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Abstract

Intensivstationen stellen die Versorgung von Patienten in kritischen und akut lebensbedrohlichen Situationen sicher. Sie sind technikintensiv, brauchen Mitarbeiter mit einem hohen Spezialisierungsgrad und sind für Kliniken ein relevanter wirtschaftlicher Faktor. In den letzten 15 Jahren stiegen Behandlungsfälle und Bettenzahl, doch wie sehen die Kennzahlen zur Pflege aus? Die aktuelle Studie des DIP beleuchtet Fragen der Personalbesetzung, Berufs- und Arbeitszufriedenheit sowie der Patientenversorgung auf Intensivstationen.
PFTEGEWISSENSCHAFT
> Strukturempfehlungen umgesetzt?
- Krankenhäuser mit Betten zur intensiv- medizinischen Versorgung
- Betten zur intensiv-medizinischen Versorgung
. Berechnungs-/ Belegungstage in der intensiv- medizinischen Versorgung
- Behandlungsfälle in der intensiv- medizinischen Versorgung
-- Behandlungsfälle mit Beatmung während intensiv- medizinischer Versorgung
Abb. 7: Kennzahlen der Intensivbehandlung 2002-2075
46 fflegezeitschrift 2Ot7, Jg.70, Heft 5
i
-nrfriedenheit auf deutsq: hf',,:
Intensivstationen
Mrcuarr Isronl Jouas Hyrra, Daruuv GrHrEN, Darrrrnr Tucmaru
Intensivstationen stellen die Versorgung von Patienten in kriti-
schen und akut lebensbedrohlichen Situationen sicher. Sie sind
technikintensiv, brauchen Mitarbeiter mit einem hohen Speziali-
sierungsgrad und sind für Kliniken ein relevanter wirtschaftli-
cher Faktor. In den letzten L5 lahren stiegen Behandlungsfälle
und Bettenzahl, doch wie sehen die Kennzahlen zur Pflege aus?
Die aktuelle Studie des DIP beleuchtet Fragen der Personalbeset-
zung, Berufs- und Arbeitszufriedenheit sowie der Patientenver-
sorgung auf Intensivstationen.
>> Intensivstationen stellen mit ihrem arbeitenden. Andererseits sind sie für
spezifischen Versorgungsangebot dieKrankenhäuservonherausgeho-
eine in mehrfacher Hinsicht bedeut- bener Bedeutung im Rahmen der
same Spezialisierung im Rahmen der wirtschaftlichen Sicherung, denn
Krankenhausbehandlung dar. Einer- ohne eine ausreichende Kapazität der
seits sichern sie die Versorgung kri- Intensivversorgung lassen sich auf-
tisch und akut lebensbedrohlich er- wändigeOperationenundProzeduren
krankter Patienten; sie sind techni- nur bedingt oder verzögert realisie-
kintensive Arbeitsbereiche mit einem ren, was die Erlösseite gefährden
hohen Spezialisierungsgrad der Mit- kann.
Arbeitsbedingungen uffi { ;
-*_-----'
Die Intensivversorgung erfährt, entge-
gen des allgemelnen Trends in Kran-
kenhäusern, einen beständigen Auf-
bau an Kdpazität. Angaben des Statis-
tischen Bundesamtes von 2017 zufolge
nahm die Anzahl der Krankenhäuser
mit Betten der Intensivmedizinischen
Versorgung zwischen 2OO2 und 2Ot7
zwar um t4% ab.lm gleichen Zeitraum
aber stiegen Behandlungsfälle, Be-
rechnungstage sowie die Bettenzahl in
der Intensivversorgung weiter an. Die
Behandlungsfälle mit Beatmung wur-
den im genannten Beobachtungszeit-
raum sogar um45% gesteigert.
