ChapterPDF Available

Freier Zugang zu Wissen nach dem Papierzeitalter: Fragen, Thesen und Vorschläge

Authors:

Abstract

Maximale Verbreitung neuen wissenschaftlichen Wissens ist notwendig für wissenschaftlichen Fortschritt. Die gegenwärtige Medienrevolution erlaubt und erfordert den den Übergang zu einem neuen Modell der Literaturversorgung. Die durch die Open-Access-Bewegung geschaffenen Ansätze zum freien Zugang zu wissenschaftlichen Wissen werden diskutiert und bewertet. Der Übergang vom Verwertungs- zum Verteilungsparadigma (Stefan Gradmann 2007) wird gefordert. Freier Zugang zu Werken sollte sich nicht auf Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften beschränken, sondern jegliche Literatur umfassen, auch belletristische. Akzeptierter Entwurf eines Beitrags zur Festschrift für Heinrich Parthey anlässlich seines 80. Geburtstages, herausgegeben von Karl-Friedrich Wessel. Dieser Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz mit Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen (cba). Text der Lizenz: http: //creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de.
Freier Zugang zu Wissen
nach dem Papierzeitalter:
Fragen, Thesen und Vorschl¨
age
Frank Havemann
Institut f¨
ur Bibliotheks- und Informationswissenschaft
der Humboldt-Universit¨
at zu Berlin
13. Dezember 2016
Zusammenfassung
Maximale Verbreitung neuen wissenschaftlichen Wissens
ist notwendig f¨
ur wissenschaftlichen Fortschritt. Die gegen-
w¨
artige Medienrevolution erlaubt und erfordert den ¨
Ubergang
zu einem neuen Modell der Literaturversorgung. Die durch
die Open-Access-Bewegung geschaffenen Ans¨
atze zum freien
Zugang zu wissenschaftlichen Wissen werden diskutiert und
bewertet. Der ¨
Ubergang vom Verwertungs- zum Verteilungs-
paradigma (Stefan Gradmann 2007) wird gefordert. Freier
Zugang zu Werken sollte sich nicht auf Aufs¨
atze in wissen-
schaftlichen Zeitschriften beschr¨
anken, sondern jegliche Lite-
ratur umfassen, auch belletristische.
Akzeptierter Entwurf eines Beitrags zur Festschrift f¨
ur Heinrich Parthey
anl¨
asslich seines 80. Geburtstages, herausgegeben von Karl-Friedrich Wessel.
Dieser Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz mit Namensnennung
und Weitergabe unter gleichen Bedingungen (cba). Text der Lizenz: http:
//creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de.
1
Forschung schafft neues Wissen und dessen Ver¨
offentlichung erm¨
og-
licht seine ¨
Uberpr¨
ufung wie Verwendung durch die wissenschaftliche
Gemeinschaft des Fachgebiets. Der m¨
oglichst ungehinderte Zugang
zu den publizierten Forschungsergebnissen ist daher Bedingung ge-
sicherten wissenschaftlichen Fortschritts.
Robert K. Merton beschrieb 1988 die Kommunikation neuzeitli-
cher Forscher im R¨
uckblick auf seine schon 1942 postulierten Cha-
rakteristika echter Wissenschaft (Merton 1988, S. 620):1
That crucial element of free and open communication is what
I have described as the norm of communismin the social
institution of science [. . .] Indeed, long before the nineteenth-
century Karl Marx adopted the watchword of a fully realized
communist society—from each according to his abilities, to
each according to his needs—this was institutionalized prac-
tice in the communication system of science. This is not a
matter of human nature, of nature-given altruism. Institutio-
nalized arrangements have evolved to motivate scientists to
contribute freely to the common wealth of knowledge accor-
ding to their trained capacities, just as they can freely take
from that common wealth what they need. [. . .] In the com-
mons of science it is structurally the case that the give and the
take both work to enlarge the common resource of accessible
knowledge.
Diese “Produktionsweise wissenschaftlichen Wissens, in der die Pro-
dukte nicht auf einem Markt verkauft werden, sondern allen frei zur
Verf¨
ugung stehen, hat sich ¨
uber die Jahrhunderte als sehr frucht-
bringend erwiesen.” (Havemann 2009).
Im noch nicht ganz ¨
uberwundenen Papierzeitalter machen Bi-
bliotheken ihren Lesern gedruckte Literatur zug¨
anglich, indem sie
von Verlagen erzeugte Kopien erwerben. Verlage wiederum erwerben
nicht das von Forschenden erzeugte neue Wissen, sondern lassen sich
von den wissenschaftlichen Autoren lediglich das Recht der Verwer-
1vgl. auch Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Mertonian_norms
2
tung ihrer Texte und Bilder ¨
ubertragen, bei Zeitschriftenaufs¨
atzen
gew¨
ohnlich ohne Verg¨
utung f¨
ur die Autoren.
Weil nur knappe G¨
uter gewinnbringend verkauft werden k¨
onnen,
musste das Kopieren von publizierter Literatur verboten werden.
Nach dem Aufkommen von allgemein zug¨
anglichen Kopiermaschi-
nen konnte es nicht mehr ganz verhindert werden und wurde unter
Restriktionen erlaubt. Aufschl¨
age auf die Preise solcher Maschinen
kommen Verlagen und Autoren zugute.2
Die Autoren wissenschaftlicher Aufs¨
atze ¨
uberlassen den Verlagen
die Verwertungsrechte ohne Verg¨
utung, weil diese Fehlerkorrektur
und Textverbesserung organisieren sowie Layout, Vervielf¨
altigung,
Lagerung und Vertrieb ¨
ubernehmen. Autoren k¨
onnen auf Entgelt
verzichten, wenn sie M¨
azene haben, die nicht nur f¨
ur ihren Lebens-
unterhalt sorgen, sondern ihnen auch die Bedingungen wissenschaft-
lichen Arbeitens schaffen, unter anderem durch die Finanzierung
von Bibliotheken, in denen Forschende, Lehrende und Studierende
auf das wissenschaftliche Wissen zugreifen k¨
onnen.
