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Bronzezeitliches Glas im westlichen Mitteleuropa – Funde, Zusammensetzung und die Frage nach seiner Herkunft

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Ressourcen und Rohstoff e in der Bronzezeit Nutzung – Distribution – Kontrolle Beiträge zur Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Bronzezeit auf der Jahrestagung des Mittel-und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung in Brandenburg an der Havel, 16. bis 17. April 2012 Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpfl ege und Archäologisches Landesmuseum Wünsdorf 2014
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Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpfl ege in Brandenburg 26
Bianka Nessel, Immo Heske
und Dirk Brandherm (Hrsg.)
Ressourcen und Rohsto e in der Bronzezeit
Nutzung – Distribution – Kontrolle
Beiträge zur Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Bronzezeit
auf der Jahrestagung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes
für Altertumsforschung
in Brandenburg an der Havel, 16. bis 17. April 2012
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpfl ege und Archäologisches Landesmuseum
Wünsdorf 2014
Arbeitsberichte Heft 26_Korrektur LVD.indd 3 04.12.14 12:56
© 2014 Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpfl ege und Archäologisches Landesmuseum,
OT Wünsdorf, Wünsdorfer Platz 4–5, 15806 Zossen
Titelbild:
Holz http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bois.JPG
Kupfer http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Copper.jpg; Foto: http://images-of-elements.com/copper.phg, unverändert
Salz http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Speisesalz.jpg; Foto: Ch.  iele
Glas http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Broken_glass.jpg; Foto: J. Poskanzer, unverändert
ISSN 1436-249X
ISBN 978-3-910011-75-5
Für Inhalt und Stil der Beiträge sowie die Bildrechte sind die Autorinnen und Autoren verantwortlich.
Redaktion: Bianka Nessel, Immo Heske, Dirk Brandherm
Technische Redaktion: Petra Woidt, BLDAM
Bildbearbeitung: Günther Matthes, Berlin
Satz und Layout: LVD GmbH, Berlin
Herstellerische Betreuung: Petra Woidt, BLDAM
Druck: Druckhaus Köthen GmbH
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Stephanie Mildner, Ulrich Schüssler, Frank Falken stein, Helene Brätz
Bronzezeitliches Glas im westlichen Mitteleuropa–
Funde, Zusammensetzung und die Frage nach seiner Herkunft
folgte der Widerspruch von Reinecke, der eine lokale Herstel-
lung der spätbronzezeitlichen Glasperlen nördlich der Alpen
entschiedenen ablehnte (Reinecke 1957). Damit entbrannte
eine bis heute anhaltende Diskussion über den Ursprung des
ältesten echten Glases im westlichen Mitteleuropa.
Inzwischen hat sich der überlieferte Fundstoff erheblich ver-
mehrt, ebenso wie das Interesse an der Klärung der Herkunfts-
frage. Die Vielfältigkeit des Fundmaterials und sein gehäuftes
Vorkommen in reich ausgestatteten Gräbern der Hügelgräber-
und Urnenfelderzeit Mitteleuropas lassen erahnen, dass es sich
um wertvolle Objekte handelte, die hinsichtlich ihrer Exklusi-
vität und Kostbarkeit mit Bernstein und Gold vergleichbar
waren. In der späten Mittelbronzezeit (Bz C2, Per. II) markie-
ren sowohl in Nord- als auch in Süddeutschland einfarbig
blaue kugelige bis ringförmige Perlen das Einsetzen dieser
Schmuck- und Trachtbestandteile. Mit einer beträchtlich er-
höhten Anzahl an überlieferten Glasfunden aus der Urnenfel-
der- und jüngeren Nordischen Bronzezeit (Bz D-Ha B,
Per. III–V) zeigte sich auch das Form- und Farbspektrum
deutlich erweitert. So fi nden wir nun neben einfarbigen klei-
nen Ringchenperlen, größeren Ringperlen und kugeligen Per-
len auch einige zweifarbige oder polychrome Perlentypen un-
terschiedlichster Form und Größe. Immer noch am weitesten
verbreitet sind dabei die Pfahlbautönnchen und so genannten
Nop penperlen55, daneben frühe Augenperlen, wie sie aus spä-
teren eisenzeitlichen Fundkomplexen reichlich bekannt sind,
aber auch rundliche oder röhrenförmige Perlen mit einzeln
umlaufenden Streifen in gerader oder gewellter Linie und mit
Tupfen verzierte und gerippte Perlen. Auch wenn sich die
Grundfarbe der meisten Perlen auf ein durchscheinendes Blau
beschränkt, so zeigt sich dieses jedoch in seiner ganzen Band-
breite, von verschiedenen grünblauen Tönen über hell- bis
dunkelblau hin zu violettblau. Gelbe, braune, schwarze oder
grüne Perlen sind hingegen selten anzutreff en, ebenso wie far-
bige Verzierungen. Die dekorativen Verzierungen in Form von
Spiralfäden, Streifen, Augen oder Tupfen sind überwiegend
weiß oder farblos ausgeführt (Abb. 1).
55 Der Begriff „Noppenperle“ bezeichnet einen nach seiner plastischen
Verzierung benannten Perlentyp. Auf einer blauen Ringperle sind in
regelmäßigem Abstand vier Noppen aufgesetzt, die aus einer weißen
rundlichen Glasau age mit einem zentral aufgesetzten blauen Glas-
tropfen bestehen. Weil ihr Verbreitungsgebiet weitgehend mit dem
der Pfahlbauperlen übereinstimmt, wies Haevernick (1978, 146) ih-
nen den Namen „Pfahlbaunoppenperlen“ zu. Die vereinfachte Bezeich-
nung „Noppenperlen“ basiert auf den Ausführungen von Schöbel (1996,
106) zu den Perlen aus Hagnau am Bodensee.
Zusammenfassung
Mit neuen chemischen Analysen an den blauen Glasperlen der
Mittel- und Spätbronzezeit (14.–9. Jh. v. Chr.), die aus Grä-
bern, Horten und Siedlungen im westlichen Mitteleuropa be-
kannt sind, ließ sich neben den beiden bekannten Glastypen,
dem magnesiumreichen Natron-Kalk-Glas (HMG) und dem
gemischt-alkalischen Glas (LMHK) erstmals eine neue Glas-
gruppe identifi zieren. Ihre Zusammensetzung basiert mit deut-
lich höheren Kaliumgehalten auf einer anderen Alkaliquelle.
Wie die Stoff mengenverhältnisse von Natrium zu Kalium in
verschiedenen Pfl anzenaschen zeigen, kann von der Verwen-
dung einer binnenländischen Pfl anzenasche, vermutlich Farn-
kraut ausgegangen werden. Zudem liefern die Analysen neue
Erkenntnisse bezüglich einer bislang vermuteten Herkunft der
HM-Gläser aus Ägypten oder dem Nahen Osten. Mithilfe der
Elementverteilungen von Chrom, Lanthan, Titan und Zir kon,
die über die verwendeten Sande eine regionale Typisierung zu-
lassen, konnte nachgewiesen werden, dass das vorwiegend im
nördlichen Mitteleuropa vorkommende HM-Glas weder mit
ägyptischem noch mit mesopotamischem HM-Glas ver-
gleichbar ist, also allem Anschein nach nicht aus diesen Regi-
onen importiert wurde.
