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Abstract

Bourdieu und Michel Foucault (1926–1984) begegneten sich zuerst an der École normale supérieure in der Rue d’Ulm, dem Zentrum für die Ausbildung des geisteswissenschaftlichen Nachwuchses, in das Bourdieu einige Jahre nach Foucault eingetreten ist. Foucault empfahl später dem Verlag Gallimard Bourdieus ethnologische Algerienstudien zur Veröffentlichung und wirkte 1981 an seiner Berufung ans Collège de France mit; danach kam es gegen Ende des Jahres zu einem ersten gemeinsamen politischen Engagement (2002c, 92). Eine öffentliche Diskussion theoretischer Fragen hat nie stattgefunden, über einen privaten Austausch ist nichts bekannt. Zum Tode Foucaults verfasste Bourdieu einen Nachruf für die Zeitung Le Monde, in dem er ihr freundschaftliches Verhältnis hervorhob (2003b, 74–78).
44 I. Einflüsse
Michel Foucault
Intellektuelle »Flugbahnen«
Bourdieu und Michel Foucault (1926–1984) begeg-
neten sich zuerst an der École normale supérieure in
der Rue d’Ulm, dem Zentrum für die Ausbildung
des geisteswissenschaftlichen Nachwuchses, in das
Bourdieu einige Jahre nach Foucault eingetreten ist.
Foucault empfahl später dem Verlag Gallimard
Bourdieus ethnologische Algerienstudien zur Veröf-
fentlichung und wirkte 1981 an seiner Berufung ans
Collège de France mit; danach kam es gegen Ende
des Jahres zu einem ersten gemeinsamen politischen
Engagement (2002c, 92). Eine öffentliche Diskussion
theoretischer Fragen hat nie stattgefunden, über ei-
nen privaten Austausch ist nichts bekannt. Zum
Tode Foucaults verfasste Bourdieu einen Nachruf
für die Zeitung Le Monde, in dem er ihr freund-
schaftliches Verhältnis hervorhob (2003b, 74–78).
Aufgrund des gemeinsamen Ausgangspunktes ih-
rer intellektuellen Sozialisation wurden die normali-
ens mit einem ähnlichen Repertoire an theoretischen
Fragen, Methoden und begrifflichen Instrumenta-
rien konfrontiert. Ihre philosophische Ausbildung
war wesentlich von der existentialistischen Philoso-
phie und vom Strukturalismus geprägt, von denen
sich beide in unterschiedlicher Form abgrenzten,
wobei sie gleichermaßen von der französischen Epi-
stemologie, insbesondere Georges Canguilhems , be-
einflusst wurden (1988d, 779; 1996d, 16). In Homo
academicus weist Bourdieu nach, dass die Positionen
der beiden Wissenschaftler im akademischen *Feld
Frankreichs um 1967 von struktureller Nähe ge-
kennzeichnet waren (1988c; Pinto 2004a). Als für
ihre wissenschaftliche Entwicklung bedeutsame Un-
terschiede nennt Bourdieu jedoch Foucaults Her-
kunft aus dem Bürgertum, Foucaults Homosexuali-
tät sowie die »Tatsache, daß er sich als Philosoph be-
griff« (2002c, 90).
Gemeinsamkeiten
Die poststrukturalistische Theorie Foucaults und
der genetische Strukturalismus Bourdieus teilen we-
sentliche Grundannahmen. Sie lassen sich als pra-
xistheoretische Ansätze charakterisieren, die nach
der Regelmäßigkeit sozialer Praktiken fragen und
diese auf eine fundamentale soziale Wissensordnung
zurückführen (Reckwitz 2000). Wissen – als Diskurs
bzw. Ensemble von Schemata des *Habitus – er-
scheint in beiden theoretischen Positionen als Ge-
ordnetes und Ordnendes, als »strukturierte und
strukturierende Struktur« (Bourdieu), die produktiv
und zwingend ist (Maasen 1999). Die Grenzen des
Denkens und Handelns des grundlegend vergesell-
schafteten Individuums werden dabei von historisch
spezifischen sozialen Strukturen gesetzt, die einen
»Raum des Möglichen« bilden – diesen Begriff über-
nimmt Bourdieu von Foucault (2004f, 151). Die Re-
gelmäßigkeit der Praktiken unterliegt einer Verken-
nung und ist damit systematisch einer bewussten
Beeinflussbarkeit entzogen.
