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Offene Bildungsressourcen für das Lernen durch Verantwortung in Schule, Hochschule und Zivilgesellschaft

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Abstract

Die Kombination von Service Learning mit OER stellt eine viel-versprechende Verknüpfung dar: Durch neue Formen des Lernens in Netzwerken und der internetgestützten Kollaboration und Kooperation ermöglichen OER eine zeitliche Flexibilisierung und örtliche Öffnung des Lehrens und Lernens. Service Learning leistet wiederum eine pädagogisch angelegte Verankerung des Lernens in authentisch-situierten Kontexten und betont die soziale Interaktion und zwischenmenschliche Kommunikation.
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Thomas Sporer, Claudia Bremer
Offene Bildungsressourcen für das Lernen durch
Verantwortung in Schule, Hochschule und Zivilgesellschaft
Open Educational Resources (OER) basieren auf dem Engagement von Lehrenden
und Lernenden, die Lernmaterialien und -werkzeuge sowie Lehr-, Projekt-,
Mediennutzungs-, und Prüfungskonzepte nutzen, (weiter-)entwickeln, kombinieren,
und diese Ressourcen unter freier Lizenzierung zur Verfügung stellen. Sie
verkörpern einen Bildungsansatz, der zum einen die Verbesserung des Lehrens und
Lernens zum Ziel hat und zum anderen in der Umsetzung dieses Ziels auf
Partizipation und Mitgestaltung setzt.
Da die OER-Bewegung maßgeblich zu einer zivilgesellschaftlichen Öffnung von
Bildungsinstitutionen beiträgt, ist sie auch für die sogenannte “Civic Education”
von Bedeutung, die darauf abzielt „bei den Mitgliedern der Gesellschaft
zivilgesellschaftliche bzw. demokratische Kompetenzen aufzubauen, die ihr
Handeln beeinflussen und sicher stellen, dass die Zivilgesellschaft und das
demokratische Gesellschaftsmodell in der Praxis funktionieren“ (Frank, 2005, vgl.
auch Sliwka, 2001).
In diesem Zusammenhang etabliert sich aktuell zunehmend ein Ansatz, der als
„Service Learning“ bezeichnet wird (vgl. Baltes, Hofer & Sliwka 2007; Reinders,
2016). Dabei handelt es sich um eine Lehr-/Lernform, die fachliches und über-
fachliches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet und die Werte-
bildung fördert. Beispielsweise engagieren sich Studierende im Rahmen curricular
verankerter Lehrveranstaltungen für gemeinnützige Projekte und arbeiten mit
zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Das Lernen der Studierenden
(“learning”) resultiert dabei zugleich in einem Dienst am Gemeinwohl (“service”).
Der Konnex zwischen Service Learning und OER wird mit Blick auf den Mitmach-
Ansatz der Open-Bewegung deutlich und verbindet die beiden Ansätze
konzeptionell. Doch während sich Service Learning an deutschen Hochschulen
zunehmender Verbreitung erfreut (vgl. Backhaus-Maul & Roth, 2013; Reinders,
2016), steht es bislang in geringem Ausmaß mit OER in Verbindung. Gleichzeitig
stellt gerade die Kombination von Service Learning mit OER eine viel-
versprechende Verknüpfung dar: Durch neue Formen des Lernens in Netzwerken
und der internetgestützten Kollaboration und Kooperation ermöglichen OER eine
zeitliche Flexibilisierung und örtliche Öffnung des Lehrens und Lernens. Service
Learning leistet wiederum eine pädagogisch angelegte Verankerung des Lernens in
authentisch-situierten Kontexten und betont die soziale Interaktion und
Offene Bildungsressourcen für das Lernen durch Verantwortung
in Schule, Hochschule und Zivilgesellschaft
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zwischenmenschliche Kommunikation. Diese Verbindung lässt sich in Szenarien
realisieren, in denen Studierende gemeinsam mit Lehrenden im Rahmen von
Lehrveranstaltungen oder in studentischen Initiativen offene Bildungsressourcen
gestalten, um sie öffentlich und frei zugänglich zu machen (vgl. Dürnberger,
Hofhues & Sporer 2011).
Konkrete Szenarien sind beispielsweise die studentische eLearning-Förderung der
Goethe-Universität Projekte (SeLF), in der Studierende eigenständig Projekte
umsetzen und Bildungsressourcen gestalten, die innerhalb und außerhalb der
Universität zum Einsatz kommen. Auch die studentischen Medienproduktionen im
Rahmen der Ringvorlesung „Medien und Gesellschaft“, in der Lehramtsstudierende
digitale Produkte erstellen, die zum Teil in Schulen zum Einsatz kommen, können
als exemplarische Szenarien herangezogen werden (Bremer 2011).
Für die weitere Entwicklung interessant wäre es vor allem, die unterstützende
Funktion von Service Learning für die Gestaltung und Verbreitung von OER-
Materialien und -Praktiken zu thematisieren und mögliche Ansatzpunkte für
Folgeaktivitäten zu identifizieren. Indem die partizipativen und sinnstiftenden
Aspekte einer „Civic Education“ in der Debatte um OER stärker aufgegriffen
werden, kann ein soziales und kulturelles Innovationspotenzial entstehen. Es kann
die Nutzung und Entwicklung von OER in der Lehrpraxis befördert werden sowie
offene Materialien und Praktiken gemeinsam mit Akteuren aus Schule, Hochschule
und Zivilgesellschaft weiterentwickelt und angewendet werden.
Literatur
Baltes, A.; Hofer, M. & Sliwka, A. (2007). Studierende übernehmen Verantwortung - Service
Learning an deutschen Universitäten. Weinheim/Basel: Beltz.
