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Programmieren für Kinder

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Das „Maker Movement“ erlebt derzeit einen großen Aufschwung. Dies liegt einerseits am Aufkommen von FabLabs, Makerspaces und andererseits an immer günstiger werdender Hardware und zunehmender Digitalität innerhalb der Gesellschaft: Do It Yourself – einfach Machen lautet die Devise.
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40 L.A. MULT IMEDIA 2-2016
MINT | INFORMATIK
STEFAN JANISCH | WOLFGANG SLANY | MARTIN EBNER
Programmieren für Kinder
Ein offener Online-Kurs zu Pocket Code startet im Herbst 2016
Das „Maker Movement“ erlebt derzeit einen großen Aufschwung. Dies liegt einerseits
am Aufkommen von FabLabs, Makerspaces und andererseits an immer günstiger
werdender Hardware und zunehmender Digitalität innerhalb der Gesellschaft:
Do It Yourself – einfach Machen lautet die Devise.
Auch in der Kinder- und Jugendarbeit ist diese Be-
wegung mittlerweile angekommen. So wurde die
Veranstaltung „Maker Days for Kids“ die im letzten
Jahr im oberbayrischen Bad Reichenhall stattgefun-
den hat, von rund 70 Kindern besucht. Bei den Ak-
tivitäten rund um 3D Druck, elektronischen Bau-
sätzen, Robotern, virtuelle Realität, Lightpainting
und vielen mehr, zeigten die Kinder großes Inte-
resse (Schön et al, 2016). Daraus entstand schlussen-
dlich auch das erste deutschsprachige Handbuch
(Schön et al, 2016). Das eigene Produkt am Ende in
den Händen zu halten war für viele ein besonde-
rer Ansporn und führte zu strahlenden Gesichtern.
Zusätzlich entsteht durch das vordergründige kre-
ative Gestalten ein geschlechtsneutraler Zugang,
welche sich sehr positiv auf die Stärkung von MINT-
Fächern auswirkt.
Das Endprodukt muss jedoch keineswegs immer
„anfassbar“ sein, so gab es im „DevLap“ auch eine
Station mit Laptops und Fablets, wo die Kinder ei-
gene Programme mit Scratch programmieren konn-
ten. Making bezieht sich somit nicht nur auf „Hard-
ware“, sondern auch im Software-Bereich findet
diese Bewegung Einzug. So gibt es immer mehr Ini-
tiativen und Tools, die es Kindern erlauben erste Er-
fahrungen im Programmieren zu sammeln. Durch
eine einfache und visuelle Benutzeroberfläche kön-
nen sie spielerisch eigene Ideen umsetzen. Eine in-
teressante Möglichkeit um Apps zu kreieren bie-
tet das Tool Pocket Code (edu.catrobat.at). Ähnlich
zu Scratch (https://scratch.mit.edu) ist auch Pocket
Code eine blockbasierte visuelle Programmierspra-
che, mit der man Spiele und interaktive Animati-
onen erstellen kann. Pocket Code ist jedoch als App
Screenshots: M. Ebner
Abb. 1: Teilausschnitt
einer Woche des Online
Kurses „Making“ auf
www.imoox.at.
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Screenshots: M. Ebner
verfügbar und erlaubt damit das Programmieren
somit direkt am Smartphone oder Tablet, ganz ohne
Computer. Da heutzutage ab dem Alter von 10 Jah-
ren Kinder ihr eigenes Smartphone besitzen (Gri-
mus & Ebner, 2014), liegt es nahe dieses auch als
Arbeitsmittel einzusetzen. So erstellte Programme
können sowohl direkt als App gespeichert wer-
den, als auch von anderen Personen heruntergela-
den und auch verändert werden, ganz im Sinne von
Open Education.
„Learning to Code“ – Ein Online-Kurs,
der das Programmieren näher bringt
Obwohl wir mittlerweile in einer zunehmend IT-ba-
sierten Wissensgesellschaft leben, ist Programmie-
ren für viele Kinder noch immer nicht greifbar oder
es bestehen gewisse Vorurteile und Ängste gegen-
über diesem MINT-Fach.
