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Abstract

Background and objectives The teaching profession is considered a profession with high mental and emotional demands which not all teachers are able or willing to pursue until their retirement age. However, there are no well-founded and approved staff development strategies and career models for the teaching profession. This qualitative study examines the process of career change for teachers, starting from the first thought of a career change up to the actual change to a different professional activity. Methods A total of 11 teachers who either wished a career change or had already changed profession were interviewed using semistructured expert interviews. The occupational demands of the teaching profession, motivation, and reasons for a career change were examined. In addition, a literature research was performed to identify job alternatives for teachers. Results The main reason for a changing ambition is a high workload, followed by problems regarding the social climate, a lack of opportunities for personal development, and health problems. Success factors in the change process are finding job alternatives, self-initiative, and economic considerations. New fields of activity can be derived from the career matrix. Conclusions A career change in the teaching profession is an individual process that only seems to be possible with increased self-initiative of the teachers due to the lack of job alternatives and additional qualification requirements. The early identification of alternative career paths allows the change to other occupational fields. Predominantly, career entrants are motivated to realize a change of career.
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EinmalLehrer-immerLehrer2016
Dataset·July2016
5authors,including:
ReingardSeibt
TechnischeUniversitätDresden
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Availablefrom:ReingardSeibt
Retrievedon:22July2016
Originalarbeit
Präv Gesundheitsf
DOI 10.1007/s11553-016-0546-1
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016
Diana Druschke1· Reingard Seibt2
1Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus,
TU Dresden, Dresden, Deutschland
2Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät,TU Dresden, Dresden,
Deutschland
Einmal Lehrer – immer Lehrer?
Eine qualitative Studie zum Prozess des
Berufswechsels und alternativen
Karrierepfaden im Lehrerberuf
Problem- und Fragestellung
Nicht jede Lehrkraft kann oder möch-
te ihren Beruf bis zum Erreichen des
Renteneintrittsalters ausüben.
Rechtzeitige Tätigkeits- oder Be-
rufswechsel stellen eine Alternative
dar, die Beschäftigungsfähigkeit bis
zum Rentenalter zu erhalten. Das
erfordert die frühzeitige Identifi-
kation alternativer Karrierepfade.
Um den Verbleib im Lehrerberuf
zu sichern oder rechtzeitig einen
alternativen Weg einzuschlagen,
sind fundierte und praxiserprob-
te Personalentwicklungsstrategien
und Karrieremodelle notwendig,
die in den einzelnen Berufsphasen
Lösungen zur Fortführung der Er-
werbsbiografie bieten. Diese fehlen
bislang für den Lehrerberuf.
Der Lehrerberuf ist durch hohe psychi-
sche und psychoemotional anspruchs-
volle Anforderungen gekennzeichnet [4,
15,17,27], die als Risikofaktoren für eine
begrenzte Tätigkeitsdauer gesehen wer-
den. O handelt es sich in diesem Be-
ruf um gesundheitliche Einschränkun-
gen, die eine vorzeitige Berufsaufgabe
notwendig machen. So fallen Lehrkräe
durch einen erhöhten Anteil psychischer
Beeinträchtigungen auf, aber auch durch
körperliche sowie psychosomatische Er-
krankungen [17,18]. Noch heute ist der
Anteil der Frühverrentungen bzw. -pen-
sionierungen im Lehrerberuf aufgrund
psychischer,psychosomatischer undpsy-
chiatrischer Erkrankungen zu hoch [10].
Daher gilt der Lehrerberuf als ein Beruf
mit einem hohen Risiko für eine vorzeiti-
ge Berufsaufgabe [11]. Wege von Berufs-
wechslern aus dem Lehrerberuf heraus
sind bisher wenig erforscht und Strategi-
en und Maßnahmen, die den Folgen der
lehrerspezifischen Fehlbelastungen ent-
gegenwirkenund die Arbeitsfähigkeitder
Betroffenen langfristig sichern, fehlen.
Informationen zum Verbleib von
Lehrkräen, die aufgrund ihrer Befris-
tung oder ohne Angabe von Gründen
„wechseln, sind ebenfalls nicht bekannt.
Fraglich ist, in welchen neuen Tätig-
keitsfeldern ehemalige Lehrkräe ihre
Berufsbiografie fortschreiben, und ob sie
aus gesundheitlichen Gründen einen be-
ruflichen Wechsel anstreben. Insgesamt
ist die Fluktuationsrate im Lehrerberuf
mit 6 % gering [3,14], 80 % der Lehrkräf-
te, die den Beruf wechseln, realisieren
das vor dem 10. Berufsjahr als Lehrkra
[7].
Studien zu maßgeblichen Fluktua-
tionsursachen belegen einen geringen
Zusammenhang zwischen Arbeitszu-
friedenheit und Fluktuation. Gleiches
gilt für Jobalternativen und Fluktuation
[6]. Unklar ist, ob die Vorstellungen
vom Berufsbild „Lehrer“, mangelnde
Passfähigkeit zwischen beruflicher Aus-
bildung und Berufsalltag oder sinkende
Motivation im Erwerbsprozess als Ur-
sachen für das vorzeitige Beenden der
Lehrertätigkeit heranzuziehen sind.
Zuletzt wurden Ende der 1990er Jahre
in Niedersachsen bei Lehrerinnen ver-
schiedener Altersgruppen und Schular-
ten bei46 % der Befragtenmehrere beruf-
liche Aufwärts- und Abwärtsentwicklun-
gen ermittelt.Für 46 %der Befragten kam
kein Berufswechsel in Frage, 12 % würden
eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst mit
dem gleichen Gehalt annehmen, 21 % den
Beruf wechseln, wenn es eine interessan-
te Tätigkeit im kulturellen Bereich mit ge-
ringerem Gehalt und 22 % wenn es eine
Tätigkeit mit geringerer psychischer Belas-
tung wäre. Mehr als die Häle der Be-
fragten (56 %) konnten sich vorstellen,
vorzeitig in den Ruhestand zu gehen und
28 % der Befragten das normale Renten-
alter zu erreichen [25]. Bislang ist beruf-
liche „Mobilität“ im Lehrerberuf kaum
untersucht [15] und es existieren dazu
für Deutschland kaum aktuelle Statisti-
ken (.Abb. 1).
Diese qualitative Interview-Studie un-
tersuchte den Prozess des Berufswechsels
von Lehrkräen, beginnend vom ersten
Gedanken bis hin zu einem erfolgten
Wechsel in eine andere berufliche Tätig-
keit. Insbesondere sollten folgende Fra-
gen geklärt werden: Wie nehmen Berufs-
wechsler und wechselwillige Lehrkräe
den Lehrerberuf wahr (1), wie gestaltet
sich der Prozess des Berufswechsels von
Lehrkräen (2), wie lassen sich berufli-
che Alternativen für Lehrkräe identi-
fizieren (3), welche Herausforderungen
sind mit dem Wechselprozess verbun-
den und mit welchen Unterstützungssys-
temenkönnendiesebewältigtwerden(4)
und hätte es di e Möglichkeit gegeb en, den
beruflichen Wechsel zu verhindern (5)?
Prävention und Gesundheitsförderung
Originalarbeit
Abb. 1 8Abgänge der Lehrkräfte(Anzahl) in den Schuljahren 2013/2014 und2014/2015 [23]. (Im
Schuljahr 2013/2014 erfolgte aus Niedersachsenkeine Datenlieferung zuden Abgängen; im Schul-
jahr 2014/2015 erfolgte aus Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen unddem Saarland keine
Datenlieferung zu den Abgängen)
Methodik
Untersuchungsdesign und
Durchführung
Zur Beantwortung der Fragestellungen
empfahl sich ein leitfadengestütztes,
halbstandardisiertes Experteninterview:
Mit Berufswechslern wurde auf eine
bislang unberücksichtigte Zielgruppe
fokussiert, zu deren beruflichen Erfah-
rungen kaum Kenntnisse bestehen und
bei denen ergebnisoffen nach Deter-
minanten des Wechselprozesses gefragt
werden sollte.
Im Vorfeld zu den Interviews füllten
die Teilnehmer einen Fragebogen zur Er-
fassungsoziodemografischerundberufs-
biografischer Angaben aus.
Zusätzlich erfolgten Literaturrecher-
chen zu beruflichen Alternativen im
Lehrerberuf.
Stichprobenrekrutierung und
-beschreibung
Insgesamt wurden 11 Berufswechs-
ler bzw. wechselwillige Lehrkräe aus
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin
(Lehrerinnen: 73 %, Lehrer: 27 %) zum
Prozess des Berufswechsels befragt. Die
Rekrutierung fand durch Anzeigen in
regionalen Tageszeitungen sowie für
langzeiterkrankte Lehrkräe über Be-
triebsärzte statt. Zwei Teilnehmer mit
Berufswechselwunsch nutzten das Ange-
bot der professionellen Berufsberatung,
so dass für sie eine Verlaufsbetrachtung
über 2 Jahre möglich war.
DieStichprobebestehtausLehrkräf-
ten aller allgemein bildenden Schular-
ten: 36 % Grund-, 27 % Berufs- und je-
weils18 % Real-bzw.Sekundarschul- und
Gymnasiallehrkräe. Ihr Durchschnitts-
alter lag bei 39 Jahren (Frauen 40 Jahre,
Männer 37 Jahre; Range: 26–59 Jahre).
