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Ländliche Räume in der Wissensgesellschaft. Chancen, Herausforderungen, Perspektiven – dargestellt am Beispiel Niederösterreich

Authors:
Ländliche Räume
in der
Wissensgesellschaft
Chancen,
Herausforderungen, Perspektiven
– dargestellt
am Beispiel Niederösterreich
erneuerung
niederösterreichische
DORF STADT
Ländliche Räume
in der Wissensgesellschaft
Chancen, Herausforderungen, Perspektiven
– dargestellt am Beispiel Niederösterreich
Eine Stu die im Auf trag des Lan des NÖ
Auftraggeber
Amt der Nie der ös ter rei chi schen Lan des re gie rung
Ab tei lung Raum ord nung und Re gio nal po li tik (RU2)
Lan des ge schäfts stel le für Dorf er neue rung
Be ar bei tung
o. Univ.-Prof.Dipl.-Ing. Dr. Ger lind We ber
Mag. Lu kas Lösch ner, bakk. techn.
Ass.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Wal ter Se her
In sti tut für Raum pla nung und Länd li che Neu ord nung
Uni ver si tät für Bo den kul tur Wien
Exe cu ti ve Sum ma ry
Im stra te gi schen Um gang mit Wis sen steckt eine gro ße Pro duk tiv- und In no vat ions -
kraft. Wis sens ba sier te Ge sell schaf ten sind in An be tracht tief grei fen der raum wirk sa -
mer Ver än de run gen (z.B. Kli ma wan del, Ener gie- und Res sour cen wen de oder de mo -
gra phi scher Wan del) da her ge for dert, sich die „Res sour ce“ Wis sen durch ihren be -
wuss ten und sys te ma ti schen Um gang ge zielt zu Nut ze ma chen.
Gro ß städ te und Me tro pol re gio nen ha ben sich auf die se An for de run gen be reits ein -
ge stellt. Kraft ih rer gro ßen Ak teurs viel falt, ih rer gu ten Aus stat tung mit Hoch tech no -
lo gie- und wis sens in ten si ven Dienst lei stungs be trie ben so wie ei nem ho hen An teil
hoch qua li fi zier ter Ar beit neh mer po si tio nie ren sie sich zu neh mend als „Wis sens re -
gio nen“ und so mit als Impulsgeber und Kontenpunkte moderner Wis sens ge sell -
schaf ten.
Länd li chen Räu men ist es hin ge gen bis her nicht an hernd ge lun gen, sich mit dem
The ma des Wan dels zur Wis sens ge sell schaft aus ein an der zu set zen. Eine ent schei -
den de Ur sa che da für liegt auch da rin, dass der Dis kurs zur Wis sens ge sell schaft sehr
hoch schwel lig ge führt wird und bei spiels wei se durch die Fo kus sie rung auf Aka de mi -
ker- oder F&E-Quo ten die länd li chen Räu me in all ih rer Vielfalt weitgehend außen vor
gelassen werden.
Die vor lie gen de Stu die hat die se Pro ble ma tik zum An lass ge nom men, das The ma der
Wis sens ge sell schaft für länd li che Räu me zu durch leuch ten. Am Bei spiel zwei er un ter -
schied lich struk tu rier ter Klein re gio nen so wie der Re gio po len Krems und Tulln gin -
gen die Stu dien au to ren der Fra ge nach, wie sich länd li che Räu me auf stel len müs sen,
um die Chan cen, die sich aus dem Wan del zur Wis sens ge sell schaft er ge ben, nut zen
zu kön nen. Eine auf Ba sis von Do ku men ten ana ly sen und Ex per ten in ter views ge trof -
fe ne Ein tei lung er mög lich te es, die wirt schaft li che, tech ni sche, bil dungs- so wie die
so zia le und po li ti sche Di men si on der Wis sens ge sell schaft zu un ter su chen und so mit
den The men kom plex in seiner gesamten Breite für die Besonderheiten ländlicher
Wissensräume aufzuarbeiten.
In wirt schaft li cher Sicht zeigt sich, dass die fort schrei ten de Ag glo mer ati on wirt -
schaft li cher Ak ti vi ten auch für Klein- und Mit tel zen tren (wie Krems oder Tulln) Ent -
wic klungs chan cen öff net. Die se kön nen sich durch aus ne ben den Me tro pol re gio nen
als An kers täd te der Wis sens ge sell schaft eta blie ren, so fern es ih nen ge lingt, In no vat -
ions po ten zia le durch eine enge Ver knüp fung zwi schen Be trie ben und Aus bil dungs-
und For schungs ein rich tun gen zu nut zen. Lau fen de Wirt schafts pro gram me des Lan -
des Nie der ös ter reich (z.B. das Tech no pol pro gramm oder die Clusterinitiativen) er -
wei sen sich dafür als geeignete Instrumente.
Des Wei te ren wur de am Bei spiel der Un ter su chungs re gio nen deut lich, dass der Wan -
del zur wis sens ba sier ten Wirt schaft kei nes wegs mit ei ner Ter tiä ri sie rung und Wis -
sens ar beit nicht mit Kopf ar beit gleich ge setzt wer den darf. Trotz fort ge schrit te nen
Struk tur wan dels bil den Tei le der pro du zie ren den und ge werb li chen Wirt schaft nach
wie vor eine zen tra le Stüt ze für länd li che Wirt schafts räu me. Auch ar beits- und tech -
no lo gie in ten si ve In du strie be rei che sind da her ge for dert, ihre Wett be werbs vor tei le
durch Wis sens- und Tech no lo gie vor sprün ge zu si chern. Der auch in struk tur schwä -
che ren Re gio nen ver brei te te Man gel an Fach ar bei tern ver deut licht die star ke Kon -
kur renz um die be sten Köp fe (und Hän de!) so wie die Not wen dig keit, Mit ar bei ter
3
durch kontinuierliche Weiterbildungs- und Qualifizierungsaktivitäten am neuesten
Wissensstand zu halten.
Hin sicht lich der tech ni schen Aus stat tung be stä tig te sich, dass lei stungs fä hi ge In for -
ma tions- und Kom mu ni ka tions tech no lo gien (IKTs) eine zen tra le Vor aus set zung für
die Teil ha be länd li cher Räu me am Wan del zur Wis sens ge sell schaft dar stel len. Zwar
sind IKTs nicht in der Lage, be ste hen de räum li che (Wis sens)Dis pa ri tä ten aus zu glei -
chen, ihr ge ziel ter Ein satz (bspw. in der Er wach se nen- und Wei ter bil dung) er öff net je -
doch ins be son de re auch in länd lich-pe ri phe ren Räu men neue Mög lich kei ten der Bil -
dungs teil ha be und des Wis sen strans fers. Der wei te re Ausbau leistungsfähiger Netze
ist vor diesem Hintergrund unbedingt fortzusetzen.
Im un ge bro che nen Trend zu hö he ren Bil dungs ab schlüs sen ma ni fes tiert sich ein wei -
te res zen tra les Merk mal der Wis sens ge sell schaft. Die ser hat sich seit der Bil dungs ex -
pan si on der 1960er und 1970er Jah re auch in länd li chen Räu men kon se quent fort ge -
setzt, so dass die se mitt ler wei le im Ver gleich zu Städ ten ei nen ge rin ge ren An teil an
Nied rig qua li fi zier ten (d.h. höch stens Pflicht schul ab schluss) so wie ei nen über durch -
schnitt li chen An teil an Ab sol ven ten be rufs bil den der Schu len auf wei sen. Ihr nach wie
vor nied ri ger An teil an Hoch qua li fi zier ten (d.h. Aka de mi kern) ist hin ge gen we ni ger
auf eine ge rin ge re Bil dungs aspi ra ti on der länd li chen Be völ ke rung als auf die man -
geln de Ver füg bar keit ter tiä rer Bil dungs ein rich tun gen bzw. die unzureichenden Ar -
beits mög lich kei ten für Hochqualifizierte in diesen Räumen zurückzuführen.
Um hoch qua li fi zier te Ar beits plät ze in länd li chen Räu men zu si chern und den An teil
an Hoch qua li fi zier ten zu er hö hen muss da rü ber hin aus der Zu gang zu ter tiä ren Bil -
dungs mög lich kei ten ver bes sert wer den. In Er gän zung zur weit ge hend ab ge schlos -
se nen De zen tra li sie rung der Fach hoch schul stand or te sind Ko ope ra tions for men mit
Hoch schu len (wie sie ge gen wär tig be reits man cher orts prak ti ziert wer den) ein gang -
ba rer Weg. Die se soll ten je doch intensiver über regionale Bildungsstrategien ko or di -
niert werden.
Vor dem Hin ter grund ei ner ver brei te ten Ab wan de rungs pro ble ma tik (insb. qua li fi -
zier ter jun ger Er wach se ner) wur de in ei ner Un ter su chungs re gi on eine man geln de
Über ein stim mung zwi schen dem schu li schen Bil dungs an ge bot und der Qua li fi ka -
tions nach fra ge deut lich. Die se Schief lage hat ei ner seits Eng päs se im tech nisch-ge -
werb li chen Be reich zur Fol ge, an der seits er zeugt sie ein Über an ge bot an (ab wan de -
rungs be rei ten) Ab sol ven ten im kauf män ni schen Be reich. Eine stär ke re re gio na le Ein -
bet tung der Schu len mit tels Pro jekt ar bei ten und Ko ope ra tio nen mit re gio na len Leit -
be trie ben so wie eine in ten si ve re Be treu ung der Über gän ge nach der Pflicht schu le ist
eine Mög lich keit, die sem push-Fak tor für Ab wan de rung kurz fris tig ent ge gen zu wir -
ken. Mit tel- bis langfristig ist eine stärkere Ausrichtung der schulischen Bil dungs an -
ge bo te an regionalen Erfordernissen aber unausweichlich.
Die nie der ös ter rei chi sche Er wach se nen- und Wei ter bil dungs land schaft weist ins be -
son de re für länd li che Räu me eine ver gleichs wei se hohe An ge bots viel falt und -dich te
auf. Die se „bot tom-up“ Viel falt bie tet eine aus ge spro chen gute Grund la ge für die Re -
gio nal ent wic klung. Auf der Kehr sei te ha ben frag men tier te Struk tu ren so wie ein
man geln des Zu sam men spiel ins be son de re der klei nen An bie ter je doch zur Fol ge,
dass sich die An ge bots viel falt nicht in ent spre chen den Be tei li gungs ra ten wi der spie -
gelt. Un ter die sen Vor aus set zun gen sind die be ste hen den An ge bo te in je dem Fall als
He bel für eine stär ke re Um set zung re gio na ler und lan des wei ter The men schwer -
punk te zu nut zen. Eben so kön nen über sie nie der schwel li ge Bil dungs- und Lern zu -
gän ge ge schaf fen wer den, um im Be son de ren „bil dungs fer ne“ Be völ ke rungs grup -
pen in die Bil dungs ar beit stär ker mit ein zu be zie hen.
Handlungsempfehlungen
Ein lei tung
4
In die sem Zu sam men hang sind auch Bi bli othe ken – als wich ti ger Bau stein der Wei -
ter bil dungs land schaft ge for dert, sich den An for de run gen ei ner Wis sens ge sell -
schaft zu stel len. In dem sie sich neu en Nut zer grup pen öff nen, ge zielt neue Me dien
ein set zen und mit lo ka len/re gio na len Vereinen kooperieren, können sie neben ihrer
Funktion als Bildungs- und Lernzentren auch wichtige gesellschaftliche Funktionen
(z.B. als Kultur- und Be geg nungs räu me) übernehmen.
Die Be tei li gung an Lern- und Bil dungs pro zes sen ist nicht nur ein bil dungs po li ti sches
Ziel, sie er mäch tigt und be higt die Men schen auch, an der re gio na len Ent wic klung
teil zu ha ben. Folg lich sind Bil dung und Re gio nal ent wic klung als zwei Sei ten ei ner
Me dail le un trenn bar mit ein an der ver bun den. Die im Ent ste hen be grif fe ne „lern -
orien tier te“ Re gio nal ent wic klung (z.B. in Form der För der maß nah me „Ler nen de Re -
gio nen“ oder der Pro fes sio na li sie rung kom mu na ler Bil dungs be auf trag ter und Er -
wach sen bild ner) ver deut licht, dass die se Rich tung mitt ler wei le auf brei ter Ebe ne ver -
folgt wird. Doch auch För der pro gram me wie LEADER oder „Kli ma- und Ener gie mo -
dell re gio nen“ eig nen sich als För der ku lis se für re gio na les Ler nen, sei es auf grund be -
ste hen der Qua li fi zie rungs maß nah men (LEADER) oder aufgrund ausgeprägter For -
men des Wissens- und Technologietransfers von Forschungseinrichtungen auf länd -
li che Räume.
Ge gen über Städ ten ver fü gen länd li che Räu me nur über sehr ein ge schränk te Vor aus -
set zun gen für die Ent ste hung „in no va ti ver Mi lie us". Al ler dings bie ten länd li che
Struk tu ren güns ti ge Aus gangs be din gun gen für eine wis sens ba sier te und lern orien -
tier te Re gio nal ent wic klung. Kom mu na le wie re gio na le Go ver nan ce-An sät ze (kom -
mu na le Bil dungs be auf trag te, Dor fer neue rungs ver ei ne, Klein-, LEADER- oder Kli ma-
und Ener gie mo dell re gio nen) er wei sen sich als äußerst zielführend, um den emo tio -
na len Zugang zu Bildung und Lernen zu erhöhen.