Foucaults »Sozialgeschichte« (2003b, 76) und
Bourdieus Analyse der Genese von Feldstrukturen
und Habitusdispositionen fokussieren historische
Diskontinuität und lassen darin den Einfluss des ge-
meinsamen Studiums Canguilhems erkennen. In-
dem Bourdieu und Foucault die Wissensordnung
historisieren und ein Denken in Substanzen durch
ein Denken in *Relationen ersetzen, entwickeln ihre
Ansätze eine historische Perspektive . So kann die
Veränderbarkeit vermeintlich natürlicher und ahis-
torischer Kategorien gedacht werden. Dieses kriti-
sche Potential verbindet die wissenschaftlichen Ana-
lysen der beiden Autoren mit ihrem politischen Ak-
tivismus. Bourdieu bezieht sich mehrfach auf
Foucaults Selbstverständnis als Intellektueller und
würdigt dessen kritisches Engagement (ebd., 74–78).
Die Betonung grundsätzlicher Gemeinsamkeiten
darf jedoch die spezifischen Differenzen der beiden
Ansätze nicht vergessen lassen.
Differenzen
Bourdieu bezeichnet die zentralen Unterschiede in
seiner kritischen Auseinandersetzung mit den
Schriften Foucaults , die er erst nach dessen Tod auf-
nimmt (Callewaert 2006) und in verstreuten Bemer-
kungen formuliert. Er bezieht sich dabei insbeson-
dere auf Foucaults Ansatz in der Archäologie des Wis-
sens sowie dessen Analyse der Disziplinarmacht,
kritisiert dessen Vernachlässigung individueller In-
teressen auf der Akteursebene und verweist auf den
Begriff des Feldes als zentrale Differenz in der Kon-
zeption des *sozialen Raums. Er problematisiert
ebenfalls Foucaults Verortung in der Philosophie.
Foucault verweist in seinem Gesamtwerk an gerade
einmal zwei Stellen sehr allgemein auf Bourdieu
(Foucault 2004, 324; Foucault 2003, 552).
Foucaults theoretische und methodische Veror-
tung in der Philosophie bildet einen der Hauptan-
griffspunkte Bourdieus. Bourdieu zufolge spielten
Philosophen wie Foucault und etwa auch Derrida
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45
Michel Foucault
ein doppeltes Spiel , indem sie Themen und Metho-
den der Sozialwissenschaften aufgriffen und gleich-
zeitig den privilegierten Status des »freien« Philoso-
phen nicht aufgaben. Als eine ihrer Strategien iden-
tifiziert Bourdieu den »›-logie‹-Effekt« als den
mittels der Taufe ihrer Arbeiten auf Archäologie bzw.
Grammatologie aufgerufenen Anspruch auf Wissen-
schaftlichkeit (1996b, 192). Er wirft ihnen vor, die
Sozialwissenschaften mit ihren eigenen Methoden
zu reduzieren oder gar zerstören zu wollen, ohne je-
doch den Preis einer disziplinären Konversion zu
zahlen und ohne sich den Anforderungen empiri-
scher Forschung zu unterwerfen (2004g, 104–106;
Callewaert 2006). Dass der Philosoph Foucault über-
haupt ein Interesse an sozialwissenschaftlichen The-
men wie Macht (*Machtfeld) und Politik entwickelte,
führt Bourdieu auf die Ereignisse von 1968 zurück
(2001f, 49).
