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Gegenwartsdiagnosen als Übungsfeld. Zum Erwerb analytischer Kompetenzen in soziologischen Bachelor- und Master-Studiengängen

Authors:
Sozialwissenschaften und Berufspraxis (SuB) ·33. Jg. (2010) · Heft 1 · S. 64-70
Gegenwartsdiagnosen als Übungsfeld
Zum Erwerb analytischer Kompetenzen in soziologischen
Bachelor- und Master-Studiengängen
Anina Engelhardt
Was sind Zeitdiagnosen und was leisten sie?
Die Soziologie verfügt seit jeher über ein zeitdiagnostisches Potenzial, das es ihr erlaubt,
Krisenerscheinungen zu einem gesamtgesellschaftlichen Zustandsbild zu verdichten: In
Form von Zeitdiagnosen stellt sie dabei ein Angebot zur Verfügung, das auch außerhalb
der akademischen Soziologie auf ein Interesse stößt und für die Außenwirkung der Sozio-
logie eine wichtige Rolle spielt. Der Bedarf nach soziologisch informierten Einschätzungen
der Gegenwart ist offenbar anhaltend vorhanden (Friedrichs 1998, Hitzler/Pfadenhauer
2005), deshalb wird gerade im Hinblick auf Zeitdiagnosen Expertise von der Soziologie als
„der Wissenschaft von der Gesellschaft“ erwartet.
Darüber hinaus bieten soziologische Gegenwartsdiagnosen aber auch ein Übungsfeld
für den Kompetenzerwerb angehender Soziologinnen und Soziologen, weil in ihnen The-
orie und Empirie kompakt miteinander verwoben sind und somit der methodologische An-
spruch der Soziologie, eine empirische Wissenschaft zu sein, besonders zum Tragen
kommt. Gleichzeitig ist Zeitdiagnostik aber längst nicht mehr nur ein der Soziologie zuge-
schriebenes Kompetenzfeld: Vielmehr existieren neben populärwissenschaftlichen Deu-
tungsangeboten auch solche, die von anderen wissenschaftlichen Diszplinen wie der Päda-
gogik oder Ökonomie gemacht werden und ebenfalls als Analysen mit dem Anspruch der
Wirkmächtigkeit auftreten. An ihnen lässt sich deshalb die spezifische Deutungs- und Er-
klärungskraft der Soziologie exemplarisch demonstrieren, aber ebenso einüben.
Heutzutage kulminieren Gegenwartsanalysen unterschiedlicher Provenienz häufig im
Topos der „Wissensgesellschaft“. Deshalb soll im Folgenden anhand der Zeitdiagnose
„Wissensgesellschaft“ aufgezeigt werden, welche Bedeutung Zeitdiagnosen außerhalb der
Disziplin haben. Diese Bedeutung – so die hier vertretene These – wird innerhalb der aka-
demischen Soziologie unterschätzt. Dabei könnte die systematische Berücksichtigung von
Zeitdiagnosen in den reformierten Studiengängen nicht nur einen wichtigen Beitrag zum
Kompetenzerwerb leisten, sondern auch die Frage nach der Beruflichkeit von Soziologin-
nen und Soziologen jenseits universitärer Karrieren in ein anderes Licht rücken: So geht es
letztendlich auch darum, eine Außendarstellung zu forcieren, die es erlaubt, Soziologinnen
und Soziologen (erneut) ein profiliertes analytisches und zeitdiagnostisches Potenzial zu-
zuschreiben und es von ihnen im Beruf erwarten zu können.