Leser und Autoren ziehen auch Nutzen aus der Filterfunktion
von Verlagen. Unwissenschaftliche Behauptungen sollen nicht die
Publikationskan¨
ale verstopfen. Besondere Beitr¨
age sollen prominent
pr¨
asentiert werden. In renommierten Zeitschriften publizierte Arti-
kel werden eher wahrgenommen, was wesentlich f¨
ur wissenschaftliche
Karrieren ist.
Aus den Verkaufserl¨
osen finanzieren Verlage Filterung, Textver-
besserung, Layout, Vervielf¨
altigung, Lagerung und Vertrieb. Profit-
orientierte Verlage k¨
onnen hohe Margen erzielen, weil Forscher auf
den Zugang zu etablierten Zeitschriften eines Spezialgebietes nicht
verzichten k¨
onnen.3Jede halbwegs angesehene Zeitschrift kann nicht
2nach der letzten Entscheidung des Bundesgerichtshofes in Deutschland nur
noch den Autoren
3“Elsevier machte im Jahr 2011 umgerechnet rund 1,2 Milliarden US-Dollar
Gewinn, bei einem Umsatz von deutlich mehr als drei Milliarden. Das entspricht
einer bemerkenswert hohen Gewinnmarge von 37,3 Prozent – vergleicht man sie
etwa mit Apples Rekord-Gewinnmarge von 24 Prozent im Jahr 2011.” (Gr¨
un
2012)
3
durch eine andere ersetzt werden. Wenn Zeitschriften in Konkurrenz
treten, dann nur in die um gute Beitr¨
age bekannter Autoren.
Freier Zugang zu wissenschaftlichem Wissen kann heute weitaus
effizienter und umfassender organisiert werden als im Papierzeitalter.
Vervielf¨
altigung von digital vorliegenden Texten sowie ihre Vertei-
lung ¨
uber das Netz kosten weder Geld noch Zeit. Bleiben abgesehen
vom Layout noch Filterung und Textverbesserung (Lektorat). Diese
werden von den Verlagen zwar organisiert aber kostenlos von Wis-
senschaftlern durchgef¨
uhrt und k¨
onnten auch ohne Verlage funktio-
nieren, jedenfalls ohne solche, die Profit machen wollen. Ihre Texte
anhand von Formatvorlagen in ein vern¨
unftiges Layout zu bringen,
das k¨
onnen und sollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft-
ler erlernen, damit ihre Aufs¨
atze nicht mehr von schlecht bezahlten
externen Dienstleistern verunstaltet werden. Wenigstens sollten sie
mit denen direkt kommunizieren k¨
onnen. Auch hierbei wird kein
profitorientiertes Unternehmen als Mittler gebraucht.
Das oben beschriebene Gesch¨
aftsmodell des Papierzeitalters ist
also mittlerweile obsolet. Das zeigt sich auch daran, dass es nur
noch durch k¨
unstliche Verknappung von Information aufrechterhal-
ten werden kann, indem man mit technischer Rafffinesse Kopier-
sperren erfindet und ausgefeilte Systeme eines Rechtemanagements
digitaler Kopien einf¨
uhrt. Trifft man bei der Recherche im Web auf
einen Aufsatz, dessen Titel oder Abstract ihn f¨
ur die eigene Arbeit
relevant erscheinen lassen, wird man nicht selten aufgefordert, die
Katze im Sack f¨
ur eine Summe zu erwerben, f¨
ur die man auch ganze
auf Papier gedruckte B¨
ucher bekommen kann. Das k¨
onnen sich nur
Reiche leisten. Mit ungehindertem Zugang hat dies nichts zu tun.4
Wie nun den freien Zugang zu wissenschaftlichen Forschungser-
gebnissen mit den neuen technischen M¨
oglichkeiten optimal orga-
nisieren und finanzieren? Naheliegend w¨
are, dass die M¨
azene, d. h.
4“Hier ist das paradox erscheinende Ph¨
anomen auszumachen, dass Dienste
in elektronischen Umgebungen, daf¨
ur konzipiert, den Umgang mit Wissen und
Information in Bildung und Wissenschaft leichter und freier zu machen, diese
problematischer werden lassen als in fr¨
uheren analogen Umgebungen.” (Kuhlen
2008, S. 81)
4
die Forschungsf¨
orderer und der Staat, die Finanzierung direkt selber
¨
ubernehmen (indirekt machen sie es schon immer). Sie k¨
onnten die
im Vergleich zu den Forschungskosten geringen Kosten f¨
ur die Orga-
nisation der Filterung und f¨
ur Lektorat und Layout aufbringen. We-
der Autoren noch Bibliotheken noch Leser m¨
ussten daf¨
ur bezahlen.
Die Organisationsform ist dabei zweitrangig. Zeitschriften k¨
onnten
weiter von selbst¨
andigen und am besten nicht auf Profit orientierten
Verlagen herausgegeben oder (wieder) von den Fachgesellschaften
¨
ubernommen werden (Steinberg 2015). Tats¨
achlich wird mit diesem
Finanzierungsmodell bereits experimentiert, und zwar in der Physik
der Elementarteilchen im Rahmen des SCOAP3-Projekts.5
Schon einmal waren die Elementarteilchen-Physiker die Vorrei-
ter beim freien Zugang zu Forschungsergebnissen. 1991 verpflanzte
Paul Ginsparg das bis dahin in diesem Gebiet ¨
ubliche Versenden
von Papier-Preprints6durch die Autoren oder ihre Institute an in-
teressierte Leser ins Internet und schuf mit dem arXiv ein erstes Re-
positorium digitaler Kopien, in das Autoren kostenlos Publikationen
hochladen und aus dem Leser diese kostenlos herunterladen k¨
onnen.7
Eine bibliometrische Untersuchung von Valeria Aman (2013) zeig-
te, dass offenbar Filterung, Lektorat und professionelles Layout f¨
ur
die Kommunikation zwischen Forschenden nicht so wesentlich sind,
denn viele der arXiv-Preprints werden bereits vor ihrem Erschei-
nen in einer Zeitschrift in anderen Preprints zitiert. Kommunikation
wird also durch das arXiv nicht nur erleichtert, sie wird auch viel
schneller als dies in der Welt der Zeitschriften mit ihren langwieri-
gen Begutachtungsprozessen m¨
oglich ist.8Mittlerweile enth¨
alt das
5vgl. https://scoap3.org/what-is- scoap3/
6Von Hilf und Severiens (2013, S. 381) habe ich gelernt, das Enrico Fermi
diese Praxis 1932 einf¨
uhrte. Vgl. auch das Buch von Emilio Segr`e (1970, S. 74),
auf das mich Eberhard Hilf hingewiesen hat.
