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Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen Tiere in der Gesellschaft

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Abstract

Den unterschiedlichen Formen „mit Tieren zu denken“ nachzugehen, eröffnet Möglichkeiten, unser grundlegendes Verständnis der sozialen Ordnung und unsere authentischen Einstellungen gegenüber Menschen in den Blick zu bekommen sowie die Instrumentalisierung von Tieren in unserer Gesellschaft zu erkennen. Der Beitrag geht sowohl auf die Ablehnung der Soziologie als auch auf ihr wachsendes Interesse ein, sich mit Mensch-Tier-Interaktionen zu beschäftigen. Bei Letzterem werden zentrale Fragen und Ergebnisse dieses jungen Forschungsfeldes (vorwiegend) aus der angloamerikanischen Literatur dargestellt (Bereiche: Gewalt- und Bewegungsforschung, Vegetarismus/Veganismus, Tiere in der Unterhaltungsbranche, Verhältnis von Menschen zu Wildtieren, Ambivalenz der Mensch-Tier-Verhältnisse sowie kognitive Fähigkeiten von Tieren).
Mit Tieren denken: Die Soziologie
der nicht-menschlichen Tiere
in der Gesellschaft
Arnold Arluke, Clinton Sanders und Patricia Morris
Die Interaktion von Menschen mit nicht-menschlichen Tieren ist ein zentrales
Merkmal des gegenwärtigen Soziallebens. Tiere werden als Nahrung, Kleidung und
Transportmittel verwendet, im Rahmen der Subsistenzwirtschaft oder als sportli-
che Betätigung gejagt, sie werden in Religionen verehrt, geopfert, mit Tabus belegt
und verteufelt, in der Kunst, der Literatur und im Film dargestellt, in das Zu-
hause und die Familie integriert, in zahlreichen Experimenten als Modelle für
Menschen verwendet, in Zoos und Naturkundemuseen ausgestellt und zur Unter-
haltung in Zirkussen vorgeführt oder sie bilden den Schwerpunkt von Debatten
über die menschliche Natur in der Philosophie und Theologie. In den Vereinigten
Staaten lebt in den meisten Haushalten (64 %) mindestens ein Tier (amerikani-
sche Tierärztekammer 2003), die Zahl der Zoobesucher übersteigt bei weitem die
professioneller Sportveranstaltungen, mehr Menschen haben in ihren Portemon-
naies Fotos ihrer Haustiere als Fotos ihrer Kinder bei sich, verheiratete Frauen
geben an, dass sie größere Zuneigung von ihren Haustieren als von ihren Ehemän-
nern oder Kindern erfahren (Arluke 2003), und die Heimtierbranche verzeichnet
Jahreseinnahmen von beinahe 36 Mrd. US-Dollar (Fetterman 2005).
A. Arluke ()
Boston, USA
E-Mail: aarluke@gmail.com
C. Sanders
Storrs, USA
E-Mail: clintonsanders@hotmail.com
P. Morris
Springfield, USA
E-Mail: tmorris02@drury.edu
R. Brucker et al. (Hrsg.), Das Mensch-Tier-Verhältnis,79
DOI 10.1007/978-3-531-94110-3_4, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
80 A. Arluke et al.
Obwohl ein Großteil der menschlichen Gesellschaft durch Interaktionen mit nicht-
menschlichen Tieren strukturiert ist und Tiere in jedem Bereich des menschlichen
Lebens anzutreffen sind, kommen sie in der soziologischen Literatur meist nur
am Rande oder gar nicht vor. Der Philosoph René Descartes (1976) schuf im 17.
Jahrhundert die Grundlage für diese fehlende Sensibilität gegenüber den Fragen
des Mensch-Tier-Verhältnisses. In der Cartesianischen Orthodoxie wurden Tiere
als Maschinen betrachtet, die keinen Schmerz empfänden und nicht in der Lage
seien zu denken, da ihnen die Fähigkeit zur gesprochenen Sprache fehle. Nur
sehr wenige Soziologen beschäftigten sich im 19. Jahrhundert mit den Fähigkeiten
von Tieren oder mit den Beziehungen von Menschen und Tieren (Cobbe [1872]
2003; Martineau [1865] 2003). Interessanterweise erkannte Max Weber an, dass es
möglich sei, nicht-menschliche Tiere in die soziologische Analyse einzubeziehen.
Inwieweit auch das Verhalten von Tieren uns sinnhaft ,verständlich‘ ist und um-
gekehrt: – beides in höchst unsicherm Sinn und problematischem Umfang –, und
inwieweit also theoretisch es auch eine Soziologie der Beziehungen des Menschen
zu Tieren (Haustieren, Jagdtieren) geben könne (viele Tiere ,verstehen‘ Befehl,
Zorn, Liebe, Angriffsabsicht und reagieren darauf offenbar vielfach nicht aus-
schließlich mechanisch-instinktiv, sondern irgendwie auch bewußt sinnhaft und
erfahrungsorientiert), bleibt hier völlig unerörtert. (Weber 1964, S. 11)
Auch am Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in der Soziologie nicht-mensch-
liche Tiere als soziale Akteure überwiegend ignoriert. George Herbert Mead (1962,
1964) schrieb häufig über nicht-menschliche Tiere, verwendete die Beschreibungen
des Verhaltens von Tieren jedoch als Hintergrund für den Vergleich mit seinem
Modell des menschlichen Handelns. Mead legte die geistige Grundlage für den
späteren Symbolischen Interaktionismus und hielt dabei an der Auffassung fest,
dass Tiere zwar soziale Wesen seien, in ihren Interaktionen sei aber lediglich
eine primitive und instinktgeleitete Gestenkommunikation („conversation of ge-
stures“) zu finden, beispielsweise das Knurren des Hundes oder das Fauchen der
Katze. Mead zufolge fehle Tieren die Fähigkeit, signifikante Symbole einzusetzen,
wodurch sie nicht in der Lage seien, Bedeutungen auszuhandeln und die Rolle
von Interaktionspartnern einzunehmen. Ihr Verhalten sei auf einfache Ziele wie
die Nahrungsbeschaffung oder die Revierverteidigung ausgerichtet, aber aufgrund
ihrer Unfähigkeit zur sprachlichen Verständigung fehle ihrem Verhalten die Di-
mension der Bedeutung. Mead betrachtete sprachlose Tiere als geistlos, ohne Selbst
und Gefühle, und die Vorstellung, dass nicht-menschliche Tiere über ein entwi-
ckelteres geistiges, emotionales und soziales Leben verfügten, beruhte ihm zufolge
allein auf anthropomorpher Projektion.
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 81
Meads anthropozentrische Ausrichtung führte dazu, dass Tiere noch bis in die
Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts, mit sehr wenigen Ausnahmen (z. B. Bain
1929), beinahe vollständig aus dem soziologischen Denken ausgeschlossen blieben.
Clifton Bryant (1979) rief in einem bahnbrechenden Artikel Soziologen dazu auf,
sich ernsthaft mit dem von ihm als „zoologische Verbindung“ bezeichneten Thema
zu befassen. In diesem Aufsatz beklagte Bryant, dass besonders die Soziologen
unter den in den Verhaltenswissenschaften und Geisteswissenschaften Tätigen ihre
Pflicht verletzt hätten, indem sie die zoologische Komponente der menschlichen
Interaktionen und der damit verbundenen sozialen Systeme nicht behandelten.
Den Einfluss von Tieren auf unser Sozialverhalten oder ihre Bedeutung dafür,
für unsere Beziehungen mit anderen Menschen und oftmals für gesellschaftliche
Entwicklungen hätten die Soziologen meist nicht verstanden, übersehen, ignoriert
oder vernachlässigt (Bryant 1979, S. 339).
Heutzutage befassen sich Wissenschaftler zunehmend mit diesem Thema, um
die Funktion und den Platz von Tieren in modernen Gesellschaften zu verste-
hen. Dieses wachsende wissenschaftliche Interesse zeigt sich auf vielerlei Weise.
Soziologie-Studiengänge, die sich mit der Frage nach Tieren in der Gesellschaft
befassen, etablieren sich an vielen Universitäten in den USA (Balcombe 1999). In
Fachgesellschaften wie der American Sociological Association haben sich offizielle
„Sektionen“ gebildet, die sich mit der Erforschung und Erörterung der Mensch-
Tier-Interaktion beschäftigen. Weltweit tätige interdisziplinäre Gruppen wie die
„International Association of Human-Animal Organizations“ veranstalten Konfe-
renzen mit Tausenden von Teilnehmern. Vier bedeutende Wissenschaftsverlage
(Brill Academic Publishers, Johns Hopkins University Press, Purdue University
Press und Temple University Press) geben derzeit Buchserien zu Human-Animal
Studies heraus. Außerdem erscheinen zwei angesehene Fachzeitschriften auf
diesem Gebiet (Society and Animals und Anthrozoos), in denen regelmäßig so-
ziologische Artikel veröffentlicht werden. Am Beginn des 21. Jahrhunderts finden
sich ausreichend Belege dafür, dass die Human-Animal Studies in den Sozial- und
Verhaltenswissenschaften eine nicht unerhebliche Legitimität erlangt haben.
Die soziologische Beschäftigung mit der Mensch-Tier-Interaktion ist nunmehr
zu einem legitimen und sogar bedeutenden Forschungsgebiet geworden, allerdings
nicht ohne erheblichen Widerstand. Historisch „stellen sich die Sozialwissenschaf-
ten vorrangig als die Wissenschaften des Bruchs zwischen Menschen und Tieren
dar“ (Noske 1990, S. 66), was dazu geführt hat, anzuzweifeln, dass es berechtigt
ist, dass Tiere in einer Disziplin vorkommen, die „eigentlich“ von Menschen han-
deln sollte. Es gibt sowohl praktische als auch wissenschaftliche Gründe dafür,
dass die Anthrozoologie von den Sozialwissenschaften energisch verfolgt werden
sollte. Da das Interesse an dem angemessenen Umgang mit Tieren in unserer Ge-
82 A. Arluke et al.
sellschaft zunimmt und sich das Bewusstsein für diesen Umgang verändert, werden
die entsprechenden Forschungsergebnisse von entscheidender Bedeutung dafür
sein, dass eine Auseinandersetzung, die oftmals emotional und stark polarisiert ge-
führt wird, in größerem Maße inhaltlich begründet und sachlich stattfinden kann.