Gegenwartdiagnosen als Übungsfeld 65
Zur Verbreitung des Topos „Wissensgesellschaft“
Am Beispiel des Diskurses um die „Wissensgesellschaft“ lässt sich zeigen, wie sich eine
Zeitdiagnose verbreitet und in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mit ganz spezifi-
schen Inhalten aufgeladen wird.1 Dies wird exemplarisch anhand des Vorkommens der
Zeitdiagnose „Wissensgesellschaft“ in der Wochenzeitung „Die ZEIT“ untersucht (Engel-
hardt 2010a), wobei die Analyse folgendes Bild ergeben hat: Die Zeitdiagnose kontinuiert
und verdichtet sich über eine „story line“, indem über einen langen Zeitraum identifizierte
Krisen, Probleme und Herausforderungen unter dem Label „Wissensgesellschaft“ themati-
siert und miteinander verwoben werden. Der Aufstieg des Labels beginnt Ende der 1990er
Jahre und erfährt 2000, im Jahr des sogenannten „PISA-Schocks“, seine größte Aufmerk-
samkeit. Durch seine Konjunktur in der Bildungsdebatte diffundiert es aber auch immer
mehr in allgemeine politische Diskurse: So haben die CDU/CSU, die SPD und die Grü-
nen in ihren Grundsatzprogrammen die Gegenwartsgesellschaft explizit als „Wissensge-
sellschaft“ bezeichnet2, um auf diese Weise Bildung, Ökonomie und Politik als sich
wechseitig bedingend und voneinander abhängig thematisieren sowie dem entsprechende
politische Forderungen lancieren zu können.
Die Häufigkeit, mit der inzwischen auf „die Wissensgesellschaft“ verwiesen wird, deu-
tet darauf hin, dass es sich um eine griffige Diagnose handelt, die es erlaubt, Brücken zu
anderen Diskursen wie etwa dem PISA-Diskurs herzustellen. Zusätzlich bescheinigt das
Label Aktualität und Relevanz. Dabei wird häufig thematisiert, wie die Zukunft gestaltet
werden sollte und bei wem die gestalterischen Zuständigkeiten liegen. Somit übernimmt
dieses Deutungsangebot auch eine nicht zu unterschätzende Strukturierungsfunktion in
der Diskussion um die Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels. Diese bleibt bestehen,
auch wenn die Verwendung des Labels wissenschaftlichen Ansprüchen nicht mehr ge-
nügt.3
So lassen sich Muster der Verwendung des Labels „Wissensgesellschaft“ in den folgenden
gesellschaftlichen Teilbereichen aufzeigen:
Politik: Im Bereich der Politik konnte sich die Zeitdiagnose „Wissensgesell-
schaft“ weitgehend durchsetzen. Sowohl in den Parteiprogrammen von
SPD und CDU/CSU als auch bei den Grünen wird auf die Wis-
sensgesellschaft explizit Bezug genommen. Das gilt auch für politische
Grundsatzreden und Wahlprogramme. Dabei wird der Begriff in der Re-
gel zur Profilierung, zumeist allerdings ohne stärkeren inhaltlichen Be-
zug, genutzt und dient in erster Linie der Legitimation der eigenen Posi-
tion und daraus resultierender Maßnahmen im politischen Gestaltungs-
prozess.
1 Für einen umfassenden Überblick zur Thematik „Wissensgesellschaft“ siehe Bittlingma-
yer/Bauer 2006 und Engelhardt/Kajetzke 2010.
2 So haben sich im Bundestagswahlkampf 2009 alle im Bundestag vertretenen Parteien auf das
Label Wissensgesellschaft berufen (vgl. http://www.parteiprogramme.unklarheiten.de).
3 Zu den möglichen politischen Folgen der Verselbständigung des Labels siehe: Bittlingma-
yer/Tuncer 2010, S. 272-284.
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Wirtschaft: Hier wird insbesondere „Bildung als ökonomische Ressource“ thema-
tisiert. Die Verfügung über die Ressource Wissen wird somit als wesent-
licher Wettbewerbsfaktor begriffen, und die Zeitdiagnose „Wissensgesell-
schaft“ wird genutzt, um daraus Forderungen an die Politik abzuleiten.
