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Zur Gestaltpsychologie menschlicher Werte

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Wissenschaft wurzelt im Willen zur Wahrheit. Sie steht und fällt mit dem Willen zur Wahrheit. Sinkt irgend das Anspruchsniveau in dieser Hinsicht, so erkrankt die Wissenschaft in ihrem Innersten. Nicht nur die Wissenschaft, sondern der Mensch. Der Wille zu reiner, ernster, saubrer Wahrhaftigkeit gehört zu den innersten Bedingungen seiner Existenz; verwischt sich das Anspruchsniveau in dieser Hinsicht, so wird er leicht ein Zerrbild seiner selbst.
Die alte Vorstellung vom homo sapiens impliziert, daß einige Fähigkeiten, einige Begabungen für den Menschen wichtig (wenn auch nicht immer tatsächlich verwirklicht) sind. Dazu gehören: die Fähigkeit und die Tendenz zu verstehen, Einsicht zu erlangen; ein Gespür für Wahrheit, für Gerechtigkeit, für Gut und Böse, für Ehrlichkeit. Mit der Verwirklichung dieser Fähigkeiten verknüpft ist die alte Vorstellung von Menschenwürde als einer inneren Aufgabe des Menschen. Man ist nur dann wirklich ein Mensch, wenn ..., wir haben nur dann eine wirklich humane Gesellschaft, wenn ...
Versucht man, wissenschaftlich zu erklären, was Demokratie bedeutet, ist man mit folgender Situation konfrontiert: Einerseits scheint schlichte Übereinstimmung darüber zu bestehen, was mit Demokratie gemeint ist, über die gängigen Defmitionen, zu denen etwa Charakteristika gehören wie „Herrschaft des Volkes“, „Mehrheitsrecht“, „Redefreiheit“ usw. usw. Andererseits, wenn wir näher hinschauen, wenn wir der Art und Weise folgen, in der verschiedene Menschen sich mit bestimmten Problemen der Demokratie auseinandersetzen, dem Trend, der Richtung von Auffassungen und Argumenten in aktuellen politischen Situationen, bei juristischen Entscheidungsprozessen und in wissenschaftlichen Diskussionen, dann scheint es da doch große Unterschiede zu geben, die oft an den innersten Kern der Sache rühren.
Ich werde berichten, was im Verlauf dreier Tage einem braven Mann widerfuhr, der sich angesichts der Weltlage nach einer Klarstellung der Grundlagen von Freiheit sehnte.
Wolfgang Köhler (1944) hat einmal geschrieben, Max Wertheimer sei ein „Seher“ gewesen. Er schaute und er sah. Wertheimers Vorstellungskraft hat während der vergangenen drei Viertel unseres Jahrhunderts viele in ihren Bann gezogen und tut dies auch heute noch, obwohl er schon vor mehr als viereinhalb Jahrzehnten gestorben ist.
In seinen in diesem Buch vereinten Arbeiten schildert Wertheimer eine Fülle von Beispielen „wissenschaftlicher“ Oberflächlichkeiten, Kurzschlüssigkeiten und Fehlgriffe. Für die „Geschichte dreier Tage“ über Freiheit verwendet er das Mittel der Personifizierung, um sowohl das Verständnis von Wissenschaft, um das es ihm geht, als auch verbreitete Auffassungen von Wissenschaft im allgemeinen und vom Begriff der Freiheit im besonderen zu veranschaulichen. Die zwei typischen Vertreter der Wissenschaft, die der brave Mann in Wertheimers „Geschichte“ aufsucht, ein Soziologe und ein Philosoph, sind keineswegs unsymphatisch. Sie sind nur oberflächlich, Protagonisten eines Wissenschaftsverständnisses, demzufolge persönliche Überzeugung, Leidenschaft und Gefühl lediglich Privatangelegenheiten ohne Belang für wissenschaftliches Handeln sind, und das so der Verwechslung von Sachlichkeit mit der Pose kenntnisreicher Unberührtheit (vielleicht wäre “Ignoranz” hier sogar das treffendere Wort) Vorschub leistet.