PJie qt-. r: s ri'i r: : .F i:ra J:a ss
au.gi:::r ::: ilt :. ,.t.r; !;,,
Kennzahlen zur konkreten pflegeri-
schen Personalausstattung der Inten-
sivstationen liegen nicht vor. Sie wer-
den im Rahmen der amtlichen Kran-
kenhausstatistik nicht gesondert
erhoben, so dass keine validen Aussa-
gen zur Veränderung vorgenommen
werden können. Studien mit dem Fo-
kus der Intensivpflege weisen aber da-
rauf hin, dass für die Krankenhäuser
insgesamt von einem Fachkräfteeng-
pass im Bereich der Intensivpflege aus-
gegangen werden kann (Blum et al.
201-3; Isfort et ai. 2012) und offene Stel-
len nicht ohne Probleme zeitnah neu
besetzt werden können. Den Kennzah-
Ien des Krankenhaus-Barometers 201-3
zufolge kann von bundesweit ca.
53.300 Vollkraftstellen in der Intensiv-
pflege ausgegangen werden (BIum et
al. 201-3).
Studien zur temporären Bettensper-
rung auf Intensivstationen in Kran-
kenhäusern zeigen auf, dass aktuell
immer wieder Kapazitätsengpässe be-
stehen und personalbedingt Betten in
den Leitstellen der Feuerwehr abge-
meldet werden müssen (Nydahl et al.
2017).
Die nachfolgend beschriebene Stu-
die schließt an vorangegangene Unter-
suchungen des Deutschen Instituts fur
angewandte Pfl egeforschung e.V. (DIP)
zum Themenfeld an. In2012,,vurde im
Rahmen des Pflege-Thermometers
2012 eine Befragung von 535 Leitun-
gen von Intensivstationen durch-
geführt. In 2013 erfolgte eine bundes-
weite online-gestützte Befragung zur
Arbeits-, Berufs- und Arbeitsplatzzu-
friedenheit mit dem Fokus auf dem
Zusammenhang zwischen einer Fach-
weiterbildung und den Tätigkeitsspek-
tren (Siegling & Isfort 2015). Die aktu-
elle Studie konzentrierte sich auf As-
pekte der Personalbesetzung, der
Berufs- und Arbeitszr-rfriedenhelt und
der Patientenversorgung. Neben der
Beschreibung der aktuellen Situation
sollte identifiziert werden, ob es Hin-
weise auf Veränderungen seit den ietz-
ten durchgefuhrten Befragungen gibt.
Die Untersuchung wurde mit Ergen-
mitteln des Deutschen lnstituts fur an-
gewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) fl-
nanziert; eine Iinflussnahme durch
Dritte lag nicht vor. Geplant wurde die
Studie als eine freiwillige anonyme
Online-Befragung im Querschnittsde-
sign. Der entwickelte Fragenkatalog
aus insgesamt 25 Fragenkomplexen
wurde im Vorfeld an fünf unabhängi-
ge Fachexperten aus dem Bereich der
Fachverbände, klinisch tatrger Perso-
nen, der Pflegewissenschaft sowle der
Weiterbildung in der Intensivpflege
versendet und nach der Einarbeitung
der Hinweise in einer revidierten Fas-
sung fertiggestellt. Für die Akquisition
der Studienteilnehmer stand eine
Emailliste Intensivpflegender zur Ver-
fügung, die im Rahmen einer der Vor-
gängeruntersuchungen die Erlaubnis
erteilten, sie bei erneuten Befragungen
anzuschreiben. Das DIP versandte eine
Pressemitteilung an Verbände, Fach-
zeitschriften und Verteiler. In Foren
und sozialen Medien wurde auf die
Studie aufmerksam gemacht. Die Un-
tersuchung selbst erfolgte im Zeitraum
vom 10.1.201-7 bis zum I2.2.20I7. Die
Resonanz auf die Befragung war groß.