Eine von Bourdieus wichtigsten Auseinanderset-
zungen mit Foucault findet sich in Praktische Ver-
nunft und wird in Die Regeln der Kunst (1999a,
316 ff.) in leicht erweiterter Form wieder aufgenom-
men. Im Kontext seines Entwurfs einer »Wissen-
schaft von den kulturellen Werken« nimmt Bour-
dieu zu Foucaults Archäologie Stellung, die er als
eine Analyse kultureller Werke versteht. Dabei hebt
er sowohl die Stringenz des Ansatzes als auch dessen
Konzeption als relationales Denken in Interdepen-
denzbeziehungen positiv hervor (1998c, 57, 63). Die
von Foucault als »Feld strategischer Möglichkeiten«
(Foucault 2001, 915) bezeichnete diskursive Ord-
nung stellt dabei Bourdieu zufolge ein ähnliches re-
lationales System dar wie der von ihm beschriebene
»Raum des Möglichen« (1998c, 55).
Während Bourdieu die Determinierung , welche
durch den Raum des Möglichen bewirkt wird, als so-
ziales Feld beschreibt, liegt in Foucaults Archäologie
die Ordnung des Wissens in den diskursiven Forma-
tionsregeln selbst begründet. Bourdieus *Kritik an
der Tendenz der Archäologie, die Ordnung der Dis-
kurse allein auf diskursive Formationsregeln zurück-
zuführen (1998c, 58), deckt sich mit der Kritik, wel-
che Hubert L. Dreyfus und Paul Rabinow an der »Il-
lusion des autonomen Diskurses« (Dreyfus /Rabinow
1994) formuliert haben. Ebenfalls kritisiert Bour-
dieu, dass die Archäologie in ihrer Ablehnung jegli-
cher Form von Analyse, die sich an den Interessen
oder mentalen Einstellungen von Individuen orien-
tiert (Foucault 2001, 927), die Akteursebene syste-
matisch ausblende.
Bourdieus Kritik kulminiert in der Feststellung,
Foucault verlege auf diese Weise »die Gegensätze
und Antagonismen, die ihre Wurzeln in den Relatio-
nen zwischen den Produzenten und den Benutzern
der betreffenden Werke haben, in den Ideenhim-
mel« (1998c, 58). In dieser Aussage ist der Kern von
Bourdieus Kritik zusammengefasst: Er hält Foucault
vor, die Erklärung für materielle Differenzen nicht
im Bereich des Sozialen zu suchen, sondern in ei-
nem »Netz der Beziehungen zwischen den Texten«
(ebd., 59). Der »Ideenhimmel«-Vorwurf zielt auf
vier Angriffspunkte in Foucaults Denken: Er kriti-
siert dessen Ablehnung a) von Mentalität und b) von
Interesse , er behauptet c), Foucault kenne Antago-
nismen lediglich als diskursiven Widerstreit, und
stellt schließlich fest, das fundamentale Problem von
Foucaults Ansatz bestehe darin, dass dieser d) das
Kulturelle als ein vom Sozialen vollkommen autono-
mes System behandelt (Schäfer 2005). Obwohl Bour-
dieu den Begriff »Raum des Möglichen« von Fou-
cault übernommen hat, bildet die Konzeption dieses
Raums, die Bourdieu mit dem Begriff des Feldes
fasst, eine zentrale Differenz der beiden Ansätze:
»Jeder von uns steht zu jedem gegebenen Zeitpunkt
diesem ›Raum des Möglichen‹ gegenüber, den wir
aufgrund der Tatsache entdecken, daß wir uns in ei-
nem Feld befinden« (2004f, 151).
Bourdieus Position gegenüber Foucaults Konzept
der disziplinären, auf den Körper gerichteten Macht,
erfährt im Verlauf seiner Arbeit eine Veränderung.