7Die Website findet man unter http://arxiv.org/;arXiv wird gesprochen
wie das englische the archive, X = Chi.
8vgl. auch die Beitr¨
age zu Jahrb¨
uchern der Gesellschaft f¨
ur Wissenschafts-
forschung von K¨
olbel (2002) und von Berendt und Havemann (2007)
5
arXiv Preprints und Reprints von Beitr¨
agen zu den verschiedensten
Fachgebieten.9
Dass Forschende dann am Ende doch ihre Ergebnisse in Zeit-
schriften publizieren wollen, hat allein mit ihren wissenschaftlichen
Karrieren zu tun, f¨
ur die sie Aufs¨
atze in angesehenen Fachzeitschrif-
ten vorweisen m¨
ussen. Aber m¨
ussen f¨
ur eine nachtr¨
agliche Begut-
achtung profitorientierte Unternehmen indirekt mit ¨
offentlichen Gel-
dern subventioniert werden? Denn sowohl Inhalte wie Begutachtung
sind weitgehend ¨
offentlich finanziert, ganz zu schweigen vom Erwerb
der Kopien durch die Bibliotheken. Nehmen wir die Ver¨
offentlichung
von Forschungsergebnissen in Fachzeitschriften den profitorientier-
ten Verlagen aus den H¨
anden! Wenn die Verwertung wissenschaftli-
cher Information ihrer Verbreitung nicht zutr¨
aglich ist, sollte man es
sein lassen, wissenschaftliche Information zu verwerten. Der ¨
Uber-
gang vom Verwertungs- zum Verbreitungsparadigma wurde schon
vor einem Jahrzehnt von Stefan Gradmann f¨
ur die Wissenschafts-
kommunikation gefordert (Gradmann 2007). Auch Elmar Mittler
(2007, S. 186/169) hat damals festgestellt:
Der ungehinderte Zugriff auf Publikationen, Daten und an-
dere Hilfsmittel der Kommunikation (z. B. Software) ist ei-
ne wissenschaftsimmanente Notwendigkeit. F¨
uhren Versch¨
ar-
fungen der urheberrechtlichen Bestimmungen zugunsten der
Sicherung (oder vielleicht auch Maximierung) der Verwer-
tungsrechte der Verlage zu einer Verschlechterung der Infor-
mationsm¨
oglichkeiten, muss dies auf die Dauer zu einer Ab-
wendung der Wissenschaftler von den Verlagspublikationen
f¨
uhren.
9“Die besonders renommierten Physik-Zeitschriften Physical Review und
Physical Review Letters der APS (American Physical Society) erwarten inzwi-
schen sogar, dass die eingereichten Artikel bereits vorher im ArXiv erschienen
sind: Auf diese Weise stehen ihre Gutachter unter einem geringeren Zeitdruck,
schaden dem Priorit¨
atsanspruch des Autors im Falle der Ablehnung nicht, und
k¨
onnen die bereits einsetzende ¨
offentliche Diskussion aller interessierten ein-
schl¨
agigen Experten zum Preprint-Artikel in die eigene Meinungsbildung ein-
beziehen (. . . ).” (Hilf und Severiens 2013, S. 381/82)
6
Das von Eberhard Hilf f¨
ur Open Access zur Forschungsliteratur seit
langem favorisierte Modell hat er (zusammen mit Thomas Severi-
ens) auf die kurze Formel gebracht: “publish and discuss first, referee
then” (Hilf und Severiens 2013, S. 391).10 Die fachliche Kommunika-
tion zwischen Forschern eines Gebietes ben¨
otigt kein peer review, wie
das Beispiel des arXivs zeigt. Die nachtr¨
agliche Begutachtung und
Filterung durch von Fachgesellschaften eingesetzte Jurys erm¨
oglicht
fachlich ferner stehenden Wissenschaftlern, die publizierten Resul-
tate einzusch¨
atzen, sei es f¨
ur den Zweck der Nutzung in Lehre und
Forschung, sei es f¨
ur die Auswahl von Bewerbern f¨
ur Stellen.
Wer mit Fachzeitschriften Profit machen will, steckt im Dilemma
zwischen Quantit¨
at und Qualit¨
at (Steinberg 2015). Kurzfristig lohnt
es sich, mehr Aufs¨
atze anzubieten, langfristig muss auf die Reputati-
on der Zeitschrift geachtet werden. In diesem Dilemma stecken auch
jene kostenlos zug¨
anglichen Zeitschriften, die durch Artikelgeb¨
uhren
von Seiten der Autoren finanziert werden. Die Heerschar unbezahlter
wissenschaftlicher Editoren der großen (wenn nicht gr¨
oßten) fach-
¨
ubergreifenden wissenschaftliche Zeitschrift, PLOS ONE, diskutiert
immer wieder das Problem, dass Autoren offenbar erwarten, auch
schlechte Beitr¨
age in diesem f¨
ur Leser frei zug¨
anglichen Journal un-
terbringen zu k¨
onnen, weil sie daf¨
ur jetzt schon fast 1500 Dollar
bezahlen. Ben Kaden (2010, S. 235) bemerkt zurecht,
dass sich das Publizieren for profit mit den Zielen der Wissen-
schaftskommunikation selbst dann schwer vertr¨
agt, wenn man
die Bibliotheken oder Autoren vor der Publikation und nicht
danach zahlen l¨
asst. Man kann durchaus hinterfragen, wie of-
fen der Zugang zu diesen Publikation[en] ist, wenn zwar keine
Kostenbarriere f¨
ur die Leser, wohl aber f¨
ur Autoren besteht.
Ob also das Label “Open Access”, f¨
ur das alle großen Wissen-
schaftsverlage Modelle anbieten, um die daf¨
ur offenen Insti-
tutionen in ihrem Publikationsrahmen zu halten, ¨
uberhaupt
semantisch korrekt ist.