... Nach Auffassung der GTP enthält jede Situation bestimmte Forderungen an den Menschen, die er grundsätzlich erkennen und denen er entsprechen kann, wenn er sich dafür empfänglich macht und wenn er die Bereitschaft -und den oft auch notwendigen Mutaufbringt, der Gefordertheit der Lage zu entsprechen (vgl. Wertheimer, 1991;Galli, 1999). ...
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Der Beitrag stellt die Gestalttheoretische Psychotherapie in ihren theoretischen und praktischen Grundkonzepten vor.
... Was Recht oder Unrecht ist, kann sich dem Menschen auch aus der unmittelbaren Wahrnehmung und dem Erleben der Struktur und Dynamik der jeweils vorgefundenen Situation ergeben, deren Teil er auch selbst ist(vgl . dazu etwa Schlicht 2001;Wertheimer 1991) . Wenn eine Therapeutin ihrer Klientin in deren schwieriger Lage mit menschlicher Wärme, Mitgefühl und Respekt begegnet, wird das in der Regel eben nicht Folge dessen sein, dass ihr das jemand vorgeschrieben hat, sondern ergibt sich aus der unmittelbaren Begegnung und Wahrnehmung der konkreten Situation mit ihrer spezifischen Struktur und Ordnung und den sich daraus ergebenden Forderungen und der eigenen Bereitschaft und Fähigkeit der Psychotherapeutin, diesen Forderungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu entsprechen . ...
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„Konsumentenschutz“ in der Psychotherapie ist ein allseits wenig geliebtes Thema. Der Gesetzgeber, vor allem aber die staatliche Verwaltung wird ungern daran erinnert, dass sie für die Rahmenbedingungen des psychotherapeutischen Feldes verantwortlich sind. Die Psychotherapeutinnen haben ihre eigenen Vorbehalte. Die Krankenkassen haben eher den Schutz ihrer notorisch leidenden Finanzen im Auge, was sie selbst wiederum als Schutz der Interessen ihrer Versicherten verstehen. Der psychotherapiebedürftige Mensch tritt in dieses Feld nicht als Konsument, als Verbraucher, als Kunde, auch wenn es Aspekte dieser Varianten durchaus gibt, sondern als Patient. „Konsumentenschutz“ im Feld der Psychotherapie ist daher in erster Linie Patientenschutz. Der Psychotherapiebedürftige, der in Psychotherapie befindliche Mensch ist leidend und hat es daher noch schwerer, seine Rechte und Ansprüche geltend zu machen, als der Käufer eines beliebigen Konsumprodukts. Verständliche Skepsis ist in der Berufsgruppe der Psychotherapeutinnen zu verspüren, wenn von Konsumentenschutz oder Verbraucherschutz in der Psychotherapie die Rede ist. Erstens widerspricht es dem Selbstverständnis, dass es hier etwas zu „konsumieren“ oder zu „verbrauchen“ gäbe. Zweitens bereitet die Vorstellung Unbehagen, dass man es möglicherweise selbst sein könnte, vor dem der Patient zu schützen wäre. Drittens wird es als störend empfunden, dass rechtliche Erwägungen in einen Raum dringen, in dem doch nur vertrauensvolle Zuwendung und kompetente Hilfeleistung den Ton angeben sollten. (Letzteres war etwa auch stark zu spüren bei der Einführung schriftlicher Ausbildungsverträge für das Ausbildungsverhältnis.) Diese Skepsis wird zudem dadurch gefördert, dass der Psychotherapeutin die Patientenrechte in erster Linie in der Form von Berufspflichten begegnen und diese auch immer weiter ausgefeilt werden. Der Blick auf den Patienten als potenziellen Prozessgegner und der durch diesen Gedanken ausgelöste Schutzreflex tun das ihre. Dazu kommt das nicht ganz unberechtigte Unbehagen gegenüber dem Anspruch der Krankenkassen, diese wären die eigentlich berufenen Konsumentenschützer in diesem Bereich, müssten sie doch die Versichertengelder vor dem ungerechtfertigten Zugriff der Psychotherapeutinnen schützen. In der psychotherapeutischen Berufsgruppe werden die rechtlichen Aspekte der Psychotherapie daher jedenfalls oft als eigentlich sachfremd, von außen auferlegt und mit dem Wesen der Psychotherapie irgendwie schwer vereinbar angesehen und entsprechend distanziert behandelt. Mein Anliegen in diesem Beitrag ist es, dazu eine Gegenposition zu beziehen: Recht und Psychotherapie sind einander nach meiner Auffassung nicht zwangsläufig fremd, sondern im Gegenteil: Psychotherapie hat von vornherein und in ihren Kernbereichen mit der Frage zu tun, was der Patientin, was der psychotherapeutischen Situation, und auch was dem Psychotherapeuten ge-recht wird, und diese Fragestellung verbindet sie mit dem Recht.
