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Trophäenjagd, Fütterung und Wildgatter – Widerspruch zur nachhaltigen Jagd?

Authors:
  • Conservation Frontlines Foundation
22. Österreichische Jägertagung 2016, 5 – 8
ISBN 13: 978-3-902849-33-5
Trophäenjagd, Fütterung und Wildgatter – Widerspruch zur
nachhaltigen Jagd?
Gerhard Damm1*
1 CIC Internationaler Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd, P O Box 411, Rivonia 2128, ZA
* Ansprechpartner: Gerhard Damm, gerhard@muskwa.co.za
Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt
Raumberg-Gumpenstein
Professor Fritz Reimoser hat schon vor mehr als einem halben
Jahrzehnt vor den Gefahren eines sich abzeichnenden Kon-
iktes gewarnt. Vor einem Konikt zwischen nachhaltiger
naturnaher Jagd und dem Abschuss künstlich hochgefütterter
Trophäenträger. Ob dieser Abschuss innerhalb von Gattern
oder in freier Wildbahn erfolgt, war und ist irrelevant. Das
Thema ist also nicht neu. Aber heute hat es eine neue und
für die Zukunftsfähigkeit der Jagd hochgefährliche Brisanz.
Ursprünglich handelte es sich bei dem angesprochenen Kon-
ikt um eine Auseinandersetzung zwischen einigen Grundbe-
sitzern und einer überwältigenden Jägermehrheit. Die einen
wollen ihre Eigentumsrechte und jagdlichen Geschäftsmo-
delle bewahren, die anderen streben nach weidgerechter,
naturnaher Jagd. Der österreichische Burlei in Bulgarien und
der unansehliche serbische Rehbock wurden zu Recht in der
Jagdpresse angeprangert. Aber diese Auseinandersetzungen
gelangten kaum oder nur begrenzt an die Öffentlichkeit.
Heute ist das anders. Schon im letzten Jahrzehnt hat sich
diese Entwicklung abgezeichnet. Die Aufzucht der soge-
nannten Kistenlöwen in Südafrika und deren keine jägeri-
sche Kunst erfordernde Abschuss, oder auch die Massen-
strecken von Wildsauen bei Gattertreiben haben schon seit
einigen Jahren in den gedruckten Medien Aufsehen erregt.
Die weltweite Vernetzung im Internet, und vor allem die
digitalen sozialen Medien wie Twitter, Facebook, Pinterest
und Instagram haben das Öffentlichkeitsinteresse fast ins
Unermesslichliche gesteigert. Dabei handelt es sich nicht
mehr um passive Nachrichtenkonsumenten, sondern eine
große Anzahl der Nachrichtenempfänger beteiligen sich
aktiv an Formulierung und Verbreitung. Das Internet hat
sich in den letzten Jahren rasend schnell zu gut genutzten
Plattformen für Antijagd-Aktivisten entwickelt.
Die wahrscheinlich illegale Tötung eines besenderten Mäh-
nenlöwen im Juli des vergangenen Jahres in Zimbabwe und
der in Südafrika gedrehte und weltweit verbreitete Film
„Blood Lions“ erzeugten eine bisher einzigartige jagdfeind-
liche Resonanz ungeahnter Stärke in allen Medien – digital,
gedruckt oder im Fernsehen. Als verantwortungsbewusste
und der jagdlichen Tradition verbundene Jäger müssen
wir schnellstens handeln, nicht nur um grösseren Schaden
abzuwenden, sondern um die Initiative im Kampf um die
Gesellschaftsmitte zurückzugewinnen.
Das Wort Trophäenjagd ist zumindest in der nichtjagenden
Öffentlichkeit bereits zum Schimpfwort mutiert. Fütterung
von Schalenwild wird mit dem Aufpäppeln von groteske
Hörner und Geweihe tragenden Zuchttieren gleichgesetzt.
