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Das Projekt-Monitoring - ein flexibles Konzept für expositionsbezogene Untersuchungen von Lebensmitteln zu verbraucherpolitisch aktuellen Fragestellungen

Authors:
  • Federal Office of Consumer Protection and Food Safety, Berlin, Germany

Abstract

Das Monitoring ist ein bundesweit koordiniertes Kontrollprogramm zur Verbesserung des vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes und wird als gesetzliche Aufgabe der amtlichen Lebensmittelüberwachung durchgeführt. Im Gegensatz zu risikoorientierten Programmen, wie z. B. dem Bundesweiten Überwachungsplan, basieren die Monitoringprogramme auf Daten aus Verzehrsstudien und ermöglichen damit für Deutschland repräsentative Untersuchungen von Lebensmitteln auf gesundheitlich nicht erwünschte Stoffe und Mikroorganismen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die gesundheitliche Risikobewertung, zur Ableitung zeitlicher und regionaler Trends sowie der Erarbeitung nationaler und europäischer Rechtsvorschriften. Innerhalb des Monitoring-Plans hat sich neben dem langfristig ausgerichteten Warenkorb-Monitoring das kurzfristig orientierte und auf aktuelle Fragestellungen bezogene Projekt-Monitoring von Lebensmitteln bewährt.
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Das Projekt-Monitoring - ein flexibles Konzept für expositionsbezogene
Untersuchungen von Lebensmitteln zu verbraucherpolitisch aktuellen Fragestellungen
Lisa Käbisch1, Hannes Harms2 und Peter Wend2
1Freie Universität Berlin, Fachbereich Veterinärmedizin, Oertzenweg 19b, 14163 Berlin,
Internet: www.vetmed.fu-berlin.de, E-Mail: l.kaebisch@web.de
2Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Korrespondenz:
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Mauerstr. 39-42, 10117 Berlin,
Internet: http://www.bvl.bund.de/monitoring, E-Mail: 103@bvl.bund.de
Zusammenfassung
Das Monitoring ist ein bundesweit koordiniertes Kontrollprogramm zur Verbesserung des
vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes und wird als gesetzliche Aufgabe der
amtlichen Lebensmittelüberwachung durchgeführt [
1
,
2
]. Im Gegensatz zu risikoorientierten
Programmen, wie z. B. dem Bundesweiten Überwachungsplan [
3
,
4
], basieren die
Monitoringprogramme auf Daten aus Verzehrsstudien und ermöglichen damit für Deutschland
repräsentative Untersuchungen von Lebensmitteln auf gesundheitlich nicht erwünschte Stoffe
und Mikroorganismen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die gesundheitliche
Risikobewertung, zur Ableitung zeitlicher und regionaler Trends sowie der Erarbeitung
nationaler und europäischer Rechtsvorschriften. Innerhalb des Monitoring-Plans hat sich
neben dem langfristig ausgerichteten Warenkorb-Monitoring das kurzfristig orientierte und auf
aktuelle Fragestellungen bezogene Projekt-Monitoring von Lebensmitteln bewährt.
Ziele und Bedeutung des Projekt-Monitorings
Mit dem Monitoring werden aussagekräftige Daten zur repräsentativen Erfassung der
Exposition mit gesundheitlich nicht erwünschten Stoffen, wie z. B. Rückständen von
Pflanzenschutz-, Schädlingsbekämpfungs- und Tierarzneimitteln sowie von Schwermetallen,
Mykotoxinen und verschiedenen organischen Stoffen oder Mikroorganismen in den auf dem
deutschen Markt befindlichen Lebensmitteln erhoben, um Gefährdungspotenziale frühzeitig
identifizieren zu können.
