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Zur Nachzucht von Gyrinophilus porphyticus (Green, 1827).

Abstract

Im Osten der USA und besonders in den Appalachen ist das Zentrum der aquatischen lungenlosen Salamander. Ein Großteil der Arten ist auf Bergbäche spezialisiert, dort liegt auch der Ursprung der Lungenlosigkeit. Um Verdriftungen durch Auftrieb in turbulenten Gewässern zu vermeiden reduzieren Amphibien, in Anpassung an diese Umwelt, ihre Lungen. Zu beobachten ist dies auch bei anderen Familien z.B. Salamandridae (Calotriton) Hynobiidae ( Onychodactylus) Caeciliidae (Atretochoana eiselti) und Bombinatoridae ( Barbourula).
Nachzucht von Gyrinophilus porphyticus (Green, 1827)
Einleitung:
Im Osten der USA und besonders in den Appalachen ist das Zentrum der aquatischen lungenlosen Salamander.
Ein Großteil der Arten ist auf Bergbäche spezialisiert, dort liegt auch der Ursprung der Lungenlosigkeit. Um
Verdriftungen durch Auftrieb in turbulenten Gewässern zu vermeiden reduzieren Amphibien, in Anpassung an
diese Umwelt, ihre Lungen. Zu beobachten ist dies auch bei anderen Familien z.B. Salamandridae (Calotriton)
Hynobiidae ( Onychodactylus) Caeciliidae (Atretochoana eiselti) und Bombinatoridae ( Barbourula).
Biologie:
Der sehr bezeichnend in den USA als „Spring Salamander“ benannte Gyrinophilus porphyticus ist dort
hautsächlich in Quellnähe, aber auch in Höhlen und Straßengräben, zu finden, und das in einem großen
Verbreitungsgebiet vom südlichen Quebec bis an den Mississippi. Die Höhenverbreitung reicht von 100 bis 2000
mNN und schließt somit auch die gesamten Appalachen ein. Seine Lebensweise wird als aquatisch gedeutet,
wohl aber auch deshalb, weil er kaum in seinem Landhabitat zu finden ist. Am leichtesten sind diese als
sogenannte Roadkills nach verregneten Nächten nachweisbar (mdl. Mittl. Gerlach).
Mit einer Länge von bis zu 20 cm gehört er zu den großen Salamandern in seinem Habitat und es werden,
aufgrund seiner Gefräßigkeit auch anderen Molchen gegenüber, nur ebenbürtige Desmognathus Arten in seiner
Nähe gefunden. Das Klima im Osten der USA ist ähnlich dem mitteleuropäischen Klima, somit muss bei den
nördlichen Populationen eine Überwinterung stattfinden.
Unterbringung, Verhalten und Pflege:
Auf der Tagung der AG-Urodela 2008 erhielt ich von Kamil Szepanski drei adulte Gyrinophilus porphyticus mit
Fundort Warren County, Pennsylvenia, aus ca. 500mNN.
Diese drei Tiere lebten sich schnell in ihrem Terrarium, eine zwischen Kellerwänden schräg eingemauertes
emailliertes Duschbecken mit der Grundfläche 80 x 80 cm, ein. Die Ausstattung dieses Beckens hielt ich
spartanisch. So war das Becken allein mit 30 kg groben 40 60 mm Kies und einigen Moorkienwurzeln
eingerichtet. Beleuchtet wurde mit einer 3Watt LED Lampe synchron zur mitteleuropäischen Tageslänge,
außerdem fiel noch Licht aus den benachbarten Terrarien ein. Aus dem darüber liegenden Terrarium, ebenfalls
ein eingemauertes Duschbecken, tropfte kontinuierlich frisches Wasser der Durchlaufanlage in eine
Kiesanhäufung in der hinteren Ecke des Terrariums. Der Wasserstand beträgt an der tiefsten Stelle 10 cm und
das Becken fasst 30 Liter. An diesem Standort steigt die Temperatur im Sommer auf maximal 25°C und fällt im
Winter nicht unter 3°C.
Durch den doch recht düsteren Standort sind die Tiere auch tagsüber zu sehen, meist außerhalb des Wassers und
ohne jegliche Deckung. Bei groben Störungen flüchten sie jedoch mit einem Sprung ins Wasser. Ihre
Aktivitätszeit liegt in den Nachtstunden, dabei ist ihre Aktivität eher mäßig und nur in der Paarungszeit wirklich
erwähnenswert.
Gefressen werden zu jeder Tages- und Nachtzeit jede Art von Würmern, Grillen und auch toter Fisch, wenn man
die Molche zum zuschnappen animieren kann.
Paarung:
Auf einem abendlichen
Kontrollgang durch den Molchkeller
am 31.Oktober gegen 21 Uhr, also
bei Dunkelheit, bemerkte ich eine
ungewöhnlich hohe Lebhaftigkeit
im Gyrinophilus Becken. Zwei der
sonst so trägen Molche verfolgten
sich stetig teils im Wasser und teils
auf dem feuchten Ufer (Abb.1).
Wie bei den meisten lungenlosen
terrestrischen und aquatischen
Salamandern übernimmt dabei das
Männchen die Führung und das Weibchen
legt beim hinterher kriechen ihre Kehle
Richtung Schwanzwurzel des Männchens,
welches mitunter dann den Schwanz an
dessen Kehle reibt. Bei Gyrinophilus läuft
es ebenfalls so ab. Eine andauernde
Bindung aneinander, wie beispielsweise
bei Plethodon, existiert nicht. So verliert
das Weibchen schnell das Interesse und
muss erneut vom Männchen animiert
werden. Dies geschieht durch Reiben mit
der Kehle an der Schnauze oder dem
Rücken des Weibchens (Abb.2) , ebenfalls
versucht das Männchen stetig das
Weibchen zu unterkriechen (Abb.3).
