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Die pflanzlichen Makroreste der Mesolithstation Friesack

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Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpege in Brandenburg 29
Norbert Benecke, Bernhard Gramsch, Susanne Jahns (Hrsg.)
Subsistenz und Umwelt
der Feuchtbodenstation Friesack 4
im Havelland
Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Untersuchungen
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpege und Archäologisches Landesmuseum
Wünsdorf 2016
Inhalt
F. Schopper
Vorwort ..................................................... 7
B. Gramsch
Friesack 4 – eine Feuchtbodenstation des Mesolithikums in Norddeutschland .................... 9
S. Jahns, B. Gramsch, K. Kloss
Pollenanalytische Untersuchungen am mesolithischen Fundplatz Friesack 4, Lkr. Havelland,
nach Unterlagen aus dem Nachlass von Klaus Kloss ................................. 25
U. Schmölcke
Die Säugetierfunde vom präboreal- und borealzeitlichen Fundplatz Friesack 4 in Brandenburg ............ 45
N. Benecke
Die Tierreste aus den spätmesolithischen und neolithischen Besiedlungsphasen von Friesack 4 ............. 117
H. K. Robson
New ichthyoarchaeological data from the Mesolithic lakeshore settlement site of Friesack 4 .............. 160
H. Ullrich
Sumpfschildkrötenreste aus der mesolithischen Siedlung Friesack .......................... 178
St. Wolters
Die panzlichen Makroreste der Mesolithstation Friesack .............................. 189
189
Steen Wolters
Die panzlichen Makroreste der Mesolithstation Friesack Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
Zusammenfassung
Während der Ausgrabungen an der Mesolithstation Friesack
wurden zwischen 1977 und 1989 Proben für die Untersu-
chung panzlicher Makroreste genommen. Die Untersuchung
des im subaquatischen Milieu abgelagerten und daher gut er-
haltenen Materials erbrachte ca.125 000Samen, Früchte und
vegetative Reste, die sich 160 verschiedenen Panzensippen
zuordnen ließen. Die Probenauswahl deckt den gesamten
Zeitraum der mesolithischen Besiedlung vom Präboreal bis in
das frühe Atlantikum ab.
Das Artenspektrum lässt sich einer Reihe von Vegetations-
typen zuordnen, die die Schwimmblatt-, Ufer- und Sumpf-
vegetation, Hochstaudenuren, Ruderalvegetation, Xero-
thermrasen sowie Wälder und Gebüsche umfassen. Somit
ermöglichen die Makroreste ein detailliertes Landschaftsbild,
das von der aquatischen Vegetation über eine Verlandungsserie
bis zu den Trockenstandorten des mesolithischen Lagerplatzes
auf den Sandkuppen im Rhinluch reicht und damit die natür-
lichen und anthropogen beeinussten Standorte erfasst. Der
überwiegende Teil der Makroreste entfällt auf Wasser- und
Uferpanzen, wobei das Fundmaterial auf eine besonders
große Vegetationsvielfalt in der Röhrichtzone hindeutet. Im
Schichtkomplex II macht sich ab etwa 8700 cal. BC eine
deutliche Zunahme der Ruderalvegetation mit zahlreichen
stickstoiebenden Arten bemerkbar und sie erreicht im
KomplexIII zwischen 8300 und 7800 cal. BC ihre stärkste
Verbreitung. Dies schließt sowohl die feuchten Standorte in
Ufernähe als auch die trockene Ruderalvegetation auf der Sied-
lungskuppe ein und reektiert den zunehmenden anthropoge-
nen Einuss des Lagerplatzes auf die Landschaft, was durch
die gleichzeitige Zunahme der Xerothermrasenvegetation der
oenen Sandstandorte unterstrichen wird. Ein direkter Nach-
weis der mesolithischen Ernährung gelang nicht, doch die den
Lagerplatz umgebende Vegetation bot neben der Hasel ein
reichhaltiges Spektrum essbarer Panzen, die den Verzehr von
Sammelobst (Erdbeere, Brombeere), stärkehaltigen Panzen-
teilen (Teichrose, Rohrkolben), Blattgemüse (Feldsalat) und
weiteren Sammelpanzen (Gänsefu ß, Knöterich) ermöglichte.
Verkohlte Reste von Hasel, Teichrose und Rohrkolben legen
eine Zubereitung im Feuer nahe.
Einleitung
Das damalige Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam
führte in den Jahren 1977–1989 unter der Leitung von Bern-
hard Gramsch umfangreiche Ausgrabungen an den mesolithi-
schen Fundplätzen 4 und 27a nahe Friesack durch (z. B.
Gramsch 2000). Der Fundplatz liegt im Unteren Rhinluch,
etwa 60 km nordwestlich von Berlin (Abb. 1). Zusammen mit
dem angrenzenden Oberen Rhinluch und dem Havelländi-
schen Luch bildet es die brandenburgische Großlandschaft des
Luchlands, welches eine (ehemals) sumpge Landschaft mit
ausgedehnten Niedermooren darstellt, die sich nach der
Weichselvereisung an der Gabelung des Berliner und Ebers-
walder Urstromtals bildete. Begrenzt von etwas höheren
Grundmoränenplatten und Endmoränen der letzten Verei-
sung stellte es sich nach dem Abießen der Schmelzwässer als
eine Landschaft dar, welche von zahlreichen achen Still- und
kleinen Fließgewässern bedeckt war, die bereits im frühen Ho-
lozän verlandeten. Die während des Spätglazials auf den Tal-
sandächen und Grundmoränen geformten Dünen, die wie
Inseln aus der Seen- und Moorlandschaft herausragten, waren
Vorzugsstandorte der Besiedlung seit mesolithischer Zeit, wie
dies der auf einem Sandhügel bendliche Fundplatz4 zeigt.
Der seit 1910 bekannte Fundplatz fand früh auch das Interesse
paläobotanischer Studien, und Stoller (1927) sowie später
Bertsch (1953) führten bereits in der ersten Hälfte des 20. Jhs.
Untersuchungen zur Altersbestimmung der Kulturschichten
durch; lange vor der Einführung der Radiokarbondatierung.
Heute ist das Alter der Schichten aufgrund von fast 100Ra-
diokarbondaten im Detail bekannt (Gramsch in diesem
Band). Danach datiert die vielfach geschichtete Abfolge von
Sanden, humosen Sanden und Mudden, die in vier Schicht-
komplexen über 60Besiedlungen anzeigt (Gramsch 2000),
zwischen ca.9100 und 5500 v. Chr., also von der Vorwärme-
zeit (Präboreal) bis in die Mittlere Wärmezeit (Atlantikum).
Die Ausgrabungen wurden durch eine umfangreiche Bohr-
kampagne ergänzt, welche genauen Aufschluss über die nach-
eiszeitliche Gewässer- und Moorentwicklung im Unteren
Rhinluch lieferte (Kloss 1987a, 1987b). Zudem wurden von
Klaus Kloss, dem damaligen Pollenanalytiker des Museums
für Ur- und Frühgeschichte Potsdam, zahlreiche Proben zur
pollen- und makrorestanalytischen Bearbeitung entnommen.
Erste Pollendiagramme von Prolen aus den Grabungsschnit-
ten veröentlichte Kloss bereits 1987. Die Gesamtauswertung
der Pollenanalysen, welche auch die bisher unveröentlichten
Diagramme einschließt, stellt S. Jahns in diesem Band vor.
Diese können nun durch die Ergebnisse der Makrorestanalyse
ergänzt werden, wenngleich nur ein Teil der während der Aus-
grabung entnommenen Proben untersucht werden konnte.
Dennoch war die Anzahl der Proben ausreichend für die Re-
konstruktion der Vegetation des natürlichen Umfelds der Me-
solithstation anhand einer vegetationskundlichen Interpreta-
tion des identizierten Fundmaterials.
Material und Methoden
Etwa 500 Proben wurden systematisch von allen Grabungs-
schnitten und Schichten für eine künftige Bearbeitung der
190 Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
panzlichen Makroreste während der Ausgrabungskampag-
nen 1977–1989 entnommen. Das Material stammt aus den
Grabungsschnitten (Abb. 1), die durch den Uferbereich des
Friesacker Rhins bzw. durch dessen Verlauf während der frü-
hen Nacheiszeit führen. Aufgrund der sehr guten Ablage-
rungsbedingungen sind die Proben größtenteils ausgespro-
chen gut erhalten und selbst Schnüre, Seil- oder Netzfragmente
aus Weidenbast erhielten sich im wassergesättigten Milieu
(Kernchen/Gramsch 1989; Körber-Grohne 1995).
Aufgrund des erheblichen Zeitaufwandes wurde eine Bearbei-
tung sämtlicher Proben nicht in Betracht gezogen; zudem lie-
ßen sich nach vielen Jahren der Zwischenlagerung nicht mehr
alle Proben genau zuordnen. Für die vorliegende Untersu-
chung wurde sich auf Material aus den Grabungsschnitten C
und Z konzentriert, aus denen insgesamt 53Proben unter-
sucht wurden. Aus diesen Schnitten konnten die Proben zwei-
felsfrei den Fundschichten und damit auch den Schichtkom-
plexen zugeordnet werden und umspannen den gesamten
Zeitrahmen der mesolithischen Besiedlung (Tab. 1). Das Pro-
benmaterial von Fundplatz4 wird durch weitere acht Proben
des in vergleichbarer topographischer Situation gelegenen
Fundplatzes 27a (Abb. 1 rechts oben) ergänzt, welche etwa
zeitgleich mit den ältesten präborealen Schichten des Schicht-
komplexes I von Friesack4 sind (Groß 2014).
