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Abstract

Dieses Kapitel erläutert zuerst die klassische ökonomische Theorie zum Umgang der Menschen mit Zeit auf und diskutiert die Kritik daran. Anschließend werden alternative Modellierungsansätze zum Umgang mit Zeit (u.a. hyperbolisches Diskontieren) vorgestellt; weiterhin werden verschiedene empirische Befunde zu menschlichem Umgang mit Zeit diskutiert, die mit der klassischen Theorie nicht unmittelbar vereinbar sind.
BEITRÄGE DER HOCHSCHULE PFORZHEIM
Hanno Beck, Kirsten Wüst
Gescheiterte Diäten, Wucherzinsen und
Warteprämien: Die neue ökonomische Theorie der
Zeit
Nr. 132
Herausgeber:
Prof. Dr. Ansgar Häfner, Prof. Dr. Norbert Jost, Prof. Dr.
Karl-Heinz Rau, Prof. Dr. Roland Scherr, Prof. Dr. Christa
Wehner, Prof. Dr. Hanno Beck (geschäftsführend;
Hanno.beck@hs-pforzheim.de)
Sekretariat:
Frau Alice Dobrinski
Hochschule Pforzheim
Tiefenbronner Str. 65
75175 Pforzheim
alice.dobrinski@fh-pforzheim.de
Telefon: 07231/28-6201
Telefax: 07231/28-6666
Ausgabe:
Datum
Hanno Beck, Kirsten Wüst
Gescheiterte Diäten, Wucherzinsen und Warteprämien:
Die neue ökonomische Theorie der Zeit
Beiträge der Hochschule Pforzheim Nr. 132
3
Hanno Beck
Tiefenbronner Straße 65
75175 Pforzheim
Hanno.beck@hs-pforzheim.de
Hanno Beck ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Pforzheim;
zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Mainz und lange
Jahre Mitglied der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Kirsten Wüst
Tiefenbronner Straße 65
75175 Pforzheim
Kirsten.wuest@hs-pforzheim.de
Kirsten Wüst ist seit 2004 Professorin für Statistik und Wirtschaftsmathematik an
der Hochschule Pforzheim. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Institut für Medizinische Biometrie der Universität Heidelberg sowie als Referentin
im Risikocontrolling der L-Bank in Karlruhe tätig.
Beiträge der Hochschule Pforzheim Nr. 132
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Vorwort der Verfasser
Was immer Menschen tun Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle: Wir planen für die Zukunft, und
jede Handlung, die wir heute begehen hat Folgen für unser Leben von morgen. Diäten, Jobsuche,
Altersvorsorge, Familienplanung, ja sogar unser Freizeitkonsum werden maßgeblich dadurch
bestimmt, wie wir die Zukunft sehen, wahrnehmen und in unser Kalkül einbeziehen. Wer heute ins
Kino geht, kann morgen keine gute Klausur schreiben, wer heute auf die Kalorien verzichtet, ist
morgen schlank, wer den Strafzettel nicht gleich bezahlt, hat morgen noch weniger Geld. Die
traditionelle Theorie der Ökonomen für den menschlichen Umgang mit Zeit stellt vor allem auf das
sogenannte Discounted-Utility-Modell ab, bei dem der Mensch als superrationaler Rechenautomat
und Nutzenmaximierer mit Zinsen, Jahresperioden und Diskontfaktoren jongliert, ohne dabei den
Überblick und die Fassung zu verlieren. Modernere Ansätze zur Beschreibung des menschlichen
Umgangs mit Zeit hingegen finden Verhaltensweisen, die mit dieser Idee nur schwer zu vereinbaren
sind und werfen ein völlig neues Licht auf den homo oeconomicus, den rationalen
Nutzenmaximierer. In diesem Beitrag wollen wir die wichtigsten dieser neuen Ansätze vorstellen
und auf ihre politische Relevanz hin beleuchten. Wer diesen Beitrag nun aus der Hand legt und sich
vornimmt, ihn später zu lesen, ist vielleicht schon in eine der Fallen geraten, welche diese neue
Theorie zu erklären versucht. Vielleicht ist die Erkenntnis dieser Probleme ein erster Schritt,
selbiger Zeitfalle zu entkommen.
Hanno Beck, Kirsten Wüst 21.08.2016
Beiträge der Hochschule Pforzheim Nr. 132
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Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung / Summary ................................................................................ 6
1 Einleitung ...................................................................................................... 7
2 Der Goldstandard der Ökonomie: Das DU-Modell ........................................ 7
3 Zeitinkonsistentes Verhalten ......................................................................... 8
3.1 Hyperbolisches Diskontieren .............................................................. 8
3.2 Diskontieren aufgrund von Ähnlichkeiten ........................................... 9
3.3 Subadditives Diskontieren und Diskontieren über Intervalle ............. 10
3.4 Weitere alternative Erklärungsansätze ............................................. 11
4 Weitere Zeitanomalien ................................................................................ 11
4.1 Vorzeicheneffekt ............................................................................... 11
4.2 Größeneffekt..................................................................................... 12
4.3 Vorliebe für steigende Konsumprofile ............................................... 13
4.4 Speed-delay-Effekt ........................................................................... 14
4.5 Vorfreude und Angst ......................................................................... 14
5 Politische Implikationen ............................................................................... 15
6 Kritik und Ausblick ....................................................................................... 17
7 Literatur ....................................................................................................... 19
Abbildungsverzeichnis
Beiträge der Hochschule Pforzheim Nr. 132
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Zusammenfassung
Der Faktor Zeit spielt in der ökonomischen Theorie eine wichtige Rolle intertemporale
Entscheidungen sind in allen Bereichen der Wirtschaftstheorie und politik relevant. In der
überwiegenden Zahl der Fälle stützt man sich dabei auf das sogenannte Discounted-utility-Modell
(DU-Modell), in dem alle zukünftigen Kosten und Erträge mit einem einheitlichen Zinssatz auf die
Gegenwart abgezinst werden. Dieses Modell sieht sich allerdings heftiger Kritik ausgesetzt: So
zeigen Experimente, dass viele Verhaltensweisen, die Menschen an den Tag legen, sich nicht mit
dem DU-Modell vereinbaren lassen. Menschen verwenden je nach Entscheidungssituation
unterschiedliche Zinssätze, die auch negativ sein können, sie haben eine Vorliebe für steigende
Konsumprofile und legen zeitinkonsistentes Verhalten an den Tag. Der vorliegende Beitrag
diskutiert diese Anomalien und zeigt auf, welche wirtschaftspolitischen Konsequenzen daraus
erwachsen.
Summary
The so-called discounted-utility-model (DU-model) is the gold-standard of economic theory:
confronted with intertemporal decicions, people discount future costs and payments with a single
interest rate and maximize their utility by choosing the option with the highest net present value. In
the last decade, however, there has been a lot of empirical research on intertemporal choice, much
of it addressing the descriptive validity of the DU model. It has been shown that the DU-Model may
not be an adequate description of human behavior as it can be observed in reality: People discount
utility from different sources at different rates, they have a preference for increasing consumption
profiles and they show time-inconsistent behaviour. This article discusses some of these anomalies
and shows the implications for economic policy and policy-makers.
Stichwörter: Hyperbolisches Diskontieren; Zinsen; Zeitinkonsistenz; Größeneffekt;
Vorzeicheneffekt; Speed-Delay-Effekt.
JEL-Klassifikation: D11
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1 Einleitung
Das Leben stellt uns ständig vor Entscheidungen. Gehe ich joggen oder schaue ich Fernsehen,
gebe ich mein Geld sofort aus oder lege ich es an? Das Problem bei solchen Entscheidungen
besteht darin, dass neben dem Nutzen der verschiedenen Alternativen auch der Faktor Zeit eine
Rolle spielt: Wie bewertet man zwei Alternativen, die zu verschiedenen Zeitpunkten realisiert
werden? Will man den Genuss des Rauchens heute oder die gute Gesundheit morgen? Will man
heute konsumieren oder morgen noch etwas zum Ausgeben haben? Viele unserer Entscheidungen
beziehen sich auf unterschiedliche Zeitpunkte, an denen ihre Auswirkungen relevant werden. Das
macht die Entscheidung noch schwieriger. Kaum ein ökonomisches Entscheidungsproblem, das
nicht mit dem Faktor Zeit zu tun hat um so wichtiger ist es zu verstehen, wie Menschen mit Zeit
umgehen und wie sie den Faktor Zeit in ihren Entscheidungen berücksichtigen. Diese
Überlegungen spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für Lohnforderungen,
Kaufentscheidungen und den gesamten Komplex der Altersvorsorge ob betrieblich, privat oder
staatlich.
In der traditionellen ökonomischen Theorie werden solche Entscheidungsprobleme auf ein
einfaches finanzmathematisches Modell, das sogenannte DU-Modell, verdichtet. So einfach dieser
Ansatz ist, so problematisch wird er, wenn man ihn mit tatsächlichen menschlichen Verhalten
konfrontiert. Aus der Diskrepanz zwischen den Postulaten der klassischen ökonomischen Theorie
und dem tatsächlich bei Menschen beobachteten Verhalten hat sich in den vergangenen Jahren
eine reichhaltige Forschung entwickelt, die neue Ansätze zur Modellierung von menschlichem
Umgang mit Zeit vorschlägt (zu den Ideen der Behavioral Economics allgemein vgl. bspw. Beck,
2008, zum Umgang mit Zeit speziell vgl. Frederick; Loewenstein und O`Donoghue, 2002 oder Wüst
und Beck 2009). Bevor diese neuen Ansätze vorgestellt werden, soll zunächst das klassische
Modell im Umgang mit Zeit erläutert werden; im Anschluss daran werden alternative Theorien
vorgestellt. Den Abschluss bilden Überlegungen, welche politischen Implikationen diese neuen
Erkenntnisse mit sich bringen.
2 Der Goldstandard der Ökonomie: Das DU-Modell
Die Grundidee des sogenannten Discounted utility-Modells (DU-Modell) besteht darin, dass
Menschen ihren Gesamtlebensnutzen maximieren. Der Lebensnutzen wird beschrieben durch eine
intertemporale Nutzenfunktion u = u (c0, c1, c2, .....cT), wobei u den Nutzen repräsentiert und cn
den Konsum der jeweiligen Periode n. Da gegenwärtiger Konsum dem zukünftigen Konsum stets
vorgezogen wird, muss der Konsum späterer Perioden auf die Gegenwart abgezinst werden; also
mit einem Faktor kleiner eins gewichtet werden. Damit stellt sich der auf die Gegenwart abgezinste
Gesamtnutzen eines Menschen wie folgt dar:
(1)
wobei i den Zinssatz angibt und der Term als Diskontfaktor bezeichnet wird. Die
Annahmen und Implikationen dieses Ansatzes sind Gegenstand zahlreicher Untersuchungen,
welche die Schwächen des Discounted-Utility-Modells bei der Abbildung der Realität aufzeigen (für
einen Überblick vgl. Frederick, Loewenstein und O’Donoghue, 2002). In der Praxis hat man in
Experimenten verschiedene Phänomene festgestellt, die sich nicht mit der Diskontierung im DU-
Modell vertragen.
- Im DU-Modell verhalten sich Menschen stets zeitkonsistent: Haben sie sich einmal dazu
entschieden, mit dem Rauchen aufzuhören oder eine Diät zu machen, dann halten sie sich
auch an diesen Vorsatz eine Annahme, die der Realität nicht gerecht wird. Abschnitt 3
diskutiert diesen Punkt.
- Eine weitere problematische Annahme des DU-Modells besteht darin, dass die Menschen
jedes Gut mit dem gleichen Diskontfaktor abzinsen. Was aber, wenn wir bestimmte Güter
mit verschiedenen Diskontfaktoren abzinsen? Möglicherweise hat man für Lebensmittel
einen anderen Diskontfaktor als für Bücher oder Filme. Auch die Größe des abzuzinsenden
Geldbetrages sowie der Umstand, ob es sich um einen Verlust oder einen Gewinn handelt,
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spielt im DU-Modell keine Rolle für die Höhe des Diskontfaktors. Diese Ideen werden wir
unter Punkt 4.2 und 4.1 diskutieren.