Von der Ent wic klung zur Wis sens ge sell schaft al lei ne ist je doch kein Aus gleich räum li -
cher Dis pa ri tä ten zu er war ten. Viel mehr ist eine wei te re Po la ri sie rung der Raum ty pen
zu be fürch ten, wenn die bei spiel haft ge nann ten wis sens ge sell schaft li chen He raus -
for de run gen nicht bewusst angenommen werden.
Handlungsempfehlungen
Ein lei tung
5
6
In halts ver zeich nis
Teil I – Grund la gen
Ein lei tung ..................................................................13
Aus gangs la ge und Pro blem stel lung ........................................13
Pro jekt zie le und For schungs fra gen .........................................14
Ar beits schrit te und Me tho dik ............................................15
Stec kbrie fe der Un ter su chungs re gio nen ......................................17
Auf bau der Ar beit ...................................................19
Be griff lich kei ten und Kon zep te ................................................21
Ein lei tung .......................................................21
Be griff li che Grund la gen ...............................................21
Wis sens ge sell schaft eine An nä he rung .....................................27
Wis sens re le vanz raum wirk sa mer He raus for de run gen für länd li che Räu me............41
Ein lei tung .......................................................41
De mo gra phi scher und so zia ler Wan del.......................................42
Kli ma wan del .....................................................45
Ener gie-, Res sour cen- und bio ge ne Wen de ....................................48
Ein ge schränk te öf fent li che Fi nan zie rungs spiel räu me ..............................51
Zu sam men fas sung und Aus blick ..........................................54
Teil II Di men sio nen des Wan dels zur Wis sens ge sell schaft
Ein lei tung ..................................................................57
Wirt schaft li che Di men si on der Wis sens ge sell schaft ...............................59
Ein lei tung .......................................................59
Wan del zur Wis sens öko no mie............................................60
(De zen tra le) Kon zen tra ti on wirt schaft li cher Tä tig kei ten.............................64
Wan del der Qua li fi ka tions an for de run gen .....................................73
Tech ni sche Di men si on der Wis sens ge sell schaft ...................................83
Ein lei tung .......................................................83
In for ma tions- und Kom mu ni ka tions tech no lo gien ................................83
Ver kehrs in fra struk tur ................................................90
Bil dungs di men si on der Wis sens ge sell schaft .....................................93
Ein lei tung .......................................................93
Trend zur hö he ren Bil dung..............................................94
Schu li sche Bil dung ..................................................98
Ter tiä re Bil dung ...................................................107
Er wach se nen- und Wei ter bil dung.........................................111
7
So zia le und po li ti sche Di men si on der Wis sens ge sell schaft .........................123
Ein lei tung ......................................................123
Kom mu na les Ler nen ................................................124
Re gio na les Ler nen ..................................................131
Po si tio nie rung der Wis sens ge sell schaft im länd li chen Kon text .....................141
Ein lei tung ......................................................141
Räum li che Wir kun gen des Wan dels zur Wis sens ge sell schaft .........................141
‚Neujustierung‘ des Ver ständ nis ses der Wis sens ge sell schaft für länd li che Räu me .............143
Teil III Hand lungs emp feh lun gen
Ein lei tung .................................................................149
Über ge ord ne te Ziel set zun gen der Hand lungs emp feh lun gen .........................149
Glie de rung der Hand lungs emp feh lun gen ....................................150
Hand lungs emp feh lun gen wirt schaft li che Di men si on ...........................151
Hand lungs feld III/2-1: Be trieb li che Aus- und Wei ter bil dung..........................151
Hand lungs feld III/2-2: Un ter neh mens ko ope ra tio nen und In no vat ions netz wer ke .............153
Hand lungs emp feh lun gen tech ni sche Di men si on...............................155
Hand lungs feld III/3-1:
In for ma tions- und Kom mu ni ka tions tech no lo gie.....................................155
Hand lungs emp feh lun gen Bil dungs di men si on ................................157
Hand lungs feld III/4-1: Schu li sche Bil dung ....................................157
Hand lungs feld III/4-2: Ter tiä re Bil dung ......................................159
Hand lungs feld III/4-3: Er wach se nen- und Wei ter bil dung ...........................160
Hand lungs emp feh lun gen so zia le und po li ti sche Di men si on ................163
Hand lungs feld III/5-1: Lo ka les Ler nen ......................................163
Hand lungs feld III/5-2: Re gio na les Ler nen ....................................164
Hand lungs feld III/5-3: Von ein an der ler nen auf lo ka ler und (klein-)re gio na ler Ebe ne............165
Teil IV – An hang
Quel len ver zeich nis .........................................................169
Amt li che Quel len ..................................................169
Li te ra tur quel len ...................................................173
Ta bel len und Ab bil dun gen ...................................................183
In ter viewleit fa den..........................................................191
Lis te der In ter viewpart ner ...................................................195
Lis te der Steue rungs grup pen mit glie der ........................................199
8
9
Ab bil dungs ver zeich nis
Abb. 1: Lage der Un ter su chungs re gio nen ..................................17
Abb. 2: Vier Di men sio nen des Ler nens ....................................23
Abb. 3: SECI-Wis sens spi ra le ..........................................25
Abb. 4: „Pro duk tions kreis lauf“ des Wis sens .................................26
Abb. 5: Wis sens ge sell schaft lich re le van te In di ka to ren und Fak to ren ..................28
Abb. 6: Di men sio nen der Wis sens ge sell schaft................................30
Abb. 7: Trä ger ele men te der Wis sens ge sell schaft ..............................32
Abb. 8: "Tri ple-He lix-Mo dell“ .........................................35
Abb. 9: In te grier tes Rah men kon zept für re gio na les Ler nen in länd li chen Räu men...........38
Abb. 10: Raum wirk sa me He raus for de run gen länd li cher Räu me ......................42
Abb. 11: In du strie stand or te in Nie der ös ter reich (2001) ...........................61
Abb. 12: An teil der Be schäf tig ten nach der Tech no lo gie- und Wis sens in ten si tät
der Wirt schafts zwei ge ........................................62
Abb.13: Im puls ein rich tun gen in Nie der ös ter reich ..............................67
Abb. 14: Ent wic klung der Ge bur ten zah len 1981-2011 ...........................77
Abb. 15: Ver sor gung Ös ter reichs mit Breit band in fra struk tur ........................84
Abb. 16: Ver sor gungs stand der Ka ta stral ge mein den mit Breit band, Stand 2006 ..........85
Abb. 17: Ge bie te, wo NGA nach Breit band 2013 vor her seh bar ist .....................86
Abb. 18: Ent wic klung des Bil dungs ni veaus der 25-64-Jäh ri gen in Nie der ös ter reich
und Ös ter reich 1981-2009 ......................................95
Abb. 19: Bil dungs stand der Be völ ke rung im Al ter von 25 bis 64 Jah ren, 2009 ..............96
Abb. 20: Wohn be völ ke rung in der Klein re gi on Wald viert ler Stadt Land
nach höch stem Schul ab schluss und nach Al ters grup pen .....................97
Abb. 21: Hö he re Schul stand or te in Nie der ös ter reich ............................99
Abb. 22: Stand or te ter tiä rer Bil dungs an ge bo te in Nie der ös ter reich ...................108
Abb. 23: Stand or te be ruf li cher Wei ter bil dung in Nie der ös ter reich ....................115
Abb. 24: Ler nen de Re gio nen und Ge mein den in Nie der ös ter reich ....................132
Abb. 25: Kli ma- und Ener gie mo dell re gio nen in Nie der ös ter reich ....................137
Abb. 27: Klein re gio nen in Nie der ös ter reich .................................183
Abb. 28: Aus bau des Schie nen net zes in NÖ bis 2018 ............................183
Abb. 29: Stra ßen bau maß nah men in bis 2018 ..............................184
Abb. 30: Er reich bar keit von St. Pöl ten mit Öf fent li chem Ver kehr .....................184
Abb. 31: Er reich bar keit von St. Pöl ten mit mo to ri sier tem In di vi du al ver kehr ..............185
Abb. 32: Öf fent li cher Ver kehr im Wald vier tel ) ...............................185
Abb. 33: Bil dungs struk tur der Wohn be völ ke rung in der Stadt Krems nach Al ters grup pen ......186
Abb. 34: Bil dungs struk tur der Wohn be völ ke rung in der Klein re gi on Wa gram
(ohne Tulln) nach Al ters grup pen ..................................186
Abb. 35: Bil dungs struk tur der Wohn be völ ke rung in der Stadt Tulln nach Al ters grup pen .......187
10
Ta bel len ver zeich nis
Tab. 1: Kenn da ten zur Lehr lings aus bil dung in NÖ, 1990-2011 ......................75
Tab. 2: Kenn da ten zur Lehr lings aus bil dung in
so wie in den Be zir ken Gmünd, Krems und Tulln 2001-2011 ...................75
Tab. 3: Die fünf be lieb tes ten Lehr be ru fe 2011 in NÖ nach Ge schlecht ..................77
Tab. 4: Stel len an drang nach Aus bil dung im Be zirk Gmünd, April 2012 ................101
Tab. 5: Kenn zah len zu öf fent li chen Bi bli othe ken nach Bun des län dern, 2010 .............121
Tab. 7: Ein tei lung der Wirt schafts zwei ge
nach ih rer Wis sens- und Tech no lo gie in ten si tät (ÖNACE 2003) .................188
Tab. 8: For mel le und in for mel le Bil dungs ein rich tun gen in den Un ter su chungs re gio nen ......189
Tab. 9: Stel len an drang nach Aus bil dung in Nie der ös ter reich, April 2012 ...............190
Teil I
Grundlagen
12
Kapitel I/1
Ein lei tung
Aus gangs la ge und Pro blem stel lung
Wis sen ist die be deu tends te Res sour ce un se rer Zeit ent spre chend sorg sam müs se
sei ne Ent ste hung, Wei ter ga be und Nut zung ge hand habt wer den. Diesbezüglich
herrscht brei ter Kon sens, bil det doch der Um gang mit Wis sen eine be deu ten de
Richt schnur für die Leit bil der un se rer wirt schaft li chen und ge sell schaft li chen Ent wic -
klung1 eben so wie für die lau fen den Re for men des Bil dungs we sens2. Auch Un ter -
neh men ha ben den zen tra len Stel len wert von Wissen er kannt und sind ne ben der
Pfle ge des be triebs in ter nen ‚Wis sens ma na ge ments‘ viel fach auch dar um be müht,
durch be trieb li che Aus- und Wei ter bil dung oder Ko ope ra ti on mit wis sen schaft li chen
Ein rich tun gen ih ren Wis sens- und Tech no lo gie vor sprung und da mit ihre Wett be -
werbs fä hig keit zu sichern.
In aka de mi schen Krei sen hat das The ma der Wis sens ge sell schaft be reits seit Ende der
1990er Jah re Kon junk tur. Seit dem ist es so wohl in den So zial- und Wirt schafts wis sen -
schaf ten wie auch in den Raum wis sen schaf ten zu ei nem be deu ten den Un ter su -
chungs feld avan ciert. Raum be zo ge ne Stu dien be schrän ken sich je doch meist auf
Me tro pol re gio nen und gro ße Stadt re gio nen, die so ge nann ten „Kno ten punk te glo -
ba ler Wis sens strö me“ (Sas sen 1996, Ku jath/Stein 2009). Fra gen zur wis sens ge sell -
schaft li chen Be deu tung klei ne rer Städ te sind bis dato hin ge gen we nig er forscht,
über länd li che und pe ri phe re Räu me in der Wis sens ge sell schaft gibt es gar kei ne ge -
si cher ten Er kennt nis se (vgl. Ku jath/Stein 2009).
Tat säch lich bil den die gro ßen Ag glo mer atio nen kraft ihrer Ak teurs viel falt, hö he rer
F&E-Quo ten, ei ner gu ten Aus stat tung mit Hoch tech no lo gie- und wis sens in ten si ven
Dienst lei stungs be trie ben so wie ei nem ho hen An teil hoch qua li fi zier ter Ar beit neh -
mer3 die Im puls ge ber und Zug pfer de mo der ner wis sens ba sier ter Öko no mien. Die
de mo gra phi schen und öko no mi schen Kon zen tra tions ten den zen un ter strei chen
den Ein druck, wo nach sich un se re im Ent ste hen be grif fe ne Wis sens ge sell schaft „als
eine im Tiefsten städtische Gesellschaft darstellt“ (BMVBS/BBR 2008).
Länd li che Räu me bie ten der ar ti gen Kri te rien ent spre chend kaum Stand ort vor tei le.
Sie bil den für vie le Be ob ach ter wis sens ge sell schaft li che Re sträu me und ste hen als
„ne ga ti ve Be stim mungs grö ßen so zia ler Un gleich heits la gen“ (Spel ler berg 2008) gar
im Grund wi der spruch zu ei ner hoch tech ni sier ten Dienstleistungs- oder Wis sens ge -
sell schaft.