Der unterschiedlichen Mächtigkeit der Fundschichten ent-
sprechend war die Probenmenge nicht einheitlich und
schwankt zwischen 250 ml und ca.5 l/Probe, wobei 40Proben
mehr als 1 l Material enthielten. Alle Proben wurden nach drei
Fraktionen getrennt geschlämmt (Maschenweite 2–3,15 mm,
0,5–0,71 mm und 0,2–0,25 mm), panzliche Makroreste un-
ter einem Stereomikroskop mit 10–50facher Vergrößerung
ausgelesen und bestimmt und die Ergebnisse in der archäo-
botanischen Datenbank „ArboDat“ gesichert (Kreuz/Schäfer
2002). Bei den Untersuchungen wurde sich überwiegend auf
Früchten und Samen konzentriert. Die in den Proben reichlich
anfallenden Holzreste und Holzkohlen wurden nur stichpro-
benartig untersucht.
Ergebnisse und Diskussion
Überblick
Nahezu 125 000 Makroreste (Samen, Früchte, Knospen-
schuppen) von ca.160 verschiedenen Panzensippen konnten
identiziert werden. Bei etwa 130 davon gelang die Bestim-
mung bis zum Artniveau. Etwa die Hälfte aller Nachweise
(ca.63 000) el in den Schichtkomplex III (8300–7800 cal.
BC), in dem auch die durchschnittliche Zahl der Taxa pro
Probe mit 40 am höchsten war. Obwohl die Anzahl der Pro-
ben aus den ältesten Schichten im Sedimentationskomplex I
(9100–8700 cal. BC) ähnlich hoch war, wurden hier deutlich
weniger Panzenreste identiziert (22 000) und auch die Ar-
Abb. 1: Fundplätze 4 und 27 im Rhinluch
bei Friesack. Grün: Grabungsschnitte am Fund-
platz4. Mit freundlicher Genehmigung von
B. Gramsch
191Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
tenzahl pro Probe el mit durchschnittlich 18 viel geringer
aus. Die Nachweise in den beiden übrigen Komplexen entspra-
chen der geringeren Probenzahl. So wurden in Sedimenta-
tionskomplex II (8700–8400 cal. BC) 34 000Reste bei zwölf
Proben und im jüngsten Komplex IV (7200–5500 cal. BC)
6000 bei fünf Proben nachgewiesen. Die Zahl der Taxa je
Probe ist in den beiden Zeitscheiben mit 36 bzw. 33 in einer
vergleichbaren Größenordnung.
Das nachgewiesene Arteninventar lässt sich acht panzenso-
ziologischen Einheiten zuordnen (nach Rothmaler et al. 2002),
die sowohl die Wasser- und Feuchtstandorte im Uferbereich
des frühholozänen Gewässers umfassen, als auch von den hö-
her gelegenen Sandstandorten des mesolithischen Lagerplatzes
stammen (Tab. 2). Somit bestand die Möglichkeit, die vegeta-
tionskundlichen Folgerungen, die K. Kloss 1987 anhand von
pollenanalytischen Untersuchungen in zwei Standortvegeta-
Friesack 4 Schnitt Z Friesack 4 Schnitt C Friesack 27
Schichtkomplex IV
7200–5500 cal. BC
C/B1/S/5
C/K8/6
C/C3/6
C/K8/N/21
C/K8/N/22
Schichtkomplex III
8300–7800 cal. BC
Z/C02/16 -2 C/C0+C1/7
Z/F9/S/32b C/C3+C4 /17
Z/F8/S/5a3
Z/G8/6a
Z/F8/SW/6a
Z/G8/6a1
Z/F7/S/6a3
Z/F5/S/5b1 III
Z/F5/S/5b2
Z/F7/S/5b2 II
Z/G8/6b
Z/F8/S/6b
Z/F6/S/6b3
Z/G2/6c
Z/G8/N/6c2
Z/G8/6c2
Z/G5/6c2
Z/G4/6c2
Z/F5/S/6c2
Z/F6/S/6c2
Z/F7/S/6c2
Schichtkomplex II
8700–8400 cal. BC
Z/G2 /17 C/K3/23d
Z/G5/17 C/C3/8
Z/F4/S/17 C/C0/8a
Z/F4/S/8b C/K3/8a
Z/G4/8b C/K3+K5/8ab
Z/G1/8b C/K3/8b
Schichtkomplex I
9100–8700 cal. BC
Z- G1-9a C/K8/N/9 C/8/S/1
Z/C02/9a1 C/K3/9ab C/8/S/3
Z/G2/9b C/K3/N/13 C/8/S/6
Z/C02/13a C/K3+K5/10a1 C/3/N
Z/G1/10 C/K3+K5/10a2 D/8/N/b
Z/B03+B04/10a C/K3/10a3 D/8/N/a
Z/R2+B01/10a C/8/S/8
C/8/S/10
Tab. 1: Untersuchte Makrorestproben der Station Friesack
192 Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
tionskarten in präborealer und borealer Zeit zusammenfasste,
sowohl aus Sicht des Arteninventars als auch aus der Perspek-
tive der lokalen Vegetationsentwicklung am Fuß der Sied-
lungshügel zu erweitern. Die abgesicherte Chronologie der
einzelnen Schichtkomplexe und Fundschichten erlaubt darü-
ber hinaus eine gute zeitliche Auösung der Veränderung der
Vegetationszusammensetzu ng (Abb. 2).
Süßwasservegetation
Panz en der Süßwassers, insbesondere Vertreter der Schwi mm-
blattvegetation, zählen zu den häugsten Nachweisen im Ar-
Panzensoziologische Einheit (n) (%)
Süßwasservegetation (Nymphaeion, Potamogetonion, Hydrocharition) 9189 7, 3
Ufer- und Sumpfvegetation (Phragmition, Magnocaricion, Caricetalia nigrae) 67376 53,8
Grünlandvegetation und Hochstaudenuren (Molinio-Arrhenatheretea) 4267 3,5
Ruderalvegetation – frisch-feucht (Bidentetea, Artemisietea, Chenopodietea p.p.) 18606 14,9
Ruderalvegetation – trocken (Secalietea, Chenopodietea p.p.) 10251 8,2
Xerothermrasenvegetation (Sedo-Scleranthetea, Festuco-Brometea) 3515 2,8
Laubwälder und Gebüsche (Quercetea, Querco-Fagetea, Alnetea) 6424 5,1
Nadelwälder (Vaccinio-Picetea, Pulsatillo-Pinetea) 2667 2,1
verkohlte Panzenreste 558 0,4
Vari a 2421 1,9
125274
Tab. 2: Nachgewiesene Makroreste aus Friesack 4 und 27 aufgeschlüsselt nach panzensoziologischen Einheiten
Abb. 2: Prozentuale Anteile der Vegetationstypen aus dem
Fundmaterial von Friesack 4 chronologisch aufgeschlüsselt nach
Schicht komplexen
Abb. 3: Rechts: Unverkohlte und verkohlte Samen der Seerose
(Nymphaea alba – oben) und Teichrose (Nuphar lutea – unten).
Links: Unverkohlte Nabelwülste von Samen der Teichrose
teninventar. Teichrose (Nuphar lutea) und Seerose (Nymphaea
alba) treten in na hezu al len Proben auf und erreichen sehr hohe
Fundzahlen (Tab. 3). Vollständig erhaltene, der ca.5 mm gro-
ßen Samen der Teichrose sind allerdings seltener, in vielen Fäl-
len wurden nur die eindeutig identizierbaren Nabelwülste des
Samens gefunden (Abb. 3). Neben den dominanten Nachwei-
sen von Teich- und Seerose fällt das relativ große Artenspek-
trum auf, in dem nachfolgend Laichkräuter, Hornblatt-Arten
und Tausendblatt zu nennen sind. Diese nden sich heute in
der artenreichen Teichrosengesellschaft Myriophyllo-Nupha-
retum lutae, einer Charaktergesellschaf t des Verla ndungskom-
plexes eutropher Gewässer (Pott 1983), bei der Ceratophyllum
demersum, Myriophyllum spicatum und M verticillatum unter-
halb der Oberächenschicht aus Nuphar lutea, Nymphaea alba
und Potamogeton natans vorkommen. Hier fügt sich auch die
Krebsschere (Stratiotes aloides) ein, die an der Basis dieser
mehrschichtigen Schwimmblattgesellschaft wächst (Caspers
et al. 2012). Die Wassertiefen dürften maximal 4 m betragen
haben, doch weisen die Nachweise von Krebsschere und Was-
sernuss (Trapa natans) auf eher geringere Tiefen hin, was auch
die Bohrungen von Kloss (1987a) ergaben. Obwohl die trophi-
sche Amplitude des Myriophyllo-Nupharetum lutae auch wei-
ter gefasst werden kann, lässt das (weitgehende) Fehlen von
Armleuchteralgen (nur ein Nachweis) und Wasserschlauch in
Kombination dem reichlichen Auftreten von Teich- und See-
193Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
rose zusammen mit Rauem Hornblatt und Ährigem Tausend-
blatt auf einem schwach eutrophen Gewässerzustand schlie-
ßen. Dafür spricht auch das Vorkommen vom Glänzenden
Laichkraut (Potamogeton lucens), dessen biomassenreiche Pota-
mogetonetum lucentis-Gesellschaft (Pott 1992) in der Flach-
wasserzone zu den Röhrichten überleitet.
Die zahlreichen Nachweise von Vertretern der Schwimmblatt-
vegetation zeigen deuten an, dass die Verlandung im Präboreal
oensichtlich schon weiter fortgeschritten war, als dies Kloss
(1987b) aus seinen pollenanalytischen Daten abgeleitet hat.