Gatter werden als Jagdbordelle für tötungsgeile Schießer
angesehen! Wird trophäenorientierte Fütterung mit Zucht-
auswahl in Wild- oder Jagdgattern kombiniert und werden
dann die Trophäenträger auch noch abgeschossen, entsteht
eine toxische Mischung die von Jagdgegnern weidlich
ausgenutzt wird.
Die nachhaltige, naturnahe Jagd versinkt in diesem Strudel
aus Lügen, Halbwahrheiten und Wahrheiten. Unsere Passion
und unser Lebensinhalt, unsere jagdliche Identität, unsere
Jagdkultur und alles was uns jagdlich lieb und teuer ist, gera-
ten in Gefahr, auf Dauer gesellschaftlich geächtet zu werden.
Zentraleuropa mag heute noch eine jagdliche Insel der
halbwegs Glückseligen darstellen, aber die Ränder bröckeln.
In Afrika, Zentral- und Südamerika nimmt die Anzahl der
Staaten zu, welche die Jagd verboten haben. Fluggesell-
schaften nehmen offen Stellung gegen die Jagd, verbieten
den Transport von Jagdtrophäen, erschweren den Transport
von Jagdwaffen! Prominente Jäger werden öffentlich ange-
feindet. Wilderei, illegaler Handel mit Elfenbein und Rhi-
nozeroshörnern und legale Jagd werden in einem Atemzug
genannt und gar gleichgesetzt.
Es ist an der Zeit, dass wir die Menetekel an der Wand er-
kennen; dass wir einen ernsthaften gesellschaftlichen Dialog
mit dem großen nichtjagenden Teil der Bevölkerung führen.
Es ist an der Zeit, dass wir die Jagd und unser jägerisches
Tun durchleuchten und dem Zeitgeist des 21. Jahrhunderts
anpassen!
Das heißt natürlich nicht, dass wir jagdliche Traditionen
vergessen sollen; das heißt auch nicht, dass wir uns die
Freude am naturnahen Weidwerk nehmen lassen müssen;
und es heißt auch nicht, dass wir uns über eine weidgerecht
erjagte, kapitale Trophähe nicht freuen dürfen oder sollen.
Wir sind nun mal keine kühl berechnende Wildtiermanager,
die nur deshalb jagen, weil sie den Schutzwald vor gefrä-
ßigen Wildtieren retten wollen, die die Bevölkerung vor
marodierenden Bären oder Wölfen schützen, oder aber als
die obersten Wildschweinbekämpfer angesehen werden.
Wir sind keine ökologisch motivierte Killer.
Trophäenjagd ist häufig umstritten und die Menschen
haben für ihre Unterstützung oder Ablehnung vielfältige
biologische, wirtschaftliche, ideologische oder kulturelle
Gründe. Das kommt sicherlich auch daher, dass der Begriff
Trophäenjagd nicht richtig verstanden wird oder absichtlich
falsch interpretiert wird.
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Grundsätzlich ist aber wahr, dass sich richtig praktizierte
Trophäenjagd auf die Entnahme von wenigen meist alten
Tieren beschränkt. Trophäenjagd hilft, Schutzziele zu er-
reichen, schafft wirtschaftliche Anreize für den Erhalt und
das Management von Wildarten und ihrer Lebensräume.
Viele der Tierarten, die für Trophäen bejagt werden, sind
weit verbreitet und in ihrem Bestand gesichert.
Rothirsch, Rehbock oder Keiler sind Beispiele dafür im
mitteleuropäischen Raum. Jäger und Grundbesitzer haben in
Europa den Alpensteinbock und den spanischen Steinbock
vor dem Aussterben bewahrt. Heute können wir uns bei
beiden Arten über herausragende Trophäen freuen. Auch
seltene und bedrohte Tierarten können zum Nutzen für die
jeweiligen Wildbestände in die Trophäenjagd einbezogen
werden. Als Beispiele ausserhalb Europas möchte ich
hier nur die Schraubenziegen aus Pakistan und Tajikistan,
verschiedene Wildschafe in Zentralasien, sowie Spitz- und
Breitmaulnashörner im südlichen Afrika anführen. Bei all
diesen Wildarten sind die Bestände trotz, oder besser gesagt,
gerade wegen der Trophäenjagd gewachsen.
