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Was kosten uns Lebensmittel wirklich? Ansätze zur Internalisierung externer Effekte der Landwirtschaft am Beispiel Stickstoff

Abstract

Die Preise, die Verbraucher(innen) für Lebensmittel bezahlen, spiegeln deren wahre Kosten nur unzureichend wider. Eine Studie der Universität Augsburg ermittelte die gesellschaftlichen Kosten hoher Stickstoffbelastung und präsentiert Vorschläge für verursachergerechte Preisaufschläge.
https://doi.org/10 .14512 /gaia.26.2.25
156 COMMUNICATIONS |MITTEILUNGEN
Was kosten uns Lebensmittel
wirklich?
Ansätze zur Internalisierung externer Effekte
der Landwirtschaft am Beispiel Stickstoff
Die Preise, die Verbraucher(innen) für Lebensmittel bezahlen,
spiegeln deren wahre Kosten nur unzureichend wider. Eine Studie
der Universität Augsburg ermittelte die gesellschaftlichen Kosten
hoher Stickstoffbelastung und präsentiert Vorschläge für
verursachergerechte Preisaufschläge.
Tobias Gaugler, Amelie Michalke
esundheitliche und ökologische Folge-
kosten der Nahrungsmittelproduktion
sind in den aktuellen (Markt-)Preisen nur
unzureichend oder überhaupt nicht enthal-
ten. Wenn Folgekosten jedoch nicht verur -
sachergerecht Eingang in den Preis eines
Lebensmittels finden, wird es fälschlicher-
weise zu einem zu niedrigen Preis ange-
boten und somit in zu großer Menge ver-
kauft. Aus ökonomischer Sicht wird die
Vernachlässigung dieser externen Effekte
als Marktversagen bezeichnet, das es mit -
tels wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu
korrigieren gilt. Vor diesem Hintergrund
stellt sich die Frage, welche externen Effek -
te aus der Landwirtschaft resultieren. Dar-
über hinaus interessiert, ob sich Folgekos-
ten verschiedener Lebensmit telkategorien
voneinander unterscheiden.
Im Rahmen einer in Zusammenarbeit
mit dem Aktionsbündnis Artgerechtes Mün -
chen erstellten Studie fokussieren wir uns
auf externe Effekte der Landwirtschaft am
Beispiel der Nitrat-/Stickstoffbelastung in
Deutschland.
Reaktiver Stickstoff in der deutschen
Landwirtschaft
Für die Untersuchung sind reaktive Ver-
bindungen wie Stickoxide, Ammoniak,
Lachgas sowie Nitrat und Ammonium von
primärer Bedeutung. Sie werden vor allem
beim Einsatz von Düngemitteln sowie in
der Tierhaltung umgewandelt und freige-
setzt. Die deutsche Landwirtschaft trägt et -
wa 60 Prozent zu den nationalen reaktiven
Stickstoffeinträgen bei (UBA 2015). Neben
Mineraldünger werden besonders in Re-
gionen mit hoher Viehbesatzdichte große
Mengen Wirtschaftsdünger angewendet
(Bach 2010). Der größte Austrag von reak -
tivem Stickstoff findet in die Atmosphäre
statt – mit etwa 500 Millionen Kilogramm
pro Jahr für den gesamten deutschen Ag -
rarsektor. Der hydrosphärische Stickstoff -
austrag liegt hier bei etwa 400 Millionen
Ki logramm pro Jahr (UBA 2015).
Monetarisierung des reaktiven
Stickstoffs
Aktuell ergibt sich aus dem Paris Agreement
(UN 2015) sowie aus den Nachhaltigkeits-
zielen(Sustainable Development Goals, SDG)
(Bundesregierung 2017) die Notwendig-
keit, landwirtschaftliche Folgekosten sub-
stanziell zu reduzieren. Für zielgerichtete
Maßnahmen sind externe Effekte zu quan-
tifizieren und zu monetarisieren. Unsere
Studie trägt dazu bei, eine bestehende For-
schungslücke für Deutschland zu schlie-
ßen. Wir beziehen uns auf das European
Ni trogen Assessment, auf dessen Grundlage
Van Grinsven et al. (2013) die Folgen des
aus der Landwirtschaft stammenden über-
schüssigen Stickstoffs monetarisieren. In
ihrer Kosten-Nutzen-Analyse unterschei-
den sie zwischen den Kategorien Gesund-
heit, Ökosysteme, Klima und Landwirtschaft.