Über 7.000 Interessierte nahmen Ein-
100
Abb. 2: Betreuungsrelation Pflegekraft zu Patient tm Frühdienst und Spätdienst
Izü4
lzu2
sicht in den Fragenkatalog der Online-
befragung. Über 3.000 Pflegende betei-
iigten sich tatsächlich an der Befra-
gung, wober 2.056 die Befragung
beendeten. Die nachfolgenden Ergeb-
nisse beziehen sich dabei ausschließ-
lich auf bundesdeutsche Pfl egekräfte
von Intensivstationen ohne !inbezug
der intermediate Care Stationen.
63,9% der Antwortenden sind weib-
lich, 65% arbeiten in Vollzeit (l-00%-Stel-
Ie).82% sind Mitarbeitende des Pflege-
teams (ohne Leitungsverantwortung),
17,3% sind in Leitungsfunktion (Stati-
onsleitung/ stellvertretende Stations-
leitung). Im Durchschnitt sind die Be-
fragten seit rund 16 lahren nach Be-
rufsabschluss in der Pflege tätig und
arbeiten seit 13 Jahren im klinischen
Intensivpflegebereich. Anteiiig sind
20,5% in der Altersgruppe 26-30 Jahre,
28$% in der Gruppe der 31-40-lähri-
gen und 27,7% in der Gruppe der
41-50-Jährigen. Mit 37% stelll der an-
ästhesiologisch geführte Bereich vor
dem internistisch geführten Bereich
(29,7%) den größten Teil der Antwor-
tenden.
Ein erster Fragenkomplex bezog sich
auf die Sicherung der Ruhephasen für
die Pfl egenden. Angenommen werden
kann, dass angesichts eines Fachkräf-
I Im Spatdienst (N= 1 632)
im Frühdienst (N=1.692)
4A 60 80 100
teengpasses und in Zeiten der Perso-
nalknappheit oder bei Krankheitszel-
ten einzelner Mitarbeitenden geplante
Ruhezeiten nicht eingehalten werden
können. Gefragt wurde, für wie viele
Dienste an geplanten Ruhephasen
(Wochenenden/ freie Tage) im Zeit-
raum der letzten vier Wochen Anfra-
gen zur Dienstbereitschaft erfolgten
und wie viele davon realisiert wurden.
Die Ergebnisse zeigen auf, dass Anfra-
gen zur Dienstübernahme an Ruhewo-
chenenden keine Ausnahme, sondern
eher eine Regel sind.
L9 % der Befragten wurden einmal,
weitere 22%o zweimal, 7,7% dreimal
und 5,7% viermal angefragt, einen
Dienst an einem freien Wochenende
zu übernehm en. 23% haben eine solche
Anfrage auch einmalig realisiert und
9,6% sogar zweimal. Das ,,Einspringen"
an geplanten freien Tagen in der Wo-
che weist dabei ähnliche Werte auf.
Auch die Übernahme ungeplanter
Nachtdienste ist häuflg zu verzeich-
nen. 30%. der Antwortenden haben in
den vergangenen vier Wochen kurz-
fristig einen oder zwei ungeplante
Nachtdienst übernommen. Korrespon-
dierend zeigt sich, dass die Intensiv-
pflegenden auf einer Skala von 1 (sehr
zuverlässig) bis 1-0 (sehr unzuverlässig)
ihre Dienstplangestaltung mit einem
Durchschnittswert von 4,7 und damit
im mittleren Bereich der Zuverlässig-
keit verorten. Ein Springerpool scheint
Pflegezeitschr if.t 20L7, Jg, 70, tleft 5 47
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PFTEGEWISSENSCHAFT
keine hinreichende Lösung darzustel-
Ien. Nur weniger als jede fünfte Inten-
sivpflegekraft (1,8,3%) gibt an, dass ein
Springerpool an Intensivkräften be-
steht. lediglich3,7 % geben an, dass ein
solcher Pool voll wirksam Personal-
engpässe bei Krankheitsphasen auf-
fängt und nur 1,,1% geben an, dass da-
durch wirksam geplante Ruhe- und
Erholungsphasen des Personals er-
möglicht werden. 1".882 antworteten
auf die Frage, wie viele Überstunden
sie in den vergangenen vier Wochen
erarbeitet haben. Hierbei ergaben sich
durchschnittliche Werte von 12 Über-
stunden.