Dies muss zumindest für die Bereiche am Fuße des Sandhü-
gels von Friesack4 gelten, wo die Vegetationskarte noch grö-
ßere oene Wasserächen zeigt. Den Befunden der Makro-
restanalyse zufolge war auch dieser Teil des alten Friesacker
Rhins mit einer dichteren Schwimmblattvegetation bedeckt,
und ist vergleichbar mit den Standorten am Fuß des Sand-
gels von Friesack27a, für den Kloss (1987b) bereits eine begin-
nende Verlandung ausgewiesen hat. Die Verlandung schreitet
im Verlauf des frühen Holozäns fort, wenngleich nicht ausge-
sprochen schnell, so dass ausgangs des Boreals am Fundplatz
Friesack4 weiterhin Wasserpanzen nachgewiesen wurden.
Die Anteile der Schwimmblattvegetation am Gesamtarten-
inventar nehmen von Schichtkomplex I bis III von 12,5 über
9 zu 6 % kontinuierlich ab und dokumentieren den Verlan-
dungsprozess (Abb. 2). Die erneute Zunahme in den jüngsten
Proben auf ca.15 % dürfte auf lokale Veränderungen des Was-
serregimes zurückzuführen sein, da mit einem Anstieg des
Grundwasserspiegels erst ab dem Spätholozän zu rechnen ist.
Darüber hinaus können auch prozentuale Eekte aufgrund
des geringeren Eintrags von Panzenresten trockener Stand-
orte eine Rolle spielen. Zumindest lässt sich die Existenz von
Gewässern am Fundplatz4 bis in die jüngste Zeit der Besied-
lung belegen, wie dies auch Kloss (1987b) in seiner Vegetati-
onskarte aus der jüngeren Besiedlungsphasen herausstellte.
Ufer- und Sumpfvegetation
Die Vertreter der Röhrichte, Großseggenriede und Braun-
seggensümpfe bilden die größte Gruppe der nachgewiesenen
Makroreste. Dies gilt nicht nur für die absolute Zahl der
Nachweise (Tab. 2), sondern auch für die Breite des Panzen-
spektrums, welches 40 verschiedene Sippen umfasst (Tab. 4).
Die Entstehung der Röhrichtvegetation an der Mesolith-
station Friesack zu Beginn des Präboreals hatte bereits Kloss
(1987a) herausgearbeitet, doch nun können die Nachweise
der panzlichen Großreste zu einer stärkeren standörtlichen
Dierenzierung beitragen. Dies gilt besonders für Vegeta-
tionstypen mit Beteiligung von Sauergräsern, wie z. B. ver-
schiedenen Seggenarten, Teichsimse und Zypergras, die pol-
lenanalytisch meist nur auf Familienniveau (Cyperaceae)
bestimmbar sind.
Zu den häugsten Nachweisen unter den Cyperaceen zählt die
Gewöhnliche Teichsimse (Schoenoplectus lacustris), die in na-
hezu allen Proben auftritt. Zusammen mit Rohrkolben (Typha
latifolia und T. angustifolia) und Schilfrohr (Phragmites austra-
lis) bildete sie das sogenannte Teichröhricht (Scirpo-Phrag-
mitetum), eine auch heute im Tieand auf mineralreichen
Mudden häug anzutreende Panzengesellschaft der amphi-
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Teichrose Nuphar lutea 92 5389
Weiße Seerose Nymphaea alba 85 3354
Laichkräuter Potamogeton spp. 29 44
darunter P. natans 8 5
P. lucens 5 8
P. berchtoldii 5 7
P. cf. gramineus 2 3
P.pectinatus 2 1
Rauhes Hornblatt Ceratophyllum demersum 18 16
Tausenblatt Myriophyllum spicatum/verticillatum 12 26
Wasserhahnenfuß Ranunculus aquatilis agg. 811
Krebsschere Stratiotes aloides 6323
Zartes Hornblatt Ceratophyllum submersum 5 3
Tannenwedel Hippuris vulgaris 5 3
Dichtes Fischkraut Groenlandia densa 3 5
Großes Nixkraut Najas marina ssp. marina 3 7
Najas marina ssp. intermedia 2 3
Armleuchteralgen Chara sp. 2 2
Wassernuss Trapa natans 2 1
Teichfaden Zannichellia palustris 2 1
Tab. 3: Spektrum der Wasserpanzen (Verband Nymphaeion, Potamogetonion, Hydrocharition)
194 Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
bischen Zone stehender bzw. langsam ießender Gewässer.
Hier fügen sich auch die häugen Funde von Sumpfpanzen,
wie dem Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) und ebenso
die weniger häugen, wie z. B. vom Aufrechten Igelkolben
(Sparganium erectum) ein. Das produktionsstarke, bis zu meh-
rere Meter hohe Teichröhricht kann in Tiefen von bis zu
150 cm unter Wasser stocken, wobei die Teichsimse in den
tiefsten Wasserpartien zur Dominanz gelangt und den An-
schluss an die Schwimmblattvegetation in der Uferzone bildet.
In der Seichtwasserzone kommt Phragmites stärker zur Gel-
tung und dürfte maßgeblicher Bestandteil der Schilftorfabla-
gerungen sein.
Noch häuger und ähnlich hochstet wie die Teichsimse wur-
den im Fundgut Früchte von Seggen nachgewiesen. Unter den
sicher bestimmten Nüsschen dominiert die Scheinzyper-Segge
(Carex pseudocyperus). Sie hat heute im Wasserschierlings-Ried
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Röhricht-Brennessel Urtica kioviensis 89 3469
Gemeinse Teichsimse Schoenoplectus lacustris 89 1436
Fieberklee Menyanthes trifoliata 85 2040
Seggen Carex spp. 84 5818
darunter: Carex pseudocyperus 70 3433
Carex rostrata/vesicaria 25 90
Carex ava agg. 3 2
Carex elata 2 1
Carex paniculata 2 2
Rohrkolben Typha latifolia/angustifolia 80 20899
Ufer-Wolfstrapp Lycopus europaeus 80 3727
Minze Mentha aquatica/arvensis 74 3639
Zungen-Hahnenfuß Ranunculus lingua 62 423
Binsenschneide Cladium mariscus 56 3139
Fluß-Ampfer Rumex hydrolapathum 49 148
Bittersüßer Nachtschatten Solanum dulcamara 39 61
Schilf Phragmites australis 33 618
Igelkolben Sparganium spp. 28 36
darunter: Sparganium angustifolium 21 23
Sparganium erectum 7 4
Sparganium emersum 2 1
Wasser-Ampfer Rumex aquaticus 26 175
Braunes Zypergras Cyperus fuscus 23 22256
Salz-Teichsimse Schoenoplectus tabernaemontani 23 37
Wasser-Schierling Cicuta virosa 13 8
Glieder-Binse Juncus articulatus-Typ 10 162
Gemeine Sumpfsimse Eleocharis palustris agg. 7 13
Sumpf-Labkraut Galium palustre 7 4
Wasser-Schwertlilie Iris pseudacorus 5 3
Sumpf-Blutauge Potentilla palustris 3 15
Gras-/Sumpf-Sternmiere Stellaria graminea/palustris 3 4
Blumenbinse Scheuchzeria palustris 3 3
Dreikant-Teichsimse Scirpus triqueter 3 2
Torfmoos Sphagnum sp. 3 2
Sumpf-Haarstrang Peucedanum palustre 2 2
Knotenblütige Sellerie Apium nodiorum 2 1
Aufrechter Merk Berula erecta 2 1
Kröten-Binse Juncus bufonius 2 1
Wasserfenchel Oenanthe aquatica 2 1
Quell-Sternmiere Stellaria alsine 2 1
Tab. 4: Spektrum der Röhricht-, Ufer- und Sumpfvegetation (Verband Phragmition, Magnocaricion, Caricetalia nigrae u. Ä.)
195Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
(Cicuto-Caricetum pseudocyperi) ihren Verbreitungsschwer-
punkt, einer Tieandsgesellschaft meso- bis eutropher Gewäs-
ser, die sich im Sommer stärker erwärmen und nur geringe
Wasserstandsschwankungen aufweisen (Pott 1992). Diese Ge-
sellschaft vermittelt oristisch und ökologisch zwischen den
Großröhrichten und Großseggenrieden, und bildet in windge-
schützter Lage bei fortgeschrittener Verlandung Schwingrasen
in aufgelockerten Beständen des Teichröhrichts (Freitag et al.
1958). Aus dem nachgewiesenen Arteninventar (Tab. 4) lassen
sich in dieser wuchsfreudigen Gesellschaft neben der Schein-
zyper-Segge der namensgebende Wasserschierling (Cicuta vi-
rosa), Ufer-Ampfer (Rumex hydrolapathum) und auch Sumpf-
Blutauge (Potentilla palustris) und Fieberklee (Menyanthes
trifoliata) hinzufügen. Insbesondere die zahlreichen Funde des
letzteren (Menyanthes tritt allerdings auch in anderen Verlan-
dungsgesellschaften auf ) zeigen, dass der Nährstogehalt der
Flachgewässer an der Mesolithstation Friesack keinesfalls als
rein eutroph sondern eher als mäßig nährstoreich angesehen
werden kann.
Auf einen geringeren Nährstogehalt weisen ebenso mehr als
3000Nachweise der Binsenschneide (Cladium mariscus) hin.
Die leicht kenntlichen schwärzlichen verholzten Früchte tre-
ten in den präborealen Schichten nur vereinzelt auf, nehmen
dann aber stark zu. Dies steht ganz im Einklang mit der ho-
lozänen Verbreitung dieses Wärmezeigers in Brandenburg
(Brande 2008), dessen aktuelle Vorkommen überwiegend auf
die Jungmoränenlandschaften beschränkt ist, was die Bin-
dung an basenreiche Standorte in kontinentalen Raum unter-
streicht. Cladium mariscus ist Torfbildner der Flachwasser-
zone und bildet eine eigene Panzengesellschaft – das
Schneiden-Ried (Cladietum marisci), welches wie das Wasser-
schierlings-Ried keine starken Wasserschwankungen verträgt
(Ellenberg 1996).
