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Die mögliche Geschwindigkeit einer Intelligenzexplosion

Authors:
  • Gymnasium Mülheim Broich
Universität Duisburg-Essen Wintersemester 2016/17
Abschlussmodul M8: Person und Geist
Seminar: Künstliche Intelligenz
Die gliche Geschwindigkeit einer Intelligenzexplosion
Hausarbeit
für den
Master of Education
4257 Wörter
Vorgelegt der
Fakultät Philosophie
Gutachter: Dr. Stefan Reining
vorgelegt von: Hans Lietz
BA LA GyGe Physik/Philosophie
7. Fachsemester
Matr.-Nr.: 2258033
Sachsenstr. 2
47441 Moers
Tel.: 02841/24442
E-Mail: hans.lietz@stud.uni-due.de
Abgabe am: 14.03.2017
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ............................................................................................................................ 3
2 Intelligenz ........................................................................................................................... 3
2.1 Definition ..................................................................................................................... 3
2.2 Intelligenzexplosion ..................................................................................................... 5
3 Die Kinetik von Intelligenzexplosionen .............................................................................. 5
3.1 Quantitätsexplosion .................................................................................................... 6
3.1.1 Art der Explosion .................................................................................................. 6
3.1.2 Geschwindigkeit ................................................................................................... 7
3.1.3 Grenzverhalten ..................................................................................................... 7
3.1.4 Kritik ................................................................................................................... 10
3.2 Qualitätsexplosion ..................................................................................................... 11
3.2.1 Art der Explosion ................................................................................................ 11
3.2.2 Geschwindigkeit ................................................................................................. 12
3.2.3 Grenzverhalten ................................................................................................... 13
3.3 Geschwindigkeitsexplosion ....................................................................................... 14
3.3.1 Art der Explosion ................................................................................................ 14
3.3.2 Geschwindigkeit ................................................................................................. 14
3.3.3 Grenzverhalten ................................................................................................... 15
3.3.4 Kritik ................................................................................................................... 17
3.4 Konstellationen .......................................................................................................... 17
4 Schluss .............................................................................................................................. 17
5 Abbildungsverzeichnis ...................................................................................................... 18
6 Literaturverzeichnis .......................................................................................................... 19
7 Selbstständigkeitserklärung ............................................................................................. 21
Einleitung Hans Lietz
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1 Einleitung
Szenarien einer möglichen Intelligenzexplosion werden in letzter Zeit häufig diskutiert. Grund
dafür sind die beeindruckenden Entwicklungen von künstlicher Intelligenz, die regelmäßig und
immer häufiger in der Presse und im Internet Schlagzeilen machen. Die Idee dazu ist ver-
gleichsweise alt, bereits 1965 formulierte der Mathematiker I.J. Good folgende Zeilen:
It is more probable than not that, within the twentieth century, an ultraintelligent machine will be
built and that it will be the last invention that man need make, since it will lead to an ‘intelligence
explosion.’ (Good, 1965, S. 78)
Ich möchte in dieser Arbeit versuchen, die Frage nach der möglichen Geschwindigkeit von sol-
chen Intelligenzexplosionen zu beantworten. Diese ist insofern von Bedeutung, als dass es ab-
zuschätzen gilt, ob eine mögliche Intelligenzexplosion von Menschen während ihres Ablaufes
beeinflusst werden könnte und wie schnell eine solche Explosion die Welt verändern würde.
Dabei werde ich verschiedene Arten von Intelligenzexplosionen unterscheiden.
2 Intelligenz
2.1 Definition
Intelligenz ist ein gesellschaftlich, philosophisch und wissenschaftlich umstrittener Begriff, für
den es keine allgemeine Definition gibt. Eine beliebte Definition der Intelligenz wurde 1923
von Edwin G. Boring formuliert:
Intelligence is what the tests test. (Boring, 1923)
Intelligenztests sind der wissenschaftliche Versuch, eine objektive Definition für Intelligenz zu
finden. Für die jeweilige Population, die getestet werden soll, wird ein Test entwickelt, der
sich an einer Gauß-Verteilung orientiert, wobei ein IQ von 100 als Norm der jeweiligen Popu-
lation gelten soll. Aus diesem Grund genügt diese Definition von Intelligenz nicht den Anfor-
derungen an eine Definition, wie sie hier benötigt wird: IQ-Tests werden populationsspezifisch
entwickelt, d.h. es ist durchaus möglich, dass eine Maus den gleichen IQ wie ein Mensch er-
hält, da mit verschiedenen Tests gemessen wird und werden muss. Eine von den jeweiligen
Populationsbedingungen losgelöste Betrachtung ist mit regulären IQ-Tests kaum möglich. Der
Intelligenz Hans Lietz
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Vergleich von menschlicher und künstlicher Intelligenz mittels IQ-Werten und -Tests ist dem-
entsprechend wenig sinnvoll. Daher muss eine andere, von spezifischen Populationen losge-
löste Definition für Intelligenz gefunden werden.