So sollten Sozialwissenschaftler beispielsweise erforschen, wie Mitarbeiter von Tier-
versuchslaboren mit den in Experimenten verwendeten Tieren interagieren. Einige
wenige Soziologen beschäftigen sich mit dieser Frage (z. B. Arluke 1990, 1991a,
1994; Groves 1997; Phillips 1993, 1994). Ohne derartige Beschreibungen können
die politischen Entscheidungsträger und die Bürger sich nur auf die üblicherwei-
se stark vereinfachte Kritik einiger Fürsprecher der Tiere oder die eigennützigen
PR-Bestrebungen vonseiten der biomedizinischen Forschung stützen. Trotz des
offensichtlichen praktischen Nutzens dieser soziologischen Forschung für die Bür-
ger und die Entscheidungsträger sind hinsichtlich einer ganzen Reihe kontroverser
Auseinandersetzungen über die richtige Behandlung von Tieren große Lücken in
der Literatur festzustellen und andere Bereiche so gut wie gar nicht wissenschaftlich
erforscht.
Tiere stellen ebenso einen der ergiebigsten Blickwinkel auf uns selbst dar, und
gerade auf dieser Ebene bestehen vielfältige akademische Möglichkeiten. In einer oft
zitierten Textstelle bemerkte der Anthropologe Claude Levi-Strauss (1965, S. 116):
„Tiere sind gut zu denken“. Damit meinte Levi-Strauss, dass Tiere als Metaphern
fungieren, als wichtige kulturelle Kennzeichen, die die Mitglieder einer Gesell-
schaft verwenden, um kulturell bedeutsame Ideen und Erfahrungen zu verstehen
und dieses Verstehen miteinander zu teilen. Darin, wie wir über Tiere denken und
uns ihnen gegenüber verhalten, kann sich unser grundlegendes Verständnis der so-
zialen Ordnung zeigen und können unsere authentischen Einstellungen gegenüber
Menschen deutlich werden.
Nicht-menschliche Tiere „vertreten“, oder versinnbildlichen das Denken über
Aspekte des menschlichen Charakters (z. B. „hundsgemein“, „falsche Schlange“),
der Erscheinung (z. B. „bärenstark“, „katzenhaft“) und des Verhaltens (z. B. „er isst
wie ein Schwein“, „sie blickt mit Adleraugen“). Die Anwendung des Worts „Tier“
in Bezug auf Menschen und deren Verhalten kann sowohl als positive als auch als
negative Kennzeichnung dienen. In der Sportkultur beispielsweise, besonders im
Fußball oder Boxsport, wo kontrollierte Gewalt eine zentrale Rolle spielt, ist die
Charakterisierung einer Person als „wie ein Tier“ ein Lob. In diesem Kontext be-
zeichnet ein „echtes Tier“ jemanden, der eine Aggressivität zeigt, die als Mittel zum
Erfolg im Wettkampf geschätzt wird. Im Gegenzug dazu hat die Bezeichnung „Tier“
in anderen Kontexten eine gänzlich andere Auswirkung auf die soziale Identität ei-
nes Menschen. So gelten im beruflichen Umfeld der Strafverfolgung diejenigen,
die als „Tiere“ bezeichnet werden, als gefährlich und hemmungslos. „Tiere“ (eine
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 83
Bezeichnung, die üblicherweise mit ethnischen Merkmalen oder der Klassenzu-
gehörigkeit einer Person verknüpft ist) „im Zaum zu halten“ (also innerhalb der
durch konventionelle Normen gesetzten Grenzen) ist die Hauptfunktion der Kont-
rollpersonen und -institutionen einer Gesellschaft. Der einfache Begriff „Tier“ wird
also verwendet für das Denken über Menschen, ihre Persönlichkeit, ihren Platz in
der Gesellschaft, ihr Potenzial, auf- oder abgewertetes Verhalten zu zeigen, sowie
weitere Schlüsselbereiche der sozialen Definition.
Bestimmte Tiere werden seit jeher benutzt, um Menschengruppen und die
ihnen zugeschriebenen Charaktermerkmale und Verhaltensweisen zu repräsentie-
ren. Menschengruppen werden als „schädliche“ Tiere angesehen und so behandelt,
wenn sie – wie Ungeziefer – von ihrem kulturell zugewiesenen Platz abweichen. Die
Geschichte der Juden ist voller Beispiele für ihre Animalisierung als unerwünsch-
te Schädlinge, die anderen Menschen beängstigend nahe kommen. Während der
großen Einwanderungswelle von Juden in die Vereinigten Staaten am Ende des
19. Jahrhunderts nahm der Antisemitismus zu. Juden wurden als Untermenschen
dargestellt, die der angelsächsischen Bevölkerung genetisch unterlegen, bösartig
und parasitär seien. Michael Selzer (1972, S. 42–43) zitiert eine Publikation aus
dem Jahr 1881 mit dem Titel The Wolves of New York, in der Juden als gierig wie
Tiere beschrieben werden. Die als „begierig nach Beute und Plünderungen“ darge-
stellten jüdischen Geschäftsleute wurden mit „frettchenartigen“ Wesen verglichen,
deren „lange krallenartige Finger“ sich nach dem Geld ausstreckten, ebenso mit
Schakalen, die auf die Reste der Beute des Löwen warteten, oder mit Geiern, die
es auf das Aas abgesehen hatten. Andere Publikationen aus dieser Zeit stellten
Juden oftmals als Wiesel, Igel, Vampire, Fledermäuse oder Ratten dar. Eine poli-
tische Karikatur der Jahrhundertwende zeichnete jüdische Unternehmer als eine
gigantische Krake (mit einer riesigen Nase), deren Tentakel die Welt umschlos-
sen. Indem bestimmte Tiere (und deren vermeintlich „natürliche“ Eigenschaften)
mit Menschengruppen in Beziehung gesetzt werden, lassen sich diese Gruppen als
Bedrohungen problematisieren, die beseitigt oder zumindest beherrscht werden
müssen.
Tiere dienen häufig als eine spezielle Projektionsfläche für unsere menschlichen
Gedanken, Phantasien, Sehnsüchte und Ängste. Fine und Christoforides (1991)
betonen die metaphorische Verbindung, die sich nach dem amerikanischen Bür-
gerkrieg zwischen dem englischen Spatzen und der Immigration in die Vereinigten
Staaten entwickelte. Angesichts von Millionen Immigranten aus Europa und Asien
leiteten die Gegner des englischen Spatzen ihre Symbolik aus dem zeitgenössischen
Nativismus (Ausländerfeindlichkeit) ab. Sie definierten den Vogel als: 1) einen Aus-
länder, 2) der in einem unfairen Wettbewerb zu einheimischen Vögeln steht, 3)
84 A. Arluke et al.
der einen unmoralischen Charakter hat und 4) der aus der amerikanischen
Vogelgemeinschaft entfernt werden muss (375).
Entsprechend dieser politisch-kulturellen Konstruktion sollten diese Vogel-Ein-
dringlinge, ebenso wie die menschlichen Immigranten, die sie verkörperten, aus
der einheimischen (d. h. der früher eingewanderten) amerikanischen Gemeinschaft
entfernt werden. Somit kann die symbolische Verknüpfung von Tieren mit abge-
werteten Menschen negative Konsequenzen sowohl für die Menschen als auch die
nicht-menschlichen Tiere haben. Wenn bestimmte ethnische Gruppen gedanklich
und tatsächlich als „Tiere“ bezeichnet werden, erscheinen ihre zu Tieren in Bezug
gesetzten Praktiken als ein Beweis für ihre Marginalität und ihren schändlichen Ruf.
Elder, Wolch und Emel (2009) betonen, dass diese „Animalisierung“ bestimmter
ethnischer Gruppen dazu dient, die Macht und die Statusinteressen derjenigen
Gruppen aufrechtzuerhalten, die diese Kennzeichnung vornehmen.
Tiere können als Bezugspunkte dienen, um die gesellschaftliche Stellung an-
derer Menschen sowohl als Individuen als auch als Kollektive zu bestimmen. Ob
Haustier oder Dämon, Werkzeug oder Ungeziefer, die Kluft zwischen Menschen
und Tieren wird dazu benutzt, eine gesellschaftliche Hierarchie zu errichten und
zu festigen (Arluke und Sanders 1996). Diese „soziozoologische Skala“ ist eine Ge-
schichte, die Menschen sich selbst und einander – mithilfe von Tieren – über die
Bedeutung des „Ortes“ in modernen Gesellschaften erzählen. Wie es bei Geschich-
ten oft der Fall ist, erläutern und begründen sie bestimmte Beziehungen, die von
Menschen erwartet werden, nämlich wohin sie inner- oder außerhalb der Gesell-
schaft gehören und welches Verhalten von ihnen erwartet wird. Diejenigen, die
eine bestimmte Geschichte glauben oder an ihr teilhaben, erkennen dabei vermut-
lich nicht die Widersprüche ihres eigenen Verhaltens gegenüber anderen Gruppen.
Ganz im Gegenteil erscheinen ihnen ihre eigenen Handlungen – selbst wenn diese
in den Augen anderer heuchlerisch sind – als moralisch gerechtfertigt. Indem wir
verstehen, wie wir Tiere definieren und uns zu ihnen in Beziehung setzen, nähern
wir uns einem Verständnis unserer selbst.
Mit Tieren zu denken bezeichnet demnach die Weisen, in denen Tiere als
metaphorische Mittel verwendet werden, um über das menschliche Sozialleben
nachzudenken und zentrale Aspekte daraus zu kommunizieren. Gerade weil sich
so gut mit Tieren denken lässt, entdecken soziologische Teildisziplinen außerhalb
der „Animal Studies“ den Wert der Erforschung der Beziehungen zwischen den
Spezies. Schon seit Jahren erachten Anthropologen Verhaltensweisen von Tieren
als wichtige kulturelle Symbole und nützliche Instrumente, durch die Menschen
sich selbst ausdrücken. Soziologen, die das Landleben erforschen, erkennen erst-
mals an, dass Tiere eine zentrale Position im Leben auf dem Lande einnehmen.