Glasfunde zwischen Zentralalpen und Ostsee
Während bis weit ins 20. Jh. hinein die Vorgeschichtsforschung
davon ausging, das bronzezeitliche Glas nördlich der Alpen sei
durchwegs aus dem Orient (Mestorf 1900) oder dem mediter-
ranen Raum, hauptsächlich aus Ägypten (Reinecke 1911; Gess-
ner 1947) importiert, sind es vor allem die weitreichend be-
kannten „Pf ahlbauperlen“,54 die An lass zu neuen Denkansät zen
lieferten. Haevernick, die sich 1949 mit dem umfangreichen
Glasperlenensemble aus dem späturnenfelderzeitlichen Hort-
fund von Allendorf (Stadtallendorf) in Hessen (Ha B3) aus-
einandersetzte, ging im Gegensatz zur geläu gen Meinung
von einer lokalen Produktion in Mitteleuropa aus. Sie stützte
sich dabei vor allem auf die gehäuft in den Schweizer Seeufer-
siedlungen vorkommenden spätbronzezeitlichen Pfahlbauper-
len (Haevernick 1949/50, 215 f.; 1978). Vergleichbare Glas-
funde aus dem italischen und griechischen Raum anführend,
54 Die Bezeichnung „Pfahlbauperlen“ wurde 1949 von Haevernick in
die Forschung eingeführt, zuvor aber bereits 1936 im Rahmen einer
Unterhaltung mit E. Vogt formuliert (Haevernick 1949/50, 214 Anm.
54) und bezeichnet einen Perlentyp von meist tonnen- bis spindelför-
miger Gestalt mit einer weißen, spiralig um den Perlenkörper verlau-
fenden Glasfadeneinlage. Auch der gleichbedeutende Begriff „Pfahl-
bautönnchen“ fi ndet in der Literatur gern Verwendung (Haevernick
1978, 146).
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101Mildner u. a., Bronzezeitliches Glas
Bisheriger Kenntnisstand zur
Zusammensetzung der Gläser
Während bereits ab 1960 umfangreiche archäometrische
Analysen an eisenzeitlichen Glasartefakten aus Europa zu
verzeich nen sind (vgl. Hahn-Weinheimer 1960), wurden die
bronzezeitlichen Glasperlen erst ab den späten 1980er-Jahren
Gegenstand der analytischen Glasforschung.56 Henderson
(1988; 1989; 1993) lieferte erste Analysen von Glasperlen aus
dem Schweizer Seengebiet, die er mit Proben aus Irland, Süd-
england, Dänemark, Norditalien und der damaligen Tsche-
choslowakei in einen gesamteuropäischen Kontext stellte. Da-
mit gelang es ihm erstmals, das gemischt-alkalische Glas mit
56 Mithilfe spektralanalytischer Untersuchungen an kleinen ringförmi-
gen Glasperlen aus dem Urnengräberfeld von Volders bei Innsbruck
(Tirol) versuchten Neuninger und Pittioni (1959) bereits Ende der
50er-Jahre die Herkunft der Perlen bzw. die Frage nach den färben-
den Elementen zu klären. Die Zusammensetzung der Spurenelemente
ergab eine Übereinstimmung zwischen den Perlen, den vom gleichen
Gräberfeld stammenden Bronzen und dem Kupfer aus Lagerstätten
der näheren Umgebung. Obwohl die gewonnenen Ergebnisse mehr-
deutig und nicht mehr mit modernen Analysen vergleichbar sind, so
können diese frühen Experimente doch als erster Versuch gewertet
werden, der Herkunft solcher Glasperlen nachzugehen.
niedrigem Magnesium- und hohem Kaliumgehalt (LMHK =
low-magnesium-high-potassium) als charakteristischen Glastyp
für Europa herauszustellen, denn in Ermangelung von Ver-
gleichs funden im östlichen Mittelmeerraum, wo das magnesi-
umreiche Natron-Kalk-Glas (HMG = high-magnesium glass)
vorherrschte, war von einer eigenständigen Erzeugung dieser
Glaszusammen setzung innerhalb Europas, etwa in der Schweiz
oder in Norditalien auszugehen (Henderson 1988, 448). Mit
dem Nachweis der Verarbeitung von LMHK-Glas in Frat-
tesina bei Poviglio (Veneto) und weiteren Glasverarbeitungs-
spuren in Mariconda di Melara, 35 km westlich von Frattesina
gelegen, fi ndet diese Annahme weitere Bestätigung (Brill
1992, 11).
Der Hauptteil der 22 von Henderson untersuchten Glasperlen
aus Hauterive-Champréveyres in der Schweiz entspricht mit
0,2–1,1 Gew. % Magnesium und 7,7–13,2 Gew. % Kalium
dem charakteristischen LMHK-Glas. Daneben konnten erst-
mals auch die opak weißen Dekorationen der Pfahlbauperlen
analysiert werden, welche sich in der Grundzusammensetzung
zum LMHK-Glas der Perlenkörper nur durch erhöhte Cal-
ciumgehalte (3,6–13,0 Gew. % bei regulär 1,1–3,7 Gew. %
CaO) und entsprechend geringere Kupfer- bzw. Kobaltwerte
unterscheiden. Im Vergleich zu opak weißem Glas des 2. Jts.