Ich möchte in dieser Arbeit annehmen, dass Intelligenz in Quantität und Qualität gemessen
werden kann. Dies erscheint plausibel zur Beschreibung von Intelligenz: Komplizierte Sachver-
halte können im Kollektiv besser erforscht und verstanden werden als von Einzelnen. Bei sol-
chen Kollektiven ist die Quantität der Intelligenz höher, als bei Einzelindividuen. Zwar ist es
schwer, eine genaue Skala für die Quantität anzugeben, aber es erscheint offensichtlich, dass
es zwischen Anzahl an Intelligenz und Einsicht einen Zusammenhang gibt. Somit gilt Anzahl an
Intelligenz als legitime Eigenschaft und soll zukünftig Quantität genannt werden. Hierbei ist
allerdings Vorsicht geboten: In der Psychologie und in anderen Wissenschaften wird Quantität
von Intelligenz anders verstanden und definiert.
Ähnliches gilt bei Betrachtung von Qualität: Es dürfte unumstritten sein, dass die menschliche
Intelligenz komplexere Aufgaben lösen kann als die Intelligenz von einer Maus. Der Unter-
schied zwischen solchen Arten von Intelligenz soll Qualität heißen. Auch hier gilt, dass es
schwer bis unmöglich erscheint, eine explizite Skala dafür anzugeben.
Es ist also möglich, Intelligenz zu steigern, indem man entweder die Quantität (Anzahl an In-
telligenzen) oder die Qualität (Art der Intelligenz) erhöht.
Intelligenz steht immer im Kontext zu einem Wesen irgendeiner Art. Dies kann ein Tier, ein
Mensch, eine Maschine oder ein Programm sein welcher Art dieses Wesen ist spielt für die
weiteren Betrachtungen zunächst keine wesentliche Rolle. Daher sollen im Folgenden intelli-
gente Wesen kurz als Intellesen bezeichnet werden. Die Einführung des neuen Begriffs er-
scheint mir notwendig, um zwischen dem abstrakten Konstrukt Intelligenz und dem intelligen-
ten Wesen unterscheiden zu können. Dieses kann, aber muss nicht menschlicher Natur sein:
Auch künstliche oder andere, nicht-menschliche, Intelligenzen sollen für die Diskussion zuge-
lassen sein.
Die Frage nach der Art und Realisierung eines Intellesen ist für die Diskussion der Geschwin-
digkeit von Intelligenzexplosionen nur teilweise relevant und wird in dieser Arbeit daher nicht
vollständig diskutiert.
Die Kinetik von Intelligenzexplosionen Hans Lietz
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2.2 Intelligenzexplosion
Gelingt es, ein Intellesen zu erschaffen, welches wiederum selbst Intellesen erschaffen kann,
die jeweils die Fähigkeit des Erschaffens von Intellesen weitergeben, so würde dies zu einer
Kette von Intellesen hren, die in Qualität und/oder Quantität immer weiter ansteigen. Dies
wird als Intelligenzexplosion oder Singularität bezeichnet. Geprägt wurden diese Begriffe we-
sentlich von dem Mathematiker und Philosophen Irving John Good, der 1965 einen Artikel mit
dem Titel Speculations Concerning the First Ultraintelligent Machine veröffentlichte. Dort
schrieb er Folgendes:
Let an ultraintelligent machine be defined as a machine that can far surpass all the intellectual
activities of any man however clever. Since the design of machines is one of these intellectual ac-
tivities, an ultraintelligent machine could design even better machines; there would then unques-
tionably be an ‘intelligence explosion,’ and the intelligence of man would be left far behind. […]
Thus the first ultraintelligent machine is the last invention that man need ever make, provided that
the machine is docile enough to tell us how to keep it under control. (Good, 1965, S. 33)
Aufgegriffen wurde dies 2011 von David J. Chalmers, der in einem Artikel mit dem Titel The
Singularity: A Philosophical Analysis verschiedene Möglichkeiten und Arten von und Bedin-
gungen für Intelligenzexplosionen untersucht. Dabei weist er auf zahlreiche Schwierigkeiten
hin, die sowohl in der Definition von Intelligenz, aber auch in anderen Dingen, wie z. B. der
Korrelation von Intelligenz und Selbstverstärkung liegen. (Chalmers, 2011, S. 16)
Auf diese Schwierigkeiten möchte ich hier allerdings nicht eingehen. Die Ausgangsfragestel-
lung setzt die tatsächliche Realisierung einer solchen Singularität nicht voraus, sie stellt nur
die Frage, mit welcher Geschwindigkeit eine solche Explosion ablaufen würde, wenn es denn
zu einer käme.
3 Die Kinetik von Intelligenzexplosionen
Es soll die zeitliche Entwicklung von Intelligenzexplosionen untersucht werden. Dabei werde
ich davon ausgehen, dass eine solche Explosion ohne Störer von statten geht. Der Begriff Stö-
rer, wie er hier verwendet wird, findet seinen Ursprung ebenfalls in oben genanntem Artikel
von Chalmers. Dort diskutiert er Singularität „absent defeaters“, (Chalmers, 2011) und
erläutert:
„As for defeaters: I will stipulate that these are anything that prevents intelligent systems […] from
manifesting their capacities to create intelligent systems.” (Chalmers, 2011, S. 7).
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Etwaige Entwicklungen und Ereignisse werden dementsprechend nicht berücksichtigt, die
eine solche Explosion verhindern könnten. Beispiele dafür sind: Kriege, gesellschaftlich oder
individuell angestoßene Entwicklungsstopps, Auslöschungsevents wie z. B. ein schwerwiegen-
der Meteoriteneinschlag, Erdbeben oder Vulkanausbrüche.