Auf den ach überschwemmten und trocken fallenden Stand-
orten breiteten sich Großseggenriede aus. Ein Teil der knapp
6000 Carex-Nachweise ließ sich nicht mit Sicherheit einer Art
zuordnen, da entweder die für die Bestimmung erforderlichen
Fruchtschläuche fehlten und/oder die Dierenzialmerkmale
der Carex-Nüsschen nicht deutlich genug ausgeprägt waren.
Anhand der sicheren Bestimmungen kann jedoch das Vor-
kommen von Schnabelseggen-, Blasenseggen- und Steifseg-
gen-Rieden angenommen werden. Eher lokal begrenzt traten
auf den wechselfeuchten Standorten zudem Zwergbinsen-
Teichbodengesellschaften mit Braunem Zypergras (Cyperus
fuscus) auf. Vertreter der Braunseggensümpfe spielten eine eher
nachrangige Rolle.
Die Vegetation der Röhrichte und Großseggenriede ist im
Fundspektrum nicht nur durch die dominanten Arten ge-
kennzeichnet. Zu den Charakterarten der Phragmitetea zäh-
len ebenso die in großen Mengen nachgewiesenen Reste von
Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Wasser-Minze (Mentha
aquatica) und Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara)
sowie die zu den feuchten Hochstaudenuren (Tab. 5) überlei-
tenden Arten, wie Wasserdost (Eupatorium cannabinum) und
Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris und L. thyrsiora).
Zu den Besonderheiten der Röhrichtvegetation zählt–nomen
est omen– die Röhricht-Brennnessel (Urtica kioviensis), deren
fossiler Erstnachweis mit dem Friesacker Material gelang
(Wolters et al. 2005). Morphologischen Studien haben ge-
zeigt, dass sich die Früchte von U. kioviensis (Abb. 4) nicht nur
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Wasserdost Eupatorium cannabinum 74 1513
Sumpf-Ziest Stachys palustris 64 910
Gilbweiderich Lysimachia vulgaris/thyrsiora 61 1222
Wiesen-Kerbel Anthriscus sylvestris 28 136
Kuckucks-Lichtnelke Lychnis os-cuculi 16 121
Wiesenraute alictrum avum/lucidum 10 18
Brennender Hahnenf Ranunculus ammula 8 7
Flecht-Simse Scirpus sylvaticus 791
Flatter-Binse Juncus eusus 764
Behaartes Weidenröschen Epilobium hirsutum 582
Scharfer Hahnenfuß Ranunculus acris 511
Gundermann Glechoma hederacea 5 4
Sumpf-Wolfsmilch Euphorbia palustris 2 5
Rosenrotes Weidenröschen Epilobium cf. roseum 2 4
Echter Baldrian Valeriana ocinalis agg. 2 4
Echtes Mädesüß Filipendula ulmaria 2 3
Sumpfdotterblume Caltha palustris 2 1
Pfennig-Gilbweiderich Lysimachia nummularia 2 1
Quell-Sternmiere Stellaria alsine 2 1
Tab. 5: Spektrum des Grünlandes und der Hochstaudenuren (Klasse Molinio-Arrhenatheretea)
196 Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
deutlich von den beiden anderen mitteleuropäischen Arten,
der einheimischen Großen und der archäophytischen Kleinen
Brennessel (Urtica dioica und U. urens), unterscheiden, son-
dern auch von allen anderen europäischen Urtica-Arten
(Abb. 5). Dies bedeutet, dass die Röhricht-Brennnessel an-
hand ihrer Früchte bis auf Artniveau bestimmt werden kann.
Damit ließ sich auch belegen, dass die heute in Brandenburg
relativ seltene Art schon seit der frühen Nacheiszeit, also seit
etwas mehr als 11 000Jahren, im Gebiet einheimisch ist und
ein bedeutender Bestandteil der Friesacker Röhrichtvegetation
war. Insgesamt wurden etwa 3500Früchte über den gesamten
Zeitraum der Besiedlung erfasst und nur wenige Proben waren
frei von Urtica kioviensis.
Das Auftreten von der Röhricht-Brennnessel hat Konsequen-
zen für die Bewertung von Anzeigern menschlichen Einusses
in Pollendiagrammen. Erhöhte Pollenprozentwerte von Urtica
gelten als deutlicher Anzeiger für stickstoreiche Standorte in
Trittpanzen- und anderen Ruderalgesellschaften, die im Zu-
sammenhang mit menschlicher Besiedlung stehen (Behre
1981). Im Gegensatz zur Großen Brennnessel (Urtica dioica)
ist U. kioviensis jedoch eine oligo- bis mesohemerobe Art, d. h.
sie tritt nicht auf stark vom Menschen beeinussten Standor-
ten auf. Da eine pollenanalytische Trennung der beiden Arten
nicht möglich ist, ist die Interpretation von Pollendiagrammen
aus dem Verbreitungsgebiet von U. kioviensis keinesfalls ein-
deutig. Stammen die untersuchten Sedimente hier aus Seen
oder Fließgewässern, zeigen erhöhte Urtica-Werte im Pollen-
diagramm nicht notwendigerweise einen vom Menschen ver-
ursachten Stickstoeintrag an. Als Kloss (1987a) die Vegeta-
tionsentwicklung an der Mesolithstation Friesack untersuchte,
zog er die Möglichkeit des Vorkommens der Röhricht-Brenn-
nessel auch ohne den Nachweis der Makroreste in Erwägung.
Nun konnten seine Überlegungen durch die fossilen Nach-
weise bestätigt werden.
Grünlandvegetation und Hochstaudenuren
Tabelle5 listet Nachweise von Panzen auf, die heute ihren
Verbreitungsschwerpunkt in den Gesellschaften des Wirt-
schaftsgrünlandes (Molinio-Arrhenatheretea) haben, doch
derartige Vegetationstypen haben zur Zeit der mesolithischen
Besiedlung wohl nicht bestanden. Vielmehr nehmen die Ver-
treter dieser Gruppe eine Übergangsstellung zwischen den
Röhrichten und Großseggenrieden auf der einen Seite und den
feuchten Ruderalstandorten sowie Auewäldern und Moor-
gebüschen auf der anderen Seite ein.
Dabei dürften sich auf den nassesten Standorten mehr oder
weniger lichte Fluren (cf. Calthion) mit Sumpfdotterblume
(Caltha palustris), Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis os-cuculi),
Brennendem Hahnenfuß (Ranunculus ammula), Flatter-
Binse ( Juncus eusus) und Straußblütigem Gilbweiderich (Ly-
simachia thyrsiora) sowie Waldsimsen-Quellwiesen mit Scir-
pus sylvaticus ausgebildet haben. Auf Standorten mit etwas
geringerer Bodenfeuchte könnten von Hochstauden be-
herrschte Mädesüß-Fluren (cf. Filipendulion) mit Wasserdost
(Eupatorium cannabinum), Gelber Wiesenraute (alictrum
avum), Gemeinem Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris),
Sumpf-Ziest (Stachys palustris) und Wiesen-Kerbel (Anthriscus
sylvestris) bestanden haben.
Unter den genannten Vertretern gelten Wasserdost und Wie-
sen-Kerbel als ausgesprochene Stickstozeiger und belegen
den Übergang zu den Ruderalstandorten, doch auch Gunder-
mann (Glechoma hederacea) und das Behaarte Weidenröschen
(Epilobium hirsutum) treten häug in nitrophytischen Saum-
gesellschaften auf.
Ruderal- und Xerothermrasenvegetation
Den Bezug zur mesolithischen Besiedlung stellen Reste von
Panzen her, die typisch für oene Standorte sind, insbeson-
dere jene von Ruderal-, d. h. unter menschlichem Einuss ent-
Abb. 5: Vergleich rezenter Nüsschen ausgewählter europäischer Urtica-Arten. Ein subfossiles Nüsschen aus dem Fundmaterial von Frie-
sack4 ist in der Mitte eingefügt. Von links nach rechts: Urtica atrovirens, U. membranacea, U. dioica, U. kioviensis, U. kioviensis (subfossil),
U. morifolia, U. urens, U. cannabina, U. pilulifera
Abb. 4: Die Nüsschen der Röhricht-Brennessel (Urtica kioviensis)
sind denen der Großen Brennnessel (U. dioica) sehr ähnlich, er-
reichen aber mindestens die 1,5-fache Länge bei gleicher Breite.
Dadurch erscheinen sie im Umriss spindelförmig, im Gegensatz
zuden eiförmigen Früchten der Großen Brennnessel
197Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Große Brennessel Urtica dioica 72 3046
Was serdar m Myosoton aquaticum 54 4299
Ampfer-Knöterich Polygonum lapathifolium agg. 51 1743
Graugrüner/Roter Gänsefuß Chenopodium glaucum/rubrum 46 7493
Behaarte Segge Carex hirta 41 772
Floh-Knöterich Polygonum persicaria 25 873
Hecken-Windenknöterich Fallopia dumetorum 20 81
Kriechender Hahnenfuß Ranunculus repens 13 24
Vogelmiere Stellaria media agg. 13 16
Dreiteiliger Zweizahn Bidens tripartita 11 11
Spieß-Melde Atriplex cf. prostrata 10 27
Feigenblättriger Gänsefuß Chenopodium cifolium 10 18
Acker-/Sumpf-Kratzdistel Cirsium arvense/palustre 10 10
Niedriges Fingerkraut Potentilla supina 824
Milder Knöterich Polygonum mite 714
Breit-Wegerich Plantago major 531
Kleiner Knöterich Polygonum minus 510
Vielsamiger Gänsefuß Chenopodium polyspermum 5 4
Hohlzahn Galeopsis bida/tetrahit 3 3
Kleb-Labkraut Galium aparine 3 2
Sumpfkresse Rorippa palustris 2103
Gift-Hahnenfuß Ranunculus sceleratus 232
Gemeine Kratzdistel Cirsium vulgare 2 1
Stumpf blättriger Ampfer Rumex cf. obtusifolius 2 1
Rauhe Gänsedistel Sonchus asper 2 1
Erdbeer-Klee Trifolium fragiferum (Blüten) 2 1
Tab. 6: Spektrum der Ruderalpanzen feuchter bis frischer Standorte (Klasse Bidentetea, Artemisietea, Chenopodietea u. Ä.)
standenen Standorten. Das Fundspektrum deckt dabei die ge-
samte ruderale Bandbreite von feuchten (Tab. 6) über frische
bis zu trockenen (Tab. 7) Bedingungen ab, wie dies Massen-
nachweise von beispielsweise Ampfer-Knöterich (Polygonum
lapathifolium), Großer Brennnessel (Urtica dioica) und Gänse-
fuß-Arten (Chenopodium album und C. urbicum) belegen.