- Das DU-Modell unterstellt, dass der Gesamtnutzen sich aus der diskontierten Summe des
Nutzens jeder einzelnen Periode zusammensetzt. Wie sich der Nutzen über die Zeit verteilt,
ist dabei nicht wichtig. Es sagt also nichts darüber aus, wie Menschen ihre Nutzenmuster
über die Zeit verteilt haben wollen: Wollen Sie eher eine gleichmäßige Verteilung des
Nutzens, oder eine stetige Zunahme? Wenn jemand eine Vorliebe für eine bestimmte
Nutzenverteilung besitzt, so hat der Nutzen der Vorperiode einen Einfluss auf die Höhe
des Nutzens der nächsten Periode was im DU-Modell nicht berücksichtigt ist. Diesen
Punkt diskutiert Abschnitt 4.3.
- Weiterhin macht es im DU-Modell keinen Unterschied, ob man eine Auszahlung
beschleunigen oder hinauszögern will man verwendet stets den gleichen Diskontfaktor.
Wenn man also auf einen Geldbetrag warten muss, so verlangt man den gleichen Zinssatz,
den man zahlen würde, wenn man das Geld früher haben will. Ob diese Annahme sich mit
der Realität deckt, wird in Punkt 4.4 diskutiert.
- Das DU-Modell unterstellt weiterhin, dass Menschen beim Diskontieren stets einen
positiven Zinssatz anwenden, also angenehme Dinge stets so rasch wie möglich haben
wollen, unangenehme Dinge hingegen so weit wie möglich nach hinten schieben.
Vorfreude oder der Wunsch, unangenehme Dinge so rasch wie möglich hinter sich zu
bringen, kommen in diesem Modell nicht vor. Diese Phänomene werden in Abschnitt 4.5
erörtert.
3 Zeitinkonsistentes Verhalten
3.1 Hyperbolisches Diskontieren
Eine der wichtigsten Implikationen des DU-Modells ist Zeitkonsistenz: Eine Entscheidung zwischen
zwei zeitlich verschiedenen Optionen ändert sich nicht, wenn man beide Optionen um die gleiche
Zeitspanne nach vorne oder nach hinten verschiebt. Wer also heute bekundet, dass er lieber 13
Monate auf 1010 Euro wartet statt 12 Monate auf 1000 Euro, der wird auch in einem Jahr, wenn die
12 Monate rum sind, lieber in einem Monat 1010 Euro statt sofort 1000 Euro wählen. Zahlreiche
Experimente zeigen aber, dass Menschen sich zeitinkonsistent verhalten: Sie bevorzugen die 1010
Euro in 13 Monaten, zugleich aber bevorzugen sie die 1000 Euro sofort statt der 1010 Euro in
einem Monat ein Verstoß gegen das Postulat der Zeitkonsistenz (vgl. dazu beispielsweise Thaler,
1981).
In einer an der Hochschule Pforzheim ausgeführten Studie (Wüst und Beck 2009) wurden
Studierende verschiedener Vorlesungen der quantitativen Methoden am Beginn und am Ende des
Semesters befragt, wie viel Zeit sie insgesamt zum Lernen für die nach Semesterende anstehende
Klausur aufwenden. Bei der Befragung am Ende des Semesters gaben sie mit durchschnittlich
25,63 Stunden signifikant (p<0,001) weniger Zeit an als am Beginn des Semesters (35,7 Stunden).
Die Studenten verwenden also signifikant weniger Zeit auf ihre Klausurvorbereitung, als sie sich
vorgenommen haben ein deutliches Zeichen für zeitinkonsistentes Verhalten.
Ein Erklärungsansatz für dieses Verhalten ist das sogenannte hyperbolische Diskontieren,
dessen Grundidee darin besteht, dass Menschen auf kurze Frist sehr ungeduldig sind, zu einem
Aufschub ihres Konsums also nur gegen eine hohe Prämie bereit sind; auf lange Frist hingegen
geduldiger sind und eine vergleichsweise geringere Kompensation für einen Aufschub verlangen
(vgl. auch Huber und Runkel, 2004). Technisch lässt sich dieses darstellen, indem der Diskontfaktor
abhängig vom Zeitpunkt angesetzt wird, von dem aus abdiskontiert wird. Beim exponentiellen
Diskontieren, das beim DU-Modell angewendet wird, ist die Diskontrate , also die
Veränderungsrate des Diskontsatzes, unabhängig vom Zeitpunkt, von dem diskontiert wird, d.h.
=i
Der Diskontsatz ändert sich also stets um den gleichen Faktor i. Anders hingegen beim
hyperbolischen Diskontieren, das sich in seiner einfachsten Form folgendermaßen darstellen lässt:
(2)
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Die Diskontrate ändert sich nun im Zeitablauf. Mit steigendem n strebt die Änderung des
Diskontfaktors von n auf n+1 gegen Null, da hier gilt
Daher besteht bei einem großen zeitlichen Abstand kaum noch ein Unterschied zwischen den
beiden abdiskontierten Werten je größer n wird, um so unbedeutender wird der Unterschied
zwischen Zähler und Nenner; die Veränderung der Diskontrate geht gegen Null. Bei einem Zinssatz
von i = 10 Prozent beispielsweise wird ein Betrag von 100 Euro für ein (zwei) Jahr(e) auf 90,90
(83,33) Euro abdiskontiert; der auf zwei Jahre abdiskontierte Betrag beträgt 91 Prozent des auf ein
Jahr abdiskontierten Betrages. 100 Euro in 30 (31) Jahren sind heute 25 (24,39) Euro wert; der für
31 Jahre abdiskontierte Betrag beträgt 97,56 Prozent des für 30 Jahre abdiskontierten Betrages
je weiter die beiden zu vergleichenden Ereignisse in der Zukunft liegen, um so geringer wird der
Unterschied zwischen ihnen, wenn man beide auf die Gegenwart abzinst. Es fällt daher nicht so
schwer, ein weiteres Jahr zu warten, wenn man zwischen 100 € in 30 oder 31 Jahren wählen kann.
Eine allgemeine Diskontierungsfunktion für hyperbolisches Diskontieren findet sich bei
Loewenstein und Prelec (1992), die in der allgemeinen Form
(3)
lautet. Je kleiner dabei α wird, um so mehr nähert sich das Verhalten der Diskontierungsfunktion
demjenigen einer exponentiellen Funktion wie sie das DU-Modell verwendet. Je größer α wird, um
so mehr nähert sich die Funktion einer Stufenfunktion an, bei welcher der Wert in der ersten
Periode mit dem Wert eins gewichtet wird, die Werte der nachfolgenden Perioden hingegen mit
einem Wert, der kleiner als eins ist und für alle Perioden annähernd identisch. In Reinform spricht
man in diesem Fall vom quasi-hyperbolischem Diskontieren, das im Gegensatz zum hyperbolischen
Diskontieren mathematisch leichter zu handhaben ist. Der Nutzen des heutigen und des
zukünftigen Konsums beim quasi-hyperbolischen Diskontieren bestimmt sich dann wie folgt (vgl.
beispielsweise Laibson, 1997, S. 479):
(4) mit
Die Diskontrate sinkt also von der aktuellen Periode 0 zur nächsten Periode (zwischen der
ersten und der zweiten Periode beträgt sie (1-βδ)/βδ), bleibt danach aber konstant. Damit imitiert
diese Funktion zeitinkonsistentes Verhalten zwischen der ersten und der zweiten Periode, in den
anschließenden Perioden ist die Diskontrate dann wie beim exponentiellen Diskontieren konstant
(und beträgt (1-δ)/ δ).
Mit der Idee des hyperbolischen Diskontierens lässt sich erklären, warum Menschen gute Vorsätze
fassen, sie aber nicht einhalten, wenn der Moment der Versuchung naht: Solange die Ereignisse
weit weg liegen, reicht ein geringer Ertrag, um sich für den Verzicht zu entscheiden, steht der
Verzicht jedoch unmittelbar bevor, so fordert man höhere Erträge und entscheidet sich nun gegen
ihn. Alles dieses lässt sich mit Hilfe hyperbolischer Diskontfunktionen darstellen, wenngleich auch
dieser Ansatz nicht ohne Kritik bleibt.
3.2 Diskontieren aufgrund von Ähnlichkeiten
Rubinstein kritisiert die Idee des hyperbolischen Diskontierens (Rubinstein, 2003), die Ergebnisse
eines einfachen Experimentes führten ihn zu einem alternativen Ansatz zur Modellierung
intertemporaler Entscheidungsprozesse. Die Probanden wurden aufgefordert, sich folgende zwei
Situationen vorzustellen (Rubinstein, 2003, S. 1214):
Situation 1: In 60 Tagen sollen Sie Ihre neue Stereoanlage erhalten. Bei Auslieferung
müssen Sie 960 Dollar zahlen. Sind Sie bereit, die Auslieferung um einen Tag zu
verschieben, wenn man Ihnen dafür 2 Dollar zahlt? Hier lehnen 43 Prozent der Befragten
eine Verschiebung ab.
Situation 2: Morgen soll ihre neue Stereoanlage geliefert werden. Sie müssen bei
Auslieferung 1080 Dollar zahlen. Sind Sie bereit, die Auslieferung um 60 Tage zu
verschieben, wenn man Ihnen dafür einen Preisnachlass von 120 Dollar gewährt? Hier
akzeptieren 69 Prozent der Befragten eine Verschiebung.
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Das Ergebnis dieses Experiments ist mit der Idee des hyperbolischen Diskontierens nicht vereinbar:
Wenn jemand wegen 2 Dollar die Auslieferung der Stereoanlage nicht von 60 Tagen auf 61 Tage
verschieben will, so wird er auch nicht bereit sein, morgen die Auslieferung für einen Preisnachlass
von 120 Dollar zu verschieben, wenn die Verschiebung des Liefertermins ebenfalls 60 Tage oder
mehr beträgt. Der Grund ist klar: Wer in 60 Tagen nicht willens ist, für 2 Dollar einen Tag länger zu
warten, der ist nach der Lesart des hyperbolischen Diskontierens erst recht nicht bereit, für den
gleichen Betrag morgen die Auslieferung um einen Tag zu verschieben, und auch nicht übermorgen
oder überübermorgen und für die nächsten 60 Tage. Genau das aber würde man bei Situation
Nummer 2 tun: 60 Tage mal 2 Dollar in Kauf zu nehmen für eine Verschiebung der Auslieferung.
Laut Rubinstein (2003) passiert hier folgendes: Die Versuchspersonen betrachten bei Situation 1
die beiden Auszahlungen und entdecken keinen großen Unterschied also entscheiden sie sich
gegen eine Verschiebung. Bei Situation 2 hingegen sind die beiden Geldbeträge stark
unterschiedlich, weswegen sie sich hier nun für die Verschiebung der Auslieferung entscheiden.
Rubinstein modelliert darauf aufbauend intertemporale Entscheidungsprozesse wie folgt:
(1) Zunächst wird nach einer dominanten Alternative gesucht: Gibt es unter den zur
Auswahl stehenden Alternativen eine, die in allen Belangen besser ist als alle anderen
Alternativen? Falls dies der Fall ist, entscheidet man sich für die dominante Alternative, falls
nicht, erfolgt Schritt Nummer 2.
(2) Jetzt sucht man nach Ähnlichkeiten zwischen den zur Auswahl stehenden Alternativen.
Sind sich die Alternativen hinsichtlich einer Dimension sehr ähnlich, so trifft man seine
Entscheidung anhand des Merkmals, in dem sich die Alternativen unterscheiden.
(3) Findet man keine Ähnlichkeiten, so trifft man seine Entscheidung anhand anderer
Kriterien.
Rubinsteins Ansatz bietet eine alternative Erklärungsmöglichkeit für Verhalten, das sich weder mit
dem traditionellen DU-Modell noch mit hyperbolischem Diskontieren in Einklang bringen lässt.
