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IKT-unterstütztes Toilettensystem für ältere Menschen - Ein transdisziplinärer Ansatz verbunden mit partizipativem Design in einem Tabubereich des Alltagslebens

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Kurzzusammenfassung (English to follow) Das Projekt iToilet hat die Entwicklung eines IKT unterstützten Toilettensystems zum Ziel, um das selbständige und sichere Verwenden der Toilette durch zu Hause lebende ältere Menschen besser zu ermöglichen. Ein transdisziplinärer Ansatz involviert verschiedene wissenschaftliche Disziplinen sowie Akteure aus dem nicht wissenschaftlichen Bereich, die als spätere Nutzer der Toilette relevantes Praxiswissen in das Projekt einbringen. Sogenannte User Research Bases bilden den Rahmen für die Erhebung der Anwenderbedürfnisse und für die laufende Partizipation. Die Tabubereiche Toilette und Intimhygiene stellen besondere Anforderungen, besonders auch im ethischen Bereich. Die bisherigen Ergebnisse lassen den für transdisziplinäre Methoden und Partizipative Design-Arbeit erhöhten Aufwand als gerechtfertigt erscheinen, zumal eine höhere Anwenderakzeptanz und letztlich auch eine bessere Marktdurchdringung zu erwarten sind. Abstract " ICT-assisted toilet system for older persons-A transdisciplinary approach combined with participatory design in a taboo area of everyday life " The iToilet project aims at the development of an ICT supported toilet system to target the independent and safe use of the toilet by older persons living at home. A transdisciplinary approach involves various scientific disciplines and also actors from the non-academic field who bring in relevant practical knowledge in the project. So-called User Research Bases establish the framework for the collection of user needs and ongoing participation. The taboo areas toilets and personal hygiene have special requirements, also in terms of ethics. Results so far seem to justify the increased effort invested into the transdisciplinary methodology and into the partic-ipatory design work especially since to reckon with a higher user acceptance and eventually a better market penetration.
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IKT-unterstütztes Toilettensystem für
ältere Menschen
Ein transdisziplinärer Ansatz verbunden mit partizipativem
Design in einem Tabubereich des Alltagslebens
P. Panek, P. Mayer
Technische Universität Wien, Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung,
Zentrum für Angewandte Assistierende Technologien
Favoritenstraße 11/187-2b, 1040 Wien
panek@fortec.tuwien.ac.at, mayer@fortec.tuwien.ac.at
Kurzzusammenfassung
Das Projekt iToilet hat die Entwicklung eines IKT unterstützten Toilettensystems zum Ziel, um
das selbständige und sichere Verwenden der Toilette durch zu Hause lebende ältere Menschen
besser zu ermöglichen. Ein transdisziplinärer Ansatz involviert verschiedene wissenschaftliche
Disziplinen sowie Akteure aus dem nicht wissenschaftlichen Bereich, die als spätere Nutzer der
Toilette relevantes Praxiswissen in das Projekt einbringen. Sogenannte User Research Bases
bilden den Rahmen für die Erhebung der Anwenderbedürfnisse und für die laufende Partizipa-
tion. Die Tabubereiche Toilette und Intimhygiene stellen besondere Anforderungen, besonders
auch im ethischen Bereich. Die bisherigen Ergebnisse lassen den für transdisziplinäre Metho-
den und Partizipative Design-Arbeit erhöhten Aufwand als gerechtfertigt erscheinen, zumal
eine höhere Anwenderakzeptanz und letztlich auch eine bessere Marktdurchdringung zu erwar-
ten sind.
Abstract
ICT-assisted toilet system for older persons - A transdisciplinary approach combined
with participatory design in a taboo area of everyday life”
The iToilet project aims at the development of an ICT supported toilet system to target the
independent and safe use of the toilet by older persons living at home. A transdisciplinary ap-
proach involves various scientific disciplines and also actors from the non-academic field who
bring in relevant practical knowledge in the project. So-called User Research Bases establish
the framework for the collection of user needs and ongoing participation. The taboo areas toilets
and personal hygiene have special requirements, also in terms of ethics. Results so far seem to
justify the increased effort invested into the transdisciplinary methodology and into the partic-
ipatory design work especially since to reckon with a higher user acceptance and eventually a
better market penetration.