Folgekosten für die menschliche Gesund-
heit ergeben sich neben der Feinstaubbe-
lastung durch Ammoniak und Stick oxide
unter anderem aus der Nitratbelastung des
Trinkwassers. Folgekosten für Ökosysteme
beziehen sich zum Beispiel auf Biodiver-
sitätsverluste terrestrischer Ökosysteme.
In der Kategorie Klima stehen kühlende Ef-
fekte von Stickoxiden und Ammoniak er-
wärmenden Effekten von Lachgas gegen-
über. Die Landwirtschaft zieht Nutzen aus
der Ertragszunahme durch Düngung mit
What’s the True Cost of Our Food? Internalizing the External Effects of German Agriculture through the Example of Nitrogen
GAIA 26/2(2017): 156 –157 |Keywords: agriculture, external effects, farming systems, food change, nitrogen
G
Kontakt Autor(in): Dr. Tobias Gaugler |
E-Mail: tobias.gaugler@mrm.uni-augsburg.de
Amelie Michalke, B.Sc. |
E-Mail: amelie.michalke@yahoo.de
beide: Universität Augsburg |Interdisziplinäre
Arbeitsgruppe Märkte für Menschen |Augsburg |
Deutschland
Kontakt DGH: Dr.Torsten Reinsch |Generalsekretär
DGH |Kurfürstenstr. 74a |12249 Berlin |Deutsch-
land |E-Mail: torsten.reinsch@fu-berlin.de |
www.dg-humanoekologie.de
©2017 T.Gaugler, A. Michalke;licensee oekom verlag.
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156_157_DGH 30.05.17 09:17 Seite 156
DGH 157COMMUNICATIONS |MITTEILUNGEN
GAIA 26/2(2017): 156 – 157
reaktiven Stickstoffen und erleidet kleine-
re Ertragseinbußen durch die beschleunig -
te Bildung von bodennahem Ozon durch
Stickoxide.
Ausgehend von den zunächst auf Eu-
ropa bezogenen Daten erfolgt eine Über-
tragung auf Deutschland (nach Van Grins-
ven et al. 2013, SI). Es ergeben sich aggre-
gierte Kosten für die menschliche Gesund-
heit (10,76 Milliarden Euro), für Ökosyste -
me (9,22 Milliarden Euro) sowie für das
Klima (0,26 Milliarden Euro). Für die Land-
wirtschaft resultiert ein Nutzen in Höhe von
8,71 Milliarden Euro. Saldiert ergeben sich
hieraus Folgekosten in Höhe von 11,53 Mil -
liarden Euro.
Lebensmittelpreisaufschläge –
aber differenziert!
Da diese Folgekosten aktuell nicht verur -
sa chergerecht in die Bepreisung von Le-
bensmitteln eingehen, wird ein Vorschlag
vorgestellt, wie diese Kosten internalisiert
werden können. Zunächst erscheint eine
Differenzierung zwischen verschiedenen
landwirtschaftlichen Produktionsmetho-
den sinnvoll: zumeinen zwischen biologi -
schen und konventionellen Anbauverfah-
ren, zum an deren zwischen tierischen und
pflanzlichen Agrarprodukten. Daraus lässt
sich ein Preisaufschlagsmodell für diese
Lebensmittelkategorien entwickeln.