Sowohl das Washingtoner Artenschutzabkommen als auch
zusätzliche Regelungen der EU sorgen dafür, dass bei der
Trophäeneinfuhr alles mit rechten Dingen zugeht. Verstöße
sind selten. Die nachhaltige Trophäenjagd in den freien
Wildbahnen von Afrika, Asien, Nordamerika und Europa
gefährdet keine einzige Tierart.
Bei schlechtem Management kann die Trophäenjagd aller-
dings auch negative ökologische Auswirkungen haben, wie
zum Beispiel eine gestörte Alters- oder Geschlechterstruk-
tur, das Zerbrechen von Sozialverbänden, eine negative
genetische Auslese und im Extremfall den Rückgang von
Wildbeständen. Es liegt an uns Jägern, es nicht dazu kom-
men zu lassen. Das gilt sowohl im einheimischen Jagdrevier,
als auch für den Jagdtourismus in fernen Wildbahnen.
Gänzlich unnachvollziehbar wird die Trophäenjagd erst für
den Nichtjäger, wenn sie im Gatter ausgeübt wird. Jagdgatter
haben zwar in Europa eine Geschichte von mehreren Jahr-
hunderten. Aber Fritz Reimoser erwähnte bereits in seinem
2009 erschienenen Diskussionsbeitrag, dass Manipulationen
von Gatterwild durch speziell entwickelte Zucht-, Fütte-
rungs-, Transport- und Vermarktungstechniken ermöglicht
werden. Diese Methoden widersprechen den Prinzipien
einer zeitgemäßen, nachhaltigen Jagd und den ethischen
Grundsätzen großer Teile der Gesellschaft. Zwangsläug
wird „Die Jagd“ dann wegen mangelnder Unterscheidung
zwischen nachhaltiger Jagd und anderen als „Jagd“ be-
zeichneten Aktivitäten immer stärker ins Zwielicht gerückt,
sagte Reimoser.
Gemeinhin werden in Gattern Wildarten speziell gezüchtet
und die Trophäen dieser Tiere werden mit allen möglichen
Mitteln maximiert. Hormonzugaben und Kraftfutter stehen
auf dem täglichen Futterplan, selektive Zuchtmethoden aus
der Viehzucht sollen Geweihgewicht und Endenzahl bei
Rothirschen auf Rekordniveau bringen.
Die neuseeländischen Rothirschzüchter und nordameri-
kanische Weißwedelhirschzüchter haben hier geradezu
weltmeisterliche Leistungen vollbracht. In Südafrika werden
oft ganz bewusst populationsgenetische Charakteristika ge-
fördert, die nicht im Einklang mit der natürlichen Selektion
stehen. Daraus entstehen dann zum Beispiel Springböcke
in allen möglichen Farbschattierungen, goldene Gnus und
kupferrote Oryx. Noch schlimmer dran sind die bedauerns-
werten Kistenlöwen, die in Kägen aufgezogen und mit
Eselseisch gefüttert einem traurigen Ende entgegensehen.
In der 2007 verabschiedeten Europäischen Charta über
Jagd und Biodiversität wird den in Österreich von Forst-
ner und Kollegen entwickelten und 2006 veröffentlichten
Prinzipien, Kriterien und Indikatoren für nachhaltige Jagd
Rechnung getragen. Danach entsprechen Abschüsse von
Gatterwild nicht den Nachhaltigkeitsgrundsätzen der Jagd
und gefährden die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd.
Nach dem jagdlichen Nachhaltigkeits-Bewertungssystem
von Forstner et al. erfüllt weder die Weitergabe noch die
Freilassung von Wildtieren aus Gattern und Volieren zum
Abschuss die Anforderungen der nachhaltigen Jagd.