10vgl. auch das Interview von Richard Poynder (2009, S. 13) mit Eberhard Hilf
7
Die Chancen f¨
ur ein wissenschaftliches Publikationswesen ohne Ver-
wertung m¨
ussten eigentlich gut sein, denn, wie Open-Access-Theo-
retiker Peter Suber (2010, S. 11) es ausdr¨
uckte: “If push came to
shove, it would be much easier for scholars to do without publishers
than for publishers to do without scholars.”
Im Herbst 2015 sind alle Herausgeber und das gesamte Edito-
ral Bord der bis dahin f¨
uhrenden linguistischen Zeitschrift Lingua
zur¨
uckgetreten – weil der Verlag (Elsevier) nicht zu einem Open-
Access-Modell mit bezahlbaren Autor-Geb¨
uhren ¨
ubergehen wollte
– und haben die f¨
ur Leser und Autoren frei zug¨
angliche Zeitschrift
Glossa gegr¨
undet.11
Kostenlos zug¨
angliche Zeitschriften charakterisieren das, was als
goldener Weg zum freien Zugang bezeichnet wird (Englisch: golden
road to open access). Der sogenannte gr¨
une Weg ist mittlerweile
nicht nur durch durch das Hochladen von Artikeln in Fachreposi-
torien wie das arXiv begehbar, sondern auch durch das Speichern
in institutionellen Repositorien. Wenn diese nicht selber Publikatio-
nen der Mitarbeiter einsammeln, kranken sie an mangelndem Inhalt.
Vorbild k¨
onnte die Berliner Internet-Plattform ResearchGate 12 sein,
die im Web selbst¨
andig Publikationen sammelt und von papiernen
oder aus anderen Gr¨
unden nicht zug¨
anglichen Publikationen wenig-
stens deren Metadaten. Den bei ihr angemeldeten Autorinnen und
Autoren werden diese dann zur Best¨
atigung der Autorschaft vorge-
legt. Nutzer bekommen neue Publikationen von den von ihnen selber
ausgew¨
ahlten Fachkollegen per Email gemeldet.
Was ist nun mit B¨
uchern? Wissenschaftliche Sammelb¨
ande un-
terscheiden sich wenig von Zeitschriften, außer dass viele der Auto-
ren sie gern noch auf Papier gedruckt und gebunden in der Hand
haben wollen. Monographien und Lehrb¨
ucher werden wohl noch lie-
ber auf Papier gelesen (aber in digitaler Form zum Nachschlagen
verwendet). Das Lesen von Papier k¨
onnte hier ganz verschwinden,
11s. Vortrag von Waltraud Paul auf den Open-Access-Tagen in M¨
unchen
im Oktopber 2016: https://open-access.net/community/open- access-tage/
open-access- tage-2016- muenchen/programm/
12https://www.researchgate.net
8
wenn erschwingliche mobile elektronische Leseger¨
ate (wie die auch
im Sonnenlicht nutzbaren Ebook-Reader) gr¨
oßer werden, so dass ei-
ne Doppelseite gut lesbar dargestellt werden kann.
Monographien und Lehrb¨
ucher zu verfassen ist aufwendig, aber
ist es wirklich das Honorar, das Wissenschaftler dazu anreizt, ihr
Wissen systematisch niederzulegen und publik zu machen? Ein Frei-
semester ist sicher f¨
ur viele ein gr¨
oßerer Anreiz dazu. Kosten f¨
ur das
Editieren (Lektorat, Layout) k¨
onnten hier wie bei den Zeitschriften
von den F¨
orderorganisationen ¨
ubernommen werden. Einige Verlage
tendieren dazu, diese Kosten weitgehend einzusparen oder sie werden
sowieso durch verlorene Druckkostenzusch¨
usse beglichen. Die Filter-
funktion k¨
onnten die F¨
orderorganisationen und Fachgesellschaften
¨
ubernehmen. Rezensionen werden das ¨
Ubrige tun. Wenn Lehrende
frei zug¨
angliche elektronische Lehrb¨
ucher ihren Studierenden emp-
fehlen, braucht es nicht die Reputation des Verlags, um sie zu ver-
breiten.
Es gibt wohl keinen Urheber eines publizierten Werkes, der es
nicht verbreitet haben m¨
ochte. Ausnahmen sind nur Werke, zu de-
nen die Urheber nicht mehr stehen. Neues Wissen, neue Sichten auf
altes Wissen, neue Ideen und Hypothesen k¨
onnen aber nicht mehr
zur¨
uckgenommen werden, sobald sie einmal ¨
offentlich gemacht wor-
den sind. Sie geh¨
oren dann der Menschheit und nicht mehr dem Ur-
heber. Weil die Sch¨
opfer wissenschaftlichen Wissens dieses nicht ver-
kaufen, sondern durch seine Ver¨
offentlichung Reputation erwerben,
welche ihre Karriere in der Wissenschaft erm¨
oglicht und bef¨
ordert,
haben sie ein Interesse an der Nennung ihrer Urheberschaft, falls das
Wissen in anderen wissenschaftlichen Werken verwendet oder disku-
tiert wird. Autoren, die es vers¨
aumen, Urheber verwendeten oder
diskutierten Wissens zu nennen, t¨
auschen Priorit¨
at vor oder verra-
ten wenigstens mangelnde Kenntnis der Literatur. Wird das ruchbar,
erreichen sie das Gegenteil ihres Ziels: ihre Reputation sinkt, statt
zu steigen.
Die l¨
angste Zeit waren auch die meisten Sch¨
opfer literarischer
Werke auf einen M¨
azen angewiesen. Erst durch Gutenbergs Erfin-
dung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern wurde es den dar-
9
aufhin entstehenden Verlagen m¨
oglich, mit dem Verkauf gedruckter
Exemplare Geld zu verdienen, wenn sie ein Monopol auf das Werk
garantiert bekommen. So konnten literarische Autoren versuchen,
ihren Lebensunterhalt durch die exklusive Ver¨
außerung des Verwer-
tungsrechts ihrer Texte zu bestreiten. Den wenigsten gelingt dies,
aber Bestseller-Autorinnen k¨
onnen sogar reicher als die K¨
onigin von
England werden.13
Es erhebt sich die Frage, was f¨
ur die Entwicklung der Literatur
g¨
unstiger ist, die Abh¨
angigkeit der Autoren vom Buchmarkt oder
von M¨
azenen. Wissenschaft hat sich mit M¨
azenen gut entwickelt.