v. Chr. und jüngerem aus Ägypten (vgl. Shortland 2002)
Abb. 1: Auswahl mittel- und spätbronzezeitlicher Glasperlen aus Deutschland und Österreich. 1 Obereglfi ng, Lkr. Weilheim-Schongau;
2 Nateln, Lkr. Uelzen; 3 Grundfeld-Reundorf, Lkr. Lichtenfels; 4; 5 Augsburg-Haunstetten I, Stadt Augsburg; 6 Wendelstein, Lkr. Roth;
7 Wellendorf-Nateln, Lkr. Uelzen; 8 Reutlingen, Lkr. Reutlingen; 9 Bergheim, Lkr. Waldeck-Frankenberg; 10; 16 Hagnau-Burg, Boden-
seekreis; 11 Innsbruck-Wilten, Stadt Innsbruck; 12, 13 Innsbruck-Mühlau, Stadt Innsbruck; 14 Deutsch-Evern, Lkr. Lüneburg; 15 Vol-
ders, Bez. Innsbruck Land; 17 Römhild, Lkr. Hildburghausen. M. 3:2
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102 Mildner u. a., Bronzezeitliches Glas
konnten trotz der erhöhten Calciumwerte weder typische Cal-
cium-Antimonat-Kristalle noch erwähnenswerte Antimon-
gehalte nachgewiesen werden (Henderson 1993, 112 f.). Die
Frage nach den weiß-färbenden Zusätzen konnte damit nicht
abschließend geklärt werden. Des Weiteren fanden sich zwei
Perlen des Typs HMG, für die Henderson sowohl eine einhei-
mische als auch eine nichteuropäische Herkunft für möglich
hielt (Henderson 1993, 114). Es handelt sich um das Fragment
einer durchscheinend türkisen Ringperle und um eine dunkel-
olivgrüne kugelige Perle mit Resten einer opak weißen, band-
förmig umlaufenden Glasfadeneinlage am Bauch. Dieser Typ
ndet seine nächsten Parallelen innerhalb der Perlen des Hort-
funds von Allendorf, welche 2006 im Rahmen einer archäo-
metrischen Studie erneute Aufmerksamkeit erfuhren (Lorenz
2006). Von den insgesamt 51 typochronologisch untersuchten
Glasperlen wurden 21 für chemische Analysen ausgewählt,
um Fragen zu den Rohstoff en und des Rohglases sowie zur
Herkunft der Perlen zu beantworten. Dabei konnten erneut
sowohl das gemischt-alkalische Glas (LMHK) als auch das
magnesiumreiche (HMG) sowie ein magnesiumarmes Nat-
ron-Kalk-Glas (LMG = low-magnesium glass) nachgewiesen
werden. Der Vergleich der Analysen des LMHK-Glases mit
jenen aus der Schweiz und aus Hessen, wo in einer Untersu-
chung durch Hartmann u. a. (1997) mit wenigen Proben so-
wohl der Typ HMG als auch das LMHK-Glas nachgewiesen
wurden, erbrachte eine deutliche Übereinstimmung. Während
das LMHK-Glas eine unabhängige Glasproduktion in Europa
erwarten lässt, ist für das HM-Glas wohl von importierten
Fertigprodukten aus dem Nahen Osten auszugehen (Hart-
mann u. a. 1997, 553; 555; Lorenz 2006, 79).
Das gleichzeitige Vorhandensein von Glas des Typs LMG in
dem Ha B3-zeitlichen Hortfund deutet zunächst auf die in
der jüngeren Glasforschung bereits theoretisch angenommene
Übergangsphase von magnesiumreichem zu magnesiumarmem
Natron-Kalk-Glas hin (Lorenz 2006, 78 f.). Erstaunlicher-
weise handelt es sich aber nicht um ein frühes typisches LM-
Glas, denn es weist mit seinen leicht erhöhten Kalium- und
Phosphorgehalten bei deutlich geringeren Calciumwerten eine
unverkennbar andere Signatur auf als die ab dem 8. Jh. v. Chr.
allgemein bekannten LM-Gläser. Bei etwa gleichhohen Natri-
umgehalten wird entsprechend für das Allendorfer LM-Glas
eine Verwendung einer magnesiumarmen Pfl anzenasche an-
genommen (Lorenz 2006, 66). Hierin könnte ein Hinweis da-
rauf liegen, dass in dieser Übergangsphase kein unmittelbarer
Rohstoff wechsel von Halophytenasche zu mineralischem Soda
stattfand, sondern möglicherweise ein sukzessiver Wandel, bei
dem Versuche mit anderen Rohstoff mixturen letztlich zu einem
größeren Spektrum von Glaszusammensetzungen führte. Es
handelt sich hierbei um drei augenscheinlich opak schwarze,
rundliche Perlen, die jedoch, wie rezente Bruch ächen zeigen,
aus durchscheinend olivgrünem Glas bestehen. Lorenz (2006,
75) hat hier mit 11,42–15,68 Gew. % Eisen als färbenden Be-
standteil identifi ziert. Perlen, die sowohl hinsichtlich ihrer
Farbgebung als auch ihrer Zusammensetzung vergleichbar wä-
ren, konnten bisher nicht identifi ziert werden. Schwarze bzw.
grüne Perlen sind zwar in Griechenland und Italien, aber auch
in Mitteleuropa vereinzelt zu fi nden, das bereits oben erwähnte
Exemplar aus Hauterive-Champréveyres in der Schweiz ist da-
gegen dem Typ HMG zuzuordnen, der Anteil des Eisenzu-
schlags fällt hier auch mit 7,1 Gew. % deutlich geringer aus.
Neue Untersuchungen an Glasperlen aus dem
westlichen Mitteleuropa
Im Rahmen der Untersuchung des umfangreich mit Glasper-
len ausgestatteten Hortfundes von Neustrelitz in Mecklenburg-
Vorpommern (Per. III) wurde ein Teil der Perlen als kugelig
und aus durchscheinend dunkelgrünem Glas bestehend be-
schrieben (Typ 4 nach Jantzen/Schmidt 1999, 72). Daher
schien zunächst eine Ähnlichkeit mit den o. g. dunkelolivgrü-
nen Perlen gegeben. Eine materialanalytische Untersuchung
von wenigen ausgewählten Perlen aus dem Neustrelitzer In-
ventar zeigte jedoch, dass die Grünfärbung der Perlen off en-
sichtlich auf einer starken Verwitterung beruht. Im Inneren
der Perlen war ein kleiner Bereich frischen Glases erhalten, der
bei genauerer Betrachtung nicht dunkelgrün sondern leuch-
tend blau erschien. Die Analysen ergaben bei sehr geringen
Eisengehalten von 0,21–0,58 Gew. % ein mit Kupfer gefärbtes
magnesiumreiches Natron-Kalk-Glas (HMG) (Mildner u. a.
2010, 51; 60).
Dass wir für die späte Bronzezeit in Mitteleuropa nicht mehr
nur von zwei Glastypen ausgehen können, lässt sich an Hand
der neueren Glasforschung unterstreichen. So konnte im Rah-
men eines laufenden Forschungsprojektes zu bronzezeitlichem
Glas im westlichen Mitteleuropa57 eine bereits in Frattesina
festgestellte Glaszusammensetzung (Towle u. a. 2001, 20; An-
gelini u. a. 2004, 1179) auch innerhalb Deutschlands nachge-
wiesen werden (Mildner u. a. 2012, 198). Neben den endbron-
zezeitlichen Vergleichsfunden aus Frattesina58 stammen die
Exemplare in Deutschland aus Urnengräbern der Stufen Ha
A/B bzw. der Montelius-Perioden IV–V sowie aus urnenfelder-
zeitlichen Siedlungszusammenhängen.59 Dieses Glas zeigt zu-
nächst wie das LMHK-Glas einen geringen Magnesium- und
hohen Kaliumgehalt, ist aber dennoch nicht als gemischt-alka-
lisches Glas zu bezeichnen, da es mit durchschnittlich 1,2 Gew. %
deutlich geringere Natriumwerte und mit 16,4 Gew. % bedeu-
tend höhere Kaliumgehalte aufweist (Abb. 2, 3 und 4). Die
Calciumgehalte schwanken sehr stark zwischen 1,7 und 13,0
Gew. %, sind aber im Vergleich zu mittelalterlichen Holz-
asche-Gläsern mit ähnlich hohen und höheren Kaliumwerten
deutlich geringer (vgl. Wedepohl 2003). Entsprechend scheint
57 Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Forschungs-
projekt der Universität Würzburg „Bronzezeitliches Glas zwischen
Alpenkamm und Ostsee. Untersuchungen zur Herstellung und Dis-
tribution des ältesten Glases in Mitteleuropa.“
58 Fundstellen Frattesina: Sample 235 (Kat.-Nr. 27), 236 (Kat.-Nr. 23),
294 (Kat.-Nr. 3) (Towle u. a. 2001) und FRV4 (Angelini u. a. 2004).
