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Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konflikten und Telearbeit

Authors:

Abstract

Eine flexibilisierte und digitalisierte Arbeitswelt fördert nicht nur die Möglichkeit von Telearbeit (das Arbei-ten von zu Hause oder unterwegs aus), sondern auch das Auftreten von nicht-arbeitsbezogener Computer-nutzung während der Arbeitszeit, auch bekannt als Cyberslacking. Der Begriff Cyberslacking ist in Forschung und Praxis eher negativ konnotiert und als abweichendes Verhalten stigmatisiert. Es gibt allerdings einige Hinweise auf mögliche positive Aspekte von Cyberslacking, speziell für die Vereinbarkeit von Beruf und Pri-vatleben. Die vorliegende Studie geht daher der Frage nach, welche Rolle Cyberslacking nun im Kontext von Life-Domain-Konflikten und Telearbeit, in Bezug auf das Wohlbefinden, spielt. Die Ergebnisse der Quer-schnittsstudie zeigen einerseits, dass Cyberslacking die negative Beziehung zwischen Life-Domain-Konflik-ten und Wohlbefinden abschwächt, und anderseits telearbeitende Personen sich im Cyber slackingverhalten von nicht-telearbeitenden Personen unterscheiden. Cyberslacking kann nicht pauschal als negativ beurteilt werden, sondern sollte sowohl in der Praxis als auch in zukünftigen Forschungsvorhaben differenzierter betrachtet werden – insbesondere im Hinblick auf positive Aspekte. Schlüsselwörter: Cyberslacking, Life-Domain-Konflikte, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Telearbeit, Wohlbefinden English abstract: A flexible and digital workplace promotes not only telework (working from home or in a mobile office), but non-work related computer use during working hours (also known as cyberslacking) as well. Cyberslacking is usually regarded as a deviant behavior and something rather negative. However, evidence suggests that cyberslacking might be beneficial for reconciling work and private life. This study focuses on the role of cyberslacking in the context of life-domain conflicts, telework, and well-being. The cross-sectional results suggest that 1.) cyberslacking works as a moderator to buffer the negative relationship between life-domain conflicts and well-being and 2.) teleworkers differ significantly in their cyberslacking behavior from non-teleworkers. Cyberslacking cannot be seen as a generally negative behavior, but employers and scientists alike should look at potential positive aspects.
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Die Rolle von Cyberslacking im Kontext
von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
Fabiola Gattringer & Bernad Batinic
Johannes Kepler Universität Linz
Zusammenfassung
Eine exibilisierte und digitalisierte Arbeitswelt fördert nicht nur die Möglichkeit von Telearbeit (das Arbei-
ten von zu Hause oder unterwegs aus), sondern auch das Auftreten von nicht-arbeitsbezogener Computer-
nutzung während der Arbeitszeit, auch bekannt als Cyberslacking. Der Begri Cyberslacking ist in Forschung
und Praxis eher negativ konnotiert und als abweichendes Verhalten stigmatisiert. Es gibt allerdings einige
Hinweise auf mögliche positive Aspekte von Cyberslacking, speziell für die Vereinbarkeit von Beruf und Pri-
vatleben. Die vorliegende Studie geht daher der Frage nach, welche Rolle Cyberslacking nun im Kontext
von Life-Domain-Konikten und Telearbeit, in Bezug auf das Wohlbenden, spielt. Die Ergebnisse der Quer-
schnittsstudie zeigen einerseits, dass Cyberslacking die negative Beziehung zwischen Life-Domain-Konik-
ten und Wohlbenden abschwächt, und anderseits telearbeitende Personen sich im Cyber slackingverhalten
von nicht-telearbeitenden Personen unterscheiden. Cyberslacking kann nicht pauschal als negativ beurteilt
werden, sondern sollte sowohl in der Praxis als auch in zukünftigen Forschungsvorhaben dierenzierter
betrachtet werden – insbesondere im Hinblick auf positive Aspekte.
Schlüsselwörter: Cyberslacking, Life-Domain-Konikte, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Telearbeit,
Wohlbenden
The role of cyberslacking in the context of life-domain conicts
and telework
Abstract
A exible and digital workplace promotes not only telework (working from home or in a mobile oce), but
non-work related computer use during working hours (also known as cyberslacking) as well. Cyberslacking
is usually regarded as a deviant behavior and something rather negative. However, evidence suggests that
cyberslacking might be benecial for reconciling work and private life. This study focuses on the role of
cyberslacking in the context of life-domain conicts, telework, and well-being. The cross-sectional results
suggest that 1.) cyberslacking works as a moderator to buer the negative relationship between life-domain
conicts and well-being and 2.) teleworkers dier signicantly in their cyberslacking behavior from non-
teleworkers. Cyberslacking cannot be seen as a generally negative behavior, but employers and scientists
alike should look at potential positive aspects.
Keywords: cyberslacking, life-domain conict, work-life conict, telework, well-being
Wirtschaftspsychologie
Heft 2-2016
F. Gattringer & B. Batinic
Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
Einleitung
Durch die ständige Verfügbarkeit moderner Kom-
munikationstechnologie sei es Laptop oder
Smartphone – und damit einhergehenden Anwen-
dungen und Dienstleistungen ist die private Nut-
zung des Computers bzw. des Internets während
der Arbeitszeit ein Verhalten, welches in den letz-
ten Jahren zwangsläug Veränderungen unterle-
gen war.
Für dieses Verhalten gibt es unterschiedliche
Bezeichnungen: Cyberslacking, Cyberloang oder
auch nicht-arbeitsbezogene Computernutzung.
Da Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach
exiblerer Arbeitsgestaltung verlangen (derStan-
dard.at, 2014) und auch Arbeitgeber vermehrt vom
Personal Erreichbarkeit außerhalb der regulären Ar-
beitszeit erwarten, erfreut sich das Arbeiten von zu
Hause oder unterwegs (Telearbeit) immer größerer
Beliebtheit. Wie wirkt sich jedoch dieses Arbeitsver-
halten nun auf die nicht-arbeitsrelevante Nutzung
von Kommunikationstechnologien während der
Arbeitszeit aus? Tritt bei Telearbeit mehr oder we-
niger Cyberslacking auf? Eine aktuelle Betrachtung
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Wirtschaftspsychologie
Heft 2-2016
F. Gattringer & B. Batinic
Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
von Cyberslacking während der Arbeitszeit, spe-
ziell im Kontext der Telearbeit, ist interessant und
sinnvoll, um durch dieses Verhalten entstehende
Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten und
Chancen, im Arbeitsleben besser zu verstehen. Eine
solche Chance wäre zum Beispiel ein positiver Bei-
trag von Cyberslacking zur Vereinbarkeit von Beruf
und Privatleben.
Cyberslacking
als Herausforderung
Der Großteil der Studien und publizierten Literatur
zu Cyberslacking hat Voraussetzungen und Prädik-
toren im Fokus (z.B. Fichtner & Strader, 2014; Garrett
& Danziger, 2008; Vitak, Crouse & LaRouse, 2011)
oder betrachtet potentiell negative Eekte des Phä-
nomens (z.B. Griths, 2003) und kategorisiert es als
abweichendes Verhalten am Arbeitsplatz, welches
zu Produktivitäts- und Leistungseinbußen führt
(Galletta & Polak, 2003; Malachowski & Simonini,
n.d.). Auch im Arbeitskontext fallen die Befunde auf
den ersten Blick ernüchternd aus: Fichtner und Stra-
der (2014) fassen in ihrer Literaturanalyse Befunde
zu nicht-arbeitsbezogener Computernutzung zu-
sammen und kommen zu dem Schluss, dass krea-
tive beruiche Tätigkeiten, mehr Autonomie wäh-
rend der Arbeit sowie häugere arbeitsrelevante
Nutzung des Internets mit erhöhter nicht-arbeits-
bezogener Computernutzung (bzw. Cyberslacking)
einhergehen. Dabei handelt es sich lediglich um
einen Zusammenhang, keine Wirkrichtungen, da-
her ist nicht klar, ob Cyberslacking eventuell sogar
als Voraussetzung für eben diese Kreativität im Ar-
beitsprozess förderlich ist. In der Literatur wird eher
für einen gegenteiligen Eekt argumentiert (Vitak
et al., 2011).