Vertre ten sind sowohl B eruf sanfänger a ls
auch Lehrkräe mit 26 Berufsjahren.
Berufswechsler gelten aufgrund feh-
lender standardisierter Zugangswege als
schwer rekrutierbare Zielgruppe und
mussten nach Gelegenheitssampling
ausgewählt werden. Daher bestand le-
diglich folgendes Einschlusskriterium:
Lehrkräe mit dem Wunsch nach ei-
nem Berufswechsel oder Lehrkräe, die
bereits einen Berufswechsel vollzogen
haben (nachfolgend als Berufswechsler
bezeichnet).
Leitfadengestütztes, halbstandar-
disiertes Experteninterview
Bei den lehrerspezifischen Interviews
sind die betroffenen Lehrkräe in der
Expertenrolle. Sie verfügen über ent-
sprechendes Handlungswissen und ihre
Biographien und individuellen Erfah-
rungen liefern ein differenziertes Bild
über berufliche und gesundheitliche
Fehlbelastungsquellen und Ressourcen
des Lehrerberufs.
Der Interviewleitfaden diente zur
Strukturierung des Interviews. Er ent-
hielt offen formulierte Fragen, die dem
Interviewten und dem Interviewer auch
Gestaltungsfreiraum für neue emen
boten [13]. Vor allem sollten indivi-
duelle Meinungen und Sichtweisen der
Berufswechsler zu folgenden emen-
komplexen erfragt werden:
4Anforderungen und Erwartungen im
Lehrerberuf,
4Zusammenarbeit mit Kollegen und
Schulleitung,
4Zukunsvorstellungen zur weiteren
Berufsausübung,
4alternative Berufsmöglichkeiten, ein-
schließlich der Gründe für den ange-
strebten oder erfolgten Berufswechsel
und detaillierte Informationen zum
Wechselprozess sowie
4Ressourcenverfügbarkeit.
Der Interviewleitfaden wurde neu ent-
wickelt [20]. Grundlage dafür war ein
entsprechendes Vorwissen zum Unter-
suchungsgegenstand sowie Erkenntnisse
aus Untersuchungsergebnissen [18,19].
Interviewdurchführung
Die Interviews wurden von zwei geschul-
ten Psychologen mit langjährigen Erfah-
rungen in der Lehrerforschung und der
Anwendung qualitativer Forschungsme-
thoden durchgeführt. Sie fanden in den
Räumender Forschungseinrichtung statt
und dauerten zwischen 30 und 90 min.
DiesubjektiveKomponentewurdedurch
eine Schulung der Interviewer und An-
weisungen im Leitfaden reduziert. Alle
Interviewswurden nach Informationund
Einwilligung der Teilnehmer digital auf-
gezeichnet und im Anschluss den Fragen
entsprechend wörtlich transkribiert.
Prävention und Gesundheitsförderung
Zusammenfassung · Abstract
Präv Gesundheitsf DOI 10.1007/s11553-016-0546-1
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016
D. Druschke · R. Seibt
Einmal Lehrer immer Lehrer? Eine qualitative Studie zum Prozess des Berufswechsels und
alternativen Karrierepfaden im Lehrerberuf
Zusammenfassung
Problem- und Zielstellung. Der Lehrerberuf
gilt als Beruf mit hohen psychischen
und psychoemotional anspruchsvollen
Anforderungen, die nicht jede Lehrkraft bis
zum Renteneintrittsalter ausüben kann oder
möchte. Es fehlen aber fundierte und praxiser-
probte Personal entwicklungsstra tegien und
Karrieremodelle für den Lehrerberuf. Diese
qualitative Studie untersucht den Prozess des
Berufswechsels von Lehrkräften, beginnend
vomerstenGedankenaneineberuiche
Veränderungbis hin zum erfolgten Wechselin
eine andere berufliche Tätigkeit.
Methodik. Es wurden 11 Lehrkräfte
mit Berufswechselwunsch bzw. nach
erfolgtem Berufswechsel mit Hilfe eines
halbstandardisierten Experteninterviews
zur Wahrnehmung der Anforderungen im
Lehrerberuf, zur Motivation und zu Gründen
des Berufswechsels befragt. Zusätzlich
erfolgten Literaturrecherchen zu beruflichen
Alternativen.
Ergebnisse. Der häufigste Grund r
Wechselambitionensind die hohen Arbeitsbe-
lastungen, gefolgt von Problemen im sozialen
Bereich, mangelnden Möglichkeiten zur
persönlichen Weiterentwicklung und gesund-
heitlichen Einschränkungen. Er folgsfaktoren
im Wechselprozess sind Alternativenfindung,
Eigeninitiative und wi rtschaftliche Überlegun-
gen. Aus der Karrierematrix lassen sich neue
Tätigkeitsfelder ableiten.
Schlussfolgerungen. Ein Berufswechsel im
Lehrerberuf ist ein individueller Prozess,
der aufgrund mangelnder Alternativen und
zusätzlichem Qualifizierungsbedarf nur bei
ausgeprägter Eigeninitiative der Lehrkraft
möglich erscheint. Die frühzeitige Identifi-
kation alternativer Karrierepfade ermöglicht
den Wechsel in andere Tätigkeitsfelder.
Mehrheitlich sind Berufsanfänger motiviert,
einen Wechsel zu realisieren.
Schlüsselwörter
Berufswechsel · Alternative Karrierepfade ·
Qualitatives Design · Personalentwick-
lungsstrategien · Psychosomatische
Erkrankungen
Once a teacher – always a teacher? A qualitative study on the process of career change and alternative
career paths in the teaching profession
Abstract
Background and objectives. The teaching
profession is considered a profession with
high mental and emotional demands which
not all teachers are able or willing to pursue
until their retirement age. However, there
are no well-founded and approved staff
development strategies and career models
for the teaching profession. This qualitative
study examines the process of career change
for teachers, starting from the first thought of
a career change up to the actual change to
a different professional activity.
Methods. A total of 11 teachers who either
wished a career change or had already
changed profession were interviewed
using semistructured expert interviews.
The occupational de mands of the teac hing
profession, motivation, and reasons for
a career change were examined. In addition,
a literature research was performed to identify
job alternatives for tea chers.
Results. The main reason for a changing
ambition is a high workload, followed by
problems regarding the social climate, a lack
of opportunities for personal development,
and health problems. Successfactors in the
change process are finding job alternatives,
self-initiative, and economic considerations.
New fields of activity can be derived from the
career matrix.
Conclusions. A career change in the teaching
profession is an individual process that only
seems to be possible with increased self-
initiative of the teachers due to the lack of
job alternatives and additional qualification
requirements. The early identification of
alternative career paths allows the change
to other occupational fields. Predominantly,
career entrants are motivated to realize
a change of career.
Keywords
Career change · Alternative career paths ·
Qualitative study · Personal development
strategies · Psychosomatic disorders
Interviewauswertung
Die Auswertung erfolgte nach der struk-
turierenden Inhaltsanalyse nach May-
ring [13]. Alle Äußerungen wurden nach
einem Kategorienschema systematisiert,
das zunächst aus den theoretischen
Vorüberlegungen sowie den Leitfaden-
fragen (deduktive Kategorien) abgeleitet
und bei der zweiten Durchsicht aus
dem Interviewmaterial entwickelt wur-
de (induktive Kategorien). ematische
Passagen wurden somit in den Katego-
rien verdichtet. Mit der Zuordnung von
Textpassagen zu den Kategorien wur-
de zunächst die inhaltliche Kodierung
angestrebt. Ergänzend dazu wurde an-
hand der Quantifizierung der Aussagen
in den Kategorien deren Bedeutsam-
keit herausgestellt. Die Eindeutigkeit
der Zuordnungen (Intracoderstabilität;
Intercoderreliabilität) wurde gesichert.
Da in die Extraktions- und Interpreta-
tionsprozesse subjektive Sichtweisen der
Auswertenden einfließen, fand nach der
ersten unabhängigen Auswertung in der
Arbeitsgruppe ein Abgleich der Zuord-
nungen zu den Kategorien statt, um da-
nach die endgültige Kategorien festzule-
gen.
FürdiepraktischeAuswertungderIn-
terviews wurde aufeineSowarezur Aus-
wertung semistandardisierter Interviews
derUniversitätJena[24] zurückgegriffen.