59 Fundstellen Deutschland: Grundfeld-Reundorf (Bayern) Grab 23;
Sirksfelde (Schleswig-Holstein) Grab 172; Kaspauer (Bayern).
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103Mildner u. a., Bronzezeitliches Glas
für diese neue Glasgruppe eine andersartige Alkaliquelle ver-
wendet worden zu sein.
Für das gemischt-alkalische LMHK-Glas werden in der Glas-
forschung verschiedene Varianten der Alkaliquelle diskutiert
(vgl. Henderson 1988; Brill 1992; Hartmann u. a. 1997).
Grundsätzlich ist von einer Asche von binnenländischen Pfl an-
zen auszugehen, bei der der Kaliumgehalt deutlich über dem
Natriumgehalt liegt. Die niedrigen Magnesium- und Calcium-
werte in Kombination mit geringen Phosphorgehalten deuten
auf das Aufbereiten der Pfl anzenasche hin (Lorenz 2006, 55).
Detailliertere Aussagen können über den Vergleich von Men-
genverhältnissen in Gläsern und Pfl anzenaschen getroff en
werden. So lässt sich das Stoff mengenverhältnis von Natrium
zu Kalium der LMHK-Gläser nördlich der Alpen60 mit einem
durchschnittlichen Wert von 0,64 (0,28–0,99 bei n = 120) be-
schreiben.61 Die von Bezborodov (1975) vorgelegten Analysen
von binnenländischen Pfl anzenaschen62 zeigen hingegen bei
dem Verhältnis von Natrium zu Kalium mit 0,1–0,4 deutlich
geringere Werte. Weil aber im charakteristischen LMHK-Glas
ein gegenüber den binnenländischen Pfl anzenaschen höherer
Natriumgehalt im Glas festzustellen ist, postuliert Lorenz die
Verwendung einer Mischsubstanz aus natriumreicher mariti-
mer und natriumarmer binnenländischer Pfl anzenasche (Lo-
renz 2006, 58).
60 Zugrunde liegende Daten: LMHK-Gläser von Hauterive-Champré-
veyres (Henderson 1993) und Allendorf (Lorenz 2006, 45) sowie von
102 LMHK-Gläsern aus Deutschland und Österreich (Mildner, un-
publiziert).
61 Das Stoff mengenverhältnis von Natrium zu Kalium wird über den
Faktor F = Na2O/K2O angegeben.
62 Hier sind die Pfl anzenaschen von Eiche, Buche (Laub und Stamm),
Weizen (Stroh und Körner), Gerste (Körner), Farnkraut und Heide-
kraut untersucht (Lorenz 2006, 56 Tab. 15 nach Bezborodov 1975).
In der neuen Glasgruppe könnte sich entsprechend der Hin-
weis auf die bloße Verwendung von binnenländischer Pfl an-
zenasche, tendenziell von Farnkraut widerspiegeln. Das Men-
genverhältnis von Natrium zu Kalium von 0,01–0,13 im Glas
lässt sich gut mit dem von Farnasche korrelieren (Abb. 5).63
Die vergleichsweise niedrigen Magnesium- und Calciumwerte64
können hier ebenfalls durch das Aufbereiten der Pfl anzen-
asche erklärt werden. Da sich die Farnaschen allerdings auch
in Abhängigkeit vom Standort deutlich unterscheiden kön-
63 Die ebenfalls mit Na2O/K2O = 0,1 ausgewiesene Asche von Weizen-
körnern kommt auf Grund der zu hohen Phosphorgehalte nicht in-
frage, ebenso die Asche von Buchenlaub, da diese zu geringe Kalium-
werte aufweist (Lorenz 2006, 56 Tab. 15 nach Bezborodov 1975).
64 hrend die Perle aus Grundfeld-Reundorf gut zu den Objekten aus
Frattesina passt, lassen sich die übrigen beiden Fundstücke wegen
ihrer hohen Calciumwerte noch einmal von diesen separieren.
Abb. 2: Diagramm K2O: MgO zur Klassifi zierung der bronzezeit-
lichen Glastypen im westlichen Mitteleuropa (nach Henderson
1988) mit Daten aus dem laufenden Projekt und Vergleichsanaly-
sen aus Frattesina
Abb. 3: Dreiecksdiagramm MgO, K2O und Na2O zur Klassifi zie-
rung der bronzezeitlichen Glastypen im westlichen Mitteleuropa
mit Daten aus dem laufenden Projekt und Vergleichsanalysen aus
Frattesina
Abb. 4: Grundzusammensetzung der bisher im laufenden Projekt
analysierten mittel- und spätbronzezeitlichen Glastypen (Mildner,
unpubliziert) inklusive der vier Glasobjekte aus Frattesina (s. Anm. 56),
die der neuen Glasgruppe zuzuordnen sind
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104 Mildner u. a., Bronzezeitliches Glas
nen, wäre diese  ese mit zukünftigen Analysen von weiteren
Pfl anzenaschen zu überprüfen.
Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang auch die
transluzenten blauen Glasperlen aus dem Gräberfeld von
Volders bei Innsbruck (Tirol).65 Ihrer Grundzusammenset-
zung nach sind sie eindeutig dem gemischt-alkalischen LMHK-
Glas zuzuweisen, auff ällig ist jedoch auch hier das Stoff men-
genverhältnis zwischen Natrium und Kalium. Bei leicht
höheren Natriumgehalten gegenüber Kalium lässt sich ein
Durchschnittswert (n = 7) von 1,22 für Na2O/K2O ermitteln.
Entsprechend der Ansicht von Lorenz (2006, 58) kann hier
von einem anderen Mischungsverhältnis der Alkaliquellen
ausgegangen werden, möglicherweise auch nur im Rahmen
einer einzelnen Glasfertigungscharge, denn Vergleichsfunde
für diese Glasgruppe sind bisher nur vereinzelt zu fi nden. Un-
ter den Funden aus Frattesina konnte ein unregelmäßiges
Bruchstück, vielleicht das Fragment eines Glasbarrens oder ein
Verarbeitungsabfall untersucht werden, das eine annähernd
identische Grundzusammensetzung aufweist, sich aber gegen-
über den Perlen aus Volders hinsichtlich seiner Farbe, die als
durchscheinend Wasserfarben beschrieben wird, und den ent-
sprechenden Kupferwerten unterscheidet.66 Dass hierin ein
Rohglas und sein Endprodukt vorliegen, ist durchaus denkbar
und würde einen Distributionsweg von Frattesina nach
Volders bezeugen. Leider fehlen in Frattesina umfangreiche
Spurenelementanalysen, die diese Frage endgültig klären
könnten.