Tat säch lich ver fü gen länd li che Räu me je doch hin sicht lich der Wis sens er zeu gung,
der An wen dung neu en Wis sens und des Wis sen strans fers über eine gan ze Rei he an
Be son der hei ten, die es im Rah men ei ner Un ter su chung des Wan dels zur Wis sens ge -
sell schaft nä her zu be leuch ten gilt. Die vor lie gen de Stu die greift die sen For schungs -
13
1s. u.a. die „Eu ro pa2020"-Wachs tums stra te gie der EU so wie die Teil stra te gie zur Ent wic klung ei ner „In no vat ions union"
2s. u.a. die Stra te gie zum le bens be glei ten den Ler nen in Ös ter reich (LLL:2020)
3Aus Grün den der bes se ren Les bar keit wird in die ser Ar beit auf die Ver wen dung ei ner ge schlechts neut ra len Spra che ver -
zich tet.
be darf auf mit dem Ziel, die Be son der hei ten und Chan cen länd li cher Räu me (als Teil -
räu me der Wis sens ge sell schaft) nä her he raus zu ar bei ten. Hier bei ge hen die Stu dien -
au to ren da von aus, dass lang fris tig zu be wäl ti gen de Zu kunfts her aus for de run gen
(de mo gra phi scher Wan del, Kli ma wan del, Ener gie- und Res sour cen wen de, ein ge -
schränk te öf fent li che Hand lungs spiel räu me) die Mo bi li sie rung re gio na ler In no vat -
ions- und Adap tions po ten zia le er for dern, de ren Grund la ge durch ei nen sorg sa men
und ver ant wor tungs vol len Um gang mit der Res sour ce Wis sen in al len Pha sen ih res
Pro duk tions kreis lau fes ge schaf fen wer den.
Pro jekt zie le und For schungs fra gen
Auf Grund la ge der dar ge stell ten Aus gangs la ge ver folgt die Un ter su chung länd li cher
Räu me in der Wis sens ge sell schaft fol gen de Ziel set zun gen:
Dar stel lung aus ge wähl ter He raus for de run gen so wie ih rer Wis sens re le vanz bzw.
Be deu tung für länd li che Räu me in Nie der ös ter reich;
Iden ti fi ka ti on und Cha rak ter isie rung der Trä ger ele men te der Wis sens ge sell -
schaft in aus ge wähl ten Un ter su chungs re gio nen;
Sys te ma ti sie rung der wis sens ge sell schaft li chen Trä ger ele men te nach Di men sio -
nen;
Er mitt lung der wis sens ge sell schaft lich re le van ten Stand ort aus stat tung in aus ge -
wähl ten Un ter su chungs re gio nen;
For mu lie rung von Rah men be din gun gen für ei nen pro duk ti ven Um gang mit den
iden ti fi zier ten He raus for de run gen;
Aus ar bei tung von Hand lungs op tio nen für länd li che Re gio nen, um die Ent wic -
klung zur Wis sens ge sell schaft zu för dern und zu ge stal ten und die sich da raus er -
ge ben den Chan cen für die re gio na le Ent wic klung ge zielt zu nut zen.
Der Um set zung die ser Pro jekt zie le liegt ne ben ei ner zen tra len For schungs fra ge eine
Rei he un ter ge ord ne ter Fra ge stel lun gen zu grun de:
Wie kön nen sich länd li che Räu me auf stel len, um die Chan cen, die sich aus
den raum wirk sa men He raus for de run gen und dem Wan del zur Wis sens ge -
sell schaft er ge ben, zu nut zen?
Wel che räum li chen Kon se quen zen sind mit dem Wan del zur Wis sens ge sell schaft
ver bun den? Ver stärkt die Wis sens ge sell schaft die Po la ri sie rung in struk tur star ke
und -schwa che länd li che Räu me?
Wel che Aus wir kun gen hat die Wis sens ge sell schaft auf die Ent wic klung länd li cher
Räu me vor dem Hin ter grund neu er He raus for de run gen?
Wie lässt sich die re gio na le Ein bet tung der Wis sens trä ger er hen und die re gio -
na len Wis sens pro zes se (d.h. die Ver net zung der Wis sens trä ger) ver tie fen, um das
re gio nal vor han de ne Wis sen best mög lich zu nut zen?
Wie kann die Ent wic klung zu ei ner Wis sens ge sell schaft ge zielt ge för dert und ge -
stal tet wer den?
Wel che Hand lungs op tio nen er ge ben sich für die po li ti schen, wirt schaft li chen
und ge sell schaft li chen Sta ke hol der in länd li chen Räu men?
Grundlagen
Ein lei tung
14
Im Fol gen den wird dar ge legt, wie zur Um set zung der Pro jekt zie le und Be ant wor tung
der For schungs fra gen vor ge gan gen wur de, d.h. wel che Ar beits schrit te und wel che
Me tho den im Zuge des Pro jek tes an ge wen det wur den.
Ar beits schrit te und Me tho dik
Die Un ter su chung der Chan cen länd li cher Räu me in der Wis sens ge sell schaft er folg te
ge mäß fol gen den Schritten:
1) Aus wahl der Un ter su chungs re gio nen
Die vor lie gen de Un ter su chung er folg te am Bei spiel der nie der ös ter rei chi schen Klein -
re gio nen Wald viert ler Stadt Land und Wa gram so wie der Re gio po le4 Krems/Do nau (s.
Un ter su chungs re gio nen), wo bei die Art der räum li chen Be zie hung ein we sent li ches
Aus wahl kri te ri um dar stellt. So wur de die Klein re gi on Wald viert ler Stadt Land ei ner -
seits auf grund ih rer pe ri phe ren (Grenz)Lage, an der er seits we gen ih rer funk tio na len
Ver bin dung zur Stadt Krems über die FH-Ko ope ra ti on zwi schen der Wirt schafts kam -
mer Gmünd und der IMC Fach hoch schu le Krems ge wählt. Aus wahl kri te rien für die
Re gi on Wa gram wa ren ihre räum li che Nähe und ihre en gen wirt schafts-, ar beits -
markt-, und bil dungs be zo ge nen Ver flech tun gen zur Stadt Krems. Da die je wei li gen
Un ter su chungs re gio nen da rü ber hin aus un ter schied li che Raum ty pen dar stel len,
konn te der Wan del zur Wis sens ge sell schaft so wohl für pe ri phe re, von rüc kläu fi gen
Ent wic klun gen ge präg te, Räu me als auch für dy na mi sche Räu me im städ ti schen Um -
land bei spiel haft un ter sucht wer den. Dies er mög lich te es auch, den Wan del zur Wis -
sens ge sell schaft in Be zug zu den raum wirk sa men (Zu kunfts)He raus for de run gen zu
stellen.
2) Grund la gen er he bung
Für eine An nä he rung an den The men kom plex der Wis sens ge sell schaft wur den qua li -
ta ti ve In halt sa na ly sen vor han de ner For schungs ar bei ten durch ge führt, raum wis sen -
schaft li che Theo rien zur Wis sens ge sell schaft un ter sucht so wie Leit bil der, Stra te gien
und Pla nungs do ku men te zur re gio na len Ent wic klung auf ihre Be zü ge zur Wis sens ge -
sell schaft ge prüft. Die er for der li chen Da ten grund la gen zu den Un ter su chungs re gio -
nen wur den den je wei li gen klein re gio na len Ent wic klungs kon zep ten ent nom men,
die Er he bung der wis sens ge sell schaft lich re le van ten Stand ort aus stat tung ba sier te
auf der Aus wer tung von se kun där sta tis ti schen (wirt schafts-, bil dungs- und ar beits -
markt be zo ge nen) Daten der Statistik Austria bzw. der Niederösterreichischen Lan -
des sta tis tik.
3) Qua li ta ti ve Leit fa den in ter views
Auf Grund la ge der qua li ta ti ven In halt sa na ly en und der quan ti ta ti ven Re gions da ten
er ar bei te te das Pro jekt team ei nen Leit fa den (s. An hang III) für die ins ge samt 51 Ak -
teurs in ter views (s. An hang IV), die zwi schen Au gust 2011 und März 2012 zu meist im
Grundlagen
Ein lei tung
15
4Der Be griff Re gio po le setzt sich aus den Be grif fen re gio (Re gi on) und po lis (Stadt) zu sam men und be schreibt Städ te, die
au ßer halb der Me tro pol re gio nen lie gen und als re gio na le Ent wic klungs mo to ren in eher länd lich ge präg ten Re gio nen die -
nen. Sie wer den ge mein hin als klei ne Gro ß städ te zwi schen 100.000 und 300.000 Ein woh ner ge fasst. Da eine quan ti ta ti ve
Be trach tung je doch nicht aus reicht, um die Rol le der Städ te in ei nem zu ge ri gen Raum zu er klä ren (vgl. Aring/Reut her
2008), wird im nie der ös ter rei chi schen Kon text der vor lie gen den Stu die der Stadt Krems/Do nau eine mit Re gio po len ver -
gleich ba re Funk ti on und Be deu tung zu ge schrie ben.
di rek ten Ge spräch, ver ein zelt auch per Te le fon, ge führt wur den. Die Aus wahl der Ak -
teu re er folg te im Schnee ball sys tem, in dem auf Grund la ge der ers ten In ter views mit
den je wei li gen Re gio nal ma na gern und Re gio nal man ge rin nen wei te re Ak teu re aus
den Be rei chen Bil dung, Wirt schaft, Re gio nal ent wic klung so wie Po li tik und Ver wal -
tung aus ge wählt und in ter viewt wur den.
Die di gi tal auf ge zeich ne ten In ter views wur den un mit tel bar nach den In ter views aus -
ge wer tet. Aus Zeit grün den wur de auf eine voll stän di ge Trans krip ti on der Ge sprächs -
in hal te ver zich tet und statt des sen we sent li che Pas sa gen Wort für Wort do ku men -
tiert und eine the ma ti sche Grup pie rung der Aus sa gen vor ge nom men. In ei nem wei -
te ren Schritt er folg te die Syn the se al ler In ter views nach the ma ti schen Blö cken. Nach
in di vi du el ler Sich tung der ge sam mel ten Aus sa gen wur den im Zuge mehr tä gi ger
Works hops sei tens des Pro jekt teams Kern aus sa gen ab ge lei tet. Die se wur den wie der -
um in ei nem ei ge nen Work shop mit den Mit glie dern ei ner für die Be glei tung des Pro -
jekts ein ge rich te ten Steue rungs grup pe (s. An hang V) re flek tiert.
4) Er ar bei tung von Hand lungs emp feh lun gen
Auf Grund la ge der Er geb nis se aus den In ter views so wie aus den Dis kus sio nen mit
den Mit glie dern der Steue rungs grup pe wur den wis sens ge sell schaft lich re le van te
Hand lungs emp feh lun gen für länd li che Re gio nen aus ge ar bei tet. Die se zei gen Hand -
lungs op tio nen für die re le van ten Sta ke hol der auf, um (i) die Ent wic klung zur Wis -
sens ge sell schaft in länd li chen Räu men zu för dern und (ii) die Chan cen, die sich aus
dem Wan del zur Wis sens ge sell schaft er ge ben, zu nut zen bzw. (iii) den Um gang mit
den damit verbundenen Herausforderungen bestmöglich zu gestalten.
Grundlagen
Ein lei tung
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Stec kbrie fe der Un ter su chungs re gio nen
Der Wan del zur Wis sens ge sell schaft wur de am Bei spiel der Klein re gi on Wald viert ler
Stad Land, der Re gi on Wa gram so wie der Stadt ge mein de Krems/Donau untersucht.
Grundlagen
Ein lei tung
17
Abb. 1: Lage der Un ter su chungs re gio nen5 (Quel le: ei ge ne Be ar bei tung)
Klein re gi on Wald viert ler Stadt land
Flä che (km2): 254,6
Ein woh ner (2010): 20.943
Ein woh ner/km2: 82
Ver än de rung der Wohn be völ ke rung (1991-2010): -3,4%
Ver än de rung ak ti ver Be triebs stand or te (2000-2010): +22,3%
In ten si tät an Un ter neh mens grün dun gen (2011): 3,6/1.000 Ein woh ner (Be zirk Gmünd)
Ar beits lo sen quo te (2011): 8,7% (Ar beits markt be zirk Gmünd)
Me di anein kom men im Ver gleich zu NÖ = 100 (2010): 99% (Be zirk Gmünd)
Die Klein re gi on Wald viert ler Stadt Land be ste hend aus so wohl länd li chen als
auch städ ti schen Ge mein den – liegt im Obe ren Wald vier tel, im Grenz raum zu
Süd böh men (CZ). Ne ben ei nem nach wie vor stark aus ge präg ten land- und forst -
5s. auch Abb. 27 in An hang II
Grundlagen
Ein lei tung
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wirt schaft li chen Sek tor ver fügt die Klein re gi on mit den Städ ten Schrems und
Gmünd und de ren ho hen An teil pro du zie ren der Be trie be über ein Wirt schafts-
und Ar beits markt zen trum über re gio na ler Be deu tung. Zu gleich prä gen hohe Ar -
beits lo sen quo ten und die Ab wan de rung jun ger Er wach se ner die wirt schaft li che
und ge sell schaft li che Ent wic klung der Grenz re gi on. Mit dem er klär ten Ziel, gut
aus ge bil de te Fach kräf te in der Re gi on Wald vier tel ver füg bar zu ma chen und zu
hal ten, star te te im Herbst 2008 der be rufs be glei ten de FH-Stu dien gang „Un ter -
neh mens füh rung und E-Businessmanagement“ in Kooperation mit der IMC Fach -
hoch schu le Krems.