Ergebnisse
Von den 11 Interviewteilnehmern sind
7 erfolgreiche Berufswechsler, eine Per-
son ist aktuell ohne Berufstätigkeit (Ori-
entierungsphase) und 3 Lehrkräe wa-
ren zum Zeitpunkt des Interviews zum
Prävention und Gesundheitsförderung
Originalarbeit
Tab. 1 Kategoriedefinitionen für die positivenund negativen Seiten des Lehrerberufs
Kategorie Kategoriedefinition
Positive
Seiten
Arbeit mit Men-
schen
... das positiv geprägte soziale M iteinander (Arbeit mit Schü-
lern, Kollegen oder Eltern; Teamarbeit, deren Begleitung, Bera-
tung oder Entlastung)
Wissens-
vermittlung
. .. das Bestreben, Kindern und Jugendlichen etwas beizubrin-
gen, ihr Interesse zu wecken, Resultate bei Schülern zu sehen;
fachliche Arbeit der Lehrkräfte
Vielfalt/Flexibilität . .. Abwechslungsreichtum, Flexibilitätund Handlungsspiel-
raum, den der Beruf bietet
Selbstwirksamkeit,
als Lehrer Weichen
stellen
.. . berufsorientierte Arbeit mit Schülern; Sinnvolles und Gutes
für Kinder zu tun und ihnen den Weg zu ebnen
Rahmenbedingungen . .. soziale Sicherheit, Ferienzeiten
Negative
Seiten
Zu hohe Belastun-
gen
. .. hohe körperli che oder psychische Belastung, Stress, Gefühl
der Überforderung, vollgepackte Lehrpläne, zu hoher Arbeits-
umfang, kurzfristige und aufwendige Vertretungsstunden,
Doppel- und Dreifachbelastungen
Schwierige Schüler .. . erschwerter Umgang mit Schülern, Disziplinprobleme,
Mobbing unter Schülern, körperliche Bedrohung durch Schüler
Verwaltungs-
aufgaben
... Anteil an Arbeitszeit,der für zusätzliche Aufgaben außer der
Lehrtätigkeit (u. a. Dokumentationen) aufgewendet werden
muss
Probleme mit der
Schulleitung
. .. fehlende Unterstützung bzw. Hilfe, fehlende Kommunika-
tion, betrügerisches Verhalten; Aneinandergeraten mit der
Schulleitung
Probleme mit Kolle-
gen
. .. fehlende Unterstützung bzw. Hilfe, fehlende Kommunika-
tion, Mobbing, Einzelkä mpfertum, Frontenbildung
Berufswechsel motiviert, von denen eine
Lehrerin im Verlauf der Studie ihre Schu-
le gewechselt hat.
Wahrnehmung des Lehrerberufs
Das subjektive Erleben der beruflichen
Situation vor dem Berufswechsel bzw.
im Rückblick auf die frühere Lehrtätig-
keit wird im Hinblick auf positive und
kritische Aspekte des Lehrerberufs dar-
gestellt, wobei sich die berichteten An-
gaben auf die Häufigkeit einzelner Kate-
goriebenennungen beziehen.
Positives am Lehrerberuf
Die häufigste Antwort auf die Frage „Was
gefällt Ihnen am Lehrerberuf?“ bezieht
sich auf die Arbeit mit Menschen (28 %).
Aber auch die Kategorien Ve rmittlung
von Wissen, Vielfalt und Flexibilität so-
wie Schülern für ihre Entwicklung Wei-
chen stellen können werden mit 18 % bzw.
jeweils 13 % als etwas Positives wahr-
genommen. Seltener werden Rahmenbe-
dingungen (8 %) genannt (.Tab. 1).
Negatives im Lehrerberuf,
Fehlbelastungen
Als häufigste Fehlbelastungsquelle wur-
de die Kategorie zu hohe B elastung (24 %)
genannt,gefolgt von schwierigen Schülern
(20 %), Ve r wa l t u ng s a u f g ab e n (14 %) und
Problemen mit Schulleitung bzw. Kollegen
(jeweils 8 %). Die in den Kategorien of-
fensichtlich werdenden Unterschiede in
den Abstraktionsebenen wurden belas-
sen, da die Teilnehmer die Kategorie zu
hohe Belastung in den Interviews wört-
lich so berichteten, während in den Ge-
sprächen – je nach Interaktionspartner –
die sozialen Kategorien ausdifferenziert
wurden (.Tab. 1).
Aus Studien ist bekannt, dass unrea-
listische Erwartungen und ein zu hohes
Maß an Idealismus für das Belastungs-
erleben entscheidend sind [8,21]. Uner-
füllte Erwartungen können zu den oben
genannten negativen Seiten des Lehrer-
berufs führen.Inden Interviews tauchten
Äußerungen auf, die einen hohen Grad
an Idealismus verdeutlichen:
4Ich wollte es besser machen als ich
esvonmeinenLehrernerlebthabe.
Ich habe sehr viele Beispiele für
schlechten Unterricht erlebt – von der
Grundschule an.
4Meine Mutter ist zwar Lehrerin, meine
Oma und mein Opa auch, aber ich
wollte es mal selber ausprobieren. Ich
hatte geho, was ich so höre, diese
Unzufriedenheit bzw. wie die Schüler
auf einen reagieren, dass es anders ist.
Wirddann derBerufsalltagerlebt,stoßen
die Erwartungenan die Grenzen der Rea-
lität. Die befragtenB erufswechslergaben
im Interview an, dass sie nicht erwartet
hätten, dass ...
4schulrechtliche Maßnahmen nicht
funktionieren,
4man als Lehrer kaum eine Handhabe
im Umgang mit Disziplinlosigkeit hat,
4die Eltern nicht kooperieren,
4der Lehrer immer der Schuldige ist
(Zusammenfassung eines Interview-
teilnehmers).
Prozess des Berufswechsels
In den Antworten auf die Frage nach
den Gründen für den Wechsel wurden
6 Kategorien identifiziert (.Tab. 2).
Auch hier wurde die Kategorie zu hohe
Belastung (16 %) als häufigste Fehl-
belastungsquelle genannt, gefolgt von
folgenden vier gleich häufig benannten
Kategorien (14 %): Wunsch nach beruf-
licher Weiterentwicklung, gesundheitliche
Probleme, Probleme mit Schülern oder
der Schulleitung. Zudem wurden Proble-
me mit Kollegen (5 %) als Wechselgrund
angegeben. Diese identifizierten Katego-
rien unterstreichen die Bedeutsamkeit
des Funktionierens sozialer Interaktio-
nen für den Verbleib der Lehrkräe im
Beruf.
Die Prozessbeschreibungen der In-
terviewteilnehmer zum Zeitpunkt des
Wechselwunsches verdeutlichen die be-
rufliche Überlastung (.Tab. 3). Bei den
Berufsanfängern mit Motivation zum
Berufswechsel werden die Auswirkun-
gen des „Praxisschocks“ deutlich:
4Also es ist sehr, sehr schwierig dann
auch wirklich das umzusetzen, was
man an der Uni gelehrt bekommen
hat. Und auch so frei zu arbeiten, das
ist ganz selten möglich. Ich habe da
wirklich ganz schlimme Dinge gesehen
in Schulen, wo ich jetzt so von mir aus
Prävention und Gesundheitsförderung
Tab. 2 Gründe für den beruflichen Wechselbzw. Wechselwunsch
Kategorie Kategoriedefinition Interviewzitate
Zu hohe Belas-
tungen
. .. hohe körperliche oder psychische Belastung, Stress, Gefühl
der Überforderung, vollgepackte Lehrpläne, zu hoher Arbeits-
umfang, keine Zeit sich zu erhole n und keine Möglichkeiten, eine
angemessene Balance z wischen Beruf und Privatleben zu halten
Lehrer wurdenverheizt, das war der Hauptgrund für meinen
Weggang.
Wunsch nach
beruflicher Wei-
terentwicklung
.. . Wunsch und Möglichkeiten, sich über die Tätigkeitals Lehrer
hinaus weiterzubilden und über weitergehende Qualifikationen
(z. B. Angebot zur Promotion) neue berufliche Möglichkeiten zu
erhalten
Ich hatte die Chance bekommen zu promovierenund bin dann
am Lehrstuhl geblieben, an dem ich schon als Tutor war und ich
hab gemerkt, dass der Unibetrieb das ist, was mich begeistert
und ich die Themen so bearbeiten kann, wieich es mir so vorstel-
le und mich an keinen Lehrplan zu halten habe.
Gesundheitliche
Gründe
. .. psychische (v. a. Depressionen, Angst) oder physische Erkran-
kungen (z. B. Muskel-Skelett-Erkrankungen)als Ursache für den
Wunsch, den Beruf zu wechseln
Ich glaube, ich habe meine Kräfte überschätzt, ich war immer
topt, immer gesund. Das war dann nicht mehr. Ich habe nachts
nicht mehr geschlafen, Herzrasen. Es ging los, dass ich nicht mehr
in die Schule gehen wollte, weil ich keine Lust hatte. Da hab ich
zu mir gesagt: Das kann doch nicht sein – es ist dein Traumberuf
und du willst nicht mehr gehen. Will ich denn noch ohne Freude
bis 67 arbeiten?
Als eine Weile vergangen war, dachte ich, ich habe mal gern
unterrichtet. Aber es ist tatsächlich nicht mehr so. Ich merke
auch, dass ich so e twas wie Schulangst entwickle. Wenn ich in
dieseSchulegehe,habeichgroßeAbneigung.
Schwierige
Schüler
.. . erschwerter Umgang mit Schülern, Disziplinproblemen, Mob-
bing unter Schülern, körperli che Bedrohung durch Kinder
Ich hatte nicht erwartet, dass die Schüler so unmotiviert sind und
ein freundschaftlicher Umgang miteinander nicht möglich ist.