Gerade die Spurenelemente und die Seltenerdelemente kön-
nen bei der Herkunftsfrage hilfreich sein. So könnten beispiels-
weise die Elemente As, Ni, Sn, Zn, Sb und Pb als Begleitele-
mente von Kupfer und Kobalt Aufschluss über die färbenden
Bestandteile und damit auf lagerstättenbedingte Charakteris-
tika der jeweils verwendeten Färbestoff e geben. Andere Ele-
65 Im Rahmen des DFG-Forschungsprojektes wurden fünf kleine Ring-
chenperlen aus Grab 340 sowie eine Pfahlbauperle aus Grab 375 und
eine verschmolzene Perle aus Grab 201 analysiert.
66 Sample 226 (Kat.-Nr. 11) (Towle u. a. 2001, 28; 39).
Abb. 5: Grundzusammensetzung von Farnaschen, Oxide in Gew. %
(Daten entnommen aus: Wedepohl 2003, 184 Tab. 7 A; Lorenz
2006, 56 Tab. 15)
Abb. 6: Gehalte von Chrom und Lanthan in ägyptischen (blau),
nordmesopotamischen (rot) und mykenischen (grün) HM-Gläsern
der 1. Hälfte des 2. Jt. v. Chr., kombiniert mit Daten von zeit-
gleichen mitteleuropäischen HMG-Perlen (schwarze Symbole) und
jüngeren mitteleuropäischen LMHK-Gläsern (graue Symbole) aus
dem laufenden Projekt
Abb. 7: Gehalte von Titan und Zirkon in ägyptischen (blau),
nordmesopotamischen (rot), südmesopotamischen (orange) und
mykenischen (grüne Symbole) HM-Gläsern der 1. Hälfte des 2. Jt.
v. Chr., kombiniert mit Daten von zeitgleichen mitteleuropäischen
HMG-Perlen (schwarze Symbole) und jüngeren mitteleuropä-
ischen LMHK-Gläsern (graue Symbole) aus dem laufenden Projekt
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105Mildner u. a., Bronzezeitliches Glas
mente wie z. B. Zr, Ti, Sr, Nb, Y, Ba oder die Seltenerdele-
mente lassen sich nicht mit den Färbestoff en, sondern mit dem
verwendeten Sand oder in geringen Maßen mit den Fluss-
mitteln in Verbindung bringen. Hinweise auf die zur Glas-
herstellung verwendeten Sande können beispielsweise die in
Verbindung mit bestimmten Schwermineralen auftretenden
Elemente liefern, die einen regionalgeologisch charakteristi-
schen Fingerabdruck des verwendeten Sandes liefern.
In einer Studie zur Spurenelementverteilung in ägyptischen
und mesopotamischen spätbronzezeitlichen Glasobjekten wur-
den unter anderem die Elemente Titan, Zirkon, Chrom und
Lanthan als wichtige Unterscheidungsmerkmale herangezo-
gen (Shortland u. a. 2007). Das Kovariationsdiagramm von
Chrom mit Lanthan zeigt sowohl für ägyptisches blaues und
farbloses Glas als auch für nordmesopotamisches blaues Glas
jeweils eine positive Korrelation sowie eine interne Gleichar-
tigkeit der Fundstellen. Grundsätzlich sind jedoch zwei deut-
lich voneinander getrennte Verteilungsmuster für die beiden
Regionen festzustellen, die auf der Andersartigkeit der geolo-
gischen Situation mit den entsprechend beeinfl ussten Sanden
basiert (Shortland u. a. 2007, 786). Dass für eine eindeutige
Beurteilung nicht nur zwei Elemente verglichen werden dür-
fen, zeigt das Diagramm Titan gegen Zirkon. Hier scheinen
gering fügige Überlappungen zwischen beiden Fundregionen
feststellbar. Mit der Bestätigung durch die Ergebnisse aus der
Kovariation von Chrom mit Lanthan kann jedoch für beide
Fundgruppen von einer unterschiedlichen Herkunft des San-
des und damit von verschiedenen Glasprovinzen ausgegangen
werden. Off ensichtlich ist auch keines der zur Analyse ausge-
wählten Gläser in die jeweils andere Region verhandelt wor-
den.
Ein Vergleich mit diesen ägyptischen und mesopotamischen,
aber auch mit mykenischen Gläsern, alle vom Typ HMG, ver-
mag nun auch erste neue Erkenntnisse zur Herkunft der mit-
teleuropäischen HM-Gläser zu liefern. Die ägyptische Ver-
gleichsgruppe enthält dabei Funde aus Amarna und Malkata,
die nordmesopotamische Gruppe umfasst Funde aus Nuzi
und Tell Brak,67 eine zusätzliche südmesopotamische Gruppe
Funde aus Nippur.68 Die sehr heterogene Gruppe der mykeni-
schen Gläser enthält Funde aus Pylos und Tiryns sowie myke-
nische Objekte aus dem J. P. Getty-Museum,69 ergänzt durch
drei Glasplättchen aus dem Martin-von-Wagner-Museum in
Würzburg, die im laufenden Projekt zusätzlich analysiert wer-
den konnten. Leider stehen nicht für alle Proben Werte von
Lanthan und Chrom zur Verfügung.
Eine kombinierte Betrachtung der beiden Kovariationsdia-
gramme (Abb. 6 und 7) veranschaulicht deutlich, dass abgese-
hen von einzelnen Exemplaren der Großteil der mitteleuropä-
ischen HMG-Perlen nach dem jetzigen Datenstand weder mit
den ägyptischen Glasfunden noch mit den Funden aus Nord-
67 Ägyptische und Nordmesopotamische Daten für Diagrammgrund-
lage entnommen aus Shortland u. a. 2007.
68 Daten für Diagrammgrundlage entnommen aus Walton u. a. 2012.
69 Daten für Diagrammgrundlage aus entnommen aus Polikreti u. a.
2011 (Pylos) und Walton u. a. 2009 (Tiryns und Ghetty-Museum).
und Südmesopotamien in Verbindung zu bringen ist. Zwar
zeigen sich im Diagramm Lanthan gegen Chrom noch Ähn-
lichkeiten zwischen den mitteleuropäischen und den mesopo-
tamischen HM-Gläsern, deutliche Unterschiede kommen aber
insbesondere im Diagramm Zirkon gegen Titan zum Aus-
druck. Hinsichtlich der Gläser aus dem mykenischen Bereich
bezogen sich Walton u. a. (2009) auf das Chrom-Lanthan-
Kovariationsdiagramm von Shortland u. a. (2007), als sie die
mykenischen Gläser in zwei Gruppen unterteilten und dabei
die kobaltgefärbten Glasobjekte als Rohglasimporte aus dem
ägyptischen, die kupfergefärbten hingegen aus dem mesopo-
tamischen Bereich interpretierten (Walton u. a. 2009, 150 f.).
