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Strukturelle Möglichkeiten und Grenzen von Medien-und Journalismusethik

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Abstract

Diesen Ausführungen liegen außer kommunikations- auch organisationswissenschaftliche, system- und regelungstheoretische Annahmen als Bezugsrahmen zugrunder. Einer solchen Fundierung bedarf es, sollen die Konstituenten von Medien-und Journalismusethik, d.h. der Verpflichtung des Medien- und Journalismushandelns auf sittlichen Prinzipien, nicht einmal mehr unter Verbandsrhetorik und sonstigen Leerformeln zugeschüttet werden. Zu diesen Konstituenten gehören nämlich ebenso bestimmte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, unter denen sich eine solche Ethik realisieren soll, wie die Medien-Organisationsrationalität und journalistische Routinen als ethikrelevante organisatorische bzw. berufskulturelle Strukturen. In diesen realisiert sich eine solche Ethik gemäß Regelhaftigkeiten der moralischen Selbstverpflichtung, wie sie eben von der Organisationswissenschaft und der Regelungstheorie erkannt worden sind. Nichts ist ja der wissenschaftlichen Erhellung von Medien und Journalisten abträglicher, als wenn diese isoliert betrachtet werden, als Sonderfall, wie sie sich selber gerne sehen, statt im Vergleich mit anderen Organisationen und Berufen. Und nur auf dieser Basis ist eine sachgerechte Abschätzung der Möglichkeiten und Grenzen ethischer Selbstverpflichtung von Journalisten und Medien überhaupt möglich.

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... Die Verantwortung der Redaktion und der Medienunter- nehmung wird, gemäß dieser Forschungsliteratur, kaum angesprochen und konkretisiert. Gestützt auf grundlegende Erkenntnisse zu redaktionellen Arbeits- abläufen und begrenzten Handlungsspielräumen einzelner Journalisten machen Medienethiker deutlich, dass hier Regelungslücken bestehen und die berufsethi- schen Normen eine gestufte Verantwortung zu Grunde legen müssten (Altmeppen & Arnold, 2010, S. 333-334;Esser, 1998, S. 31-37, 235-237;Saxer, 1992;Thomaß, 2016, S. 540-543). Verantwortung setzt Handlungsfreiheit und Handlungs- alternativen voraus (Debatin, 2005, S. 114-115). ...
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The current crisis in journalism and the ongoing commercialisation of the media have not only led to cutbacks in human resources but have given rise to concerns about freedom of reporting. International studies indicate that journalists’ working conditions have deteriorated and that economic interests are threatening journalistic autonomy. When it comes to covering stories about media policy issues or the parent media organisation or advertising clients, the selection and presentation of news is often not primarily guided by professional norms but by commercial considerations. Most studies only investigate one of these three areas of media coverage. For that reason, results cannot easily be compared across these areas. In light of growing commercialisation, there is thus a need for studies that comprise all three areas and contribute current data. Such results provide a basis for discussions on whether journalism fulfils society’s expectations regarding the independence and accuracy of news coverage. They also enable debates about whether instruments of self-regulation prove to be sufficient. National codes of ethics as the basic instrument of self-regulation are often viewed critically and seen as being barely effective. However, thorough analyses of press codes as well as discussions in light of particular ethical questions and empirical data are scarce in literature. Hence, taking the case of Switzerland, we first present the results of a standardised survey of journalists (N = 993) about working conditions and economic threats to their freedom of reporting. On this basis, we then conducted a document analysis to clarify to what extent the Swiss press code offers guidelines concerning the identified problems and provides journalists with suggestions for dealing with ethical conflicts. Moreover, ethics codes of ten other countries were analysed in a comparative perspective. The survey of Swiss journalists reveals that essential resources for researching and producing reports are quite limited. Moreover, autonomy is considerably limited in all three investigated areas of media coverage. In the view of Swiss journalists, these problems have become slightly aggravated in the last five years. As the analysis of the Swiss press code shows, the responsibility for good journalism is almost entirely delegated to individual journalists. Conflicts between ethical standards and the economic interests of the media company they work for are barely addressed. Claims concerning journalistic independence and required resources are mainly formulated in general and even conflicting terms. Thus, media self-regulation in Switzerland falls short to meet current challenges – but could be improved by guidelines that already are incorporated in the US as well as in other European codes of ethics.