... Sinn und Werte waren bekanntlich für den Ganzheitstheoretiker Spranger die zentralen Begriffe (Plaum, 1988b). Außerdem haben die Gestalttheoretiker Köhler (1968) und Wertheimer (1991) ausführliche Abhandlungen zu dieser Thematik vorgelegt. Werte spielen auch bei Vertretern der (zweiten) Leipziger Schule eine entscheidende Rolle (siehe Krueger, 1953;Krueger & Sander, 1928;Wellek, 1950Wellek, , 1953. ...
... Nach Auffassung der GTP enthält jede Situation bestimmte Forderungen an den Menschen, die er grundsätzlich erkennen und denen er entsprechen kann, wenn er sich dafür empfänglich macht und wenn er die Bereitschaft -und den oft auch notwendigen Mut -aufbringt, der Gefordertheit der Lage zu entsprechen (vgl. Wertheimer, 1991;Galli, 1999). ...
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Der Beitrag legt den Fokus darauf, (neue) Lernaufgaben aus (vorliegenden) Testaufgaben zu entwickeln. Es wird geklärt, welchen Gewinn eine solche Entwicklung bringt und warum eine Analyse von Testaufgaben nützlich sein kann, um bewusst verschiedene Aufgabenmerkmale zu variieren und so einzelne bzw. aufeinander abgestimmte Bündel von Lernaufgaben zu entwickeln. Schlussendlich folgen konkrete Überlegungen und Beispiele aus den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik.
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Landscape planning lacked an evidence-based method for the reflection of planning models on the imaginary level in order to present the image content and the relationships in the image as the basis for interpretation in a verifiable manner. The contribution is based on the thesis that the perceptual analysis according to Rudolf Arnheim can be translated into landscape planning. The case study, here an illustration with two plan sketches for urban and landscape development, is described and interpreted with the Gestalt theoretical perceptual analysis according to the criteria theme, theses, principle sketches and composition lines, interpretation, conclusion and Gestalt theoretical results. The analysed planning sketches have a low “reality level” and are part of the imaginary level. The theory of science contained therein can be understood by Gestalt theory as elementary theory of design. In the sketches, the living spaces and economic areas of the city are divided into the elements ‘settlement’ and ‘landscape’ and thereby undergo a revaluation of their significance. The replacement of figure (city) and ground (landscape) can be interpreted in terms of gestalt theory as a change of theme in the sketches as the greatest possible structural exchange. The results of the analysis are processed as research theses in the contextualisation of landscape planning and thus examined scientifically on the basis of circumstantial evidence against the reality of the living environments of the urban dwellers. The contribution proves that the perceptual analysis according to R. Arnheim is a suitable method in landscape planning for describing and interpreting graphic representations of planning models. Interdisciplinary cooperation is a contribution to the holistic treatment of a topic, because structuralist landscape planning has structural similarities with Gestalt theory and is committed to the dialogical principle. As a theory of organisation (development), Gestalt theory derives principles, structures, their relationships and qualities and is therefore suitable as a meta-theory of landscape planning to characterise the values and ethical bases in planning. This applies to all areas of the field of consciousness in landscape planning.
