City of Salzburg. Tracer tests conducted in the 1960s and 1970s showed that large parts of this massif are drained to the Fürstenbrunn spring, the main karst spring in the area. A deep karst flow system was previously postulated below this spring assuming that karst water infiltrates directly into the porous aquifer of the Salzburg Basin (Brandecker, 1974). Here we present results from a hydrological study shedding new light onto the karst water flow system of the Untersberg and the adjacent porous aquifer. We analysed a series of springs at Untersberg as well as a number of wells in the basin. The mean altitude of the spring’s catchments was assessed using a δ¹⁸O altitude gradient of -0.14 ‰/ 100 m, calculated from precipitation data. A mean residence time of ca. 0.4 yr was obtained for water emerging at the Fürstenbrunn spring. In addition to the highly constant water temperature and electrical conductivity of this spring water, this rather long residence time underscores the unusual behaviour of the Fürstenbrunn spring compared to large karst springs in other karst regions of the Northern Calcareous Alps. Monitoring wells near the Berchtesgadener Ache show the same mean δ¹⁸O values as the latter and also a very similar pattern throughout the year confirming the infiltration of this river into the porous aquifer. Further towards the basin, rainfall is the dominant source of recharge. Neither physical nor hydrochemical nor stable isotope data point towards karst water infiltration into the porous aquifer. In addition, the data of this study show that large fluctuations of the groundwater body in the basin also occur in winter when the discharge from the Untersberg karst system is very low.
Article
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A better understanding of heat fluxes and temperature distribution in continental rocks is of great importance for many engineering aspects (tunnelling, mining, geothermal research, etc.). This paper aims at providing a conceptual model of temperature distribution in karst environments which display thermal ‘anomalies’ as compared with other rocks. In temperate regions, water circulation is usually high enough to ‘drain-out’ completely the geothermal heat flux at the bottom of karst systems (phreatic zone). A theoretical approach based on temperature measurements carried out in deep caves and boreholes demonstrates, however, that air circulation can largely dominate water infiltration in the karst vadose zone, which can be as thick as 2000 m. Consequently, temperature gradients within this zone are similar to the lapse rate of humid air (∼0.5 °C 100 m−1). Yet, this value depends on the regional climatic context and might present some significant variations.
  • M Filipponi
Filipponi, M. (2000): Höhlenklima. – Veröff. Manuskript. Arbeitsgem. f. Speläologie Regensdorf.
Das Abflussverhalten des Karstwassers am
  • G Gruber
Gruber, G. (2014): Das Abflussverhalten des Karstwassers am Untersberg bei Salzburg, Österreich. – Unveröff. Masterarb. Karl-Franzens-Univ. Graz.
Mikrobenin aquatischen Karsthabitaten
  • T Shabarova
  • U Meyer
  • J Pernthaler
Shabarova, T., Meyer, U. & Pernthaler, J. (2013): Mikrobenin aquatischen Karsthabitaten: Ergebnisse aus dem Riesending im Vergleich zu anderen Karstsystemen. – Tagungsband zu Karstwasser – Grundwasser – Untersberg, 22.8.2013, Salzburg (unpaginiert).
Höhlenrettungseinsatz im Riesending
  • H Steinmassl
Steinmassl, H. (2014): Höhlenrettungseinsatz im Riesending. – Bergundsteigen, 14(3): 42–53.
der luftdruckbereinigte Wasserstandsdaten aus der Kolowrathöhle zur Verfügung gestellt hat, Rotronic für einen Hydrolog Datenlogger, Rudolf Pavuza für die Leihgabe mehrerer Temperaturfühler und eines Leitfähigkeitsmessgerätes
  • Dank Literatur Wir Danken
  • Georg Gruber
DANK LITERATUR Wir danken Georg Gruber, der luftdruckbereinigte Wasserstandsdaten aus der Kolowrathöhle zur Verfügung gestellt hat, Rotronic für einen Hydrolog Datenlogger, Rudolf Pavuza für die Leihgabe mehrerer Temperaturfühler und eines Leitfähigkeitsmessgerätes, Marc Luetscher und Ralf Benischke für ihre sorgfältige Durchsicht des Manuskripts und Christoph Spötl für die konstruktive Betreuung des Artikels.
Die Riesending-Schachthöhle auf dem Untersberg
  • U Meyer
  • T Matthalm
Meyer, U. & Matthalm, T. (2007): Die Riesending-Schachthöhle auf dem Untersberg. -In: Akten des 12. nationalen Kongresses für Höhlenforschung, Vallée du Joux, 15.-17.9.2007, Schweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung: 220-226.
Auf der Suche nach dem Barbarossa-System im Untersberg
  • U Meyer
Meyer, U. (2012): Auf der Suche nach dem Barbarossa-System im Untersberg. -In: Akten des 13. nationalen Kongresses für Höhlenforschung, 68-74, Muotathal 29.9.-1.10.2012, Schweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung: 68-74.