Probleme mit
der Schulleitung
. .. fehlende Unterstützung bzw. Hilfe, fehlende Kommunikation,
betrügerisches Verhalten,Aneinandergeraten mit Schulleitung
Ich hatte nicht erwartet, dass die Schulleitung den Le hrern so in
denRückenfällt.
Probleme mit
Kollegen
. .. fehlende Unterstützung, fehlende bz w. schlechte Kommuni-
kation, Aneinande rge raten mit Kollegen, Mobbing
Bei Beratungen im Kollegium gab es so Reviermarkierungskämp-
fe und wenn man sich zu Wort gemeldet hat, dann saß man
zwischen den Fronten.
Tab. 3 Prozessbeschreibungen der Interviewteilnehmer zum Berufswechsel
Mir wurde immer mehr bewusst, dass ich zunehmend zu wenig private Zeit habe, um mich zu re-
generieren und privat Freude am Leben zu nden. Wenn nacheinem langen Arbeitstag z. B. noch
Dienstberatung warund ich musste unbedingt für den nächsten Tagzu Hause für den Unterricht
noch etwas machen, bin ich mit meinem Partner noch etwasspazieren gegangen, aber ich konnte
meinem Partner nicht zuhören, weil ich schon wieder überlegte, was ich wie lange eventuell verschie-
ben kann, aber was muss ich heute unbedingt noch machen.
Dann standen oft Elte rnvo r der Tür, die nur mal eine Frage hätte n,die abe r in Grundsatzdiskussio-
nen ausuferten. Wenn ich nicht darauf eingegangen wäre, hätte ich einen Termin machen müssen
und hätte noch mal in die Schule gemusst. Bei manchen Eltern gelanges mir nicht, die Fortschritte
ihrer Kinder rüber zu bringen. Ich hatte das Gefühl,dass diese mir und ihren Kindern kein Vertrauen
entgegenbringen. Damals hatte ich neue Lernformenangewendet und habe diese den Eltern von An-
fang an transparent gemacht. Trotzde mhinterf ragt ensie diese immer wieder und ich habe das oft als
Angri empfunden. Indem ich das erklärte, fühlte ich mich in einer Verteidigungsrolle, was ich nicht
wollte. Ich bin immer mit Freude in die Schule gegangen, dann kam aber die Zeit, je näher ich der
Schule kam, umso mehr beel mich ein beklemmendes Gefühl. Ich wusste ja nie, was heute passiert,
schae ich alles, wie komme ich in den Tag.
Nachts bin ich kaum noch zur Ruhe gekommen, ich bin zwar wie ein Stein eingeschlafen, war aber
gegen 2:00 bis 2:30 Uhr wieder munter. Dann ngen meine Gedanken an zu kreiseln, was mir die
Kinder gesagt hatten, wo ich vielleicht vergaß zu reagieren. Termineginge n mir durch den Kopf und
Dinge, die ich am nächsten Tag tun musste. Oft bin ich aufgestanden und habe mir einen Zettel ge-
schrieben. Das übertrug sich auf den Tag. Hier dachte ich, bis zur Rente in ca. 10 Jahren kann das
nicht so weitergehen.Was kann ich tun?
gedacht habe, so möchte ich mal später
nicht werden und so möchte ich später
mal nicht mit Kindern umgehen. Und
wo ich mich einfach nach Alternativen
umgesehen habe.
4Meine Mentorin sagte, für den Beruf
muss man kämpfen. Das möchte ich
nicht in meinem Leben, der Beruf ist
nicht meine Berufung. Einerseits fällt
damiteineLastab,abersofortstellt
sich die Frage: Was dann?
Suche nach Alternativen
und Herausforderungen im
Wechselprozess
Die Interviewteilnehmer berichteten von
anfänglichenGedanken an einenberufli-
chen Wechsel. Geprägt ist diese Zeit von
den fehlenden Alternativen.
4Wenn ich was bereue, brauche ich eine
Alternative und da hatte ich immer
nichts. Ich habe immer überlegt, was
könnte ich noch machen, mir ist immer
nichts eingefallen.
4Es erweist sich als äußert schwierig,
eine Tätigkeit zu finden, die nicht
die gleichen Fallstricke, aber eine
annähernd gleiche Befriedigung –
auch finanziell – gewährleistet.
Übereinstimmend berichten die Berufs-
wechsler, dass es für die Abwendung
vom Lehrerberuf Mut, Risikofreude
und beruflicher Alternativen bedarf.
Fehlende Alternativen wurden mehr-
heitlich als Kernargument identifiziert,
die einem Wechsel entgegenstehen. Um
diesem Problem zu begegnen, bedarf es
einer hohen Eigeninitiative, eines ge-
Prävention und Gesundheitsförderung
Originalarbeit
Tab. 4 Karrierematrix: beruflicheWege der Interviewteilnehmer
Schulwechsel Tätigkeitswechsel Berufswechsel
Im „Unter-
nehmen“
(hier:
Schule/
schulnaher
Bereich)
Horizontal Horizontal/vertikal
(in Abhängigkeit der Stelle)
Horizontal
Weiterhin Lehrer – Versetzung
in andere Schule,
Weiterhin Lehrer – nur zur
wirtschaftlichen Absicherung
Teilzeit, Aufnahme eines
Psychologiestudiums
Tätigkeitin nachgeordneten
Einrichtungen des Sächsischen
Staatsministeriumsfür Kul-
tus (für Sachsen: Sächsisches
Bildungsinstitut, Sächsische
Bildungsagentur)
Pressesprecher
Integrationsassistentinin Lebenshilfe (Einzelbetreuung von Kindern
mit Down-Syndrom)
Lektorin im Schulbuchverlag
Projektarbeit: individuelle Förderung von schwierigen Jugendlichen
ohne Frontalunterricht mit flexiblem Lehrpl an, Schulverweigerer
Arbeit in Klinikschule
Vertikal Vertikal
Musikschullehrer – musikalische
Früherziehung
Nachhilfelehrer
Schulsekretärin mit Option auf Hortpraktikum zur Eignungsfeststel-
lung als Erzieherin
Außerschulischer
Bereich
Horizontal
Mitarbeiter in der Behörde des Bundesbeauftragten für die Sta-
si-Unterlagen
Mitarbeiter beim Landesfilmdienst Sachsen für Jugend- und Er-
wachsenenbildung
Beraterin in psychosozialer Be ratungsstelle an Universität, parallel
dazu Ausbildung als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin
WissenschaftlicherMitarbeiter in Lehre und Forschung
Tätigkeit bei Bildungsträger: schwierige Jugendliche in Be rufsvor-
bereitenden Maßnahmen begleiten (Qualifizierung zur Erwachse-
nenbildung vorhanden)
Anmerkung: Eine Teilnehmerin ist seit ihrer Kündigung arbeitslos.
sicherten finanziellen Rahmens sowie
eines privaten Umfelds, das die Ent-
scheidung zum Berufswechsel mitträgt.
Bei Berufseinsteigern in strukturschwa-
chenRegionenträgt das familiäreUmfeld
die Entscheidung nach beruflicher Neu-
orientierung aus dem sicheren Hafen
des öffentlichen Dienstes heraus nicht
bzw. nur zögerlich mit. Das verkompli-
ziert die Entscheidung zum Berufswech-
sel zusätzlich.
Weiterhin ist im Prozess der beruf-
lichen Neuorientierung bei Lehrkräen
zu beachten, dass sich diese nie dem in
anderen Berufen üblichen Bewerbungs-
prozederestellen mussten, d. h.,hier exis-
tiert Bedarf an Bewerbertraining (Erstel-
len von Bewerbungsunterlagen, Absol-
vieren von Vorstellungsgesprächen).
Bei Arbeitsvermittlern der Arbeits-
agenturen resultieren aufgrund des Leh-
rermangels in den östlichen Bundeslän-
dern [22] nur Vermittlungsempfehlun-
gen zu offenen Lehrerstellen und kei-
ne Beratung zu beruflichen Alternativen.
Diese Umstände betonen nochmals die
Eigeninitiative der Lehrkra, wenn es um
die Identifikation alternativer Karriere-
wege geht.
Alternative Karrierewege
In der Karrierematrix sind die neuen
Tätigkeitsfelder der Interviewteilneh-
mer dargestellt (.Tab. 4); berufliche
Wechsel für Lehrkräe sind in vertikaler
(Statusveränderung in der beruflichen
Stellung) und horizontaler Richtung
(Erhalt des Status in der beruflichen
Stellung) möglich. Individuelle Faktoren
wie Fächerwahl, Zusatzqualifikationen,
Praxiserfahrungen aus Nebenjobs, re-
gionale Mobilität, Alter und finanzielle
Ressourcen sind für den Weg in den
neuen Beruf ausschlaggebend. Aber ver-
tikale Positionen sind im Lehrerberuf
nur begrenzt verfügbar.
Keiner der Interviewteilnehmer, die
sich beruflich veränderten, bereute den
beruflichen Wechsel (.Tab. 5)–einUm-
stand, der auf einen Selektionsbias hin-
weist, denn nicht erfolgreiche Wechsler
werden eher selten zur Interviewteilnah-
me bereit sein.