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 85
Umweltsoziologen entwerfen ein neues Bild von der Natur, das Tiere als Teil unse-
rer biologischen und physischen Umwelt einschließt. Die feministische Soziologie
und jene, die sich mit Rassismus und den Beziehungen zwischen Ethnien befasst,
beginnen zu erforschen, wie Tiere benutzt werden, um die Unterdrückung von
Minderheiten aufrechtzuerhalten. Dieses zunehmende akademische Interesse ist
ein Zeichen dafür, dass sich die Erforschung des Mensch-Tier-Verhältnisses, auch
wenn sie in der akademischen Welt noch nicht lange verankert ist, rasch als eine
fruchtbare Grundlage etabliert, die die soziologische Forschung inspirieren kann.
1 Forschungsfragen in der Soziologie des
Mensch-Tier-Verhältnisses
Die Frage, deren Diskussion in der Anthrozoologie wohl am meisten Kontroversen
hervorruft, ist die des mutmaßlichen Zusammenhangs zwischen Tierquälerei und
der gegen Menschen gerichteten Gewalt. Für die enge Verknüpfung dieser bei-
den Phänomene wird oftmals einfach der Begriff „der Zusammenhang“ (engl. „the
link“) verwendet (siehe die Überblicksarbeiten von Ascione und Shapiro 2009 sowie
Merz-Perez und Heide 2003). Schätzungen zufolge sind Tierquälereien bei extrem
gewalttätigen Personen erheblich häufiger zu beobachten als in der Allgemeinbe-
völkerung (z. B. Kellert und Felthous 1985; Merz-Perez und Heide 2003), und eine
Reihe von Untersuchungen zeigt einen Zusammenhang von Misshandlungen von
Tieren und antisozialem Verhalten bei Kindern. In ihrer Studie über Serienmörder
entdeckten Wright und Hensley (2003), dass 21 % in ihrer Kindheit wegen Tierquä-
lereien aufgefallen waren, allerdings erwähnen die Autoren weder die Form noch
das Ausmaß dieser Tiermisshandlungen. In akademischen Abhandlungen über Ge-
walt gegen Tiere fehlen gewöhnlich dennoch nicht die grauenvollen Berichte über
Tierquälereien durch Serienmörder wie Albert DeSalvo, Jeffery Dahmer und David
Berkowitz. Diese Nachweise dienen oft dazu, ein Modell zu untermauern, das von
einem graduellen („graduation model“) bzw. einem sich steigernden („escalation
model“) Verlauf ausgeht, wonach jene, die vorsätzlich, in kulturell nicht sanktio-
nierter Weise, Tiere misshandeln, in der Folge ihre Aggressionen und Gewalt gegen
Menschen richten.
Arluke et al. (1999) verglichen die Vorstrafenregister verurteilter Tierquäler
mit einer Kontrollgruppe. Wie erwartet, bestand für die Tierquäler eine erheb-
lich größere Wahrscheinlichkeit, wegen einer Vielzahl strafbarer Handlungen
festgenommen zu werden, als für die Kontrollgruppe. Sie verübten jedoch kei-
ne überproportional hohe Anzahl von Gewalttaten im Gegensatz zu Eigentums-
86 A. Arluke et al.
oder Drogendelikten. Außerdem bestand keine größere Wahrscheinlichkeit dafür,
dass Tiermisshandlungen anderen gewalttätigen oder nicht-gewalttätigen Delikten
vorausgingen als dass sie auf diese folgten. Diese Studie verwirft daher das Modell
einer bestimmten Abfolge von Misshandlungen („graduation model of abuse“) und
stützt mit ihren Ergebnissen vielmehr die Devianz-Generalisierungstheorie („devi-
ance generalization theory“), der zufolge diejenigen, die sich in einer bestimmten
Art und Weise abweichend verhalten, wahrscheinlich auch andere Formen von
Devianz zeigen, wobei keine bestimmte Reihenfolge festzustellen ist.
Andere Forscher und Vertreter dieses Zusammenhangs legen den Schwerpunkt
auf eine anders geartete Verbindung, nämlich zwischen Tierquälerei und häusli-
cher Gewalt gegen Partner und Kinder. So ergaben Untersuchungen von Familien,
in denen Kindesmissbrauch stattfand, dass dort ebenfalls häufig Tiere misshandelt
wurden (z. B. Deviney et al. 1983). In Untersuchungen zu misshandelten Frauen
und deren Haustieren wurden große Häufigkeiten von Tiermisshandlungen
festgestellt. Quinlisk (1999) beispielsweise zeigte, dass 67 % der Frauen, die
vor häuslicher Gewalt Schutz suchten, miterlebten, wie ihre Partner ihre Tiere
misshandelten, in 43 % der Fälle in Anwesenheit der Kinder. Flynn (2009)
untersucht die Beziehung zwischen misshandelten Frauen und deren Haustieren.
Interviews mit Klientinnen eines Frauenhauses ergaben, dass die gewalttätigen
Partner die Haustiere benutzten, um Kontrolle über die Frauen zu erlangen,
diese zu verletzen und einzuschüchtern. Einige Frauen zögerten die Flucht ins
Frauenhaus hinaus, weil sie Angst um ihre Tiere hatten und diese nicht zu Hause
lassen wollten. Als diese Zusammenhänge bekannt wurden, wurden Forderungen
laut, dass die zuständigen Behörden und Sozialen Dienste Informationen über
Misshandlungen von Tieren und häusliche Gewalt untereinander austauschen,
da die beiden Tatbestände ein Warnsignal für den jeweils anderen Fall darstellen
(Ascione und Arkow 1999; Flynn 2000; Randour 2007).
Die Darstellung und Nutzung von Tieren in der Unterhaltungsbranche ist ein
weiteres Gebiet, das von Soziologen untersucht wird. Tiere werden üblicherweise
in der Malerei, Bildhauerei und in anderen Formen sowohl der volkstümlichen
als auch bildenden Kunst dargestellt (siehe Clark 1977; Kalof 2007) und in Zoos
gehalten (Bostock 1993). Ebenso spielen sie zentrale Rollen in Filmen (Hirschmann
und Sanders 1997), im Fernsehen (Lerner und Kalof 1999; Magdoff und Barnett
1989; Pierson 2009) und in Bildmaterial wie Comics und Boulevardzeitungen (Ber-
land 2008; Herzog und Gavin 1992). Tiere nehmen seit jeher eine herausragende
Position in der Kunst und Populärkultur ein, von den Volkssagen der Stammes-
kulturen bis zu den Filmen im heutigen Kinoprogramm. Tiere sind auch seit jeher
an menschlichen Wettkämpfen beteiligt, angefangen bei antiken Tierkämpfen bis
zu heutigen Hunde- und Pferderennen. Gegenwärtig stehen Tiere vor allem auf
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 87
drei Weisen in Verbindung mit sportlichen Aktivitäten von Menschen. Bei man-
chen sportlichen Aktivitäten findet ein Wettkampf von Tieren gegen andere Tiere
statt, bei anderen treten Menschen gegen Tiere an (siehe Errington 1990), und wie-
derum andere sehen eine Kooperation von Menschen mit Tieren vor, bei der im
Wesentlichen Teams aus Menschen und Tieren gebildet werden, die gegeneinander
antreten (siehe McFadden 2007). Tiere nehmen also einen bedeutenden Raum in
der menschlichen Freizeitgestaltung ein, sie symbolisieren und überliefern wichtige
kulturelle Überzeugungen, wie die Herrschaft des Menschen über „die Natur“.
Oftmals werden die zur menschlichen Unterhaltung benutzten Tiere zum
Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zwischen Tierrechtsaktivisten und
den an diesen Unterhaltungsformen Beteiligten. Auseinandersetzungen über die
Jagd, die von den einen als grausam betrachtet wird und den anderen als eine
akzeptable, sogar nützliche, Betätigung gilt, finden schon seit Jahrhunderten statt
(siehe Hummel 1994). Die gesellschaftliche Abneigung gegenüber Tierkämpfen, in
denen Tiere gegeneinander (meist auf Leben und Tod) kämpfen, ist seit langem
weit verbreitet. So zeigt die soziologische Literatur über Hahnenkämpfe (z. B. Dar-
den und Worden 1996; Dundes 1994) und Hundekämpfe (z. B. Forsyth und Evans
1998; Kalof und Taylor 2007) deutlich, dass diese Aktivitäten nach konventioneller
Definition als Formen kollektiv abweichenden Verhaltens verstanden werden und
dass dieser negativen Charakterisierung eine wichtige Rolle dabei zukommt, dass
sich engverbundene Subkulturen unter den Organisatoren und Zuschauern dieser
Kämpfe herausbilden und aufrechterhalten. Tierkämpfe, bei denen Tiere gegen
Menschen kämpfen – beispielsweise der spanische Stierkampf – bilden den Fokus
für ähnlich kontroverse Auseinandersetzungen. Von den einen werden sie als Teil
der Landestradition verstanden, während andere sie als besonders brutale Formen
von Grausamkeit gegenüber Tieren betrachten (siehe Mitchell 1991). Zwar gibt es
weitaus weniger Auseinandersetzungen um Wettrennen, in denen Tiere gegenein-
ander antreten müssen, doch sind auch diese Sportarten umstritten und darin mit
denen vergleichbar, durch die Blut von Tieren vergossen wird (siehe Atkinson und
Young 2009; Case 1991; Scott 1968).
Die Tierrechtsbewegung in ihrer Erscheinungsform und Bedeutung ist ein wei-
teres Thema, das in der soziologischen Literatur viel Beachtung gefunden hat. In
dieser Literatur wird meist mit Ansätzen gearbeitet, die bereits für die Untersu-
chung und Erklärung von anderen sozialen Bewegungen verwendet worden sind
(Borovick und Dmitry 2010; Groves 1997; Jasper und Nelkin 1992; Sperling 1988;
Tester 1992). Diese Arbeiten, wie auch ökofeministische Diskussionen (z. B. Adams
1994; Gaard 1993; Kheel 1995; Noske 1997), haben die Mensch-Tier-Soziologie
fest im Bereich politischer Analyse und Interessensvertretung verortet. Sozialwis-
senschaftler erörtern nicht das Für und Wider der Tierrechtsbewegung, sondern
88 A. Arluke et al.
stellen andere Aspekte in den Mittelpunkt wie die Frage, welche Personen von dieser
Bewegung angezogen werden. Untersuchungen haben ergeben, dass Graswurzel-
Aktivisten und Sympathisanten eher Frauen als Männer sind, was auch auf die
Anti-Tierversuchs-Bewegung im 19. Jahrhundert zutraf. Die meisten Aktivisten
sind zudem weiß, stammen aus der mittleren oder höheren sozialen Schicht, sind
gebildet und politisch liberal. Außerdem leben die meisten in Großstädten und
haben selbst Haustiere.
