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Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht

Authors:
Olaf Morgenroth und Johannes Schaller
Misserfolg und Scheitern aus
psychologischer Sicht
Einleitung
An einer Aufgabe zu scheitern oder ein angestrebtes Ziel nicht erreichen zu kön-
nen ist eine Grunderfahrung des Menschen, die bei Alltagshandlungen ebenso
auftritt wie bei längerfristigen Projekten im Kontext der persönlichen Entwick-
lung. Daher wäre eine Psychologie, die ohne die Thematisierung des Scheiterns
auskäme, nicht vorstellbar. An Psychologie ist dabei in einem doppelten Sinn zu
denken, nämlich zum einen als empirisch arbeitende Wissenschaft menschlichen
Erlebens und Verhaltens und zum anderen als praktisch-psychologische Tätigkeit
in unterschiedlichsten Praxisfeldern, z. B. im Bereich psychologischer Beratung
und Therapie. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass der Begriff des Scheiterns
im psychologischen Sprachgebrauch wenig gebräuchlich ist.1 Weitaus häufiger
wird der Begriff des Misserfolgs verwendet. In einzelnen Fachgebieten der
Psychologie sind zudem weitere Konzepte verbreitet, die mit dem Begriff des
Scheiterns verwandt sind. So werden z. B. in der Entwicklungspsychologie und
der Klinischen Psychologie die Begriffe der Krise bzw. des kritischen Lebens-
ereignisses verwendet. Beide sind jedoch weiter gefasst, da sie nicht nur Situa-
tionen betreffen, in denen ein Ziel verfehlt wird, sondern auch Ereignisse wie z. B.
ein Wohnortwechsel oder der plötzliche Tod des Lebenspartners. Es wird ange-
nommen, dass kritische Lebensereignisse die Entwicklung eines Individuums be-
einflussen. In der Arbeits- und Organisationspsychologie ist hingegen der Begriff
des Fehlers gebräuchlich. Ebenso wie das Scheitern treten Fehler nur bei ziel-
gerichtetem Verhalten auf und beinhalten das Nichterreichen eines Ziels oder
Teilziels. Im Unterschied zum Scheitern spricht man von einem Fehler nur dann,
wenn er potentiell vermeidbar gewesen ist.2 Für die Zurückhaltung gegenüber
dem Begriff des Scheiterns im psychologischen Sprachgebrauch können verschie-
dene Gründe angenommen werden. Zunächst wäre zu vermuten, dass die Ursache
in einer Tabuisierung des Scheiterns auf gesellschaftlicher Ebene liegt, die auch in
die Psychologie hineinwirkt. Diese Annahme erscheint allerdings wenig plausibel,
wenn man bedenkt, dass gerade die Psychologie für die Bewältigung von nega-
_________________
1 Vgl. Morgenroth & Schaller, 2004.
2 Vgl. Zapf, Frese & Brodbeck, 1999.
10 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
tiven Ereignissen und Krisen als zuständig betrachtet wird. Ein zweiter Grund,
der unserer Meinung nach eher zutrifft, besteht in der Problematik des Begriffs
selbst, d. h. seiner alltagssprachlichen Verwendung sowie der damit verbundenen
kulturellen Einbettung. Auf diese Problematik werden wir im folgenden Abschnitt
zunächst näher eingehen, bevor im Anschluss daran zentrale Aspekte des Schei-
terns aus einer prozessorientierten Perspektive betrachtet werden. Zum Abschluss
werden einige Schlussfolgerungen vorgestellt und Ansatzpunkte für die zukünftige
Forschung aufgezeigt.
Scheitern – Tatsache oder Urteil?
Scheitern assoziieren wir oft mit jenem tragischen Moment, in dem für alle Be-
teiligten klar wird, dass eine Person, eine Gruppe oder eine Organisation ihr Ziel
verfehlt hat, z. B. die Kündigung im Beruf, der verschossene Elfmeter kurz vor
dem Ende eines wichtigen Fußballspiels oder die Insolvenz eines Unternehmens.
Solche eindeutigen Situationen sind allerdings seltener als wir vielleicht glauben.
Oft ist die Eindeutigkeit bzw. die Einsicht in die Notwendigkeit des Scheiterns erst
in der Rückschau erfahrbar. Die Feststellung, an einer Aufgabe oder einem Ziel
gescheitert zu sein, stellt nämlich in erster Line eine subjektive Bewertung, eine
Beurteilung, dar und keine objektive Tatsache. Gegenstand des Urteils ist dabei
die Übereinstimmung der erzielten Handlungsergebnisse im Vergleich zu den
vorher erwarteten Handlungsergebnissen. Die alltagssprachliche Verwendung des
Begriffs des Scheiterns impliziert dabei erstens, dass ein klar definiertes Ziel vor-
handen ist, zweitens, dass objektive Kriterien zur Beurteilung des Handlungs-
erfolgs zur Verfügung stehen und drittens, dass das Urteil unabhängig vom
Urteiler bzw. dem Urteilskontext erfolgt. Alle drei Voraussetzungen sind aus
psychologischer Perspektive höchst problematisch und haben uns an anderer
Stelle zu der These veranlasst, Urteile über Erfolg und Scheitern als hochgradig
relativ zu betrachten.3 Was ist damit gemeint?
Zunächst ist festzustellen, dass Ziele häufig nicht eindeutig und spezifisch
definiert werden. Dies gilt insbesondere für selbstrelevante Ziele mit einer lang-
fristigen zeitlichen Perspektive, wie z. B. das Ziel beruflich erfolgreich zu sein“. Ein
solches Ziel kann mit ganz unterschiedlichen Anspruchsniveaus verknüpft sein.
Für eine Person könnte dieses Ziel mit der Vorstellung verbunden sein als Arzt
tätig zu sein, während eine andere Person beruflichen Erfolg bereits bei einer
Tätigkeit als Krankenpfleger erlebt. Weiterhin verfügen Ziele gewöhnlich nicht
nur über ein einzelnes Erfolgskriterium, sondern es steht eine Vielzahl potentiell
_________________
3 Vgl. Morgenroth & Schaller, 2004.
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 11
relevanter Kriterien der Zielerreichung zur Verfügung. In Bezug auf das Ziel
beruflich erfolgreich zu sein, könnten z. B. die Höhe des Gehalts, erworbene Titel,
die übertragene Verantwortung oder ein anerkannter Expertenstatus potentielle
Erfolgsindikatoren darstellen. Hier reicht die Betrachtung eines einzelnen Indika-
tors nicht mehr aus, um über Erfolg oder Misserfolg zu entscheiden. Ziele sind
zudem eingebunden in eine mehr oder weniger komplexe Zielhierarchie, so dass
ein Misserfolg auf einer unteren Ebene auf höherer Ebene nicht unbedingt als
Scheitern aufgefasst werden muss. So kann z. B. eine Sportlerkarriere als erfolg-
reich bewertet werden, obwohl es in wichtigen Wettkämpfen nie oder nur selten
gelang, einen vorderen Platz zu erringen. Neben der Eingebundenheit von Zielen
in Zielhierarchien ist zu berücksichtigen, dass ein Handlungsergebnis, welches in
Bezug auf ein bestimmtes Ziel als Misserfolg bewertet wird, gleichzeitig hinsicht-
lich eines anderen Ziels einen Erfolg darstellen kann. So könnte z. B. das Scheitern
von Tarifverhandlungen von den beteiligten Parteien als Erfolg hinsichtlich des
Ziels bewertet werden, die eigene Position glaubwürdig zu vertreten.
Ein zweites Problem bei Urteilen über Erfolg und Misserfolg besteht darin, objek-
tive Maßstäbe zur Bewertung von Handlungsergebnissen zu gewinnen, die ein
solches Urteil rechtfertigen. Diese Messbarkeit ist jedoch sehr stark abhängig vom
Handlungsgegenstand. Sie scheint eher gegeben, wenn es z. B. um die Beurteilung
sportlicher Leistungen geht, die in Meter oder Sekunden gemessen werden kön-
nen. Die Bewertung der Beziehung zweier Menschen liefert ein Beispiel dafür, wie
schwer es sein kann, ein Scheitern festzustellen. Dabei kommt es nicht selten vor,
dass einer der Partner oder beide längere Zeit brauchen, bevor klar wird, dass die
Beziehung gescheitert ist. Diese Problematik spiegelt sich auch im gerichtlichen
Scheidungsverfahren wider. In diesem Verfahren wird das Kriterium einer be-
stimmten Zeit des Getrenntlebens (ein Jahr bei einvernehmlicher, drei Jahre bei
streitiger Scheidung) als Voraussetzung eingeführt, um das Scheitern einer Ehe
feststellen zu können. Aber selbst wenn Handlungsergebnisse objektiv messbar
sind, ist damit noch nichts über die Validität dieser Messungen gesagt. Ein Ver-
käufer, der wenig verkauft, wäre nur dann gescheitert, wenn er die Kontrolle über
die erzielten Handlungsergebnisse hat. Dies ist jedoch nur sehr begrenzt der Fall.