Im Titan-Zirkon-Diagramm liegen, die kobaltgefärbten myke-
nischen Gläser im Bereich des ägyptischen Feldes. Ein Import
des kobaltgefärbten mykenischen Glases aus Ägypten ist da-
mit sehr wahrscheinlich. Für die kupfergefärbten mykenischen
Gläser ist hier hingegen eine deutlichere Überschneidung mit
der südmesopotamischen Gruppe festzustellen. Im Diagramm
Lanthan gegen Chrom fehlen die südmesopotamischen
Werte, was eine endgültige Interpretation erschwert, denn die
kupfergefärbten mykenischen liegen hier nun randlich im Be-
reich der mitteleuropäischen HM-Gläser.
Ergebnisse
Das HM-Glas aus dem westlichen Mitteleuropa ist nach den
vorliegenden Vergleichsdaten insgesamt weder ägyptischen
noch mesopotamischen Ursprungs. Weiterhin ergibt sich keine
Ähnlichkeit mit den mykenischen Gläsern.
Vergleicht man die mitteleuropäischen HM-Gläser mit den
mitteleuropäischen LMHK-Gläsern, dann zeigt sich auch hier
keine Übereinstimmung. Es ist daher unwahrscheinlich, dass
diese beiden Glastypen aus derselben Quellregion stammen.
Da für die LMHK-Gläser eine Herkunft aus dem südlichen
Mitteleuropa oder Norditalien angenommen wird (Hender-
son 1993, 114; Lorenz 2006, 77), und überdies auch erste Hin-
weise auf eine dezentrale Produktion zu fi nden sind (Angelini
u. a. 2009, 335), sollten die HMG-Perlen mit ihren separaten
und relativ eng begrenzten Streufeldern (Abb. 6 und 7) eher
nicht aus diesen Bereichen stammen.
Der Großteil der mitteleuropäischen HMG-Perlen, die im
laufenden Projekt untersucht wurden, stammt aus Fund-
komplexen im nördlichen Deutschland. In Mittel- und Süd-
deutschland ist dieser Typ bisher nur vereinzelt nachgewie-
sen, denn dort dominieren die L MHK-Perlen. Mögl icherweise
zeichnet sich damit eine eigenständige „nordische“ Gruppe
von HM- Glas ab, ihre Herkunft bleibt aber zunächst unge-
klärt. Die Hauptgruppe der mitteleuropäischen HMG-Per-
len datiert in die Zeit zwischen 1500 und 1050 v. Chr. Eine
weitere Gruppe von HMG-Perlen ist jünger (jüngste Urnen-
felderzeit und Übergang zur Hallstattzeit, um 800/750 v. Chr.).
Sie unterscheidet sich ganz deutlich von der Hauptgruppe
und liegt im Chrom-Lanthan-Diagramm (Abb. 6) bei ho-
hen Lanthanwerten deutlich über dem ägyptischen Feld, im
Zirkon-Titan-Diagramm bei hohen Zirkon- und Titanwer-
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106 Mildner u. a., Bronzezeitliches Glas
ten im Überlappungsbereich mit dem ägyptischen Feld und
dem mykenischen Hauptfeld. Eine klare Herkunftsbe stim-
mung ist daher auch für diese Gläser noch nicht möglich.
Die hier vorgestellten Vergleiche basieren auf wenigen Spu-
renelementen, gemessen an Proben aus einigen ausgewählten
Fundorten. Eine Herkunft des mitteleuropäischen HM-Gla-
ses aus anderen Gebieten des Mittelmeerraumes oder des Na-
hen Ostens ist durchaus denkbar und wäre zu prüfen. Leider
liegen von zahlreichen Regionen wie z. B. der Türkei oder der
Levante keine oder unzureichende Glasanalysen zum Vergleich
vor. Meist sind nur die Hauptelemente analysiert, es fehlt da-
gegen eine ausführliche Spurenelement-Analytik. Hier wäre
bei weiterführender Analytik mit interessanten Ergebnissen zu
rechnen. Letztlich kann auch eine heimische Herstellung nicht
völlig ausgeschlossen werden. Dafür würden die relativ einfa-
chen Formen der Perlen sprechen, im Vergleich zu den deut-
lich vielfältigeren Formen gleichalter Perlen aus dem östlichen
Mittelmeerraum. Produktionsreste wurden in der Fundregion
der Perlen im nördlichen Deutschland bislang allerdings nicht
entdeckt.
Arbeitsberichte Heft 26_Korrektur LVD.indd 106 04.12.14 13:01
107Mildner u. a., Bronzezeitliches Glas
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Arbeitsberichte Heft 26_Korrektur LVD.indd 107 04.12.14 13:01
108 Mildner u. a., Bronzezeitliches Glas
Abbildungsnachweis
1: S. Mildner. Fundstücke freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: Ar-
chäologische Staatssammlung München (1; 3); Museum Schloss Hol den stedt
Uelzen (2); Römisches Museum Augsburg (4; 5); Naturhistorische Gesellschaft
Nürnberg (6); Museum für das Fürstentum Lüneburg (7; 14); Heimatmuseum
Reutlingen (8); Museumslandschaft Hessen Kassel (9); Pfahlbaumuseum
Unteruhldingen (10; 16); Tiroler Landesmuseum Fer di nandeum (11–13);
Museum Wattens, Tirol (15); Steinsburgmuseum Röhmhild (17). – 2;
3: S. Mild ner mit Daten aus dem laufenden Projekt sowie von Towle u. a. 2001
und Angelini u. a. 2004 (Vergleichsanalysen Frattesina). – 4: S. Mildner mit
Daten aus dem laufenden Projekt. – 5: S. Mildner mit Daten von Wedepohl
2003 und Lorenz 2006. – 6; 7: S. Mildner mit Daten aus dem laufenden
Projekt sowie von Shortland u. a. 2007 (ägyptische und nordmesopotamische
Funde), Walton u. a. 2009, Polikreti u. a. 2011 (myke nische Funde), Walton
u. a. 2012 (südmesopotamische Funde)
Anschriften
Stephanie Mildner M. A., Julius-Maximilians-Universität, Institut für
Altertumswissenschaften, Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche
Archäologie, Residenzplatz 2, Tor A, 97070 Würzburg
stephanie.mildner@uni-wuerzburg. de
Prof. Dr. Ulrich Schüssler, Julius-Maximilians-Universität, Institut für
Geographie und Geologie, Lehrstuhl für Geodynamik und Geomaterial-
forschung, Am Hubland, 97074 Würzburg
uli.schuessler@uni-wuerzburg. de
Prof. Dr. Frank Falkenstein, Julius-Maximilians-Universität, Institut für
Altertumswissenschaften, Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche
Archäologie, Residenzplatz 2, Tor A, 97070 Würzburg
frank.falkenstein@uni-wuerzburg. de
Dr. rer. nat. Helene Brätz, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-
Nürnberg, GeoZentrum Nordbayern, Schloßgarten 5, 91054 Erlangen
braetz@geol.uni-erlangen.de
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... Analyses of the chemical composition of Bronze Age glass artefacts from Europe have demonstrated the application of different technologies in their production. High magnesium glass (HMG) is characterized most often by average K 2 O content (up to 4%) and high MgO content (from approx. 2 to 6%, more rarely >6%; Henderson 1989Henderson , 2000Towle et al. 2001;Mildner et al. 2014). Low magnesium and high potassium glass (LMHK) is characterized by a high content of K 2 O (most often approx. ...