Trotz des Licht- und erhöhten Nährsto bedarfs können aller-
dings viele dieser Panzen auch in einer vom menschlichen
Einuss freien Umgebung auftreten. Auf diese Ambivalenz
hatte bereits Kloss (1987a) hingewiesen. Dies gilt besonders
für Panzen der Feuchtstandorte, die z. B. in den Spülsäumen
der Fließgewässer gedeihen können. Daher kommt den An-
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Stiefmütterchen Viola arvensis/tricolor 62 1721
Weißer Gänsefuß Chenopodium album 43 584
Feldsalat Valerianella locusta 39 381
Straßen-Gänsefuß Chenopodium urbicum-Typ 34 6045
Hirtentäschel Capsella bursa-pastoris 30 1304
Reiherschnabel Erodium cicutarium 16 162
Vogel-Knöterich Polygonum aviculare agg. 7 11
Taube Trespe Bromus sterilis 5 7
Hohlzahn Galeopsis bida/tetrahit 3 3
Purpurrote Taubnessel Lamium purpureum 2 1
Schutt-Kresse Lepidium ruderale 2 1
Tab. 7: Spektrum der Ruderalpanzen mäßig frischer bis trockener Standorte (Klasse Secalietea, Chenopodietea u. Ä.)
198 Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
zeigern der trockenen Ruderalstandorte für die Beurteilung
des Nutzungseinusses eine besondere Bedeutung zu, da sich
außerhalb der Überschwemmungsbereiche ein erhöhter Nähr-
stoeintrag auf den sandigen, relativ nährstoarmen Stand-
orten nur mit der menschlichen Siedlungstätigkeit erklären
lässt. Zudem weisen die Anzeiger dieser Standorte zusammen
mit den Elementen der Xerothermrasenvegetation (Tab. 8) auf
Erosionsvorgänge hin, die von den besiedelten Sandhügeln
während der Nutzungsphasen ausgingen.
Ein Großteil der Nachweise von Arten ruderaler Standorte
lässt sich den therophytenreichen Pionieruren zuordnen.
Dies sind kurzlebige Vegetationstypen entlang periodisch tro-
ckenfallender Fluss- und Seeufer. Aus dem Fundmaterial der
Mesolithstation Friesack lassen sich Parallelen zu den Teich-
schlamm-Gesellschaften (Bidention tripartitae) und Flußmel-
den-Fluren (Chenopodion rubri) herstellen. Zu deren Charak-
terarten zählt der Ampfer-Knöterich und auch der häug
nachgewiesene Wasserdarm (Myosoton aquaticum) hat hierin
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Silber-Fingerkraut Potentilla argentea-Typ 49 3182
Hainsimse Luzula campestris/multiora 16 17
Aufrechtes Fingerkraut Potentilla recta 13 37
Frühlings-Fingerkraut Potentilla tabernaemontani 10 81
Kleiner Sauerampfer Rumex acetosella agg. 8 64
Blutwurz Potentilla erecta 7 60
Doldenspurre Holosteum umbellatum 5 104
Pechnelke Lychnis viscaria 5 14
Quendel-Sandkraut Arenaria serpyllifolia agg. 3 21
Tüpfel-Johanniskraut Hypericum perforatum 2 8
Rundblättrige Glockenblume Campanula rotundifolia 2 2
Gewöhnliche Kölme Acinos arvensis 2 1
Moosfarn Selaginella selaginoides 2 1
Gemeine Lichtnelke Silene cf. vulgaris 2 1
Tab. 8: Spektrum der Xerothermrasenvegetation und Zwergstrauchheiden (Klasse Sedo-Scleranthetea, Festuco-Brometea, Nardo-
Callunetea)
Abb. 6: Oben: Verkohlte Karyopsen der Tauben Trespe (Bromus
sterilis) aus Schichtkompklex III. Unten: Früchte des Feldsalats
(Valerianelle locusta) wurden in 39% der Proben nachgewiesen.
Meist war nur das mittlere Fruchtfach erhalten. Das linke Exem-
plar ist verkohlt
einen Verbreitungsschwerpunkt, wenngleich er vorrangig in
den Auewäldern vorkommt. Neben der Zweizahn-Wasser-
pfeer-Gesellschaft (Polygono hydropiperis-Bidentetum) mit
Dreiteiligem Zweizahn (Bidens tripartita) und der Gesellschaft
des Gift-Hahnenfußes (Ranunculus sceleratus) waren oen-
sichtlich weite Teile des Ufers von der Gesellschaft des Grauen
und Roten Gänsefußes (Chenopodium glaucum und C. rub-
rum) bedeckt, wie sich dies anhand der von fast 7500Samen-
funden, die in nahezu der Hälfte aller Proben auftraten, ablei-
ten lässt.
Neben den typischen Vertretern der ausdauernden ruderalen
Staudenuren und der nitrophytischen Saumgesellschaften,
wie der Großen Brennnessel (Urtica dioica) oder dem Hecken-
Windenknöterich (Fallopia dumetorum) werden die meisten
anderen stickstoiebenden Arten heute verschiedenen Un-
krauturen von Halm- und Hackfruchtgesellschaften zuge-
ordnet, d. h. Panzengemeinschaften, die es in vorneolithi-
scher Zeit nicht gab. Zu den häugsten Nachweisen dieser
Sippen im Fundmaterial von Friesack gehören der auf frischen
Ruderalstandorten wachsende Floh-Knöterich (Polygonum
persicaria), sowie die eher trockenere Standorte bevorzugenden
Gänsefußarten (Chenopodium album und C. urbicum), Stief-
mütterchen (Viola arvensis und V. tricolor), Hirtentäschel
(Capsella bursa-pastoris) und der Feldsalat (Valerianella lo-
custa). Von letzterem war meist nur das mittlere Fach der drei-
teiligen Frucht erhalten (Abb. 6). Die Panzengemeinschaften
dieser Arten dürften dabei am ehesten den einjährigen Rude-
ralgesellschaften oener, nitratbeeinusster Böden ähneln, die
heute in der Ordnung der Sisymbrietalia zusammengefasst
und meist von Adventivpanzen geprägt sind (Pott 1992).
Bemerkenswert ist die geringe Widerspiegelung der Chenopo-
diaceen (und damit deren Vegetationstypen) in den Pollendia-
grammen (siehe Kloss 1987a und Jahns in diesem Band). Ob-
wohl nahezu 15 000Samen von verschiedenen Gänsefuß- und
Meldenarten unter den Makroresten nachgewiesen wurden,
199Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
bleiben die Chenopodiaceae-Werte selbst in den Pollendia-
grammen aus den gleichen Grabungsschnitten bei stets unter-
brochenen Kurvenverläufen sehr niedrig. Dies belegt nach-
drücklich, dass panzliche Makroreste einen deutlich besseren
Einblick in die Verbreitung der Ruderalstandorte erlauben, als
dies durch die Pollenanalysen möglich ist.
Die Nachweise des nur mäßig nitrophilen Reiherschnabels
(Erodium cicutarium) leiten von den trockenen Ruderalstand-
orten zu den trockensten und stickstoärmsten Standorten
am Fundplatz Friesack4 über (Tab. 8). Zahlreiche Funde von
Früchten des Silber-Fingerkrauts (Potentilla argentea) weisen
auf das Bestehen einer Xerothermrasenvegetation hin, in der
mit Dolden-Spurre (Holosteum umbellatum), Kleinem Sauer-
ampfer (Rumex acetosella), anderen lichtliebenden Fingerkräu-
tern (z. B. Potentilla tabernaemontani) und dem Quendelblätt-
rigen Sandkraut (Arenaria serpyllifolia) auch weitere Elemente
der Sandtrocken- und Halbtrockenrasen nachgewiesen wer-
den konnten. Diese Oenlandhabitate bestanden zweifellos
auf den höchsten Erhebungen und damit in einiger Entfer-
nung zu den Grabungsschnitten. Die Nachweise sind somit
das Ergebnis erosiver Vorgänge, wie z. B. Verschwemmung
oder Verwehung, welche die Diasporen in die Uferzone, in der
die Makroreste geborgen wurden, transportiert haben. Aus-
lösend war, wie für die Einschwemmung der Sandlagen, sehr
wahrscheinlich die Besiedlung des mesolithischen Lagerplat-
zes (Gramsch 2000). Das deutlich zeitversetzte Einsetzen der
häugeren Nachweise (erst ab ca.8700 cal. BC) zeigt, dass die
längere Nutzung des Platzes die Ausbreitung dieser Oen-
standorte förderte.