Seit 2003 wird das Monitoring von Lebensmitteln in zwei sich ergänzenden
Untersuchungsprogrammen durchgeführt. Einerseits als Fortführung der bereits seit 1995
existierenden periodischen Untersuchungen von Lebensmitteln eines repräsentativen
Warenkorbs (Warenkorb-Monitoring). Andererseits erfolgen seit 2003 Untersuchungen von
Lebensmitteln zu speziellen, verbraucherpolitisch aktuellen Fragestellungen in Form von
Projekten (Projekt-Monitoring). Diese können sowohl Stoff-, als auch lebensmittelspezifische
Schwerpunkte haben und werden zeitlich befristet, meist innerhalb eines Untersuchungsjahres
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bearbeitet. Da Projekte kurzfristig in den Monitoring-Plan einbezogen werden können,
ermöglicht das Projekt-Monitoring ein hohes Maß an Flexibilität und Aktualität für das gesamte
Monitoring-Programm. Insgesamt wird das Monitoring damit der Zielstellung gerecht, den für
die Lebensmittelsicherheit zuständigen Behörden und amtlichen Untersuchungseinrichtungen
der Länder aufzuzeigen, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht und um die
Öffentlichkeit regelmäßig und zeitnah zu informieren.
Gesetzliche Grundlagen des Projekt-Monitorings
Das Monitoring wird gemäß §§ 50 52 LFGB [
5
] durchgeführt. Zur Durchführung des
Monitorings von Lebensmitteln sind gemäß der geltenden AVV Monitoring [
6
] derzeit
bundesweit jährlich ca. 9000 Untersuchungen an Lebensmitteln vorzunehmen. Davon werden
in jedem Jahr etwa 7000 Untersuchungen im Warenkorb-Monitoring und ca. 2000
Untersuchungen im Projekt-Monitoring durchgeführt. Wie erwähnt liegt der Fokus im Projekt-
Monitoring auf speziellen Fragestellungen bzw. Themenbereichen, die stoffbezogen
durchgeführt werden und unter anderem der Schließung von Kenntnislücken für die
Risikobewertung dienen.
Durchführung des Projekt-Monitorings
Gemäß AVV Monitoring können Vorschläge für das Projekt-Monitoring von den Ländern sowie
bestimmten Bundesbehörden (BMEL, BMUB, BVL, BfR) unterbreitet werden. Dabei können
im dringenden Bedarfsfall auch während des bereits laufenden Untersuchungsjahres
Monitoring-Projekte ergänzt werden. Voraussetzung für die Durchführung von befürworteten
und mit ausreichender Probenzahl durchführbaren Projekten ist die Festlegung eines
verantwortlichen Berichterstatters, was zumeist vom Antragsteller des Projekts übernommen
wird. Der Berichterstatter erstellt in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sowie den am Projekt beteiligten
amtlichen Untersuchungseinrichtungen der Länder den Untersuchungsplan. Die Ergebnisse
der Projekte werden vom verantwortlichen Berichterstatter ausgewertet und im jährlichen
Monitoring-Bericht veröffentlicht.
Ergebnisse des Projekt-Monitorings
Seit Einführung des Projekt-Monitorings im Jahr 2003 wurden bis 2016 insgesamt mehr als
27.000 Proben von Lebensmitteln in 102 Projekten untersucht. Dies entspricht ca. 200 300
untersuchten Proben pro Projekt. Dabei wurden in 68 % der Projekte Lebensmittel pflanzlicher
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Herkunft, in 23 % Lebensmittel tierischer Herkunft, in 8 % Lebensmittel beider Herkünfte und
in 2 % Wasser untersucht. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind in den jeweiligen
Monitoring-Berichten beschrieben [1]. Das BVL hat zudem eine Übersicht aller untersuchten
Monitoring-Erzeugnisse inklusive der durchgeführten Monitoring-Projekte veröffentlicht, in der
die entsprechenden Untersuchungsergebnisse anhand der verlinkten Monitoring-Berichte
verfügbar sind [
7
].
Abbildung 1 stellt die Anzahl der im Projekt-Monitoring untersuchten Proben und die Anzahl
der Projekte seit Bestehen des Projekt-Monitorings für den Zeitraum 2003 bis 2016 dar.