3.3 Subadditives Diskontieren und Diskontieren über Intervalle
Einen weiteren Ansatz, mit dessen Hilfe man zeitinkonsistentes Verhalten erklären kann, liefert
Read (2001). Die Grundidee seines Ansatzes des subadditiven Diskontierens stammt aus
anderen Anwendungsgebieten der behavioral economics: So zeigt sich bei Experimenten, dass
Menschen oft bereit sind, für einzelne Teile eines Angebots mehr zu zahlen als für die Summe der
Einzelteile. Hat man beispielsweise die Wahl zwischen der Chance auf einen Gewinn mit einer
Gewinnwahrscheinlichkeit von einem Drittel und der Chance auf zwei voneinander unabhängige
Gewinnen mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von je einem Sechstel, so bevorzugt man die zweite
Alternative, obwohl die gesamte Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes in beiden Fällen die gleiche ist.
Ähnliches kann man sich auch für den Umgang von Menschen mit dem Faktor Zeit vorstellen. Will
man schätzen, welchen Wert eine Zahlung in einem Jahr am heutigen Tag hat, so hat man zwei
Möglichkeiten: Man kann den Zeitraum als ein Jahr wahrnehmen oder aber als zwölfmal einen
Monat. Beim klassischen Diskontieren macht diese Wahrnehmung keinen Unterschied der
Gegenwartswert der Zahlung ist immer der gleiche, unabhängig davon, ob man das Jahr als ein
Jahr wahrnimmt oder als zwölf Monate. Beim subadditiven Diskontieren hingegen macht diese
Wahrnehmung einen Unterschied die Abzinsung der Summe insgesamt wird größer, wenn das
Jahr in zwölf einzelne Abschnitte zerlegt wird (der gesamte Diskontierungsfaktor wird also kleiner).
Scholten und Read (2004) legten in einem einfachen Experiment Optionen zwischen drei
verschiedenen Geldbeträgen an drei verschiedenen Zeitpunkten vor. Jeweils zwei Geldbeträge und
die Zeitpunkte, an denen sie zu erhalten waren, wurden in einer Option zusammengefasst. Die
Reihenfolge der Optionen wurde zufällig zusammengestellt, so dass sich z.B. die folgenden
Optionen ergaben:
1. 500 Pfund in einer Woche (A) oder 525 Pfund in zwei Wochen (B)
2. 525 Pfund in zwei Wochen (B) oder 550 Pfund in drei Wochen (C)
3. 550 Pfund in drei Wochen (C) oder 500 Pfund in einer Woche (A)
Wählt ein Proband nun A>B, B>C und A>C so hat er konsistente Präferenzen und ist ungeduldig;
wählt er B>A, C>B und C>A, so ist er geduldig und konsistent in seinen Präferenzen. Eine Wahl
A>B, B>C und C>A hingegen wäre inkonsistent: für jeweils 25 Pfund mehr ist der Proband nicht
bereit, eine Woche länger zu warten, aber er ist bereit, für zweimal 25 Pfund zwei Wochen länger
zu warten. Mit Hilfe der Idee der Subadditivität lässt sich dieses Verhalten wie folgt erklären: Wenn
Menschen ein Intervall in einzelne Teilintervalle unterteilen, diskontieren sie die einzelnen Intervalle
stärker ab als das Gesamtintervall, d.h. das Produkt der Diskontfaktoren über die Teilintervalle ist
geringer als der Diskontfaktor über das Gesamtintervall (Subadditivität). Im Falle der Wahl A>B,
B>C und C>A diskontiert man die 25 Pfund jeweils über eine Woche stärker ab als die 50 Pfund
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über zwei Wochen; auf 25 Pfund eine Woche zu warten ist schmerzhafter, als auf 50 Pfund zwei
Wochen länger zu warten.
Allerdings ist auch ein weiteres inkonsistentes Entscheidungsmuster möglich, nämlich die Wahl
B>A, C>B und A>C. Hier tritt offenbar das Gegenteil der Subadditivität ein: Zweimal hintereinander
eine Woche auf 25 Pfund zu warten ist offenbar weniger schmerzhaft als zwei Wochen am Stück
auf 50 Pfund zu warten; die 25 Pfund werden über die Teilintervalle von jeweils einer Woche
weniger diskontiert als über zwei Wochen. Das Produkt der Diskontfaktoren über die Teilperioden
ist also größer als der Diskontfaktor über die Gesamtperiode (Superadditivität). Scholten und
Read (2006) postulieren, dass Superadditivität auftritt, wenn Intervalle als sehr kurz
wahrgenommen werden, mit zunehmender Länge der Intervalle gehe die Superadditivität über in
Subadditivität (Scholten/Read, 2006, S. 1435).
3.4 Weitere alternative Erklärungsansätze
Weitere alternative Erklärungsansätze für zeitinkonsistentes Verhalten sind Einflüsse wie Hunger,
Gier, Schmerz oder andere ungesteuerte, impulsive Gefühle. Solche Gefühle können
zeitinkonsistentes Verhalten auslösen, indem sie eine Entscheidung beeinflussen: In der Hitze des
Moments werden Objekte oder Handlungsweisen attraktiver, weswegen man sich dafür entscheidet
und gegen die langfristige Option. Wer eine Diät plant, wird angesichts akuten Hungers leichter
geneigt sein, mit seinen guten Vorsätzen zu brechen was dann zeitinkonsistentes Verhalten zur
Folge hat. Wenn die akute Nähe einer Belohnung oder andere Faktoren wie Gerüche, Geräusche
oder vertraute Situationen solche ungesteuerten Gefühle auslöst, tragen diese also dazu bei, dass
sich Menschen zeitinkonsistent verhalten.
Eng verwandt mit dieser Erklärung ist die Idee, dass Menschen sich bei der Schätzung ihres
zukünftigen Nutzens irren; sie erahnen vielleicht korrekterweise, wie sich ihre Vorlieben ändern
werden, aber schätzen die Größe dieser Veränderung falsch ein (projection bias). Das führt dazu,
dass Menschen, die im Winter ihren Sommerurlaub planen, zu warme Urlaubsorte wählen, dass sie
vor lauter Hunger zu große Portionen bestellen und mit dem Rauchen anfangen, weil sie
fälschlicherweise annehmen, jederzeit wieder damit aufhören zu können. Der projection bias führt
dann zu zeitinkonsistentem Verhalten: Man beginnt mit dem Rauchen mit dem Vorsatz, es nach
den stressigen Prüfungen wieder zu beenden, hört dann aber nicht auf, da man den Einfluss des
Nikotins und die Schwierigkeit, mit dem Rauchen aufzuhören, unterschätzt hat.
Ein weiterer Erklärungsansatz für zeitinkonsistentes Verhalten stammt von O’Donoghue und Rabin
(2000): Menschen führen Vorsätze, die sie sich vorgenommen haben, nicht aus, weil sie statt einem
kleinen Schritt den großen Wurf machen wollen. Statt also beispielsweise das Geld für die
Altersvorsorge von einem Konto, das mit zwei Prozent verzinst wird, auf ein Konto mit sechs
Prozent Zinsen zu transferieren, wartet man ab, weil man Aussicht auf ein Konto mit 6,2 Prozent
Verzinsung hat. Doch die Suche nach dem Konto mit den 6,2 Prozent schiebt man nun vor sich her
und lässt das Geld auf dem Konto mit den zwei Prozent liegen. Dadurch, dass man eine weitere,
bessere Option hinzufügt, führt man die zweitbeste Option nicht durch und zögert so die
Entscheidung hinaus. Ein weiteres Beispiel hierfür ist das Lernverhalten von Studenten: Anstatt
wenigstens eine Stunde am Tag zu lernen, vertröstet man das schlechte Gewissen auf den großen
Lerntag, an dem man gleich ein paar Stunden lernt und lässt so die Stunde ungenutzt
verstreichen. Den großen Lerntag allerdings schiebt man dann wieder vor sich her. So intuitiv
einleuchtend dieser Ansatz ist, kann er aber doch nicht erklären, warum Menschen die größere,
bessere Option, den Lerntag, das 6,2-Prozent-Konto oder den Aufräumtag vor sich herschieben.
4 Weitere Zeitanomalien
4.1 Vorzeicheneffekt
Im DU-Modell spielt es für die Höhe des persönlichen Zinssatzes keine Rolle, ob es beim
Diskontieren um Gewinne oder Verluste geht. Viele Studien zeigen aber, dass Menschen Gewinne
stärker diskontieren als Verluste also unterschiedliche Diskontsätze für Gewinne und Verluste
anwenden. Generell bedeutet das, dass Menschen für unterschiedliche Güter unterschiedliche
Zinssätze anwenden, je nachdem, wie hoch das Ausmder positiven oder negativen Vorfreude
ist.
Betrachtet man finanzielle Verluste, so wäre ökonomisch betrachtet ein Aufschub um eine
möglichst lange Zeit die rationalste Lösung. Je länger man einen Verlust vermeiden kann, um so
länger kann man das verloren gehende Geld beispielsweise zinstragend anlegen. In der Praxis
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scheinen Menschen aber eine Vorliebe dafür zu haben, Verluste sofort hinzunehmen, statt sie
aufzuschieben. Das Vorzeichen eines Geldbetrags hat also Einfluss auf die Höhe des
Diskontfaktors, mit dem wir diesen Geldbetrag abzinsen. Handelt es sich um einen Verlust, so ist
dieser Diskontfaktor deutlich höher als wenn wir einen Gewinn abzinsen.
In einer Studie demonstriert Thaler (1981) den Vorzeicheneffekt, indem er die Versuchspersonen
fragt, was sie bereit sind zu zahlen, um eine Strafe später zu entrichten. Dabei zeigt sich, dass die
Zinssätze signifikant niedriger liegen als im Falle eines angenommenen Lottogewinns. Befragt, was
man ihnen zahlen muss, damit sie bereit sind, auf die Auszahlung eines Lottogewinns zu warten,
waren die Teilnehmer bereit, auf einen Gewinn von 15 Dollar ein Jahr zu warten, wenn man ihnen
in einem Jahr dafür dann 60 Dollar zahlt das entspricht einem Zinssatz von knapp 140 Prozent.
Wer eine Strafe von 15 Dollar (100 Dollar) um ein Jahr verschieben wollte, war nur bereit, dafür
stattdessen in einem Jahr 20 (118) Dollar zu zahlen; das entspricht einem Zinssatz von 29 (16)
Prozent. Gewinne werden also mit einem größeren Zinssatz abgezinst als Verluste.
Eine mögliche Erklärung für den Vorzeicheneffekt besteht darin, dass Menschen eine Aversion
gegen Schulden haben: Sie zahlen Darlehen oder Hypotheken schneller zurück als sie müssten,
selbst wenn sie dafür weniger Zinsen bezahlen müssen als sie für ihr Erspartes erhalten (was dafür
sprechen würde, diese Schulden so lange wie möglich vor sich herzuschieben). Berücksichtigt man
die Existenz von Inflation, so ist diese Schuldenaversion rätselhaft, da ein Schuldner alleine schon
mit Blick auf die reale Entwertung seiner Schulden ein Interesse daran haben muss, seine
Schulden möglichst lange vor sich her zu schieben, zumal die erwartete Inflationsrate mit in dem
Zinssatz enthalten ist, den der Schuldner zahlt. Möglicherweise ist die Schuldenaversion eine Art
Heuristik, eine einfache Methode zur Lösung komplexer Probleme: Schulden bedeuten, dass man
aufgrund des Schuldendienstes in Zukunft in seiner finanziellen Bewegungsfreiheit eingeschränkt
ist dieser Verlust an zukünftiger finanzieller Bewegungsfreiheit bedeutet einen Verlust an
Optionen. Um sich seine Bewegungsfreiheit in einer ungewissen Zukunft zu sichern, befreit man
sich möglichst rasch von Schulden, um zu vermeiden, dass man spätere Möglichkeiten nicht nutzen
kann.