Um differenzierte Preisaufschläge zu
erhalten, ist der überschüssige reaktive
Stickstoff zunächst anteilig den Kategori -
en zuzuordnen. Aus dem biologischen
Landbau resultierende Stickstoffüberschüs-
se betragen im Mittel etwa 32 Prozent der -
je nigen des konventionellen Landbaus (Os -
terburg und Runge 2007, Kolbe 2000). Al -
lerdings werden im ökologischen Landbau
im Durchschnitt lediglich etwa 76Prozent
des konventionellen Ertrags generiert (De
Ponti 2012, Witzke und Noleppa 2011, Po -
ni sio et al. 2015, Seufert et al. 2012, Mäder
et al. 2002, Lotter 2003). Aus der gleichzei-
tigen Betrachtung beider Faktoren sowie
einer Normierung ergeben sich ein Bio-
Stickstofffaktor von 29,66 Prozent und ein
Konventionell-Stickstofffaktor von 70,34
Prozent. Der durchschnittliche Stickstoff-
fußabdruck pflanzlicher Produkte beträgt
in etwa ein Neuntel des Stickstofffußab-
drucks, der aus tierischen Produkten resul-
tiert. In diesen ist der Bedarf an Futtermit-
teln zur Produktion tierischer Lebensmit -
tel eingerechnet (Leip et al.2014).Es resul-
tieren kategoriespezifische Stickstoffüber -
schüsse von 10,51 Prozent für pflanzliche
beziehungsweise 89,49 Prozent für tieri-
sche Lebensmittel.
Unter Annahme stochastischer Unab-
hängigkeit der beiden Dimensionen erge -
ben sich prozentuale Stickstoff-Schadens-
faktoren von 3,12 für bio/pflanzlich, 7,39
für konventionell/pflanzlich, 26,55 für tie-
risch/bio und 62,95 für tierisch/konventi -
onell. Die Schadensfaktoren sind mit den
jeweiligen Produktionsgrößen gewichtet,
wobei vereinfachend angenommen wird,
dass die innerdeutsche Nahrungsmittel-
produktion dem Konsum entspricht. Auf
Grundlage von Destatis (2013) und BÖLW
(2016) legen wir folgende Gewichtung der
Produk ti onsanteile zugrunde: 1,90 Prozent
für bio/pflanzlich, 54,05 Prozent für kon-
ventionell/pflanzlich, 1,50 Prozent für bio/
tierisch und 42,55 Prozent für konventio-
nell/tierisch.
Gewichtet mit den Stickstoff-Schadens-
faktoren sind prozentuale Schadensantei-
le in Höhe von 0,19 für bio/pflanzlich, 12,79
für konventionell/pflanzlich, 1,27 für bio/
tierisch und 85,75 für konventionell/tie-
risch ableitbar. Die Zuschlüsselung der ge -
samten externen Kosten induziert Folge-
kosten in Höhe von etwa 22 Millionen Euro
für die Kategorie bio/pflanzlich, 1,474 Mil -
liarden Euro für konventionell/pflanzlich,
147 Millionen Euro für bio/tierisch und
9,885 Milliarden Euro für die Kategorie
konventionell/tierisch.
Um diese externen Kosten – im Folgen-
den – exemplarisch in den Nahrungsmit-
telpreis zu internalisieren, werden die ge-
samtdeutschen Lebensmittelausgaben für
jede Kategorie ermittelt. Die kategoriespe -
zifischen externen Kosten werden ins Ver-
hältnis zu den jeweiligenNahrungsmittel -
ausgaben gesetzt, woraus folgende Preis-
aufschläge resultieren: etwa 0,5 Prozent bei
pflanzlichen Bio-Lebensmitteln, etwa 1,1
Prozent für die Kategorie konventionell/
pflanzlich, etwa 4,1 Prozent für Bio-Le-
bensmittel tierischen Ursprungs, etwa 9,7
Prozent für die Kategorie konventionell/
tierisch. Diese kategoriespezifischen Preis -
aufschläge wären nötig, um die aus den
Stickstoffüberschüssen des Agrarsektors
resultierenden externen Kosten verursa-
chergerecht zu internalisieren. Es wird
deutlich, dass gegenwärtig insbesondere
tierisch-konventionelle Produkte einer Un -
terbepreisung unterliegen und für ihre ge-
sundheitlichen sowie ihre umweltbezoge-
nen Folgekosten nur unzureichend verant-
wortlich gemacht werden.