Während Bourdieu zunächst von einem fundamen-
talen Unterschied zwischen den beiden Machtkon-
zepten ausgeht (1989d, 35 Fn. 22), korrigiert er sich
in Meditationen. Zunächst hatte Bourdieu den sozia-
len Zwang der Disziplin als brutale, von außen auf
den Körper gerichtete Gewalt gelesen und kritisiert,
dass Foucaults Analyse nicht »die Ebene äußerer
Disziplinierungsmaßnahmen und Zwänge« verlasse
(1991b, 90). In den Meditationen dagegen hebt Bour-
dieu die Gemeinsamkeiten der Konzeptionen des
Eindringens der Gesellschaftsordnung in die Körper
stärker hervor, indem er die Beschreibung der Diszi-
plin als von außen kommenden, brutalen Zwang fal-
len lässt und stattdessen von »Normierungsdruck«
spricht (2001f, 181). Er scheint damit anzuerkennen,
dass bei Foucault das Subjekt »zum Prinzip seiner ei-
genen Unterwerfung« (Foucault 1977, 260) wird und
die Disziplin als Sozialisationsmechanismus eine
Form der Selbstunterwerfung unter Machtverhält-
nisse darstellt. Bourdieu wird so Foucaults Überzeu-
gung, dass die Disziplin »auf ein […] gewaltsames
Verhältnis verzichtet« (Foucault 1977, 176) gerecht,
sieht jedoch Foucaults Schwerpunkt weiterhin auf
institutioneller Ebene und vernachlässigt dessen
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46 I. Einflüsse
These von der Ausweitung der Disziplinen (Foucault
1977, 271 ff.). Eine wichtige Differenz der beiden
Ansätze betrifft die Lokalisation der Wissensord-
nung. Foucault kann zwar in Überwachen und Stra-
fen die Konstitution von Verhaltensweisen als kör-
perliche Sozialisation denken, in seinem Diskurs-
konzept existiert jedoch kein »innerer Ort« für die
Einschreibung von Wissensordnungen, so dass es
ihm unmöglich ist, Lern- und Sozialisationsprozesse
in Bezug auf Denkschemata zu beschreiben. Im Ge-
gensatz zu Foucault , bei dem das Innen als ein Effekt
des Außen erscheint, der durch eine Faltung (De-
leuze 1992) hervorgebracht wird, ist Bourdieu mit
dem Habituskonzept in der Lage, beide Dimensio-
nen des Sozialisationsprozesses zu erfassen.
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Ein Vergleich der theoretischen Positionen von Michel
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Hilma r Schäfer
Karl Marx
Zu behaupten, dass Bourdieu an Karl Marx an-
knüpft, ist zunächst keine Behauptung, die eine auf-
wändige und möglicherweise gegen die Intentionen
Bourdieus gerichtete Interpretation notwendig
macht. Bourdieu macht an vielen Stellen deutlich,
dass aus der Riege der Klassiker Karl Marx eine ent-
scheidende Bezugsgröße für sein Denken darstellt.
Insofern kann es in diesem Beitrag auch nicht da-
rum gehen, alle theoretischen Motive Bourdieus, bei
denen sich eine direkte oder indirekte Urheberschaft
von Karl Marx ausmachen lässt, summarisch aufzu-
listen, sondern exemplarisch anhand zentraler Di-
mensionen die Verbindungslinien, Ähnlichkeiten
und Differenzen zwischen Bourdieu und Marx zu
entfalten. Damit wird im vorliegenden Artikel eher
ein Vergleich angestrebt als die Nachzeichnung von
Einflüssen.