Keywords: ADL, Hygiene, Toilette, AAL, smart home
1 Einleitung und Ziel
Assistive Technologien (AT) und Ambient Assisted Living / Active Assisted Living (AAL)
Technologien bieten vielen Menschen mit Behinderungen und älteren Personen eine Reihe von
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„Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen“ 2016
Möglichkeiten, die eigene Lebensqualität und Autonomie trotz etwaiger (altersbedingter) Be-
hinderungen zu bewahren und so auch das möglichst lange und sichere Leben zuhause zu för-
dern. Bei der Entwicklung und Anpassung von AT und AAL-Technologien sind jedoch meist
komplexe Situationen und vielschichtige Anforderungen zu berücksichtigen, um wirklich nach-
haltige Lösungen entwickeln zu können [1]. Das macht transdisziplinäre Herangehensweisen
nötig und meist auch unabdingbar. Im vorliegenden Aufsatz wollen wir einige unserer Erfah-
rungen anhand des konkreten Forschungsprojektes „iToilet“, das aufgrund des Tabubereiches
besondere Herausforderungen birgt, darstellen und diskutieren.
Die weitere Arbeit ist wie folgt gegliedert: Im Abschnitt 2 wird ein Überblick über das iToilet-
Projekt mit seinen Rahmenbedingungen, Aufgabenstellung und Herausforderungen gegeben.
Der darauffolgende Abschnitt 3 schildert einige der projektspezifischen transdisziplinären Per-
spektiven sowie Aspekte des Partizipatorischen Designs (PD). Erste Ergebnisse werden im Ab-
schnitt 4 diskutiert. Der Aufsatz schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick.
2 Projekt iToilet - IKT unterstütztes Toilettensystem
In diesem Abschnitt wird das Projekt „iToilet“ und die für diesen Aufsatz relevanten Aspekte
kurz umrissen.
2.1 Problemstellung, Zielsetzung und Herausforderungen
Die in der westlichen Welt meistverwendete Standardform der Toilette in Gestalt eines „Sitzes“
[2] berücksichtigt die Unterschiedlichkeit der Menschen und deren individuelle Bedürfnisse
und Vorlieben bei der persönlichen Hygiene zu wenig. Dadurch entstehen für bedeutende Grup-
pen alter Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität schwerwiegende Hindernisse
[3, 4].
Abbildung 2.1: Mit Fokus auf den Nutzeranforderungen zielt das iToilet Projekt auf ein IKT-
unterstütztes Toilettensystem für ältere Menschen, die zu Hause ein möglichst unabhängiges
und aktives Leben führen wollen
Im internationalen AAL Forschungs- und Innovationsprojekt „iToilet“ [5] soll eine um IKT-
basierte Komponenten erweiterte Toilette entwickelt werden, die ältere Menschen bei einem
aktiven und sicheren Leben zu Hause, aber auch in Institutionen, individuell angepasst unter-
stützen kann (vgl. Abbildung 2.1). Ausgangsbasis sind die vorhandenen Sanitär-Produkte „Lift-
WC“ und „mobiler Toilettenstuhl“ [6], die im Zuge des Projektes mit IKT-Komponenten aus-
gestattet und funktional erweitert werden sollen. Dabei geht es um Themen wie Einstellung der
WC
Basismodul
Neue automatisierte
Verbesserungen:
Aufstehhilfe
Berührungslose
Steuerung
Notfallerkennung
Das neue Pro-
dukt bringt Vor-
teile:
Erhöhte
Unabhängigkeit
Sicherheit
Aktivität
Lebensqualität
Alter Mensch
zu Hause:
Tabu-Thema Toi-
lette
Bedarf an Unab-
hängigkeit
Sicherheit
Anleitung
iToilet System
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optimalen Sitzhöhe, dynamische Unterstützung beim Aufstehen und Niedersetzen, automati-
sche Erkennung der Anwenderpräferenzen, Sprachsteuerung, Sicherheit (Notfallerkennung,
Sturzerkennung u.ä.).
Das Konsortium verfolgt einen partizipativen Ansatz in transdisziplinärer Zusammenarbeit mit
Anwenderpartnern in Ungarn und Österreich (Rehabilitationsklinik in Budapest und Multiple
Sklerose (MS) Tageszentrum in Wien) und den Firmenpartnern Santis Kft. (Sanitärtechnik),
SmartCom d.o.o. (Sensorik und Vernetzung), Synthema srl (Sprachtechnologie) und CareCen-
ter GmbH (Pflegedokumentation). Die Projektkoordination liegt bei der TU Wien.
Nach der derzeit (Sommer 2016) laufenden Erhebung der Anforderungen und der Erstellung
einer Spezifikation werden zwei Prototypgenerationen entwickelt und erprobt, wobei über das
Projekt hinweg laufend partizipative Designaktivitäten vorgesehen sind. Der Schwerpunkt liegt
auf der Integration von neuen IKT basierten Teilmodulen, die je nach Bedarf zu einem der
konkreten Situation und den individuellen Wünschen angepassten Toiletten-Unterstützungs-
system kombiniert (bzw. auch weggelassen) werden können.