Literatur
Bach, M. 2010. Zeitreihe Stickstoffindikator.
Vereinheitlichte Methodik zur Berechnung von
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markteffekte_final.pdf (abgerufen 24.05.2017).
156_157_DGH 30.05.17 09:17 Seite 157
... Several approaches try to map the financial impacts of externalities from a macro perspective, such a true cost accounting (Eosta et al., 2017) and full cost accounting (Bebbington et al., 2001;Gaugler and Michalke, 2017). In contrast, Hiß and colleagues (Hiß, 2015;Hiß et al., 2019) developed a concept and method, starting from the operational micro level of an enterprise's activities. ...
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Purpose – The paper presents a methodology to establish and integrate formal sustainability control systems (SCS) into management control systems (MCS).The innovative approach aims at contributing to the need for SCS integration by permeating and transforming MCSs so that positive and negative externalities can be internalized into the financial performance measurement and reporting. Design/methodology/approach – In an exploratory process, control systems were closely connected with financial accounting within four interrelated - ecologic, social, financial and knowledge-related - dimensions. Building on action design research, multicriteria key performance indicators (KPI) for these dimensions were developed. Four value-based SMEs of the food sector developed KPIs in interactive and participative workshops and interconnected their own business model with their sustainability principles. Constantly revising conformity, specific S.M.A.R.T. goals and related activities were defined, thereafter being used for KPI measures and for input in financial accounting. Findings – The workshop series reveals the importance of including relevant stakeholders, multiple feedback loops and permanent dialogue to abolish cognitive barriers. The approach enables the development of multicriterial KPIs and identification of costs and benefits for an integrated financial accounting. Originality/value – The paper contributes to practice and research in the field of SCS by providing insights into the process of an explorative workshop series developing multicriteria KPIs for controlling and financial accounting. Paper type – Case study Keywords – Management control systems, sustainability control systems, financial accounting, key performance indicators, action research
... The aim of this paper, by building on previous work, including our own earlier research efforts 35,36 , is to provide a method for a differentiated quantification and monetization of GHG emissions of a variety of foodstuff and farming practices. We thereby illustrate the present price difference between current producer prices and true costs. ...
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Although the agricultural sector is globally a main emitter of greenhouse gases, thorough economic analysis of environmental and social externalities has not yet been conducted. Available research assessing agricultural external costs lacks a differentiation between farming systems and food categories. A method addressing this scientific gap is established in this paper and applied in the context of Germany. Using life-cycle assessment and meta-analytical approaches, we calculate the external climate costs of foodstuff. Results show that external greenhouse gas costs are highest for conventional and organic animal-based products (2.41€/kg product; 146% and 71% surcharge on producer price level), followed by conventional dairy products (0.24€/kg product; 91% surcharge) and lowest for organic plant-based products (0.02€/kg product; 6% surcharge). The large difference of relative external climate costs between food categories as well as the absolute external climate costs of the agricultural sector imply the urgency for policy measures that close the gap between current market prices and the true costs of food.
Article
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In a case study of Germany, we examine current food consumption along the three pillars of sustainability to evaluate external factors that influence consumers’ dietary decisions. We investigate to what extent diets meet nutritional requirements (social factor), the diets’ environmental impact (ecological factor), and the food prices’ influence on purchasing behavior (economic factor). For this, we compare two dietary recommendations (plant-based, omnivorous) with the status quo, and we examine different consumption styles (conventional, organic produce). Additionally, we evaluate 1446 prices of food items from three store types (organic store, supermarket, and discounter). With this, we are able to evaluate and compare 30 different food baskets along their health, environmental, and economic impact. Results show that purchasing decisions are only slightly influenced by health-related factors. Furthermore, few consumers align their diet with low environmental impact. In contrast, a large share of consumers opt for cheap foods, regardless of health and environmental consequences. We find that price is, arguably, the main factor in food choices from a sustainability standpoint. Action should be taken by policy makers to financially incentivize consumers in favor of healthy and environmentally friendly diets. Otherwise, the status quo further drives especially underprivileged consumers towards unhealthy and environmentally damaging consumption.