Es gibt verschiedene denkbare Arten von Intelligenzexplosionen. Für jede dieser Arten kann
ein anderer Verlauf gezeichnet werden, wie im Folgenden dargestellt.
3.1 Quantitätsexplosion
3.1.1 Art der Explosion
Bei einer Quantitätsexplosion würde im Wesentlichen vor allem die Anzahl an kooperativen
Intellesen steigen. Dies ist in der Geschichte bereits zu beobachten: Die Anzahl der Intellesen
hat im Laufe der letzten Jahrtausende rasant zugenommen. Damit korreliert der technologi-
sche Fortschritt, der im weiteren Verlauf der Arbeit noch genauer untersucht werden soll.
Wichtig für diese Art der Intelligenzexplosion ist die Kommunikation der verschiedenen Intel-
lesen: Da die einzelnen Intellesen sich in Qualität nicht oder nur kaum unterscheiden, kann
nur durch Kommunikation zwischen den Intellesen eine Steigerung der Intelligenz erreicht
werden.
Wenn davon auszugehen ist, dass alle Intellesen selbst neue Intellesen erschaffen ist die
Quantität der Intelligenz proportional zur Anzahl der Intellesen. Dies legt die Annahme eines
exponentiellen Wachstums nahe:
   
Mit als Quantität der Intelligenz in Abhängigkeit von der Zeit. entspricht der Quan-
tität zum Zeitpunkt   . Außerdem gilt für den Wachstumsfaktor 
    

Die Geschwindigkeit 
ergibt sich damit zu:
   
Dieses Wachstum gilt zunächst nur für kleine , da ein Grenzverhalten für große in Betracht
gezogen werden sollte.
Die Kinetik von Intelligenzexplosionen Hans Lietz
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3.1.2 Geschwindigkeit
Die Frage nach der Geschwindigkeit ist bei dieser Art der Explosion nicht unabhängig von der
Art der Intellesen, denn sie korreliert mit der Art und Dauer der Fortpflanzung derselben.
Bei Menschen kann, im sehr günstigen und technologisch optimierten
1
Fall, pro vorhandenem
Mensch ungefähr ein neuer Mensch pro Jahr geboren werden. Dann dauert es, auch unter
Berücksichtigung möglicher technologischer Hilfsmittel, wenigstens einige Jahre, bis dieser
neue Mensch selbst Teil des forschenden und entwickelnden Netzwerkes wird.
Im Gegenteil dazu ist es vorstellbar, dass künstliche Intelligenzen im Bestfall jeweils eine große
Zahl weiterer künstlicher Intelligenzen erzeugen können. Da bei solchen KIs vermutlich keine
Entwicklung stattfinden muss, wie sie bei biologischen Organismen zu finden ist, wären neue
KIs mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort, oder wenigstens bereits nach kurzer Zeit Teil des
Netzwerkes. Der Anstieg der Quantität bei künstlichen Intelligenzen wäre im Vergleich zum
Anstieg bei Menschen also deutlich steiler. Ein solcher Anstieg erklärt die Wortwahl Explosion
erst richtig, denn in einem für den Menschen subjektiv sehr kurz wahrgenommenen Zeitraum
würden sehr viele künstliche Intelligenzen, und damit ein sehr komplexes System von Intelle-
sen entstehen.
3.1.3 Grenzverhalten
Wie bereits festgestellt wurde, ist die Quantität der Intelligenz direkt proportional zur Zahl der
Intellesen, für Menschen also proportional zur Bevölkerungszahl. Damit ist die Geschwindig-
keit einer Quantitätsexplosion aber ebenfalls proportional zur Änderung der Bevölkerungs-
zahl. Nach den Zahlen der UN (United Nations, 2015) hat sich die Bevölkerungszahl der Welt
seit 1950 (ca. 2,5 MRD) verdreifacht (auf ca. 7,5 MRD) und wird in den nächsten hundert Jah-
ren weiter ansteigen. Allerdings lässt sich ein bereits ein langsames Abflachen der möglichen
1
Vorstellbar ist sind routinemäßige künstliche Befruchtungen und nicht-biologische Aufzucht in Stationen. Na-
türlich stellen sich hier viele moralische Fragen, allerdings soll in diesem Szenario bloß untersucht werden, wie
die Geschwindigkeit einer menschlichen Quantitätsexplosion maximal aussehen könnten.
Die Kinetik von Intelligenzexplosionen Hans Lietz
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Bevölkerungszahl beobachten (siehe Abbildung 1), ein Indiz, welches auf eine mögliche Sätti-
gung der Bevölkerungszahl der Welt schließen lässt. Damit wäre auch eine Obergrenze der
Quantität gegeben.
Abbildung 1: Gesamtbevölkerung der Welt nach einer Schätzung der UN.
(United Nations, Department of Economics and Social Affairs, Population Division (2015).
World Population Prospects: The 2015 Revision. http://esa.un/unpd/wpp/)
Ressourcengrenze
Die Obergrenze einer solchen Explosion ist unter anderem durch vorhandene Ressourcen de-
finiert: Allerdings sind die Ressourcen, verlässt man die planetarische Betrachtung, unbe-
grenzt. Hier ist die entscheidende Frage letztlich, ob die kollektive Intelligenz aller auf der Erde
möglichen Intellesen ausreicht, um Ressourcen außerhalb unseres Planeten zu nutzen. Diese
Frage kann nicht ohne Weiteres beantwortet werden, daher soll sie für die weiteren Betrach-
tungen der Einfachheit halber als verneint betrachtet werden. Es werden also nur die Ressour-
cen der Erde betrachtet.