Jenseits dieser demographischen Merkmale haben sich andere Wissenschaftler
mit den Einstellungen und den ethischen Auffassungen von Tierrechtsaktivisten
befasst (Galvin und Herzog 1992, 1998; Herzog 1993; Nickell und Herzog 1996;
Plous 1998). Die Tierrechtsbewegung zieht vorwiegend Menschen an, deren Ver-
ständnis des Mensch-Tier-Verhältnisses sich von dem ihrer Gegner unterscheidet.
Die Angehörigen der Bewegung erkennen mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede
zwischen Menschen und Tieren, wogegen die Gegner der Bewegung eine erheb-
liche Kluft zwischen den Spezies ausmachen. Tierrechtsaktivisten erkennen eine
zunehmende Tendenz, die Natur/Umwelt lediglich als Mittel zum Zweck zu be-
trachten, und setzen dieser Entwicklung ein eigenes Ethos entgegen, das von Jasper
und Nelkin als „Anti-Instrumentalismus“ bezeichnet wird.
Wie bereits angesprochen wurde, ist eines der bemerkenswertesten und durch-
gehend zu verzeichnenden Forschungsergebnisse hinsichtlich der Unterstützer der
Tierrechtsbewegung, dass Frauen zahlenmäßig überwiegen. Verschiedene Forscher
haben festgestellt, dass der Tierschutz häufiger ein Anliegen von Frauen als von
Männern ist (Driscoll 1992; Herzog et al. 1991; Peek et al. 1997), dass Frauen sich
häufiger für Tierrechte einsetzen (Peek et al. 1996; Peek et al. 1997), Tierversu-
che ablehnen (Kruse 1999; Peek et al. 1996, 1997) und in Organisationen aktiv
werden (Jasper und Nelkin 1992). Tatsächlich bildet das Geschlecht eine der we-
nigen Variablen, anhand derer sich bedeutende Abweichungen in der Einstellung
zu Tierschutzfragen vorhersagen lassen (Mathews und Herzog 1997). Es über-
rascht daher nicht, dass sich bei der Mitgliedschaft in Tierschutzorganisationen
ähnliche Geschlechterdifferenzen zeigen (Herzog 1993). Ebenso machen Frauen
üblicherweise zwischen 70 und 80 % der Beteiligten an Tierrechtsdemonstratio-
nen aus (Plous 1998). Unklar bleibt, warum mehr Frauen als Männer sich zu
dem Anliegen hingezogen fühlen. Forscher, die vom Begriff der individuellen oder
„Beziehungsrolle“ ausgehen, beschäftigen sich ausschließlich mit der geschlechts-
spezifischen Sozialisation und richten den Blick auf den Zusammenhang zwischen
der stärker pflegenden und sorgenden Rolle sowie der Ausdrucksfähigkeit von
Frauen und ihrem größeren Interesse an Tierrechten (Herzog et al. 1991; Kru-
se 1999). Andere Wissenschaftler bevorzugen ein strukturelles Modell und legen
dar, dass Frauen sich mit Tieren identifizieren, da sie die „strukturelle Verortung“
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 89
in der Gesellschaft mit diesen teilen (Peek et al. 1996, 1997). Die Erfahrungen,
die Frauen mit struktureller Unterdrückung machen, führen mit anderen Worten
dazu, dass sie zu egalitären Anschauungen neigen, aus denen heraus das Inter-
esse an Tierrechten entsteht. Die zukünftige Forschung würde davon profitieren,
wenn der Zusammenhang von Sozialisation und strukturellen Kräften, die auf die
individuellen Überzeugungen einwirken, betrachtet würde.
Ökofeministinnen und Ökofeministen betonen die grundlegende Verbunden-
heit zwischen Menschen und der Natur und wenden sich gegen die verschiedenen,
miteinander verschränkten Formen der Unterdrückung von Tieren, von Men-
schen aufgrund ihrer Hautfarbe, von Frauen und der Natur. Sie üben Kritik an den
Auswirkungen der Technik auf die Umwelt und gehen davon aus, dass Umweltpro-
bleme nicht durch traditionelle politische Maßnahmen zu lösen oder überhaupt zu
beeinflussen sind (Birkeland 1993). Diese (gewissermaßen romantisierte) Perspek-
tive versteht Frauen historisch in einer engeren Beziehung zur Natur und zu Tieren
und, wie Tiere, als traditionell von Männern beherrscht. Adams (1995) betont, wie
sprachliche Begriffe (z. B. „Fleisch“ statt „Tiermuskelgewebe“) und weitere kultu-
relle Faktoren dazu beitragen, dass wir die Tatsache ausblenden, andere fühlende
Lebewesen zu töten und zu essen. Dabei sieht sie eine auffallende Parallele zwi-
schen der Unterdrückung von Menschen aufgrund von Sexismus, Rassismus und
ethnischen Unterscheidungen und der Unterdrückung nicht-menschlicher Tiere.
Diese Perspektive führt dazu, dass Ökofeministinnen und Ökofeministen oftmals
entschieden die Forderung nach Tierrechten unterstützen und Verbindungen zwi-
schen der Gewalt gegen Tiere und der gegenüber Frauen und Kindern ausgeübten
häuslichen Gewalt aufzeigen.
Eine andere Forschungsrichtung beschäftigt sich damit, was die Tierrechts-
bewegung erreicht und bewirkt hat. Die Wissenschaftler haben dabei versucht,
soziale Faktoren zu identifizieren, welche die Erfolge der Tierrechtsarbeit erschwe-
ren oder ermöglichen (Nibert 2002). Andere (z. B. Einwohner 2009) untersuchen
die Auswirkungen der Tierrechtsbewegung, indem sie die Interaktionen zwischen
Aktivisten und denjenigen, deren Verhalten diese ändern wollen, analysieren. Bei
dieser Herangehensweise werden spezifische, eingegrenzte Faktoren identifiziert,
die den Erfolg der Aktivisten hinsichtlich ihrer Ziele, wie beispielsweise bestimm-
te Praktiken zu verändern, beeinflussen können. Seit einigen Jahrzehnten üben
Aktivisten Einfluss auf den Umgang mit Tieren in unterschiedlichen Einrichtun-
gen aus. So wird die Verwendung von Tieren in Forschungslaboren mittlerweile
erheblich genauer geprüft und überwacht, als dies in der Vergangenheit der Fall
war. Weniger Tiere werden in Versuchen verwendet und es wird mehr darauf
geachtet, Experimente auf humane Weise durchzuführen, indem wenn möglich
Schmerz und Leiden verringert werden. Weitere Beispiele für erfolgreichen Ak-
90 A. Arluke et al.
tivismus sind u. a. der auf Bildungseinrichtungen ausgeübte Druck, damit diese
Alternativen zu Tierversuchen anbieten, der Druck auf die Fischindustrie, del-
phinfreundliche Fangnetze zu verwenden, auf Zirkusse, schädliche Praktiken zu
beseitigen, auf Schlachthäuser, humanere Methoden anzuwenden, sowie auf Zoos,
die Tierhaltung zu verbessern. Der Bewegung ist es aber nicht gelungen, mehr als
einen bescheidenen Einfluss auf die täglichen Konsumentscheidungen der ame-
rikanischen Bevölkerung zu erreichen. Es werden zwar weniger Pelze getragen,
dennoch essen die meisten Menschen weiterhin Huhn und andere Fleischsorten.
Außerdem stellen viele Erfolge der Bewegung nur kleine Schritte dar. Kompro-
misslosere Aktivisten werden erst dann zufrieden sein, wenn diese Praktiken, wie
human sie zukünftig auch sein mögen, vollständig abgeschafft sind.
Vegetarismus und Veganismus, die eng mit den Themen Gender und so-
ziale Bewegungen verknüpft sind, bilden ebenfalls einen Forschungsgegenstand
für Soziologen, die am Mensch-Tier-Verhältnis interessiert sind (Dietz et al.
1995; Kalof et al. 1999). Forschungen zeigen, dass die Grundsätze des Vegetaris-
mus/Veganismus für die zwei bis zehn Prozent der amerikanischen Bevölkerung,
die sich auf diese Weise ernähren, hochemotionale Aspekte ihrer ethischen Hal-
tung darstellen (Moore 2007). Der Entscheidung, auf Fleisch oder andere tierliche
Lebensmittel zu verzichten, liegen verschiedene Argumente zugrunde. Manche
Vegetarier betonen die gesundheitlichen Vorteile einer fleischfreien Ernährung, da
auf diese Weise keine nennenswerten Mengen gesättigter Fette sowie keine der den
Tieren in der Massentierhaltung routinemäßig verabreichten Hormone und Anti-
biotika aufgenommen werden. Ein weiterer Grund für den Verzicht auf Fleisch
sind die ökologischen Folgen der Massentierhaltung. Aus diesem Blickwinkel wird
die Unwirtschaftlichkeit herausgestellt, die darin liegt, Anbauflächen und Getreide
für die Fütterung von Tieren zu nutzen. Die Abholzung von Waldflächen für die
Gewinnung von Anbaufläche, die Umweltprobleme durch Tierkot und andere mit
der Massentierhaltung zusammenhängende Schadstoffe werden angeführt. Die am
häufigsten genannte Begründung für eine pflanzliche Ernährung basiert jedoch auf
moralischen und ethischen Überlegungen. Aus dieser Sicht sind nicht-menschliche
Tiere fühlende Lebewesen mit einem inhärenten Recht auf Leben, denen weder
Schmerz noch Leid zugefügt werden darf.