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Die Zukunft von Schule ist offen und gestaltbar. Um das Gelingen einer formativen Integration von Bildungsstandards1 in das Schulsystem in Verbindung mit einer fundierten Kompetenzorientierung im Unterricht zu ermöglichen, ist im Sinne von Roth (1971) ein „kritisches und kreatives Sozialverhalten aus eigener Einsicht“ (ebd., S. 478) unabdingbar, also das Hinterfragen von internalisierten Normen, Routinen, Prinzipien, Regeln und Standards, die hinter den sozialen Lehr-Lernkulturen stecken sowie eine konstruktive, produktive Auseinandersetzung mit Positionen, Strebungen und Rollen durch Positionen, Dynamiken, Strukturen und Funktionen. Erfolgreiche Reformen setzen voraus, dass die Grundprinzipien und Werte der Reform auf der Ebene der impliziten Grundannahmen, Vorstellungen und Überzeugungen als auch als „Spirit“ (Rolff , 2015, S. 55) im Sinne eines „Sensemaking“ (Weick, 1995, S. 1; Coburn, 2004, S. 213; Asbrand, 2015) als pädagogische Haltung verinnerlicht werden. Eine Verinnerlichung benötigt vielfältige Ansätze von Begleitung, vor allem, da sich pädagogische Haltungen und Menschenbilder in Begleitungskonzepten wiederfi nden lassen. Eine ganzheitliche Integration von Bildungsstandards in die Schulkultur und Praxis kann nur durch ein mehrperspektivisches Vorgehen und ein integratives Denken, Erleben und Erfahren erreicht werden. Jedes Vorgehen, jede Reform und jede Veränderung hat eine spezielle, eigene Biographie. Der Schwerpunkt des Beitrags liegt auf der Frage der Gelingensbedingungen und deren Beschreibung durch Konzepte und Modelle der Begleitung für eine möglichst erfolgreiche formative Integration von Bildungsstandards in den Unterricht und die Schule sowie die Arbeit mit Bildungsstandards als Refl exions- und Proflexionsinstrument für eine gelingende Schul- und Unterrichtsentwicklung als Arbeit im und am (Schul-)System. Der Beitrag versucht zunächst den Begriff der professionellen, pädagogischen Haltung als Ausgangspunkt für die Arbeit mit Bildungsstandards und die zentrale Wirkung von Haltung auf die Schulkultur zu klären. In einem nächsten Schritt und um die Genese der theoretischen Klärung von Begleitungskonzepten zu verdeutlichen, stellt der Beitrag das Modell der Feldtransformation vor, welches u. a. Erklärungs- und Handlungsmöglichkeiten zwischen den Polen Entwicklung und Stabilisierung aufzeigen kann und im Besonderen Möglichkeitsräume für das integrative Denken eröffnet. Durch die Theorie der System-Interaktionen lassen sich im Beitrag die wesentlichen Unterschiede von Herangehensweisen darlegen und die Th eorie erlaubt im Weiteren ein tieferes Verständnis für aktivierende und produktive Unterstützungsprozesse und von Begleitungskonzepten. Anschließend beschreibt der Beitrag die unterschiedlichen Formen von Begleitungen und die darin tief verwurzelten Haltungen als reichhaltiges Repertoire von Ideen, Visionen und Zielsetzungen. Diese Formen und Varianten von Begleitungskonzepten wirken im Sinne von vielfältigen Gelingensbedingungen auf die Integration von Bildungsstandards in das österreichische Schulsystem ein. Es wird durch den Beitrag ersichtlich, dass eine einseitige Begleitung von Reformen und Zielsetzungen, besonders aus der Perspektive des Modells der Feldtransformation sowie der Th eorie der System-Interaktionen, wenig Erfolgschancen eröffnet. Der Beitrag schließt mit ausgewählten Beispielen von Begleitungskonzepten für die Integration von Bildungsstandards und zeigt, dass ein Gelingen vielfältige Ansätze und ein Balancing von Konzepten benötigt. Keywords: Feldtransformation, Reflexion, Proflexion, Haltung, Mentoring, Begleitungskonzepte, Bildungsstandards, Kompetenzorientierung, Feedback, Rückmeldung