... Low magnesium and high potassium glass (LMHK) is characterized by a high content of K 2 O (most often approx. 6-13%), often higher than that of Na 2 O (the latter component usually comprises about 4-9%), and low content of MgO (about 0.5-1%) (Henderson 1988;Towle et al. 2001;Angelini et al. 2004;Venclová et al. 2011;Mildner et al. 2014;Henderson et al. 2015). High potassium glass (HKG) is characterized by high K 2 O content (approx. ...
... 0.2-2%) and MgO (approx. 0.1-1%) (Henderson 2013, 196;Mildner et al. 2014Mildner et al. , 2015Henderson et al. 2015, 2). HKG and LMHK glasses are known from Bronze Age sites in Europe (Venclová et al. 2011, Fig. 1;Mildner et al. 2014Mildner et al. , 2015Bellintani 2014, Fig. 6). ...
Article
Full-text available
The article discusses the chemical composition of 56 glass samples from 52 beads found in Poland at 13 archaeological sites (mainly cemeteries). The artefacts have been dated to the II–V period of the Bronze Age (=phases BzB–HaB; c. 1600–750/700 bc). The LA-ICP-MS method was applied. Two groups were distinguished in this assemblage based on a comparison of the MgO to K2O ratio in glass: (i) high magnesium glass (HMG)—23; and (ii) low magnesium and high potassium glass (LMHK)—33 (29 matrix glass specimens and 4 decorative). In southern Poland, beads made of HMG and LMHK are often found in the same cemeteries. Analyses have shown that HMG was most probably made in Mesopotamia and that at least one cobalt glass is of Egyptian provenance. LMHK glass was made in Europe, most probably in Italy. Also, Italy was the most probable transit point for artefacts made of HMG en route to East-Central Europe.
... This type of glass has been correspondingly designated as LMHK (low magnesium -high potassium) by Henderson (1988). Variants of this glass were further differentiated: glass with rather high K 2 O values (between 16% and 20%) in combination with a minute Na 2 O content was recognized as an independent glass type and designated as HKG (high-potassium glass) (Mildner et al., 2014(Mildner et al., , 2018Henderson, 2013). ...
Article
A series of prehistoric glass beads and other glass items (bracelets, brooches with glass overlays, spindles, amphoriskos) from Slovenia was analyzed by a combined PIXE-PIGE method. The items were selected from seven late prehistoric horizons spanning uniformly from the 11th c. BCE to 2nd and 1st c. BCE. Totally 74 measurements on 60 objects were made on bulk material and on some ornamental bands. The beads of the Late Bronze Age (LBA) were made of mixed alkalis that we estimate to be plant ash origin (precipitated potash and non-precipitated ash of halophytic plants). According to the type of pigmentation (Co or Cu) there are hints, either direct or indirect, to connect particular beads with Egyptian workshops. Egyptian influence continues well into the Early Iron Age (EIA), until the 5th c. BCE when the low Zr values signalize glass of Levantine origin. Sorting the measured glass by discriminant analysis considering the elements Al, Ti, Mn and Fe we observe grouping of the beads according to historic horizons. This indicates particular beads were made in specific workshops and spread over a large area by exchange and commerce. Local production for traded or recycled glass may be presumed in LBA, as well as in later phases of the EIA, around 5th–4th c., when the beads show a variety of forms.
... A number of beads from both hoards have been analyzed. The beads from the Neustrelitz hoard were analyzed by Stephanie Mildner (Mildner et al., 2010(Mildner et al., , 2014. In the present article the chemical composition of the Neustrelitz beads, as presented by Mildner et al. is compared with the composition of the steadily increasing amount of analyzed Bronze Age glass material at hand. ...
Article
This article presents new evidence of the wide dispersion of Mesopotamian glass, 1400–1100 BCE. The chemical analyses of glass material from Amarna, Egypt, demonstrate that glass of Mesopotamian origin reached Egypt. The recently obtained physical evidence substantiates the words of the Amarna letters, referring to glass trade between Syria and Egypt. Furthermore, the chemical analyses of glass beads from Romania, Northern Germany and Denmark demonstrate that they were made of Mesopotamian glass. The current results presented here contribute to our understanding of the long distance exchange networks between the Mediterranean and the Nordic Bronze Age cultures. Finally, on the background of the analysis results it is proposed that the chemical composition of some of the beads in question indicates a mixture of glass of Mesopotamian and Egyptian origin. Probably, the mixture of the glass material took place at secondary workshops in the Mycenaean world.
Chapter
Trade before Civilization explores the role that long-distance exchange played in the establishment and/or maintenance of social complexity, and its role in the transformation of societies from egalitarian to non-egalitarian. Bringing together research by an international and methodologically diverse team of scholars, it analyses the relationship between long-distance trade and the rise of inequality. The volume illustrates how elites used exotic prestige goods to enhance and maintain their elevated social positions in society. Global in scope, it offers case studies of early societies and sites in Europe, Asia, Oceania, North America, and Mesoamerica. Deploying a range of inter-disciplinary and cutting-edge theoretical approaches from a cross-cultural framework, the volume offers new insights and enhances our understanding of socio-political evolution. It will appeal to archaeologists, cultural anthropologists, conflict theorists, and ethnohistorians, as well as economists seeking to understand the nexus between imported luxury items and cultural evolution.
Article
Trade before Civilization explores the role that long-distance exchange played in the establishment and/or maintenance of social complexity, and its role in the transformation of societies from egalitarian to non-egalitarian. Bringing together research by an international and methodologically diverse team of scholars, it analyses the relationship between long-distance trade and the rise of inequality. The volume illustrates how elites used exotic prestige goods to enhance and maintain their elevated social positions in society. Global in scope, it offers case studies of early societies and sites in Europe, Asia, Oceania, North America, and Mesoamerica. Deploying a range of inter-disciplinary and cutting-edge theoretical approaches from a cross-cultural framework, the volume offers new insights and enhances our understanding of socio-political evolution. It will appeal to archaeologists, cultural anthropologists, conflict theorists, and ethnohistorians, as well as economists seeking to understand the nexus between imported luxury items and cultural evolution.
Article
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The presented study evaluated a set of beads primarily originating from the Hallstatt period (800–400 BC) and uncovered in the region of Bohemia. Utilizing an SEM/EDS method, the chemical composition of the glass samples was determined and their homogeneity measured. Owing to the presence of opaque glass, Raman spectroscopy was applied, enabling the definition of the phases causing the opacity of the glass, as well as its coloring. This article discusses opacifying agents, including the possible ways in which they entered the artefacts. In addition, the techniques used to produce the glass beads are described, for both the single-colored beads, as well as the so-called eye beads that are present in a significant amount in the set. The majority of the beads examined were found to be made of the LMG glass type (low-magnesium soda-lime glass). An unexpected result was the identification of glass with a high content of K2O not corresponding to the mixed alkali type (LMHK), which is frequently discussed in the literature. The glass type in question most likely does not come from the traditional area of glass production: the eastern Mediterranean territory.