Re gi on Wa gram
Flä che (km2): 340,8
Ein woh ner (2010): 31.319
Ein woh ner/km2: 92
Ver än de rung der Wohn be völ ke rung (1991-2010): +15,0%
Ver än de rung ak ti ver Be triebs stand or te (2000-2010): +56,7%
In ten si tät an Un ter neh mens grün dun gen (2011): 4,5/1.000 Ein woh ner (Be zirk Tulln)
Ar beits lo sen quo te (2011): 4,4% (Ar beits markt be zirk Tulln)
Me di anein kom men im Ver gleich zu NÖ = 100 (2010): 95% (Be zirk Tulln)
Die Re gi on Wa gram liegt im süd west li chen Wein vier tel und be steht weit ge hend
aus länd li chen, von Wein bau und Land wirt schaft ge präg ten Ge mein den, wo bei
die Do nau eine ge wis se Bar rie re zur 2005 bei ge tre ten Stadt ge mein de Tulln dar -
stellt. Die se bil det ge mein sam mit der (aus den west li chen Ge mein den) sehr gut
er reich ba ren Stadt Krems das do mi nan te Wirt schafts-, Ar beits platz- und Bil -
dungs zen trum für die Re gi on. Die Stadt Tulln weist bei nur we ni gen pro du zie ren -
den Be trie ben ei nen star ken Dienst lei stungs sek tor mit ho hen Be schäf ti gungs an -
tei len in der öf fent li chen Ver wal tung, so wie im Ge sund heits- und So zial we sen
auf. Über die Schwer punkt set zung im Be reich der Agrar- und Um welt tech no lo -
gie eta bliert sich die Stadt zu neh mend auch als For schungs- und Tech no lo gie -
stand ort. Auf grund der gu ten Er reich bar keit des Zen tral raums Wien ver zeich net
die Re gi on hohe Zuzugs- und Auspendlerraten sowie eine äußerst dynamische
Bevölkerungs-, Siedlungs- und Betriebsentwicklung.
Stadt Krems
Flä che (km2): 51,7
Ein woh ner (2010): 23.813
Ein woh ner/km2: 461
Ver än de rung der Wohn be völ ke rung (1991-2010): +0,4%
Ver än de rung ak ti ver Be triebs stand or te (2000-2010): +26,3%
In ten si tät an Un ter neh mens grün dun gen (2011): 4,6/1.000 Ein woh ner (Stadt+Land)
Ar beits lo sen quo te (2011): 6,0% (Ar beits markt be zirk Krems/Do nau)
Me di anein kom men im Ver gleich zu NÖ = 100 (2010): 97%
Auf bau der Ar beit
In An leh nung an die oben dar ge stell ten Ar beits schrit te und Me tho den glie dert sich
die vor lie gen de Ar beit wie folgt:
Teil I – Grund la gen
Der ers te Teil der Ar beit lie fert die theo re ti schen und kon zep tio nel len Grund la -
gen für die Un ter su chung länd li cher Räu me in der Wis sens ge sell schaft. In An -
schluss an das ein lei ten de Ka pi tel wer den zen tra le Be griff lich kei ten und theo re ti -
sche Grund la gen (s. Ka pi tel I/2) dar ge stellt, be vor in Ka pi tel I/3 raum wirk sa me He -
raus for de run gen und ihre Be deu tung für länd li che Räu me so wie ihre Wis sens re -
le vanz nä her er läu tert wer den.
Teil II Di men sio nen des Wan dels zur Wis sens ge sell schaft
Im zwei ten, ‚praktischen‘ Teil der Ar beit wird der Wan del zur Wis sens ge sell schaft
in länd li chen Räu men an hand fol gen der Di men sio nen und ih rer Aus prä gung in
den Un ter su chungs re gio nen nach voll zo gen: wirt schaft li che Di men si on (s. Ka pi -
tel II/2), tech ni sche Di men si on (s. Ka pi tel II/3), Bil dungs di men si on (s. Ka pi tel II/4)
so wie so zia le und po li ti sche Di men si on (s. Ka pi tel II/5). Ab schlie ßend wer den die
räum li chen Wir kun gen des Wan dels zur Wis sens ge sell schaft zu sam men ge fasst
und eine Po si tio nie rung länd li cher Räu me in der Wis sens ge sell schaft vor ge nom -
men (s. Ka pi tel II/6).
Teil III Hand lungs emp feh lun gen
Die im drit ten Teil der Ar beit prä sen tier ten Hand lungs emp feh lun gen zur Ge stal -
tung des Wan dels zur Wis sens ge sell schaft in länd li chen Räu men orien tie ren sich
an den Di men sio nen als Ord nungs rah men. Sie fol gen ei nem hie rar chi schen Auf -
bau: den je wei li gen Hand lungs fel dern wer den Ziel set zun gen zu ge ord net und ei -
ge ne Emp feh lun gen mit Maß nah men vor schlä gen prä sen tiert.
Teil IV – An hang
Im ab schlie ßen den Teil der Ar beit fin den sich die zi tier ten Quel len, die Lis te der
in ter viewten Ak teu re (inkl. dem In ter viewleit fa den) so wie jene Ta bel len, Ab bil -
dun gen und Kar ten, die er gän zen de In for ma tio nen zu den Aus füh run gen im
Fließ text be in hal ten.
Grundlagen
Ein lei tung
19
Die Sta tut ars tadt Krems liegt im Do nau tal, im öst li chen Rand be reich der Wa chau
und am Süd ab bruch des Wald vier tels. Mit der Be son der heit ei nes tri mo da len
Stand orts (Stra ße, Schie ne, Was ser stra ße) bil det die viert grö ß te Stadt Nie der ös -
ter reichs ein star kes Wirt schafts- und Ar beits markt zen trum. Die Stadt ver fügt
über eine he ter oge ne, aber ter ti är ge präg te Wirt schafts struk tur mit ei ner Rei he
be deu ten der und spe zia li sier ter Groß be trie be. Auf grund viel fäl ti ger schu li scher
und wei ter füh ren der Bil dungs an ge bo te ge nießt Krems ei nen über re gio na len
Stel len wert als Bil dungs- und Uni ver si täts stadt. Die ser wird durch das Tech no pol -
pro gramm und die Schwer punkt set zung im Be reich der me di zi ni schen Bio tech -
no lo gie zusätzlich auf ge wer tet.
20
Ka pi tel I/2
Be griff lich kei ten und Konzepte
Ein lei tung
Wis sen ist ne ben den Pro duk tions fak to ren Rohstof fe, Ar beit und Ka pi tal zum vier ten
und ver mut lich wich tigs ten Fak tor der wirt schaft li chen und ge sell schaft li chen Ent -
wic klung avan ciert (vgl. u.a. Meus bur ger 1998). In die sem Zu sam men hang ist je doch
nicht so sehr der vor han de ne Be stand an Wis sen prä gen des Merk mal wis sens ba sier -
ter Ge sell schaf ten, son dern die Art und Wei se des Um gangs mit die ser ‚Res sour ce'.
Um die se ‚in ne re Lo gik‘ wis sens ba sier ter Ge sell schaf ten zu er fas sen ist eine Klä rung
be griff li cher und theo re ti scher Grund la gen zur Wis sens ge sell schaft er for der lich.
Folg lich wid met sich das vor lie gen de Ka pi tel zu nächst ei ner Ab gren zung wis sens ge -
sell schaft lich re le van ter Grund be grif fe, dar un ter dem Kom plex ver wand ter (und
fälsch li cher wei se oft syn onym be nutz ter) Be grif fe wie ‚Wis sen', ‚Da ten‘ und ‚In for ma -
ti on'. Auch die Be grif fe ‚Qua li fi ka ti on', ‚(Aus)bil dung‘ und ‚Ler nen‘ wer den an die ser
Stel le dif fer en ziert, be vor am Bei spiel des Be griffs ‚Wis sens ma na ge ment‘ auf die pro -
ze du ra le Di men si on bzw. den Pro duk tions zyk lus von Wis sen (d.h. die Ge ner ie rung
neu en Wis sens durch eine Nutz bar ma chung per so nen ge bun de nen Wis sens) ein ge -
gan gen wer den kann.
Ein be griff li ches Grund ver ständ nis schafft die Vor aus set zung, sich dem The men kom -
plex der Wis sens ge sell schaft wei ter zu nä hern. Zu nächst er folgt da her ei ner Skiz zie -
rung des lau fen den Dis kur ses zur Wis sens ge sell schaft und die Ar gu men ta ti on ei ner
dis kur si ven Er wei te rung, um auch länd li che Räu me als im ma nen ten Be stand teil ei -
ner Wis sens ge sell schaft er fas sen zu kön nen. Da rauf folgt eine Ein tei lung des The -
men kom ple xes Wis sens ge sell schaft nach Di men sio nen, die als Ord nungs rah men für
den wei te ren Auf bau der vor lie gen den Stu die dient. In die sem Zu sam men hang wer -
den auch die ‚Trä ger ele men te‘ der Wis sens ge sell schaft dar ge stellt: be ste hend aus
‚re gio na len Wis sens trä gern‘ und ‚re gio na len Wis sens pro zes sen‘ bil den sie die ‚re gio -
na le Wis sens ba sis'.
Ab schlie ßend un ter sucht die ses Ka pi tel den Stel len wert von Wis sen und Ler nen in der
Re gio nal ent wic klung und -po li tik. Da bei wird der Ver such un ter nom men, ge gen wär ti -
ge in no vat ions- und lern för dern de An sät ze aus Nie der ös ter reich (z.B. Tech no pol pro -
gramm, För der maß nah me „Ler nen de Re gio nen") theo re tisch ein zu bet ten.
Be griff li che Grund la gen
Eine Wis sens ge sell schaft de fi niert sich durch ‚Wis sen'. Doch was be deu tet ei gent lich
‚Wis sen', wo durch un ter schei det es sich von In for ma ti on? Wel che Rol le spie len Bil -
dung, Ler nen und Krea ti vi tät bei der Ent ste hung neu en Wis sens? Durch die Ope ra tio -
na li sie rung die ser und wei te rer grund le gen der Be grif fe wird ein ers ter Ver such un -
ter nom men, sich dem The men kom plex der Wis sens ge sell schaft zu nä hern.
21
Wis sen Da ten In for ma ti on
Die Be grif fe ‚Wis sen', ‚Da ten‘ und ‚In for ma ti on‘ so häu fig sie im all täg li chen Sprach -
ge brauch auch syn onym ver wen det wer den – gilt es im Dis kurs zur Wis sens ge sell -
schaft sau ber zu tren nen. Zwar lie gen für die je wei li gen Be grif fe je nach Be trach -
tungs win kel oder wis sen schaft li cher Fach rich tung un ter schied li che De fi ni tio nen
vor, für die Un ter su chung länd li cher Räu me in der Wis sens ge sell schaft wird da bei fol -
gen de Be griffs ope ra tio na li sie rung ver wen det:
In for ma tio nen sind „durch mensch li ches Ur teils ver mö gen ver ar bei te te und be wer te te
Da ten“ (Schnell et al. 2005, zit. in Peer 2007). Wis sen be zeich net hin ge gen jene „Ope ra ti -
on, die aus ei ner Fül le an In for ma tio nen und Da ten ein ko ren tes Bild er zeugt und Un ter -
schei dun gen so wie Kau sal zu schrei bun gen mög lich macht“ (Zim mer mann 2010). Wis sen
ent steht folg lich erst, wenn In for ma tio nen in be stimm te „Er fah rungs kon tex te ein ge bun -
den“ (Will ke 1998) wer den. Da mit ist Wis sen eine „Form der Durch drin gung der Welt: er -
ken nen, ver ste hen, be grei fen“ (Liess mann 2011).
Die ser Un ter schei dung fol gend ver bin det sich mit dem Wis sens be griff (im Ge gen -
satz zu je nem der In for ma ti on) eine aus ge präg te Hand lungs de ter mi nan te. Als
„Grund la ge mensch li chen Han dels“ (Stehr 2001a,) schafft Wis sen das Ver gen zu
han deln und Ent schei dun gen zu tref fen. Ge ra de vor dem Hin ter grund gro ßer ge sell -
schaft li cher He raus for de run gen (s. Ka pi tel II/2), von de nen auch länd li che Räu me als
ge sell schaft li che, wirt schaft li che und po li ti sche Teil räu me be trof fen sind, ist Wis sen
eine be stim men de Hand lungs res sour ce und Ent schei dungs grund la ge.
An hand der Vor aus set zun gen und Be din gun gen, un ter de nen Wis sen bzw. In for ma -
ti on ge teilt oder ver mehrt wer den kann, tre ten die Un ter schie de be son ders deut lich
zu ta ge. Wäh rend sich In for ma tio nen mit hil fe mo der ner In for ma tions- und Kom mu -
ni ka tions tech no lo gien (IKTs) be lie big schnell ver brei ten las sen, stellt die Ver brei tung
und Tei lung von Wis sen un gleich kom ple xe re An for de run gen an das räum li che und
so zia le Um feld, wo bei dem Kri te ri um der phy si schen Nähe ent schei den de Re le vanz
zu kommt. Der Aus bau von In for ma tions- und Kom mu ni ka tions tech no lo gien ver mag
die Ver füg bar keit von und den Zu gang zu In for ma tio nen er leich tern. Da raus zu fol -
gern, dass sich Wis sen gleich ßig im Raum ver tei len lie ße (vgl. Meus bur ger 1998),
wäre je doch deut lich zu kurz ge grif fen (s. Ka pi tel II/3).