Conference Paper
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An der ästhetischen Erfahrung irritiert traditionell, dass der Effekt bekannt ist, nicht aber die Ursachen und der funktionale Mechanismus. Dies leistete Mystifikationen Vorschub, was zu diversen metaphysischen Kunst-Ästhetiken führte: Der Künstler als Schamane oder Magier. Dieser Beitrag möchte dagegen einen systemsemiotischen Ansatz für eine empirische Ästhetik vorstellen. Die aktive Rolle des Beobachters im Wirkungszusammenhang soll den Blinden Fleck erhellen, aufgrund dessen sich das Phantom eines passiven Rezipienten und „quasi-aktiver“ ästhetischer Objekte so hartnäckig halten konnte. Ausgehend von gestalttheoretischen Überlegungen wird Gestalt als implizite, algorithmische Codierung begriffen. Neuere empirische Ergebnisse der „Neuro-Ökonomie“ postulieren einen Effekt der „kortikalen Entlastung“ (bei der Forschung nach der Wirkung von Marken). Der hier vertretene Ansatz verknüpft nun beide Aspekte und glaubt, daraus eine konsistente Theorie für die empirische Ästhetik des Alltags entwickeln zu können. Es muss jedoch ein weiterer Aspekt hinzu genommen werden, den Piaget „Dezentrierung“ nennt. Ästhetische Erfahrung wird dann definierbar als das Erlebnis eines Umcodierungs-Prozesses – oder genauer: als das Erlebnis einer dezentrierenden Gestalt-Integration durch das beobachtende System. Sowohl beobachtende Systeme als auch Gestalt-Integrationen sind in unserem Ansatz als multiple zu denken. Eine semiotische Differenzierung ist nun entscheidend: Die herkömmliche Informations-Ästhetik thematisierte nur die syntaktischen Aspekte des Stimulus, ohne den Beobachter in seiner aktiven Rolle zu begreifen. Gestalt-Integrationen samt deren dezentrierender Wirkung sind jedoch auch in semantischer und pragmatischer Hinsicht zu finden. Diese werden im Beitrag dargelegt. Denn erst so kann die Vielschichtigkeit ästhetischer Erfahrungen erklärt werden, wo z.B. syntaktische und pragmatische Aspekte konkurrieren können. Auch vordergründig destruktive Akte und Artefakte sind dann als Gestalt-Integrationen anderer Dimensionen oder differierender Bezugssysteme begreifbar. (Dies streift etwa auch Fragen der Ressourcen-Allokation.) Zudem muss die Kontingenz von Beobachtungs-Maßstäben, Wahrnehmungs-Modi, Struktur-Determinanten (des beobachtenden Systems) und kultur-semiotischen Prägungen mit in Betracht gezogen werden. Erst hierdurch wird der Möglichkeitsraum potenzieller Gestalt-Integrationen (der eigentlich aus einem präsentationalen und einem repräsentationalen Raum besteht) prinzipiell beschreibbar. Wenn auch die Probleme bzw. Grenzen der praktischen Durchführbarkeit entsprechender Analysen nicht unterschlagen werden sollen: Die Möglichkeiten entsprechen gut den Erfordernissen zur ästhetischen Analyse des menschlichen Alltages – schließen die Lebenswelten von nicht-anthropozentrischen Seinsformen aber wohl methodisch aus. Dieser Beitrag möchte ich primär eine empirische Ästhetik zur Diskussion stellen, die mir als Rahmen für die weitere Forschung sehr leistungsfähig erscheint. Und doch ist nichts weniger als ein theoriebildender Ansatz das Vorhaben. Eine der Konsequenzen aus diesem Ansatz ist die These, dass es sich bei Kants Diktum vom „interesselosen Wohlgefallen“ zwar für das Individuum um ein Apriori handelt, bei der Gattung Mensch jedoch evolutionär um ein Aposteriori.
