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Konzeptualisierung psychosozialer Beratungskompetenz

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Konzeptualisierung psychosozialer Beratungskompetenz

Abstract

Die Struktur psychosozialer Beratungskompetenz als Grundlage professionellen Handelns ist Gegen-stand anhaltender Diskussionen. Neben professionalisierungstheoretischen Problemen, z.B. bezüglich der Gewichtung von Beratungsbeziehung und Techniken/Methoden, werden hier auch Fragen der (Aus)bildung psychosozialer Fachkräfte virulent. Die vorliegende Studie leistet einen Beitrag zu einer empirisch informierten Perspektive hinsichtlich der Konzeptualisierung psychosozialer Beratungskompetenz in frühen Expertisestadien.
Konzeptualisierung psychosozialer
Beratungskompetenz
Marc Weinhardt
Evangelische Hochschule Darmstadt | Fachbereich A | marc.weinhardt@eh-darmstadt.de
Einleitung & Fragestellung
Die Struktur psychosozialer Beratungskompetenz als Grundlage professionellen Handelns ist Gegen-
stand anhaltender Diskussionen. Neben professionalisierungstheoretischen Problemen, z.B. bezüglich
der Gewichtung von Beratungsbeziehung und Techniken/Methoden, werden hier auch Fragen der
(Aus)bildung psychosozialer Fachkräfte virulent.
Die vorliegende Studie leistet einen Beitrag zu einer empirisch informierten Perspektive hinsichtlich
der Konzeptualisierung psychosozialer Beratungskompetenz in frühen Expertisestadien.
Methode
Daten aus n=206 videographierten Beratungserstgesprächen unterschiedlich vorerfahrener Student-
Innen der Sozialpädagogik (Semester 1 bis 12) wurden mit der TBKS (Tübinger Beratungskompetenz-
Skala, Weinhardt 2014, Bauer/Weinhardt 2014) erfasst. Die 6 von der TBKS erfassten Merkmale sind
Interesse & Anerkennung zeigen (IAZ), therapeutische Beziehung entwickeln (BEZ), Problem
explorieren (EXP), Sitzung vertiefen (VER), Veränderungen initiieren (INT) und Sitzung strukturieren
(STR). Drei aus der Beratungstheorie und Professionsforschung abstrahierte Konzepte von Beratungs-
kompetenz wurden in Strukturgleichungsmodelle übersetzt und miteinander verglichen: Ein ein-
faktorielles Konstrukt von Beratungskompetenz (BK, Modell 1, Abb. 1), ein zweifaktorielles Konstrukt,
das Beziehungsgestaltung (IAB) sowie Techniken /Methoden (TM) als unabhängig konzipiert (Modell
2, Abb. 2) sowie ein Nested-Faktormodell (Modell 3, Abb. 3), das Techniken und Methoden (TM) als
additive Funktion einer allgemeine Fähigkeit zur Gestaltung einer funktionalen Beratungsbeziehung
(IAB) darstellt.
Ergebnisse
Die Modelle wurden entlang gängiger Fit-Indizes (Hu/Bentler 1999) miteinander verglichen. Das
Nested-Faktormodell passt mit deutlichem Abstand am besten auf die Daten (Tab. 1) und weist
einen sehr guten Fit auf.
Dieses Ergebnis kann für psychosoziale Beratung inhaltlich stimmig gedeutet zu werden. So ist es
z.B. theoriekonform zu Ergebnissen aus der ‚Common Factor-Psychotherapieforschung sowie zu
programmatischen Beratungsentwürfen (Vossler 2014), die ein allgemeines Konstrukt gelingender
Beziehungsgestaltung und darauf aufbauend Techniken und Methoden postulieren, die in Modell 3
dann präzise als TM bestimmt werden können. Ein solches Modell kann auch die gut belegte Wirk-
samkeit mancher Laien und BeratungsnovizInnen schlüssig erklären (Strasser 2006), bei denen (z.B.
aufgrund günstiger biographischer und persönlicher Voraussetzungen) IAB stark, TM aber durch das
Fehlen einer Beratungsausbildung schwach ausgeprägt ist, und die deshalb in komplexen Fällen an
typische Grenzen geraten, die sich qualitativ als ‚freundliches Scheitern‘ oder ‚friedliche Stagnation‘
beschreiben lassen.
In weiteren Studien soll überprüft werden, ob sich die gefundene Struktur replizieren lässt und sich
Differenzen zu den vorliegenden Ergebnissen zeigen, wenn zunehmend auch weiter fortgeschritte-
ne BeraterInnen in die Studie eingeschlossen werden.
Literatur
Bauer, P. & Weinhardt, M. (2014): Die Entwicklung von Beratungskompetenz an der Hochschule. In S. Faas, P. Bauer & R. Treptow (Hg.), Kompetenz, Performanz und soziale Teilhabe. (S. 85-101). Wiesbaden: VS-Verlag.
Hu, L. T., & Bentler, P. M. (1999): Cutoff criteria for fit indexes in covariance structure analysis: Conventional criteria versus new alternatives. Structural Equation Modeling: A Multidisciplinary Journal, 6(1), 1-55.
Strasser, Josef (2006): Erfahrung und Wissen in der Beratung. Theoretische und empirische Analysen zum Entstehen professionellen Wissens in der Erziehungsberatung. Göttingen: Cullivier.
Vossler, Andreas (2014): Beratungs- und Therapieforschung im Überblick. In: P. Bauer & M. Weinhardt (Hg.): Perspektiven sozialpädagogischer Beratung. Empirische Befunde und aktuelle Entwicklungen. Weinheim: Beltz.
Weinhardt, M. (2014): Kompetenzentwicklung in der Beratung am Beispiel von Studierenden der Erziehungswissenschaft. In P. Bauer & M. Weinhardt (Hrsg.), Perspektiven sozialpädagogischer Beratung. Empirische Befunde und aktuelle Entwicklungen (S. 214231). Weinheim: Beltz.
Weinhardt, M. (2013): Methodenkompetenzerwerb im Studium? Chancen und Grenzen der Methodenausbildung an der Hochschule am Beispiel psychosozialer Beratung. Sozialmagazin, 11/12, 9.
Abb. 1: Modell 1
Abb. 2: Modell 2
Abb. 3: Modell 3
Modell 1
Modell 2
Modell 3
χ2/DF= 8,66,p=,00
CFI=,93
RMSEA=,19
SRMR = ,0416
χ2/DF=4,07,p=,02
CFI=.97
RMSEA=,12
SRMR = ,0289
χ2/DF=1,16, p=,128
CFI=,99
RMSEA=,02
SRMR=,0114
Tab. 1: Modellvergleich
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