Insgesamt ist die deutliche Zunahme der Anzeiger ruderaler
Standorte im Verlauf der mesolithischen Besiedlung an der
Station Friesack4 (Abb. 2) auällig. Beträgt der Anteil der Ru-
deralsippen (incl. Xerothermrasenvegetation) im Schichtkom-
plex I noch ca. 7 %, steigt er in der zweiten Phase auf über
15 % und kulminiert im Schichtkomplex III auf beachtliche
41 %, bevor er im Komplex IV wieder auf etwa 13 % absinkt.
Zieht man dabei in Betracht, dass die Nachweise ruderaler Ve-
getation im Komplex I zum großen Teil lediglich auf Funde
der Großen Brennnessel zurückgehen, die ihre natürlichen
Standorte auch in den Auewäldern und Röhrichten hat,
scheint der anthropogen bedingte Stickstoeintrag in den äl-
testen Besiedlungsphasen recht gering gewesen zu sein. Erst ab
8700 cal. BC macht sich ein nachhaltiger Eintrag in der Vege-
tation bemerkbar, der zwischen 8300 und 7800 cal. BC seinen
Höhepunkt erreicht.
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Kiefer Pinus sylvestris 48 2636
Bärentraube Arctostaphylos uva-ursi 8 17
Heidelbeere Vaccinium myrtillus 3 13
Besenheide Calluna vulgaris 2 1
Tab. 9: Spektrum der Nadelwälder (Klasse Vaccinio-Picetea, Pulsatillo-Pinetea)
Wälder
Den pollenanalytischen Untersuchungen zufolge bestimmten
Kiefern die Waldvegetation der Umgebung. Dies bestätigen
die botanischen Makroreste, unter denen die Kiefer (Pinus syl-
vestris) zahlreich vorkam (Tab. 9). Dazu zählen Holz und
Holzkohle, die charakteristischen pergamentähnlichen, rötli-
chen Schüppchen der Borke sowie Samen, Knospenschuppen
und einige Nadelfragmente. Zwar wurden die Holzkohlen
nicht systematisch erfasst, doch belegt die auällige Häufung
der Pinus-Holzkohlereste belegt ebenso die bevorzugte Nut-
zung der Kiefer als Feuerholz auf dem Siedlungshügel.
Die häugsten Nachweise unter den Laubbwaldelementen
(Tab. 10) ist die Birke, deren Früchte zahlreich in Fundmate-
rial vorkamen. Da die Nüsschen in der Regel nur noch ohne
Flügel erhalten waren, konnten Sand-Birke (Betula pendula)
und Moor-Birke (B. pubescens) nicht unterschieden werden.
Die Mehrzahl der Nachweise dürfte jedoch auf die Moorbirke
zurückgehen, deren Bruchwälder Kloss (1987b) anhand moor-
stratigraphischer Untersuchungen bereits in seinen Vegeta-
tionskarten darstellte. Zusammen mit den Weidengebüschen
stellen die Birkenbruchwälder den landseitigen Abschluss der
Hydroserie dar und sind mit den wasserseitig gelegenen Vege-
tationstypen verzahnt. Dementsprechend können einige Ma-
krorestnachweise, die bereits bei der Vegetation der Ufer und
Hochstaudenuren behandelt wurden, auch aus den grund-
wassernahen Gehölzbeständen stammen, wie z. B. Wasser-
dost, Gilbweiderich oder Bittersüßer Nachtschatten. Das Vor-
kommen der Weide (und z. T. auch Pappel) wurde bereits
durch die Bestimmung der Bastfasern, die der Anfertigung
von Schnüren, Seilen oder Netzen dienten, belegt (Körber-
Grohne 1995). Die vorliegenden Untersuchungen der Makro-
reste ergänzen diese Funde durch Nachweise von Salix-Knos-
penschuppen und Früchten sowie Populus-Knospenschuppen.
Die Herausbildung artenreicher sommergrüner Laubmisch-
wälder vollzog sich, wie im gesamten Mitteleuropa, im Boreal.
Dies bestätigen die Pollenanalysen (Kloss 1987a und Jahns in
diesem Band). Von den neu hinzutretenden Baumarten fan-
den sich nur Knospenschuppen der Eiche. Ulme oder Linde
wurden nicht nachgewiesen. Unter den Laubwaldelementen
tritt allerdings die Hasel (Corylus avellana) besonders hervor.
Sie befand sich nachweislich in fast 50 % aller Proben– zu-
meist mit Nussschalenfragmenten. Die brandenburgischen
Befunde zur frühnacheiszeitlichen Einwanderung der Hasel
konnten im Wesentlichen bestätigt und ergänzt werden,
200 Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Birke Betula pendula/pubescens 70 4001
Hasel Corylus avellana 49 411
Dreinervige Nabelmiere Moehringia trinervia 43 504
Pappel/Espe Populus sp. 39 894
Weide Salix sp. 30 322
Himbeere/Brombeere Rubus idaeus/caesius/fruticosus 30 39
Erdbeere Fragaria vesca 26 172
Laubholz-Mistel Viscum album 10 33
Eiche Quercus robur/petraea 7 10
Blutroter Hartriegel Cornus sanguinea 7 6
Wald-Ziest Stachys sylvatica 3 3
Faulbaum Frangula alnus 3 2
Gemeiner Schneeball Viburnum opulus 3 2
Prsichblättrige Glockenblume Campanula persicifolia 2 17
Hopfen Humulus lupulus 2 6
Ahorn Acer sp. 2 1
Taubnessel Lamium album/maculatum 2 1
Tab. 10: Spektrum der Laubwälder, Moorwälder und Gebüsche (Klasse Quercetea robori-petraeae, Querco-Fagetea, Alnetea u. Ä.)
wenngleich die Funde etwas später datieren, als dies von pol-
lenanalytischen Untersuchungen im zentralen Brandenburg
bisher bekannt war (Enters et al. 2010; Wolters 2002). Die ers-
ten Haselvorkommen nden sich demnach ab etwa 8600 cal.
BC– in den präborealen Proben fehlt der Nachweis noch. Ab
etwa 8450 cal. BC treten Schalenfragmente regelmäßig auf,
bevor die Häugkeit von Corylus in den jüngsten Proben aus
dem frühen Atlantikum wieder abnimmt, wie dies auch aus
zahlreichen Pollendiagrammen Brandenburgs bekannt ist.
Zu den besonderen Funden zählen Reste von Gehölzen, für
die der paläobotanische Nachweis seltener gelingt. Neue Be-
lege liefern daher weiteren Aufschluss über das Einwande-
rungsverhalten bzw. Ausklingen dieser Arten im Gebiet. So
wurden ab ca.8450 cal. BC mehrfach Mistel-Epidermisfrag-
mente (Viscum album) nachgewiesen (Abb. 7). Ab ca.8250 cal.
BC traten Samen vom Blutroten Hartriegel (Cornus sanguinea)
und ab ca.8100 cal. BC Samen vom Gewöhnlichen Schnee-
ball (Viburnum opulus) auf (Abb. 8). Die Fundschicht mit Sa-
men der Echten Bärentraube datiert auf etwa 8700 cal. BC
und bestätigt damit das Überdauern von Arctostaphylos uva-
ursi im Präboreal Brandenburgs (Brande 1993).
Potentielle Nahrungspanzen
Von besonderem Interesse sind natürlich Nahrungspanzen
oder zumindest solche, die für die menschliche Ernährung
nutzbar wären. Von welchen Panzen sich allerdings die me-
solithischen Siedler tatsächlich ernährten, lässt sich nicht mit
Sicherheit feststellen, da das Fundspektrum zwar das Angebot
an essbaren Panzen, aber nicht die Nahrungsaufnahme
selbst belegt. Hortfunde, die eine Lagerung von Nahrungs-
panzen nahelegen, gab es im Friesacker Fundmaterial nicht,
ebenso wenig Paläofaeces, wie z. B. menschliche Koprolithen.
Daher können in den untersuchten Proben am ehesten ver-
kohlte Reste auf eine Nutzung hinweisen, doch ist die Summe
Abb. 7: Epidermisfragment der Mistel (Viscum album)
Abb. 8: Oben links: Echte Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi),
unten links: Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus), oben rechts
Blutroter Hartriegel, verkohlt (Cornus sanguinea), unten rechts
Blutroter Hartriegel, unverkohlt
201Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
Taxon Stetigkeit (%) Anzahl (n)
Teichrose Nuphar lutea 34 60
Hasel Corylus avellana 15 20
Gänsefuß Chenopodium spp. 13 23
Ampfer-/Floh-Knöterich Polygonum lapathifolium/persicaria 11 13
Trespe Bromus spp. 7 25
Reiherschnabel Erodium cicutarium 7 7
Rohrkolben Typha sp. 5 113
Hirtentäschel Capsella bursa-pastoris 3 19
Kuckucks-Lichtnelke Lychnis os-cuculi 3 17
Gemeinse Teichsimse Schoenoplectus lacustris 3 11
Silber-Fingerkraut Potentilla argentea-Typ 3 7
Seerose Nymphaea alba 3 6
Kleb-Labkraut Galium cf. aparine 2 8
Tab. 11: Übersicht über die häugsten verkohlten panzliche Makroreste (ohne Holzkohle)
der verkohlten Reste im Verhältnis zum gesamten Fundmate-
rial recht gering (Tab. 11), was auf eine gewisse Entfernung
von den Feuerstellen zur Uferregion zurückzuführen ist. Pro-
benmaterial von der Kuppe des Sandhügels stand nicht zur
Verfügung. Unabhängig von den verkohlten Resten ist jedoch
das Spektrum potentieller Nahrungspanzen an der Meso-
lithstation Friesack bedeutend größer.