Besondere Herausforderungen liegen im Tabubereich Toilette und Intimhygiene, aber auch bei
der nicht möglichen direkten Beobachtung bei der Nutzung der Toilette und bei daraus erwach-
senden Anforderungen im Bereich der Ethik und des Partizipativen Designs.
2.2 Stand der Technik und Forschung
Produkte am Markt fokussieren in Nordamerika und Europa auf simple Toilettensitzerhöhun-
gen, zusätzliche Griffe, sowie mechanische (und teils motorisierte) Aufstehhilfen (z.B. LiftWC)
sowie Aufsätze zur Intimhygiene (DuschWC) und Sitzhygiene. In Japan gibt es des Weiteren
auch eine bereits bemerkenswert starke Verbreitung von zusätzlichen Toilettenfunktionen wie
Anal-Reinigung, Bidet, Sitzwärmer und Geruchsbeseitigung.
Eine überraschend geringe Anzahl von Forschungsprojekten beschäftigte sich bisher in Europa
mit technischen Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich der Toilette für alte bzw. behinderte
Anwender und Anwenderinnen:
Das „Friendly Rest Room“-Projekt, koordiniert von der TU Delft (2002-2005), und teilfinan-
ziert von der EU im 5. Rahmenprogramm war ein anwenderzentriertes Forschungsprojekt, das
sich schwerpunktmäßig dem Design von adaptierbaren Toiletten und Toiletträumen widmete
[3]. Ein daraus hervorgegangenes Basisprodukt einer höhenverstellbaren und neigbaren Toi-
lette kam 2006 auf den Markt (LiftWC [6]).
Das Forschungsprojekt „The Future Bathroom“ (2008-2011) der Universität Sheffield führte
Studien zum anwenderzentrierten Design im Bereich Badezimmer für Menschen, die mit al-
tersbezogenen Behinderungen leben, durch. Das Projekt bemühte sich stark um die Einbindung
von alten Menschen in den Designprozess [7]. Forscher und Forscherinnen besuchten alte Men-
schen zuhause und befragten sie über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Probleme im
Bad. Einige der älteren Menschen wurden später auch trainiert um als Laien-Forscher/-innen
andere alte Menschen als Peers zu besuchen und Informationen sehr erfolgreich zu sammeln.
Das Endergebnis des Projektes “iToilette” der RWTH Aachen (2009-2011) dagegen war eine
Toilette, die in der Lage war, Messungen von Vitalparametern der Anwender automatisiert
durchzuführen [8, 9]. Das schafft Vorteile vor allem für Patienten mit dementiellen Erkrankun-
gen, die oft auf die Messung ihrer Vitalparameter vergessen würden, aber doch mehrmals täg-
lich die Toilette aufsuchen.
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„Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen“ 2016
Das 2015 begonnene EU Projekt I-Support entwickelt eine robotische Dusche, um unabhängi-
ges Leben für eine längere Zeit zu ermöglichen und damit die Lebensqualität gebrechlicher
Menschen zu verbessern [10]. Das System sieht einen motorisierten Duschsitz, einen roboti-
schen Duschkopf sowie einen flexiblen und weichen Roboterarm zur Körperpflege vor [11, 12].
3 Methodologie und Herangehensweise
In diesem Abschnitt werden einige der transdisziplinären Aspekte sowie die mit dem partizipa-
tiven Design in Zusammenhange stehenden Aspekte dargestellt.
3.1 Transdisziplinäre Aspekte
Anstelle einer nur technisch-naturwissenschaftlichen Herangehensweise an das Thema Toilette
werden bewusst verschiedene Disziplinen in einen Dialogprozess eingebunden und dieser Dia-
logprozess auch geöffnet für gesellschaftliche Akteure und Akteurinnen aus dem nicht wissen-
schaftlichen Bereich (vgl. Scherhaufer et al. [13]) Diese Herangehensweise ermöglicht es, Pra-
xiswissen mit wissenschaftlichem Wissen zu verbinden, der dafür notwendige Prozess ist je-
doch mit erheblichem Ressourcenaufwand verbunden.
Abbildung 3.1: Transdisziplinarität verbunden mit frühzeitiger und kontinuierlicher Anwen-
dereinbindung in einem mit Tabus behafteten Bereich im Projekt iToilet
Im Bereich von Assistiver Technologie (AT) und Ambient/Active Assisted Living (AAL)
Technologien besteht aufgrund des Settings und der Zielsetzung ein erhöhter Bedarf nach trans-
disziplinären Ansätzen. Ein Grund dafür ist die Komplexität der Entwicklung, die sich inner-
halb kultureller, sozialer und psychologischer Kontexte abspielen muss. Der Markt für die an-
gestrebten innovativen Produkte und Dienste ist dagegen meist fragmentiert, wie auch die Ver-
sorgungsmodelle [1]. Es bestehen oft Herausforderungen in den Bereichen der Technologie,
der Finanzierung, der Ethik, dem Sozialbereich etc. Daher ist es wichtig und unerlässlich, dass
verschiedene Expertise, Erfahrung, wissenschaftliche Disziplinen eingebracht werden, um ein
nützliches und verwendbares Produkt, System oder Service zu schaffen, das für die Anwender
und Anwenderinnen von Nutzen ist.