Bildung: Im Bereich der Bildung spielt das Schlagwort des „lebenslangen Ler-
nens“ eine wichtige Rolle und wird mit Anforderungen verbunden, die
aus der Diagnose „Wissensgesellschaft“ resultieren. Das Thema wird auf
allen Stufen des Bildungssystems angesiedelt und reicht von der früh-
kindlichen Förderung über die Probleme des selektiven Schulsystems bis
hin zu den Hochschulen und der akademischen Ausbildung.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Label „Wissensgesellschaft“ als Zeitdiag-
nose in viele gesellschaftliche Teilbereiche eingedrungen und in je spezifischer Weise adap-
tiert sowie ausgefüllt worden ist. Deshalb soll im Folgenden gezeigt werden, wie dieses
Deutungsangebot mit der Soziologie und ihrem zeitdiagnostischen Potenzial verbunden
werden kann und welche Kompetenzen angehende Soziologinnen und Soziologen erwer-
ben können, wenn sie sich während ihres Studiums mit derartigen Zeitdiagnosen ausei-
nandersetzen.
Zeitdiagnose zwischen soziologischer Kompetenz und
Eigen-PR
Die verbreitete Verwendung und multiperspektivisch ausdifferenzierte Deutung des zeitdi-
agnostischen Topos „Wissensgesellschaft“ verweist auf dessen Funktion, Wirklichkeit zu
konstruieren, um gestaltend in sie einzugreifen zu können. Eine ähnliche „Durchschlags-
kraft“ hat zuvor der Topos der „Risikogesellschaft“ (Beck 1986) erfahren, sowohl innerhalb
als auch außerhalb der Soziologie.
Vor diesem Hintergrund soll danach gefragt werden, ob und wie im Rahmen der ge-
genwärtigen Studienreformen mit dem zeitdiagnostischen Potenzial der Soziologie umge-
gangen wird bzw. werden sollte. Hier scheinen sich nun folgende Trends abzuzeichnen:
Die Zeitdiagnose gilt im Rahmen der akademischen Soziologie als zu „feuilletonistisch“
und findet deshalb keine systematische Berücksichtigung in den neuen Curricula. Gleich-
zeitig ist es im Rahmen der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen nicht
ausreichend gelungen, berufliche Kompetenzen zu benennen, die in dieser Ausbildung
vermittelt werden sollen, und Qualifikationsprofile auszuloten, die nach außen eine Attrak-
tivität entfalten können.
Dabei ermöglicht die Auseinandersetzung mit Zeitdiagnosen während des Studiums
nicht nur einen Zugang zu theoretisch fundierten Analysen der Gegenwart, vielmehr las-
sen sich hierdurch auch analytische Kompetenzen erwerben. Gerade die hieraus erwach-
sende Fähigkeit stellt eine gesuchte, marktgängige Eignung dar, auch für außeruniversitäre
Tätigkeiten. Insbesondere an theoretisch orientierten Fragestellungen und Analysen wie
Zeitdiagnosen lassen sich die besonderen Kompetenzen der Soziologie erlernen: Sie sind
wegen ihres in der Regel griffigen Formats eine gelungene Brücke, um in komplexere The-
orien überzuleiten und Theorievergleiche anzustellen, aber auch Fragen der empirischen
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Überprüfbarkeit und Stichhaltigkeit in den Blick zu nehmen. So entwickeln Studierende
Fähigkeiten, die sie als Kompetenzen kommunizieren können.
Dies verdeutlicht auch die Übersicht einiger außeruniversitärer Tätigkeitsfelder für
Soziologinnen und Soziologen wie etwa Markt- und Meinungsforschung, Personal-
entwicklung, Unternehmens- und Politikberatung, die Bereiche von Werbung/PR, Journa-
lismus und ähnliche. In all diesen Tätigkeitsfeldern sind die Kompetenzen, die durch die
Vermittlung von Zeitdiagnosen und zeitdiagnostischem Handwerkszeug geboten werden,
ausgesprochen relevant und nützlich.
In der Soziologie verläuft die Demarkationslinie in der Diskussion über die zu ver-
mittelnden Kompetenzen häufig zwischen den inhaltlichen Schwerpunkten: quantitative
Sozialforschung versus theoretische Orientierung. Während Erstere einen eher mathe-
matisch-statistischen Fokus präferieren und dementsprechende Kompetenzen vermittelt
wissen wollen, betonen Letztere die Bedeutung typisch „geisteswissenschaftlicher“ Fer-
tigkeiten wie analytische Tiefenschärfe und ein kritisches Reflexionsvermögen sowie einen
differenzierten Umgang mit Texten jedweder Provenienz. Dass beide Profile durchaus
koexistieren können, scheint des Öfteren bezweifelt zu werden und führt häufig zu gegen-
seitigen Legitimationsanfragen, auch wenn sich gerade in jüngster Zeit die Stimmen meh-
ren, die Kooperation und Integration einfordern (u. a. Kelle 2008).