Eine andere Erklärung des Vorzeicheneffektes stellt darauf ab, dass es neben dem Nutzen eines
Gutes auch den Nutzen aus der Vorfreude auf ein Gut gibt (siehe dazu auch Punkt 4.5) positive
oder auch negative Vorfreude. Damit ließe sich der Vorzeicheneffekt erklären: Wenn negative
zukünftige Ereignisse eine stärkere Emotion sind als positive zukünftige Ereignisse, so wird der
Nutzen aus der Vorfreude diesen Effekt generieren die Vorfreude aus der zukünftigen Zahlung
wiegt weniger als die negative Vorfreude aus dem zukünftigen Verlust, weswegen man diesen
weniger diskontiert. Die Verlustaversion zeigt sich auch in der an der Hochschule Pforzheim
durchgeführten Studie (Wüst und Beck 2009). 86,5% der befragten Studierenden gaben an, dass
sie mehr Zeit zum Lernen verwenden würden, wenn sie eine fest angenommene Note dadurch um
0,3 verbessern könnten.
4.2 Größeneffekt
Sie könnten heute 10 € geschenkt bekommen. Würden Sie, statt das Geld sofort zu nehmen, lieber
ein Jahr warten und dann 15 erhalten? Und wie würden Sie sich verhalten, wenn Sie entweder
sofort 100 bekommen könnten oder alternativ 150 in einem Jahr? Wenn Sie sich für die 10
heute entscheiden, müssten Sie theoretisch auch die 100 heute bevorzugen. Warten Sie lieber
und erhalten Sie in einem Jahr 15 €, so sollten Sie auch bei der zweiten Entscheidungssituation auf
die 150 € warten. In einer Studie (Thaler, 1981) wurden Versuchspersonen befragt, was man ihnen
zahlen muss, damit sie bereit sind, auf die Auszahlung eines Lottogewinns zu warten. Dabei waren
diese bereit, bei einem Gewinn von 15 Dollar ein Jahr zu warten, wenn man ihnen in einem Jahr 60
Dollar zahlt das entspricht einem Zinssatz von knapp 140 Prozent. Bei einem Gewinn von 250
(3000) Dollar verlangten sie 350 (4000) Dollar, was einem Zinssatz von 34 (29 Prozent) entspricht.
Mit steigenden Beträgen sank auch auf Fristen von drei Monaten oder drei Jahren der Zinssatz,
den die Versuchspersonen als Kompensation für die Wartezeit verlangten.
Eine mögliche Erklärung für diesen sogenannten Größeneffekt besteht darin, dass Menschen nicht
nur relative Unterschiede, sondern auch absolute Unterschiede wahrnehmen (Loewenstein, Prelec,
1989). Der Unterschied zwischen 100 und 150 Dollar erscheint uns größer als der Unterschied
zwischen 10 und 15 Dollar, obwohl der relative Unterschied der gleiche ist. Deswegen ist man
bereit, auf die 150 Dollar ein Jahr zu warten, aber nicht auf die 15 Dollar. Ein zweiter
Erklärungsansatz wäre, dass Menschen hier sogenanntes mental accounting betreiben: Kleine
Beträge werden auf ein mentales Konto „Laufende Posten“ verbucht und sofort konsumiert, größere
Beträge hingegen wandern auf ein mentales Sparkonto und werden damit sorgfältiger behandelt.
Die Kosten des Wartens auf einen kleinen Betrag werden im ersten Fall als verschobener Konsum
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betrachtet, die Kosten des Wartens auf große Beträge hingegen nur als Kosten entgangener
Zinsen. Wenn die Kosten aufgeschobenen Konsums höher bewertet werden als die Kosten
entgangener Zinsen, werden Menschen für kleine Beträge höhere Zinsen fordern, um für das
Verschieben des Konsums entschädigt zu werden; für größere Beträge hingegen fordert man
weniger Zinsen. Das würde im Extremfall bedeuten, dass Menschen für große Beträge einen
Zinssatz fordern, der sich eng am aktuellen Marktzins (zusätzlich einer Risikoprämie) bewegt.
4.3 Vorliebe für steigende Konsumprofile
Was wäre Ihnen lieber? Wenn Sie drei Zahlungen von beispielsweise 90 €, 100 € und 110 € in drei
aufeinanderfolgenden Monaten in aufsteigender Reihenfolge (also zuerst die 90 €, dann die 100
und dann die 110 €) oder in absteigender Reihenfolge (erst 110 €, dann 100 und zuletzt 90 €)
erhalten würden? Die Mehrheit der Probanden einer Studie von Loewenstein/Prelec (1993)
bevorzugt die Zahlungen in aufsteigender Reihenfolge. Dieses ist erstaunlich: Bei jedem positiven
Zinssatz hat eine absteigende Zahlungsfolge einen höheren heutigen Wert, da eine Zahlung, die
man früher erhält, immer mehr wert ist als eine gleich hohe Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt.
Berücksichtigt man wieder die Inflation, so wird es noch unverständlicher, denn mit steigender
Inflationsrate werden zukünftige Zahlungen zunehmend wertloser. Möglicherweise spielt hier wieder
die Vorfreude auf höhere Zahlungen eine Rolle.
Diese Vorliebe für steigende Konsumprofile zeigt sich auch bei Lohnzahlungen: Menschen
bevorzugen steigende Lohnprofile, ein Befund, der sich auch mit der Empirie am Arbeitsmarkt
deckt. Nun gibt es allerdings auch andere Erklärungen für steigende Lohnprofile, so erstens die
steigende Erfahrung und Produktivität mit längerer Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit.
Diesem Argument stellen Frank/Hutchens (1993) allerdings den Befund entgegen, dass auch
Busfahrer und Piloten steigende Lohnprofile aufweisen, obwohl deren Produktivität mit steigendem
Alter eher sinken dürfte und man bereits nach wenigen Jahren Berufserfahrung seine volle
Produktivität entfaltet habe.
Eine zweite Erklärung für steigende Lohnprofile wäre das sogenannte hold-up-Problem: Zahlt die
Firma steigende Löhne mit steigender Betriebszugehörigkeit, so kann sie in die firmenspezifische
Ausbildung des Arbeitnehmers investieren, ohne dass sie befürchten muss, dass dieser
anschließend kündigt und die teure Investition in ihn umsonst war. Auch dieses Argument, so sagen
Frank und Hutchens (1993), gelte nicht für Busfahrer und Piloten: Die Ausbildung dieser
Berufsgruppen sei wenig unternehmensbezogen und bereits abgeschlossen, wenn diese in das
Unternehmen eintreten. Eine weitere ökonomische Erklärung für steigende Lohnprofile wären
Effizienzlöhne: Wer mit steigender Betriebszugehörigkeit einen höheren Lohn erhält, wird diesen
nicht durch Bummelei oder Betrug riskieren wollen.
Eine psychologische Erklärung für die Vorliebe für steigende Lohnprofile könnte die aus der
prospect theory bekannte Verlustaversion sein (vgl. Kahnemann undTversky 1979). Wer ein
bestimmtes Einkommensniveau erreicht hat, betrachtet dieses als Besitzstand ein niedrigeres
Einkommen wird als Verlust empfunden, den man vermeiden will. Genau genommen ist ein
sinkender Lohn ein Verlust an Konsummöglichkeiten, und um diesen gefühlten Verlust zu
vermeiden, sind Menschen bereit, Geld zu bezahlen, nämlich die entgangenen Zinsen auf das
fallende Lohnprofil.
Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist ein einfaches psychologisches Prinzip: Der Nutzen des
Konsums hängt nicht von dessen absoluter Höhe, sondern vom bisherigen Konsum ab man
gewöhnt sich also an ein bestimmtes Konsumniveau. Steigert man nun seinen Konsum, so zieht
man alleine aus dessen Zunahme einen zusätzlichen Nutzen. So wie man sich allmählich an heißes
Wasser oder laute Musik gewöhnt, so gewöhnt man sich an sein aktuelles Konsumniveau und will
deshalb immer mehr konsumieren. Diese Idee würde sich mit dem sogenannten Easterlin-Paradox
decken, das besagt, dass trotz steigender realer Einkommen das durchschnittliche
Zufriedenheitsniveau der Menschen in den westlichen Industrienationen nicht gestiegen ist (vgl.
dazu Clark;Frijters und Shields2008).
Nun steht dem Verlangen nach einer Verbesserung des Konsumprofils allerdings das Verlangen
nach unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung entgegen, und diese beiden sich widersprechenden
Bedürfnisse bestimmen nun die Konsummuster doch wann siegt welches Motiv? Eine Idee
besteht darin, dass das relative Gewicht dieser beiden Motive davon abhängt, wie man eine
Entscheidungssituation wahrnimmt. Dazu ein einfaches Gedankenexperiment (Loewenstein
undPrelec, 1991): Stellen Sie sich vor, Sie besuchen eine fremde Stadt. Dort haben Sie zwei
Verabredungen: Mit einem langjährigen Freund und mit einer nervenden, unangenehmen Tante. In
welcher Reihenfolge machen Sie Ihre Besuche: Zuerst den Freund oder erst die Tante? Rund 90
Prozent aller Menschen besuchen zuerst die Tante, dann den Freund. Was aber, wenn Sie die
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Stadt zweimal besuchen kommendes Wochenende und dann wieder in 26 Wochen? Jetzt
entscheiden sich 48 Prozent der Befragten, zuerst am kommenden Wochenende den Freund zu
besuchen und dann in 26 Wochen die Tante. Für viele der Befragten reichen 25 Wochen Abstand
aus, um die beiden Besuche nicht mehr als eine Reihe wahrzunehmen. Beide Besuche werden
damit als getrennte Ereignisse wahrgenommen dann siegt die Ungeduld. Ein anderes Ergebnis
erhält man, wenn man den Besuch der Stadt wieder auf eine Woche beschränkt allerdings erst in
26 Wochen. Jetzt sind die Vorlieben wieder eindeutig: 83 Prozent der Befragten besuchen lieber
erst die nervige Tante und dann den Freund auch wenn beide Besuche erst in 26 Wochen
stattfinden sollen.
Es ist nach dieser Idee also eine Frage der Wahrnehmung, ob die Ungeduld siegt oder ob wir gute
Ereignisse weiter nach hinten verschieben, weil wir eine kontinuierliche Verbesserung wollen.
Nehmen wir mehrere Ereignisse Besuche in unterschiedlichen Restaurants als eine Reihe
wahr, so neigen wir dazu, diese Ereignisse in einer aufsteigenden Reihenfolge zu bevorzugen.
Sobald diese Ereignisse für uns aber in keinem zeitlichen oder inneren Zusammenhang stehen,
siegt die Ungeduld und wir bevorzugen die guten Ereignisse sobald wie möglich.
4.4 Speed-delay-Effekt
Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen Einkaufsgutschein über 50 € von Ihrem Supermarkt
geschenkt. Sie dürfen den Gutschein in einer Woche abholen. Sie können sich aber auch dafür
entscheiden, den Gutschein erst in 4 Wochen zu erhalten. Der Betrag würde dann ein wenig erhöht.
Ab welcher Erhöhung wären Sie bereit, noch drei Wochen länger zu warten? Nehmen wir an, Sie
sagen bei einer Erhöhung auf 60 € zu, den Gutschein erst in 4 Wochen abzuholen. Und nun stellen
Sie sich vor, Sie hätten als erstes einen Einkaufsgutschein über 60 geschenkt bekommen, den
Sie in 4 Wochen einlösen dürfen. Auf welchen Betrag würden Sie verzichten, wenn Sie den
Gutschein stattdessen bereits in einer Woche bekämen? Würden Sie mit 50 € in einer Woche
zufrieden sein? Wahrscheinlich nicht.
Loewenstein (1989) präsentiert die Ergebnisse einer Studie, bei der 105 High-School-Schülern
Plattengutscheine über 7 Dollar versprochen wurden. Je 35 Schüler sollten den Gutschein nach
einer Woche, vier Wochen oder acht Wochen erhalten. Die Schüler wurden vor die Wahl gestellt,
ihre Gutscheine zu behalten oder sie für Gutscheine über einen geringeren Betrag, den sie früher
erhalten konnten, bzw. Gutscheine über einen höheren später zu erhaltenden Betrag
einzutauschen. Auf diese Weise konnte ermittelt werden, ob eine Verzögerung genauso stark
bewertet wird wie eine frühere Auszahlung. Zum Beispiel sollte eine Verzögerung von einer auf vier
Wochen die gleiche geforderte Erhöhung des Gutscheinbetrags zur Folge haben, mit der bei einer
Beschleunigung von vier auf eine Woche der Betrag des Gutscheins hätte fallen dürfen. Dieses war
aber nicht der Fall. So forderten die Schüler z.B. dafür, dass sie vier statt einer Woche warten
mussten, $1,09 mehr, während sie, wenn sie ihren Gutschein nach einer statt vier Wochen erhalten
konnten, nur auf 25 Cent verzichten wollten. Durchweg wurde für das längere Warten eine mehr als
doppelt so hohe Entschädigung verlangt als den Probanden ein früheres Erhalten des Gutscheins
mit gleichem Zeitabstand wert war.