Im iToilet Projekt wurde daher ein Konsortium zusammengestellt, dessen Partner unterschied-
liche, einander ergänzende Disziplinen einbringen: Pflegeforschung, Rehabilitationsmedizin,
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Rehabilitationstechnik, Ethik, Businessdevelopment, Sanitärtechnik, Sprachtechnologien, Sen-
sor und Netzwerktechnologien, Pflegedokumentationstechnologien etc. (siehe Abbildung 3.1).
Im Sinne der Transdisziplinarität geht es nicht nur darum, diese unterschiedlichen Fachwis-
sensbereiche einzubringen und miteinander zu vernetzen, sondern auch darum, über die Dis-
ziplingrenzen hinaus an einem gemeinsamen Ganzen (konkrete Prototypen, Know-How) zu
arbeiten, welches qualitativ mehr ist, als die Summe der Beiträge der Disziplinen.
3.2 Transdisziplinarität und Partizipatives Design
Im Sinne der transdisziplinären Herangehensweise werden die Anwender und Anwenderinnen,
Betreuungspersonen (Angehörige und Professionalisten) sowie Vertreter von Organisationen
und Einrichtungen (Mobile Pflege, Tageszentren, Rehakliniken) aktiv und kontinuierlich in das
Projekt eingebunden.
Eine grundsätzliche methodische Erschwernis ist durch den tabubehafteten Einsatzkontext ge-
geben, was sich u.a. bei den partizipativen Design Aktivitäten auswirken kann. Hier verfügen
die Autoren jedoch bereits über positive Vorerfahrungen aus einem Vorprojekt [14] in dem
gezeigt werden konnte, dass bei intensiver Vorbereitung sehr wohl auch in diesem Tabubereich
gut akzeptierte Möglichkeiten der Anwendereinbindung und Partizipation im Entwicklungs-
und Designprozess geschaffen werden können. Als besonders hilfreich haben sich dabei eine
gute, ausführliche und kontinuierliche Informationsstrategie, die Schaffung einer Vertrauens-
basis sowie Toilettentests im Labor im bekleideten Zustand erwiesen.
Aufgrund des Tabubereiches und aufgrund des Zielpublikums von gebrechlichen bzw. erkrank-
ten Menschen kommt dem Thema der Ethik besondere Bedeutung zu [15]. Der Sicherheitsas-
pekt ist ebenfalls von Bedeutung, (z.B. dynamische Unterstützung beim Niedersetzen und Auf-
stehen).
Als Setting für die Realisierung der transdisziplinären Herangehensweise wurde bei den beiden
Testpartnern im iToilet Projekt je eine sogenannte „User Research Base“ (URB) etabliert. Eine
URB dient den Akteuren aus dem nicht wissenschaftlichen Bereich, die als Experten und Ex-
pertinnen für ihre eigene Lebenswirklichkeiten eingebunden sind, als Basis um ihr Alltagswis-
sen in die Wissensbasis des Projektes einzubringen. Weiters unterstützt die URB den aktiven
Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen und das gemeinsame iterative Ringen um
neue Einsichten, Ansätze und Ideen, die nicht durch bloßes Zusammensetzen verschiedener
Expertise-Bruchstücke entstehen, sondern prozesshaft durch Schaffung von qualitativ Neuem
basierend auf interaktiven, offenen, iterativen, bi- und multidirektionalen Austauschprozessen,
vgl. [1, 13].
In den beiden URBs fanden bereits (Sommer 2016) die Erhebung der Anwenderanforderungen
statt und im 2. Halbjahr 2016 wird die Einbindung von Anwendern und Anwenderinnen fort-
gesetzt mit Partizipativen Design (PD) Aktivitäten in folgenden Gebieten: Erprobung und Ge-
staltung früher Prototypen für die Sprachsteuerung der Toilette, Partizipatives Design der auto-
matischen Erkennung von Anwenderpräferenzen hinsichtlich der individuellen Toilettenvor-
einstellung, Bestimmung der individuell bevorzugten Sitzhöhe (anhand eines mobilen Stuhles,
der über die Toilettenschüssel gestellt werden kann) und die dynamische Unterstützung beim
Niedersetzen und Aufstehen.