Zur Diskussion steht aber auch eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen akade-
mischer und anwendungsorientierter Forschung. So soll die Stärkung der anwendungs-
orientierten Forschung und Lehre als Nebeneffekt auch die berufliche Qualifikation von
Studierenden stärken (Howaldt 2005, S. 431 ff., Latniak/Wilkesmann 2005, S. 83). Hier
geht es deshalb um eine systematischere Verknüpfung des – als typisch soziologischen be-
zeichneten – „zweiten Blicks“ der Reflexion mit „theoretischen Konzepten, methodischen
Grundlagen, empirischen Einsichten und Anwendungsbezügen“ (Kühl/Tacke 2003,
S. 11 ff.).
Graduierte der Soziologie zeichnen sich gegenüber Absolventen geisteswissen-
schaftlicher Studiengänge durch die Auseinandersetzung mit der empirischen Überprüf-
barkeit sowohl von theoretischen Erklärungen als auch mit aus der Empirie abgeleiteten
Schlussfolgerungen aus. Sie werden im Studium nicht nur vor Probleme logischer Kon-
sistenz und analytischer Tiefe gestellt, sondern auch vor Probleme einer methodisch abge-
sicherten Erfassung gesellschaftlicher Wirklichkeit und der kritischen Prüfung daraus ab-
leitbarer Aussagen. Einzuüben sind die Beurteilung und Erstellung von Konzepten, die aus
komplexen Zusammenhängen generiert und wieder in komplexe Zusammenhänge einge-
führt werden müssen. Vor allem durch diese Beweglichkeit ermöglicht der „soziologische
Blick“ facettenreiche Perspektivübernahmen. Unter diesem Aspekt stellt sich auch nicht die
Frage nach der Vorrangstellung einer theoretisch orientierten oder vornehmlich empirisch
orientierten Soziologie, da die Entwicklung der angestrebten Kompetenzen sicherlich nicht
allein in einer der beiden Profilierungsformen der Soziologie erworben werden müssen und
können.
Sind die berufliche Anwendbarkeit der Fähigkeiten aus dem Bereich der quantitativen
Empirie schnell ersichtlich, bleiben die theoretisch-analytischen Kompetenzen innerhalb
des Studiengangs stets unscharf und werden kaum ausdrücklich genannt. Dabei ließen sich
anhand von Zeitdiagnosen die Fähigkeit, zu urteilen und zu entscheiden, so einüben, dass
sowohl den Ansprüchen der theoretischen Konsistenz und Logik als auch dem Anspruch,
diese methodisch gesichert zu überprüfen, Genüge getan würde.
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Hierbei entfaltet sich ein für die Soziologie typisches Leistungsspektrum: Informa-
tionen bewerten, sich für eine Position entscheiden, auf solide Methoden gestützt begrün-
dete Urteile fällen, Komplexitätsreduktion, aber auch der stets mögliche Aufbau von Kom-
plexität. Dabei kann und soll auch die Freiheit genutzt werden, die bodenständige Deu-
tungskompetenz um eine Perspektive des „Möglichkeitssinns“ (Wiesenthal 2008, S. 25) zu
erweitern, und zwar um die viel beschworene „Offenheit für Ideen“ und einen durch das
„Kontingenztraining“ geöffneten Blick für Alternativen gleich welcher Dimension. Es gin-
ge – wie Bertholt Oelze es für das spezifische Berufsfeld beratender Tätigkeiten ausformu-
liert hat (2008, S. 415 f.) – um folgende Fähigkeiten: Reflexion, Möglichkeitssinn,
Generalismus, Theoriefähigkeit, Kulturkompetenz, Wissenschaftlichkeit, Interaktions-
kompetenz und Gestaltungswissen.