Das Produkt kann qualitativ schlecht sein, das Marketing kann versagen, das wirt-
schaftliche Klima das Konsumentenverhalten ungünstig beeinflussen etc. Diese
Problematik der Kriteriumskontamination spielt bei der Beurteilung beruflicher
Leistungen und des unternehmerischen Erfolgs eine zentrale Rolle.4
Ein drittes Problem besteht darin, dass Urteile an den konkreten Urteilskontext
gebunden sind. Dazu gehört z. B. die Perspektive, die durch den Urteiler vorgege-
_________________
4 Vgl. Marcus & Schuler; 2001, Moser & Schuler, 1999.
12 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
ben wird. Diese Perspektivität wird bereits daran deutlich, dass Misserfolge aus
der Sicht des Akteurs anders bewertet werden als durch Beobachter. Dieses
Phänomen ist in der psychologischen Attributionsforschung als Akteur-Beobach-
ter-Unterschied bekannt.5 Demnach tendieren Akteure dazu, bei der Zuschreibung
von Ursachen situative Umstände stärker zu gewichten, während Beobachter stär-
ker auf personale Dispositionen des Handelnden attribuieren. Dieser Unterschied
lässt sich dadurch erklären, dass Akteur und Beobachter über unterschiedliche
Informationen verfügen. Der Akteur hat sehr viel mehr Informationen über sich
selbst zur Verfügung als ein Beobachter. Als weiteres Moment kommt hinzu, dass
der Akteur seine Aufmerksamkeit aus der Binnenperspektive des Handelns anders
fokussiert als ein Beobachter, der dem Geschehen neutral gegenübersteht. Die Be-
deutung verfügbarer Informationen zeigt sich auch auf einer anderen Ebene des
Urteilskontextes. Zum Zeitpunkt des Urteilens ist immer nur eine begrenzte
Menge an Informationen vorhanden. Aus der psychologischen Forschung zu
Urteils- und Entscheidungsprozessen ist bekannt, dass diese Informationen als
Kontext einen erheblichen Einfluss auf den Urteilsprozess haben. Tversky und
Kahneman bezeichneten dieses Phänomen als Framing.6 Sie stellten u. a. fest, dass
die Risikobereitschaft bei einer Entscheidung wesentlich dadurch bestimmt wird,
ob die Entscheidungssituation als Verlust oder als Gewinn dargestellt wird. Die
Relevanz des Urteilskontextes für Scheiternsurteile wird besonders deutlich bei
der Beurteilung von Innovationen. Viele Ideen und Produkte stellen sich erst
später als innovativ und erfolgreich heraus, nachdem sie zunächst als gescheitert
galten. Ein prototypisches Beispiel dafür sind die Post-it-Haftnotizzettel des als be-
sonders innovationsfreundlich geltenden Unternehmens 3M. Ausgangspunkt für
die Entwicklung dieses Produktes war zunächst der fehlgeschlagene Versuch
eines Mitarbeiters einen neuartigen Klebstoff herzustellen, der leider unbrauchbar
erschien, da er nicht dauerhaft und fest klebte. Dieser Mangel erwies sich jedoch
für das Problem eines anderen Mitarbeiters als überaus nützlich. Er war daran in-
teressiert, selbstklebende Zettel zu entwickeln, die sich zur Verwendung als Lese-
zeichen eigneten und sich leicht wieder entfernen ließen, ohne Rückstände zu
hinterlassen.7
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Begriff des Scheiterns aus den ange-
sprochenen Gründen nicht unproblematisch ist. Die alltagssprachliche Verwen-
dung des Begriffs suggeriert eine Eindeutigkeit und Endgültigkeit in der Beurtei-
lung von Handlungsergebnissen, die in vielen Fällen so nicht gegeben ist, da sie
_________________
5 Vgl. Fincham & Hewstone, 2002.
6 Vgl. Tversky & Kahneman, 1981.
7 Vgl. Guldin, 2001, S. 307.
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 13
an vielfältige Bedingungen geknüpft ist. Diese Problematik wird dadurch ver-
schärft, dass Scheiternsurteile in einen kulturellen Kontext eingebettet sind, der
Einfluss auf die sozialen Folgen des Scheiterns nimmt. So hat Backert anhand
wirtschaftlicher Misserfolge herausgearbeitet, dass in Deutschland im Vergleich
zu den USA und Japan Scheitern negativer bewertet wird und der Gescheiterte
mit stärkeren Sanktionen belegt wird.8 Zu ergänzen wäre, dass auch für Men-
schen, die sich in einer persönlichen Krise befinden und psychisch auffällig wer-
den ähnlich negative Folgen der Stigmatisierung resultieren können.9 Darüber
hinaus ist diese negative Bewertung als menschliches Versagen mit dem Risiko
behaftet, dass ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit entsteht, welches jede Motivation
für einen Neuanfang blockiert. Diese Problematik des alltagssprachlichen Kon-
zeptes des Scheiterns dürfte wesentlich mit dafür verantwortlich sein, dass in der
Psychologie neutralere Begriffe wie Misserfolg oder Krise bevorzugt werden. Aus
psychologischer Perspektive wäre es daher wichtig, dass der Begriff des Scheiterns
so verstanden bzw. erweitert wird, dass dessen positive Potenziale erschlossen
werden können. Ähnlich wie bei Fehlern kann dem Scheitern eine positive Funk-
tion zugeschrieben werden. Fehler fordern dazu auf, sich mit der Fehlersituation
auseinanderzusetzen und können dadurch wichtige Lernprozesse initiieren.10 Die-
se Lernprozesse betreffen beim Scheitern nicht nur die Optimierung der Hand-
lungsregulation auf einem mehr oder weniger stark begrenzten Gebiet, sondern
die Persönlichkeit als Ganzes, d. h. ihre Werte, Ziele, Einstellungen, ihr Selbst-
konzept und die Perspektiven ihrer zukünftigen Entwicklung.
Scheitern im Kontext einer prozessorientierten Perspektive
Die bisherigen Überlegungen zum Urteilsprozess haben bereits deutlich werden
lassen, dass Misserfolg und Scheitern aus einer Prozessperspektive betrachtet
werden sollten. Dieser Prozess beginnt nicht erst mit der Feststellung, gescheitert
zu sein und der anschließenden Bewältigung, sondern bereits vor dem Handeln.
Interessant sind in diesem Zusammenhang die Arbeiten von Dörner zum Umgang
mit komplexen Handlungssituationen, also Situationen, die durch eine Vielzahl
relevanter Aspekte, Intransparenz und eine hohe Dynamik gekennzeichnet sind.11
Solche Situationen treten nicht nur bei der Überwachung und Steuerung einer
technischen Anlage oder dem Eingreifen in ein komplexes Ökosystem auf. Dörner
_________________
8 Vgl. Backert, 2004.
9 Vgl. Morgenroth & Schaller, 2004.
10 Vgl. Zapf, Frese & Brodbeck, 1999.
11 Vgl. Dörner, 1992.
14 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
benutzte Computersimulationen derartiger Systeme, um die kognitiven Prozesse
und das Problemlöseverhalten seiner Versuchspersonen zu untersuchen. Auch im
Alltag treffen wir häufig auf Handlungssituationen, die sich durch Komplexität,
Dynamik und Intransparenz auszeichnen.12 Nach Dörner kann ein Misserfolg in
solchen Situationen durch „Fehler“ in verschiedenen Phasen des Handlungspro-
zesses beginnend von der Zielausarbeitung über das Planen bis zur Handlungs-
regulation begünstigt werden. Er spricht zusammenfassend von einer Logik des
Mißlingens“. Eine solche Logik sollte allerdings nicht deterministisch aufgefasst
werden in der Weise, dass ein Handeln unter spezifischen Randbedingungen und
der Wirksamkeit bestimmter Gesetzmäßigkeiten ein Scheitern mit Sicherheit zur
Folge hat. Vielmehr handelt es sich um psychologische Bedingungen und Mecha-
nismen, die das Risiko erhöhen, dass ein Misserfolg eintritt. Nachfolgend werden
einige dieser psychologischen Aspekte thematisiert. Die Abbildung 1 gibt hierzu
einen Überblick. Demnach können Misserfolge ihre Ursache bereits in einer un-
günstigen Zielsetzung haben oder durch Planungs- bzw. Handlungsfehler
begünstigt werden. Die Bewertung der erzielten Handlungsergebnisse führt zu
Urteilen über Erfolg oder Misserfolg. Einige zentrale Punkte dieses Urteilsprozes-
ses wurden bereits angesprochen. Die Auseinandersetzung mit dem Erleben ge-
scheitert zu sein ist Gegenstand des Bewältigungsprozesses. Die Rückkopplungs-
schleifen in Abbildung 1 zeigen beispielhaft wichtige Ansatzpunkte von Bewälti-
gungsreaktionen auf. Ist der Misserfolg nur temporär und erscheint das Ziel doch
noch erreichbar, ist mit einer Erhöhung der Anstrengung und einem aktiven
Problemlöseverhalten zu rechnen. Ist ein Scheitern hingegen unabwendbar,
rücken Bewältigungsmechanismen in den Vordergrund, die der Regulation nega-
tiver Emotionen und der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit dienen. Diese
Mechanismen wirken auf die Zielsetzung oder können den Bewertungsprozess
beeinflussen.