Diese haben allerdings zumeist eingesehen, dass es sich nicht lohnt,
Forschung zu sehr von außen zu steuern. Literaten sind auch heute
noch oft auf M¨
azene angewiesen, die Stipendien und Preise verge-
ben. Das kann dann fruchtbar sein, wenn sich die M¨
azene auch hier
nicht auf ihr eigenes Urteil verlassen, sondern mit der Auswahl der
Stipendiaten und Preistr¨
ager kompetente Gremien beauftragen. Li-
teratur wie Wissenschaft sollten mit ¨
offentlichen Mitteln finanziert
werden und sich selbst steuern. Dann br¨
auchte auch belletristische
Literatur nicht mehr k¨
unstlich verknappt zu werden und kann so
allen Interessierten frei zug¨
anglich werden. Profitorientierte Unter-
nehmen haben in diesem System keinen Platz mehr.14
Aber werden damit nicht die Sch¨
opfer literarischer Werke ent-
eignet? Ist ein Werk nicht nat¨
urlicherweise geistiges Eigentum des
Autors? Ein Gedicht, ein Roman, ein wissenschaftlicher Aufsatz, ir-
gendein publiziertes Werk kann eigentlich niemandem gestohlen wer-
den und kann deswegen auch niemandes Eigentum sein. Wenn hier
von Diebstahl gesprochen werden kann, dann nur im Sinne des Pla-
giats, d. h. der Anmaßung der Autorschaft von Werken oder Teilen
von Werken anderer. Autorschaft muss gesch¨
utzt werden, weil man
13https://de.wikipedia.org/wiki/Joanne_K._Rowling
14Die Beschr¨
ankung von Open Access auf die Wissenschaft wurde schon von
Rainer Kuhlen (2008, S. 466) kritisiert, denn sie “beraubt Open Access [. . . ]
seiner gesellschaftspolitischen Sprengkraft und stellt die ¨
offentlich gef¨
orderte
Wissenschaft in einen die freie Nutzung anderer Kulturg¨
uter ausschließenden
privilegierten Elfenbeinturm.”
10
ohne sie keine Karriere machen kann. Es geht einzig und allein dar-
um, dass sch¨
opferische Menschen in die Lage versetzt werden, ihren
Beitrag zu Wissenschaft oder Literatur leisten zu k¨
onnen. Jegliche
naturrechtliche Begr¨
undung eines geistigen Eigentums negiert die
Tatsache, dass die Sch¨
opfer ¨
uberhaupt nur aus einem Brunnen kul-
tureller Tradition Werke sch¨
opfen k¨
onnen oder wie es Isaac Newton
in Bezug auf die Wissenschaft ausdr¨
uckte: “Wenn ich weiter sehen
konnte, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stand.”15
Ist es nicht auch erniedrigend f¨
ur literarische Autoren, ihre Werke
an Verlage verkaufen zu m¨
ussen? Ist ein aufgekl¨
arter zur¨
uckhaltender
M¨
azen mit fachkundigen Beratern nicht viel angenehmer? Bertolt
Brecht schrieb 1942 sein Gedicht Hollywood ¨
uber diese Erniedrigung
(Brecht 1978, S. 6):
Jeden Morgen, mein Brot zu verdienen
Gehe ich auf den Markt, wo L¨
ugen gekauft werden.
Hoffnungsvoll
Reihe ich mich ein zwischen die Verk¨
aufer.
Welche Rechte sollten Urheber den Nutzern ihrer publizierten
Werke sinnvollerweise zugestehen und welche behalten? Dankens-
werterweise gibt es eine gemeinn¨
utzige Organisation, die seit der
Jahrtausendwende mit den verschiedenen Creative-Commons-Lizen-
zen den Sch¨
opfern von Werken rechtliche Formen bereitstellt, die das
bisherige “All rights reserved” ersetzen.16 Ein wesentliches Recht f¨
ur
Urheber in diesen Lizenzen ist, dass sie verlangen k¨
onnen, als Ur-
heber genannt zu werden, wenn Teile ihrer Werke, Text oder Ab-
bildungen, in Werken anderer verwendet werden. Bei wissenschaftli-
15Brief an Robert Hooke, 5. Februar 1675/76, zitiert nach https://de.
wikiquote.org/wiki/Isaac_Newton. Wissenschaftliche Forschung findet einge-
bettet in scientific communities d. h. kollektiv statt. Sie wurde aber ¨
uber die
Jahrhunderte auch unmittelbar immer kollektiver, was an steigenden Autorzah-
len pro Aufsatz ablesbar ist. Dadurch wird der Begriff des Autors problematisch
(Havemann 2016, S.77–78 und 115–119). Großforschung ist mit der Produktion
von Filmen vergleichbar, wo lange Listen von Beitragenden im Abspann laufen,
die aber nicht als Urheber des Films gelten.
16https://creativecommons.org
11
chen Werken m¨
ussen dar¨
uber hinaus auch Ideen und Resultate, die
im neuen Werk nicht als w¨
ortliche Zitate erscheinen, mit Nennung
der Autoren referenziert werden. Das ist aber rechtlich schwer zu fas-
sen und auch nicht Teil einer der Creative-Commons-Lizenzen, denn
was als Resultat oder Idee wirklich neu und bedeutsam genug ist,
dass daf¨
ur eine Autorschaft reklamiert werden kann, ist manchmal
umstritten.
Sollen also “Papierb¨
ucher” vollkommen verschwinden?17 Nat¨
ur-
lich nicht, die Photographie hat auch nicht das gemalte oder ge-
zeichnete Portrait verschwinden lassen. Ein anderes Problem ist die
Langzeitarchivierung. Hier gibt es L¨
osungen f¨
ur digitale Objekte. So-
lange sie sich aber nicht vollst¨
andig durchgesetzt haben, sind Papier-
exemplare auch hierf¨
ur wichtig.18 Hilf und Severiens (2013, S. 388)
bemerken zu diesem Problem:
Wissenschaftliche Dokumente bei ihrem Erscheinen Open Ac-
cess zu stellen, erleichtert wesentlich ihre Langzeitarchivie-
rung. Nationale und internationale Bibliotheken und Insti-
tutionen, die mit der Langzeitarchivierung beauftragt sind,
k¨
onnen Dokumente, die zu sammeln ihrem Auftrag entspre-
chen, problemlos (technisch und juristisch barrierefrei) aus
dem Netz herunterladen und archivieren soweit sie eben OA
sind, weil das Dokument bereits in einem ¨
offentlichen Format
vorliegt, oft auch erg¨
anzt um Quellformate und Messdaten.