Belastungsindikatoren und
Patientensicherheit
Als ein Belastungsindikator kann auch
die Realisierung einer Pausenzeit in
der Arbeitsphase betrachtet werden.
Von 1.857 Antwortenden gab mit
31,,2% nur rund jeder Dritte an, dass
Pausenzeiten während des Dienstes in
aller Regel störungsfrei eingehalten
werden können (trifft voll zu/ triftI
eher zu) und nur L8p% gaben zustim-
mend an, dass Pausenzeiten während
des Dienstes in ailer Regel außerhalb
der Station/Abteilung verbracht wer-
den können.
Internationale Studien weisen dar-
auf hin, dass die Qualität der Versor-
gung unmittelbar mit dem Personal-
schlüssel in der Pflege zusammen-
hängt (Neuraz et al. 2015, McHugh et
al. 201,6). Als ein zentrales Problem für
die Versorgung in den deutschen In-
tensivstationen kann die Schichtbeset-
zung in der Intensivpflege ausgemacht
werden. Bei sechs von zehn der ant-
wortenden Pflegenden bestand im
Ietzten durchgeführten Frühdienst
eine Relation von einer Pflegekraft zu
drei Patienten oder aber höher. Im
Spätdienst verschlechtert sich diese
Relation deutlich. Hier sind es 58,3%,
die eine Betreuungsrelation von eins
zu drei aufweisen. Weitere \5,2% arbei-
ten mit einem Verhältnis von eins zu
vier. Höhergradige Versorgungsrelati-
onen werden nicht mit abgebildet.
Nydahl, Dubb und Kaltwasser zeig-
ten in ihrer Studie zur Bettensperrung
auf, dass in aller Regel Werte von eins
zu vier erreicht werden müssen, um
eine temporäre Abmeidung der Station
herbei zu führen (Nydahl et aL 2OI7).
In der Diskussion um eine adäquate
Personalausstattung kann auf die zen-
trale Empfehlung zur Struktur von In-
tensivstationen der Deutschen Inter-
disziplinären Vereinigung für Inten-
siv- und Notfallmedizin (DIVI) aus
dem Jahr 2010 verwiesen werden
(Iorch et al. 201-0). Hier wird mit dem
Grad der höchsten Empfehlung (1A)
durchgängig in allen Schichten eine
pflegerische Betreuungsrelation von
eins zu zwei bei kritlsch Kranken emp-
fohlen, die nach den vorliegenden Da-
ten nur rund 4o% der Intensivpflegen-
den im bestbesetzten Schichtbereich
des Frühdienstes erfahren. Im Spät-
dienst wird dies nur bei einer von vier
Intensivpflegenden realisiert. Die For-
derung schließt dabei aber auch die
Nachtbesetzung mit ein. Hier zeigen
die Daten auf, dass die Realität hinter
den Forderungen noch weiter zurück-
hängt. Nur 10,9% der Intensivpflegen-
den betreuten in der Nacht in der emp-
fohlenen Schichtbesetzung.
ls lässt sich bezogen auf einzelne
Indikatoren der Belastung aufzeigen,
dass insgäsamt von keiner hinrei-
chenden Personalbesetzung ausge-
gangen werden kann und sich Aus-
wirkungen auf die Patientensicher-
heit ergeben. Nur 9,2% der Befragten
geben voll zustimmend an, dass im
Frühdienst immer ausreichend Perso-
nal vorhanden ist, um die Patienten-
sicherheit zu gewährleisten. Für den
Spätdienst schätzen dies lediglich
4,8% ein und für den Nachtdienst
4J%.
Auch einzelne Indikatoren zur Sta-
bilisierung der pflegerischen Versor-
gung weisen auf die Problematik hin.