Hat das männliche Werben Erfolg,
verfolgt das Weibchen und beide stellen
sich auf einen gemeinsamen Rhythmus ein.
Nach zwei Stunden des Beobachtens gab es immer noch keine Spermaübergabe, auch reagierten die Molche auf
das Licht der Taschenlampe und auf das Blitzlicht beim fotografieren „genervt. So vertagte ich meine
Beobachtung, konnte aber an den folgenden Abenden keine ähnlichen Aktionen entdecken. Die Temperatur des
Wassers betrug 14°C. Im März, ebenfalls bei einer Wassertemperatur von 14°C, konnte ich außerdem Paarungen
beobachten.
Abbildung 1
Abbildung 3
Abbildung 2
Eiablage und Brutpflege:
Diesmal auf einem morgendlichen
Kontrollgang durch den Molchkeller
am 21.Mai gegen 8 Uhr, es war
bereits das Licht eingeschaltet,
konnte ich das Weibchen beobachten
wie es die letzten Eier an einer
Wurzel unterhalb des Wasserspiegels
heftete (Abb.4). Wie bei fast allen
lungenlosen Salamandern sind auch
hier die Eier pigmentlos und im
Verhältnis zum Muttertier recht groß.
Die 42 Eier wurden größtenteils unter
eine Moorkinwurzel, aber auch
seitlich an eine benachbarte Wurzel
geheftet.
In den Folgetagen verloren einige Eier die Haftung und fielen zwischen den Kies, diese Eier entwickelten sich
nicht weiter. Eine deutliche Brutpflege war zu beobachten, da das Weibchen sich jetzt ausschließlich im Wasser
und da unter der Wurzel aufhielt, jedoch verjagte es das Männchen bei dessen Annäherung an das Gelege nicht,
wie es eigentlich bei einer Brutfürsorge geschehen sollte. Im Gegenteil, beide Geschlechter hielten sich friedlich
nebeneinander unter dem Gelege auf.
Abbildung 4
Abbildung 5
Embryonalentwicklung und Schlupf:
Entwicklungsstadium
nach Grosse
Abbildung
Eiablage
4 & 5
die Schwanzknospe ist erkennbar,
Kopf abgesetzt
19
6
Körperteile sichtbar
22
7
Embryo ist pigmentiert und gestreckt
26
8
Schlupf
27
9
44
10 & 11
Abbildung 6, nach 22 Tagen
Abbildung 7, nach 48 Tagen
Abbildung 8, nach 54 Tagen
Aufgrund der Größe der Larven nach dem Schlupf war das Erstfutter kein Problem. Futter wie Cyclops wurden
allerdings erst nach einigen Tagen angenommen. Eine flache Schale mit etwas grobem Kies, die an letzter Stelle
in einer kleinen Durchlaufanlage integriert wurde, diente als Larven-Aufzucht-Behälter. Durch permanentes
Tropfen und die große Wasseroberfläche bei geringer Tiefe werden die Larven optimal mit Sauerstoff versorgt,
eine extra Durchlüftung ist deshalb nicht notwendig. In den ersten Wochen verstecken sich die Larven unter
großen Steinen und sind selbst in den Nachtstunden kaum zu sehen.
Der Pflegeaufwand beschränkte sich auf füttern,
entweder mit Tümpelfutter oder Tubifex, und
wöchentlichem Mulm absaugen. Die Aufzucht-
Schale stand auf einem Betonfußboden im Keller,
das gab zusätzliche Kühlung.
Nach zwei Monaten erschienen mir die Larven groß
genug für einen tieferen Behälter, so wurden sie in
ein flaches Aquarium 60 x 60 cm mit 12cm
Wasserstand umgesetzt. Dort gab es ebenfalls als
einzige Einrichtung groben Kies und dieser
Behälter wurde automatisch mit frischem
Leitungswasser versorgt.
Da es in den Herbstmonaten schwieriger ist genug
Lebendfutter aus der eigenen Regentonne zu
ernten, fütterte ich neben gekauften Tubifex nun
auch gefrostete Mückenlarven. Die Aufzucht
gestaltete sich unproblematisch, die Larven wachsen
Zusehens, sie fressen gut und reichlich und von den 11 geschlüpften Larven gab es bis jetzt noch keine
Abgänge. Mit einem Jahr ist eine hübsche Marmorierung zu erkennen und die Kopfform gleicht schon den
Adulten (Abb. 10 &11).
Abbildung 9, Larven 1 bis 2 Tage nach dem Schlupf
Abbildung 10, ca. einjährige Larve
Literatur:
GROSSE, W.-R. (1997) Die Nutzung von Standards und Tafeln zur Feldbestimmung des
Entwicklungsstadiums einheimischer Amphibienlarven. S. 349-364 in K. Henle & M. Veith (Hrsg.):
Naturschutzrelevante Methoden der Feldherpetologie. Mertensiella 7
PETRANKA, J. (1998) Salamanders of the United States and Canada. Smithsonian Institution Press,
Washington. 592 pp.
THIESMEIER, B. (1991): Salamander im Osten der USA. Herpetofauna 13: 11-19.
Autor:
Sebastian Voitel
Spangenbergtraße 81
06295 Eisleben
sebastian.voitel@t-online.de
Abbildung 11, ca. einjährige Larve
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