Die Zielsetzung
Ein zentrales Problem bei der Zielsetzung besteht nach Dörner darin, dass Ziele
nicht genügend konkretisiert werden.13 Dies kann dazu führen, dass in der
Planungsphase wichtige Ansatzpunkte für ein erfolgreiches Handeln übersehen
werden. Stattdessen stürzt man sich auf besonders auffällige Aspekte der Hand-
lungssituation, z. B. Dinge, die besonders dringend erscheinen oder man folgt
automatisch Handlungsstrategien, die sich in der Vergangenheit bewährt haben
oder beschäftigt sich mit einem Teilproblem, für das man sich besonders kompe-
_________________
12 Vgl. Olbiers, Vogel & von Scheidt, 1996.
13 Vgl. Dörner, 1992.
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 15
tent einschätzt. Dies kann letztlich dazu führen, dass man das eigentliche Ziel aus
den Augen verliert und die verfügbaren Ressourcen zur Lösung irrelevanter
Probleme verbraucht.
Ein weiterer wichtiger psychologischer Aspekt der Zielsetzung ist die Festlegung
des Anspruchsniveaus. Aus der Forschung zur Zielsetzungstheorie ist bekannt,
dass schwierige, herausfordernde Ziele zu besseren Leistungen führen als leicht
zu erreichende Ziele.14 Dieser Schwierigkeitsparameter ist aber nicht unabhängig
von der Person. Ziele sollten in einem realistischen Rahmen über den bisher ge-
zeigten Leistungen der Person bei vergleichbaren Aufgaben liegen. Das Anspruchs-
niveau eines Ziels so zu setzen, dass es einerseits als möglichst herausfordernd
erlebt wird, andererseits aber realistisch bleibt, ist nicht immer leicht. Dies gilt ins-
besondere für neuartige, komplexe Aufgaben in Handlungskontexten mit einer
hohen Dynamik, aber auch für sehr langfristig orientierte Ziele und Projekte. Hier
besteht ein erhöhtes Risiko, dass die tatsächliche Erfolgswahrscheinlichkeit über-
schätzt wird. Aber auch in Handlungsfeldern, in denen Leistung und Erfolg von
zentraler Bedeutung sind und es wichtig ist, schwierige und herausfordernde
Ziele zu setzen, könnte diese Grenze zwischen einem noch erreichbaren und
einem unrealistischen Ziel leicht verschwimmen.
Darüber hinaus können auch Merkmale der Person dazu beitragen, dass ein un-
realistisches Anspruchsniveau gewählt wird. Ein Merkmal, das die Ansprüche an
die eigene Leistung wesentlich mitbestimmt ist die Selbstwirksamkeitserwartung,
also das Vertrauen, ein Ziel durch eigenes Handeln erreichen zu können.15 Selbst-
_________________
14 Vgl. Locke & Latham 1990, 2002; Kleinbeck & Schmidt, 1996.
15 Vgl. Bandura, 1997.
Ziel
Handlung
Ergebnis Bewertung Bewältigung
Modifikation, Ablösung
Problemlösung,
Intensivierung der Anstrengung
Selbstwertschutz
Ziel
Handlung
Ergebnis Bewertung Bewältigung
Ziel
Handlung
Ergebnis Bewertung Bewältigung
Modifikation, Ablösung
Problemlösung,
Intensivierung der Anstrengung
Selbstwertschutz
Abb. 1: Psychologische Bedingungen und Folgen von Misserfolg
16 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
wirksame Personen setzen sich anspruchsvollere Ziele, strengen sich intensiver an,
ein Ziel zu erreichen und zeigen mehr Ausdauer bei der Zielverfolgung.16 Gestützt
durch empirische Befunde argumentierten Taylor und Brown (1988), dass illusio-
näre Kontrollüberzeugungen und ein unrealistischer Optimismus sich positiv auf
die Motivation und die Hartnäckigkeit bei der Zielverfolgung auswirken und die
Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.17 In der populären Ratgeberliteratur kam es
zeitweise zu einem regelrechten Boom des „Positiven Denkens“ und auch in man-
chen Motivationstrainings wurde suggeriert, dass man alles erreichen kann, wenn
man nur fest genug davon überzeugt ist.18 Inzwischen hat sich hier eine differen-
zierte Sichtweise durchgesetzt.19 Optimistisch verzerrte Erwartungen können tat-
sächlich positive Wirkungen entfalten, aber auch zu Enttäuschungen führen,
Passivität fördern und dazu beitragen, dass Risiken unterschätzt werden. Gerade
bei der Zielsetzung sind realistische Erwartungen hilfreich, Fehlentscheidungen
zu vermeiden.
Neben der Selbstwirksamkeitserwartung können auch die Motive der Person
einen Einfluss auf die Zielsetzung haben. Nach Atkinson (1957, 1964) tendieren
misserfolgsängstliche Personen dazu, entweder zu leichte oder zu schwierige
Aufgaben zu wählen.20 Bei einer einfachen Aufgabe erscheint ein Misserfolg von
vornherein als unwahrscheinlich, bei einer schwierigen Aufgabe kann die Schädi-
gung des Selbstwerts gering gehalten werden, da ein Misserfolg auf externe Fakto-
ren attribuiert werden kann. Ein ähnliches Phänomen ist aus der Forschung zur
Selbstdarstellung als self-handicapping bekannt.21 Dabei fügt sich eine Person zu-
nächst selbst einen Schaden zu, um einen Attributionsvorteil zu gewinnen. Im Fall
eines Scheiterns kann das Versagen auf das Handicap attribuiert werden. Sollte
sich trotz des selbst zugefügten Handicaps dennoch ein Erfolg einstellen, so gilt
dieser als besonders herausragend. So könnte sich z. B. ein Sportler vor einem
Wettkampf verletzen oder zuviel Alkohol konsumieren, um einen späteren Miss-
erfolg darauf zurückführen zu können oder um einen Erfolg als besonders bemer-
kenswert erscheinen zu lassen.
Ein dritter bedeutsamer Aspekt der Zielsetzung besteht darin, ob eine Aufgabe als
Lernziel oder als Leistungsziel verstanden wird.22 Bei Lernzielen geht es in erster
_________________
16 Vgl. Schwarzer, 1993.
17 Vgl. Brown, 1988.
18 Kritisch hierzu siehe Nerdinger, 2003, S. 48; Morgenroth & Schaller, 2004.
19 Vgl. Schütz, Hertel & Heindl, 2004.
20 Vgl. Atkinson 1957, 1964.
21 Vgl. Mummendey, 2006.
22 Siehe Tabelle 1 nach Rheinberg, 2002, S. 93.
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 17
Line darum, etwas dazuzulernen. Dabei orientiert sich die Bewertung der erziel-
ten Handlungsergebnisse an einer individuellen Bezugsnorm, d. h. dem bisher er-
reichten Leistungsniveau der Person. Diese Perspektive begünstigt Urteile, die
sich auf die eigene Anstrengung und Ausdauer beziehen, also auf Ursachen, die
durch die Person selbst beeinflussbar sind. In der Konsequenz werden Misserfolge
eher als Chance betrachtet, die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln oder die
Handlungsregulation so zu verändern, dass das Leistungshandeln verbessert wird.