Chapter
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The chapters contributed to the volume recognize the important and diverse contributions of mineralogy to the valorization, characterization, interpretation and conservation of cultural heritage. The book focuses on examples of materials and methodological issues rather than technical/analytical details. We have attempted to deal with the cultural heritage materials in chronological order of their technological developments, to relate them to past human activities, and to highlight unresolved problems in need of investigation.
Article
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This paper discusses the distribution of bronze age glass across Europe. It highlights the occurrence of the first European glass made with a distinctively different technology from glasses made in the Middle East- both occur in Europe. The paper also discusses the technological characteristics of European faience.
Article
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A multidisciplinary study of a unique group of Late Bronze Age (LBA) ceremonial glass axe heads and other artefacts shows that these are the first significant group of glasses coloured with cobalt to be identified from the Near East. The axes were excavated from the site of Nippur, in present-day Iraq. Several are incised with the names of three kings, which dates the material to the 14th–13th centuries bc. Analysis by laser ablation inductively coupled plasma mass spectrometry (LA–ICPMS) indicates that the glass had high magnesia (MgO) and potash (K2O) associated with a plant-ash flux and was coloured blue by copper or a combination of copper and cobalt. These glasses are similar, but not identical, in major element composition to blue-coloured glasses manufactured in ancient Egypt and elsewhere in Mesopotamia in the same period. However, the Nippur cobalt- and copper-coloured glasses exhibit significantly different trace elemental compositions compared to Egyptian glass coloured with cobalt, showing that the ancient Near Eastern glassmakers had clearly identified and utilized a distinctive cobalt ore source for the colouring of this glass. Since it was previously thought that the only cobalt ores exploited in the LBA were exclusively of Egyptian origin, this new finding provides new insights on the origins of glass and how it was traded during the Bronze Age period.
Article
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The origins of raw glass used to fashion Mycenaean beads were explored using trace elements analyzed by laser ablation ICP-TOFMS. The use of this minimally destructive technique for the in-situ analysis of these beads was ideal given that the material is exceedingly rare and thus too sensitive to make use of traditional micro-sampling (e.g., by scalpel). A wide range of trace elements were measured to compare these Greek glasses to other Late Bronze Age glass coming from Egypt and Mesopotamia. Of the eleven beads analyzed, four blue glasses colored with cobalt and two blue/green glasses colored with copper have trace element compositions consistent with an Egyptian origin of manufacture. The other five of the glasses, all colored with copper, were found to conform to the composition of Mesopotamian glass. These data are the first to demonstrate direct and clear evidence for the trade of raw glass to the Mycenaean states.
Article
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The origins of Late Bronze Age glass artefacts found throughout the Mediterranean and Near and Middle East remain controversial. Previous analyses of major and minor elements in both Egyptian and Mesopotamian glasses have proven equivocal, revealing no significant compositional differences between glasses from these two regions. Here we present new Laser ablation-ICPMS analyses of 32 trace elements in 54 samples of both Egyptian and Mesopotamian blue and colourless glasses. Our results show that there are consistent differences between these two suites, which are not related to the colorant and clearly indicate the use of different raw materials and/or manufacturing processes. Compositional variations are related to geological controls, hence this method holds promise for the development of a minimally destructive technique for discriminating between archaeological glasses of different provenance, which will be essential in the interpretation of ancient trade patterns and contacts.
Article
The origin of the colorants in Egyptian glass of the second millennium BC has been the subject of much research and debate. Several colorants including lead antimonite yellow and calcium antimonite white appear in the archaeological records apparently concurrently with the introduction of glass, and its is possible that their origins are in some way linked. This paper examines the use of the antimonite colorants and uses analytical and experimental techniques to decude possible technologies of production. Trace element data derived from a pilot study by LA_ICPMS gives additional indications of a possible source in the Caucasus for the antimony of these glasses.
Article
The investigated collection of glass beads and bracelets represents a cross-section of the most important glass types found for the Bronze Age and Iron Age in Central Germany. Among the artefacts are examples of different chemical compositions, colours and varying degrees of opacity. The artefacts were dated from the 14th to the 1st centurybc, directly by their archaeological context, or indirectly through findings of contemporary representatives of similar fragments. The glass fragments were found in burial, settlement and oppida-like contexts. In order to highlight some of the principle characteristics of ancient glass manufacture, raw materials and recipes used, the major, minor and trace elements of the glass were determined by electron microprobe analysis, inductively coupled plasma-atomic emission spectroscopy and ICP-mass spectrometry.
Article
In recent years there has been a growing interest in Mycenaean glass among archaeologists and scientists. Scholars have traditionally thought that all Mycenaean glass was imported either in finished form or as ingots and simply shaped or worked at the Mycenaean sites. Chemical studies of other Mycenaean glass (Walton et al., 2009; Smirniou et al. in press) support the hypothesis that glass was imported into Mycenaean Greece, but there is also indication for glass production in mainland Greece at the palace of Thebes (Nikita and Henderson, 2006). There is no evidence for glass making or working at the Palace of Pylos, yet there is an abundance of glass beads there. The aim of this paper is to identify the technology and source for the glass of these beads and thus to ascertain how Pylos was connected to the broader Mycenaean and Mediterranean economies. The composition of the glasses was determined by means of portable XRF analysis and compared to that of other Late Bronze Age glasses from Egypt, Mesopotamia and mainland Greece. Four blue beads coloured with cobalt and one blue bead coloured with copper have Ti and Zr compositions consistent with an Egyptian origin of manufacture while five other beads show Ti and Zr concentrations consistent with a Mesopotamian origin (Shortland et al., 2007). Based on the dearth of Egyptian and Mesopotamian imports in Pylos, the presented data support the hypothesis that Pylos was receiving via internal Greek trade routes foreign-produced glass, which may have been worked abroad or in Greece.
Article
Within the frame of a project aimed to systematically characterize Bronze Age glasses in Northern Italy, a few glasses from Frattesina (Rovigo, Italy) were chemically analyzed by wavelength-dispersive electron probe microanalysis (EPMA) and scanning electron microscopy (SEM) combined with energy dispersive spectrometry (EDS). Trace chromofores were also analyzed by atomic absorption spectroscopy (AAS) and X-ray photoelectron spectroscopy (XPS). Frattesina di Rovigo (Final Bronze Age (FBA), 1200–1000 BC) is at present the only recognized European locality showing evidence of glass working in the Bronze Age. The results of the investigation, which was initially carried out for standardization and comparison purposes of the chemical analyses of coeval glasses, yield interesting information if interpreted on the basis of the available chemical data from other Northern Italian and European glasses.