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Walnuss oder Gallapfel

Authors:

Abstract

In der reizenden chante-fable Aucassin et Nicolette aus dem XIII. Jahrhundert hat der anonyme Dichter ein Idealbild mittelalterlicher Mädchenschönheit geschaffen, das in manchen Einzelheiten die Grenzen des konventionellen Darstellungskodex überschreitet. So sagt er von den Brüsten seiner Heldin: "et avoit les mameletes dures qui li souslevoient sa vesteure con ce fuissent deus nois gauges."
Vera Gerersdorfer
Zadar
WALNUSS ODER GALLAPFEL
CDU 804.0-022-54
In der reizenden chante-fable Aucassin et Nicolette aus dem XIII. Jahrhundert
hat der anonyme Dichter ein Idealbild mittelalterlicher Madchensch6nheit geschaf-
fen, das in manchen Einzelheiten die Grenzen des konventionellen Darstellungsko-
dex iiberschreitet. So sagt er von den Briisten seiner Heldin: "et avoit
les
mameletes
dures qui
li
souslevoient sa vesteure con
ce
fuissent deus nois gauges. "1
In den in unserem Universitatsunterrricht meist gebrauchten altfranzoischen
Worterbiichern ist die prazise Bedeutung des altfranzosischen nois gauge nicht defi-
niert.
Grandsaignes
d'Hauterive,
Dictionnaire d'ancien
fran<;:ais,
Paris
1947, 313: "Galge adj.
(xme-xvies.),
qualifie une sorte de grosse noix. Etym.
Ga/lica, noix de Galle."
Greimas,
Dictionnaire de l'ancien
fram;:ais
jusqu'au
milieu du XIVe siecle.
Paris 1968, 306 (galesche) "galge" adj. (fin
xnes.,
Auc. et. Nic.; lat ga/lica).
Se
dit
d'une
espece de grosse noix."
F.
Gode
froy,
Lexique de l'ancienfranrais pub/ie par les soins de J.
Bon
-
na
r d e t A. S a l m
on,
Paris 1982, 254: "gauge adj. f. qualifie une sorte de noix
(s.f.)
noix
gauge."
Schiesslich auch in der unter Anm.
l.
angefiihrten Ausgabe derselben chante-
fable 75: "Gauges (nois) XII 24 designe une variete de noix de grosse taille."
Aufgrund des angefiihrten ware also nois gauge eine Art grosser Nuss. Dem
Obersetzer aus dem Altfranzosischen in eine der modernen Weltsprachen kann diese
Definition nicht viel helfen, wahrend sich der Sprachforscher angeregt fiihlt, die na-
bere Bedeutung von gauge und seine Etymologie griindlicher nachzupriifen. Verein-
facht kann das in dem vorliegenden Artikel behandelte Problem folgendermassen
zusammengefasst werden:
1.
was bedeutet nois gauge stricto sensu, und 2. woher
stammt das W ort.
Unsere Untersuchung beruht
auf
zwei Komplexen, die wir Walnuss- und Gal-
lapfelkomplex nennen mochten und
auf
die die Definitionen der altfranzosischen
1 Aucassin et Nicolette. CFMA. Edite
par
Mario Roques. Deuxieme edition. Paris 1954,
14,
XII
22-24.
375
und franzosischen etymologischen Worterbiicher hinweisen. In diesem Zusammen-
hang bietet
Gami
11
sch e
gs
Etymologisches Worterbuch der Franzosischen Spra-
che, Heidelberg 1926,
461
die relevantesten Angaben: GAUGE "Walnuss",
13
Jhdt.; afrz. auch gauke, dazu heute mundartlich jote, gaille u.a.s. gaillette, aus
vlat. gallica in
nux
gallica "gallapfelartige Nuss", d.i. Abl. von lat. galla "Gallapfel",
da der Gallapfel und die griine Schale der Walnuss
<lazu
diemen schwarz zu fiirben.