Die soziologische Beschreibungskompetenz sowie ihre Kommunikationsstärke schei-
nen in den reformierten Studiengängen unterbewertet zu sein. Dabei sollten sie als charak-
teristische Fähigkeit der Disziplin Soziologie nach „innen und außen“ kommuniziert und
in die curricularen Strukturen eingeschrieben werden
Fazit
In der Diskussion um berufliche Befähigung tritt die Beherrschung der empirischen Me-
thoden häufig in den Vordergrund, da diese bspw. in Stellenangeboten explizit nachgefragt
werden. Soziologinnen und Soziologen haben jedoch neben dieser, in der Tat wichtigen,
Qualifikation Zusätzliches zu bieten. Die aus dem Feld der analytischen Fähigkeiten ge-
wonnenen Befähigungen werden zumeist undifferenziert als Merkmale aller sozial- und
geisteswissenschaftlichen AkademikerInnen vorausgesetzt. Dabei – dies lässt sich am bei-
spiel von Zeitdiagnosen besonders gut nachweisen – unterscheiden sich die Kompetenz-
profile: So enthält das Format der Zeitdiagnose insbesondere für Veranstaltungen vielfälti-
ge Perspektiven für den „Möglichkeitssinn“ und die Freiheit, eigenständig zu denken, zu
urteilen und zu kritisieren. Sie stellt ein Brückenmoment zwischen Theorie und Empirie
und zwischen Forschung und Transferleistungen der Disziplin dar. Die Stärken der Aus-
einandersetzung mit soziologischen Zeitdiagnosen zeigen sich vielleicht nicht aus einer
forschungsorientierten Perspektive, vielmehr treten sie unter dem Aspekt der Vermittlung
soziologischen Inhalte und Denkmuster im Zuge des professionellen Kompetenzerwerbs
hervor. Als engagierte Wissenschaft, die zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen
will, hat sich die Soziologie seit ihrer Herausbildung als eigenständige Disziplin auch
durch fundierte zeitdiagnostische Gesellschaftsanalysen und empirische Sozialforschung
ausgezeichnet (Kaesler 2003, S. 8 ff.). Die Soziologie liefert methodisch fundierte Informa-
tionen, Argumente für Alternativen und Kritik, und zwar auch im Format von Zeitdiagno-
sen.
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Literatur
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70 Anina Engelhardt
Anina Engelhardt
Institut für Soziologie
Philipps-Universität Marburg
Ketzerbach 11
D-35032 Marburg
E-Mail: anina.engelhardt@staff.uni-marburg.de
Anina Engelhardt, MA, Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Allgemeinen Soziologie am
Institut für Soziologie der Philipps-Universität Marburg. Arbeitsschwerpunkte: Soziologi-
sche Theorie/Allgemeine Soziologie, Wissenschaftssoziologie, Wissenssoziologie, Kultur-
soziologie, Kunstsoziologie.
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Chapter
Entwürfe zeitdiagnostischer Art haben neuerdings Konjunktur (Pongs 1999; Schimank/Volkmann 2000; Volkmann/Schimank 2002; Kneer/Nassehi/Schroer 1997, 2001; Prisching 2003; Reese-Schäfer 1996, 2000, 2003). Das Misstrauen gegen ihre methodologische Karätigkeit ist nicht abgebaut, aber die Sehnsucht nach Erklärungen der langen Trends und großen Geschehnisse wirkt aus der Öffentlichkeit in die Sozialwissenschaften hinein — und von diesen natürlich über den einen oder anderen Bestseller und die intellektuellen und quasiintellektuellen Folgeveranstaltungen wieder zurück in das, was man öffentlichen Diskurs nennt. Es sind Etiketten von der,Risikogesellschaft’ über die,Erlebnisgesellschaft’ bis zur,Multioptionsgesellschaft’ — und viele andere —, die von unterschiedlichen Ausgangspunkten her das Ganze der gesellschaftlichen Entwicklung thematisieren. Sie weisen einen gewissen Überschuss über die harten empirischen Fakten auf und scheuen meist nicht vor normativen Akzentsetzungen zurück; und sie fallen weniger in die Kategorie sozialer „Gesetzmäßigkeiten“als in die etwas diffusere von Paradigmen, Perspektivierungen oder Rahmenvorgaben (kritisch dazu Beiträge in Friedrichs et al 1998): Sie intendieren, das,Wesen’ der Gegenwartsgesellschaft von bestimmten Standpunkten oder Grundideen her zu erschließen.