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Journalisten orientieren sich bei der Reduktion von Komplexität an Strategien, die in der Journalismusforschung als Berichterstattungsmuster bezeichnet werden: zum Beispiel Objektive Berichterstattung oder Investigativer, Interpretativer oder Erzählerischer Journalismus. Berichterstattungsmuster unterscheiden sich im Bezug zur Wirklichkeit, indem sie unterschiedliche Themen aufgreifen und diese jeweils anders bearbeiten. Sie haben verschiedene Intentionen und Qualitätsvorstellungen – und sie sind zu einem Teil der persönlichen Einstellung der Journalisten, der redaktionellen Routinen und der allgemeinen Berufskultur geworden. Berichterstattungsmuster sind seit 35 Jahren ein randständiges Thema der Journalismusforschung, aber ein wichtiges Kapitel in allen Lehrbüchern und damit der Kanonisierung des Faches. Für diesen Beitrag wurden Berichterstattungsmuster erstmals mit einer qualitativen Inhaltsanalyse systematisch kategorisiert: Acht Hauptmuster differenzieren sich in elf Subkategorien, in die sich auch neue Berichterstattungsmuster wie Datenjournalismus, Konstruktiver, Konfliktsensitiver oder Fact-Checking-Journalismus einfügen.
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Nähe, Privatisierung des Öffentlichen, zerstörte Ordnungskonzepte, Skandalisierungen, Personalisierung und Selbstreferentialität — sie können sich als Fallstricke beim Versuch eines guten journalistischen Handelns entpuppen. Auf einige dieser Quellen des normativen Fehlverhaltens — es gibt freilich noch weitere — stossen die meisten Medienschaffenden im Verlaufe ihres Berufslebens; denken wir etwa zurück an Kisch und dessen Reportageeinsatz am Mühlefeuer.
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Öffentliche Kommunikation findet in einem hochgradig normativen Kontext statt. Rechts- und Berufsnormen stellen dabei neben persönlichen Werten die wesentlichen Handlungsorientierungen für den Kommunikationspraktiker dar. Anhand einer Analyse der berufsständischen Normen des Journalismus und der PR soll im Folgenden der wechselseitige Bezug von Rechts- und Sozialnormen im Bereich der öffentlichen Kommunikation herausgearbeitet werden.
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Medienethik hat Konjunktur. Die Ursachen für den vielfach festgestellten ‘Ethikbedarf’ im Medienbereich (vgl. Haller/Holzhey 1992) dürften vor allem in der Beschleunigung und in der Beliebigkeit der medialen Informationsflüsse, im schwindenden Vertrauen in die Glaubwürdigkeit und Verbindlichkeit der angebotenen Informationen und im rasanten Komplexitätszuwachs des Mediensystems zu suchen sein. Angesichts von zunehmender Ausdifferenzierung und Unübersicht-lichkeit des Massenkommunikationssystems soll also nun Medienethik Orientierung für Medienschaffende wie für Rezipienten bieten und zugleich als normative Selbstregulation des Mediensystems unter der Prämisse sozialer Verantwortung (vgl. Day 1997: 34–48) wirksam werden.