So geben bei.spielsweise 62,6% der
Antwortenden an, dass häuflger oder
oft in den letzten sieben Arbeitstagen
keine angemessene Händehygiene
durchgeführt werden konnte. Dieses
Ergebnis deckt sich mit vorliegenden
Untersuchungen, die aufzeigen, dass
die bestehenden Hygienerlchtlinien
unter der derzeitigen Personalbeset-
zung nicht realistisch umsetzbar er-
scheinen (Kochanek et al. 2015).
Ergebnisse zur
Arbeitszufriedenheit
Die Arbeitssituation hat dabei auch
Auswirkungen auf die Arbeitszufrie-
denheit. 1.780 Pflegende antworteten
zu diesen Fragenkomplexen. Acht von
zehn Intensivpflegenden sind mit der
Berufswahl sehr oder eher zufrieden
und 823% weisen eine Zufriedenheit
(sehr zufrieden/eher zufrieden) bezo-
gen auf ihre Arbeitsinhalte aus. Damit
kann davon ausgegangen werden, dass
die konkrete Tätigkeit von den Inten-
sivpflegenden nicht in Frage gestellt
wird und die Jobmotivation und allge-
Wie oft haben Sie im vergangenen Jahr (2016) daran gedachl
durch Qualifizierung den Arbeitsbereich in derPflege zu
verändern (N= 1.745)
den Pflegeberuf zu verlassen (kompletter Wechsel des
Berufsfeldes) (N=1.743)
den Stellenanteil lhrcs Arbeitsplatzes aufderICU zu reduzieren
undparallel eine eryänzende Tätigkeit aufzunehmen (N= 1.741)
den Stellenanteil IhrerArbeit insgesamt zu reduzieren (gleiches
Krankenhaus aber reduzierterEinsatz aufder ICU) (N= 1.747)
linevergleichbare Position bei einem anderen Arbeitgeber zu
suchen (anderes Knnkenhaus abei ICU) (N=1.752)
den Arbeitsplatz innerhalb Ihres Krankenhauses zu wechseln
(Bleiches Krankenhaus abernicht mehrICU) 1n= r.zSO; 1
0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0 70,0 80,0 90,0 100,0
L täglich I mehrfach in derWoche I mehrfach im Monat I merfach im Jahr I nie
Abb. 3: Angaben zum Nachdenken über einen Berufsausstieg oder Berufsfeldwechsel
48 lflegezeitschrift 2017, Jg.70. Heft 5
meine Berufszufriedenheit als hoch
eingestuft werden kann. Die Zufrie-
denheitswerte sinken jedoch dras-
tisch, wenn man sich die Seite der kon-
kreten Patientenversorgungsmö glich-
keit anschaut. Hier geben nur noch
29$% posllive Zufriedenheits eins chät-
zungen bei der Möglichkeit an, Patten-
ten so zu versorgen, wie sie es sich vor-
nehmen. Hinsichtlich der konkreten
Betreuungsrelation zeigen nur 24,2%
zustimmende Zufriedenheitswerte.
Zusammenfassend zeigt sich eine
hohe Berufs- und Arbeits-, aber gerin-
ge Versorgungszufriedenheit.
Angelehnt an Fragestellungen zum
Berufswechsel aus der NEXT Study
(Hasselhorn et al. 20051, n,urden Aus-
sagen zum angestrebten Berufs- oder
Berufsfeldwechsei in der Häuflgkeit
der Ausprägung angefragt. Wie die
Teilnehmenden darauf antrvorteten,
zeigt Abbildung 3.
Die Auswertungen belegen. dass ins-
gesamt eine hohe Identiflzrerung mit
der Tätigkeit der Intensivpflege vor-
handen ist. Dennoch ist der Anteil de-
rer, die ihre Arbeit grundsätzlich nicht
in Frage stellen, bei den meisten der ge-
nannten Aussagen unterhalb der Hälf-
te der Befragten. Ausnahmen bilden
die Aussage, die ICU zu verlassen und
in einen anderen Tätigkeitsbereich im
Krankenhaus zu wechseln oder aber
den Stellenanteil zu reduzieren und
eine parallele ergänzende Tätigkeit
aufzunehmen. Unter den kritisch zu
diskutierenden Aspekten dominiert
mit28,4% der Anteil derer, die täglich,
mehrfach in der Woche oder mehrfach
im Monat mit dem Gedanken spielen,
durch eine Quaiifi zierungsmaßnahme
den Arbeitsbereich zu verändern.