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Zusammenfassung Der Beitrag beschftigt sich vor dem Hintergrund der Herausbildung einer „neuen Wissensordnung“, in der die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft und Praxis zunehmend problematisch wird, mit der Situation der Soziologie. Fr die Zukunft der Disziplin wird es von entscheidender Bedeutung sein, ihre Praxisrelevanz unter den vernderten Rahmenbedingungen unter Beweis zu stellen. Diese vernderten Anforderungen bleiben nicht ohne Wirkung auf den Produktionsprozess soziologischen Wissens. Notwendig sind die Reflexion der eigenen Produktionsweise und die Weiterentwicklung neuer Formen soziologischer Wissensproduktion. Dabei geht der Beitrag davon aus, dass in diesem Prozess die berkommenen Grenzen innerhalb des Wissenschaftssystems und zwischen dem Wissenschaftssystem und anderen gesellschaftlischen Teilsystemen zunehmend in Bewegung geraten. Von groer Bedeutung ist dabei die Entwicklung eines Selbstverstndnisses, welches die Soziologie als eine Wissenschaft begreift, zu der sich nicht nur die akademische Welt zurechnen lsst, sondern zugleich die praktisch ttigen Soziologinnen und Soziologen.
Soziologische Gegenwartsdiagnose als Orientierungswissen: Krisenbearbeitung in unsicheren Zeiten? In: Hans-Georg Soeffner (Hrsg.): Unsichere Zeiten. Herausforderungen gesellschaftlicher Transformation
  • Anina Engelhardt
Engelhardt, Anina, 2010a: Soziologische Gegenwartsdiagnose als Orientierungswissen: Krisenbearbeitung in unsicheren Zeiten? In: Hans-Georg Soeffner (Hrsg.): Unsichere Zeiten. Herausforderungen gesellschaftlicher Transformation. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwiss.
Soziologen als Unternehmensberater? Chancen einer offensiven Vermarktung soziologischer Kompetenz
  • Berthold Oelze
Oelze, Berthold, 2008: Soziologen als Unternehmensberater? Chancen einer offensiven Vermarktung soziologischer Kompetenz. In: Soziologie, 37. Jg., 4/2008, S. 407-420.
2010: Fehldiagnose? Zur Normativität einer Gegenwartsanalyse
  • Uwe H Bittlingmayer
  • Tuncer
  • Hidayet
Bittlingmayer, Uwe H.; Tuncer, Hidayet, 2010: Fehldiagnose? Zur Normativität einer Gegenwartsanalyse. In: Engelhardt, Anina; Kajetzke, Laura (Hrsg.), 2010: Handbuch Wissensgesellschaft. Theorien, Themen und Probleme. Bielefeld: transcript, i. Ersch, 272-284.
Soziologie im Konzert der Berufe -Gedanken zum Berufsbild der Soziologen
  • Julius Morel
Morel, Julius, 1997: Soziologie im Konzert der Berufe -Gedanken zum Berufsbild der Soziologen. In: Sozialwissenschaften und Berufspraxis, 20. Jg., 3/1997, S. 255-272.
Perspektiven einer zukünftigen Soziologie. Soziologie, 32
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Diagnose und Prognose in der Soziologie
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  • Karl Mayer
  • Ulrich
Friedrichs, Jürgen; Lepsius, Rainer M.; Mayer, Karl Ulrich, 1998: Diagnose und Prognose in der Soziologie. In: Friedrichs, Jürgen; Lepsius, Rainer M.; Mayer, Karl Ulrich: Die Diagnosefähigkeit der Soziologie. Opladen: Westdt. Verlag, S. 9-34.