An erster Stelle ist die Hasel zu nennen, die im Mesolithikum
wohl die wichtigste panzliche Nahrungsquelle darstellte, wie
zahlreiche Studien aus Mittel- und Nordeuropa zeigen (Zvele-
bil 1994; Regnell 2012). Neben den ca. 400 unverkohlten
Schalenfragmenten treten in 15 % der Proben auch verkohlte
Reste (Abb. 9) der kalorienreichen und lagerfreundlichen
Nüsse auf, wenn auch etwas zeitlich versetzt zu den ersten un-
verkohlten Schalenfragmenten. Verkohlte Haselnussschalen
können auf Rösten zum Zwecke der Lagerung (Holst 2010)
oder auf eine Nutzung als Brennsto hinweisen (Kubiak-Mar-
tens 1999). Interessant sind die Funde von verkohlten Samen
der Teich- und Seerose (Abb. 3), von denen erstere in etwa
einem Drittel aller Proben auftritt. Die Samen sind essbar und
ihre Verwendung als Nahrungsquelle wird wie die Nutzung
ihrer stärkereichen Rhizome, also jener Panzenteile, die
Nährstoe speichern, auch an anderen mesolithischen Fund-
plätzen, wie z. B. in den Niederlanden vermutet (Kubiak-Mar-
tens 2002). Die verkohlten Samen sprechen zumindest für
eine Zubereitung im Feuer.
Eine Verwendung der vegetativen Teile kann auch für den
Rohrkolben angenommen werden, dessen stärke- und protein-
reichen Rhizome geröstet zubereitet werden (Morton 1975).
Zudem ist die Nutzung von Ty p h a -Pollen zur Herstellung von
Mehl bekannt. Bemerkenswert ist dabei, dass Pollen vom
Rohrkolben einen viermal so hohen Vitamin C-Gehalt be-
sitzt, wie eine Zitrusfrucht (Arenas/Scarpa 2003). Während
die zahlreichen Funde von Teich- und Seerose, sowie Rohr-
kolben ein reiches Vorkommen dieser potentiellen Nahrungs-
panzen über den gesamten Zeitraum der Besiedlung nahele-
gen, dürfte die Wassernuss, die lediglich einmal nachgewiesen
Abb. 9: Verkohlte Schalenfragmente der Haselnuss (Corylus avellana)
wurde, nur eine untergeordnete Rolle für die Ernährung ge-
spielt haben.
Erdbeere, Himbeere, Brombeere und Heidelbeere sind klassi-
sches Sammelobst und mehr als 200Funde sprechen für ein
regelmäßiges Vorkommen in der Feldschicht der Wälder und
Gebüsche an der Mesolithstation Friesack. Neben diesen Sam-
melpanzen wurden nur wenige andere Panzen mit eischi-
gen Früchten nachgewiesen, wie Echte Bärentraube oder Blut-
roter Hartriegel. Zumindest Erstgena nnte ist essbar und wurde
während des Meso- und Neolithikums gesammelt (Åkerlund
2000; Bishop et al. 2009). Steinkerne des Blutroten Hartrie-
gels–in Friesack auch verkohlt vorkommend (Abb. 8)– kön-
nen zur Ölgewinnung genutzt werden, wie dies Regnell (2012)
anhand eines Massenfundes fragmentierter Steinkerne aus
dem Mesolithikum Südschwedens diskutierte. In Friesack al-
lerding ist die Zahl der Nachweise sehr gering und die Funde
können durchaus auf eine Verbreitung durch Vögel zurückzu-
führen sein.
202 Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
Weitere potentielle Sammelpanzen sind verschiedene Gänse-
fußarten, von denen Chenopodium album mit 1,5 mm Durch-
messer die größten Samen der nachgewiesenen Arten hat.
Mehr als 15 000 Chenopodium-Samen wurden nachgewiesen,
einige davon auch verkohlt. Die Samen können leicht aus den
Fruchtständen der Panzen abgestreift werden, enthalten
Stärke und weitere Nährstoe und sie können aufgrund einer
relativ harten Samenschale für einige Zeit gelagert werden.
Der Verzehr von Gänsefuß ist seit der Linearbandkeramik be-
kannt und Gänsefußsamen wurden auch wiederholt im Ma-
gen-Darm-Trakt von Moorleichen gefunden (Behre 2008).
Ein vergleichbarer prähistorischer Kontext ist auch von K-
tericharten, wie Polygonum lapathifolium und P. persicaria be-
kannt, von denen über 2500 Samen im Fundmaterial be-
stimmt wurden. Gleichermaßen ist ein Verzehr dieser Arten
als Blattgemüse vorstellbar, was ebenso für die Nesselarten
(Urtica dioica und U. kioviensis) und insbesondere für den
Feldsalat (Valerianella locusta) gilt, der in fast 40 % aller
Proben vorkam.
Letztlich sei auf die Nachweise von verkohlten Körnern der
Tauben Trespe (Bromus sterilis) hingewiesen (Abb. 6), deren
Standorte wie die des Feldsalats auf dem Siedlungshügel lagen
und deren besonders große Wildgras-Körner zur Nahrungs-
ergänzung gedient haben können.
Dank
Viele Hände und Augen ermöglichten die Bearbeitung der
panzlichen Makroreste. Hier sei besonders Bernhard Gramsch
für die unkonventionelle und doch erfolgreiche Lagerung der
Proben gedankt. Herzlichen Dank auch an Felix Bittmann und
seine unverzichtbare Hilfe bei der Bestimmung kritischer Taxa.
Susanne Stolze, Tanja Reiser, Claudia Schulenberg und Kat-
rin Behrendt zeichneten für die Aufbereitung der Proben
verantwortlich. Die Fotos der panzlichen Makroreste ist
den guten Augen von Tanja Reiser und Reina Siefkes zu ver-
danken, Rolf Kiepe sorgte für den digitalen Feinschli.
Herzlichen Dank!
203Wolters, Panzliche Makroreste der Mesolithstation Friesack
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Abbildungsnachweis
Alle Abb. Autor
Anschrift
Dr. Steen Wolters, Niedersächsisches Institut für historische Küsten-
forschung, Viktoriastr. 26 –28, 26382 Wilhelmshaven
wolters@nihk.de
... In addition, some locally occurring herbs had the potential to be used as additional food sources (Kaliečyc, 2018;Navahrodski, 2000). Herbs such as Urtica, Allium and representatives of both the family Chenopodiaceae (e.g., Chenopodium album) and the family Apiaceae (e.g., Angelica archangelica, Daucus carota) could have been used as vegetables (Bos & Urz, 2003;Itkonen, 1921;Vanhanen & Pesonen, 2016 (Kirleis et al., 2020;Kubiak-Martens, 2002;Warren et al., 2013;Wolters, 2016). In summary, these macro-botanical data, along with the concurrent evidence of increased amounts of charcoal and the presence of fish scales and fish bones in the sediment, can be linked to a relatively high level of local settlement activity during this time. ...
... The same is true for the family Polygonaceae (e.g. Persicaria lapathifolia, Persicaria maculosa;Vanhanen & Pesonen, 2016;Wolters, 2016). Filipendula ulmaria and Solanum dulcamara may have been used as medicinal plants(Bos & Urz, 2003;O'Neill & Rana, 2016). ...
Article
The paper presents the results of a palaeoecological study of Neolithic archaeological layers from a wetland, multilayer site, Serteya II (Western Russia). It contains , domestic structures, rich organic artefacts, skeletons, and ecofacts preserved within lacustrine deposits that are extremely important on a European scale. We employed a set of specialised palaeoecological analyses and accelerator mass spectrometry radiocarbon dating to identify the principal environmental conditions which attracted Neolithic hunter-fisher-gatherer communities from 4300 to 1600 cal. BC. The distinct impact of communities using a nonproductive economy on the ecology of the palaeolake shore zone was recorded. Also, palaeolake water level changes influenced the palaeoeconomic activity of local Neolithic societies, such as gathering of plants (for the medicinal use or serving as dietary components), fishing activities, and possible funeral practices. In addition, the identified phases of high-water level changes, which were responses to climatic oscillations, were correlated with supraregional climatic events, especially ca. 6.2, 5.9, and 4.2 ka cal. BP. Thus, our results allowed for the reconstruction of environment transformations and conditions of Neolithic communities' activity, as well as for a better understanding of the relationships between local Neolithic communities' way of life and neolithisation processes in Eastern Europe.
... In contrast, the contemporaneous Friesack sites (Gramsch, 2000(Gramsch, , 2016Groß, 2017) were seasonal camps which had been repeatedly occupied over longer periods. Here, hazel was present as well (Wolters, 2016) but hunting played the major role for human subsistence. The differences between the two selected study regions highlight the diverse appearance of activity areas within the early Holocene landscape and provide concrete insights into the variability in usage, exploitation and shaping of environments during that period. ...
Article
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Like any other living being, humans constantly influence their environment, be it intentionally or unintentionally. By extracting natural resources, they shape their environment and also that of plants and other animals. A great difference setting people apart from all other living beings is the ability to construct and develop their own niche intentionally, and the unique tool for this is cultural behaviour. Here, we discuss anthropogenic environmental changes of hunter-gatherers and present new palaeoecological and palynological data. The studies are framed with ethnoarchaeological data from Western Siberia to gain a better understanding of how different triggers lead to coping mechanisms. For archaeological implication, we use two Mesolithic case studies from Germany: One of them focuses on hazelnut economy around ancient Lake Duvensee, and the other broaches the issue of selective roe deer hunt and its consequences at the site of Friesack. We address the archaeological evidence from the perspective of active alteration and its consequences, starting our argumentation from a perspective of niche construction theory. This approach has rarely been applied to early Holocene hunter-gatherers in Northern Europe even though the available data render possible to discuss human–environment interaction from such a perspective. It is demonstrated that archaeological research has tools at hand that enables to detect anthropogenic niche construction. However, the ethnoarchaeological example shows limitations and archaeologically invisible triggers and consequent results of human adaptations. The critical revision of such perspectives based on empirical data provides a better understanding of social and environmental transformations in the early- and mid-Holocene.