Eine mögliche Erklärung für diesen Befund könnte wieder Verlustaversion sein: Der negative
Nutzen aus einem Verlust (respektive einer Verschiebung) wäre danach größer als der (positive)
Nutzen, den man aus einem Gewinn (einer Beschleunigung) zieht. Eine alternative Erklärung
besteht allerdings in der Unsicherheit über den Erhalt des Geschenks oder der Geldsumme:
Möglicherweise wird die Bitte um eine Verschiebung als Signal aufgefasst, dass es Probleme bei
der Rückzahlung geben könnte was zu einer höheren Forderung, also dem Bestehen auf einer
Risikoprämie für eine Verschiebung führt.
4.5 Vorfreude und Angst
Das Standard-Modell für Zeitpräferenzen geht davon aus, dass Menschen einen Nutzenzuwachs so
rasch wie möglich haben wollen, wohingegen sie unangenehme Dinge so weit wie möglich nach
hinten schieben möchten. Diese Vorstellung deckt sich nicht mit der intuitiven Idee, unangenehme
Dinge rasch hinter sich zu bringen oder schöne Dinge aufzuschieben, um sich etwas Vorfreude zu
bewahren.
Loewenstein (1987) zeigt die Bedeutung solcher Emotionen wie Vorfreude und negativer Vorfreude
in einem einfachen Experiment: Die Versuchspersonen sollten sich einerseits vorstellen, 1.000
Dollar zu verlieren, andererseits einen (nicht-tödlichen) Elektroschock zu erhalten oder einen Kuss
von einem Filmstar ihrer Wahl zu bekommen. Dann wurden sie gefragt, was sie heute bereit wären
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zu zahlen, um einen sofortigen Elektroschock oder Geldverlust bzw. einen Schock oder Verlust
nach Verzögerungen von drei Stunden, einem Tag, drei Tagen, einem Jahr oder zehn Jahren zu
vermeiden bzw. den Kuss zu erhalten. Es sollte erwartet werden, dass der Wert eines Gewinns
oder die Abneigung gegenüber einem Verlust mit der zeitlichen Entfernung des Ereignisses
abnehmen. Dieses war bei diesem Experiment bei dem Verlust eines Geldbetrages auch der Fall.
Das gegenteilige Ergebnis zeigte sich bei den drohenden Elektroschocks: Eine Verschiebung der
Vermeidung des Schocks um Stunden oder um ein bis drei Tage machte für die Versuchspersonen
praktisch keinen Unterschied sie zeigten kaum eine niedrigere oder höhere Bereitschaft, für die
Vermeidung des Schocks gegenüber des sofortigen Schocks zu zahlen. Aber als es galt, den
Elektroschock in ein oder zehn Jahren zu vermeiden, zeigten sie eine sichtbare Bereitschaft, für die
Vermeidung zu bezahlen. Die Entfernung des Elektroschocks macht dessen Vermeidung nicht
weniger, sondern im Gegenteil mehr wert. Der Grund besteht vermutlich in der negativen
Vorfreude, der ängstlichen Erwartung eines negativen Ereignisses. Wir wollen uns nicht zu lange
mit der Angst vor dem kommenden Ereignis herumschlagen und sind bereit einiges für die
Vermeidung des angstauslösenden Ereignisses zu zahlen.
Anders hingegen war es beim Filmstarkuss: Hier waren die Versuchspersonen bereit, mehr dafür
zu bezahlen, wenn sie den Kuss erst in drei Tagen statt sofort bekommen konnten. Anstatt mehr
Geld dafür zu verlangen, dass sie sich drei Tage länger gedulden mussten, zahlten sie mehr Geld
dafür, drei Tage auf das Ereignis warten zu dürfen. Menschen sind offenbar bereit, für Vorfreude
Geld zu bezahlen wir ziehen einen Nutzen aus einer Vorfreude, und für diesen Nutzen sind wir
bereit zu bezahlen.
Diese Experimente belegen, dass Menschen ihre Erwartungen mit auf die Rechnung schreiben: Für
angenehme Dinge sind sie bereit, eine Warteprämie zu zahlen, um sich Vorfreude zu erhalten. Bei
unangenehmen Dingen zahlen sie Geld dafür, dass sie diese vermeiden können und sich nicht
länger mit den negativen Vorgefühlen herumplagen müssen. Dieses Phänomen könnte auch den
Vorzeicheneffekt erklärten: empfindet man Schulden und deren Rückzahlung als etwas
unangenehmes, so wird man sich bemühen, diese schneller zurückzuzahlen, um dieses
unangenehme Erlebnis aus der Welt zu schaffen.
5 Politische Implikationen
Die für die Wirtschaftspolitik wohl wichtigste Erkenntnis dieser Forschung ist, dass Menschen
tatsächlich zeitinkonsistentes Verhalten aufweisen damit lässt sich erklären, warum Menschen
ungesund leben oder keine ausreichende Vorsorge für das Alter treffen. Damit öffnen sich zwei
wichtige Politikfelder: Zum einen die Frage nach einer Förderung der privaten Altersvorsorge, zum
anderen die Frage, ob der Staat ungesunde Lebensweisen verhindern sollte.
Wenn Menschen sich zeitinkonsistent verhalten, so bedeutet das, dass sie den heutigen Konsum
der späteren Altersvorsorge vorziehen und das im Alter bereuen. Dieses Argument spricht für
eine obligatorische Mindestvorsorge für das Alter, wenngleich man diese auch mit einfacheren
Argumenten, vor allem der Gefahr von Trittbrettfahrerverhalten (man sorgt nicht fürs Alter vor, weil
man hofft, dass der Staat einen nicht im Regen stehen lässt), rechtfertigen kann. Keine Antwort
kann die Theorie auf die Frage geben, wie hoch denn die vorgeschriebene Mindestvorsorge sein
soll. Will man Trittbrettfahrerverhalten verhindern, so reicht es, eine Mindestvorsorge nur insoweit
vorzuschreiben als sie das Existenzminimum sichert wie luxuriös jemand im Alter leben will, ist
nach dieser Auffassung Privatsache.
Wer hingegen auf zeitinkonsistentes Verhalten abstellt, kann argumentieren, dass man eine höhere
Altersabsicherung vorschreiben muss, beispielsweise eine, die sich am aktuellen Lebensstand des
jeweiligen Vorsorgenden orientiert, da Menschen zwar eine höhere Vorsorge für das Alter treffen
wollen, aber aufgrund ihres zeitinkonsistenten Verhaltens daran scheitern. Diese Idee ist äußerst
problematisch, da sie impliziert, dass der Staat besser über die Präferenzen seiner Bürger
Bescheid weiß, als diese es tun.
Es ist also fraglich, ob das Phänomen der Zeitinkonsistenz eine Aufforderung an den Gesetzgeber
darstellt, das Altersvorsorgeverhalten der Bürger mit Zwang zu beeinflussen. Ein Beispiel, wie man
zeitinkonsistentes Verhalten der Menschen ohne Zwang zu ihrem Vorteil einsetzen kann, geben
Thaler und Bernatzi (2003) mit ihrem vorgeschlagenen Modell „Save More Tomorrow“ (SMT) zur
Bekämpfung zeitinkonsistenten Verhaltens bei der Altersvorsorge. Bei diesem Programm
verpflichten sich die Teilnehmer, einen Teil ihrer zukünftigen Gehaltssteigerungen zu sparen. Das
Ergebnis des Programms: Rund 78 Prozent nahmen teil, 80 Prozent der Teilnehmer blieben auch
nach der dritten Gehaltserhöhung dem Programm treu, die durchschnittlichen Sparraten stiegen
über 40 Monate von 3,5 auf 13,6 Prozent an (Thaler und Bernatzi 2004, S. 165).
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Das Phänomen der Zeitinkonsistenz wird auch als Argument für staatliche Eingriffe beim Konsum
von Zigaretten, Alkohol und anderen gesundheitsschädlichen Substanzen angeführt. Hier werden
unter anderem so genannte ndensteuern diskutiert (O’Donoghue und Rabin 2003). Steuern auf
Tabak oder Alkohol, so die Idee, helfen willensschwachen Konsumenten, in ihrem Handeln
zeitkonsistent zu werden und reduzieren die Gefahr, dass Menschen mit ihrem heutigen Konsum
ihrem zukünftigen Selbst Schaden zufügen.
Darüber hinaus werden unter dem BegriffLiberaler Paternalismus“ weitere weniger invasive
Maßnahmen diskutiert (vgl. dazu auch Thaler und Sunstein 2003). Die Grundidee des liberalen
Paternalismus besteht darin, das Verhalten der Bürger nicht durch Zwang, sondern durch
geschickte Verhaltenslenkung zu beeinflussen. Ein Beispiel für diese Idee sind sogenannte Default-
Optionen bei der Gestaltung betrieblicher Pensionspläne. Statt die Arbeitnehmer aufzufordern, an
einem solchen Programm teilzunehmen (opting-in-Klausel), deklariert man die Teilnahme am
Programm als Regel; wer nicht teilnehmen will, muss dies explizit erklären (opting-out-Regel). Rein
ökonomisch gesehen handelt es sich um äquivalente Gestaltungsmöglichkeiten, psychologisch
gesehen jedoch nicht Menschen neigen dazu, die Variante, welche ihnen als die jeweils gültige
präsentiert wird, zu wählen. Mit Hilfe der opting-out-Klausel steigt deswegen, verglichen mit einer
opting-in-Klausel, die Zahl der Teilnehmer an einem Pensions-Schema.
So elegant diese Ideen klingen, so umstritten sind sie auch. Die Diskussion um Zeitinkonsistenz
unterstellt stets, dass die spätere Entscheidung die jeweils „bessere“, ist, weil man die frühere
Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt bereut. Modelliert man Zeitinkonsistenz als Konflikt
zwischen einem heutigen Ich und einem zukünftigen Ich, so kann man zeitinkonsistentes Verhalten
als ein Problem externer Effekte zwischen dem willensschwachen heutigen Ich und dem morgigen
Ich modellieren. Das heutige Ich konsumiert Tabak oder Alkohol, ohne die dabei anfallenden
Kosten zu tragen die fallen dann erst beim zukünftigen Ich an. Diese Idee intrapersonaler externer
Effekte rechtfertigt aus Sicht der Verfechter des asymmetrischen Paternalismus Maßnahmen zur
Internalisierung, die dafür sorgen, dass die späteren Kosten der heutigen ungesunden
Lebensweisen auch beim heutigen statt beim späteren Ich anfallen. Das ginge beispielsweise durch
Steuern auf Alkohol und Tabak.
Doch diese Sicht kann man in Frage stellen, indem man überlegt, wer eigentlich wem schadet
schadet das heutige Ich dem morgigen Ich durch das Rauchen, oder ist es das morgige Ich, das mit
seiner Forderung nach Gesundheit die Präferenzen des heutigen Ichs belastet, indem es dem
heutigen Ich bei jeder Zigarette ein schlechtes Gewissen macht? Handelt es sich um einen
klassischen externen Effekt, so ist die Verteilung der Eigentumsrechte unklar und damit steht
nicht automatisch fest, dass das heutige Ich dem zukünftigen Ich schadet. Möglicherweise ist es ja
das zukünftige Ich, welches das heutige Ich durch das schlechte Gewissen in seinem heutigen
Konsum übermäßig beschränkt dann aber müsste man den Tabakkonsum sogar subventionieren.
(vgl. dazu ausführlich Whitman 2006).