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Der Begriff „Ethik“ wird in unserem Alltag kaum verwendet. Er hat dennoch einen hohen Bekanntheitsgrad. Mit Ethik wird im Alltagsverständnis häufig etwas Einengendes, Abschneidendes, Unangenehmes, Rigides, Zwängliches, insgesamt Negatives verknüpft, das man nicht allzu nah an sich heranlassen will. Ethik wirkt für viele wie ein antiquiertes Wort; ebenso denken sie, Moral wäre unzeitgemäß. Viele betrachten „Moral als ein System widerwärtiger puritanischer Verbote, das hauptsächlich dazu bestimmt ist, zu unterbinden, daß Menschen Vergnügen haben.“ (Singer, 1984, S. 9).
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Schon am Beginn jeder Psychotherapie steht eine Bewertung: Es ist etwas nicht so, „wie es sein sollte“. So verschieden im einzelnen die Sichtweise zwischen Psychotherapeut und Klient auch sein mag, in diesem einen Punkt stimmen sie überein. Der jetzige Zustand ist „nicht gut“, „krankhaft“ oder wie immer „nicht in Ordnung“. Und: Es gibt demgegenüber einen anderen Zustand, der mit Hilfe der Psychotherapie erreicht werden soll, der „besser“, „gesünder“, „in Ordnung“ ist.
Chapter
This chapter provides an overview of gestalt therapy in Austria. It first presents a selection of interesting theoretical contributions provided by Austrian gestalt therapists. Next, it talks about training institutes for gestalt therapy in Austria. The Gestalt Pedagogic Association in Austria was founded in 1990 and offers courses to teachers, adult educators, social workers, and those working in orphanages and homes for the physically handicapped. Since 1987, the FS/IGT/ÖAGG (Fachsektion/ Integrative Gestalt Therapy/Österreichischer Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik) has organized annual conferences in Austria. These conferences aim at supporting gestalt therapists who are willing to engage in writing and publishing, as well as networking prospective authors with editors of professional journals. The great challenges gestalt therapists in Austria face arise from their status as an EU member state confronted with increasing numbers of immigrants and refugees from all over the world.
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Wurde von Hans-Jürgen Walter begründet, der das gestalttherapeutische Verfahren (→ Gestalttherapie nach Perls) konsequent auf seine gestalttheoretischen Grundlagen stellt (→ Gestaltpsychologie /Gestalttheorie). Walter führt dazu aus: ‘Es wird belegt, daß die entscheidenden Konzepte, die Perls seiner Kritik an der Psychoanalyse, von der er herkommt, und seinem eigenen Ansatz zugrundelegt, der Gestalttheorie entstammen’ (Walter, 1984: 67). Aufgrund ihres ausgearbeiteten erkenntnistheoretischen Standortes (→ Kritischer Realismus) bietet die Gestalttheorie als Metatheorie die Möglichkeit der methodischen Integration unterschiedlicher psychotherapeutischer Ansätze (Walter, 1994). Auf der Grundlage einer kritisch-realistischen Haltung geht es in der Therapie darum, sich vorbehaltlos auf die Erlebnisniswelt des Klienten einzulassen.
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