Im Unterschied dazu geht es bei der Leistungszielorientierung primär darum,
andere zu übertreffen, um die eigenen Fähigkeiten zu demonstrieren. Hier werden
die erzielten Ergebnisse durch Vergleiche mit den Ergebnissen anderer, also an-
hand einer sozialen Bezugsnorm bewertet. Die Leistungszielorientierung begüns-
tigt die Annahme stabiler Fähigkeiten, so dass Misserfolge mit einer starken
Bedrohung des Selbstwertes einhergehen und Ziele frühzeitig aufgegeben werden,
da sie aufgrund mangelnder Fähigkeiten als unerreichbar erscheinen. Beide Orien-
tierungen werden als Personenmerkmale verstanden, die in Beziehung zum Leis-
tungsmotiv stehen, wobei eine erfolgszuversichtliche Motivausprägung stärker
mit einer Lernzielorientierung verbunden ist, während misserfolgsängstliche Per-
sonen zu einer Leistungszielorientierung tendieren. Andererseits ist anzunehmen,
dass die Entstehung dieser Orientierungen von der Umwelt abhängt. So könnte
ein Mitarbeiter, der feststellt, dass Vorgesetzte und Kollegen Leistungen allein da-
nach beurteilen, wie viel man im Vergleich zu anderen kann, die Zielorientierung
aufbauen, andere übertreffen zu wollen bzw. die Sorge entwickeln, von anderen
übertroffen zu werden. Aus motivationspsychologischer Perspektive empfiehlt es
sich daher, ein soziales Klima zu schaffen, bei dem Ziele nicht ausschließlich als
Leistungsziele verstanden werden, sondern das Entstehen einer Lernzielorientie-
rung gefördert wird, um die selbstwertbedrohlichen Konsequenzen von Miss-
erfolgen zu minimieren und die Bereitschaft zu erhöhen, Fehler und Misserfolge
als Chance zum Lernen zu betrachten.23
Lernzielorientierung
LernzielorientierungLernzielorientierung
Lernzielorientierung Leistungszielorientierung
LeistungszielorientierungLeistungszielorientierung
Leistungszielorientierung
Ziel: Kompetenzerwerb, Lernzuwachs
Fähigkeiten werden als veränderbar
gesehen
Misserfolge werden als Lernchance
betrachtet
Orientierung an individuellen Bezugs-
normen
Ziel: Demonstration der eigenen
Kompetenz
Fähigkeiten werden als stabil gesehen
Misserfolge werden als bedrohlich erlebt
Orientierung an sozialen Bezugsnormen
Tabelle 1: Motivationale Orientierungen nach Rheinberg (2002)
_________________
23 Vgl. Kleinbeck, 2004.
18 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Zielsetzung und der Regulation des
Anspruchsniveaus aus psychologischer Perspektive für das Scheitern eine hohe
Bedeutung zukommt. Ziele geben nicht nur den Soll-Wert für die Bewertung von
Handlungsergebnissen vor und tragen somit zur Unterscheidung zwischen Erfolg
und Misserfolg bei, sondern entfalten im Handlungsprozess eine steuernde Wir-
kung und beeinflussen die erzielten Handlungsergebnisse. Die Bedeutsamkeit der
Zielsetzung legt nahe, dass hier ein wichtiger Ansatzpunkt für die Bewältigung
von Misserfolgen besteht.
Planen und Handeln
Viele Ziele können nicht sofort angegangen werden. Sie erfordern ein Planen,
wann und unter welchen Umständen was genau getan werden soll und kann, um
das angestrebte Ziel zu erreichen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Aufnahme
und Verarbeitung von Informationen. Da die menschliche Kapazität zur Auf-
nahme und Verarbeitung neuer Informationen stark begrenzt ist, sind wir dazu
gezwungen, einfache Strategien und Heuristiken (z. B. eins nach dem anderen und
das wichtigste zuerst“) zu verwenden. Der Nutzen solcher ökonomischer Tenden-
zen beim Nachdenken und Entscheiden darüber, was zu tun ist, liegt darin, die
notwendige Handlungsfähigkeit zu gewährleisten und die Initiierung von Hand-
lungen zu unterstützen. Würden wir beim Planen und Handeln immer systema-
tisch vorgehen und versuchen, alle relevanten Variablen sowie deren Zusammen-
hänge zu berücksichtigen, kämen wir wahrscheinlich nie zum Handeln, sondern
würden verzweifeln und aufgeben. Auf der anderen Seite können diese Öko-
nomietendenzen dazu beitragen, dass Informationen nur einseitig oder unzuläng-
lich gesammelt werden, die notwendige Modellbildung bei der Planung nur un-
zureichend oder gar nicht erfolgt oder Fehler nicht korrigiert werden.24 Oft sind
wir trotzdem erfolgreich und erfahren, dass wir ohne großen Aufwand ein Ziel
erreichen oder uns riskant verhalten, ohne negative Konsequenzen zu spüren.
Problematisch wird es, wenn diese Erfahrungen in die Zukunft projiziert werden
und zu einem Zustand der gelernten Sorglosigkeit führen, bei dem das Handeln
durch die subjektive Überzeugung geleitet wird: Alles ist gut, und wird auch (von
selbst) gut bleiben“.25 Die Attraktivität einer solchen Überzeugung liegt auch in
ihrer motivationalen Konsequenz. Sorglosigkeit ist ein angenehmer Zustand, wäh-
rend ein sorgfältiges Planen und Handeln mit zusätzlichem Aufwand verbunden
ist und uns aus diesem Zustand herausführt. Gelernte Sorglosigkeit verringert u. a.
_________________
24 Vgl. Dörner, 1992.
25 Vgl. Schulz-Hardt & Frey, 1999.
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 19
die Motivation und die Fähigkeit, mögliche negative Konsequenzen des eigenen
Handelns zu erkennen. Warnsignale werden aufgrund einer selektiven Informa-
tionsaufnahme und Verarbeitung übersehen oder mittels defensiven Optimismus
neutralisiert. In der Folge besteht ein erhöhtes Risiko, dass notwendige Änderun-
gen bei der gewählten Handlungsstrategie verspätet oder gar nicht vorgenommen
werden.
Man könnte meinen, dass Planungs- und Entscheidungsprozesse in Gruppen und
Organisationen besser und ausgewogener verlaufen, da hier mehrere Personen
beteiligt sind, die sich gegenseitig korrigieren können. Aber auch auf dieser Ebene
können verschiedene Mechanismen dazu beitragen, dass falsche Entscheidungen
getroffen und Handlungen initiiert werden, die zum Scheitern führen können. So
besteht ein Problem bei Organisationen darin, dass Informationen, die nach oben
weitergereicht werden, häufig nicht nach der Wichtigkeit ausgesucht werden,
sondern danach, wie vorteilhaft sie für den Sender sind, so dass die Entschei-
dungsträger bestimmte wichtige Informationen nicht erreichen.26 So könnten z. B.
Informationen über Mängel bei den Produkten eines Zulieferers von einem Mit-
arbeiter zurückgehalten werden, weil er gleichzeitig für die Auswahl des Zuliefe-
rers verantwortlich gewesen ist und negative Sanktionen oder einen Gesichts-
verlust befürchtet. Aber selbst, wenn alle wichtigen Informationen zur Verfügung
stehen, bedeutet dies nicht automatisch, dass diese Informationen in einer Gruppe
zu besseren Entscheidungen führen. So scheitern Gruppen häufig daran, Informa-
tionen, die nur einem Gruppenmitglied zugänglich sind, bei Entscheidungen an-
gemessen zu berücksichtigen, während Informationen, die allen Gruppenmitglie-
dern zugänglich sind, zu stark gewichtet werden.27 Ein weiteres Problem stellt das
so genannte Gruppendenken dar.28 Dabei handelt es sich um ein Denk- und Inter-
aktionsmuster, das auf einem übermäßigen Streben nach Einmütigkeit basiert und
erschwert, dass realistische Entscheidungen getroffen werden. Janis beschrieb und
analysierte viele Situationen von Gruppenentscheidungen, bei denen trotz der
hohen Kompetenzen der Gruppenmitglieder falsche Entscheidungen mit zum Teil
fatalen Konsequenzen getroffen wurden. Die gescheiterte amerikanische Invasion
in der Schweinebucht 1961 ist vielleicht das bekannteste Beispiel. Insbesondere
wenn die Gruppe sich durch einen starken Zusammenhalt, durch eine direktive
Führung und durch strukturelle Mängel, z. B. eine starke Abschottung nach außen
auszeichnet und die Entscheidung unter Zeitdruck und Stress gefällt werden
_________________
26 Vgl. Schulz-Hardt & Frey, 1999.
27 Vgl. Wittenbaum & Stasser, 1996.
28 Vgl. Janis, 1982.
20 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
muss, besteht ein erhöhtes Risiko dafür, dass sich Gruppendenken verfestigen
kann.
Eine für den Prozess des Scheiterns wichtige Frage betrifft das Reifen der Einsicht,
dass ein angestrebtes Ziel nicht mehr zu erreichen ist.29 Insbesondere bei langfris-
tigen Entwicklungszielen oder Projekten ist immer wieder zu beobachten, dass ein
Akteur oft sehr lange Zeit braucht, bevor er selbst erkennen kann, gescheitert zu
sein oder bevor er ein solches Urteil von anderen akzeptieren kann. So benötigen
Personen mit psychischen Problemen Monate bis Jahre, bevor sie die Grenzen
ihrer eigenen Problemlöseversuche erkennen und bereit sind, professionelle Hilfe
in Anspruch zu nehmen.30 Auch in Organisationen kommt es nicht selten vor, dass
an Projekten festgehalten wird, obwohl die entstandenen Kosten den erhofften
Nutzen bereits weit übersteigen. Warum fällt es uns so schwer, ein Scheitern zu
akzeptieren und uns von unerreichbaren oder kostenintensiven Zielen zu lösen?