Die Weltnaturschutzunion IUCN hat in den im Jahr 2012
verabschiedeten Leitlinien für die Trophäenjagd die Tro-
phäenjagd auf Tiere in Gehegen ebenfalls als nicht natur-
schutzkonform abgelehnt.
Nun ist aber Gatter nicht gleich Gatter. Nicht jedes Gatter ist
ein Jagdbordell. Es gibt sicherlich auch eine ganze Anzahl
gut geführter Gatter. Dort werden einheimische Wildarten
gehalten und die Wilddichte den natürlichen Gegebenheiten
angepasst. In diesen Gattern ist nicht nur gewährleistet, dass
dem Wild ausreichend Lebensraum und natürliche Äsung
zur Verfügung stehen, sondern auch, dass die Bestands-
struktur stimmt. Außerdem wird in solchen Revieren die
Bejagung äußerst behutsam durchgeführt. Das kann dann
durchaus zu einem guten Jagderlebnis führen. Ob man dort
jagen soll oder will liegt allerdings in der individuellen
Entscheidung eines jeden Jägers.
In den 2012 veröffentlichten CIC Bewertungsregularien
erwähnt der CIC, dass die Jagd in umzäunten Gebieten
von angemessener Größe unter den Bedingungen einer
fairen und weidgerechten Jagd erfolgen kann. Solche Be-
dingungen liegen vor, wenn das bejagte Tier ein natürlich
vorkommender Teil einer nachhaltig wildlebenden Popula-
tion innerhalb eines ökologisch funktionsfähigen Systems
ist. Entsprechende Habitatvoraussetzungen und natürliche
Lebensgrundlagen wie Ernährung, funktionierende Sozial-
verbände und natürliche Vermehrung müssen gegeben sein.
Das gilt für alle Kontinente – nicht nur für Europa.
Trophäen von Wildtieren, die unter diesen Bedingungen
leben und innerhalb einer Umzäunung erlegt wurden, dürfen
nach dem CIC Bewertungssystem vermessen werden. In
dem Beurteilungsbogen muss jedoch deutlich angegeben
werden „aus Umzäunung“.
Natürlich brauchen wir gesellschaftlich konsensfähige Lö-
sungen für eine nachhaltige und naturnahe Jagd – und das
nicht nur hier in Österreich. Wir brauchen diese Lösungen
in Zentraleuropa, wir brauchen sie in Afrika und Asien;
wir brauchen sie überall auf der Welt. Und wir müssen
diese konsensfähigen Lösungen einleuchtend-prägnant
formulieren. Unsere Vorschläge müssen für den Nichtjäger
nachvollziehbar erläutert werden und in ihren Auswirkun-
gen auf die Natur überprüfbar sein.
Dabei geht es zuallererst einmal um Begriffsbestimmungen
und eindeutige Denitionen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel:
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In der deutschen Sprache entspricht das aus der heutzutage
oft als altmodisch angesehenen Jägersprache kommende
Wort Hege eher dem englischen Wort Conservation als das
deutsche Wort Naturschutz, mit dem Conservation üblicher-
weise übersetzt wird. Das in Mitteleuropa allgemein ver-
breitete und zumeist auch gesetzlich verankerte Hegegebot
verpichtet den Jäger, der Artenvielfalt des Wildes nicht zu
schaden. Das Hegegebot gilt auch für solche Wildarten, die
nicht bejagt werden. Gerade deshalb, und zum Wohle dieser
nichtjagdbaren Wildarten, wehren wir uns ja gegen die im-
mer wieder versuchten Einschränkungen des Jagdrechtes.
Auf der Negativseite wird die jägerische Hege in der Öffent-
lichkeit oft missverstanden. Daran sind wir Jäger nicht ganz
unschuldig. Auch heute noch wird Hege oft mit Zuchtaus-
wahl und „großen“ Trophäen gleichgesetzt – auch von vielen
Jägern. Oder mit einem möglichst hohen Wildbestand oder
mit nicht habitatgerechter Fütterung außerhalb wirklicher
Notzeiten. Oder allem zusammen in Kombination und dazu
noch in einem Gatter!