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4 Erste Ergebnisse und Diskussion
4.1 Erste Erfahrungen mit den User Research Bases
In den beiden User Research Bases (URBs) bei den zwei Testpartnern wurde den Nutzergrup-
pen das iToilet Konzept vorgestellt, es wurde nach ihren individuellen Problemen auf der Toi-
lette gefragt, nach ihren Ideen und Wünschen und nach ihrer Einschätzung der Relevanz der im
iToilet Projekt vorgesehenen Entwicklungen und Lösungen. Es konnte gezeigt werden, dass
sich die gesammelten Anwenderwünsche und die geschilderten konkreten Problemstellungen
und Problemlagen im Umkreis der Toilette gut mit dem im Projektplan vorgesehenen Konzept
decken.
Diese initiale Befragung mag trivial erscheinen, es sei jedoch darauf hingewiesen, dass diese
zusätzlich auch den initialen Auftakt für eine kontinuierliche Einbindung von Anwendern und
Anwenderinnen in die Entwicklungstätigkeit darstellt. Die rasche und eindeutige Abklärung,
dass das im Projektplan Vorgesehene weiterhin als praxisrelevant angesehen wird, ist auch eine
wichtige Absicherung aus Sicht der Projektkoordination. Schließlich ist die intensive Anwen-
dereinbindung auch mit entsprechendem Ressourceneinsatz verbunden. In manch anderen Pro-
jekten besteht die Tendenz, eher rasch mit der Entwicklung zu beginnen und erst (zu) spät zu
untersuchen, ob die Probleme der Anwender mit dem Projektergebnis auch gelöst sind. Ände-
rungen sind dann kaum mehr, oder nur mit hohem Aufwand, möglich.
Eine weitere Erfahrung betrifft den Erkenntnisfluss im Alltag der Forschungsaktivitäten. Dieser
Erkenntnisfluss mag in der Theorie zwischen allen Beteiligten im Projektkonsortium stattfin-
den. In der Praxis kommt es unserer Beobachtung nach jedoch auch zu Subprozessen oder zu
internen Prozessen, in denen nur ein Teil der Beteiligten eingebunden ist, und die dennoch von
großer Bedeutung sein können. Ein Beispiel wäre, dass durch das Einbringen von Demonstra-
toren und Prototypen im Rahmen des Partizipativen Designs (PD) die primären Anwender und
die sekundären Anwender bzw. die Pflegeexperten und medizinischen Experten gemeinsam
neue Ideen und Erfahrungen machen, die nicht gleich zu anderen (z.B. den Technikern) vor-
dringen. Oft finden auch mehrere solcher Subprozesse parallel statt. Hier ist es Aufgabe der
Koordination zu moderieren und sicherzustellen, dass neue Erkenntnisse soweit relevant mit
allen geteilt werden und außerdem auch der Gefahr, dass die Projektziele durch zu viel unter-
schiedlichen Anwenderinput verwischt werden, entgegengewirkt wird.
Wenngleich die PD Aktivitäten mit einem Mehraufwand verbunden sind, so macht sich dieser
unserer Überzeugung nach letztlich sehr bezahlt. Mithilfe von PD werden parallel zur Entwick-
lung die Anwender und Anwenderinnen schon miteinbezogen und ihr Feedback kann bereits in
den laufenden Entwicklungsprozess (nicht erst am Ende) einfließen. PD erhöht die Wahrschein-
lichkeit, dass letztlich etwas entwickelt und produziert wird, was die Menschen wirklich wollen,
also nützlich ist und auch auf einfache Art im Alltag verwendet werden kann.
4.2 Exkurs - Ein Feldtest einer anpassbaren Toilette in einem Vorprojekt
Mit einer motorisch höhenverstellbaren und neigbaren Toilette wurde bereits in einem Vorpro-
jekt [16] ein Feldtest in einem Multiple Sklerose (MS) Tageszentrum unternommen, um zu
untersuchen, ob die technisch implementierten Funktionen (motorisierte Verstellbarkeit der
Sitzhöhe und Neigung, Spülung, Schwesternruf, jeweils über Handsteuerung auslösbar) von
den Anwendern wirklich gewollt und tatsächlich verwendet werden. An der Erprobung nahmen
29 MS Patienten und 12 Betreuungspersonen über einen Zeitraum von 2 Monaten teil. Es fan-
den 316 (reale) Toilettensitzungen statt und es konnte gezeigt werden, dass das Toilettensystem
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die Sicherheit und die Autonomie aus der Perspektive der primären und sekundären Anwender
verbesserte und dass die Toilette sehr gut in der Alltagspraxis akzeptiert wurde [16]. Das Sys-
tem befindet sich auch nach Ende des Forschungsprojektes immer noch im Einsatz. Die Ergeb-
nisse des Feldtests flossen in ein finales Produkt ein, das erfolgreich auf den Markt gebracht
wurde [6].