Antworten auf diese Frage werden in der sozial- und organisationspsychologi-
schen Forschung zum Festhalten an verlustreichen Handlungen (escalation of com-
mitment) diskutiert.31 Ein wichtiger Erklärungsansatz ist die aus der Dissonanz-
theorie abgeleitete Selbstrechtfertigungshypothese. Demnach besteht die Ursache
für ein Festhalten an einer verlustreichen Handlung darin, dass Personen bestrebt
sind, eine einmal getroffene Entscheidung für eine Handlung und die damit ver-
bundenen Anstrengungen vor sich selbst zu rechtfertigen. Ein Aufgeben würde
Dissonanz, also einen unangenehmen Spannungszustand erzeugen, da man sich
eingestehen müsste, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Zu diesem
inneren Selbstrechtfertigungsbedürfnis kommt häufig ein sozialer Rechtfertigungs-
druck hinzu, bei dem es darum geht, vor anderen das Gesicht zu wahren. Die
Wirkung eines solchen sozialen Rechtfertigungsdrucks ist gut zu beobachten im
Kommunikationsverhalten von Politikern nach einem begangenen Fehler32 oder
auch in der Kommunikationspolitik von Unternehmen in einer Krise.33 Das Ein-
geständnis, falsch entschieden oder gehandelt zu haben steht hier oft am Ende
eines quälenden Prozesses defensiver Selbstdarstellungsversuche.34
_________________
29 Vgl. Brandstädter, 2006; Brandtstätter, 2003; Morgenroth & Schaller, 2004.
30 Vgl. Reinecker, 1998.
31 Siehe Brandstätter, 2003 für einen Überblick.
32 Vgl. Laux & Schütz, 1996.
33 Vgl. Avenarius, 2000.
34 Siehe Tabelle 2 nach Laux und Schütz, 1996, S. 121.
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 21
Stufe
StufeStufe
Stufe Taktik
TaktikTaktik
Taktik Kernaussage
KernaussageKernaussage
Kernaussage
1 Leugnen Das Ereignis hat nicht stattgefunden!
2 Umdeuten Das Ereignis ist nicht negativ zu werten!
3 Urheberschaft bestreiten Ich habe das Ereignis nicht verursacht!
4 Rechtfertigen Es war richtig oder unumgänglich, so zu handeln!
5 Kontrollfähigkeit bestreiten
(mildernde Umstände benennen)
Ich habe die negativen Konsequenzen nicht
beabsichtigt!
6 Etikettierung verhindern Das Verhalten ist nicht typisch für mich!
7 Um Verzeihung bitten Es tut mir leid. Es wird nicht wieder vorkommen!
Tabelle 2: Stufenmodell defensiver Selbstdarstellungstechniken
(nach Laux & Schütz, 1996)
Eine zweite Ursache für das Gefangensein in einer verlustreichen Handlung be-
steht darin, dass wir Verluste anders bewerten als Gewinne. Nach der Prospect-
Theorie bewerten wir z. B. einen Vermögenszuwachs von 0 auf 100 Euro positiver
als einen Zugewinn von 100 auf 200 Euro.35 Der Grenznutzen weiterer Gewinn-
zuwächse von jeweils 100 Euro nimmt immer weiter ab. Bei Verlusten verhält es
sich ähnlich, allerdings unter umgekehrtem Vorzeichen. Ein Verlust von 100 Euro
gegenüber 0 Euro wiegt schwerer als ein Verlust von 200 Euro gegenüber 100 Euro.
Mit jeder weiteren Steigerung des Verlustes um jeweils 100 Euro nimmt der
Grenzschaden immer weiter ab. Dieser unterschiedliche Verlauf der Wertfunktion
führt dazu, dass wir im Gewinnbereich risikoscheu im Verlustbereich hingegen
risikofreudig entscheiden. So würden wir uns bei der Wahl zwischen einem siche-
ren Verlust von 50 Euro und einem doppelt so hohen Verlust mit einer Wahr-
scheinlichkeit von 50 % für diese zweite Alternative entscheiden. Diese Risiko-
freudigkeit trägt wiederum dazu bei, dass es uns schwer fällt, eine verlustreiche
Handlung aufzugeben. Whyte konnte die Wirkung dieses Mechanismus bei
Investitionsentscheidungen nachweisen.36 Aber es sind nicht nur diese intra-
psychischen Prozesse, die es uns erschweren, von unerreichbaren oder kosten-
intensiven Zielen abzulassen. Nach Staw setzen sie erst ein, nachdem Misserfolge
unübersehbar geworden sind.37 Darüber hinaus sind es auch die Hoffnung und
das Wollen, letztlich doch noch Erfolg haben zu können. Hinzu kommen also
motivationale und volitionale Prozesse, die eine hartnäckige Zielverfolgung unter-
stützen und verhindern, dass es zu einem verfrühten Handlungsabbruch bei auf-
tretenden Schwierigkeiten kommt. Dies trifft insbesondere auf solche Ziele zu, an
_________________
35 Für einen Überblick siehe Jungermann, Pfister & Fischer, 2005.
36 Vgl. Whyte, 1993.
37 Vgl. Staw, 1997.
22 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
die wir uns sehr stark gebunden fühlen, weil sie für unser Selbstkonzept von
zentraler Bedeutung sind.38
Situationen, in denen bei der Verfolgung wichtiger Ziele Misserfolge auftreten, so
dass die Aussicht auf Erfolg zunehmend unsicher wird, stellen also die Hand-
lungsregulation vor eine schwierige Aufgabe. Wird die Handlung zu früh abge-
brochen, entgeht uns ein Erfolg, der vielleicht noch möglich gewesen wäre. Kommt
es hingegen zu einer Eskalation bei der Zielverfolgung trotz zunehmender Ge-
wissheit eines Scheiterns, werden unnötig wertvolle Ressourcen verbraucht und
dadurch die Kosten des Scheiterns erhöht. Selbst wenn das ursprüngliche Ziel er-
reicht wird, können diese Kosten den Erfolg nachträglich doch noch in eine
Niederlage verwandeln.
Bewältigung
Nach der sehr weiten Definition des Stressforschers Lazarus und seiner Kollegen
umfasst Bewältigung alle Versuche einer Person, eine interne oder externe Anfor-
derung zu reduzieren, zu minimieren, zu meistern oder zu tolerieren.39 Dabei
handelt es sich um Anforderungen, die für eine Person von hoher Bedeutung für
ihr Wohlbefinden sind oder die ihre Handlungsfähigkeit bedrohen, d. h. ihre
aktuell verfügbaren Ressourcen übersteigen. Bewältigung bezeichnet also zunächst
in neutraler Weise den Umgang mit einer belastenden Situation, unabhängig da-
von, welche Folgen daraus resultieren. Im Unterschied dazu wird im alltags-
sprachlichen Gebrauch Bewältigung oft mit einer erfolgreichen Beseitigung einer
Belastung gleichgesetzt. In der Psychologie sind unterschiedliche Theorien und
Modelle zur Bewältigung entwickelt worden. Eine erste Gruppe von Ansätzen
unterscheidet zwischen verschiedenen Bewältigungsstilen bzw. Typen, die als
Persönlichkeitsmerkmal aufgefasst werden. So unterscheidet z. B. Haan in der
neoanalytischen Tradition zwischen den drei Stilen Bewältigung, Abwehr und
Fragmentierung, die sich hinsichtlich der vorhandenen Reife beteiligter psychi-
scher Regulationsprozesse voneinander abgrenzen lassen.40 Ein anderer dispo-
sitionsorientierter Ansatz ist die Unterscheidung zwischen Personen, die dazu
tendieren, den Bedrohungsgehalt von Situationen zu verleugnen oder herunterzu-
spielen (Repressor) und Personen, die solche Informationen gezielt suchen und
aktiv verarbeiten (Sensitizer). Für einen Überblick zu dieser Unterscheidung siehe