Schuchardt,
ZRP
29, 325; REW 3659. Gallica als "gallische Nuss", Gaston Paris,
Rom.
15,
631
ist nicht unmoglich, aber nicht erweisbar; ndl., anord. walhnot, wort-
lich "welsche Nuss" ist Obersetzung von gallorom.
nux
gallica, da germ. walh- in hi-
storischer Zeit die Romanen iiberhaupt bezeichnet, s. gaulois. Daber nicht umge-
kehrt gauge aus frankisch walh-, Baist, ZFSL
13,
2, 191,
da
diese Grundform laut-
lich nur zum Teil entspricht, s. auch Koukol. 56
Jb.
Realsch. Wien 4, 19."
Obwohl er GAUGE als "Walnuss" definiert, bringt Gamillscheg diese altfr.
Benennung mit dem Gallapfel in Zusammenhang, indem er GAUGE als Substantiv
dem gleichlautenden Adjektiv gegeniiberstallt und dieses von dem Attribut gallica in
nux
gallica ableitet und als "gallapfelartig" interpretiert. Knappst formuliert: gaugue
Subst.: gauge Adj.
(<
*gallica) Walnuss: gallapfelartig
(<lat.
Galla "Gallapfel").
Nux
gallica ware demzufolge eine "gallapfelartige Nuss".
Der Zusammenhang mit dem Gesichtskreis des Gallapfels ist in diesem Fall evi-
dent. Er ist vor allem durch die aussere Ahnlichkeit zwischen der Walnuss und dem
Gallapfel initiiert. Ein Blick
auf
Abbildungen oder Photos geniigt, um sich davon zu
iiberzeugen: beide Friichte sind nussahnlich, mit den Unterschied, dass die Walnuss
eine schon geformte, griinschalige, olhaltige Frucht ist, wahrend der Gallapfel eine
deformiertere beulenartige Nussform hat. Er ist
ja
auch eine an der Eichenrinde
oder an den Eichenblattern und an Pflanzen iiberhaupt durch den Stich der Gallwe-
ste (cyneps gallae) hervorgerufene Geschwulst.2
Der Gallapfel und die Walnuss sind Fiirberpflanzen, daher auch der Name der
aus dem Orient stammenden Gallapfeleiche "Fiirbereiche" (quercus injectoria oder
tinctoria). Die an Tannin reichen Friichte werden in der Industrie als Gerb- oder
Fiirbmittel und in der Medizien als Astringentium verwendet. Dazu sagte schon Pli-
nius in seiner Historia nat. XVI 6, XVI 7, XXIV 4 unter anderem auch, dass der Ge-
brauch der Gallapfels Zahnschmerzen lindern kann. Der Saft griiner Walnussscha-
len diente, ahnlich wie der Gallapfel, zum Braun- und Schwarzfiirben von Haaren
O. B u
11
e - G. R i g
uti
ni,
Neues italienisch-deutsches
und
deutsch-italienisches Worterbuch.
Er-
ster Band. Mailand 1907, 336, W.v.
Wartburg,
Franzosisches Etymologisches Worterbuch. 4.
Band. Basel 1952, 33, J
.C.C.
C o r o
mina
s,
Dicccionario critico etimol6gico de
la
lengua castella-
na. Vol. I, Berna 1954, 50, Dizionario GARZANTI della lingua italiana, 1966, 321, B
rock
ha
ust,
Encyclopiidie IV, Wiesbaden 1968, 730, W
ah
r i
g,
Deutsches Worterbuch. Einmalige
Sonderausgabe-ungekiirzt. Giitersloh 1968, 1971, 1382, MICRO ROBERT, Dictionnairedufram;ais
primordial. S.N.L.-le ROBERT 1971, 479, F.
Kluge,
Etymologisches Worterbuch derdeutschen
Sprache. 20. Auf/age. Berlin 1976, 229, F.