Abbildung 2 zeigt den Anteil der Projekte bezogen auf die untersuchten Stoffgruppen, jeweils
für die Untersuchungsjahre 2003 - 2016. Daraus wird ersichtlich, dass sich kein deutlicher
Trend in Bezug auf die durchgeführten Projekte und die untersuchten Stoffgruppen ausgeprägt
hat. Es fällt jedoch auf, dass Untersuchungen von pharmakologisch wirksamen Stoffen (PWS)
im Jahr 2016 ca. 30 % der zu untersuchenden Substanzen stellen. Da diese Stoffgruppe im
Warenkorb-Monitoring nicht untersucht wird, stellt das Projekt-Monitoring ein geeignetes
Programm dar, um PWS im Rahmen des Monitorings von Lebensmitteln zielgerichtet zu
analysieren. Darüber hinaus werden eine Vielzahl von Lebensmitteln auf PWS in einem
weiteren bundesweit koordinierten Kontrollprogramm, dem Nationalen Rückstandskontrollplan
(NRKP), risikoorientiert untersucht [
8
].
Abbildung 3 verdeutlicht, dass im Zeitraum 2003 bis 2016 die Stoffgruppen der natürlichen
Toxine und organischen Kontaminanten insgesamt am häufigsten in den Projekten analysiert
wurden (30 % und 29 %), wohingegen Untersuchungen für PWS den geringsten Anteil
einnahmen (4 %). Im Gegensatz dazu hatte die jahrgangsübergreifende Auswertung der
Daten aus dem Warenkorb-Monitoring ergeben, dass dort Untersuchungen zu
Pflanzenschutzmitteln (PSM) mit ca. 60 % den mit Abstand größten Anteil einnehmen [
9
].
Fazit
Mit dem Projekt-Monitoring konnten zu verschiedenen aktuellen und verbraucherpolitisch
sensiblen Fragestellungen Erkenntnisse gewonnen werden, die von großer Bedeutung für die
gesundheitliche Risikobewertung und die Erarbeitung nationaler und europäischer
Rechtsvorschriften sind. Die Möglichkeit der kurzfristigen Einbeziehung von Projekten in den
Monitoring-Plan verleiht dem gesamten Monitoring-Programm ein hohes Maß an Aktualität.
Innerhalb des Monitorings hat sich damit das kurzfristig orientierte Projekt-Monitoring von
Lebensmitteln neben dem langfristig ausgerichteten Warenkorb-Monitoring bewährt und soll
auch zukünftig zur Verbesserung des vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes
beitragen.
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Abb. 1: Anzahl untersuchter Lebensmittelproben und Anzahl der durchgeführten
Projekte im Projekt-Monitoring im Zeitraum 2003 bis 2016. Für das Untersuchungsjahr
2016 sind die geplanten Proben dargestellt (Stand: 04.08.2016).
2520
3469
2147
1706
1916
2326
2230
1648
1965
1080
774
1681
2164
1660
9
11
10
10
10
9
7
5
5
4
3
7
0
2
4
6
8
10
12
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000
Anzahl Proben Projekt-Monitoring
Anzahl Monitoring-Projekte
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Abb. 2: Prozentualer Anteil der analysierten Stoffgruppen im Projekt-Monitoring von
Lebensmitteln jahresweise dargestellt für den Zeitraum 2003 bis 2016. Für das
Untersuchungsjahr 2016 sind die geplanten Proben dargestellt (Stand: 04.08.2016). PSM:
Pflanzenschutzmittel; NT: natürliche Toxine; OK: organische Kontaminanten; El, Ni: Elemente
und Nitrat; PWS: pharmakologisch Wirksame Stoffe.
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
PWS
El, Ni
OK
NT
PSM
22%
29%
30%
15%
4%
PSM
OK
NT
El, Ni
PWS
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Abb. 3: Prozentualer Anteil der analysierten Stoffgruppen im Projekt-Monitoring von
Lebensmitteln zusammengefasst für den Zeitraum 2003 bis 2016. Für das
Untersuchungsjahr 2016 sind die geplanten Proben dargestellt (Stand: 04.08.2016). PSM:
Pflanzenschutzmittel; NT: natürliche Toxine; OK: organische Kontaminanten; El, Ni: Elemente
und Nitrat; PWS: pharmakologisch Wirksame Stoffe.