Abhängig von der expliziten Art der Intellesen ergeben sich verschiedene maximal mögliche
Quantitäten. Menschen benötigen im direkten Vergleich mit künstlichen Intelligenzen deut-
lich mehr Platz und Ressourcen: Die menschliche Energieversorgung geht einen ineffektiven
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Umweg über Nahrungsanbau und -einnahme, die bei KIs vermutlich so nicht nötig sein wird.
Diese benötigen, wenn sie Ähnlichkeiten mit aktueller Technologie haben, direkt elektrische
Energie, die deutlich effektiver als menschliche Nahrung gewonnen werden kann, z. B. über
Sonnenkollektoren, Kern- oder Fusionskraftwerke. Allein deswegen schon ist die Zahl mögli-
cher KIs unverkennbar größer als die, möglicher Menschen.
Eine Sättigung der Quantität ist für große t also plausibel. Je nach Art und Beschaffenheit der
Intellesen können Sättigung und Geschwindigkeit der Explosion allerdings stark variieren.
Physikalische Grenzen
Auch gibt es physikalische Probleme: Je mehr Intellesen es gibt, desto länger werden die Kom-
munikationswege und desto verzögerter wird die Kommunikation. Spätestens wenn die Kom-
munikationsdauer größer ist als die Lebenszeit eines Intellesen wäre ein Fortschritt nicht mehr
möglich.
Da bei einem solchen Modell die Kommunikationszeit eine wesentliche Rolle für die Ober-
grenze spielt, ist davon auszugehen, dass Intellesen mit schnellen Verarbeitungs- und Kom-
munikationstechniken (z. B. elektrisch, optisch) deutlich komplexere funktionsfähige Gemein-
schaften bilden können, als solche mit langsameren (z. B. biologisch, akustisch). Konkret be-
deutet dies: Ein System künstlicher Intelligenzen könnte eine höhere Quantität erreichen als
ein System menschlicher Intelligenzen, schlicht wegen der benötigten Kommunikationszeiten.
Bei elektrischen Systemen sind diese nahe der Lichtgeschwindigkeit, bei menschlichen weit
darunter.
Komplexität
Es bleibt noch ein weiteres, sehr fundamentales Problem, das letztlich eine Obergrenze zeich-
nen könnten: Kann ein Netzwerk aus Intellesen beliebig kompliziert werden, oder gibt es eine
Art höchster Komplexität für ein solches Netzwerk?
Ein Netzwerk, wie es hier beschrieben wird, funktioniert im Wesentlichen über die Kommuni-
kation der einzelnen Individuen. Im Folgenden soll kurz das Kommunikationsmodell (Sender-
Empfänger-Modell) von Carl Friedrich Graumann erläutert und im Zusammenhang mit der
Ausgangsfragestellung nach einer möglichen Maximalgröße von Kommunikation in Netzwer-
ken diskutiert werden.
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Das Modell hat seinen Ursprung in den Ingenieurswissenschaften gefunden (Nerdinger,
Blickle, & Schaper, 2014, S. 60) und beschreibt Kommunikation als den Austausch objektiv
messbarer Informationen beschreibt (Ebd.), der wie folgt abläuft:
Der Sender enkodiert eine Nachricht, diese wird über einen störanfälligen Kommunikations-
kanal dem Empfänger zur Dekodierung weitergereicht, der dem Sender wiederum eine Rück-
meldung gibt. (Ebd.)
Probleme in der Kommunikation sind also auf Schwierigkeiten in der En- oder Dekodierung,
oder auf Störungen im Kommunikationskanal zurückzuführen. Fehler bei der Kommunikation
sind dementsprechend möglich. Mit jeder weiteren Kommunikation vervielfachen sich diese
Fehler, bis sie die Ausgangsinformation schließlich völlig verfälschen (Stille-Post-Prinzip). Es
gibt demnach eine gewisse Anzahl an Kommunikationsiterationen, nach denen die Ursprungs-
information unwiederbringlich verloren ist. Diese markiert die maximale mögliche Größe ei-
nes Kommunikationsnetzwerkes, in dem Informationen nicht verloren gehen. Abhängig von
der Art der Kodierung und der gewählten Kommunikationskanäle variiert die maximale Größe,
aber als Obergrenze verschwindet sie nicht.
Die menschliche Kommunikation hat zahlreiche verschiedene Kodierungen und Kommunika-
tionskanäle, die durch eine noch größere Zahl an Störquellen gestört werden können. Im Ge-
gensatz dazu kann eine KI eine deutlich präzisere und redundante Sprache verwenden, die
auch bei Informationsverlust nach zahlreichen Iterationen des Kommunikationsprozesses
die weitergegebenen Informationen noch wiederherstellen kann. Auch hier gibt es eine
größte Zahl an möglichen Iterationen und somit eine Maximalgröße des Kommunikationsnetz-
werkes, dieses ist im Vergleich zum größtmöglichen menschlichen Kommunikationsnetzwerk
allerdings wesentlich komplexer.
Ein System vieler künstlicher Intelligenzen, die eine Intelligenzqualität auf menschlichem Ni-
veau besitzen, könnte also deutlich komplexere Gemeinschaften bilden, als ein menschliches.