Zum Schluss gestatte ich mir ein l¨
angeres Selbstzitat aus der
ersten Auflage meiner als Ebook frei unter einer Creative-Commons-
Lizenz in der Deutschen Nationalbibliothek zug¨
anglichen “Einf¨
uh-
rung in die Bibliometrie” (Havemann 2009, S. 61).19 Damals habe
ich f¨
ur die Verlage ein ¨
Uberleben als profitorientierte Unternehmen
noch nicht so kritisch gesehen wie heute (s. letzten Absatz):
17so wie in der Dystopie “Pavlos Papierbuch” von Franz F¨
uhmann (1981)
18vgl. die Diskussion im Jahrbuch 2007 der Gesellschaft f¨
ur Wissenschaftsfor-
schung, z.B. am Ende des Beitrags von Berendt und Havemann (2007)
19Eine zweite ¨
uberarbeitete Auflage ist ebenfalls frei verf¨
ugbar (Havemann
2016).
12
Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Let-
tern vor mehr als einem halben Jahrtausend erm¨
oglichte es,
nun sehr viel mehr und billiger B¨
ucher zu produzieren. Dass
Literatur dadurch quantitativ stark zunahm, f¨
uhrte zu quali-
tativen Umbr¨
uchen in der Art und Weise, wie ihre Produkti-
on, Verbreitung und Aufbewahrung organisiert wurde. Es ent-
stand das ¨
uber Jahrhunderte sich nur langsam ver¨
andernde
System von Verlagen, Buchh¨
andlern und Bibliotheken.
Heute erleben wir eine ¨
ahnliche Medienrevolution: Literatur,
aber auch Bild- und Tonaufnahmen k¨
onnen jetzt in digitaler
Form gespeichert und mit Lichtgeschwindigkeit ¨
uber das Netz
verbreitet werden. Ein Werk zu kopieren, kostet praktisch
nichts mehr. Maschinelle Recherche im Volltext ist erstmals
m¨
oglich. Am Ende werden zwar auch wissenschaftliche Zeit-
schriftenaufs¨
atze immer noch zum Lesen ausgedruckt, aber
nur weil sich das elektronische Papier als lesefreundliches (und
energiesparendes) Ausgabemedium noch nicht durchgesetzt
hat.
Dass wissenschaftliche und k¨
unstlerische Werke, Informatio-
nen aller Art nun so einfach verbreitet und kopiert werden
k¨
onnen, l¨
asst den Traum, allen Menschen umfassende Bildung
zu erm¨
oglichen, seiner Verwirklichung n¨
aher r¨
ucken. Der freie,
d. h. kostenlose und unbeschr¨
ankte Zugang zu digitalen Kopi-
en aller Werke, zu ¨
uber das Netz verf¨
ugbaren Informationen
schafft eine notwendige Voraussetzung der Teilhabe aller dazu
¨
uberhaupt f¨
ahigen Menschen an Kultur, Politik und Wissen-
schaft, die mit Bibliotheken bisher nur teilweise verwirklicht
werden konnte.
Die digitale und elektronische Informationstechnologie wird
genauso die Produktions-, Verbreitungs- und Rezeptionsweise
von Literatur ver¨
andern, wie es der Buchdruck Ende der er-
sten H¨
alfte des vorigen Jahrtausends tat. Verlage, Buchh¨
and-
ler und Bibliotheken m¨
ussen sich dieser Umw¨
alzung anpassen
oder werden untergehen. Wenn Verlage digital vorliegende In-
formation k¨
unstlich verknappen, indem sie Kopiersperren er-
finden oder – Gipfel des Widersinns – den Bibliotheken nur
13
erlauben, jeweils eine Kopie einem Nutzer an einem Rech-
ner in ihren R¨
aumen lesen zu lassen, dann zeigt das, dass
ihr Gesch¨
aftsmodell ¨
uberlebt ist. Die Zukunft geh¨
ort Open
Access, zumindest f¨
ur die wissenschaftliche Zeitschriftenlite-
ratur.
Abschließend will ich Victor Hugo zitieren, der erfolgreich f¨
ur
die Internationalisierung des Urheberrechts eintrat aber gleichzeitig
daran erinnert hat, wof¨
ur Werke geschaffen werden:
Das Buch als Buch geh¨
ort dem Autor, aber als Gedanke
geh¨
ort es – der Begriff ist keineswegs zu m¨
achtig – der Mensch-
heit. Jeder denkende Mensch hat ein Recht darauf. Wenn ei-
nes der beiden Rechte, das des Autors oder das des menschli-
chen Geistes, geopfert werden sollte, dann w¨
are es, zweifellos,
das Recht des Autors, denn unsere einzige Sorge gilt dem
¨
offentlichen Interesse, und die Allgemeinheit, das erkl¨
are ich,
kommt vor uns.20
Danksagung
Ich danke meinem verehrten Kollegen Heinrich Parthey f¨
ur mannig-
fache Anregungen und Einsichten zum Wesen von Wissenschaft und
zu ihrer Entwicklung. In vielen Gespr¨
achen und auch in Vortr¨
agen
¨
uberraschte er mich oft mit neuartigen Sichten, die zugleich theore-
tisch und historisch fundiert und von unmittelbarer Frische waren.
Als Herausgeber und Initiator der Jahrb¨
ucher der Gesellschaft
f¨
ur Wissenschaftsforschung hat er dem freien Zugang zu Literatur
nicht nur theoretisch Aufmerksamkeit gewidmet sondern ihn seit
langem auch praktisch verwirklicht.
F¨
ur ein anregendes Gespr¨
ach zum Text danke ich sehr herzlich
Prof. Eberhard Hilf, Pionier und unerm¨
udlicher F¨
orderer von Open
Access. Ich danke Prof. Eric Steinhauer f¨
ur sehr n¨
utzliche Anmer-
kungen zur ersten Fassung dieses Textes.
20zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Hugo, 22. 11. 2016
14
Literatur
Aman, V. (2013, Juni). The potential of preprints to accelerate
scholarly communication – A bibliometric analysis based on
selected journals. Master Thesis 2013, arXiv: 1306.4856.
Berendt, B. und F. Havemann (2007). Beschleunigung der
Wissenschaftskommunikation durch Open Access und neue
M¨
oglichkeiten der Qualit¨
atssicherung. In: F. Havemann,
H. Parthey, und W. Umst¨
atter (Hrsg.), Integrit¨
at wissen-
schaftlicher Publikationen in der Digitalen Bibliothek – Wis-
senschaftsforschung Jahrbuch 2007, S. 137–158. Berlin: Ge-
sellschaft f¨
ur Wissenschaftsforschung. 2. unver¨
anderte Auflage
2011 frei verf¨
ugbar bei der Deutschen Nationalbibliothek unter
http://d-nb.info/1021026476.
Brecht, B. (1978). Gedichte. Bd. VI, Berlin und Weimar: Aufbau-
Verlag.
F¨
uhmann, F. (1981). Sai¨
ans-Fiktschen. Erz¨
ahlungen. Rostock:
Hinstorff Verlag.
Gradmann, S. (2007). Verbreitung vs. Verwertung. Anmerkungen
zu Open Access, zum Warencharakter wissenschaftlicher In-
formationen und zur Zukunft des elektronischen Publizierens.
In: F. Havemann, H. Parthey, und W. Umst¨
atter (Hrsg.), Inte-
grit¨
at wissenschaftlicher Publikationen in der Digitalen Biblio-
thek – Wissenschaftsforschung Jahrbuch 2007, S. 92–106. Ber-
lin: Gesellschaft f¨
ur Wissenschaftsforschung. 2., unver¨
anderte
Auflage 2012, frei verf¨
ugbar bei der Deutschen Nationalbiblio-
thek unter http://d-nb.info/1021026476.
Gr¨
un, G.-C. (2012, 30. April). Wissenschaftstransfer statt Ge-
heimwissen. ZEIT ONLINE. http://www.zeit.de/wissen/
2012-04/wissenschaft-open-access- publikation.
Havemann, F. (2009). Einf¨
uhrung in die Bibliometrie. Berlin:
Gesellschaft f¨
ur Wissenschaftsforschung. http://d-nb.info/
993717780.
15
Havemann, F. (2016). Einf¨
uhrung in die Bibliometrie (2., erwei-
terte Aufl.). Berlin: Gesellschaft f¨
ur Wissenschaftsforschung.
http://d-nb.info/1113795433.
Hilf, E. R. und T. Severiens (2013). Vom Open Access f¨
ur Doku-
mente und Daten zu Open Content in der Wissenschaft. In:
Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation:s
Handbuch zur Einf¨
uhrung in die Informationswissenschaft und
-praxis (v¨
ollig neu gefasste Ausg., 6. Aufl.). Berlin, Boston: De
Gruyter.
Kaden, B. (2010). Unordnung des Diskurses. Bemerkungen zu
Uwe Jochums Open Access.Zur Korrektur einiger popul¨
arer
Annahmen. G¨
ottingen 2009. 61 S. (G¨
ottinger Sudelbl¨
atter),
ISBN 978-3-8353-0618-9. BIBLIOTHEK Forschung und Pra-
xis 34 (2), S. 232–237.
K¨
olbel, M. (2002). FORUMnovum Dynamic Publishing. Ein Kon-
zept f¨
ur die Zukunft des wissenschaftlichen Journals. In:
H. Parthey und W. Umst¨
atter (Hrsg.), Wissenschaftliche Zeit-
schrift und Digitale Bibliothek – Wissenschaftsforschung Jahr-
buch 2002, S. 135–142. Berlin: Gesellschaft f¨
ur Wissenschafts-
forschung. 2., unver¨
anderte Auflage 2011, frei verf¨
ugbar bei
der Deutschen Nationalbibliothek unter http://d-nb.info/
1011349361.
Kuhlen, R. (2008). Erfolgreiches Scheitern – eine G¨
otterd¨
am-
merung des Urheberrechts? Schriften zur Informationswissen-
schaft, Bd. 48. Boizenburg: H¨
ulsbusch.
Merton, R. K. (1988). The Matthew effect in science, II: cumu-
lative advantage and the symbolism of intellectual property.
Isis 79, S. 606–623.
Mittler, E. (2007). Open Access zwischen E-Commerce und E-
Science: Beobachtungen zu Entwicklung und Stand. Zeitschrift
f¨
ur Bibliothekswesen und Bibliographie 54 (4–5), S. 163–169.
Poynder, R. (2009). Open Access: Profile of Eberhard Hilf. Quelle
im Web (zuletzt am 22. 11. 2016 besucht):
16
http://poynder.blogspot.com/2009/10/
open-access-profile-of- eberhard-hilf.html.
Segr`e, E. (1970). Enrico Fermi, Physicist. University of Chicago
Press.
Steinberg, P. E. (2015, Juli). Reclaiming Society Publishing. Pu-
blications 3 (3), S. 150–154.
Suber, P. (2010). Thoughts on prestige, quality, and open access.
Logos 21 (1), S. 115–128.
17

Supplementary resource (1)

Article
Full-text available
Wenn Fachzeitschriften auf eigene Artikel-Server verzichten und stattdessen als zusätzliche Informationsschicht über frei zugängliche Fachrepositorien von Preprints gelegt werden, kann Wissenschaftskommunikation weitaus effektiver und kostengünstiger organisiert werden als mit von profitorientierten Verlagen herausgegebenen Journalen, egal ob diese closed oder open access aufweisen.