Zu Cyberslackingverhalten im Kontext von Te-
learbeit gibt es mit Ausnahme von O’Neill, Hambley
und Bercovich (2014) bis dato kaum Forschungser-
gebnisse: In einer ihrer Querschnittsstichproben
ndet sich eine negative Beziehung zwischen Cy-
berslacking und Zufriedenheit mit dem Telearbeits-
arrangement sowie der wahrgenommenen Arbeits-
leistung. Demnach geht höheres Cyberslacking mit
verminderter (wahrgenommener) Arbeitsleistung
und Zufriedenheit mit dem Telearbeitsarrange-
ment einher.
Es scheint allerdings keine Beziehung zwischen
Cyberslacking und Arbeitszufriedenheit im Allge-
meinen zu bestehen – weder negativ noch positiv.
Somit erscheint Cyberslacking auf den ersten Blick
als ein Verhalten, dass dem Individuum weder scha-
det noch hilft, allerdings Arbeitszeit blockiert und
für den Arbeitgeber daher Nachteile durch Produk-
tivitäts- und Leistungseinbußen bringt.
Demgegenüber stehen jedoch einige posi-
tive Aspekte von Cyberslacking: Studien zeigen,
dass Cyberslacking einen positiven Zusammen-
hang mit Stressabbau (Lavoie & Pychyl, 2001) und
positiver Stimmung (Lim & Chen, 2012) aufweist.
Ivarsson und Larsson (2012) schlussfolgern in ihrer
theoretischen Abhandlung, dass Cyberslacking als
Erholungsmaßnahme erlaubt sein sollte, wenn ent-
weder eine hohe Arbeitsbelastung vorliegt oder
Warte- und Leerlaufzeiten zu überbrücken sind.
Cyberslacking als Chance
für die Vereinbarkeit von Beruf
und Privatleben
Besonders im Kontext von Vereinbarkeitstheorien
von Beruf und Privatleben (Ashforth, Kreiner & Fu-
gate, 2000; Clark, 2000) kann Cyberslacking einen
womöglich ungeahnten Beitrag zum Wohlbenden
leisten. In einer qualitativen Studie lieferte D’Abate
(2005) erste empirische Hinweise, dass die Erledi-
gung von privaten Angelegenheiten während der
Arbeitszeit – darunter fällt auch Cyberslacking –
notwendig ist, um Beruf und Privatleben zu verein-
baren.
Ashforth und Kollegen (2000) gehen bei ihrer
boundary theory davon aus, dass im Übergang vom
Beruf in das Privatleben und umgekehrt – also im
Wechsel von einem Lebensbereich (Life-Domain) in
einen anderen Rollenwechsel vollzogen werden
und Personen hier entweder Segmentierungs- oder
Integrationsstrategien anwenden. Cyberslacking
kann in diesem Kontext eine mögliche Strategie
darstellen, um während der Arbeitszeit private An-
gelegenheiten zu regeln und so die beiden Lebens-
bereiche besser vereinbaren zu können. Zusätzlich
betont Clark (2000) in ihrer work/family border the-
ory die Relevanz von Kommunikation und Verhal-
ten über die jeweiligen Domänengrenzen hinaus,
um Ansprüchen in den Lebensbereichen gerecht
zu werden. Ursprünglich mit Fokus auf die Die-
renzierung zwischen Arbeit und Familie kann man
Vereinbarkeit von Lebensbereichen auch generel-
ler betrachten und die Unterscheidung Arbeit und
Privatleben heranziehen, da auch im nicht-familiä-
ren Privatleben Ansprüche und Anforderungen an
eine Person gestellt werden. Grundsätzlich gilt: Je
schwächer die Grenzen zwischen den Bereichen
ausgeprägt und gestaltet sind, desto einfacher wird
ein Domänenwechsel möglich (Clark, 2002). Durch
die Omnipräsenz des Internets und der elektroni-
schen Geräte, um dieses zu nutzen, setzt Cybersla-
cking genau hier an und ermöglicht bei Bedarf eine
einfache und schnelle Kommunikation über die
Domänengrenzen hinweg. Neben der Kommuni-
kation über soziale Netzwerke oder E-Mail-Verkehr
mit Familie und Freunden während der Arbeitszeit
können auch private Recherchen über die Ö-
nungszeiten des Restaurants für das gemeinsame
Abendessen oder zum anstehenden Urlaub dar-
unter fallen, genauso wie das Ansehen von Anlei-
tungs- oder Informationsvideos auf Videoplattfor-
men, um für spätere Gespräche oder Aktivitäten
informiert zu sein.
König und Caner de la Guardia (2014) haben sich
genau dieser Möglichkeit angenommen und sich
angesehen, ob die persönliche Nutzung des Inter-
nets einen positiven Zusammenhang zur Balance
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Wirtschaftspsychologie
Heft 2-2016
F. Gattringer & B. Batinic
Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
zwischen Arbeit und Privatleben (bzw. Zufrieden-
heit mit dieser) aufweist. Dieser vermutete Zusam-
menhang konnte nicht bestätigt werden, was die
Autorinnen und Autoren darauf zurückführen, dass
nicht eingeschätzt werden kann, wie die Zufrieden-
heit mit der Balance ausgesehen hätte, wenn weni-
ger Cyberslacking möglich gewesen wäre, und da-
her etwaige Reduzierungen der Anforderungen im
Privatleben in den Zusammenhangsanalysen keine
Signikanz erreichten.
Cyberslacking
als Coping-Strategie
Dennoch ist die Überlegung, dass Cyberslacking
einen positiven Beitrag für die Vereinbarkeit von
Beruf und Privatleben leisten kann, nicht komplett
von der Hand zu weisen. Die regulatory focus theory
von Higgins (2000) und deren Annahme, dass Men-
schen von zwei eigenständigen regulatorischen
Prozessen (promotion/prevention) beeinusst wer-
den, könnte erklären, warum Cyberslacking keinen
Zusammenhang zur Balance-Zufriedenheit auf-
weist.