Verhindern des Berufswechsels
Da der Wunsch nach gut ausgebilde-
ten Lehrkräen durchaus seine Berech-
tigung hat, stützte sich eine Frage im
Interview darauf, wie der Berufswechsel
hätte verhindert werden können. Die-
ser Aspekt ist gerade im Hinblick auf
den für Ostdeutschland berichteten Leh-
rermangel relevant, der in Abhängigkeit
von der Region, Schulart und Fachrich-
tung schwankt [22,27]. Die häufigste Be-
gründung für eine Vermeidung des Be-
rufswechsels war eine Verringerung der
Belastung, ein logischer Schluss, wenn
man die Gründe für den Wechsel be-
trachtet. Konkret angesprochen wurden
verringerte Schülerzahlen, Herabsetzen
der Pflichtstundenzahl und Zweitlehrer
in den Klassen. Verbunden mit einer Be-
lastungsverringerung eröffneten sich für
dieeigeneWeiterentwicklung–nichtnur
berufsbezogen – neue Möglichkeiten.
4Eine Entlastung der Lehrer, dem
Arbeitsalltag zu entkommen, dass
man noch genügend Freizeit hat,
um sich mit Außerschulischem zu
beschäigen. Vielleicht auch eine
eigene Entwicklung anzustreben und
nicht nur für die Schule da zu sein.
Und v. a. nicht so viel Arbeit mit nach
Hause nehmen, denn wenn man die
Schule verlässt, fängt die eigentliche
Prävention und Gesundheitsförderung
Tab. 5 Fazit der Interviewteilnehmer zum Berufswechsel
Die Entscheidung war eine mit Kopf und keine mit H erz. Der Stress ist weniger, insofern, dass ich eine
geregelte Arbeitszeit habe. Es geht m ir gut.
Terminlich konnte ich als Lehrer Beruf und Privat vereinbaren aber es gab zu wenig Zeit, um das Schö-
ne am Leben zu nden. Das ist jetzt ganz anders. Das sage ich auch ganz oft wenn wir z. B. spazieren
sind oder im Café sitzen. Jetzt mache ich Sport, was ich früher nie geschat hätte.Jetzt komme ich
nach Hause und habe nichts mehr zu machen. Ja,ich will gar nicht m ehrdaran erinner t werden,
beim Ausfüllen des Fragebogens wurde es mir deshalb ganz komisch. (Anm. Die Tätigkeit als Lehre-
rin liegt 6 Jahre zurück.) Die Ferieneinbußen stören mich nicht, da ich ja in der Zeit sonst Vorberei-
tungen getroen habe. Auch arbeite ich nicht voll und kann mir die Zeit besser einteilen.
Ich arbeite in der Beratungsstelle in erster Linie mit Studenten zusamm enund das ist nat ürlich nicht
ganz mein Bereich, also ichwürde schon sehr gerne wieder mehr mit Kindern arbeiten.Es ist aber
an sich eine gute Stelle, also ich meine, es wird gut bezahlt, die Arbeit macht Spaß, ich lerne halt
natürlich sehr viel, wo ich jetzt sagen kann, ich habe daher wirklich das Falsche studiert. Ich bin damit
erst mal jetzt zufrieden.
Ich genieße das Miterleben von internationalen Konferenzen, dass ich keine Verantwortung habe,
keine emotionalaufwühlenden Sachen passieren undich nach der Arbeit wirklich Feierabend bzw.
Wochenende habe.
Arbeit für den Lehrer erst an. Das
hatte ich mir auch nicht so vorgestellt.
Ich dachte der Arbeitsplatz des Lehrers
ist in der Schule und nicht zu Hause.
Einige Äußerungen der Interviewteil-
nehmer bezogen sich auf ein gutes Gehalt
oder vernünige kollegiale Beziehungen.
Die Möglichkeiten zur Abstimmung mit
Kollegen sind im normalen Schulalltag
erschwert, begründet durch die Or-
ganisationsform, Klassenraumwechsel
und mit Schüleranfragen ausgestalteten
„Pausen“.
4Im Schulversuch hatten wir eine Team-
stunde genehmigt bekommen, wo man
im Team Absprachen führen konnte.
Hier teilte ich den anderen Lehrern
(z. B. Werk-, Kunst-, Musiklehrer) mit,
welche emen ich im Sachunterricht
wann behandeln wollte (z. B. Wald
oder Wasser usw.). Dadurch konnten
sie sich entsprechende Inhalte für ihren
Unterricht überlegen. Dafür war spä-
ter keine Zeit mehr, weil diese Stunden
gestrichen wurden. Die Teamabspra-
chen mit den Lehrern haben wir aber
beibehalten, obwohl keine Zeit mehr
dafür vorgesehen war. Das müsste
unbedingt bleiben.
Ein Lehrer, der kurz nach seinem Be-
rufseinstieg den Beruf gewechselt hatte,
betonte die Wirkung von Vorbildern.Von
der Mehrzahl der Berufswechsler, die am
Beginn der Lehrerlaufbahn eine alterna-
tive Berufsrichtung wählten, wurde o
genannt, dass Vorbilder fehlen:
4DieLehrerin,dieichineinemPrak-
tikum mal als Betreuerin hatte, die
hätte mich motivieren können, das
durchzuziehen. Sie hat mir erst mal
alle Freiheiten gelassen, bestimmte
Dinge zu testen. Sie hat das dann
sehr umfangreich reflektiert, was gut
gelaufen ist, was schief gelaufen ist.
Das war so ihre Vorbildwirkung im
Unterricht. Sie hat versucht, jeden mit-
zunehmen, niemanden auszugrenzen,
alle zu motivieren. Ihre ganze Unter-
richtsplanung war darauf ausgerichtet,
alle Schüler mitzunehmen. Das fand
ich faszinierend, sowas zu sehen, in
der Planung und wie das auch gelingt.
Und das hat in der Praxis funktioniert.
In diesem Zusammenhang rücken sog.
Mentorenprogramme in den Fokus, in
denen Berufseinsteigern zur Abmil-
derung des „Praxisschocksqualifizierte
undmotivi erte MentorenzurSeite gestellt
werden, die als Vorbilder ein Lernen am
Modell ermöglichen. Nach den Aussagen
der Berufsanfänger in den Interviews
ist ihre Betreuung häufig vom Unwillen
des Mentors geprägt, der diese Aufgabe
meist unfreiwillig als verordnete Zu-
satzaufgabe übernehmen muss. So kann
keine Vorbildwirkung erreicht werden.
Diskussion
Die Ergebnisse der Interviews basieren
auf einer heterogenen Stichprobe, für die
hinsichtlich des Wechselerfolgs eine Po-
sitivauswah l angenommen wird. In enge r
Kooperation mit den Betroffenen wur-
denachgeeignetenberuflichen Lösungen
gesucht. Die Interviewstudie gibt die Ein-
schätzungenvonehemaligenLehrkräen
und Lehrkräen mit Wechselwunsch aus
Bundesländern wieder, in denen Lehr-
kräe vorrangig als Angestellte des öf-
fentlichenDienstes tätig sind. Eine Über-
tragbarkeit der Prozesse auf verbeamtete
Lehrkr äe ist nur eingeschrän kt gegeben,
während die Berufsalternativen aus der
Karrierematrix für angestellte und verbe-
amtete Lehrkräe gleichermaßen gelten.
Die Interviewergebnisse bieten so-
wohl Hinweise auf berufliche Alterna-
tiven, aber auch auf Beeinflussungs-
möglichkeiten an sensiblen Stellen der
Berufsbiographie, die für einen Verbleib
der Lehrkräe im Lehrerberuf werben.
Im Lehrerberuf ist mit dem Antritt
eines Lehramtsstudiums der weitere Be-
rufsweg scheinbar vorgezeichnet, denn
in der Regel folgen nach dem Studien-
abschluss mit dem 1. Staatsexamen das
Referendariat, das 2. Staatsexamen und
dann der Schuldienst biszum Ruhestand,
Allerd ings wird die Pra xisphase de s Refe-
rendariats nicht selten als „Praxisschock“
empfunden [12,27]. Jeder Füne hat
den Einstieg ins Berufsleben als „Praxis-
schock“ erlebt. Betroffene suchen schon
in ihrer Einstiegsphase nach alternati-
ven Berufsmöglichkeiten bzw. Arbeits-
feldern, v.a. dann, wenn sie das Lehr-
amtsstudium nicht primär aus Interes-
se an den eigentlichen Berufsaufgaben
im Lehrerberuf (intrinsische Motivation)
ergriffen haben, sondern aus Gründen
der Vereinbarkeit von Familie und Be-
ruf, Möglichkeiten der Teilzeitbeschäi-
gung, des sicheren Angestelltenverhält-
nisses oder aufgrund der Ferienzeiten.
Bei diesen Beweggründen ist es fraglich,
ob diese über das gesamte Berufsleben
hinweg tragen können [20]. Aber ernst-
ha darüber nachgedacht, den Lehrer-
beruf aufzugeben, hatte nur etwa jede
10. junge Lehrkra, bei 81 % von ihnen
überwog die Freude an der Arbeit.Von
den Lehrkräen, die schon 20 Jahre und
länger unterrichten, sagten das 70 % [27].