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Der Diskurs zur Ethik im Journalismus in den Untersuchungsländern Frankreich, Großbritannien und Deutschland wurde auf den Diskursebenen Wissenschaft, Ausbildungsinstitutionen und Berufsorganisationen untersucht. Alle drei Ebenen wurden daraufhin analysiert, welche Problembeschreibungen dort zu den ethischen Standards im jeweiligen Land gegeben werden, welche Ursachenanalyse für wahrgenommene Fehlleistungen und Mißstände bemüht werden, und welche Lösungsansätze gesehen und präferiert werden. Während sich in Frankreich und Deutschland ein breiter Diskurs mit einer großen Übereinstimmung der Topoi auf den drei Ebenen entfaltet hat, wird der Diskurs in Großbritannien stark verengt und mit erheblichen Abweichungen auf den drei Diskursebenen geführt.
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Unter Information soll im folgenden „der Gehalt einer Nachricht“ verstanden werden.110 Damit ist das durch eine Mitteilung vermittelte Wissen gemeint. Diese Definition ist zum einen von der allgemeineren Bedeutung „Mitteilung“ zu unterscheiden. Zum anderen ist sie von spezielleren Bedeutungen zu unterscheiden, wonach Information eine Eigenschaft von vermitteltem Wissen meint wie z.B. „neu“ oder „nützlich“.111
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Eine Gewinn- und Verlustbilanz des Medien-Jahres 1997 ruft rückblickend in verschiedener Hinsicht ambivalente Interpretationen hervor. Mit dem Tod Lady Diana Spencers am 31. August begann eine Hochphase der gefühls- und kaufkraftbindenden Berichterstattung und gleichzeitig ein Besinnungsintermezzo der besonderen Art. Selten zuvor wurden die Medien so deutlich für das Handeln ihrer Akteure (in diesem Falle der Fotojournalisten) gescholten, selten zuvor hat es ein derart umfassendes Mea Culpa der Medienbranche gegeben, und selten zuvor kam ein Rückblick auf das Geschehen zu einer so von ersten Einschätzungen abweichenden Bewertung, wie dies beim „Tod auf dem Boulevard“ der Fall war.
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In der Theorie sozialer Systeme werden Ethik und Moral ‚theoriebautechnisch‘ an sekundärer Stelle eingeführt. Damit ist keine Abwertung ihrer Relevanz gemeint, sondern dass funktionale Aspekte den ethischen, moralischen, praktischen Aspekten vorgelagert sind (vgl. Luhmann 2008b: 153ff.), sodass die Systemtheorie selbst keine Ethik entwirft (vgl. Luhmann 2008g: 271). Vielmehr gibt sie die systemischen Bedingungen an, unter denen Moral ihre Geltung hat; sie beobachtet, wie Ethik und Moral in der Gesellschaft kommunikativ gehandhabt werden. Demzufolge kann Ethik, wenn sie systemtheoretisch betrieben wird, Moral nicht begründen, sondern nur die in der Gesellschaft empirisch vorfindbare und praktizierte Moral reflektieren (vgl. ebd.: 272). Man kann an einigen Stellen sogar den Eindruck gewinnen, dass Luhmann geradezu ethik- und moralfeindlich argumentiert, wenn er vor den Gefahren moralischer Kommunikation warnt (vgl. Luhmann 2008f: 266; 2008i: 371) oder den Geltungsbereich von Moral in der Gesellschaft stark relativiert (vgl. Luhmann 2008c: 174; 2008d: 186.).
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Über die Ethik journalistischen Handelns gibt es nicht erst in unseren Tagen unterschiedliche Ansichten. Vielmehr sind beispielsweise Fragen der vermeintlichen ‚Objektivität‘ journalistischer Berichterstattung und der Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen seit je her Gegenstand kontroverser Erörterungen. Exemplarisch lässt sich das in einem Disput zwischen Egon Erwin Kisch und Kurt Tucholsky nachlesen.