Die Betrachtung von Cyberslacking im Kontext
von Work-Life Balance würde aus Sicht der regula-
tory focus theory einen Promotion-Fokus darstellen:
Cyberslacking erhöht die Zufriedenheit mit der Ba-
lance (Promotion-Fokus: „Ich nutze das Internet für
private Zwecke, weil ich mich dadurch zufriedener
und wohler fühle.“). Auf der anderen Seite kann
aber auch argumentiert werden, dass Cyberslacking
praktiziert wird, um Negativem entgegenzuwir-
ken (Prevention-Fokus: „Ich nutze das Internet für
private Zwecke, damit ich mich nicht unzufrieden
oder unwohl fühle.“). Dies folgt auch der Forderung
von Ivarsson und Larsson (2012), wonach Cybersla-
cking als adäquate Maßnahme zur Reduktion von
Arbeitsbelastungen (bei hohen Belastungen) und
Langeweile (bei Warte- oder Leerlaufzeiten) ange-
sehen wird. Auch hier einordenbar sind die Befunde
von O’Neill, Hambley und Bercovich (2014), wonach
bei geringer Zufriedenheit mit Telearbeitsarrange-
ments vermehrt Cyberslacking auftritt. In Bezug auf
Life-Domain-Konikte haben Kossek, Lautsch und
Eaton (2006) festgestellt, dass die wahrgenomme-
ne Kontrolle über Arbeitsplatz- und Zeitgestaltung
für das individuelle Wohlbenden förderlich ist und
auch einen direkten, negativen Zusammenhang zu
den Life-Domain-Konikten aufweist. Daher liegt
die Vermutung nahe, dass Cyberslacking bei Life-
Domain-Konikten als Coping-Strategie eingesetzt
wird, um negative Bendlichkeiten zu vermeiden:
Durch Cyberslacking wird Kontrolle über die eigene
Arbeitszeitgestaltung übernommen und daher der
negative Zusammenhang zwischen Life-Domain-
Konikten und Wohlbenden abgeschwächt. Eine
erwartete, direkte Koniktreduktion würde sich
folglich erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen
und wäre in einer zukünftigen Längsschnitterhe-
bung zu berücksichtigen.
Hypothese 1: Cyberslacking moderiert den nega-
tiven Zusammenhang zwischen Life-Domain-
Konikten und Wohlbenden.
Da Telearbeitsarrangements mit einer Verringe-
rung von Life-Domain-Konikten verbunden sind
(Gajendran & Harrison, 2007; Troup & Rose, 2012)
und Telearbeitende sich folglich bereits in einer als
besser wahrgenommenen Situation benden, dürf-
te Cyberslacking als Präventionsmaßnahme gegen
die negativen Auswirkungen dieser Konikte eine
geringere Rolle spielen. Es können schon durch das
Telearbeitsarrangement an sich und die dadurch
entstandene Flexibilität diese Verbesserungen des
Koniktempndens und folglich des Wohlben-
dens entstehen. Dies könnte bedeuten, dass durch
eben diese Flexibilität Cyberslacking entsprechend
weniger zur Anwendung kommt, oder aber auch
durch die Freiheiten und Möglichkeiten, die Te-
learbeit bietet (wie zum Beispiel weniger Kontrolle
durch Vorgesetzte oder Kolleginnen und Kollegen),
sowie wegen Unzufriedenheit mit der Telearbeit
(siehe O’Neill et al., 2014) vermehrt zur Anwendung
kommt. In jedem Fall wird aber angenommen, dass
sich Telearbeitende von Nicht-Telearbeitenden in
ihrem Cyberslackingverhalten unterscheiden.
Hypothese 2: Telearbeitende unterscheiden sich
im Cyberslackingverhalten von Nicht-Telearbei-
tenden.
Daraus folgt allerdings auch, dass bei Telearbei-
tenden Cyberslacking (unabhängig davon, ob dies
bei Telearbeitenden vermehrt auftritt oder nicht)
keine Coping-Strategie darstellt, weil Life-Domain-
Konikte bereits geringer sind und deren nega-
tiver Zusammenhang zum Wohlbenden durch
Cyberslacking nicht abgeschwächt werden muss
bzw. kann. Eine Moderation, wie in Hypothese 1
angenommen, müsste demnach speziell für Nicht-
Telearbeitende auftreten, für Telearbeitende nicht
oder zumindest in abgeschwächtem Maße. Aller-
dings schlussfolgern Allen und Shockley (2015) in
ihrer Literaturübersicht zur Eektivität von Telear-
beit, dass aufgrund der bisherigen Forschung le-
diglich von einem tatsächlichen Zusammenhang
zwischen Telearbeit und einer verringerten Beein-
trächtigung des Privatlebens (bzw. Familienlebens)
durch die Arbeit ausgegangen werden kann und
dies für den gegenteiligen Pfad (eine verringerte
Beeinträchtigung der Arbeit durch das Privatleben
aufgrund von Telearbeit) nicht der Fall ist. Daher
könnte für Telearbeitende – zumindest im Kon-
text von Beeinträchtigung der Arbeit durch das
Privatleben – Cyberslacking dennoch eine Rolle
spielen.
Hypothese 3: Cyberslacking moderiert den ne-
gativen Zusammenhang zwischen Life-Do-
main-Konikten und Wohlbenden, in Abhän-
gigkeit davon, ob ein Telearbeitsarrangement
vorliegt.
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Wirtschaftspsychologie
Heft 2-2016
F. Gattringer & B. Batinic
Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
Methode
Stichprobe und Durchführung
Die Studie wurde im Dezember 2014 als Onlinefra-
gebogen mittels des Onlinepanels von „Respon-
di“ durchgeführt. Von n = 1.208 Teilnehmerinnen
und Teilnehmern blieben nach Datenbereinigung
n = 916 Erwerbstätige übrig (44% weiblich, Durch-
schnittsalter = 41 Jahre, SD = 11.47, 73% vollzeiter-
werbstätig), von denen n = 329 als Telearbeiten-
de (38% weiblich, Durchschnittsalter = 42 Jahre,
SD = 11.52, 64% vollzeiterwerbstätig) identiziert
wurden. Bei der durchschnittlichen Arbeitszeit un-
terscheiden sich Telearbeitende (M = 37.38 Stun den,
SD = 12.61) nicht erheblich von der Gesamtstichpro-
be (M = 37.36 Stunden, SD = 10.46).
In der Stichprobe weisen etwa ein Drittel einen
Hochschulabschluss und gut 22 Prozent zumindest
Hochschulreife auf, nur eine Person besitzt keinen
Schulabschluss. Etwa 26 Prozent gaben als Berufs-
art an, in einem Dienstleistungs- oder Handwerks-
beruf zu arbeiten. Leider konnten sich 14 Prozent
in keiner Berufsart wiedernden, wodurch gut 60
Prozent der Stichprobe verbleiben, deren Beruf ty-
pischerweise ein hohes Maß an Arbeiten im Büro
und am Computer beinhaltet (z.B. Bürokräfte, aber
auch leitende Verwaltungsbeamte oder Personen
im Wissenschaftsbetrieb). Bei den Telearbeitenden
fallen nur gut 45 Prozent in diese Kategorie.
Als Telearbeitende bzw. Telearbeitender wur-
de jemand eingestuft, sobald die Person mehr als
10 Prozent seiner bzw. ihrer Arbeitszeit unterwegs
oder zu Hause verbringt. Gut die Hälfte der Te-
learbeitenden verbringt dennoch mindestens 50
Prozent der Zeit an der eigentlichen Arbeitsstätte.
In der Häugkeit der Arbeit von zu Hause aus so-
wie dem Arbeiten von unterwegs (z.B. im Auto,
bei Kundinnen und Kunden) weist die Stichprobe
ein ausgeglichenes Verhältnis auf: Jeweils etwas
mehr als ein Zehntel der Telearbeitenden arbeitet
hauptsächlich (50% und mehr) von zu Hause aus
oder hauptsächlich (50% und mehr) unterwegs,
und jeweils 23 Prozent der Telearbeitenden arbei-
ten weniger als die Hälfte ihrer Arbeitszeit in den
jeweiligen Telearbeitsarrangements (zu Hause, un-
terwegs).
Erhebungsinstrumente
Cyberslacking
Zur Erhebung der Intensität des Cyberslackingver-
haltens wurden eigene Fragen in Anlehnung an
Garrett und Danziger (2008) erstellt. Erstmals im
deutschen Sprachraum wurde eine Dierenzie-
rung nach den Motiven zur Mediennutzung nach
McQuail (2010) vorgenommen, um konkret unter-
schiedliche Facetten des Phänomens anzuspre-
chen, an welche die Befragten bei einer Pauschalab-
frage eventuell nicht bewusst denken: Information,
Unterhaltung, Kommunikation.