Die Forschung von Winders und Nibert (2009) beschäftigt sich mit dem, was
die feministische Anthropologin Barbara Noske (1997) als den „tierindustriellen
Komplex“ bezeichnet hat. Die von Winders und Nibert formulierte Kritik am zeit-
genössischen Phänomen des Fleischkonsums gründet auf einer wirtschaftlichen
und politischen Analyse. Ihrer Ansicht nach ist die Abhängigkeit der amerikani-
schen Ernährung von Fleisch ein Ergebnis des Kapitalismus im Stil des New Deal
und der Landwirtschaftspolitik, die dieser Ansatz seit dem Ende des 2. Weltkriegs
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 91
hervorgebracht hat. Aus diesem Blickwinkel führten Preisstützungen und techno-
logische Fortschritte in der Landwirtschaft zu einem Überschuss an Mais, Weizen
und Sojabohnen, durch den Landwirtschaftsbetriebe und Regierungsinstitutionen
dazu gezwungen wurden, die Fleischproduktion und den Fleischkonsum voranzu-
treiben, da dies eine Möglichkeit darstellte, die Überproduktion abzubauen. Die
Steigerung der Fleischproduktion habe ihrerseits zu gewaltvolleren und inhuma-
neren Lebensbedingungen für jene Tiere geführt, deren Fleisch für den Konsum
der amerikanischen Bevölkerung bestimmt war. Weiterhin habe die Abhängigkeit
von tierlichen Produkten als Lebensmittel zu belastenderen Arbeitsbedingungen
für die Arbeiter in der Fleischindustrie und zur Umweltzerstörung geführt, da die
Tiererzeugung in der industriellen Massentierhaltung schädliche Folgen für das
Grundwasser und andere natürliche Ressourcen habe. Die Autoren zeigen deutlich
ihr Entsetzen angesichts der Konsequenzen des von ihnen beschriebenen Systems
für nicht-menschliche Tiere. In diesem System werden fühlende Lebewesen in
„Fleisch“ und Tiere in „Waren“ verwandelt. Der Kapitalismus, so betonen die
Autoren, führt unmittelbar zur Unterdrückung von Tieren.
Eine zahlenmäßig geringere, aber stabile soziologische Literatur entwickelt sich
hinsichtlich einer anderen Frage in Bezug auf Tiere, nämlich zum Verhältnis von
Menschen zu Wildtieren (siehe Alexander 2009; Dizard 1994; Herda-Rapp und
Goedeke 2005; Sperling 1988). Die Forschung zeigt, dass das Interesse der Ame-
rikaner an Wildtieren gegen Ende des 20. Jahrhunderts sprunghaft anstieg. Dies
äußert sich in steigenden Besucherzahlen in Zoos und Aquarien, dem Interesse
an Dokumentationen über Wildtiere, zunehmendem ehrenamtlichen Engagement
zum Schutz bedrohter Arten sowie dem Angebot von Touren, die eine direkte Be-
gegnung und sogar das Berühren von Wildtieren ermöglichen, oftmals in deren
natürlicher Umgebung. Curtin (2009) untersucht beispielsweise das Schwimmen
mit Delphinen und die Frage, warum so viele Menschen diese Erfahrung suchen.
Zu den hochfliegenden Erwartungen an diese Delphinbegegnungen gehören idyl-
lische, herausragende Erfahrungen, die sogar chronische Krankheiten heilen und
transzendente spirituelle Erlebnisse ermöglichen sollen. Diese Sehnsüchte haben
eine Tourismusbranche hervorgebracht, in der Menschen sich ihre Wünsche nach
Begegnungen mit bestimmten, nahezu mythischen, Wildtieren erfüllen können.
In der Forschung zu Mensch-Wildtier-Interaktionen wird auch untersucht, wie
Menschen mit den Wildtieren umgehen, die als Probleme oder Schädlinge in unse-
ren Städten, Vororten, Hinterhöfen, auf Wegen oder in Parks betrachtet werden
(z. B. Jerolmack 2007, 2008). So haben die Behörden in New York City jüngst
den Tauben wegen ihrer unansehnlichen und unhygienischen Ausscheidungen den
„Krieg“ erklärt. Die Forschungsliteratur stellt die Frage, wie eine moderne Gesell-
schaft die Bedeutung eines Wildtieres definiert und wie dabei die Grenzen zwischen
92 A. Arluke et al.
der Zivilisation und der Wildnis, der von Menschen gemachten Umwelt und der
Natur, zwischen Menschen und Tieren geschaffen, fortgeschrieben, verwischt oder
überschritten werden.
Begegnungen mit Wildtieren sind ein wichtiger Untersuchungsgegenstand, da
sich in ihnen unsere Unterscheidungen in menschlich versus nicht-menschlich,
Haustier versus Wildtier sowie Person versus Besitz zeigen. Unabhängig davon
jedoch, ob Wildtiere als ärgerliche Schädlinge abgelehnt oder als willkommene
Gäste bestaunt werden, bleiben sie bei Fragen der städtischen Entwicklung oder
des Stadtwachstums nahezu völlig außen vor; Tiere werden darin als nicht-existent
behandelt. Wissenschaftler und Aktivisten fordern hierbei neuerdings jedoch ein
Umdenken. Wolch (2009) regt beispielsweise an, die nicht-menschlichen Tiere
wieder in die Geographie, die Betrachtung von Städten und das Alltagsleben einzu-
beziehen. Sie fordert dazu auf, sich mit den Auswirkungen der Urbanisierung auf
Tiere, der Interaktion von Stadtbewohnern mit Tieren, der Anpassung von Tie-
ren an Städte sowie dem gegenwärtigen Umgang mit urbanen Tieren zu befassen.
Andere Autoren, wie Granfield und Colony (2009), weisen darauf hin, dass die
Sorge um bedrohte Arten oder letztlich um jedes Wildtier ein Symptom einer wei-
terreichenden Besorgnis angesichts des sich verschlechternden Zustands und des
Schwindens unserer Umwelt sein könnte. Angesichts unaufhörlichen städtischen
Wachstums in Feuchtgebiete, Wälder und andere von Menschen unbewohnte Ge-
biete hinein, gewinnen Wildtiere eine zusätzliche Bedeutung als Stellvertreter für
unsere zunehmende Sorge um den Verlust der Wildnis. Zudem liegt bei abneh-
menden Tierpopulationen die Antwort zur Umkehrung dieser Entwicklung nicht
allein darin, neue Tiere hinzuzufügen oder ihre Vermehrung zu fördern. Um diese
problematische Entwicklung umzukehren, ist möglicherweise eine neue Umwelt-
politik nötig, die verhindert, dass Menschen das natürliche Habitat von Wildtieren
nutzen oder in dieses eingreifen.
Das widersprüchliche Verhalten von Menschen gegenüber Tieren stellt eine
weitere von Soziologen untersuchte Frage dar. Unsere Beziehungen zu anderen
Spezies sind oftmals von mehrdeutigen Vorstellungen und ambivalenten Gefühlen
geprägt. Andrew Rowan (in Herzog 1993, S. 349) nennt dies das „fortwährende
Paradox“.
Einerseits beherrschen Menschen Tiere durch Zucht und Kastration, das Ab-
richten, den praktischen Gebrauch (Hütearbeit, Jagd usw.), das Einsperren in
Zoos sowie die Erniedrigung in Zirkussen und bei anderen Vorführungen. An-
dererseits führen die Unpersönlichkeit und emotionale Verarmung des modernen
Lebens dazu, dass Menschen sich fortwährend auf Tiere als Objekte ihrer Gefühle
ausrichten.
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 93
Tiere haben eine Vielzahl nützlicher und affektiver Rollen inne. Haustiere
beispielsweise lassen sich sowohl als soziale Objekte als auch Subjekte begreifen
(Atwood-Harvey 2005; Hobson-West 2007; Serpell 2009). Als Objekte sind sie
Besitztümer, die den Status ihrer Besitzer demonstrieren und auch erhöhen. Au-
ßerdem fungieren sie als Gehilfen und physische Erweiterungen der menschlichen
Identität. Als Subjekte sind sie Teile unseres alltäglichen Lebens, die, ebenso wie
menschliche Personen, zuhören, Zuneigung gewähren und uns auf vielfältige an-
dere Weise wertvolle Unterstützung und Gesellschaft bieten. Die Einstellungen zu
Arbeitstieren, wie Pferden oder Nutzvieh, sind ebenfalls widersprüchlich; manche
Menschen betrachten sie als Haustiere und empfinden ihnen gegenüber Zunei-
gung, für andere stellen sie nützliche Gegenstände dar. Diese Ambivalenz lässt sich
zum Teil beobachten, wenn Kinder Reitunterricht nehmen und einige das Pferd als
Transportmittel behandeln, wogegen andere zu ihm eine Beziehung wie zu einem
Haustier aufbauen (siehe Lawrence 1988). In ihrer ethnographischen Untersuchung
schottischer Landwirte betont die Soziologin Rhoda Wilkie (2005, 2010) die Ambi-
guität der Beziehung zwischen den Bauern und ihrem „Vieh“. Zuweilen erhält ein
bestimmtes Kalb einen Namen, es wird verhätschelt und der Landwirt empfindet
Zuneigung zu ihm, während andere Kälber lediglich als zukünftiges Fleisch oder als
Produzenten von Milchprodukten angesehen werden. Schafe, Schweine und Rinder
sind Wirtschaftsgüter, und doch entwickeln Landwirte emotionale Verbindungen
zu diesen Tieren. Die emotionale Ambivalenz, die diesen Beziehungen inhärent ist,
bereitet zum Zeitpunkt der Schlachtung des Tieres die meisten Schwierigkeiten.
Die widersprüchlichen und zwiespältigen Vorstellungen, die Menschen von
Tieren haben, werden besonders offensichtlich, wenn man ihre Interaktionen mit
den für bestimmte Funktionen ausgebildeten Tieren untersucht. Blindenhunde
und andere ausgebildete Tiere werden als dienende, schützende und unterstützen-
de Objekte und gleichzeitig als individuelle Gefährten betrachtet, mit denen man
interagiert und eine emotionale Verbindung aufbaut. In dieser letztgenannten Rolle
als Begleiter entwickelt die Beziehung zu dem Diensthund eine besonders starke
emotionale Komponente, die durch die gegenseitige funktionale Abhängigkeit in
der Verbindung entsteht (Sanders 1999, S. 39–58). Diese dichotome Definition der
ausgebildeten Hunde – als Ausrüstung zur Assistenz und als Gefährten – wirkt sich
offenkundig auf die Ausbildungsweise wie auch auf die Mensch-Tier-Beziehung im
Allgemeinen aus. Als Objekte werden Hunde behavioristisch gestalteten Ausbil-
dungsprozessen unterzogen, die ihr Verhalten dahin gehend formen sollen, dass sie
sich auf erwünschte und vorhersagbare Art „benehmen“. Als fühlende Individuen
werden Hunde andererseits jedoch vorwiegend im Kontext einer sich entwickeln-
den Beziehung unterrichtet, in der die Tiere Erwartungen und Rollen erlernen,
94 A. Arluke et al.
damit sie sich in „passender“ Weise verhalten (siehe Sanders (2006) Diskussion der
Ausbildung von Streifenhunden).