Tat säch lich sind Wis sens dis pa ri tä ten ein we sent li ches Merk mal wis sens ba sier ter Ge -
sell schaf ten. Auf in di vi du el ler wie räum li cher Ebe ne herrscht ein un glei cher Zu gang
zu Wis sen. Orte der Wis sens pro duk ti on sind nicht für alle in glei chem Aus maß er -
reich bar. Dies ent schei det we sent lich über die Mög lich kei ten der Teil ha be an der
Wis sens ge sell schaft. Vor die sem Hin ter grund gilt es bei der Un ter su chung länd li cher
Räu me in der Wis sens ge sell schaft sich auch mit den Schat ten sei ten und Di lem ma ta
wis sens ba sier ter Ge sell schaf ten (vgl. Hei den reich 2003) aus ein an der zu set zen (s. Teil II).
Qua li fi ka ti on (Aus)bil dung Ler nen
Das Qua li fi ka tions- und Bil dungs ni veau nimmt ent schei den den Ein fluss auf die Er -
werbs- und Ein kom mens chan cen und da mit auf die in di vi du el len Mög lich kei ten der
Teil ha be an der Wis sens ge sell schaft (s. Ka pi tel II/4). Zwi schen dem for ma le Bil dungs -
ni veau (ge mes sen etwa an der höch sten ab ge schlos sen Schul bil dung) und dem spä -
te ren Ar beits lo sig keits- bzw. Ar muts ri si ko be steht ein en ger sta tis ti scher Zu sam men -
hang (OECD 2011). Doch auch die re gel ßi ge Be tei li gung an Wei ter bil dung und die
Be reit schaft sich be ruf lich wei ter zu qua li fi zie ren sind zu un ver zicht ba ren An for de -
run gen ei ner Wis sens ge sell schaft avan ciert.
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
22
Die ser enge be griff li che Zu sam men hang er for dert eine kur ze Klä rung:
Un ter Qua li fi ka ti on wird „die Sum me der Fä hig kei ten, Kennt nis se und Fer tig kei ten ver -
stan den, die für eine be stimm te Auf ga be oder be ruf li che Po si ti on als not wen dig oder
wün schens wert an ge se hen wer den“ (Meus bur ger 1998). Qua li fi ka ti on ist so mit stets ziel -
ge rich tet und mit kon kre ten An for de rungs pro fi len ver bun den. Auch der Be griff der „Aus -
bil dung“ un ter liegt ei ner kon kre ten Ziel- und Zwec kbe stim mung. Bil dung ist hin ge gen
als „Vor gang geis ti ger For mung und Sin ner schlie ßung“ (Meus bur ger 1998) zwec kfrei
und ohne un mit tel ba re Ziel ge rich tet heit.
Der Er werb von Bil dungs ab schlüs sen und Qua li fi ka tio nen so wie die Teil nah me an
Aus- und Wei ter bil dung fin den meist un ter in sti tu tio nel len Rah men be din gun gen
statt (z.B. in Schu len, in Be trie ben, in Er wach se nen- und Wei ter bil dungs ein rich tun -
gen). Sich in ei ner Wis sens ge sell schaft zu recht zu fin den, mit im mer neu en Auf ga -
ben stel lun gen in wech seln den Ar beits fel dern um zu ge hen, er for dert je doch auch
das „Er ler nen“ von Kom pe ten zen, Fer tig kei ten oder Fä hig kei ten in an de ren Kon tex -
ten.
Dass Ler nen nicht mit dem Ende des Schul be suchs zu Ende ist, son dern das gan ze Le -
ben an dau ert, wird durch das Kon zept des ‚le bens be glei ten den‘ bzw. ‚Le bens lan gen
Ler nens‘ (LLL) be rücks ich tigt. Zu dem be zieht es ein, dass „Lern er fah run gen in ih rer
Art und in ih rem Kon text va ri ie ren kön nen“ (Ber tels mann Stif tung 2011).
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
23
Abb. 2: Vier Di men sio nen des Ler nens (Quel le: ei ge ne Dar stel lung nach UNESCO 1996, Ber tels mann Stif tung
2011)
Das Vier-Säu len-Mo dell der UNESCO (19966) wird am ehes ten den viel fäl ti gen As pek -
ten des Ler nens ge recht. Es un ter schei det in (vgl. Ber tels mann Stif tung 2011):
Schu li sches Ler nen (Le ar ning to Know)
Ler nen im for ma len Schul sys tem: In den Lern or ten die ser Di men si on wird mit
dem Er werb von Grund kom pe ten zen, wie Le sen, Schrei ben und Rech nen, so wie
ei ner so li den All ge mein bil dung die Vor aus set zung für wei te res Ler nen ge schaf -
fen.
Be ruf li ches Ler nen (Le ar ning to Do)
Ler nen im be ruf li chen Kon text: In den Lern or ten die ser Di men si on wer den be ruf -
li che Fach qua li fi ka tio nen (Lehr lings aus bil dung, Fach ar bei ter aus bil dung) so wie
Kom pe ten zen ver mit telt, die es den Mit ar bei tern er mög li chen, mit den wan deln -
den An for de run gen der Ar beits welt Schritt zu hal ten (be ruf li che Wei ter bil dung).
So zia les Ler nen (Le ar ning to Live To get her)
Ler nen im so zia len Kon text: Die se Lern di men si on be rücks ich tigt das Ler nen in zi -
vil ge sell schaft li chen Or ga ni sa tio nen und In itia ti ven. Das oft auf Frei wil lig keit und
Eh ren amt be ru hen de En ga ge ment in Ver ei nen stärkt die so zia len Kom pe ten zen
und för dert den so zia len Zu sam men halt so wie die Ent wic klung ei nes auf ge gen -
sei ti gem Ver trau en und Plu ra lis mus ba sie ren den ge sell schaft li chen Wer te ver -
ständ nis ses.
Per sön li ches Ler nen (Le ar ning to Be)
Ler nen zur per sön li chen Ent fal tung: Die se Lern di men si on re flek tiert Lern si tua tio -
nen in der Frei zeit, die zur Un ter hal tung so wie zur Ent wic klung der ei ge nen Per -
sön lich keit die nen (u.a. Ei gen stän dig keit, Ver ant wor tungs be wusst sein, Ur teils -
ver mö gen). Im Ge gen satz zu for ma len Bil dungs- und Lern di men sio nen spie len
beim per sön li chen Ler nen Über le gun gen zur Nutz- oder Ver wert bar keit des Wis -
sens eine un ter ge ord ne te Rol le.
Im Ge gen satz zu an de ren län der über grei fen den Ver gleichs stu dien (z.B. PISA oder
dem jähr lich er schei nen den OECD-Be richt „Bil dung auf ei nen Blick“), die in der Re gel
for ma li sier te Bil dungs aspek te (Schul be such, Be rufs aus bil dung oder die Teil nah me
an Wei ter bil dung) ins Zen trum der Auf merk sam keit rü cken, er mög licht das Vier-Säu -
len-Mo dell eine stär ke re Be rücks ich ti gung von Aspek ten des so zia len und per sön li -
chen (d.h. des non-for ma len bzw. in for mel len Ler nens). Dies ist in so fern von Re le -
vanz, als „in for mel le Lern ak ti vi tä ten auf grund ih rer Frei wil lig keit häu fig gro ße Wir -
kung zei gen“ (Ber tels mann Stif tung 2011).
Für die vor lie gen de Stu die er mög licht ein um fas sen des Ver ständ nis von Ler nen auch
die Be rücks ich ti gung des (meist auf Eh ren amt ba sie ren den) bür ger schaft li chen En -
ga ge ments in kom mu na len und re gio na len Ent wic klungs ver ei nen. Jüngs te An sät ze
zur För de rung des Ler nens auf re gio na ler und kom mu na ler Ebe ne (s. Ka pi tel II/5) un -
ter strei chen zu dem den au ßer ge wöhn li chen Stel len wert so zia len Ler nens auf dem
Weg zu ei ner wis sens ba sier ten und lern orien tier ten Re gio nal ent wic klung.
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
24
6Das Vier-Säu len-Mo dell wur de von der in ter na tio na len Kom mis si on „Bil dung für das 21. Jahr hun dert“ un ter dem Vor sitz
von Jacques De lors ent wi ckelt und in dem Be richt „Le ar ning – The Trea su re Wit hin. Re port to UNESCO of the In ter na tio nal
Com mis si on on Edu ca ti on for the Twen ty-first Cen tury” ver öf fent licht.
Sys te ma ti scher Um gang mit Wis sen (‚Wis sens ma na ge ment')
Ein zen tra les Merk mal wis sens ba sier ter Ge sell schaft ist nicht so sehr der vor han de ne
Be stand an Wis sen, son dern die Art und Wei se des Um gangs mit die ser ‚Res sour ce'.
Tat säch lich wer den Wis sens ge sell schaf ten erst als sol che be zeich net, „weil Wis sen an
Be deu tung ge won nen hat und mit Wis sen be wusst und sys te ma tisch um ge gan gen
wird“ (BMLFUW 2009).
Grund la ge für die in halt li che Dis kus si on über die Res sour ce Wis sen ist die auf den un -
ga risch-bri ti schen Na tur wis sen schaft ler und Phi lo so phen Mi cha el Po la nyi (1958) zu -
rüc kge hen de Dif fer en zie rung in per so nen ge bun de nes (oder im pli zi tes) Wis sen und
for ma les, ko di fi zier tes (ex pli zi tes) Wis sen (vgl. u.a. No na ka/Ta keu chi 1997, Flo ri da
2002).
Ex pli zi tes Wis sen (ex pli cit knowled ge) lässt sich in for ma ler Spra che aus drü cken und ist da -
her leicht kom mu ni zier- und ver teil bar. Es kann durch Ar ti kel, Nor men, Ge set ze, Hand -
lungs an wei sun gen etc. do ku men tiert und ge spei chert wer den. Mit tels In for ma tions- und
Kom mu ni ka tions tech no lo gien ist es fast ubi qui tär ver füg bar.
Im pli zi tes Wis sen (ta cit knowled ge) ist per so nen ge bun den und lässt sich nur schwer for -
ma li sie ren, ko di fi zie ren und kom mu ni zie ren. Es wird durch in di vi du el le Be ob ach tung, Er -
fah rung und Aus ein an ders et zung mit be stimm ten In hal ten und Auf ga ben er wor ben (No -
na ka/Ta keu chi 1997). Flo ri da (2002) be tont die Be deu tung des im pli zi ten Wis sens für in -
no va ti ve, so zio kul tu rel le Netz wer ke und Mi lie us. Die ses Wis sen ist an re gio na le Kon tex te
(z.B. krea ti ve Mi lie us) ge bun den und nicht ohne wei te res über trag bar.
Die sche ma ti sche Dar stel lung von No na ka/Kon no (s. Abb. 3) ver an schau licht, wie im -
pli zi tes und ex pli zi tes Wis sen zwi schen In di vi du en, Grup pen und Or ga ni sa tio nen ge -
ne riert und trans fe riert wird.
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
25
Abb. 3: SECI-Wis sens spi ra le (Quel le: No na ka/Kon no 1998)
Dem SECI-Mo dell zu fol ge fin det durch So zia li sa ti on (d.h. Kom mu ni ka ti on, Be ob ach -
tung) ein Aus tausch von im pli zi tem Wis sen statt. Ex ter na li sie rung be schreibt die Ko -
di fi zie rung und Do ku men ta ti on von per so nen ge bun de nem Wis sen in ex pli zi tes Wis -
sen. Mit tels Kom bi na ti on wird be ste hen des ex pli zi tes Wis sen zu neu em Wis sen ver -
bun den (u.a. durch den Ein satz von IKTs). Schließ lich be schreibt In ter na li sie rung die
An eig nung von Wis sen durch Lern pro zes se, wo rauf wie der um der Aus tausch im pli zi -
ten Wis sens folgt (vgl. No na ka/Kon no 1998; BMLFUW 2009).
Ana log zu die ser dem SECI-Mo dell zu grun de lie gen den du alen Dif fer en zie rung in
ex pli zi tes und im pli zi tes Wis sen un ter liegt Wis sen ei nem „Pro duk tions pro zess“ (s.
Abb. 4), dem zu fol ge die Iden ti fi ka ti on, Do ku men ta ti on, Ver mitt lung und Re fle xi on
von be ste hen dem Wis sen zur Ge ner ie rung neu en Wis sens führt.
Im Sin ne ei nes ‚Wis sens ma na ge ments‘ er for dert die Auf recht er haltung die ses Pro -
zes ses ei nen be wuss ten, sys te ma ti schen und ziel ge rich te ten Um gang mit Wis sen
(vgl. Leh ner 2008). Hier bei rückt ins be son de re das per so nen ge bun de ne Wis sen ins
Zen trum der Auf merk sam keit, gilt es doch die ses vor han de ne, je doch oft nicht sicht -
ba re (Er fah rungs)Wis sen zu iden ti fi zie ren, zu si chern und für die All ge mein heit ver -
füg bar und nutz bar zu ma chen (vgl. BMLFUW 2009).
Das Kon zept des Wis sens ma na ge ments stammt (ähn lich wie der Be griff der Wis sens -
ge sell schaft selbst) ur sprüng lich aus der Wirt schafts- und Ma na ge ment theo rie7 , es
lässt sich je doch auch auf die re gio na le Ebe ne über tra gen, wie wis sens- und lern -
orien tier te An sät ze aus der Re gio nal ent wic klung und -po li tik zei gen.