Backhaus-Maul, H. & Roth, C. (2013). Service Learning an Hochschulen in Deutschland. Ein
empirischer Beitrag zur Vermessung eines jungen Phänomens. Wiesbaden: Springer VS.
Bremer, C. (2011). Studentische E-Learning Projekte in der Hochschule. In: H. Dürnberger,
S. Hofhues & T. Sporer (Hrsg.): Offene Bildungsinitiativen: Fallbeispiele, Erfahrungen
und Zukunftsszenarien. Münster: Waxmann, S. 41-55.
Dürnberger, H.; Hofhues, S.; Sporer, T. (2011) (Hrsg.): Offene Bildungsinitiativen:
Fallbeispiele, Erfahrungen und Zukunftsszenarien. Münster: Waxmann.
Frank, S. (2005). Demokratiebaustein: „Civic education“ - was ist das? Berlin: BLK, S. 11
Reinders, H. (2016). Service Learning Theoretische Überlegungen und empirische Studien
zu Lernen durch Engagement. Weinheim: Beltz.
Sliwka, A. (2001). Demokratie lernen und leben: Gutachten und Empfehlungen. Weinheim:
Freudenberg Stiftung
Chapter
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As we all know the terms sustainability and digitization are often used these days to describe current social challenges from a global perspective. In order to face these challenges, it is clear that we need an efficient and future-oriented education system. The question arises if the challenges in relation to climate change and digitization change these (learning) organizations as well? And, if yes, in what way? As this chapter points out, sustainability can be regarded as a trigger for an extensive organizational development focusing on ecological, economic (e.g. regarding learning outcomes and assessment) and social aspects. As a consequence, the social structure of the various actors in educational organizations as well as the way in which they interact with each other may/will change as well. In addition to that, climate change and digitization are both so-called wicked problems as there is neither a single solution nor a stringent strategy on how to cope with them.
Chapter
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This concluding chapter takes a summarizing look at the contributions of the anthology, guided by two overarching questions: What dimensions are involved in the digital transformation of learning organizations? Which design perspectives can be used for digital transformation in learning organizations? In conclusion, this chapter leads back to the starting point of the anthology: the project #ko.vernetzt and the question of what significance the dimensions and design perspectives of digital transformation have in learning organizations.
Book
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This open access volume provides insight into how organizations change through the adoption of digital technologies. Opportunities and challenges for individuals as well as the organization are addressed. It features four major themes: 1. Current research exploring the theoretical underpinnings of digital transformation of organizations. 2. Insights into available digital technologies as well as organizational requirements for technology adoption. 3. Issues and challenges for designing and implementing digital transformation in learning organizations. 4. Case studies, empirical research findings, and examples from organizations which successfully adopted digital workplace learning.
Article
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Die Idee der „Third Mission“ im tertiären Bildungsbereich gewinnt an Bedeutung. Im Kern umfasst dies die stärkere und unmittelbarere Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch Hochschulen. Zur Übernahme dieser Aufgabe hat sich das didaktische Konzept Service Learning als Form problembasierten, sozial-konstruktiven, reflektierten Arbeitens an Projekten etabliert, bei dem sich Studierende und außerhochschulische Kooperationspartner mit einem realen, zivilgesellschaftlichen Problem auseinandersetzen. Der Beitrag beschreibt ausgehend von Service Learning als Konzept zur Stärkung gesellschaftlicher Verantwortung die ersten Versuche der Pädagogischen Hochschule Wien in zwei Anwendungsfeldern.
Chapter
Mit Förderung durch mehrwert – Agentur für Soziales Lernen gGmbH (Stuttgart) konnte im Rahmen des Programms „Do it!“ der Robert Bosch Stiftung erstmals eine empirische Untersuchung zum Stand der Entwicklung von Service Learning an Hochschulen in Deutschland durchgeführt werden, die auf einer quantitativen Online-Befragung aller Hochschulen in Deutschland und ergänzenden qualitativen Fallstudien basiert.
Article
"Civic education", ein Begriff aus dem angelsächsischen Raum, heißt wörtlich übersetzt zivilgesellschaftliche Bildung oder auch Bürger/-innenbildung. "Civic Education" hat zum Ziel, bei den Mitgliedern der Gesellschaft zivilgesellschaftliche bzw. demokratische Kompetenzen aufzubauen, die ihr Handeln beeinflussen und sicher stellen, dass die Zivilgesellschaft und das demokratische Gesellschaftsmodell in der Praxis funktionieren. Der Text erläutert die Grundzüge von "civic education" und, warum das Konzept in einem demokratischen Staat notwendig ist.
Demokratie lernen und leben: Gutachten und Empfehlungen
  • A Sliwka
Sliwka, A. (2001). Demokratie lernen und leben: Gutachten und Empfehlungen. Weinheim: Freudenberg Stiftung
Studentische E-Learning Projekte in der Hochschule
  • C Bremer
Bremer, C. (2011). Studentische E-Learning Projekte in der Hochschule. In: H. Dürnberger, S. Hofhues & T. Sporer (Hrsg.): Offene Bildungsinitiativen: Fallbeispiele, Erfahrungen und Zukunftsszenarien. Münster: Waxmann, S. 41-55.
Service Learning an Hochschulen in Deutschland. Ein empirischer Beitrag zur Vermessung eines jungen Phänomens
  • H Backhaus-Maul
  • C Roth
Backhaus-Maul, H. & Roth, C. (2013). Service Learning an Hochschulen in Deutschland. Ein empirischer Beitrag zur Vermessung eines jungen Phänomens. Wiesbaden: Springer VS.