Die Daten weisen insgesamt auf eine
als kritisch zu bewertende Situation
der Intensivpflegenden hin. Die
Schichtbesetzungen weisen gegenüber
früheren Befragungen aus dem lahr
2012 keine substanziellen Verbesse-
rungen auf, sie liegen auch sieben Jah-
re nach der Veröffentlichung der Struk-
turempfehlungen durch die DIVI deut-
lich unterhalb der empfohlenen
Ausstattung. In den Krankenhäusern
wurde offensichtlich trotz zahlreicher
Diskussionen bislang nicht umfassend
gegengesteuert.
Bei der Arbeits- und Berufszufrie-
denheit von Intensivpflegenden zeigen
die Ergebnisse auf, dass direkte Zusam-
menhänge zur Personalausstattung
bestehen. Wenn die Attraktivität der
Arbeit erhalten oder gesteigert werden
soll und eine sichere Patientenversor-
gung in den Mittelpunkt gerückt wird,
dann ist eine Anpassung der pflegeri-
schen Personalausstattung dringend
erforderlich. Offensichtlich versagen
an dieser Stelle Appelle und die Eigen-
steuerung im Rahmen einer Selbstre-
gulation durch die Krankenhäuser. Vor
diesem Hintergrund gewinnt die Dis-
kussion um Vorgaben einer Personal-
ausstattung und die Zweckbindung
von zusätzlichen Finanzmitteln für
den Aufbau pflegerischer Versorgung
zunehmend an Bedeutung.
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sratistis@
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www.gbe-bund.de/oowa92 1-install/servlet/
oow a I aw 92 / dbo owasys g2 l.xwdevkit/xwd_
init?gbe.isgbetol/xs_start_neu/&p_aid=3 &p
aid=16874549&nummer=838&p_sprache=D&p_
indsp=-&p afi=38647 39 2 (zugriff am 28.2.2017 ).
Prof. Dr. rer. medic. Michael
Isfort, Diplom-Pflege-
wissenschaftler (FH) und
Krankenpfleger, leitet die Abt. III
Pflegearbeit und -beruf und ist
stv. Vorstandsvorsitzender des
DIP (Deutsches Institut für
angewandte Pfl egeforschung eV.
in Köln
E-Mail: m.isfort@dip.de
Pflegezeitschritt 2Ol7,Jg. 70, Heft 5 49
Die vorliegende Studie präsentiert erste Ergebnisse einer freiwilligen anony-
men Online-Befragung unter Pflegekräften auf Intensivstationen im deutsch-
sprachigen Raum. Vorgestellt werden beschreibende Auswertungen von rund
2.000 Intensivpflegenden aus Deutschland, die sich von Januar bis Februar 2017
an der Befragung beteiligten. Die Ergebnisse weisen eine hohe Arbeitsbelastung
mit häufigem Einspringen und unzureichender Pausenzeit der Pflegenden auf.
Die Personalausstattung insgesamt kann vor dem Hintergrund einschlägiger
Empfehlungen a1s unzureichend betrachtet werden. Die Berufszufriedenheit
ist deutlich höher als die Arbeitsplatzzufriedenheit oder die Zufriedenheit mit
der Möglichkeit der Patientenversorgung. Demzufolge kann bei rund 25% det
Antwortenden ein häuflges Nachdenken uber einen Berufs- oder Arbeitsplatz-
wechsel festgesteilt werden.