3.1.4 Kritik
Es wurde stillschweigend vorausgesetzt, dass jedes erschaffene Intellesen zu einer Gesamtin-
telligenz, die Quantität genannt wurde, beiträgt. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig der Fall
sein. Bei Betrachtung der menschlichen Bevölkerung wird klar, dass die Motivation einzelner
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Individuen ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist: Keineswegs arbeitet die gesamte
Menschheit gemeinschaftlich an technologischem (oder anderem) Fortschritt. Oft vertreten
die Individuen unterschiedliche Ansichten und Interessen, ebenso finden einige, gleiche Ent-
wicklungen parallel und unabhängig voneinander statt. Das gezeichnete Bild einer Weltge-
meinschaft, die kooperativ intellektuelle Leistungen vollbringt, ist also höchst fragwürdig.
Dennoch bleibt hier festzustellen, dass keineswegs die aktuelle globale Situation dargestellt
werden sollte, sondern vielmehr ein utopisches Szenario, mit dem bestmöglichen Fall von ko-
operativer Intelligenz. Da die tatsächliche Welt aber weit von diesem Szenario entfernt ist,
wird die tatsächliche Entwicklung und Geschwindigkeit der Quantität deutlich unter dieser
theoretischen bestmöglichen Entwicklung liegen.
Anders wäre dies bei einer Quantitätsexplosion künstlicher Intelligenzen. Zwar ist davon aus-
zugehen, dass jeder KI im Erschaffen neuer KIs durch die reale Welt Grenzen
2
gesetzt sind,
dennoch würde die Anzahl der KIs die der Menschen schnell übersteigen.
3.2 Qualitätsexplosion
3.2.1 Art der Explosion
Bei der Qualitätsexplosion steigt nicht die Zahl der Intellesen, sondern die Qualität der Intelli-
genz eines Intellesen. Es ist denkbar, dass ein Intellesen durch Modifikationen seines eigenen
Wesens eine Qualitätssteigerung seiner Intelligenz erreichen könnte. Dieses nun intelligentere
Intellesen sollte wiederum dazu in der Lage sein, sein Wesen derart zu verändern, dass wie-
derrum die Qualität seiner Intelligenz steigt. Wird dies fortgeführt könnte dies zu Arten von
Intelligenz führen, die dem Menschen völlig unbegreiflich erscheinen und ihm weit überlegen
sind.
2
So spielt z. B. auch die Lokalisierung der KI eine Rolle: Gibt es in der Umgebung ausreichend Ressourcen und
Unterstützung für die Produktion weiterer KIs? Evtl. gibt es, abhängig von entsprechender menschlichen Umge-
bungsgesellschaft, unterschiedliche Hindernisse und Widerstände.
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3.2.2 Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit einer solchen Explosion kann nicht hinreichend theoretisch diskutiert
werden, da die Art und Weise, wie eine solche Explosion entstehen könnte, zurzeit noch un-
bekannt ist. Stattdessen kann aber auf andere Beispiele verwiesen werden, in denen eine Ent-
wicklung von Intelligenzqualität stattfindet oder stattgefunden hat. Evtl. bietet eine solche
Betrachtung Erkenntnisse für den allgemeinen Verlauf einer Qualitätsexplosion.
Evolution der Intelligenz
Die historische Evolution der Intelligenz kann als Beispiel dafür dienen: In der Geschichte des
Lebens auf der Erde ist die Qualität der vorhandenen Intelligenz bis zum heutigen Tag gestie-
gen. Angefangen mit den ersten primären Lebensformen, bei denen man die Skala der Intelli-
genzqualität evtl. auf null setzen kann, hat sich Intelligenz auf verschiedene Arten entwickelt
und dabei verschiedene Qualitäten gebildet. Welche Faktoren der biologischen Evolution da-
bei für das Ausbilden der verschiedenen Qualitäten führten ist umstritten, jedoch gilt die Ent-
wicklung gehirnähnlicher Strukturen als wissenschaftlicher Konsens für Intelligenz. Nach eini-
gen Theorien ist der Neokortex für die „geistigen menschlichen Fähigkeiten“ (Rakic, 2009) ver-
antwortlich. Die Evolution des Neokortexes ist ein äußert kompliziertes Thema, das hier nicht
ausführlich behandelt werden kann, jedoch ist festzustellen, dass der Neokortex des Men-
schen biologisch genauso einmalig ist, wie die menschlichen kognitiven Fähigkeiten. (Ebd.) Die
Entwicklung höherer Qualitäten von Intelligenz könnte also ähnlich der Evolution des Neokor-
texes verlaufen. Hierbei interessiert uns vor allem die Geschwindigkeit der Entwicklung: Evo-
lution ist ein äußerst langsamer Prozess, der viele Generationen erfordert und auf zufälligen
Mutationen beruht. Diese Evolution ist ungesteuert, ein Szenario, das bei einer Intelligenzex-
plosion vermutlich anders aussieht. Zur möglichen Geschwindigkeit einer Qualitätsexplosion
bleibt also zu sagen, dass sie vermutlich schneller laufen würde als die natürliche Evolution
eine unbefriedigende Erkenntnis.