... Bulrush (Typhaceae) rhizomes were probably also used. Water chestnut (Trapa natans) was only identified once, and may not have been important (Wolters 2016). The contribution of plant resources to overall human diets in each occupation phase is unknown. ...
Article
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Recent studies have shown that faunal assemblages from Mesolithic sites in inland Northern Europe contain more fish remains than previously thought, but the archaeological and archaeozoological record does not reveal the dietary importance of aquatic species to hunter-gatherer-fishers, even at a societal level. For example, the function of bone points, as hunting weapons or fishing equipment, has long been debated. Moreover, traditional methods provide no indication of variable subsistence practices within a population. For these reasons, paleodietary studies using stable isotope analyses of human remains have become routine. We present radiocarbon (14 C) and stable isotope data from nine prehistoric human bones from the Early Mesolithic-Early Neolithic site of Friesack 4, and isotopic data for local terrestrial mammals (elk, red deer, roe deer, wild boar, aurochs, beaver) and freshwater fish (European eel, European perch). The reference data allow individual paleodiets to be reconstructed. Using paleo-diet estimates of fish consumption, and modern values for local freshwater reservoir effects, we also calibrate human 14 C ages taking into account dietary reservoir effects. Although the number of individuals is small, it is possible to infer a decline in the dietary importance of fish from the Preboreal to the Boreal Mesolithic, and an increase in aquatic resource consumption in the Early Neolithic.
Article
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Results of palaeoecological investigations on six pollen cores from different mires within the “Döberitzer Heide” nature reserve north of Potsdam are presented. These six new pollen diagrams, four of them radiocarbon dated, have enabled history of vegetation and human activity to be reconstructed in considerable detail for the last 14.000 years. Based on the results presented and a review of 20 additional pollen diagrams a new subdivision of Late-glacial and early Holocene vegetation development in Brandenburg is suggested. At many sites vegetation development is recorded from the Meiendorf interstadial onwards although the Oldest Dryas and Older Dryas stadials as well as the Rammelbeek phase of the Preboreal are poorly expressed. The natural vegetation on dry morainic soils around A.D. 800 consisted of oak-rich Pinus-Quercus petraea-woodland. The existence of the often postulated Tilio-Carpinetum as a natural vegetation type on these sites could not be confirmed. Quercus robur-Betula woodland, initially favoured by a rise of water table around A.D. 600, prevailed on moist ground. Human impact dates back to the Neolithic. Although arable farming was of some importance in the late Bronze Age it was not until Slavic times (A.D. 800) that anthropogenic activities began to have lasting impact upon the landscape. Due to major clearances the Döberitzer Heide was almost treeless during the high Medieval period. Woodland regeneration took place from the 14th to the 17th century, before renewed farming activity, associated with the Döberitz manor, began about A.D. 1710. The present lime stand of Döberitz is approximately 100 years old and originated from the 300 year old lime avenue, which today traverses the stand. The lime-invasion of arable land started when farming activity ceased due to the conversion of the „Döberitzer Heide“ into a military training field about A.D. 1900. The expansion of lime results from the proximity of seed sources and the hugh seed production of the old trees of the avenue. Favourable soil conditions on former arable land and lack of competition allowed the development of a large bank of saplings. The mire development in the investigation area varies considerably but is often characterised by a mid Holocene stratigraphic hiatus.
Article
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Among plant remains from Mesolithic layers dating from 9249 to 7779 B.C. at the excavation site of Friesack IV in north-eastern Germany, nutlets of Urtica kioviensis were identified. Morphological studies have shown that they clearly differed from all other European Urtica species investigated. In contrast, pollen morphological investigations revealed only slight differences between the central European Urtica species, which could hardly have been noticed during routine or normal pollen analyses. The records of U. kioviensis nutlets are the first subfossil finds reported and prove the indigenous status of this taxon in north-eastern Germany. The records are discussed in the context of the overall species spectrum of the Mesolithic layers and consequences for the interpretation of pollen analytical studies concerning human impact are pointed out.
Article
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Roots and tubers, together with other plant storage organs such as rhizomes, bulbs, corms, etc. are known to be a source of human food. Until very recently, however, remains of root foods were rarely identified from archaeological contexts in temperate Europe. New evidence for the use of root foods has been recently recovered from the early Ertebølle settlement at Halsskov in Denmark. Remains included charred bulbs of Allium cf. ursinum and tubers of Conopodium majus. They were accompanied by charred remains of parenchymatous tissues derived from underground parts of other plants. All parenchymatous remains were recovered from features that could be interpreted as pit-cooking depressions. A minimum of two periods of root food gathering can be assumed, spring to early summer and autumn. The presence of charred seeds of Nuphar pumilum suggests that either the seeds or rhizomes (or both) were use as food.
Article
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New investigations of two archaeobotanical finds are presented: a large assemblage of pure fruits of Polygonum lapathifolium from Bremen-Strom, Germany and the gut contents of a bog body from Kayhausen near Oldenburg, Germany. The general question is to find out for sure which herb species were intentionally gathered for human consumption. To accept species as such, they have to fulfil mainly two criteria: they must occur in large and pure assemblages, separated from other species, and they should occur regularly in the stomach or gut of dead bodies. To ensure this, the data from all bog bodies whose intestines have been examined were compiled and in addition to this, fossil assemblages of the species in question were put together. It turned out that apart from gathering in the wild, the collection of seeds and fruits from weeds in the process of crop cleaning was a major source of their edible diaspores. Obviously some common weeds, obtained in this way, were welcome as an addition to human diet and received the status of secondary cultivated plants. The following six species are regarded as having surely been deliberately collected and used in human diet: Polygonum lapathifolium, Chenopodium album, Spergula arvensis, Fallopia convolvulus, Bromus secalinus and Glyceria fluitans. Another two, Setaria sp. and Rumex acetosella probably complete this list.
Article
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Tybrind Vig is a late Mesolithic (Erteblle) coastal settlement, dated to the period 5600–4000 BC. The site has yielded some very important finds associated with fishing activity, probably the best preserved example from the Mesolithic in Europe. Recently analysed botanical samples from submerged cultural deposits have provided evidence for the contribution of plants to the subsistence diet of the inhabitants of Tybrind Vig. The food plant remains are represented by the charred fragments of parenchymatous tissue from roots ofBeta vulgaris ssp.maritima (sea beet), fragments ofQuercus sp. parenchyma (acorn), and shell fragments ofCorylus avellana (hazelnut). The possibility that the grains ofGlyceria fluitans (floating sweet grass) and stems ofPhragmites australis (reed) were collected for food should not be excluded. In addition to the species identified in the charred remains, an abundance of edible plant seeds and fruits were represented in the waterlogged remains, suggesting that a much broader range of food plants was available in the area. These additional foods could have included a large variety of wild berries and other fruits, such asRubus idaeus, R. caesius, Fragaria vesca, Malus sylvestris, Cornus sanguinea, Crataegus monogyna/laevigata, Sorbus aucuparia, Viburnum opulus andRosa spp. Several other plants could have been gathered as green vegetables (Rumex crispus, Urtica dioica andCakile maritima), or could have been utilized for both their greens and seeds (Chenopodium album, Atriplex andScirpus maritimus).
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Lacustrine sediments in north-eastern Germany have rarely been used as archives to address the effects of climate change and human impact on both lake ecosystem and landscape evolution for this region. Sacrower See, a hardwater lake located in Brandenburg, provides a unique sediment record covering the past 13,000 years which was used to reconstruct climatic and anthropogenic forcing on lacustrine sedimentation. Time control is provided by 12 AMS 14C dates of terrestrial plant remains, the Laacher See Tephra, and the onset of varve formation in AD 1870 (80 cal. BP). Geochemical (including XRF logging of major elements, CNS analyses as well as δ13Corg and δ15N measurements) and pollen analyses allowed detecting detailed environmental changes in the sediment record. During the Younger Dryas cold phase increased soil erosion and hypolimnetic oxygen depletion enhanced the nutrient supply to the lake water causing eutrophic conditions. The beginning of the Holocene is characterized by large changes in C/N ratios, total sulphur, δ13C of bulk organic matter as well as in K, Si, and Ti, reflecting the response of the lake’s catchment to climatic warming. Reforestation reduced the influx of detrital particles and terrestrial organic matter. The first, rather weak evidence of human impact is documented only in the pollen record at 5,500 cal. BP. However, until 3,200 cal. BP sedimentological and geochemical parameters indicate relatively stable environmental conditions. During periods of intense human impact at around 3,200, 2,800, and 900 cal. BP peaks in Ti and K represent phases of increased soil erosion due to forest clearing during the Bronze Age, Iron Age, and Medieval Times, respectively. In general, greater variation is observed in most variables during these perturbations, indicating less stable environmental conditions. The steady rise of biogenic silica accumulation rates during the Holocene reflects an increasing productivity of Sacrower See until diatoms were outcompeted by other algae during the last centuries. The applied multi-proxy approach fosters the interpretation of the sediment record to reveal a consistent picture of environmental change including environmental factors controlling lake ontogeny and the effects of human impact.
Article
The importance of wild and domestic plants within British Neolithic economies has been much disputed but the contribution of the Scottish archaeobotanical evidence has previously been understated. This paper assesses the use of plants in the Scottish Neolithic economy using the archaeobotanical evidence from 75 sites. It is argued that plant exploitation was geographically and socially diverse in Neolithic Scotland; while domestic plants became the mainstay of the economy for some social groups, wild plant exploitation remained an important part of the subsistence strategies of other groups. In this context, geographic, social and temporal differences in the importance of wheat and barley are also discussed. This paper is free to download from: http://archaeologydataservice.ac.uk/archives/view/psas/