Damitder Berufseinstiegnichtmiteinem
„Praxisschock“ beginnt, ist eine Reform
der Lehrerausbildung notwendig [27].
Interessanterweise wird bei der Be-
schreibung geeigneter Maßnahmen zum
Prävention und Gesundheitsförderung
Originalarbeit
Tab. 6 Informationen zu Laufbahnberatungund Berufsalternativen für Lehrkräfte
Internetadresse Themen
http://cct-germany.de Laufbahnberatung für Lehrkräfte für alle Phasen
der Berufsbiographie (Studenten, Berufseinstei-
ger, Quereinsteiger, erfahrene Lehrkräfte)
http://www.self.mzl.lmu.de/ Selb sterkundungsangebot zum Lehrerberuf mit
Filmimpulsen
http://www.wila-arbeitsmarkt.de Zeitschrift Arbeitsmarkt des Wissenschafts-
ladens Bonn (Stell enmarkt und Ratgeber für
Bewerbung und Berufsorientierung)
http://www.careers.de/fileadmin/Careers_
Service/Sonstiges/Arbeitsfelder_fuer_
Geisteswissen-schaftler_-_Alternativen_
fuer_Lehrer.pdf
Anregungen zur Auseinandersetzung mit mögli-
chen Arbeitsfeldern
http://www.zfl.tu-darmstadt.de/media/zfl/
informationsmaterial/bbz_lehrer.pdf
Arbeitsmark t für Lehrkräfte
http://www.zlf.uni-passau.de/projekte/alma Projekt ALMA – Alternativen zum Lehrerberuf:
Masterstudienprogramm für Lehramtsstudieren-
de an der U niversität Passau
http://www.autenrieths.de/links/lehrerberuf.
htm
Alternativen zum Lehrerberuf
Verbleib guter Lehrkräe an Schulen v. a.
die intrinsische Motivation (Arbeit mit
Kindern, Unterrichten) betont [14]. Die-
se Motivation ist auch bei Berufswechs-
lern vorhanden und eignet sich folglich
nicht als Unterscheidungskriterium zwi-
schen berufstreuen und wechselwilligen
Lehrkräen.
Im Unterschied zur Schweiz, in der
Lehrkräe während eines beruflichen
Wechsels institutionalisiert unterstützt
werden [2], ist ein Berufswechsel für
Lehrkräe in Deutschland eine indivi-
duelle Angelegenheit, hochgradig ab-
hängig vom Engagement der Lehrkra
mit Wechselwunsch. So sind die Berufs-
biografien erfolgreicher Berufswechsler
durch ein hohes Maß an Eigeninitiative
und das Erwerben von Zusatzqualifika-
tionen bzw. das Aufgreifen Qualifizie-
rungsangeboten gekennzeichnet. Unruh
[26] empfiehlt seinen Kollegen, ehrlich
über ihre Situation nachzudenken und
rät zur „schonungslosen“ Selbstanalyse,
um hinterher entweder klar „Ja“ zum
Job als Lehrer zu sagen oder nach einer
Alternative zu suchen.
Auch im Lehrerberuf werden Mehr-
berufsbiografien der berufsmobilen Ge-
sellscha an Attraktivität gewinnen.
Berufsbiografische Orientierungs- und
Veränderungsbedürfnisse werden eben-
so zunehmen wie Standortbestimmun-
gen in der Lehrerberatung. Aber: Bio-
grafische Arbeit braucht Zeit, denn es
geht um Grundbedürfnisse und Zu-
kunsperspektiven, Weichenstellungen
und Selbstverortung im Leben. Eine fun-
dierte berufsbiografische Auseinander-
setzung kann als Standortbestimmung
oder Laufbahnberatung stattfinden –
prinzipiell überall, wo sich Nischen zum
Nachdenken über das eigene berufliche
Tun und zum Entwerfen neuer und
Verwerfen alter Lebensentwürfe finden
[16].
Hindernisse eines beruflichen
Wechsels
Ein Berufswechsel im Lehrerberuf ist ein
individueller Prozess, der aufgrund man-
gelnder Alternativen und zusätzlichem
Qualifizierungsbedarfnurbei ausgepräg-
ter Eigeninitiative der Lehrkra möglich
erscheint. Es ergeben sich nur in be-
grenztem Umfang Ideen für alternative
Berufskarrieren im Lehrerberuf. Gründe
dafür sind u. a. der akute L ehrermangel,
derfehlendefachspezischeLehrernach-
wuchs und die geringe Unterstützung
durch Institutionen (u. a. Arbeitsagentu-
ren) bei der Suche nach alternativen Be-
rufswegen. Übergänge in einen zweiten
Beruf und eine lehrerspezifische Lauf-
bahnberatung und Personalentwicklung
gelten damit als nachrangiges Problem
[5]. Es gibt in Deutschland für einen Be-
rufswechselimLehrerberufkeinePatent-
lösungen und kaum institutionalisierte
Unterstützung.
Dennoch gibt es auch im Lehrerbe-
ruf berufliche Ausweichmöglichkeiten.
Lehrkräe bzw. Absolventen von Lehr-
amtsstudiengängen besitzen Qualifika-
tionen, von denen sie durchaus in ande-
ren beruflichen Tätigkeiten profitieren
können. Dazu zählen Lernfähigkeit und
psychologisches Verständnis. Unabhän-
gig vom Beruf sind effektives Arbeiten,
die Fähigkeit zum Planen komplizierter
Abläufe und zum Motivieren anderer
gefragt. Alternativ-Jobs unterscheiden
sich darin nicht von denen in der Schule
[9]. Idealerweise können das Wissen und
die Erfahrungen aus dem Lehrerberuf in
der neuen Tätigkeit oder im neuen Beruf
genutzt werden. Die meisten Alternativ-
Jobs setzen aber eine mehrjährige, zu-
sätzliche Ausbildung voraus. Notwendig
ist es, den Blickwinkel für potentielle Be-
rufsbereiche und Arbeitgeber als auch
für Tätigkeitsbereiche, die vorher nicht
bekannt sind, zu erweitern.
Da der Verdienst im öffentlichen
Dienst relativ gut ist, muss im zweiten
Beruf mit z. T. erheblichen Gehaltsein-
bußen gerechnet werden. Zudem sind
für die meist zwingend erforderlichen
Zusatzqualifizierungen finanzielle und
persönliche Aufwendungen nötig. Zu
berücksichtigen bleibt, dass die wirt-
schaliche Situation für ältere wechsel-
willige Lehrkräe eine zentrale Barriere
für die Identifikation neuer Berufsfel-
der bedeutet. So werden Tätigkeiten in
Nachhilfeinstituten oder bei Bildungs-
trägern o nur über (geringe) Honorare
vergütet. In strukturschwachen Regio-
nen ist eine Stelle im Öffentlichen Dienst
o schon das Maximum des Möglichen.
Deshalb werden Möglichkeiten einer
Selbständigkeit kaum in Betracht ge-
zogen. Zusammenfassend müssen die
beruflichen Alternativen nicht nur exis-
tieren und inhaltlich passen, sondern
auch die wirtschaliche Absicherung
(u. U. einer ganzen Familie) leisten.
Abordnungen und Versetzungen im
schulnahen Bereich (für Sachsen: Säch-
sisches Bildungsinstitut, Sächsische Bil-
dungsagentur) bieten aufgrund der re-
lativ wenigen Stellen nur in Einzelfällen
Prävention und Gesundheitsförderung
Möglichkeiten für alternative Berufswe-
ge in Form eines abgesicherten Wechsels.
Bei Berufseinsteigern taucht für die
Berufsalternative das Argument der
Wirtschalichkeit nur in abgeschwächter
Formauf.Hier überwiegenbelastungsbe-
gründete Motivationen („Praxisschock“)
bzw. der Wunsch, sich beruflich weiter-
zuentwickeln. Inhaltlich sind die Wech-
selmotive der Berufseinsteiger und der
erfahrenen Lehrkräe aber vergleichbar.
Kompetenzbilanz und berufliche
Entwicklungsziele
Die Entscheidungen zum Berufswech-
sel sind im Lehrerberuf auch von den
Rahmenbedingungen der alternativen
Berufe geprägt, speziell durch deren
Arbeitsplatzsicherheit, Pendelaufwand
oder Weiterbildungserfordernisse. Ein
Quereinstieg ist am ehesten in ver-
wandten beruflichen Bereichen und bei
guter Konjunkturlage möglich. In der
Regel ist ein Wechsel in ein berufsfrem-
des Arbeitsfeld omals gleichbedeutend
mit einem beruflichen Neustart – ein
Umstand, der die Bedeutsamkeit von
Schlüsselkompetenzen wie Methoden-,
Sozial- und persönliche Kompetenz [1]
betont.
Bei der Suche nach Alternativen ist es
notwendig, den Blickwinkel für potenti-
elle Berufsbereiche und Arbeitgeber als
auch für Stellenbezeichnungen, die vor-
her nicht bekannt sind durch eigenstän-
dige Recherchen zu erweitern (.Tab. 6).