Pa
1
azz
i,
Novissimo Dizionario della lingiia ita!iana, Mi-
lano 1979, 584,
Ha
t z f e 1
d-
Dar
mest
eter,
Dictionnaire General de
la
Langue fram;aise 2. Cin-
quieme edition. Paris, 1142.
376
und
Wolle.
Du
Cange Glossarium mediae et infimae latinitatis. IV 1885, 16. Vgl.
auch
A.
Wa
l
de,
Lateinisches Etymologisches Worterbuch 3. Neubearbeitet
Auf-
lage von J .B.
Hoffmann.
Erster Band. Heidelberg 1938, 580. Diese ldeenassozia-
tion, die sich
auf
die aussere
Form
und
den Verwendungszweck dieser beiden Friich-
te bezieht, wurde fiir viele Forscher,
unter
ihnen Schuchardt
und
Gamillscheg, der
Ausgangspunkt ihrer
Annahme,
dass die Walnuss, nois gauge, als Untersuchung-
sobjekt mit dem Komplex des Gallapfels in Zusammenhang gebracht werden muss.
In den romanischen Sprachen lebt lat. ga/la "Gallapfel" in dieser Bedeutung im
ital. ga/la, sp. agalla (pg. ga/ha), Segovia gallara
(<
GALLULA),
Salamanca algal-
lara, sp. bugalla, Salamanca abogalla, pg. bugolho,
RFE
9, 148, sowie im Galloro-
manischen, wo es
auch
auf
die Schosslinge von Biischen iibertragen
worden
ist. Vgl.
FEW
IV 4. 34 (Ahm. 2).
In
Pierre R i c h e 1 e ts Dictionnaire de la langue franc;oise et moderne.
Tome
second. A Lyon. Chez Marcelin Duplain rue Merciere
MDXXXVIll,
734 wird
"Noix de ga/le" (nux galla) als "eine
Art
Eichenfrucht" definiert von der gesagt
wird: "Les noix de galle sont froides etl seches et servent a faire de l'encre et a tein-
dre."
Hier
wird
anstatt
"nux ga/lica" das Syntagma
nux
ga/la erwahnt, das wortlich
"Nuss Galle", vielleicht auch "Gallnuss" bedeuten
konnte,
und
sogar die Benennung
"Gallapfelnuss" ware nicht ganz ausgeschlossen,
da
es
sich
per
definitionem
um
die
Eichenfrucht
oder
dem Gallapfel handelt. Richelet antizipiert also die Meinung
Schuchardts
und
Gamillschegs, dass das
Attribut
ga/lica in
nux
ga/lica von lat. ga/la
"Galllapfel" abgeleitet ist. Dazu soli aber noch bemerkt werden, dass das Adjektiv
gallus auch eine Ableitung
oder
ein Synonym
vam
gleichbedeutenden
Adj.
gallicus
"gallisch" sein
kann
(Grand
s a i g
ne
s
d'H
a
ute
r i
ve,
op.
cit. 313: galesche)
und
dass demnach
nux
ga/la ebensogut auch die Bedeutung "gallische Nuss" haben
konnte,
was allerdings in dem angefiigrten Beispiel nicht der Fali ist.
Nux
ga/la bzw. noce di ga/la notiert auch B u
11
e - R i g
uti
ni,
op.
cit.
(Anm.2)
511
in der Bedeutung
"Gallapfel-Eichapfel".
Haufiger jedoch erscheint
der Ausdruck noce di ga/la, der ebenfalls als "la ga/la de/la quercia", "Eichapfel"
definiert wird, z.B. in B.
Mig
1 i o
rini,
Vocabolario de/la lingua italiana,
Torino
1965, 900.
Unter
Beachtung des Angefiihrten stellt sich die Frage, in welchem Sion das
altfr.
nois gauge mit
nux
ga/lica im Zusammenhang steht
oder
stehen
kann.
Ga/lica
hat
zwei Hauptbedeutungen:
l.