Technical Report
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Im ersten Teil konkretisiert und erweitert dieser Bericht das Konzept einer transformativen Umweltpolitik, welches aufbauend auf den Erkenntnissen der Transformationsforschung Handlungsansätze für die Politik formuliert, für das Ernährungssystem. Die Handlungsansätze werden in Ansätze des Nischenmanagements und der Exnovation systematisiert. Zudem wird reflektiert, inwieweit eine Transformationsperspektive neue umweltpolitische Ansätze generieren kann. Im zweiten Teil wird die politische Machbarkeit einer Auswahl politischer Maßnahmen eingeschätzt. Dies erfolgt anhand der Präferenzen für oder gegen deren Einführung von Akteuren und deren Einflussreputation, die im Rahmen einer ⁠Stakeholder⁠-Befragung erhoben wurden.
Article
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Die virtuelle Tagung der Deutschen Gesellschaft für Humanökologie sondierte Vorteile und Nachteile digitaler Technologien für nachhaltige Entwicklung. Im zweiten Teil des Tagungsberichts nehmen wir hier Landwirtschaft und Ernährung in den Blick.
Experiment Findings
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see report
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Die Eigennatur der Corona-Pandemie hat Medizin und Politik herausgefordert ‐ nun heißt es, das Wissensmanagement zu analysieren. Wichtig erscheint uns dabei, die Bedeutung des subjektiven Erlebens der Krise zu berücksichtigen. Aus humanökologischer Sicht besteht Verbesserungsbedarf in der inter- und transdisziplinären Wissensproduktion und -kommunikation. Dies gilt auch für die Bewältigung des Klimawandels und weiterer Krisen.
Article
Good management requires proper measurement, yet little is known about anthropogenic climate effects of agriculture. To remedy this, a precise measurement of negative externalities is urgently needed. Therefore, the authors of this article describe the heterogeneity of results from previous studies on climate effects and – focussing on the agricultural sector – identify reasons for this phenomenon. The authors conduct a meta-regression analysis, based on 53 primary studies that cover the period between 1951 and 2015. All countries or country groups are included in the 1,345 reported results on emitted amounts of CO2e and SO2e. Our findings confirm the well-known result that an increase in livestock quantities corresponds with a significant increase in emission levels. By integrating culture-related country data, the authors conclude that the level of “humane orientation” and the amounts of emissions follow opposite courses. Furthermore, studies conducted while the first author of this study was working for an NGO, report significantly higher emissions. Based on an adaptation of a meta-regression analysis to the field of environmental performance measurement, we are able to provide new insights about the influence of the change of individual drivers on the emission level. Examples of these insights include a one-third increase in cattle stock is associated with an increase in emissions of 29.45 t/km². We also find that publications where the first author works for an NGO reported an emission level 87.04 t/km² higher than other publications. These findings enable the identification of the main drivers of emissions, while helping to explain the heterogeneity of existing studies. Based on the findings of this study, companies can take reliable measures to reduce the external climate effects of their products.
Technical Report
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Die Studie „Vielfalt auf den Acker! Ansätze für eine nachhaltigere Landwirtschaft in Deutschland“ präsentiert einen gangbaren Weg in Richtung eines nachhaltigeren Ackerbaus in Deutschland. Im Zentrum stehen der Erhalt beziehungsweise der Aufbau von Bodenfruchtbarkeit und die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und Stickstoffdünger. Die Studie analysiert dazu verschiedene Maßnahmen-Szenarien hinsichtlich ihrer ökologischen und ökonomischen Wirkung und gibt Empfehlungen zur Umsetzung und Finanzierung.
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Reduzierter Fleischkonsum in Industrieländern gilt als Kernstück einer großen gesellschaftlichen Transformation. Voraussetzungen dafür und Realisierungschancen haben Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Humanökologie im Rahmen einer sozialwissenschaftlichen Metastudie erforscht.