Schlüsselwörter:
Chapter
In einem Arbeitsumfeld, welches durch vielfältige Spannungen geprägt ist, sind die Beanspruchungen und Stressoren für die Mitarbeitenden weitreichend. Wie groß diese sind, wurde in keinem anderen Jahr wie in dem Vergangenen so präsent in der Öffentlichkeit diskutiert. Um den Bedürfnissen der Mitarbeitenden zu entsprechen, hat das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ein Projekt ins Leben gerufen, welches eine größtmögliche Flexibilisierung der Arbeitszeit in der Pflege und die Verringerung von Arbeitsspitzen durch die Harmonisierung von Prozessen vorsieht.
Chapter
Ohne Empathie ist eine Gesundheitsversorgung nur schwer vorstellbar. Sie ist eine wichtige Voraussetzung und zugleich ein zentrales Arbeitsinstrument für den Pflegeberuf, das es ermöglicht, Bedürfnisse und Gefühle anderer Menschen zu erschließen. Seit Florence Nightingale (1820–1910) werden Mitgefühl und Empathie als ein wesentliches und unverzichtbares Element der Pflege-Patienten-Beziehung anerkannt und finden auch Niederschlag in relevanten Pflegetheorien. Die Beschreibung von Empathie in der Pflege orientiert sich an relevanten Bezugswissenschaften wie der Psychologie (z. B. Carl Rogers) und greift beispielsweise mit der Interaktionsarbeit auf ergänzende Konzepte der Soziologie zurück. Spezifisch ist, dass der Pflege über die Körperarbeit zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Unbenommen hat Empathie in der Pflege einen hohen Stellenwert, kann aber auch eine Quelle für berufliche Belastungen sein. Pflegende brauchen daher erlebbare und praxistaugliche Strategien, wie sie psychischen Belastungen der eigenen Person vorbeugen können.
Chapter
Der Beruf der Gesundheits- und Krankenpflege ist herausfordernd und anspruchsvoll. Unterstützungs- und Beratungsbedarfe von Patienten, Angehörigen und auch Kollegen nehmen zu, gleichzeitig entwickeln sich die therapeutischen Möglichkeiten kontinuierlich weiter. Um den komplexen Anforderungen des Pflegeberufes gerecht zu werden, brauchen Pflegende ein Instrument, das ihnen regelmäßig Feedback und eigene Beratung gibt.
Article
Background: Although nurses are the most likely first responders to witness an in-hospital cardiac arrest (IHCA) and provide treatment, little research has been undertaken to determine what features of nursing are related to cardiac arrest outcomes. Objectives: To determine the association between nurse staffing, nurse work environments, and IHCA survival. Research design: Cross-sectional study of data from: (1) the American Heart Association's Get With The Guidelines-Resuscitation database; (2) the University of Pennsylvania Multi-State Nursing Care and and Patient Safety; and (3) the American Hospital Association annual survey. Logistic regression models were used to determine the association of the features of nursing and IHCA survival to discharge after adjusting for hospital and patient characteristics. Subjects: A total of 11,160 adult patients aged 18 and older between 2005 and 2007 in 75 hospitals in 4 states (Pennsylvania, Florida, California, and New Jersey). Results: Each additional patient per nurse on medical-surgical units was associated with a 5% lower likelihood of surviving IHCA to discharge (odds ratio=0.95; 95% confidence interval, 0.91-0.99). Further, patients cared for in hospitals with poor work environments had a 16% lower likelihood of IHCA survival (odds ratio=0.84; 95% confidence interval, 0.71-0.99) than patients cared for in hospitals with better work environments. Conclusions: Better work environments and decreased patient-to-nurse ratios on medical-surgical units are associated with higher odds of patient survival after an IHCA. These results add to a large body of literature suggesting that outcomes are better when nurses have a more reasonable workload and work in good hospital work environments. Improving nurse working conditions holds promise for improving survival following IHCA.
