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Förderung argumentativer Prozesse in sozialen Netzwerken durch Argumentationsskript und Group Awareness Tool

Authors:
  • Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz Saaarbrücken

Abstract

Soziale Netzwerke (z. B. Facebook) geben Gelegenheit, Gruppendiskussionen technologisch zu unterstützen, um argumentative Kompetenzen zu fördern. Langzeitstudien sind erforderlich, um langfristige Auswirkungen solcher Bildungstechnologien und Interventionen in authentischen Lernszenarien zu untersuchen. Diese 2×2 Feldstudie (N=105) setzt über einen Zeitraum von acht Wochen Argumentationsskripts und Group Awareness Tools ein und untersucht Effekte auf den Prozess der argumentativen Wissenskonstruktion, sowie auf den Erwerb domänenspezifischen Wissens. Sowohl Haupteffekte für beide Faktoren als auch ein Interaktionseffekt zeigen, wie sich argumentative Kompetenz über die Zeit signifikant verändert.
Förderung argumentativer Prozesse in sozialen Netzwerken durch
Argumentationsskript und Group Awareness Tool
T. Puhl, D. Tsovaltzi, A. Weinberger, Universität des Saarlandes
Abstract: Soziale Netzwerke (z. B. Facebook) geben Gelegenheit, Gruppendiskussionen technologisch zu
unterstützen, um argumentative Kompetenzen zu fördern. Langzeitstudien sind erforderlich, um langfristige
Auswirkungen solcher Bildungstechnologien und Interventionen in authentischen Lernszenarien zu untersuchen.
Diese 2×2 Feldstudie (N=105) setzt über einen Zeitraum von acht Wochen Argumentationsskripts und Group
Awareness Tools ein und untersucht Effekte auf den Prozess der argumentativen Wissenskonstruktion, sowie auf
den Erwerb domänenspezifischen Wissens. Sowohl Haupteffekte für beide Faktoren als auch ein
Interaktionseffekt zeigen, wie sich argumentative Kompetenz über die Zeit signifikant verändert.
Argumentative Wissenskonstruktion ist die Praxis der Elaboration von Lernmaterialien durch die Konstruktion
formal und inhaltlich guter Argumente mit dem Ziel, argumentatives und domänenspezifisches Wissen zu
erwerben. Bisherige Bildungstechnologien wie computer-unterstützte Skripts oder Visualisierungen (z. B. group
awareness tools: GATs) können argumentativen, aber nicht domänenspezifischen Wissenserwerb fördern
(Wecker & Fischer, 2014). Skripts spezifizieren, sequenzieren und distribuieren Rollen und Aktivitäten wie z. B.
die Konstruktion von Pro- und Kontra-Argumenten, an kooperative Lerner. Im Gegensatz dazu werden durch
GATs selbstregulative Prozesse der Lerngruppe indirekt angeregt, indem Information über die Lerngruppe zum
individuellen Wissensstand oder zu sozialen Prozessen visualisiert werden.
In dieser 2×2 quasi-experimentellen Feldstudie wurde die Effekte der Faktoren GAT und Argumentationsskript
auf domänenspezifisches Wissen und die Qualität der Argumentation untersucht mit 105 Lehramtsstudierenden
aus vier Seminaren mit zusätzlichen wöchentlichen Diskussion in Facebookgruppen. Der Faktor GAT enthielt
eine Visualisierung der Kommunikationseinstellungen der Lerngruppen, welche mittels eines Fragebogens
wöchentlich erhoben und in einer Facebook-App dargestellt wurde. Das Argumentationsskript beinhaltet
wöchentliche Rückmeldungen zur Qualität ausgewählter Argumente der Facebookdiskussionen. Die
Rückmeldung bezog sich auf inhaltliche und formale Aspekte basiert auf einer Argumentationsontologie.
Domänenspezifisches Wissen wurde in der Klausur am Ende des Semesters erfasst. Die Diskussion aller
Gruppen aus acht Wochen wurde nach einem etablierten Schema zur Bewertung von Argumentationsprozessen
auf epistemischer und formaler Ebene ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen einen signifikanten Haupteffekt beider Faktoren auf domänenspezifisches Wissen, wobei
das Argumentationsskript mit ηp2=.19 eine größere Effektstärke aufweist. Die Interaktion beider Faktoren ist
ebenso signifikant. Eine ANOVA mit Messwiederholung zeigt signifikante Effekte für beide Faktoren in Bezug
auf die Qualität der Argumentation sowohl auf epistemischer als auch auf formaler Ebene, wobei das
Argumentationsskript der GAT-Bedingung deskriptiv überlegen war.
Wie erwartet beeinflussen beide Faktoren Lernprozess und Lernerfolg. Eine Veränderung der
Argumentationsqualität ist erst nach 4-5 Wochen zu beobachten, wobei insbesondere das Argumentationsskript
einen höheren Anstieg bis zum Ende der Intervention aufzeigt. Im Vergleich zum GAT ist das
Argumentationsskript besonders bei formalen Aspekten der Argumentationsqualität überlegen. Diese Ergebnisse
geben Hinweise darauf, dass im Gegensatz zu kurzfristigen Laborstudien, die die Metaanalyse von Wecker und
Fischer zusammenfasste, Effekte domänenspezifischen Wissens nur durch längerfristige Maßnahmen zu
erwarten sind.
Wecker, C. & Fischer , F. (2014). Where is the evidence? A meta-analysis on the role of argumentation for the acquisition of
domain-specific knowledge in computer-supported collaborative learning. Computers & Education 75, 218-228.
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