"gallisch", als Adjektiv f. v
on
gallicus;
2. "gallapfelartig" als eine vlat. Ableitung *gallea
f.
von *galleus in derselben Bedeutung. So auch C o r o
mina
s,
op.
cit. (Anm. 2) aber
Vol. II 616, wo ausdriicklich gesagt wird:
"*GALLEUS
'a
manera
de
Galla',
es
decir'como
la galla del roble y arboles
semejantes'."
Dasselbe auch im selben Werk
643.
377
Da also "ga/lica" "gallisch", aber auch "gallapfelartig" bedeuten kann,
bleilbt
die Frage nach dem genauen Sinn von nois gauge auch weiter unbeantwortet: galli-
sche Nuss oder gallapfelartige Nuss?
Jede Forschungsmethode muss sich zuerst mit den primaren (Schliissel-)begrif-
fen beschaftigen, bevor sie sich den sekundaren zuwendet. In dem konkreten Fall
soll trotz Schuchardts Oberzeugung und Gamillschegs skeptischer Meinung versucht
werden, nois gauge unter Beachtung der ersten Grundbedeutung von gallicus, a als
"gallische Nuss" zu deuten.
Ernou
t, Dictionnaire Etymologique de la langue latine, Paris 1951,
804
zahlt
folgende Epithete von nux, nucis auf: abellana(avel-), ga/lica, graeca, grandis, mi-
nor, pfnea und fiihrt S.474 folgende Definition an: "Gallica(sc. nux) =
noix
de gau-
ge. De Gallicus." Demzufolge ist
nux
ga/lica die aus Gallien stammende Nuss oder
die gallische Nuss, ebenso
wie
nux
graeca die aus Griechenland stammende Nuss
oder die griechische Nuss ist, wahrend
nux
abellana die Haselnuss aus Abella(Cam-
panien) ist: altfr. avelaine, avelane (XIII. Jh.), aveline (XV. Jh.), it. avellana, sp.
avellana. B l o c h -
Wartburg
, Dictionnaire Etymologique de la langue
franraise. Paris 1950, 46.
Nux
plnea ist hingegen die Piniennuss, d.h. der Kern des
Kiefernzapfens oder die Kiefernfrucht, die eine Assoziation mit jeder Baumfrucht,
so auch mit der Eichenfrucht, dem Gallapfel, sein kann, im Unterschied zu den At-
tributen, die von den Herkunftslandernamen der bestimmten Frucht oder Pflanze
abgeleitet sind,
wie
es
bei
nux
gallica;-nux graeca und
nux
abelliina der Fall ist.
Der Name
nux
ga/lica,
im
grosseren Teil der Galloromania zu
nux
vereinfacht,
ist seit dem IX. Jh. belegt. Er lasst
auf
einen besonders intensiven Anbau des Nuss-
baumes in Gallien schliessen, da"dieser von den Romern sehr geschatzt wurde. Vgl.
FEW 4.37. Das Attribut "gallische" (Nuss) ist spater durch "welsch,
e"
ersetzt wor-
den: die welsche Nuss stammt aus Welschland d.h. aus den romanischen Landern
Italien, Frankreich und Spanien. Mittelhochdeutsch wiilhische nuz. Das neuhoch-
deutsche Wort erscheint erst seit Ludvig
1716
im Hochdeutschen und lautet: Wal-
nuss. Vgl. F. KI
uge,
op. cit. (Anm. 2.), 835. Derselbe Autor bemerkt noch an
derselben Stelle, dass die Walnuss, Juglans regia, in Gallien angepflanzt wurde und
darum spatlat.
nux
gallica(afrz. nois gauge) hiess. Dariiber noch W
ah
r i g, op. cit.
(Anm. 2.), 3987.
C.
Bat
ti
s
ti
-G. A
le
s
si
o , Dizionario etimologico italiano, III, Firenze
1952,
1753
betont ausdriicklich, dass
nux
GALLICA (IX. Jh.) aus dem eine Zeit
lang an Nussbaumen reichen Gebiet Gallien stammt, und notiert dabei die afrz. und
mfrz. Beispiele noix gauge, jauge.