Krohne.41 Eine zweite Gruppe von Ansätzen unterscheidet verschiedene Phasen
_________________
38 Vgl. Brunstein, 1995.
39 Vgl. Folkman, Lazarus, Gruen & DeLongis, 1986.
40 Vgl. Haan, 1977.
41 Vgl. Krohne, 1996.
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 23
der Bewältigung. Ein wichtiger Ausgangspunkt für solche Phasenmodelle sind die
Arbeiten von Kübler-Ross zum Umgang mit Sterbenden.42 Sie unterscheidet die
fünf Phasen Verleugnung, Ausdruck von Wut und Ärger, Aushandeln, Nieder-
geschlagenheit und schließlich Lösung/Akzeptanz. Problematisch an solchen
Phasenmodellen sind zum einen die behauptete universelle Unterscheidbarkeit
der Phasen, sowie deren festgelegte Abfolge.43 Eine dritte Gruppe von Ansätzen
hebt hervor, dass Bewältigungsreaktionen als Prozess aufzufassen sind. Dazu ge-
hört z. B. der kognitiv-transaktionale Ansatz,44 das Zwei-Prozess-Modell der
Bewältigung und Entwicklungsregulation,45 die Theorie primärer und sekundärer
Kontrolle46 oder das Modell der Selektion, Optimierung und Kompensation von
Baltes und Baltes,47 das speziell für die Bewältigung von altersbedingten Verlusten
im höheren Erwachsenenalter entwickelt wurde. Ein wichtiges Merkmal prozess-
orientierter Modelle ist die Unterscheidung zwischen zwei grundlegenden Funk-
tionen von Bewältigung. Zum einen können Bewältigungsstrategien mit der Ab-
sicht verbunden sein, auf das belastende Ereignis einzuwirken und eine Verände-
rung der Situation zu erreichen. Ein solches Coping wird als problembezogen oder
auch instrumentell bezeichnet. Zum anderen können Bewältigungsstrategien zum
Ziel haben, negative Emotionen zu regulieren und das Wohlbefinden zu verbes-
sern. Ein solches Coping wird auch als emotionsbezogen oder palliativ bezeichnet.
Im Rahmen der Zwei-Prozess-Theorie werden diese beiden Funktionen als sequen-
tiell auftretende Regulationsprozesse verstanden. Im assimilativen Modus bemüht
sich die Person zunächst, aktiv auf die Situation einzuwirken, um in einer krisen-
haften Entwicklung eine positive Wendung herbeizuführen. Dabei wird an dem
ursprünglichen Ziel festgehalten, da die Person davon überzeugt ist, dass ein Er-
folg doch noch möglich ist. Steht hingegen fest, dass Misserfolge nicht nur tempo-
räre Schwierigkeiten darstellen, sondern ein endgültiges Scheitern unabwendbar
ist, treten akkomodative Bewältigungsreaktionen in den Vordergrund. Diese haben
die Funktion, eine veränderte Selbstsicht der Person zu ermöglichen, so dass die
Beeinträchtigung des Wohlbefindens gemindert wird.
Was sind nun akkomodative Prozesse, die bei der Bewältigung von Erfahrungen
des Scheiterns eine Rolle spielen? Weiter oben hatten wir bereits darauf hingewie-
sen, dass die Zielsetzung und die damit verbundene Anspruchsregulation ein
wichtiger Ansatzpunkt für den Umgang mit Misserfolgen darstellt. Ein erster
_________________
42 Vgl. Kübler-Ross, 1969.
43 Vgl. Wentura, Greve & Klauer, 2002.
44 Vgl. Lazarus, 1991, Lazarus & Folkman, 1984.
45 Vgl. Brandtstädter, 2006; Brandtstädter & Renner, 1992; Rothermund & Brandtstädter, 1997.
46 Vgl. Heckhausen & Schulz, 1995.
47 Vgl. Baltes & Baltes, 1990.
24 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
Schritt kann darin bestehen, dass Anspruchsniveau zu senken, also neu zu defi-
nieren, was ein realistisches Ziel ist. So könnte z. B. ein Profifußballer mit dem
ursprünglichen Ziel in einem europäischen Spitzenverein zu spielen, sein An-
spruchsniveau reduzieren und seinen Einsatz bei einem mittelmäßigen Verein als
Erfolg erleben. Ein weitergehender Prozess ist die Ablösung von einem blockier-
ten Ziel, insbesondere dann, wenn attraktive Alternativziele zunächst nicht in
Sicht sind. Ein wichtiger Mechanismus hierbei ist die Abwertung des blockierten
Ziels, d. h. den positiven Anreizwert des Ziels infrage zu stellen und die Kosten
einer weiteren Zielverfolgung hervorzuheben. Ein klassisches Beispiel hierfür ist
die Fabel vom Fuchs und den Trauben. Nachdem sämtliche Bemühungen des
Fuchses an die Trauben zu gelangen fehlgeschlagen sind, gibt er sein Vorhaben
mit der Begründung auf, dass die Trauben noch nicht reif genug wären.
Ein zweiter zentraler Ansatzpunkt akkomodativer Prozesse ist die Bewertung er-
zielter Handlungsergebnisse. Wie negativ ein Misserfolg erlebt wird, hängt z. B.
davon ab, wie er in Relation zum sozialen Umfeld bewertet wird. In dieser Situa-
tion können entlastende soziale Vergleiche durchgeführt werden. Dabei vergleicht
man die eigene Situation mit der von anderen Personen, denen es noch schlechter
geht. Solche Abwärtsvergleiche sind z. B. bei Personen mit schwerwiegenden Er-
krankungen beobachtet worden. Auch Personen, die einer sozialen Gruppe ange-
hören, die ein niedriges Ansehen hat, setzen günstige soziale Vergleiche ein, um
ihre negative soziale Identität zu verbessern. Entlastende Kognitionen können
auch dadurch generiert werden, dass in einer negativen Situation positive Neben-
bedeutungen „entdeckt“ werden und Negatives dadurch positiv umgedeutet wer-
den kann. Ein Beispiel für eine solche positive Umdeutung wäre die Aussage:
Durch die Krankheit habe ich erfahren, was es heißt, gute Freunde zu haben, auf die man
sich verlassen kann“. Eine ausführliche Darstellung zu entlastenden Kognitionen ist
bei Wentura zu finden.48
Ein weiterer akkomodativer Prozess, der an der Bewertung von Handlungsergeb-
nissen ansetzt, sind selbstwertdienliche Attributionsstile. Sie stellen die Relevanz
der bedrohlichen Situation für die Sicht des eigenen Selbst in Frage und tragen
dazu bei, ein positives Selbstbild oder auch die Überzeugung von der eigenen
Handlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Brandtstädter vergleicht diese Prozesse
mit der Funktion des menschlichen Immunsystems, bedrohliche Krankheits-
erreger abzuwehren.49 Ein in diesem Zusammenhang wichtiger Immunisierungs-
_________________
48 Vgl. Wentura, 1995.
49 Vgl. Brandtstädter, 2006.
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 25
prozess ist die Tendenz, Misserfolge external zu attribuieren, d. h. sie auf ungüns-
tige äußere Umstände zurückzuführen.50
Einen Hinweis auf die Wirksamkeit akkomodativer Bewältigungsreaktionen sieht
Brandtstädter in so genannten Zufriedenheitsparadoxien.51 Gemeint ist damit der
Fakt, dass Personen mit schwierigen Lebensumständen, wie z. B. chronisch Kranke,
Menschen mit Behinderungen, Unfallopfer oder Angehörige diskriminierter Min-
derheiten sich hinsichtlich ihres subjektiven Wohlbefindens oft nicht von ver-
gleichbaren Personen ohne diese Belastungen unterscheiden. Auch das Phäno-
men, dass negative Emotionen als Reaktion auf ein aversives Ereignis in der Regel
weniger lang andauern als man es erwartet hat, deutet nach Brandtstädter auf die
Wirksamkeit akkomodativer Prozesse hin.
Ein wichtiger Punkt betrifft die Frage, ob es sich bei diesen Prozessen um Strate-
gien oder „Tricks“ handelt, die bewusst in der Absicht eingesetzt werden können,
ein belastendes Ereignis zu bewältigen. Wentura, Greve und Klauer betonen, dass
akkomodative Bewältigungsprozesse einer intentionalen Steuerung überwiegend
unzugänglich sind, ja es sein müssen.52 Entlastende Kognitionen können nur dann
ihre Wirkung voll entfalten, wenn man von ihrem Wahrheitsgehalt überzeugt ist.