Book
Full-text available
Diese kurze Einführung in die Bibliometrie wendet sich an alle diejenigen, die grundlegende Erkenntnisse und wichtige Methoden dieses interdisziplinären Forschungsgebietes kennenlernen wollen, sei es, weil sie selber Analysen durchführen wollen, oder weil sie als Rezipienten bibliometrisch gewonnener Resultate besser Grenzen und Möglichkeiten dieses Gebietes erfassen wollen. Ich freue mich, eine erweiterte Fassung der kurzen Einführung in die Bibliometrie von 2009 vorlegen zu können. Ich habe eine Reihe von Anhängen mit mathematischen Ableitungen verwendeter Formeln hinzugefügt. Frei verfügbar als Ebook in der Deutschen Nationalbibliothek: http://d-nb.info/1113795433
Article
Full-text available
This paper quantifies to which extent preprints in arXiv accelerate scholarly communication. The following subject fields were investigated up to the year 2012: High Energy Physics (HEP), Mathematics, Astrophysics, Quantitative Biology, and Library and Information Science (LIS). Publication and citation data was downloaded from Scopus and matched with corresponding preprints in arXiv. Furthermore, the INSPIRE HEP database was used to retrieve citation data for papers related to HEP. The bibliometric analysis deals with the growth in numbers of articles published having a previous preprint in arXiv and the publication delay, which is defined as the chronological distance between the deposit of a preprint in arXiv and its formal journal publication. Likewise, the citation delay is analyzed, which describes the time it takes until the first citation of preprints, and articles, respectively. Total citation numbers are compared for sets of articles with a previous preprint and those without. The results show that in all fields but biology a significant citation advantage exists in terms of speed and citation rates for articles with a previous preprint version on arXiv.
Article
Full-text available
Open Access und Qualitätss icherung 1. Beschleunigung der Kommunikation Weil es möglich geworden ist, Dokumente in elektronischer Form sehr schnell und billig über das Internet zu verteilen, kommunizieren Forscher ihre Ergebnis- se immer mehr vor und unabhängig von einer Publikation in einem Journal mit peer review, indem sie sie im Netz frei zugänglich machen. Kritiker von Open Ac- cess mahnen die dabei fehlende Qualitätskontrolle an. In diesem Artikel sollen drei Wege beschrieben werden, die eine Qualitätskontrolle der im Netz veröffent- lichten und durch Suche gefundenen Dokumente ermöglichen: die öffentliche Begutachtung, aussagekräftige Zitationsindikatoren und Softwarewerkzeuge zur konstruktiven Erschließung von Literatur und Wissensgebieten. Der Zeitgewinn in der Wissenschaftskommunikation, den das Internet er- möglicht, geht in all den Fällen zum großen Teil verloren, in denen ein langwieri- ger Begutachtungsprozess die Publikation verzögert. Der Gewinn an Qualität und Verlässlichkeit durch peer review kann vergrößert werden und der Zeitge- winn erhalten bleiben, wenn nicht nur zwei, drei Fachkollegen die Ergebnisse und ihre Darstellung im vorgelegten Aufsatz begutachten, sondern in einer öf- fentlichen Prozedur alle am Gegenstand Interessierten. Dies ist der Grundgedan- ke des open peer review, einer ganz oder teilweise öffentlichen Begutachtung durch Fachkollegen.
Article
Full-text available
Unrestricted access to scientific publication is a decisive prerequisite for scientific research. In view of the trend toward concentration in the publishing sector and of inflation, especially in journal publishing, the open access movement advocates free-of-charge access to publications and as well as to research data, software and digital versions of cultural heritage. Various business models (e.g. original or post-print availability on open access servers of institutions or specialist associations; author-paid publishing instead of or combined with (as hybrid form) subscription-based publication) offer a wide spectrum of commercial publishing schemes. An important factor for future developments will be whether research funding agencies are prepared to view publishing costs as an integral element of research grants. A further question is whether free-of-charge open access of publicly sponsored research findings will become standard. Unrestricted access is an important prerequisite for the e-science research environments of the future, which will offer new styles of scientific endeavor in connection with networked communication and data sharing. Open access is also backed up by new commercial ventures such as the Google strategy of providing scanned literature and thereby steering users toward Google links in order to increase its advertising revenue.
Article
Die Debatte um das Urheberrecht in digitalen Umgebungen erlangte in Deutschland mit dem Heidelberger Appell im Jahr 2009 eine nie da gewesene Popularität. Bemerkenswerterweise scheint gerade in der im Appell vorliegenden provozierend gesetzten Zuspitzung sowie der zum Teil sehr polemisch geführten Begleitberichterstattung der Schlüssel zur Durchsetzung auf den Aufmerksamkeitsmärkten der deutschen Öffentlichkeit zu liegen. Die daraus zwangsläufig entstehenden Missverständnisse und Fehlinterpretationen erweisen sich für einen lösungsorientierten Dialog jedoch als äußerst hinderlich. Besonders die von den Hauptinitiatoren des Appels vorgetragenen Attacken gegen die Open-Access-Bewegung erscheinen bei genauerer Hinsicht weniger als eine dialogisch ausgerichtete Kritik denn als Störmanöver, das die digital vermittelte Wissenschaftskommunikation nachhaltig diskreditieren soll.
Article
HE SUBJECT OF THIS ESSAY is a problem in the sociology of science that has long been of interest to me. That problem, a candid friend tells me, is somewhat obscured by the formidable title assigned to it. Yet, properly deci- phered, the title is not nearly as opaque as it might at first seem. Consider first the signal emitted by the Roman numeral II in the main title. It informs us that the paper follows on an earlier one, "The Matthew Effect in Science, " which I finally put into print a good many years ago.' The ponderous, not to say lumpy, subtitle goes on to signal the direction of this follow-on. The first concept, cumulative advantage, applied to the domain of science, refers to the social processes through which various kinds of opportunities for scientific inquiry as well as the subsequent symbolic and material rewards for the results of that inquiry tend to accumulate for individual practitioners of science, as they do also for organizations engaged in scientific work. The concept of cumulative advantage directs our attention to the ways in which initial comparative advan- tages of trained capacity successive increments of 7 s
Article
Student, collaborator and lifelong friend of Enrico Fermi, Emilio Segrè presents a rich, well-rounded portrait of the scientist, his methods, intellectual history, and achievements. Explaining in nontechnical terms the scientific problems Fermi faced or solved, Enrico Fermi, Physicist contains illuminating material concerning Fermi's youth in Italy and the development of his scientific style. Emilio Segre was awarded the Nobel Prize for Physics in 1959.
  • B Brecht
Brecht, B. (1978). Gedichte. Bd. VI, Berlin und Weimar: Aufbau- Verlag.