FEW
4.36-371.l.
definiert afr. und mfr. noix gaugue als "frucht des walnuss-
baumes, der Juglans regia
(12.-16.
Jh. flandr. pik., norm.; Gdf; Gl
Par
5377;
PetR, R 65; 493), afr. noizjauge Aym Narb.m.jaille f. Bret Tourn 393, mfr. gauche
378
Huls 1596, aliitt. nois gaile Haust Med. lieg. nois galge (ibid.) anam. gaille (15.
Jh.,
RLR 38, 163)"
...
usw.
Auf
der Suche nach der Herkunft von gauge diirfen die Dialektvarianten kei-
nesfalls unbeachtet bleiben. Schuchardt 29,325 und Spitzer
WS
4,169 meinten, dass
gauge, gaille "verschieden suffigiert *gallica, *gallea waren. Das sind sie aber nicht.
Die zweit Form *gallea ist vielmehr durch verschiedene Synkopierung der gleichen
Grundform gallica zu erklaren. G. Paris 15,631, Hornig Z 15,493, Behrens 359, Sei-
fert 42, Brun Et 106, FEW 4. 36,37 ,38.
Galge, vokalisiert gauge, muss man iiber *gallea oder vielleicht auch iiber eine
Form *gallia erwarten. Unter moglichen gegenseitigen Beeinflussungen haben sich
einige Varianten oder Formen mehr, einige weniger durchsetzen konnen. Vgl.
H.
R h e
in
f e l
de
r , Altfranzosische Grammatik. Erster Tei!. Lautlehre. Miinchen
1953, 270. Das alles muss aber noch naher untersucht und chronologisch nachgepriift
werden.
Im friihen Mittelalter scheint sich der Walnussbaum rasch ausgebreitet zu ha-
ben. Im Capitulare de villis3 Karls des Grossen (um 749) werden unter ziemlich viel
Arten von Fruchtbaumen auch die Nussbaume erwahnt und ihre Anpflanzung emp-
fohilen. Flur- und Ortsnamen, die
auf
denselben Baum zuriickgehen, treten bereits
sehr friih
auf
z.B. Nussloch bei Heidelberg (776). Abgebildet ist der Walnussbaum
auf
den Teppichen der Anna von der Bretagne (um 1500).
Der Walnussbaum wird auch Druden- oder Hexenbaum genannt, da sich nach
italienischem Volksglauben unter ihm die Hexen versammeln. B u
11
e -R i g
uti
ni,
op. cit. (Anm. 2.) 511.
Die zitierten Meinungen und Angaben, die noch durch andere erganzt werden
konnen, weisen eindeutig
auf
Gallien als den Lebensraum der Walnuss, Edelnuss
oder Juglans regia hin. Daraus lasst sich der logische Schluss ziehen, dass das Attri-
but gallica in
nux
gallica allein in siner ersten Grundbedeutung "gallisch" aufgefasst
und gedeutet werden kann.
Wie anziehend er auch sein mag, Schuchardt- Gamillschegs Gallapfelkomplex,
den auch andere Forscher behandeln, erweist sich als Forschungskriterium irrefiih-
rend,
da
er sich mehr
auf
Assoziationen als
auf
belegbare lautliche und etymologi-
sche Facta stiitzt. So wird beispielshalber der Name der ausseren griinen Walnuss-
schale gallicula, galliciola, von ga/la "Gallapfel" abgeleitet durch die bereits erwahn-
te Assoziation, dass derselbe und die Walnuss Farberpflanzen sind. Das hier bereits
angedeutete Problem wird im FEW 4. 38, Anm.
11.
folgenderweise resiimiert:
"Schuchardt meint, gallica sei von galla abgeleitet, bedeute also urspriinglich "gal-
Das Capitulare de vi/lis ist die Hauptquelle fiir die Flora und Faune
in
der Karolingerzeit. Ausgabe
Boretius-Krause, Capitularia regum Francorum.