Das Wissen darum, solche Kognitionen in der Absicht generiert zu haben, sich
besser zu fühlen, würde ihre Wirksamkeit reduzieren. Akkomodative Bewälti-
gungsreaktionen sind also keine Psychotechniken, sie sind vielmehr Kennzeichen
eines Lernprozesses der auch als Persönlichkeitsveränderung aufgefasst werden
kann. In diesem Sinn trägt Scheitern zur individuellen Entwicklung bei, indem es
die Erkenntnis fördert, auch ein anderer sein zu können.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Was sind nun zusammenfassend betrachtet wichtige Aussagen zum Themenkom-
plex des Scheiterns aus psychologischer Sicht? Erstens ist es wichtig sich zu verge-
genwärtigen, dass die Feststellung, gescheitert zu sein, Ergebnis eines sozialen
Urteilsprozesses ist. Ob ein Handlungsergebnis als Erfolg oder Misserfolg bewer-
tet wird, ist nicht nur abhängig von scheinbar „harten Fakten“, sondern wird zu
einem nicht unerheblichen Teil durch psychologisch wirksame Faktoren bei
Urteilsprozessen bestimmt. Scheiternsurteile zeichnen sich daher durch eine
perspektivische Gebundenheit aus, sie sind immer relativ. Für Urteiler lässt sich
daraus die Konsequenz ableiten, sich zumindest dieser Begrenztheit des eigenen
_________________
50 Vgl. Fincham & Hewstone, 2002.
51 Vgl. Brandtstädter, 2006.
52 Vgl. Wentura, Greve & Klauer, 2002.
26 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
Urteils bewusst zu sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn es darum geht, die Ur-
sachen des Scheiterns zu analysieren, da Urteiler dazu tendieren, die Verantwort-
lichkeit der Person zu überschätzen. Für Akteure könnte die Anerkennung dieser
Urteilsrelativität ebenfalls hilfreich sein, um die Angst vor einem möglichen
Scheitern zu reduzieren oder um zu verhindern, dass Scheitern zu Resignation
und Hoffnungslosigkeit führt.
Ein zweiter wichtiger Punkt betrifft die Feststellung, dass wir uns das Scheitern
selbst erheblich erschweren können. Dies trifft insbesondere auf Situationen zu, in
denen bei der Verfolgung eines Ziels unübersehbare Misserfolge auftreten. Hier
besteht die Gefahr, dass unser Selbstrechtfertigungsbedürfnis oder ein hoher
sozialer Rechtfertigungsdruck uns daran hindern, von einem aussichtslosen Ziel
rechtzeitig abzulassen. Durchzuhalten, wenn es schwierig wird, muss also nicht
unbedingt ein positives Zeichen von Willensstärke sein, sondern kann auch auf
eine fehlende Flexibilität bei der Handlungsregulation hindeuten.
Ein dritter Punkt betrifft die Feststellung, dass Scheitern aus einer Prozessperspek-
tive betrachtet werden sollte. Dabei können drei Teilkomponenten unterschieden
werden: erstens der Handlungsprozess, also die Art und Weise, wie Menschen
Ziele auswählen und konkretisieren, wie Handlungen geplant, durchgeführt und
kontrolliert werden; zweitens der Bewertungsprozess, also die Art und Weise, wie
Urteile über Erfolg und Misserfolg zustande kommen und drittens der Bewälti-
gungsprozess, also die Art und Weise, wie mit Misserfolgen umgegangen wird
und welche Folgen damit verbunden sind. Bei allen drei Prozessen ist davon aus-
zugehen, dass es eine Vielzahl von moderierenden Bedingungen gibt, die zum Teil
in der Person selbst liegen, aber auch in der Situation begründet sind. Im Rahmen
dieses Übersichtsbeitrages konnten nur einige ausgewählte Aspekte des Scheiterns-
prozesses aus psychologischer Perspektive angesprochen werden.
Abschließend möchten wir einige Empfehlungen aufzeigen, die sich aus psycho-
logischer Perspektive für den Umgang mit Misserfolgen ergeben. Mit Blick auf das
Individuum stellt sich die Frage, ob es eine Kunst gibt „richtig“ zu scheitern und
inwieweit diese Kunst erlernbar ist. Die Antwort hängt davon ab, wie das Lernziel
einer solchen Kunst definiert wird. Bei einem instrumentellen Lernziel würde die
Optimierung des Prozesses des Scheiterns in Bezug auf relevante Kriterien im
Vordergrund stehen. Die Kompensation des beim Scheitern erlebten Kontroll-
verlustes und die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit könnte ein solches
Kriterium darstellen. In diesem Sinn gibt Nuber in Anlehnung an Carver und
Scheier folgende Empfehlungen: „– Man muss sich das Scheitern mit aller Klarheit
eingestehen und erkennen, dass eine weitere Verfolgung des Ziels aussichtslos
und kräfteraubend ist ... Auch die Einstellung, Misserfolge müssten auf jeden
Fall vermieden werden, verhindert einen konstruktiven Umgang damit ... – Um
Misserfolg und Scheitern aus psychologischer Sicht 27
eine Niederlage bewältigen zu können, muss man unbedingt die Bindung an das
gescheiterte Projekt, das nicht erreichbare Ziel lösen und zugleich nach einer
Alternative suchen ... Indem ein nicht erreichbares Ziel aufgegeben wird, gleich-
zeitig aber ein anderes gewählt wird, bleibt die Person in einer Vorwärts-
bewegung“.53 Derartige Empfehlungen zum Umgang mit Misserfolgen ließen sich
ergänzen durch präventive Strategien der Scheiternsvermeidung, z. B. einer realis-
tischen Zielsetzung mit klaren, spezifischen Zielen oder einer Optimierung von
Planungsprozessen, z. B. durch den Einsatz von „worst case“-Szenarien.
Ein anderes, eher entwicklungsbezogenes Lernziel könnte als Selbstaktualisierung
beschrieben werden. Dabei ginge es weniger darum, Scheitern mit Blick auf die
Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit zu optimieren, sondern Lernprozesse
zuzulassen und zu fördern, die zu einer Persönlichkeitsveränderung führen. Eines
der wichtigsten Potenziale des Scheiterns scheint darin zu bestehen, Menschen zu
befähigen, Neues an sich und in ihrer Umwelt zu entdecken. In Erfahrungs-
berichten über das Scheitern kann man immer wieder davon lesen, dass Menschen
bisher unbekannte Ressourcen entdeckten oder die Bereitschaft entwickelten, sich
auf neue Erfahrungen einzulassen. Durch das Scheitern werden Denk- und Hand-
lungsroutinen durchbrochen und veränderte Sichtweisen auf Probleme angeregt,
die wiederum neue Optionen eröffnen. Scheitern ist daher nicht nur Versagen,
Verzicht und Selbstaufgabe, sondern auch Aufbruch, Wandel und Chance. Dieses
Entwicklungspotenzial sollte nicht ungenutzt bleiben, zumal man die Kosten des
Scheiterns schon bezahlt hat. Ein solcher entwicklungsbezogener Umgang mit
dem Scheitern lässt sich aber nur begrenzt durch strategisches Handeln ver-
wirklichen, da er eher als akkomodativer Prozess zu verstehen ist. Zu fragen wäre
daher, ob andere Möglichkeiten bestehen, solche Selbstaktualisierungsprozesse
anzuregen und zu unterstützen. Einige empirische Befunde deuten darauf hin,
dass soziale Unterstützung durch andere Personen akkomodative Prozesse er-
leichtern kann.54 Hier könnte in Zukunft die sozialpsychologische Forschung zur
Einstellungsänderung weiterführende Beiträge leisten.
Da Handlungen oft in sozialen Gruppen und Organisationen stattfinden, stellt
sich aber auch die Frage nach kontextbezogenen Maßnahmen, die einen produk-
tiven Umgang mit Misserfolgen fördern. In Anlehnung an das Konzept des
Fehlermanagements könnte hier die Erkenntnis wichtig sein, dass das Problem
nicht so sehr in dem Misserfolg selbst liegt, sondern in den negativen Konsequen-
zen, die aus einem falschen Umgang mit Misserfolgen resultieren. Zu diesen
negativen Konsequenzen gehören insbesondere die Demotivation von Mitarbei-
_________________
53 Vgl. Nuber 2004, S. 23.
54 Vgl. Wentura, Greve & Klauer, 2002.
28 Olaf Morgenroth, Johannes Schaller
tern aufgrund einer unangemessenen Rückmeldung von Misserfolgen sowie das
Nichtnutzen von Lernprozessen, weil Misserfolge nicht als Chance betrachtet
werden, sich mit der Situation konstruktiv auseinanderzusetzen. Organisationen
sollten daher z. B. durch eine entsprechende Organisationskultur Einstellungen
und Verhaltensweisen fördern, die auf den Nutzen von Misserfolgen fokussieren.
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... Specifically, our study expands our knowledge of how the characteristics of the feedback recipient impact whether the potential for learning and improvement inherent in failure feedback is realized. Given the importance of feedback for goal setting and (re)directing efforts and that failure is commonplace in organizational contexts (Morgenroth and Schaller, 2010;Dahlin et al., 2018), our study also has practical implications. ...
... Specifically, the present study contributes to expanding our knowledge of how the characteristics of feedback recipients, such as their regulatory focus (Van-Dijk and Kluger, 2004), influence the consequences of failure feedback. Given that feedback is an integral part of the effective functioning of organizations (Johnson and Connelly, 2014) and that failure is commonplace in organizational contexts (Morgenroth and Schaller, 2010;Dahlin et al., 2018), our study findings also have practical implications. Previous research indicates that despite their developmental value, supervisors often struggle when providing failure feedback to guide the future efforts of their employees (Steelman and Rutkowski, 2004). ...