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Agriculture today places great strains on biodiversity, soils, water and the atmosphere, and these strains will be exacerbated if current trends in population growth, meat and energy consumption, and food waste continue. Thus, farming systems that are both highly productive and minimize environmental harms are critically needed. How organic agriculture may contribute to world food production has been subject to vigorous debate over the past decade. Here, we revisit this topic comparing organic and conventional yields with a new meta-dataset three times larger than previously used (115 studies containing more than 1000 observations) and a new hierarchical analytical framework that can better account for the heterogeneity and structure in the data. We find organic yields are only 19.2% (±3.7%) lower than conventional yields, a smaller yield gap than previous estimates. More importantly, we find entirely different effects of crop types and management practices on the yield gap compared with previous studies. For example, we found no significant differences in yields for leguminous versus non-leguminous crops, perennials versus annuals or developed versus developing countries. Instead, we found the novel result that two agricultural diversification practices, multi-cropping and crop rotations, substantially reduce the yield gap (to 9 ± 4% and 8 ± 5%, respectively) when the methods were applied in only organic systems. These promising results, based on robust analysis of a larger meta-dataset, suggest that appropriate investment in agroecological research to improve organic management systems could greatly reduce or eliminate the yield gap for some crops or regions.
Article
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Numerous reports have emphasized the need for major changes in the global food system: agriculture must meet the twin challenge of feeding a growing population, with rising demand for meat and high-calorie diets, while simultaneously minimizing its global environmental impacts. Organic farming—a system aimed at producing food with minimal harm to ecosystems, animals or humans—is often proposed as a solution. However, critics argue that organic agriculture may have lower yields and would therefore need more land to produce the same amount of food as conventional farms, resulting in more widespread deforestation and biodiversity loss, and thus undermining the environmental benefits of organic practices. Here we use a comprehensive meta-analysis to examine the relative yield performance of organic and conventional farming systems globally. Our analysis of available data shows that, overall, organic yields are typically lower than conventional yields. But these yield differences are highly contextual, depending on system and site characteristics, and range from 5% lower organic yields (rain-fed legumes and perennials on weak-acidic to weak-alkaline soils), 13% lower yields (when best organic practices are used), to 34% lower yields (when the conventional and organic systems are most comparable). Under certain conditions—that is, with good management practices, particular crop types and growing conditions—organic systems can thus nearly match conventional yields, whereas under others it at present cannot. To establish organic agriculture as an important tool in sustainable food production, the factors limiting organic yields need to be more fully understood, alongside assessments of the many social, environmental and economic benefits of organic farming systems.
Article
Nitrogen (N) is an essential element for plants and animals. Due to large inputs of mineral fertilizer, crop yields and livestock production in Europe have increased markedly over the last century, but as a consequence losses of reactive N to air, soil and water have intensified as well. Two different models (CAPRI and MITERRA) were used to quantify the N flows in agriculture in the European Union (EU27), at country-level and for EU27 agriculture as a whole, differentiated into 12 main food categories. The results showed that the N footprint, defined as the total N losses to the environment per unit of product, varies widely between different food categories, with substantially higher values for livestock products and the highest values for beef (c. 500 g N/kg beef), as compared to vegetable products. The lowest N footprint of c. 2 g N/kg product was calculated for sugar beet, fruits and vegetables, and potatoes. The losses of reactive N were dominated by N leaching and run-off, and ammonia volatilization, with 0·83 and 0·88 due to consumption of livestock products. The N investment factors, defined as the quantity of new reactive N required to produce one unit of N in the product varied between 1·2 kg N/kg N in product for pulses to 15–20 kg N for beef.