Article
Intensiv- und Anasthesiepflegende, die sich fur Fachweiterbildungen entscheiden, tun dies aus ganz unterschiedlichen Grunden, zum Beispiel, um sich auf die steigenden Anforderungen im Beruf vorzubereiten oder um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Unsere Autoren haben den Einfluss der Fachweiterbildung auf Arbeitsinhalte, Berufs- und Arbeitszufriedenheit von Intensivpflegekraften genauer untersucht und stellen hier ihre Ergebnisse vor.
Article
The patient burden in intensive care units (ICU) has continually increased worldwide over the past decades. Age, co-morbidities and an increasing complexity of conditions and treatments increase the number of patients who are either colonized or infected with antibiotic-resistant pathogens. To prevent nosocomial infections, hygiene guidelines play an important role. In this paper, we investigate the time needed for nursing of five hypothetical critically ill patients in the intensive care unit. The results show that current staffing is not sufficient under the given hygiene guidelines and that a nurse to patient ratio of one will be necessary to meet the requirements. In a national survey of university hospitals, however, we found that the current nurse to patient ratio is 1: 2.47 in German intensive care units. The apparent staffing shortage is compensated by an extraordinary personal commitment of nurses caring for patients in the ICU. © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York.
Article
Matching healthcare staff resources to patient needs in the ICU is a key factor for quality of care. We aimed to assess the impact of the staffing-to-patient ratio and workload on ICU mortality. We performed a multicenter longitudinal study using routinely collected hospital data. Information pertaining to every patient in eight ICUs from four university hospitals from January to December 2013 was analyzed. A total of 5,718 inpatient stays were included. None. We used a shift-by-shift varying measure of the patient-to-caregiver ratio in combination with workload to establish their relationships with ICU mortality over time, excluding patients with decision to forego life-sustaining therapy. Using a multilevel Poisson regression, we quantified ICU mortality-relative risk, adjusted for patient turnover, severity, and staffing levels. The risk of death was increased by 3.5 (95% CI, 1.3-9.1) when the patient-to-nurse ratio was greater than 2.5, and it was increased by 2.0 (95% CI, 1.3-3.2) when the patient-to-physician ratio exceeded 14. The highest ratios occurred more frequently during the weekend for nurse staffing and during the night for physicians (p < 0.001). High patient turnover (adjusted relative risk, 5.6 [2.0-15.0]) and the volume of life-sustaining procedures performed by staff (adjusted relative risk, 5.9 [4.3-7.9]) were also associated with increased mortality. This study proposes evidence-based thresholds for patient-to-caregiver ratios, above which patient safety may be endangered in the ICU. Real-time monitoring of staffing levels and workload is feasible for adjusting caregivers' resources to patients' needs.
Wegen Personalmangel geschlossen
  • P Nydahl
  • R Dubb
  • A Kaltwasser
Empfehlungen zur Struktur und Ausstattung von Intensivstationen - Hintergrundtexte: Verabschiedet mit Beschluss des Präsidiums der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) vom 30
  • G Jorch
  • S Kluge
  • F König
  • A Markewitz
  • K Notz
  • V Parvu
Intensivmedizinische Versorgung in Krankenhäusern - Anzahl Krankenhäuser Betten sowie Aufenthalte
  • Statistisches Bundesamt
Vorstandsvorsitzender des DIP (Deutsches Institut für angewandte Pfl egeforschung eV
  • Krankenpfleger
Krankenpfleger, leitet die Abt. III Pflegearbeit und -beruf und ist stv. Vorstandsvorsitzender des DIP (Deutsches Institut für angewandte Pfl egeforschung eV. in Köln E-Mail: m.isfort@dip.de
Berufsausstieg bei Pfl egepersonal: Arbeitsbedingungen und beabsichtigter Berufsausstieg bei Pfl egepersonal in Deutschland und Europa
  • A Kümerling
  • M Simon
Kümerling A. & Simon M. (2005) Berufsausstieg bei Pfl egepersonal: Arbeitsbedingungen und beabsichtigter Berufsausstieg bei Pfl egepersonal in Deutschland und Europa, Dortmund/Berlin/ Dresden