Zunächst kann auf einer noch ganz abstrakten
Ebene festgehalten werden, dass sowohl für Bour-
dieu als auch für Marx Geschichte prinzipiell durch
die Praxis der sozialen Akteure gemacht, sie aller-
dings bis heute stärker durch soziale Strukturen, die
hinter dem Rücken der Mehrzahl der sozialen Ak-
teure herrschen, bestimmt wird. Für Marx war es
eine ausgemachte Sache, dass »[a]lles gesellschaftli-
che Leben […] wesentlich praktisch [ist]« (Marx
1845/1990, 7). Bourdieu (1987b, 97) knüpft an diese
These explizit an und zielt mit seiner *Praxeologie –
gegen den Strukturalismus – darauf ab, dass alle so-
zialen Strukturen notwendig mit der Alltagspraxis
der sozialen Akteure verknüpft sind. Sowohl Marx
als auch Bourdieu legen sich damit auf ein Grund-
motiv der Aufklärung fest: Wenn soziale Strukturen
ohne die Praxis der sozialen Akteure gar nicht denk-
bar sind, dann sind solche Strukturen die sich gegen-
über ihren Produzenten verselbstständigt haben,
kritikwürdig. Marx und Bourdieu stehen mit dieser
theoriearchitektonischen Grundfigur ganz grund-
sätzlich für eine herrschaftskritische Analyse von
Gesellschaften ein, die die Sozialwissenschaften in
der historischen Linie einer aufklärerischen Tradi-
tion verpflichtet weiß.
Dieses allgemeine Motiv lässt sich mit der *Klas-
sentheorie, der Ideologiekritik und der aktiven Rolle
des kritischen Intellektuellen, die schließlich sowohl
Marx als auch Bourdieu innehatten, konkretisieren.
Im Folgenden soll es daher darum gehen, diese drei
Motive der Beziehung zwischen Bourdieu und Marx ,
die natürlich längst nicht alle Parallelen und Gegen-
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III
Herausgegeben von
Gerhard Fröhlich und
Boike Rehbein Bourdieu-
Handbuch
Leben – Werk – Wirkung
Verlag J. B. Metzler
Stuttgart · Weimar
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Zum Gebrauch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII
Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IX
I. Einflüsse
Leben und Zeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Die französische Epistemologie. . . . . . . . . . . . . . 10
Phänomenologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Strukturalismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Ernst Cassirer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Emile Durkheim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Norbert Elias . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Michel Foucault . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
Karl Marx . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Marcel Mauss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
Max Weber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
Wittgenstein und die Sprach philosophie . . . . . . 60
II. Begriffe
Autonomie (autonomie). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
Differenzierung (différenciation) . . . . . . . . . . . . 69
Disposition (disposition) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
Distinktion (distinction) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
Doxa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
Einverleibung (incorporation). . . . . . . . . . . . . . . 81
»Elite« (»élite«), herrschende Klasse (classe
dominante), Staatsadel (noblesse d’Etat) . . . . . . 90
Epistemologische Wachsamkeit . . . . . . . . . . . . . 94
Feld (champ) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
Geschmack (goût). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
Habitus (habitus). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
Herrschaft (domination) und Macht (pouvoir) 118
Hexis (héxis). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124
Hysteresis (hystérésis). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
Illusio. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
Kampf (lutte), Konflikt (conflit) . . . . . . . . . . . . . 131
Kapital (capital) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134
Klasse (classe) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140
Klassifikation (classement) . . . . . . . . . . . . . . . . . 148
Kritik (critique) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154
Kultur (culture) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
Laufbahn (trajectoire). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
Lebensstil (style de vie). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165
Libido . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169
Machtfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171
Männliche Herrschaft (domination masculine) 172
Markt (marché) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179
Ökonomie (économie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186
Praktischer Sinn (sens pratique) . . . . . . . . . . . . . 193
Praxeologie (praxéologie). . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196
Praxis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199
Reflexivität (réflexivité) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203
Relation (relation) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
Reproduktion (réproduction) und Wandel . . . . 210