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
26
Abb. 4: „Pro duk tions kreis lauf“ des Wis sens (Quel le: ei ge ne Dar stel lung nach Kun ze 2008, BMLFUW 2009, Thien
2012)
7Die ja pa ni schen Wis sen schaft ler No na ka und Ta keu chi ent wi ckel ten ihr Mo dell der Wis sens er zeu gung für Un ter neh men
und Or ga ni sa tio nen (s. auch Kon zep te zu „ler nen den“ bzw. „in tel li gen ten“ Or ga ni sa tio nen)
Wis sens ge sell schaft eine An nä he rung
Der Be griff ‚Wis sens ge sell schaft‘ geht auf den Ma na ge ment theo re ti ker Pe ter Dru cker
zu rück, der da mit eine wirt schaft li che und so zia le Ord nung be zeich ne te, in der nicht
mehr Ar beit, Rohstof fe und Ka pi tal, son dern „Wis sen“ zur zen tra len Quel le von Pro -
duk ti vi tät, Wachs tum aber auch so zia len Un gleich hei ten wird (vgl. Dru cker 1994, zit.
in Hei den reich 2003). Seit sei ner erst ma li gen Er wäh nung Ende der 1960er Jah re
scheint sich der Be griff nun mehr ge gen an de re, zwi schen zeit lich ge bräuch li che Be -
zeich nun gen, wie etwa der In for ma tions-, Dienst lei stungs- oder Netz werk ge sell -
schaft, durch zu set zen, wohl auch des halb, weil der Be griff Wis sens ge sell schaft im
Ge gen satz zur tech ni schen bzw. sek to ra len Be schrän kung die ser Be grif fe, eine grö -
ße re In ter pre ta tions brei te zulässt.
In Er gän zung zur Wis sens ge sell schaft hat sich in den letz ten Jah ren der Be griff der
‚Wis sens öko no mie‘ im mer stär ker eta bliert. Es wur de er kannt, dass Wis sen und sei ne
Or ga ni sa ti on (Ge ner ie rung, Ko di fi zie rung, Stan dar di sie rung, Trans for ma ti on, Wei ter -
ga be, Nut zung und An wen dung, etc.) zu ei ner be stim men den Grund la ge un se res
Wirt schafts sys tems ge wor den ist. We sent lich da bei ist, dass nicht die Nut zung von
be reits be ste hen dem Wis sen, das im mer wie der wei ter ge ge ben wird, ent schei dend
ist, son dern viel mehr das neue Wis sen, das durch Kom bi na ti on be ste hen den Wis sens
(Ver net zungs aspekt) ge ne riert wird, und der Wis sens zu wachs, der in wirt schaft lich
re le van te In no vat io nen und ver markt ba re Wis sens pro duk te ein fließt (BMVBS/BBR
2008). Zu den wis sens ba sier ten Wert schöp fungs- und In no vat ions bran chen wer den
folg lich ins be son de re die hoch tech ni sier ten In du strie un ter neh men mit ho hen F&E-
Quo ten aber auch die viel fäl ti gen An wen der bran chen, etwa im Be reich der un ter -
neh mens be zo ge nen Dienst lei stun gen, gezählt.
Nur sel ten fin det zwi schen den Be grif fen Wis sens ge sell schaft und Wis sens öko no mie
eine aus rei chen de Dif fer en zie rung statt, so dass eine star ke öko no mi sche Über la ge -
rung des The men kom ple xes der Wis sens ge sell schaft zu kon sta tie ren ist.
Aus wei tung des Dis kur ses zur Wis sens ge sell schaft
Aus ge hend von den So zial- und Wirt schafts wis sen schaf ten ha ben die Be grif fe Wis -
sens ge sell schaft und Wis sens öko no mie mit Ende der 1990er Jah re auch in den po li ti -
schen und me di alen Dis kurs Ein zug ge hal ten, wo sie durch die Ver an ke rung in Leit -
bil dern und Pro gram men8 zu ei ner Richt schnur der wirt schaft li chen wie ge sell schaft -
li chen Ent wic klung wur den. Un ge ach tet ih rer Ver brei tung ist je doch fest zu stel len,
dass die po li ti sche, me di ale wie auch raum wis sen schaft li che De bat te zur Wis sens ge -
sell schaft im All ge mei nen in drei fa cher Hin sicht re du ziert ver läuft:
1) Re du zie rung auf Me tro pol re gio nen
Aus raum wis sen schaft li cher Sicht ist eine dis kur si ve Re du zie rung auf Me tro pol re -
gio nen und Ag glo mer ations räu me zu be ob ach ten, die kraft ih rer Stand ort vor tei -
le im Be reich der Bil dungs-, Wis sens- und For schungs in fra struk tur wie auch auf -
grund ei nes ho hen An teils wis sens- und hoch tech no lo gie ba sier ter Un ter neh -
men als „Kno ten punk te der Wis sens ge sell schaft“ (Ku jath/Stein 2009) gel ten.
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
27
8vgl. u.a. „The Knowled ge-Ba sed Eco no my“ (OECD 1996); „Lis sa bon-Stra te gie“ (Eu ro päi scher Rat 2000); „Ak tions pro -
gramm im Be reich des le bens lan gen Ler nens“ (Eu ro päi sches Par la ment 2006); „Eu ro pa 2020“ (Eu ro päi sche Kom mis si on
2010).
2) Re du zie rung auf Aka de mi ker quo ten
In Be zug auf Bil dung und Aus bil dung fo kus siert sich die De bat te zur Wis sens ge -
sell schaft mit der For de rung nach hö he ren Aka de mi ker- und For schungs quo ten
auf das obe re Ende der Aus bil dungs hie rar chie. Be rufs bil den de bzw. sol che Aus -
bil dungs we ge, die nicht in ei nen ter tiä ren Bil dungs ab schluss mün den, wer den
hin ge gen we ni ger stark be ach tet.
3) Be schrän kung auf In no vat ion in Hoch tech no lo gie be rei chen
Im Dis kurs zur Wis sens ge sell schaft ist eine Ein schrän kung auf In no vat io nen im
High-Tech-Be reich (Pa ten tan mel dun gen, F&E-Quo ten, F&E-in ten si ve Be ru fe
usw.) zu kon sta tie ren. In no vat io nen in Low- und Me di um-Tech-Bran chen der
Sach gü ter pro duk ti on so wie so zia le In no vat io nen blei ben meist au ßen vor.
4) Be schrän kung der In no vat ions ge ner ie rung auf städ ti sche Räu me
Mit dem wis sen schaft li chen Dis kurs ist die An nah me ver bun den, dass der Wan -
del zur Wis sens ge sell schaft eine funk tions räum li che Ar beits tei lung for ciert. In
die sem Zu sam men hang wer den Me tro po len als In no vat ions räu me, Re gio po len
als Trans mis sions räu me (in de nen In no vat io nen an ge wen det und wei ter ge ge -
ben wer den) und länd li che Räu me als Adap tions räu me (in de nen die An wen -
dung an dern orts ge ner ier ter In no vat io nen er folgt) ver stan den.
Das eben skiz zier te hoch schwel li ge Ver ständ nis der Wis sens ge sell schaft kommt
auch in den Raum- und Re gio nal wis sen schaf ten zum Aus druck. In ei ner vom Leib -
niz-In sti tut für Re gio nal ent wic klung und Struk tur pla nung be ar bei te ten Stu die (vgl.
BMVBS/BBR 2008) wur den bspw. zur Cha rak ter isie rung der Wis sens ge sell schaft in
Deutsch land In di ka to ren (s. Abb. 5) ge wählt, die eher die Stär ken und die Stand ort -
vor tei le von Ag glo mer ations räu men re flek tie ren, hin ge gen die Be son der hei ten
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
28
Abb. 5: Wis sens ge sell schaft lich re le van te In di ka to ren und Fak to ren (Quel le: BMVBS/BBR 2008)
länd li cher Bil dungs-, Wirt schafts- und In no vat ions räu me weit ge hend un be rücks ich -
tigt las sen.
Für die Zwe cke und Ziel set zun gen der vor lie gen den Stu die ist fol gen de dis kur si ve Er -
wei te rung er for der lich:
ad 1) Länd li che Räu me sind we sent li cher Teil des Wan dels zur Wis sens ge sell schaft.
In den tief grei fen den Ver än de run gen länd li cher Räu me (u.a. auf grund des
Trends zur hö he ren Bil dung oder der Ab wan de rung jun ger Er wach se ner in städ -
ti sche Wis sens zen tren) of fen bart sich eine aus ge spro chen hohe Wis sens re le -
vanz (s. Ka pi tel I/3). Vor die sem Hin ter grund sind länd li che Räu me stär ker in den
Dis kurs zur Wis sens ge sell schaft mit ein zu be zie hen, bzw. sind die Ak teu re in
länd li chen Räu men selbst ge for dert, sich stär ker mit dem The ma Wis sen und
Wis sens ge sell schaft aus ein an der zu set zen.
ad 2) Be rücks ich ti gung be rufs bil den der Aus bil dungs we ge
Eine bil dungs be zo ge ne Re du zie rung auf Hoch qua li fi zier te (d.h. Aka de mi ker)
wird den An for de run gen ei ner Wis sens ge sell schaft nicht ge recht, wie ein ver -
brei te ter Man gel an Fach kräf ten ver deut licht. Mit ei nem ho hen An teil be rufs bil -
den der Schul- und Lehr ab schlüs se ver fü gen länd li che Räu me in die sem Be reich
über deut li che Stär ken. Vor die sem Hin ter grund ist im Dis kurs zur Wis sens ge -
sell schaft auch ei ner De bat te zur ge sell schaft li chen und wirt schaft li chen Wer -
tig keit be rufs bil den der Aus bil dungs we ge zu füh ren (s. Ka pi tel II/4).
ad 3) Er wei ter tes In no vat ions ver ständ nis
Tech no lo gie- und for schungs in ten si ve Bran chen (z.B. Bio tech no lo gie) schaf fen
ent schei den de Grund la gen für die künf ti ge wirt schaft li che und ge sell schaft li -
che Ent wic klung. Eine star ke dis kur si ve Fo kus sie rung auf die se Bran chen lässt
je doch die In no va ti vi tät we ni ger tech no lo gie- und for schungs in ten si ver Wirt -
schafts be rei che weit ge hend un be rücks ich tigt. Auch die se ver fü gen über ho hes
In no vat ions po ten zi al, das es durch den Aus bau von Un ter neh mens netz wer ken
und die ge ziel te An bin dung nicht-for schungs in ten si ver Bran chen an wis sen -
schaft li che Ein rich tun gen zu mo bi li sie ren gilt (s. Ka pi tel II/2). Das tech ni sche In -
no vat ions ver ständ nis ist zu dem durch die so zia le Di men si on zu er gän zen, zu -
mal das ge mein nüt zi ge En ga ge ment in Ver ei nen und Or ga ni sa tio nen gro ße In -
no vat ions- und Ge stal tungs kraft in länd li chen Räu men frei set zen kann (s. Ka pi -
tel II/5). Die ses so zia le und re gio na le Ka pi tal ist eine we sent li che Vor aus set zung
für den Um gang mit raum wirk sa men Zu kunfts her aus for de run gen (s. Ka pi tel
I/3).
ad 4) Un ter su chung der In no vat ions- und Adap tions fä hig keit länd li cher Räu me
Im Zu sam men hang mit ei nem er wei ter ten In no vat ions ver ständ nis ist auch die
Rol le länd li cher Räu me in der Ge ner ie rung von In no vat io nen zu klä ren. Es gilt zu
prü fen, ob länd li chen Räu men tat säch lich nur An wen der funk tio nen zu ge schrie -
ben wer den kön nen oder ob sie die not wen di gen Vor aus set zun gen zur Ge ner -
ie rung von In no vat io nen auf wei sen (s. Ka pi tel II/6).
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
29
Di men sio nen und Merk ma le der Wis sens ge sell schaft
Ein breites dis kur si ves Grund ver ständ nis schafft die Vor aus set zung zu ei ner wei te ren
An nä he rung an den The men kom plex der Wis sens ge sell schaft, der sich ge mein hin
aus ei ner. tech ni schen, wirt schaft li chen und so zia len Di men si on zu sam men setzt
(vgl. BMVBS/BBR 2008). Auf grund der zen tra len Be deut sam keit von Bil dungs the men,
so wie von lo ka len/re gio na len Parti zi pa tions- und Ent wic klungs pro zes sen in der Wis -
sens ge sell schaft kommt für die vor lie gen de Un ter su chung länd li cher Räu me in der
Wis sens ge sell schaft ein auf den fol gen den vier Di men sio nen ba sie ren der Ord nungs -
rah men zur An wen dung (s. Abb. 6):
1) Wirt schaft li che Di men si on (s. Ka pi tel II/2)
Wis sens ar beit und Pro duk ti on im ma ter iel ler Güter
Im Ge gen satz zur klas si schen (ar beits in ten si ven) Sach gü ter pro duk ti on des In du -
strie zeit al ters bil det heu te die Pro duk ti on im ma ter iel ler Gü ter über wis sens- und
kom mu ni ka tions in ten si ve Tä tig kei ten (F&E, Krea tiv wirt schaft, un ter neh mens be -
zo ge ne Dienst lei stun gen) so wie de ren or ga ni sa to ri sche Grund la gen (Wis sens -
ma na ge ment) ein wich ti ges Stand bein wis sens ba sier ter Öko no mien (vgl. Hei -
den reich 2002, zit. in Schäd lich/Stangl 2005).
Wis sens- und Tech no lo gie in ten si tät auch im pro du zie ren den Bereich
Un ter ei nem ver schärf ten glo ba len Wett be werbs druck sind auch Sach gü ter pro -
du zie ren de Un ter neh men ge for dert, ihre Wett be werbs vor tei le durch Wis sens-
und Tech no lo gie vor sprün ge so wie be trieb li che Qua li fi zie rungs maß nah men zu
si chern. Auf grund des ho hen An teils pro du zie ren der bzw. ge werb li cher Be trie be
in länd li chen Räu men sind auch die se im Wan del zur Wis sens ge sell schaft ver -
stärkt zu be rücks ich ti gen.