Diese Überlegungen zeigen, dass zeitinkonsistentes Verhalten für die Politik kein triviales Problem
darstellt, vor allem deswegen, weil jegliche politische Maßnahme ein Urteil über die Präferenzen
der Bürger erfordert. Letztlich stehen hinter dem Bedürfnis der Politik, hier einzugreifen, immer noch
die Annahmen des klassischen DU-Modells, nach dem eine einmal gefasste Entscheidung auch zu
einem späteren Zeitpunkt nicht revidiert wird wer sich heute für 1010 Euro statt der 1000 Euro
später entscheidet, tut dies nach der Auffassung des DU-Modells eben auch in 12 Monaten noch.
Eventuell aber sind Menschen in ihren Vorlieben weniger stabil und weniger berechenbar, als es
der klassischen Ökonomie lieb sein kann.
Möglicherweise könnte auch der Größeneffekt ein Einfallstor für wirtschaftspolitische Eingriffe
darstellen. Thaler (1981) zeigt auch, dass Menschen im Falle von kleinen Verlusten sehr hohe
Zinsen zahlen: So waren die Versuchspersonen bereit, einen Dollar zu zahlen, um die Bezahlung
eines Strafzettels in Höhe von 15 Dollar um drei Monate zu verschieben das macht einen
Zinssatz von 26 Prozent. Für die Verschiebung um ein Jahr waren die Versuchspersonen sogar
bereit, einen Zinssatz von 29 Prozent zu zahlen; um einen Strafzettel in he von 100 Dollar drei
(zwölf) Monate später zu bezahlen, waren sie bereit, 6 (16) Prozent Zinsen zu zahlen. Wenn also
Menschen bei kleinen Beträgen bereit sind, sehr hohe Zinsen zu zahlen, so kann das zu
Auswüchsen bei der Kreditvergabe führen. In den Vereinigten Staaten gibt es sogenannte payday
loans, bei denen sich die Kunden kurzfristige Kredite über geringe Beträge typisch sind 300 Dollar
leihen können. Zur Besicherung der Kredite hinterlegen die Kunden einen Scheck über den
ausgeliehenen Betrag plus der Gebühr. Zum Fälligkeitsdatum, meist ein Tag nach der Lohnzahlung
(payday), löst der Kreditgeber dann den Scheck ein oder aber der Kunde löst ihn bar aus. Die
Kreditbüros verlangen im Schnitt auf zwei Wochen 15 Dollar je 100 Dollar Kredit das macht einen
jährlichen Zinssatz von 390 Prozent; in Einzelfällen sind es sogar mehr als 700 Prozent. Das hat
dazu geführt, dass beispielsweise Ohio den Zinssatz, den die Kreditbüros nehmen dürfen, auf
maximal 28 Prozent beschränkt hat. (o.V., 2008)
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Nimmt man diese Idee ernst, so würde dieser Effekt eine staatliche Begrenzung für Kreditzinsen bei
Kleinbeträgen rechtfertigen. Bei großen Beträgen hingegen scheint dies weniger geboten zu sein:
So unterstreicht Thaler, dass die Versuchspersonen mit ihren Entscheidungen um so näher am
normativen Modell des Diskontierens liegen, je größer die Summen sind, um die es geht (Thaler,
1981, S. 205). Das spreche für die Idee, dass Menschen sich im Kleinen irren, die „großen“,
wichtigen Dinge hingegen richtig machen. Eine solche Politik könnte sich allerdings abgesehen
von ihrem paternalistischen Charakter zu einer Rutschbahn in den staatlichen Zinsdirigismus
entwickeln, da nun der Staat entscheiden müsste, ab wann ein Zinssatz denn unangemessen ist,
eine Aufgabe, die selbst den Finanzmärkten nicht gelingt. Wäre beispielsweise der extrem hohe
Zinssatz auf einen Überziehungskredit unangemessen oder aber Ausdruck des Risikos, welches
die Bank bei Kunden sieht, die mehr konsumieren, als sie verdienen?
Will man die Vorliebe der Menschen für steigende Konsumprofile wirtschaftspolitisch nutzen, so
könnte man überlegen, die Belastung mit Steuern und Abgaben zeitlich zu staffeln mit
steigendem Alter sinken die Belastungen und ermöglichen so ein aufsteigendes Netto-Lohnprofil.
Allerdings ist schwer vorstellbar, dass diese Idee bei den Bürgern auf viel Gegenliebe stößt:
Abgesehen davon, dass Menschen in frühen Lebensjahren sich eher verschulden statt zu sparen,
um eine Existenz aufzubauen, würde eine solche Belastung sicherlich zu Generationenkonflikten
führen, da die Intention einer solchen Maßnahme schwer zu vermitteln wäre, ebenso wie die für
eine solche Politik notwendigen Sparprozesse durch den Staat nur schwer glaubhaft sind. Damit
eine solche Politik nämlich funktionieren könnte, müsste der Staat die überschüssigen Beiträge, die
er bei den Jungen erhebt, auf die Seite legen. Das würde sich mit der Interpretation decken, dass
Menschen deswegen steigende Lohnprofile bevorzugen, weil sie sich auf diesem Weg vor dem
eigenen zeitinkonsistenten Verhalten schützen können der Arbeitgeber spart sozusagen für den
Arbeitnehmer und verspricht, diese Ersparnisse später in Form höherer Löhne auszuzahlen.
Schwer vorstellbar, dass der Staat als Zwangssparbüchse seiner Bürger nicht selbst versucht sein
wird, zeitinkonsistent zu handeln: Man verspricht den Bürgern gegen höhere Belastungen heute
niedrigere Belastungen morgen und löst dieses Versprechen nicht ein. Und schwer zu glauben,
dass Bürger angesichts dieser Überlegungen nicht ein gesundes Misstrauen gegen den Staat
entwickeln werden.
Die mit dem Vorzeicheneffekt verbundene Schuldenaversion der Menschen deutet daraufhin, dass
Menschen lieber hohe Vorauszahlungen mit anschließenden Rückzahlungen in Kauf nehmen, statt
niedrigere Grundbeiträge mit einer zusätzlichen Selbstbeteiligung bzw. Nachzahlung. Nimmt man
diesen Effekt ernst, so ließen sich daraus entsprechende Ideen für die Gestaltung von Tarifen und
Beiträgen gewinnen.
6 Kritik und Ausblick
Die obigen Ausführungen zeigen, dass die Erkenntnisse aus der Erforschung von Zeitanomalien
wirtschaftspolitische Maßnahmen nahe legen, die umstritten sind: Letztlich laufen diese Vorschläge
auf paternalistische Maßnahmen hinaus, bei denen sich der Staat anmaßt, für seine Bürger zu
entscheiden. Doch nicht nur die politischen Implikationen sind umstritten, auch die theoretische
Basis dieser Ideen sieht sich vielfältiger Kritik ausgesetzt.
Auf individueller Ebene, so ein Kritikpunkt, mögen Menschen merkwürdige Angewohnheiten im
Umgang mit Zeit haben, diese spielen aber auf gesamtwirtschaftlicher Ebene keine Rolle, da diese
Fehlverhaltensweisen nicht systematisch sind, sondern zufällig verteilt. „Manche Menschen irren
immer, manche Menschen zeitweilig, aber nicht alle Menschen irren sich immer“, kann man diesen
Kritikpunkt beschreiben. Die Fehler einzelner Marktakteure gehen im großen
gesamtwirtschaftlichen Bild unter. Dieser Kritik halten die Verfechter der oben diskutierten Ideen
entgegen, dass die oben diskutierten Abweichungen eben nicht zufällig sind, sondern systematisch
und wenn sie systematisch sind, dann unterliegen alle Menschen diesen Verhaltensweisen, damit
hat dieses Verhalten auch Konsequenzen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Die Wahrheit dürfte
vermutlich wie so oft in der Mitte liegen: Es wäre sicherlich übertrieben zu postulieren, dass alle
Menschen bei Diäten versagen, nicht mit Zinseszinsrechnung umgehen können oder gleichmäßige
Konsumprofile vorziehen, das bedeutet aber nicht, dass diese Phänomene nur rein zufällige
Erscheinungen sind.
Dennoch: Die Ergebnisse der Experimente haben nach Auffassung ihrer Kritiker wenig Relevanz für
die Realität, da sie in Laborversuchen entstehen und damit in einer unnatürlichen Umgebung in
der Realität, so das Argument, sind Menschen viel cleverer und handeln richtig. Damit zusammen
hängt auch der Kritikpunkt, dass die Anreize für richtiges Verhalten in den Experimenten nicht
ausreichend seien bei entsprechenden Anreizen würden Menschen ihr Verhalten sorgfältiger
überdenken; zudem fehlen in diesen Experimenten Lerneffekte. Dieser Kritik muss man
Beiträge der Hochschule Pforzheim Nr. 132
entgegenhalten, dass man viele der in diesem Beitrag diskutierten Verhaltensweisen auch in der
Realität findet.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Befund, dass eine konsistente theoretische Alternative zum DU-
Modell fehlt. In der Tat gibt es keine einheitliche, geschlossene Theorie für die oben diskutierten
Befunde, und viele Anomalien im Umgang mit Zeit lassen sich durch konkurrierende Modelle
darstellen. Zudem sind viele Modelle mit Unklarheiten behaftet: So ist beispielsweise unklar,
welchen Referenzpunkt Menschen wählen, wenn sie steigende Konsumprofile wollen die
Bestimmung des Referenzpunktes aber ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Modelle. Ohne einen
solchen Referenzpunkt kann man nicht bestimmen, wann Menschen Zahlungen oder Ereignisse für
einen Verlust oder einen Gewinn halten, aber genau die Wahrnehmung als Gewinn oder Verlust ist
es, die der Theorie nach eine Verhaltensanomalie entstehen lässt oder nicht. Man kann also über
die nachträgliche Wahl des Referenzpunktes das im Labor beobachtete Verhalten ex post erklären.
Doch diese Kritik darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das DU-Modell zwar in sich geschlossen
und logisch konsistent ist, aber viele Anomalien oder auch rationale Verhaltensweisen im Umgang
mit Zeit nicht ohne weiteres einbeziehen kann. Auch sehen sich die Verfechter des DU-Modells
selbst dem Vorwurf der theoretischen Beliebigkeit ausgesetzt, wenn sie postulieren, dass das
Problem der Zeitinkonsistenz lediglich ein Problem sich wandelnder Präferenzen sei. Wenn sich
Menschen beispielsweise nicht an eine Diät halten, so die Idee, liegt das daran, dass sie zum
Zeitpunkt, als sie die Diät beschlossen hatten, andere Ziele hatten (beispielsweise andere
Menschen mit dem Vorsatz beeindrucken, den Partner oder die Partnerin besänftigen), später aber
diese Ziele gegen andere, wichtigere Ziele austauschen. Dann wäre Zeitinkonsistenz nur ein
Problem sich wandelnder Vorlieben und Ziele und mithin immer noch Ausdruck rationalen
Verhaltens. Nimmt man dieses Argument ernst, so bedeutet das, dass man jegliches Verhalten
nachträglich rationalisieren kann, indem man wechselnde Ziele oder Präferenzen annimmt. Damit
gibt man die ökonomische Theorie der Beliebigkeit preis.
Aber keine Frage eine einheitliche, geschlossene Theorie zum menschlichen Umgang mit Zeit
fehlt. Man kann durchaus allen Erklärungsansätzen einen mehr oder weniger gehaltvollen Beitrag
zur Lösung solcher Fragen bescheinigen, und vermutlich haben die meisten Theorien ihre
Existenzberechtigung. So vielfältig wie die menschliche Psyche, die menschliche Natur ist, so
vielfältig sind auch die Motive und Einflussfaktoren im Umgang mit Zeit und damit die Zahl der
Modellansätze, die man benötigt, um dieses Verhalten zu erklären.
Beiträge der Hochschule Pforzheim Nr. 132
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International Economic Review, Vol. 44 (Nov.), No. 4, pp. 1207 1216
Scholten, Marc, Read, Daniel: Interval Effects: Superadditivity and Subadditivity in Intertemporal
Choices, Working Paper, London School of Economics and Political Science (2004)
Scholten, Marc; Read, Daniel (2006): Discounting by Intervalls: A generalized model of
intertemporal choice, in: Management Science, Vol. 52, No. 9 (September 2006), pp. 1424
1436.