Entwicklung eines Menschen
Ein anderes Beispiel für eine Steigerung von Intelligenzqualität wäre die Entwicklung eines
Menschen. Von der Empfängnis bis zum Tod durchläuft der Mensch diverse Stadien, von de-
nen die meisten in Bezug auf die Qualität der vorhandenen Intelligenz unterschiedlich katego-
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risiert werden könnten. Ein erwachsener Mensch verfügt über eine höhere Qualität von Intel-
ligenz als ein Embryo diese Aussage scheint offensichtlich wahr zu sein. Die Qualität der
Intelligenz eines Säuglings ist weit über der eines Embryos hier hat die Entwicklung nur we-
nige Monate gedauert. Die Intelligenzqualität eines Erwachsenen ist wiederum höher als die
eines Säuglings eine Entwicklung in nur wenigen Jahren. Die Entwicklung der Intelligenzqua-
lität der Menschen erfolgt also zunächst sehr schnell, bis sie sich schließlich einer durchschnitt-
lichen menschlichen Intelligenzqualität nähert. Die Entwicklung des Menschen ist allerdings
ein derart umfangreiches Thema, dass es hier unmöglich zufriedenstellend aufgearbeitet wer-
den kann.
Eine Qualitätsexplosion könnte dementsprechend einen ähnlichen Verlauf haben: Ein schnel-
ler Anstieg am Anfang und eine Sättigung für einen ggf. gegebenen Grenzwert. Dieser Anstieg
erinnert an das exponentielle Wachstum der Quantitätsexplosion.
Zu diesen Beispielen muss aber angemerkt werden, dass sie sich nur bedingt auf das Szenario
einer Qualitätsexplosion übertragen lassen: Evolution erfolgt ungesteuert, eine Qualitätsex-
plosion dagegen würde vermutlich gezielt gelenkt. Die Entwicklung des menschlichen Hirns
dagegen folgt einem vorgegebenen Bauplan, der DNS. Eine Qualitätsexplosion gleicht eher der
Suche nach und der Verbesserung von einem solchen Bauplan. Über die Geschwindigkeit der
Qualitätsexplosion kann hier also keine endgültige Aussage getroffen werden.
3.2.3 Grenzverhalten
Die Frage nach einer Obergrenze ist für die Qualitätsexplosion ebenso schwer zu beantworten,
da die so entstehende Intelligenz völlig außerhalb des menschlichen Verständnisses liegt. Es
ist unklar, ob es überhaupt eine Obergrenze für die Qualität von Intelligenz gibt oder geben
kann. Auch hier kann die Intelligenz an physikalische Grenzen stoßen, wenn die Qualität der
Intelligenz abhängig von der Art, Menge, Größe oder Komplexität der Hardware ist. Es ist je-
doch davon auszugehen, dass diese Grenze weit außerhalb der menschlichen Qualität von In-
telligenz liegt diese markiert lediglich den unteren Rand derjenigen Intelligenz, die nötig war,
eine Zivilisation zu entwickeln.
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3.3 Geschwindigkeitsexplosion
3.3.1 Art der Explosion
Statt Qualität und Quantität zu erhöhen, könnte ebenfalls die Geschwindigkeit durch neue
Materialien, Strukturen oder effizientere Verfahren gesteigert werden. Dies ist z. B. in der
Computertechnologie seit ihrer Entwicklung zu beobachten: Es können immer mehr Rechen-
operationen pro Sekunde ausgeführt werden, ohne, dass sich dabei die Qualität der einzelnen
Operationen verändert. Auch dies kommt einer Steigerung der Intelligenz gleich, denn im glei-
chen Zeitraum wäre ein solches, schnelles, Intellesen dazu in der Lage, mehr intelligente Leis-
tungen zu vollbringen, als ein langsameres aber sonst gleichwertiges Intellesen. Ähnlich der
Qualitätsexplosion müsste hier das Intellesen sein Wesen selbst modifizieren, um an Ge-
schwindigkeit zu gewinnen.
3.3.2 Geschwindigkeit
Alle zurzeit auf der Erde vorhandenen künstlichen Intelligenzen sind aus Computerchips auf-
gebaut. Daher ist es sinnvoll, sich die Entwicklung und Grenzen dieser Technik zu betrachten.
Abbildung 2: Die Leistung von Computern in Abhängigkeit von der Zeit.
(Bostrom & Strasser, Superintelligenz: Szenarien einer kommenden Revolution, 2014)
Computerchips sind im Laufe der Jahre nicht nur billiger, sondern auch kleiner und schneller
geworden. In den 1970er Jahren sagte Gordon Moore voraus, dass sich mit jeder neuen Chip-
generation die Speicherkapazität verdoppeln wird. (Bibliographisches Institut & F. A.
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Brockhaus AG, 2003) Diese Voraussage stimmt bis heute, die Zahl der Transistoren auf einem
Chip stieg von unter 100 in 1970 auf über eine Milliarde im Jahr 2011 an (ITWissen, 2016).
Dies lässt sich direkt auf die Geschwindigkeit von Computern übertragen, wie in Abbildung 2
dargestellt ist. Der Anstieg wäre demnach exponentiell.
3.3.3 Grenzverhalten
Die Geschwindigkeit von Datenverarbeitung hat physikalische Grenzen, die hier kurz erläutert
werden.