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Wer wissenschaftliche Analysen und praktische Anleitungen zur journalistischen Ethik im deutschsprachigen Raum nach der Relevanz der Redaktion als Institution der Medienethik durchsucht, der wird nur punktuell oder mit einigem Interpretationswillen fündig. Reflexionen von Verantwortung im Journalismus thematisieren in der Regel vier Bereiche: das Individuum Journalist, die Profession aller Journalisten, das Publikum und das sozialen System Journalismus bzw. Massenkommunikation mit all seinen komplexen Zusammenhängen und strukturellen Möglichkeiten und Grenzen – inklusive einer Organisations- oder Unternehmensethik.
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Reveals that some respondents to a survey concerning attitudes toward ethics view ethical problems as involving objectivity, while others see them in terms of extra-professional morality. (FL)
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Catalogs various internal constraints under which many public relations practitioners work, including constraints on (1) access to management; (2) information collection; (3) dissemination of timely, accurate information; and (4) the public relations mission. Reports that most practitioners see organizational constraints as more of a problem for other public relations persons than for themselves. (MM)
The exception proves the rule. The study of routine new practices
  • Gaye Tuchman
Wertewandel und Information Thesen zur Paneldiskussion anläßlich der 91. ordentlichen Generalversammlung des Schweizerischen Verbandes des Zeitungs-und Zeitschriftenverleger am 23
  • Mathias Hans Kepplinger
Alber-Broschur Kommunikation
  • Wolfgang Donsbach
Lokalradios in der Schweiz
  • Ulrich Saxer
Wie objektiv können Journalisten sein?Hrsg.), a.a.O., S. 215f.; Christian Perzl: Die Notwendigkeit einer kritisch-rationalen, journalistischen Berufsethik in demokratisch-pluralistischen Gesellschaftsordnungen unter systemisch bedingtem, überlebensorientiertem Problemlösungsdruck. Diss
  • Günter Bentele Lutz
  • Erbring
Investigativer Journalismus und ‘kapitalistischer Realismus
  • Siegfried Vgl
  • Weischenberg
Television and Print Ethics: Different Strokes? Journalism Ethics: Why Change?
  • Edward Bassett
Sie wurde vom schweizerischen Verband der Zeitungs-und Zeitschriftenverleger immerhin als so akut empfunden
  • E Eine Gewisse Glaubwürdigkeitskrise Der Schweizerischen Presse Zeichnete Sich Im Zusammenhang Mit Dem Rücktritt Von Bundesrätin
  • Kopp Ab
Ethics in Public Relations oder pr magazin
  • Z B Vgl
  • Das Sonderheft
  • Sommer
Spürhund und Missionar Eine vergleichende Untersuchung über Berufsethik und Aufgabenverständnis britischer und deutscher Journalisten Siegfried Weischenberg: Der enttarnte Elefant Journalismus in der Bundesrepublik-und die Forschung, die sich ihm widmet, in: Media Perspektiven
  • Renate Köcher
Wie objektiv können Journalisten sein?
  • Günter Bentele
Massenmedien und Kernenergie Journalistische Berichterstattung über ein komplexes, zur Entscheidung anstehendes, polarisiertes Thema
  • Ulrich Saxer
Journalistische Ethik-eine Chimäre?
  • Ulrich Saxer
Journalism Ethics: Why Change?
  • Edward Bassett
Ethik der Kommunikation. Arbeiten aus dem Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Freiburg (Schweiz), Reihe Werkpapiere 17
  • Ulrich Saxer
Zeitschrift für Evangelische Ethik 30
  • Journalismusethik Konstituenten Einer Medien-Und
Politik und Kommunikation. Festgabe für Franz Ronneberger zum 65
  • Manfred Rühl
Siegfried Weischenberg: Der enttarnte Elefant
  • Renate Köcher
Objektivität und Glaubwürdigkeit von Medien. Eine theoretische und empirische Studie zum Verhältnis von Realität und Medienrealität
  • Günter Vgl
  • Bentele
Thesen zur Paneldiskussion anläßlich der 91. ordentlichen Generalversammlung des Schweizerischen Verbandes des Zeitungs-und Zeitschriftenverleger am 23
  • Hans Mathias