Shiller, Robert (1996): Why do people dislike inflation, mimeo, Yale.
Thaler, Richard (1981): Some Empirical Evidence on Dynamic Inconsistency, in: Economics
Letters, Vol. 8 (1981), pp. 201 207
Thaler, Richard; Benartzi, Shlomo (2004): Save more tomorrow: Using behavioral Economics to
increase employee saving, in: Journal of political Economy, Vol. 112 (No. 1), pp. 164 187
Thaler, Richard; Sunstein, Cass R. (2003): Libertarian Paternalism, in: American Economic Review
Papers and Proceedings Vol. 92 No. 2 (May 2003), pp. 175 179
Whitman, Glen (2006): Against the new Paternalism. Internalities and the Economics of Self-
Control, in: Cato Institute (eds.): Policy Analysis No. 563 (February 2006).
Wüst, Kirsten; Beck, Hanno: Rauchen, Sucht und Willensschwäche: Zeitinkonsistentes Verhalten;
erscheint in: WiSt Das Wirtschaftsstudium. Zeitschrift für Ausbildung und Hochschulkontakt.
38. Jg. (2009).
Wüst, Kirsten; Beck, Hanno (2009): Working hours in preparing exams: Overconfidence, loss
aversion and Intertemporal preferences, mimeo.
Verzeichnis der bisher erschienenen Beiträge
52.
Werner Pepels
Aug. 1990
Integrierte Kommunikation
53.
Martin Dettinger-Klemm
Aug. 1990
Grenzen der Wissenschaftsfreiheit. Überlegungen
zum Thema: Freiheit und Verantwortung des
Wissenschaftlers
54.
Werner Pepels
Sept. 1990
Mediaplanung Über den Einsatz von
Werbegeldern in Medien
55.
Dieter Pflaum
Sept. 1990
Werbeausbildung und Werbemöglichkeiten in der
DDR
56.
Rudi Kurz (Hrsg.)
Nov. 1990
Ökologische Unternehmensführung
Herausforderung und Chance
57.
Werner Pepels
Jan. 1991
Verkaufsförderung Versuch einer Systematisie-
rung
58.
Rupert Huth,
Ulrich Wagner (Hrsg.)
Aug. 1991
Volks- und betriebswirtschaftliche Abhandlungen.
Prof. Dr. Dr. h.c. Tibor Karpati (Universität Osijek
in Kroatien) zum siebzigsten Geburtstag. Mit einem
Vorwort von R. Huth und Beiträgen von H.-J. Hof,
H. Löffler, D. Pflaum, B. Runzheimer und U.
Wagner
59.
Hartmut Eisenmann
Okt. 1991
Dokumentation über die Tätigkeit einer Industrie-
und Handelskammer Dargestellt am Beispiel der
IHK Nordschwarzwald
60.
Ursula Hoffmann-Lange
Dez. 1991
Eliten und Demokratie: Unvereinbarkeit oder not-
wendiges Spannungsverhältnis?
61.
Werner Pepels
Dez. 1991
Elemente der Verkaufsgesprächsführung
62.
Wolfgang Berger
Dez. 1991
Qualifikationen und Kompetenzen eines Europa-
managers
63.
Günter Staub
Jan. 1992
Der Begriff „Made in Germany“ Seine Beur-
teilungskriterien
64.
Martin W. Knöll,
Hieronymus M. Lorenz
Mai 1992
Gegenstandsbereich und Instrumente der Orga-
nisationsdiagnose im Rahmen von Organisations-
entwicklungs (OE)-Maßnahmen
65.
Werner Lachmann
Juni 1992
Ethikversagen Marktversagen
66.
Paul Banfield
Juni 1993
Observations On The Use Of Science As A Source
Of Legitimation In Personnel Management
67.
Bernd Noll
Aug. 1993
Gemeinwohl und Eigennutz. Wirtschaftliches Han-
deln in Verantwortung für die Zukunft
Anmerkungen zur gleichnamigen Denkschrift der
Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem
Jahre 1991
68.
Siegfried Kreutzer,
Regina Moczadlo
Aug. 1993
Die Entdeckung der Wirklichkeit Integrierte
Projektstudien in der Hochschulausbildung
69.
Sybil Gräfin Schönfeldt
Aug. 1993
Von Menschen und Manieren. Über den Wandel
des sozialen Verhaltens in unserer Zeit.
Vortrag gehalten im Rahmen des Studium
Generale der Hochschule Pforzheim,
Wintersemester 1992/93
70.
Hartmut Löffler
Dez. 1993
Geld- und währungspolitische
Grundsatzüberlegungen für ein Land auf dem Weg
zur Marktwirtschaft Das Beispiel Kroatien
71.
Hans-Georg Köglmayr,
Kurt H. Porkert
Nov. 1994
Festlegen und ausführen von Geschäftsprozessen
mit Hilfe von SAP-Software
72.
Alexa Mohl
Febr. 1995
NLP-Methode zwischen Zauberei und
Wissenschaft. Vortrag gehalten im Rahmen des
Studium Generale der Hochschule Pforzheim,
Wintersemester 1994/95
73.
Bernd Noll
Mai 1995
Marktwirtschaft und Gerechtigkeit: Anmerkungen
zu einer langen Debatte
74.
Rudi Kurz, Rolf-Werner Weber
Nov. 1995
Ökobilanz der Hochschule Pforzheim. 2. geänderte
Auflage, Jan. 1996
75.
Hans Lenk
Mai 1996
Fairneß in Sport und Wirtschaft. Vortrag gehalten
im Rahmen des Studium Generale der Hochschule
Pforzheim, Wintersemester 1995/96
76.
Barbara Burkhardt-Reich,
Hans-Joachim Hof, Bernd Noll
Juni 1996
Herausforderungen an die Sozialstaatlichkeit der
Bundesrepublik
77.
Helmut Wienert
März 1997
Perspektiven der Weltstahlindustrie und einige
Konsequenzen für den Anlagenbau
78.
Norbert Jost
Mai 1997
Innovative Ingenieur-Werkstoffe
79.
Rudi Kurz, Christoph Hubig,
Ortwin Renn, Hans Diefenbacher
Sept. 1997
Ansprüche in der Gegenwart zu Lasten der Le-
benschancen zukünftiger Generationen
80.
Björn Engholm
Okt. 1997
Ökonomie und Ästhetik. Vortrag gehalten im
Rahmen des Studium Generale der Hochschule
Pforzheim, Wintersemester 1996/97. 2. geänderte
Auflage. Jan. 1998
81.
Lutz Goertz
Sept. 1998
Multimedia quo vadis? Wirkungen, Chancen,
Gefahren. Vortrag gehalten im Rahmen des
Studium Generale der Fachhochschule Pforzheim,
Wintersemester 1996/97
82.
Eckhard Keßler
Nov. 1998
Der Humanismus und die Entstehung der
modernen Wissenschaft. Vortrag gehalten im
Rahmen des Studium Generale der Hochschule
Pforzheim, Wintersemester 1996/97
83.
Heinrich Hornef
Febr. 1998
Aufbau Ost Eine Herausforderung für Politik und
Wirtschaft. Vortrag gehalten im Rahmen des
Studium Generale der Fachhochschule Pforzheim,
Wintersemester 1997/98
Verzeichnis der bisher erschienenen Beiträge
84.
Helmut Wienert
Juli 1998
50 Jahre Soziale Marktwirtschaft Auslaufmodell
oder Zukunftskonzept? Vortrag gehalten im
Rahmen des Studium Generale der Hochschule
Pforzheim, Sommersemester 1998
85.
Bernd Noll
Sept. 1998
Die Gesetzliche Rentenversicherung in der Krise
86.
Hartmut Löffler
Jan. 1999
Geldpolitische Konzeptionen - Alternativen für die
Europäische Zentralbank und für die Kroatische
Nationalbank
87.
Erich Hoppmann
Juni 1999
Globalisierung. Vortrag gehalten im Rahmen des
Studium Generale der Hochschule Pforzheim,
Sommersemester 1999
88.
Helmut Wienert (Hrsg.)
Dez. 1999
Wettbewerbspolitische und strukturpolitische
Konsequenzen der Globalisierung. Mit Beiträgen
von Hartmut Löffler und Bernd Noll
89.
Ansgar Häfner u.a. (Hrsg.)
Jan. 2000
Konsequenzen der Globalisierung für das
internationale Marketing. Mit Beiträgen von Dieter
Pflaum und Klaus-Peter Reuthal
90.
Ulrich Wagner
Febr. 2000
Reform des Tarifvertragsrechts und Änderung der
Verhaltensweisen der Tarifpartner als
Voraussetzungen für eine wirksame Bekämpfung
der Arbeitslosigkeit
91.
Helmut Wienert
April 2000
Probleme des sektoralen und regionalen Wandels
am Beispiel des Ruhrgebiets
92.
Barbara Burkhardt-Reich
Nov. 2000
Der Blick über den Tellerrand Zur Konzeption
und Durchführung eines „Studium Generale“ an
Fachhochschulen
93.
Helmut Wienert
Dez. 2000
Konjunktur in Deutschland - Zur Einschätzung der
Lage durch den Sachverständigenrat im
Jahresgutachten 2000/2001
94.
Jürgen Wertheimer
Febr. 2001
Geklonte Dummheit: Der infantile Menschenpark.
Vortrag gehalten im Rahmen des Studium
Generale der Hochschule Pforzheim,
Wintersemester 2000/01
95.
Konrad Zerr
März 2001
Erscheinungsformen des Online-Research
Klassifikation und kritische Betrachtung
96.
Daniela Kirchner
April 2001
Theorie und praktische Umsetzung eines
Risikomanagementsystems nach KontraG am
Beispiel einer mittelständischen Versicherung
97.
Bernd Noll
Mai 2001
Die EU-Kommission als Hüterin des Wettbewerbs
und Kontrolleur von sektoralen und regionalen
Beihilfen
Peter Frankenfeld
EU Regionalpolitik und Konsequenzen der
Osterweiterung
98.
Hans Joachim Grupp
Juni 2001
Prozessurale Probleme bei
Beschlussmängelstreitigkeiten in
Personengesellschaften
99.
Norbert Jost (Hrsg.)
Juli 2001
Technik Forum 2000: Prozessinnovationen bei der
Herstellung kaltgewalzter Drähte.Mit Beiträgen von
Peter Kern, Wilhelm Bauer, Rolf Ilg; Heiko Dreyer;
Johannes Wößner und Rainer Menge
100.
Urban Bacher, Mikolaj Specht
Dez. 2001
Optionen Grundlagen, Funktionsweisen und
deren professioneller Einsatz im Bankgeschäft
101.
Constanze Oberle
Okt. 2001
Chancen, Risiken und Grenzen des M-Commerce
102.
Ulrich Wagner
Jan. 2002
Beschäftigungshemmende Reformstaus und wie
man sie auflösen könnte
Jürgen Volkert
Flexibilisierung durch Kombi-Einkommen? Die
Perspektive der Neuen Politischen Ökonomie
103.
Mario Schmidt, René Keil
März 2002
Stoffstromnetze und ihre Nutzung für mehr
Kostentransparenz sowie die Analyse der
Umweltwirkung betrieblicher Stoffströme
104.
Kurt Porkert
Mai 2002
Web-Services mehr als eine neue Illusion?
105.
Helmut Wienert
Juni 2002
Der internationale Warenhandel im Spiegel von
Handelsmatrizen
106.
Robert Wessolly, Helmut Wienert
Aug. 2002
Die argentinische Währungskrise
107.
Roland Wahl (Hrsg.)
Sept. 2002
Technik-Forum 2001: Weiterentwicklungen an Um-
formwerkzeugen und Walzdrähten. Mit Beiträgen
von Roland Wahl, Thomas Dolny u.a., Heiko
Pinkawa, Rainer Menge und Helmut Wienert
108.
Thomas Gulden
April 2003
Risikoberichterstattung in den Geschäftsberichten
der deutschen Automobilindustrie
109.