Gefragt wurde, wie häug während der Ar-
beitszeit „zu privaten Zwecken“ Folgendes genutzt
wird: „das Internet zur Informationsgewinnung und
Recherche (z.B. Nachrichten, Reiseplanung, …)“,
„das Internet zur Ablenkung und Entspannung (z.B.
Videoportale, Bilder ansehen, Spiele, …)“ und „zur
virtuellen Kommunikation (z.B. Telefon, E-Mails,
SMS, soziale Netzwerke, …)“. Die Antwortkategori-
en rangierten von „1 nie“ bis „5 sehr oft“. Die genaue
Dauer wurde nicht direkt erhoben, weil Einschät-
zungen hier schwierig sind, da kurze Aktivitäten
oft unbewusst gesetzt werden oder mehrere kurze
Unterbrechungen über den Tag verteilt stattnden
und eine „Aufsummierung“ ungenau und von Pro-
bandinnen und Probanden schwer einzuschätzen
ist. Die entwickelte Skala weist eine gute interne
Konsistenz auf (Cronbachs α = .83).
Im Zuge der Cyberslacking-Skala wurde zusätz-
lich nach der Häugkeit von „Face-to-face-Slacking“
(„direkte persönliche Gespräche [face-to-face]“) ge-
fragt, um dessen Beitrag zum Wohlbenden kont-
rollieren zu können.
Life-Domain-Konikte
Zur Erfassung von Konikten zwischen den Lebens-
bereichen wurde die Skala von Carlson, Kacmar und
Williams (2000) in Anlehnung an Greenhaus und
Beutell (1985) zur Messung von work-family con-
ict in der deutschen Übersetzung von Wol und
Höge (2011) herangezogen, die diese bereits von
„Familie“ auf den Bereich „Familie/Partnerschaft“
erweitert hatten. Für die vorliegende Studie wur-
den die Items auf den weiter greifenden Bereich
des „Privatlebens“ adaptiert, um einen breiteren
Nicht-Arbeitsbereich abzudecken. Von den drei
Koniktformen (je 3 Items) wurden die Subska-
len für die beanspruchungsbasierte (z.B. „Wenn
ich von der Arbeit nach Hause komme, bin ich oft
zu erschöpft, um etwas privat zu unternehmen.“)
und die zeitbasierte (z.B. „Die Zeit, die ich meinem
Privatleben widme, hält mich von meinen berui-
chen Aufgaben ab.“) Koniktform verwendet. Auf-
grund der fehlenden Relevanz für die vorliegende
Fragestellung wurde auf die Subskala zur verhal-
tensbasierten Form verzichtet. Es wurden beide
Koniktrichtungen betrachtet – Beeinträchtigung
der Arbeit durch das Privatleben (life interference
with work, LIW) (Cronbachs α = .87) sowie umge-
kehrt (work interference with life, WIL, Cronbachs α
= .89).
Telearbeitsarrangement
Um zu erfassen, ob und in welchem Ausmaß die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer Telearbeit betrei-
ben, wurden sie gebeten anzugeben, wie viel ihrer
Arbeitszeit sie in einer durchschnittlichen Woche
prozentuell „in Ihrer Arbeitsstätte (z.B. Büro, Werk-
statt, Schule, …)“, „zuhause (Home Oce)“ und „un-
terwegs (mobiles Büro, Außendienst)“ verbringen
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Wirtschaftspsychologie
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F. Gattringer & B. Batinic
Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
(in Anlehnung an Golden, 2006; Kossek et al., 2006).
Die Telearbeitsintensität wurde durch Addition der
Prozentwerte von „zuhause“ und „unterwegs“ ge-
bildet. Der Wert wurde für die Dierenzierung zwi-
schen Telearbeitenden und Nicht-Telearbeitenden
herangezogen: Jene, die weniger als 10 Prozent
ihrer Arbeitszeit in Telearbeitsumgebungen ver-
brachten, wurden als Nicht-Telearbeitende einge-
stuft (nach Garrett & Danziger, 2007).
Wohlbenden
Zur Erfassung von Wohlbenden wurde der WHO-
5-Fragebogen zum Wohlbenden (WHO, 1998)
verwendet. Dieser stellt Fragen zum allgemeinen
Wohlbenden („… war ich froh und guter Laune.“)
in den letzten zwei Wochen. Er besteht aus ins-
gesamt fünf Items und wird mit einer 6-stugen
Likert-Skala abgefragt (Cronbachs α = .91).
Ergebnisse
In der Korrelationstabelle (siehe Tabelle 1) zeigte
sich, dass das empfundene allgemeine Wohlbe-
nden sehr stark negativ mit einer empfundenen
Beeinträchtigung der Arbeit durch das Privatleben
(LIW, life interference with work) einhergeht, und
auch umgekehrt eine Beeinträchtigung des Pri-
vatlebens durch die Arbeit (WIL, work interference
with life) in einem negativen Zusammenhang zu
Wohlbenden steht. Beide Life-Domain-Konikt-
richtungen korrelieren positiv mit der Einstufung
als Telearbeitende, sprich höhere Koniktwerte
gehen eher mit einem Telearbeitsarrangement
einher. Die Intensität des Cyberslackings steht aller-
dings lediglich mit der Beeinträchtigung der Arbeit
durch das Privatleben in einem positiven, bivari-
aten Zusammenhang. Kein Zusammenhang zeigt
sich zwischen der Cyberslackingintensität und der
Beeinträchtigung des Privatlebens durch die Arbeit
sowie dem Wohlbenden.
Zur statistischen Analyse mittels Regressions-
analyse wurden alle unabhängigen Variablen und
Kontrollvariablen vorab zentriert. Bei den berichte-
ten Eektstärken handelt es sich um standardisierte
β-Werte. Auf eine schrittweise Regression wurde in
Anlehnung an Dawson (2014) verzichtet und alle
zentrierten Variablen und angenommenen Interak-
tionen wurden gleichzeitig in die Regression aufge-
nommen.
Die korrelativen Ergebnisse spiegelten sich
auch in einer ersten Regressionsanalyse in Bezug
auf das Cyberslackingverhalten wider. In der Stich-
probe zeigen sich ähnliche Tendenzen wie bei frü-
heren Studien (Garrett & Danziger, 2008): Erhöhtes
Cyberslacking geht mit niedrigerem Alter (β = –.15,
p < .001) einher und Cyberslacker sind eher in Füh-
rungspositionen (β = .18, p < .001) anzutreen. Aller-
dings wird auch eine erhöhte Beeinträchtigung der
Arbeit durch das Privatleben (β = .29, p < .001) und
eine höhere Telearbeitsintensität (β = .10, p = .002)
bei erhöhtem Cyberslacking beobachtet. Keine si-
gnikanten Ergebnisse zeigten sich beim Wohlbe-
nden (β = .03, p = .377) oder der Beeinträchtigung
des Privatlebens durch die Arbeit (β = –.07, p = .062).
Auch der Zusammenhang zwischen Cyberslacking
und Geschlecht wurde nicht signikant (β = –.04,
p = .178).
Prädiktoren für Wohlbenden –
Coping-Strategie Cyberslacking?