Bremermann-Grenze
Diese Obergrenze ist bekannt als Bremermann-Grenze, die die höchste mögliche Geschwin-
digkeit eines datenverarbeitenden Prozesses beschreibt. Sie ergibt sich aus den Postulaten der
Quantenmechanik und der Relativitätstheorie, Bremermann vermutete:
No data processing system whether artificial or living can process more than (2x1047) bits per sec-
ond per gram of its mass. (Bremermann, 1962)
Die genaue mathematische Herleitung ist für unsere Zwecke uninteressant, genau wie der
konkrete Wert keine große Bedeutung für diese Diskussion hat. Bemerkenswert ist allein
schon die Tatsache, dass es überhaupt einen konkreten Grenzwert gibt. Intellektuelle Tätig-
keiten sind augenscheinlich abhängig von den physikalischen Grenzen einer Datenverarbei-
tung, von daher ist mit der Bremermann-Grenze ein konkreter Grenzwert für die Geschwin-
digkeit von Intelligenz gefunden. Dies setzt natürlich die Geltung der für die Bremermann-
Grenze vorausgesetzten Theorien voraus, die an sich jedoch jederzeit korrigiert oder ergänzt
werden könnten.
3
Die Grenze ist abhängig von der Masse des Systems. Die Anzahl an maxi-
malen Informationsverarbeitungen pro Sekunde kann also durch eine Erhöhung der Masse
erreicht werden. Mit den gesamten Ressourcen der Erde
4
und der von Brennemann ange-
3
Auch wenn die Quantenmechanik schon einhundert Jahre alt ist, so ist sie doch eine junge Theorie, die noch
einige wichtige Fragen offenlässt. Das ist allerdings ein ganz eigenes, sehr umfangreiches Thema.
4
Da Masse nach Einstein äquivalent zu Energie ist, soll sie hier als Ressource betrachtet werden. Somit ist die
Summe aller Ressourcen der Erde gerade die Gesamtmasse der Erde: ca.    (F.A. Brockhaus, 2005)
Die Kinetik von Intelligenzexplosionen Hans Lietz
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nommenen Höchstgeschwindigkeit ergäbe sich so eine auf der Erde maximal mögliche Infor-
mationsverarbeitungsgeschwindigkeit von    
. Zum Vergleich: Die Anzahl der im
sichtbaren Universum vorhandenen Atome wird auf ca.  geschätzt (Wolfram|Alpha,
2017).
Informationen können, zumindest sollte unser aktuelles physikalisches Grundverständnis kor-
rekt sein, nicht und unter keinen Umständen schneller als mit der Geschwindigkeit von Licht
transportiert werden. Da es bereits heute Computer gibt, die mit ähnlichen Geschwindigkei-
ten operieren, kann in der Datenübertragung kein großer Geschwindigkeitsfortschritt erwar-
tet werden. Vielversprechend sind lediglich effektivere Verfahren zur Komprimierung von In-
formationen, die ggf. von einem schnellen Intellesen entwickelt werden könnten. Damit wäre
es dann möglich, mehr Informationen pro Sekunde zu transportieren.
Lichtgeschwindigkeit
Die Lichtgeschwindigkeit ergibt aber auch eine zweite physikalische Maximalgröße, die die
Größe eines solchen Computersystems begrenzt: Sollte die Zeit, die eine Information von ei-
nem Ende des verarbeitenden Systems zum anderen zu lang werden, würde dies ein effektives
Arbeiten verhindern. Bei der Erde wären dies etwas mehr als ,
5
das entspricht zufälli-
gerweise etwa der Dauer, die ein Nervenimpuls benötigt, um etwa die Länge eines durch-
schnittlichen Menschen zu reisen. Von daher ist an dieser Stelle wohl kein Problem für die
Annahme einer solchen Megastruktur zu erwarten.
Es bleibt für das Grenzverhalten einer Geschwindigkeitsexplosion also festzuhalten, dass phy-
sikalische Gesetze die Annahme einer Obergrenze der möglichen Geschwindigkeit von Intelli-
genz erfordern. Diese wird vor allem bedingt durch die Bremermann-Grenze.
5
Bei einem Radius von 6371km (F.A. Brockhaus, 2005) und einer Lichtgeschwindigkeit von ca. 300.000 km/s.
Schluss Hans Lietz
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3.3.4 Kritik
Wie auch in den Modellen zuvor wird hier lediglich das schnellstmögliche Szenario beschrie-
ben. Die Vorstellung einer Erde, die komplett zu einem Computer umgebaut wurde, ist realis-
tisch kaum haltbar
6
die wahre maximale Geschwindigkeit wird also auch hier weit unter der
oben postulierten liegen.
Das eigentliche Problem dieser Art der Intelligenzexplosion ist allerdings die Replikation: Allein
ein Fortschritt in der nutzbaren Rechenleistung genügt nicht, um eine Explosion dieser herbei-
zuführen. Dafür ist immer eine entwickelnde Kraft nötig, die die Rechenleistung einsetzt zum
heutigen Zeitpunkt ist das der Mensch.
3.4 Konstellationen
Chalmers stellte bereits fest, dass Intelligenz- und Geschwindigkeitsexplosion „logisch unab-
hängig voneinander sind“. (Chalmers, 2011, S. 2) Gleiches gilt für Qualität und Quantität, au-
ßerdem für Quantität und Geschwindigkeit. All diese Explosionen können unabhängig vonei-
nander zeitgleich und in verschiedenen Konstellationen auftreten. Zwar ist es denkbar, dass
verschiedene so entstehende Intellesen sich gegenseitig beeinflussen und ggf. sogar Entwick-
lungen verhindern oder verstärken, allerdings würden solche gegenseitige Beeinflussungen
ebenfalls unter den oben genannten Begriff der Störer fallen, die hier nicht genauer betrachtet
werden sollen, zumal ein solches Szenario viele Spekulationen benötigt und wenig philosophi-
sche Erkenntnis birgt.