Arlukes (1988) Untersuchungen in biomedizinischen Forschungslaboren bil-
deten die Grundlage für Forschungsarbeiten, die sich schwerpunktmäßig mit der
Ambivalenz der Mensch-Tier-Verhältnisse beschäftigen, Tiere entweder als Dinge
oder als Haustiere wahrzunehmen. Arluke vertiefte diese Frage in seinen späteren
Arbeiten. Dabei betonte er, wie widersprüchlich die Erfahrungen sind, die Mit-
arbeiter in Tierheimen (Arluke 1991b), Tiermedizinstudenten (Arluke und Hafferty
1996), Forscher in Primatenlaboren (in Arluke und Sanders 1996) sowie Inspekto-
ren, die in einem der Bundesstaaten für die amerikanische Tierschutzorganisation
Society for the Prevention of Cruelty to Animals arbeiten (Arluke 2004), in ihrer Be-
rufsausübung machen. Sanders untersuchte ebenfalls diese Frage in seinen Arbeiten
über Tierärzte (Sanders 1994, 1995).
Diese Ambivalenz hinsichtlich des Status von Tieren zeigt sich in unter-
schiedlichsten Einstellungen und Verhaltensweisen. Tiere werden größtenteils als
Gegenstände im Besitz von Menschen definiert, obwohl die meisten Menschen
der Meinung sind, dass Tiere als fühlende Lebewesen vor offenkundiger Gewalt
geschützt werden sollten. Es ist relativ verlockend, bei der Analyse von zentra-
len Faktoren der Kultur und Gesellschaft grundlegende Dichotomien aufzuzeigen.
Nicht-menschliche Tiere entweder als Individuen oder Dinge, als Freunde oder
Besitztümer, als zu beherrschende Objekte oder geliebte Haustiere zu betrachten,
ist einfach, gängig und im Grunde offensichtlich. Andererseits sind das Sozialleben
und die Interaktionen, aus denen es besteht, veränderlich, komplex und vielschich-
tig. Daher ist es sinnvoll, einfache Dichotomien hinter sich zu lassen und die
Verortung von Tieren in der menschlichen Gesellschaft als ein Kontinuum zu be-
trachten. In diesem Kontinuum zeigen sich unsere grundlegendsten Vorstellungen
der sozialen Ordnung und in ihm entlarvt sich die tiefste Wahrheit unserer Hal-
tung gegenüber anderen Menschen. Die Bedeutungen, die wir Tieren zuschreiben,
haben weitreichende Implikationen, denn durch sie schaffen wir eine „natürliche
Ordnung“, aus der Distanz entsteht – oder durch die sie verringert wird –, und
zwar nicht nur zwischen Menschen und Tieren, sondern auch zwischen Menschen
selbst.
Zu den in letzter Zeit in der Soziologie des Mensch-Tier-Verhältnisses kon-
trovers diskutierten Fragen gehört die Beschäftigung mit der herkömmlichen
wissenschaftlichen Sicht, dass nicht-menschliche Tiere aufgrund ihrer Unfähigkeit,
Sprache zu verwenden, „vernunftlos“ wären (nicht in der Lage wären, so wie wir zu
denken) und kein „Selbst“ besäßen. Eine Reihe von Soziologen hat sich die Aufga-
be gesetzt, diese traditionelle Vorstellung von Verstand und Selbst und den daraus
abgeleiteten Ausschluss von Tieren zu hinterfragen. Neuere Beispiele sind Leslie
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 95
Irvines (2004) Beobachtungen in einem Tierheim, Clinton Sanders (1993, 1999,
2003) Untersuchungen von Menschen, die mit Hunden leben und arbeiten, Gene
Myers (1998) Beschreibungen der Interaktionen zwischen Kindern und Tieren in
einem Vorschulprogramm sowie Janet und Steven Algers (2003) ethnographische
Untersuchung einer Katzenauffangstation. Diese Autoren untersuchen die Inter-
subjektivität, die entsteht, wenn Menschen routinemäßig mit Tieren interagieren,
den Prozess, durch den Menschen ein Verständnis für die Individualität, Emo-
tionalität und Identität von Tieren als Anderen entwickeln, sowie die Frage, wie
der Umgang mit Tieren sich wiederum auf die Identität der menschlichen Akteure
auswirkt (Sanders 2000).
Forschungsergebnisse von Soziologen, die diese neue Perspektive teilen, stellen
die orthodoxe Vorstellung in Frage, der Verstand sei allein ein sprachliches Phäno-
men. Stattdessen wird darin die Auffassung gestützt, dass der Verstand aus sozialer
Interaktion und Erfahrung entsteht. Auf der Grundlage früherer Forschungen zur
Interaktion von Menschen mit Alzheimer (z. B. Gubrium 1986), mit schweren phy-
sischen und geistigen Behinderungen (z. B. Bogdan und Taylor 1989; Goode 1994)
sowie von Kindern (z. B. Stern 1985) stellen diese Untersuchungen die Auffassung
in Frage, wonach Sprachverwendung das zentrale Merkmal dafür sei, dass ein Lebe-
wesen über einen Verstand verfügt, und betonen vielmehr den Interaktionsprozess
des „doing mind“, durch den der Verstand sich im Handeln entwickelt (Dutton
und Williams 2004). Der Verstand entsteht dieser Sichtweise zufolge aus gemeinsa-
men Erfahrungen und ist von grundlegender Bedeutung dafür, wie diejenigen, die
mit Anderen interagieren, die nicht über Sprache verfügen, diese wahrnehmen und
verstehen. Menschen, die Tiere versorgen, entwickeln, vergleichbar denjenigen, die
regelmäßig mit Schwerbehinderten, Kindern und Alzheimer-Patienten interagie-
ren, eine Vorstellung vom Bewusstsein der Anderen („Theory of Mind“), die es
ihnen ermöglicht, die Gedanken, Gefühle, Vorlieben, Wünsche und Absichten des
Tier-Anderen zu verstehen.
Üblicherweise nutzen Autoren, die an einer derartigen Erweiterung der Auffas-
sungen über den Verstand und das Selbst interessiert sind, ihre eigenen Erfahrungen
im Leben und Arbeiten mit Tieren als Grundlage ihrer Analysen. Brandt (2009),
selbst Reiterin, zeichnet aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen sowie anhand von
Interviews mit anderen Reitern und Beobachtungen in Pferdeställen ein anschau-
liches Bild davon, wie Menschen und Tiere einander verstehen und unabhängig
von gesprochener Sprache kommunizieren können. In der Erweiterung der Spra-
che „über das Verbale hinaus“ stellt sie die taktilen Interaktionen zwischen Pferd
und Reiter als Weg dar, auf dem die beiden Beteiligten einander kennen ler-
nen. Aus dieser gemeinsamen Erfahrung entsteht eine subtile, ausgefeilte und
praktisch anwendbare Kommunikation. Den „Verstand“ des menschlichen oder
96 A. Arluke et al.
nicht-menschlichen Handelnden zu kennen, bedeutet, dass jede Seite die physisch
kommunizierten Informationen fühlt und entsprechend reagiert.
Irvines (2004, 2007, 2009) neuere Arbeiten bauen auf der Frage nach dem Ver-
stand des Tieres und der Mensch-Tier-Interaktion auf und erweitern diese um
den Aspekt eines „ureigenen Selbst“ („core self“) der Tiere. Irvine stellt die These
auf, dass das Selbst der Tiere zunächst aus einer Wahrnehmung des eigenen Han-
delns („agency“) besteht. Das Tier merkt, dass er oder sie die eigenen Handlungen
steuert. In der Folge erlebt das Tier Kohärenz („coherence“), indem er oder sie
versteht, dass der eigene physische Körper existiert und handelt. Irvine zufolge ist
ein weiterer zentraler Aspekt des ureigenen Selbst des Tieres eine Wahrnehmung
von Affektivität („affectivity“), wenn das handelnde Tier merkt, dass bestimmte
Gefühle mit bestimmten Erfahrungen verknüpft sind. Schließlich besitzen Tiere
einen grundlegenden Sinn für die eigene Geschichte („self-history“). Sie erinnern
vergangene Ereignisse, Erfahrungen, Menschen, Tiere und Orte, die sie erlebt ha-
ben. Diese Erinnerungen ermöglichen einen Sinn von Kontinuität des Selbst und
der Beziehungen. Irvine gelangt zu der Schlussfolgerung, dass das Verständnis des
Tieres von seinem Selbst, wie das der Menschen, gefestigt, emotional vielfältig und
in Erfahrungen aus der Vergangenheit verankert ist. Das Selbst des Tieres, ebenso
wie sein oder ihr Geist, entsteht aus Beziehungen, und die Existenz dieses Selbst
hängt nicht von der Sprachfähigkeit ab.
2 Zukunftsperspektiven
Wenn wir in die Zukunft blicken, müssen wir uns zunächst fragen, warum die
Soziologie nicht mehr Forschungsarbeiten im Bereich der Animal Studies hervorge-
bracht hat und was dies über das Fach aussagt. Zwar zeigen Soziologen zunehmend
Interesse an diesem Thema, doch kann kaum von einer Welle gesprochen werden.
Andere Disziplinen der Sozialwissenschaften befassen sich schon seit längerem in-
tensiv mit den Animal Studies. In der Anthropologie beispielsweise wurden die
Animal Studies schon vor langer Zeit als „Wachstumsgebiet“ bezeichnet und sie
erhielten Raum in den jährlichen State-of-the-Art-Überblicksarbeiten (Shanklin
1985). Im Gegensatz dazu erkennen Soziologen die Bedeutung der Animal Stu-
dies nicht an, was sogar dazu geführt hat, dass diese als ein „Nischengebiet“ des
Fachs abgetan worden sind. Diese Reaktion erscheint uns paradox angesichts der
Bereitwilligkeit, mit der in der Soziologie die Legitimität anderer Area Studies, die
sich mit unterdrückten Gruppen beschäftigen, anerkannt wird, wie beispielsweise
African-American-Studies, Frauenforschung, Latino Studies, Disability Studies
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 97
sowie Gender/Queer Studies. In den Erklärungen für diesen Widerstand wird
gewöhnlich die anthropozentrische Ausrichtung oder der institutionelle Konser-
vatismus der Soziologie verantwortlich gemacht, doch liegt hier unserer Ansicht
nach ein komplizierterer und subtiler wirkender Sachverhalt zugrunde. Wenn es
uns gelingt, das Wesen und den Ursprung dieses Widerstands auszumachen, kön-
nen wir auch jene Soziologen erreichen, die erwartungsgemäß den Nutzen und
die Legitimität der Animal Studies am meisten bestreiten. Dies könnte beinhal-
ten, an gemeinsamen Forschungsprojekten zu arbeiten, wenngleich es nicht darauf
beschränkt wäre.