Ob nun die Intensität des Cyberslackingverhaltens
für den Zusammenhang von Life-Domain-Konik-
ten und Wohlbenden eine Rolle spielt, wurde in
der Folge anhand einer Regressionsanalyse (siehe
Tabelle 2) betrachtet. Als Kontrollvariablen fun-
gierten sowohl Alter als auch Geschlecht und die
Häugkeit von Face-to-face-Slacking während der
Arbeitszeit. Zusätzlich wurde mit aufgenommen,
ob eine Führungsposition vorlag, da sowohl in frü-
heren Studien (Garrett & Danziger, 2008) als auch
in der vorliegenden Stichprobe Personen mit Füh-
rungsfunktion vermehrt Telearbeitsarrangements
und Cyberslackingtendenzen aufwiesen.
Als relevante Charakteristika für erhöhtes Wohl-
benden stechen sowohl eine innehabende Füh-
rungsposition heraus (β = .13, p < .001), erhöhtes
Face-to-face-Slacking (β = .13, p < .001), als auch –
wie in Hypothese 1 angenommen – die Interaktion
zwischen Cyberslacking und der Beeinträchtigung
Variable MSD 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.
1. Geschlecht 0.44 0.50
2. Alter 41.3 6 11. 4 5 –.04
3. Führungspos ition 0.32 0.47 –. 21** .15**
4. Face-to-face-Slacking 2.67 1.44 .08* –.05 .04
5. Telearbeit 0.35 0.48 –.09** .03 .16* * .02
6. Cyberslack ing 2.34 1.14 –.12* * –.18 ** .18** .18* * .33* * (.83)
7. LIW 1.87 0.80 –.12 ** –. 23** –. 01 .17** .09** . 31** (.87)
8. WIL 2.63 1.02 –.03 –.08* –.00 .08* –.04 .06 .43** (.89)
9. Wohlbenden 3.84 1.08 –.01 .06 .14 ** .03 .15** .03 –.46** –.15* * (.91)
Anmerkungen: * p < .05, ** p < .01. Cronbachs α in Klammern.
Geschlecht (0 = männlich, 1 = weiblich), Führungsposition (0 = nein, 1 = ja), Telearbeit (0 = nein, 1 = ja).
LIW = Life Interference with Work (Beeinträchtigung der Arbeit durch das Privatleben)
WIL = Work Interference with Life (Beeinträchtigung des Privatlebens durch die Arbeit)
Tabelle 1
Mittelwerte, Standard-
abweichungen und
Variableninterkorrelationen
(n = 916)
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Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
des Privatlebens durch die Arbeit (WIL) (β = .08,
p = .034), wobei der Life-Domain-Konikt an sich
eine starke Belastung für das Wohlbenden dar-
stellt (β = –.46, p < .001). Die Interaktion zwischen
Telearbeit und der Beeinträchtigung der Arbeit
durch das Privatleben (LIW) (β = –.10, p = .006),
sowie die folgende Dreifachinteraktion zwischen
Telearbeit, Cyberslacking und LIW wurde ebenfalls
signikant (β = .08, p = .040). Damit wird deutlich,
dass es für das empfundene Wohlbenden einen
Unterschied macht, ob bei entsprechender LIW ein
Telearbeitsarrangement vorliegt, wobei Cybersla-
cking dabei ebenfalls eine Rolle spielt.
Die Beziehung zwischen WIL und Wohlbenden
(siehe Abbildung 1) ist zwar immer negativ (mehr
WIL geht mit weniger Wohlbenden einher), aber
im Vergleich zu Personen, die wenig Cyberslacking
(–1 SD) betreiben, weisen Personen mit viel Cyber-
slacking (+1 SD) bei hoher WIL ein besseres Wohl-
benden auf. Bei gering wahrgenommener WIL ist
das Gegenteil der Fall: Im Vergleich zu niedrigem
Cyberslacking geht hohes Cyberslacking mit einem
schlechteren Wohlbenden einher. Bei geringer
WIL liegt keine negative Bendlichkeit, die auf das
Wohlbenden ausstrahlt, vor – bei hoher WIL aller-
dings schon. Somit wird Hypothese 1, wonach Cy-
berslacking – im Sinne einer Coping-Strategie mit
Präventionsansatz (prevention focus)die negative
Beziehung zwischen Life-Domain-Konikten und
Wohlbenden abschwächt, bestätigt.
Prädiktor Wohlbenden
BSE β
Konstante 3.83 0.03
Geschlecht 0.03 0.07 .01
Alter 0.00 0.00 .02
Führungsposition 0.31 0.07 .13***
Face-to-face-Slacking 0.10 0.02 .13***
Telearbeit 0.04 0.07 .02
Cyberslacking –0.03 0.03 –.03
LIW 0.02 0.05 .02
WIL –0.49 0.04 –.46***
Telearbeit × Cyberslacking –0.01 0.06 –.00
Telearbeit × LIW –0. 27 0.10 –.10 **
Telearbeit × WIL 0.05 0.07 .02
Cyberslacking × LIW 0.06 0.04 .05
Cyberslacking × WIL 0.07 0.03 .08*
Telearbeit × Cyberslacking × LIW 0.17 0.08 .08*
Telearbeit × Cyberslacking × WIL –0.05 0.06 –.03
R2.27
F22.66**
Anmerkungen: * p < .05, ** p < .01, *** p < .001
Geschlecht (0 = männlich, 1 = weiblich), Führungsposition (0 = nein, 1 = ja), Telearbeit (0 = nein, 1 = ja).
LIW = Life Interference with Work (Beeinträchtigung der Arbeit durch das Privatleben)
WIL = Work Interference with Life (Beeinträchtigung des Privatlebens durch die Arbeit)
Tabelle 2
Ergebnis der Regressions-
analyse (n = 916) mit Wohl-
benden als Kriteriumsmaß
Abbildung 1
Moderationseekt von
Cyberslacking auf den
Zusammenhang von Beein-
trächtigung des Privatlebens
durch die Arbeit (WIL) und
Wohlbenden.
Anmerkungen: niedrig = –1 SD; hoch = +1 SD
Wohlbenden
Cyberslacking
niedrig
Cyberslacking
hoch
6
5
4
3
2
1
WIL niedrig WIL hoch
11
Wirtschaftspsychologie
Heft 2-2016
F. Gattringer & B. Batinic
Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
Telearbeitende vs. Nicht-Telearbeitende
In der Regression hat sich gezeigt, dass Cybersla-
cking als Coping-Strategie bei Telearbeitenden mit
einer anderen Koniktrichtung einhergeht als bei
Nicht-Telearbeitenden, also die Copingfunktion
von Cyberslacking bei Life-Domain-Konikten da-
von abhängig ist, ob ein Telearbeitsarrangement
vorliegt. Aufgrund dieses konträren Ergebnisses,
werden mögliche Unterschiede von Telearbeiten-
den und Nicht-Telearbeitenden etwas genauer
betrachtet, nicht nur in Bezug auf die gemäß Hypo-
these 2 angenommenen Unterschiede im Cybersla-
ckingverhalten (siehe Tabelle 3).
Von den 329 Telearbeitenden sind 203 (62%)
männlich und damit ein signikant höherer Anteil
als bei Nicht-Telearbeitenden (52%) (n = 916, χ2(1)
= 7.83, p = .005). Telearbeitende benden sich auch
signikant häuger in Führungspositionen (41%)
(n = 916, χ2(1) = 23.33, p < .001) als Nicht-Telearbei-
tende (26%), unterscheiden sich aber nicht im Alter
(t(914) = 1.01, p = .312) oder in der Häugkeit von
Face-to-face-Slacking (t(914) = 0.33, p = .743).