Scholé (skholè) und scholastische Sicht . . . . . . . 216
Sozialer Raum (espace social) . . . . . . . . . . . . . . . 219
Strategie (stratégie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225
Symbol (symbole) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228
Symbolische Gewalt (violence symbolique) . . . 231
Theorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235
Verstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240
III. Werke
III.1. Frühwerke
Algerien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
Bildungssoziologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254
Wissenschaftstheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
III.2. Hauptwerke
»Entwurf einer Theorie der Praxis« . . . . . . . . . . 272
»Sozialer Sinn«. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 279
»Die feinen Unterschiede« . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289
»Der Staatsadel«. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313
Gegen den Neoliberalismus. . . . . . . . . . . . . . . . . 319
III.3. Feldanalysen
Wissenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327
Wirtschaft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
Politik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 342
Philosophiekritik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352
Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 355
Religion. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 359
Kunst. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361
Inhalt
Bourdieu_HB.indb VBourdieu_HB.indb V 03.06.2009 9:47:51 Uhr03.06.2009 9:47:51 Uhr
VI Inhalt
Fotografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 366
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369
IV. Rezeption
»Eine Art Großunternehmen« – Bourdieus
Werk und Produktionsweise im Spiegel von
»HyperBourdieu« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 373
Die globale Diffusion Bourdieus. . . . . . . . . . . . . 376
Die Rezeption Bourdieus im deutschsprachigen
Raum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 381
Die Rezeption Bourdieus im angelsächsischen
Raum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387
Kritik und blinde Flecken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401
Anhang
Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 409
Liste der zitierten Werke Bourdieus . . . . . . . . . . 414
Wichtige zitierte Sekundär literatur. . . . . . . . . . . 419
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren . . . . . 425
Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 431
Bourdieu_HB.indb VIBourdieu_HB.indb VI 03.06.2009 9:47:51 Uhr03.06.2009 9:47:51 Uhr
Chapter
Der Beitrag situiert das soziologische Denken Pierre Bourdieus im Kontext der insbesondere frankophonen Geistes- und Sozialwissenschaften. Zunächst wird herausgearbeitet, wie sein Ansatz Philosophie, Ethnologie und Soziologie verbindet. Dabei wird auf die frühe Konversion Bourdieus vom Philosophen zum Ethnologen während seines Algerienaufenthalts eingegangen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet seine Theorie der Praxis, die Bourdieu als Alternative zwischen Phänomenologie und Strukturalismus entwickelt, indem er Grundannahmen des Strukturalismus kritisiert und sich gleichzeitig vom Poststrukturalismus abgrenzt. Mit Bourdieus Studie zu den Feinen Unterschieden und seinen Konzepten des sozialen Feldes, des Kapitals und der Klasse werden außerdem Bourdieus Weiterentwicklung marxistischer Perspektiven sowie seine Analyse der Reproduktion sozialer Ungleichheit behandelt. Der Beitrag schließt mit einem Überblick über aktuelle Kritiken und Weiterentwicklungen von Bourdieus Denken.
Article
An attempt is made to confront Foucault and Bourdieu. First of all by answering the question: Why did Foucault never discuss Bourdieu, while Bourdieu increasingly discusses Foucault, more and more in the sense of a sharp rejection of some of Foucaults main positions? In a second move, the similarities and differences between their positions in the field and their intellectual life histories are outlined. In a third part, Bourdieu's critique of Foucault is presented extensively, up to some pages of Ein soziologischer Selbstversuch.
In: Ders.: Schriften in vier Bänden
  • Ders
Überwachen und Strafen
  • Michel Foucault
Andreas: Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theorieprogramms
  • Reckwitz
Übersubjektives und inkorporiertes Wissen
  • Hilmar Schäfer
Geschichte der Gouvernementalität II. Die Geburt der Biopolitik
  • Ders
Über die Archäologie der Wissenschaften Antwort auf den Cercle d’épistemologie
  • Ders
Vorwort von Michel Foucault
  • Ders
419 Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
  • . . . . . Wichtige Zitierte Sekundär Literatur
Wichtige zitierte Sekundär literatur........... 419 Verzeichnis der Autorinnen und Autoren..... 425
Rezeption »Eine Art Großunternehmen«-Bourdieus Werk und Produktionsweise im Spiegel von »HyperBourdieu«
  • Iv
IV. Rezeption »Eine Art Großunternehmen«-Bourdieus Werk und Produktionsweise im Spiegel von »HyperBourdieu«......................... 373 Die globale Diffusion Bourdieus............. 376