1.
Auch E.
Le
sne,
Histoire de
la
propriete eccle-
siastique en France IV. Lille 1943,
298-310
(les
plantes).
379
lapfelartig", wahrend nach ML 3659 der ausgangspunkt darin lage, dass die gniine
schale der nuss, ahnlich wie der gallapfel, zum farben von son stoffen beniitzt wird.
Doch wiirde das nur annehmbar sein, wenn die bennung der griinen schale galte.l"
Dariiber auch A. W a 1
de
, Lateinisches Etymologisches W6rterbuch, Heidelberg
1906, 259, wo die spatlat. Deminutivfo;men.calliculus, a angefiihrt werden mit der
Bemerkung, dass sich der Name gallicula kaum
auf
ga/la, "Gallapfel", sondern
auf
diese Formen bezieht. Unter Beriicksichtigung dieser Bemerkungen sind im konkre-
ten Fali noch einige Zweifel aufzuhellen.
Walnuss oder Gallapfe/?
Ohne zu behaupten, die Frage definitiv beantwortet zu haben, scheint uns nois
gauge als "gallische Nuss" zu deuten nicht nur moglich, sondern aufgrund der zitier-
ten Angaben und Meinungen sogar auch beweisbarer als die Deutung und Bedeu-
tung "gallapfelartige Nuss". Allerdings
darf
man die kontinuiert, (un)bewusste An-
wesenheit der Eiche und ihrer Frucht
in
der Phantasie und am Gedankonhorizont
der Gallier und des frankischen homo mediaevalis nicht vergessen. Denn nicht nur
der Nussbaum, sondern auch det Eichenbaum war in Gallien wohl bekannt, beson-
ders in den religiosen Riten der Druiden (von gr. driis "Eiche") und im mittelalterli-
chen Frankreich war er fast ein heiliger Baum. An ihn erinnert eine Anzahl an Orts-
namen, die etymologisch
auf
die vorromischen Namen der Eiche in Gallien CASNE-
TUM, CASSANEA zuriickfiihren, wie z.B. Chanoy, Chesnoy, Quesnoy, Quesnay,
Cassaigne(s) usw. Vgl. Aug.
Longnon,
Les
Nomsde
Lieu de
la
France. Publie
par
P.
Marichal-L. Mirot, 159, 617., 164, 664. Andere Ortsnamen, wie NAUROY,
NOUREUIL, NOIZIERES, NOISY, NOISIEL usw. enthalten die lat. Formen Nu-
carium und Nucetum, wahrend NOUATRE von nucastra, die "bose Nuss" abgelei-
tet ist. Vgl. E.
Vi
a 1, Les noms de vi/les et de villages. "Lefranrais retrouve" 7, BE-
LIN Paris 1983, 161. Ortsnamen mit Elementen gauge, jauge, gaile, jaille
u.a.
sind
in den zitierten toponomastischen Werken nicht registriert, woraus man aber nicht
schliessen diirfte, dass solche Namen in Frankreich iiberhaupt nicht erscheinen. Der
Nussbaum und die Eiche bleiben trotz allem grundlegende toponomastische
Be-
standteile, die sogar auch als Symptom einer Art Gemiitsstimmung in bezug
auf
die
beiden Baume gelten konnten.
Die chante-fable Aucassin et Nicolette ist in alle europaischen Weltscprachen
iibersetzt worden, doch war
es
uns nicht moglich, die hier besprochene Stelle in den
uns leider unzuganglichen Ausgaben nachzupriifen. Aber abgesehen davon, neigen
wir dazu "deus nois gauges" mit "zwei gallische Niisse" oder "zwei Walniisse" oder
"zwei Edelniisse" zu iibersetzen. Denn schliesslich ist
es
auch zu bezweifeln, dass der
feinfiihlige, nach Schonheit strebende Dichter anstatt der schon geformten Walnuss
den hasslichen Gallapfel oder eine ihm ahnliche Frucht als entsprechende Metapher
gewahtl und gebrauch hatte.