Zur Beantwortung, ob Telearbeitende sich im
Cyberslackingverhalten, den Life-Domain-Konik-
ten und dem Wohlbenden unterscheiden, wur-
de eine MANCOVA durchgeführt, wobei auf Alter,
Geschlecht, innehabende Führungsposition und
Face-to-face-Slacking kontrolliert wurde. In der
multivariaten Analyse wird deutlich, dass Telear-
beitende und Nicht-Telearbeitende sich signikant
unterscheiden (F(4, 907) = 11.08, p < .001, partial η2
= .05): Es zeigt sich, dass Telearbeitende signikant
häuger cyberslacken als Nicht-Telearbeitende (F(1,
910) = 26.15, p < .001, partial η2 = .03), sich im Wohl-
benden aber nicht unterscheiden (F(1, 910) = 0.01,
p = .930, partial η2 = .00). Dafür weisen Telearbeiten-
de jedoch signikant höhere Beeinträchtigungen
der Arbeit durch das Privatleben (LIW) (F(4, 907)
= 27.28, p < .001, partial η2 = .03) – und umgekehrt
Beeinträchtigungen des Privatlebens durch die Ar-
beit (WIL) (F(1, 910) = 6.01, p = .014, partial η2 = .01) –
auf als Nicht-Telearbeitende.
Laut Hypothese 3 wird erwartet, dass es für die
Moderation durch Cyberslacking einen Unterschied
macht, ob ein Telearbeitsarrangement vorliegt. Ob-
wohl Telearbeitende signikant höhere Werte bei
beiden Life-Domain-Koniktrichtungen aufweisen,
ist für das Wohlbenden bei Telearbeitenden spe-
ziell die LIW von Interesse. Höhere LIW geht immer
Variable Telearbeitende Nicht-Telearbeitende
MSD MSD
Geschlecht 0.38 0.48
Führungsposition 0.41 0.26
Alter 41.81 11. 53 41. 01 11.4 4
Face-to-face-Slacking 2.69 1.44 2.65 1.45
Cyberslacking 2.61 1.20 2 .17 1.07
LIW 2.05 0.84 1.77 0.75
WIL 2.34 1.05 2.56 1.0 0
Wohlbenden 3.87 1.05 3.83 1.10
Anmerkungen:
Geschlecht (0 = männlich, 1 = weiblich), Führungsposition (0 = nein, 1 = ja).
LIW = Life Interference with Work (Beeinträchtigung der Arbeit durch das Privatleben)
WIL = Work Interference with Life (Beeinträchtigung des Privatlebens durch die Arbeit)
Tabelle 3
Vergleich der Mittelwerte
und Standardabweichungen
von Telearbeitenden
(n = 329) und Nicht-Tele-
arbeitenden (n = 587)
Abbildung 2
Dreifachinteraktion
zwischen Telearbeit, Cyber-
slacking und Beeinträchti-
gung der Arbeit durch das
Privatleben (LIW) in Bezug
auf das Wohlbenden
Anmerkungen: niedrig = –1 SD. hoch = +1 SD
(2) unterscheidet sich signikant von (1) t(907) = 2.32, p = .021; (3) t(907) = –2.77, p = .006; und (4) t(907) = –3.08, p = .002
Wohlbenden
(1) Telearbeit,
Cyberslacking hoch
(2) Telearbeit,
Cyberslacking niedrig
(3) keine Telearbeit,
Cyberslacking hoch
(4) keine Telearbeit,
Cyberslacking niedrig
6
5
4
3
2
1
LIW niedrig LIW hoch
12
Wirtschaftspsychologie
Heft 2-2016
F. Gattringer & B. Batinic
Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
mit höherem Wohlbenden einher als geringe LIW,
gleichgültig der Cyberslackingintensität und ob es
sich um Telearbeitende handelt oder nicht – mit
einer signikanten Ausnahme: Telearbeitende, die
wenig Cyberslacking betreiben, berichten bei ho-
her LIW ein geringeres Wohlbenden als bei ge-
ringer LIW (siehe Abbildung 2). Auch bei Telearbei-
tenden zeigt sich somit ein ähnliches Ergebnis der
Rolle von Cyberslacking für die Beziehung zwischen
der LIW und dem Wohlbenden wie für WIL und
Wohlbenden im Allgemeinen: Bei hoher LIW und
hohem Cyberslacking berichten die Probanden ein
höheres Wohlbenden im Vergleich zu jenen mit
geringem Cyberslacking.
Hypothese 2, laut der sich Telearbeitende und
Nicht-Telearbeitende im Cyberslackingverhalten
unterscheiden, kann bestätigt werden: Telearbei-
tende betreiben signikant häuger Cyberslacking.
Ein zusätzlicher Unterschied zeigt sich auch bei
der Copingfunktion von Cyberslacking: Bei Telear-
beitenden hängt diese mit einer anderen Konikt-
richtung zusammen, nämlich der LIW. Die ange-
nommene Dreifachinteraktion laut Hypothese 3,
wonach die Moderation durch Cyberslacking in Ab-
hängigkeit eines Telearbeitsarrangements auftritt,
wird somit ebenfalls bestätigt.
Diskussion
Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich Life-
Domain-Konikte negativ auf das empfundene
Wohlbenden auswirken, und dass eine persönli-
che Nutzung des Internet während der Arbeitszeit –
sprich: Cyberslacking – eine Coping-Strategie dar-
stellt, um diese negativen Auswirkungen abzu-
schwächen (Hypothese 1). Ebenfalls ersichtlich
wird, dass das Cyberslackingverhalten per se keinen
Zusammenhang mit dem Wohlbenden aufweist,
weder in der Korrelations- noch in der Regressi-
onsanalyse, aber als Moderator für den negativen
Zusammenhang der Beeinträchtigung des Privat-
lebens durch die Arbeit (WIL) mit dem Wohlben-
den agiert. Bei Telearbeitenden tritt ein ähnlicher
Moderationseekt auf, allerdings abhängig von der
Beeinträchtigung der Arbeit durch das Privatleben
(LIW). Dies unterstützt die Vermutung, dass Cyber-
slacking eine regulatorische Komponente aufweist,
die im Sinne der regulatory focus theory von Higgins
(2000) einem prevention-Ansatz folgt.
Obwohl es für diesen Puereekt generell
keine Rolle spielt, ob der bzw. die Arbeitende sich
primär in der Arbeitsstätte aufhält oder Telearbeits-
arrangements wahrnimmt, zeigen die Befunde,
dass Telearbeitende sich signikant von Nicht-Te-
learbeitenden unterscheiden (Hypothese 2 und Hy-
pothese 3). Konträr zu den Annahmen (siehe auch
Allen et al., 2015; Gajendran & Harrison, 2007; Troup
& Rose, 2012) weisen Telearbeitende vermehrt Life-
Domain-Konikte auf als Nicht-Telearbeitende,
und dies für beide Koniktrichtungen. Grund da-
für könnte sein, dass relevante Kontrollvariablen,
die diese erhöhten Werte erklären könnten, nicht
berücksichtigt wurden. Ein Beispiel dafür wäre die
Freiwilligkeit des Telearbeitsarrangements oder
auch die Zufriedenheit damit. Die Life-Domain-
Konikte könnten genau deshalb in diesem Aus-
maß berichtet werden, weil es als eine erzwungene
und unpassend wahrgenommene Notwendigkeit
empfunden wird, wenn die Arbeit von zu Hause
oder unterwegs aus zu erledigen ist. Das vermehrt
auftretende Cyberslacking unter den Telearbeiten-
den könnte somit aus dieser Unzufriedenheit mit
der fehlenden Autonomie über die eigene Arbeits-
gestaltung erklärt werden. Cyberslacking kann in
diesem Fall auch als Akt des Widerstandes (Paulsen,
2014) gegen Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz
verstanden werden.