Article
Cost-benefit analysis can be used to provide guidance for emerging policy priorities in reducing nitrogen (N) pollution. This paper provides a critical and comprehensive assessment of costs and benefits of the various flows of N on human health, ecosystems and climate stability in order to identify major options for mitigation. The social cost of impacts of N in the EU27 in 2008 was estimated between €75-485 billion per year. A cost share of around 60% is related to emissions to air. The share of total impacts on human health is about 45% and may reflect the higher willingness to pay for human health than for ecosystems or climate stability. Air pollution by nitrogen also generates social benefits for climate by present cooling effects of N containing aerosol and C-sequestration driven by N deposition, amounting to an estimated net benefit of about €5 billion/yr. The economic benefit of N in primary agricultural production ranges between €20-80 billion/yr and is lower than the annual cost of pollution by agricultural N which is in the range of €35-230 billion/yr. Internalizing these environmental costs would lower the optimum annual N-fertilization rate in Northwestern Europe by about 50 kg/ha. Acknowledging the large uncertainties and conceptual issues of our cost-benefit estimates, the results support the priority for further reduction of NH3 and NOx emissions from transport and agriculture beyond commitments recently agreed in revision of the Gothenburg Protocol.
Article
Sustained high rates of growth in sales of certified organic products (OPs) in the U.S. and worldwide, averaging 20-25% yr -1 since 1990, have spurred concomitant growth and activities in production, processing, research, regulation and trade agreements, and exports. The global OP market value in 2001 is estimated to be $20B, and the OP share of total food sales is near 2% in the U.S. and 1-5% in EU countries. Processed OPs have shown particularly rapid growth, often over 100% yr -1 . Commercial certified organic agriculture (OA) has spread to over 130 countries worldwide. Demand for OPs is driven by belief that OPs are more healthful, tasty, and environmentally friendly than conventional products (CPs). Evidence for these beliefs is reviewed. While many of the health claims for OPs remain unresolved, there is sufficient evidence to give OPs the edge in healthfulness. Comparative research is needed, particularly bioassays of animal health parameters, particularly reproduction, and analyses of the functional components of foods (nutraceuticals). OP/CP taste comparisons are often inconclusive, as cultivar and location are generally more important factors in taste than growing system. Evidence for significant environmental amelioration via conversion to OA is overwhelming – pesticides are virtually eliminated and nutrient pollution substantially reduced. Loss of biodiversity, wind and water erosion, runoff, and fossil fuel use and greenhouse warming potential are all reduced in OA relative to comparable conventional agriculture (CA) systems. The agroecological characteristics of OA are reviewed -weed, invertebrate, disease, and soil fertility management practices. Yield reductions of OA systems average 10-15% relative to CA, however these are generally compensated for by lower input costs and higher gross margins. Large-scale conversion to OA would not result in food shortages and could be accomplished with a reduction in meat consumption. OA systems consistently outperform CA in drought situations, out-yielding CA crops by up to 100%. Also reviewed are: methodologies for comparing productivity and sustainability of OA/CA; the core concept that OA is a structurally different system than CA; the characteristics, sociology, and practices of U.S. organic farmers and farms; OA's origins, its pioneers, major institutions; international certification standards and the new (2000) USDA National Organic Program Final Rule; institutional and media support for and biases against OA; OA's increased involvement with social accountability and animal ethics.
Zeitreihe Stickstoffindikator. Vereinheitlichte Methodik zur Berechnung von Stickstoff-Bilanzen für die Landwirtschaft in Deutschland
  • M Bach
Bach, M. 2010. Zeitreihe Stickstoffindikator. Vereinheitlichte Methodik zur Berechnung von Stickstoff-Bilanzen für die Landwirtschaft in Deutschland. Gießen: Justus-Liebig-Universität.
Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie
  • Bundesregierung
Bundesregierung. 2017. Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Berlin: Bundesregierung.
Statistisches Bundesamt)
  • Destatis
Destatis (Statistisches Bundesamt). 2013. Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Fachserie 18, 1.5. Wiesbaden: Destatis.
Soil fertility and biodiversity in organic farming
  • P Mäder
  • A Fließbach
  • D Dubois
  • L Gunts
  • P Fried
  • U Niggli
Mäder, P., A. Fließbach, D. Dubois, L. Gunts, P. Fried, U. Niggli. 2002. Soil fertility and biodiversity in organic farming. Science 296/5573: 1694 -1697.