380
Letzten Endes bleibt doch die Erkenntniss, dass
es
notwendig ist, nois gauge
lautlich, semantisch, toponomastisch und sogar auch aus historisch-botanischer
Sicht noch weiter zu untersuchen, was zugleich auch ein Beitrag zur Erforschung der
Pflanzennamen und Fruchtbezeichnungen nicht nur im Alt- und Mittelfranzosi-
schen, sondern auch in den romanischen Sprachen iiberhaupt ware.4
Sažetak
ORAH
ili
ŠIŠARKA
U središtu istraživanja je starofrancusko ime oraha, nois gauge, k oje je u starofrancuskim
rječnicima
što
se
u našoj
sveučilišnoj
nastavi najviše upotrebljavaju, kao Grandsaignes d'Hauterive, Greimas i dru-
gi, uopceno definira kao "neka vrsta (krupnog)
oraha".
što
znači
nois gauge stricto sensu i odakle
potječe
taj starofrancuski naziv?
NavodeCi za problematiku relevantne podatke i mišljenja francuskih etimoloških
rječnika,
osobito
Gamillschegova EWFSa i
FEWa,
ali i latinskih,
njemačkih,
talijanskih i španjolskih srodnih
rječnika,
autor
metodološki
raščlanjuje
i jedan drugom suprotstavlja
dva
kompleksa: orahov i šišarski kom-
pleks. I
jedan
i drugi stvoreni su na idejnim asocijacijama po
sličnosti
i uporabnoj vrijednosti
oraha
i šiš-
arke uopce, što
je
vec Schuchardta potaklo na uvjerenje,
da
gauge
potječe
od adjektiva f. ga/lica uvezi s
ga/la "šišarka" i
znači
"orah
sličan
šišarki". Gamillscheg modificira ovu etimologiju uz napomenu, da G.
Pari
s o vo mišljenje,
da
nois gauge
znači
"galski
orah"
doduše nije nemoguce, ali
se
ipak ne može doka-
zati.
U ovom
se
članku
ukazuje na:
1.
Schuchardt-Gamillschegov šišarkin kompleks, koji, makoliko
da
je
privlačan,
istraživača
odvodi
na stramputicu, buduci
da
još
nije definitivno utvrdeno, da
se
adjektiv f. ga/lica u
nux
ga/lica odakle
se
izvodi starofr. nois gauge može dovesti u vezu s ga/la "šišarka".
2. mogucnosti
tumačenja
te iste
riječi
kao "galski orah" što
se
sažeto potkrepljuje fonetski, etimološ-
ki,
toponomasički
a i
iz
šire
povijesno-botaničke
perspektive.
Po
autorovu mišljenju "deus nois gauges" u Aucassin et Nicofette treba prevesti s
"dva
galska ora-
ha"
ili
s "dva plemenita
oraha",
a ne opisano s "dva šišarci
slična
oraha",
kao što sugeriraju definicije u
navedenim starofrancuskim
rječnicima.
Tome u prilog, izmedu ostalog, govori i pretpostavka,
da
tanko-
cutni pjesnik,
čija
je
chante-fabfe Aucassin et Nicofette prevedena na sve moderne evropske jezike, opisu-
juci ljepotu svoje junakinje Nicolette nije njezine grudi mogao usporediti s dvije ružne šišarke,
vec
s dva
lijepo oblikovana galska oraha.
Na kraju, preostaje ipak spoznaja da
je
potrebno nois gauge i dalje istraživati, što nije samo dopri-
nos zapostavljenom
proučavanju
imena biljki i voea u staro- i srednjofrancuskom jeziku, nego u romans-
kim jezicima uopce.