Der akute Lehrermangel erfordert
ein Umdenken für die Rekrutierung von
Lehrernachwuchs und neue Personalent-
wicklungskonzepte hin zur Laufbahnbe-
ratung. War es vor einigen Jahren noch
ausreichend, geeignete Lehramtsanwär-
ter auszuwählen und zu qualifizieren,
müssen Schulen heute um Lehrkräf-
te werben. Moderne Präventionsstra-
tegien beinhalten neben der traditionel-
len Arbeitsgestaltung und den Maßnah-
men zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit
und Gesundheit auch berufsbegleitende
Qualifizierung und Entwicklungsmög-
lichkeiten.
Doch nicht alle Folgen der beruflichen
Belastungenkönnenabgefangenwerden.
Tätigkeits- oder Berufswechsel bleiben
ein alternativer We g , d i e A r be i t sf ä h ig -
keit und Gesundheit der Lehrkräe bis
zum regulären Renteneintrittsalter zu er-
halten. Diese Wechsel setzen o eine
Fort- oder Weiterbildung oder eine be-
rufsbegleitendeQualifizierungvoraus.In
dem Maße, wie „lebenslanges Lernen
mit Leben erfüllt wird, verbessern sich
die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Je nach Berufsphase – von den Be-
rufseinsteigern bis zu den langjährig
im Erwerbsprozess befindlichen oder
erkrankten Lehrkräen – müssen geeig-
nete Maßnahmen ergriffen werden, die
Belastungserleben und Gesundheitsge-
fährdungenvonAnfanganreduzieren.
Solche Maßnahmen beginnen mit der
Eignungsüberprüfung von Lehramts-
kandidaten, der Unterstützung in der
sensiblen Beruf seinstiegsphase und setz-
ten sich mit dem Verfügbarmachen un-
terstützender Strukturen fort – abhängig
von der Lebenssituation der Lehrkräe
(z. B. betriebsärztliche Vorsorge, be-
triebliches Eingliederungsmanagement
bei Langzeiterkrankungen) sowie abge-
stimmte Fort- bzw. Weiterbildungs- und
Personalentwicklungsstrategien.
Fazit für die Praxis
4Der Lehrerberuf muss kein Beruf auf
Lebenszeit sein. Für einen Berufs-
bzw. Tätigkeitswechsel stellt das
Entwickeln der Bewusstheit für und
das Bereitstellen von alternativen
Karrieremodellen aus gesundheits-
politischer Sicht einen ergänzenden
Schritt dar, Lehrkräfte vor krank-
heitsbedingter Frühberentung bzw.
-pensionierung zu bewahren.
4Laufbahnmodelle können Perspek-
tiven für innerberufliche Weiterent-
wicklung bieten – ein bislang kaum
genutztes Potential zur Erhöhung der
Verweildauer im Lehrberuf. Denkbar
wäre die Schaffung einer Berufs-,
Studien- und Laufbahnberatung,
in der Weiterbildung, berufliche
Neuorientierung sowie beruflicher
Wiedereinstieg für Lehrkräfte gebün-
delt thematisiert werden.
4Um den Risiken arbeitsbedingter
Fehlbeanspruchung im Lehrerberuf
entgegenzuwirken, müssen zu-
künftig die Anstrengungen in den
Bereichen Personalauswahl und
-entwicklung sowie Weiterbildung
verstärkt werden. Hinzu kommt der
präventive Arbeits- und Gesund-
heitsschutz, der bereits bei den
Berufsanfängern beginnen muss.
Korrespondenzadresse
Dipl.-Psych. D. Druschke
Zentrum für Evidenzbasierte
Gesundheitsversorgung,
Universitätsklinikum Carl
Gustav Carus, TU Dresden
Fetscherstraße 74,
01307 Dresden, Deutschland
Diana.Druschke@uniklinikum-
dresden.de
Förderung. DieStudie„ImLehrerberufgesundund
motiviert bis zur Rente – Wegeder Prävention und
Personalentwicklung“ wurde als Modellberuf IV
„Mein nächster Beruf – Personalentwicklung für
Berufe mit begrenzter Tätigkeitsdauer“ (Kennziffer FP
314) durch die Deutsche Gesetzliche
Unfallversicherung gefördert.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt. D. Druschkeund R. Seibt geben
an, dass kein Interessenkonfliktbesteht.
Die verwendeten Interviews wurden mit Zustimmung
derzuständigenEthik-KommissionbeiderZentralstel-
lederSächsischenBildungsagentur,sowieim Einklang
mit nationalem Recht und gemäß der Deklaration von
Helsinki von 1975 (in der aktuellen, überarbeiteten
Fassung)durchgeführt. Von allen Interviewteilneh-
mern liegt eine Einwilligungserklärung zur digitalen
Aufzeichnungder Interviews sowie zur Weiternutzung
der Daten in anonymisierter Form für wissenschaftli-
che Auswertungen vor.
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Prävention und Gesundheitsförderung
... The significance of work-related demands for teacher attrition becomes clear in surveys on the reasons for leaving the profession: Among the most frequently mentioned reasons for attrition are high demands and job stress in general, work overload, the desire for better career options, family responsibilities and lack of administrative support (Kersaint et al., 2007;Druschke and Seibt, 2016). Skaalvik and Skaalvik have shown that workload and time pressure are among the job demands that are most strongly related to the intention to leave teaching, mediated by low job well-being Skaalvik, 2011, 2018). ...
Article
Full-text available
Teacher attrition is a major problem in many countries. One possible and widely spread counter measure is to recruit persons from other occupational fields to become teachers. Although the existent literature suggests that second career teachers (SCT) have additional resources compared to first career teachers (FTC), empirical data are still scarce on whether SCT are able to transfer prior skills and knowledge into teaching, how this affects the way they deal with professional demands, as well as their intentions to stay in their new profession. On this basis, the present study explores whether FCT and SCT differ in how challenged they feel by typical professional demands associated with teaching, and in what way their challenge appraisals are relevant for the intention to leave the profession. A questionnaire survey was conducted with a sample of 297 teachers, comprising 193 FCT and 104 SCT. Both groups had had regular teacher training, resulting in a full teacher diploma. Professional demands associated with student learning and assessment were rated as most challenging, whereas classroom management, establishing a professional role and cooperation with colleagues were perceived as less challenging. A group difference was found in professional demands concerning student learning and assessment, where SCT felt less challenged than FCT. Also, SCT were more intent to stay in the teaching profession. Further analyses showed that both group differences are mainly attributable to the higher proportion of male teachers among SCT, as well as to their higher general self-efficacy beliefs. Both career background and the degree to which the teachers felt challenged in their job played a subordinate role for the intention to leave the teaching profession. The findings indicate that SCTs’ background as career switchers might be less important for coping with specific professional demands than the existent research literature implies. On the other hand, they indicate that SCT feel nearly as challenged when starting to teach as traditional teachers, and need may have the same needs for good teacher induction.
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Zusammenfassung. Hintergrund: Die Lehrenden in der Pflege bewegen sich in einem besonderen Spannungsfeld. Zu den Anforderungen durch die Lehre kommen Belastungsfaktoren durch den Aspekt der Pflege hinzu. Fragestellung: Das Hauptinteresse lag in der Frage, wie Lehrende in der Gesundheits- und Krankenpflege ihr berufliches Belastungserleben beschreiben. Es sollten unterstützende und belastende Faktoren sowie Bewältigungsstrategien der Lehrenden identifiziert und beschrieben werden. Methoden: Es handelt sich um eine deskriptive qualitative Forschung. Es wurden 26 leitfadengestützte Telefoninterviews mit Pflegelehrenden in Norddeutschland geführt. Nach der Transkription wurden diese einer qualitativen Inhaltsanalyse nach 21-1Mayring (2015) unterzogen. Ergebnisse: Die Lehrenden in der Pflege gaben unterschiedlich starke berufliche Belastungen an. Hauptaspekte sind Rahmenbedingungen, hohe Arbeitslast, Fehlverhalten und Probleme von Schüler_innen sowie die Zusammenarbeit mit Kolleg_innen und der Schulleitung. Die Nähe zum Berufsfeld Pflege wirkt auf das Belastungserleben sowohl mit mildernden als auch verstärkenden Faktoren. Schlussfolgerungen: Belastungserleben wird von den Lehrenden im Kontext mangelnder Unterstützung und Wertschätzung der beruflichen Leistung beschrieben. Um die hohe Motivation und die Identifikation mit der Pflege und der Professionalisierung der Pflege aufrechtzuerhalten und eine qualitativ hochwertige Ausbildung sicherzustellen, benötigen die Lehrenden Unterstützung, vor allem in Form einer soliden personellen und räumlichen Ausstattung sowie sichtbare Anerkennung.
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Das Gefühl, nicht abzuschalten zu können, kann sich bedrohlich anfühlen – oft gehen damit Gefühle wie Ohnmacht und Erschöpfung einher oder die Sorge, die Kontrolle über das Leben zu verlieren. Wie kann es dazu kommen und wie kommt man da schnell wieder heraus? Darum geht es in diesem Kapitel.
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Zum Schulalltag gehören größere und kleinere Krisen dazu: manchmal ausgelöst durch äußere, unvorhersehbare Ereignisse wie Unfälle, Krankheiten oder Todesfälle, manchmal durch persönliche Veränderungen im Lebenslauf, neue berufliche Anforderungen oder soziale Konflikte. Das Buch stellt typische Krisensituationen im Lehrerberuf vor und beschreibt, was Unterrichtende tun können, um persönliche oder schulische Krisen zu bewältigen oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen.