Article
Full-text available
The present study expands our knowledge of the differential consequences of failure feedback. Specifically, we conducted an online experiment to elaborate on how conscientiousness and extraversion contribute to explaining whether individuals learn from failure feedback for future task performance. In line with our hypotheses, we find that individuals who are highly conscientious and/or highly extraverted are more likely to learn from failure feedback than their counterparts. We discuss the implications of our study and derive practical implications.
... Kulturübergreifend werden Fehler oftmals als schambesetzt er-lebt, denn sie stellen eine Abweichung vom Standard, von der Norm oder vom "Code" und "Conduct" dar, die eine gesteckte Zielerreichung nicht möglich machen. Dies ist aus psychologischer Perspektive vor allem dann der Fall, wenn Fehler im Zusammenhang mit Versagen eines zielorientierten Verhaltens oder des Ausbleibens der Zielerreichung gesehen werden [2]. ...
Article
Full-text available
Konstruktives Fehlermanagement - Positive Fehlerkultur als Ressource Über Fehler reden die wenigsten Menschen gerne. Langfristig sollte im medizinischen Kontext das Ziel verfolgt werden eine Fehlerkultur zu etablieren, die verbindet und vorhandene Potenziale nutzt. Fehler sollten systemisch betrachtet, aber als Ressource verstanden werden. So können Kreativitätspotenziale optimal genutzt werden. Doch was sind Fehler auf individueller und institutioneller Ebene, welche Fehlerkultur ist konstruktiv und wie gehen wir mit Fehlern positiv um?
Chapter
Full-text available
To fail in a task, to misjudge a situation and to make wrong conclusions, or to be unable to achieve a desired goal, are basic human experiences that occur in everyday activities as well as in longer-term projects in the context of personal development. But the assessments of what is a mistake, an error, or a failure depend heavily on cultural as well as individual contexts. Errors, failures and mistakes do not constitute objectively ascertainable facts, but are subject to the validity of certain rules within a context-dependent judgement. These rules can exist in various forms and degrees of explicitness and are adopted in the course of social negotiation processes. The aim of this book is to synthesise empirical research-based and theoretical perspectives on mistakes, errors, and failure in and across cultures, in order to provide a comprehensive view of contemporary research and practice which is accessible to researchers and practicing professionals internationally.
Chapter
Life crises can occur for many reasons, such as the death of a loved one, serious illness or disability, the end of a relationship, divorce, unemployment or even the impact of natural or political disasters. Life crises are often experienced by the affected individual as an expression of personal failure, wrong decision-making or consequences of personal misconduct. These can lead to serious mental health issues including anxiety and depression, to somatic complaints such as heart problems or to post-traumatic stress disorder, multiple addictions or suicide.
Article
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A life-span theory of development is presented that is based on the concepts of primary and secondary control. Primary control refers to behaviors directed at the external environment and involves attempts to change the world to fit the needs and desires of the individual. Secondary control is targeted at internal processes and serves to minimize losses in, maintain, and expand existing levels of primary control. Secondary control helps the individual to cope with failure and fosters primary control by channeling motivational resources toward selected action goals throughout the life course. Primary control has functional primacy over secondary control. An analysis of extensive and diverse literatures spanning infancy through old age shows that trade-offs between primary and secondary control undergo systematic shifts across the life course in response to the opportunities and constraints encountered.
Article
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The authors summarize 35 years of empirical research on goal-setting theory. They describe the core findings of the theory, the mechanisms by which goals operate, moderators of goal effects, the relation of goals and satisfaction, and the role of goals as mediators of incentives. The external validity and practical significance of goal-setting theory are explained, and new directions in goal-setting research are discussed. The relationships of goal setting to other theories are described as are the theory's limitations.
Article
The psychological principles that govern the perception of decision problems and the evaluation of probabilities and outcomes produce predictable shifts of preference when the same problem is framed in different ways. Reversals of preference are demonstrated in choices regarding monetary outcomes, both hypothetical and real, and in questions pertaining to the loss of human lives. The effects of frames on preferences are compared to the effects of perspectives on perceptual appearance. The dependence of preferences on the formulation of decision problems is a significant concern for the theory of rational choice.
Article
A model explaining how the motive to achieve and the motive to avoid failure influences behavior assumes strength of motivation as being a multiplicative function of motive, expectancy, and incentive. This accounts for level of aspiration and also performance level when only one task is presented. "It also assumes that the incentive value of success is a positive linear function of difficulty as inferred from the subjective probability of success; and negative incentive value of failure to be a negative linear function of difficulty." 2 theoretical implications are "that performance level should be greatest when there is greatest uncertainty about outcome" and people with strong motive to achieve should prefer immediate risk whereas those with strong motive to avoid failure will prefer easy tasks or extremely difficult and risky tasks. Experimental results are cited with implications for research on gambling and social mobility aspirations. 22 references.
Psychological Perspectives on successful Aging. Perspectives from the Behavioral Sciences
  • P B Baltes
  • M M Baltes
Baltes, P. B. & Baltes, M. M. (1990), Psychological Perspectives on successful Aging. Perspectives from the Behavioral Sciences, pp. 1-34, Cambridge: Cambridge University Press Bandura, A. (1997), Self-efficacy: The exercise of control, New York: Freeman Brandtstädter, J. (2006), Das flexible Selbst, Selbstentwicklung zwischen Zielbindung und Ablösung, München: Spektrum akademischer Verlag
Coping and Defending
  • N Haan
Haan, N. (1977), Coping and Defending, New York: Academic Press.
Lehrbuch der Personalpsychologie
  • B Marcus
  • H Schuler
Marcus, B. & Schuler, H. (2001). Leistungsbeurteilung, in: H. Schuler (Hrsg.), Lehrbuch der Personalpsychologie, S. 397-431, Göttingen: Hogrefe Morgenroth, O. & Schaller, J. (2004), Zwischen Akzeptanz und Abwehr: Psychologische Ansichten zum Scheitern, in: M. Junge und G. Lechner (Hrsg.), Scheitern, Aspekte eines sozialen Phänomens, S. 181-198, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • D Zapf
  • M Frese
  • F C Brodbeck
Zapf, D., Frese, M. & Brodbeck, F. C. (1999), Fehler und Fehlermanagement, in: C. Graf Hoyos & D. Frey (Hrsg.), Arbeits-und Organisationspsychologie, Ein Lehrbuch, S. 398-411, Weinheim: Beltz
Unternehmerisch erfolgreiches Handeln
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Entwicklung und Bewältigung: Festhalten und Preisgeben von Zielen als Formen der Bewältigung von Entwicklungsproblemen
  • R Olbiers
  • G Vogel
  • J Scheidt
  • K Hogrefe Rothermund
  • J Brandtstädter
Olbiers, R., Vogel, G. & von Scheidt, J. (1996), Alltagshandeln, in: J. Kuhl & H. Heckhausen (Hrsg.), Motivation, Volition und Handlung, Enzyklopädie der Psychologie, Themenbereich C, Serie IV, Bd. 4, S. 69-100, Göttingen: Hogrefe Reinberg, F. (2002), Motivation, Stuttgart: Kohlhammer Reinecker, H. (Hrsg.). (1998), Lehrbuch der Klinischen Psychologie, Modelle psychischer Störungen, Göttingen: Hogrefe Rothermund, K. & Brandtstädter, J. (1997), Entwicklung und Bewältigung: Festhalten und Preisgeben von Zielen als Formen der Bewältigung von Entwicklungsproblemen, in: C. Tesch-Römer, C. Salewski & G. Schwarz (Hrsg.), Psychologie der Bewältigung, S. 120-133, Weinheim: PsychologieVerlagsUnion Schütz, A., Hertel, J. & Heindl, A. (2004), Positives Denken, in: A. E. Auhagen (Hrsg.), Positive Psychologie, Anleitung zum "besseren Leben", S. 16-32, Weinheim: Beltz Schulz-Hardt, S. & Frey, D. (1999), Fehlentscheidungen in Organisationen, in: C. Graf Hoyos & D. Frey (Hrsg.), Arbeits-und Organisationspsychologie, Ein Lehrbuch, S. 313-327, Weinheim: Beltz Schwarzer, R. (1993), Stress, Angst und Handlungsregulation, Stuttgart: Kohlhammer Staw, B. M. (1997), The escalation of commitment: An update and appraisal, in: Z. Shapira (Ed.), Organizational decision making, Cambridge series on judgement and decision making, pp. 191-215, New York: Cambridge University Press Taylor, S. E. & Brown, J. D. (1988), Illusion and well-being: a social psychological perspective on mental health, Psychological Bulletin, 103, pp. 193-210