Die größten Hindernisse für die zukünftige Entwicklung der Animal Studies in
der Soziologie liegen wahrscheinlich eher innerhalb als außerhalb des Faches. Ar-
luke (2003) weist darauf hin, dass der Widerstand gegenüber den Animal Studies
zum Teil von Soziologen ausgeht, die zu unterdrückten Gruppen forschen. In ih-
ren, zuweilen kichernd oder sarkastisch vorgetragenen, Einwänden oder Bedenken
in Bezug auf die Animal Studies zeigt sich ein nicht näher benanntes Unbehagen
allein bei dem Gedanken an die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem
Mensch-Tier-Verhältnis. Wenn Arlukes Einschätzung zutrifft, stellt sich die Fra-
ge, warum sie der Gedanke an Animal Studies beunruhigt. Stellen die Animal
Studies in den Augen der Vertreter dieser in der Soziologie anerkannten Spezial-
gebiete möglicherweise einen unerwünschten Eindringling dar, der mit ihnen um
Universitäts- und Stiftungsgelder in einem Umfeld zunehmend umkämpfter und
stetig schrumpfender Budgets konkurriert? Sehen sie in den Animal Studies einen
neuen Wettbewerber in einem Nullsummenspiel um Status und Macht, bei dem
sich diverse wissenschaftliche Spezialdisziplinen verstärkt um Sichtbarkeit und Ein-
fluss im akademischen Betrieb bemühen? Erscheinen ihnen die Animal Studies
womöglich als eine Parodie auf ihr Spezialgebiet, weil das Interesse an nicht-
menschlichen Tieren die Bedeutung der jeweiligen von ihnen vertretenen Gruppe
schmälert oder diese abwertet und, ihrer Vorstellung nach, in gewisser Weise den
Begriff der Unterdrückung bagatellisiert? In diesen Überlegungen zeigen sich eher
die politischen und psychologischen Unsicherheiten der Vertreter dieser Area Stu-
dies, als dass sie etwas über die Anthrozoologie und deren Beitrag zur Soziologie
verraten. Aus diesem Widerstand können sich dennoch unsere stärksten Verbün-
deten herausbilden. Es dürfte die erforderliche Zeit und den Aufwand wert sein, die
Art, die Intensität und den Ursprung des Widerstands innerhalb des Fachs deutlich
zu machen, sodass wir gezielt und mit den geeigneten Mitteln auf unsere Kritiker
zugehen können, um sie als Mitstreiter zu gewinnen.
Als relativ neues eigenständiges Gebiet innerhalb der Soziologie bietet die Erfor-
schung der Mensch-Tier-Interaktionen eine große Bandbreite an Möglichkeiten für
zukünftige Forschungen. Der größte Teil der vorhandenen Literatur konzentriert
98 A. Arluke et al.
sich auf die Alltagsbeziehungen zwischen Menschen und Katzen sowie Hunden,
den Tieren also, die am häufigsten in Haushalte integriert sind. Untersuchungen
der Beziehungen zu „exotischen“ Tieren wie Frettchen, Hängebauchschweinen,
Reptilien, Insekten und Kaninchen hingegen wären neu und aufschlussreich, und
es gibt somit beträchtliche Möglichkeiten zur Erforschung der Interaktionen mit
anderen Tierarten. Nur in geringem Maße hat die Soziologie sich bislang mit Wild-
tieren (Dizard 1994; Kalof und Fitzgerald 2003; Scarce 2005), landwirtschaftlichen
Nutztieren (Wilkie 2010), Tieren in Zoos, Zirkussen und anderen Freizeiteinrich-
tungen (Case 1991; Lawrence 1982) sowie den bei Jagd und Tierkämpfen benutzen
Tieren (Marvin 1988; Darden und Worden 1996) beschäftigt. Auch eine Reihe
von Berufen, in denen mit Tieren gearbeitet wird (z. B. Mitarbeiter von Aus-
wilderungsstationen, Zoowärter, Hundeführer, Tiertrainer, Zirkusmitarbeiter und
Angehörige der Polizeihundestaffel), könnten Gegenstand ergiebiger Forschungen
sein.
Soziologen können dort, wo Anthropologen aufhören, damit fortfahren, das
Verständnis der Symbolik von Tieren in der postmodernen Gesellschaft zu er-
hellen, um nur eine der von Ethnographen aufgeworfenen Fragen zu nennen.
Zwar haben anthropologisch-ethnographische Untersuchungen eine umfangrei-
che Datensammlung darüber, wie Menschen über Tiere denken und sich ihnen
gegenüber verhalten, hervorgebracht, doch ist ein Großteil dieser Informationen
in allgemeineren Kulturbeschreibungen verborgen. Leider werden diese Daten
vielen Forschern außerhalb der Anthropologie erst dann zugänglich sein, wenn
sie aus den jeweiligen Texten herausgefiltert und aus vergleichender Perspektive
analysiert worden sind. Obwohl der Domestikationsprozess eines der Hauptanlie-
gen der Anthropologie ist, muss auf diesem Gebiet erst noch die metaphorische
und symbolische Klassifikation domestizierter Tiere untersucht werden, damit bis-
her nicht eindeutig beantwortete Fragen genauer überprüft werden können, wie
die Vorstellung, dass domestizierte Tiere ein Bindeglied zwischen menschlicher
Kultur und wilder Natur darstellen. Bestimmte domestizierte Tiere sind zudem
weitgehend ignoriert worden, so die Symbolik von Hunden in unterschiedlichen
Gesellschaftsformen. Viele Fragen der menschlichen Interaktion mit Tieren fordern
geradezu eine kulturübergreifende Analyse heraus. Warum gibt es beispielsweise
bemerkenswerte Unterschiede in den Praktiken der Haustierhaltung in den In-
dustrieländern, und warum sind die in nicht-industrialisierten Gesellschaften so
verbreiteten Tiermetaphern auch in der modernen Welt anzutreffen?
Wir sollten selbstverständlich weiterhin auf wesentliche Lücken oder Schwach-
stellen in der wachsenden Literatur der Animal Studies in der Soziologie hinweisen,
daneben jedoch auch einen Schwerpunkt darauf legen, theoretische Ansätze zu er-
arbeiten. Unsere Beiträge zur Theorie sind bis heute ausgesprochen bescheiden,
Mit Tieren denken: Die Soziologie der nicht-menschlichen ... 99
wie dies für die meisten erst im Entstehen begriffenen Spezialgebiete der Forschung
gilt. Einige Forschungsarbeiten, die als „Klassiker“ (z. B. Kellert und Felthous 1985)
gelten, bauen weder auf soziologischer Theorie auf noch steuern sie nennenswert
etwas zu dieser bei. Die meisten anderen Arbeiten (z. B. Jasper und Nelkin 1992)
bauen auf alten soziologischen Theorien auf, indem sie demonstrieren, wie diese auf
das neue Forschungsgebiet Anwendung finden. Allerdings erheben diese Arbeiten
immerhin den Anspruch, das Mensch-Tier-Verhältnis als soziologisches Thema zu
erforschen.
Die meisten Soziologen, die das Mensch-Tier-Verhältnis erforschen, haben we-
der die Gesellschaftstheorie im Allgemeinen weiterentwickelt noch haben sie viel
dazu beigetragen, ihre Perspektiven und Erkenntnisse auf praktische Probleme und
Anliegen im Zusammenhang mit der Nutzung von Tieren anzuwenden. Vielmehr
ist die soziologische Forschung in den Animal Studies von unseren eigenen For-
schungsanliegen motiviert anstatt von den Bedürfnissen der Fürsprecher der Tiere
und derjenigen außerhalb der Wissenschaft, die direkt mit oder für Tiere arbeiten.
In der Soziologie ist inzwischen ein ausreichendes Grundverständnis des Mensch-
Tier-Verhältnisses entstanden, das nun angewandt werden kann, um Aktivitäten
wie Tierbesuchsprogramme beispielsweise in Krankenhäusern oder die Verwen-
dung von Tieren als Therapiehilfen besser zu verstehen und zu beurteilen. Dies sind
lediglich zwei Beispiele für Themenbereiche, die von den Ideen und Kenntnissen
der Soziologen profitieren könnten.
Letztlich müssen wir auch darüber nachdenken, wie wir das bisher Erreichte
einordnen. Soziologen, die auf dem Gebiet der Animal Studies arbeiten, nut-
zen üblicherweise traditionelle Gegenstandsbereiche, um ihre Forschungen und
Erörterungen zu kontextualisieren. Sowohl aus wissenschaftlichen als auch aus
politischen Gründen sollten wir uns bei unserer Arbeit nicht länger an thema-
tischen Gesichtspunkten orientieren. Eine theoretische Ausrichtung stellt einen
geeigneteren Blickwinkel zur Beurteilung des bisher Erreichten und des zukünf-
tig Notwendigen dar. Dies lässt sich vor allem anhand der Erforschung des
Mensch-Tier-Verhältnisses auf der Grundlage des Symbolischen Interaktionismus
nachweisen, deren Fokus u. a. auf Framing (Munro 1997), Stigma-Manage-
ment (Twining et al. 2000), Negotiated Orders (Balcom und Arluke 2001),
Intersubjektivität (Sanders 1999), dem Tier als dem Anderen (Arluke 1994), Emo-
tionsmanagement (Arluke 1991b), Sozialisierung (Arluke und Hafferty 1996),
Negotiated Meanings (Dizard 1994) sowie Identitätsarbeit (Groves und Arluke
1998) liegt, um nur einige zu nennen. Je umfassender es uns außerdem gelingt, den
Beitrag darzustellen, den unser Spezialgebiet zur Theorie leistet, und sei dieser auch
bescheiden, desto legitimer werden Animal Studies in den Augen derjenigen inner-
halb und außerhalb der Soziologie erscheinen, die den Nutzen dieser Forschung
100 A. Arluke et al.
bezweifeln und die bestreiten, dass es berechtigt ist, ein Spezialgebiet der Animal
Studies aufzubauen.