Bei Telearbeitenden mit hoher LIW scheint Cy-
berslacking tatsächlich als Coping-Strategie an-
gewendet zu werden, aber bei geringer LIW als
belastend empfunden zu werden: Bei Telearbei-
tenden mit grundsätzlich wenig Beeinträchtigung
der Arbeit durch das Privatleben berichten jene
mit hohem Cyberslackingverhalten ein wesentlich
schlechteres Wohlbenden als jene mit niedrigem
Cyberslackingverhalten. Die gleiche Tendenz zeig-
te sich allgemein über die Stichprobe hinweg für
die WIL und deren Konnex zum Wohlbenden: Bei
Personen mit niedrigem Konikt zeigen sich Einbu-
ßen im Wohlbenden, wenn mehr Cyberslacking
vorliegt. Dies spricht dafür, dass in Situationen,
in denen geringe Life-Domain-Konikte wahrge-
nommen werden, Cyberslacking eher eine Ablen-
kung von der Arbeit darstellt und andere Formen
von Cyberslacking betrieben werden als bei hohen
Life-Domain-Konikten: Anstatt notwendige pri-
vate Angelegenheiten während der Arbeitszeit zu
koordinieren und zu erledigen, werden unterhalt-
same Videos oder Bilder im Internet angesehen.
Diese Erkenntnis lässt sich unabhängig von Life-
Domain-Konikten auch in bisherige Forschungen
zu Cyberslacking und Arbeitszufriedenheit einord-
nen, nach denen Cyberslacking eher bei niedriger
Arbeitszufriedenheit zu beobachten ist (z.B. O’Neill
et al., 2014) und mit geringerer Leistung einher-
geht (Galletta & Polak, 2003). Es zeichnet sich auch
ab, dass Cyberslacking dierenzierter betrachtet
werden muss, als dies bisher der Fall war und eine
Unterscheidung nach der Art des auftretenden
Cyberslackingverhaltens getroen werden sollte:
Infotainment vs. aufgabenorientierte Nutzung im
Kontext von Life-Domain-Konikten (z.B. Kommu-
nikation mit Betreuungseinrichtungen von versor-
gungspichtigen Kindern). Die hier bereits vorge-
nommene Dierenzierung in der Erfragung, um ein
breites Spektrum von möglichem Cyberslacking-
verhalten abzudecken, müsste noch konkreter auf
diese Unterschiede hin formuliert werden.
Implikationen für die Praxis
Die vorliegenden Ergebnisse legen nahe, die pri-
vate Nutzung des Internets am Arbeitsplatz bzw.
während denierter Arbeitszeiten nicht als ab-
13
Wirtschaftspsychologie
Heft 2-2016
F. Gattringer & B. Batinic
Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konikten und Telearbeit
weichendes – und somit aus Arbeitgebersicht zu
vermeidendes – Verhalten anzusehen, sondern in
Betracht zu ziehen, dass es sich um notwendige
Maßnahmen handeln kann, um negative Bend-
lichkeiten, welche unter anderem durch Life-Do-
main-Konikte im Wohlbenden hervorgerufen
werden, zu verhindern. Des Weiteren ist Cybersla-
cking auch dahingehend zu verstehen, dass dieses
Verhalten aufgrund von Unzufriedenheit mit Rah-
menbedingungen der Arbeit gesetzt wird: zu we-
nig Autonomie, zu wenig eigene Kontrollmöglich-
keiten, zu viele Wartezeiten im Arbeitsprozess. Aber
möglicherweise auch aufgrund von zu viel Verant-
wortung oder Belastungen: Es könnte der Fall sein,
dass die Arbeitslast zu hoch ist und Cyberslacking
betrieben wird, um die zur Erholung nötigen Pau-
sen zu ersetzen – dabei könnte Cyberslacking so-
wohl eine Art Coping-Strategie darstellen als auch
einen Akt des Widerstandes. Ein Arbeitgeber soll-
te auftretendes Cyberslacking daher durchaus als
Warnhinweis verstehen, dass die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter Arbeitszeit anderweitig verwen-
den, aber in Folge nicht per se als etwas unbedingt
Vermeidbares betrachten.
Cyberslacking mag zwar zu Leistungseinbu-
ßen führen, aber es ist nicht oder selten klar, was
bei nicht auftretendem Cyberslacking die Folge
gewesen wäre. Daher ist eine grundsätzliche Stig-
matisierung – gerade im Hinblick auf die hier vor-
liegenden Studienergebnisse nicht ratsam. Zu
empfehlen wäre eine Analyse der Hintergründe
oder Begleitumstände des Verhaltens im Unterneh-
men, um entweder etwaige Missstände (zu wenig
Autonomie, zu hohe Belastungen) zu erkennen und
ihnen entgegenzusteuern oder die Akzeptanz von
Cyberslacking im Sinne einer Coping-Strategie des
Personals oen zu akzeptieren.
Limitationen
und Forschungsausblick
Es wurde im Zuge der Studie deutlich, dass Telear-
beit, Cyberslacking und innehabende Führungspo-
sition miteinander konfundieren und ein vertiefen-
der Blick auf diese Zusammenhänge für Forschung
und Praxis wichtige Erkenntnisse über Wirkungs-
weisen und Zusammenhänge bringen könnte. Die
großen Überschneidungsmengen in der Stichpro-
be zwischen Führungspersonen, Telearbeitenden
und Cyberslackern stellt auch eine Limitation dieser
Studie dar, eine dierenziertere Stichprobenzie-
hung unter Bedacht auf Dierenzierung in diesen
Merkmalen wäre wünschenswert, um Eekte exak-
ter voneinander abzugrenzen.
Da es sich in der vorliegenden Arbeit um eine
Querschnittsstudie handelt, können auch kei-
ne Aussagen über mögliche Kausalzusammen-
hänge getroen werden. Eine Betrachtung im
Längsschnitt erscheint dahingehend sinnvoll, um
Wirkrichtungen genauer bestimmen zu können.
Für zukünftige Forschungsvorhaben zu Cyber-
slacking im Kontext von Life-Domain-Konikten
und Telearbeit bieten sich weitere Kontrollvariab-
len an, wie die bereits erwähnte Autonomie in der
Arbeitsgestaltung, die Freiwilligkeit von und Zufrie-
denheit mit Telearbeitsarrangements sowie eine
dierenzierte Betrachtung der Koniktarten sowie
der unterschiedlichen Facetten von Cyberslacking.
Anstelle von Wohlbenden würde auch die Arbeits-
zufriedenheit oder die Absicht die Arbeitsstelle zu
wechseln eine denkbare abhängige Variable dar-
stellen.
Unabhängig von Telearbeit, wäre es interessant
sich Cyberslacking als mögliche Coping-Strategie
bei (zu) hoher Arbeitsbelastung anzusehen. Wie be-
reits angesprochen, könnte Cyberslacking als Erho-
lungsmaßnahme hier die nötigen Pausen ersetzen.
Zu beachten ist auch, dass moderne Technologien
und neue Medien im regulären Arbeitsprozess an
Bedeutung gewinnen und in Folge eine Trennung
von arbeitsrelevanter Medien- und Technologien-
nutzung von der privaten Nutzung während der
Arbeitszeit immer schwieriger wird.
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fabiola.gattringer@jku.at
Johannes Kepler
Universität Linz
Institut für Pädagogik
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Altenbergerstraße 69
A-4040 Linz
Prof. Dr. Bernad Batinic
bernad.batinic@jku.at
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An examination of the literature on conflict between work and family roles suggests that work-family conflict exists when: (a) time devoted to the requirements of one role makes it difficult to fulfill requirements of another; (b) strain from participation in one role makes it difficult to fulfill requirements of another; and (c) specific behaviors required by one role make it difficult to fulfill the requirements of another. A model of work-family conflict is proposed, and a series of research propositions is presented.