Die jägerische Hege hat aber zuallererst die Erhaltung eines
den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen
angepassten Wildbestandes zum Ziel. Artenreich und ge-
sund soll der Bestand sein. Hege umfasst auch die Pege
und Sicherung der Lebensgrundlagen der Wildtiere und vor
allem den weitestgehenden Erhalt naturnaher Landschaften.
Hege, Jagd und anderweitige Naturnutzung müssen deshalb
in integrative Konzepte eingebettet werden.
Ziel der Hege oder des Naturschutzes muss sein, Natur
und Landschaft auf Grund ihrer eigenen Werte und als Le-
bensgrundlagen der Menschen und des Wildes zu erhalten.
Hege, oder Naturschutz wenn Sie so wollen, ist in vielen
Ländern eine öffentliche Aufgabe und dient dem Staatsziel.
Jäger und ihre Hege sparen dem Fiskus mit ihrem Hobby
eine Menge Geld und leisten zudem noch einen freiwilligen
gesellschaftlich anzuerkennenden Beitrag.
Deshalb ist die richtig interpretierte jägerische Hege und
damit auch die nachhaltige Jagd meiner Meinung nach
durchaus konsensfähig. Wenn diese Suche nach einem brei-
ten gesellschaftlichen Konsens noch durch die Entwicklung
und Einführung eines transparenten Zertizierungssystems
für Hegesysteme unterstützt wird, wären wir einen großen
Schritt weiter. Der CIC arbeitet seit Jahren zusammen mit in-
ternationalen Partnern an einer praxisnahen Zertizierung.
Glauben Sie nicht, dass wir mit einer umfassenden Erklä-
rung des Wortes Hege auch bei Nichtjägern offene Türen
einrennen? Erkennen Sie, dass hier eine nahezu vollständige
Deckungsgleichheit der Interessen von Jägern und Nicht-
jägern vorliegt?
Mit einer neuen umfassenden Hegedenition werden wir
eine konsensfähige Aussage zur nachhaltigen Jagd machen
können! Das sollten wir eindeutig und klar kommunizieren
– innerhalb und außerhalb der Jägerschaft! Unsere Botschaft
ist dann nicht eine bloße Verteidigung der Jagd mit den
bisher üblichen Argumenten und Datenreihen.
Wenn wir uns in eine jägerische Wagenburg zurückziehen,
wenn wir nicht offensiv und mit stichhaltigen Argumen-
ten den vielfältigen Angriffen auf die nachhaltige Jagd
begegnen und letztendlich die Unterstützung der breiten
Öffentlichkeit verlieren, dann werden die naturnahen und
wildreichen Landschaften viel schneller verschwinden als
bisher vorhergesagt. Niemand will das – nicht wir Jäger und
auch nicht die nichtjagende Bevölkerung.
Wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, müssen wir doch
unverblümt zugeben, dass es uns in der Vergangenheit
schwergefallen ist, eine wirklich überzeugende Botschaft
zu unseren nichtjagenden Mitbürgern herüberzubringen.
Wir haben uns bisher auf den Artenschutz konzentriert;
wir haben unsere zumindest in den eigenen Augen edlen
Motive die uns zur Jagd bewegen herausgestellt, wir haben
Jagdsysteme und Jagdmethoden erklärt. Wir haben den
jagdlichen Beitrag zum Naturschutz auswendig herunterre-
zidiert. Immer wieder stellen wir unseren Mitbürgern einen
diffusen Cocktail aus ökologischen, wirtschaftlichen und
kulturellen Einzelinformationen vor.