Literatur
1
http://www.bvl.bund.de/monitoring
2
Wend, P., Binner, R.: 20 Jahre Monitoring Wichtiges Programm der amtlichen
Lebensmittelüberwachung für den gesundheitlichen Verbraucherschutz, Chrom+food FORUM 9
(2015) 54-55.
3
http://www.bvl.bund.de/buep
4
Herrfurt, A.: Lebensmittelsicherheit und gesundheitlicher Verbraucherschutz Zehn Jahre
Bundesweiter Überwachungsplan, Deutsche Ausgabe Chrom+food FORUM 5 (2016) 12-13.
5
Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 3. Juni 2013
(BGBl. I S. 1426), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 5. Dezember 2014 (BGBl. I S.
1975).
6
Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Monitorings von Lebensmitteln, kosmetischen
Mitteln und Bedarfsgegenständen für die Jahre 2011 bis 2015 (AVV Monitoring 20112015), BAnz Nr.
198 vom 29.12.2010, S. 4364ff.
7
Übersicht der im Monitoring seit 1995 untersuchten und in 2016 zu untersuchenden Erzeugnisse,
http://www.bvl.bund.de/monitoring
8
www.bvl.bund.de/nrkp
9
Harms H., Wend, P.: The National Monitoring Program - Serving Food Safety and Preventive
Consumer Health Protection in Germany for more than 20 years, Englische Ausgabe Chrom+food
FORUM 5 (2016) 7-9.
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Full-text available
The National Monitoring Program is a nationwide coordinated measuring and supervision scheme jointly performed by the Federal Government and Federal States in Germany since 1995. In contrast to risk-oriented food safety programs, the National Monitoring Program utilizes data from consumption studies allowing the representative coverage of foodstuffs, and since 2010 cosmetic products and commodities. Samples taken during official controls are examined for substances or microorganisms undesirable from a health perspective to assess consumer exposure and for the analysis of trends and recognition of potential health risks.
Article
Full-text available
Das Monitoring ist ein gemeinsam von Bund und Ländern seit 1995 durchgeführtes systematisches Mess- und Beobachtungsprogramm und wird als eigenständige gesetzliche Aufgabe der amtlichen Lebensmittelüberwachung durchgeführt. Dabei werden Lebensmittel und seit 2010 auch kosmetische Mittel und Bedarfsgegenstände repräsentativ für Deutschland auf gesundheitlich nicht erwünschte Stoffe oder Mikroorganismen untersucht. Die Monitoring-Ergebnisse dienen als Grundlage für die gesundheitliche Risikobewertung und sind bei der Erarbeitung nationaler und europäischer Rechtsvorschriften von großer Bedeutung. Das Monitoring hat sich als bundesweit koordiniertes Kontrollprogramm zur Verbesserung des vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes bewährt und soll in den nächsten Jahren ähnlich strukturiert wie bisher fortgeführt werden.
PSM: Pflanzenschutzmittel; NT: natürliche Toxine; OK: organische Kontaminanten
  • Abb
Abb. 3: Prozentualer Anteil der analysierten Stoffgruppen im Projekt-Monitoring von Lebensmitteln zusammengefasst für den Zeitraum 2003 bis 2016. Für das Untersuchungsjahr 2016 sind die geplanten Proben dargestellt (Stand: 04.08.2016). PSM: Pflanzenschutzmittel; NT: natürliche Toxine; OK: organische Kontaminanten; El, Ni: Elemente und Nitrat; PWS: pharmakologisch Wirksame Stoffe.
  • P Wend
  • R Binner
Wend, P., Binner, R.: 20 Jahre Monitoring-Wichtiges Programm der amtlichen Lebensmittelüberwachung für den gesundheitlichen Verbraucherschutz, Chrom+food FORUM 9 (2015) 54-55.
  • A Herrfurt
Herrfurt, A.: Lebensmittelsicherheit und gesundheitlicher Verbraucherschutz -Zehn Jahre Bundesweiter Überwachungsplan, Deutsche Ausgabe Chrom+food FORUM 5 (2016) 12-13.
  • Lebensmittel-Und Futtermittelgesetzbuch
Lebensmittel-und Futtermittelgesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 3. Juni 2013 (BGBl. I S. 1426), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 5. Dezember 2014 (BGBl. I S. 1975).