Zwei Beispiele solcher forschungsanregenden Studi en: Raymond
Ar
ve
i
11
er,
Latin medievaf
"Chrysomefum", ancien et moyen francais "Chrysomefe": "coing" ou "abricot"? Festschrift Kurt
Baldinger zum 60. Geburtstag,
17.
November 1979, Manfred
Hčifler
und Mittarbeiter. Tiibingen.
Niemeyer 1979 (1,
552-561);
Bernd S c
ho
1 e
z,
Die Fruchtbezeichnungen jugua und vandui bei
lo-
pe de Attienza
(1572-1575).
Zeitsch.f. rom. Philof. Band 106, Heft
112.
Tiibingen 1990,
143-145.
381
ResearchGate has not been able to resolve any citations for this publication.
preostaje ipak spoznaja da je potrebno nois gauge i dalje istraživati, što nije samo doprinos zapostavljenom proučavanju imena biljki i voea u staro-i srednjofrancuskom jeziku
  • Na Kraju
Na kraju, preostaje ipak spoznaja da je potrebno nois gauge i dalje istraživati, što nije samo doprinos zapostavljenom proučavanju imena biljki i voea u staro-i srednjofrancuskom jeziku, nego u romanskim jezicima uopce.
Raymond Ar ve i 11 er, Latin medievafChrysomefum", ancien et moyen francaisChrysomefe": "coing" ou "abricot"? Festschrift Kurt Baldinger zum 60. Geburtstag, 17
  • Zwei Beispiele Solcher Forschungsanregenden Studi En
Zwei Beispiele solcher forschungsanregenden Studi en: Raymond Ar ve i 11 er, Latin medievaf "Chrysomefum", ancien et moyen francais "Chrysomefe": "coing" ou "abricot"? Festschrift Kurt Baldinger zum 60. Geburtstag, 17. November 1979, Manfred Hčifler und Mittarbeiter. Tiibingen. Niemeyer 1979 (1, 552-561); Bernd S c ho 1 e z, Die Fruchtbezeichnungen jugua und vandui bei lope de Attienza (1572-1575). Zeitsch.f. rom. Philof. Band 106, Heft 112. Tiibingen 1990, 143-145.
buduci da još nije definitivno utvrdeno, da se adjektiv f. ga/lica u nux ga/lica odakle se izvodi starofr. nois gauge može dovesti u vezu s ga/la "šišarka". 2. mogucnosti tumačenja te iste riječi kao "galski orah" što se sažeto potkrepljuje fonetski, etimološki
  • Schuchardt-Gamillschegov Šišarkin Kompleks
  • Da Je Privlačan
Schuchardt-Gamillschegov šišarkin kompleks, koji, makoliko da je privlačan, istraživača odvodi na stramputicu, buduci da još nije definitivno utvrdeno, da se adjektiv f. ga/lica u nux ga/lica odakle se izvodi starofr. nois gauge može dovesti u vezu s ga/la "šišarka". 2. mogucnosti tumačenja te iste riječi kao "galski orah" što se sažeto potkrepljuje fonetski, etimološki, toponomasički a i iz šire povijesno-botaničke perspektive.
Raymond Ar ve i 11 er, Latin medievaf "Chrysomefum
  • Zwei Beispiele Solcher Forschungsanregenden Studi En
Zwei Beispiele solcher forschungsanregenden Studi en: Raymond Ar ve i 11 er, Latin medievaf "Chrysomefum", ancien et moyen francais "Chrysomefe": "coing" ou "abricot"? Festschrift Kurt Baldinger zum 60. Geburtstag, 17. November 1979, Manfred Hčifler und Mittarbeiter. Tiibingen. Niemeyer 1979 (1, 552-561);
  • S Bernd
  • Ho
Bernd S c ho 1 e z, Die Fruchtbezeichnungen jugua und vandui bei lope de Attienza (1572-1575). Zeitsch.f. rom. Philof. Band 106, Heft 112. Tiibingen 1990, 143-145.