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
30
Abb. 6: Di men sio nen der Wis sens ge sell schaft (Quel le: ei ge ne Dar stel lung, er gänzt nach BMVBS/BBR 2008)
2) Tech ni sche Di men si on (s. Ka pi tel II/3)
In for ma tions- und Kom mu ni ka tions tech no lo gie stär ken den In for ma tions- und Wis sen strans fer
Wirt schaft und Ge sell schaft sind durch die Nut zung von ver netz ten di gi ta len In -
for ma tions-, Kom mu ni ka tions- und Me dien tech no lo gien ge prägt (vgl. Hei den -
reich 2002, zit. in Schäd lich/Stangl 2005). Sie bil den eine zen tra le Vor aus set zung
für den Wis sens- und In for ma tions trans fer.
3) Bil dungs di men si on (s. Ka pi tel II/4)
Be deu tung des In di vi du ums als Wis sens trä ger
Der Wan del zur Wis sens ge sell schaft ist durch ei nen un ge bro che nen Trend zur
Hö her qua li fi zie rung cha rak ter isiert. Er wor be nes Wis sen und Fer tig kei ten müs sen
für die Ent wic klung und An wen dung neu er Tech no lo gien ein ge setzt wer den,
eben so zen tral sind „so zia le In no vat io nen“ für den Um gang mit raum wirk sa men
He raus for de run gen.
Bil dung als Schlüs sel fak tor der Wis sens ge sell schaft
Bil dungs sys te me wie auch der ge sell schaft li che Um gang mit Wis sen (Wis sens -
pro duk ti on, -ver meh rung, -zu gang, -wei ter ga be) spie len eine he raus ra gen de
Rol le in der Wis sens ge sell schaft. Ei ner seits wer den über sie „Le bens chan cen zu -
ge teilt“ (vgl. Bitt ling may er 2001), zum an de ren schaf fen Bil dungs sys te me die
Vor aus set zung zur Be wäl ti gung von Un si cher hei ten und Ri si ken (Stich wort: Ar -
beits lo sig keit). Die Höhe des Ein kom mens, das Ar beits lo sig keits ri si ko und die
Pro duk ti vi tät sind stark an den for ma len Aus bil dungs stand ge kop pelt (vgl. OECD
2011).
Gro ße Be deu tung von for mel len, in for mel len und kol lek ti ven Lern pro zes sen
In Er gän zung zu for mel len (schu li schen) Lern pro zes sen in Bil dungs in sti tu tio nen
spie len in for mel le Lern struk tu ren und -netz wer ke (d.h. per sön li ches und so zia les
Ler nen) eine tra gen de Rol le im Um gang mit Ver än de run gen. Gleich zei tig stei gen
die qua li ta ti ven An for de run gen an Aus- und Wei ter bil dung und auf grund kür ze -
rer Wis sens zyk len die Be deu tung für le bens lan ges Ler nen (vgl. Hei den reich 2002,
zit. in Schäd lich/Stangl 2005).
4) So zia le und po li ti sche Di men si on (s. Ka pi tel II/5)
Netz wer ke als ess en tiel le Or ga ni sa tions form (Go ver nan ce als Steue rungs an satz)
For mel le und in for mel le Ko ope ra tions be zie hun gen zwi schen den un ter schied li -
chen ‚Wis sens trä gern‘ (Bil dungs ein rich tun gen, Un ter neh men, Schlüs sel ak teu re;
s. un ten) bil den die Grund la ge für die Ge ner ie rung und An wen dung neu en Wis -
sens. Vie le wis sens ba sier te An sät ze der Re gio nal ent wic klung sind ohne ko or di -
nier te Hand lungs stra te gien staat li cher und pri va ter Ak teu re nicht ent wic klungs -
fä hig (vgl. Os sen brüg ge 2001). Ihre kon sis ten te und ziel füh ren de Ent wic klung er -
for dert in Er gän zung zu for ma len Steue rungs struk tu ren auch For men der Selbst -
steue rung, die meist netz werk ar tig und we ni ger for ma li siert bzw. or ga ni siert
sind (vgl. Fürst 2008) und so die Ge ner ie rung und die Dif fu si on von Wis sen er -
mög li chen.
Eine strik te Ab gren zung zwi schen den vier Di men sio nen der Wis sens ge sell schaft ist
nicht im mer mög lich, wie sich an hand der Un ter su chungs re gio nen und der Bei spie -
len gu ter Pra xis in die ser Stu die zeigt (s. Teil II). Da ber hin aus sind die ein zel nen Di -
men sio nen des Wan dels zur Wis sens ge sell schaft un mit tel bar in räum li che Kon tex te
ein ge bet tet, wie bei spiel haft aus fol gen den Wir kungs zu sam men hän gen her vor geht:
Die Be deu tung des Aus bil dungs- und Qua li fi ka tions ni veaus als Stand ort fak tor
für Un ter neh men (s. Ka pi tel II/2);
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
31
Mög lich kei ten des Ab baus re gio na ler Dis pa ri tä ten durch IKTs (s. Ka pi tel II/3);
Der Be deu tungs wan del von Er reich bar keit in der Wis sens ge sell schaft (s. Ka pi -
tel II/3);
Der Zu sam men hang zwi schen Bil dungs- bzw. Qua li fi ka tions ni veau und Ab -
wan de rung (s. Ka pi tel II/4);
Die Be deu tung der re gio na len Er reich bar keit von Bil dungs- und Wei ter bil -
dungs ein rich tun gen für in di vi du el le Bil dungs we ge (s. Ka pi tel II/4);
Die Be deu tung räum li cher Nähe für die Teil nah me an Bil dungs an ge bo ten und
Lern pro zes sen (s. Ka pi tel II/5);
Die Be deu tung von Lern pro zes sen und So zial ka pi tal als Rüc kgrat länd li cher
Räu me in der Wis sens ge sell schaft (s. Ka pi tel II/5).
Trä ger ele men te der Wis sens ge sell schaft
Die skiz zier ten Di men sio nen der Wis sens ge sell schaft er for dern eine brei te
‚Trägerstruktur‘ (s. Abb. 7). Die se setzt sich aus den zwei we sent li chen Trä ger ele men -
ten der ‚Wissensträger‘ und der ‚Wissensprozesse‘ zu sam men. Un ter der Vor aus set -
zung ei nes stra te gi schen und sys te ma ti schen Zu sam men wir kens (i.S. ei nes Wis sens -
ma na ge ments) bil den sie ge mein sam die ‚re gio na le Wissensbasis‘.
Wis sens trä ger
Fol gen de In sti tu tio nen und Ak teu re gel ten als we sent li che Wis sens trä ger:
Un ter neh men und re gio na le Leit be trie be (s. Ka pi tel II/2)
Un ter neh men, ins be son de re re gio na le Leit be trie be (in no va ti ve Be trie be mit
star ker re gio na ler Ver an ke rung) ver fü gen über im pli zi tes Wis sen, das für die re -
gio na le Ent wic klung von zen tra ler Be deu tung sein kann. Da rü ber hin aus leis ten
Un ter neh men wich ti ge Funk ti on für das Ler nen im be ruf li chen Kon text (Lehr -
lings aus bil dung, Stär kung von Fach kom pe ten zen).
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
32
Abb. 7: Trä ger ele men te der Wis sens ge sell schaft (Quel le: ei ge ne Dar stel lung)
sisabsnessiW
Trägerelemente der Wissensgesellschaft
Wissensträger
Institutionen der
Wissensvermittlung Unternehmen IKTs Schlüsselakteure
Wissensprozesse
formelle
Wissens-
prozesse
informelle
Wissens-
prozesse
In for ma tions- und Kom mu ni ka tions tech no lo gie (s. Ka pi tel II/3)
Die IKT-Aus stat tung (z.B. Mo bil funk- oder Breit band an schluss) ei ner Re gi on gilt
als we sent li che Vor aus set zung, um sich selbst stän dig fort zu bil den („per sön li ches
Ler nen“) und In for ma tio nen über so zia le Netz wer ke und Kom mu ni ka tions platt -
for men aus zu tau schen.
In sti tu tio nen der Wis sens ver mitt lung (s. Ka pi tel II/4)
Aus bil dungs in sti tu tio nen (Schu len, ins be son de re hö he re und be rufs bil den de
Schu len) und Wei ter bil dungs ein rich tun gen (z.B. VHS, Wifi, bfi, BHW, Bi bli othe -
ken) sind als Orte der Wis sens ver mitt lung und des Ler nens zen tra le Wis sens trä -
ger.
Schlüs sel ak teu re (s. Ka pi tel II/5)
Im pul se für re gio na le Ent wic klungs pro zes se ge hen in ent schei den dem Maß von
Ein zel per so nen aus. Die se kön nen wirt schaft li che, po li ti sche oder in sti tu tio nel le
Schlüs sel po si tio nen in ne ha ben, sie kön nen aber auch über ihr per sön li ches (ge -
sell schaft li ches, so zia les oder kul tu rel les) En ga ge ment als Wis sens trä ger auf tre -
ten.
Wis sens- und Lern pro zes se
Ne ben den Wis sens trä gern selbst kommt dem Um gang mit Wis sen und der Ge stal -
tung von Wis sens pro zes sen in Netz wer ken eine ent schei den de Be deu tung zu. Die se
Pro zes se des Wis sen strans fers lie fern die Grund la ge für die In no vat ions- aber auch
Adap tions fä hig keit länd li cher Räu me.
Ver net zung gilt als zen tra ler Fak tor der An pas sungs- und Wi der stands fä hig keit ge -
gen über ex ter nen Ein wir kun gen. Eben so sind Netz wer ke „In no vat ions mo to ren“
(Katz mair 2010): Durch die Ver brei tung und Kom bi na ti on von Wis sen zwi schen den
Ak teu ren ent steht Neu es und In no va ti ves. Das schafft die Grund la ge für die Ak ti vie -
rung ei ge ner Stär ken.
In der vor lie gen den Ar beit wird zwi schen in sti tu tio na li sier ten (for mel len) und
nicht-in sti tu tio na li sier ten (in for mel len) Pro zes sen un ter schie den:
In sti tu tio na li sier te (for mel le) Wis sens pro zes se (s. Ka pi tel II/3; Ka pi tel II/5)
All jene Pro zes se, die vor dem Hin ter grund von För der ku lis sen auf re gio na ler (z.B.
LEADER, Ler nen de Re gio nen, Klein re gio na le Ent wic klungs ver bän de, Clus ter pro -
gramm) oder lo ka ler Ebe ne (z.B. Lo ka le Agen da 21 bzw. Ge mein de 21, Dorf- und
Stadt er neue rungs pro zes se, Tech no pol pro gramm) ab lau fen, sind als for mel le
Wis sens pro zes se zu ver ste hen.
Nicht-in sti tu tio na li sier te (in for mel le) Wis sens pro zes se (s. Ka pi tel II/2-3)
Der Aus tausch von Wis sen fin det auch ab seits for mel ler Struk tu ren statt, u.a. in
der Ver net zung von Un ter neh men und Ak teu ren in länd li chen Räu men. In for -
mel le Wis sens pro zes se eig nen sich als ‚com mu ni ties of prac ti ce‘ be son ders für
den Aus tausch von Er fah run gen und in di vi du el len Er kennt nis sen, etwa zu Fra gen
der Per so nal ent wic klung (z.B. Per so nal ent wic kler tref fen) oder der Wei ter bil dung
(z.B. Qua li fi zie rungs ver bün de). Der im Er fah rungs aus tausch ge stärk te Wis sen -
strans fer schafft da rü ber hin aus wich ti ge Grund la gen für die be trieb li che und re -
gio na le In no vat ions fä hig keit.
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
33
Re gio na le Wis sens ba sis
Re gio na le Wis sens trä ger und re gio na le Wis sens pro zes se bil den ge mein sam die „re -
gio na le Wis sens ba sis“, die von Hol zin ger et al. (1998) wie folgt de fi niert wird:
„Die re gio na le Wis sens ba sis ist ein Teil des en do ge nen Po ten zi als ei ner Re gi on, das ge -
sam mel te ‚Wissen‘, der Er fah rungs schatz, den eine Re gi on zu bie ten hat (…). Das sind die
in der Wirt schaft ge won ne nen, ge for der ten und ver wert ba ren Qua li fi ka tio nen, das sind
aber auch alle ein re gio na les Sys tem for men den, für die per sön li che und kol lek ti ve Aus -
ein an ders et zung mit dem All tag, der Po li tik, der Kul tur not wen di gen Fer tig kei ten, Kennt -
nis se und Fä hig kei ten. Re gio na le Wis sens ba sis ist je ner Teil des en do ge nen Po ten zi als,
der ge eig net und not wen dig ist, ge sell schaft li che Ent wic klung auch als Be din gung für
wirt schaft li che Ent wic klung zu för dern.“
Ne ben der Wis sens ba sis als „Qua li tät“ (d.h. die er wor be nen Fer tig kei ten, Fä hig kei ten
und Kom pe ten zen), der Wis sens ba sis als „In fra struk tur“ (für die Her stel lung, In stand -
hal tung, Wei ter ent wic klung und Ver brei tung von Wis sen) ist die Wis sens ba sis als
„Um gang mit Wis sen“ ent schei dend. Die Art und Wei se, wie Wis sen ver brei tet, wie
und wem es zu gäng lich ge macht und wie und von wem es ge nutzt wird (Hol zin ger et
al. 1998) wird da bei zu ei ner we sent li chen Grund la ge für wis sens ba sier te länd li che
Räu me.