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Telecommuting has become an increasingly popular work mode that has generated significant interest from scholars and practitioners alike. With recent advances in technology that enable mobile connections at ever-affordable rates, working away from the office as a telecommuter has become increasingly available to many workers around the world. Since the term telecommuting was first coined in the 1970s, scholars and practitioners have debated the merits of working away from the office, as it represents a fundamental shift in how organizations have historically done business. Complicating efforts to truly understand the implications of telecommuting have been the widely varying definitions and conceptualizations of telecommuting and the diverse fields in which research has taken place. Our objective in this article is to review existing research on telecommuting in an effort to better understand what we as a scientific community know about telecommuting and its implications. In so doing, we aim to bring to the surface some of the intricacies associated with telecommuting research so that we may shed insights into the debate regarding telecommuting’s benefits and drawbacks. We attempt to sift through the divergent and at times conflicting literature to develop an overall sense of the status of our scientific findings, in an effort to identify not only what we know and what we think we know about telecommuting, but also what we must yet learn to fully understand this increasingly important work mode. After a brief review of the history of telecommuting and its prevalence, we begin by discussing the definitional challenges inherent within existing literature and offer a comprehensive definition of telecommuting rooted in existing research. Our review starts by highlighting the need to interpret existing findings with an understanding of how the extent of telecommuting practiced by participants in a study is likely to alter conclusions that may be drawn. We then review telecommuting’s implications for employees’ work-family issues, attitudes, and work outcomes, including job satisfaction, organizational commitment and identification, stress, performance, wages, withdrawal behaviors, and firm-level metrics. Our article continues by discussing research findings concerning salient contextual issues that might influence or alter the impact of telecommuting, including the nature of the work performed while telecommuting, interpersonal processes such as knowledge sharing and innovation, and additional considerations that include motives for telecommuting such as family responsibilities. We also cover organizational culture and support that may shape the telecommuting experience, after which we discuss the community and societal effects of telecommuting, including its effects on traffic and emissions, business continuity, and work opportunities, as well as the potential impact on societal ties. Selected examples of telecommuting legislation and policies are also provided in an effort to inform readers regarding the status of the national debate and its legislative implications. Our synthesis concludes by offering recommendations for telecommuting research and practice that aim to improve the quality of data on telecommuting as well as identify areas of research in need of development.
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Despite enormous productivity increases during recent decades, it has been claimed that workers' engagement in non-work-related activities severely damages companies' productivity development. Currently, personal Internet usage seems to be the most upsetting of these activities. There is a widespread notion among management-friendly researchers, employers, and the media that all non-work-related activities are deviant and should be defeated at all costs. This conceptual article gives an overview of the organisational behaviour literature dealing with non-work-related activities at work. The prohibitive approach is both inconsistent and in practice unenforceable. This is especially true since an increasing proportion of today's private Internet usage at work is carried out by employees using their private smartphones, a fact that has not been considered in previous research. This article contrasts theories and ideas that private Internet usage at work is deviant with theoretical overviews arguing that non-work-related activities are an expression of normal action and behaviour, which can be explained with the help of both work-life balance theory and theories on resistance.
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Telework arrangements include a suite of options that workplaces provide to meet the growing demand for greater work flexibility and as a strategy to promote work–family balance. However, there has been minimal research comparing formal versus informal telework arrangements, and how they might support employees to manage the competing demands of work and family life. In this paper, we examine how formal and informal telework arrangements impact on public sector employees' job satisfaction, time spent on childcare, and satisfaction with the distribution of childcare tasks. We use survey data from public service employees who had access to telework entitlements in Queensland, Australia (n=856). Our analyses showed that formal and informal telework arrangements provide different outcomes to employed women and men with children, particularly in the areas of job satisfaction and satisfaction with the distribution of childcare tasks. These distinctions suggest that it is important for workplaces to consider how the type of telework arrangement offered can affect how successfully and equitably work–family outcomes are achieved.
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While most people work ever-longer hours, international statistics suggest that the average time spent on non-work activities per employee is around two hours a day. How is this possible, and what are the reasons behind employees withdrawing from work? In this thought-provoking book, Roland Paulsen examines organizational misbehavior, specifically the phenomenon of ’empty labor’, defined as the time during which employees engage in private activities during the working day. This study explores a variety of explanations, from under-employment to workplace resistance. Building on a rich selection of interview material and extensive empirical research, it uses both qualitative and quantitative data to present a concrete analysis of the different ways empty labor unfolds in the modern workplace. This book offers new perspectives on subjectivity, rationality and work simulation and will be of particular interest to academic researchers and graduate students in organizational sociology, organization studies, and human resource management.
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This article is about how individuals enact their work and home environments to create balance, by communicating with family about work and with work associates about family. Three themes of this type of communication are identified from interviews and a focus group. Questionnaire data from a sample of 179 individuals who work and have family responsibilities are used to examine factors that influence the amount of communication and the effect of communication on work/family balance. Results show that communication with family about work and communication at work about family varies depending on the permeability of the work and home borders. Individuals who engage in these types of communication show greater work satisfaction, higher work functioning, higher satisfaction with home and family activities, and have more functional families. Este artículo se trata de cómo, por mediación de la comunicación con la familia sobre asuntos de trabajo y con colegas sobre asuntos familiares, se puede manejar el ambiente laboral y el ambiente del hogar para crear un equilibrio entre los dos. Se utilizaron entrevistas y un grupo de enfoque para identificar tres temas de este tipo de comunicación. Se emplean datos de una muestra de 179 individuos con responsabilidades laborales y familiares para examinar factores que influyen en la cantidad de comunicación y el efecto de comunicación en el equilibrio laboral/familiar. Los resultados indican que la comunicación con la familia sobre el trabajo, y la comunicación en el trabajo sobre la familia, varían según la permeabilidad de las fronteras entre el trabajo y el hogar. Los individuos que participan en estos tipos de comunicación demuestran niveles mas altos de satisfacción laboral, funcionamiento laboral, satisfacción con actividades familiares/hogareños y tienen familias mas funcionales.
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Non-work-related computing (NWRC) represents a broad research area that attempts to understand the psychology of employee misuse of information resources. In this article, we review studies that have addressed NWRC issues in relation to job dimensions and work outcomes. Current research is matched with the job characteristics model to identify areas that have been studied and those that have not. We find that current research has addressed the interrelationship among NWRC and six job dimensions and three work outcomes. Job feedback and employee motivation, performance, and turnover provide opportunities for future research.
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The landscape of counterproductive workplace behavior is changing with the rapid integration of advanced communication technologies in the modern workforce. Specifically, employers are increasingly allowing employees to spend some work time at home, and to stay connected with the office through communication technologies. These telework arrangements bring about a new form of counterproductive workplace behaviors, namely, cyberslacking. Cyberslacking involves using the Internet for non-work related purposes while on company time. Engaging in cyberslacking might be particularly relevant when working at home because it would be easier to avoid being caught by supervisors and co-workers. The current study examines personality, satisfaction, and perceived performance as antecedents of cyberslacking while working away from the office. Findings from a field study indicate that cyberslacking is positively related to Procrastination, and negatively related to Honesty, Agreeableness, and Conscientiousness. Cyberlacking was also found to be negatively related to both satisfaction and perceived performance while working remotely. The study suggests that personality might be used as an avenue for screening those who may be selected for remote work, or to help develop structures that reduce cyberslacking opportunities for those with personalities that are predisposed to cyberslacking (e.g., closer managerial monitoring of the employee’s daily output).