4 Schluss
Die Geschwindigkeit von Intelligenzexplosionen ist ein Thema, zu dem viel spekuliert werden
kann. Eines hat die Diskussion aber eindeutig gezeigt: Die verschiedenen Szenarien der Intel-
ligenzexplosion haben eine Gemeinsamkeit Menschliche Intelligenz würde auf lange Sicht
immer der künstlichen Intelligenz unterliegen. Eine Intelligenzexplosion, sollte sie erst einmal
6
Allerdings gibt es durchaus ernstzunehmende Szenarien aus verwandten philosophischen Problemen, wie z. B.
das des Gray Goo, bei dem selbstreplizierende Nanoboter letztlich alle Materie verschlingen und so aus der
Erde einen großen grauen Klumpen aus Nanobotern machen.
Abbildungsverzeichnis Hans Lietz
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in Gang gebracht worden sein, wird vermutlich sehr schnell ablaufen und das Ende einer sol-
chen Explosion hätte Intellesen zur Folge, die deutlich leistungsfähiger wären, als die aktuelle
menschliche Intelligenz. Welche Folgen eine solche Explosion für die Menschheit haben
könnte ist ebenso Teil vieler Diskussionen, z. B. von Stanislaw Lem in Die Technologiefalle oder
von Nick Bostrom in Superintelligenz: Szenarien einer kommenden Revolution. Die möglichen
Folgen sind zwar überwiegend aber nicht zwangsläufig negativ zu bewerten.
Insofern ist eine zeitige Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten zur Kontrolle, Beeinflus-
sung und ggf. Verhinderung solcher Singularitäten nicht nur sinnvoll, sondern dringend nötig.
Das Problem ist als das Kontroll-Problem bekannt. Die große Schwierigkeit besteht darin, dass
die Entwicklung einer Superintelligenz, die schließlich Auslöser für solch eine Singularität sein
könnte, einfacher ist, als die Entwicklung einer solchen Superintelligenz und die gleichzeitige
Implementierung etwaiger Schutz- und Kontrollmechanismen. (Harris, 2016)
Dennoch bleibt abschließend zu sagen, dass der aktuelle Stand der Forschung von solch einem
Szenario noch weit entfernt ist. Auch wenn neuronale Netzwerke und machine learning die
Computertechnologie revolutionieren und bereits jetzt beeindruckende Ergebnisse vorwei-
sen, handelt es sich dabei noch nicht um solche Intelligenzen, wie sie Intelligenzexplosionen
auslösen könnten. Uns bleibt also noch ein wenig Zeit, das Kontroll-Problem zu lösen.
5 Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Gesamtbevölkerung der Welt nach einer Schätzung der UN. (United Nations,
Department of Economics and Social Affairs, Population Division (2015). World Population
Prospects: The 2015 Revision. http://esa.un/unpd/wpp/)
Abbildung 2: Die Leistung von Computern in Abhängigkeit von der Zeit. (Bostrom &
Strasser, Superintelligenz: Szenarien einer kommenden Revolution, 2014)
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e+universe
Selbstständigkeitserklärung Hans Lietz
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7 Selbstständigkeitserklärung
Hiermit versichere ich,
Lietz, Hans, 2258033,
(Name, Vorname) (Matrikel-Nr.)
dass ich diese Hausarbeit mit dem Thema:
Die mögliche Geschwindigkeit einer Intelligenzexplosion
Selbstständig verfasst habe und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel
benutzt wurden, sowie Zitate kenntlich gemacht habe.
ResearchGate has not been able to resolve any citations for this publication.
Book
Die Arbeits- und Organisationspsychologie beschäftigt sich mit dem Menschen im Kontext von Wirtschaft, Arbeitstätigkeit und Organisationen. Wovon hängt es ab, ob jemand zufrieden mit seiner Arbeit ist? Welche Prozesse finden bei Fusionen und Unternehmensübernahmen statt? Wie funktioniert Personalentwicklung? Was ist organisationale Sozialisation"? Drei ausgewiesene Experten der AO-Psychologie beantworten diese Fragen fundiert und anschaulich. So gelingt der Einstieg das Fachgebiet: Abgedeckt werden die großen Bereiche Organisation, Personal und Arbeit. Neben den Grundlagen steht dabei vor allem der Praxisbezug im Vordergrund. Die Kapitel sind didaktisch optimal für Lernen und Prüfungsvorbereitung aufbereitet. Mit Glossar der wichtigsten Fachbegriffe. Macht nicht nur Arbeit, sondern Spaß!
Article
During the 1920's intelligence tests came in for violent criticism. The myth of the "child mind" of the American adult, fostered by an uncritical view of the Army test data, was ridiculed; critics, notably Walter Lippmann, lambasted psychologists for pretending to test what they could not even define. This paper was an attempt to communicate to a popular audience what the psychologist was doing and what a score on an intelligence test meant. (PsycINFO Database Record (c) 2012 APA, all rights reserved)
Die Technologiefalle (1. deutsche Auflage Ausg
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