Eine re gio na le Wis sens ba sis be zieht ihre Stär ke und Trag fä hig keit aus den re gio na len
Wis sens trä gern selbst so wie aus ih rer Be zie hung zu ein an der (re gio na le Wis sens pro -
zes se). Eine stark aus ge präg te re gio na le Wis sens ba sis schafft da mit ent schei den de
Vor aus set zun gen für die Aus for mung re gio na ler Lern sys te me und die Ent wic klung
der re gio na len In no vat ions- und Adap tions fä hig keit. Die ser Zu sam men hang wird
an hand des Stel len werts von Wis sen und Ler nen in der Re gio nal ent wic klung und
-po li tik nä her dar ge legt.
Stel len wert von Wis sen und Ler nen in der (niederösterreichischen)
Re gio nal ent wic klung und -po li tik
In den ver gan ge nen Jahr zehn ten hat kom ple men tär zur Li be ra li sie rung von Ka pi -
tal-, Wa ren- und Dienst lei stungs strö men und ei nem um fas sen den Be deu tungs ver -
lust na tio nal staat li cher Re gu la tions struk tu ren eine „Re nais san ce der Re gi on“ (Fürst
2002) statt ge fun den. Die se „Wie der ent de ckung der Re gi on“ (Adri an/Bock 2002) ma -
ni fes tiert sich in ei ner po li tisch-ad mi nis tra ti ven Be to nung von „pla ce-ba sed stra te -
gies“ (Bar ca 2009; OECD 2006) eben so wie in ei ner Durch drin gung der Raum- und Re -
gio nal wis sen schaf ten mit For schungs an sät zen, die lo ka le Wis sens- und Lern kon tex -
te als Aus gangs punkt ih res Er kennt nis in ter es ses de fi nie ren (vgl. Mat thie sen/Mahn -
ken 2009).
Die Auf wer tung lo ka ler, kon text ge bun de ner und er fah rungs ba sier ter Wis sens be -
stän de (vgl. Hei den reich 2003) hat ih ren Nie der schlag auch in ei ge nen För der pro -
gram men ge fun den, wie etwa in der bun des wei ten För der maß nah me „Ler nen de Re -
gio nen“ oder im Tech no pol pro gramm bzw. in der Clus ter in itia ti ve des Lan des Nie -
der ös ter reich.
Wenn gleich sich die je wei li gen För der an sät ze in ih rer Aus rich tung und Zu sam men -
set zung der Ak teu re grund le gend von ein an der un ter schei den, ba sie ren sie auf der
An nah me, dass durch ei nen ziel ge rich te ten Um gang mit Wis sen in Form von Netz -
wer ken, neu es Wis sen als Grund la ge für In no vat ion und Pro spe ri tät ge ne riert wer -
den kann.
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
34
Re gio na le In no vat ions sys te me
Netz wer ke, die Ko ope ra tions be reit schaft zwi schen Ak teu ren, so wie die Fä hig keit zu
ler nen, gel ten als we sent li che De ter mi nan ten für die In no vat ions fä hig keit von Un ter -
neh men und Re gio nen. Auch für die re gio na le Ent wic klung ist die re gio na le Ein bet -
tung („em bed ded ness“) von In no vat ions- und Lern pro zes sen von ganz ent schei den -
der Be deu tung (vgl. Gra se nick et al. 2006).
Dem An satz re gio na ler In no vat ions sys te me liegt die An nah me zu grun de, dass In no -
vat io nen nicht al lei ne auf For schung und Ent wic klung so wie tech ni schen Fort schritt
zu rüc kzu füh ren sind, son dern durch kol lek ti ve Lern pro zes se mit ei ner Viel zahl an Ak -
teu ren ge för dert wer den und da mit auch eine stark aus ge präg te or ga ni sa tio nel le
Kom po nen te be in hal ten (vgl. Mou la ert/Se kia 2010).
Bei der Aus schöp fung re gio na ler In no vat ions po ten zia le spie len geo gra phi sche Nähe
und per sön li che Kon tak te eine we sent li che Rol le: Über die Bil dung von Un ter neh -
mens netz wer ken un ter ein an der so wie mit Kun den, Zu lie fe rern und Wis sen strans fer -
ein rich tun gen kön nen re gio na le In no vat ions pro zes se in Gang ge setzt wer den. Die
re gio na le ‚Ein bet tung‘ die ser Netz wer ke in das so zia le und kul tu rel le Um feld in ner -
halb der Re gio nen sorgt da rü ber hin aus für die Ent ste hung re gio na ler in no va ti ver
und krea ti ver Mi lie us, die wie der um für die Ent ste hung wei te rer In no vat io nen über -
aus för der lich wir ken (vgl. Rösch 2000).
Tri ple-He lix-Mo dell
Das „Tri ple-He lix-Mo dell“ (Etz ko witz/Ley des dorff 2000) bie tet eine theo re ti sche
Grund la ge für die Eta blie rung re gio na ler In no vat ions sys te me. Ihm liegt die Er kennt -
nis zu grun de, dass ein en ges Netz werk zwi schen wis sen schaft li chen Ein rich tun gen,
Un ter neh men und staat li chen Ein rich tun gen güns ti ge Ent ste hungs be din gun gen für
re gio na le In no vat io nen schafft. Da bei schaf fen staat li che Ein rich tun gen die nö ti gen
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
35
Abb. 8: "Tri ple-He lix-Mo dell“ (Quel le: ei ge ne Dar stel lung nach Etz ko witz/Ley des dorff 2000)
in sti tu tio nel len Rah men be din gun gen, um den Wis sens- und Tech no lo gie trans fer
zwi schen Wis sen schaft so wie for schungs- und wis sens in ten si ven Un ter neh men vor -
an zu trei ben, mit dem Ef fekt, das re gio nal ver füg ba re Hum an ka pi tal zu stär ken und
die re gio na le Wett be werbs fä hig keit zu si chern.
In die sem Zu sam men hang über neh men so ge nann te „tri la te ra le Netz wer ke und hyb -
ri de Or ga ni sa ti on“ zen tra le Ver net zungs auf ga ben, in dem sie wich ti ge Are nen für die
ge gen sei ti ge stra te gi sche Ab stim mung bie ten (Etz ko witz/Ley des dorff 2000).
Das „Tri ple-He lix-Mo dell“ fin det u.a. in der seit 1997 ver folg ten und lau fend wei ter -
ent wi ckel ten Re gio na len In no vat ions stra te gie9 des Lan des Nie der ös ter reichs (RIS
NÖ) sei nen prak ti schen Nie der schlag. Ins be son de re über das Tech no pol pro gramm
(2004-2011) und die Clus ter in itia ti ven er mög licht das Land Nie der ös ter reich eine ge -
ziel te Ver knüp fung wirt schaft li cher und wis sen schaft li cher Ak ti vi tä ten.
Das Tech no pol pro gramm zielt mit dem kon se quen ten Aus bau tech no lo gisch-öko no -
mi scher Zen tren (Krems/Do nau, Tulln/Do nau, Wie ner Neus tadt) um aner kann te Aus -
bil dungs- und For schungs ein rich tun gen da rauf ab,
vor han de ne F&E-Ein rich tun gen an den Tech no po len mit der Wirt schaft
durch ge mein sa me Pro jek te wei ter zu ent wi ckeln;
Stand or te mit öf fent li chen und halb-öf fent li chen F&E-Ein rich tun gen als Orte
„tech no lo gie-orien tier ten Wirt schaf tens“ zu ent wi ckeln, mit Un ter neh men zu
ver net zen und eine Stei ge rung der Wert schöp fung der nie der ös ter rei chi -
schen Wirt schaft zu er rei chen;
durch den Tech no lo gie- und Wis sen strans fer In no vat ions pro zes se vor an zu -
trei ben und die Schaf fung von neu em tech no lo gie ba sier tem Wis sen mit er -
folg rei cher wirt schaft li cher Ver wer tung zu kom bi nie ren;
an ge wand te For schung stär ker für die Wirt schaft ein zu set zen (vgl. Eco po lus
2010).
Mit den Tech no pol ma na ge ments ver fü gen die Tech no po le über eine Art ‚hyb ri de
Or ga ni sa ti on‘ (s. Abb. 8), die als Schnitt stel le alle Part ner aus Wirt schaft, Bil dungs-
und For schungs ein rich tun gen und öf fent li chen Ein rich tun gen ver netzt, F&E-Pro jek -
te iden ti fi ziert und be glei tet so wie die wei te re Be triebs an sied lung un ter stützt (s. Ka -
pi tel II/2).
Auch die nie der ös ter rei chi schen Clus ter in itia ti ven (u.a. in den Be rei chen Kunst stoff,
Lo gis tik, Me cha tro nik) be zwe cken ne ben der Un ter stüt zung von Un ter neh mens ko -
ope ra tio nen selbst, den Auf bau von Netz wer ken zwi schen Un ter neh men, For -
schungs-, Ent wic klungs- und Qua li fi zie rungs ein rich tun gen so wie der öf fent li chen
Hand (Eco plus 2011; Amt der Lan des re gie rung 2007a). Die Ver net zungs ak ti vi tä -
ten bil den eine we sent li che „Stoß rich tung“ der nie der ös ter rei chi schen Wirt schafts -
stra te gie 2015 (vgl. Amt der NÖ Lan des re gie rung 2010b) für den qua li ta ti ven Aus bau
der Clus ter (s. Ka pi tel II/2).
Grundlagen
Begrifflichkeiten und Konzepte
36
9In Er wei te rung der Re gio na len In no vat ions stra te gie er folg te Ende Mai 2012 der Start schuss für die Er ar bei tung ei ner For -
schungs-, Tech no lo gie- und In no vat ions stra te gie des Lan des Nie der ös ter reich, mit dem Ziel, best mög li che Rah men be din -
gun gen für Wis sen schaft und For schung in Nie der ös ter reich zu schaf fen (vgl. Amt der NÖ Lan des re gie rung 2012)
Wis sens re gio nen
Auch das Kon zept der Wis sens re gi on stellt eine Va ria ti on des „Tri ple-He lix-Mo dells“
dar, in dem es An sät ze aus der Wirt schafts- und Re gio nal för de rung so wie der Wis -
sens ge sell schaft ver eint. Ihr ge mein sa mer Nen ner ist das Wis sen als der be deu ten de
Fak tor für die wirt schaft li che und so zia le Ent wic klung ei ner Re gi on (vgl. Peer 2007).
Eine Wis sens re gi on kann folg lich de fi niert wer den als „eine Re gi on, de ren Entwick -
lungsdynamik durch Maß nah men, die die Ent wic klung, Ge ner ie rung, den Trans fer
und die öko no mi sche Nut zung von Wis sen be wusst in den Mit tel punkt rü cken, ge -
för dert wird und die in ter na tio nal auch ent spre chend wahr ge nom men wird“
(BMVBS/BBR 2008).
Ba sie rend auf dem „Tri ple-He lix-Mo dell“ geht es in ei ner Wis sens re gi on um,
eine Stär kung der Wis sens ba sis (durch die Ver knüp fung von Wis sen schafts -
ein rich tun gen und Be trie ben der Re gi on);
die Ver net zung der Be trie be in ein zel nen Sek to ren;
die Ent wic klung und Aus schöp fung des ‚Hum an ka pi tals‘ durch Bil dung, Aus -
bil dung und Wei ter bil dung (BMVBS/BBR 2008).
Die in ter ak ti ve Ge ner ie rung von Ideen durch den Brü cken schlag zwi schen Wis sen -
schaft und Wirt schaft bil det auch in der 2003 ge grün de ten län der über grei fen den
Wis sens re gi on Cen tro pe Re gi on10 ei nen we sent li chen Ent wic klungs schwer punkt. In
For schungs- und Bil dungs ko ope ra tio nen, stra te gi schen Al li an zen zwi schen den Uni -
ver si tä ten, ver bes ser ten Mög lich kei ten für den Wis sen strans fer zwi schen For schung
und Un ter neh men so wie in der För de rung un ter neh me ri scher In no vat ion wer den
wirt schaft li che Er folgs chan cen für die Eu ro pa Re gi on Mit te iden ti fi ziert (vgl. ARGE
CENTROPE 2012).
Re gio na le Lern sys te me
In Er gän zung zu ei nem tech no lo gie- und wis sens ba sier ten In no vat ions ver ständ nis
ge winnt in der Re gio nal ent wic klung die sys te mi sche Be trach tung von Lern be zie -
hun gen zu neh mend an Be deu tung (Hein tel 2004). Un ter Ein be zie hung schu li scher,
be ruf li cher, per sön li cher und so zia ler Lern di men sio nen (UNESCO 1996;) bie tet eine
‚lern orien tier te‘ Re gio nal ent wic klung die Mög lich keit, sich (im Sin ne der ei gen stän -
di gen Re gio nal ent wic klung) mit re gions ei ge nen Pro blem la gen und He raus for de -
run gen zu be fas sen und en do ge ne Ent wic klungs po ten zia le zu ak ti vie ren.
Tat säch lich be darf die Be son der heit länd li cher ‚Lern räu me‘ ei ner sys te mi schen Be -
trach tung, die über das im „Tri ple-He lix-Mo dell“ dar ge leg te Be zie hungs ge flecht </