Es geht aber auch einfacher – nachhaltige Jagd wird wohl
am besten mit der erwähnten Denition des Wortes Hege
beschrieben. Hege, im Sinne des englischen Wortes Con-
servation kann die gemeinsame Basis in unserer urbanen
Zivilisationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts werden. Ein
solcher Paradigmenwechsel wird neue Allianzen ermögli-
chen und liefert uns allen überzeugende Argumentationen
für die nachhaltige Jagd.
Public Relation Fachleute unter uns – vor allem aber die
jungen Jägerinnen und Jäger – sind sicher in der Lage, diese
Botschaft in Twitter und Hashtag-taugliche Nachrichten
umzuwandeln.
Zum Abschluss möchte ich einen wohlbekannten Natur-
schützer, Jäger, Autor und Politiker zitieren. Teddy Roo-
sevelt, der 26. Präsident der Vereinigten Staaten, Initiator
der Nationalparksbewegung dort, Mitbegründer des Boone
& Crockett Clubs und Autor vieler Jagdbücher hat uns vor
mehr als 100 Jahren gesagt „People don‘t care how much
you know until they know how much you care”.
Ich habe das etwas salopp und frei übersetzt:
Die Leute kümmert‘s nicht was wir Jäger über Wild und
Natur wissen, bis sie endlich wissen und erkennen, dass wir
uns um Wild und Natur kümmern!
Wir Jäger kümmern uns um Naturlandschaften und allem
was darin wächst, kreucht und eucht. Es liegt an uns, den
Beweis dafür zu erbringen und zu kommunizieren!
Literatur
Brainerd, S. (2009): Europäische Charta über Jagd und Biodiversität. Do-
kument der Berner Konvention T-PVS (2007) überarbeitet, Strassburg,
22. November 2007, 55 Seiten. Übersetzung durch den CIC internati-
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Unterstützung des Deutschen Jagdrechstages e. V. http://www.cic-
wildlife.org/wp-content/uploads/2013/04/Technical_series_2_DE.pdf.
CIC Division Angewandte Wissenschaft (2012): CIC-Regeln und Vorschrif-
ten für die Trophäenvermessung. Version.2012.09, Budapest, Ungarn.
Forstner, M., F. Reimoser, W. Lexer, F. Heckl and J. Hackl (2006): Sus-
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extended edition. Umweltbundesamt GmbH, Vienna, 2006. ISBN
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IUCN SSC (2012): IUCN SSC Leitlinien für die Trophäenjagd als Ins-
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IUCN, Gland. Übersetzung durch den CIC internationaler Jagdrat zur
Trophäenjagd, Fütterung und Wildgatter – Widerspruch zur nachhaltigen Jagd?
8
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Mysterud, A. (2010): Still walking on the wild side? Management actions
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Reimoser, F. (2009): Wildökologische Raumplanung − Spannungsfeld Jagd
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Trout, J. Jr. (2003): You Call this Fair Chase? Deer & Deer Hunting,
November 2003. Pages 110 to 120.
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Article
Summary1. Domestication is a process involving adaptations to man and the man-made environment. Semi-domestic animals are those for which humans have only partial control over breeding, mortality, space use and food supply, and that have not been greatly modified by artificial selection. They therefore appear more similar to their wild counterparts.2. The degree of domestication depends on the level of (i) human control over breeding, mortality, food supply, space use and thereby selection pressures; (ii) how much these differ from original states; and (iii) how strongly the phenotypic traits have been affected.3. Synthesis and applications. Both natural and sexual selection in man-made environments may differ, and some management actions move traits of hunted ungulates closer to those associated with a semi-domestic stage; depending on the harvest pressure and selectivity, fencing, artificial feeding and predator control. There is a trade-off between high productivity of hunted ungulate populations and retaining wild traits.
Wildökologische Raumplanung − Spannungsfeld Jagd und Farmwildhaltung
  • F Reimoser
Reimoser, F. (2009): Wildökologische Raumplanung − Spannungsfeld Jagd und Farmwildhaltung. Workshop und Exkursion Farmwildhaltung 2009, 7 – 8. ISBN: 978-3-902559-35-7.
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  • J Trout
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