4.3 Verwertungsperspektiven
Das Positionspapier „AAL Vision Österreich“ nennt als einen der Hemmfaktoren für die noch
mangelnde Verbreitung von AAL die Involvierung vieler unterschiedlicher Disziplinen in den
Entwicklungsprozess und die noch geringe Vernetzung von Marktteilnehmern und Interessens-
vertretern und, damit verbunden, die noch kaum sichtbaren Wertschöpfungsketten in AAL [17,
S. 31]. Durch die transdisziplinäre Zusammenarbeit in iToilet wird unserer Meinung nach ein
guter Rahmen geboten, um, wie es AAL Austria vorschlägt, Akteurinnen und Akteure in neuen
Kombinationen zusammenfinden zu lassen, gut zu vernetzen und gemeinsam neue Wertschöp-
fungsketten bilden zu lassen. Durch die Einbindung von tertiären Anwendern (Einrichtungen,
Diensteanbieter und Kostenträger) können neuartige Service Angebote gemeinsam mit attrak-
tiven Finanzierungsmodellen entwickelt werden. [17, S. 31].
5 Zusammenfassung
Das EU Projektkonsortium iToilet entwickelt IKT-basierte Zusatzmodule für vorhandene Toi-
letten, um das selbstständige und sichere Leben älterer Menschen zu Hause zu unterstützen.
Um die Relevanz der Lösung für die Anwender und Anwenderinnen sicherzustellen und um
den transdisziplinären Herausforderungen zu entsprechen, wurden folgende Maßnahmen im
Projektplan vorgesehen: a) Einbindung der späteren Anwender und Anwenderinnen in den User
Research Bases (URBs), die eine praxisnahe Struktur für die zu Projektbeginn startende und
dann laufende Einbindung der Anwender darstellen und eine wichtige Basis für transdiszipli-
näre Arbeit bilden, b) Partizipatives Design, also das aktive Mitgestalten des Designs und der
Entwicklung durch die späteren Anwender und Anwenderinnen sowie das Ausprobieren von
frühen Teilprototypen und Rückmelden von Feedback an die Technologiepartner noch während
die Entwicklung im Laufen ist, und c) Labortests und längere Feldtests im Alltagsumfeld der
beiden Testpartner in Budapest und Wien.
Vor allem die Mischung von transdisziplinärem Ansatz und partizipativen Design erscheint uns
als methodisch optimale Herangehensweise. In einem Vorprojekt mit einer höhenverstellbaren
Toilette in einem Tageszentrum konnte bereits gezeigt werden, dass die erfolgreiche Einbin-
dung von Anwendern als im Projekt aktiv teilnehmende Partner trotz des bestehenden Tabube-
reiches beim Thema Toilette und Intimhygiene möglich ist und zu einem akzeptierten markt-
tauglichen Produkt geführt hat.
6 Danksagung
Das Projekt iToilet wird durch das AAL Programm (AAL-2015-1-084) und durch nationale
Forschungsförderungen in Österreich, Ungarn, Italien und Slowenien teilgefördert. Projekt-
partner: TU Wien (Koordinator), Santis Kft., Smart Com d.o.o., Carecenter Software GmbH,
CS Caritas Socialis GmbH, Országos Orvosi Rehabilitációs Intézet, Synthema srl. Web:
http://itoilet-project.eu
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„Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen“ 2016
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Schlathau: Concept, Setting Up and First Results from a Real Life Installation of an
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[17] AAL Austria Innovationsplattform für intelligente Assistenz im Alltag: AAL Vision
Österreich, Positionspapier, 2015.
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... In the project "iToilet" [4, 5,6], partners are developing an extended toilet, which is based on the existing sanitary products "Lift-WC" and "mobile toilet chair" [7] and is enhanced by ICT-based components, which can support older persons in an active and independent life at home as well as in institutions. Thereby functions such as setting the optimal seat height, dynamic support during standing up and lowering, automatic recognition of user preferences, voice control, safety (emergency detection, fall detection, etc.) are provided. ...
... The iToilet project [4, 5,6], coordinated by the Vienna University of Technology and launched in 2016, focuses on older people who live independently at home. The wishes and needs to be met when using a toilet at home are to be met as far as possible with ICT-based support modules and thereby empower the elderly to a more independent and dignified life. ...