Günter Altner
Mai 2003
Lasset uns Menschen machen Der biotechnische
Fortschritt zwischen Manipulation und Therapie.
Vortrag gehalten im Rahmen des Studium
Generale der Hochschule Pforzheim,
Sommersemester 2003
110.
Norbert Jost (Hrsg.)
Juni 2003
Technik-Forum 2002: Innovative Verfahren zur
Materialoptimierung. Mit Beiträgen von Norbert
Jost, Sascha Kunz, Rainer Menge/Ursula Christian
und Berthold Leibinger
111.
Christoph Wüterich
Februar 2004
Professionalisierung und Doping im Sport. Vortrag
gehalten im Rahmen des Studium Generale der
Hochschule Pforzheim, Sommersemester 2003
112.
Sabine Schmidt
Mai 2004
Korruption in Unternehmen Typologie und Prä-
vention
113.
Helmut Wienert
August 2004
Lohn, Zins, Preise und Beschäftigung Eine
empirische Analyse gesamtwirtschaftlicher
Zusammenhänge in Deutschland
114.
Roland Wahl (Hrsg.)
Sept. 2004
Technik-Forum 2003: Materialentwicklung für die
Kaltumformtechnik. Mit Beiträgen von Andreas
Baum, Ursula Christian, Steffen Nowotny, Norbert
Jost, Rainer Menge und Hans-Eberhard Koch
115.
Dirk Wenzel
Nov. 2004
The European Legislation on the New Media: An
Appropriate Framework for the Information
Economy?
Verzeichnis der bisher erschienenen Beiträge
116.
Frank Morelli, Alexander
Mekyska, Stefan Mühlberger
Dez. 2004
Produkt- und prozessorientiertes Controlling als
Instrument eines erfolgreichen
Informationstechnologie-Managements
117.
Stephan Thesmann, Martin
Frick, Dominik Konrad
Dez. 2004
E-Learning an der Hochschule Pforzheim
118.
Norbert Jost (Hrsg.)
Juni 2005
Technik-Forum 2004: Innovative Werkstoffaspekte
und Laserbehandlungstechnologien für Werkzeuge
der Umformtechnik
119.
Rainer Gildeggen
Juni 2005
Internationale Produkthaftung
120.
Helmut Wienert
Oktober 2005
Qualifikationsspezifische
Einkommensunterschiede in Deutschland unter
besonderer Berücksichtigung von Universitäts- und
Fachhochschulabsolventen
121.
Andreas Beisswenger, Bernd
Noll
Nov. 2005
Ethik in der Unternehmensberatung ein
vermintes Gelände?
122.
Helmut Wienert
Juli 2006
Wie lohnend ist Lernen? Ertragsraten und
Kapitalendwerte von unterschiedlichen
Bildungswegen
123.
Roland Wahl (Hrsg.)
Sept. 2006
Technik-Forum 2005: Umformwerkzeuge -
Anforderungen und neue Anwendungen. Mit
Beiträgen von Edmund Böhm, Eckhard Meiners,
Andreas Baum, Ursula Christian und Jörg Menno
Harms
124.
Mario Schmidt
Dez. 2006
Der Einsatz von Sankey-Diagrammen im
Stoffstrommanagement
125
Norbert Jost (Hrsg.)
Okt. 2007
Technik-Forum 2006: Innovative neue Techniken
für Werkzeuge der Kaltverformung. Mit Beiträgen
von Franz Wendl, Horst Bürkle, Rainer Menge,
Michael Schiller, Andreas Baum, Ursula Christian,
Manfred Moik und Erwin Staudt.
126
Roland Wahl (Hrsg.)
Okt. 2008
Technik-Forum 2007: Fortschrittsberichte und
Umfeldbetrachtungen zur Entwicklung
verschleißreduzierter Umformwerkzeuge. Mit
Beiträgen von Klaus Löffler, Andreas Zilly, Andreas
Baum und Paul Kirchhoff.
127.
Julia Tokai, Christa Wehner
Okt. 2008
Konzept und Resultate einer Online-Befragung von
Marketing-Professoren an deutschen
Fachhochschulen zum Bologna-Prozess
128
Thomas Cleff, Lisa Luppold,
Gabriele Naderer, Jürgen
Volkert
Dez. 2008
Tätermotivation in der Wirtschaftskriminalität
129
Frank Thuselt
Juni 2009
Das Arbeiten mit Numerik-Programmen. MATLAB,
Scilab und Octave in der Anwendung.
130
Helmut Wienert
August 2009
Wachstumsmotor Industrie? Zur Bedeutung des
verarbeitenden Gewerbes für die Entwicklung des
Bruttosozialproduktes
131
Norbert Jost (Hrsg.)
August 2009
Technik-Form 2008
132
Hanno Beck; Kirsten Wüst
Sept. 2009
Gescheiterte Diäten, Wucherzinsen und
Warteprämien: Die neue ökonomische Theorie der
Zeit
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Article
Full-text available
People discount delayed gains (where the default is to receive a smaller gain sooner) more than accelerated gains (where the default is to receive a larger gain later). For losses, the pattern reverses—people discount delayed losses less than accelerated losses. In Study 1, confirming a Query Theory process account, this sign by direction interaction is mediated by the prominence of thoughts in favor of the default. Thoughts in favor of the smaller, sooner amount are more prominent in delay scenarios than acceleration scenarios, and this increases discounting for gains and decreases discounting for losses. Study 2 confirms the causal role of the order of option consideration. Participants considering thoughts in the natural order (pro-default thoughts first) replicate the sign by direction interaction, whereas participants considering thoughts in the opposite, unnatural order (pro-alternative thoughts first) do not. Reversing the order of option consideration eliminates the sign by direction interaction. KeywordsIntertemporal choice–Discounting–Losses–Constructed preference–Query theory
Article
We examine a number of situations in which people do not appear to discount money flows at the market rate of interest or any other single discount rate. Discount rates observed in both laboratory and field decision-making environments are shown to depend on the magnitude and sign of what is being discounted, on the time delay, on whether the choice is cast in terms of speed-up or delay, on the way in which a choice is framed, and on whether future benefits or costs induce savoring or dread.
Article
In the last two decades, much empirical research has been done in the field of behavioral economics to explain the psychological foundations for economic decisions. In particular, it has been shown that people exhibit time‐inconsistent behavior when making intertemporal decisions, i.e., they demand higher interest rates for a delay of their consumption in the near rather than in the distant future. People also show loss aversion. They demand more compensation for a loss than they are willing to sacrifice for a gain. We analyze these features for the nonmonetary decision of the amount of time invested in learning hours before an exam. Asked at two different points in time, the students were willing to learn more when the time of learning seemed far away than when the learning time had arrived. On the other hand, students were loss averse trying to prevent a deterioration of their grade to a larger extent than when they tried to work for an amelioration.
Article
Variations of the self-imposed delay-of-gratification situation in preschool were compared to determine when individual differences in this situation may predict aspects of cognitive and self-regulatory competence and coping in adolescence. Preschool children from a university community participated in experiments that varied features of the self-imposed delay situation. Experimental analyses of the cognitive–attentional processes that affect waiting in this situation helped identify conditions in which delay behavior would be most likely to reflect relevant cognitive and attentional competencies. As hypothesized, in those conditions, coherent patterns of statistically significant correlations were found between seconds of delay time in such conditions in preschool and cognitive and academic competence and ability to cope with frustration and stress in adolescence. (PsycINFO Database Record (c) 2012 APA, all rights reserved)
Article
Describes 3 experiments with a total of 92 3-5 yr. olds. Exp. I compared the effects of external and cognitive distraction from reward objects on the length of time which Ss waited for a preferred delayed reward before forfeiting it for a less preferred immediate one. In accord with predictions from an extension of frustrative nonreward theory, Ss waited much longer for a preferred reward when they were distracted from the rewards. Exp. II demonstrated that only certain cognitive events (thinking "fun things") served as effective ideational distractors. Thinking "sad thoughts" produced short delay times, as did thinking about the rewards themselves. In Exp. III the delayed rewards were not physically available for direct attention during the delay period, and Ss' cognitive attention was manipulated by prior instructions. While Ss waited, cognitions about the rewards significantly reduced, rather than enhanced, the length of their delay of gratification. Overall, attentional and cognitive mechanisms which enhanced the salience of rewards shortened the length of voluntary delay, while distractions from the rewards, overtly or cognitively, facilitated delay. Results permit a reinterpretation of basic mechanisms in voluntary delay of gratification and self-control. (16 ref.) (PsycINFO Database Record (c) 2012 APA, all rights reserved)
Article
Children are notoriously bad at delaying gratification to achieve later, greater rewards (e.g., Piaget, 1970)-and some are worse at waiting than others. Individual differences in the ability-to-wait have been attributed to self-control, in part because of evidence that long-delayers are more successful in later life (e.g., Shoda, Mischel, & Peake, 1990). Here we provide evidence that, in addition to self-control, children's wait-times are modulated by an implicit, rational decision-making process that considers environmental reliability. We tested children (M=4;6, N=28) using a classic paradigm-the marshmallow task (Mischel, 1974)-in an environment demonstrated to be either unreliable or reliable. Children in the reliable condition waited significantly longer than those in the unreliable condition (p<0.0005), suggesting that children's wait-times reflected reasoned beliefs about whether waiting would ultimately pay off. Thus, wait-times on sustained delay-of-gratification tasks (e.g., the marshmallow task) may not only reflect differences in self-control abilities, but also beliefs about the stability of the world.
Article
Abstract Individual time discounting behaviour experimentally exhibits important anomalies that are inconsistent with the standard discounted utility model. These include the time preference reversal characteristic of hyperbolic discounting, the magnitude effect and the extreme sign effect. I propose a simple explanation of discounting that accounts for these three anomalies simultaneously, within the context of the expected utility model with uncertainty, risk aversion, and preference for precautionary saving. Expérimentalement, le comportement individuel dans l'escompte du temps révèle des anomalies importantes qui cadrent mal avec le modèle standard de l'utilité anticipée. Ce sont par exemple le renversement de la préférence temporelle qui caractérise le processus d'escompte hyperbolique, ou l'effet de magnitude, ou l'effet de signe extrěme. On propose une explication simple du comportement d'escompte qui explique simultanément ces trois anomalies dans le cadre du modèle d'utilité anticipée en présence d'incertitude, d'aversion au risque et de préférence pour l'épargne de précaution.
Article
Two hundred and four students of economics and finance participated in an intertemporal choice experiment which manipulated three dimensions in a 4 \times 4 \times 4 factorial design: scenario (postponing a receipt, postponing a payment, expediting a receipt, expediting a payment), time delay (0.5, 1, 2, and 4 years), and size of cashflow ($40, $200, $1000, and $5000). Individual discount rates were inferred from the responses, and then used to test competitively four hypotheses regarding the behavior of discount rates. The classical hypothesis asserting that the discount rate is uniform across scenarios, time delays, and sums of cashflow was flatly rejected. A market segmentation approach was found lacking. The results support an implicit risk hypothesis according to which delayed consequences are associated with an implicit risk value, and an added compensation hypothesis which asserts that individuals require compensation for a change in their financial position.
Article
Recent research has demonstrated that choices between gambles are systematically influenced by the way they are expressed. Kahneman and Tversky's Prospect Theory (Kahneman, D., A. Tversky. 1979. Prospect theory: An analysis of decision under risk. Econometrica 47(2) 363--391.) explains many of these "framing" effects as shifts in the point of reference from which prospects are evaluated. This paper demonstrates the applicability of the reference point concept to intertemporal choice. Three experiments demonstrate that when people choose between immediate and delayed consumption, the reference point used to evaluate alternatives can significantly influence choice. The first study elicited relative preference for immediate and delayed consumption using three methods, each of which differently framed choices between alternatives offering identical end-state consumption. The conventional discounted utility model predicts that the three methods of elicitation should yield similar estimates of time preference, but preferences were found to differ in accordance with a reference point model. The second and third studies extend and replicate the results from the first, the third using real rather than hypothetical choices.
Article
Individual discount rates are estimated from survey evidence. For gains, they are found to vary inversely with the size of the reward and the length of time to be waited. Rates are found to be much smaller for losses that for gains.