Trotz andauernder Widerstände ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit
nicht-menschlichen Tieren und dem Verhältnis der Menschen zu diesen ein wach-
sendes und spannendes Gebiet innerhalb der gegenwärtigen Soziologie. Soziologen
merken zusehends, dass viele Gebiete, die in den Sozialwissenschaften üblicher-
weise untersucht werden, reif für eine Erforschung im Hinblick auf die Frage
nach dem Tier sind. Die Beschäftigung mit der „zoologischen Verbindung“ be-
stärkt die akademische Soziologie darin anzuerkennen, dass wir in „Gesellschaften
verschiedener Spezies“ leben, in denen das Mensch-Tier-Verhältnis eine zentrale
Rolle spielt. In dem Maße, in dem die Forschung der Soziologie auf diesem The-
mengebiet zunimmt, wird auch ihr materielles und theoretisches Verständnis der
gesellschaftlichen Prozesse, Interaktionen und Beziehungen wachsen. Indem nicht-
menschliche Tiere fortwährend „soziologisch sichtbar“ (Oakley 1974, S. 5) gemacht
werden, können wir mehr über das gemeinsame interaktionelle Leben von Men-
schen und Tieren lernen, die Soziologie bereichern und besser verstehen, was es
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Übersetzung aus dem Englischen: Anke Guido
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... Recently, there has been increasing public interest in and research activities on human-animal relationships and their influence on the physical and mental health of the owner. Only a few studies focusing on the health and welfare of the animal, however, are available in this relatively new research area, especially in regard to companion birds (Arluke et al 2015). In order to develop hypotheses regarding possible effects of the human-animal relationship on the welfare of companion birds, different concepts linked to anthrozoology were first considered. ...
Article
Empathy and anthropomorphism, well-established components of the human-pet relationship, are considered to be especially related to pet animal welfare. We have developed a systematic and standardised approach to explore the effect of the human-pet relationship on animal welfare, focusing on pet birds. Based on a data set measuring the owner-bird relationship as well as bird welfare, cluster analysis and multivariate regressions were used to identify empirical types of bird owners and analyse their effect on bird welfare. Five empirical types of bird owners were identified based on the multi-dimensional relationship between owner and bird which consisted of: (i) the closeness-appreciating anthropomorphising owner; (ii) the closeness-appreciating socially supported owner; (iii) the anthropomorphising socially supported owner; (iv) the inattentive owner; and (v) the distance-appreciating owner. These differed in terms of the owner's tendency to anthropomorphism, the social support the bird provides to the owner, the empathy, attentiveness and respect of the owner towards the bird, and the bird's relationship with the owner. In particular, the inattentive type, but also both anthropomorphising types, raised serious questions as to the well-being of the pet bird. We found significant correlations to bird behaviour, such as imprinting aspects, aggressiveness towards humans, conspecifics and other pet animals, as well as behavioural disorders, such as locomotor stereotypies, courtship behaviour towards humans and feather-plucking.
... Eine ähnliche Dichotomisierung erfolgt in unserer Kultur zwischen guten (Term A) und schlechten (Term nicht-A) Tieren. Arluke und Sanders (1996) haben eine soziozoologische Skala entwickelt (siehe Arluke et al. 2015), wonach gute Tiere unsere Herrschaft akzeptieren und sich in der Wesenshierarchie als Haustiere oder Werkzeuge (für Experimente, Essen oder Jagd-Unterhaltung) unterordnen lassen. Schlechte Tiere sind dagegen aggressiv oder gefährlich (wie Kampfhunde oder sogenannte Schädlinge; aber nicht z. ...
Chapter
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Veganer/-innen, noch mehr als Vegetarier/-innen, werden in westlichen Gesellschaften stigmatisiert und diskriminiert. Die Stigmatisierung von Veganer/-innen ist weder sozial nachhaltig noch rational. Die sich daraus ergebende Abwertung pflanzlicher Gerichte erschwert sowohl eine Reduktion des Fleischkonsums, um die Kosten des Gesundheitssystems zu reduzieren, als auch die Einhaltung der in Paris beschlossenen Klimaziele, bedingt durch den hohen ökologischen Fußabdruck tierischer Produkte. Wir präsentieren zuerst Ergebnisse internationaler Forschung bezüglich der Stigmatisierung und Diskriminierung von Veganer/-innen, um uns anschließend der Situation in Österreich zuzuwenden. Wir präsentieren konkrete Beispiele von Diskriminierung und erörtern die kulturellen und gesellschaftlichen Gründe dieses Phänomens. Anschließend diskutieren wir mögliche Lösungen des Problems, einerseits aus juristischer Sicht durch eine rechtliche Anerkennung des Veganismus als Weltanschauung, andererseits aus der Sicht des Diversitätsmangements in Organisationen. Wir unterstreichen dabei die wichtige Vorreiterrolle von Universitäten, welche sich als Institutionen fundiertem Wissen, Unvoreingenommenheit, Schutz vor Diskriminierung und Wahrung demokratischer Chancengleichheit verschrieben haben, einnehmen sollten. Wir beenden das Kapitel mit einem transformativen Gedankenexperiment: Wenn die Hälfte der Bevölkerung vegetarisch oder vegan wäre, dann würde es viel leichter fallen, die Klimaziele zu erreichen, Tierschutz und artgerechte Haltung von Tieren zu gewährleisten und bessere pflanzliche Gerichte für alle zu produzieren.
... Eine ähnliche Dichotomisierung erfolgt in unserer Kultur zwischen guten (Term A) und schlechten (Term nicht-A) Tieren. Arluke und Sanders (1996) haben eine soziozoologische Skala entwickelt (siehe Arluke et al. 2015), wonach gute Tiere unsere Herrschaft akzeptieren und sich in der Wesenshierarchie als Haustiere oder Werkzeuge (für Experimente, Essen oder Jagd-Unterhaltung) unterordnen lassen. Schlechte Tiere sind dagegen aggressiv oder gefährlich (wie Kampfhunde oder sogenannte Schädlinge; aber nicht z. ...
Chapter
Im Personalmanagement dominiert in Theorie wie Praxis bis heute eine „Performance Orientierung“. Praktiken des Personalmanagements sollen die Effektivität und Effizienz des Einsatzes der menschlichen Arbeitskraft optimieren. Als Resultat, so das Versprechen, ist das Personalmanagement direkt oder indirekt entscheidender Treiber für den finanziellen Erfolg des Unternehmens. Gemäß der ökonomischen Theorie ist dabei das Leitmotiv die Maximierung des Gewinns. Ungeachtet der Problematik der empirischen Einlösung des normativ Geforderten mehren sich auf verschiedensten Ebenen die Stimmen, die unternehmerische Tätigkeit und damit auch das Personalmanagement eingebettet in gesellschaftliche Zusammenhänge zu sehen und die Vielzahl der an der ökonomischen Produktion Beteiligten oder von ihr Betroffenen mit ins Kalkül zu nehmen. Prominenter Ausdruck ist das sogenannte „Nachhaltige Personalmanagement“. Es fordert angesichts bisheriger Verwerfungen, dass Unternehmen neben den ökonomischen auch soziale wie ökologische Ziele zu verfolgen und zu verantworten haben („Triple Bottom Line“). In aller Regel werden dafür die entsprechenden Aktivitäten zur Annäherung an die erweiterte Zielsetzung in Nachhaltigkeitsberichten ausgewiesen, die gleichsam erkennen lassen, dass die bisherige Form des Wirtschaftens zwar korrigiert, aber im Grunde nicht verändert wird. Allerdings finden sich auch Organisationen, die Nachhaltigkeit glauben nur dadurch erreichen zu können, dass sie ihre Art des Wirtschaftens eingedenk der gesellschaftlichen Konsequenzen jeden Wirtschaftens transformieren. Diesen gilt mit Blick auf ihr Personalmanagement unsere Aufmerksamkeit.
Article
Full-text available
Traditionally, sociology has spent much more time exploring relationships between humans, than between humans and other animals. However, this relative neglect is starting to be addressed. For sociologists interested in human identity construction, animals are symbolically important in functioning as a highly complex and ambiguous “other”. Theoretical work analyses the blurring of the human-animal boundary as part of wider social shifts to postmodernity, whilst ethnographic research suggests that human and animal identities are not fixed but are constructed through interaction. After reviewing this literature, the second half of the paper concentrates on animals in science and shows how here too, animals (rodents and primates in particular) are symbolically ambiguous. In the laboratory, as in society, humans and animals have unstable identities. New genetic and computer technologies have attracted much sociological attention, and disagreements remain about the extent to which humananimal boundaries are fundamentally challenged. The value of sociologists’ own categories has also been challenged, by those who argue that social scientists still persist in ignoring the experiences of animals themselves. This opens up notoriously difficult questions about animal agency. The paper has two main aims: First, to draw links between debates about animals in society and animals in science; and second, to highlight the ways in which sociologists interested in animals may benefit from approaches in Science and Technology Studies (STS).
Article
Full-text available
The question of whether sociologists should investigate the subjective experience of non-human others arises regularly in discussions of research on animals. Recent criticism of this research agenda as speculative and therefore unproductive is examined and found wanting. Ample evidence indicates that animals have the capacity to see themselves as objects, which meets sociological criteria for selfhood. Resistance to this possibility highlights the discipline’s entrenched anthropocentrism rather than lack of evidence. Sociological study of the moral status of animals, based on the presence of the self, is warranted because our treatment of animals is connected with numerous “mainstream” sociological issues. As knowledge has brought other forms of oppression to light, it has also helped to challenge and transform oppressive conditions. Consequently, sociologists have an obligation to challenge speciesism as part of a larger system of oppression.
Book
The Sexual Politics of Meat is Carol Adams’ inspiring and controversial exploration of the interplay between contemporary society’s ingrained cultural misogyny and its obsession with meat and masculinity. First published in 1990, the book has continued to change the lives of tens of thousands of readers into the second decade of the 21st century. Published in the year of the book’s 25th anniversary, the Bloomsbury Revelations edition includes a substantial new afterword, including more than 20 new images and discussions of recent events that prove beyond doubt the continuing relevance of Adams’ revolutionary book.