Conference Paper
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Standard toilets often do not meet the needs of a significant number of older persons and persons with disabilities. The EU funded iToilet project aims at design and development of a new type of ICT enhanced modular toilet system which shall be able to support autonomy, dignity and safety of older persons living at home. Methodologically the project started with gathering user requirements by means of questionnaires, interviews and focus group discussion involving a total of 74 persons, thereof 41 subjects with movement disorders (primary users), 21 caregivers (secondary users) and 12 healthcare managers (tertiary users). Most important wishes were bilateral removable handrails, height and tilt adjustment, emergency detection, simplicity. In parallel to the ongoing technical development participatory design activities have been carried out at user test sites in order to continuously involve users into the design process and to allow quick feedback with regards to early prototype parts. The project currently is working on the finalization of the first prototype ready to enter the lab trial stage in spring 2017. The experiences will be used for redesigning a prototype 2 which is planned to be tested in real life settings early 2018.
Conference Paper
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This paper presents the concept and the architecture of the I-SUPPORT service robotics system. The goal of the I-SUPPORT system is to support and enhance older adults mobility, manipulation and force exertion abilities and assist them in successfully, safely and independently completing the entire sequence of showering tasks, such as properly washing their back, their upper parts, their lower limbs, their buttocks and groin, and to effectively use the towel for drying purposes. Adaptation and integration of state-of-the-art, cost-effective, soft-robotic arms will provide the hardware constituents, which, together with advanced human-robot force/compliance control will form the basis for a safe physical human-robot interaction that complies with the most up-to-date safety standards. Human behavioural, sociological, safety, ethical and acceptability aspects, as well as financial factors related to the proposed service robotics system will be thoroughly investigated and evaluated so that the I-SUPPORT end result is a close-to-market prototype, applicable to realistic living settings.
Chapter
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The last phase of the Friendly Rest Room (FRR)-project was explicitly dedicated to the validation of the conceptual and technical solutions developed within the preceding years. Validation in this context means to assess whether the project has reached its objectives. As FRR is a project within the Quality of Life Programme, the main objective was to contribute to an enhancement of the quality of life of old people (and people with disabilities). In order to be able to investigate whether the quality of life of the target group could be improved by the toilet system developed within the FRR-project, a prototype must be set up in an adequate context, i.e., in an area where, in contrast to a laboratory situation, a 'normal' use is possible. This chapter describes the concept and the setting up of a real life installation of an improved toilet system which was carried out at a day care centre in Vienna, Austria. Furthermore, first results from this validation phase (29 primary users and 12 secondary users carried out 316 toilet sessions over a period of two months) are reported. It could be shown that the new toilet system increases safety and autonomy from point of view of primary and secondary users and that the toilet was more than well accepted in the day to day practice of the day care centre.
Book
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As part of its Fifth Framework Programme of Research and Technological Development, in 1998 the European Commission launched the “Key Action on the Ageing Population and Disabilities”, in order to promote research by pan-European teams on age-related problems in an ageing society. Over 120 projects were co-funded, with an EU contribution of over 190 million Euros. One of these funded projects has conducted an extensive programme of investigations and development work which provides the focal point of this book: the “Friendly Rest-Room for Elderly People” (FRR). This project directly addressed some of the most critical – but least talked about – problems of getting older: how to cope with the functional limitations that come with ageing and, in response to this, how to design adequate, safe and user-friendly rooms for toileting and personal hygiene. As an example of applied technological research and development in an area with a surprising lack of prior research, this project stands out. With its clear mission to establish the basic technical and design criteria for the toilet room and its use by older users from many parts of Europe, the project partners found it necessary to make a broad investigation into users' and carers' behaviour, identifying problems and difficulties; and to balance these against the technical and economic possibilities afforded by modern materials, technologies and construction techniques. An essential element in the FRR project was the involvement of older people as active participants in the work. The “Key Action on Ageing” is recognised for the ground-breaking research approach that was espoused by the Expert Advisory Group, which helped to formulate and update the Commission's Work Programme, year on year from 1998 to 2002. This approach may be summed up with three keywords: ‘problem-solving’, ‘holistic’ and ‘multidisciplinary’. These characteristics are identified as especially desirable in the emerging field of ageing research, due to the complex and critical nature of many age-related issues. Few funded projects were able to conduct research in a way which did justice to all three of these priorities but “FRR” is one of those that did. The reader of this book is therefore encouraged to reflect, not only on the insights afforded by the particular results of this substantial work, chapter by chapter, but also on the approach which the FRR project represents, through its methods and research design, being a paradigmatic example of the “new” ageing research. http://ebooks.iospress.nl/volume/a-friendly-rest-room-developing-toilets-of-the-future-for-disabled-and-elderly-people