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In einer vergleichenden Untersuchung sollte anhand einer Gruppe dienstunfähiger Lehrpersonen mit psychischen bzw. psychosomatischen Beschwerden und einer Gruppe berufstätiger Lehrer geklärt werden, (a) was unter dem Begriff des, unrealistischen Anspruchs „inhaltlich zu verstehen ist und (b) ob unrealistische Ansprüche als frühe Hinweise auf spätere Dienstunfähigkeit vermutet werden können. Die Ergebnisse belegen die Annahme, dass dienstunfähige Lehrer bei Berufsbeginn signifikant mehr unrealistische Ansprüche hatten als berufstätige Lehrer. Sie erwarteten mehr Anerkennung und stellten überhöhte Leistungsansprüche an die eigene Person. Die Kontrollgruppe war bei Berufsbeginn selbstkritischer. Hinsichtlich der Variablen Begeisterung gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen.
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Almost 800 000 teachers were working in Germany in the 2012-13 school year. A determination of the most common medical problems in this large occupational group serves as the basis for measures that help maintain teachers' health and their ability to work in their profession. We present our own research findings, a selective review of the literature, and data derived from the German statutory health insurance scheme concerning medical disability, long-term illness, and inability to work among teachers. Compared to the general population, teachers have a more healthful lifestyle and a lower frequency of cardiovascular risk factors (except hypertension). Like non-teachers, they commonly suffer from musculoskeletal and cardiovascular diseases. Mental and psychosomatic diseases are more common in teachers than in non-teachers, as are nonspecific complaints such as exhaustion, fatigue, headache, and tension. It is commonly said that 3-5% of teachers suffer from "burnout," but reliable data on this topic are lacking, among other reasons because the term has no standard definition. The percentage of teachers on sick leave is generally lower than the overall percentage among statutory insurees; it is higher in the former East Germany than in the former West Germany. The number of teachers taking early retirement because of illness has steadily declined from over 60% in 2001 and currently stands at 19%, with an average age of 58 years, among tenured teachers taking early retirement. The main reasons for early retirement are mental and psychosomatic illnesses, which together account for 32-50% of cases. Although German law mandates the medical care of persons in the teaching professions by occupational physicians, this requirement is implemented to varying extents in the different German federal states. Teachers need qualified, interdisciplinary occupational health care with the involvement of their treating physicians.
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Teaching profession is characterised by an above-average rate of psychosomatic and mental health impairment due to work-related stress. The aim of the study was to identify predictors of mental health in female teachers. A sample of 630 female teachers (average age 47±7 years) participated in a screening diagnostic inventory. Mental health was surveyed with the General Health Questionnaire GHQ-12. The following parameters were measured: specific work conditions (teacher-specific occupational history), scales of the Effort-Reward-Imbalance (ERI) Questionnaire as well as cardiovascular risk factors, physical complaints (BFB) and personal factors such as inability to recover (FABA), sense of coherence (SOC) and health behaviour. First, mentally fit (MH(+)) and mentally impaired teachers (MH(-)) were differentiated based on the GHQ-12 sum score (MH(+): < 5; MH(-): ≥ 5); 18% of the teachers showed evidence of mental impairment. There were no differences concerning work-related and cardiovascular risk factors as well as health behaviour between MH(+) and MH(-). Binary logistic regressions identified 4 predictors that showed a significant effect on mental health. The effort-reward-ratio proved to be the most relevant predictor, while physical complaints as well as inability to recover and sense of coherence were identified as advanced predictors (explanation of variance: 23%). Contrary to the expectations, classic work-related factors can hardly contribute to the explanation of mental health. Additionally, cardiovascular risk factors and health behaviour have no relevant influence. However, effort-reward-ratio, physical complaints and personal factors are of considerable influence on mental health in teachers. These relevant predictors should become a part of preventive arrangements for the conservation of teachers' health in the future.
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Für die verschiedenen, mit Bildung und Erziehung, Schule und Unterricht befassten wissenschaftlichen Disziplinen ist der Lehrerberuf schon immer ein interessanter Gegenstand der Betrachtung, der Analyse, der Theoriebildung und Forschung im weitesten Sinne gewesen. In der Erziehungswissenschaft, in der Pädagogischen Psychologie, in der Bildungssoziologie und im Bildungsrecht, allgemeiner: in den verschiedenen Disziplinen, die sich in ihrer jeweiligen speziellen Erkenntnisperspektive mit dem Lehrerberuf beschäftigen, wird in irgendeiner Form immer auch auf Forschung zum Lehrerberuf Bezug genommen. Damit sollen im Folgenden solche Forschungsprojekte, -programme und -zusammenhänge bezeichnet werden, die sich im Horizont unterschiedlicher Disziplinen mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden, Theorieansätzen und divergierenden Erkenntnisinteressen auf den Lehrerberuf beziehen, wobei dies den Ausbildungsprozess für den Lehrerberuf immer mit einschließt: Forschung zur Lehrerbildung ist Teil der Forschung zum Lehrerberuf. In der internationalen Forschungsliteratur wird dieser Forschungskomplex als Research on Teachers and Teacher Education bezeichnet, in manchen Fällen wird auch die Wendung Research on Teachers, Teaching, and Teacher Education verwendet, um die enge Verbindung zwischen der empirischen Forschung zum Lehrerberuf und derjenigen zu Unterrichtsprozessen (vgl. die Beiträge von A. Renkl, E. Kiel, K. Reiss und H. G. Holtappels in diesem Band) auszudrücken.
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Qualitative Inhaltsanalyse : Grundlagen u. Techniken. - 4., erw. Aufl., Neuausg. - Weinheim : Dt. Studien-Verl., 1993. - 127 S.
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Profi-Fußballer oder z.B. Ballett-Tänzer denken bereits frühzeitig an die „zweite Karriere“. Es erwartet keiner, dass ein Fußballspieler noch mit 65 oder gar 67 Jahren in der Nationalmannschaft spielt. Aus einer Ballett-Tänzerin wird eine Tanzlehrerin, die ihre langjährige Erfahrung an junge Tänzerinnen weitergibt. Ein Fußballer wird Fußballtrainer.
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Als Lehrer muss man natürlich sein Fach beherrschen, pädagogisch immer auf dem neuesten Stand sein, alle Innovationen des Kultusministeriums sofort umsetzen, Schülern und Schülereltern in jeder professionellen Hinsicht gerecht werden und zudem eine tragende Rolle im reibungslosen Getriebe des Kollegiums spielen, von den privaten Verpflichtungen ganz zu schweigen. Und nun sollen Lehrer auch noch, weil ihr Beruf besonders Stress-belastet ist, Experte in Sachen Lehrergesundheit werden? Nicht wenigen Lehrern drängte sich angesichts dieser zusätzlichen (?) Aufgabe bereits das ungute Gefühl auf, dass ihnen auf diese Weise ein weiterer schwarzer Peter zugeschoben wird. Die schwierigen Verhältnisse an den Schulen resultieren zweifellos auch aus einer Politik, die gerne vollmundig Reformen verspricht, um selbige dann kleinlaut einzusparen. Und nun sollen Lehrer als Gesundheitsexperten in eigener Sache die sie persön-lich betreffenden Folgen dieses gesamtgesellschaftlichen Problems ausbaden? Zudem: eine Beschäftigung mit Bereichen jenseits dessen, was wir als psychisch normal erleben, ist kein nebenbei zu erledigender, gefühlsneutraler Posten, insbesondere dann, wenn es einen selber betreffen könnte. Wozu der zusätzliche Stress, warum sollten Lehrer dies Kapitel lesen? Nachdem es kein Psycho-Lehrbuch ersetzen und kein Schnellkurs zum Seelenarzt sein kann, liegen diesbezüglich mögliche Gründe auf folgenden Ebenen: Sich mit dem Thema Psychische Erkrankungen zu beschäftigen ist sinnvoll, weil ... psychische Erkrankungen - repräsentativen Erhebungen zu Folge (Wittchen/ Jacobi 2001) - überaus häufig sind. Wenn Sie den Eindruck haben, in Ihrer näheren Umgebung gäbe es diese glücklicherweise nicht, dann nur deshalb, weil Sie dies Phänomen bislang übersehen haben.
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This article reports the results of a comprehensive meta-analysis of turnover antecedents, extending an earlier one by Hem and Griffeth (1995). As such, this updated meta-analysis represents the most wide ranging quantitative review to date of the predictive strength of numerous turnover antecedents. Importantly, the present investigation identifies various moderators of antecedent-turnover correlations. The implications of these findings for both theory and practice are discussed. [ABSTRACT FROM AUTHOR] Copyright of Journal of Management is the property of Sage Publications, Ltd. and its content may not be copied or emailed to multiple sites or posted to a listserv without the copyright holder's express written permission. However, users may print, download, or email articles for individual use. This abstract may be abridged. No warranty is given about the accuracy of the copy. Users should refer to the original published version of the material for the full abstract. (Copyright applies to all Abstracts.)