Dabei wird oft vergessen, dass Programmieren
einen hohen Bildungswert hat, da neben der Fä-
higkeit zu programmieren auch das sogenannte
„Computational Thinking“ gefördert wird. „Compu-
tational Thinking“ wird dabei als Problemlösungs-
Kompetenz verstanden, die nicht nur im Bereich
der Informatik eine wichtige Rolle spielt. Durch
das einfache und visuelle Baukasten- oder „Lego“-
Prinzip von Pocket Code, fallen vor allem Probleme,
welche durch den Progammier-Syntax auftreten
einfach weg. Kinder können ohne große Vorkennt-
nisse, sich voll und ganz auf die Umsetzung ihrer ei-
genen kreativen Ideen konzentrieren.
Da dies natürlich nicht ganz ohne Instruktion
möglich ist, wird dazu im Herbst 2016 eine kosten-
loser Online-Kurs zum Thema „Learning to code –
Progammieren mit Pocket Code“ angeboten dessen
Zielgruppe Kinder im Alter von 10-14 Jahren sind.
Dieser Kurs wird auf der MOOC-Plattform iMooX
(www.imoox.at) zur Verfügung gestellt und soll Kin-
dern die Möglichkeit geben, erste kleine Apps sel-
ber zu gestalten. Darüber hinaus kann der Kurs
auch von Lehrerinnen und Lehrern als Material für
den Informatik bzw. Programmierunterricht heran-
gezogen werden.
Mitte Oktober 2016 wird der Online Kurs starten
und über einen Zeitraum von sechs Wochen, den
Schülern das Programmieren mit Pocket Code nä-
herbringen. In jeder Woche wird es ein Video mit
theoretischem Inhalt geben, das die grundlegen-
den Funktionen sowie Tipps und Tricks von Pocket
Code erläutert.
Das Hauptaugenmerk des Kurses wird auf das
„making“ – das eigene Tun und MaJede Übungs-
einheit wird mit „Debugging“-Aufgaben sowie
einem Selbstüberprüfungsquiz abgeschlossen. Die
„Debugging“-Aufgaben geben ein Programm vor,
dass mit einem Fehler versehen ist. Dieser Fehler
soll von den Kindern behoben werden, sodass das
Programm am Ende wieder sinngemäß funktio-
niert.. Der erfolgreiche Abschluss des Kurses wird
schließlich mittels einer Bestätigung oder zertifi-
zierten Badges bescheinigt.
Learning to Code: Programmieren mit Pocket Code
Jederzeit ist die Registrierung auf der Kursplattform und die Anmeldung zum Kurs
möglich (http://imoox.at/wbtmaster/startseite/pcode.html). Wir möchten
ganz besonders Lehrerinnen und Lehrer dazu einladen sich anzumelden um den
Kurs an ihre Schüler weiterzuempfehlen. Falls Sie auch Interesse an Koopera-
tionen haben, schreiben Sie bitte an E-Mail: imoox@tugraz.at
LITERATUR
GRIMUS, M. & EBNER, M. 2014. Learning with Mobile Devices
Perceptions of Students and Teachers at Lower Secondary
Schools in Austria. In Proceedings of World Conference on Edu-
cational Multimedia, Hypermedia and Telecommunications 2014
(pp. 1600-1609). Chesapeake, VA: AACE
SCHÖN, S.; EBNER, M. & REIP, INGRID 2016. Kreative digitale
Arbeit mit Kindern in einer viertägigen offenen Werkstatt. Kon-
zept und Erfahrungen im Projekt „Maker Days for Kids“. Er-
scheint in medienimpulse.
SCHÖN, S., EBNER, M., NARR, K. 2016. Making-Aktivitäten mit
Kindern und Jugendlichen: Handbuch zum kreativen digitalen
Gestalten, Book on Demand, Nordersted
AUTOREN
Stefan Janisch hat den Master in Sportwissenschaft und
absolviert derzeit sein Diplomstudium Informatik und
Sport Lehramt auf der TU Graz bzw. KFU Graz.
Prof. Wolfgang Slany ist tätig am Institut für Softwaretech-
nologie an der Technischen Universität Graz und dort für
die Entwicklung des Pocket Code seit vielen Jahren verant-
wortlich. Im Rahmen des Projekt Catrobat wird die visuelle
Programmiersprache für sämtliche Zielgruppen entwickelt.
Univ.-Doz. Dr. Martin Ebner leitet die Organisationseinheit
Lehr- und Lerntechnologien an der Technischen Univer-
sität Graz und zeichnet sich für alle E-Learning Belange
der Universität verantwortlich. Als solches ist das Thema
Making mit Kindern und Jugendlichen ein wichtiges
Thema für ihn. Mehr können sie auf seinem Weblog nach-
lesen: http://elearningblog.tugraz.at
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