Article
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Eine partizipativ ausgerichtete Klimawandelanpassungsforschung soll wissensbasiert und auf einem Dialog aufbauend Ergebnisse produzieren, die die Wahrnehmungen, Sichtweisen und Bedürfnisse der NutzerInnen widerspiegeln. Die Praxis zeigt, dass dieser hehre Anspruch aber nur schwer erfüllt werden kann. Trotz der vielfältigen Erfahrungen und Anleitungen zur „guten“ Partizipation in Forschungsprojekten bleibt es schwierig, die TeilnehmerInnen ausreichend zu motivieren. Ein genauer Zeit- und Ressourcenplan sowie die Einhaltung der Normen der Offenheit, Transparenz und Iteration scheinen nicht genug, um Praxiswissen mit wissenschaftlichem Wissen integrativ zu verbinden und zu gesellschaftlich nützlichen und handlungsanleitenden Ergebnissen zu kommen. Der Beitrag greift die Normen transdisziplinärer Forschung auf und konfrontiert sie mit einem Ausschnitt der Realität derartiger Projekte. Das Anschauungsmaterial auf dem die Analyse basiert stammt dabei aus zwei angewandten Vulnerabilitäts- und Anpassungsprojekten in Österreich (Capital-Adapt, RIVAS). Für die Analyse werden sieben Kriterien der guten Partizipation aus der Literatur abgeleitet und die Fallbeispiele entlang dieser betrachtet. Durch die Konfrontation der Praxis mit den Ansprüchen der Partizipation lassen sich vier zentrale Problembereiche transdisziplinärer Forschungsarbeit identifizieren. Zum Abschluss werden damit in Verbindung stehende Lösungsansätze aufgezeigt, die sich auf folgende Fragen konzentrieren: a) Wie kann eine ausreichende Identifikation mit dem Problembereich hergestellt werden? b) Wie können die Beteiligten motiviert werden? c) Wie kann Praxiswissen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verbunden werden und umgekehrt? d) Wie können TeilnehmerInnen als MultiplikatorInnen über das Projektende hinaus fungieren?
Conference Paper
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The FRR (Friendly Rest Room) project creates and evaluates proto- types of a more user friendly intelligent toilet for old persons and for persons with disabilities. Additionally, applicable knowledge regarding needs and wishes of old and/or disabled persons and their care persons are documented. In this paper the user driven research approach, ethical aspects and the iterative user centred design process are outlined. First results from user tests of lighting, human computer interface and preferred seating heights are described.
Conference Paper
The authors focus on the possibility to adapt technologies and basic concepts of Soft Robotics for building a new generation of soft modular manipulator for assistive robotics that can safely come into direct contact with humans in a challenging scenario which is the bathing activity. This paper starts with the presentation of the concept of the modular manipulator and then moves toward a detailed description of one of its modules. The idea is to develop a manipulator which counts on an actuation system based on McKibben-based flexible fluidic actuators combined with motor driven cables, by addressing technological issues related to effectiveness and reliability. Shortening, elongation and bending capabilities have been assessed by testing different patterns of activations. These measures allowed the estimation of the single module performances and its workspace. These outcomes represent the starting point for the development of a novel modular manipulator to be used as a shower arm for bathing activities.
Article
The purpose of this paper is to describe and discuss the approach for the tasks of ethical peer review and ethical guidance which was adopted in the project Friendly Rest Room for Elderly (FRR). Two aspects of user involvement were of special concern for the ethical reviewers: first of all, the target group consisted of potentially frail (or, vulnerable) users, and, second of all, problems relating to toileting and personal hygiene are considered taboo subjects in most regions of Europe. A mixture of a normative and empirical approach to ethics was adopted for guiding the project's user involvement. Ethical guidelines and principles relevant for the FRR context were identified and empirical work was performed to study their implementation. As methods for data collection, participant observation of prototype trials and interviews with users and developers were applied. In addition, the ethical peer reviewers participated closely in the drafting of information materials for users and in planning and designing of the user trials. In designing the user tests, much attention was paid to efforts to lessen the taboo effect faced by participants who were asked in the presence of a research team to talk about their toileting routines and difficulties. In this paper, the normative and empirical work performed by the ethical review team in the FRR project is described and key observations are discussed. In conclusion, the main lessons learned in the continuous process of ethical peer review in the FRR project are presented.
Article
Abstract Home monitoring is a promising technology to deal with the increasing amount of chronically ill patients while ensuring quality of medical care. Most systems available today depend on a high degree of interaction between the user and the device. Especially for people relying on advanced levels of care, this scheme is impracticable. In this paper, we are presenting an "intelligent toilet" performing an extensive health check while being as simple to use as a conventional toilet. The main focus of the system is to support the treatment of diabetes and chronic heart failure, but additional applications are possible.